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Beschreibung von Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 4° Cod.Ms. theol. 197
Lukas Wolfinger: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen volkssprachigen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Lukas Wolfinger.
Handschriftentitel: Martyrologium
Entstehungsort: Kempten Mindelheim
Entstehungszeit: 1509 und 1513
Katalognummer: Meyer-Sign. Theol. 197
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Krone (WZIS DE3270-theol197_5a); Krone (WZIS DE3270-theol197_2); Ochsenkopf (WZIS DE3270-theol197_71; Variante 1506); Ochsenkopf (WZIS DE3270-theol197_61).
Umfang: I , 119, I Bl.
Format: 32 × 21,5 cm
4
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung (modern): 1-117; zw. Bl. 5 und 6 zwei leere Blätter ungezählt; zudem zwei alte Blattzählungen auf Bl. 18-23 bzw. Bl. 19-24 (jeweils von 1-6).
Lagenstruktur: vorderes und hinteres Vorsatzbl. modern; Lagenformel: IV-1 (5). VI+1 (18). VI (30). V-1 (39). V+I (51). 5 VI (111). IV-2 (117); vor Bl. 1 wohl Blattverlust, zudem nach Bl. 38 ein Blatt herausgeschnitten (ohne Textverlust); nach der 5. Lage bzw. Bl. 49 ein einzelnes Doppelblatt extra eingebunden (Bl. 50-51); im Hauptteil der Handschrift bzw. Teil II (6r-116r) durchgehend Reklamanten oder Reste davon (18v, 30v, 39v, 51v, 63v, 75v, 87v, 99v, 111v).
Seiteneinrichtung:
  • Teil I (1v-5r): ca. 22 × 16 cm, 42-45 Zeilen;
  • Teil II (6v-116r): 22,5-23,5 × 14,2-14,4 cm, 27-31 Zeilen (im 6-spaltig organisierten Kalenderteil auf 7r-12v allerdings größerer Schriftraum und mehr Zeilen).
Hände: Abgesehen von später angefügter erster Lage gesamter Haupttext von Johannes Kräler von Kempten geschrieben,
in Bastarda (nach Schneider) bzw. Cursiva Libraria (nach Lieftinck/Derolez); an den Seitenrändern mehrfach spätere Einträge (s. unter Herkunft); die Texte in erster Lage wohl von einer späteren Hand (Semihybrida Currens nach Lieftinck/Derolez);
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: in diesem Teil I ist das später nachgetragenes Verzeichnis der Fasten- bzw. Feiertage in flüchtiger Schrift und ohne besondere Ausstattung, das Verzeichnis römischer Ablässe hingegen etwas sorgfältiger geschrieben; ebd. zudem Rubrizierung und am Rand verschiedentlich Verweishände und Kreuze; letztere gehen auf eine entsprechende Vorlage zurück und kennzeichnen Ablassangebote, mit denen Seelen Verstorbener aus dem Fegefeuer befreit werden konnten; vgl. etwa die Angaben im 'Stacion büchlein' bei Miedema, Rompilgerführer, S. 204; Teil II: Überschriften bzw. Angaben der Monate und Heiligentage in größerer Textura; durchgehend rubriziert; ähnlich wie in der Inkunabel, die die Vorlage bildete (s. u.), große schwarze, rote und rot-schwarze kalligraphische Initialen, häufig mit Rankenwerk in gleicher Tinte (ca. 7-9 Zeilen hoch); seitlich am Rand der Blätter lederne Blattweiser (speziell zu Beginn der jeweiligen Monatsabschnitte).
Einband: Pappeinband des 18./19. Jahrhunderts. Auf dem VS mit Bleistift eingetragen die moderne Göttinger Signatur Cod. Ms. theol. 197; zudem eingeklebt die Hs.-Beschreibung von Meyer sowie das Formular mit Bearbeitungsvermerk der Preuß. Akad. d. Wiss. (Nov. 1939; Bearbeiterin: Maria-Luise Dittrich).
Entstehung der Handschrift: Den Hauptteil der Handschrift bildet eine von wenigstens zwei Abschriften eines von Johann Prüss 1484 zu Straßburg gedruckten Martyrologiums (GW-Nr. M21490), angefertigt durch Johannes Kräler von Kempten (das 2. Exemplar ist: Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 1110 aus dem Jahr 1506; s. München BSB 5,6, S. 79-81); geschrieben bzw. vollendet laut dem Kolophon auf 116r am 11. Juni 1509: Geschriben von mir Johannes Kräler von Kempten an sant barnabas tag. xvc viiii. jar.Kräler ist auch sonst als Schreiber von Handschriften sowie als Notar nachgewiesen (vgl. etwa den Münchner Cgm 9280, Bl. 112v).
Provenienz der Handschrift:
  • Vorbesitzer der Handschrift war Wilhelm von Zell d. J. (zu ihm vgl. auch Mitterwieser, Wilhelm von Zell, S. 33-38), dessen Exlibris und handschriftlicher Besitzvermerk auf 6r; auf dem Oberschnitt des Kodex zudem der Buchstabe W; von W. v. Zell stammen auch einige der zahlreichen Einträge im Martyrolog zu einzelnen Heiligen und Verstorbenen (derlei Einträge finden sich etwa 18v, 29r, 31r, 32r, 33r, 36r, 37v, 38v, 53r, 56v, 58v, 60r, 63r, 71v, 76v, 93r, 94r, 97r). W. v. Zell schenkte die Handschrift 1513 dem Kloster der Franziskaner-Tertiarinnen 'Zum Heiligen Kreuz' in Mindelheim; vgl. 6r: Diss puech genant Martirilogium gehört den andechtigen vnd gaistlichen schwestern zue Mindelhaym in der stat genant in der Clawssen an sandt Steffans pharkirchen sand francziscen ordens der tritten regel von der observancz ynen gegeben vnd geordnet von Wilhelmen von Zell. Nach sein vnd seiner schwester Anna von Zell tod und abgang wollend got für in bitten und für alle die wie Gott der herr erkendt in ein schuldner sein für zu pitten und guetz zuthün. Anno etc. im 1513.
  • Die Handschrift gelangte später in den Besitz bzw. in die Bibliothek des Historiographen und Büchersammlers Georg Wilhelm Zapf, der längere Jahre in Augsburg und Umgebung als Notar tätig war (zu ihm siehe etwa Gier, Zapf, S. 941);
  • aus dessen Besitz 1784 für die Georgia Augusta erworben, wie auf 1r in Tinte vermerkt ist: Aus der bibliothek Georg Wilh. Zapf zu Augspurg (1784); s. dazu auch den Eintrag im Manuale zum Jahr 1784, S. 8 im Göttinger UB-Archiv; auf 1r und 2r Besitzstempel der Göttinger UB sowie Bleistifteinträge mit der älteren Göttinger Signatur Cod. theol. 131 auf 1r und auf dem HS.
Inhalt:
  1. 1v Verzeichnis von Fasten- bzw. Feiertagen. Dis seind dye teg so bey dem pann vnd aus gehorsamen der hailigen cristenlichen kirchen zue vasten gepotten werden nach vermugen der iugendt, des alters vnd chranckhait halben etc. … Vnd dise nachvolgende tag dye werden nach sein mit gepoten oder verpotten wer will der vast sy (Ich wils aber lieber feyern) etc. … Vier oder fünff opfertag … Dye teg Marie … Dis nachvolgendt seindt dye gepotten teg zůe feyren … Diese nachvolgendt nach gewohnhaytt … — … Agatham. Das Verzeichnis ist wohl von der selben Hand wie das folgende Ablassverzeichnis nachgetragen.
  2. 2r-5r Verzeichnis von Stations- und anderen Ablässen zu Rom (nach dem Kirchenjahr geordnet). >Hienach standen die tag der stacion mit anderm ablass der hailigen stat Rom etc.< Item alle sambstag des ganczen jars ist stacion zue sand Johanns kirchen zue latron zue Rom. … — … Es ist auch zu wissen, das auch zu vil zeitten in vill kirchen staciones seind als an den kirchweyhnien vnd patron der cappellenen vnd kirchen dye dan die cardinäll vnd ander hoffgenossen des hailigen vatter des Babstz. Auch ander andechtig herren in iren cappellen van dem hailigisten vatter dem babst erlangen staciones vnd ander ablas. Auch vnderweylen vollen ablas, hierumb der den alletag suechet dem wirt sein arbait nit verloren. Amen etc. Anno etc. 1513 in dye scti Otmari schribsi 16 Nouembri. Das Verzeichnis ähnelt den bekannten 'Stationes cum indulgentiis' und vergleichbaren Texten; vgl. dazu Miedema, Rompilgerführer, S. 37-39 u. S. 196-222 oder Jahn, Stationes, Sp. 131-133.
  3. 6v-116r Martyrologium.
    • (6v) nomen sacrum jhs , fünf Mal in Kreisen von roter und schwarzer Tinte (davon vier Kreise kleiner, jener in der Mitte erheblich größer und mit Umschrift: In dem namen Jesu söllen sich biegen alle knye hymelschliche, irdischen und hellischen). Dabei stehen Erläuterungen zur hebräischen und deutschen Übersetzung des gros nam Thetragramaton sowie zu weiteren hebräischen Übersetzungen (mit Hinweis auf den zum Christentum konvertierten vormaligen Juden Viktor von Carben bzw. Victor van Carben, vor zeiten ain jud, yetz ain cristenlich briester).
    • (7r-12v) Kalender mit Tafeln.
    • (13r-16r) Monatsregimina.
    • (16v-17r) Aderlasstafel. Tafel guter und schlechter Aderlasstage nach den Tierkreiszeichen; auf 17r fehlt der Aderlassmann, auf den die Randbeschriftungen verweisen und der in der Vorlage der Handschrift bzw. in der Inkunabel von 1484 abgebildet ist.
    • (17r-116r) Martyrologium. >Die vor rede<. Es ist zů wyssen, das vil gewesen synd, die da flys haben gehept zů schreiben das martyrilogium das ist das nech geschriben bůch … — … Der almächtig milt got gebe uns heut vnd fürbas alle zyt unsers lebens, im vnd synen lieben hailigen nach zefolgen mit vermiidung aller vntugent vnd mit übunge aller tugent nach vnserm vermügen vnd sym liebsten wolgefallen; das gebe vns der almächtig milt got durch sich selbert vnd durch das fürbitten vnd verdienen aller syner hailigen vnd hailigin. Amen.
    Geschriben von mir Johannes Kräler von Kempten an sant Barnabas tag. xvc viiii. (116r; zu diesem Martyrologium und seiner Vorlage s. unter Herkunft).
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

Göttingen 2 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 2: Universitäts-Bibliothek: Geschichte, Karten, Naturwissenschaften, Theologie, Handschriften aus Lüneburg, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
München BSB 5,6 Die deutschen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München, Bd. 6: Cgm 888–4000, neu beschrieben von K. Schneider, Wiesbaden, 1991 (Catalogus codicum manuscriptorum Bibliothecae Monacensis 5,6)
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

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