Patrizia Carmassi: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen lateinischen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Patrizia Carmassi. (Vorläufige Beschreibung)

Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 2° Cod. Ms. jurid. 152

Gregorius IX, papa. Johannes Andreae

Pergament — 311 Bl. — 42 × 28 cm — Nordfrankreich — 13. und 14. Jh.

Aus zwei Teilen zusammengesetzt: Pars I 1r–307v, Pars II 308ra–311vb. Lagen: V+1 (11). 7 V (81). V+1 (92). 8 V (172). V+1 (183). 3 V (213). VI (225). 6 V (285). IV (293). V + 1 (304). 3 + II (311). Moderne Foliierung in schwarzer Tinte. Spuren von Reklamanten (bezogen auf den Haupttext).

Moderner Holzdeckeleinband (20. Jahrhundert), mit Überzug in braungefärbtem Kalbsleder. Zwei moderne Schließen aus Messing, Nachahmung von mittelalterlichem Stil durch Aussparungen in Form eines Vierblattes. Siehe auch Cod. Ms. jurid. 153. VS und HS aus Pergament, neu. Vermerk auf HS: Restauriert 1977 Arbeits.Nr. 708. Der Restaurierungsbericht des Göttinger Restaurators Wulf Pförtner, erhalten in der Restaurierungswerkstatt der Universität Göttingen, erwähnt: die alte Numerierung (fol. 1-311); bei vorhandenem Einband die Anfertigung von "Schließen ohne Muster"; eine Nummerierung von "Pförtner Jan. 77" und die Lieferung der restaurierten Handschrift am 10.02.1977. Auf VS geklebter Papierzettel mit Auszug aus Meyers Katalog zu der Handschrift. Zwischen VD und fol. 1 ein moderner vorgedruckter Zettel mit Benutzungdaten der Handschrift.

Reste des alten Einbandes sind zusammen mit der Handschrift in einem Klappkasten aufbewahrt: Zwei Buchdeckel aus dem ehemaligen Pappeinband, mit rot-schwarz marmoriertem Buntpapier überzogen; Rücken, getrennt, aus braunem Leder, mit goldenen Einprägungen (Sterne, vegetabile Motive und die Inhaltsangabe Decretales Gregorii IX). Darauf geklebt auch modernes Papierschild mit neuer Signatur Cod. MS. jurid. 152. Auf dem alten VS aus Papier Besitzvermerk in schwarzer Tinte: Bergmann, 2. Aug. 1817, gefolgt von moderner Göttinger Signatur (Bleistift). Moderne bibliothekarische Angaben zur Blattzahl und den fehlenden Miniaturen. Ein Viereck von dem Papier Papier (11 x 13 cm) ist in der unteren Mitte des VS ausgeschnitten worden (wahrscheinlich, wo der Auszug aus Meyers Katalog geklebt war). Auf dem ehem. vorderen Vorsatzblatt (recto) Angaben in schwarzer Tinte von der Hand eines Bibliothekars über den Inhalt des Codex (19. Jh.). Auf der Versoseite ovaler Stempel: EX BIBLIOTHECA REGIA ACAD. GEORGIÆ AUG:. Ehem. hinterer Vorsatzblatt leer. Auf altem HS bibliothekarische Angaben: 152.I 9.12.76 und alte Signatur (Bleistift): Jurid. Manuscr. 89.³.

Herkunft: Siehe einzelne Teile. — Provenienz: Die Notiz auf fol. 1r erwähnt als Vorbesitzer der Handschrift im 15. Jahrhundert den Hildesheimer Kanoniker an der Stiftskirche Heilig Kreuz Johannes de Alten. Dieser war Neffe des Kanonikers und thesaurarius an St. Mauritius in Hildesheim mit gleichem Namen. Johannes (der ältere) hatte die Errichtung eines Hospitals auf dem Damm verfügt. Testamentsvollstrecker waren seine Neffen, der Domkanoniker Dietrich von Alten († 1502) und dessen Bruder Johannes († vor 1488). Diese verfügten, dass das Hospital am Brühl ab 1484 gebaut wurde. Siehe: DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 217 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net. Terminus ante quem für den Tod des jüngeren Johannes de Alten ist eine Urkunde vom 08.07.1488, wo er als Bruder von Dietrich und als verstorben erwähnt wird: sin broder her Johan van Althen zeliger, wandages cononik der kerken tome hilgen Cruce bynnen Hildensem: Doebner Urkundenbuch Hildesheim, 8, Nr. 165, S. 162-164, hier S. 162. Zu ihm vgl. auch die Erwähnung in der verlorenen Inschrift, DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 222† (Christine Wulf), in: www.inschriften.net. Wie Johannes in Besitz des Codex kam, bleibt unbekannt. Sein Bruder Dietrich von Alten hatte in Rostock und Erfurt Jura studiert, wo er vor dem 20.04.1455 lic. decr. wurde. Vgl. Johannes Alten (ID: 2147100701), in: RAG, Repertorium Academicum Germanicum.http://www.rag-online.org/gelehrter/id/2147100701 (Abgerufen: 15. Juni 2017). Es ist nicht auszuschließen, dass Dietrich den Codex seinem Bruder Johannes hinterließ, nachdem er das Studium des kanonischen Rechtes beendet hatte. Die Stiftskirche Heilig Kreuz in Hildesheim wurde im 11. Jh. gegründet. Siehe H. Seeland, Von alten Klosterbibliotheken in der Stadt Hildesheim, Hildesheim 1952 (Zeitschrift des Museums zu Hildesheim. N.F. 4), S. 41-43; J. Asch, Die Geschichte des Kreuzstiftes im Überblick, in Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart 46/47 (1978/79), S. 9-41. Für die dortige Präsenz von Rechtshandschriften schon im Hochmittelalter vgl. die Notiz bezüglich der Schenkung des dortigen Diakons und Kanonikers Gerungus am Ende des 12. Jahrhunderts: Hildesheim 1, S. XIII, Anm. 14. Das Stift wurde 1810 aufgelöst. Der Codex gehörte im 19. Jahrhundert zu der Bibliothek des Professors Friedrich Christian Bergmann (1785-1845) in Göttingen. Dieser war Jurist, ab 1811 ordentlicher Professor der Rechte in Göttingen, Hofrat und Geheimer Justizrat. Sein Studium der Theologie, Philosophie und Rechtswissenschaften hatte er in den Jahren 1802-1805 ebenfalls in Göttingen absolviert. Ein Auktionsverzeichniss seiner Bücher erschien im Jahr seines Todes: Verzeichnis der vom … [Friedrich Christian] Bergmann nachgelassenen vorzüglich im Fache Jurisprudenz u. Philologie ausgezeichneten Bücher-Sammlung, … welche den 17. November 1845 … verkauft werden, Göttingen 1845. Die Handschrift wird allerdings in diesem Katalog in der Sektion Jurisprudenz, Folio, nicht verzeichnet. Zu seiner Person siehe Steffenhagen, Bergmann, Friedrich Christian, in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 392; Göttingen. Geschichte einer Universitätsstadt, hrsg. von E. Böhme, Bd. 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Anschluss an Preußen: der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648-1866), Göttingen 2002, S. 60, 193, 443, 804. Allgemein zur juristischen Fakultät der Universität Göttingen vgl. W. Sellert: Die Juristische Fakultät der Georgia Augusta in historischer Perspektive, in: H.-G. Schlotter (Hg.): Die Geschichte der Verfassung und der Fachbereiche der Georg-August-Universität zu Göttingen, Göttingen 1994 (Göttinger Universitätsschriften 16), S. 54-65. Wie es nach einer eigenhändigen Notiz von Bergmann auf dem VS des ehem. Einbandes naheliegt, hatte dieser den Codex am 02.08.1817 erworben. — Schon Meyer (Göttingen 1, S. 352) verweist auf den Kauf aus Bergmanns Bibliothek 1845. Aus seiner Bibliothek kamen in die Georgia Augusta auch weitere mittelelterliche (Cod. Ms. jurid. 151, Cod. Ms. jurid. 153) sowie frühneuzeitliche Handschriften. Siehe Göttingen 3, S. 15-16 (Register) und Göttingen, Universitätsbibliothek, Bibliotheksarchiv, Manual 1845, S. 168-269, hier speziell S. 169 zu der Handschrift: Decretales Gregorii IX c. glossa. Acc. Joh. Andreae lectura arboris consanguinitatis et affinitatis. In Cod. Ms. Accessio Bd. 43, unter der Nr. 4178 wird der Inhalt der Handschrift unter dem Teil Libri juridici 1845 In folio kurz beschrieben. Die Anfangsminiatur war zu diesem Zeitpunkt schon ausgeschnitten gewesen: Decretales Gregorii IX cum Glossa Cod. Mscrpt. Littera initialis excisa est …. Weitere mittelalterliche Handschriften werden in der Liste im Manual verzeichnet, wie z. B. (S. 168) Liber Malogranati 1459; Decretum Gratiani Cod.; (S. 169) Libri Decretales c. glossa. Ein Exemplar des Auktionskatalogs von 1845 ist auch in der Universität Göttingen (Signatur 8 HLL XI, 984) erhalten. Darin sind allerdings diese Handschriften, wie erwähnt, nicht verzeichnet, und ist keine weitere handgeschriebene Notiz zu finden. Auf fol. 1r der Handschrift in der Mitte ovaler Besitzstempel: EX BIBLIOTHECA REGIA ACAD. GEORGIÆ AUG:. Stempel in Benutzung ab ca. 1765 bis ca. 1850. Vgl. Bibliotheksstempel, S. 93. In Bibliotheksarchiv, Kataloge, 67:4, S. 89 der Sektion Jus canonicum, für die libri manuscripti in Folio die Notiz: Decretalium Libb. V c. glossa 152. Codex Msct. Membranaceus saeculi XIIII … Ex Bibliotheca Frid. Bergmanni Prof. Jurid. Gottingensis (45.f.J. 4178)

Göttingen 1, S. 352.

Pars I

Pergament — 307 Bl. — 42 × 28 cm — Frankreich — 13. Jh., letztes Viertel

Lagen: Siehe Lagenformel. Die Blätter 305-307 wurden bei der moderner Restaurierung zusammen mit der letzten Lage gebunden. Gebrauchsspuren (verfärbte Seitenränder, Wachstropfen) und Flecken. Gelegentlich ältere Restaurierung durch aufgeklebte Pergamentstreifen (fol. 1v) oder Zusammennähen von geschnittenen Stellen (fol. 51, Fußsteg). Einige Miniaturen wurden zu Beginn der jeweiligen Bücher ausgeschnitten: 2r (Buch I); 83r (Buch II); 153r (Buch III). M. Bertram, Signaturenliste der Handschriften der Dekretalen Gregors IX., S. 52 signalisiert irrtümlicherweise "fehlen III-V". Am Ende Lücke von mehreren Lagen. Zweispaltig (Haupttext). 35 Zeilen (Haupttext). Layout: Vier-Spalten-Klammerform, nach Powitz, Abb. 6. Schriftraum: 21 × 13,5 cm Textualis von einer Hand Nachträge: Auf den Seitenrändern und zwischen den Textspalten zahlreiche Glossen des 14. und 15. Jh. von verschiedenen Händen. Häufige Nota-Zeichen und Manicula. Einige Glossen radiert. Rubriziert. I. Miniaturen auf viereckigem Feld (6 x 6 cm) mit Leistenrahmen zu Beginn der einzelnen Bücher, jedoch Verluste für die Bücher I-III. II. 1-2 cm hohe, alternierend rot-blaue Fleuronnée-Initialen. Knospenfleuronnée in den Farben Rot, Blau und Violett. Fadenausläufer, mit Fibrillen endend; häufig vertikale Parallelfäden im Buchstabencorpus. Entwicklungsstufe korrespondiert mit den Beispielen bei Stirnemann, die in die 80er Jahre des 13. Jh. datiert sind: Vgl. ibid. Kat.-Nr. 43, 44, 46. Kleine Buchstaben als Anweisung für den Miniator z. T. noch sichtbar. III. Einfache Initialen sowie Paragraphenzeichen im Text in roter und blauer Farbe. Als Zeilenfüller ornamentale Motive, wie sich wiederholende Striche, Knospen, Punkte etc., in feiner Federzeichnung. Gelegentlich zusammen mit Phantasie- und Hybridenfiguren, wie fol. 17r, 18r, 28v, 43v, 56r, 58r, 84r, 99r, 103r, 132r (mit manicula), 135r, 155r, 181v, 214r, 262r etc. Ähnliche Muster oder gestrichelte Punktenreihen auch für die Verknüpfung von Glossentext zwischen verschiedenen Spalten oder für diagrammatische Widergabe des Inhalts (z.B. fol. 72r: peticio). Fol. 29r auch mit dem Hinweis "sequitur cetera", da sich die Fortsetzung der Glosse auf dem verso des Blattes befindet. Gelegentlich Zeichnung von Gesichtern, meistens im Profil (fol. 40v, 69r, 143r, 148r, 151v, 165r, 175v, 199v, 211r, 238r, 238v, 243v, 249v, 252r, 286v, 287v, 291vetc.) von verschiedenen Händen oder anderen Objekten und Motiven am Rande, darunter Schwert (93v), Schloss (129r), Teufel (162r), Frau mit Krug (163r), Christusgesicht mit Nimbus (170v), Schiff (172r), Hund (237v), Wurm (262v), Pferdekopf (264r), Insekt (304r). Der Glossenapparat gelegentlich geometrisch angeordnet (Drei- und Viereck, Rhombus): fol. 3v, 120r, 280r. Die Bücherzahl auf dem Kopfsteg in den Farben Rot und Blau: Majuskel L(iber) (links) und römische Zahl (rechts). I. Miniaturen 226ra: Buch IV. Incipit: Ex concilio Triburiensi. De Francia quidam nobilem mulierem de Saxonia …. Szene einer (umstrittenen?) Hochzeit. Auf der rechten Seite eine junge Braut, vom Vater vor einen Priester geführt. Dieser legt seine linke Hand auf den rechten Arm der Frau im Hinblick auf die dextrarum iunctio des Paares. Auf der linken Seite des Priesters, von einer weiteren Figur begleitet, erhebt der Bräutigam die linke Hand und den Zeigfinger gegenüber dem Priester. Dieser hält die rechte Hand des Mannes für die bevorstehende Eheschließung durch die Verbindung der Hände. Rosa Hintergrund mit Dreipunktmuster. Farben: Rot, Blau, Grün, Grau, Braun, Weiß. Leistenrahmen, Randung in schwarzer Farbe. Ornamentale Füllung: auf blauem Hintergrund Quadratmuster mit x-Motiv in Weiß. Die Quadrarten an den vier Ecken des Rahmens in Rot und Grün hervorgehoben. Zu diesem ikonographischen Motiv in französischen und italienischen Handschriften siehe K. Nieuwenhuisen: The Consent in Pictures. Marriage Representations in Medieval Manuscripts of the Liber Extra (1250-1400), mit Appendix: Illustrations (Fig. 1-18), in Decretales pictae, S. 132-158. Vgl. auch M. Bertram, Dekorierte Handschriften der Dekretalen Gregors IX. (Liber Extra) aus der Sicht der Text- und Handschriftenforschung, in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 35 (2008), S. 31-65. 248rb: Buch V. Incipit: Si legitimus non fuerid [!] accusator non fatigetur accusatus. Anschuldigungszene eines Mönches oder Abtes vor einem geistlichen Richter. Auf der linken Seite sitzt ein Mann mit roter Kutte und Tiara (Bischof?), die Hände vor die Brust gehoben. Auf der rechten Seite zwei stehende Mönche in schwarzer Kutte (Benediktiner) mit einem Rotulus bzw. einem Buch in der Hand bringen ihre Anschuldigung vor den Richter. Vor ihm kniet ein dritter Mönch, der mit gefalteten Händen den Richter anfleht. Blauer Hintergrund mit Dreipunktmuster. Farben: Rot, Blau, Grün, Rosa, Weiß, Schwarz. Leistenrahmen, Randung in schwarzer Farbe. Die äußere schwarze Linie des Rahmen deckt bei der unteren linken Ecke Teil des Fleurponnée des ersten Buchstaben S. Ornamentale Füllung: auf Hellrosa Hintergrund offenes Stufenband in weißer Farbe. Die Eckquadrate hervorgehoben in Rot und Grün. Zu diesem ikonographischen Motiv siehe F. Cahu, Un témoin de la production du livre universitaire dans la France du XIIIe siècle: la collection des Décrétales de Grégoire IX, Turnhout 2013 (Bibliologia. Elementa ad librorum studia pertinentia 35), S. 185-197, bes. Abb. 66.

Herkunft: Die Art der Textualis, der Stil von Fleuronnée und Miniaturen verweisen auf Nordfrankreich, auch wenn die Grußadresse zu Beginn des Liber Extra nach Bologna gerichtet ist. Wahrscheinlich handelt sich um die Abschrift einer italienischer Vorlage. Vgl. beispielweise Reims, Bibliothèque municipale, ms. 697, Decretales, 13. Jh., Ende (Nordfrankreich); Paris, Bibliothèque nationale de France, MSS lat. 3951 (Liber Extra).

1r Auf ursprünglich leerem Blatt verschiedene Notae späterer Hände über den Inhalt. Darunter eine Notiz zur Verpfändung des Buches vom 07.08.1454: Ego Johannes de Alten canonicus ecclesie sancte Crucis Hildesemensis recognosco per presentem me accepisse ab honorabili viro domino ssen viginti florenos Renenses pro quibus sibi inpignoravi presentes decretales anno etcetera quinquagesimo quarto VII mensis Augusti manu propria. Zur Person von Johannes von Alten vgl. unter Provenienz. Der Name der in der Verpfändung involvierten Person wurde mit dunkler Tinte unleserlich gemacht. Es ist nicht auszuschließen, dass der Vorgang mehr als einmal wiederholt wurde. Auf der linken Seite des Blattes verschiedene Gruppen von Memorialversen (eine Hand des 15. Jh.): Sunt decretales bis mille absque novem bis: Walther I 18816.

1v Verzeichnis der Tituli auf vier Spalten. Tituli für die Bücher I-V der Decretales Gregor IX. Capitula auf den ersten drei Spalten, von De summa trinitate et fide ca[tholica] bis De verborum significatione geschrieben. Einteilung in fünf Bücher nachträglich ergänzt. Es folgen ohne Zwischentitel von derselben Hand weitere capitula, ebenfalls von De summa trinitate et fide catolica bis De verborum significatione (71 Titeln), wahrscheinlich für den heute verlorenen Teil der Novellen Innozenz' IV. (mit Extravagantes?).

2ra-307vb Gregorius IX., Bernardus de Botone Parmensis: Decretalium Gregorii IX libri V cum glossa Bernardi Parmensis. Die erste Zeile des Textes der Dekretalen wurde mit der Miniatur ausgeschnitten. ctis filiis doctoribus et scolaribus Bononie commorantibus … — … quis homagium conpellaturExplicit liber decretalium. Apparat des Bernardus Parmensis: Gregorius episcopus et cetera. In huius libri principio … — … Est dampno ca Endet abrupt am Ende der Spalte wegen Lücke. Incipiunt decretales novellae domini Innocentii papae IIII de rescriptis rubrica sequitur. Diese letzte Rubrik in der Textspalte auf fol. 307vb kündigt als darauffolgenden Text die Decretales novelle von Innozenz IV. an. Allerdings ist die Handschrift an dieser Stelle lückenhaft. Es folgt eine andere, später hinzugefügte kodikologische Einheit (s. u.).

2r-81v Liber primus.

82r Das nicht liniierte, ursprünglich leere Blatt, mit der folgenden Lage zusammengebunden, wurde auf der Rectoseite für Nachträge aus verschiedenen Händen benutzt. Darunter eine Hand, die hier eine Passage mit dem Titel De procuratoribus ergänzt, und an vielen anderen leeren Stellen, wie fol. 54r, 152vb, 225r, 299r-v, 300r-301v etc. oft mit Verwendung der Sigel Io an (Johannes Andreae) Zusätze (wohl aus den Novella Commentaria, s. u.) schreibt.

82v leer.

83r-152v Liber secundus.

152v Zwischen dem Ende des II. und dem Beginn des III. Buches (Die Anfangsrubrik befindet sich noch auf fol. 152va, Incipit liber tertius de vita et honestate clericorum) Nachträge auf dem leer gebliebenen Teil von der ersten Spalte und auf der zweiten Spalte.

153r-224v Liber tertius.

225ra-b Nachtrag (14./15. Jh.). Auf leer gebliebenem Blatt auf zwei Spalten geschrieben. Johannes Andreae: In quintum decretalium librum novella commentaria. Auszug De poenitentiis et remissionibus. Omnis utriusque sexus. Concilium est non recipiens brevem summam et habet tres partes … — … de legibus non est novum Io[hannes] An[dreae]. Kommentar zu Decretales V,38,12, gleichzeitig Kapitel 21 des 4. Laterankonzils (1215). Gleiches Incipit auch in Ansbach, Staatsbibliothek, Ms. lat. 154, fol. 2v-39v. Dazu S. Schmolinsky und K. H. Keller, Katalog der lateinischen Handschriften der Staatlichen Bibliothek (Schloßbibliothek) Ansbach, 2: Ms. lat. 94 - Ms. lat. 173, Wiesbaden 2001, S. 222; in Rostock, UB, Ms. theol. 37a, fol. 2ra-32vb, mit Prolog, vgl. Rostock, S. 210, im Katalog ohne Autorenzuweisung; in Admont, Stiftsbibliothek, Ms. 27, fol. 301v-309v. In der Beschreibung der Handschrift in der Homepage des Hill Museum and Manuscript Library (http://www.vhmml.us/research2014/catalog/detail.asp?MSID=9329) wird der Text Johannes de Indagine (= Johannes Hagen), O. Carth. (1415-1475) zugeschrieben. Dieser war in Erfurt Student und später Mönch und prior in der Kartause: Vgl. M. Eifler, Ut non solum mihi, sed aliis prodesset mea lectio. Autographe und Unika des Erfurter Kartäusers Johannes Hagen in einer Weimarer Handschrift, in: Das Mittelalter 14 (2009), S. 70-87; J. Klapper, Der Erfurter Kartäuser Johannes Hagen. Ein Reformtheologe des 15. Jahrhunderts, Leipzig 1960-1961 (Erfurter Theologische Studien 9-10), bes. Bd. 1, S. 34-35, Bd. 2, 5 zu der gelesenen kanonistischen Literatur, darunter Johannes Andreae, und den geschriebenen Summae.

225v leer.

226r-248ra Liber quartus.

248rb-307vb Liber quintus.

Edition: Friedberg 2, S. 1–928. GW 11450–11502. Vgl. auch Schulte 2, S. 22, Anm. 3. Literatur: Schulte 2, S. 115–116. LMA 3, S. 266-267. HQL 1, S. 376-377. CALMA, 2, S. 351, ohne Erwähnung dieser Handschrift. S. Kuttner, B. Smalley, The Glossa Ordinaria to the Gregorian Decretals, in: English Historical Review 60 (1945), S. 97-105. S. Kuttner, Notes on the Glossa ordinaria of Bernard of Parma, in: Bulletin of Medieval Canon Law 11 (1981), S. 86-93. Murano Opere diffuse, S. 357-367. Bertram Kanonisten, S. 174, 524-527. M. Bertram, Signaturenliste der Handschriften der Dekretalen Gregors IX. (Liber Extra). Neubearbeitung April 2014 (Online-Publikationen des Deutschen Historischen Instituts in Rom), Rom 2014, S. 14, 52. www.dhi-roma.it/bertram_extrahss.html Decretales pictae, S. 336. M. Bertram, Überlegungen zu einem qualifizierten Überlieferungsbild der Dekretalen Gregors IX. ("Liber Extra"), in: Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters. Produktionsorte und Importwege, hrsg. von P. Carmassi und G. Drossbach, Wiesbaden 2015 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 29), S. 285-302.

Pars II

Pergament — 4 Bl. — 41 × 27,5 cm — Frankreich — 14. Jh., Mitte

Lagen: II (311). Moderne Foliierung. Auf dem Fußsteg des letzten Blattes (311) wurde ein Pergamentstreifen (7 x 23,5 cm) abgeschnitten. Zweispaltig. Schriftraum: 30,5 × 19 cm Eine Hand. Textualis. Rubriziert. Die Initialen nicht ausgeführt. Graphische Darstellung der Arbores auf fol. 308v und 309r in einem frei gelassenen Feld in der Mitte zwischen den beiden Spalten (ca. 23,5-24 x 16 cm). Es ist nicht auszuschließen, dass auch die bildliche Ausstattung der Arbores nicht vollendet wurde. 308v Arbor consanguinitatis. Stilisiertes Baumschema aus in roter Farbe gezeichneten Kreisen mit roten Verbindungslinien. Inschriften in brauner Tinte: Es beginnt oben mit abavus abava, endet unten mit abnepos abneptis. Keine figürliche Darstellung. Der fünfte Kreis in der Mitte des Stammes ist leer. Anordnung der Kreise wie in Paris, Bibliothèque Mazarine, Ms. 1295, fol. 193v. 309r Arbor affinitatis. Stilisiertes Schema aus in roter Farbe gezeichneten Kreisen und Verbindungsbögen. Inschriften in brauner Tinte, ohne figürlichen Darstellungen. Kreise in sieben Spalten angeordnet, wie beispielsweise in Troyes, Bibliothèque Municipale, Ms. 99, fol. 251v. Von relictus, relicte fratris (links) bis relicta, relicta sororis (rechts).

308ra-310ra Johannes Andreae: Lectura arboris consanguinitatis et affinitatis. [C] irca lecturam arboris diversis olim … — … perseverent per gratiam eius qui est benedictus in secula seculorum amen. (310ra) Explicit apparatus domini Iohannis Andree super arbore et consanguinitatis et affinitatis deo gratias. Edition: GW 1676-1680. Literatur: Schulte, S. 100, 215-216. DDC, S. 6, S. 89-92. Schadt, S. 216-218. G. Tamba, Giovanni d'Andrea, in: Dizionario Biografico degli Italiani 55 (2000), S. 667-672.

310ra-311vb Johannes Andreae: Summa de sponsalibus et matrimoniis. Auch als Summa super quarto libro decretalium bekannt. Incipit summula domini Johannis Andree excellentissimi decretorum doctoris super quarto libro decretalium rubrica. Christi nomen invocans ad honorem ipsius … — … ad propositum unde quod dicunt vide per te.

311vb Johannes Andree doctor decretorum huius operis actor.

Edition: GW 1751. Literatur: Schulte, S. 214-215. Murano Opere diffuse, S. 588-589.


Abgekürzt zitierte Literatur

Bertram Kanonisten M. Bertram, Kanonisten und ihre Texte (1234 bis Mitte 14. Jh.). 18 Aufsätze und 14 Exkurse, Leiden, Boston 2013 (Education and society in the Middle Ages and Renaissance 43)
Bibliotheksstempel Bibliotheksstempel: Besitzvermerke von Bibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland, hrsg. von A. Jammers, Wiesbaden 1998 (Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz 6)
CALMA C.A.L.M.A. Compendium auctorum latinorum medii aevi, hrsg. von M. Lapidge u. a., Bd. 1–, Firenze 1999–
DDC Dictionnaire de droit canonique, Bd. 1–7, hrsg. von R. Naz, Paris 1935–1965
Decretales pictae Le miniature nei manoscritti delle Decretali di Gregorio IX (Liber Extra) Atti del colloquio internazionale tenuto all’Istituto Storico Germanico, Roma 3-4 marzo 2010, a cura di M. Bertram und S. Di Paolo, Roma 2012
Friedberg E. Friedberg, Corpus iuris canonici, Bd. 1–2, Leipzig 1879–1881
Göttingen 1 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 1: Universitäts-Bibliothek: Philologie, Literärgeschichte, Philosophie, Jurisprudenz, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
Göttingen 3 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 3: Universitäts-Bibliothek: Nachlässe von Gelehrten, Orientalische Handschriften, Handschriften im Besitz von Instituten und Behörden, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1894 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 3)
GW Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. 1–, Leipzig 1925–1938, Stuttgart 1978–
Hildesheim 1 Handschriften der Dombibliothek zu Hildesheim, Bd. 1: Hs 124a–Hs 698, beschrieben von M. Stähli, H. Härtel und R. Giermann, Wiesbaden 1991 (Mittelalterliche Handschriften in Niedersachsen 8)
HQL 1 Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte, Bd. 1: Mittelalter (1100–1500): Die gelehrten Rechte und die Gesetzgebung, hrsg. von H. Coing, München 1973 (Veröffentlichung des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte)
LMA Lexikon des Mittelalters, Bd. 1–9 und Registerbd., hrsg. von N. Angermann u. a., München 1980–1999
Murano Opere diffuse G. Murano, Opere diffuse per exemplar e pecia, Turnhout 2005 (Textes er études du Moyen Age 29)
Powitz G. Powitz, Textus cum commento, in: Codices manuscripti. Zeitschrift für Handschriftenkunde 5 (1979), 80–89, Nachdruck in Ders., Handschriften und frühe Drucke. Ausgewählte Aufsätze zur mittelalterlichen Buch- und Bibliotheksgeschichte, Frankfurt/M. 2005 (Frankfurter Bibliotheksschriften 12), 57–81
Schadt H. Schadt, Die Darstellungen der Arbores consanguinitatis und der Arbores affinitatis. Bildschemata in juristischen Handschriften, Tübingen 1982
Schulte J. F. von Schulte, Die Geschichte der Quellen und Literatur des Canonischen Rechts…, Bd. 1: … von Gratian bis auf Papst Gregor IX. Stuttgart 1875; Bd. 2: … von Papst Gregor IX. bis zum Concil von Trient, Stuttgart 1877
Stirnemann P. Stirnemann, Fils de la vierge. L'initiale à filigranes parisiennes 1140–1314, in: Revue de l'Art 90 (1990), 58–73
Walther I H. Walther, Initia carminum ac versuum medii aevi posterioris Latinorum, Göttingen 1959 (Carmina medii aevi posterioris Latina 1)