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Beschreibung von Cod. Guelf. 513 Helmst.
geplant: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil IV: Cod. Guelf. 462 bis 615 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser.
Handschriftentitel: Lex Alamannorum
Entstehungsort: Oberitalien
Entstehungszeit: 8. Jh., Ende
Katalognummer: Heinemann-Nr. 560
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 29 Bl.
Format: 24,5 × 15,5 cm.
Seitennummerierung: Tintenfoliierung modern: 1–29.
Lagenstruktur: IV–1 (7). III (13). IV (21). IV (29). Befolgung der Gregory-Regel (mit Ausnahme des fehlenden Bl. in der ersten Lage). Lagenzählung auf dem letzten Bl. der ersten und dritten Lage in römischen Zahlen, 7v mit Sternverzierung.
Zustand: Erstes und letztes Bl. stark beschädigt, verblaßt, braune Schwemmränder eines Wasserschadens. Alle Bl. an der Vorderkante des Fußsteges beschädigt, Fehlstellen.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 19,5–20 × 12,5–13,5 cm, einspaltig, 19 Zeilen, Blindliniierung.
Hände:
  • Vorkarolingische Minuskel (CLA Nr. 1382).
  • Rubrik und Titel Bl. 3r in ornamentaler Majuskelschrift (Kombination von Capitalis rustica und Unzialis), Zeilen abwechselnd rot und schwarz.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, Rubriken z. T. in Unzialis.
  • Am Beginn der einzelnen Kapitel kleine Initialen als Hohlbuchstaben in Unzialis (meist über 2–4 Zeilen) mit vegetabilen Ornamenten 8Palmetten), Flechtband- und Wirbelmotiven im Buchstabenkörper, einige mit Vogelkopfausläufern oder als zoormorphe Fischinitialen, Farben der Muster abwechselnd rot, braun und violett, vereinzelt rote Punkte als Konturbegleitung nach insularem Vorbild. Sehr ähnliche Initialen in den vermutlich aus dem gleichen Skriptorium stammenden Hss. Paris, BN, Lat. 653 (CLA Nr. 527), St. Gallen, StiB, Cod. Sang. 108 (CLA Nr. 905) und St. Gallen, StiB, Cod. Sang. 227, 3r (CLA Nr. 930); . Bl. 3r Initiale I über alle 6 Titelzeilen, schwarzer Buchstabenkörper mit rot-weiß-braun-violettem Flechtband, Konturen mit roten Punkten hervorgehoben. Das untere Ende ist unverziert und schließt mit einem geschwungenen Palmettenausläufer ab; aus dem oberen Ende wächst ein Pferdekopf, der eine kurze Blumenranke im Maul trägt; besonders ähnlich ist hier die I-Initiale im erwähnten Codex St. Gallen, StiB, Cod. Sang. 227, 3r. Zur Ausstattung der genannten und weiterer Hss. dieser Gruppe vgl. Holter Buchschmuck (s. unten), 93f. .
Spätere Ergänzungen: Im gesamten Codex Korrekturen und Ergänzungen einer Hand des 9. Jh. in karolingischer Minuskel, vermutlich bereits nordalpiner Provenienz.
Einband: Papierband mit gebrochenem Rücken des 18. oder frühen 19. Jh. mit Überzug aus Kiebitzpapier aus der Werkstatt des Buchbinders Anton Friedrich Wirck in Helmstedt (vgl. bei Cod. Guelf. 469 Helmst.).
Inhalt:
1. 1r29v Lex Alamannorum.
  • (1r2v) Tabula. >Incipiunt capitula legis [alamannorum]<. … res se … ips[os] ad e[cclesias] … . II Si quis res suas quod ecclesiae dedit ex ipsis ab episcopo benefic … . III Si quis fugierit in ecclesiam nullus eum per vim exinde trahat … — … Si quis doctricem de inter iomentas[sic] furaverit. Si quis iactu infra utero pollame occidit … (Text bricht ab) Der Index ist unvollständig und reicht nur bis Kapitel 75, wobei Kapitel 71 fehlerhaft doppelt gez. ist. Die Nummer und die ersten beiden Worte jeder Kapitelüberschrift sind rubriziert.
  • (3r29v) Textus. >In nomine domini incipit lex gentis Alamannorum instituta temporibus domini Hlotharii ortodoxi regis una cum christianissimis suis XXXIII episcopis et XXXIII duces et LXXII comites et cetero populo[sic]<. Ut si quis liber res suas vel semetipsum ad ecclesiam tradere voluerit … — … caballus sepem aliena salierit et de palo sepis transpunctus fuerit cuius sepis fuerit ipso solvat eum medio pretio. Der Schluss fehlt.
Textgeschichte: Der Codex gehört zur Textklasse A. Eine Mischredaktion aus Klasse A und B repräsentiert Cod. Guelf. 327 Gud. lat., 65r–115v; zur Textklasse B gehört Cod. Guelf. 130 Blank., 176v–187v.
Edition
  • MGH LL 3, 1–83, hier 41–83 (mit dieser Hs., Sigle: B1);
  • MGH LL nat. Germ. 5/1, 36–157, hier 36–49, 63–155 (mit dieser Hs., Sigle: A8).
Literatur
  • Pertz, 754f. (Hs. genannt);
  • Krusch, 313 und 316f. (diese Hs.);
  • Mordek Bibliotheca, 460;
  • R. Kottje, Zum Geltungsbereich der Lex Alamannorum, in: Die transalpinen Verbindungen der Bayern, Alemannen und Franken bis zum 10. Jahrhundert, hrsg. von H. Beumann und W. Schröder, Sigmaringen 1987 (Nationes, 6), 359–377 (373 Nr. 71 Hs. genannt);
  • Münsch, 191 und 196 (diese Hs.);
  • C. Schott, Lex und Skriptorium – Eine Studie zu den süddeutschen Stammesrechten, in: Leges – Gentes – Regna. Zur Rolle von germanischen Rechtsgewohnheiten und lateinischer Schrifttradition bei der Ausbildung der frühmittelalterlichen Rechtskultur, hrsg. von G. DIlcher und E. Distler, Berlin 2006, 257– 290 (262f. und 283 Hs. genannt).
Entstehung der Handschrift: Der Codex wurde gegen Ende des 8. Jh. in einem "oberitalienischen Skriptorium", möglicherweise in Monza, geschrieben, "das wohl in Verbindung mit der Residenz König Pippins (781–810) gesehen werden muß" (Bischoff Panorama, 31).
Provenienz der Handschrift: Später im Besitz von Matthias Flacius, auf dem Kopfsteg von Bl. 1r Vermerk: Lex Alamannorum (nicht von Matthias Flacius), außerdem auf dem Fußsteg die Signatur № 116 der flacianischen Bibliothek.
Erwerb der Handschrift: Zusammen mit der übrigen Bibliothek des Matthias Flacius am 20.4.1597 von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg erworben, 1618 aus Wolfenbüttel in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt. 1644 im Katalog der Helmstedter Universitätsbibliothek (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 26r) als Lex gentis Alamannorum instituta temporibus Lotharii. In membrana Vorn und hinten defect ohne band. Im schrank 2 unter den Juridici MSSti in quarto beschrieben, auf dem VS die zugehörige Helmstedter Signatur J. 3. 4to. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 396 aufgeführt.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

CLA Codices Latini antiquiores. A Palaeographical Guide to Latin Manuscripts prior to the ninth century, hrsg. von E. A. Lowe, Bd. 1–12, Oxford 1934–1971
Dolezalek G. Dolezalek, Verzeichnis der Handschriften zum Römischen Recht bis 1600, Bd. 1–4, Frankfurt/M. 1972
Hartmann M. Hartmann, Humanismus und Kirchenkritik. Matthias Flacius Illyricus als Erforscher des Mittelalters, Stuttgart 2001 (Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters 19)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband 1)
Krusch B. Krusch, Die Lex Bajuvariorum. Textgeschichte, Handschriftenkritik und Entstehung, Berlin 1924
Lindsay W. M. Lindsay, Collectanea varia, in: Ders., Palaeographia latina, Bd. 2, London 1923 (St. Andrews University Publications 16), Nachdruck Hildesheim 1974, 5–55
McKitterick R. McKitterick, The Anglo-Saxon missionaries in Germany: Reflections of the manuscript evidence, in: Dies., Books, Scribes, and Learning in the Frankish Kingdoms, 6th–9th Centuries, Aldershot u.a. 1994 (Collected studies series 452), Nr. IV, 291–329
MGH LL Monumenta Germaniae Historica Leges (in Folio), Bd. 1–5, Hannover 1835–1889
Schönemann Merkwürdigkeiten 2 C. P. C. Schönemann, Merkwürdigkeiten der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Bd. 2: Zweites und drittes Hundert, Hannover 1852

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