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Beschreibung von Cod. Guelf. 604 Helmst.
geplant: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 3: Cod. Guelf. 441 bis 615 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser.
Handschriftentitel: Alexander de Villa Dei. Johannes de Garlandia
Entstehungsort: Braunschweig oder Helmstedt
Entstehungszeit: 1466 und 1467
Katalognummer: Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412381,T
Beschreibstoff:
    Papier
  • Aus zwei Teilen zusammengesetzt: I 1r–151v, II 152r–220v.
Umfang: 219 Bl.
Format: 22 × 15 cm.
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1220, Zählfehler: Bl. 144 übersprungen.
Lagenstruktur: VI+1 (13). 3 VI (49). VI+2 (63). VI+1 (76). VI–1+2 (89). V+2 (101). VI (113). VI+1 (126). 2 VI (151)! VI (163). VI+1 (176). VI (188). VI–3 (197). VI (209). VI–1 (220). Lagenmitte jeweils mit beschriebenen Pergamentfalzen verstärkt.
Zustand: Da der Einband keine Rückenverstärkung besitzt, ist der gesamte Buchblock verzogen, einige Lagen sind lose.
Hände: Unregelmäßig wirkende jüngere gotische Kursive von der Hand des Henning Hagen. Von ihm stammen teilweise auch die Kopialbücher des Benediktinerklosters St. Ludgeri (NLA – StA Wolfenbüttel, VII B Hs 68 und VII B Hs 120), die Stadtchronik von Helmstedt (Helmstedt, Stadtarchiv, Hs 1) und sein "Schülerheft" von 1453 (NLA – StA Wolfenbüttel, VII B Hs 99).
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, rote Lombarden.
  • Am Beginn der einzelnen Texte bzw. Textteile rohe federgezeichnete Initialen unterschiedlicher Größe in Unzialform, meist rot mit braunen Zierelementen (Knospenfleuronnée, vegetabile Muster, Gesichter), 1r Initiale S in stilisierter Vogelform. Zu den Federzeichnungen siehe unten.
Einband: Spätgotischer Koperteinband aus Pergament, an der Außenseite stark abgegriffen und angeschmutzt. Vom HD ausgehende Umschlagklappe erhalten, die Kordel des Wickelverschlusses ist verloren, nur noch die bei der Befestigung entstandene Perforation erkennbar. Die Lagen sind auf zwei an Kopf und Schwanz befindliche Bünde aus ca. 3 cm breiten Pergamentstreifen geheftet, die ihrerseits mit mehreren Langstichen am Umschlag befestigt sind; eine Rückenverstärkung fehlt. Auf dem VD Titelaufschrift: Liber qui incipit Scribere clericulis paro doctrinale novellis (von der gleichen Hand auch auf dem vorderen Umschlag von Cod. Guelf. 892 Helmst.). Auf VS und HS stark verblasste Notizen und Federproben, meist grammatischen Inhalts von anlegender Hand, z. B. (VS): … -osus plenitudinem notat, -bilis aptat. Et sic potes formare omnia alia verba. … Darunter auf die Person des Schreibers bezügliche Übungssätze wie: … legens vocatur Henningus … Henningus legit studens … Henningus est scholaris … Ego Henningus lego Tu Henningus legis Nos scholares legimus Vos scholares legitis … usw.
Entstehung der Handschrift: Die beiden Teile des Codex wurden 1466 und 1467 von Henning Hagen († 1504, mindestens seit 1474 Konventuale, ab 1492 Propst des Benediktinerklosters St. Ludgeri bei Helmstedt) geschrieben. Vgl. zu ihm Henning Hagens Chronik der Stadt Helmstedt, hrsg. von E. Brugge und H. Wiswe, in: Niederdeutsche Mitteilungen 19/21 (1963/1965), 113–280; 2VL 3, 388; BBL 1, 290f.; eine bislang unbeachtete Notiz auch in dem Mischband QuH 98.10 (2), 57. Da der Codex inhaltlich und äußerlich Hagens "Schülerheft" von 1453 (NLA – StA Wolfenbüttel, VII B Hs 99) ähnelt und die Notizen auf dem Umschlag eine Enstehung und Verwendung im schulischen Umfeld nahelegen, dürfte Henning Hagen ihn noch vor seinem Eintritt ins Ludgerikloster angefertigt haben, zu dessen Buchbestand der Codex entgegen der Annahme von Schönemann (99 Nr. 13a) nie gehört hat.
Provenienz der Handschrift: Wann und über welche Vorbesitzer die Hs. in die Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel gelangte, ist unbekannt.
Erwerb der Handschrift: Sie ist erstmals 1614 im Gesamtkatalog von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 6 [10]) unter Nr. B 41 der Libri Grammatici nachgewiesen: Liber qui incipit: Scribere Clericulis paro doctrinale novellis. ist eine Grammatica versweise geschrieben. Ibidem Liber æquivocationum. 1618 aus Wolfenbüttel in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt. 1644 im Handschriftenkatalog der Universitätsbibliothek (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 31r) als Grammatica Latina metricè, cujus initium: Scribere clericulis paro doctrinale novellis cum miscellis aliis beschrieben, im Handschriftenkatalog von P. J. Bruns (BA III, 52) unter Nr. 509 genannt.
Bibliographie
Handschriftenteil: I
Entstehungszeit: 1466
Beschreibstoff:
    Papier
  • Wasserzeichen: Ochsenkopf mit Augen und Nasenlöchern, darüber einkonturiger Stern, Stange über Kreis im Kopf: Piccard-Online 76714 (1463). Traube mit zweikonturigem Stiel: ≈ WZIS DE1185-S1642_37, DE1185-S1642_44 (beide um 1460). Ochsenkopf mit Augen, Nase und weiteren Gesichtsmerkmalen, im Profil, darüber Halbmond: Piccard-Online 79781, 79782 (beide 1462). Ochsenkopf mit Augen, darüber zweikonturige Stange, darüber zweikonturiges Kreuz, darüber Blume: Piccard-Online 69092 (1458), WZIS DE4860-Ms1114_155 (15. Jh., 3. Viertel). Ochsenkopf mit Augen und Nasenlöchern, darüber einkonturiger Stern (nicht nachweisbar).
Umfang: 150 Bl.
Format: 22 × 15 cm.
Lagenstruktur: VI+1 (13). 3 VI (49). VI+2 (63). VI+1 (76). VI–1+2 (89). V+2 (101). VI (113). VI+1 (126). 2 VI (151)! Lagenmitte jeweils durch Pergamentfalze verstärkt.
Zustand: Zahlreiche Kommentarnachträge auf ingesamt 10 hinzugefügten Schaltzetteln, mit einer Ausnahme gez.: Bl. 2 (9,5 x 10 cm.), 60 (11,5 x 13 cm.), 61 (10,5 x 11,5 cm.), nach Bl. 70 ungez. Schaltzettel (1 x 7 cm.), Bl. 75 (90 x 9,5 cm.), 77 (7 x 13 cm.), 94 (7,5 x 14 cm.) 97 (leer, gehört zu 94: 7,5 x 13 cm.) und Bl. 119 (8,5 x 8 cm.). 12r Textspiegel überklebt und neu geschrieben.
Seiteneinrichtung:
  • 1r–134v Schriftraum: 13,5–14 × 8–9 cm, einspaltig (der marginale Kommentar bedeckt meist den gesamten Randbereich), Haupttext 10–12 Zeilen, Kommentar bis 62 Zeilen.
  • 135v–150r Schriftraum: 17,5 × 11 cm, einspaltig, 28–36 Zeilen.
Inhalt:
  1. 1r–134v Alexander de Villa Dei: Doctrinale (cum commento).
    • (1r–56r) Pars I.
      • (1r–56r) Textus. Scribere clericulis paro doctrinale novellis
        Pluraque doctorum sociabo scripta meorum
        … — … Parturio facere sic debes esurioque
        Verborumque data sit declinacio quarta
        . Et sic est finis deo laus et gloria trinis (cfr. Colophons 20858). Presens prima pars est finita per me Hennighum Hagen Anno domini milesimo quadragintesimo[sic] sexagesimo sexto hora prima in profesto beatorum Marci et Marcelliani etc. Auf dem Kopfsteg von Bl. 1r Invokation: Veni sancte spiritus et emitte celitus verum lumen cordium (kompiliert aus der Pfingstsequenz AH 54 Nr. 153, Str. 1 und 2). Enthält die Verse 1–1073 der Ausgabe (siehe unten) mit folgenden Abweichungen: Die Verse 61 und 62, 205 und 206, 302 und 303, 393 und 394, 529 und 530, 546 und 547, 749 und 750, 780 und 781, 830 und 831 sowie 970 und 971 sind vertauscht, die Verse 78, 165, 421, 422, 706, 1036 und 1047 fehlen. Vers 81 steht nach 83, Vers 134 steht nach 136, Vers 168 steht nach 170, Vers 385 steht nach 383, Vers 387 steht nach 391, Vers 392 steht nach 394, Vers 777 steht nach 774, Vers 864 steht nach 860, die Verse 897/898 stehen nach 900, Vers 1002 steht nach 997, Vers 1040 steht nach 1043. Die Verse 439 und 644 sind in marg. nachgetragen, die Verse 391, 517 und 648 sind modifiziert. Nach Vers 241 steht ein Zusatzvers (siehe Apparat der Ausgabe); nach Vers 356 stehen 2 Zusatzverse (siehe Apparat der Ausgabe); nach Vers 445 steht ein Zusatzvers (Ri rorum cantat re rerum tympana pulsat); nach Vers 477 ein Zusatzvers (siehe Apparat der Ausgabe); nach Vers 492 stehen 2 Zusatzverse (Per magis ista suum formabunt comparativum
        Propitius propriis sunt tamen absque magis
        , letzterer in marg. nachgetragen); nach Vers 494 drei weitere Zusatzverse (Ante senex iuvenis adolescens quatuor ista
        Sola quidem solis utuntur comparativis
        Hec quondam vidi supplere vicem positi
        ); nach Vers 569 ein Zusatzvers (siehe Apparat der Ausgabe); nach Vers 604 stehen 2 Zusatzverse (Multus erit murmur veteris quoque sic posuere
        Horum composita communis sunt socianda
        ); nach Vers 796 ein Zusatzvers (Ex sapui sapitum cadit ex sapiique supinum); nach Vers 807 ein Zusatzvers (siehe Apparat der Ausgabe); nach Vers 824 ein Zusatzvers (Pando cum prendo cadi carvere supino); nach Vers 831 ein Zusatzvers (Tendo tetendo pendo pependi dat quoque pendi); nach Vers 979 ein Zusatzvers (siehe Apparat der Ausgabe); nach Vers 989 stehen 2 Zusatzverse (Sumunt preterita sumunt aliunde supina
        Et cum predictis sum potest addere si vis
        ).
      • (1r–45r) Commentum marginale. Item grammatica sic dicitur: Est omnium aliarum … — … 'Dans go si sum' Hic lex consequenter descendit … verba habent -ctum in supino ut diligo -xi -ctum, ago egi actum. Die Kommentierung erfolgt nicht durchgäng und reicht bis Vers 859, danach sind nur noch thematische Schlagworte in marg. ausgeworfen.
      • (1r–52v) Glossa interlinearis. 'Scribere' id est in scriptis representare. 'Clericulis' id est parvis scholaribus. 'Paro' id est intendo … — … 'Vide' [id est] hoc verbum. 'Cetera' sunt infinitiva. 'Recte' id est regulariter. Die Glossierung erfolgt nicht durchgäng und reicht nur bis Vers 1005. 35r finden sich auch einige interlineare Übersetzungen, z. B. zu Vers 657: Vannus schussel. Phazelus eyn kleyn schep oder zu Vers 660: Pelagus dat mer. Virus gift.
    • (56v) Nota diversa. Auf dem zunächst wohl freigelassenen Bl. stehen zahlreiche Notizen von Schreiberhand, meist grammatischen Inhalts wie: Nota adiectivum est quod significat suum significatum per modum adiacentis et alteri inherentis. Verbum est quod non potest stare in locucione et reddere supponitum verbo personali. Nota substantivum est quod potest stare in locucione et potest reddere suppositum verbo personali. Im Zentrum der Seite über einer geometrischen Schemazeichnung die Verse Walther I 1060 (z. B. auch in Cod. Guelf. 809 Novi, 470v).
    • (57r–84v) Pars II.
      • (57r–84v) Textus. Hic iubet ordo libri vocum regimen reserari
        Vult intransitio rectum supponere verbo
        … — … Cumque relacio fit intrinseca vel petit addi
        Plurali numero sunt similes quos ego cerno
        . >Amen et sic est finis<. Presens secunda pars est finita per me Hennighum Hagen Anno domini Mo CCCCo LXVIo in vigilia beati Johannis Baptiste hora nona ante prandium ut mihi … [Rasur] etc. etc. Enthält die Verse 1074–1549 mit folgenden Abweichungen: Nach Vers 1201 steht ein Zusatzvers (siehe Apparat der Ausgabe); die Verse 1443 und 1444, 1459 und 1460, 1477 und 1478 sowie 1526 und 1526 sind vertauscht, Vers 1494 steht nach 1498, nach Vers 1542 folgender Zusatzvers: Probat in XXIII [?] per hoc verbi transmutacionis. Auf Bl. 80r sind die Verse 1441f. wiederholt (Homoioteleuton) und gestrichen.
      • (57r–73r) Glossa interlinearis. 'Hic' id est in presenti. 'Iubet' id est requirit. 'Ordo' id est series … 'Vocum' id est dictionum … — … 'Hic illic' id est adversativa seu responsiva. 'Inde' id est ad interrogacionem factum per unde. Die Glossierung erfolgt nicht durchgäng und reicht nur bis Vers 1354.
      • (57r–75v) Commentum marginale. Iste liber qui intitulatur secunda pars Allexandri principali sua divisione dividitur in duos tractatus … — … totam multitudinem particionis etc. 'Est Salomon populi' … (Text bricht ab). Die Kommentierung erfolgt nur zu Beginn und bricht im Text zu Vers 1179 ab.
    • (85r) Nota de quantitate syllabarum. Ex quo materia est de quantitate. Notandum est ergo quod quantitas sic dicitur … — … et nunquam potest poni in tercio pede versus Jambus cum tribracho. >Et sic est finis huius figure<. Wie der folgende Text offenbar als Ergänzung zu pars II des Doctrinale gedacht; in dieser Form bislang nur hier nachgewiesen.
    • (85v–134v) Pars III.
      • (85v–86v) Praeliminarium de arte metrificandi. Notandum ad cuiuslibet metrificantis seu versificantis solerciam[sic] hanc industriam tercie partis Allexandri[sic] volens aggredere … — … antequam documenta plures[sic] etc.
      • (86v–134v) Textus. Pandere proposui per versus sillaba queque
        Quanta sit et pauca proponam congrua metris
        … — … Nate dei deus atque tibi deus alitus alme
        Quas tres personas in idem credo deitatis
        . Et sic est finis deo laus et gloria trinis (cfr. Colophons 20858). Presens tercia pars est finita per me Hennighum Hagen Anno domini millesimo quadringintesimo sexagesimo sexto in vigilia Magdalene hora completorii (Colophons 6306). Unter dem Kolophon drei rubrizierte Flechtbandornamente, dazwischen die erste Zeile (Ihesus Christus nostra salus quod reclamat omnis malus
        nobis sui …
        ) des eucharistischen Hymnus Chevalier 9726. – Der Text enthält die Verse 1550–2645 mit folgenden Abweichungen: Nach Vers 1614 steht folgender Zusatzvers: Sillaba que brevis est muta cum liquida sequente; die Verse 1704 und 1705 sind vertauscht, nach Vers 1727 ein Zusatzvers (siehe Apparat der Ausgabe), Vers 1734 ergänzt (siehe Apparat der Ausgabe), Vers 1741 fehlt, die Verse 1758 und 1759 sind vertauscht. Nach Vers 1766 ein Zusatzvers, Vers 1793 fehlt, Vers 1820 ergänzt (siehe Apparat der Ausgabe), nach Vers 1825 ein Zusatzvers (siehe Apparat der Ausgabe), die Verse 1876 und 1877 sind vertauscht, ebenso 2041 und 2042. Nach Vers 2085 folgender Zusatzvers: Et pavimentum predictis associemus, die Verse 2091 und 2092 sind vertauscht; nach Vers 2139 ein Zusatzvers (siehe Apparat der Ausgabe). Nach Vers 2150 stehen 2 Zusatzverse (Et que dat tercia ut Sydonis Babilonis
        Cum Symeon Gedeon similis equalia tolle
        ); nach Vers 2171 ein Zusatzvers: U raro ponis super f sed eam breviabis. Vers 2191 fehlt, dafür zwei Zusatzverse: Et compositiva notares in muto disputo testes
        U super v brevis exuvie sit tibi testis
        . Vers 2294 und 2295 vertauscht, dazwischen der sonst nach 2293 (siehe Apparat der Ausgabe) stehende Zusatzvers, nach Vers 2298 folgende 4 Zusatzverse: Circumflexis extremis aut in acutus
        Usu non credo quicquam differre moderno
        Nec primas mediasve ut modo pronunciat usus
        Circumflectandas aliter quam iure gravandas
        . Nach Vers 2344 zwei Zusatzverse (siehe Apparat der Ausgabe), Vers 2370 steht nach 2377, Vers 2419 und 2420 vertauscht, die Vers 2529 und 2562 fehlen. Nach Vers 2578 Zusatzvers: Cosmographia tibi mundi descripcione fertur, die Verse 2636 und 2637 sind vertauscht. – Die Qualität der Abschrift ist eher gering, vor allem die griechischen Bezeichnungen der rhetorischen Figuren verderbt Henning Hagen meist stark, vgl. etwa 127v, Vers 2484: Für homoteleuton steht omoleuton.
      • (86v–134v) Glossa interlinearis. 'Pandere' id est manifestare. 'Proposui' scilicet ego magister Allexander in prohemio promisi. 'Per versus' id est per metra. 'Sillaba queque' id est quelibet sillaba … — … 'Alme' scilicet beatissime et sanctissime. 'Quas' id est etc. 'Tres' huius libri. Im Gegensatz zu den beiden vorhergehenden Teilen ist hier der gesamte Text durchgängig glossiert.
      • (86v–130v) Commentum marginale. 'Pandere proposui' Iste liber cuius subiectum est vox literata articulata sub debita quantitate pariter accentu collocata et est liber tercius parcialis Allexandri … — … scilicet in materia quod illa eadem trinitas nos simplicissime essencie tribuat … cuncta per infinita secula seculorum Amen. >Et sic est finis<. Der mit einer Rubrik abgeschlossene Kommentar reicht zwar bis zum letzten Vers, ist jedoch nicht parallel zu diesem geschrieben, sondern endet vorher.
    Druck des Textes: Reichling Doctrinale, 7–178 (CXLVIII Nr. 120 Hs. genannt). Zu weiteren Ausgaben, zur Parallelüberlieferung des Haupttextes und zur Literatur vgl. Cod. Guelf. 518 Helmst. – 135r leer.
  2. 135v–149r Johannes de Garlandia: Distigium sive Cornutus antiquus cum commento, glossa interlineari atque interpretatione germanica.
    • (135v–149r) Commentum. O piger surge qui dormis [Prv 6,9]. Hec verba sunt scripta libro sapiencie per que quilibet ignarus incitatur surgere a sua ignorancia et festinare ad cognicionem … — … cibus et potus intrant et sermones exeunt. De cuius sentencie compilacione ipse immortalis rex et conservator omnium rerum sit benedictus in secula seculorum Amen. >Et sic est finis huis libri felicis Cornuti Amen<.
    • (136v–149r) Textus. Cespitat infalleris ypus[sic] blattaque supinus
      Glossa velud temeto labat hemus infatuato
      … — … Archimandrita sit celeps theosebiusque[sic]
      Atque cresis[sic] corde sit ei bolismus in ore
      . Text und Kommentar sind fortlaufend geschrieben; die Textzeilen sind mit größerer Schrift hervorgehoben.
    • (136v–149r) Glossa interlinearis. 'Cespitat' id est dubitat vel fallit. 'Infalleris[sic]' id est variis ornamentis. 'Ypus' id est equus. 'Blatta' id est nobili veste. '-que' id est et. 'Supinus' id est superbus homo … — … 'Atque' pro eciam. 'Cresis' id est dies iudicialis. 'Corde' id est in suo corde. 'Sit ei' id est esse debet. 'Bolismus' id est moralis mos.
    • (136v–149r) Interpretatio germanica. Deme doren beuallen sine rede
      Also deme vordeckeden perde sine trede
      … — … Vnde mid dem munde schal he vorweruen pris
      Ok schal he suluen wesen wis
      . Die Übersetzung ist in den laufenden Kommentartext integriert und durch rubrizierte Unterstreichung hervorgehoben, auf Bl. 136v zusätzlich in marg. der Hinweis: Rigmos teutunicos.
    Textgeschichte: Mit weitgehend identischem Kommentar (jedoch ohne Interlinearglosse) und mnd. Übersetzung auch in Cod. Guelf. 692 Helmst., 26r–29r, 13r–25v ; mit abweichendem Kommentar und mnd. Glossen (aber ohne die mnd. Übersetzung) in Cod. Guelf. 960.2 Novi, 235r–247v; die lat. und mnd. Verse ohne Kommentar auch in Cod. Guelf. 1198 Helmst., 100v–104v. Ebenfalls von Henning Hagen geschrieben ist die Fassung mit abweichendem Kommentar und mnd. Übersetzung in NLA – StA Wolfenbüttel, VII B Hs 99, 134r–139r.
    Edition der lat. und mnd. Verse
    • Der Cornutus des Johannes de Garlandia, ein Schulbuch des 13. Jahrhunderts, in den dt. Übers. des Mittelalters zum ersten Male hrsg. von E. Habel, Berlin 1908 (Der deutsche Cornutus 1), 23–28 (lat. Text), 29–39 (mnd. Text nach dieser Hs., Sigle A, 8 und 12f. genannt und beschrieben);
    • Teaching and learning Latin in thirteenth-century England, hrsg. von T. Hunt, Bd. 1: Texts, Cambridge 1991, 323–348 (lat. Text).
    Literatur
    • E. Henrici, Funde in Braunschweigs Bibliotheken und Archiven I–III, in: Braunschweigisches Magazin 13 (1907), 66–70 (68 Hs. genannt);
    • E. Henrici, Funde in Braunschweigs Bibliotheken und Archiven VIII: Henning Hagens, des Helmstedters, Schülerheft von 1453, in: Braunschweigisches Magazin 15 (1909), 66–69 (68 Hs. genannt);
    • Paetow, 135–137;
    • Glorieux Faculté 211–214 Nr. 235p;
    • Walther I, 2311;
    • G. L. Bursill-Hall, Johannes de Garlandia – Forgotten Grammarian and the Manuscript Tradition. Historiographia Linguistica 3 (1976) 155–177, hier 163f. Nr. 9 (164 Hs. genannt);
    • 2VL 4, 612–623, bes. 618f.;
    • Munari Handschriften, 195 (Hs. genannt).
    – 149v leer.
  3. 150r Fragmentum tractatus seu commenti ad Cornutum Johannis de Garlandiae spectantis. Philosophus primo elencorum sic incipit: Qui[sic] virtutes vocabulorum sunt ignari de facili paralogizantur id est decipiuntur et idem testatur Remigius cum dicit … — … grammatica est sciencia voces et oraciones componens et significata eorundem declarans alium tenorem super jam dictum librum … (Text bricht ab).
    Textgeschichte: Vgl. zu Text und Zuordnung die Parallelüberlieferung mit modifizierten Initium in der Hs. Berlin, SBBPK, Ms. lat. qu. 5, 310ra (Berlin 13,2,3, 1264 Nr. 988.24).
    – 150v–151v leer.
Handschriftenteil: II
Entstehungszeit: 1467
Beschreibstoff:
    Papier
  • Wasserzeichen: Ochsenkopf mit Augen und Nasenlöchern, darüber einkonturiger Stern (nicht nachweisbar). Kugelbesetztes Tatzenkreuz mit Sockel: Piccard-Online 125601 (1463), WZIS DE8310-Mc333_143a (1466–1467). Zwei Schlüssel, gekreuzt, zweikonturiger Schaft, darüber Kreuz: Piccard-Online 121267 (1467). Ochsenkopf mit Augen, darüber einkonturige Stange, darüber Blume, darunter Beizeichen – Marke aus Schaft, zwei Kreuzsprossen und Dreieck: Piccard-Online 66209 (1467). Traube mit zweikonturigem Stiel: ≈ WZIS DE5580-2Incsa976Beibd.1_e8 (1474).
Umfang: 69 Bl.
Format: 22 × 15 cm.
Lagenstruktur: VI (163). VI+1 (176). VI (188). VI–3 (197). VI (209). VI–1 (220).
Zustand: 167r Kommentarnachtrag von anderer Hand auf Schaltzettel (12 x 13 cm.), der nicht mitgeheftet, sondern auf Bl. 168r geklebt ist. Im unteren Drittel der letzten Lage Schwemmränder eines Wasserschadens.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 15–16 × 9,5–10 cm, einspaltig, 25–40 Zeilen.
Inhalt:
1. 151r–220v Johannes de Garlandia: Liber aequivocorum cum commento tabulaque.
  • (151r–219v) Commentum. >Liber equivocorum incipit feliciter. In nomine domini Amen<. Regalius est habere animam scienciis habundantem quam habitum corporis … — … que bona discunt humiliter. Item grates deus et rogemus pro dei gracia. Item gratulamur et loquimur in excelsis gloria. >Amen etc.< Et sic est finis per me Hennighum Haghen Anno domini Mo CCCCo LXVII in vigilia Martini hora terciarum vel quasi (Colophons 6306).
  • (153v–219v) Textus. A nomen signat trahitur profert utrumque
    Colligit autorat inspirat progrediturque
    … — … Zelus amor zelus invidia zelus ira vocatur
    Zelo cupit nimium sic invidet ac ymitatur
    . Text und Kommentar sind fortlaufend geschrieben; die Textzeilen sind mit größerer Schrift hervorgehoben, die darin genannten Lemmata sind in marg. nochmals ausgeworfen. Unter dem Text rohe Federzeichnungen von zwei vogel- bzw. drachenähnlichen Wesen sowie die von einer Schlange mit einem in eine menschliche Hand auslaufenden Schwanz umwundene Abbreviatur (Textualis) IH[esus].
  • (220r–v) >Registrum super iam dictum librum scilicet librum equivocorum<. Ala Alter Anima Animus Animal … — … Zetha Zelus Zelo et sic est finis huius registri. Das Register ist in sechs Spalten geschrieben und listet die in marg. ausgeworfenen Lemmata auf, es fehlen allerdings Seitenangaben o.ä. zum Auffinden. Auf dem Seitensteg von Bl. 220v von unten nach oben die in Textualis geschriebene Invokation: O benignissime frater obroga. Am Schluss des Registers die nur noch unter Schwarzlicht sichtbare Federzeichnung einer modisch mit hohem Hut, gegürtetem Wams und kurzem Mantel bekleideten menschlichen Gestalt, die auf den Text weist und durch die Beischrift Ik Hans als Selbstporträt des Schreibers ausgewiesen ist.
Ausgaben des Textes (mit abweichendem Kommentar) bei GW M13637M13652, M13838, M13839. Der Kommentar ist in der vorliegenden Form ungedruckt.
Literatur
  • Paetow, 133–135;
  • Glorieux Faculté 211–214 Nr. 235n;
  • Walther I, 54;
  • Bursill-Hall, Johannes de Garlandia (siehe oben), 166f. Nr. 11b (Hs. genannt);
  • 2VL 4, 612–623, bes. 615f.;
  • Munari Handschriften, 195 (Hs. genannt).

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

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Chevalier Repertorium hymnologicum. Catalogue des chants, hymnes, proses, séquences, tropes en usage dans l'église latine depuis les origines jusqu'à nos jours, Bd. 1–6, ed. par U. Chevalier, Louvain u. a. 1892–1921
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GW Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. 1–, Leipzig 1925–1938, Stuttgart 1978–
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Paetow Morale scolarium of John of Garland (Johannes de Garlandia), a professor in the universities of Paris and Toulouse in the thirteenth century, hrsg. von L. J. Paetow, in: Memoirs of the University of California 4,2 (History 1,2), Berkeley 1927, 69–273
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Schönemann C. P. C. Schönemann, Zur Geschichte und Beschreibung der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, in: Serapeum 18 (1857), 65–91, 97–107
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WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

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