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Beschreibung von Cod. Guelf. 2. Weiss.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Isidorus Hispalensis, Etymologiae et De rerum natura
Entstehungsort: Weißenburg
Entstehungszeit: 11. Jh., 1. Viertel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 224 BL.
Format: 38,5 × 25,9 cm.
Seitennummerierung: Neuere Tintenfoliierung, ab Bl. 118 neuere Bleistiftfoliierungen mit korrigierten Fehlzählungen.
Lagenstruktur: 28 IV (224). Lagenbezeichnungen auf dem unteren mittleren Blattrand am Ende oder am Anfang der Lagen in römischen Ziffern. Erste und letzte Lage aufgezogen auf Pergamentstreifen einer liturgischen Handschrift (12. Jahrhundert).
Zustand: Letztes, beschädigtes Blatt gegen den Einband geklebt (Leim und Leimreste noch vorhanden). 223v und 224r unterer Rand Wurmfraß und Rostflecken.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 30,3 × 19 cm, einspaltig, 38 Zeilen.
Hände: Karolingische Minuskel von mehreren Händen.
Hoffmann Schreibschulen Südwesten, Bd. 1, 307 identifiziert 2 Schreiberhände. Er unterschiedet Hand A (1v-1r, 4r, 4v-7v, 12r, 12v, 15v, 223r; vgl. auch Hand A von 27 Weiss.) und Hand B (3v, 4r, 7v, 12r, 12v, 16r-17r; vgl. auch Hand B von 27 Weiss.; weiterführende Angaben vgl. Hoffmann).
Schrift: Buchüberschriften in roter Capitalis. Kapitelzählungen und Tituli sowie Initialmajuskeln rubriziert. Buch I und II über den Rektoseiten mit Nummerierung (ungelenk nachgetragen). 112v gerahmte Schriftseite. Dem Codex eingefügt ein Lesezeichen (gespaltener Pergamentstreifen mit Zahlenrädchen, das von einer dreieckigen Wange gehalten wird).
Buchüberschriften in roter Capitalis. Kapitelzählungen und Tituli sowie Initialmajuskeln rubriziert. Buch I und II über den Rektoseiten mit Nummerierung (ungelenk nachgetragen). 112v gerahmte Schriftseite. Dem Codex eingefügt ein Lesezeichen (gespaltener Pergamentstreifen mit Zahlenrädchen, das von einer dreieckigen Wange gehalten wird).
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Zwei Initialen. Neun Schemata. Zwei Stemma. Ein großes Rota.
  • Schemata, Stemma und Rota:

    • Isidorus Hispalensis De rerum natura:
      • 42v Liber IV, De mensibus. Rota mensium (der Monatskreis). fünfbahniger Kreis mit zusätzlicher Umrandung. In der Mitte kreuzweise angeordnet menses. Die Bahnen des Kreises rot/schwarz alternierend beschriftet: Januar, 6. Kalende des Januar, 31 Tage; Februar, 6. Kalende des Februar, 28 Tage; März, 5. Kalende des März, 30 Tage; April, 6. Kalende des April, 30 Tage; Mai, ma[?], 31 Tage; Juni, 7. Kalende des Juni, 31 Tage; August, 8. Kalende des August, 31 Tage; September, 4. Kalende des September, 30 Tage; Oktober, 4. Kalende des Otober, 31 Tage; November, 5. Kalende des November, 30 Tage; Dezember, 5. Kalende des Dezember, 31 Tage. Text: Fontaine, 185-191. 10,5.
      • 42v Liber VII, De temporibus. Rota anni (der Jahreskreis). dreibahniger Kreis. Darüber ineinander verschachtelt vier Halbkreise. Die äußerte Bahn farbig gefüllt. In der Mitte kreuzförmig angeordnet die Bez. ANNUS. In den beiden mittleren Kreisen: oben, ver / humidus / calidus / oriens (der Frühling, feucht und heiß: der Osten); rechts, aestas / calida / sicca / meridies (der Sommer, heiß und trocken: der Süden); unten, autumnus / sicca / frigidus / occidens (der Herbst, trocken und kalt: der Westen); links, hiems / frigidus / humidus / septentrio (der Winter, kalt und feucht: der Norden). Text: Fontaine, 199-205. 10,5.
      • 44v Liber X, De quinque circulis mundi. Rota circulorum mundi (Weltkarte/Wendekreise - Knopfkarte). Innerhalb eines großen Kreises, 5 kleine Kreise, angeordnet um einen doppelt gezogenen mittleren Kreis (jeweils 3,0). Im mittleren Kreis die Bez. TERRA. Innen, entlang des äußeren Kreises: oben links II solstitialis (Sommersonnenwende), oben rechts III Equinoctialis (Tag- und Nachtgleiche), links und unten links I septentrionalis (nördlich) und unten rechts IIII hiemalis (winterlich). Zu diesen Beschriftungen die Kreise: I circulus arcticus frigore inhabitabilis (1. Kreis, der Nordpol, den die Kälte unbewohnbar macht), II circulus therinos habitabilis et temperatus (2. Kreis, gemäßigte Breiten mit mildem Klima und bewohnbar), medius circulus isemerinos torridus inhabitabilis (der mittlere Kreis, Äquator, heiß und unbewohnbar), IIII circulus xeimerinos temperatus habitabilis (4. Kreis, gemäßigte Breiten, mildes Klima, bewohnbar), V circulus antarcticos frigidus inhabitabilis (5. Kreis, Südpol, kalt und unbewohnbar). Text: Fontaine, 209-213; 10,5.
      • 44v Liber XI, De partibus munidi. De Cubo elementorum (Elementenwürfel). Ein Quadrat mit einbeschriebenem Kreis. Dieser mit dreifacher Randung. Im Inneren ein doppelt gezogener Zickzackverlauf, der vier Felder definiert. In diesen die Beschriftungen: oben ignis acutus tenuis ac mobilis (das helle [gefährliche?] Feuer, fein und beweglich), links aqua crassa mobilis et obtunsa (das einfache Wasser, abgerundet und beweglich), rechts aer mobilis acutus crassus (die bewegliche Luft, durchdringend und einfach) und unten terra crassa obtunsa et inmobilis (die einfache Erde, dumpf und unbeweglich). In den Ecken des Quadrates die Bez. Figura solidata est haec ratio prima. Text: Fontaine, 212-217. 9,5 × 8,4 cm.
      • 45r Liber XI, De partibus mundi. Rota mundi, anni, hominis (Welt/Jahr/Mensch). Ein doppelt gerandeter Kreis mit zwei Bahnen. Innen diagonal und kreuzweise versetzt, insg. 8 Halbkreise. In der Mitte ein Quadrat. Im äußeren Ring (die Welt) kreuzweise zwischen den Halbkreisen die Bez. der vier Elemente ignis, aer, aqua und terra. Im Schrägkreuz je zweimal in den Halbkreisen calidus, humidus, frigida und sicca. Im mittleren Ring (das Jahr) kreuzweise zwischen den Halbkreisen die vier Jahreszeiten hiems, autum, estas und ver. Im inneren Kreis die vier Temperamente sanguis, colera, melancolia und humor[Phlegma?]. Im mittleren Quadrat die Bez. mundus, annus, homo. Text: Fontaine, 213-217. 11,0.
      • 50r Liber XXXVII, De nominibus ventorum. Rota ventorum (Kreis der Winde). Vierbahniger Kreis mit doppelt gezogener Außenlinie. In den drei inneren Bahnen die Namen der Winde und die dazugehörigen Monate: maius / septentrio aparcticas, iunius / aquilo boreas, iulius / vulturnus caecias, augustus / subsolanus apeliotes, september / eurus eurus, december / euroauster euronotus, ianuarius / auster notus, februarius / austroafricus libonotus, martius / africus lips, aprilis / favonius zephyrus. In der äußeren Bahn unter Arkaden Männerbüsten, die in Hörner stoßen (alternierend in eines oder zwei gleichzeitig). Text: Fontaine, 295-299. 14,3.
      • 52r Liber XLVII, De monte Aetna. Arkadenschema. Text: Fontaine, 321-325. 3,5 × 19 cm.
    • Isidorus Hispalensis Etymologia:
      • 113r De agnatis et cognatis. Stemma consanguinitatis II. Bekrönt durch zwei Büsten (Mann und Frau - Stammelternpaar, vgl. Schadt, 31, 32, 87). Die Basis als Haus mit Fensteröffnungen (Arche Noah, vgl. Schadt, 105, 106). Dreiecksschema der Etymologien, Typ 5 B (vgl. Schadt, 70, 71). Text: Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Lib. IX, 6. Gesamt, inkl. Rahmen: 29,5 × 20,5 cm.
      • 113v De agnatis et cognatis. Stemma consanguinitatis I. Trapezschema, auf einer korinthischen Säule stehend (mit Kanneluren, Basis und Kapitell). Oben bekrönt mit einer Staude. Oben links ein Baum (Nachtrag). Ungefüllte Rahmung (zum Typus des Trapezschemas mit Stamm/Säule, vgl. Schadt, 67, 68). Text: Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Lib. IX, 6. Gesamt, inkl. Rahmen: 30,0 × 20,5 cm.
      • 154r De Orbe. Karte nach dem T-O-Schema. Kreis mit farbig gefülltem Rand (Ozean; bez. mare oceanus). Im Scheitelpunkt ein Kreuz. In der unteren Kreishälfte eine t-förmige Unterteilung mit dreieckigem Aufsatz (Unterteilung bez. mit Don - tanai fluvius, Mittelmeer - mare magnum und den Nil - nilus fluvius; dreieckiger Aufsatz links des Mittelmeeres bez. mit dem Asowschen Meer als Bestandteil des Schwarzen Meeres meotites palus). Innen am äußeren Rand die Bez. der Himmelsrichtungen oriens (oben), occidens, septentrionalis und meridies. Die Flächen bez. als die drei Erdteile, oben: Asien - Asia, unten links: Europa - Europa und unten rechts: Afrika - africa in Kombination mit den drei Söhnen Noahs (Sem, Iafet und Cham). Vgl. Europas Weltbild, Kat.Nr. 3 (K. Losert); zum Typus der T-O Karten vgl. A.-D. von den Brincken, Die Rahmung der Welt auf mittelalterlichen Karten, in: KartenWissen. Territoriale Räume zwischen Bild und Diagramm, hrsg. von S. Günzel, L. Nowak, Wiesbaden 2012 (Trierer Beiträge zu den historischen Kulturwissenschaften, Bd. 3), 100-105. Text: Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Lib. XIV, 2. 9,0.
      • 223v Rota (unfertig - ohne direkten Textbezug): Ein zweibahniger Kreis, mittig mit einbeschriebenem kleineren Kreis. Von diesem ausgehend, die zwei Bahnen des großen Kreises in Felder einteilend, 7 Speichen. An deren äußeren Enden je ein Halbkreis. Auf dem mittleren Ring, den Feldern entsprechend jeweils ein Medaillon. Entlang des inneren Kreises, ebenfalls den Strahlen entsprechend aufgesetzte Halbkreise. In der Mitte die Darstellung von sponsa und sponsus: in der Mitte der bekrönte Christus mit der Siegesfahne in der Rechten, die er der rechts von ihm stehenden Ecclesia reicht. Diese schaut nach links gewandt zu ihm hoch; mit der Rechten empfängt sie die Siegesfahne, in der Linken hält sie ein unbeschriftetes Schriftband. In der Rechten hält Christus ein unbeschriftetes Schriftband, das sich in Bogenform über einem links von ihm stehenden Mann mit Fellumhang (Johannes der Täufer) ausbreitet. Dieser weist mit der Linken auf Christus, über dem rechten Arm ein unbeschriftete Schriftrolle. In der Kreisrandung die erklärenden Worte: sponsam sponsus habet paranymphus federe gaudet (Io 3,29. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams steht und hört ihm zu und freut sich hoch über des Bräutigams Stimme). In den Halbkreisen um den inneren Kreis Engelbüsten bez. mit spiritus sapientie, intellectus, consilii, fortitudinis, scientie, pietatas und timoris domini (die sieben Gaben des heiligen Geistes). Die Medaillons des mittleren Ringes mit einheitlichen Frauenbüsten. Die äußeren, randständigen Halbkreise ohne Abbildungen (verm. nicht ausgeführt); die oberen drei jedoch mit den Schriftzügen: links pallas virago, die abgehende Speiche mit der Inschrift initiumsapientie; Mitte totum et pars, Speiche posside sapientiam; rechts prima procreatio. In den oberen beiden Feldern und dem anschließend linken jeweils zwei lebhaft arbeitende Männer mit leeren Schriftbahnen. In den Händen (v.l.n.r.): Stab mit aufgerolltem Pergament, Federkiel und Tintenfass, Spitzhacke, Bohrer, Meißel und Axt. 23,4.
    Die figürlichen Darstellungen mit schwarzer (50r Kreis der Winde; 113r Stemma consanguinitatis) oder roter Feder (223v Rota - Details mit schwarzer Feder) gezeichnet. Die Köpfe mit relativ schlanken Gesichtern, großen Augenpartien und großen Händen. Die Haare häufig haubenartig mit Mittelscheitel.
  • Initialen:

    1v und 4r zu den Textanfängen jeweils eine Spaltleisteninitiale vor farbigem Grund. Beide Initialen als Rankeninitialen in roter Federzeichnung. Buchstabenstämme mit genagelten Spangen (4r). Aus dem Initialstamm entspringende, locker verschlungene Ranken mit Durchflechtungen. Als Rankenbesatz ein einfaches und zum Teil blütenähnliche Trifolien, einige davon mit auffällig verlängertem Lanzettblatt. Die trifolienartigen Blattenden länglich mit spitz zulaufenden leicht rückwärts gebogenen Enden in der Mitte und an einer Seite; die andere Seite mit einem eingerollten Blatt. An den Verzweigungen angedeutete Stauchungen.
  • Farben:

    Die Initialen in roter Fedrzeichnung mit dunkelgrünen Gründen. Die Schemata mit schwarzer Feder gezogen. Kreisringe und Gliederungselemente in leuchtend Orange, Gelb und Dunkelgrün. Der Ozean der T-O Karte in kaki/braun (4r). Die Stemma und das große Rota gezeichnet mit roter und schwarzer Feder.
Einband: Hellbrauner Schafsledereinband (1689 - Pertz und Wiedemann/Wolfenbüttel).
Geschichte der Handschrift: Nach Hoffmann zeigt 2 Weiss. u.a. zwei Weißenburger Schreiberhände des frühen 11. Jahrhunderts, die auch in der Handschrift 27 Weiss. begegnen (s.o.). Dementsprechend ist Weißenburg als Entstehungsort anzunehmen. Mit dem Weißenburger Signaturenbuchstaben (s.u.) ist sie für das 14. Jahrhundert in Weißenburg belegt. Eine vorhandene Lochung legt nahe, dass die Handschrift an einer Kette ausgelegt war. Dass Isidors Etymologiae in Weißenburg bekannt waren und dass für die Herstellung entsprechende Vorlagen vor Ort gewesen sind, davon ist auszugehen. Dies belegt die Tatsache, dass sich bereits Otfrid von Weißenburg für das Eingangskapitel zu seinem Evangelienbuch und auch in seinem Schreiben Ad Liutbertum an dem Text, genauer an den grammatischen Begriffen und Kategorien Isidors orientiert (vgl. M. Dorninger, Isidor von Sevilla, in: U. Müller, W. Wunderlich, Künstler, Dichter, Gelehrte, Konstanz 2005 [Mittelalter Mythen, Bd. 4], 839-865, hier 849). Da aus dem 10. Jahrhundert keine Weißenburger Handschriften mit Buchschmuck erhalten sind, gilt 2 Weiss., im Anschluss an das karolingische Skriptorium, als die früheste illuminierte Weißenburger Handschrift des hohen Mittelalters und folgt somit der spätesten illuminierten Weißenburger Handschrift des 9. Jahrhunderts 60 Weiss. (4. Viertel 9. Jh.). Im Initialsschmuck finden sich keine Anknüpfungspunkte an den Weißenburger Initialstil des 9. Jahrhunderts. Auch die im 9. Jahrhundert für den Initialstil so aussagekräftigen Parallelen zur St. Galler Buchmalerei liegen nicht vor. Der Initialstil zeigt Eigenheiten, die Parallelen in der elsässisch-lothringischen Region und den Bistümern Freising, Speyer und Trier besitzen. Spitze Endblätter mit länglichem Mittelblatt finden sich in Handschriften aus Lotharingen und Trier (vgl. München, BSB, Clm 6367, Bl. 1-83, Westdeutschland-Lotharingen (?), 2. Viertel 11. Jh.; Bierbrauer Ill.-Hss., Kat.Nr. 221, Abb. 513 und München, BSB, Clm 11327, vermutlich Trier, 1. Drittel 11. Jh.; Bierbrauer Ill.-Hss., Kat.Nr. 218, Abb. 494-495). Sehr ähnliche blütenähnliche Trifolien, zum Teil auch mit einseitig aufgerolltem Seitenblatt, zeigen Handschriften aus Mainz (vgl. München, BSB, Clm 8109, Mainz (?), nach Mitte 11. Jahrhundert; Bierbrauer Ill.-Hss., Kat.Nr. 211, Abb. 487, 488 und München, BSB, Clm 3793 a, Mainz, um 1025; Bierbrauer Ill.-Hss., Kat.Nr. 206, Abb. 470-472; zur Mainzer Buchmalerei, vgl. K. Beuckers, Zur Mainzer Buchmalerei unter Erzbischof Willigs (amt. 975-1011), in: In Gold geschrieben. Zeugnisse frühmittelalterlicher Schriftkultur in Mianz. Festgabe für Domdekan H. Heckolf zum 75. Geburtstag, hrsg. von W. Wilhelmy und T. Licht, Regensburg 2017 (Publikjationen des Bischöflichen Dom- und Diözeanmuseums Mainz, Bd. 9)). Die zum 6. Kapitel des 9. Buches (Buch von den Sprachen, Völkern, Reichen, Kriegen, Bürgern und Verwandschaften; Kapitel von den Verwandten der väterlichen und der mütterlichen Seite) der Etymologiae hinzugefügten Stemmata auf 113r und 113v, stehen nach Schadt nicht zur Illustration des Textes sondern anstelle desselben. Ihnen voran steht eine gerahmte Seite mit einer systematischen Zusammenstellung im nach Schadt als solches bezeichnetem Gitterschema (112v; Schadt, 62, 63, 64). Für das auf 113v verwendete Trapezschemata, das auf zwei Säulen ruht, gibt Paris, BnF, lat. 1451 (Tours, um 800; Schadt, 68) eine frühe Paralllele (dieses Schema in 2 Weiss. ist bei Schadt fälschlich in der KategorieTyp 4,4 aufgeführt (Trapezschemata, die auf einem Stamm stehen; vgl. Montpellier, Ecole de Méd. 53, 136r, 9. Jahrhundert; Einsiedeln, StiB, Ms. 167 (140), um 960/70; St. Gallen, StiB, Cod. 231, S. 341, 9. Jahrhundert; Schaffhausen, SB, 42, 154r, 9./10; Paris, BnF, lat. 7584, 69r, 10. Jahrhundert; Bern, Burgerbibliothek, Ms. 101, 88r, 1. Drittel 9. Jahrhundert; Bern, Burgerbibliothek, Ms. 224, 73v, 1. Hälfte 9. Jahrhundert; London, BL, Harley 2686, 102v, Anfang 9. Jahrhundert; Stuttgart, LB, Poet. et phil. 2°, 33, 84v, Mitte 12. Jahrhundert; Heidelberg, UB, Sal. IX 39, 65v, um 1200 Schadt, 67, 68). Die Kombination mit Doppelbüsten als Stammelternpaar (vgl. 113r) besitzt vermutlich antike Wurzeln, hier sind Doppelbüsten aus der Grabmalskunst bekannt (Schadt, 31). In Handschriften ab dem späten 8. Jahrhundert werden sie gerne in Verbindung mit dem Baummotiv verwendet (2 Weiss. gibt eine Ausnahme; vgl. Brüssel, KBR, Ms. II 4856, 265v, Ende 8. Jahrhundert; Montpellier, Ecole de Méd. 53, 136r, 9. Jahrhundert; Einsiedeln, StiB, Ms. 167 (140), um 960/70; St. Gallen, StiB, Cod. 231, S. 231, 9. Jahrhundert; Schaffhausen, SB, 42, 153r, 9./10. Jarhundert; Laon, BM, 447, 96r, 9. Jahrhundert; Zusammenstellung bei Schadt, 87).
Provenienz der Handschrift: Kloster Weißenburg, Besitzvermerk. 2r Signaturenbuchstabe .F.1r Codex monasterii sanctorum Petri et Pauli apostolorum in Wissenburg. Darunter Mime liben herren dem senger von wissemburg (13.Jahrhundert?). Oberer Rand Ysidorus ethimoliarum (15. Jahrundert). Bl. 224 ein Loch (ursprüngliche Kettenbefestigung?). Wiener Liste 2°13.
Inhalt:
  • 1v-39v Isidorus Hispalensis: Etymologiae. Liber 1-3 (PL 82, 73-184; Lindsay Isidorus Hispalensis).
  • 40r-54v Isidorus Hispalensis: De rerum natura. (PL 83, 963-1018; Becker Isidorus Hispalensis).
  • 55r-59r Isidorus Hispalensis: Etymologia. Liber 5, 28-39 (PL 82, 214-228).
  • 59v-223v Isidorus Hispalensis: Etymologia. Liber 4-5, 27; 6-20 (PL 82, 183-214).
  • 223r Federproben - Alphabet.
  • 224 leer.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

Bibliothèque monastique Bibliothèque monastique (IXe-XIIe s.). Le scriptorium oublié de Wissembourg. Exposition de photos des manuscrits de Wissembourg conservés à la Herzog-august-Bibliothek de Wolfenbüttel (R.F.A.), organisée par la Mission Historique Française en Allemagne et le Cercle d'histoire de l'Alsace du nord avec la collaboration de la Bibliothèque de Wolfenbüttel et de la Société Thierry Alix de Nancy, Wissembourg du 15 septembre au 8 octobre 1991, Wissembourg 1991
Cames G. Cames, Dix siècles d'enluminure en Alsace, Contades 1989
Europas Weltbild C. Heitzmann, Europas Weltbild in alten Karten. Globalisierung im Zeitalter der Entdeckungen, Wiesbaden 2006 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek Nr. 85)
Fontaine J. Fontaine, Isidore de Séville. Traité de la nature, Paris 2002 (Collection des Études Augustiniennes. Série Moyen Âge et Temps Modernes, 39)
Lesne E. Lesne, Histoire de la proprieté ecclésiatique en France, Lille 1938
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Schadt H. Schadt, Die Darstellungen der Arbores consanguinitatis und der Arbores affinitatis. Bildschemata in juristischen Handschriften, Tübingen 1982
Wolfenbüttel Weiss. Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 3: Die Weissenburger Handschriften, beschrieben von O. von Heinemann, in: Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 2 Teil 5, Wolfenbüttel 1903, 268–443

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