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Beschreibung von Cod. Guelf. 532 Helmst.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Theologisch-juristische Sammelhandschrift
Entstehungsort: Salzburg
Entstehungszeit: 9. Jh., 1. Viertel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 174 Bl.
Format: 23,5 × 14-14,5 cm.
Seitennummerierung: Moderne Tintenfoliierung.
Lagenstruktur: IV–2+1 (7). 8 IV (71). 2 III (83). IV–5+IV (94). 2 IV (110). IV+3 (121). 2 IV (137). VII+2 (153). VI (165). IV+1 (174). Aus drei Teilen zusammengesetzt, wobei der zweite Teil in die letzte Lage des ersten hineingeschoben ist (Teil 1a: 2r-85v; Teil 2: 86r-93v; Teil 1b: 94r-153v; Teil 3: 154-173). Die spätmittelalterlichen Vorsatzbl. sind als Bl. 1 und 174 gez. Vorgebundener, abgelöster VS des verlorenen Originaleinbandes (14. Jh., 2. Hälfte): 1v Tabula Librorum. (Wolfenbüttel Helmst., Nr. 579 (Heinemann Nr.)., 1v Tabula codicis. (Druck: J. Merkel, Das bairische Volksrecht, in: Archiv der Gesellschaft für Ältere Deutsche Geschichtkunde 11 (1858), 533–687, hier 541f.), 1v Tabula ad librum scintillarum. (CC SL 117, 1f.). HS (abgelöst; 14. Jh.): Tractatus theologicus. Ausführlich zu den Spiegelfragmenten vgl. Wolfenbüttel Helmst. 2 (in Vorb.)..
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 19,5-20 × 10-13 cm, einspaltig, 25-37 Zeilen.
Hände: Karolingische Minuskel von mehreren Händen.
Bischoff erkennt in den Schriften Salzburger Charakter im späten Arn-Stil. Abweichend dazu erkennt er Schriften mit "nicht salzburgischem Charaker", vgl. 91v, Schrift auf 54r endend mit der Unterschrift secdus caluus scripsit, Schrift beginnend 54r unten, 81v; Bischoff Schreibschulen, Bd. 2, Nr. 137).
Schrift: Teil 1a/1b: Rubriziert, rote bzw. braune, rot punktierte bzw. konturierte Satzmajuskeln, Überschriften meist in Unzialmajuskeln, 56v Incipit in sieben abwechselnd rot und schwarz geschriebenen Zeilen in Unziale und Capitalis Quadrata; Teil 2: 86v in den ersten sechs Textzeilen abwechselnd Capitalis Quadrata, Unzialis und Capitalis Rustica als Auszeichnungsschriften; Teil 3: Rubriziert, rote Überschriften in Unzialmajuskeln, am Beginn der einzelnen Texte bzw. der Canones vergrößerte, meist braune Satzmajuskeln in Capitalis bzw. Unzialis.
Teil 1a/1b: Rubriziert, rote bzw. braune, rot punktierte bzw. konturierte Satzmajuskeln, Überschriften meist in Unzialmajuskeln, 56v Incipit in sieben abwechselnd rot und schwarz geschriebenen Zeilen in Unziale und Capitalis Quadrata; Teil 2: 86v in den ersten sechs Textzeilen abwechselnd Capitalis Quadrata, Unzialis und Capitalis Rustica als Auszeichnungsschriften; Teil 3: Rubriziert, rote Überschriften in Unzialmajuskeln, am Beginn der einzelnen Texte bzw. der Canones vergrößerte, meist braune Satzmajuskeln in Capitalis bzw. Unzialis.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Drei Initialen.
  • Initialen:

    In Teil 1a zu Textanfängen drei Initialen in zwei unterschiedlichen Stilen. Auf 56v und 72v jeweils eine kolorierte Initiale (Stil 1; 5,8. und 2,0.). 54r eine unkolorierte Initiale (Stil 2; 1,9.). Die beiden kolorierten Initialen mit den Füllmotiven des eckig geführten Seilbands (72v), der Blattapplik im Bogen (72v) und Flechtband vor dunklem Grund (56v). Die Serifen als kurze Fadenausläufer oder spiralförmig gerollt. Dort im Besatz Lanzettblätter in Kombination mit Knospenblüte und Profilpalmette (56v). Die unteren Initialenden mit doppelt geführter Knospenendung (56v) und Palmettenblatt (72v). Die im Stil abweichende Initiale auf 54r mit in das Bogenfeld eingefügter Halbpalmette. Die lappigen Blätter mit gedoppelter Kontur, im oberen Blattabschnitt eine großes tropfenförmiges Auge. Zu Beginn der Handschrift einige Initialmajuskeln mit an Fäden angefügten Herzblättern (vgl. 2v) und 62v ein am Faden hängendes Dreipunktblatt.
  • Farben: Einfache Initialmajuskeln als Federinitialen. Details der Initialen auf 56v und 72v in Menninge (Orange/Hellrot).

Einband: Der frühmittelalterliche Einband ist nicht mehr erhalten. Im späten 18. Jh. erhielt die Handschrift einen Halbledereinband mit grünlichbraunem Kiebitzlederüberzug (gleicher Einband vgl. Cod. Guelf. 462 Helmst.; angefertigt von dem Buchbinder Anton Friedrich Wierck in Helmstedt). 1986/87 wurde dieser abgelöst und der Buchblock auf Doppelbünde gehefte und durch neue Buchenholzdeckel mit Bezügen aus dunkelbraunem Ziegenleder ersetzt (inkl. zwei Lederschließen).
Geschichte der Handschrift: Die Bestandteile des vorliegenden Sammelbandes sind vermutlich um 820 in Salzburg geschrieben und illuminiert worden, wie aus dem Brief Ludwigs des Frommen an Bischof Arn von Salzburg hervorgeht. Die paläographische Einordnung des Sammelbandes bestätigt diese Einschätzung und weist die Handschrift einer Gruppe von Codices zu, die in der späten Amtszeit des Erzbischofs Arn von Salzburg (750-821; in Salzburg amtierend 785-821) unter dem Einfluss von Schreibern aus dem nordfranzösischen Kloster St. Amand (782-785 ebenfalls unter der Leitung von Arn) entstanden sind (eine Zusammenstellung der Handschriften und zum Salzburger Skriptorium des 9. Jahrhunderts allgemein, vgl. Bischoff Schreibschulen, Bd. 2, 73, 74; Forstner, 15-17; Ders., Schriftfragmente des 8. und früheren 9. Jahrhunderts in Salzburger Bibliotheken, in: Scriptorium 14 (1960), 235–256, hier 239–244 Nr. 4–9 mit Abb. 19d–h und 20a; O.Mazal, Die Salzburger Dom- und Klosterbibliothek in karolingischer Zeit, in: Codices manuscripti 3 (1977), 44–64, bes. 47–59). Die uneinheiltiche Ausstattung und die zahlreichen Schreiberhände der Wolfenbütteler Handschrift sind auch für die Salzburger Handschrift Salzburg, Museum Carolino-Augusteum, Hs. 2163 (Bischoff Schreibschulen, Bd. 2, Nr. 138; Forstner, 28-30) belegt. Sie lassen vermuten, dass die Handschriften in Salzburg zu Schulzwecken zusammengstellt wurden. Bei der Schrift handelt es sich, nach Bischoff, um Ausführungen von Salzburger Schreibern, die im späten Arn-Stil schreiben und sich bereits von der St. Amand Tradition entfernt haben (Schriftbeispiel: Bischoff Schreibschulen, Bd. 2, Taf. VIb; in 532 Helmst. besonders gut erkenntlich auf 54r unten). Im Buchschmuck ist diese Kombination zweier Stile gleichfalls zu beobachten. Während die beiden Initialen auf 56v und 72v der Salzburger Tradition entsprechen (Stil 1), verweist die Initiale auf 54r (Stil) in die nordfranzösische Region (St. Amand). Die Initialen im Stil 1 mit ihrer streng linearen Formgebung, dem präzise geführten Flechtband vor dunklem Grund, dem eckig geführten Seilband und der Blattapplik als Füllmotiv zeigen Parallelen zu Salzburger Codices aus der Zeit um 800 und dem 1. Viertel des 9. Jahrhunderts unter Erzbischof Arn sowie der Anfangszeit des nachfolgenden Abtes Adalram (821-836; vgl. München, BSB, Clm 14300 - Bierbrauer Ill. Hss., Kat.Nr. 134, Abb. 263 und Rom, BAV, Vat. lat. 7222 - Bischoff Schreibschulen, Bd. 2, Nr. 111). Die Initiale im Stil 2 hingegen zeigt deutlich Anlehnungen an den Stil des frühen 9. Jahrhunderts aus St. Amand. Wegweisend hierfür ist der große Augentropfen (54r; vgl. München, BSB, Clm 208; Bierbrauer Ill. Hss., Kat.Nr. 239, Abb. 502, 504 und 84 Gud. lat.). Außerdem gehören die angehängten Herzblätter und das Punktdreiblatt (vgl. 2v und 62v) zum festen Bestandteil des nordfranzösischen Skriptoriums (vgl. München, BSB, Clm 15813; Bierbrauer Ill. Hss., Kat.Nr. 242, Abb. 506, 507).
Provenienz der Handschrift: Besitzeintrag. 2r Signaturenbuchstabe .I. (14. Jh.; der Buchstabe wird von Butzmann als Weißenburger Signaturenbuchstabe gedeutet, obwohl leichte Abweichungen bestehen; vgl. Butzmann Weißenburg, 66 Anm. 60; Hartmann, 112; N. Kössinger, Weißenburg, in: Schreiborte des deutschen Mittelalters. Skriptorien – Werke – Mäzene, hrsg. von M. Schubert, Berlin, Boston 2013, 537–547, hier 538 Hs. genannt). Für das 15. Jahrhundert ist sie möglicherweise für die Salzburger Domkapitelsbibliothek belegt (1433 wird im von Johannes Holverld für die Bibliothek angelegten Katalog unter der Nr. 313 ein Liber scintillarum et quedam alia diversa vermerkt). Wie mehrere andere Codices österreichischer Provenienz dürfte die Handschrift über den kaiserlichen Rat Caspar von Nidbruck in den Besitz von Matthias Flacius Illyricus gelangt sein (vgl. F. Martin, Zwei Salzburger Briefsammlungen des 12. Jahrhunderts (das sogen. Briefbuch Erzb. Eberhards I.), in: MIÖG 42 (1927), 313–359, hier 326f. (327 Hs. genannt); Genaueres zu Flacius vgl. Wolfenbüttel Helmst. 2 (i. Vorb.). Zusammen mit der übrigen Bibliothek des Matthias Flacius am 20.4.1597 von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg erworben, 1614 von Liborius Otho in seinem Gesamtkatalog der Bibliotheca Julia (Cod. Guelf. A Extrav., p. 292 [297]–p. 293 [298]) unter den Papalia Miscellanea mit der Signaturnummer Y 53 bis ins einzelne beschrieben. 1618 aus Wolfenbüttel in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt. 1644 im Katalog der Helmstedter Universitätsbibliothek (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 13r–v) unter den Theologici MSSti in quarto in extenso aufgeführt, auf dem VS des abgelösten Halbledereinbandes die entsprechende Helmstedter Signatur T. 4to 10. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 465 ist der Inhalt ebenfalls ausführlich und mit Literaturangaben aufgelistet.
Inhalt:
  • 2r-54r Defensor Locogiacensis: Liber scintillarum.
  • 54r-55v Carolus I imperator: Epistula ad Alcuinum abbatem de ratione Septuagesimae et Quinquagesimae.
  • 55v Gregorius I papa: Ex Epistula IX 147 ad secundinum.
  • 55v Sententiae de floratibus diversis.
  • 56r Isaias Gazaeus: De virtutibus.
  • 56v-62v Isidorus Hispalensis: In libros veteris ac novi testamenti prooemeia.
  • 62v-72v Isidorus Hispalensis: De ortu et obitu patrum.
  • 72v-83v Isidorus Hispalensis: De inventione nominum.
  • 84r-85v Isidorus Hispalensis: Chronica.
  • 85v Paschale campanum sive epitoma temporum et indiculum paschae.
  • 86r Generationum regnorumque laterculus Bedanus.
  • 86v-88v Ludovicus I imperator: Epistula ad Arnonem archiepiscopum de celebratione concilii Aquisgranensis.
  • 89r-91r Interrogatio sacerdotalis.
  • 93v Canones aliquot conciliorum aliquorum Galliae.
  • 94r Expositio orationis dominicae.
  • 94rv Scriptum de ponderibus et mensuris.
  • 95r-108r Eucherius Lugdunensis: Formulae spiritalis.
  • 108r-114r Eucherius Lugdunensis: Instructionum ad Salonium libri II.
  • 114r-120v leer.
  • 121rv Ordo synodalis.
  • 122r-134v Junilius Africanus: Instituta regularia divinae legis.
  • 134v-135v Disputatio philosophorum.
  • 135v-136r De virtutibus et vitiis.
  • 136r-137v Dicta patrum.
  • 138rv Sermo sive tractatulus de recta vita christiana.
  • 139r-153r Alcuinus Flaccus: Disputatio de rhetorica et de virtutibus.
  • 153v De nominibus diversis. Zu den Texten mit weiterführender Literatur vgl. ausführlich Lesser in: Wolfenbüttel Helmst. 4 (in Vorb.).
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

Bollbuck H. Bollbuck, Wahrheitszeugnis, Gottes Auftrag und Zeitkritik. Die Kirchengeschichte der Magdeburger Zenturien und ihre Arbeitstechniken, Wiesbaden 2014 (Wolfenbütteler Forschungen 138)
CC SL Corpus Christianorum. Series Latina, Bd. 1–, Turnhout 1954–
Dolezalek G. Dolezalek, Verzeichnis der Handschriften zum Römischen Recht bis 1600, Bd. 1–4, Frankfurt/M. 1972
Folkerts M. Folkerts, Mittelalterliche mathematische Handschriften in westlichen Sprachen in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Ein vorläufiges Verzeichnis, in: Centaurus 25 (1981), 1–49
Forstner K. Forstner, Die karolingischen Handschriften und Fragmente in den Salzburger Bibliotheken (Ende des 8. Jh. bis Ende des 9. Jh.), Salzburg 1962 (Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Ergänzungsband 3)
Hartmann M. Hartmann, Humanismus und Kirchenkritik. Matthias Flacius Illyricus als Erforscher des Mittelalters, Stuttgart 2001 (Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters 19)
Kunst und Kultur der Karolingerzeit 799 – Kunst und Kultur der Karolingerzeit. Karl der Große und Papst Leo III. in Paderborn. Katalog der Ausstellung Paderborn 1999, hrsg. von C. Stiegemann und M. Wemhoff, Bd. 1–3, Mainz 1999
Schönemann Merkwürdigkeiten 2 C. P. C. Schönemann, Merkwürdigkeiten der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Bd. 2: Zweites und drittes Hundert, Hannover 1852
Werdendes Abendland V. H. Elbern, Werdendes Abendland an Rhein und Ruhr. Ausstellung in der Villa Hügel, Essen, 18.5.–15.9.1956, 4Essen 1956
Wolfenbüttel Helmst. O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)

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