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Beschreibung von Cod. Guelf. 581 Helmst.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Martinellus
Entstehungsort: Nordostfrankreich oder Nordwestdeutschland(?)
Entstehungszeit: 9. Jh., 4. Viertel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 80 Bl.
Format: 22 × 25 cm.
Seitennummerierung: Moderne Bleistiftfoliierung
Lagenstruktur: III–2 (4). III+1 (11). 5 IV (51). 4 III (75). III–1 (80).
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 17,5 × 12 cm, einspaltig, 20 Zeilen.
Hände: Karolingische Minuskel von drei Händen.
Schrift: Textüberschriften sowie Incipits und Explicits in Capitalis quadrata und Capitalis rustica. Zeilenweise rot und schwarz wechselnd. Ab 27r ausschließlich schwarze Capitalis rustica.
Textüberschriften sowie Incipits und Explicits in Capitalis quadrata und Capitalis rustica. Zeilenweise rot und schwarz wechselnd. Ab 27r ausschließlich schwarze Capitalis rustica.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    2 Initialen
  • 3v zum Textbeginn eine Zierinitiale (13,5. - seitlich beschnitten unteres Endmotiv fehlt). Der Initialstamm mit eingefügten Paneelen, Flechtband als oberem Abschluss und einem Medaillon als mittigem Gliederungsmotiv. Das obere Abschlussgeflecht fadenförmig ohne Kolorierung und direkt im Anschluss an die rote, umlaufend fadenförmige Kontur. Übergänge von Endgeflecht und Medaillon zum Initialstamm halbkreisförmig mit durchlaufender roter Kontur. Mittig an den Zwickeln zur Rosette, von der Konturlinie ausgehend zwei Knospenblüten. Als Füllmotiv im Medaillon eine achtblättrige Blüte mit angedeuteten Adern. Die unteren beiden Paneelen gefüllt mit Achterschlingen, die obere mit einem Rankentrieb. Auf 41v eine rote Federinitiale. In deren Binnenfeld ein Herzblatt mit spiralförmigen Ansätzen (2,3.).
  • Farben: Initiale auf 3v mit Tintenfarbe gezeichnet. Kontur und oberes Flechtband in rot.

Einband: Ursprünglicher Einband verloren (Wurmfraßspuren lassen auf einen Holzdeckeleinband schließen). Ein Halbledereinband des 18. Jahrhunderts mit dunkelbraunem Kiebitzpapierüberzug 1763 angefertigt vom Helmstedter Buchbinder Anton Freidrich Wirck (vgl. auch BA III, 5). Neuer Einband von 1979: Buchenholzdeckel mit Halbbezug aus Ziegenleder (3 Doppelbünde, 2 Langriemenschließen).
Geschichte der Handschrift: B. Bischoff loklisiert den Wolfenbütteler Martinellus Cod. Guelf. 581 Helmst. in den nordwestdeutschen Raum und datiert ihn in das 4. Viertel des 9. Jahrhunderts (Bischoff Katalog 3, Nr. 7338.). Die Handschrift zeigt mit den in ihr zusammengstellten Texten, u.a. den Schriften des Sulpicius Severus, die nach M. Hellmann definierte Grundform des Martinellus (M. Hellmann, Die Auszeichnung der Textstruktur in einer biographischen Sammeledition der Karolingerzeit am Beispiel des "Weissenburger Martinellus", in: Scripturus vitam. Lateinische Biographie von der Antike bis in die Gegenwart. Festgabe für Walter Berschin zum 65. Geburtstag, hrsg. von D. Walz, Heidelberg 2002, S. 243–262, hier 243f.). Vergleichshandschriften mit aussagekräftiger Initialausstattung liegen aus dem nordwestdeutschen Raum nicht vor (B. Bischoff nennt auch keine). Im Stil der Zierinitiale spiegeln sich Anlehnungen an unterschiedliche, nord/nordostfranzösische karolingische Skriptorien aus dem 3./4. Viertel des 9. Jahrhunderts. Die Initialstruktur mit den eingepflegten Paneelen und dem Flechtband im Aussparungstypus, sowie dem als Gliederungsmotiv verwendeten Medaillon erinnert an frankosächsische Arbeiten aus dem Kloster St. Amand (vgl. Paris, BnF, lat. 2, St. Amand, 871-877; Koehler/Mütherich Karolingische Miniaturen VII, 253-378, Taf. 82-103). Ähnliche Blatt/Blütenformen mit angedeuteten Adern zeigt das Purpurevangeliar aus Arras, der frankosächsischen Nebengruppe aus St. Vaast (vgl. Arras, BM, Ms. 1045 (233), 47v, St. Vaast, letztes Drittel 9. Jahrhundert; Koehler/Mütherich Karolingische Miniaturen VII, 346-354, Taf. 151-158, hier Taf. 157). Die Form des Endgeflechts und der halbrund anschließende Übergang zum Initialstamm begegnen in Handschriften aus Reims bereits in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts (vgl. sogn. Loisel-Evangeliar Paris, BnF, lat. 17968, 56r, 126r, Reims, 2. Viertel 9. Jahrhundert; Koehler/Mütherich Karolingische Miniaturen VI, 150-158, Taf. 95-104, hier Taf. 102) aber auch in Handschriften der Hofschule Karls des Kahlen aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts (vgl. Bibel von St. Paul (Rom, S. Paolo fuori le Mura Hofschule Karls des Kahlen, um 870; A. Paresi, Biblia sacra. Codex membranaceus saeculi IX - Bibbia di San Paolo Fuori le Mura. Rom 1993).
Provenienz der Handschrift: Die Handschrift wurde zusammen mit der übrigen Bibliothek des Matthias Flacius von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg am 20.4.1597 erworben (1614 unter der Nr. Z 8 der Papalia miscellanea im Gesamtkatalog von Liborius Otho Cod. Guelf. A Extrav. p. 299 verzeichnet). Der Eintrag auf 1r Vita sancti Martini Episcopi ebenso wie die Foliierung auf dem Fußsteg stammt von der Hand eines von Flacius Mitarbeiters oder eines Sekretärs der Centauriatoren (vgl. auch Cod. Guelf. 442 Helmst., 1r). Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt (1644 beschrieben im Handschriftenkatalog der Universitätsbibliothek Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2° unter den Theologici MSSti in quarto als Severi Sulpitii De vita et virtutibus Sancti Martini, Episcopi et Confessoris, libri tres, in membrana). Als Nr. 464 im Handschriftenverzeichnis von 1797 erwähnt (BA III, 52).
Inhalt:
  • 1r-69r Sulpicius Severus: Opera ad vitam sancti Martini episcopi Turonensis spectantia. 1r-25 Vita Sancti Martini (PL 20, 159A-176C; CSEL 1, 109-137); 25v-27v Epistula I ad Eusebium (PL 20, 175c-178c, hier bis 178A; CSEL 1, 138–141, hier bis 140 Z. 15); 28r-29r Epistula III ad Bassulam (PL 20, 181A-184C, hier ab 182D; CSEL 1, 146–151, hier ab 149 Z. 13); 29r-69r Dialogorum libri III (PL 20, 183C–222D; CSEL 1, 152–216).
  • 69r-72v Sylloge epigraphica Turonensis de sancto Martino. 69r-72v Ps.-Sulpicius Severus: Tituli metrici de sancto Martino, 72v Nota de basilica sancti Martini (PL 74, 671A–674C ohne die Nota; E. Le Blant, Inscriptions chrétiennes de la Gaule antérieures au VIIIe siècle, Bd. 1, Provinces Gallicaines, Paris 1856, ND Hildesheim u. a. 1999, 228–246 Nr. 166–183).
  • 73rv Hilarius Pictaviensis (?): Confessio sancti Martini (PL 18, 11C–12D; PLS 3, 733f; F. Stegmüller, Das Trinitätssymbolum des heiligen Martin von Tours, in: Universitas. Dienst an Wahrheit und Leben. Festschrift für Bischof Dr. Albert Stohr, Bd. 1, hrsg. von L. Lenhart, Mainz 1960, 151–164).
  • 73v-76r Gregorius Turonensis: Vita sancti Brictii episcopi (MGH SS rer. Merov. 1,1 37f.).
  • 76r-80r Gregorius Turonensis: Miracula sancti Martini (MGH SS rer. Merov. 1,1, 32-34 und 1,2, 140-142); anschließend Federproben.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

CSEL Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum, Bd. 1–, Wien 1866–
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
PLS Patrologiae cursus completus. Series Latina, Supplementum, Bd. 1–5, hrsg. von A. Hamman, Paris 1958–1974
Wolfenbüttel Helmst. O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)

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