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Beschreibung von Cod. Guelf. 10 Weiss.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Augustinus, In Iohannis evangelium tractatus 1-23
Entstehungsort: Weißenburg
Entstehungszeit: 9. Jh., 1. Drittel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 162 Bl.
Format: 33 × 25 cm
Seitennummerierung: Neuere Tintenfoliierung.
Lagenstruktur: 20 IV (160). II (162). Lagenbezeichnung in griechischen Zahlzeichen (Lage 1-5), teilweise durch römische Zahlen ergänzt (Lagen 9-16, 18, 19). Verlust der Lagenbezeichnungen aufgrund des Blattbeschnitts (Lagen 6-8, 17, 20).
Seiteneinrichtung: 26 × 20 cm, zweispaltig, 34 Zeilen.
Hände: Karolingische Minuskel von mehreren Händen.
Adallandus-Schule, Haupthand wie in 18 Weiss. (Butzmann Weißenburg, 104, 105.). Adallandus-Gruppe, zugehörig: 10 Weiss., 14 Weiss., 17 Weiss., 18 Weiss., 24 Weiss., 74 Weiss., 13 Weiss., 43 Weiss. , 71 Weiss. (?), 13 Weiss. (?), 67 Weiss. (?), 91 Weiss. und 81 Weiss. (?) (Butzmann Weißenburg, 51-59). Die Kapitula (1v, 2r), der Eintrag AMEN in Majuskeln am Textende (161r) und wahrscheinlich einige der zahlreichen Korrekturen (68v 2 hanc; 70v 2; 80v 2; 136r, Sp. 1 usw. von der Hand Otfrids von Weißenburg (Kleiber Otfrid von Weißenburg, 102, 107). 2rb, Z. 1, Z. 15 Weißenburger Hand, 2. Hälfte 10. Jh. (?); 161v, 162r Gebete und Federproben von Weißenburger Händen, 1. Hälfte 11. Jh. (?) (Hoffmann Schreibschulen Südwesten, 308).
Schrift: Incipit und Textbeginn in Capitalis Monumentalis zeilenweise rot/schwarz wechselnd (2v Textzierseite und 3r mit anschließender Unzialis), Traktatanfänge in roter Capitalis Rustica, Initial- und Satzmajuskeln - teils mit farbig gefüllten Binnenfeldern. 119v Rubrikator- bzw. Maleranweisungen an den Blatträndern. Mehrere Korrektureinträge.
Incipit und Textbeginn in Capitalis Monumentalis zeilenweise rot/schwarz wechselnd (2v Textzierseite und 3r mit anschließender Unzialis), Traktatanfänge in roter Capitalis Rustica, Initial- und Satzmajuskeln - teils mit farbig gefüllten Binnenfeldern. 119v Rubrikator- bzw. Maleranweisungen an den Blatträndern. Mehrere Korrektureinträge.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    10 unverzierte und farbig hinterlegte Initialen. 35 Zierininitialen. Eine historisierte Initiale.
  • Historisierte Initiale:

    3r (I)n principio erat verbum.... Zu Beginn des Textes eine historisierte Initiale (26,0). Auf dem Initialstamm oben aufliegend eine aufgeschlagene Handschrift mit seitlich herabhängenden Schließen (die Bibel). Darauf stehend ein Adler als Evangelistensymbol des Johannes. Über dem Adler, von oben herabragend die Hand Gottes mit seitlich flankierenden Strahlen (am oberen Rand beschnitten).

    Zierinitialen:

    Zu den vorangestellten Evangelienabschnitten unverzierte und farbig hinterlegte Initialen (9v, 10r, 15v, 22v, 29r, 37r, 56r, 62r, 80v; 1,5-4). Die Traktate eingeleitet durch Zierinitialen (2,5-9,5). Es handelt sich um farbig gefüllte Hohlinitialen, wobei die Buchstaben häufig schwarz hinterlegt wurden (besonders bei der Verwendung von Flechtband). Als Füllmotive dienen einfaches Treppenmuster (T-Formen 15v), Flechtband - teils mit Kreis- und Achterschlingen und geädert 3r, 47r, 125v, 140v, 73r, 73v, 109r, 112v, 113r, 119v), Zickzackband (109r, 46v mit Knospeneinsätzen), Ranke mit Spiralfädchen (37v), Seilschlinge mit Äderung (62r, 93v, 119v, 142v), doppelt geführtes Wellenband mit Spiralfädchen (81r), randständige Rechtecke (125r, 142v), Kreise (87r, 140v, 153v), schmetterlingsartige Blütenformen (3r), Kreuzblüten (23r, 68r, 86v, 99v, 100v), 109v, 113r, 134v, 140v, 153v), Schlangen (56r, lappiges Füllmotiv (62r), gegenständige Halbpalmetten (73v, 153v), dreiblättrige Blüten (73v), Vierpaßblüten (99v, 109r, 153v) und Wellen- Palmettenfriese (93v, 94r, 112v, 113r, 134v, 140v). Im Besatz einfach konturierte Halbpalmetten meist mit rückwärts eingerollter Blattspitze (3r, 29v, 37v, 46v, 56r, 62r, 68r, 81r, 86v, 93v, 94r, 99v, 100v, 109r, 109v - flügelartig gegenständig angeordnet, 112v, 119v, 125r, 125v, 134v- als Bogenersatz mit mehreren Blütenständen, 134v, 149v,142v), gestielte, dreiblättrige Blüte (29v), Schnallen (29v, 109r, 140v), Tierköpfe (68r, 86v), Herzblatt (134v), Kleeblatt (134v). Fische mit delphinartigen Köpfen und gelappten Schwänzen als Bogenersatz (68r - ohne Auge, 86v, 87r mit Flossen, 99v mit Schuppen, 109r), als Balken der H-Initiale (93v) und der A-Initiale (119v) oder als Initialstammfüllung (109v). 153v als Cauda-Ersatz ein Vierbeiner (Hund?) mit Vogel im Maul. Als Initialstammendungen einfache Blüten mit einem oder mehreren Fruchtständen (23r, 29v, 37v, 47r, 62r, 81r, 94r, 99v, 100v, 113r, 125r, 142v, 153v), gegabelt (86v), gelappt (142v).
  • Farben:

    Blau, Gelb, Rot, Minium, Braun/silbrig Braun, Rosé. Viele Ornamentelemente ausgespart, d.h. pergamentfarben.
Einband: Hellbrauner Schafsledereinband (1689 - Pertz und Wiedemann/Wolfenbüttel).
Geschichte der Handschrift: Die Handschrift beinhaltet den ersten Teil eines auf drei Bände angelegten Traktates des Augustinus zum Johannesevangelium. Die Aufteilung des Textes auf drei Handschriften ist im frühen 9. Jahrhundert für das Bodenseegebiet durch mehrere erhaltenen Teilbände belegt: Fulda, HLB, Ms. Aa 3, Tract. XXII-LIV (Konstanz (?), 8./9. Jh. (Jakobi-Mirwald Ill. Hss., Kat.Nr. 6); Stuttgart, WLB, HB VII 17, Tract. II,2-XXI,12, Bodenseegebiet, 2. Jahrzehnt 9. Jh. (Burkhart Vorromanische Hss., Kat.Nr. 27); St. Gallen, StiB, Cod. 20, 1. Viertel 9. Jh. (von Euw St. Gallen, Kat.Nr. 41); Karlsruhe, BL, Aug. perg. 76, Tract. I-XXI, Reichenau, 1. Viertel 9. Jh. (von Euw St. Gallen, Kat.Nr. 46). Zusammengehörig mit 18 Weiss. (Tractatus 24-54) wurde die Handschrift paläographisch von Butzmann und Bischoff nach Weißenburg lokalisiert und in das frühe 9. Jahrhundert datiert. Butzmann zählt 10 Weiss. zu den Handschriften der sogenannten Adallandus-Gruppe (14 Weiss., 17 Weiss., 24 Weiss., 43 Weiss. und 81 Weiss.) und erkennt ihre Haupthand ebenfalls in den Handschriften 18 Weiss. und 14 Weiss.. Das in der Handschrift verwendete Ornamentspektrum gliedert sich direkt an die Weißenburger Handschriften aus der Zeit um 800 an, wobei 17 Weiss. mit dem bereits verwendeten Blau und den fehlenden Textzierseiten aus Hohlbuchstaben, die fortschrittlichste und somit die zeitlich nahestehendste ist. Das Füllmotiv der Ranke mit Spiralfädchen auf 37v, findet sich in dem ebenfalls in Weißenburg entstandenen Heidelberger Evangeliebuch des Otfrid von Weißenburg wieder (Heidelberg, UB, Cod. Pal. lat. 52, Weißenburg, um 870, 78r; Lit. Kleiber/Hellgardt). Die für die Handschriften um 800 festgestellten Bezüge zur St. Galler Buchmalerei treten bei 10 Weiss. und 18 Weiss. in den Hintergrund, so ist das sich in St. Gallen in der Wolfcoz-Zeit (816-837) entwickelnde Endgeflecht der Initialstämme und die Verwendung von doppelt gezogenen Abläufen (vgl. Wolfcoz-Psalter, St. Gallen, StiB, Cod. 20; von Euw St. Gallen, Kat.Nr. 33), in der Weißenburger Handschrift nicht zu finden. Allgemeine Übereinstimmung mit Formen der Buchmalerei aus dem Bodenseeraum hingegen bestehen weiterhin (vgl. 14 Weiss.). Eine ähnliche Initialstruktur wie in 10 Weiss., mit gelängten zum Teil stark verdünnten Buchstabenstämmen (vgl. 147v, 100v, 113r) und hakenförmig abgewinkelten Gelenken begegnet in der oben genannten Konstanzer (?) Augustinus-Handschrift (vgl. Jakobi-Mirwald Ill. Hss., Abb. 44 und 45). Desweiteren lassen sich Handschriften aus dem bayerischen Raum zum Vergleich heranziehen (vgl. Grundmuster wie: Seilband, Stufenband, Zickzackband mit oder ohne Knospen, Schlangenband - Zusammenstellung vgl. Bierbrauer Ornamentik, 65). Spezielle motivische Parallelen liegen zu zwei Handschriften aus dem elsässischen Raum vor, dem 1870 verbrannten Rachio-Codex (Straßburg, 788; Homburger Rachio-Kodex) und dem sogenannten Evangeliar aus Schuttern (London, BL, Add. 47673, Schuttern, 1. Drittel 9. Jahrhundert; Bierbrauer Schuttern, 481). Die ältere Handschrift, der 788 entstandene Rachio-Codex, zeigt u.a. ähnlich strukturierte Fische und starke Wellenbänder, während das jüngere Evangeliar aus Schuttern die Nähe zur Weißenburger Handschrift mit seinem entwickelten Flechtband andeutet (vgl. die bei Bierbrauer Ornamentik aufgeführten Motive Abb. 6,2 und 5,4). Die Handschrift ist für den Gebrauch in Weißenburg bestimmt gewesen, und dort auch geblieben, wie es die Einträge Otfrid von Weißenburgs (s.o.) und Weißenburger Hände des 10. und 11. Jahrhunderts belegen.
Provenienz der Handschrift: Kloster Weißenburg, Besitzeintrag. 2r Signaturenbuchstabe .E. (14. Jh.). 2r und 90r Codex monasterii sancti Petri in Wissenburg ordinis sancti Benedicti. Wiener Liste 2° 9.
Inhalt:
  • 1v-2r Capitula 1-23 (Nachtrag, 2. Hälfte 9. Jh.).
  • 2rb Audi benigne conditor (Chevalier, 1451).
  • 2v-161v Augustinus: Tractatus in evangelium Iohannis. Liber 1-23 (PL 35, 1379-1592; CC SL 36, 1-244).
  • 161vb Orationes.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

Becker G. Becker, Catalogi bibliothecarum antiqui, Hildesheim/New York 1885 (Nachdruck Hildesheim/Bonn 1973)
Bibliothèque monastique Bibliothèque monastique (IXe-XIIe s.). Le scriptorium oublié de Wissembourg. Exposition de photos des manuscrits de Wissembourg conservés à la Herzog-august-Bibliothek de Wolfenbüttel (R.F.A.), organisée par la Mission Historique Française en Allemagne et le Cercle d'histoire de l'Alsace du nord avec la collaboration de la Bibliothèque de Wolfenbüttel et de la Société Thierry Alix de Nancy, Wissembourg du 15 septembre au 8 octobre 1991, Wissembourg 1991
Cames G. Cames, Dix siècles d'enluminure en Alsace, Contades 1989
CC SL Corpus Christianorum. Series Latina, Bd. 1–, Turnhout 1954–
Chevalier Repertorium hymnologicum. Catalogue des chants, hymnes, proses, séquences, tropes en usage dans l'église latine depuis les origines jusqu'à nos jours, Bd. 1–6, ed. par U. Chevalier, Louvain u. a. 1892–1921
Grifoni C. Grifoni, Auf Otfrids Spuren in der frühmittelalterlichen Bibliothek Weißenburg, in: Marginalien in Bild und Text. Essays zu mittelalterlichen Handschriften, hrsg. von P. Carmassi und C. Heitzmann, Wiesbaden 2019 (Wolfenbütteler Forschungen, Bd. 156), 79-101
Hellgardt E. Hellgardt, Die exegetischen Quellen von Otfrids Evangelienbuch. Beiträge zur ihrer Ermittlung, Tübingen 1981 (Hermaea; N.F., 41)
Kleiber/Hellgardt W. Kleiber/E. Hellgardt (Hg.), Otfrid von Weißenburg: Evangelienbuch, 2 Bde., Tübingen 2004-2010
Kurz 5/2 R. Kurz, Die handschriftliche Überlieferung der Werke des heiligen Augustinus, Bd. 5/2: Bundesrepublik Deutschland und Westberlin, Verzeichnis nach Bibliotheken, Wien 1979 (Veröffentlichungen der Kommission zur Herausgabe des Corpus der lateinischen Kirchenväter 10 = Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte 350)
Lesne E. Lesne, Histoire de la proprieté ecclésiatique en France, Lille 1938
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Wolfenbüttel Weiss. Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 3: Die Weissenburger Handschriften, beschrieben von O. von Heinemann, in: Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 2 Teil 5, Wolfenbüttel 1903, 268–443

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