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Beschreibung von Cod. Guelf. 64 Weiss.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Isidorus Hispalensis, Etymologiarum sive Originum Libri XX. Palimpsestierte Fragmente (Codex Carolinus)
Entstehungsort: Norditalien (Bobbio?)
Entstehungszeit: 8. Jh., 1. Hälfte
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 330 Bl.
Format: 26,5 × 21 cm.
Lagenstruktur: gezähltes Vorblatt + 4 (3). V+1 (14). IX (19). X-3 (26). 6 IV (74). III (42). 5 IV (121). IX (129). 17 IV (275). IV-2 (281). 2 IV (289). VII-6 (304). IV (311). III (317). 2 IV (333). III-1 (339) (zur Anordnung der Lagen und den Fehlstellen, vgl. ausführlich Butzmann Weißenburg, 207-210).
Zustand: Der Text ist, mit Ausnahme der Blätter 1-42, 75-81, 106-113, 138-145, 170-177, 202-209, 234-241, 260-267, 271, 334-338 auf Palimpsest-Pergament geschrieben. Lagenübersicht bei Butzmann Weißenburg, 208-210. Restaurierungen: Blätter geglättet und mit Lanolin eingerieben. Risse und Fehlstellen mit Japanpapier ausgebessert; durchlöcherte Schriftzeichen der Palimpsestblätter mit Papierbrei aufgefüllt.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 20 × 17 cm, zweispaltig, 26 Zeilen (bis Bl. 32 und in den letzten Lagen häufig 24 Zeilen).
Hände: Italienische Halbkursive.
Schrift: Rubrizierte Zählungen und Kapitelüberschriften. Einzelne Textanfänge betont durch aus den Spalten gezogene, einzeilige, rot kolorierte Initialmajuskeln.
Rubrizierte Zählungen und Kapitelüberschriften. Einzelne Textanfänge betont durch aus den Spalten gezogene, einzeilige, rot kolorierte Initialmajuskeln.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Zahlreiche Schemata/Zeichnungen. 1 Rota. 1 Stemma. Verziertes Explicit.

Schemata/Zeichnungen und Rota:

Liber III, 7. De Mathematica, de tertia divisione totius numeri (Mathematik - von der dritten Aufteilung der Zahlen):
  • 35v Rechteck mit der Bez. aaa, darüber ein kleiner Kreis mit horizontaler Linie. Text: Linealis numerus est, qui inchoans a monade linealiter scribitur usque ad infinitum. Unde alpha ponitur pro desigantione linearum, quoniam haec littera unum significat apud Graecos (Linear ist eine Zahl, die, beginnend bei 1, als Linie aufgeschrieben wird bis zu ihrem Ende, weshalb auch Alpha gesetzt wird zur Bezeichnug von Linien, weil dieser Buchstabe bei den Griechen 1 bedeutet). Text: Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 7, 3. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 129. 1,4 × 1,2 cm.
  • 35v Drei Zeichnungen untereinander: ein Rechteck mit dreieckiger/zylindrischer Zeichnung (1,2 × 1,8 cm), ein Rechteck (1,5 × 2,2 cm), ein Rechteck mit doppelt gezogener Außenlinie (1,5 × 2,8 cm). Alle drei Formen bez. mit mehreren Alpha. Text: Superficialis numerus … Quinqueangulus ist … (flächenhaft ist eine Zahl, die nicht nur eine Länge sondern ein Breite ausmacht, wie Dreieck, Quadrat, ein Fünfeck oder ein Kreis usw., immer in einer Ebene, das heißt, sie beschreibt eine Oberfläche. Die Zahl des Dreiecks ist so: [Abbildung]. Die Zahl des Quadrats ist so: [Abbildung]. Die Zahl des Fünfecks ist so:[Abbildung]) . Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 7, 4. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 129.
  • 35v Rechteck mit gedoppelter Randung. Im Inneren eine fünffach gezackte Spitze mit griffähnlichem Fortsatz. Text: Circularis numerus … quini XXV, ita … (die Zahl des Kreises ist so, dass sie, wenn sie einmal vervielfältigt wird und bei sich selbst beginnend zu sich zurückkehrt, so dass beispielsweise fünfmal fünf 25 so [aussieht]: [Abbildung]). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 7, 5. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 129. 1,6 × 2,5 cm.
  • 35v Quadrat mit nach oben weisendem, spitzwinkligem Abschluss. Im Inneren, auf der unteren Linien stehend ein Dreieck. An den Ecken viermal die Bez. Alpha. Links oben, am spitzwinkligen Abschlus ein mit der Spitze angefügtes Dreieck. Text: Solidus numerus … flammae consurgunt, ita … (eine körperliche Zahl ist eine, die eine Länge, eine Breite und eine Höhe beschreibt, wie es z.B. Pyramiden sind, die sich in der Weise einer Flamme erheben, so: [Abbildung]). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 7, 5 . Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 129. 2,8 × 1,4 cm.
  • 35v Aufgerichtete Rombe mit doppelter Randung. In der Mitte ein Kreuz. An den unteren Ecken und der linken unteren Seite jeweils ein Alpha. Text: Cubus, ut sunt tesserae, ita (oder ein Kubus, so dass es vier sind, so: [Abbildung]). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 7, 6. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 129. 2,5 × 1,5 cm.
Liber III, 12. De Mathematica, de figuris Geometriae (Mathematik - von den geometrischen Figuren):
  • 36v Abgeflachter Kreis, seitlich mit gedoppelter Randung. Innen die Bez. ita est Cubus. Text: Figurae solidae … in plano … (körperlich sind die Figuren, die eine Länge, eine Breite und eine Höhe enthalten, wie z. B: ein Kubus, von dessen Unterarten es in der Ebene fünf gibt). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 10,1. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 131. 1,4 × 1,7 cm.
  • 36v Kreis, innen mit Schrägkreuz. Text: Quarum prima … circuli nucupant … (Deren erste ist der Kreis in der Ebene, welcher circumducta (herumgeführt) genannt wird; in dessen Mitte ist ein Punkte, in dem alles zusammenläuft, den die Wissenschaftler Zentrum nennen, die Lateiner aber Kreispunkt). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 12,1. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 131. 2,1.
  • 36v Rechteck mit der Bez. quadratus. Text: Quadrilatera figura est in plano quadrata; quae sub quattor rectis lineis iacet, ita (eine vierseitige Figur in der Ebene ist ein Viereck, das zwischen vier geraden Linien liegt). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 12,2. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 131. 0,8 × 1,5 cm.
  • 36v Rechteck mit Einrollungen an den Ecken und doppelt gezogenen Seitenbegrenzungen. Innen die Bez. dianatheton grammon. Text: dianatheton grammon figura plana ita (das dianatheton grammon (?) sieht in der Ebene so aus: [Abbildung]). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 12,2. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 131. 1,5 × 2,7 cm.
  • 36v Dreieck mit innen liegender Beschriftung (unleserlich). Text: Orthogonium … rectum … (das Orthogonium ist eine rechtwinklige Figur in der Ebene, es ist nämlich ein Dreieck, das einen rechten Winkel besitzt). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 12,2. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 131. 2,3 × 2,0 cm.
  • 36v In die Höhe gezogenes Dreieck mit der Bez. Isopleuros, darunter die Bez. insolidum (unbeständig). Text: Isopleuros figura … constituta … (der Isopleuros (gleichschenkliges Dreieck?) ist eine Figur in der Ebene, gerade und nach konstruiert). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 12,2. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 131. 2,0 × 1,0 cm.
  • 36v Kreis, auf der rechten Seite mit gedoppelter Außenlinie. Innen die Bez. sphaera. Text: Sphaera est … aequalis … (die Sphära ist eine Figur in Kreisform, deren Teile alle gleich sind). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 12,3. Deutsche Übersetzung, vgl. Enzyklodädie, 131. 1,0.
  • 36v Ein aufgerichtetes Rechteck, innen mit der Bez. cubus. Oben und unten mit der Bez. insolidum (unbeständig). In der unteren rechten Ecke eine nach innen weisende Linie. Text: Cubus est … continetur … (der Kubus ist eine eigene, körperliche Figur, die Länge, Breite und Höhe aufweist). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 12,3. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 131. 2,0 × 1,7 cm.
  • 36v Zylinder mit der Bez. cylindrus. Text: Cylindrus est … semicirculum … (der Zylinder ist eine quadratische Figur, die einen Halbkreis oberhalb hat). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 12,4. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 131. 1,9 × 1,1 cm.
  • 36v Kegel mit der Bez. conon. Text: Conon, figura … orthogonium … (der Konus ist eine Figur, die vom Breiten in eine schmale Seite mündet, wie ein Orthogonium). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 12,5. Deutsche Übersetzung, vgl. Enzyklodädie, 131. 2,0 × 0,9 cm.
  • 36v Pyramide mit einer stumpfen Spitze, bez. mit pyramis. Text: Pyramis est … appellatur … (die Pyramide ist eine Figur, die in der Weise des Feuers sich von einer großen (Basis) zu einem spitzen Punkt erhebt. Feuer (ignis) wird nämlich bei den Griechen πυρ genannt). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 12,6. Deutsche Übersetzung, vgl. Enzyklodädie, 131. 1,3 × 1,0 cm.
  • 36v Kreis, im Inneren eine Form bestehend aus unterschiedlichen geometrischen Figuren (Rechtecke und Kegel) und Linien. Sicut autem … ambitus … (wie unterhalb von 10 nämlich jede Zahl, so wird innerhalb dieses Kreises der Umfang jeder Figur eingeschlossen). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 12,7. Deutsche Übersetzung, vgl. Enzyklodädie, 131. 2,7.
Liber III. De Astronomia (Astronomie):
  • 42v Liber III, 51. De effectus solis (von der Wirkung der Sonne). Rota medium mundi (Mittelpunkt der Welt). Rot gerandeter Kreis, in der Mitte die Bez. medium mundi. Innen rund laufend, entlang des roten Kreises die Angaben zu Sonnenauf- und untergang. Texte: hic ortus solis in natale Domini, sexta hora diei, occasus in natale Domini, occasus in aequinoctio, occasus solis in natale Iohannis, semper media nox, ortus solis in natale Iohannis, hic ortus solis in aequinoctio. Text: Sol oriens … Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 51, 2. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 145, 146. 6,0.
  • 42v Liber III, 53. De lumine lunae (vom Licht des Mondes). Mondzeichnung. Ein Kreis, mittig vertikal geteilt. Linke Hälfte pergamentfarben, rechte Hälfte tintenfarbig gefüllt. Text: Lunam quidam philosophi dicunt proprium lumen habere, globique eius unam partem esse lucifluam, aliam vero obscuram, et paulatim se vertendo diversas formas efficere (manche Philosophen sagen, dass der Mond ein eigenes Licht habe, seine Kugel sei zum Teil lichtstrahlend und zum Teil dunkel). Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 53. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 146. 4,6.
  • 42v und 43r Liber III, 54. De formis lunae (von den Formen des Mondes). Untereinander angeordnet 7 Mondformen (2x sichelförmig, halb, voll - mit breitem roten Rand, 3x sichelförmig). Text: Prima figura … Lindsay Isidorus Hispalensis, Bd. 1, Liber III, 54. Deutsche Übersetzung Enzyklodädie, 146. Halbmonde: 3,0-3,5 × 0,3-1,8 cm. Vollmond: 4,0.

Stemma:

141r Liber IX, 6, De agnatis et cognatis. Stemma consanguinitatis I. Trapezschema, als Krone auf einem Stamm mit unten angedeutetem Wurzelwerk. Dieses mit seitlich abzweigen Wellenlinien (Wurzelverläufe) und dicht gefüllt mit gereihten, in Diagonalbahnen verlaufenden Achterschlingen (Wurzelwerk). Am Stamm seitlich beidseits ansetzende kurze Äste (zum Baummotiv der Stemma, vgl. Schadt, 79-85). 24,0 × 17,4 cm.

Verziertes Explicit:

338v achtzeiliges Explicit, bestehend aus wechselnd kolorierten Hohlbuchstaben. Die Stammenden der Buchstaben und die eingefügten Paragraphenzeichen als trichterförmige Dreiecke mit kurzen, fadenförmigen Ausläufern. Schriftfeld: 13,5 × 10,7 cm. Oberhalb des Schriftfeldes ein koloriertes Seilband mit kleinen flankierenden Vogelköpfen 7,9 cm.

Farben:

Schemata/Zeichnungen, Rota und Stemma ausgeführt in Tinte (Schriftfarbe). Details (Füllungen von Kreisbahnen) in Menninge (42v, 43r). Explicit: als Füllfarben Menninge, grünliches Gelb.
Einband: Roter Ledereinband (Nigerziegenleder; Neubindung 1966).
Geschichte der Handschrift: Die Handschrift 64 Weiss. enthält die Etymologien des Isidor von Sevilla, die in der ersten Hälfe des 8. Jahrhunderts in Norditalien (Bobbio?) geschrieben wurde und somit zu den ältesten Exemplaren dieses Texttypus zählt. Für die Herstellung benutzte man Palimpsest-Pergament (ca. ein Drittel der Handschrift wurde auf unbenutztem Pergament geschrieben). Die Bildausstattung beschränkt sich auf Schemata, Zeichnungen, ein Rota und ein Stemma, sowie ein verziertes Explicit. Mit Rom, BAV, Vat. lat. 5763 (Holter Buchschmuck) liegt eine Schwesterhandschrift vor, die in demselben Skriptorium unter Verwendung derselben Textvorlage und der Verwendung bereits benutzer Blätter aus denselben Handschriften angefertigt wurde. Sie besitzt im Gegensatz zur Wolfenbütteler Handschrift Initialschmuck, der für die regionale Einordnung beider Codices wertvolle Hinweise liefert (s.u.). Zwei weitere Isidor-Handschriften greifen auf dieselbe Textvorlage zurück und beinhalten teils auch dieselben Zeichnungen (Modena, Archivio Capitolare, Cod. 0.I.17, geschrieben zwischen 760 und 778 - vgl. CLA III, Nr. 370 und Cava dei Tirreni, Archivio della Badia, Cod. 2 (XXIII) - vgl. CLA III, Nr. 284). Bei den wiederverwendeten Pergamentblättern handelt es sich um Blätter aus insgesamt 8 Handschriften aus dem 5. und 6. Jahrhundert (u.a. zwei griechische Evagelienhandschriften und ein gotisch-lateinischer Apostolos Codex). Bezüglich der Lokalisierung der Handschrift (des Isidor-Textes) verweist die Wiederverwertung von alten, abgeschabten Textblättern auf ein Skriptoium mit nicht geringem Altbestand. Die Tatache, dass man auf die Wiederverwendung von Pergament angewiesen war, kann von fehlenden Mitteln zeugen, wie es in Bobbio aufgrund der fehlenden Patronage des Königshauses wohl der Fall gewesen ist (zur möglichen Lokalisierung der Handschriften nach Bobbio vgl. ausführlich M. Kohlbacher, in: Divina Officia, Kat.Nr. 1.). Die für die Lokalisierung der beiden Schwesterhandschriften aus Wolfenbüttel und dem Vatikan richtungsweisende Initialausstattung (Rom, BAV, Vat. lat. 5763) zeichnet sich aus durch eingerollte Serifen, die Verwendung von Sichelfischen als Buchstabenersatz oder Füllmotiv (Zirkelzeichnung) und drachen- bzw. delphinartige Vögel. Als Füllmotive liegen u.a. das Seilband, das Rautenmuster und Schlangen (Füllmotiv der Fische, vgl. 7r) vor. Im Besatz dominieren die Profilpalmette mit geradem Rücken sowie fächerförmig angelegte Blätter. Die Handschrift wurde von einem gewissen, nicht näher zu identifizierenden Boniprandus dem Kloster Bobbio geschenkt (Widmung auf 3r, 10. Jh., CLA I, Nr. 39; Falluomini, 20-23). Schrift und Abkürzungen von 64 Weiss. sowie von Rom, BAV, Vat. lat. 5763 legen nahe, dass es sich bei dem Herstellungsort um ein norditalienisches Schreibzentrum gehandelt hat (Falluomini, 28). Es liegen merowingische und insulare Einflüsse vor, wie sie in der Schriftausstattung mehrerer norditalienischer Handschriften bezeugt sind (vgl. L. Schiaparelli, Influenze straniere nella scrittura italiana dei secoli VIII e IX. Note paleografiche, Rom 1927 (Studi e testi 47); Bischoff Paläographie, 139, 142). Das Kloster Bobbio kann aufgrund der Quellenlage nicht zweifelsfrei als Entstehungsort vorgeschlagen werden. Ähnlich verhält es sich mit der kunsthistorischen Einordnung. Für das Kloster Bobbio ist auch hier die Quellenlage dürftig. Lediglich Holter Buchschmuck, 94, 95 nennt, unter Vorbehalt, eine Gruppe von Handschriften mit Anknüpfungspunkten für Bobbio (Handschriften aus dem 8. Jahrhundert: Mailand, Biblioteca Ambrosiana Ambr. D. 23 inf. - CLA III, Nr. 328; Mailand, Biblioteca Ambrosiana Ambr. B. 159 sup. - CLA III, Nr. 309; Mailand, Biblioteca Ambrosiana Ambr. F. 84 sup. - CLA III, Nr. 341; Mailand, Biblioteca Ambrosiana, Ambr. C 77 sup., fol. 1-152 - CLA III, Nr. 317; Gengaro, 6 und Rom, BAV, Vat. lat. 5765 - CLA I, Nr. 43). Desweiteren nennt er Handschriften, die im oberitalienischen Umfeld/Verona entstanden sind (Rom, BAV, Vat. reg. lat. 7809 - CLA I, Nr. 55; München, BSB, Clm 6329 - CLA IX, Nr. 1276, Bierbrauer Ill. Hss., Kat.Nr. 264; München, BSB, Clm 18036 - Bierbrauer Ill. Hss., Kat.Nr. 265). Die Vergleiche der Initialausstattung von Rom, BAV, Vat. lat. 5763 ergeben hauptsächlich Parallelen zu Mailand, Biblioteca Ambrosiana, Ambr. C 77 sup., fol. 1-152, wo dieselben Fischformen mit Schlangenfüllungen vorkommen. Ebenfalls ähnliche Initialformen zeigt Rom, BAV, Vat. lat. 5765. Bei beiden Handschriften handelt es sich um Codices, die für Bobbio vorgeschlagen werden und in das frühe 8. Jarhundert datieren. Allgemeinere Vergleiche bieten sich an zu München, BSB, Clm 6329, einer Sammelhandschrift, die nach Holter Buchschmuck, 95 Veroneser Anklänge zeigt (auffälliger Zirkelschlag bei den Fischformen).
Provenienz der Handschrift: Kloster Weißenburg, Besitzeintrag: 1r oberer Blattrand Siganturenbuchstabe .f. (14. Jh.). Darunter Ysydrus etimoloyarum (15. Jahrhundert). Av Notiz aus der Blumschen Liste Wo II. Verzeichnet in In Wo IA als codex membranaceus in 4to, qui continet Isidori libb. Etymologiarum, in Wo II Isidori origines Charactere Toletano ante annos nongentos circiter exaratae. Dazu in Wo II die Notiz Blums Sive Gothico antiquo, qui in hispania ante annos quingentos usurpari desiit, atque ideo, quum in ipsa Hispania rarius inveniantur libri, illo charactere scripti, Bernardus Aldreite Canonicus Cordubensis libro ildo de origin linguarum castalianarum cap. 18 Hispanice scripto eius Alphabetum et aliquot speciminia adducit. Wiener Liste 2° 60.
Inhalt:
  • 1r-338v Isidorus Hispalensis: Etymologiarum sive Originum Libri XX (Lindsay Isidorus Hispalensis).
  • 110r-115v Ps.-Hieronymus: Indiculus de haeresibus.
  • 210r-217v, 276r-281r, 318r-325v Ambrosiaster: Commentarius in Epistulam Paulinam ad Romanus (Fragment) Palimpsest I.
  • 43r-58v, 67r-74v, 82r-89v, 98r-105v, 114r-137v, 146r-153v, 162r-169v, 186r-193v, 218r-225v, 268r-270v, 273r-275v, 305r-310v Galen: Περὶ τῶν ἐν ταῖς τροφαῖς δυνάμεων Palimpsest II.
  • 90r-97v, 154r-161v, 178r-185v, 226r-233v, 242r-244v, 257r-259v, 271r-272v, 278r-278v, 298r-298v, 300r-301v Codex Guelferbytanus A. Gregory-Aland Pe(024). Die vier Evangelien Matthäus 1,11-1,21; 3,13-4,19; 10,7-10,19; 10,42-11,11; 13,40-13,50; 14,15-15,3; 3,29-3,39. Markus 1,2-1,11; 3,5-3,17-, 14,13-24,48-4,61; 15,12-15,37. Lukas 1,1-1,13; 2,9-2,20; 6,21-6,42; 7,32-8,2; 8,31-8,50; 9,26-9,36; 10,36-11,4; 12,34-12,45; 14,14-14,25; 15,13-16,22; 18,13-18,39; 20,21-21,3; 22,3-22,16; 23,20-23,33; 23,45-24,1; 24,14-24,37. Johannes 1,29-1,40; 2,13-2,25; 21,1-21,11. Text in folgender Reihenfolge: 231v, 228rv, 301rv, 226rv, 233rv, 158rv, 96rv, 91rv, 157vr, 93rv, 94rv, 181rv, 182rv, 278rv, 300vr, 92rv, 95rv, 160vr, 242vr, 259vr, 155vr, 97rv, 90rv, 258vr, 243vr, 180rv,183rv, 227rv, 184rv, 179rv,232rv, 185rv, 178rv, 244vr, 257vr, 161vr, 154vr, 298rv, 230rv, 229rv, 156rv, 159rv, 272vr, 271vr. Palimpsest III.
  • 194r-201v, 299r-299v, 302r-304v, 311r-311v Codex Guelferbytanus B: Gregory-Aland Q(026). Lukas- und Johannesevangelium Lukas 4,34-5,4; 6,10-6,26; 12,6-12,43; 14,14-15,31; 16,34-18,15; 18,34-19,11; 19,47-20,17; 20,34-21,8; 22,27-46,2323,30-23,49. Johannes 12,3-12,20; 14,3-14,22. Text in folgender Reihenfolge: 299rv, 304vr, 200rv, 195rv, 302rv, 194rv, 196rv, 199rv, 201rv, 303rv, 311rv, 198rv, 197rv. Palimpsest IV.
  • 284r-287v, 288r-297v, 312r-317v, 328r-331v Hieronymus: Liber Iob (Fragment) Text in folgender Reihenfolge: 285rv, 287rv, 326rv, 332rv, 327rv, 333rv, 284rv, 286rv. Palimpsest V.
  • 282r-283v, 288r-297v, 312r-317v, 328r-331v Hieronymus: Liber Iudicum (Fragment) Text in der folgenden Reihenfolge: 296rv, 314rv, 288rv, 283rv, 315rv, 291rv, 282rv, 317rv, 313rv, 297rv, 290rv, 316rv, 312rv, 289rv, 293rv, 295rv, 329rv, 331rv, 328rv, 330rv, 292rv, 294rv. Palimpsest VI.
  • 279rv Κατὰ Μαθθαῖον: τίτλοι (Fragment) Palimsest VII.
  • 255r-256v, 277r-277v, 280r-280v Ulfilas: Epistula Pauli ad Romanos (Fragment) Text in der folgenden Reihenfolge: 277rv, 256vr, 255vr, 280rv. Palimpsest VIII.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

CLA Codices Latini antiquiores. A Palaeographical Guide to Latin Manuscripts prior to the ninth century, hrsg. von E. A. Lowe, Bd. 1–12, Oxford 1934–1971
Divina Officia P. Carmassi, Divina officia. Liturgie und Frömmigkeit im Mittelalter, Wiesbaden 2004 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 83)
Enzyklodädie Die Enzyklodädie des Isidor von Sevilla, übers. und mit Anmerkungen versehen von L. Möller, Wiesbaden 2008
Falluomini C. Falluomini, Der sogenannte Codex Carolinus von Wolfenbüttel (Codex Guelferbytanus 64 Weissenburgensis). Mit besonderer Berücksichtigung der gotisch-lateinischen Blätter (255, 256, 277, 280) Wiesbaden 1999 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien, Bd. 13)
Gengaro M. L. Gengaro, G. V. Guglielmetti, Inventario dei codici decorati e miniati (secc. VII-XIII) della Biblioteca Ambrosiana, Florenz 1968 (Storia della miniatura. Studi e documenti 3)
Milde Mittelalterliche Handschriften der Herzog August Bibliothek, ausgewählt und erläutert von W. Milde, Frankfurt/M. 1972 (Kataloge der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Sonderbd. 1)
Schadt H. Schadt, Die Darstellungen der Arbores consanguinitatis und der Arbores affinitatis. Bildschemata in juristischen Handschriften, Tübingen 1982
Wolfenbütteler Cimelien Wolfenbütteler Cimelien. Das Evangeliar Heinrichs des Löwen in der Herzog-August-Bibliothek. Konzeption von Ausstellung und Katalog: P. Ganz, H. Härtel und W. Milde, Weinheim 1989 (Ausstellungskataloge der Herzog-August-Bibliothek 58)
Wolfenbüttel Weiss. Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 3: Die Weissenburger Handschriften, beschrieben von O. von Heinemann, in: Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 2 Teil 5, Wolfenbüttel 1903, 268–443

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