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Beschreibung von Cod. Guelf. 60 Weiss.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Pseudo-Beda, In Matthaei evangelium expositio. Glossarium in Evangelia
Entstehungsort: Weißenburg
Entstehungszeit: 9. Jh., 4. Viertel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 135 Bl.
Format: 27 × 21,5 cm
Seitennummerierung: Neuere Tintenfoliierung.
Lagenstruktur: IV (8). II (12). 11 IV (100). III (106). I (108). 3 IV (132). I+1 (135). Pergamentblätter 1 und 135 (Schutzblätter) mitgezählt. Lagenbezeichnungen am unteren Blattrand am Ende der Lage beschnitten (Reste der oberen Rahmung zum Teil noch zu erkennen).
Zustand: Guter Zustand. Bl. 101 genähter Riss. Falzreste zwischen den Blättern 41 /42 und 132 /133. 129v-135v Schriftverlust.
Seiteneinrichtung: 21 × 17 cm, einspaltig, 26 Zeilen.
Hände: Karolingische Minuskel von mehreren Händen.
77r Zusatz, Text um 900. 134v Gedichte von zwei verschiedenen Händen (Weißenburg, spätes 9. oder frühes 10. Jahrhunder; Hand 1, Z. 1-14; Hand 2, Z. 15-26). Schutzblätter 1 und 135 neumierte Brevierfragmente von zwei Händen, Weißenburg (?), 2. Hälfte 11. Jahrhundert. Bl. 1 dieselbe Hand wie in 45 Weiss. und in 75 Weiss. (hier vorderes Schutzblatt und Bl. 122). Bl. 135 von derselben Hand wie das Fragment 404.7 Novi (3) und die Fragmente in 92 Weiss. Auf beiden Blättern Majuskeln und Rubriken von einer Hand sowie Zusätze von einer Hand des 13. oder 14. Jahrhunderts. Hoffmann Schreibschulen Südwesten, 313.
Schrift: Buchtitel und Textanfänge (vgl. 2r) wechselnd mit Capitalis Quadrata und Capitalis Rustica. 77r den Text rahmend die Buchstaben A und ω (oben links und rechts), sowie unten Υ. Im Text farbig hinterlegte 2-4zeilige Initialmajuskel (vgl. 88v).
Buchtitel und Textanfänge (vgl. 2r) wechselnd mit Capitalis Quadrata und Capitalis Rustica. 77r den Text rahmend die Buchstaben A und ω (oben links und rechts), sowie unten Υ. Im Text farbig hinterlegte 2-4zeilige Initialmajuskel (vgl. 88v).
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Hohlbuchstaben. Eine Zierinitiale. Zwei kleine Initialen.
  • Initiale:

    37v zum Textbeginn eine kolorierte Randbandinitiale (10,5). Die Initialstammenden mit lose verschlungenen Randbandverflechtungen, die Hörner spitz zulaufend. Die obere Initialendung mit antithetisch gesetzten Tierköpfen mit stumpfen Schnäbeln/Mäulern. Aus letzteren zeigt jeweils eine aufwärts weisende Profilpalmette. Als Initialstammfüllung Flechtband im Aussparungstypus vor diagonal antithetisch versetzten Farbfeldern. 78r und 80r Textanfänge mit je einer kleinen Initiale. Die Hohlbuchstaben (78r, einzeilig und farbig gefüllt) mit Profilpalmette als Bogenersatz (78r) und dreieckigen Einsätzen an den Initialstammenden (80r, zweizeilig und unkoloriert).
  • Farben:

    Randbänder, Hintergrundfelder und Ziermotive der Initiale in den Farben Dunkelrot, Gelb und Blau. Die schwarzen oder roten Initialmajuskeln glegentlich mit denselben Farben hinterlegt. Die griechichen Buchstaben auf 77r in Orange (ehemals Goldauftrag?).
Einband: Roter Ledereinband (Nigerziegenleder; Neubindung 1968).
Geschichte der Handschrift: Der Matthäuskommentar wurde von Bischoff Katalog 3, Nr. 7406. nach Weißenburg gegeben und in das (3.) oder 4. Viertel des 9. Jahrhunderts datiert. Die Zusätze (Bl. 77r und 134v) konnten von Hoffmann Schreibschulen Südwesten, 313 für Weißenburg, um 900 und kurze Zeit später in Anspruch genommen werden. In der Ausstattung schließt sich die Initiale zum Textbeginn nahtlos an die Weißenburger Initialornamentik beginnend im 2. Viertel des 9. Jahrhunderts. Der verschlungene Randbandtypus findet Parallelen in den gegen Mitte des 9. Jahrhunderts in Weißenburg entstandenen Acta Apostolorum apocrypha (48 Weiss., vgl. hier 10r). Dieser Initialtypus erscheint mit 48 Weiss. das erste Mal innerhalb des Weißenburger Skriptoriums und zeigt enge Verwandtschaft zu Handschriften aus dem St. Galler Kunstkreis und der Reichenau. Das Hinterlegen mit diagonal antithetisch gesetzten Farbfeldern und die Verwendung von antithetisch gesetzten Vogelköpfen begegnen in Weißenburg einsetzend mit dem nach Fuldaer Vorbild ausgestatteten Evangeliar 61 Weiss. Die Initialmajuskel mit ausgefüllter Palmette (10v) ist bekannt aus Weißenburger Handschriften der Waldmann-Gruppe und der Otfrid-Zeit (46 Weiss., 170v; 4 Weiss., 32v und 74v; 49 Weiss., 1v und 197v; 66 Weiss., 7v; 63 Weiss., 10v und 22 Weiss., 197v).
Provenienz der Handschrift: Kloster Weißenburg, Besitzvermerk. 2r Signaturenbuchstabe .E. (14. Jh.). Daneben Exposicio evangeliorum. Am unteren Blattrand Codex monasterii s. P. in Wissenburg ordinis sancti Benedicti (15. Jahrhundert). 61r am unteren Blattrand von derselben Hand Liber monasterii s. Petri in Wissenburg ordinis sancti Benedicti. Ebenfalls von dieser Hand die interlineare Übersetzung des Textes auf 77r.
Inhalt:
  • 2r-76v Pseudo-Beda Venerabilis: In Matthaei evangelium expositio (PL 92,9-119. Text bricht ab in Kap. 26, vgl. PL Sp. 119, Abs. 7).
  • 77r Versus in Christum. Zusatz (MGH Poetae 5, 454, Nr. 28; zum Text, vgl. Hoffmann Schreibschulen Südwesten, 313; Butzmann Weißenburg, 199). 77v leer.
  • 78r-99r Glossarium in Evangelia Matthaei et Marci.
  • 99v-133v Glossarium in Evangelia Lucae.
  • 133v-134r >Nomina pretiosorum lapidum XII<. Edelsteine aus der Apokalypse 21, 19-20.
  • 134r Responsorium. Über die theologische Bedeutung der Edelsteine, mit Neumen (Hand des 12. und 13. Jahrhunderts).
  • 134v Epistula elegiaca in poetam iuvenem (MGH Poetae 4, 2/3, 1092).
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

Becker G. Becker, Catalogi bibliothecarum antiqui, Hildesheim/New York 1885 (Nachdruck Hildesheim/Bonn 1973)
Bischoff Katalog 3 B. Bischoff, Katalog der festländischen Handschriften des neunten Jahrhunderts (mit Ausnahme der wisigotischen), Teil 3: Padua–Zwickau, aus dem Nachlass hrsg. von B. Ebersperger, Wiesbaden 2014
Butzmann Weißenburg H. Butzmann, Die Weissenburger Handschriften, Frankfurt/M. 1964 (Kataloge der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Die Neue Reihe 10)
Grifoni C. Grifoni, Auf Otfrids Spuren in der frühmittelalterlichen Bibliothek Weißenburg, in: Marginalien in Bild und Text. Essays zu mittelalterlichen Handschriften, hrsg. von P. Carmassi und C. Heitzmann, Wiesbaden 2019 (Wolfenbütteler Forschungen, Bd. 156), 79-101
Hoffmann Schreibschulen Südwesten H. Hoffmann, Scheibschulen des 10. und 11. Jahrhunderts im Südwesten des Deutschen Reichs, 2 Bde., Hannover 2004 (MGH Schriften 53)
MGH Poetae Monumenta Germaniae Historica. Poetae Latini aevi Carolini, 4 Bde., MGH I (1888), II (1884), hrsg. von E. Dümmler.
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Wolfenbüttel Weiss. Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 3: Die Weissenburger Handschriften, beschrieben von O. von Heinemann, in: Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 2 Teil 5, Wolfenbüttel 1903, 268–443

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