de :: en
Permalink: PURL

Suche

Anzeigen als: XML :: Print

Beschreibung von Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 2° Cod.Ms. jurid. 392
Lukas Wolfinger: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen volkssprachigen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Lukas Wolfinger.
Handschriftentitel: Sachsenspiegel-Landrecht mit Glosse
Entstehungsort: Hameln (?)
Entstehungszeit:
  • 14. Jh., 3. V.
  • 15. Jh., 1. V.
Katalognummer: Meyer-Sign. Jurid. 392
Beschreibstoff:
  • Papier;
  • Wasserzeichen Teil I: Kreisring (WZIS DE3270-jurid392_4; vom Motiv her ähnliche Wasserzeichen 1358, Frankfurt und 1362, Minzenberg); Kreisring (WZIS DE3270-jurid392_6; vom Motiv her ähnliche Wasserzeichen 1358, Frankfurt und 1362, Minzenberg); Kreis (WZIS DE3270-jurid392_54; die ähnlichsten Motive aus den 1350/60er Jahren); Kreis mit Stern (WZIS DE3270-jurid392_72; die ähnlichsten Motive aus den 1350er/60er Jahren); Kreis mit Stern (WZIS DE3270-jurid392_66; die ähnlichsten Motive aus den 1350er/60er Jahren); Wasserzeichen Teil II: Schlüssel 45° (WZIS DE3270-jurid392_150; ähnliche Wasserzeichen: WZIS DE2730-PO-121555 – 1418/Frankfurt a. M. und WZIS DE8100-PO-121539 – 1418; die ganze Motivgruppe ist auf die Jahre 1417-1419 beschränkt); Schlüssel 90° (WZIS DE3270-jurid392_149b; ähnliches Wasserzeichen WZIS DE8100-PO-121540 – 1418); Wasserzeichen der späteren Zusätze: auf modernem Notizbl. (Bl. I; nach 1791) die Buchstaben 'HGR' (WZIS DE3270-jurid392_I); auf dem Brief des Karl Gottlob von Anton (Bl. II-III) aus dem Jahr 1791 Schwerter mit dem Buchstaben 'S' als Gegenmarke (WZIS DE3270-jurid392_II und WZIS DE3270-jurid392_III); zudem auf dem wohl etwas älteren Vorsatzbl. (Bl. IV) ein bislang nicht nachgewiesenes Einhorn (WZIS DE3270-jurid392_IV).
Umfang: IV, 154 Bl.
Format: 29,8-30,5 × 19,7-20,5 cm
2
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung (modern): 1-150 (dabei wurden nach Bl. 149 vier leere Bl. zuerst nicht in die Foliierung einbezogen, die nun als 149a-d gezählt sind).
Lagenstruktur: auf die später eingefügten Bl. zu Beginn der Handschrift (Notizbl., Brief und Vorsatzbl.; s. unter Inhalt) folgen: VIII (16). 3 VI (52). 7 IV (108). 2 VI (132). III-1 (137). IV (145). VI-3 (150!); die letzten beiden Lagen (= Teil II) sind erst später hinzugefügt; nach Bl. 137 ist ein – wohl leeres – Bl. weggeschnitten, zudem sind vom Sexternio der letzten Lage drei leere Bl. entfernt.
Hände: Die beiden Teile der Handschrift wurden von je einer Hand geschrieben (14. und 15. Jh., s. dazu die betreffenden Teile); von einer weiteren Hand – wenigstens vorrangig – stammen vermutlich die Einträge bzw. Federproben und Verse auf 145v und 150r-v (und vielleicht auch die Federzeichnungen auf 137v und 150v); von einer noch späteren zahlreiche Bearbeitungs- bzw. Nutzerspuren in Teil I (s. dazu ebd.);
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: anspruchslose Ausstattung (s. bei den beiden Teilen der Handschrift).

Auf 137v und 150v (neben den erwähnten Federproben und Versen) auch schlichte Federzeichnungen in normaler Tinte: Halbfigur einer Person (137v); Drache, Gesicht und Kirche (oder Burg?) (150v). Da diese Zeichnungen wohl von derselben Hand stammen, dürften sie erst nach der Anfertigung und Einfügung der beiden jüngeren Lagen am Ende bzw. nach der Bindung der Handschrift entstanden sein – und damit nicht vor ca. 1420 (s. unter Herkunft).

Einband: Mittelalterlicher Einband: dunkelbraunes Leder über Holzdeckeln, durch Abrieb sowie mehrere Ritzungen/Schnitte stark in Mitleidenschaft gezogen; ehemals zwei Schließen, von denen nur noch Nägel von der Befestigung am HD vorhanden sind; der Einband kann erst nach der Hinzufügung der letzten beiden Lagen (=Teil II) um 1420 entstanden sein; am Rücken in Goldprägung die neuzeitliche Inhaltsangabe Sachsenspiegel/ Mscpt sowie ein Papierschildchen mit moderner Göttinger Signatur; diese auch am VS mit Bleistift eingetragen (Cod. Ms. jurid. 392); der VS und HS aus Leder; auf dem Letzteren unten eingetragen die alte Göttinger Signatur Mss. Jurid. 16 sowie – darüber – der Literaturverweis auf Homeyer, Verzeichnis 268 sowie der Eintrag r=16 (?).
Zusatzmaterial:

Fragmente: Zwei Pergamentstreifen einer Handschrift mit lateinischen Kommentartext (noch nicht genauer zu identifizieren); jeweils ca. 1-1,5 cm hoch und 26,5 cm breit; die Bl. der betreffenden Handschrift hatten wohl Oktav-Format sowie zwei Spalten); in sehr kleiner, zarter Buchkursive des 14. Jhs. geschrieben, die Zitate des kommentierten Textes in größerer Schrift; beide Streifen vermutlich bei der Restaurierung der vorliegenden Handschrift ausgelöst (Falzverstärkungen der letzten beiden Lagen?); nun am HS mittels zweier Schlaufen aus Pergament lose befestigt.

Entstehung der Handschrift: Herkunft: Die Wasserzeichen sprechen am ehesten für eine Entstehung des Hauptteils der Handschrift (Teil I bzw. Bl. 1-137) in den 1350er- bis 1360er-Jahren. Um 1420 scheint er durch die fehlenden Artikel des Landrechts ergänzt und mit dem erhaltenen Einband versehen worden zu sein. Junge, Der Hamelner 'Sachsenspiegel', S. 38 nahm aufgrund der Verse 'De regimine sacerdotis' auf 137v an, die Handschrift sei von einem Geistlichen geschrieben worden; diese These ist jedoch keineswegs zwingend – allein schon deshalb, weil diese Verse, die auch sonst mehrfach überliefert sind, durchaus nicht nur von einem Kleriker eingetragen sein können. Vor allem aber stammen sie nicht von der Anlagehand, sondern wurden von einem anderen, deutlich späteren Schreiber eingetragen (15. Jh.), der auch erst nach der Bindung der Handschrift um 1420 tätig gewesen sein könnte. Eine intensivere Nutzung des Bandes belegen neben den späteren Einträgen und Zeichnungen auf 137v, 145v und 150r-v – diese Seiten waren ursprünglich leer – insbesondere auch die lateinischen Stichworte bzw. Angaben zum Inhalt, die in Teil I am Rand der Spalten nachgetragen wurden (2. Hälfte 15. Jh./um 1500).
Provenienz der Handschrift:
  • Über die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Vorbesitzer des Bandes ist sonst nichts bekannt, außer dass er im 18. Jh. der Stadt Hameln gehörte. Damals wurde er von Christian Ulrich Grupen für seine Arbeiten zum Sachsenspiegel verwendet (vgl. Grupen, Disceptationes forenses, Vorrede; zudem s.: Göttingische Zeitung von gelehrten Sachen, 1745, S. 99-100);
  • in der Folge könnte er über C. U. Grupen, der 1743 seine Bibliothek dem Oberappellationsgericht in Celle vermachte, und/oder die Landesregierung (etwa Gerlach Adolph von Münchhausen, seit 1732 Großvogt in Celle) weiter nach Göttingen gelangt sein.
  • Laut den Einträgen im entsprechenden Band der Accessionsbücher zum Bülowschen Katalog wurde die Handschrift nämlich 1744 von der Göttinger UB erworben; vgl. dazu im Archiv der SUB, Alte Kataloge, Nr. 48: Inventarium librorum Bibliothecae Bülowianae, quae Academiae Georgia-Augustae donata est, illatorum, Bd. 1: 1735-1744; hier steht auf S. 854 an erster Stelle unter den Addenda: J. 3259. Der Sachsen=Spiegel, mit der Glosse im Manuscript. fol.; die hier genannte Accessionsnummer ist auch eingetragen auf 1v der Handschrift; ebd. zudem der älteste Göttinger Bibliotheksstempel.
Inhalt:
  • Ir-v leer, abgesehen von Notizen und Literaturverweisen zur Handschrift (von 2-3 Händen des späten 18. oder beginnenden 19. Jhs.) auf Iv, insbesondere auch den im Folgenden eingeklebten Brief betreffend.
  • IIr-IIIv Brief von Karl Gottlob Anton (1751-1818) an den Direktor UB Göttingen , Christian Gottlob Heyne, vom 17.03.1791, enthaltend eine Einordnung der vorliegenden Glossenhandschrift und Fragen der Literaturbeschaffung sowie weitere kurze Nachrichten. Das Schreiben des Görlitzer Rechtskonsulenten Karl Gottlob Anton diente offenkundig als Begleitbrief bei der Rücksendung der Handschrift aus Görlitz, wohin sie geschickt bzw. ausgeliehen worden war; das Doppelbl. des Briefes ist dem eigentlichen Vorsatzbl. der Handschrift (Bl. IV) vorangeklebt und als Bl. II-III in die Foliierung einbezogen; zum Papier s. unter Wasserzeichen.
  • IVr-v leer.
Bibliographie
Handschriftenteil: I
Entstehungszeit: 14. Jh., 3. V.
Zustand: Zahlreiche Schmutz- und Stock- oder Wasserflecken; relativ grobes Papier, an den Rändern sehr unregelmäßig, entweder aufgrund von fehlendem bzw. unzureichendem Beschnitt oder aufgrund von Beschädigungen;
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 22,5-24,5 × 15,2-16,5 cm; zweispaltig (Glosse jeweils auf den Text des Landrechts folgend) oder Glosse neben dem Haupttext; 51-54 Zeilen
Hände: ; gotische Buchkursive von einer geübten Hand, aber anspruchslos geschrieben; von derselben mehrfach auch Korrekturen; zudem neben den Spalten bzw. an den Seitenrändern Stichworte sowie weitere Angaben oder Glossen zum Text bzw. zu seinem Inhalt in Latein, großteils wohl von einer Hand (um 1500 tätig);
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: zudem an den Seiten- bzw. Spaltenrändern verlaufend zweifache Artikelzählung (in römischen Zahlzeichen sowie arabischen Ziffern) und, wenigstens teilweise, Paragraphenzählung (diese wohl jedoch von derselben deutlich späteren Hand, die auch die lat. Stichworte, etc. am Rand eintrug; s. oben); darüber hinaus zumeist Buchzählung mittig am oberen Seitenrand sowie Artikelzählung am unteren (1r-61r sowie 89r-111r; mittig oder passend bei den betreffenden Spalten) – jeweils in römischen Zahlzeichen; zudem auf 6v-15r am Seitenrand über dem Haupttext Artikelzählung samt Überschrift bzw. Inhaltsangaben zu Beginn der einzelnen Artikel; nicht rubriziert; Initialen vorgeschrieben aber zumeist nicht ausgeführt (außer auf 20v-21r, 112r, 119v); Streichungen sowie Unterstreichungen (Zitate und Allegationen) in normaler Tinte; bisweilen Zeigehände (etwa 13r, 41r, 97r, 103v, 104v, 116v) und Nota-Vermerke.
Geschichte der Handschrift:

Die Wasserzeichen sprechen am ehesten für eine Entstehung dieses Hauptteils der Handschrift in den 1350er- bis 1370er-Jahren – eine Einordnung, zu der die Form der Schrift durchaus passend erscheint; abgesehen von dem Abkürzungs-Schlüssel am oberen Seitenrand stammen die Verse, Zeichnungen und anderen Einträge auf 137v, anders als Junge, Der Hamelner 'Sachsenspiegel', S. 38 suggeriert, nicht von der Anlagehand, sondern aus deutlich späterer Zeit.

Inhalt:
  • 1r-137v Eike von Repgow: Sachsenspiegel-Landrecht mit Glosse des Johannes von Buch (Klasse I/Kürzere Glosse, Ordnung Ib).
    • (1ra-4rb) Register zu Buch I-III des Sachsenspiegel-Landrechts mit Glosse.
      • (1ra-2ra) Register zu Buch I , in 64 Artikeln: >Incipit registrum<. (über dem Schriftrahmen eingetragen). I. Van twen swerden de ghod vp ertrike let … — … LXIIII. Van deme ghekornen ghogreuen vnde van deme beleneden richtere; vnde in der glosen, we de nederen vestinghe in de hoghesten bringhen magh.
      • (2ra-3va) Register zu Buch II , in 70 Artikeln: >Hir beghind dat registrum des anderen bokes<. I. Wor vorsten eder heren sek mid eiden to samene sekerd; vnde in der glosen seght he van twierleien vorsten. … — … LXX. Of en vppe siner borgh vredebrekere hald weder recht vm men den vnde de borgh vor volghen schal. Vnde of men ouer enen klaghed dat he van ener borgh ghe soght hebbe.
      • (3va-4rb) Register zu Buch III , mit 47 Artikeln: >Hir neyst beghind sek dat registrum des dridden bokes<. Van vngherichte. I. Van vngherichte vnde vmme welk vngherichte men ghebuwe up slite vnde van nothoghe wiue vnde meghede … — … XLVII. We len an gherichte hebben magh unde wene men nicht to koninghe kesen mot vnde watte recht de koningh hebben schal.
      Das Register entspricht im Wortlaut weitgehend jenem des Quakenbrücker Codex (Hoene, Codex Quakenbrugensis, S. 78-93), allerdings unterscheiden sich die Überschriften zu den Büchern und die Zählung der Artikel teilweise; zudem reicht das Register im III. Buch nur bis Artikel XLVII (entspricht Artikel 53 im Register des Quakenbrücker Codex). Es handelt sich bei dieser Variante des Registers zu Buch 1-3 um die für die Handschriften der Klasse I der Kürzeren Landrechts-Glosse typische Fassung, die Homeyer, Die Genealogie, S. 185, als Nr. X bezeichnet (unterscheidet sich deutlich von der bei Kaufmann, Glossen zum Sachsenspiegel-Landrecht. Buch'sche Glosse, Bd. 1, S. 3-46 gedruckten Fassung).
    • (4va-5vb) Prolog. >Hye hebit sich an daz lantrecht<. Des heylighen gheystes minne sterke mine sinne, dat ek recht vnde vnrecht der Sassen beschede nagh ghoddes hulden … — … de vns ghude gheystlike lude vnde keysere gheuen hebben Constantin vnde Karl an de we vses rechten ten.
    • (6ra-43rb) I. Buch , in 64 Artikeln: Twey swerder let ghod in ertrike tho beschermende de kristenheyt deme pauese dat gheystlike deme keysere dat wertlike … — … wente wanne he richtet so schal he sek serer vroghten wen ienne ouer den he richtet wente dar richted ghod ieghenwardichliken vt c. li.o IIIo rub. de iudiciis l. rem non nouam et in decr. XXII ca. qu. Va c. Cauete etc.
    • (43va-44va) Register zu Buch II , mit 47 bzw. 46 Artikeln (von Artikel XLVII ist nur das römische Zahlzeichen vorhanden, der Text hingegen fehlt). Incipit registrum libri secundi. Wor vorsten eder heren sek mid eden to samene sekerd … — … vnde in der glosen seght he we teghoden hebben schullen vnde moghe. XLVII. Da der angekündigte Text zu Artikel 47 fehlt, bricht das Register bei jenem Artikel ab, der im Quakenbrücker Codex als Artikel XLV gezählt ist, d. h. die dortigen Art. XLVI-LXIX fehlen (vgl. Hoene, Codex Quakenbrugensis, S. 81-86).
    • (45ra-87rb) II. Buch , in 70 Artikeln. Wor vorsten eder heren sek mid eiden to samene sekerd se ne bescheden dat rike dar buten so hebbet se weder dat rike ghedan … — … Tho dem verden of he dat annamed vnde stede haldet vt supra ar.o XIIIo et Inst. li.o III.o de obligacionibus que ex delicto nascuntur § manifesto, § interdictum et in autent. sed vt liceat matri et auie § quia vero et § Si autem collacione VIIIaa.
    • (87va-89ra) Register zu Buch III , in 70 Artikeln. Incipit liber tercius [Hir beghind des dridden bokes registrum.] I. Van vngherichte vnde vmme welk vngherichte men ghebuwe vp slite vnde van nothoge wiue vnde meghede … — … vnde of men enen denstman eder enen eghenen man .vry. let watte rechtes de behald. Am unteren Seitenrand von 89ra steht nach dem Ende des Registers der auch in anderen Handschriften überlieferte Hinweis: Hir aghtene in disseme dridden boke sind .XII. articuli vnde ore glosen nicht dar vmme stan se ok hir nicht in deme registro (s. dazu bzw. zu weiteren Handschriften mit diesem Vermerk Homeyer, Die Genealogie, S. 118).
    • (89ra-137r) III. Buch , in 71 Artikeln. Vmme nen ungherichte schal men vp howen dorp ghebuwe id ne si dat dar maghet eder wif inne ghenodeghet werde … — … [D]enstman eruet vnde nymd etc. Went he erliken to ende ghebraght heft aller Sassen recht vnde heft gheseght beyde van der lude ere vnde gehude vnde wo vnde weme eghen ledich wert. Nu sat he hir sinen lesten articulum. Finis est.
    • (137v) Schlüssel zu Abkürzungen , die in den Rubriken und Glossen der vorliegenden Handschrift und anderer Rechtshandschriften gebräuchlich sind (etwa col. für collacio); von derselben Hand geschrieben wie der Haupttext.
    Druck (nach anderer Überlieferung): Hoene, Codex Quakenbrugensis (Register: S. 78-93; Prolog: S. 94-97; Buch I: S. 97-184; Buch II: 185-274; Buch III: S. 275-381); zum Text der Glosse s. überdies die entsprechenden Passagen in der Edition bei: Kaufmann, Glossen zum Sachsenspiegel-Landrecht. Buch'sche Glosse, Bd. 1-3 (Prolog: Bd. 1, S. 109, Z. 1-S. 121, Z. 11; Buch I: S. 134, Z. 3-S. 510, Z. 1; Buch II: Bd. 2, S. 513, Z. 4-S. 912, Z. 10; Buch III: Bd. 2, S. 916, Z. 6 - Bd. 3, S. 1485, Z. 12). Mit der Landrechtsglosse in der Fassung der I. Ordnung (Ib) und der speziell darin vorkommenden Variante des Registers (Variante Nr. X nach Homeyer, Die Genealogie, S. 185) überliefert die vorliegende Handschrift eine Form des Textes, die relativ nahe an seiner frühesten Fassung stehen dürfte. Dies erscheint umso bedeutsamer, als die Wasserzeichen eine Datierung der Handschrift bereits in den 1350er/60er-Jahren nahe legen. Damit würde sie zu den ältesten bekannten Textzeugen der Buch'schen Glosse gehören, wenn sie nicht sogar überhaupt der älteste erhaltene sein sollte. Letzteres nahm Junge, Der Hamelner 'Sachsenspiegel', S. 37 an; er verwies für diese These auf die Aussage von Karl Gottlob Anton, der in seinem Brief darlegte, dass die Göttinger Handschrift eine der wenigen sei, die noch die alte ursprüngliche Eintheilung haben, führte sonst aber keine weiteren Argumente für seine These an. Die wechselnde Gestalt des Layouts (Glosse in manchen Abschnitten neben dem Text des Sachsenspiegel-Landrechts, in den übrigen Abschnitten hingegen den einzelnen Artikeln nachfolgend) könnte als Indiz dafür zu werten sein, dass bei der Erstellung der vorliegenden Handschrift mehrere Vorlagen verwendet wurden.
  • 137v Versus de regimine sacerdotis. Presbyter attente capias hec docmata mente … — … Turpia nec verba tua sint nec mensque superba. 6 Verse; Druck: Schillmann, Verzeichnis, S. 119 (nach der Fassung in: Staatsbibliothek Berlin, Ms. lat. qu. 693, 158vb); ebd. auch Angaben zu weiterer Überlieferung; zudem s. Walther I, S. 752, Nr. 14519.
  • 137v verwischter Eintrag oder Federprobe, zudem ein nicht weiter identifizierbares Zeichen (Buchstabe H? Notariatszeichen? etc.?) sowie eine Federzeichnung (s. unter Ausstattung).
Handschriftenteil: II
Entstehungszeit: 15. Jh., 1. V. (um 1420?)
Zustand: Deutlich feineres und weniger verschmutztes bzw. von der Nutzung oder Lagerung beanspruchtes Papier als in Teil I;
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 22,5-23 × 14,5-16 cm; zweispaltig, 33-40 Zeilen
Hände: ; beide Nachträge (138ra-145rb und 146ra-149vb) wohl von derselben Hand; auch die letzte Textseite (149v), die eigentlich eine ganz anders gestaltete Schrift aufweist, ist dieser Hand zuzuweisen, da auch hier charakteristische Buchstabenformen wiederkehren (und ein Handwechsel mitten im Text sowie von der vorletzten auf die letzte Seite nicht allzu wahrscheinlich ist). Offenbar entschied sich der Schreiber der Nachträge auf der letzten Seite bewusst für Variation, eine Auszeichnungsschrift oder eine Nachahmung der älteren Haupthand des Bandes; zu Beginn der einzelnen Abschnitte Artikelzählung in römischen Zahlzeichen – im Normalfall links neben der jeweiligen Spalte;
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: keine Rubrizierung; Lombarden oder Initialen nicht ausgeführt.
Geschichte der Handschrift:

Die Wasserzeichen sprechen für eine Entstehung dieser nachträglich hinzugefügten Lagen um 1420.

Inhalt:
  • 138ra-145rb Eike von Repgow: Sachsenpiegel-Landrecht, Buch I, Artikel 7-13, teilweise mit Glossen , aus dem 'Schlüssel des sächsischen Landrechts' (zu Artikel 7-11; vgl. Homeyer – Borchling – Eckhart – Gierke, Die deutschen Rechtsbücher, II. Abt., S. 102-103). [S]we so icht borget eder louet de schal id gelden vnde wat he doyt dat schal he stede holden … — … So mod men se dat bat ouertugen denne se des vnschuldich moten werden; de burmester is wol getuch ouer den bur bynnen synem gerichte in richtes stad vmme sogedane sake. (145v) leer, abgesehen von dem am oberen Seitenrand eingetragenen und auch sonst öfter überlieferten Vers bzw. Sprichwort Omnibus in rebus grauis est incepcio prima (TPMA, Bd. 1, S. 133, Nr. 1.5) und einem Nota-Vermerk rechts davon.
  • 146ra-149vb Eike von Repgow: Sachsenpiegel-Landrecht, Buch III, Artikel 82-91, teilweise mit Glossen , aus dem 'Schlüssel des sächsischen Landrechts' (zu Artikel 85-88; vgl. Homeyer – Borchling – Eckhart – Gierke, Die deutschen Rechtsbücher, II. Abt., S. 102-103). [S]we syn recht vor lust in eyner stad, he hefft id al uorlorn … — … he ne mod ok neyn gebod noch herberge noch neyn recht uppet land setten id en wilkore dat lant. (149v-150v) leer, abgesehen von einem – verwischten und deshalb nicht lesbaren – Eintrag auf 150r sowie Federproben und Federzeichnungen auf 150v (s. dazu unter Ausstattung).

Abgekürzt zitierte Literatur

Göttingen 1 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 1: Universitäts-Bibliothek: Philologie, Literärgeschichte, Philosophie, Jurisprudenz, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
TPMA Thesaurus proverborum medii aevi = Lexikon der Sprichwörter des romanisch-germanischen Mittelalters, Bd. 1–13, hrsg. vom Kuratorium Singer der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, Berlin u.a., 1996–2002
Walther I H. Walther, Initia carminum ac versuum medii aevi posterioris Latinorum, Göttingen 1959 (Carmina medii aevi posterioris Latina 1)
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

Dieses Dokument steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz (CC BY-SA).

SUB Göttingen (Copyright Information)