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Beschreibung von Cod. Guelf. 479 Helmst.
geplant: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 3: Cod. Guelf. 441 bis 615 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser.
Handschriftentitel: Psalterium feriatum
Entstehungsort: Südostniedersachsen
Entstehungszeit: 1220–1230 und 15. Jh., 2. Hälfte
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 140 Bl.
Format: 27 × 20 cm
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1140.
Lagenstruktur: I–1 (1). III (7). 15 IV (127). II+1 (132). IV (140). In der letzten erhaltenen Lage Bogensignaturen des 15. Jh. in arabischen Ziffern: 14.
Zustand: Die letzte Lage mit dem Schluss der Cantica VT fehlt. Der Codex wurde offenbar lange im Chor benutzt, das Pergament ist im unteren Drittel der Blätter stark abgegriffen und dadurch mürbe und lederartig geworden. Risse und Löcher im Pergament wurden wohl bereits bei der Anfertigung vernäht (z. B. Bl. 68 und 99). Bl. 76 ist am Fußsteg eingerissen und durch einen aufgeklebten Pergamentstreifen stabilisiert; die Reparatur dürfte bei der Neubindung im 15. Jh. erfolgt sein.
Seiteneinrichtung: 21–22 × 15 cm, einspaltig, im Kalendar max. 34, sonst 18–19 Zeilen. Blind- und Tintenliniierung.
Hände: Haupttext in früher gotischer Textualis ohne Bogenverbindungen von zwei Händen,
  • Hand 1: 2r–103v;
  • Hand 2: 104r–129v, 131r–140r (auch in Cod. Guelf. 483 Helmst., 2r–39v).
  • Bl. 130r–v in einer regelmäßigen Textualis des 15. Jh. von einem Schreiber des Fraterhauses Lüchtenhof in Hildesheim, die sich auch in Cod. Guelf. 483 Helmst., 40r–97v, findet, vgl. dort zu weiteren Codices aus diesem Scriptorium.
  • Die auf den Rasuren aktualisierten Antiphonen und Versikel wurden von mehreren Händen in Textualis nachgetragen; die Haupthand arbeitete vor der Trennung der beiden Psalterteile auch an Cod. Guelf. 483 Helmst., 2r–39v.
Musiknotationen: Die nachgetragenen Antiphonen und Versikel sind mit gotischer Choralnotation auf vier Notenlinien, meist mit c- und f-Schlüssel, versehen.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, am Beginn der Psalmverse rote Satzmajuskeln in Unzialform.
  • Die Verse der im 15. Jh. nachgetragenen Gesangsteile werden von vergrößerten, cadellenartig verzierten Satzmajuskeln eingeleitet.
  • Am Beginn der einzelnen Psalmen Fleuronnéeinitialen, meist über 3 Zeilen, I und Q vielfach länger. Die Buchstabenkörper sind meist von Rot und Grün, etliche auch von Rot, Grün und Gelb in diversen Schnittformen (vielfach Kopfstempelschnitt) geteilt. Einige wenige sind nur rot ausgeführt, die Initiale I auf Bl. 38v ist in Gestalt eines langgestreckten zweifüßigen Drachens ausgeführt, aus dessen Maul eine grün-rote Palmettenranke wächst; eine gleichartige Ranke dient als Schwanzende. In den Binnenfeldern der Initialen finden sich meist schlichte vegetabile Ranken mit fingerartig gelappten Blättern; als Konturbegleitung und an den Ausläufern bzw. Caudae der Buchstaben kräftig gefingertes, z. T. gekerntes Palmettenfleuronnée jeweils in der Gegenfarbe zum darunter befindlichen Teil des Buchstabens. Buchstabenform und -verzierung sowie Farbgebung ähneln sehr stark dem Buchschmuck in Cod. Guelf. 512 Helmst.
  • Insgesamt zehn (in diesem Teil des Psalters neun, die letzte in Cod. Guelf. 483 Helmst., 2v) Spaltleisteninitialen in roter Umrisszeichnung und blassgelbem Polstergrund mit vielfach verschlungenen Spiralranken mit kräftig gefingertem Palmetten- und Halbpalmettenbesatz über 6–10 Zeilen zur formalen Drei- und liturgischen Achtteilung des Psalters: (8r Initiale B zu Ps 1, über 10 Zeilen, der obere Teil wurde im 15. Jh. beim Nachtrag des Invitatoriums und der Notation radiert, die Spaltleisten des Buchstabenstamms sind scherengitterartig gefaltet und in den Bögen des B mit roter Spaltfüllung und Schnallen versehen; die verschlungenen Palmettenranken gehen vom Buchstabenstamm aus und durchbrechen an mehreren Stellen den Buchstabenkörper, indem sie durch den Spalt zwischen den Leisten dringen. – (29v) Initiale D zu Ps 26, über 6 Zeilen, die Spaltleiste des Buchstabenstamms ist rot gefüllt; die spiralig gerollte und verästelte Palmettenranke im Binnenfeld wächst aus dem inneren Bogen hervor, die kurzen äußeren Palmettenäste entwachsen den Enden des Stamms und winden sich konturbegleitend um den Buchstaben. – 46r Initiale D zu Ps 38 über 8 Zeilen, die Spaltleiste des Buchstabenstamms ist rot gefüllt; im Binnenfeld zwei axialsymmetrisch aus zwei mit einer Schnalle verbundenen Zweigen hervorwachsende Palmettenranken; an den Enden des Buchstabenstammes und in den äußeren Zwickeln des kreisrunden Buchstabenkörpers befinden sich kurze Palmettenäste, die entweder aus 8-förmigen kurzen Ranken in Spalt hervorwachsen oder am Buchstabenkörper festgeschnallt sind. – 60r Initiale Q zu Ps 51 über 6 Zeilen, die Spaltleiste des Buchstabenstamms ist rot, die Leisten selbst sind gelb gefüllt und durch Schnallen zusammengehalten; die spiralig gerollte und verästelte Palmettenranke im Binnenfeld wächst aus dem inneren Bogen hervor, eine weitere, aus dem äußeren Bogen entspringende, schräg nach rechts unten in den Text hinein gestreckte Palmettenranke dient als Cauda. – 61v Initiale D zu Ps 52 über 8 Zeilen, die nur aus drei konzentrischen kreisrunden Spaltleisten mit gelber Füllung besteht; der gerade Buchstabenstamm fehlt. Die spiralig gerollte und verästelte Palmettenranke im Binnenfeld wächst aus dem inneren Bogen hervor, die vier kurzen äußeren Palmettenranken sind mit herzförmig gewundenen Ästen am Buchstabenkörper befestigt. – 77r Initiale S zu Ps 68 über 9 Zeilen, der Buchstabenkörper besteht aus zwei mit Schnallen verbundenen gelben Leisten mit roter Spaltfüllung, aus deren Ende die konturbegleitenden bzw. die Bögen des S füllenden Palmettenranken hervorwachsen. – 96v Initiale E zu Ps 80 über 7 Zeilen, der Buchstabenkörper ist aus zwei mit Schnallen verbundenen Leisten (außen grün, innen gelb gefüllt) mit roter Spaltfüllung zusammengesetzt, aus der inneren Leiste wachsen im Binnenfeld zwei axialsymmetrisch um den Balken des E angeordnete Palmettenranken hervor; die kurze äußere Palmettenranke ist mit einem herzförmig gewundenen Ast am Buchstabenkörper befestigt. Vollkommen gleichartig ist die Initiale C zu Ps 97 über 6 Zeilen auf Bl. 113r gestaltet. – 115r Initiale D zu Ps 101 über 6 Zeilen, der Buchstabenkörper besteht nur aus einer kreisrunden, gelb gefüllten Leiste ohne Spalt und ohne Buchstabenstamm, der außen mit rankenlosen Palmettendreiblättern besetzt ist. Am linken Kreisbogen befindet sich ein zweifüßiger Drache, aus dessen Maul nach links oben eine Palmettenranke hervorbricht; der ins Buchstabeninnere gerichtete Schwanz der Bestie wird zur spiralig gerollten, verästelten Palmettenranke, die das gesamte Binnenfeld ausfüllt.
Spätere Ergänzungen: An Bl. 7r ist ein Pergamentschaltzettel (6,5 x 5 cm) mit Initien von Gebeten und Antiphonen aufgenäht.
Einband:
  • Der ursprüngliche spätromanische Einband ist verloren und wurde vermutlich bei der Aufteilung des Codex entfernt.
  • Der Codex befindet sich jetzt in einem spätgotischen Holzdeckelband mit dunkelbraun gefärbtem Lederüberzug. Streicheisenlinien. Einzelstempel Adler heraldisch, einköpfig: EBDB s000207, s000063. Blattwerk: EBDB s000651, s000883, s000843. Evangelistensymbol, Matthäus, Mensch: EBDB s004416. Evangelistensymbol, Lukas, Stier: EBDB s004417. Evangelistensymbol, Johannes, Adler: EBDB s004418. Evangelistensymbol, Markus, Löwe: EBDB s004419. Schrift, Ihesus: EBDB s008475. Schrift, Maria: EBDB s008499. Sämtlich aus der Werkstatt Werkstatt "Christuskopf" im Hildesheimer Fraterhaus Lüchtenhof (EBDB w000207). Drei Doppelbünde. Zwei Langriemenschließen. 2 × 5 Schonernägel in Hutform, vorn alle, hinten zwei verloren. In die Unterkante des VD war ein, in die Unterkante des HD waren zwei rechteckige Zapfen als Stehfüße eingelassen (sämtlich entfernt). An Bl. 8, 29, 46 und 113 rotgefärbte Lederzungen als Blattweiser (an Bl. 61, 77 und 96 verloren).
Zusatzmaterial: Fragmente, VS und HS: Pergament, je ein Bl., 27 × 20 cm, beschnitten. Schriftraum: 23 × 16,5 cm, einspaltig, vorn 12, hinten 11 Zeilen. Textualis, eine Hand. Rubriziert, rote Lombarden. Über jeder Zeile ein Notensystem aus vier Linien mit Metzer Notation, dazu c- und f-Schlüssel.Südostniedersachsen, 13. Jh., 2. Hälfte. Hymnarius Proprium de sanctis, in festo sanctae Agnetis virginis (21.1.). Erhalten sind auf dem VS AH 14 Nr. 38 Str. 3 Z. 4 – Str. 7 und AH 50 Nr. 11 mit Doxologie wie im Apparat; auf dem HS das Invitatorium CAO 1021, die Antiphon CANTUS 203816 sowie ein in dieser Form nur hier nachgewiesener Hymnus, der (soweit noch erhalten) die Strophen 1 und 16–19 der Sequenz AH 55 Nr. 50 mit weiteren Zufügungen zu einem neuen Text kombiniert.
Entstehung der Handschrift: Der Codex wurde nach Ausweis der paläographischen Merkmale um 1220–1230 geschrieben; das im Kalendar noch fehlende Fest der 1235 kanonisierten Elisabeth von Thüringen bildet einen sicheren terminus ante quem. Die Lokalisierung ist allerdings nur näherungsweise möglich; insbesondere der Buchschmuck, der demjenigen des Breviers Cod. Guelf. 512 Helmst. ähnelt, das aus dem Augustiner-Chorfrauenstift Marienberg bei Helmstedt stammt, und die Gestaltung des Kalendars (s. unten) verweisen auf die südostniedersächsische Region um Braunschweig und Helmstedt. Die besondere Hervorhebung des Braunschweiger Stadt- und Kirchenpatrons Magnus im Kalendar könnte darauf hindeuten, dass der Psalter entweder für die 1031 gegründete Magnuskirche in Braunschweig bestimmt war oder dort angefertigt worden ist, zumal die Formulierung des Eintrags Analogien zur Gründungsurkunde aufweist, vgl. Die deutschen Königspfalzen. Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und übrigen Aufenthaltsorte der Könige im deutschen Reich des Mittelalters, Bd. 4: Niedersachsen, bearbeitet von U. Reinhardt, , C. Ehlers, , L. Fenske, und T. Zotz, Göttingen 1999, 106f. Nr. V.2.1; Krumwiede 2, 14f. Einen sicheren Beleg dafür gibt es jedoch nicht. Umgekehrt verweist im Kalendar das hervorgehobene Fest des hl. Augustinus mit Oktav und Translatio auf eine Religiosengemeinschaft mit Augustinusregel als Vorbesitzer.
Provenienz der Handschrift: Die Tatsache, dass das zweifellos für den Chorgebrauch bestimmte Psalterium im 15. Jh. im Hildesheimer Fraterhaus Lüchtenhof auseinandergenommen, nach dem Windesheimer Usus ergänzt und die beiden neuen kodikologischen Einheiten schließlich eingebunden wurden, zeigt, das sich die Bände im Besitz eines die Windesheimer consuetudines befolgenden Augustiner-Chorherren- oder Chorfrauenstiftes befanden. Nach Ausweis der beiden im zweiten Band nachgetragenen Hymnen (Cod. Guelf. 483 Helmst., 97v–98r) zum Fest der hl. Katharina dürfte es sich dabei um das Augustiner-Chorfrauenstift Marienberg bei Helmstedt gehandelt haben, zu dessen liturgischen Sondergut die Hymnen gehören.
Erwerb der Handschrift: Wenn dies zutrifft, dürfte der Codex am 15.4.1572 mit einem Teil der Buchbestände des Stifts in die Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel transferiert worden sein. 1614 ist er im Gesamtkatalog der Bibliotheca Julia von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 164 [159]) unter Sacra Biblia et Bibliorum Sacrorum partes als Psalterium Davidis manuscriptum in pergameno mit pockeln beschlagen mit der Signatur E 10 nachgewiesen. 1618 aus Wolfenbüttel nach Helmstedt überführt, 1644 im Katalog der Helmstedter Universitätsbibliothek (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 9r) als Psalterium Latinum in membrana in bretter braun mit 2 riemen unter den Theologici in folio nachgewiesen; im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 51) unter Nr. 78 aufgeführt.
Inhalt:
  1. 1r leer, 1v Titelvermerk (16./17. Jh.): Psalterium Davidis cum Hymnis.
  2. 2r–7v Kalendarium. Nichtliturgisches Kalendar ohne Festgrade. Angegeben sind Goldene Zahl, Tagesbuchstaben und römische Tageszählung (sämtlich rot) sowie rechts daneben die Zeitspannen der Nonen, Iden und Kalenden durch spaltenweise angeordnete rote litterae elongatae. Den Monaten sind jeweils die Merkverse zu den dies aegyptiaci vorangestellt, Druck: Grotefend 1, 36. Dazu Schaller/Könsgen 7597 und Suppl. (= Walther I 9771 bzw. Thorndike/Kibre 651.13); die dies aegyptiaci sind im Kalendar selbst durch ein rotes, durchgestrichenes Đ gekennzeichnet. Als Grundlage für die reiche Ausstattung mit Heiligenfesten dient der Kalender der Diözese Halberstadt, ergänzt durch zahlreiche Festtage aus der Erzdiözese Magdeburg (vgl. Grotefend 2, 59–63 und 109–113) Folgende Feste sind für die Diözese Halberstadt typisch: 20.1. Fabiani et Sebastiani martyrum, 28.1. Octava sancte Agnetis virginis, 25.2. Mathie apostoli, 7.3. Perpetue et Felicitatis martyrum, 26.3. Ludegeri episcopi, 17.4. Petri diaconi, 24.4. Corone virginis, 4.5. Godehardi episcopi, 9.5. Adventus sancti Stephani, 3.8. Inventio sancti Stephani. Gamahelis et Abibon (letztere sonst nur aus dem Semeca-Missale, Halberstadt, Domschatz, Inv.-Nr. 474 [olim M 114], bekannt, vorläufige Beschreibung von P. Carmassi., vgl. auch Kroos Bildhandschriften, 187 Nr. 18 und 262f.), 10.8. Laurentii, 19.8. MAGNI MARTYRIS ET PONTIFICIS (rote Unzialmajuskeln), 28.8. Augustini episcopi et confessoris, 4.9. Octava sancti Augustini episcopi, 24.9. Conceptio sancti Johannis baptiste, 8.10. Demetrii martyris, 11.10. Translatio sancti Augustini, 25.11. Katherine virginis. — Für die Erzdiözese Magdeburg sind dagegen charakteristisch: 11.1. Honorate virginis (radiert), 18.1. Cathedra Petri apostoli (radiert), 19.1. Pontiani martyris. Marii et Marthe martyrum, 29.1. Constantii episcopi, 1.2. Ignacii episcopi et martyris, 8.2. Helene regine (radiert), 21.2. Felicis episcopi et confessoris, 25.2. Adventus sancti Mauricii, 5.3. Foce martyris, 9.3. Quadraginta militum, 20.3. Guthberti abbatis, 29.3. Victorini martyris, 18.4. Eleutherii episcopi et Ancie matris eius, 9.5. Geroncii martyris, 20.5. Basille virginis, 6.6. Vincencii episcopi et confessoris, 16.6. Aurei et Justini martyrum, 13.7. Heinrici imperatoris, 31.7. Germani episcopi, 22[!, recte 23].8. Tymothei et Apollinaris martyrum, 26.8. Secundi et sociorum eius, 31.8. Justi et Clementis episcoporum et confessorum, 5.9. Victorini martyris, 7.9. Madalberte virginis, 22.9. Mauricii et sociorum eius, 4.10. Marci et Marciani martyrum, 24.10 Eracliani episcopi et confessoris, 6.11. Erculani martyris, 1.12. Sabini et Latini martyrum, 30.12. Sabini et Exuperancii martyrum. Die vorliegende gemischte Form des Kalendars ist im Nordharzraum seit dem 11. Jh. noch mehrfach überliefert, vgl. z. B. das für für das Braunschweiger Kollegiatstift St. Blasius gefertigte Rituale NLA – StA Wolfenbüttel, VII B Hs 167, 2r–11r (12. Jh., 1. Viertel, vorläufige Beschreibung von H. Härtel., vgl. auch Kroos Bildhandschriften, 183 Nr. 2; Divina officia 290f. Nr. 57 [H. Härtel.]), das dreiteilige Brevier Cod. Guelf. 145.1 Helmst., 145.2 Helmst. und 319 Helmst. aus dem Augustiner-Chorfrauenstift Marienberg bei Helmstedt oder den aus dem Magdeburger Raum stammenden Psalter Wien ÖNB, Cod. Ser. n. 2595 (Mitteleuropäische Schulen 1, 106–110 Nr. 41 mit Abb. 147–151, Farbabb. 15 und Fig. 21, vgl. auch Kroos Bildhandschriften, 183 Nr. 2), deren Kalendare die genannten Feste ebenfalls verzeichnen. — Außerdem sind bemerkenswert die bislang nur aus dieser Hs. nachgewiesenen Festtage folgender Propheten des VT: 14.3. Zacharie prophete, 10.4. Ezechielis prophete, 13.6. Helysei prophete, 21.7. Danielis prophete und 20.8. Samuhelis prophete.
  3. 8r–132r Psalterium feriatum cum canticis VT ordinarioque officii secundum cursum Romanum ad usum congregationis Windeshemensis CanAug suppleto (pars nocturnalis). Die Gliederung des ursprünglichen Psalteriums folgt sowohl der formalen Drei- als auch der liturgischen Achtteilung nach dem Cursus romanus. In der zweiten Hälfte des 15. Jh. wurden die nicht dem Usus der Windesheimer Kongregation entsprechenden originalen Invitatorien, Antiphonen und Versikel radiert und von verschiedenen Händen durch ihre gültigen Gegenstücke ersetzt und die Notation vollständig aktualisiert. Später wurde in einem zweiten Bearbeitungsschritt im Hildesheimer Fraterhaus Lüchtenhof der Psalter in einen zweibändigen Nacht- und Tagesteil zerlegt. Letzterer befindet sich, mit einem Windesheimer Hymnar und Totenoffizium ergänzt, heute in Cod. Guelf. 483 Helmst. Der vorliegende Band enthält die Psalmen zu Matutin und Laudes in folgender Anordnung und Ausstattung:
    • (8r–29r) Psalmi in dominicis diebus ad matutinas et ad primam. Enthält Ps 1–25 mit Invitatorium (CAO 1009) sowie die vor den entsprechenden Psalmen eingefügten Antiphonen und Versikel zu Matutin (CAO 4875 mit 8138, 1328, 1687 mit 8178, 1328, CANTUS 203911 mit CAO 8061) und Laudes (CANTUS 202744, CAO 5177 und 1328) sowie (23v) der ersten Strophe des Hymnus ad laudes AH 51 Nr. 31.
    • (29r–45v) Psalmi in feria II ad matutinas. >Feria secunda<. Enthält Ps 26–37 mit Invitatorium (CAO 1179), Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 2404, 1288, 3300, 4580, 2801, 4643 mit 8029, 8166 und CANTUS 800170) und Laudes (CAO 3773, 3359, 2169, 1918 und 3585, das Initium des Hymnus AH 51 Nr. 32 mit Versikel CAO 8181) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 1717). 29v in marg. ältere Angabe der Psalmtondifferenz durch die notierte Vokalfolge Euouae (linienlose deutsche Neumen, 13. Jh., wurde bei der Aktualisierung nicht entfernt).
    • (45v–61r) Psalmi in feria III ad matutinas. >Feria III<. Enthält Ps 38–51 mit Invitatorium (CAO 1088, darüber das Initium des Hymnus AH 51 Nr. 26), Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 5294, 4696, 2673, 1278, 3680, 2168, 8091) und Laudes (CAO 4854, 4683, 4973, 2079 und 3232) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 2664). – 55v von späterer Hand Ps 47,9–12 nachgetragen, da der ursprüngliche Text durch die Rasur auf der Rectoseite beschädigt wurde.
    • (61r–76v) Psalmi in feria IV ad matutinas. >Feria IIII<. Enthält Ps 52–67 mit Invitatorium (CAO 1087), Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 1328, 1549, 4568, CANTUS 204833, CAO 2089, 1196 und 3230 mit 8011) und Laudes (CAO 1390, 5115, 3557, 2414 und 1836) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 4684).
    • (76v–96v) Psalmi in feria V ad matutinas. Enthält Ps 68–79 mit Invitatorium (CAO 1009), Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 2330, 2681, CANTUS 200140, CAO 2709, 3318 und 4394 mit 8079 und 1328) und Laudes (CAO 5150, 2373, 3252, 3203 und 1762 mit Initium des Hymnus und ausgeschriebenem Versikel wie feria II) sowie die Benedictus-Antiphon (CAO 3285). – 85v von späterer Hand auf dem Fußsteg der im Text ausgelassene Ps 73,11 nachgetragen.
    • (96v–113r) Psalmi in feria VI ad matutinas. Enthält Ps 80–96 mit Invitatorium (CAO 1066), Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 2814, 5219, 1733, 3387, 1721, 1764, 8104 und 1328) und Laudes (CAO 4678, 3309, 3182, 2326 und 3282 mit Initium des Hymnus und ausgeschriebenem Versikel wie feria II) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 4270).
    • (113r–130v) Psalmi in feria VII ad matutinas. Enthält Ps 97–108 mit Invitatorium (CAO 1064), Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 4511, 1328, 3508, 1825, 1682, 5471, 1874 mit 8025 und 1328) und Laudes (CAO 1736, 1744, 3749, 2421 und 3218 mit Initium des Hymnus und ausgeschriebenem Versikel wie feria II) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 3184). Das ursprünglich auf Bl. 129v folgende Bl. mit den notierten Ergänzungen befindet sich nach der Zweiteilung des Psalters heute in Cod. Guelf. 483 Helmst., 2r, so dass im Hildesheimer Fraterhaus Lüchtenhof Bl. 130 ergänzt und neu geschrieben werden musste.
    • (130v–132r) Psalmi in omnibus diebus ad laudes. Enthält die stets gleichbleibenden Laudespsalmen Ps 148,1–150,6. Der durch Blattverlust fehlende Abschnitt Ps 148,1–5 isst auf dem nachträglich eingefügten Bl. 130v nachgetragen worden.
    • (132r–140v) Cantica VT. Enthalten sind die nach dem Windesheimer Usus zu den Laudes an feria II–VII genutzten Cantica VT: (132r–v) Canticum Anne (sic, recte: Canticum Isaiae): Stegmüller RB 21g1; 132v–133v Canticum Ezechiae regis: Stegmüller RB 21g2, in marg. Angabe zur Lesung: feria tertia; 133v–134v Canticum Annae: Stegmüller RB 21g3, in marg. Angabe zur Lesung: feria quarta; 134v–136r das Canticum Moysis I: Stegmüller RB 21g4, in marg. Angabe zur Lesung: feria quinta; 136r–137v Canticum Abacuc: Stegmüller RB 21g5, in marg. Angabe zur Lesung: feria sexta; 137v–140v das Canticum Moysi: Stegmüller RB 21g6, in marg. Angabe zur Lesung: Sabbato. Der Text bricht aufgrund von Blattverlust in Dt 32,39 ab; das Canticum trium puerorum (Stegmüller RB 21g7) fehlt gänzlich.
    Die Psalmen 109–147 zur Vesper und den kleinen Horen sowie die Cantica NT befinden sich in Cod. Guelf. 483 Helmst., 2r–39v. Der Psalter des 13. Jh. war demnach ursprünglich folgendermaßen zusammengesetzt: Cod. Guelf. 479 Helmst., 1r–129v (Ps 1,1–108,31) – Cod. Guelf. 483 Helmst., 2r–37v (Ps 109,1–147,20) – Cod. Guelf. 479 Helmst., 131r–140v (Ps 148,1–150,6 und Cantica VT, am Schluss Textverlust von ca. einer Lage mit dem Canticum trium puerorum und dem Canticum Zachariae) – Cod. Guelf. 483 Helmst., 38r–39v (Cantica VT und Symbolum, Verlust von ca. 6 Bl. mit dem Schluss des Symbolum, dem Te deum und weiteren Texten).
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

AH Analecta hymnica medii aevi, hrsg. von G. M. Dreves und C. Blume, Bd. 1–55, Leipzig 1886–1922, Registerbd. 1–2, hrsg. von M. Lütolf, Bern u. a. 1978
CANTUS CANTUS: A Database for Latin Ecclesiastical Chant. Indices of chants in selected manuscripts and early printed sources of the liturgical Office (http://cantus.uwaterloo.ca//)
CAO R.-J. Hesbert, Corpus antiphonalium officii, Bd. 1–6, Rom 1963–1979 (Rerum ecclesiasticarum documenta. Series maior 7–12)
EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
Grotefend H. Grotefend, Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit, Bd. 1: Glossar und Tafeln, Bd. 2, Abteilung 1: Kalender der Diözesen Deutschlands, der Schweiz und Skandinaviens; Abteilung 2: Ordenskalender, Heiligenverzeichnis, Nachträge zum Glossar, Hannover 1891–1898, Nachdruck Aalen 1984
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Kroos Bildhandschriften R. Kroos, Drei niedersächsische Bildhandschriften des 13. Jahrhunderts in Wien, Göttingen 1964 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Philologisch-historische Klasse, Dritte Folge, 56)
Krumwiede H.-W. Krumwiede, Die mittelalterlichen Kirchen- und Altarpatrozinien Niedersachsens, Bd. 1–2, Erg.-Bd., Göttingen 1960–1988 (Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens 11)
Mitteleuropäische Schulen 1 Mitteleuropäische Schulen, Bd. 1 (ca. 1250–1300), bearbeitet von A. Fingernagel und M. Roland, Textbd. sowie Tafel- und Reg.-Bd., Wien 1997 (Veröffentlichungen der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters. Reihe 1, Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Österreichischen Nationalbibliothek 10 = Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, Denkschriften 245)
Schaller/Könsgen D. Schaller und E. Könsgen, Initia Carminum Latinorum saeculo undecimo antiquiorum, Göttingen 1977, Supplementbd. fortgeführt von Th. Klein, Göttingen 2005
Stadt im Wandel Stadt im Wandel. Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland 1150–1650. Landesausstellung Niedersachsen 1985. Ausstellungskatalog, Bd. 2: Katalog der Objekte, hrsg. von C. Meckseper, Stuttgart, Bad Cannstatt 1985
Stegmüller RB F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. 1–11, Madrid 1950–1980
Thorndike/Kibre L. Thorndike und P. Kibre, A catalogue of incipits of mediaeval scientific writings in latin, revisited and augmented edition, London 21963 (Mediaeval Academy of America publication 29)
Walther I H. Walther, Initia carminum ac versuum medii aevi posterioris Latinorum, Göttingen 1959 (Carmina medii aevi posterioris Latina 1)

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