Patrizia Carmassi: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen lateinischen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Patrizia Carmassi. (Vorläufige Beschreibung)

Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. Ms. philol. 113

Marcus Tullius Cicero

Papier — II, 106, II Bl. — 29 × 20,5 cm — Bayern (Memmingen?) — um 1500

Wasserzeichen: 1. Wappen - Gespaltenes Schild mit Adler rechtshalb: Piccard-Online 25667. Nachgewiesen in Memmingen. (1504). Wasserzeichen: 2. Wappen - Gespaltenes Schild mit Adler rechtshalb: Piccard-Online 25668. Nachgewiesen in Memmingen. (1499). Wasserzeichen: 3. Ochsenkopf - Ohne Gesichstmerkmale: Piccard-Online 62624 (1499). Lagen: I, 10 IV (75), III (81), IV (95), III (101) I. Lagenzählung an der unteren Ecke des Blattes zu Beginn der Lagen in arabischen Zahlen, nicht immer erhalten. Moderne Foliierung (Bleistift), nicht durchgängig. Nicht beschriebene Blätter übersprungen. Flecken und Wurmfraß in den Vorsatzblättern. 31-36 Zeilen. Schriftraum: 20,5 × 13 cm Bastarda. Raum für Initialen (2 bis 5 Zeilen) frei gelassen. Diese nicht ausgeführt. Keine Rubrizierung.

Spätgotischer Habledereinband. Rollenstempel und ein Einzelstempel (nur auf der Rückseite). 1. Flechtwerk: EBDB r000247. 2. Ranke, Wellenranke: EBDB r000626. 3. Bogen, Rundbogenfries: EBDB r000627. 4. Laubstab: EBDB r000624. 5. Jagd: EBDB r000622. 6. Kopfstempel, symmetrisch: EBDB s013331. Sämtlich aus Werkstatt "Sechsblatt-Blüte", Augsburg: EBDB w000959. Spuren von zwei verlorenen Schließen. Drei Bünde. Auf dem Rücken drei Inhalts- oder Signaturangaben. Im unteren Feld blau gestrichene Stelle mit Spuren einer Signatur in weißer Tinte, nach dem Muster der neu vergebenen Signaturen in der Jesuitenbibliothek von Augsburg nach Neuordnung der Bibliothek im Jahr 1726. Siehe: Kühnast, Zäh, S. 21 und Abb. 11, und unten zur Provenienz. Ein Schild aus Leder mit verblasster Inschrift (Mitte), ein Schild aus Papier mit gedruckter moderner Signatur, auf ein älteres Papierschild geklebt. Keine Spiegelblätter. Als Rückenfalz ein Pergamentstreifen, der um ca. 6 cm in der Breite auf der inneren Seite von VD und HD geklebt wurde. Auf der unteren Seite weist er Spuren von Schrift (Bastarda) auf (nur VD). Auf dem Holz der inneren Seite des VD auch moderne Signatur Cod. Ms. philol. 113 (Bleistift) und aufgeklebter Auszug aus Meyers Katalog über die Handschrift. Zwischen VD und dem ersten Blatt vorgedruktes Benutzungsverzeichnis der SUB Göttingen, mit Klebefilm befestigt. Auf der inneren Seite des HD auf dem erwähnten Pergament zwei moderne Benutzungsangaben aus den Jahren 1998 und 2002; alte Signatur, getilgt: Cod. philol. 54; in roter Tinte, humanistische Minuskel: donis gaius. Auf dem VD Inhaltsangaben von der Hand Peutingers Cicero / Ad Herennium [!] / De re militari / De Natura Deorum (s. u. Provenienz). Von seiner Hand auch Inhalts- und Signaturangabe auf dem Vorderschnitt: Cicero de natura deorum 78. Die Ordnung der Teile (vgl. zeitgenössische Lagenzählung) ist höchstwahrscheinlich durch das Binden des Manuskripts entstellt worden. Es ist naheliegend, dass fol. 36, leer, (tatsächliche Foliierung, nicht foliiert in der HS) die Handschrift eröffnete, wie ein erhöhter Grad von Schmutz und Flecken auf der Rectoseite des Blattes belegen. Dazu ein Fleck am unteren linken Rand, der keine Entsprechung auf der Versoseite des vorherigen Blattes findet. Der Kolophon, heute fol. 101v, hat vermutlich zur falschen Ordnung geführt.

Herkunft: Geschrieben in Bayern, wahrscheinlich Memmingen. Vorlage könnte das Exemplar, heute Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, I an 2°Ink 467, gewesen sein mit letzter Provenienz aus der Stadbibliothek Memmingen. Siehe I. Hubay: Incunabula der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Wiesbaden 1974 (Inkunabelkataloge bayerischer Bibliotheken), Nr. 580, S. 134. In Augsburg unmittelbar nach Anfertigung gebunden. — Provenienz: Die Handschrift war ursprünglich Teil der Bibliothek des Augsburger Juristen und humanistischen Gelehrten Konrad Peutinger (1465–1547), wie Anmerkungen von seiner Hand in der Handschrift und Katalogseinträge belegen. Vgl. Autograph Konrad Peutingers, datiert 1523, München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4021c (Katalog II), fol. [97r]; Aufzeichnungen von Andreas Felix von Oefels, datiert 1743, München, Bayerische Staatsbibliothek, Oefelana 208(2, fol. 181r: Kühnast, Zäh, Nr. 405, S. 358f und Einführung. Zu der Bibliothek Peutingers vgl. auch U. Goerlitz: Minerva und das iudicium incorruptum. Wissensspeicherung und Wissenserschließung in Bibliothek und Literarischem Nachlass des Konrad Peutinger (1465-1547), in: Enzyklopädistik 1550-1650. Typen und Transformationen von Wissenspeichern und Medialisierung des Wissens, hrsg. von M. Schierbaum, Münster 2009 (Pluralisierung und Autorität 18), S. 127-172; H. Zäh: Die historischen Kataloge der Bibliothek Konrad Peutingers, in: Gesammeltes Gedächtnis: Konrad Peutinger und die kulturelle Überlieferung im 16. Jahrhundert, hrsg. von R. Laube und H. Zäh, Luzern 2016, S. 76-81. Danach war der Band Teil der Bibliothek des Jesuitenkollegs in Augsburg, da die Augsburger Jesuiten die Bibliothek Peutingers im Jahr 1718 erbten. Nach der Aufhebung des Ordens 1773 und deren Umsetzung in Augsburg drei Jahre später gelangten viele der Bücher Peutingers 1780 im Besitz des Historikers und Geheimrats Georg Wilhelm Zapf (1747-1810), der 1773-1786 als Notar in Augsburg tätig war. Über den Besitz von Handschriften Peutingers siehe u.a. dessen Werk: G. W. Zapf, Über die Absicht meiner literarischen Reise in einige Klöster Schwabens und in die Schweiz, Augsburg 1781: Schon seit einem Jahr, da ich das Glück hatte verschiedene Kodices, und unter diesen viele die Peutinger; - ein Mann, der Augsburg ewig verehrungswürdig bleiben wird! - schreiben lies und einige selbst schrieb, zu erhalten …. Zu seinen Erwerbungen s. auch E. Seidl, Sammeln als existenzielle Notwendigkeit. Der Augsburger Notar, Privatgelehrte und Büchersammler Georg Wilhelm Zapf (1747-1810) als Antiquar, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 67 (2012), S. 145-167. — Von Zapf erwarb die Göttinger Universität den Band im Jahr 1784. Vgl. fol. 1r: Ex Bibliotheca / G.W. Zapf / Aug. Vindel. / (1784). Im Jahr 1783 hatte Zapf einen Katalog mit einem Teil seiner Bücher veröffentlicht, die zum Verkauf standen: Bibliothecae Zapfianae Pars Seu Catalogus Partis Librorum Quos Magno Studio Collegit Georgius Guilielmus Zapf … nunc autem venales prostant, Augustae Vind., 1783. Eingang in die Universitätsbibliothek durch Bibliotheksarchiv, Manual 1784, S. 8 dokumentiert: In Folio. 1) Cicero ad Herennium, de re militari et de natura deorum. (Ex Bibliotheca Conr. Peutingeri; Codex Chart.). Erster Teil des Titels, über die Zeile in Hortensium (acad. quaest. II) korrigiert.

Göttingen 1, S. 26. — Härtel Adreßbuch, S. 43. — Kühnast, Zäh, Nr. 405, S. 358-359.

Marcus Tullius Cicero: Opera.

Abschrift aus der Edition Cicero, Marcus Tullius: De natura deorum etc. Mit Ergänzungen von Raphael Zovenzonius. [Venedig]: Wendelin von Speyer, 1471. 4°. GW 6902. Die Reihenfolge der Texte unterscheidet sich in der Handschrift vom Druck. De divinatione und De fato nicht abgeschrieben.

Im Druck Teil II. (2r-31v) Cicero, Marcus Tullius: Academicorum liber II. Incipit liber M.T.C. ad Hortensium [M]agnum ingenium Lucii. Edition: Marcus Tullius Cicero: Academicorum reliquiae cum Lucullo, ed. Otto Plasberg, Lipsiae 1980. Ed. stereotypa ed. prioris (1922). (2r-v) Randnotizen von der Hand Peutingers (roter Stift). (31v-36v) Laetus, Pomponius Junius: De re militari. [R]es militaris in tres dividitur partes. Equites pedites classes … — … in oblivionem perducta cognoscitur. Vgl. GW M16715. (31v) Randnotizen von der Hand Peutingers (braune Tinte). (36v) Abschrift des Druckkolophons: Raphael Iovenzonius … quoque dicis idem. — 37-41 leer. Blätter nicht foliiert und bei der Gesamtfoliierung nicht gezählt.

Im Druck Teil I. (37r-39v) [Tatsächlich: fol. 42r-44v]. Vita. Marci Tullii Ciceronis vita ex dictis Plutarchi breviter excerpta. Marcus Tullius Cicero Arpinas a Tullo Hostilio Romanorum … — … putavi inferius subnectere. Auch in Göttingen Staats- und Universitätsbibliothek, Ms. philol. 115 8°, fol. 29r-32r: I. Fischer: Die Handschriften der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Neuzugänge 1894 - 1966, Wiesbaden 1968, S. 5. Kristeller, 3, S. 544. (40r) [tatsächlich: 45r]. Lucius Annaeus Seneca: Suasoria. Oraque magnanimum. Edition: S. Feddern: Die Suasorien des älteren Seneca. Einleitung, Text und Kommentar, Berlin 2013 (Göttinger Forum für Altertumwissenschaft N.F. 4), S. 138-139. — 40v [tatsächlich: 45v]. leer. (41r-101v) [tatsächlich: 46r-106v]. Cicero, Marcus Tullius: De natura deorum. [Q]uum multe res … — … esse propensior. Marci Tulii Ciceronis de natura deorum liber tercius explicitus est. Edition: Marcus Tullius Cicero: De natura deorum, post O. Plasberg ed. W. Ax, Berlin 2008. Ed. stereotypa ed. prioris (1933). An diesem Punkt folgen (nur) in der Inkunabel De divinatione und De fato. (41r) Randnotiz von der Hand Peutingers (roter Stift). (101v) Marci Tulii Ciceronis de natura deorum liber tercius explicitus est.

III-IV leer.


Abgekürzt zitierte Literatur

EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
Göttingen 1 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 1: Universitäts-Bibliothek: Philologie, Literärgeschichte, Philosophie, Jurisprudenz, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
GW Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. 1–, Leipzig 1925–1938, Stuttgart 1978–
Härtel Adreßbuch H. Härtel, Adreßbuch der Sammlungen mittelalterlicher Handschriften in Niedersachsen, Wolfenbüttel 1976 (Mittelalterliche Handschriften in Niedersachsen 1)
Kristeller P. O. Kristeller, Iter Italicum, accedunt alia itinera. A finding list of uncatalogued or incompletely catalogued humanistic manuscripts of the Renaissance in italian and other libraries, Bd. 1–7, Leiden 1963–1997
Kühnast, Zäh Die Bibliothek Konrad Peutingers. Edition der historischen Kataloge und Rekonstruktion der Bestände. Band 1: Die Autographen Kataloge Peutingers. Der nicht-juristische Bibliotheksteil, bearbeitet von H.-J. Künast und H. Zäh, Tübingen 2003.
Piccard-Online Piccard-Online. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 340 (http://www.piccard-online.de)