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Beschreibung von Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 2° Cod. Ms. jurid. 153
Patrizia Carmassi: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen lateinischen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Patrizia Carmassi.
Handschriftentitel: Johannes Andreae. Gregorius IX, papa
Entstehungsort: Deutschland und Frankreich
Entstehungszeit: 13. und 14. Jh.
Beschreibstoff:
    Pergament
  • Aus zwei Teilen zusammengesetzt: Pars I: IIIr-VIv, Pars II: IIr-v; VIIr-276v.
Umfang: 1 Bl., I-VII, 278 Bl.
Format: 39,5 × 26,5 cm.
Seitennummerierung: Erstes Blatt nicht foliiert. Moderne Foliierung in schwarzer Tinte, mit römischen und arabischen Zahlen für die ersten zehn Bl. Bei Beginn des Dekretalentextes setzt eine moderne Foliierung mit arabischen Zahlen ein (Bleistift), wobei Bl. 107 und 190 zweimal gezählt sind (heute a-b). Eine weitere moderne Foliierung (Bleistift), nicht kontinuierlich, in arabischen Zahlen, beginnt mit dem ersten Bl.
Lagenstruktur: I (I), III (VII), 23 VI (276), 1 Bl. (ehem. HS).Fol. II und VII bilden ein Bifolium (37,5-38,5 x 25 cm), das ursprünglich als Einführung zum Dekretalencodex diente. In einer zweiten Phase sind zwei Doppelblätter (heute III-VI) aus dickerem Pergament mit Texten von Johannes Andreae in die Mitte des genannten Bifoliums eingefügt worden.
Zustand: Benutzungsspuren: gelegentlich Flecken, Wachstropfen, durch Benutzung verdunkelte Seitenränder. Schnitte im Pergament an den Rändern, nicht genäht, offensichtlich schon alt (91-93, 99, 142, 146). Bisweilen sind diese unbrauchbaren Stellen und Löcher mit roten Linienrahmen versehen.
× × cm
Hände: Textualis. Verschiedene Hände.
Einband: Moderner Holzdeckeleinband (20. Jahrhundert) mit Überzug in rot gefärbtem Kalbsleder. Vier moderne Haken-Verschlüsse aus Messing, Nachahmung mittelalterlicher Vorlagen mit Aussparungen in Form eines Vierblattes. Ebenfalls vier Eckbeschläge aus Messing auf VD und HD. Ein glatter, kreisförmiger Mittelbeschlag aus Messing auf VD und HD. Die Muster dieser Metallteile orientieren sich an die Spuren der Originalbeschläge, die bei den Resten des alten Einbandes noch zu sehen sind. VS und HS aus Pergament, neu. Vermerk auf HS: Restauriert 1977 Arbeits. Nr. 608. Der Restaurierungsbericht des Göttinger Restaurators Wulf Pförtner ist in der Restaurierungswerkstatt der Universität Göttingen erhalten. Auf VS geklebter Papierzettel mit Auszug aus Meyers Katalog zu der Handschrift und moderne bibliothekarische Notizen zur Foliierung und Anzahl der Miniaturen. Der alte VS bildet heute, abgelöst vom Buchdeckel, das nicht nummerierte erste Blatt der ersten Lage. Darin Spuren von Insektenfraß und Rost aus Originaleinband, Risse im Pergament, neu genäht. Auf der Rectoseite Spuren von Klebstoff. Auf der Versoseite moderne Signaturangabe (Bleistift), Cod. Ms. jurid. 153, und spätmittelalterliche Notizen, z. T. verblasst oder ausradiert. Ursprünglich war es ein Doppelblatt mit heutigem fol. I, das als Vorsatzblatt diente. Zwischen VD und dem ersten Blatt ein moderner vorgedruckter loser Zettel mit Benutzungdaten zur Handschrift. Der urspüngliche HS bildet heute das letzte, nicht nummerierte Blatt der Handschrift. Es ist ein makuliertes Pergamentblatt, das auf beiden Seiten beschrieben war. Auf der Versoseite Schrift verblasst und starke Leimspuren. Auf dem Rücken modernes Signaturschild.
Zusatzmaterial: Reste des alten gotischen Einbandes werden zusammen mit der Handschrift in einem Klappkasten aufbewahrt. Holzdeckel mit Überzug aus hellem Kalbsleder, mit Flecken und Rissen. Spuren von vier Haken-Schließen und Metallbeschlägen, heute alle verloren. Auf dem Rücken (unter dem Überzug Reste von acht Bünden) ein modernes aufgeklebtes Papierschild mit der Signatur Cod. MS. jurid. 153.
Entstehung der Handschrift: Siehe einzelne Teile.
Provenienz der Handschrift: Provenienz: Als Vorbesitzer der Handschrift im Mittelalter lässt sich anhand von Besitzvermerken Hartwicus de Salina identifizieren (auch Hartwig von der Sulten): Vgl. den verblassten Vermerk auf dem Fußsteg (fol. 276v): Liber est Hartwici de Salina. Eine andere Hand schrieb auf dem rechten Rand von fol. 273v: Hartwici de Salina canonici Verdensis et Hamburgensis Bremensis diocesis ecclesiarum. Der Name Hartwici ist hier später ausgewischt worden. Ein ebenfalls ausgewischter Besitzvermerk auf diesem Folio auf etwa derselben Höhe, zwischen den Spalten geschrieben: Hartwici de Salina. Mit einer Präbende im Verdener Domkapitel und als Domherr in Hamburg ist Hartwicus de Salina in der Mitte bis zum Ende der 70er Jahre des 14. Jh. belegt. Am 25.05.1349 wird er als Kaplan König Waldemars IV. von Dänemark und als baccalaureus in legibus bezeichnet. Der Ort seines Studiums ist bisher nicht bekannt. Am 11.01.1355 hielt er sich höchstwahrscheinlich an der päpstlichen Kurie in Avignon auf, wo er mit zwei anderen Geistlichen beauftragt wird, dass eine gebildete Jungfrau in das Benediktinerinnenkloster Rühn (Bistum Schwerin) Aufnahme findet. Vgl. Mindermann Urkundenbuch Verden 2, Nr. 721, S. 655. Sicherer Beleg für seinen Aufenthalt in Frankreich gibt eine Urkunde vom 17.09.1355, ausgestellt in Avignon, im Haus des Nikolaus Hoet, praepositus Hildesemensis, in Anwesenheit u. a. von Hartwicus de Salina Hamburgensis Bremensis diocesis ecclesiarum canonicus, ibid., Nr. 733, S. 668-669. Über seine Funktion als Procurator der Hamburger Domherren an der päpstlichen Kurie im Rahmen des Prozesses zwischen der Stadt Hamburg und dem Hamburger Domkapitel ist er ebenfalls in Avignon belegt. Vgl. Th. Schrader, Die Rechnungsbücher der hamburgischen Gesandten in Avignon 1338 bis 1355, hrsg. vom Verein für Hamburgische Geschichte, Hamburg und Leipzig 1907, S. 134, Tagebuch aus dem Jahr 1355: Die 25. mensis Augusti fuit citatus Hartwicus de Salina procurator canonicorum Hamburgensium ad proximam diem jureticam post vacationibus. Er wird auch am 21. und 30.09.1355 als dort anwesend erwähnt (ibid.). Von Avignon war er im selben Jahr nach Hamburg zurückgekehrt, wo er am 03. und 04.12.1355 dokumentiert ist. Vgl. Schleswig-Holsteinische Regesten und Urkunden, hrsg. von V. Pauls, 4, Kiel 1924, Nr. 663, S. 426 und Nr. 664, S. 426-431. In dieser letzten Urkunde präsentiert er vor Zeugen und einem Notar das instrumentum publicum über die Aufhebung des päpstlichen Interdikts über Hamburg. Weitere Urkunden belegen seine Anwesenheit in Hamburg in den folgenden Jahren. Vgl. Mindermann Urkundenbuch Verden 2, wo er als baccalaureus in legibus, Kaplan des Königs Waldemar II. Atterdag von Dänemark, Pfarrer und Propst in Uelzen, Verdener und Hamburger Domherr, Archidiakon in Salzhausen und in Hittfeld belegt ist. Siehe Nr. 657, 721, 733, 747.5, 761, 967, 968, 1052, 1084.XXIV.8e, in einer Zeitspanne von 25.05.1349 (Avignon) bis 07.05.1378 (Hamburg). Das letzte Dokument ist ein Güterverzeichnis aus den Jahren 1379-1381, wo auch sein Name vorkommt. In einem Vergleich aus dem Jahr 1379 wird er noch als canonicus bezeichnet: Das Hammerbröker Recht aus den Findungen des Landgerichts von 1486 bis 1645, hrsg. von W. Hübbe, Hamburg 1843, S. 189 (14.08.1379). Auf der Basis seines Lebenslaufs ist sehr wahrscheinlich, dass Hartwicus die Handschrift in Südfrankreich erwarb und sie in Hamburg ergänzen ließ.
Erwerb der Handschrift: Auf fol. Iv in der Mitte schwarzer ovaler Besitzstempel: EX BIBLIOTHECA REGIA ACADEM. GEORGIAE AUG. Stempel in Benutzung ab ca. 1850 nach Bibliotheksstempel, S. 93. 276v: Auf der unteren rechten Ecke alte Bibliothekssignatur (Bleistift) Msc Jurid. 89g (Jus canon. 35).
Bibliographie
Handschriftenteil: Pars I
Handschriftentitel: Johannes Andreae
Entstehungsort: Norddeutschland (Hamburg?)
Entstehungszeit: 14. Jh., 2. Viertel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 4 Bl.
Format: 39,5 × 27 cm.
Seitennummerierung: Römische Zahlen (schwarze Tinte): III-VI.
Lagenstruktur: II (VI).Die Lage ist zwischen Bl. II und Bl. VII eingefügt worden.
Zustand: Fleckige Ränder.
Seiteneinrichtung: Drei- (IVv) und zweispaltig. Ca. 48-79 Zeilen. Schriftraum: 21,5 × 17,5 cm. Diese Grundstruktur ist auf fol. IVv und VIr modifiziert worden, um zwei viereckige Felder zu realisieren, jeweils 22,5 x 16,5 und 18,5 x 13 cm, die die Darstellung der Arbores enthalten.
Hände: Textualis. Eine Hand für den Haupttext.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    I. Rote Fleuronnéeinitialen mit Aussparungen und Besatzfleuronnée in grüner Farbe. II. Schematische Darstellungen der Arbores, consanguinitatis und affinitatis, in Deckfarbenmalerei, ergänzt durch farbige figürliche Darstellungen und dekorative Hintergrundmuster. Farben: Rot, Gelb-Ocker, Grün, Blau, Braun, Schwarz.
  • I. FleuronnéeinitialenIVva C(irca)
  • Vvb A(d)
  • VIrb N(unc)
  • II. Arbores-DarstellungenIVv Arbor consanguinitatis. Text beginnt im obersten Kreis mit: abavus abavia IIII.Auf einem Feld (23 x 12 cm): Die Kreise der Arbor rechts und links auf einem jeweils roten und grünen Hintergund, mit Aussparungen in Form von Drei- und Vierblatt. Der Baumstamm ist naturalistisch in grüner Farbe gemalt, aus ihm sprießen rechts und links Zweige mit Blättern und weißen Blumen. Er endet auf einem monströsen Kopf (Teufel?) als Basis. Der letzte Kreis zwischen Stamm und Baum ist nicht beschriftet und sind darin Gesichtszüge gezeichnet. In der oberen Seite des Feldes ragt aus der Spitze des Baumes eine Staude, rechts und links davon gehen zwei üppigen Zweigen hervor. Diese werden mit jeweils einer Hand von der Figur eines Königs gehalten, der mit Krone, Bart und breitem Mantel im Hintergrund steht. Dessen Füße ruhen hinter der schematischen Darstellung der Arbor auf den unteren Zweigen des Baumes. Die Szene ist von weiteren Figuren bewohnt: Sich stützend auf den oberen Zweigen, halten zwei Männer auf jeweils einer Seite mit einer Hand den Mantel des Königs bei seinen Schultern. Neben ihnen, kletternd an den Seiten des Baumes zwei jagende Hunde und zwei Hasen. Im farbig geteilten Hintergrund sind weitere dekorative Elemente wie Fäden, Punkte und Blumen an den oberen Ecken.
  • VIr Arbor affinitatis. Auf einem Feld (18,5 x 12,5 cm): In der Mitte ein mit Doppellinie eingerahmtes quadratisches Feld, rot hinterlegt, mit Aussparungen in Form von Vierblättern. Darin 4 x 5 beschriftete Kreise. Die obere horizontale Zeile zählt zwei weitere Kreise, jeweils einer rechts und einer links. Daraus gehen - mit Ausnahme des zentralen Kreises - drei beschriftete Bögen hervor, die die Kreise (1 + 7, 2 + 6, 3 + 5) verbinden. Als Basis für das innere Feld dient der Kopf eines Monsters, mit offenem Mund, aus dem rote Flammenzungen und zwei grüne Zweige herauskommen. Rechts und links vom inneren Feld, mit einer erhobener Hand als Stütze für die obere Zeile mit den Bögen, stehen zwei Männer in zeitgenössischer Tracht. Der rechte Mann ist jünger, blond und eleganter gekleidet. In der oberen Hälfte des Bildes steht ein junges Paar. Frau (mit freien blonden Haaren und Blumenkranz) und Mann, jeweils am rechten und linken Rand des Bildes, fassen mit einer Hand den äußeren Bogen. Mit der anderen Hand halten sie jeweils einen Zweig. Die Zweige sind Teil einer Planze, die auf dem mittleren Kreis der oberen Reihe ihre Basis hat. Ranken mit Blumen und Blättern bilden den Hintergrund der oberen Bildhälfte. Darin wohnen auch zwei Hunde, die auf den mittleren Bögen klettern.
Entstehung der Handschrift: Norddeutschland, wahrscheinlich Hamburg.
Provenienz der Handschrift: Provenienz: Vermutlich im Auftrag von Hartwicus de Salina entstanden.
Inhalt:
  • VS (ehem. VS, heute als erstes nicht nummeriertes Blatt der Handschrift). Rectoseite leer.
  • Ir Mittelalterliche Angabe über den Inhalt Decretales, probationes pennae, eine unleserlich gemachte Zeile.
  • Iv De titulis decretalium. Nachgetragene Memorialverse (15. Jh.). Primus liber. Summa constituens rescriptum … — … regula quod. Walther I 18752. Mit Erwähnung dieser Handschrift.
  • IIr Nachträge, darunter thematische Inhaltsliste.
  • IIIr Epitome Exactis regibus. [E]xactis a Romana civitate regibus constituti sunt … — … Arbiter dicitur qui ex compromisso. Zeitgenössischer Nachtrag, zweispaltig, geschrieben von einer anderen Hand als die des Textes in derselben Lage (IVv-VIv). Raum für eine Initiale gelassen, diese nicht ausgeführt. Mit Auslassungen. Endet abrupt. Vgl. Edition: Max Conrat (Cohn), Die Epitome Exactis regibus, hrsg. mit Anhängen und einer Einleitung. Studien zur Geschichte des Römischen Rechts im Mittelalter, Aalen 1965 (ND der Ausgabe Berlin 1884), S. 1-10 und 167-170.
  • IIIv-IVr leer.
  • IVva-VIvb Johannes Andreae: Lectura arboris consanguinitatis et affinitatis. Circa lecturam arboris diversis olim … — … pervenerant per graciam eius qui est benedictus in secula seculorum Amen. Explicit leverwost. >Explicit arbor consangwinitatis[sic] amen Necnon arbor affinitatis.< Gl[ori]a na Merten. = nach St. Martin [11.11.]. Für Edition und Bibliographie s. 2° Cod. Ms. jurid. 152.
Handschriftenteil: Pars II
Handschriftentitel: Gregorius IX, papa
Entstehungsort: Frankreich (Toulouse ?)
Entstehungszeit: 13 Jh., letztes Viertel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 278 Bl.
Seitennummerierung: Siehe oben. Hier wird der arabischen Foliierung gefolgt, die sich oben zwischen den Spalten befindet.
Lagenstruktur: Reklamanten; die ersten Blätter einer Lage mit arabischen Zahlen nummeriert. Regelmäßig auch die Lagen auf dem letzten Blatt (verso) nummeriert.
Seiteneinrichtung: Zweispaltig, ca. 36-37 Zeilen (Haupttext). Schriftraum: ca. 24,5 - 32,5 × ca. 21,5 - 23,5 cm.
Hände: Textualis. Zwei unterschiedliche Hände für Haupttext und Apparat. Schwarze bzw. braune Tinte. Nota bene, maniculae, spätere Nachträge am Rande von verschiedenen Händen. Häufig mit der Sigel Io An (= Johannes Andreae).
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Rubriziert. I. Miniaturen auf viereckigem Feld (4,5-5,5 x 5,5 cm) innerhalb von in Gold gefüllten Leistenrahmen mit Ausläufern in Form von Drachenköpfen, gelegentlich mit Goldpollen, zu Beginn der einzelnen Bücher sowie des Prologs. Als Hintergrund kariertes Muster mit weißem Filigran. Farben: Rot, Orange, Blau, Grün, Grau, Rosa, Weiß, Schwarz, Gold. II. 1-4 cm hohe, alternierend rote und blaue Fleuronnée-Initialen. Knospenfleuronnée. Fadenausläufer, mit Fibrillen endend; häufig vertikale Parallelfäden im Buchstabencorpus. Die ersten Worte der jeweiligen Bücher und des Prologs in Farbe (rot oder blau) und Majuskel hervorgehoben. III. Einfache Lombarden. Diese sowie Paragraphenzeichen im Text alternierend in roter und blauer Farbe. Weitere einfache Initialen in der Schriftfarbe mit Dekoration im Binnenfeld (Parallellinien, stilisierte Gesichter). Kleine Buchstaben als Anweisung für den Miniator z. T. noch sichtbar. Als Zeilenfüller ornamentale Motive: sich wiederholende Striche, Spiralen, Dreiecke etc. in feiner Federzeichnung und mit gelber Farbe untermalt. Unterstreichung der Lemmata im Glossenapparat ebenfalls gelb. Dieselbe Hand (Schreiber des Apparats) scheint auch Zeichnungen von Tieren und hybriden Figuren an den Rändern gezeichnet und, ebenfalls in gelber Farbe, bemalt zu haben, z. B. Hund, Pferd, Affe etc. Auf fol. 29v fügt der Schreiber spielerisch eine dieser Phantasiefiguren in den bestehenden blauen Faden des Fleuronnée ein. Die Bücherzahl auf dem Kopfsteg in den Farben Rot und Blau: Majuskel L(iber) (links) und römische Zahl (rechts). Mit Ausnahme von 71v/72r (beide L) (siehe Inhalt).
  • I. Miniaturen.1ra Prolog. Dedikationsbild. Incipit: GREGORIUS episcopus servus servorum dei dilectis filiis doctoribus et scolaribus universitatis Parisius commorantibus … Auf der linken Seite Papst Gregor IX., sitzend auf einem Thron mit Mitra und bischöflichem Ornat, einen Kreuzstab in der rechten Hand. Mit der linken Hand hält er einen offenen Codex, der von einem auf der rechten Seite des Bildes stehenden Kleriker übergeben wird. Hinter diesem ein zweiter Kleriker: Beide mit erhobener Hand, sie blicken in die Richtung des Papstes. Auf diesem Blatt in den Intercolumnia als freistehende Leisten stilisierte Drachen, einmal mit Kopfbedeckung, begleitet von goldenen Pollen.
  • 1rb Buch I. Darstellung der Dreifaltigkeit, im Einklang mit der Rubrik: De summa trinitate et fide catholica. In der Miniatur Vater und Sohn, identisch gekleidet, auf der jeweils linken und rechten Seite einer langen Bank sitzend. Der Vater mit beiden erhobenen Händen, der Sohn mit erhobener rechter Hand, in der linken einen Codex (die Evangelien) haltend. In der Mitte zwischen ihnen steigt vom blauen Himmel eine weiße Taube (der Heilige Geist) herab. Alle drei Figuren sind mir einem goldenen Nimbus versehen. Ähnliche Ikonographie für diese wie andere Szenen in Bourges, Bibliothèque municipale, ms 186 (13. Jh., drittes Viertel, Frankreich, Provenienz: Bourges, Kathedrale).
  • 73ra Buch II. Darstellung eines Gerichtsverfahrens. Incipit: De Quodvultdeo episcopo Centurensi episcopo, quem cum adversarius. In der Mitte sitzt ein Richter, das Haupt nach rechtsgerichtet. Auf beiden Seiten neben ihm stehen Kleriker, die auf den Richter schauen und mit erhobenen Händen gegeneinander argumentieren.
  • 132ra Buch III. Darstellung einer Messfeier. Incipit: Ut laici. Auf der rechten Seite steht ein Priester vor dem Altar und mit der rechten Hand segnet er eine auf dem Altartisch liegende Hostie. Neben dieser ein aufgedeckter Kelch. Hinter dem Priester hält ein Kleriker mit bedeckter linker Hand eine goldene Patene. Auf der linken Seite, in die Gegenrichtung schauend, verdrängt ein Kleriker mit beiden Händen zwei Laien.
  • 190ab Buch IV. Incipit: De Francia quidam nobilis nobilem quamdam de Saxonia lege Saxonum duxit uxorem. Darstellung einer Eheschließung. In der Mitte des Bildes ein stehender Bischof, die rechte Hand erhoben im segnendem Gestus, mit der linken Hand führt er die conjunctio manuum der Eheleute. Zu seiner Rechten steht der Bräutigam, zu dem der Bischof blickt, zu seiner Linken die Braut. Hinter den Eheleuten jeweils ein Elternteil, neben dem Mann seine Mutter, neben der Frau ihr Vater.
  • 212ra Buch V. Incipit: Si legitimus non fuit accusator non fatiget. Darstellung einer Anklage vor dem Bischof. In der Mitte des Bildes ein Bischof im Ornat auf einem Thron sitztend, die rechte Hand erhoben, mit der linken Hand einen Kreuzstab haltend. Er schaut zu seiner Rechten, wo zwei Mönche stehen. Von diesen zeigt der vordere einen Beutel vor sich, anscheinend als Beweisstück. Auf der rechten Seite des Bildes zwei weitere Mönche, mit erhobenen Händen als Sprech- und Argumentationsgestus, sie blicken in die Richtung des Bischofs. Der vordere hält einen Krummstab in der Linken.
  • 274v Schematische Darstellung mit roten Kreisen einer Arbor consanguinitatis. Die Beschriftung ist später nachgetragen worden.
  • Vgl. M. Bertram, Dekorierte Handschriften der Dekretalen Gregors IX. (Liber Extra) aus der Sicht der Text- und Handschriftenforschung, in Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 35 (2008), S. 31-66. K. Nieuwenhuisen, Appendix. Illustrations (N-Fig. 1-18), in M. Bertram und S. Di Paolo (Hg.), Decretales pictae. Le miniature nei manoscritti delle Decretali di Gregorio IX (Liber Extra). Atti del colloquio internazionale tenuto all’Istituto Storico Germanico Roma 3-4 marzo 2010, Roma 2012 (http://hdl.handle.net/2307/711), S. 146, 150 (fig. 2-3), 334.
Entstehung der Handschrift: Nach dem Stil der Illuminierung wurde die Handschrift der Dekretalen in Südfrankreich geschrieben und illuminiert. Vgl. beispielsweise, in Toulouse geschrieben, wenngleich etwas später, die Handschrift Amiens, Bibliotheque municipale, ms 355, später in Corbie.
Inhalt:
  • VIIva-273vb Gregorius IX.: Bernardus de Botone Parmensis: Decretalium Gregorii IX libri V cum glossa Bernardi Parmensis. Der Haupttext beginnt 1r; der Apparat aber schon auf fol. VIIva. Haupttext: Gregorius episcopus servus servorum dei dilectis filiis doctoribus et scolaribus universitatis Parisius … … facere quis homagium conpellatur … Interlineare Glosse über Parisius: al[iter] Bon[oniae]. >Expliciunt decretales<. Apparat des Bernardus Parmensis: In huius libri principio sunt precipue prenotanda … — … De pactis pactiones. Explicit quintus liber decretalium.
  • 1ra >Incipiuntur[sic] decretales nov[e]ll[e]<. Die Rubrik ist in den Raum zwischen dem hervorgehobenen Namen Gregorius und der Leiste der ersten Miniatur eingefügt worden.
  • 1ra-72ra Liber primus.
  • 72ra-72vbvb >Incipiunt nove constitutiones Innocencii quarti in concilio Lugdunensi<. >De rescriptis<. Innocentius episcopus servus servorum dei dilectis filiis universitate magistrorum et scolarium Parisius … — … observari Innocentius. Fol. 72r ohne Apparat. Auf fol. 72v bezieht sich das Glossenapparat auf die folgende Seite mit Beginn von Buch II.
  • 73ra-131vb Liber secundus.
  • 132ra-190ara Liber tertius.
  • 190arb-211rb Liber quartus. Der Schreiber des Apparats versucht, das Ende beider Spalten immer auf gleicher Höhe (= gleicher Zeilenzahl) zu halten. Dementsprechend füllt er leere Halbzeilen mit ornamentalen Motiven oder "Pseudo-Schrift" (vgl. 205rb,206rb, 209rb etc. letzte Zeile) oder verbindet mit einigen Punkten auf fol. 190r den Glossentext zum Ende des III. Buches, geschrieben auf der linken Spalte, mit den letzten Worten der Glosse, geschrieben auf der rechten Spalte, wo am Ende zwei Zeilen frei geblieben waren. Die rechte Spalte enthält hier eigentlich schon die Glosse zum IV. Buch.
  • 211v leer, bis auf zwei Nachträge.
  • 212ra-273va Liber quintus.
  • 274r leer, Liniierung des Schriftraums in zwei Spalten. In der oberen Hälfte fast unsichtbare Nachträge mit Metallgriffel.
  • 274v Arbor consanguinitatis. Auf der leer gebliebenen Seite, liniiert, den Raum zwischen den Spalten nutzend, schematische Darstellung einer Arbor consanguineitatis in roter Farbe (Feld: 15 x 12,7 cm): rote Kreise und Linien, ohne figürliche Darstellungen. Text in brauner Tinte wahrscheinlich in Deutschland nachgetragen, nicht von den Haupthänden der Handschrift (Pars II). Sehr verblasste Spuren von Notizen, mit Metallgriffel geschrieben.
  • 275r leer, liniert.
  • 275v Verzeichnis der Titel auf drei Spalten, mit arabischen Zahlen für jedes Buch nummeriert. Die ersten Zeilen und die Einteilung in fünf Bücher später überschrieben bzw. nachgetragen, Überschrift (Tituli decretalium) und Schluss (Expliciunt tituli decretalium) ergänzt.
  • 276r-v Nachträge. Verschiedene Hände, Deutschland, 14. Jh.
    • (276r) Hugo de Machenheim: De negligentiis circa missam. Inquirendum est de omissionibus misse et negligentiis que circa eam solent fieri … — … aut etiam si aliter non valet solidum deglutire. Vgl. Kaeppeli 1974. S. Kuttner, Analecta iuridica Vaticana (Vat. lat. 2343), in Collectanea vaticana in honorem A.M. Card. Albareda, Città del Vaticano 1962, I, S. 415-452, hier S. 422, Anm. 3. Er verweist auf die Handschrift Roma, Biblioteca Casanatense, MS 1084, wo diese summula "apparently commenting upon X 3.41.14" das gleiche explicit wie die Göttinger Handschrift aufweist.
    • (276v) Resurgens Ihesus approbavit virtutem resurrectionis multis argumentis in corpore …

Abgekürzt zitierte Literatur

Bibliotheksstempel Bibliotheksstempel: Besitzvermerke von Bibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland, hrsg. von A. Jammers, Wiesbaden 1998 (Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz 6)
Göttingen 1 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 1: Universitäts-Bibliothek: Philologie, Literärgeschichte, Philosophie, Jurisprudenz, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
Kaeppeli T. Kaeppeli, Scriptores ordinis praedicatorum, Bd. 1–4, Rom 1970–1993
Walther I H. Walther, Initia carminum ac versuum medii aevi posterioris Latinorum, Göttingen 1959 (Carmina medii aevi posterioris Latina 1)

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