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Beschreibung von Halberstadt, Domschatz, Inv.-Nr. 470 (olim M 48)
Katalog der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften in Halberstadt. Verzeichnis der Bestände der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Domschatz zu Halberstadt, und des Historischen Archivs der Stadt Halberstadt, bearbeitet von P. Carmassi, Wiesbaden 2018
Manuscript title: Evangelium Marci cum glossis
Place of origin: Frankreich (Paris)
Date of origin: 12. Jh. Mitte
Former shelfmark: 48
Support: Pergament
Extent: 108 Bl.
Format: 23,4 × 15 cm
Foliation: Moderne Foliierung. Blatt 92 doppelt foliiert (im Folgenden als 92 und 92 bis bezeichnet).
Collation: II (4). IV-1 (11). 12 IV (106). II-1 (108). Das erste Bifolium diente als Schutzblatt und war ursprünglich leer. Das erste Blatt davon (heute als Blatt 1 foliiert) dient als VS. Letztes Blatt der letzten Lage dient als HS. Lagenbezeichnungen mit römischen Zahlen, sichtbar fol. 11v (I) und fol. 35v (IIII). HS als Blatt 109 foliiert.
Page layout: Schriftraum: Schriftraum: 14-16 × 11,5 cm. Drei Spalten. Gelegentlich bei einigen Glossen vier Spalten (z. B. fol. 52r, 56r, 99v). In der Regel 13 Zeilen (Haupttext).
Hands: Carolino-Gothica. Marginal- und Interlinearglossen von einer zweiten Hand, aber vom selben Skriptorium. Eine zweite zeitgenössische Hand hat zusätzliche Glossen mit hellerer Tinte hinzugefügt. Vermutlich in Hildesheim oder Halberstadt durchgeführte Ergänzungen. Kleinere Buchstaben (Minuskel) in alphabetischer Ordnung (fol. 6r-9v) scheinen die Reihenfolge der Glossen bezeichnet zu haben. Verschiedene Verweiszeichen für die Fortsetzung der Glossen. Nota-Zeichen am Rande (11r, 18r). Einige spätere Ergänzungen von ausgelassenen einzelnen Glossen, z. B. 24r, 49v, 53r, 55r, etc. Auszeichnungsschrift: verzierte Unziale (fol. 8r), die Farben Rot, Blau und Ocker alternierend.
Display script / Decoration:
  • 8r: 12,5 cm hohe Schmuckinitiale: I(nitium). Der Grund weist eine Aufteilung in drei rechteckige Felder mit weißem Dreipunktmuster auf. Der Buchstabenkörper wird von zwei goldenen Parallelleisten gebildet, an deren Enden jeweils ein Drachenkopf mit einer goldenen Kugel im Mund steht. Zwischen den beiden vertikalen Zierleisten befinden sich an den Ecken Geflechtknoten in blauer Füllung mit weißen Punkten (Perlstab). Am Buchstabenstamm Rankenbesatzornamentik mit Blättern und Blumen, deren Blätter in der Mitte mit braunen ornamentalen Bändern umgeben sind. Federzeichnung in schwarzer oder brauner Tinte. Farben: Blau, Grün, Ocker, Weiß, Gold. Höchstwahrscheinlich schmückte eine Zierinitiale auch den Beginn des Prologs, heute verloren.
  • Rubrizierung wurde nicht ausgeführt.
Binding: Hochmittelalterlicher Originaleinband. Holzdeckel mit braunem Rindleder bezogen, zum Teil beschädigt (Risse, Löcher, abgetragene obere Lederschicht). Verschiedene Einzelstempel, auf dem VD als Teil einer architektonischen Struktur mit Bogen, Dach und Türmen zusammengesetzt. Motive: 1. Mensch, Reiter, Ausrichtung links (EBDB s032834). 2. Mensch, Reiter, Ausrichtung rechts (EBDB s032835). 3. Mensch, Reiter, unter Zinnen (EBDB s032836). 4. Mensch, Reiter, aus Tor ausreitend (EBDB s032837/ref>). 5. Bär (EBDB s032838). 6. Rosette, achtblättrig (EBDB s032839). 7. Pfau (EBDB s032840). 8. Flechtwerk (EBDB s032841). 9. Architektur, Kirche (EBDB s032842). 10. Hahn (EBDB s032843). 11. Mensch, Halbfigur, Zwei Krieger (EBDB s032844. 12. Mensch, Halbfigur, Krieger unter einem Bogen (EBDB s032845). 13. Zwei Drachen (EBDB s032846). 14. Fabelwesen (EBDB s032847). 15. Heilige, David (EBDB s032848). 16. Architektur, Turm (EBDB s032849). 17. Architektur, Turm (EBDB s032850). 18. Stäbchen, einfach (EBDB s032851). Werkstatt: "Prinz Heinrich-Binder, erste Gruppe" (EBDB w004335), Paris. Spuren von zwei Lederschließen, ursprunglich farbigem Stoff ummantelt. Zwei Löcher auf VD weisen auf die verlorenen Nadeln für die Schließen. Zwei alte Signaturschilder auf dem Rücken: … sancti Marci evangelium cum notis. M 48. Spuren einer Kettenbefestigung auf dem HD, auch durch Löcher und Risse im HS erkennbar. Ein Faden in zwei Farben als Lesezeichen (original), nun vom Buchblock abgelöst. Zum Einband vgl.
  • Hobson, Geoffrey Dudley, English Bindings before 1500 (Cambridge 1929);
  • Haseloff, Arthur, Der Einband der Hs. des Marcusevangeliums des Harderardus, in Miscellanea Francesco Ehrle. Scritti di storia e paleografia pubblicati in occasione dell'ottantesimo natalizio di Francesco Ehrle = Studi e testi 41 (Città del Vaticano 1924, ND 1973), S. 507-528;
  • Schmidt-Künsemüller, Die abendländischen romanischen Blindstempeleinbände 13, S. 60.
Origin of the manuscript: Frankreich (Paris). Vgl. Roehrig Kaufmann, Virginia, The Halberstadt glossed Mark, Parisian book painting of the 1130's to the 1150's and the Augustinian Abbey of St. Victor, in Ullmann, Ernst, (Hg.), Halberstadt - Studien zu Dom und Liebfrauenkirche = Abhandlungen der sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-historische Klasse 74,2 (Berlin 1997), S. 144-186, mit Abbildungen, S. 185; Stammberger, Ralf W., Die Halberstädter Glosse zum Matthäus-Evangelium und zum Buch Josua. Zur Wiederentdeckung der Handschrift Halberstadt, Domgymnasium 47 aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, in Recherches de Théologie et Philosophie médiévales 68 (2001), S. 29. Beteiligt an der Illuminierung war einer der Künstler, die auch die dreibändige Bibel des Abtes Gilduin von Saint-Viktor († 1155) malte: Vgl. Giraud, Cédric - Stirnemann, Patricia, Le rayonnement de l'école de Saint-Victor. Manuscrits de la Bibliothèque Mazarine, in Poirel, Dominique (ed.), L'école de Saint-Victor de Paris. Influence et rayonnement du moyen âge à l'époque moderne = Bibliotheca Victorina 22 (Turnhout 2010), S. 653-666, hier Nr. 1, S. 654-655. Ich danke Patricia Stirnemann für diesen Hinweis.
Provenance of the manuscript: Der Codex gehörte zu der Bibliothek der Stiftskirche Unserer Lieben Frau zu Halberstadt, als Geschenk von Harderadus, canonicus in der Bischofskirche S. Maria zu Hildesheim (vgl. fol. 4v). Er ist in der Zeit 1151-1179 urkundlich in Hildesheim belegt, zuerst als diaconus (bis 1173), dann als presbiter. Vgl. Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe, ed. Karl Janicke = Publicationen aus den k. Preußischen Staatsarchiven 1 (Leipzig 1896), 275 (1151), 280 (1152), 296 (1155), 332 (1162), 334 (1163), 337 (1166), 343 (1167), 365 (1173), 370 (1175), 389 (1179), 393 (1179). Der Titel magister ist mit einem Studienaufenthalt in Paris in Verbindung zu setzen. Weitere Handschriften gehörten zu dieser Schenkung. Dieselbe Hand schrieb einen ähnlichen Besitzvermerk im Buch Josua mit Glossen (heute Hildesheim, Dommuseum, L 1998-14, Leihgabe der Ernst von Siemens-Stiftung): Liber Iosue sanctę Marię in Halvarstat quem contulit magister Harderadus canonicus Hildesemensis. In die sancti Gregorii obiit. Zu dieser Handschrift, ursprünglich mit einem glossierten Mt-Evangelium gebunden, vgl.
  • Schmidt (1878), 47, S. 23;
  • Knapp, Ulrich (Hg.), Buch und Bild im Mittelalter. Katalog der Ausstellung der Manuskripte des Domschatzes zu Hildesheim im Dom-Museum (Hildesheim 1999), Kat.-Nr. 2, S. 38-39;
  • Wolter-von dem Knesebeck, Harald, Glossierter Josua des Harderadus, in Brandt, Abglanz des Himmels, S. 130;
  • Stammberger, Ralf W., Die Halberstädter Glosse zum Matthäus-Evangelium und zum Buch Josua. Zur Wiederentdeckung der Handschrift Halberstadt, Domgymnasium 47 aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, in Recherches de Théologie et Philosophie médiévales 68 (2001), S. 18-33;
  • Carmassi, Beobachtungen zu Bestand
; Carmassi, Through the Hands. Ein Liber Iudicum cum glossis (olim M 39), gebunden mit einem Buch Iob, trug eine ähnliche Schenkungsnotiz: vgl. Schmidt (1878), 39, S. 21. Heute ist die Handschrift in St. Petersburg: Mittelalterliche deutsche Handschriften in St. Petersburg, S. 193 (Signatur: St. Petersburg, Russische Nationalbibliothek, F. 955, op. 2, Nr. 17). Auf fol. 109r (= HS) Inventarvermerk: Dieser Codex enthält 109 Blatt Sept. 1962 G. Eckardt.
Contents:
  • Auf VS (fol. 1), und fol. 2r-v einzelne Glossen zum Evangelium (12. Jh.), wahrscheinlich in Hildesheim oder Halberstadt nachgetragen. 1: Quinque milia quae pasta erant quinque panibus significant eos qui adhuc habitu saeculari positi sunt … ; 2r: Ex testimoniis quattuor evangeliorum et epistola Augustini (!) [recte: Hieronymi] contra Helvidium. Sancta Maria mater domini et Maria mater Iacobi … (der Name Maria ist durch Majuskelschrift hervorgehoben); Ut autem sciatis quia (Mc 2,10) … ; Si dicatur Christus pronunciasse haec verba ita legetur vos dubitatis me posse dimittere peccata … ; Quasi evangelista dixerit Ipsi dubitant eum posse dimittere peccata … ; 2v: Preceperat deus iudeis in lege patrem et matrem honorare … ; O iuvenes vovere quantumcumque sitis pauperes … ; Hic due vite proponuntur activa et contemplativa ….
  • 3r-4r leer.
  • 4v Besitzvermerk (Ende des 12. Jhs.): Marcus sanctę Marię in Halvarstat quem contulit magister Harderadus canonicus Hild(esemensis).
  • 5r-7v Prologus in Marcum. Wegen eines fehlenden Blattes beginnt er abrupt mit den Worten: Italia scripsit ostendens in eo quid et … . autem incrementum prestat deus est. Stegmüller RB 607.
  • 8r-106r Evangelium Marci cum glossis. Weitgehend übereinstimmend mit der Glossa ordinaria. Vgl. Biblia sacra cum glossa ordinaria … Tomus Quintus (Antverpiae 1634), Sp. 481-662; PL 114, Sp. 179-244. Stegmüller RB 11828 (10). Genannte Autoren: Ieronimus, Beda (meistens abgekürzt: Ier, B). Gelegentlich Vermerk all[egorice]. Verschiedene korrespondierende Zeichen weisen auf die Fortsetzung einer Glosse in einer anderen Spalte hin.
  • 106v-108v leer.
Bibliography

Abgekürzt zitierte Literatur

PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Schätze im Himmel Schätze im Himmel – Bücher auf Erden. Mittelalterliche Handschriften aus Hildesheim, hrsg. von M. E. Müller, Wolfenbüttel 2010 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 93)
Stegmüller RB F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. 1–11, Madrid 1950–1980

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