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Beschreibung von Cod. Guelf. 64 Weiss. (Dr. K. Koch, Das Wolfenbüttler Palimpsest von Galens Schrift περὶ τῶν ἐν ταῖς τροφαῖς δυνάμεων. Sitzungsberichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften. Gesammtsitzung vom 31. Januar. 1907.V., S. 103 - 111.)
Dr. K. Koch, Das Wolfenbüttler Palimpsest von Galens Schrift περὶ τῶν ἐν ταῖς τροφαῖς δυνάμεων.Sitzungsberichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften. Gesammtsitzung vom 31. Januar. 1907.V., S. 103 - 111.
Handschriftentitel: Das Wolfenbüttler Palimpsest von Galens Schrift περὶ τῶν ἐν ταῖς τροφαῖς δυνάμεων
Entstehungsort: Bobbio
Entstehungszeit: VIII. Jh., 1. H. Die Datierung der palimpsestierten Teile s. u.
Beschreibstoff:
  • Wie völlig die Schrift zum Teil verblaßt ist, geht schon daraus hervor, daß dem gründliche Knittel ein Blatt ganz entgangen ist, fol. 58, das darum in den Katalogen nachzutragen ist. Ein weiteres Blatt habe ich nicht gefunden; wo sonst ein Palimpsest in der Handschrift steckt, hat Tischendorf eine Probe lesbar gemacht.
  • die Buchstaben erscheinen meist nur als gelbliche Schatten oder haben auf ihren früheren Stellen als Spur einen gewissen Glanz hinterlassen. Die saubere schwarze Isidorschrift stört freilich fast gar nicht, dagegen ist unter ihren zahlreichen roten Initialen nichts zu erkennen. Einmal, fol. 124 a, sind 6 Zeilen anscheinend durch Aufstreichen eines chemischen Mittels ganz verschmiert. Das Pergament ist teilweise so dünn, daß die Buchstaben auf der Rückseite durchscheinen. Speziell die letzten Buchstaben der Zeilen sind oft nicht zu sehen oder nicht zu unterscheiden.
  • Das Pergament ist übrigens recht verschieden an Weiße und Dicke; verschiedenlicht hatte es schon bei der ersten Benutzung Löcher, anscheinend auch Knicke.
Umfang: 108
Lagenstruktur:
  • Ein zweites Hindernis beim Lesen bot die Anordnung bzw. Unordnung der Blätter: sie sind in 11 Lagen sehr verschiedenen Umfangs an verschiedenen Stellen der Isidorhandschrift von fol. 43 bis 310 eingeheftet und, wie Knittel meint, vom zweiten Benutzer durcheinandergemischt ad tegendum velandumque furtum, nimirum ne codex, quem compilaverit, internosceretur. Als Beispiel mögen die ersten 8 Blatt dienen (...). Es handelt sich also um Doppelblätter, deren ursprünglich erste Hälfte vielfach durch Umbiegen zur zweiten geworden ist. Einmal steht ein Doppelblatt in der jetzigen Umgebung auf dem Kopfe, fol. 84 u. 87
  • Es ergibt sich, daß der ursprüngliche Kodex in Lagen zu je 4 Doppelblättern geheftet war. Und zwar enthielt er auf 16 Quaternionen Buch I und II der Schrift - denn dieser Titel ist jetzt endgültig festgestellt Vgl. G. Helmreich: im Programm von 1905, S. 4f. Er wird bestätigt durch die beiden Subscriptiones des Weissenburgensis.. Von Buch III sind nur die Überschriften zu Kapitel 2 - 13 erhalten; die Überschriften waren nämlich jedem Buch nochmal vorangeschickt. Eine andere Schrift scheint unserer im Urkodex vorausgegangen zu sein, da auf die erste Quaternio nur 8 Seiten Text und 1 Seite Überschriften entfallen.
  • Diese erste Quaternio ist leider nicht im Weissenburgensis; ebenso fehlt ein Doppelblatt aus der 2. und schließlich das äußere Doppelblatt der 8. Quaternio (...) im ganzen etwa 16 Seiten.
  • Seiteneinrichtung:
  • auf jeder Seite 2 Spalten von 21 Zeilen, die in Buchstaben- und Silbenzahl sehr schwanken. Nur stehen die Kapitelüberschriften, wenn gerade eine neue Spalte anfängt, gewöhnlich auf dem oberen Rand. Die vorgezeichneten Linien waren nicht sehr deutlich, denn es ist keine Spur davon zu sehen, und in der Spalte rechts gehen die Zeilen oft in die Höhe.
  • Übrigens ost der erste Buchstabe jeder Seite etwas größer als die andern, und in den beiden Buchunterschriften sind die einzelnen Wörter voneinander getrennt.
  • Hände:
    Entstehung der Handschrift:
    • Eigenarten in der Schreibung des Weissenburgensis sind wohl in der Regel als echt anzunehmen, wie er z. B. den Namen ΦΥΛΟΤΙΜΟϹ im Gegensatz zur sonstigen Überlieferung, bis auf einmal, richtig mit Υ schreibt. So bietet er ständig ΠΛΕΥΜѠΝ statt ΠΝΕΥΜѠΝ, platonischem Brauch folgend und also wohl galenisch. Ebenso steht es mit dem attischen ΚΡΙΒΑΝΟΝ und ΚΡΙΒΑΝΙΤΗϹ, das der Weissenburgensis allein hat, statt der Formen mit Λ. (...)
    • Wir sind somit schon auf den Wert des Weissenburgensis als Quelle für die Überlieferung gekommen. Ihr Zustand ist trotz des Alters nicht tadellos. Es haften ihr vielmehr schon alle Fehler unserer Galenüberlieferung an, die I. von Müller mit Erstaunen am Archetypus der Schrift de placitis Hippocratis et Platonis., s. X., konstatiert. (...)
    • Andererseits gewinnt dieser Kodex unser Vertrauen schon durch seine Orthographie und steigert es durch die Genauigkeit des Zitierens: (...).
    • Ferner stimmt W meistens vortrefflich zu P, dem Codex Parisinus 634, s. XIV und der indirekten Überlieferung, wie sie die Exzerpte von Oribasius und Simeon Seth und die Übersetzung von Wilhelm von Moerbecke darstellen.
    • Schließlich dürfte sich W soviel Vertrauen gewonnen haben, daß er auch allein oder mit geringerer Unterstützung Geltung haben darf.
    • (...) der Quell der Aldina und der Vulgata ist trübe, ziemlich rein aber fließt er in der indirekten Überlieferung und ist so vom Weissenburgensis bis zum Parisinus geblieben.
    Erwerb der Handschrift: Von dem letztgenannten Doppelblatt ist anscheinend nur die Hälfte im Cod. Vaticanus latinus 5763 erhalten und von H.Schoene, Ein Palimpsestblatt aus Bibbio, Sitzungsber. d. Berl. Akad. d. Wiss. 1902, XXI. M: Aa 4° 5 herausgegeben.
    Inhalt:
    1. Galen.
    Hauptsprache: griechisch

    Korrekturen, Ergänzungen:
    • Normdaten ergänzt oder korrigiert. (schassan, 2015-09-07)

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