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Beschreibung von Cod. Guelf. 18 Weiss.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 11. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)

Augustinus, In Iohannis evangelium tractatus 24–54

Weißenburg, Benediktinerkloster — 9. Jh., 1. Drittel

Provenienz: 1r Benediktinerkloster Weißenburg, Besitzvermerk: Codex monasterii sanctorum Petri et Pauli apostolorum in Wißenburg. 1v Codex monasterii sanctorum Petri et Pauli in Wissenburg. Darüber Secunda pars Augustini super Johannem. 2r Weißenburger Signaturenbuchstabe: .E. (14. Jh.). Ein Schutzblatt vom letzten Weißenburger Einband der Handschrift findet sich heute unter der Signatur 404.2 Novi (4). Dieses Blatt gehört zu einem Legendar aus dem 8. Jh., dessen Blätter sich in weiteren, u. a. Wolfenbütteler Handschriften befinden (66 Weiss., 67 Weiss., 77 Weiss. und 63 Weiss.; eine Zusammenstellung der Fragmente bei Bischoff Katalog 1, Nr. 369). Die Handschrift gelangte über Heinrich Julius von Blum 1690 in den Besitz des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig. Wiener Liste 2°10 (Butzmann Weißenburg, 3–18).

Pergament — 151 Bl. — 32,5 × 25 cm

Lagen: IV-1 (7). 17 IV (144). III+1 (151). Lagenbezeichnungen am Ende der jeweiligen Lage am unteren Blattrand, Blattmitte: 1–7 A, 8–15 ohne Bezeichnung, 16–23 c, 24–31 S, 32–39 R, 40–47 q, 48–55 P, 56–63 O, 64–71 N, 72–79 M, 80–87 L, 88–95 K, 96–103 I, 104–111 H, 112–120 G, 121–128 F, 129–136 E, 137–144 D, 145–150 ohne Bezeichnung. Bl. 1–150 neuere Tintenfoliierung. Bl. 151 Bleistiftfoliierung. Guter Zustand. Schriftraum: 26 × 20 cm, zweispaltig, 34 Zeilen. Karolingische Minuskel von mehreren Händen. Adallandus-Gruppe. Haupthand und einige Nebenhände auch in 10 Weiss., Haupthand auch in 14 Weiss. ( Butzmann Weißenburg, 127). Adallandus-Gruppe, zugehörig: 10 Weiss. , 13 Weiss., 14 Weiss., 17 Weiss., 24 Weiss., 43 Weiss., 67 Weiss. (?) und 81 Weiss. (Butzmann Weißenburg, 51–59). 150v Hand A: Z. 2–7, Hand B: Z. 8–20; 150v, Z. 20- 151r Hand C und Hand A Weißenburg (?), Anfang 11. Jh. Schrift (besonders von Hand C) zeitgleich mit 11 Weiss. (Hoffmann Schreibschulen Südwesten, 309). Das Incipit der Textzierseite (1v) in Capitalis, rot, gelb blau - reihenweise wechselnd. Die Incipits und Explicits der Trakate in gelber Unzialis. Die Textanfänge der vorangestellten Evangelienabschnitte und der Traktate in roter Capitalis oder Unzialis.

Roter Ledereinband (Nigerziegenleder; Neubindung 1985).

INHALT

1r–150r Augustinus: Tractatus in evangelium Iohannis, Liber 24–54 (PL 35, 1592–1784; CC SL 36, 244–463; CPL 278). 1r Capitula (Nachtrag. 9 Jh.; 24–48 fälschlich gezählt als XXII-XL VI). 150v–151r Beda Venerabilis: Homeliarum evangelii, lib. 2, hom. 19 (CPL 1367; CC SL 122, 318–320, Z. 92 und 321, Z. 126–130).

AUSSTATTUNG

64 Zierinitialen. 1 Initialzierseite. 1 nachträgliche Randzeichnung.

Initialen: Zum Incipit der Traktate eine Initialzierseite (1v; Abb. 247 ); zu den Anfängen der Traktate Zierinitialen (4–28,5 cm). Als Füllmotive dienen Flechtbänder, teils mit integrierten Kreis- und Ovalschlingen und doppelt geführt (1v, 2x 2r, 5r, 13r, 13v, 29v, 32v, 33r, 50r, 50v, 52v, 55v, 2x 56v, 60r, 60v, 2x 66v, 72r, 77r, 88v, 93r, 101v, 2x 116r, 2x 121r, 124v, 2x 142r), Seilschlingen (2r, 132v), gekreuzte Achterschlingen (13r), Wellenbänder (13r, 142r), Stufenband (2x 25r, 101v, 129r), Mäander (129r), Kreise, teilweise gekernt (32v, 66v, 77r, 2x 93r, 101v), gegenständige Rechtecke (29v, 97r), gegenständige Dreiecke (88v, 132v) Kachelmuster (72r), Gittermuster (120r, 137r, 137v; vgl. Abb. 251), mehrbahniges Zickzackband (132v), Lappungen (37v), Kreuzblüten (5v, 15v, 13r, 29v, 37v, 50r, 78r, 97r, 109r, 137r, 142r), Wellen-Palmettenfriese (19v, 20r, 37r, 37v, 97r, 120r- 1v, 121v, 128v, 146v), Spiralblattfries (88v), dreiblättrige Blüten (20r, 82v, 97r), gereihte Herzblätter (132v). Besatz: Einfach- und doppelkonturierte Halbpalmetten (1v, 2r, 25r, 32, 37v, 50r, 55v, 66v, 83r, 93r, 97r, 101v, 116r, 137r), Kleeblätter (1v, 5r, 29v, 132v, 137v), Lilie (29v, 129r, 146v-gedoppelt), springendes Pferd (32v; Abb. 249 ), Flechtband als Ausläufer, teils farbig hinterlegt (72r). Buchstabenersatz: Fisch als Bogenersatz, teils mit beidseitigen Köpfen (78r, 83r und 97r), Fisch als gesamter Buchstabe (82v), Fisch bestehend aus Flechtband und gekernten Kreisen (109r; Abb. 253), Halbpalmetten als Bogenersatz (120r, 1v, 128v- und als Cauda). Initialstammendungen: Dreiecksformen und einfache Blüten (1v), zwiebelförmiger Aufsatz (72r; Abb. 248), Herzblätter (121r), gehörntes, hängendes Blatt (116r; Abb. 252) und Flechtband als Ausläufer, farbig hinterlegt (121r).

Randzeichnung: Randzeichnung: 151r auf der unteren Blatthälfte ein nachträglich gezeichneter Tierkopf mit heraushängender, blütenähnlicher Zunge (11. Jh.; vgl. paläographische Datierung Hoffmann Schreibschulen Südwesten, 309).

Farben: Blau, Gelb, Rot, Minium, Braun. Zahlreiche Ornamentelemente ausgespart, d.h. pergamentfarben. Das Flechtband farblich in den Abläufen kenntlich gemacht. Die geäderte Variante häufig halbseitig koloriert (vgl. 72r).

STIL UND EINORDNUNG

18 Weiss. ist die Folgehandschrift von 10 Weiss. und beinhaltet die Traktate 24–54. Der dritte Band, der ursprünglich wohl dreibändigen Ausgabe der Augustinischen Traktate, ist nicht mehr erhalten. Die Ausstattung von 18 Weiss. gleicht stilistisch dem ersten Band (zur Einordnung vgl. 10 Weiss. ), konzentriert sich aber in den Füllmotiven hauptsächlich auf das Flechtband. Über das in der Handschrift verwendete Flechtband ergeben sich auffällige Parallelen zum Evangeliar aus Schuttern (London, BL, Add MS 47673, Evangeliar aus Schuttern, Schuttern, 9. Jh., 1. Drittel). Hier sind es Abläufe und Motive, die über allgemein Ausführungen hinausgehen und in der Buchmalerei ansonsten selten auftretenden - im Schutterner Evangeliar oder in Südwestdeutschland jedoch häufig vorkommen, wie u.a. blütenförmige Motive, ein in sich kreuzendes Band mit eingelegten Schlingen (vgl. 121r; Bierbrauer Schuttern, Abb. 5,4) und linear eingehängten Doppelachtern (vgl. 72r; Bierbrauer Schuttern, Abb. 6,2). Der Fisch, in 10 Weiss. detailreich verwendet, tritt in der Häufigkeit zurück und ordnet sich dem Buchstaben unter (vgl. 78r) oder wird durch Flechtband ersetzt (vgl. 109r). Zahlreiche Einträge zeugen von dem liturgischen Gebrauch der Handschrift, wahrscheinlich im Kontext des monastischen Offiziums (Divina officia, Nr. 5 [P. Carmassi]).

Becker, 48, Nr. 126. — Wolfenbüttel Weiss., Nr. 4102 (Heinemann Nr.). — E. A. Lowe, A list of the oldest extant manuscripts of St. Augustinus with a Note on the Codex Bambergensis, in: Tipografia Poliglotta Vaticana (1931), 236ff. — Lesne, 706. — Butzmann Weißenburg, 127, 128. — Kleiber Otfrid von Weißenburg, 126 Anm. 579, 127. — Kurz 5/2, 527, 528. — Hellgardt, 87, 88 Anm. 30, 92. — Cames, 19. — Krämer, Bd. 1,1.2, 824. — Bibliothèque monastique, 20, 28. — Divina officia, Nr. 5 (P. Carmassi). — Hoffmann Schreibschulen Südwesten, 309. — Bischoff Katalog 3, Nr. 7369. — Westphal Buchmalerei Weißenburg, 360, 363.


Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel Teil I (6.–11. Jh.).
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