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Beschreibung von Beschreibung von Cod. Guelf. 426 Helmst.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Evangeliar
Entstehungsort: Corvey
Entstehungszeit: 10. Jh., Ende
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 173 Bl.
Format: 28,5 × 20 cm
Seitennummerierung: Moderne Tintenfoliierung. Bl. 1 ungez., nach Bl. 4 ein Bl. ungez. Bl. 8 (bei der Restaurierung des Buchblocks 1962 hinzugefügt).
Lagenstruktur: IV+2 (8)! IV (16). I (18). 5 IV (58). I+1 (61). 3 IV (85). I+1 (88). 4 IV (120). IV–1 (127). I (129). 3 IV (153). III–2 (157). IV–1 (164). IV (171).
Zustand: Für die Kanonbögen wurde besonders dickes Pergament gewählt (1v-6r).
Seiteneinrichtung: 21 × 13 cm, einspaltig, 27 Zeilen.
Hände: Karolingische Minuskel von drei Händen.
Schrift im Corveyer Stil auf qualitativ hohem Niveau. Hand 1: 7v-8r und Capitulare 158v-171r; Hand 2: Prologe 9r-16v; Hand 3: gesamter Text ohne Zierseiten (19r-56r, 57r-58v, 62r-85v, 89r-127vr, 130r-157v). Nachträge, Korrekturen und Einträge von weiteren Händen. Händescheidung nach Hoffmann Schreibschulen, 31f. Ebenfalls von den Händen 2 und 3 geschrieben: Fragment Moskau, Lomonossow-Universität, Wissenschaftliche Bibliothek, Sammlung Gustav Schmidt Mappe 1 No. 24 und das Evangeliar Trier, Domschatz, 63 /135 /123 (mit Bildausstattung). Hand 1 und die Schrift des Schatzverzeichnisses (171v) zeigen Merkmale des Gandersheimer Skriptoriums. 19v-20r nachträgliche interlineare Notation der Perikope Mt 2,1-12. In adiastematischen, sog. "frühdeutschen" Neumen (vgl. dazu Musikalischer Lustgarten, 15f. Nr. I.3 (A. Roth/M. Staehlin). 162r und 167r in marg. jeweils eine Zeile Neumen.
Schrift: Kolumnentitel in roten Majuskeln. Überschriften und Explicits in rubrizierter Unzialis oder Minuskeln. 16v das Explicit in farbiger Capitalis rustica.
Kolumnentitel in roten Majuskeln. Überschriften und Explicits in rubrizierter Unzialis oder Minuskeln. 16v das Explicit in farbiger Capitalis rustica.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Kanontafeln, Textzierseiten, Incipitseiten, Initialzierseiten.
  • Textzierseiten, Incipitseiten und Initialzierseiten: Zu den vier Evangelien einleitend jeweils eine Incipitseite mit der Ankündigung des Evangeliums (17v, 59v, 86v, 128v; 18,5 × 13,8 cm), eine Initialzierseite (18r, 60r, 87r, 129r) und eine Textzierseite (18v, 61v, 88v, 129v; 18,9 × 13,5 cm). Die jeweilige Abfolge der drei Seiten vor den Evangelien ist auch für das Markus- und das Lukasevengelium gesichert, da die Blätter verklebt waren und noch sind (Bl. 60 und 61 heute noch verklebt, Bl. 87 und 88 ursprünglich verklebt). Sämtliche Zierseiten durch ungegliederte, erweiterte Randleistenrahmen eingefasst und versehen mit gemusterten Purpurgründen. Die Initialzierseite zu Lukas (87r) sowie einige Initiumseiten (17v, 86v, 128v) und Textzierseiten (18v, 88v) durch horizontale Unterteilungen in jeweils drei Segmente/Schriftfelder gegliedert. Die Initialen als goldene oder silberne Randleisteninitialen mit aufwendigen End- und Gliederungsgeflechten. Als Initialstammfüllung purpur/bläulich grundierte Paneele mit goldenem Flechtband (18r, 129r), vegetabilen Rankenmotiven (60r, 129r), sowie geometrischen Mustern (18r). Mit Deckweißauftrag gesetzte feine Punkte als Rahmungen der Initialen und Zierbuchstaben, flächig verwendet auf den Farbflächen des Binnengrundes der Q-Initiale und den Gründen der End- und Gliederungsgeflechte. Die Purpurgründe mit geometrischen (18r) gegenständig gesetzte Halbkreise mit dazwischenliegenden Dreipunktzverzierungen; 59v flächiges Flechtbandmuster mit einbeschriebenen Hakenkreuzen; 86v Netzgitter mit Rauten, Blüten und Kreuzen; 128v Mauerwerk; 61v Gittermuster bestehend aus Kreisen und Kreuzen; 88v Pfeilmuster), vegetabilen (60r versetzte Palmettenfächer; 87r Blätter mit gezackten Rändern; 129r Ranken; 18v Blütenmedaillons; 129v Stauden mit variierenden Blättern) und zoomorphen Elementen (17v Medaillons mit Vierfüßern - Löwen?). Die durch ein Mittelfeld erweiterten Leistenrahmen gefüllt mit geometrischen Mustern. Dabei zusammengehörige Initium- und Initialzierseiten immer einheitlich mit gereihten Kreisen (129v; 86v/87r - gedoppelt), Perlstab (18r /17v - vgl. Rückdeckelrahmung), randständigen Halbkreisen (59v /60r), Zickzack (128v /129r). Die Textzierseiten auch unverziert (61v) oder mit verstärkten Leistenrahmen (18v, 88v).

    18r L-Initiale mit knapper Rahmenüberschneidung. Seitlich anschließend drei übereinanderstehende ornamental gefüllte Randleisteninitialen mit Palmetten als Stammendungen. LIBER. 18,9 × 14,0 cm.

    60r IN-Ligatur mit anschließenden, über die gesamte Seite gesetzten Buchstaben (Initiale, Randleisteninitiale und zwei Zierbuchstaben). Die Enden des N in der Ligatur schlaufenartig umgeschlagen. Die restlichen Buchstaben mit vegetabilem Besatz. INITIUM. 18,4 × 13,5 cm.

    87r Zu Lukas ein medallionartiger Kreis als Q-Initiale. Der Initialstamm als Schlangenkörper, dessen beide Enden miteinander verschlungen in Tierköpfen enden (Amphisbaenamotiv). Das darüber befindliche M bestehend aus zwei Vögeln mit nach unten weisenden, verwickelten Hälsen. Die anschließenden Buchstaben des Wortes quidem als vegetabile Zierbuchstaben im oberen und unteren Kompartiment, der durch drei Zierleisten gegliederten Seite. QUONIAM QUIDEM. 19,0 × 13,5 cm.

    129r IN-Ligaturen mit anschließenden, über die gesamte Seite gesetzten Zierbuchstaben. Die Buchstaben mit weißer Punktrandung und vegetabilem Besatz. IN pricipio erat verbum. 19,0 × 14,0 cm.

    Kanontafeln: 12 Kanontafeln (1v-6r; 22,0-24,0 × 22,0-23,5 cm). Den Evangelien vorangestellt 12 Kanontafeln mit abschließenden, übergreifenden Bögen (1v und 2r, 2v und 3r, 3v und 4r, 4v und 5ar) und Giebeldächern (5av und 5r, 5v und 6r). Bogenläufe gelegentlich zum Architrav hin umgeknickt (vgl. 2r). Die Säulen mit bandartigen Schäften (nur 2v/3r in Segmente gegliedert), teils mit mittig gliedernden Geflechten (1v/2r, /3v4r, 4v/5ar, 5av/6r) oder Sternblüten (2v) und korinthisierenden Blattkapitellen; die Basen abgestuft oder als umgedrehte Blattkapitelle (5av/5r). Sowohl in den Bogenfeldern über den Interkolumnien, als auch in den Lünetten Blatt- und Blütenornament auf Purpurgund, auf 5av/5r und 5v/6r mit mittig platzierten Rosetten. In den Zwickeln von den übergreifenden Bogen- und Giebelfeldern ausgehende, großzügige nach innen umgeschlagene Goldpalmetten (5av/5r 5av/6r) oder aufgesetzte Stauden (2v/3r). Als Füllornamente der Säulenschäfte und Bögen/Giebel Palmettenfriese, randständige Bögen, Wellenlinien und Punktreihen. Auf 2v/3r die Andeutung von Kanneluren und Säulentrommeln.

  • Farben: Zierseiten und Lünetten der Kanonbögen mit Purpurgründen; das aufgebrachte Ornament in heller Abstufung. Die Gründe der Endgeflechte sowie der Binnengrund des Q-Medaillons auf 87r in fein farblich changierenden Rot- und Blautönen. Füllfarben: Taubenblau, Gelb, Oliv, Orange und Violett (Säulenschäfte). Ornamentdetails, insbesondere die Blattfriese der übergreifenden Bögen, mit deutlichen Weißhöhungen. Goldauftrag der Kanonbögen (Zwickelpalmetten und Flechtbänder) vor leuchtend blauem Grund.

Einband:
  • Prachteinband des 10./11. Jhs. Eichenholzbretter (1 cm stark) mit Winkelleisten aus vergoldetem Kupfer mit Perlstabverzierung (jede Seite ca. 1 cm. breit), die von den Ecken ausgehend im Schrägkreuz angelegt sind und vier Trapezflächen bilden. Mittig fassen sie die Ecken eines hochkant stehenden Rechtecks (Vorderdeckel) und eines Quadrats (Rückdeckel).
  • Vorderdeckel: Der Vorderdeckel ist mit dunkelbraunen Büffelhornplatten bekleidet, das mittlere Feld mit einem Elfenbein versehen, welches die Kreuzigung Christi zeigt (die obere rechte Ecke ist nicht mehr erhalten). Von der ehemaligen Rahmung mit grätenartigem Blattmuster sind die obere und die untere Leiste noch (partiell) erhalten; die Seiten fehlen. Maria und Johannes flankieren den gestreckt, in stehend-schwebender Haltung dargestellten Gekreuzigten, welcher mit abgespreizten Daumen dargestellt ist. Beide halten, ein Buch tragend, den äußeren Arm angewinkelt. Oberhalb der Kreuzarme sind Sol und Luna in Strahlenkränzen dargestellt. Nach Steenbock steht die Darstellung des Gekreuzigten in mittelbyzantinischer Tradition und greift auf ein byzantinisches Urbild zurück (symmetrische Komposition und Strahlenkränze von Sol und Luna; vgl. Beispiele der größtenteils zur sogenannten Nikephoros-Gruppe zählenden Arbeiten bei Goldschmidt I/II, Bd. 2, Taf. XL; vgl. auch der Vorderdeckel des kleinen Bernward-Evangeliars Hildesheim, Domschatz, Nr. 13 - Steenbock, Kat.Nr. 65). Der Stil der Arbeit läßt eine sächsische Werkstatt vermuten, da sich Parallelen zur Blattornamentik auf der zeitgleich entstandenen Hildesheimer Bernwardstür finden (vgl. Goldschmidt I/II, Bd. 2, Nr. 93, Taf. XXX). Elbern verweist in der geraden Haltung des Gekreuzigten auf eine Gruppe von Elfenbeinen, das sogenannte Passionsdyptichon im Essener Münsterschatz und zwei Tafeln aus englischem Privatbesitz (Luton Hoo, Wernher Collection), sowie die Kreuzigung Christi aus dem sogenannten Kostbaren Evangeliar des Hildesheimer Domschatzes (Hildesheim, Domschatz, Nr. 18; Bernward von Hildesheim, 570-578, Kat.Nr. VIII-30 (U. Kuder); V. H. Elbern, Das sogenannte Passionsdyptichon im Essener Münsterschatz, in: Das erste Jahrtausend, Textb. 2, 1080-1092, Abb. 1-4).
  • Rückdeckel: Der Rückdeckel ist vollständig mit vergoldetem Kupferblech verkleidet (zur Flächeneinteilung s.o.). Mittels Punzierung versehene Grundierung mit Palmettenkreuzen, übereck gestellten Quadraten und Bogenrändern. Darauf in Treibarbeit modelliertes Blattwerk (füllhornähnliche Blatttrichter mit ausgezackten Rändern) angereichert mit Schößlingen und Fruchtfäden, das sich deutlich vom punzierten Hintergrund abhebt, sowie Perlstab. Im nahezu quadratischen Mittelfeld, die Richtung der Winkelleisten aufnehmend wiederum ein Schrägkreuz bestehend aus Palmenwedeln. Als Rahmung dient eine Rahmenleiste mit segmentiertem Perlstab (Steenbock, Kat.Nr. 65).
Geschichte der Handschrift: Das sogenannte Evangeliar aus Helmstedt besitzt keinen figürlichen Schmuck, ist jedoch mit reich verzierten Initial- und Textzierseiten, sowie einer Kanonbogenfolge versehen. Paläographisch wurde die Handschrift von Hoffmann zuletzt nach Corvey gegeben (vgl. Hoffmann Buchkunst, 129; Hoffmann Schreibschulen, 31f.), zwischenzeitlich jedoch auch in das Domskriptorium von Magdeburg (Otto der Große, Bd. 2, 357, Kat.Nr. V-32). Die Zierseiten des Evangeliars sind eng verflochten sowohl im Kontext der Corveyer Buchmalerei des 10. als auch mit der Hildesheimer Buchmalerei aus der Zeit Bernwards. Obwohl zu den Corveyer Handschriften aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts deutliche Unterschiede bestehen (Rahmungen, Initialaufbau und Seitengestaltung; zu den Handschriften vgl. das Evangeliar aus Klus Cod. Guelf. 84.3 Aug. 2°) und auch Neuerungen eingeführt wurden, wie zum Beispiel das Schlangen-Q auf 87r, wurde bereits auf früher eingeführte Verfahren, wie die Verwendung von gemustereten Purpurgründen mit aufgesetzter Deckweißverzierung, die vermutlich byzantinische Seidenstoffe imitieren sollen, zurückgegriffen (vgl. auch das Evangeliar aus Klus Cod. Guelf. 84.3 Aug. 2° - dort ausschließlich in den oberen Ecken der Initialzierseiten, vgl. 132v). Die auffälligen und zweimal verwendeten Initialligaturen IN, mit ihren umgeschlagenen oder gedrehten Enden (zu Markus 60r und Johannes 129r), haben ihre Vorbilder in der frankosächsischen Buchmalerei, genauer in der frankosächsischen Untergruppe von St. Vaast. Das zugehörge Evangeliar aus Prag Knihovna pražské metropolitní kapituly, Cim 2 (zur Handschrift vgl. Cod. Guelf. 84.3 Aug. 2°) und das Evangeliar aus Boulogne-sur-Mer (BM, Ms. 12, 56r; Koehler/Mütherich Karolingische Miniaturen VII, 342-345, Taf. VII,150b) zeigen zwei Varianten der Ligatur, die dann später in den Corveyer Handschriften aufgegriffen wurde (vgl. Essen, Domschatzkammer, Ms. 2 - Kubínová, 222, 223 mit Abb.; Leipzig, UB, Ms. 76 - Otto der Große, Kat.Nr. IV. 8 mit Abbildung (R. Kahsnitz); New York, NYPL, Ms. astor 1 - The Splendor of the Word. Medieval and Renaissace illuminated Manuscripts at the New York Public Library, hrsg. von J. J. G. Alexander, J. H. Marrow und L. F. Sandler, New York 2005, Kat.Nr. 27 mit Abbildung (J. Frank)). Die in Wolfenbüttel ausschließlich verwendeten Leistenrahmen für Text- und Initialzierseiten lösen frühe, ebenfalls von der frankosächischen Buchmalerei abhängige Corveyer Rahmenformen ab (vgl. Cod. Guelf. 84.3 Aug. 2°); bereits im Quedlinburger Evangeliar (New York, PML, Ms. M. 755; Otto der Große, Kat.Nr. IV. 9 mit Abbildung (R. Kahsnitz)) aus dem 3. Viertel des 10. Jahrhunderts deutet sich dieser Entwicklungsschritt an. Die in der Handschrift vorliegenden Kanontafeln, mit den Gliederungsgeflechten der Säulenschäfte und den Dreiecksgiebeln, zeigen gegenüber den früheren Corveyer Codices kaum Parallelen (vgl. dazu ausführlich R. Kahsnitz, in: Otto der Große, Kat.Nr. IV. 14). Die Kombination von beiden Bogentypen, Rund- und Giebelbogen erfreute sich besonders in der Hofschule Karls des Kahlen großer Beliebtheit (vgl. das Evangeliar Darmstadt, ULB, Hs. 746; Koehler/Mütherich Karolingische Miniaturen V, 88-99, Taf. V). Aus diesem Skriptorium (vgl. Cod. Guelf. 13 Aug. 4°), dürfte das Skriptorium in Corvey auch Anregungen bezüglich des üppigen, vegetabilen Ornamentspektrums erhalten haben (vgl. Codex Aureus von St. Emmeram München, BSB, Clm 14000). Einen direkten Vergleich zur Wolfenbütteler Handschrift bietet das ebenfalls gegen Ende des 10. Jahrhunderts in Corvey entstandene Oxforder Evangeliar Oxford, BodL, Laud. lat. 27, das, wie bereits von Swarzenski bemerkt, in enger stilistischer Abhängigkeit, aber weniger qualitätvoll von der Wolfenbütteler Handschrift kopiert wurde (H. Swarzenski, Die deutschen Miniaturen des frühen Mittelalters in amerikanischem Besitz, in: Zeitschrift für bildende Kunst, Bd. 63 (1930), 193-199, hier 193-194; zur Handschrift vgl. Bauer, Bd. 2, 161-167). Darüber hinaus wirkte die Corveyer Buchmalerei, wie zuletzt von Kahsnitz formuliert, stilbildend für die Hildesheimer Buchmalerei zur Zeit Bernwards (Otto der Große, Kat.Nr. IV.14). Insbesondere das sogenannte Kostbare Evangeliar (Hildesheim. Dom-Museum, DS 18; Schätze im Himmel, Kat.Nr. 18 (M. Müller)), zeigt Techniken und kleinere Ornamentdetails, die bereits im Evangeliar aus Klus, Cod. Guelf. 84.3 Aug. 2° sowie in der vorliegenden Helmstedter Handschrift vorkommen, wie die ornamental gestalteten Purpurgründe und die mit Deckweiß aufgesetzten Punktverzierungen (zum Vergleich Schätze im Himmel, 277).
Provenienz der Handschrift: Nachträge und Ergänzungen belegen, dass sich der Codex zunächst im Reichsstift Gandersheim befand (Hoffmann Schreibschulen, 74, 78, 157). In späterer Zeit gehörte er dem Kanonissenstift Lamspringe. Dort wurde er in einem Beschwerdebrief der Domina und des Konvents Lamspringe im Frühjahr 1573 als eines von twe evangelien boyken up den halven myt sulvern vorgulden vorhawen bilden und eddeln stenen beschrieben. Ein Beleg in der Handschrift für Lamspringe liegt nicht vor (Röckelein Heilige Schrift, 142f.). Im April 1572 wurde der Codex registriert und inventarisiert, um dann am 10.04.1572 mit dem Lamspringer Kirchenschatz nach Wolfenbüttel gebracht zu werden. Er wurde nicht gleich in die Bibliothek Julia überführt, sondern verweilte im Besitz des Herzogs (Kruse/Lesser Büchersammlungen, 112-115; B.-J. Kruse, Erhaltenes Wissen, vergangene Pracht. Der Transfer von Klosterbibliotheken und Kirchenschätzen im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel (1572/73), in: E. Schlotheuber (Hrsg.), Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg (1510–1558): Herrschaft – Konfession – Kultur. Beiträge des wissenschaftlichen Symposiums der Klosterkammer Hannover vom 24.–26. Februar 2010 im Historischen Museum Hannover, Hannover 2011 (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens 132), 94–108, bes. 102). Die Handschrift ist erst seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt. 1644 wird sie im Handschriftenkatalog der Universitätsbibliothek als Quatuor Evangelia Latinè in membrana, In bretter, hinten vbergüldet unter den theologici in folio beschrieben (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 3v); im Handschriftenverzeichnis von 1797 ist sie unter der Nr. 406 verzeichnet.
Inhalt:
  • Ir Niederdeutsche Notiz des 15. Jh.: Johannes vp dem rempter Lucas vp dem gange Mattheus under dem tore Marcus in den b[ade?].
  • 1v-6r Canones evangelii.
  • 6v-7r leer.
  • 7v-8r De IV evangelists-. Vorangestellter Prolog mit Ergänzungen (Stegmüller RB 559; Ergänzungen: CC SL 108B, 150 und Stegmüller RB 7226; Details vgl. Wolfenbüttel Helmst. 3 (in Vorb.)).
  • 8v leer.
  • 9r-13r Prologi IV evangeliorum (9r-10v Stegmüller RB 595; 10v-12v Stegmüller RB 596; 12v-13r Stegmüller RB 581; 13r-13v Stegmüller RB 601).
  • 13v-157v Evangelia (mit vorangestellten Prologen und Capitula, vgl. Wolfenbüttel Helmst. 3 (in Vorb.)).
  • 158v-171r Capitulare evangeliorum (Klauser 93-97; Bauer 2, 155f.).
  • 171v Index thesauri (Edition: Heinemann, 333; T. Gottlieb, Über mittelalterliche Bibliotheken, Leipzig 1890, 84f. Nr. 226; Bischoff Schatzverzeichnisse, 48, Nr. 40; R. Kroos, Niedersächsische Bildstickereien des Mittelalters, Berlin 1970, 162).
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

Bauer G. Bauer, Corvey oder Hildesheim? Zur ottonischen Buchmalerei in Norddeutschland, 2 Bde., Phil. Diss., Hamburg 1977
Bernward von Hildesheim Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen. Katalog der Ausstellung Hildesheim 1993, 2 Bde., hrsg. von M. Brandt und A. Eggebrecht, Hildesheim 1993
Bischoff Schatzverzeichnisse Mittelalterliche Schatzverzeichnisse, Bd. 1: Von der Zeit Karls des Großen bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, hrsg. von B. Bischoff, München 1967 (Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München 4)
Bodarwé K. Bodarwé, Sanctimoniales litteratae. Schriftlichkeit und Bildung in den ottonischen Frauenkommunitäten Gandersheim, Essen und Quedlinburg, Münster/Westf. 2004 (Institut für Kirchengeschichtliche Forschung des Bistums Essen, Quellen und Studien 10)
CC SL Corpus Christianorum. Series Latina, Bd. 1–, Turnhout 1954–
Das erste Jahrtausend Das erste Jahrtausend. Kultur und Kunst im werdenden Abendland an Rhein und Ruhr, Textbd. 1, Redaktion von V. H. Elbern, Düsseldorf 1962; Textbd. 2, Redaktion von V. H. Elbern, Düsseldorf 1964; Tafelbd. von V. H. Elbern, Düsseldorf 1962
Goldschmidt I/II A. Goldschmidt, Die Elfenbeinskulpturen aus der Zeit der karolingischen und sächsischen Kaiser, VIII.-XI. Jahrhundert, 2 Bde., Berlin 1914/1918
Härtel H. Härtel, Geschrieben und gemalt. Gelehrte Bücher aus Frauenhand. Eine Klosterbibliothek sächsischer Benediktinerinnen des 12. Jahrhunderts, Wiesbaden 2006 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 86)
Härtel Kostbarkeiten H. Härtel, Kostbarkeiten aus den Sammlungen der Herzog August Bibliothek. Eine Führung von der Spätantike bis zur Reformation. Ausgewählt und eingeleitet von H. Härtel, hrsg. von H. Schmidt-Glintzer, Wolfenbüttel 1999
Härtel Lamspringe H. Härtel, Lamspringe. Ein mittelalterliches Skriptorium in einem Benediktinerinnenkloster, in: Kloster und Bildung im Mittelalter, hrsg. von N. Kruppa und J. Wilke, Göttingen 2006 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 218, Studien zur Germania sacra 28), 115–153
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Hoffmann Buchkunst H. Hoffmann, Buchkunst und Königtum im ottonischen und frühsalischen Reich, Textbd., Stuttgart 1986 (MGH Schriften 30,1)
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Jahrtausend der Mönche Das Jahrtausend der Mönche: Kloster Welt Werden 799–1803. Eine Ausstellung des Ruhrlandmuseums Essen im Museumszentrum Essen und in der Schatzkammer der Propsteikirche Werden, 26. März bis 27. Juni 1999, hrsg. von J. Gerchow, Köln 1999
Klauser T. Klauser, Das römische Capitulare Evangeliorum. Texte und Untersuchungen zu seiner ältesten Geschichte, Münster in Westfalen 1935 (Liturgiegeschichtliche Quellen und Forschungen 28)
Koehler/Mütherich Karolingische Miniaturen V W. Koehler/F. Mütherich, Die karolingischen Miniaturen V. Die Hofschule Karls des Kahlen, Berlin 1982
Koehler/Mütherich Karolingische Miniaturen VII W. Koehler/F. Mütherich, Die karolingischen Miniaturen VII. Die Frankosächsische Schule, unter Mitarbeit von K. Bierbrauer und F. Crivello, Wiesbaden 2009
Kroos Bildstickereien R. Kroos, Niedersächsische Bildstickereien des Mittelalters, Berlin 1970
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Kubínová K. Kubínová, Cim 2. Pražský evangeliář Cim 2. Rukopis mezi zeměmi a staletími středověké Evropy (The Prague Gospels Cim 2. A manuscript between lands and centuries of medieval Europe, Prag 2017
Kuder Studien U. Kuder, Studien zur ottonischen Buchmalerei, hrsg. und eingel. von K. G. Beuckers, 2 Bde., Kiel 2018 (Kieler kunsthistorische Studien NF 17)
Kunst und Kultur im Weserraum Kunst und Kultur im Weserraum 800–1600. Ausstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Corvey 1966, Bd. 2: Katalog, hrsg. von B. Korzus u. a., Münster/Westf. 1966
Mayr-Harting H. Mayr-Harting, Ottonische Buchmalerei. Liturgische Kunst im Reich der Kaiser, Bischöfe und Äbte, Stuttgart 1991
Musikalischer Lustgarten Musikalischer Lustgarten. Kostbare Zeugnisse der Musikgeschichte, hrsg. von U. Konrad, A. Roth und M. Staehelin, Wolfenbüttel 1985 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 47)
Mütherich Ottonian Art F. Mütherich, Ottonian Art. Changing Aspects, in: Romanesque and Gothic Art. Acts on the Twentieth International Congress of the History of Art , Bd. 1, Princeton/N.J. 1963, 27-39, Taf. IX-XII (Studies in Western Art)
Oldermann Aneignung R. Oldermann, Aneignung und Widerstandshandeln im Kloster Lamspringe. Begleitumstände der Einziehung von Kirchenschatz und Büchersammlung, in: Rosenkränze und Seelengärten — Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern, hrsg. von B.-J. Kruse, Wiesbaden 2013 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 96), 167–173
Oldermann Kirchenschatz R. Oldermann, Der Kirchenschatz des ehemaligen Benediktinerinnenklosters Lamspringe, in: Der Gandersheimer Schatz im Vergleich. Zur Rekonstruktion und Präsentation von Kirchenschätzen, hrsg. von H. Röckelein unter Mitarbeit von T. Henke und M. J. Hartgen, Regensburg 2013 (Studien zum Frauenstift Gandersheim und seinen Eigenklöstern 4), 65–89
Otto der Große Otto der Große - Magdeburg und Europa, Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg, 27. August - 2. Dezember 2001, hrsg. von M. Puhle, Mainz 2001
Röckelein Heilige Schrift H. Röckelein, Die heilige Schrift in Frauenhand, in: Präsenz und Verwendung der Heiligen Schrift im christlichen Frühmittelalter: Exegetische Literatur und liturgische Texte, hrsg. von P. Carmassi, Wiesbaden 2008 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 20), 139–209
Röckelein Klosterfrauen H. Röckelein, Schreibende Klosterfrauen – allgemeine Praxis oder Sonderfall?, in: Die gelehrten Bräute Christi. Geistesleben und Bücher der Nonnen im Hochmittelalter. Mit einer Einführung von H. Härtel, hrsg. von H. Schmidt-Glintzer, Wiesbaden 2008 (Wolfenbütteler Hefte 22), 15–38
Schätze im Himmel Schätze im Himmel – Bücher auf Erden. Mittelalterliche Handschriften aus Hildesheim, hrsg. von M. E. Müller, Wolfenbüttel 2010 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 93)
Steenbock F. Steenbock, Der kirchliche Prachteinband im frühen Mittelalter. Von den Anfängen bis zum Beginn der Gotik, Berlin 1965 (Jahresgabe des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 1965)
Stegmüller RB F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. 1–11, Madrid 1950–1980
Werdendes Abendland V. H. Elbern, Werdendes Abendland an Rhein und Ruhr. Ausstellung in der Villa Hügel, Essen, 18.5.–15.9.1956, 4Essen 1956
Wolfenbüttel Helmst. O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Wolter-von dem Knesebeck Lamspringe H. Wolter-von dem Knesebeck, Lamspringe, ein unbekanntes Scriptorium des Hamersleben–Halberstädter Reformkreises zur Zeit Heinrichs des Löwen, in: Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125–1235. Katalog der Ausstellung Braunschweig 1995, Bd. 2: Essays, hrsg. von J. Luckhardt und F. Niehoff, München 1995, 468–477

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