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Beschreibung von Cod. Guelf. 303 Helmst.
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung
Handschriftentitel: Vocabularius brevilogus
Entstehungsort: Clus, Benediktinerkloster
Entstehungszeit: 15. Jh., 3. Viertel
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 337
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412169,T
Beschreibstoff:
Umfang: I, 416 Bl.
Format: 29,5 × 21 cm
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1–413, das vordere Vorsatzbl. ungez., Bl. 125 doppelt gez., nach Bl. 214 ein Bl. übersprungen, Bl. 269 doppelt gez. Das in der zweiten Lage eingelegte Lesezeichen als Bl. 14 gez.
Lagenstruktur: VI (11)! VI (24)! 12 VI (167). VII (181). 19 VI (407). IV–2 (410). Reklamanten bis 335v.
Seiteneinrichtung: 20–21 × 13–14 cm, zweispaltig (jede Spalte ca. 6 cm breit), 36–46 Zeilen.
Hände: Bastarda von einer Hand; am Beginn der einzelnen Lemmata Versalien, in der ersten Zeile der Spalten litterae elongatae als Auszeichnungsschrift.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, teilweise rote Kolumnentitel auf Kopf- oder Fußsteg.
  • 1ra rote Initiale A über 12 Zeilen mit weißem Knospenfleuronnée im Buchstabenkörper, unteres Binnenfeld rot ausgefüllt mit weißer Zeigehand. Am Beginn der einzelnen Abteilungen schlichte rote Initialen in unterschiedlicher Ausführung über 4–8 Zeilen, 157va–158va, 160vb, 161vb, 178ra rote Fleuronnéeinitialen in variantenreicher, aber grob ausgeführter Federzeichnung mit konturbegleitendem Besatz aus Perlenreihen und Fibrillen, Buchstabenkörper vielfach mit Kreuzschraffen gefüllt, Binnenfelder und Zwischenräume mit Knospenbüscheln, vierblättrigen Blüten und Blättern in Herz- bzw. Lindenblattform.
Einband: Spätgotischer Holzdeckelband mit dunkelbraun gefärbtem Schweinslederbezug. Streicheisenlinien. Einzelstempel Blatt, Dreiblatt mit Zwischenblättern: EBDB s001613. Blatt, Laubwerk gelappt: EBDB s000437. Lilie, Mittelblatt rhombisch, unterer Abschluss lilienförmig: EBDB s006012. Ornament Punkte: EBDB s003491, s003623. Rosette, ein Blattkranz, sechsblättrig: EBDB s007888. Rosette, ein Blattkranz, siebenblättrig: EBDB s008048. Schrift, einzelne Buchstaben: EBDB s008258. Sämtlich aus der Cluser Werkstatt "Johannes von Brakel" (EBDB w000352). Drei Doppelbünde. Auf dem VD Dornen von zwei verlorenen Langriemenschließen, Riemenreste und Gegenbleche vorhanden. Darüber Schild (3 × 2 cm, Papier, rubriziert) mit der Bibliothekssignatur E 2.
Entstehung der Handschrift: Die Hs. stammt nach Ausweis der Einbandstempel und der Bibliothekssignatur aus dem Benediktinerkloster Clus. Sie gehörte jedoch nicht in die 1509 dorthin gelangte Büchersammlung von Johannes Schorkop, Kanoniker an St. Blasien in Braunschweig, da dessen Handschrift im etwa gleichzeitig entstandenen Autograph (Cod. Guelf. 906 Helmst., 61v–227v) einen erheblich anderen Duktus aufweist. Der Codex ist fälschlich als Schorkops Autograph genannt bei H. Herbst, Der Braunschweiger Stiftsherr Johannes Schorkop und seine Bibliothek, in: Archiv für Kulturgeschichte 29 (1939), 78–92, hier 86.
Erwerb der Handschrift: Der Codex wurde 1624 mit der übrigen Konventsbibliothek in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt. 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 30r) als Dictionarium latinum. In bretter, schwartz unter den Miscellanei MSSti in folio nachgewiesen; im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 51) unter Nr. 43 aufgeführt.
Inhalt:
1. 1ra–13vb, 15ra–410rb Vocabularius brevilogus (redactio recentior).
  • (1ra–b) Prologus totius operis. A a a domine nescio loqui [Ier 1,6] licet illud verbum propheticum ab ipso propheta alio fine sit enarratum … — … non michi ex toto sed a quibus recipio reputabitur ita tamen ut pre omnibus et super omnia Ihesus Christus Marie filius benedicatur in seculo seculorum Amen.
  • (1va) Prologus nominum. Quoniam quidem presens collectio arti deservit grammatice que secundum quosdam in literam et sillabam et in oracionem dividitur … — … triplici alphabeto specialiter prosequendo scilicet nominum verborum ac parcium indeclinabilium.
  • 1va–13vb, 15ra–351rb Nomina. Igitur Aleff prima litera hebreorum vel hebraici alphabeti est et interpretatur doctrina … Alpha … A … Aaron … Abba … — … Zorobabel … Zoticus … Zozimus … vitam [in]quam eternam nobis concedat qui sine fine vivit et regnat in secula seculorum Amen. >Explicit vocabularius de nominibus<.
  • (351rb–va) Prologus verborum. >Incipit vocabularius de verbis<. Postquam determinatum est de nominibus quoad eorum significaciones nec non interpretaciones restat nunc dei iuvamine recitare de verbis … — … genus et coniugacio ipsius verbi agnoscitur facilius ipsum significatum et in flectio[sic] per tempora reperitur.
  • (351va–402vb) Verba. Abarceo, -es id est prohibeo vel constringo s. a. Abdico … Abdo … — … Vxorare … Zelare … Zimare est pastam facere proprie kneten. Inde azimus.
  • (403ra) Prologus indeclinabilium. Expeditis dei gracia exposicionibus necnon interpretacionibus vocabulorum dictionum parcium declinabilium duplici alphabeto nunc dei clemencia restat tractare de exposicionibus parcium indeclinabilium … — … quantum igitur ad primum dicam de illa preposicione A unde.
  • (403ra–410rb) Indeclinabilia. A id est sine eciam est interiectio exclamantis … Absque … Aborsum … — … Utrumque … Utinam … deus unus in essencia trinus in personis cui sit laus et gloria necnon sui intemerati[sic] virgini Marie matre[sic] sue benedicte necnon toti curie celesti per infinita secula seculorum Amen. >Deo gracias.<

Hauptsprache: In einigen Lemmata niederdeutsche Glossen.
Textgeschichte: Nach Ausweis der Parallelüberlieferung ist der "Vocabularius brevilogus" in zwei verschiedenen Fassungen überliefert. Die jüngere Redaktion, zu der auch diese Hs. gehört, weist modifizierte Prologe und eine größere Anzahl von nunmehr konsequent alphabetisierten Lemmata auf. Sie liegt außerdem vor in Cod. Guelf. 370 Helmst., 2ra–282ra; 371 Helmst., 1ra–284vb; 446 Helmst., 12r–238r; 39.4 Aug. 2°, 1ra–337vb; 44.25 Aug. 2°, 1ra–271vb; 71.12 Aug. 2°, 1ra–281ra; ein Fragment in Cod. Guelf. 282 Helmst., 1ra–vb. Die ältere Fassung findet sich in Cod. Guelf. 400 Helmst., 1ra–218rb; 709 Helmst., 1r–283rb; 81.2 Aug. 2°, 1ra–180vb und 808 Novi, 193r–226v (nur Verba). In fast allen Abschriften finden sich auch mittelniederdeutsche Interpretamente; ihre Anzahl und Anordnung ist jedoch in keinem der Codices einheitlich.
Die Drucke der 1475 von Johannes Reuchlin redigierten Ausgabe der jüngeren Fassung sind nachgewiesen in J. Benzing, Bibliographie der Schriften Johannes Reuchlins im 15. und 16. Jahrhundert, Bad Bocklet u. a. 1955 (Bibliotheca Bibliographica 18), 1–5; GW M37895–M37947. Literatur: K. Hamann, Mittheilungen aus dem Breviloquus Benthemianus, einem handschriftlichen lateinischen Glossar des 15. Jahrhunderts, 2 Bde., Hamburg 1879/1880 (Programm des Johanneums); Goetz, 239–243; W. Padberg, Der Vocabularius Breviloquus und seine Bedeutung für die Lexikographie des ausgehenden Mittelalters. Phil. Diss. Münster/Westf. 1909, Münster 1912; Stegmüller RB 9733; Grubmüller, 31–39 (38 Hs. genannt); 2VL 1, 1033f.
Bibliographie
Handschriftenteil: VS und HS
Entstehungsort: Clus, Benediktinerkloster (?)
Entstehungszeit: 13 Jh., 1. Hälfte
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 2 Bl.
Format: 29 × 19 cm
Seiteneinrichtung: 28 × 15 cm, einspaltig, 18 tintenliniierte Textzeilen.
Hände: Frühe Textualis von einer Hand.
Musiknotationen: Über jeder Textzeile ein Notensystem mit einer Mischform aus französischer und deutscher Neumennotation auf 4 Linien, a-Linie gelb, d-Linie rot, selten c- und f- oder g- und c-Schlüssel.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, rote Lombarden.
Inhalt:
1. VS, HS Antiphonale officii (Proprium de tempore). VS: Antiphonen (CAO 2829 und 4898) und Responsorien mit Versikeln (CAO 6476 und 6476a, 7251 und 7251a, 7559 und 7559a sowie 6401 und 6401a) zur dominica III quadragesimae. HS: Antiphonen (CAO 2153, 5465 und 1007) und Responsorien mit Versikeln (CAO 6540 und 6540a, 7767 und 7767a, 6601 und 6601a, 6415 sowie 6668 und 6668a) zur dominica II quadragesimae. Aus dem gleichen Band wie die Einbandmakulatur in Cod. Guelf. 289 Helmst. (s. dort).
Handschriftenteil: Bl. 14
Handschriftentitel:
Entstehungsort: Eilversdorf, Benediktinerkloster Marienzell (?)
Entstehungszeit: 15. Jh., 3. Viertel
Beschreibstoff: Papier
Umfang: 1 Bl.
Format: 16 × 12,5–13 cm
Seiteneinrichtung: 16 × 12,5–13 cm, einspaltig, maximal 21 Zeilen.
Hände: Bastarda von mehreren Händen.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert.
Entstehung der Handschrift: Das möglicherweise im Benediktinerkloster Eilversdorf geschriebene und dorsal ergänzte Brieffragment wurde in Clus als Lesezeichen zweitverwendet.
Inhalt:
  1. 14r Hermannus abbas in Eilversdorf: Epistula (Fragment, 20.9. ?). (Text setzt ein) … lis pater nuper constitutus in Merseborch aput vestram paternitatem … — … salutem animarum nostrarum desideratis. Valete feliciter … die in vigilia sancti Matthai apostoli et ewangeliste sub sigillo. Frater Hermannus servitor fratrum in Elverstorp et vester subditus. Aufgrund des erhaltenen Materials nicht näher zuzuordnen. Beim unterzeichnenden Verf. handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um Hermann, den Abt des seit 1458 der Bursfelder Kongregation angehörenden Benediktinerklosters Marienzell in Eilversdorf (amtierte 1468–1488), vgl. Germania Benedictina 10/1, 305 und 311.
  2. 14v Nota de expensis. Dominica ante festum Michaelis Jacob[o] XIII novos grossos. Item Philippo IIII novos grossos … In die sancti Michaelis II novos grossos Borchardo pastori vaccarum. Item IIII novos grossos uxori eiusdem … — … Item X novos grossos uxori patrisfamilias eodem valore. Item II novos fratri Nycholao Beyer. Auf der Dorsalseite des Urkundenfragments nachgetragen.
  3. 14v Forma absolutionis. Misereatur tui omnipotens deus etc. Et ego auctoritate domini nostri Ihesu Christi auctoritate beatorum apostolorum Petri et Pauli et sancte Romane ecclesie michi concessa et tibi indulta absolvo te … — … Eadem auctoritate dispenso tecum super simonia commissa in ingressu monasterii in nomine p[atris] et f[ilii]. Auf der Dorsalseite des Urkundenfragments kopfständig nachgetragen.

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
CAO R.-J. Hesbert, Corpus antiphonalium officii, Bd. 1–6, Rom 1963–1979 (Rerum ecclesiasticarum documenta. Series maior 7–12)
Dolezalek G. Dolezalek, Verzeichnis der Handschriften zum Römischen Recht bis 1600, Bd. 1–4, Frankfurt/M. 1972
EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
Germania Benedictina Germania Benedictina, hrsg. von der Bayerischen Benediktiner-Akademie München in Verbindung mit dem Abt-Herwegen-Institut Maria Laach, Bd. 1–, St. Ottilien 1994–
Goetz G. Goetz, De glossariorum Latinorum origine et fatis, Leipzig 1923 (Corpus glossariorum latinorum 1)
Grubmüller K. Grubmüller, Vocabularius Ex quo: Untersuchungen zu lateinisch-deutschen Vokabularen des Spätmittelalters, München 1967 (Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters 17)
GW Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. 1–, Leipzig 1925–1938, Stuttgart 1978–
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband 1)
Lesser Bücherverbreitung B. Lesser, Kaufen, Kopieren, Schenken. Wege der Bücherverbreitung in den monastischen Reformbewegungen des Spätmittelalters, in: Schriftkultur und religiöse Zentren im norddeutschen Raum, hrsg. von P. Carmassi, E. Schlotheuber und A. Breitenbach, Wiesbaden 2013 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 24), 327–354
Lesser Clus B. Lesser, Die Benediktiner von Clus und ihre Bücher. Exemplarische Analyse und Rekonstruktion der Konventsbibliothek, in: Zentrum oder Peripherie? Kulturtransfer in Hildesheim und im Raum Niedersachsen (12.–15. Jahrhundert), hrsg. von M. E. Müller und J. Reiche, Wiesbaden 2017 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 32), 165–228
Lesser Johannes von Brakel B. Lesser, Johannes von Brakel – Buchbinder und Schreiber im Benediktinerkloster Clus, in: Wolfenbütteler Notizen zur Buchgeschichte 38 (2014), 77–122
Stegmüller RB F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. 1–11, Madrid 1950–1980
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

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