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Beschreibung von Cod. Guelf. 41.1 Aug. 2°
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Psalterium Romanum (Spiegelfragment)
Entstehungsort: Irisches oder anglo-sächsisches Zentrum auf dem Kontinent (Murbach?)
Entstehungszeit: 9. Jh., 3. Viertel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 2 Einzelblatt
Format: 30 × 18,5-20 cm
Zustand: Hinterer Spiegel seitlich beschnitten.
Seiteneinrichtung: 25,5 × 21,5 cm, zweispaltig, 27 Zeilen.
Hände: Insulare Minuskel von einer Hand.
Schrift: Psalmenüberschriften ebenfals in insularer Minuskel. Diese und zugehörige Zählungen rubriziert. Satzmajuskeln mit gelben Gründen und roter Punktrandung.
Psalmenüberschriften ebenfals in insularer Minuskel. Diese und zugehörige Zählungen rubriziert. Satzmajuskeln mit gelben Gründen und roter Punktrandung.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    2 Initialen.
  • Zu zwei hervorgehobenen Versanfängen (VS - Ps 77; HS - Ps 66) jeweils eine tintenfarbige Federinitiale mit außen doppelt geführter und in den Binnenfeldern einfacher, präzise gesetzter roter Punktrandung (2-5). Initialenden als asymmetrische Verflechtung (HS im Binnenfeld, VS als untere Initialstammendung). Im Binnenfeld der anderen Initiale (VS) eine frei stehende symmetrische Verflechtung.

  • Farben: Als Binnengründe leuchtendes Gelb. Die Binnenflächen der Verflechungen in wechselnden, kräftigen Farben: Orange, Dunkelgrün, Braun und Gelb.

Geschichte der Handschrift: Das Fragment (beide Blätter) wird aus paläographischer Sicht von Lowe einem angelsächsischen Zentrum auf dem Kontinent zugeschrieben und in das 8. Jahrhundert datiert (CLA IX, Nr. 1375). Bischoff nennt das 3. oder 4. Viertel des 9. Jahrhunderts als Entstehungszeitraum, ohne eine Lokalisierung anzugeben (Bischoff Katalog 3, Nr. 7285). Die aus dem elsässischen Murbach stammenden Einträge aus dem 15. und 17. Jahrhundert in der Haupthandschrift (vgl. Eintrag 11./12. Jh.) lenken den Blick auf dieses bereits im 8. Jahrhundert tätige Skriptorium, für das Lowe eine Gruppe von Handschriften der Zeit um 800 nennt (Zusammenfassung, vgl. CLA IX, S. X; Handschriften: Colmar, BM, 82, Besançon, BM, 184 (Bl. 58-74), Colmar, BM, 38, Colmar, BM, 39 - vgl. CLA VI, Nrn. 753, 731, 749 u. 750, 751; Freiburg i. B., Stadtarchiv, S.N., vgl. CLA VIII, Nr. 1193; München, BSB, Clm 14082, München, BSB, Clm 14379, Würzburg, UB, M.p.th.o.1, vgl. CLA IX, Nrn. 1290, 1296, 1442). Die Handschriften zeigen in Schrift und Ausstattung insularen Einfluss, der im Stil sowohl gemischt als auch getrennt vom kontinentalen Formengut auftritt. Auffällig ist die von Holter genannte Kolorierung, die enge Parallelen zum Wolfenbütteler Fragment aufweist (Verwendung von Gelb, Grün und Braun, vgl. Holter Buchschmuck, 115). Ähnliche Initialen zeigt München, BSB, Clm 14082 (vgl. Bierbrauer Ill. Hss., Kat. Nr. 212, Abb. 437). Die sorgfältige, doppelt geführte Punktrandung und die Verwendung des Flechtbands als Einzelmotiv im Binnenfeld sprechen für die von Bischoff vorgeschlagene spätere Datierung in das 3. Viertel des 9. Jahrhunderts.
Provenienz der Handschrift: In der Handschrift befinden sich drei Einträge des Sigismund Meisterlin (81, 101v, 102v). Sie besagen, dass er die Handschrift 1463 und 1464 gelesen hat und dass dies in Murbach geschehen ist (vgl. auf 101v die für Murbach bekannte Formel orate pro domino bart[holomeo] (CLA IX, Nr. 1375). Auf dem vorderen Einbanddeckel der Eintrag Matthiae Berneggeri e Biblioth. Nie. Gerbelii 1634.
Inhalt:
Bl. 1 (vorderer Spiegel), Bl. 2 (hinterer Spiegel) Psalterium Romanum. Bl. 1, Ps 76,3-77,7; Bl. 2, Ps 65,4-66,6. Zum Text der Handschrift vgl. Eintrag 11./12. Jh.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

Bierbrauer Ill. Hss. K. Bierbrauer, Die vorkarolingischen und karolingischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek (Katalog der illuminierten Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München, Bd. 1), Wiesbaden 1990
Bischoff Katalog 3 B. Bischoff, Katalog der festländischen Handschriften des neunten Jahrhunderts (mit Ausnahme der wisigotischen), Teil 3: Padua–Zwickau, aus dem Nachlass hrsg. von B. Ebersperger, Wiesbaden 2014
CLA Codices Latini antiquiores. A Palaeographical Guide to Latin Manuscripts prior to the ninth century, hrsg. von E. A. Lowe, Bd. 1–12, Oxford 1934–1971
Fischer Bibelhandschriften B. Fischer, Lateinische Bibelhandschriften im frühen Mittelalter, Freiburg 1985 (Vetus Latina. Aus der Geschichte der lateinischen Bibel 11)
Holter Buchschmuck K. Holter, Der Buchschmuck in Süddeutschland und Oberitalien, in: W. Braunfels/H. Schnitzler (Hg.), Karolingische Kunst (Karl der Große. Lebenswerk und Nachleben, Bd. 3), Düsseldorf 1965, S. 76-114
Kuder Illuminierte Psalter U. Kuder, Illuminierte Psalter von den Anfängen bis um 800, in: The Illuminated Psalter. Studies in the Content, Purpose and Placement of its Images, hrsg. von F. O. Büttner, Turnhout 2004, 107-135
Wolfenbüttel Aug. Die Augusteischen Handschriften, beschrieben von O. von Heinemann, Teil 1-5, Frankfurt/M. 1890–1903, Nachdruck 1965–1966 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel. Die alte Reihe 4–8)

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