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Beschreibung von Cod. Guelf. 516 Helmst.
geplant: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 3: Cod. Guelf. 441 bis 615 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser.
Handschriftentitel: Priscianus
Entstehungsort: Nordostfrankreich
Entstehungszeit: 12. Jh., 3. Viertel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 172 Bl.
Format: 24,5 × 15,5 cm
Seitennummerierung: Rubrizierte Tintenfoliierung (14./15. Jh.): 1170, erstes Bl. ungez., Zählfehler, Bl. 102 doppelt gez.
Lagenstruktur: 6 IV (47)! III+2 (55). 7 IV (110)! III+2 (118). 4 IV (150). V (160). IV+2 (170). Lagenzählung auf dem Fußsteg der letzten Versoseite jeder Lage, erhalten nur bei Lage I und XVIIXVIIII, sonst durch Beschnitt verloren.
Zustand: Von einer Anzahl Bl. wurden jeweils der Fußsteg (an Bl. 73, 120, 127, 132 und 161) oder der Seitensteg (an B. 90–92, 134 und 167) durch Beschnitt entfernt. Bl. 170 wurde bis auf den beschriebenen Bereich (ca. 7 x 14,5 cm) ausgeschnitten.
Seiteneinrichtung: 17,5 × 9 cm, einspaltig, 35–37 blindliniierte Zeilen, Punkturen an den Blatträndern sichtbar.
Hände: Sehr regelmäßige, kleine Textualis von einer Hand; alle griechischen Textzitate in Unzialmajuskeln.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert.
  • Am Beginn der einzelnen Bücher (Iv, 2v, 12v, 23v, 31r, 38r, 51r, 86v, 106v, 117v, 130r, 138r, 150v, 160r, 167r , 68r ist Raum für die fehlende Initiale ausgespart) sorgfältig ausgeführte Silhouetteninitialen mit entweder einfarbig roten und blauen oder zweifarbig von Rot und Grün bzw. Blau geteilten Buchstabenkörpern in Unzialform über 6–8 Zeilen. Die Binnenfelder sind mit filigranen, achsialsymmetrisch angeordneten Ranken mit Silhouettenblättern und stilisierten Blüten gefüllt, die abschnittsweise wechselnd in den gleichen Farben gehalten sind. Gleichartig gestaltete kleinere Initialen (meist über 3–5 Zeilen) ohne Silhouettenelemente sind den einzelnen Kapiteln ,3 vorangestellt. Der Buchschmuck ist charakteristisch für den nordfranzösischen, insbesondere für den Pariser Raum, vgl. z. B. die Codices Paris, BN, MSS lat. 13315 (St. Germain-des-Prés, teilweise 12. Jh.); Paris, BN, MSS lat. 14305 (Stift St.-Victor, 12. Jh., 2. Hälfte, vgl. G. Ouy, Les manuscrits de l'Abbaye de Saint-Victor, T. 2: Texte, Turnhout 1999 [Bibliotheca Victorina 10/2], 284) und Paris, BN, MSS lat. 16731 (Nordfrankreich, 12. Jh.).
Einband:
  • Der ursprüngliche romanische Einband ist verloren.
  • Er wurde vermutlich im späten 13. oder frühen 14. Jh. durch einen gotischen Holzdeckelband mit einem ungefärbten und unverzierten, an den Ecken und am Rücken erheblich beschädigten Schafslederbezug ersetzt. 3 Doppelbünde, Rückenhinterklebung aus Leinen sichtbar. Eine Langriemenschließe, bis auf das Gegenblech mit Riemenrest verloren.
Zusatzmaterial: Fragmente (VS und HS), 1. VS: Pergament, ein Bl., 24 x 14 cm. Schriftraum: 20 x 11 cm, einspaltig (beschnitten), noch 26 blindliniierte Zeilen erhalten.Späte karolingische Minuskel, 12. Jh., 1. Hälfte. Rubriziert. Psalterium. Erhalten sind Ps 92,3–93,19. — 2. HS: Pergament, ein Bl., 24,5 x 16 cm, mitgeheftet und um die letzte Lage gehängt. Schriftraum: 21 x 12 cm, einspaltig (beschnitten), noch 20–21 Zeilen erkennbar.Carolino-Gothica (12. Jh., 2. Hälfte) von einer Haupthand und 2 Nachtragshänden, die dritte Nachtragshand in einer runden Bastarda des 14. Jh.Über jeder Textzeile ein Notensystem mit einer Mischform aus französischen und deutschen Neumen.Antiphonale officii (Proprium de sanctis). Im Haupttext die Antiphon CAO 4049 in festo sanctae Mariae Magdalenae, darunter die Antiphon CAO 2954 zu Affre virginis et martyris, in marg. von der ersten Nachtragshand die zugehörige, in den Repertorien nicht nachweisbare Collecta. Auf dem Fußsteg von einer weiteren Hand des 12. Jh. die Antiphon CANTUS 200452 in festo sanctae Catharinae. Auf dem Kopfsteg wurde schließlich das Responsorium CANTUS 600280 in dedicatione ecclesiae nachgetragen.
Entstehung der Handschrift: Der Codex wurde nach Ausweis der Schriftmerkmale und des Buchschmucks im 3. Viertel des 12. Jh. im nordfranzösischen Raum, vermutlich in Paris selbst, geschrieben.
Provenienz der Handschrift: Da Besitzvermerke fehlen, ist nicht mehr zu ermitteln, auf welchem Wege die Hs. in die in die Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel gelangt ist.
Erwerb der Handschrift: Dort ist sie erstmals 1614 im Gesamtkatalog von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 5 [1]) unter den Libri Grammatici als Priscianus manuscriptus in membranis in gros 4to mit der Signatur A 13 nachgewiesen. Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt, 1644 im Helmstedter Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 30v) als Prisciani Cæsariensis Grammatica in membrana unter den Miscellanei MSSti in quarto beschrieben; auf dem VS die entsprechende Helmstedter Signatur Misc. 4to 1. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 558 genannt.
Inhalt:
  1. Ir mit Ausnahme des Titelvermerks (16./17. Jh., s. oben) leer.
  2. Iv–170r Priscianus: Institutiones grammaticae. >Artis Prisciani viri disertissimi gramatici[sic] Cesariensis liber incipit de littera de partibus post de oratione<. Cum omnis eloquentię doctrinam et omne studiorum genus sapientię luce prefulgens a gręcorum fontibus derivatum latinos proprio sermone invenio celebrasse … — … Nam neque erant astrorum ignes nec lucidus ethra siderea polus [Verg. Aen. 3,585f.]. Obwohl die zum Prolog gehörende Inhaltsangabe vollständig ist, sind nur die Bücher I–XVI enthalten. Buch XII und XIII sind zusammengezogen, ansonsten entsprechenden die Buchgliederung und die Kapitelteilungen den Ausgaben. Die Bücher I–VI sind stellenweise von anlegender Hand und späteren Händen marginal und interlinear glossiert. Vielfach handelt es sich dabei um schlichte Worterklärungen oder Ergänzungen wie z. B. 1v zu officio professionis in marg.: Officium est congruus actus uniuscuiusque persone secundum mores vel civitatis instituta [Mar. Vict. in De inv. 172.2-3], auch zitiert im sog. "Promisimus"-Kommentar zu den "Institutiones grammaticae", vgl. K. M. Fredborg, "Promisimus". An edition, in: Cahiers de l'Institut du Moyen-Âge Grec et Latin 70 (1999), 81–228, hier 95.
    Textgeschichte: Mit identischem Textbestand auch in Cod. Guelf. 50 Weiss., 1r–107r; 244 Gud. lat., 1r–251r; teilweise in Cod. Guelf. 85.7 Aug. 2°, 59r–117r; 140 Blank., 1r–91v; 64 Gud. lat., 1r–86v; 217 Gud. lat., 2r–44v.
    Edition
    • Prisciani grammatici Institutionum grammaticarum libri XVIII, ex recensione M. Hertzii, vol. I: Libros I–XII continens, Leipzig 1855 (Grammatici latini 2), 1–597; vol. II: Libros XIII–XVIII continens, Leipzig 1858 (Grammatici latini 3), 1–105.
    Literatur
    • M. Gibson, Priscian, "Institutiones Grammaticae": A handlist of manuscripts, in: Scriptorium 26 (1972), 105–124 (123 Hs. genannt);
    • M. Marina Passalacqua, I codici di Prisciano, Rom 1978 (Sussidi eruditi 29), 369f. Nr. 760 (diese Hs.).
    – 170v sind Reste eines abgeschabten Textnachtrags zu erkennen, der selbst mit Hilfsmitteln nicht mehr zu entziffern ist.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

CANTUS CANTUS: A Database for Latin Ecclesiastical Chant. Indices of chants in selected manuscripts and early printed sources of the liturgical Office (http://cantus.uwaterloo.ca//)
CAO R.-J. Hesbert, Corpus antiphonalium officii, Bd. 1–6, Rom 1963–1979 (Rerum ecclesiasticarum documenta. Series maior 7–12)
Ebert F. A. Ebert, Bibliothecae Guelferbytanae Codices Graeci et Latini Classici, Leipzig 1827 (Die Bildung des Bibliothekars 2 = Zur Handschriftenkunde 2)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)

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