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Beschreibung von Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 2° Cod. Ms. jurid. 26 cim.
Patrizia Carmassi: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen lateinischen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Patrizia Carmassi.
Handschriftentitel: Codex Iustiniani cum glossa
Entstehungsort: Norditalien (Padua? Pavia?)
Entstehungszeit: 13. Jh., Mitte
,
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: IV, III, 255, IV Bl.
Format: 39 × 23,5 cm.
Seitennummerierung: Durchgehende mittelalterliche Foliierung des Haupttextes in arabischen Zahlen (Tinte) oben rechts: Blatt 171 übersprungen. Dazu entsprechende bibliothekarische Anmerkung auf VS und fol. 172r. Moderne Foliierung (Bleistift) unten rechts. Dort wurde in der Zählung fol. 169 übersprungen. Mittelalterliche Vorsatzblätter mit moderner Foliierung (Bleistift) in römischen Zahlen. Ebenfalls in römischen Zahlen (I-II) ältere Foliierung nur für das Inhaltsverzeichnis. Moderne Vorsatzblätter aus Papier (vorne und hinten jeweils ein Binio), nicht foliiert. Im Folgenden orientiert sich Beschreibung an die moderne Foliierung.
Lagenstruktur: I+1 (III). 7 V (70). 8 IV (134). V (144). 14 IV (249). III (255)Fol. 171 ist in der Zählung übersprungen worden.Reklamanten am Ende der Lagen, mit einfacher Einrahmung. Zählung durch römische Zahlen für die Blätter der ersten Hälfte der Lage. Ein horizontaler roter Strich markiert die Mitte der Lage.
Zustand: Benutzungsspuren: Flecken (z. B. gelbe Flecken fol. 225-227). Pergament leicht gewellt. An manchen Stellen Löcher (z. B. fol. 6r) oder abgeschnittenes Pergament, fol. 209 durch Ersatz restauriert.
Seiteneinrichtung: 49 Zeilen (Haupttext). Schriftraum: 21 × 12,5 cm. (Haupttext)
Hände: Italienische Rotunda von einer Hand (Haupttext). Die Glosse von einem anderen Schreiber in hellerer brauner Tinte und später ausgeführt (14. Jh.), sehr wahrscheinlich in Frankreich. An vielen Stellen deutliche Spuren von Bearbeitung: die untere Textschicht oft abgewaschen, um einen neuen Text der Glosse zu schreiben. Zum Teil auch unter Teilverlust der ursprünglichen Ausstattung: Vgl. partiell verschwundene Winde und einen Vogel fol. 1r, zoomorfe Initiale fol. 222v, etc. (siehe auch unter Buchschmuck). Authenticae von einer weiteren Hand geschrieben, oft auf dem Kopfsteg, der Text von blau-rote Winden umrahmt. Nachträge und Glossen (Rand- und Interlinearglossen) von verschiedenen Händen bis ins 15. Jh. Maniculae und weitere Hervorhebungzeichen (Linien, Blumen, Tiere, Gesichter im Profil, N[ota]-Zeichen). Fol. 122v: ein Teil der Glosse gestrichen; fol. 61v, 67v: ein Teil des Hauptextes gewaschen und neu geschrieben. An manchen Stellen Text abgewaschen oder ausradiert, besonders im Apparat, z. B. 121v. Auf dem Kopfsteg Angabe des jeweiligen Buches in römischen Zahlen in den Farben Rot und Blau, mit Buchstabe L[iber] auf der Versoseite. Fol. 155r: Fortsetzung der Randglosse von einer frühnezeitlichen Hand in humanistischer Kursive: Item hic nota mirabilem casum...
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Buchschmuck: Rubriziert. I. Zier- und Drolerieinitialen in Deckfarben. II. Rot-blaue Fleuronnéeinitialen. III. Randfleuronnée und ornamentale Winde. IV. Schematische Darstellung der Arbor actionum mit Miniatur. V. Rote und blaue Lombarden. Rote und blaue Paragraphenzeichen. Nachträge: Am Rande Zeichnungen von verschiedenen Händen und Epochen, häufig von menschlichen Gesichtern im Profil.
  • I. Zier- und Drolerieinitialen.

    Nach der Rubrik, zu Beginn der Abschnitte, die immer mit dem Wort I(mperator) beginnen, 3,5 bis 15,5 cm hohe Initialen (Buchstabe I), durch Drolerieinitialen aus Menschen, Tieren und hybriden Figuren als Ersatzmotiv gebildet. Wenn die Figuren im Interkolumnium zu nah vertikal übereinander stehen, interagieren sie in der Darstellung, gelegentlich auf gemeinsamem blauem Feld mit weißem Dreipunktmuster: Sie werden spiegelverkehrt eingereiht, oder eine Figur beißt oder schluckt die andere. Bei einigen Figuren ist ein Penis nachgetragen worden (vgl. fol. 80r, etc.). Gelegentlich Zierinitialen, rot konturiert, auf blauem Grund mit weißem Dreipunktmuster, der Buchstabenstamm aus Tieren und Phantasiefiguren gebildet. Zu Beginn der einzelnen Bücher (1r, 33v, 54v, 75v, 107r, 145r, 185r, 215r, 238r), neben den Drolerieinitialen auf blauem oder braunem Grund, sind die restlichen Buchstaben des Wortes imperator in langgezogener Majuskelschrift mit den Buchstaben M E O in kleinerem Format geschrieben, alternierend in den Farben Rot und Blau. Sie bilden ein quadratisches Feld, mit vertikalen Perlenketten (mit Kern) auf der linken und rechten Feldseite. Dazu, in der Gegenfarbe, vertikale Linien in der Mitte der Buchstaben oder konturbegleitend. Auf fol. 75v zu Beginn des IV. Buches die Drolerieinitiale I abgewaschen. Insgesamt ca. 490 Ersatzfiguren. Farben: Rot, Gelb, Ocker, Grün, Blau, Braun, Schwarz.

    Als Ersatzmotive für den Buchstabenstamm finden sich:

    • Fisch: 19r, 20r, 30v, 32v, 47v, 48v, 49r, 60r, 60v, 74r, 91r, 103v, 104v, 106r, 113v, 122v, 134r, 134v, 135v, 143r, 149v, 173r, 178v, 195r, 203r, 204v, 205r, 213r, 215v, 216v, 247v, 249v, 252v.
    • Vogel: 21r, 26r, 26v, 27r, 28v, 30v, 42r, 44r, 44v, 46r, 46v, 48v, 49v (zu Hälfte abgewaschen), 50v, 51r, 51v, 53r, 53v, 58r, 60r, 69r, 71v, 76v, 78v, 80r, 81r, 87v, 91v, 93r, 95v (zur Hälfte abgewaschen), 97r, 98v, 100r, 101r, 102v, 114r, 119v, 121v (z. T. abgewaschen), 122v, 126r, 126v, 129v, 131v, 134v, 135v, 136r, 137r, 137v, 138r, 138v, 139v, 140r, 141v, 147v, 149r, 149v, 159v, 163v, 165r, 172r, 180v, 181r, 186v, 190r, 192r, 194r, 194v, 195v, 196r, 198v, 202v, 203r, 207r, 215r, 219v, 221r, 221v, 222v, 224r, 224v, 225r, 231r, 237r, 238v, 239v, 244r, 244v, 248r, 252r, 253r.
    • Hahn: 232v.
    • Hase: 152r.
    • Eule: 113v, 137r, 147r, 167v, 213v, 249r.
    • Teufel: 27v, 172v, 249v.
    • Hund: 232v.
    • Schwein: 117r.
    • Schildkröte: 29r.
    • Schlange: 32v, 30v, 44v, 50r, 136r, 177r, 202r, 247v.
    • Frosch: 38v, 145r, 237v.
    • Grille: 58r, 98r, 205r, 205r.
    • Schnecke: 32v, 31v, 67v.
    • Weibliche Figur: 32v (mit erhobener rechter Hand), 72v (durch Schlange am Fuß gebissen), 83v, 116v (Flöte spielend), 126v, 142v, 160v, 215r, 234r (in ein Horn blasend), 238r (mit zwei Köpfen), 241r (nicht eindeutig), 251v.
    • Männliche Figur: 18v (mit Vierblatt), 18v (nicht eindeutig) (Flöte spielend), 29r (mit Glocke), 33v (den Bart haltend), 54v (mit Maske und Flöte spielend), 72v (mit Messer), 67r (durch eine Glasscheibe schauend?), 77v (eine Krug auf den Schultern tragend), 104r (Flöte spielend), 135r (eine Glascheibe haltend?), 163v, 164v, 172r, 207r, 210r, 211v, 214v, 216r, 239v (tanzend mit Klangstäben), 243r, 246r (in ein Horn blasend).
    • Männliches Gesicht mit Bart: 48v, 98v, 125v, 206v.
    • König: 197v.
    • Hand mit Glocke: 145v, 178r.

    Sonst häufig Drolerien und Mischfiguren aus Menschen, Tieren und phantastischen Wesen gebildet. Vgl. in Auswahl:

    • 31v: Hybride Figur hält Staude in der rechten Hand, mit der Linken weist auf eine Schnecke, die ihm gegenüber steht und sie anschaut.
    • 34r: Löwe mit menschlichem Doppelkopf.
    • 107r: Mensch, im oberen Körperteil geteilt und mit zwei Köpfen, von Frau und Mann.
    • 129v: Doppelköpfiges Wesen.
    • 145v: Zeichnung im unterem Teil des Blattes, koloriert: Zwei oben begabelte, in die Erde aufgestellte Holzpfeile. Quer darauf ein Balken: Galgen?
  • II. Rot-blaue Fleuronnéeinitialen.

    Palmettenfleuronnée. Am Buchstabenstamm in der gleichen Farbe oft senkrechtes Fischgrätenmotiv. Besatz in umgekehrter Farbgebung: Konturbegleitende Fäden, Palmetten (Kreise im Inneren vom Blatt) auch mit pointing-finger-Motiv.

  • III. Randfleuronnée und ornamentale Winde.

    In den Farben Rot und Blau. 11r: zwischen den Spalten Vogelfigur mit fleuronnéeartigem Ausläufer aus Fäden und Palmettenblättern. 119r: eine Krone zwischen den mittleren Spalten an deren oberer Zeile. Ein langer blauer Fleuronnéestab zwischen denselben Spalten ist ausradiert worden. Ebenfalls ausradierte Fleuronnée auf fol. 106r-v, 108r, um Glossen zu schreiben. 71r: zwischen den Spalten rot-blaue Winde. Der mittlere Faden des Windes kommt wie der Atem direkt aus dem Mund eines Frauenkopfes, der Teil einer hybriden Figur im oberen Teil des Interkolumniums darstellt (Ersatzmotiv für den Buchstaben I). Vgl. auch fol. 178r und 204v, wo ebenfalls der blaue Faden für die Konturierung aus dem Mund einer menschlichen Figur im Profil herauskommt. Die Texte der Authentiken werden von rot-blauen horizontalen Winden eingerahmt. Gelegentlich werden diese auch von rot-blauen Federzeichnungen (Vogel, Drachen, Menschen) begleitet. Vgl. fol. 1r (auch Schnecke), 11r, 121r, 128r, 178r, 181r, 182v, 198r, 203r, 204v. Vergleichbar mit Arras, Bibliothèque municipale, Ms 44, siehe fol. 4v.

  • IV. 144r-v: Johannes Bassianus, Arbor actionum. Auf beiden Blätter Rahmen (jeweils 29,5 x 16 und 13,5 x 16 cm), gefüllt mit den Farben Gelb und Grün. Innerhalb des Feldes quadratische Kompartimente (9 in der Breite, jeweils 14 und 6 in der Höhe), gezeichnet durch blaue Linien, darin rote Kreise, fast immer mit Beschriftung in der Innenseite. Rechts vom Schema auf fol. 144r eine weibliche stehende Figur (Jurisprudentia), eine Staude in der erhobenen linken Hand haltend. Ihr Oberkörper wird wie bei dem Hauptschema von einem grünen Rahmen umgeben; darauf Darstellung eines Vogels. Das Podest, auf dem die weibliche Figur steht, wird mit beiden Händen von einer männlichen Gestalt, frei in der Luft schwebend, getragen. Auf fol. 144v eine spätere Hand hat unter dem Schema geschrieben: C LXXII cellule rotunde et VIII quadrag....

  • Nachträge: Zeichnungen von Objekten als Markierung am Rande von verschiedenen Händen und Epochen, z. B. fol. 109v: Hocker und Wappenschild mit Sparrenteilung, darin drei (2,1) Rosen; 122v Glosse eingerahmt und Frauenprofil; feine Randzeichnungen in schwarzer Tinte, gelegentlich auch mit roter Tinte (15./16. Jh.?): 48r: Tierkopf; 69r, 73v: Hand, die ein Trinkglas hält, 102v: Gesicht von Mann im Profil mit Bart, 152r: Gesicht von Mann im Profil mit Hut, 152v: Gesicht von Greis im Profil, 176v: Kopf von kahlem Mann im Profil, 213r: Frau im Profil, 161v: Soldatenkopf mit Schild; auf dem Schild ein Adler, etc.
  • Fol. 68r, 72r, 80r Zeichnung am Rande eines von Rot und Silber geschachten Wappenschildes.
  • 107r: Wappenschild.

  • V. Ein- bis vierzeilige einfache rote und blaue Lombarden im Haupttext. Außeninitialen: Blau, Inneninitialen: Rot. Im Glossenapparat alternierend rote und blaue Lombarden. Dort die Lemmata in Rot unterstrichen.

Einband: Renaissance-Einband. Gepresster Pappeinband mit Kalbslederüberzug. Streicheisenlinien, Rollen und Einzelstempeln. Sämtlich aus Werkstatt: EBDB w007811. Restauriert in der Zeit zwischen 12.01. und 19.09.2000. Vgl. Arbeitsbericht Nr. 5269, in der Restaurierwerkstatt der Göttinger Universitätsbibliothek erhalten. Siehe auch unten, Provenienz. Alte VS und HS abgetrennt und auf der Innenseite von VD und HD geklebt. Vor und nach dem Buchblock jeweils ein Binio aus modernen Papier, nicht nummeriert. Zwischen VS und Vorsatzblättern moderner vorgedruckter Benutzungszettel der Universitätsbibliothek. Auf VS moderne Signatur der Handschrift und Angabe IV (Bleistift); Papierzettel mit dem Hinweis auf vorhandenen Mikrofilm; handgeschriebene Blattzahl und Hinweis, dass Bl. 171 nicht besetzt ist (Bleistift, 15.11.76); aufgeklebter Auszug von Meyers Katalog über diese Handschrift. Auf HS Signaturgruppe (Bleistift): Ms. Jurid und bibliothekarische Prüfzeichen aus den Jahren 1976-2007. Auf dem Rücken (sieben Bünde) zwei moderne Signaturschilder. Goldprägung, z. T. abgesprungen, mit Titelangabe in Majuskelschrift: CODEX … MS … .
Inhalt:
  • I-IV Moderne Vorsatzblätter: leer.
  • Ir-v Mittelalterliches Vorsatzblatt: leer.
  • IIra-IIIvb Rubricae codicis alphabeticae. Alphabetisches Verzeichnis von A bis U (15. Jahrhundert), zweispaltig. Die Buchstaben in roter Tinte nachgezeichnet. Seitenzahlen im Buch auf der linken Seite der Spalte. Anscheinend von der gleichen Hand, die den Codex foliiert und die Rubricae gelegentlich am Kopfsteg nachgetragen hat hat. Ähnliches Verzeichnis in alphabetischer Ordnung von der gleicher Hand auch in 2° Cod. Ms. jurid. 25, fol. Ir-v. Dies beweist, dass zumindest diese beiden Handschriften zum Zeitpunkt der Abfassung der Register eine Gruppe mit einem Besitzer bildeten. Alte Foliierung: I-II.
  • 1r-254vb Codex Iustiniani cum glossa. Bücher I-IX. >Codicis domini Iustiniani sacratissimi imperatoris semper augusti principis repetite prelectionis. Incipiunt constitutiones<. Ein Teil der Rubrik auf Rasur. Imperator Hec que necessario corrigenda esse multis recto principibus … — … paterne testem habeant. >Explicit Codex domini Just[iniani]<. Authenticae in den Rändern mit verziehrtem Rahmen (siehe Ausstattung). Authenticae Kaisers Friedrichs nachgetragen.
    Edition:
    • Corpus iuris civilis. Volumen secundum. Codex Iustinianus, hrsg. von P. Krüger, Dublin 196714.
  • Bibliographie:
    • Coing, S. 160-162.
    • The corpus iuris civilis in the Middle Ages. Manuscripts and Transmission from the Sixth Century to the Juristic Revival, hrsg. von C. M. Radding und A. Ciaralli, Leiden 2007 (Brill's studies in intellectual history 147), bes. S. 133-168.
  • Glossenapparate.
    • (1ra-254vb) Accursius: Apparatus ad codicem. 14. Jh.
    • Edition:
      • Accursi glossa in codicem, Augustae Taurinorum 1968. ND der Edition Venetiis 1488 (Corpus glossatorum juris civilis 10).
    • (1ra-236va) Iacobus et alii: Apparatus ad codicem. Interlineare Glossen erhalten, mit Sigle Ia.
    • (236vb-254vb) Hugolinus de Presbyteris: Apparatus ad codicem, finis. Durch Rasur unkenntlich gemacht. Spuren von Schrift und die Sigel h (fol. 245rb) noch erkennbar.
  • Additiones et repetitiones.
    • (21va-b) Benedictus de Isernia (?): Tractatus de quartis. Quot sunt quarte et quid in qualibus … — … de successione libertorum. Coing, S. 237, 274.
    • (25ra-b) Iacobus (?): Repetitio ad authenticam "Sacramenta puberum" post C. 2,26,1. Idest: Iuramenta super sacro corporaliter prestita … — … cum concordantiis ibi positis.
    • (25va-b) Repetitio ad C. 1.18.7. Error facti. In rubrica duo sunt dicta … — … et videret quam ipse qui luderet.
    • (27va-b) Repetitio ad C.1.22.2. Prescriptione mendaciorum. Nota in principio quod rubrica duas habet partes … — … Et si legibus.
    • (32va-33ra) Iacobus: Repetitio ad C. 2.3.12. Infra. de pactis. Pacta novissima In lege ista premittit … — … Et hec in presenti lege dicta sufficiant, salvis aliis que in apparatu notantur. Ia.
    • (33ra) Benedictus?: Distinctio ad C.2.3.29. Cum duo paciscuntur de successione futura … — … vel non succedat. Be.
    • (188va-189ra) Repetitio ad C. 8.52.2. In nomine domini nostri Iesu Christi, sacratissime Marie eiusque genitoris gloriose totiusque celestis curie amen. In repeticione huius legis … — … quod notatur in dicto § primo in glosa.
    • In den Siglen für Autoren in den Additiones und Glossae (13. und 14. Jh.) sind folgende Rechtsgelehrten erwähnt (siehe Dolezalek, Repertorium, S. 203): chy. (= Cinus Pistoriensis?), Ia. de re (= Jacobus de Ravanis), Tho. cor., Dynus(= Dinus Mugellanus), Odo (= = Odofredus de Denariis), Oldracus (= Oldradus de Ponte), B. saporis (= Bernardus Saporis), B. de scandalis, Cle. de Fraxino (= Clemens de Fraxino), zitiert in einem Dokument vom König von Frankreich Philippe le Bel im Jahr 1310 als professor legum. Vgl. Histoire Civile, Ecclésiastique, Et Littéraire De La Ville De Nismes, hrsg. von M. Ménard, Paris 1752, Nr. 137, S. 219. Plasen. (= Placentinus ?), Ia. de Revenna (= Jacobus de Ravanis), G. de duroforti (= Guillelmus de Duroforti), G. de Ferrariis, p. de bellapertica(= Petrus de Bellapertica), Ia. de arena (= Jacobus de Arena), Symon, Ray (= Raimundus de Pennaforte ?), franciscus (= Franciscus de Esculo ?).
    • (143va-b) Prologus in arborem actionum Johannis Bassiani. Quoniam homines natura sua scire desiderant … — … vere arboris compositione iudicabis.
    • (143vb-144v) Commentarius ad arborem actionum Johannis Bassiani. Queritur primo quare pretorias … — … de iudiciis. Inter litigatores.
    • (144r-v) Johannes Bassianus: Arbor actionum. Publiciana … — … actio ingrati.
    • (144va-b) Distinctio de actionibus. Actionum omnium alie sunt pretorie, alie civiles.
    • (254v) Auf dem Fußsteg Schrift abgewaschen. Noch sichtbar sind ein Notarszeichen und ein Monogramm, aus den Buchstaben TSL gebildet.
    • (255r-v) leer.
    Edition:
    • Johannes Bassianus, Arbor actionum, hrsg. von A. von Brinz, Erlangen 1854².
    Literatur:
    • Coing, S. 392-396.
    • A. Errera, Arbor actionum. Genere letterario e forma di classificazione delle azioni nella dottrina dei glossatori, Bologna 1995 (Archivio per la storia del diritto medioevale e moderno. Studi e testi 1), unter Verwendung dieser Handschrift, vgl. S. 343, 344, 346, 349, S. 351 (Textgruppe D).
  • (V-VIII) Moderne Vorsatzblätter: leer.
Entstehung der Handschrift: Schriftypus und Ausstattung weisen auf Oberitalien (Padua? Pavia?) und auf die Mitte des 13. Jh. hin. Vergleichbar für Fleuronnéeinitialen, ornamentale Winde und Auszeichnungsschrift zu Beginn der Bücher ist z. B. die Handschrift Bamberg, Staatsbibliothek, Msc.Jurid.7. Vgl. Beschreibung in Bamberg Illuminierte Hss., 3,2, Kat.-Nr. 176, S. 262-263, Abb. 539-542, mit weiteren Vergleichsbeispielen. Vgl. auch München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 22, dieser sehr ähnlich für die Farbenpalette mit viel Grün, Clm 18087, Clm 3879, Clm 10247. Dazu Bauer-Eberhardt, Illuminierte Hss. ital. Herkunft, 2, Textband, Kat.-Nr. 118, 91, 93, 97, S. 126-127, 95-97, 99-100. Auch das Notarsignet auf fol. 254v könnte von einem norditalienischen Notar stammen (freundlicher Hinweis von Juliane Trede).
Provenienz der Handschrift: Provenienz: Im 14. Jahrhundert befand sich der Codex höchstwahrscheinlich in Frankreich, wo zahlreiche Glossae ad codicem hinzugefügt wurden (einige Additiones waren schon im 13. Jh. vorhanden): siehe Dolezalek, Repertorium S. 203. Im 16. und vielleicht schon im 15. Jahrhundert befand sich die Handschrift in Deutschland. Dafür sprechen: Die spätmittelalterlichen Nachträge, der Stil des Renaissance-Einbandes, die Zeichnung auf fol. 161v von einem Soldaten mit Schild und Reichsadler. Auf fol. 155r ein Nachtrag in humanistischer Minuskel könnte von der Hand eines früheren Besitzers stammen. Im 18. Jaharhundert gehörte der Codex - zusammen mit einer Gruppe weiterer Rechtshandschriften - Christian Gottlieb Schwarz (1675-1751). Dieser studierte in Leipzig, ab 1709 wurde er Professor in Altdorf für Beredsamkeit, später (ab 1735) für Geschichte. 1723 war er Comes palatinus ernannt worden. In Altdorf übte er zudem das Amt des Bibliothekars aus. Zu seiner Person siehe Allgemeines Gelehrten-Lexicon [...], hrsg. von C. G. Jöcher, Bd. 4: S - Z, Leipzig 1751, Sp. 400-402; G. A. Will, Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon [...], ergänzt und fortgesetzt von C. C. Nopitsch, Theil 3.: N - S, Nürnberg 1757 (ND Neustadt an der Aisch 1997), S. 628-647. Darin, S. 631, wird auch seine Bibliothek gepriesen: "Seine Bibliothek gehöret unter die zahlreichen und ansehnlichen. Es war in derselben unter anderen ein Schatz von Aldinischen Ausgaben, Manuscripten und Büchern des ersten Druckes"; R. Hoche, Art. Schwarz, Christian Gottlieb, in Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 227-228. Zu der genannten Gruppe von Rechtshandschriften in der Sammlung Schwarz siehe schon Meyer, in Göttingen 1, S. 312. Die Zusammengehörigkeit der Codices des Jus civile, auch mit Berücksichtigung der einheitlichen Einbände, wurde auch im Auktionskatalog, erschienen in zwei Teilen im Jahr 1769, hervorgehoben. Vgl. Bibliothecae Schwarzianae [...] Pars 2: Catalogus Librorum continens Codices Manuscriptos Vetustos Et Libros Saeculo XV ab incunabulis [...], Norimbergae 1769, S. 1 (auf die Nr. I-VI bezogen): "Opus Mst. membranaceum insigne, optimeque conservatum, ius Iustinianeum continens, atque sex voluminibus in folio maiore, singulis corio suillo compactis, constans". Dort unter Volumen II Beschreibung dieser Handschrift: "huius Ms. continet codicis repetite praelectionis libros IX cum glossis, ac habet folia 256, nec tot tantisque figuris instructus est, ceu primum, at ipsum tamen sartum ac integrum". Die anderen Göttinger Codices, die zusammen in die Universitätsbibliothek eingingen, sind: 2° Cod. Ms. jurid. 23, 24, 25, 27 und 28. Zu dieser Gruppe vgl. auch die Beschreibung in Bibliotheksarchiv, Kataloge, 67:4, S. 2, unter Jus Romanum, Codices manuscripti latini, Folio, Juridici: Codex membr. … Corpus juris glossatum, quinque voluminibus … [= 23-27], zu dem auch Nr. 28 hinzugefügt wird. Zu diesem steht: Redemptus hic codex ab heredibus Chr. Gottl. Schwarzii anno 1772. Zu der ursprünglichen Gruppe ist auf Grund der gleichen Einbandstempel auch die Handschrift 2° Cod. Ms. jurid. 155 mitzurechnen, die allerdings getrennte Wege der Überlieferung genommen hat und durch andere Vorbesitzer in die Göttinger Bibliothek kam. Wie C. G. Schwarz in Besitz dieser Handschriftengruppe kam, ist unbekannt. In seiner Edition von Martin Luthers Briefe, C. G. Schwarz, Lectorem Benevolvm Ad Orationem De Praecipvis Rebvs Memorabilibvs [...] Epistolas VIII. B. Mart. Lvtheri Ex Avtographis Primvm Recenset, Altorfii 1741, S. 2-3, berichtet er, diese aus der Familie Scheurl in Nurnberg erhalten zu haben: "quarum epistolarum, nondum antea typis exscriptarum, exempla autographa nobiscum communicata fuere a Generosissima Gente Dominorum Schevrliorum de Defersdorf". Adressat war Christoph (II.) Scheurl (1481-1542) gewesen. Dieser studierte ab 1498 in Bologna, reiste weiter in Italien und nach Rom, bis er nach Bologna zurückkehrte und dort am 22.12.1506 zum Dr. iur. utr. promoviert wurde. Danach wurde er Professor der Rechte an der Universität Wittenberg (1507-1512), ab 1512 Rechtskonsulent in Nürnberg. Vgl. C. A. Stumpf, Art. Scheurl, Christoph, in Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 715-716; Christoph Scheurl (GND: 118754815), in: RAG, Repertorium Academicum Germanicum [http://www.rag-online.org/pnd/118754815]; F. Fuchs, Scheurl (Schewrllius, Scheuerleyn), Christoph (II.), F. J. Worstbrock (Hg.), Deutscher Humanismus 1480 – 1520. VL 2 (2012), Sp. 840-877. Zu seinem Freundeskreis und seiner Bibliothek: B. Wagner, Nürnberger Büchersammler um 1500. Inkunabeln aus dem Besitz von Christoph Scheurl und einigen seiner Zeitgenossen in Oxforder Bibliotheken, in Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 82 (1995), S. 69-87; F. Kahle, Dr. Christoph Scheurls Briefverzeichnis und seine Würzburger Korrespondenten, in M. Frankl und M. Hartmann (Hg.), Herbipolis. Studien zu Stadt und Hochstift Würzburg in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, Würzburg 2015, S. 427-443; R. Jürgensen, Bibliotheca Norica. Patrizier und Gelehrtenbibliotheken in Nürnberg zwischen Mittelalter und Aufklärung, Wiesbaden 2002 (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen 43), S. 34. Die Familie Scheurl könnte Rechtshandschriften aus der ehem. Bibliothek von Christoph Scheurl, die er eventuell in Rom und Bologna während seiner Studienzeit gekauft hatte, an Schwarz geäußert haben. Scheurl selbst erzählt in einem Brief an Wolfgang Pollich (05.01.1509), wie er sich intensiv dem ius civile während seines Studiums gewidmet hatte: "Contulique me totum ad iuris civilis disciplinam, quae quasi Tarpeia arx urbe direpta adhuc superest inviolata, sancta, ornata, aurea, unde etiam nonnihil humanarum litterarum hausi". In: Christoph Scheurl's Briefbuch. Ein Beitrag zur Geschichte der Reformation und ihrer Zeit, hrsg. von F. von Soden und J. K. F. Knaake, Potsdam 1867, S. 54. Es gibt allerdings keinen festen Anhaltspunkt, um diese Provenienz zu bestätigen. Aus demselben Nürnberger Milieu der Patrizier- und Juristenfamilien könnte man auch an Sixtus Tucher denken (1459-1507), Doctor utriusque juris, der in Heidelberg, Padua, Pavia, Bologna (Promotion: 1485) und Paris Jura studierte, später Professor und Rektor an der Universität Ingolstadt war, bevor er Propst in St. Laurentius in Nürnberg wurde. Vgl. B. Butts and L. Hendrix, Painting on Light: Drawings and Stained Glass in the Age of Durer and Holbein, Los Angeles 2000, S. 110-111; Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten, hrsg. von Ch. von Imhoff, Nürnberg 1984, S. 69-70; A. Landois, Gelehrtentum und Patrizierstand. Wirkungskreise des Nürnberger Humanisten Syxtus Tucher (1459-1507), Tübingen 2014. Dort. S. 248, Anm. 621, wird auf 26 Rechtsbücher verwiesen, die testamentarisch an das Kartäuserkloster in Nürnberg gingen. Das frühneuzeitliche Monogramm TSL könnte auf einen Besitzer aus dieser Familie hinweisen.
Erwerb der Handschrift: Zusammen mit anderen Handschriften von Schwarz' Schwiegersohn Johann Nikolaus Weiss, Professor der Anatomie in Altdorf (1702-1783) im Jahr 1773 von der Universität erworben. Vgl. Göttingen 1, S. 312; Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, Bibliotheks-Archiv, Manual 1773, S. 153, hier diese Handschrift unter Vol. IV genannt: Anno 1773 angek[kommen] den 5 Septemb. Aus der Schwarzischen Bibliothek in Nürnberg ist gekauft worden Corpus Juris civ. glossatum. Cod. Ms. membran. quinque voluminibus; quibus accedit vol. VI. Vol. I Digestum vetus - Vol. II. Digestum infortiatum - Vol. III. Digestum novum. Vol. IV. Codicis Lib. I-IX. - Vol. V. Institutiones, Codicis Lib. X. XI. XII Authenticae et libri feudorum. Accedit Vol. VI Digesti [...].. Zu beachten ist die Systematisierung der Inhalte, die hier im Vergleich zum Auktionskatalog gemacht wird. Neben den Handschriften wurden aus der Bibliotheca Schwarziana auch 39 Inkunabeln erworben: Vgl. Gutenberg und der europäische Frühdruck, S. 38-40. Auf. Fol. IIr und fol. 1r in der unteren rechten Ecke schwarzer ovaler Stempel (3 x 4 cm): EX BIBLIOTHECA REGIA ACADEM. GEORGIAE AUG.. Dieser Stempeltypus war in Benutzung ab 1880. Vgl. Bibliotheksstempel, S. 93.
Bibliographie
Handschriftenteil:

Abgekürzt zitierte Literatur

Bibliotheksstempel Bibliotheksstempel: Besitzvermerke von Bibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland, hrsg. von A. Jammers, Wiesbaden 1998 (Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz 6)
Coing H. Coing, Römisches Recht in Deutschland, Milano 1964 (Ius Romanum Medii Aevi 5,6)
Dolezalek G. Dolezalek, Verzeichnis der Handschriften zum Römischen Recht bis 1600, Bd. 1–4, Frankfurt/M. 1972
EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
Göttingen 1 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 1: Universitäts-Bibliothek: Philologie, Literärgeschichte, Philosophie, Jurisprudenz, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
Gutenberg und der europäische Frühdruck H. Kind und H. Rohlfing, Gutenberg und der europäische Frühdruck. Zur Erwerbungsgeschichte der Göttinger Inkunabelsammlung, Göttingen 1995

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