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Beschreibung von Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 8° Cod.Ms. theol. 204
Lukas Wolfinger: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen volkssprachigen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Lukas Wolfinger.
Handschriftentitel: Geistlicher Sammelband
Entstehungsort: Kloster Medingen
Entstehungszeit: 15. Jh. (3. D.)
Katalognummer: Meyer-Sign. Theol. 204
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Ochsenkopf (WZIS DE3270-theol204_7; die Motivgruppe vom Ende des 14. bis Ende des 15. Jahrhunderts nachweisbar; die ähnlichsten Motive aus den 1470er-90er Jahren), Ochsenkopf (WZIS DE3270-theol204_4; Motivgruppe vom Ende des 14. bis Ende des 15. Jahrhunderts nachweisbar; die ähnlichsten Motive aus den 1470er-90er Jahren).
Umfang: I, 156 (Druck) + 74 Bl.
Format: 19,9-20,1 × 13,8-14,5 cm
8
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung (modern): der gedruckte wie der handschriftliche Teil haben eine eigenständige Foliierung: 1-156 (Inkunabel) + 1-71 (Handschrift); bei Letzterer sind in der ursprünglichen Foliierung zw. Bl. 47 und Bl. 48 drei leere Bl. ungezählt, diese nun als 47a-c in die Foliierung einbezogen.
Lagenstruktur: Nach einem modernen Vorsatzbl. und dem Druck sind folgende von Hand beschriebene Lagen hinzugebunden: 3 VI (36). VII (47c). 2 VI (71); davon bilden Bl. 1-47c sowie Bl. 48-71 jeweils eine Einheit.
Zustand: Auf den ersten Blättern des handschriftlichen Teils Wasserschäden in der unteren Seitenhälfte (Bl. 1-18).
Seiteneinrichtung: Schriftraum im handschriftlichen Teil: 15,5-17 × 11,1-12 cm, einspaltig, 26-35 Zeilen
Hände: ; zwei Teile, wohl von zwei verschiedenen Personen geschrieben (in gut lesbarer, aber anspruchsloser Bastarda; nur wenige Korrekturen/Streichungen, wohl von der Hand des jeweiligen Haupttextes);
  • I: 1r-47r;
  • II: 48v-67r;
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: der handschriftliche Teil nicht rubriziert; Platz für Initialen im Text zwar freigehalten, diese aber in der Regel nicht ausgeführt

(nur auf 1r, 16r und 53r tatsächlich schlichte Initialen in Rot).

Einband: Spätmittelalterlicher Einband aus der bekannten Werkstatt 'Medingen' (vgl. dazu EBDB w000842); frühestens 1484 (Entstehungsjahr des enthaltenen Druckes) angefertigt; rotes Leder über Holzdeckeln; 1977 restauriert (vgl. den Bearbeitungsvermerk auf 71v); eine Messingschließe (Lederband erneuert); Streicheisenlinien und zehn Blindstempel (1.: Wirbelfigur - Blattwirbel, EBDB s037750; 2.: Rosette - mit einem Blattkranz - fünfblättrig - Blätter gefiedert, EBDB s006218; 3.: Rosette - mit zwei Blattkränzen - fünfblättrig - Blätter spitzoval, EBDB s006873; 4.: Lilie - Doppellilie, EBDB s002091; 5.: Schrift - einzelne oder mehrere Wörter - J(h)esus - Schriftleiste, EBDB s008472; 6.: Schrift - einzelne oder mehrere Wörter - Maria - Schriftleiste, EBDB s008497; 7.: Blüte - Vierblatt - mit Zwischenblättern, EBDB s001675; 8.: Blüte - Vierblatt - mit Zwischenblättern, EBDB s002047; 9.: Blattwerk - Bündelung mehrerer Stämme, EBDB s002047; 10. Ornamente, geometrische - Punkte, EBDB s003470). Das Leder an der Außenseite des hinteren Deckels ist stärker abgerieben; am Rücken findet sich unten das Signaturenschildchen mit der Signatur der Göttinger UB (Cod. MS. theol. 204), zudem am oberen Rand ein beschädigtes Papierschildchen mit der modernen Inhaltsangabe Van deme hillighen leuende S. Jeronimi/ Lübeck 1484. (19. Jh.?). Den VS und HS bilden zwei wiederverwertete ältere Blätter (s. Fragmente); auf dem VS links oben der Bleistifteintrag s. Eusebius No 7548 Th.; auf dem HS die Göttinger Accessionsnummer 1806. 22. 4. Th. 7548.
Zusatzmaterial: 2 Fragmente aus einem Brevier (Pergament); als Spiegelbl. im Einband eingeklebt – quer zur Textrichtung; am – aktuell – oberen Rand der beiden Spiegelbl. jeweils in Bleistift Einträge der UB Göttingen (s. dazu beim Einband); beide Stücke offenbar aus derselben Handschrift und von derselben Hand; in Textualis (15. Jh. ?); jeweils ca. 15 x 20 cm groß (heutiger Zustand; speziell am unteren Rand durch Beschnitt Textverluste); Schriftraum: 17-17,2 cm breit und ursprünglich mehr als 13,5 cm bzw. mehr als 19 Zeilen hoch (Tintenlinierung), zweispaltig; rubriziert, rote Initialen; Inhalt von

Fragment I (VS): Stundengebet zum Festtag des Hl. Gregor (12. März); der lesbare Text setzt ein mit toto corde catholica suscipiat ecclesia cuius doctrina aurea per mundi splendet [...]. Deus, qui anime famuli tui Gregorii eterne beatitudinis premia contulisti, concede propicius ut qui peccatorum nostrorum pondere premimur, ei apud te precibus sublevemur. Per. Invi(tatio). Ad dominum vigiles cuncti conuertite mentes, Gregorium vigilem celi qui vexit ad arcem [...]; das Textende der zweiten Spalte ist aufgrund starker Beschädigungen nur sehr fragmentarisch erkennbar;

Fragment II (HS): Der Text bezieht sich wohl auf einen der Festtage des Hl. Suitbert bzw. Swibert (Swicberti), des angeblich ersten Bischofs von Verden, dessen Name in der 2 Spalte auf dem HS genannt wird (allerdings ist auf dem kleinen, zwischen die letzte und vorletzte Lage des Bandes hineinragenden Fortsatz des HS bzw. auf der Rückseite desselben in der Rubrik der Hl. Hieronymus genannt); inhaltlich handelt es sich wohl um Fulgentius, Sermo de dispensatoribus 1-2 (PL, Bd. 65, Sp. 719-721); der lesbare Teil setzt ein mit debemus omnes non solum studiose verum eciam sapienter audire, cui nos oportet humiliter ac delectabiliter obedire, und bricht ab mit Que est eciam huius domini familia? Nimirum illa … .

Entstehung der Handschrift: Der Band dürfte relativ bald nach dem darin enthaltenen Druck von 1484 entstanden sein; bereits aufgrund der verwendeten Blindstempel und der gesamten Gestaltung lässt er sich klar der Medinger Einbandwerkstatt zuordnen. Bestätigt wird die Herkunft aus dem Frauenkonvent Medingen durch den Besitzvermerk in der vorangebundenen Inkunabel (1r: Liber sancte virginis sanctisque Mauricii in Meding). Die beiden handschriftlichen Teile, die darauf folgen, wurden mit großer Wahrscheinlichkeit im nahen zeitlichen Umfeld dieses Drucks geschrieben – vermutlich gleichfalls in Medingen; entsprechend in niederdeutscher Schreibsprache.
Provenienz der Handschrift:
  • Die weitere Geschichte des Bandes ist bislang nicht bekannt; erst im Jahr 1806 taucht er wieder auf, als er auf einer Auktion des Antiquariats Gsellius in Hannover versteigert wurde.
  • Damals wurde er für die Bibliothek der Georgia Augusta erworben; dazu passend der älteste Besitzstempel der UB Göttingen auf 1r der Inkunabel.
Inhalt:
  • Ir von Hand des 19. Jhs. in Tinte eingetragen ein grobes Inhaltsverzeichnis des Bandes. (Iv) leer.
  • 1r–156v Vita et transitus Sancti Hieronymi (niederdt.; Druck) : Van deme hillighen leuente des erwerdighen vnde hochgeloueden hillighen mannes vnde lerers sunte Jeronimi, Lübeck, Bartholomäus Ghotan 1484 (GW 9477.H 6723=6724); darin enthalten: Pseudo-Eusebius Cremonensis, Epistola de morte Hieronymi (niederdt.); Pseudo-Augustinus, Epistola de magnificentiis Hieronymi (niederdt.); Pseudo-Cyrillus, De miraculis Hieronymi (niederdt.); auf 1r des Drucks der mittelalterliche Besitzvermerk Liber sancte virginis sanctique Mauricii in Meding; darunter, gleichfalls mit Tinte eingetragen, der Buchstabe h (als Signatur?) sowie der älteste große Besitzstempel der UB Göttingen.
  • 1r-47r Klosterspiegel (niederdt.). In nomine patris et filii et spiritus sancti amen. Welk mynsche de wisliken don wil de schal sek wol vorbedenken, er he eyn dinck ane geyt, oft he dat vullenbringen moghe … — … wan se enes guden leuendes begynnen so steyt he dar na, dat he se hindere wor he mach. Zum Text des Klosterspiegels und seiner Überlieferung s. 2VL 8, Sp. 1030-1040, hier Sp. 1039-1040 und 2VL 10, Sp. 463. (47v) leer.
  • 48r-65v Cordiale de IV novissimis (niederdt.). Memorare nouissima tua et in eternum non peccabis. Hir beginnet sick dat bok van den veer vtersten dat is van den ver lesten des mynschen. O mynsche dencke an dyne lesten … — … vnd denne segen se dat gherne anders sunder so is dat to spade. Explicit de quatuor nouissimis dat ist van den veer vtersten etc. Druck: Dusch, De veer utersten, S. 1-117 (nach Wolfenbüttler Überlieferung); zum Text und seiner Überlieferung s. zudem 2VL 2, Sp. 1217-1221.
  • 65v-67r Von zwölf Zeichen der Gottesfreunde (niederdt.). [D]y twelf tekenen schaltu bekenen ift du in der gnade vnd in der leue godes sist. Dat erste teken der waren godliken leue is … — … vnd dat moge wy em aff kopen myt sodanen eddelen stucken vnd der gelyke. Des helpe vns alle god, amen. Ed.: Stammler, Mittelniederdeutsches Lesebuch, S. 44-46 (nach anderer Überlieferung; die Göttinger Handschrift wird ebd. jedoch erwähnt); zu diesem Text und seiner weiteren Überlieferung s. 2VL 10, Sp. 1649-1650 sowie Jahn, Von zwölf Zeichen, Sp. 1169.
  • 67v-71v leer, abgesehen von mehreren Vermerken auf dem letzten Bl.: auf 71r in der rechten oberen Ecke der Tinteneintrag Th. 7548. (Accessionsnr. der UB Göttingen); in der unteren Seitenhälfte zudem die Göttinger Altsignatur Cod. theol. 123a sowie darunter der Vermerk: (Patr. Lat. 48. im Schrank) – beides in Bleistift eingetragen; auf 71v außerdem der Göttinger Restaurierungsvermerk: Restauriert 1977. Arbeits-Nr. 698.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)

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