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Beschreibung von Cod. Guelf. 535 Helmst.
geplant: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 3: Cod. Guelf. 441 bis 615 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser.
Handschriftentitel: Smaragdus sancti Michaelis. Versus. Bernardus Claraevallensis. Ps.-Augustinus Hipponensis
Entstehungsort: Benediktinerkloster Huysburg (?)
Entstehungszeit: 12. Jh., 2. Hälfte
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 50 Bl.
Format: 24 × 16 cm
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 150.
Lagenstruktur: IV–3 (5). III+1 (12). 4 IV (44). IV–2 (50). Kustoden in römischen Zahlen (IIVI) auf dem Fußsteg der letzten Versoseite der Lagen mit Ausnahme der ersten und letzten. In den ungestörten Lagen Befolgung der Gregory-Regel.
Zustand: Die ersten drei und die letzten beiden Bl. wurden offenbar gewaltsam bis auf wenige Reste entfernt. An eingen Stellen, insbesondere 25r–v, wurden die verblassten Schriftzüge mit dunklerer Tinte nachgezogen.
Seiteneinrichtung: 18 × 12 cm, einspaltig, im Haupttext 34, im Nachtrag (50v) 39 blindliniierte Zeilen, Punkturen z. T. an den Blatträndern sichtbar.
Hände: Frühe Carolino-Gothica von 3 Händen,
  • Hand 1: 1r–9r;
  • Hand 2: 9r–49v
  • Hand 3: 49v–50v.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, Satzmajuskeln rot gefüllt oder punktiert, einige auch in Unzialform ganz in Rot oder (seltener) in Blau gehalten.
  • Am Beginn der einzelnen Kapitel rote Silhouetteninitialen in Unzialform, meist über 2–3 Zeilen, mit geometrischen oder vegetabilen (Blättchen) Silhouettenornamenten, 1r–6v auch mit blauen Punkten oder Rechtecken im Binnenfeld.
Spätere Ergänzungen: 35r auf dem Fußsteg spätere Federproben in Form von Buchstabenreihen, 44v auf dem Seitensteg von unten nach oben die Worte significamus vobis quatinus.
Einband: Spätromanischer Holzdeckelband, mit ungefärbtem und unverziertem Schweinsleder überzogen. 3 Doppelbünde. Eine Langriemenschließe, bis auf das Gegenblech mit Riemenrest am HD verloren, Dorn vom VD entfernt.
Zusatzmaterial: Fragment, HS: Pergament, oberer Teil eines Doppelbl., als Spiegelbl. quer eingeklebt, 21 × 9,5 cm, beschnitten. Schriftraum: 8 × 9 cm, ein- und zweispaltig, noch max. 21 Zeilen. Frühe gotische Textualis, eine Hand. Keine Rubrizierung. Norddeutschland, 13 Jh., 2. Viertel. Missale. Teile des Ordo missae: Auf dem linken (oberen) Bl. ein Teil des Gloria mit vier Notenlinien über jeder Zeile, die Notation selbst ist nicht ausgeführt; auf dem rechten (unteren) Bl. ein Teil der Litanei in zweispaltiger Anordnung, erhalten sind die Anrufungen der Apostel sowie partiell die der Märtyrer und der Bekenner.
Entstehung der Handschrift: Der Codex wurde nach Ausweis der paläographischen Merkmale in der zweiten Hälfte des 12. Jh. geschrieben. Der ins Kolophon integrierte Besitzvermerk ist radiert und wurde von Heinemann nach Anwendung von Reagens folgendermaßen aufgelöst: Liber sancte Marie in [Mekel]borch, wobei die Ergänzung inhaltlich nicht zu überzeugen vermag. Die von Heinemann gegebene Lesung, die aufgrund des angewendeten Reagens nicht mehr eindeutig nachvollzogen werden kann, deutet eher darauf hin, dass der Codex vermutlich im Benediktinerkloster St. Maria in Huysburg geschrieben worden sein könnte. Paläographisch relativ nahe stehen z. B. die Huysburger Codices Berlin, SBBPK, Ms. theol. lat. fol. 499 und Berlin, SBBPK, Ms. theol. lat. oct. 162 (Berlin Illuminierte Hss. 8.–12. Jh. 1, 21f. Nr. 20 und 21; 2, 34f. Abb. 45–50) sowie weitere, heute in London aufbewahrte Hss., vgl. Cohen-Mushlin, 171 und 176–180 mit Abb. 157–160.
Provenienz der Handschrift: Wann und über welche Vorbesitzer, vermutlich Benediktinerinnenkonvente der Bursfelder Observanz wie Brunshausen oder Lamspringe, der Codex nach Wolfenbüttel gelangte, ist unbekannt, da Besitzvermerke fehlen (möglicherweise mit den ersten Bl. verloren).
Erwerb der Handschrift: Die Hs. ist erstmals 1614 im Gesamtkatalog der Bibliotheca Julia von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 290 [285]) unter den Papalia Miscellanea als Smaragdus Abbatum[sic] folio penultimo sic intitulatus. Ist forne defect manuscr. mit der Signatur W 33 nachgewiesen. Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt, 1644 im Helmstedter Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 15r) als Smaragdi Abbatis liber de variis virtutibus. In membrana, Vorn defect unter den Theologici MSSti in quarto beschrieben; auf dem sonst leeren VS wurde vermutlich zeitgleich der Inhaltsvermerk Smaragdus hinzugefügt. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 674 genannt.
Inhalt:
  1. 1r–49v Smaragdus sancti Michaelis: Diadema monachorum. (Text setzt ein) … Bonum est corde semper orare bonum etiam et sono vocis deum spiritualibus ymnis glorificare … — … invisibiliter de corporis castitate vel animi puritate spiritale gaudium habere mereamur. >Explicit Liber Smaragdi abbatis<. Liber sancte Marie … Si quis abstulerit anathema sit. Kapiteleinteilung und Rubriken entsprechen dem Druck; größere Auslassungen sind nicht erkennbar; Prolog, Kapitel 1 und der Beginn von Kapitel 2 sind verloren. Soweit dies an den erhaltenen Resten der ersten beiden Bl. erkennbar ist, war zwischen den Prolog und den Beginn des Textes ein Kapitelverzeichnis eingeschoben, das mit jenem in Cod. Guelf. 677 Helmst., 159v–161v, identisch gewesen sein dürfte.
    Textgeschichte: Vollständig in Cod. Guelf. 677 Helmst., 159r–258v.
    Druck (ohne Kapitelverzeichnis)
    • PL 102, 593C–690A, hier ab 596C.
    Literatur
    • H. M. Rochais, Contribution à l'histoire des florilèges ascétiques, in: Revue bénédictine 63 (1953), 246–291, hier 252f. (Hs. fehlt);
    • Bloomfield 2456 und Suppl;
    • F. Rädle, Studien zu Smaragd von Saint-Mihiel, München 1974 (Medium aevum 29), 68–77 (70 Anm. 178 Hs. genannt);
    • W. Witters, Smaragde au Moyen Âge. La diffusion de ses écrits d'après la tradition manuscrite, in: Études ligériennes d'histoire et d'archéologie médiévales. Mémoires et exposés présentés à la Semaine d'études médiévales de Saint-Benoit-sur-Loire du 3 au 10 juillet 1969, hrsg. von R. Louis, Auxerre 1975, 361–376 (ohne Kenntnis dieser Hs.);
    • R. Grégoire, La tradizione manoscritta del Diadema monachorum di Smaragdo († ca. 830), in: Inter fratres. Rivista dei monaci Benedettini-Silvestrini 34 (1984), 1–20 (FL, $ Nr. $ Hs. genannt);
    • Rep. font. 10, 418f.;
    • CPPM 2, Nr. 3003 (8a).
  2. 49v Versus de nuptiis III beatae Annae matris BMV. Nupserat Anna viris tribus hos si nosse requiris
    Hic manifestatur quo nomine quisque vocatur
    … — … Tertia Judeo desponsatur Zebedeo
    Hic Jacobum vere fratremque suum genuere
    . 15 Hexameter.
    Druck (nach der Hs. Arras, BM, Ms. 701, 88r)
    • Catalogue général des manuscrits des bibliothèques publiques des départements, publié sous les auspices du Ministre de l'Instruction Publique, tome IV: Arras – Avranches – Boulogne, Paris 1872, ND Farnborough, Hants. 1968, 251.
    Literatur
  3. 49v–50v Bernardus Claraevallensis: Epistula CCXXXVIII. Amantissimo domino suo et patri Eugenio dei gratia summo pontifici B[ernardus] Clarevallensis vocatus abbas modicum id quod est. Auditum est in terra nostra et celebri sermone vulgatum verbum hoc quod factum est de vobis a domino … — … memorare novissima tua et timor eius sit ante oculos tuos qui aufert spiritum principum. Vale. Der Text weicht geringfügig von der kritischen Ausgabe ab, insbesondere der letzte Abschnitt ist durch Zeilensprung (Homoioteleuton) stark verkürzt. Edition: Bernardi opera 8, 115–119. Dazu CALMA 2, 305 Nr. 1.
  4. 50v Ps.-Augustinus Hipponensis: Nota de ultima poenitentia (ex sermone CCCXCIII deprompta). Si quis autem positus in ultima necessitate egritudinis sue voluerit accipere penitentiam et accipit et mox reconciliatur et hinc vadit … — … aut ignoscitur tibi aut non tibi ignoscitur quid horum tibi futurum sit nescio ergo dimitte incertum et tene certum: Si quis diligit me sermonem meum servabit [Io 14,23]. Der Text erläutert offenbar den Schluss des vorhergehenden Briefes und ist ohne Übergang an diesen angehängt. Druck: PL 39, 1714f. Dazu CPPM 1, Nr. 758.
  5. II*r (Rest des letzten Bl.) leer, auf II*v wurden im 13. Jh. die Pfingstsequenz AH 54 Nr. 153 und darunter in kleinerer Schrift die marianische Antiphon CAO 4436 nachgetragen und jeweils über den Textzeilen mit frühgotischen deutschen Neumen notiert.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

AH Analecta hymnica medii aevi, hrsg. von G. M. Dreves und C. Blume, Bd. 1–55, Leipzig 1886–1922, Registerbd. 1–2, hrsg. von M. Lütolf, Bern u. a. 1978
Berlin Illuminierte Hss. 8.–12. Jh. Die illuminierten lateinischen Handschriften deutscher Provenienz der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin: 8.–12. Jahrhundert, beschrieben von A. Fingernagel, Teil 1: Textband, Teil 2: Abbildungen, Wiesbaden 1991 (Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Kataloge der Handschriftenabteilung, Reihe 3: Illuminierte Handschriften 1)
Bernardi opera Sancti Bernardi opera, hrsg. von J. Leclercq und H.-M. Rochais, Bd. 1–9, Rom 1957–1998
Bloomfield M. W. Bloomfield, Incipits of Latin Works on the Virtues and Vices 1100–1500 A.D., Cambridge/Mass. 1979 (Publications of the Medieval Academy of America 88)
CALMA C.A.L.M.A. Compendium auctorum latinorum medii aevi, hrsg. von M. Lapidge u. a., Bd. 1–, Firenze 1999–
CAO R.-J. Hesbert, Corpus antiphonalium officii, Bd. 1–6, Rom 1963–1979 (Rerum ecclesiasticarum documenta. Series maior 7–12)
Cohen-Mushlin A. Cohen-Mushlin, Scriptoria in medieval Saxony: St. Pancras in Hamersleben, Wiesbaden 2004
CPPM Clavis patristica pseudepigraphorum medii aevi, hrsg. von I. Machielsen, Turnhout 1990– (Corpus Christianorum. Series Latina)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Rep. font. Repertorium fontium historiae medii aevi, Bd. 1–12, hrsg. vom Istituto Storico Italiano per il Medio Evo, Rom 1962–2007
Walther I H. Walther, Initia carminum ac versuum medii aevi posterioris Latinorum, Göttingen 1959 (Carmina medii aevi posterioris Latina 1)

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