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Beschreibung von Cod. Guelf. 354 Helmst. Ⅰ Ⅱ Ⅲ Ⅳ
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Handschriftentitel: Geographische Sammelhandschrift
Entstehungsort: Benediktinerkloster Reichenbach am Regen
Entstehungszeit: 1425–1440
Katalognummer: Heinemann-Nr. 389
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Aus vier Teilen zusammengesetzt: I 1r–127v, II 128r–207v, III 208ra–279v, IV 280ra–313v.
Umfang: 313 Bl.
Format: 29 × 21,5 cm.
Seitennummerierung: Tinten- und Bleistiftfoliierung modern: 1312, Zählfehler: Bl. 58 doppelt gez.
Lagenstruktur: VI+III (18). 2 VI (42). VI+1 (55). VI+1 (67)! 5 VI (127). VI–4 (135). 14 VI (303). VI–3 (312). Reklamanten, Kustoden in arabischen Zahlen (125) auf dem Fußsteg der letzten Versoseite jeder Lage mit Ausnahme der letzten.
Einband:
  • Der ursprüngliche gotische Einband, vermutlich ein Holzdeckelband mit Signaturschild auf dem VD wie bei Cod. Guelf. 1109 Helmst., 1300 Helmst. und 19.41 Aug. 4°, ist verloren. Erhalten ist lediglich ein Leserädchen aus Pergament, Durchmesser 3,5 cm, beschriftet mit den Spaltenbezeichnungen (Bastarda) Prima, Secunda, Tercia und Quarta, das bei der Neubindung an einem insgesamt ca. 26 cm langen, am Kapital befestigten Gewebestreifen verknotet wurde.
  • Halbledereinband des 18. Jh., Pappdeckel wie bei Cod. Guelf. 277 Helmst. mit dunkelbraun marmoriertem Kiebitzpapier kaschiert, aus der Werkstatt des Buchbinders Anton Friedrich Wirck in Helmstedt. Hierzu gehören auch das vordere und hintere Vorsatzbl. aus Papier, dessen Wasserzeichen ebenfalls in diesen Zeitraum passen. Es sind dies hinten ein gekröntes Doppel-C zwischen Palmzweigen als Fürstenmonogramm des Herzogs Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1713–1780) sowie vorn die Meistermarke ICB, die entweder Johann Caspar Bergmann aus der Mittelmühle Räbke (nachgewiesen 1739–1763) oder Johann Christian Borchardt aus der Obermühle Räbke (nachgewiesen 1742–1772) zuzuordnen ist, vgl. dazu J. Lehrmann, Die Frühgeschichte des Buchhandels und Verlagswesens in der alten Universitätsstadt Helmstedt sowie die Geschichte der in diesem Zusammenhang von Helmstedter Patriziern gegründeten ehemals bedeutenden Papiermühlen zu Räbke am Elm und Salzdahlum, Hämelerwald 1994, 162–164 und 227f.
Entstehung der Handschrift: Die vier Teile wurden zwischen 1425 und 1440 geschrieben und zu einem Codex vereinigt. Obwohl entsprechende Vermerke fehlen, ist die Schriftheimat jedenfalls in Süddeutschland, mit ziemlicher Sicherheit im Benediktinerkloster Reichenbach am Regen zu suchen. Sofern dies zutrifft, wäre der Codex ein Zeugnis für die mathematisch-geographischen Interessen der dort als Konventualen nachgewiesenen Reinhard Gensfelder oder Johannes Poloner. Ob in Teil IV ein Autograph des letzteren vorliegt, wie mehrfach in der Forschung vermutet (zuerst Schottenloher, 78f.), ist angesichts der Textstruktur zwar sehr wahrscheinlich, aber bislang nicht beweisbar.
Provenienz der Handschrift: Die Reichenbacher Provenienz ist hingegen durch einen Vermerk in einer Ausleihliste gesichert, die der in Regensburg tätige lutherische Theologe Nikolaus Gallus (1516–1570) am 23.2.1562 dem Abt von Reichenbach Michael Katzbeck mit der Bemerkung zusandte, dass die vorliegende Hs. zusammen mit 10 weiteren Codices für Matthias Flacius Illyricus aus der Klosterbibliothek entliehen worden sei, vgl. dazu
  • Schottenloher, 74 im Ausleihverzeichnis unter Nr. 8 als Cosmographia et correctio calendarii zitiert, 77–79 (Hs. genannt);
  • G. Glauche, Wege zur Provenienzbestimmung versprengter bayerischer Handschriften, in: Bibliotheksforum Bayern 6 (1978), S. 188–208 (193f. Hs. genannt);
  • Hartmann, 110;
  • Bollbuck, 229–231, 676f. Nr. 620920
. Die mit dem Ausleihvermerk übereinstimmende Inhaltsangabe Cosmographia Ptolemæi. Cusanus de correctione Calendarii. Varii tractatus de Terra Tancta auf Bl. 1r stammt nicht von Flacius, sondern von der Hand eines Mitarbeiters oder Sekretärs der Centuriatoren wie in Cod. Guelf. 277 Helmst. Flacius gab offenbar diesen und drei weitere aus Reichenbach entliehene Bände (Cod. Guelf. 1109 Helmst., 1300 Helmst. und 19.41 Aug. 4°, sämtlich mit den Originaleinbänden und Signaturschildern) nicht zurück, sondern verleibte sie den eigenen Beständen ein.
Erwerb der Handschrift: Am 20.4.1597 von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg für die Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel erworben. 1614 im Gesamtkatalog des Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 51 [55]) als Nr. 23 der Cosmographici, geographici et chorographici libri folgendermaßen verzeichnet: Cosmographia Ptolomæi manuscripta in fol. Ibidem Nicolaus Cusanus de correctione Calendarii. Ibidem varii tractatus de Terra Sancta. — 1618 aus Wolfenbüttel in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt. 1644 im Katalog der Helmstedter Universitätsbibliothek (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 29v) als Ptolomæi Cosmographiae. Nicolai de Cusa Tractatus de correctione Calendarii. Descriptio Terræ Sanctæ Anonymi. Bedæ descriptio Terræ Sanctæ. Honorius de Imagine Mundi. Rudperti Monachi S. Remigii in Episcopatu Remensi Historia. Descriptio Terræ Sanctæ Anonymi. Ohn Band unter den Miscellanei MSSti in folio nachgewiesen; auf Bl. 1r die entsprechende Helmstedter Signatur Misc. 25. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 51) unter Nr. 394 aufgeführt.
Bibliographie
Handschriftenteil: I
Handschriftentitel:
Entstehungsort: Frankreich
Entstehungszeit: 13. Jh.
Beschreibstoff: Pergament
Zustand: Erhalten sind insgesamt noch 26 Pergamentfalze zur Heftverstärkung; Größe und Mise en page der zerschnittenen Originalbl. sind bis auf den zweispaltigen Schriftraum nicht mehr feststellbar.
Hände: Kleine, stark abgekürzte französischeTextualis.
Inhalt:
1. Falze Aristoteles: Physica interprete Jacobo de Venetiis (Translatio vetus). Erkennbar z. B. im Falz der ersten Lage aus lib. 4,12: … autem propter quod tardum et velox non dicitur multum autem et parvum et breve et longum … bzw. aus lib. 4,5: … apta nata impassibilia sunt que vero agunt[ur] activa et passiva ad invicem … Et namque hec pars … zu lesen. Druck: Aristoteles Latinus 7,1,2, 179 und 152.
Handschriftenteil: I
Entstehungszeit: um 1435
Beschreibstoff:
Umfang: 128 Bl.
Format: 29 × 21,5 cm.
Lagenstruktur: VI+III (18). 2 VI (42). VI+1 (55). VI+1 (67)! 5 VI (127). Reklamanten, Kustoden (arabische Zahlen 110) auf dem Fußsteg der letzten Versoseite jeder Lage.
Zustand: Bl. 45 mit Textnachtrag hinzugeheftet, misst nur 15 x 13,5 cm, das ebenfalls nachträglich hinzugefügte Bl. 61 misst nur 28 x 11 cm.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 20–21 × 13–15 cm, Bl. 1r–4v, 16r–18v, 111r–127v ein-, sonst zweispaltig (Spalten meist 6,5 cm breit), je nach Hand 27–37 Zeilen.
Hände: Drei Hände,
  • Hand 1: unregelmäßige, flüchtig wirkende Bastarda auf Bl. 1v–3v und16r–18v sowie Nachträge in marg. auf Bl. 13v–15v, 32v, 54v, 58r und 72vb–73ra;
  • Hand 2 (Bastarda): 4ra–15vb und 19rb–50rb;
  • Hand 3: regelmäßige jüngere gotische Kursive auf Bl. 50va–127v.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, an einigen Stellen abwechselnd rote und blaue, sonst zumeist rote Lombarden.
  • Zu den einzelnen Karten s. unten.
Inhalt:
  1. 1r Signatur und Inhaltsangabe (s. oben).
  2. 1v–3v, 15r–18v Mappae notaque varia ad Ptolemaei Geographiam spectantia. Die auf einem um die erste Lage gehefteten Ternio von mindestens zwei anderen Händen angelegten kartographischen Zeichnungen, Notizen und Erläuterungen dienen dem besseren Verständnis des ersten Buchs der Geographia, entsprechen jedoch nur zum Teil den authentischen Darstellungen des ersten Buches. Im einzelnen sind enthalten:
    • (1v) Projectio Ⅰ Ptolemaei (partim). Die durch Papierverlust an der oberen äußeren Ecke fragmentierte Federzeichnung zeigt ein halbkreisförmiges Gradnetz aus 7 Breitenkreisen und 19 Längengraden in echter Kegelprojektion. Die Grade sind am linken und oberen Rand mit schwarzen, am rechten und unteren Rand mit roten arabischen Zahlen bezeichnet, und zwar die Breitengrade 40, 45, 50, 55, 60 und 63 sowie die Längengrade von 5 bis 90 jeweils in Fünferschritten. Die Darstellung ist ein vergrößerter Ausschnitt des Gradnetzes unten, 16v–17r. Eine kommentierende Beischrift fehlt, erkennbar sind hingegen Spuren einer nicht ausgeführten Bleistiftvorzeichnung. Es ist davon auszugehen, dass das Gradnetz als Grundlage für eine separate Karte Mitteleuropas dienen sollte, wie sie unikal in der Ptolemäus-Handschrift Zeitz, StiB, 2° Ms. chart. 105, 50r (Zeitz, 68–73 Nr. 22, bes. Abb. 70f.), überliefert ist. Das hier abgebildete Gradnetz ist offenbar eine bislang unbekannte Vorstufe der 1470 ausgeführten Zeitzer Karte. Zweifellos waren im vorliegenden Fall nicht, wie in Zeitz, die Angaben im 2. und 3. Buch der Geographia, sondern die aktualisierten Koordinatentafeln unten, 2v–3v, als Basis für die Darstellung vorgesehen. Kopfständig quer darübergeschrieben die Federprobe: Gloria patri et.
    • (2r) Versus de mensuris longitudinis. >Nota de quantitate stadiorum<. Walther I 5822 (nur diese Hs. genannt, vier Verse).
      Textgeschichte: Eine direkte Abschrift in München, BSB, Clm 14583, 132r, dazu Durand The Vienna-Klosterneuburg map corpus (s. oben), 168f. (Hs. genannt).
      Druck
      • L. Thorndike, Unde Versus, in: Traditio 11 (1955), 163–193, hier 167.
      Literatur
      • M. Folkerts, Mittelalterliche mathematische Handschriften in westlichen Sprachen in der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel. Ein vorläufiges Verzeichnis, in: Centaurus 25 (1981), 1–49, hier 29f. Nr. 30.
    • (2r) Index nominum geographicorum. >Nota diligenter illas provincias<. Promontorium est nota[sic] sive acies alicuius montis sive regionis dividens ab alia … — … Nigropont id est euriponti Ferit id est persicus. Eine Liste zumeist aus dem Griechischen stammender geographischer Begriffe und Ortsnamen, die knapp erläutert werden. Ungedruckt.
    • (2r) Index gentium. >Nota<. Galactofagi sunt homines lac comedentes … — … et habent solum unum oculum in medio frontis. Eine Liste aus dem Griechischen stammender Namen von Bewohnern fremder Erdteile, die knapp erläutert werden. Ungedruckt.
    • (2va–3va) Reinhard Gensfelder (?): Tabula Ⅰ longitudinum latitudinumque geographicarum. Wyenna longitudo 41.1/2 latitudo 48.26 … — … Coniunctio Alt cum Danubio longitudo 51 latitudo 44.1/3. Die mit rubrizierten Linien eingefasste Tabelle gibt die Längen- und Breitenkoordinaten von insgesamt 91 lateinisch bezeichneten europäischen Städten und Orten an.
      Edition nach dieser Hs.
      • Durand, The Vienna-Klosterneuburg map corpus (s. oben), 346–351 Appendix 7 (Text), dazu 44–51 (46 Hs. genannt) und 128–139 (128–130 Hs. genannt).
      Literatur
      • D. B. Durand, The earliest modern maps of Germany and central Europe, in: Isis 19 (1933), 486–502;
      • Tříška Repertorium, 473.
    • (2vb–3vb) Reinhardus Gensfelder (?): Tabula Ⅱ longitudinum latitudinumque geographicarum. >Elsazz<. Latitudo 57.25 longitudo 27.45 Pasel … — … Mimel latitudo 55.36 longitudo 46.10. Die mit rubrizierten Linien eingefasste Tabelle ist jeweils rechts neben der ersten Tafel angeordnet und gibt die Längen- und Breitenkoordinaten von insgesamt 246 volkssprachlich bezeichneten Städten und Orten Europas an. Diese sowie die vorhergehende Tabelle sollten zweifellos als Grundlage der auf Bl. 1v begonnenen Europakarte dienen. Die in der älteren Forschung (s. unten) vorgenommene Identifikation des Verfassers ist nicht gesichert.
      Textgeschichte: Eine direkte Abschrift der beiden Tafeln in München, BSB, Clm 14583, 216r–219v, dazu Durand The Vienna-Klosterneuburg map corpus (s. oben), 128–130 und 175 (jeweils Hs. genannt).
      Edition nach dieser Hs.
      • Durand The Vienna-Klosterneuburg map corpus (s. oben), 351–362 Appendix 7, dazu 139–144 (Hs. genannt).
    • (16r) Projectio Ⅰ Ptolemaei. >Prima figura<. Federgezeichnete Skizze der sog. ersten Projektion des Ptolemaeus (echte Kegelprojektion mit geraden Meridianen), beschrieben in cap. 1,24 auf Bl. 15rb–va, im Text wird durch eine Rubrik Prima figura auf die Zeichnung verwiesen. In der Federzeichnung sind außer den im Text mit Buchstaben bezeichneten Schnittpunkten der Längen- und Breitenkreise und den Beschriftungen der Breitenkreise (im Norden die plaga septentrionalis, darunter Tule und parallelus per Tulem, Rodium und parallelus per Rodium, Meroe und parallelus per Meroen, Equinoctialis sowie Australis) auch die Zählung der Grade angegeben (Längengrade von 5 bis 180); sie ist damit weit ausführlicher und detaillierter als die sonst dem Text an dieser Stelle beigefügten Zeichnungen. Eine schematische Skizze u. a. in:
      • Klaudios Ptolemaios: Handbuch der Geographie, Teil 1: Einleitung und Buch 1–4, hrsg. von A. Stückelberger u.a., Basel 2006, 122f. Fig. 1a/b;
      • F. Mittenhuber, Text- und Kartentradition in der Geographie des Klaudios Ptolemaios. Eine Geschichte der Kartenüberlieferung vom ptolemäischen Original bis in die Renaissance, Bern 2009 (Bern Studies in the History and Philosophy of Science), 62 Abb. III.1.
    • (16v–17r) Projectio Ⅱ Ptolemaei. >Figura tercia<. Federgezeichnete Skizze der sog. zweiten Projektion des Ptolemaeus (unechte bzw. sphärische Kegelprojektion mit gekrümmten Meridianen, auf 17r als secundus modus in plano bezeichnet), beschrieben in cap. 1,24 auf Bl. 15va, im Text wird durch eine nachträgliche Marginalie descripcio tercie figure auf die Zeichnung verwiesen. In der Federzeichnung sind außer den im Text mit Buchstaben bezeichneten Schnittpunkten der Längen- und Breitenkreise und den Beschriftungen der längengetreu wiedergegebenen Referenzbreitenkreise (im Norden die plaga septentrionalis, darunter Iste est circulus per quem terminabitur situs septentrionalis translatus per insulam Tule, Circulus translatus per Syenem und Equinoctialis sowie die Himmelsrichtungen Occidens und Oriens) auch die Zählung der Grade angegeben (Längengrade von 5 bis 180, Breitengrade von 5 bis 63 Grad nördlicher und 5 bis 24 Grad südlicher Breite). Unter der Karte aufgelistet sind u.a. die genauen Gradzahlen der Referenzbreitenkreise. Sie ist damit weit ausführlicher und detaillierter als die sonst dem Text an dieser Stelle beigefügten Zeichnungen. Abbildung dieser Hs.: Gautier Dalché, The Reception of Ptolemy’s Geography (s. unten), 308 fig. 9.5. Eine schematische Skizze u. a. in:
      • Klaudios Ptolemaios: Handbuch der Geographie, Teil 1 (s. oben), 134f. Fig. 4a/b;
      • Mittenhuber Text- und Kartentradition (s. oben), 62 Abb. III.2.
    • (17v) Figura subsidiaria ad constructionem projectionis secundae. >Figura secunda<. Federgezeichnete Skizze einer Hilfskonstruktion zur Berechnung des Kreisradius bei der zweiten Kartenprojektion mit gekrümmten Meridianen, beschrieben in cap. 1,24,13sq. auf Bl. 15vb, im Text wird durch eine nachträgliche Marginalie secunda figura auf die Zeichnung verwiesen. Die erläuternden Beischriften und Gradangaben sind im wesentlichen dem zugehörigen Text entnommen. Vgl. dazu die schematische Skizze u. a. in: Klaudios Ptolemaios: Handbuch der Geographie, Teil 1 (s. oben), 127–129 mit Fig. 3a/b.
    • (18r) Mappa Ⅶ climatum mundi. Die halbkreisförmige Plattkarte der nördlichen Hemisphäre ist als grobe, skizzenhafte Tintenfederzeichnung über einer Bleistiftvorzeichnung ausgeführt. Neben den Umrissen der unbeschrifteten Kontinente und wichtigsten Binnengewässer sind außen um die Karte die Namen der Winde angegeben, oben von links: Circius, Corus (Aquilo ganz im Norden befindet sich im Falz), Boreas und Vultur[nus]; unten von links: Favonius, Zephirus, Affricus, Auster, Nothus, Eurus und Subsolanus. Die Karte ist durch zwei Meridiane und sieben Breitenkreise ohne Gradangaben gegliedert; letztere entsprechen in ihrer Anordnung der von Albertus Magnus in seinem Werk 'De natura loci' 1,9, genauer ausgeführten ptolemäischen Lehre von den sieben Klimazonen der bewohnten Welt, vgl. Alberti Magni … opera omnia, Bd. 5,2: De natura loci, De causis proprietatum elementorum, De generatione et corruptione, hrsg. von P. Hossfeld, Münster/Westf. 1980, 16f., dazu J. P. Tilmann, An appraisal of the geographical works of Albertus Magnus and his contributions to geographical thought, Ann Arbor 1971 (Michigan geographical publication 4), 69–72 und 158–160.
      Abbildung der Karte
      • Europas Weltbild in alten Karten (s. oben), 39.
      Literatur
      • Durand The Vienna-Klosterneuburg map corpus (s. oben), 180–189 (180, 188f. Hs. genannt, Skizze auf Taf. XII).
      • J. Babicz, H. M. Nobis, Die mathematisch-geographischen und kartographischen Ideen von Albertus Magnus und ihre Stelle in der Geschichte der Geographie, in: Die Kölner Universität im Mittelalter, hrsg. von A. Zimmermann, Berlin, New York 1989 (Miscellanea Mediaevalia 20), 97–110 (108 Abb. 4 Schema der Klimazonenkarte, 110 mit Anm. 35 Hs. irrtümlich als "Codex Wolfeggianus latinus 389 [Helmstedt 354]" genannt).
    • (18v) Adnotationes additionesque ad textum Geographiae. Semidiametri altrinsecus meridiani proximi e f continent lineam … — … similiter fiat pro circulo ultimo australi scilicet s f x. Durch das Hinweiszeichen //: mit dem Text von cap. 1,24 auf Bl. 15vb verknüpft, dient auch als Erläuterung zur zweiten Projektion auf Bl. 16v–17r. Ungedruckt.
    • (18v) Adnotationes additionesque ad textum Geographiae. Nota e f prout est arcus meridianus 90 graduum … — … est enim e f sub duplum ad a b. Durch das Hinweiszeichen ※ mit dem Text von cap. 1,24 auf Bl. 15vb verknüpft. Ungedruckt.
    • (18v) Adnotationes additionesque ad textum Geographiae. In eisdem ipsis etc. In tali circulo accipe quantitatem … — … adequate sed ferme. Durch das Hinweiszeichen ·Λ· mit dem Text von cap. 1,24 auf Bl. 15vb verknüpft. Als Ergänzung der Berechnung dient eine Schemazeichnung der kugelförmigen Erde in Draufsicht in Gestalt von zwei konzentrischen, mit equinoctialis und Tule beschrifteten Kreisen, denen eine waagerechte Tangente des inneren Kreises einbeschrieben ist. Ungedruckt.
  3. 4ra–15vb, 19ra–110vb Claudius Ptolemaeus: Geographia interprete Jacobo Angelo de Scarperia.
    • (4ra–vb) Jacobus Angelus de Scarperia: Praefatio translatoris. >Beatissimo patri Alexandro quinto pontifici maximo Jacobus Angelus<. Ad tempora Claudy Ptolomei viri Alexandrini cogitanti michi illud occurrit … — … iam ad[sic] Ptolomeum ipsum latine loquentem audiamus.
    • (4vb–5ra) >Claudy Ptolomei Cosmographie liber primus habet ista capitula<. Capitulum primum in quo differt cosmographia a corographia … — … Capitulum 24 qualiter in plano terra designetur sperico coequalis. In dieser Form ungedruckt.
    • 5rb–15vb, 19ra–b >Claudy Ptolomei liber primus Cosmgraphie incipit feliciter<. Cosmographia designatrix imitacio et tocius cogniti orbis … — … unde racionem habent adipsum quam 20 ad 9. >Claudy Ptolomei liber Cosmographie primus explicit<.
    • (19rb–33va) Liber Ⅱ. Claudii Ptolomei cosmographie liber secundus habet eiusdem tractatus exposicionem plage magis occidentalis … — … Meligina Insula 44.1/6 41.1/3. >Claudii Ptolomei cosmographie liber secundus explicit<.
    • (33va–48ra) Liber Ⅲ. Claudii Ptolomei cosmographie tercius habet exposicionem partis orientalis Europe … — … Dya insula 54.1/2 35.1/2.1/3. >Claudii Ptolomei Cosmographie liber tercius explicit<. Ausgelassener Text auf dem nachträglich eingehefteten Bl. 45r nachgetragen.
    • (19ra–58ra) Liber Ⅳ. Exposicionem tocius Affrice iuxta subiectas provincias seu satrapias … — … usque polum australem gradus sunt 73.1/2 aut integri gradus 74 quasi. >Claudy Ptolomei Cosmographie quartus explicit<.
    • (58ra–72vb) Liber Ⅴ. Claudii Ptolomei cosmographie quintus hec habet. Exposicionem primarum parcium magne Asie … — … Chiripha 79.1/4 30.1/2.1/3. >Claudy Ptholomei Cosmographie liber quintus explicit<.
    • (72vb–83rb) Liber Ⅵ. Claudii Ptolomei cosmographie sextus hec habet: Exposicionem parcium que secuuntur Asie maioris Assyrie … — … Asthea 105 18. Codana 107 17.
    • (83rb–93vb) Liber Ⅶ. Claudii Ptolomei cosmographie septimus hec habet scilicet exposicionem ultimarum parcium maioris Asie … — … ex Affrice parte et Europe iuxta vetustiorum tradiciones. >Claudy Ptolomei Cosmographie septimus liber explicit<.
    • (93vb–110vb) Liber Ⅷ. Claudii Ptolomei cosmographie octavus hoc habet. Cum qua presupposicione facere oportet habitabilis nostre divisionem ad tabulas … — … usque ad utrosque polos zodiaci. >Claudy Ptolomei viri Alexandrini Cosmographie octavus et ultimus liber explicit feliciter<.
    Es handelt sich hierbei um die bislang älteste nachgewiesene Abschrift des Textes nördlich der Alpen. Die dem Text der Bücher II–VIII traditionell beigegebenen 26 Detailkarten sowie die Weltkarte fehlen, vgl. dazu Mittenhuber Text- und Kartentradition (s. oben), pass.
    Druck
    Literatur
    • Thorndike/Kibre 63.9 und 271.6;
    • P. Gautier Dalché, The Reception of Ptolemy’s Geography (End of the fourteenth to beginning of the sixteenth century), in: The history of cartography, Vol. 3: Cartography in the European Renaissance, Part 1, hrsg. von J. B. Harley und D. Woodward, Chicago 2007, 285–364 (307–309 Hs. genannt, 361–364 Liste aller Textausgaben zwischen 1475 und 1650);
    • K. Geus, Der lateinische Ptolemaios, in: Klaudios Ptolemaios: Handbuch der Geographie, Ergänzungsband mit einer Edition des Kanons bedeutender Städte, hrsg. von A. Stückelberger und F. Mittenhuber, Basel 2009, 356–364 (Hs. fehlt);
    • P. Gautier Dalché, La géographie de Ptolémée en Occident (IVe–XVIe siècle), Turnhout 2009 (Terrarum orbis 9), 181f., 416f. Abb IX (Hs. genannt).
  4. 111r–125v Nicolaus de Cusa: De correctione kalendarii. Ad laudem omnipotentis dei ut intencio correctionis kalendarii clarior fiat … — … ut sic de hac vera templi festivitate ad eternam transferri mereamur Amen. >Deo gracias<. Auf Bl. 111r folgende Notizen von späterer Hand: Tractatus de correctione kalendarÿ Nicolai de Cusa, darunter: Tractatum consimilem Petri Cameracensis quere in libro de racionibus circulorum in fine (gemeint ist der Kalendertraktat des Petrus de Alliaco).
    Textgeschichte: Von den vier erhaltenen Abschriften steht am nächsten diejenige in Wien, ÖNB, Cod. 5266, 273ra–283rb.
    Edition
    • Nikolaus von Cues: Die Kalenderverbesserung (De correctione kalendarii. Lateinisch und deutsch), hrsg. unter Mitw. von B. Bischoff, dt. von V. Stegemann, Heidelberg 1955 (Schriften von Nikolaus von Cues 3), 4–90 (mit dieser Hs., LIII u. ö. genannt, Sigle H);
    • "ut reiecto paschali errore veritati insistamus". Nikolaus von Kues und seine Konzilsschrift De reparatione kalendarii, Müncter/Westf. 2010 (Buchreihe der Cusanus-Gesellschaft 17), 289–319 (mit dieser Hs., 22 u. ö. genannt, Sigle H).
    Literatur
    • H.-G. Senger, Die Philosophie des Nikolaus von Kues vor dem Jahre 1440. Untersuchungen zur Entwicklung einer Philosophie in der Frühzeit des Nikolaus (1430–1440), Münster/Westf. 1971 (Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters N.F. 3), 114–130 (115 Anm. 100 und 120 Anm. 117 jeweils Hs. genannt);
    • Thorndike/Kibre, 33.1.
  5. 126r–127v >Avisamenta de correctione kalendarii<. Tria in considerationem veniunt in kalendarii correctione primum quid corrigi debet secundum quare terium qualiter … — … breviter conscribi non poterunt si quis tamen dubium habuerit ab ipsis poterit informari etc. etc.
    Textgeschichte: Im gleichen Überlieferungskontext auch in Wien, ÖNB, Cod. 5266, 283va–284rb.
    Ungedruckt. Dazu Thorndike/Kibre, 1586.12.
Handschriftenteil: II
Entstehungszeit: um 1425
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Waage ohne Kreis, mit gerader Waagschale (2 Typen, nicht nachweisbar). Dreiberg im Kreis (nicht nachweisbar). Horn waagerecht, zwei Striche auf dem Horn: WZIS DE5910-PO-119583 (1426).
Umfang: 80 Bl.
Format: 29 × 21,5 cm.
Lagenstruktur: VI–4 (135). 6 VI (207). Reklamanten, Kustoden (arabische Zahlen 1117) auf dem Fußsteg der letzten Versoseite jeder Lage; zusätzlich Lagensignaturen in arabischen Zahlen (jeweils 16).
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 19–20 × 14 cm, Bl. 128r–131v ein-, sonst zweispaltig (Spalten 6,5 cm breit), je nach Hand 36–43 Zeilen.
Hände: Sehr regelmäßige jüngere gotische Kursive und Bastarda von 3 Händen,
  • Hand 1: 128r–131v (Bastarda);
  • Hand 2: 132ra–202vb (Kursive);
  • Hand 3: 203ra–va (Kursive).
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, abwechselnd rote und blaue Lombarden.
Spätere Ergänzungen: Auf Bl. 132va–167rb zahlreiche Marginalien mehrerer Hände, darunter von anlegender Hand Kapitelgliederungen sowie auf Bl. 132va folgender Repräsentant für die nicht ausgeführte Schlussrubrik: Et compilatus est iste tractatus et finitus anno domini Mo CCCCo XXVo scilicet in insula Corsice inceptus cuius … commune. … Außerdem erläuternde Randbemerkungen weiterer Hände, vor allem solche eines Johannes exul (möglicherweise identisch mit Johannes Poloner, vgl. Teil IV), so auf Bl. 149ra zur einer zerstörten Kirche in Bethanien: Cum et ego Johannes exul peregrinus ibidem eram 1422 vidi eandem ecclesiam abintus deturpatam ruderibus et stercoribus caprarum et ovium sine tecto et ab omnibus cohabitantibus derelictam tamquam umbraculum vinee vindemia collecta. Diese Bemerkung findet sich identisch an gleicher Stelle auch in der Hs. Salzburg, Bibliothek der Erzabtei St. Peter, b IX 22 (olim CC cist. XXXIV,7), 3ra–44rb (15. Jh., 3. Viertel), die offenbar einschließlich der Notizen von dieser Hs. kopiert wurde. Vgl. zum Salzburger Codex Salzburg St. Peter, 362f.; die Notiz aus dem Salzburger Codex ist abgedruckt in: W. A. Neumann, Rezension zu: Descriptiones Terrae sanctae…, hrsg. von T. Tobler, Leipzig 1874, in: Theologische Quartalschrift 56 (1874), 521–550, zitiert 547. Weitere Notizen von der gleichen Hand auf Bl. 151va zum Grabmal Marias: Et ego Johannes intravi et descendi 1422 per 48 gradus; 156va zur Geburtskirche in Bethlehem: Ego autem Johannes descendi 1422 per sedecim gradus; 171ra zu Antiochia: Cum ego Johannes eram in terra illa 1422 pro certo dicebatur mihi quod beata Barbara passa est in Baruto duabus diebus a Sidone contra aquilonem. Huius patrie vicedominus fuit Diascorus pater sancte Barbare qui filiam suam ibidem iugulavit et fui ibi tredecim diebus in decembri. Allerdings unterscheiden sich die zitierten, in einer sauberen Buchkursive geschrieben Randnotizen im Schriftbild sehr stark von den vermutlich autographen Texten in Teil IV (s. unten). Von der Haupthand von Teil IV stammen hingegen die umfangreichen Marginalien auf Bl. 164vb–165va, die unten, 287vb–288rb, von gleicher Hand wiederholt werden.
Inhalt:
  1. 128r–130v Descriptio Asiae. Regna Asie sunt in numero quatuordecim quorum primum est Cathay … — … portu altissima turris est ut indicet portum navigantibus. >Deo gratiam ago omnipotenti<.
    Textgeschichte: Mit identischem Incipit in München, BSB, Clm 14583, 491r–496r (München BSB 4,2, 198). Ungedruckt.
  2. 130v–131v Tabula imperatorum et regum christianorum. Imperatores christianorum sunt hii videlicet imperator Romanorum imperator Constantinopolitanum … — … Ebrietas sclavorum Pompa hispanorum Luxuria saracenorum Duricia iudeorum Ingluvies teutunicorum.
    Textgeschichte: Mit identischem Incipit und Explicit in Graz, UB, Ms. 536, 131r–132r (Graz 1, 314). Ungedruckt.
  3. 132ra–va Andreas de Escobar: Tractatus de decimis (ultima pars). (Text setzt ein) … rector curatus seu beneficiatus potest resignare decimas nec recipere in pignus parochialium ecclesiarum … — … et pro me paupere episcopo Aracensis[sic] Hyspano ordinis sancti Benedicti dicat pater noster. Et post huius vite terminum una cum parochianis subditis meis requiem sempiternam adipisci mereamur in secula seculorum Amen. Textbeginn durch Blattverlust fragmentiert. Mit zahlreichen Marginalien von anlegender Hand, darunter auf Bl. 132va folgender Repräsentant für die nicht ausgeführte Schlussrubrik: Et compilatus est iste tractatus et finitus anno domini Mo CCCCo XXVo scilicet in insula Corsice inceptus cuius … commune.
    Druck
    • GW 1856;
    • Tractatus Universi Iuris Duce & Auspice Gregorio XIII. Pontifice Maximo in unum congesti…, Vol. XV/2: De beneficiis, Venedig 1584, 142vb–148vb.
    Literatur
    • Schulte 2, 441 Nr. 33.4;
    • García y García Canonística 1, 420f. Nr. 5;
    • Sousa Costa, 14 (Hs. genannt), 13, 31f., 34, 38, 47–49, 140–144, 189;
    • HISLAMPA, 162;
    • CALMA 1, 239 Nr. 10.
  4. 132va–167rb Burchardus de Monte Sion: Descriptio Terrae Sanctae (recensio prolixior). >Incipit liber de descripcione terre sancte<. Cum in veteribus hystoriis legamus sicut dicit beatus Ieronimus quosdam lustrasse provincias … — … istud retulerunt omnes egypcii et cristiani et saraceni bona fide. >Explicit libellus de descripcione terre sancte cuius auctor ignoratur<.
    Textgeschichte: Vollständiger Text der Langfassung. Auszüge dieser Fassung in Cod. Guelf. 643 Helmst., 196ra–211ra. Mit identischem Incipit, Explicit und Rubriken in Klosterneuburg, StiB, CCl 722A, 1r–40v (Klosterneuburg CCl 453–1256 masch. 4, 68).
    Druck
    • J. C. M. Laurent, Peregrinatores medii aevi quatuor: Burchardus de Monte Sion, Ricoldus de Monte Crucis, Odoricus de Foro Julii, Wilbrandus de Oldenburg, 21873, 19–94 (ohne das Schlusskapitel über Ägypten);
    • Liber de descriptione terrae sanctae, Textus conferendus, hrsg. von W. A. Neumann, Genf 1880.
    Literatur
    • Röhricht 56–60 Nr. 143 (57 Nr. 49 Hs. genannt);
    • Potthast Wegweiser 1, 177;
    • Thorndike/Kibre, 308.9;
    • Rep. font. 2, 609;
    • Kaeppeli 707 (Hs. genannt) und Suppl.;
    • CALMA 2, 519f. Nr. 1;
    • I. Baumgärtner, Burchard of Mount Sion and the Holy Land, in: Peregrinations. Journal of medieval art and architecture 4 (2013), 5–41 (15, 31 Hs. genannt).
  5. 167rb–176ra Ps.-Beda Venerabilis: Descriptio Terrae Sanctae. >Incipit Beda de descripcione eiusdem terre sancte<. Sumamus inicium a Chebron que est Ebron metropolis … — … Monte Syon cenavit cum apostolis suis Ihesus. >Explicit Beda de descripcione terre sancte<. Der unbekannte Verf. wird vielfach mit dem Notnamen "Innominatus VI" bezeichnet.
    Textgeschichte: Mit identischem Incipit, Explicit und Rubriken in Klosterneuburg, StiB, CCl 722A, 41r–50v (Klosterneuburg CCl 453–1256 masch. 4, 68).
    Druck
    • W. A. Neumann, Drei mittelalterliche Pilgerschriften, Teil II: Innominatus VI (Pseudo-Beda), in: Österreichische Vierteljahresschrift für katholische Theologie 8 (1868), 397–438;
    • Itinera Hierosolymitana Crucesignatorum saec. XII–XIII. Textus Latini cum versione Italica, Bd. 3: Tempore recuperationis Terrae Sanctae (1187–1244), hrsg. von S. de Sandoli, Jerusalem 1983, 29–45.
    Literatur
  6. 176ra–202vb Honorius Augustodunensis: Imago mundi. >Sequitur Honorius de ymagine mundi<.
    • (176ra) Praefatio. Hic liber scribitur de mundo qui loco continetur per tempus movetur … — … que sibi locis et temporibus succedunt.
    • (176ra–b) >Incipit epistula cuiusdam ad Honorium inclusum<. Septiformi spiritu interna[sic] fide illustrato ac septenis rivis tripharie philosophie inundato … — … quid sint penitus ignorare.
    • (176rb–va) >Responsio et prologus<. Sapiencie alumpno addita diligenter scrutanti … — … nisi quod maiorum commendat tradicio.
    • (176va–202va) Textus. Mundus dicitur quasi undique motus … — … Lotharius regnavit annos novem. Conradus 14 annos regnavit. Fridericus filius eius 30.
    • (176va–202va) >Exhortacio editoris huius operis ut eius edicio non refutetur<. Rogo autem te lector si tamen pre domina mundi invidia audeas … — … ad gloriam et honorem perducet. >Amen. Deo gracias<. Dieser Zusatztext stammt aus Honorius’ Werk "De luminaribus ecclesiae" (PL 172, 197) und ist sonst vielfach (z. B. Cod. Guelf 205 Helmst., 98r) der Chronik Ottos von Freising nachgestellt, vgl.
      • MGH SS 20, 103 Anm. 47;
      • MGH SS rer. Germ. 45, XXXV Anm. 4 (krit. Druck).
    >Explicit Honorius de ymagine mundi<. Die Kapitelüberschriften sind in marg. ausgeworfen.
    Textgeschichte: Auch in Cod. Guelf. 12.2 Aug. 4°, 1r–50v (am Schluss Blattverlust); Auszüge in Cod. Guelf 205 Helmst., 98va; 76.30 Aug. 2°, 2ra–9vb. Mit identischem Incipit, Explicit und Rubriken in Klosterneuburg, StiB, CCl 722A, 51r–81r (Klosterneuburg CCl 453–1256 masch. 4, 69).
    Edition (jeweils ohne Praefatio und Exhortatio)
    • PL 172, 119–186;
    • V. I. J. Flint, Honorius Augustodunensis: Imago mundi, in: Archives d’histoire doctrinale et littéraire du Moyen Age 57 (1982), 7–153, Text 48–151.
    Literatur
    • Rep. font. 5, 556:
    • Thorndike/Kibre, 893.7 und 1434.1;
    • 2VL 4, 122–132, hier 125;
    • Garrigues I, 27–33 und 116–118;
    • Flint, 140f. und 165–167 (Handschriftenliste ohne Kenntnis der Wolfenbütteler Überlieferung);
    • Sharpe, 180 Nr. 494.15;
    • CALMA 6, 237 Nr. 25.
  7. 203ra–va Prophetiae Ⅻ Sibyllarum. >Nota diversas prophecias Sibillarum de adventu domini in carne<. Sibilla persica cuius memoriam facit Nicanor et ayt: Ecce bestiam conculcaberis et gingnetur[sic] dominus in orbem terrarum … — … et nascetur ex matre ut deus et conversabitur ut peccator. >Hec sufficiant<.
    Textgeschichte: Die vollständige Fassung dieses weit verbreiteten und variant überlieferten Textes auch in Cod. Guelf. 15.8 Aug. 4°, 9r–10r.
    Druck (u. a., jeweils vollständige Fassung)
    • GW 3385, b5r–c2v;
    • A. White, M. Monteiro, "As David and the sibyls say". A sketch of the sibyls and the sibylline oracles, London 1905, 56–63;
    • M. Hélin, Un texte inédit sur l’iconographie des sibylles, in: Revue belge de philologie et d’histoire 15 (1936), 349–366, hier 359–363 (363 Reihenfolge der zwölf Sibyllen, entspricht in dieser Hs. der unter L–T angegebenen).
    – 203vb–207vb leer.
Handschriftenteil: III
Entstehungszeit: um 1435
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Waage ohne Kreis, mit gerader Waagschale: WZIS IT8355-PO-116248 (1437). Dreiberg, darüber einkonturiges Kreuz (zwei Typen, nicht nachweisbar).
Umfang: 72 Bl.
Format: 29 × 21,5 cm.
Lagenstruktur: 6 VI (279). Kustoden (arabische Zahlen 1823) auf dem Fußsteg der letzten Versoseite jeder Lage.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 20–21 × 14–14,5 cm, zweispaltig (Spalten unregelmäßig 6–6,5 cm breit), je nach Hand 32–44 Zeilen.
Hände: Sehr regelmäßige Bastarda von zwei Händen,
  • Hand 1: 208ra–265ra;
  • Hand 2: 265ra–277ra, von dieser Hand (Johannes exul) auch zahlreiche Marginalien in Teil II.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, abwechselnd rote und blaue Lombarden.
Spätere Ergänzungen: Im gesamten Text marginale Ergänzungen und Korrekturen der anlegenden und weiterer Hände, darunter insbesondere der Haupthand von Teil IV (Johannes Poloner ?).
Inhalt:
1. 208ra–277ra Robertus Remensis: Historia Hierosolymitana aliis chronicis interpolata. Die Chronik ist mit inhaltlich passenden Abschnitten aus diversen anderen Geschichtswerken ergänzt. Im einzelnen sind enthalten:
  • (208ra–209rb) >Incipit epistola Constantinopolitani imperatoris ad Rupertum Flandrensem comitem<. Domino et glorioso comiti Flandrensium Rudwerto et omnibus tocius regni principibus … O inclitissime comes et maxime christiane fidei aut consolator … — … et inde non iudicium sed mercedem habeatis in celum Amen.
    Textgeschichte: Auch in Cod. Guelf. 206 Helmst., 186v–188v; 14.15 Aug. 4°, 106v–109v.
    Edition
    • PL 155, 465B–470A;
    • Epistulae et chartae ad historiam primi belli sacri spectantes, quae supersunt aevo aequales ac genuinae = Die Kreuzzugsbriefe aus den Jahren 1088–1100. Eine Quellensammlung zur Geschichte des ersten Kreuzzuges mit Erläuterungen, hrsg. von H. Hagenmeyer, Innsbruck 1901, 130–136 Nr. I (mit dieser Hs., Sigle Gh', 42 genannt).
  • (209rb–vb) Sermo apologeticus. >Incipit prologus<. Universos qui hanc hystoriam legerint sive legere audierint … — … qui eam composuit Růdwertus appellatur.
  • (209vb–210ra) >Incipit prologus<. Inter omnes hystoriographos veteris ac novi testamenti Moyses sanctus obtinet principatum … — … nichil nugarum nisi quod verum est enarrabimus.
  • (210ra–264va) Textus. >Incipit expedicio Ierosolimitana<. Anno incarnacionis dominice M nonagesimo secundo[sic] magnum intra fines Gallie concilium celebratum est in Alvernia scilicet civitate que Clarus Mons appellatur … — … quando vult et quomodo vult miseretur et sanat qui in trinitate perfecta vivit et glorificatur deus per omnia secula seculorum Amen. Da Buch VII und VIII zusammengezogen sind, werden nur acht anstelle von neun Büchern gez., auch die Kapitelteilung weicht an einigen Stellen von der kritischen Ausgabe ab. Auf Bl. 264ra ist in lib. 9,5 eine kurze Textpassage mit zwei Zetteln überklebt, die neben dem korrekten Textanschluss einen rubrizierten Hinweis auf eine nachträgliche Zufügung beinhalten: Sequitur: Post urbem captam. Require post quintum folium sub signo tali [folgt Auslassungszeichen]. Der betreffende Text steht auf Bl. 269rb–270va (s. unten).
    Textgeschichte: Die Historia Hierosolymitana vgl. auch in Cod. Guelf. 206 Helmst., 130v–186v; 14.15 Aug. 4°, 1r–106v; Cod. Guelf. 167 Gud. lat., 1v–87r.
    Druck der genannten Texte
    • Recueil des historiens des croisades. Historiens occidentaux, Bd. 3, Paris 1866, 721–882;
    • PL 155, 669A–758C;
    • Itinera Hierosolymitana Crucesignatorum saec. XII–XIII. Textus Latini cum versione Italica, Bd. 1: Tempore primi belli sacri, hrsg. von S. de Sandoli, Jerusalem 1978, 196–231 (Auszüge);
    • The Historia Iherosolimitana of Robert the Monk, edited by D. Kempf and M. G. Bull, Woodbridge, Rochester NY 2013, 3–110 (LXXIII Hs. genannt).
    Literatur
  • (264va–b) Epistula Patriarchae Hierosolymitani et aliorum episcoporum ad occidentales. >Epistola patriarche Ierosolomitanis[sic]<. Ierosolimitanus patriarcha et episcopi tam greci quam latini … Quoniam ecclesie incremento nos gaudere non ignoramus … — … et beato Blasio militibus Christi vere nos committimus. Enthält die verbreitete Kurzfassung des Briefes (Abschnitt 1–3 der Edition). Am unteren Rand der Spalte eine Notiz von anlegender Hand: Nota Kairun est nova Babilon qua crebrius habitat rex soldanus.
    Textgeschichte: Auch in Cod. Guelf. 206 Helmst., 186v; 14.15 Aug. 4°, 106v (jeweils unvollständig).
    Edition
    • PL 155, 469D–470C;
    • Epistulae et chartae ad historiam primi belli sacri spectantes (s. oben), 146–149 Nr. IX, hier bis 147.
  • (265ra–269rb) Bartolfus Peregrinus de Nangeio: Gesta Francorum Hierusalem expugnantium (cap. 51–55, 58–61). >Hoc bellum peractum est inter Ascolonam et Asotum prope mare in vigilia nativitatis sancte Marie virginis anno ut infra<. Eodem anno rex Babilonis congregavit exercitum magnum valde et misit ut expugnaret Ierusalem … — … tradidit deus hanc civitatem cristianis atque imperio subdidit Ierosolimitano. Der Text ist gegenüber der Ausgabe modifiziert und ergänzt. Die Fortsetzung des Nachtrags steht unten, Bl. Bl. 270va–277ra, auf die folgendermaßen neben dem Explicit hingewiesen wird: Versus duobus foliis sequentibus legatur: Eodem anno mense.
    Textgeschichte: Vollständig in Cod. Guelf. 629 Helmst., 61r–116r.
    Edition
    • Recueil des historiens des croisades. Historiens occidentaux, Bd. 3 (s. oben), 487–543, hier 527–531 und 533–536.
    Literatur
    • Röhricht 23 Nr. 53;
    • Potthast Wegweiser 1, 517;
    • Rep. font. 4, 729f.;
    • CALMA 2, 157 Nr. 1;
    • S. B. Edgington, The Gesta Francorum Iherusalem expugnantium of 'Bartolf of Nangis, in: Crusades 13 (2014), 21–35.
  • (269rb–270va) Bartolfus Peregrinus de Nangeio: Gesta Francorum Hierusalem expugnantium (cap. 42–45). Post urbem captam Ierusalem secundo anno XV kalendas Augusti obiit condigne memorie speculum omnium principum inclitus dux Gotfridus Lotringus … — … omnibusque de more solemniter expletis eodem die cum gaudio Ierusalem redierunt. Der Nachtrag gehört inhaltlich an die erste überklebte Einfügungsstelle oben, Bl. 264ra. Der Text ist gegenüber der Ausgabe modifiziert und ergänzt. Am Schluss ein rubrizierter Verweis auf den inhaltlich vorausgehenden Text (265ra–269rb): Hic interserantur duo prescripta prelia reversis sex foliis sub tali flavo signo [folgt Auslassungszeichen]. Druck: Recueil des historiens des croisades. Historiens occidentaux, Bd. 3 (s. oben), 520–523.
  • (270va–271vb) Bartolfus Peregrinus de Nangeio: Gesta Francorum Hierusalem expugnantium (cap. 45–49). Eodem anno mense Januarii celebratis diebus natalis et apparicionis domini rex Baldwinus fines regni sui dilatare cupiens … — … solemniter missa celebrata est deinde paschalis illa solemnitas in dei laudibus est completa.
    Hec quippe sancta dies sanctorum clara dierum
    Nobilis nobilior rutilans diadema dierum.
    (zwei sonst im laufenden Text stehende Verse aus Chevalier 7569 bzw. AH 20 Nr. 5).
    Druck
    • Recueil des historiens des croisades. Historiens occidentaux, Bd. 3 (s. oben), 523–526.
  • (272ra–273rb) Epitome bellorum sacrorum (partim). Post Gotfridum consequutus est regiam dignitatem frater eius Baldwinus sicut prescriptum est de ambobus. Deinde alter Baldwinus hispanus[sic] de Burgo consanguineus horum duorum … — … quam parvo tempore christiani suam hereditatem sanguine Christi redimitam meruerunt possidere.
    Textgeschichte: Ob und inwiefern das hier und in den folgenden Auszügen präsentierte Material mit dem heute nicht mehr nachweisbaren Codex aus dem Augustiner-Chorherrenstift St. Magnus in Regensburg in Zusammenhang steht, der der unten genannten Ausgabe zugrundegelegt wurde, ist nicht mehr nachweisbar. Dieser Abschnitt modifiziert nochmals unten, 295rb–297rb.
    Druck (jeweils abweichend)
    • Thesaurus Monumentorum Ecclesiasticorum Sive Henrici Canisii Lectiones Antiquæ … Quibus Præfationes Historicas … adjecit J. Basnage, Tom. IV, Antverpiæ 1725, 423–446, hier 428–430.
    Literatur
    • Röhricht 90 Nr. 218;
    • Potthast Wegweiser 1, 427;
    • C. Kohler, Histoire anonyme des rois de Jérusalem (1099–1187), in: Ders., Mélanges pour servir a l'histoire de l'orient latin et des croisades, Fasc. 1, Paris 1900, 63–103 (74, 92 Hs. genannt);
    • Rep. font. 4, 366;
    • U. Ganz-Blättler, Andacht und Abenteuer. Berichte europäischer Jerusalem- und Santiago-Pilger (1320–1520), Tübingen2 1991 (Jakobus-Studien 4), 364.
  • (273rb–274rb) Epitome bellorum sacrorum (partim). Gwidone itaque rege capto ut supra dictum est et dimidia pars integre crucis Christi quam in exercitu secum deferebant perdita est … — … mutuo se interfecerunt. Maior eciam pars illius infidelis populi illo anno fame interiit. Druck (abweichend): Thesaurus Monumentorum Ecclesiasticorum … Tom. IV (s. oben), 438f. Zum Text s. oben. Der letzte Abschnitt des Textes nochmals unten, 298ra–299ra.
  • (274rb–277ra) Jacobus de Vitriaco: Historia Hierosolymitana abbreviata (partim). >Sequitur de ultimo bello quo perdita est alma civitas Ierusalem et tota terra sancta capitulum ultimum<. Quis enumerare sufficit magnalia dei que in materiam laudis sue et in usum necessitatis nostre creavit … — … libenter reddidisset si reges tantummodo simulassent quod terram eius unanimiter vellent invadere et inter se concordiam ordinare. >Finis huius<. Das stark bearbeitete Exzerpt enthält als Einleitung den Beginn von cap. 92 sowie Ausschnitte der cap. 94–99.
    Textgeschichte: Vollständig in Cod. Guelf. 30.5 Aug. 2°, 65va–128rb; 41 Weiss., 179va–197rb. Der erste Abschnitt (bis Bl. 275ra) nochmals unten, 297rb–298ra.
    Druck
    • Orientalis historiae Tom. I: Gesta Dei per Francos sive Orientalium expeditionum et regni Francorum Hierosolimitani historia…, hrsg. von J. Bongars, Hanau 1611, 1047–1145, hier 1114f., 1117–1122.
    Literatur
    – 277rb–279vb leer.
Handschriftenteil: IV
Entstehungszeit: 1425–1435
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Dreiberg im Kreis (nicht nachweisbar). Dreiberg (zwei Typen, nicht nachweisbar). Leopard, gepunktet (zwei Typen, nicht nachweisbar).
Umfang: 33 Bl.
Format: 29 × 21,5 cm.
Lagenstruktur: 2 VI (303). VI–3 (312). Kustoden (arabische Zahlen 2425) auf dem Fußsteg der letzten Versoseite jeder Lage mit Ausnahme der letzten.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 19,5–20 × 14 cm, zweispaltig (Spalten unregelmäßig 6–6,5 cm breit), je nach Hand 37–43 Zeilen
Hände: Zwei Hände:
  • Auf Bl. 284ra–291vb, 295rb–303vb flüchtige, unregelmäßig wirkende Bastarda mit kursiven Zügen, vermutlich von Johannes Poloner;
  • auf Bl. 292ra–295rb regelmäßige jüngere gotische Kursive von der gleichen Hand wie oben, Bl. 50va–127v.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, meist rote, auf Bl. 292ra und 294rb auch blaue Lombarden.
Inhalt:
1. 280ra–303vb Johannes Poloner: Peregrinatio terrae sanctae. Hier liegt der älteste bekannte Überlieferungszeuge dieses Textes vor. Ob Poloner selbst die den eigenen Bericht flankierenden Exzerpte als Ergänzung angelegt hat, ist sehr wahrscheinlich, aber nicht mit letzter Sicherheit beweisbar. Im einzelnen sind enthalten:
  • (280ra–vb) >Anno domini Mo Co XXo principabant fratres milicie templi qui et templarii dicebantur de quibus nunc est dicendum<. Iuxta exigenciam temporum superius prolatam cum ex omnibus mundi partibus … — … milites cum servientibus in suum collegium acceperunt.
    Druck
    • Thesaurus Monumentorum Ecclesiasticorum … Tom. IV (s. oben), 430f.
  • (280vb–281vb) >De hospitali sancti Johannis elemosinarii de quo fratres nomen acceperunt<. Cum civitas sancta sub dominio sarracenorum teneretur multi tamen christiani inter eos oppressi habitabant … — … per Gotfridum ut supra dictum est tempore Lotary imperatoris.
    Druck
    • Thesaurus Monumentorum Ecclesiasticorum … Tom. IV (s. oben), 435f.
  • (281vb–283va) >Nunc consequenter dicendum est de multiplici genere cristianorum terre sancte coadiacencium quamvis honorent crucem et christiani esse se affirmant papalia tamen statuta nesciunt<. Sunt enim in terre sancte christiani habitantes fidei tamen concomitancium non custodientes … — … ab omnibus christianis vilipendendam inclinare. Sequitur de secta Machameti.
    Druck
    • Thesaurus Monumentorum Ecclesiasticorum … Tom. IV (s. oben), 432–434.
    Literatur
  • (283va–284vb) >De secta Machmeti vide diligenter<. Macometus enim propriam legem conficiens quam a spiritu sancto qui in columbe specie super eum volabat se recepisse menciebatur … — … et tamen post plures annos veneno sibi dato interiit.
    Druck
    • Thesaurus Monumentorum Ecclesiasticorum … Tom. IV (s. oben), 440–442.
  • (284vb–287vb) Burchardus de Monte Sion: Descriptio terrae sanctae (partim). >Fructus terre sancte vide postea<. Terra sancta rei veritate egregia est inter omnes terras … — … vidi in terra illa que vix in terra nostra fieri creduntur. Der marginal vielfach ergänzte und korrigierte Text entspricht weitgehend der vollständigen Abschrift oben, Bl. 160rb–165ra.
    Druck
    • Laurent Peregrinatores medii aevi quatuor (s. oben), 86–93.
  • (287vb–288rb) Johannes Poloner (?): Additamenta ad descriptionem Burchardi. Multum[sic] utique devoti sunt in ecclesia et clerici et laici nichil ibi faciunt … — … Aristoteles in loyca Tulius in rethorica[sic] Ypocrates in medicina. Der erste Teil dieser in den Druckausgaben fehlenden Ergänzungen wurde vermutlich von Johannes Poloner bereits in die vollständige Abschrift des Textes oben, Bl. 165ra–va als Marginalie eingefügt, der zweite Teil als Ergänzung zu den alexandrinischen Gelehrten, ist marginal bereits auf Bl. 164vb–165ra zu finden.
    Literatur
    • Röhricht 149 Nr. 467 (nur diese Hs. mit falscher Folioangabe genannt);
    • A. S. Atiya, The crusade in the later Middle Ages, London 1938, 505 (nur diese Hs. mit falscher Folioangabe genannt).
  • (288rb–289rb) Johannes Poloner>Sequitur peregrinacio terre sancte genera[sic] generalis<. Anno domini Mo CCCCo XXo XIII die mensis Septembris que tunc fuit feria VI in vigilia sancte crucis ego Johannes extraneus omnibus fratribus meis ascendi bobam … — … mons tamen Sylo qui distat a Ierusalem quatuor leucas altior est civitate. Dieser Teil von Poloners Werk ist bislang nur hier überliefert und ungedruckt.
  • (289va–290rb) Johannes Poloner>Peregrinacio ipsius Johannis Poloner in die beato Oswaldi exivit de Ratispona etc.< Anno domini Mo CCCCo XXo feria tercia in die beati Oswaldi exivi Ratisponam 8 milia Lanczhud 6 Ysen 6 Rosenhaym … — … die recessionis peregrinorum dedi pro cortasia maiori trutelmano in Ierusalem Item asinario 4 ggl. Das zu Beginn gegebene Datum ist offenbar fehlerhaft, denn 1420 fiel der Tag des hl. Oswald auf einen Montag. Bei dem im Text und im Explicit mehrfach erwähnten trutelmanus (auch: trutsilmanus u.a., eigentlich mlat. dragomannus/turgemanus > arab. tarğumān), vgl. R. Tazi, Arabismen im Deutschen. Lexikalische Transferenzen vom Arabischen ins Deutsche, Berlin, New York 1998 (Studia linguistica Germanica 47), 182, handelt es sich um speziell zur Pilgerbetreuung eingesetzte Dolmetscher und Fremdenführer, denen während Poloners Anwesenheit in Jerusalem ähnlich wie später im osmanischen Kairo ein oberster, von der Regierung akkreditierter Dragoman vorstand. Dieser Teil von Poloners Werk ist bislang nur hier überliefert und ungedruckt.
  • (290rb–vb) Johannes Poloner>De redditu ad terram christianorum<. Scripsi in precedentibus quia anno domini etc. XXo octava die Januarii apprehendi terram sanctam qua mansi usque ad crastinum beati Urbani … — … fluunt et presertim flumen Tulment dictum. Dieser Teil von Poloners Werk ist bislang nur hier überliefert und ungedruckt.
  • (290vb) Johannes Poloner (?): De filiis Noe et de divisione mundi. Melchisedech vixit DC annis huius tempore … — … generati sunt XXIIII milia virorum et centum viri demptis mulieribus. Bei diesem Abschnitt handelt es sich um ein vermutlich von Johannes Poloner angefertigtes Exzerpt aus Honorius Augustodunensis: Imago mundi, lib. 3 (PL 172, 166, Text oben, 195va), das durch eine schematische, federgezeichnete Radkarte (TO-Karte) ergänzt ist, die mit folgender Beschriftung die drei Erdteile in traditioneller Form des Söhnen Noahs zuordnet: Licia Pisida[sic] Pamphilia Tarsis Pontus et Ponticum mare … in Asia sunt que unus ex filiis Noe scilicet Kaam obtinuit et possedit qui genuit Nemrotem regem et fundatorem turris Babilonis … , Magna Karthago Yppona Libia mare Libicum in Affrica sunt quam alter filius Noe scilicet Seth[sic] possedit und Tercius filius Noe scilicet Japhed ex quo populus Israel generatus est possedit Europam. Die Abschrift von Poloners Bericht in München, BSB, Clm 721, 70v–86r, enthält ebenfalls eine schematische Mappa mundi, vgl. A. Betschart, Zwischen zwei Welten. Illustrationen und Berichte westeuropäischer Jerusalemreisender, Würzburg 1996 (Würzburger Beiträge zur deutschen Philologie 15), 268 Nr. 5. Dieser Teil von Poloners Werk ist ungedruckt.
  • (291ra) Johannes Poloner (?)>Nota de civitate Veneciarum per mare contra orientem<. Nota de civitate Veneciarum per mare versus orientem per XXX miliaria maritima a sinistris contra aquilonem est civitas … — … sunt quadraginta et XII miliaria. Dieser Teil von Poloners Werk ist bislang nur hier überliefert und ungedruckt.
  • (291ra–b) Johannes Poloner>Sequuntur peregrinaciones a civitate Ierusalem versus orientem ad Betaniam<. Visis itaque propinquis transeundum est ad remociora ut nostre devocionis crescat affectus … — … dominus veniens de Yerico ascendens Ierosolimam inter Ierusalem et Betlehem est via trium horarum.
    Edition (ohne diese Handschrift)
    • Descriptiones Terrae Sanctae ex saeculo VIII., IX., XII. et XV., hrsg. von T. Tobler, Leipzig 1874, ND Hildesheim 1974, 225–281 (Text), 497–522 (Kommentar), hier 244–246.
  • (291rb–vb) Johannes Poloner>Sequuntur peregrinaciones de Ierusalem ad Betleem<. Primo enim videtur domus iusti Symeonis prope Ierusalem ad[sic] dextris extra viam versus Garwin in vineis … — … per duas leucas contra austrum sunt sepulchra duodecim prophetarum.
    Edition (ohne diese Handschrift)
    • Descriptiones Terrae Sanctae (s. oben), 246–251.
  • (291vb) Johannes Poloner>Peregrinacio de Betleem ad vallem Ebron<. In via enim de Betleem ad vallem Ebron ostenditur locus … — … ager damascenus quo Adam et Eva est creatus.
    Edition (ohne diese Handschrift)
    • Descriptiones Terrae Sanctae (s. oben), 251.
  • (291vb) Johannes Poloner: Peregrinatio de Hebron ad Jerusalem. De Ebron versus Ierusalem pergitur per montana Judee … — … videtur aqua qua eunuchus a Philippo est baptisatus Actis octavo [Act 8,27-38].
    Edition (ohne diese Handschrift)
    • Descriptiones Terrae Sanctae (s. oben), 252f.
  • (292ra–294ra) Johannes Poloner: Divisio Terrae Sanctae. Terra ista quam sanctam dicimus in distribucione cecidit in sortem duodecim tribuum Israel … — … sepulta erant ossa Joseph Judei dicunt Sochim Syon vocant Haraon.
    Edition (ohne diese Handschrift)
    • Descriptiones Terrae Sanctae (s. oben), 253–263.
    Dieser Text stellt eine stark kürzende Bearbeitung der Descriptio Terrae Sanctae von Burchardus de Monte Sion dar (s. oben, 132va–167rb). Die separate Parallelüberlieferung des Textes in der Hs. Nürnberg, StB, Cent. III, 93, 171r–172r (Nürnberg StB 4, 34), und in dem Mischband München, BSB, Rar. 801, 126r–129v (BSB Ink T-488.2), legt den Schluss nahe, dass Poloner das Exzerpt als Grundlage für eine selbst gezeichnete (jedoch nicht erhaltene) Karte benutzte, vgl. München, BSB, Rar. 801, 126r: … faciunt unum miliare almanicum secundum hanc tabulam quam ego N peregrinus in Ierusalem repinxi in sancto monte Sion.
  • (294rb–297rb) Epitome bellorum sacrorum (partim). Acta enim antecessorum non immerito scripturis commendantur ut et posteri ipsa ruminando pertractantes … — … quam parvo tempore christiani suam hereditatem sanguine Christi redimitam meruerunt possidere. Der erste Abschnitt (endet Bl. 295rb mitten im laufenden Text mit Anno domini Mo Co mense Julii et sic terra sancta christianis remansit 89 annis) ist von anderer Hand geschrieben als der vermutlich von Johannes Poloner selbst stammende Schluss. Zum Text s. oben, 272ra–273rb.
    Druck
    • Thesaurus Monumentorum Ecclesiasticorum … Tom. IV (s. oben), 426–430.
  • (297rb–298ra) Jacobus de Vitriaco: Historia Hierosolymitana abbreviata (partim). >Sequitur de ultimo bello etc.< Quis enumerare sufficit magnalia opera dei que in materiam laudis sue et usum necessitatis nostre creavit … — … qui exulibus fratribus suis compati debuerant prorsus abstulerunt. Mit zahlreichen Marginalien und Korrekturen von anlegender Hand. Zum Text s. oben, 274rb–277ra (dort auf Bl. 274rb–275ra der hier stehende Text).
    Druck
    • Orientalis historiae Tom. I (s. oben), 1114f., 1117f.
  • (298ra–299vb) Epitome bellorum sacrorum (partim). Scripsi enim in precedentibus mente lugubri de perdicione terre sancte tempore Gwidonis regis … — … tunc rediit omnesque mirabili suavitate refecit. Mit zahlreichen Marginalien und Korrekturen von anlegender Hand. Zum Text s. oben, 272ra–273rb, dort nochmals der erste Teil des Textes.
    Druck
    • Thesaurus Monumentorum Ecclesiasticorum … Tom. IV (s. oben), 438–440, 446.
  • (299vb–300rb) Johannes Poloner (?): De expeditione sacra secunda in Terram Sanctam. Tempore Eugenii pape anno domini Mo Co quadragesimo septimo ad procuracionem beati Bernardi abbatis Claravallensis tunc viventis Conradus imperator cum suis baronibus cruce signatis … — … que postea reedificata fuit anno domini 1048 et sic mansit destructa annis 37 etc.
    Edition (nur nach dieser Hs.)
    • Kohler Histoire anonyme des rois de Jérusalem (s. oben), 95f.
  • (300va–303vb) Johannes Poloner>Frater Burkardus ordinis Predicatorum sic divisit: De civitatibus et locis terre sancte<. Akon civitas in provincia Fenicis sita turribus et muris bene communita triangularem ut clipeus habens formam … — … Jopes non longe ab Ackaron in litore maris sita ubi beatus Petrus Tabitam resuscitavit. Diese von Johannes Poloner angefertigte Kompilation basiert wie das Exzerpt oben, 292ra–294ra, auf der Descriptio terrae sanctae von Burchardus de Monte Sion (s. oben, 132va–167rb), die Poloner nach seinen eigenen Erfahrungen modifizierte und korrigierte, vgl. dazu
    • Schottenloher, 78 Anm. 4;
    • Descriptiones Terrae Sanctae (s. oben), 503f.
    Druck
    • Descriptiones Terrae Sanctae (s. oben), 263–281 (ohne diese Hs., z. T. leicht abweichend).
Literatur zu Johannes Poloner
  • R. Röhricht, Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande, Neue Ausgabe, Innsbruck 1900, 104;
  • Röhricht, 106f. Nr. 289 (107 Nr. 4 Hs. genannt);
  • Potthast Wegweiser 1, 674;
  • Rep. font. 6, 394;
  • Ganz-Blättler, Andacht und Abenteuer (s. oben), 373;
  • Europäische Reiseberichte des späten Mittelalters. Eine analytische Bibliographie, hrsg. von W. Paravicini, Teil 1: Deutsche Reiseberichte, bearbeitet von C. Halm, Frankfurt/M. u. a. 1994 (Kieler Werkstücke 5), 67–69 Nr. 18 (Hs. genannt);
  • 2VL 11, 1253–1255.
– 304r–312v leer.

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

AH Analecta hymnica medii aevi, hrsg. von G. M. Dreves und C. Blume, Bd. 1–55, Leipzig 1886–1922, Registerbd. 1–2, hrsg. von M. Lütolf, Bern u. a. 1978
Aristoteles Latinus Aristoteles Latinus, hrsg. von L. Minio-Paluello u. a., Bruges u.a. 1939– (Corpus philosophorum Medii Aevi I, 1–)
Bollbuck H. Bollbuck, Wahrheitszeugnis, Gottes Auftrag und Zeitkritik. Die Kirchengeschichte der Magdeburger Zenturien und ihre Arbeitstechniken, Wiesbaden 2014 (Wolfenbütteler Forschungen 138)
BSB Ink Bayerische Staatsbibliothek: Inkunabelkatalog, Red.: E. Hertrich in Zusammenarbeit mit H. Engel, G. Mayer, C. Bubenik, 6 Bde., Wiesbaden 1988-2005
CALMA C.A.L.M.A. Compendium auctorum latinorum medii aevi, hrsg. von M. Lapidge u. a., Bd. 1–, Firenze 1999–
Chevalier Repertorium hymnologicum. Catalogue des chants, hymnes, proses, séquences, tropes en usage dans l'église latine depuis les origines jusqu'à nos jours, Bd. 1–6, hrsg. von U. Chevalier, Louvain u. a. 1892–1921
Flint V. I. J. Flint, Honorius Augustodunensis of Regensburg, in: Authors of the Middle Ages. Historical and Religious Writers of the Latin West, hrsg. von P. J. Geary, Bd. 2 Nr. 6, Aldershot 1995, 89–183
Garrigues M.-O. Garrigues, L’œuvre d’Honorius Augustodunensis. Inventaire critique, in: Abhandlungen der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft 38 (1986), 7–136 (= I); 39 (1987), 123–228 (= II) und 40 (1988), 129–190 (= III)
Graz A. Kern, Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz, Bd. 1–3, Leipzig 1942 und Wien 1956, 1967 (Verzeichnis der Handschriften im Deutschen Reich 2; Handschriftenverzeichnisse österreichischer Bibliotheken. Steiermark 2,3)
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WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)
Zeitz Handschriften und frühe Drucke aus der Zeitzer Stiftsbibliothek, hrsg. von den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz, bearb. von F.-J. Stewing, Petersberg 2009 (Schriftenreihe der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz 3)

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