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Beschreibung von Cod. Guelf. 611.1 Helmst.
geplant: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 3: Cod. Guelf. 441 bis 615 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser.
Handschriftentitel: Mittelniederdeutsche Historienbibel
Entstehungsort: Kiel
Entstehungszeit: 1472
Katalognummer: Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412459,T
Beschreibstoff:
Umfang: 193 Bl.
Format: 21 × 14,5 cm
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1191, zwei vordere Vorsatzbl. ungez.
Lagenstruktur: II–2 (ungez.). 4 VI (48). VI–1 (59). 3 VI (95). VII–1 (108). 6 VI (180). V (190). III–5 (191). Reklamanten, vielfach durch Beschnitt verloren. Bogensignaturen in Minuskelbuchstaben mit arabischen Ziffern: a1p5.
Zustand: Die ersten beiden Bl. sind erheblich beschädigt.
Seiteneinrichtung: 16 × 9 cm, einspaltig, 25 blindliniierte Zeilen.
Hände: Regelmäßige Bastarda mit Merkmalen der gotischen Kursive (dazu Textualis als Auszeichnungsschrift) von der Hand des Schreibers Johannes Hasen.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, am Beginn der einzelnen Kapitel rote Lombarden mit Punktverdickungen über meist 2 Zeilen. Am Beginn der einzelnen Bibelbücher schlichte, unverzierte rote Initialen in Unzialform über 4–6 Zeilen, teilweise mit weißen, vegetabil gestalteten Schaftaussparungen im Buchstabenkörper.
Einband: Spätgotischer Holzdeckelband, mit dunkelrot gefärbtem Schafsleder überzogen. Streicheisenlinien. Einzelstempel Laubstab ohne Astgabel: EBDB s005684. Lilie, Mittelblatt rhombisch, Doppellilie: EBDB s002285. Lilie, Mittelblatt rhombisch, unterer Abschnitt lilienförmig: EBDB s002483. Sämtlich der Werkstatt mit dem Notnamen Werkstatt "Kiel, Meister des Hase" (EBDB w000965) zugeschrieben. Drei Doppelbünde, alternierend mit zwei einfachen Bünden ohne Heftfunktion. Kapital an Kopf und Schwanz mit rotgefärbten Lederstreifen umflochten. Zwei Riemenschließen mit rechteckigen, mit geschwungenen Kerben verzierten Fensterlagern des nordelbischen Typs, Schließenriemen und -haken verloren, nur noch Gegenbleche mit Riemenresten am HD erhalten. 2 x 5 aus jeweils einer rhombischen, am Rand gekerbten Messingplatte getriebene Hohlbuckel.
Zusatzmaterial: Fragmente, VS und HS: Pergament, je ein Bl., 21 x 14 cm, mitgeheftet und um die erste bzw. letzte Lage gehängt. Schriftraum: 16,5 x 11 cm, zweispaltig (Spalte ca. 5 cm breit), 52–55 liniierte Zeilen.Bastarda des 14. Jh. Kein Buchschmuck. Textus medicus cum commento. Die im fortlaufenden Text kommentierten Termini bzw. Lemmata sind unterstrichen; anhand des erhaltenen Materials kann das Werk bislang nicht identifiziert werden.
Entstehung der Handschrift: Der Codex wurde laut Kolophon 1472 von dem in Kiel lebenden Kleriker Johannes Hasen geschrieben, über den sonst nichts Näheres bekannt ist.
Provenienz der Handschrift:
  • 189r unter dem Text der Eintrag eines weiteren Vorbesitzers: Nicolaus Tode est possessor huius libelli. Si aliquis invenerit reddat sibi pro amore dei etc. Möglicherweise ist er mit jenem Nicolaus Tode identisch, der im SS 1493 in Rostock zum Baccalaureus artium promoviert wurde, vgl. Die Matrikel der Universität Rostock, Bd. 1 (Mich. 1419– Mich. 1499), hrsg. von A. Hofmeister, Rostock 1889, 268 Nr. 148. —
  • Der letzte Vorbesitzer fügte seinen Namenszug auf dem Fußsteg von Bl. 1r hinzu: Christian Hinrich Friccius. Christian Heinrich Frick (von Friccius, 1663–1736) war als ausgebildeter Jurist Kanzleirat der Herzöge von Holstein-Gottorp, außerdem königlich dänischer Etatsrat und Landkanzler der Herzogtümer Schleswig und Holstein, vgl. P. von Kobbe, Schleswig-Holsteinische Geschichte vom Tode des herzogs Christian Albrecht bis zum Tode König Christians VII. (1694–1808), Altona 1834, 246f.
Erwerb der Handschrift: Wann und auf welchem Wege der Codex in die Universitätsbibliothek Helmstedt gelangte, ist unbekannt; er fehlt in den einschlägigen Katalogen und wurde erst nach 1844 im Wolfenbütteler Numeralkatalog der Codices Helmstadienses von T. Thies (BA I, 400, 76v) unter der Signatur 611.a marginal nachgetragen.
Hauptsprache: Schreibsprache: Nordmittelniederdeutsch
Inhalt:
  1. Ir Titelvermerk in Textualis: Expositiones quedam ex Mose etc. – Iv–IIv leer.
  2. 1r–189r Mittelniederdeutsche Historienbibel (VT, libri historiales).
    • (1r–43v) Gn. >Hir beginnet sic de vyf boke Moysi de ghesettet synt vthe deme latino<. Abraham de patriarche de hadde enen vedderen de hethe Loth vnde woneden tho tho samende an ene yegene vnde got gaff ene de ghenade dat ere quick wol dech … — … vth synem slechte was ghebaren Saul de erste konink der yoden vnde ok Yesse David vnde ok Salomon.
    • (43v–108v) Ex. >Liber Exodi etc.< Men lest an deme boke Exodi vnde dat het en uth gank wo id tho quam dat de yoden worden gheloset van deme vulen denste Pharaonis … — … tabernaculo wan se ghesundighet hadden. Dyt schude al bynnen den yaren dat se vth Egipten thoghen etc.
    • (109r–116r) Lv (I). Men lest an deme boke Leuitico dat is so vele to dude ghesproken alse ene uth kesinghe der prestere van deme slechte Levy alse en de tho deme altaer deynet … — … so latet en dat leste aff breken denn des behoeff is den armen.
    • (116r–119v) Lv (II). Men lest ok von an[sic] deme boke Leuitici wo dat men nene prestere keysen scholde vnde tho prestere maken an der olden ee he enwere ganz ghesunt in alle synen litmathen … — … scholen hebben alle vroude vnde alle salicheit. Aus welchem Grunde die Bearbeitung von Lv zweigeteilt ist, kann hier nicht entschieden werden.
    • (119v–147v) Nm. Men lest vort an deme veerden boke Moysi vnde dat heth en boek des talles alse de yoden worden ghetellet de se togen van deme berghe Synay … — … vnde ok van peerden vnde van koyen vnde van anderen quecke des dar vele was.
    • (147v–155r) Dt. Men lest vort an deme vyfften boke Moysi da Moyses prouede dat he steruen scholde vnde dat ik syneme dode na was by sess weken … — … woer se ene stedghet hadeden. Da Moyses starff do was he ollt twyntich jar vnde hundert etc.
    • (155v–167v) Ios. Men lest dat got to Josue sprak: nym vnde vore myn volk ouer de Yordanen in dat lant dat ik em ghelouet hebbe … — … dat wy dar alle moghen komen in godes namen amen. Des helpe vns de uader vnde de sone vnde de hilge gheyst.
    • (167v–189r) Idc. Men lijst in deme boke der riddere do Josue dot was do weren dar noch twe koninghe ouer tho wynnende do koren de ioden enen houet man vth deme slechte van Judas … — … van leue starff he vmme des mynschen willen vnde losede vns van der walt des duuels Amen. >Et sic est finis<.
    Finitus et completus est liber iste sub annis domini Millesimo quadringentesimo septuagesimo secundo per me Johannem Hasen clericum Bremensis diocesis tunc temporis incola civitatis Kiloniensis. Orate pro eo. (Colophons 9984). Eine Übersicht zum Inhalt der verwendeten bzw. bearbeiteten Bibelbücher bietet B. Derendorff, Die mittelniederdeutsche Historienbibel VIII, in: Niederdeutsches Wort. Beiträge zur niederdeutschen Philologie 36 (1996), 167–182, hier 171–174 (168–170, 181 Hs. genannt).
    Edition (Gn und Ex, nach dieser Hs.)
    • P. A. MacAllister, The Middle Low German "Historienbibel" Helmstedt 611.1. A critical edition of Genesis and Exodus, PhD Diss. Indiana University of Pennsylvania, Indiana, Pa. 1985, 19–164 (12–16 Hs. genannt und beschrieben).
    Literatur
    • H. Vollmer, Niederdeutsche Historienbibeln und andere Bibelbearbeitungen, Berlin 1916 (Materialien zur Bibelgeschichte und religiösen Volkskunde des Mittelalters 1/2), 1f., 65f. Nr. 92 (Hs. genannt und beschrieben);
    • P. A. MacAllister, Apocryphal narrative elements in the Genesis of the Middle Low German Historienbibel Helmstedt 611.1, in: Medieval translators and their craft, ed. by J. Beer, Kalamazoo, Mich. 1989 (Studies in medieval culture 25), 81–92 (82–89 Hs. genannt);
    • 2VL 4, 67–75.
  3. 189r Historische Notiz. Von anderer Hand hinzugefügt: Anno domini dusent verhundert im Seuenvndtwintighesten jare do warth hertoch Hinrick to Sleswick gheslaghen vnder deme berghe to Flensborch an vnses herren godes hemmeluarth nachte. Druck: Heinemann Nr. 660. Die Notiz bezieht sich auf Herzog Heinrich IV. von Holstein (1397–1427), der im Zuge des Dänisch-Hanseatischen Krieges (1426–1435) am 28.5.1427 während der Belagerung von Flensburg gefallen war, vgl. dazu G. Kraack, Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Informationen und Materialien, Flensburg 1972 (Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte 22), 294–296. – 189v–191v leer.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)

Abgekürzt zitierte Literatur

2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
Colophons Colophons de manuscrits occidentaux des origines au XVIe siècle, Bd. 1–6, ed. par les Bénédictins du Bouveret, Fribourg/Schweiz 1965–1982 (Spicilegii Friburgensis subsidia 2–7)
EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Piccard-Online Piccard-Online. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 340 (http://www.piccard-online.de)

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