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Beschreibung von Cod. Guelf. 355 Helmst. Ⅰ Ⅱ
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Handschriftentitel: Alexander de Villa Dei. Johannes Marchesinus
Entstehungsort: Northeim, Benediktinerkloster St. Blasius
Entstehungszeit: 15. Jh., Mitte
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 390
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412212,T
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Aus zwei Teilen zusammengesetzt: I 1r–12v, II 13ra–236ra, zu diesem Teil gehören auch die ungez. Bl. der vorderen und hinteren Vorsatzkonstruktion.
Umfang: VI, 234, IV Bl.
Format: 30 × 21 cm.
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1–236, sechs leere Bl. vorn und vier leere Bl. hinten ungez., Zählfehler: Auf Bl. 55 folgt Bl. 58.
Lagenstruktur: III (ungez.). 5 VI (62)! VI+1 (75). V–1 (84). II (88). I+1 (91). II+1 (96). VI+1 (109). 4 VIII (173). VI+1 (186). VI (198). VII (212). VI (224). V (234). III (236)! Lagenmitte mit Pergamentfalzen verstärkt.
Einband: Spätgotischer Holzdeckelband mit Schafslederbezug, beschädigt. Streicheisenlinien. Drei Doppelbünde, alternierend mit zwei einfachen Zierbünden ohne Heftfunktion wie bei späteren Northeimer Einbänden, vgl. z. B. Cod.Guelf. 395 Helmst. Kapital an Kopf und Schwanz mit ungefärbten Lederstreifen umflochten. Zwei Langriemenschließen verloren, Gegenbleche mit Riemenresten erhalten. Auf dem HD vier Schonernägel in Hutform. Liber catenatus, nur noch Löcher der Halteöse und Rostspuren auf dem HS erkennbar. Auf dem VD Papierschild (12 × 2 cm.) mit der rubrizierten Aufschrift (Textualis): Mammetractus scriptus D XXVIII. Ab Bl. 13 insgesamt 36 aufgeklebte Registerzungen aus einer makulierten volkssprachigen Pergamenths. als Blattweiser, Aufschriften zumeist stark verblasst.
Entstehung der Handschrift: Der Codex wurde in der Mitte des 15. Jh. – ungewöhnlich ist die Diskrepanz zwischen der Wasserzeichendatierung des Papiers und dem korrekt angegebenen Datum des Kolophons – im Benediktinerkloster St. Blasius in Northeim geschrieben, entsprechende Besitzvermerke Ir: Liber monasterii sancti Blasii in Northeym ordinis sancti Benedicti unionis Bursfeldensis Maguntinensis diocesis Anno domini MDXVII und auf dem Kopfsteg von 232v: Liber monasterii sancti Blasii in Northeym. In Johann Letzners Northeimer Bücherverzeichnis von 1592 wie auf dem Titelschild als Mammetractus verzeichnet, vgl. Herbst Bibliothek Northeim, Sp. 69 Nr. 90.
Erwerb der Handschrift: Am 3.2.1624 wurde der Codex in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt und 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 6v) als Mammetractus. Est brevis Expositio textus Sacræ Scripturæ unter den Theologici [MSSti] in folio nachgewiesen, auf dem VS die entsprechende Helmstedter Signatur T. 97. Im Katalog von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 187 aufgeführt.
Bibliographie
Handschriftenteil: VS und HS
Entstehungsort: Norddeutschland
Entstehungszeit: 13. Jh., 1. Hälfte
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 4 Doppelbl.
Format: 30 × 21 cm.
Zustand: Auf jedem Spiegel sind jeweils zwei Doppelbl. übereinander und kopfständig aufgeklebt.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 15 × 9 cm, einspaltig (beschnitten), noch max. 9–10 Textzeilen erhalten.
Hände: Frühe Textualis von einer Hand.
Musiknotationen: Über jeder Textzeile diastematische, sog. "frühdeutsche" Neumen auf 4 Notenlinien, f-Linie rot, mit c-Schlüssel.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, rote Lombarden und Satzmajuskeln.
Spätere Ergänzungen: Auf dem VS in den Freiräumen im späten 14 oder 15. Jh. wurden eine Liste der biblischen Bücher des VT nachgetragen sowie der Merksatz: Productus est quando medias silbas[sic] cum longa mora proferimus. Correptus est quando medias silbas cum brevi mora vocis proferimus [Beda metr. 1,5] (Druck: CC SL 123A, 99).
Inhalt:
1. VS, HS Graduale. Auf dem VS befinden sich auf dem oberen Bl. Tractus mit Versikeln (CANTUS g01285 mit g01285a und g01287) und Communio (CANTUS g00472) zum Commune unius martyris, anschließend Introitus (CANTUS g01325), Gradualresponsorium (CANTUS g00038), Offertorium (CANTUS g01317) und Communio (CANTUS g01258) zum Commune plurimorum martyrum. Auf dem unteren, kopfständig aufgeklebten Bl. befinden sich Introitus (CANTUS g01241) und Gradualresponsorium (CANTUS g01242) in dominica XXI post pentecosten sowie Introitus mit Versikel (CANTUS g01229 mit g01229c), Alleluia-Versikel g010498 und Offertorium (CANTUS g01231) in dominica XVIII post pentecosten. — Auf dem HS befinden sich oben (kopfständig) Offertorium (CANTUS g00397) und Communio (CANTUS g00398) in festo sancti Michaelis sowie Introitus mit Versikel (CANTUS g00327 mit g00327a) und Gradualresponsorium mit Versikel (CANTUS g00328 mit g00328a) in Vigilia Laurentii. Auf dem unteren, ebenfalls kopfständig eingeklebten Bl. befinden sich die Communio (CANTUS g01172) in dominica VIII post pentecosten, der Introitus mit Versikel (CANTUS g01173 mit g01173a) und der Beginn des Gradualresponsoriums (CANTUS g01174) in dominica IX post pentecosten sowie zwei Gradualversikel (CANTUS g01190 und g00711a) und das Offertorium (CANTUS g01192) in dominica XII post pentecosten.
Handschriftenteil: I
Entstehungszeit: um 1450
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Lilie, darüber einkonturige Stange, darüber Stern (nicht nachweisbar).
Umfang: 12 Bl.
Lagenstruktur: VI (12)
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 24–24,5 × 18–19 cm, einspaltig, je nach Textanordnung 40–60 Zeilen.
Hände: Unregelmäßig wirkende jüngere gotische Kursive von einer Hand.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, rote Lombarden.
Inhalt:
1. 1r–10r Alexander de Villa Dei: Summarium biblicum cum commento.
  • Textus. >Genesis<. Sex prohibet peccant Abel Enoch archa fit intrant … — … flebunt ad cenam surgant sponsam venio iam etc.
  • Commentum. Opera dierum et creacio celi et terre et omnia que in eis sunt creavit … — … ego sum altissimus alpha et omega id est principium et finis.
Textgeschichte: Zu Text und Parallelüberlieferung vgl. Cod. Guelf. 294 Helmst., 84r–97v (mit weitgehend identischem Kommentar).
– 10v–12v leer.
Handschriftenteil: II
Entstehungszeit: 1460
Beschreibstoff:
Umfang: VI, 222, IV Bl.
Seitennummerierung: Zeitgenössische Tintenfoliierung (13r–185r) in römischen Zahlen: I–CLXIX.
Lagenstruktur: III (ungez.). 4 VI (62)! VI+1 (75). V–1 (84). II (88). I+1 (91). II+1 (96). VI+1 (109). 4 VIII (173). VI+1 (186). VI (198). VII (212). VI (224). V (234). III (236)! Lagenmitte mit Pergamentfalzen verstärkt.
Zustand: Zwei gez. Schaltzettel mit Textnachträgen: Bl. 92 misst nur 12 × 11 cm; Bl. 99 misst 30 × 13 cm.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 22–23 × 15–16 cm, zweispaltig (Spalten 7 cm breit), je nach Hand 26–46 Zeilen.
Hände: Unregelmäßig wirkende jüngere gotische Kursive von zahlreichen, schwer unterscheidbaren Händen.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Nur wenige Bl. rubriziert, rote Lombarden.
Inhalt:
  1. 13ra–232vb Johannes Marchesinus: Mammotrectus super bibliam.
    • (13ra–109va) Pars Ⅰ. Ambrosius frater in fide Perferens id est portans … — … unum latinum et unum hebraicum. Der Gesamtprolog fehlt, die Bibelbücher durch lebende Seitentitel gegliedert.
    • (109va–185vb) Pars Ⅱ. >De mensibus hebreorum<. Apud hebreos Nisan dicitur Aprilis … — … paradisum translati ad requiem de labore Amen etc. Explicit 1460 in die cinerum que finit in illa sillaba 'am' et fuit annus bisextilis. Der zweite Teil ist gekürzt und modifiziert, er enthält die Kapitel 1–3 (109va–110vb), 6 (110vb–111ra), 4 (111ra–va), 5 (111va), 7–14 (111vb–125rb), eine Auswahl aus den Sermones der Kapitel 16–18 (125rb–176rb) und am Schluss das vollständige Kapitel 15 (176rb–185vb). Der Vermerk in der Datierung des Kolophons, die Tagesbezeichnung des Aschermittwochs 1460 sei die Silbe am, bezieht sich auf die Datierung durch Cisiojanus, worin diese Silbe (zu Matthiam) den 27.2. in einem Schaltjahr bezeichnet. – 186r–v leer.
    • (187ra–232vb) Tabula alphabetica verborum. Abraham. Quare Christus non dicitur … Abortum … Acessus … — … christianus … ydolum … ymago … ypostasis … ypostases non substancia vel naturam. Weicht vom Druck ab.
    Textgeschichte: Auszug der Tabula alphabetica im handschriftlichen Teil des Mischbandes 125.9 Quodl. 4°, 1r–7v.
    Drucke
    Stegmüller RB 4776–4777 (Hs. genannt). – 236rb–vb leer.
  2. 233ra–236ra Tabula capitum scripturae sacrae secundum ordinem alphabeti (prima pars tantum). A a a domine nescio loqui quia puer ego sum Jeremie 1 [Ier 1,1]. Abiciamus opera tenebrarum et induamur arma lucis Romanos 13 [Rm 13,12] … — … laborum bonorum gloriosus est fructus [Sap 3,15](Text bricht ab). Die in einer separaten Spalte gebotene Zählung der alphabetisch nach den Textanfängen geordneten Kapitel bricht 234va nach dem Buchstaben C ab.
    Textgeschichte: Vollständig in der vermutlich als Vorlage dieser Abschrift dienenden, ebenfalls aus dem Northeimer Blasiuskloster stammenden Hs. Cod. Guelf. 695 Helmst., 148r–157v; außerdem in Cod. Guelf. 965 Helmst. 22r–36v; 59.9 Aug. 2°, 35ra–42ra.
    Ungedruckt.

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

CANTUS CANTUS: A Database for Latin Ecclesiastical Chant. Indices of chants in selected manuscripts and early printed sources of the liturgical Office (http://cantusdatabase.org/)
CC SL Corpus Christianorum. Series Latina, Bd. 1–, Turnhout 1954–
GW Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. 1–, Leipzig 1925–1938, Stuttgart 1978–
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband 1)
Stegmüller RB F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. 1–11, Madrid 1950–1980
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)
WZMA Wasserzeichen des Mittelalters (WZMA). Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien (http://www.ksbm.oeaw.ac.at/wz/wzma.php)

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