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Beschreibung von Helmstedt, ehem. Universitätsbibliothek, Ⅰ Hs 2
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Handschriftentitel: Mitteldeutsches Evangelistar
Entstehungsort: Nördliches Mitteldeutschland
Entstehungszeit: 14. Jh., 2. Viertel
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 101 Bl.
Format: 13,5 × 10 cm.
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1–101.
Lagenstruktur: IV (8). 8 V (88). IV (96). II+1 (101). Kustoden in römischen Zahlen auf dem Fußsteg der letzten Versoseite jeder Lage: I–X.
Zustand: Alle Bl. sind am Vorderschnitt durch Fraß und Feuchtigkeit mehr oder minder stark beschädigt und mittels neu angesetztem Pergament restauriert.
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 9 × 7 cm, einspaltig, 21 Zeilen, Tintenliniierung.
Hände: Regelmäßige Textualis von einer Hand.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, rote Lombarden.
Einband:
  • Ursprünglicher Einband verloren, wohl gotischer Holzdeckelband mit Lederüberzug. Drei Doppelbünde. Zwei Langriemenschließen.
  • Der stark beschädigte Originaleinband wurde 1958 im Atelier von K. Desbarats (Stadtarchiv Freiburg/Br.) durch einen neuen Holzdeckelband mit braunem Ziegenlederüberzug und zwei neuen Langriemenschließen ersetzt.
Hauptsprache: Schreibsprache: Ostmitteldeutsch, gleicher Sprachstand wie das "Wolfenbütteler Evangelistar" Cod. Guelf. 952 Helmst.
Inhalt:
  1. Bl. 1r leer, 1v Federproben in Gestalt zweier roh gezeichneter Zeigehände. Auf Bl. 2r die Inhaltsangabe (16. Jh.): Teutsch Evangelien Buch sowie kopfständig die im 15. Jh. nachgetragene Gebetsbitte: [B]it vor Hertmannes MC Pater noster vnd Ave [Mar]ien vnd vor alle cristen … en vnd vigilie vnd zelmessen.
  2. 2v100v Evangelistar. im einzelnen sind enthalten:
    • (2v78v) Temporale. Ame ersten suntage des adventes secundum Matheum (T1). In der zit do unse here mit sinen iungeren nalete der stat Ierusalem vnd was comen zo Betfage [Mt 21,1] … — … vnd daz ruchte quam vber alle lant [Mt 9,26]. >Ame vifvnzwizegesten suntage daz suche zo mitvasten<. Insgesamt 123 Perikopen (Siglen nach Schneyer): T1–T3, T3/4, T3/6, T3/sabb., T4, T5, T6 (drei Perikopen: an des hiligen kerstes nacht, so it taget und an des hiligen kerstes tage), T7–T18, T18/4–T18/sabb., T19, T19/2–T19/sabb., T20, T20/2–T20/sabb., T21, T21/2–T21/sabb., T22, T22/2–T22/sabb., T23, T23/2–T23/sabb., T24, T24/2, T25, (Karfreitag fehlt), T27, T28, T28/2–T28/sabb., T29 (mit Verweis auf S8), T30–T35 (nur Verweis auf die Lektion T23/6), T36–T39, T39/2–T39/6, T39/sabb. (nur Verweis auf die Lektion T21/5), T40, T40/5, T41–T56, T56/4, T56/6, T56/sabb., T57–T65. Im Gegensatz zur Parallelüberlieferung in Cod. Guelf. 952 Helmst. fehlen hier, von den Fastenzeiten und Hochfesten abgesehen, die Evangelienlesungen zu den Wochentagen.
    • (79r100v) Sanctorale und Commune sanctorum. Van der kertmissen secundum Lucam (C11). In der zit gich[sic] Ihesus irz durch Iericho [Lc 19,1] … — … an der lute selen der se nicht berovet mogen werden. Insgesamt 50 Perikopen; im Gegensatz zu Cod. Guelf. 952 Helmst. sind hier Sanctorale und Commune sanctorum gemischt und ergänzt: van der kertmissen secundum Lucam (C11, in Cod. Guelf. 952 Helmst. am Schluss des Commune sanctorum), van sancte Andreas avende (fehlt in Cod. Guelf. 952 Helmst.), an sancte Andreas tage (S1, in Cod. Guelf. 952 Helmst. nach S67), van sancte Thomas dat such imme suntage na paschen (S8, Verweis auf T29), van sancte Stephane (S9), van sancte Johannes ewangeliste (S10), van den kinderen (S11, S8–S11 fehlen in Cod. Guelf. 952 Helmst.), an lichtmessen tage (S21), van sancte Mathias (S24), van sancte Marcus, van sancte Vitalis van sancte Georgius (S29, S30, S173), van sancte Philippus ande Jacobus (S32), an sancte Johannes baptiste avende, ame tage sancte Johannes Baptiste (S44), an sancte Petrus vnd Paulus avende, am tage sancte [Petrus] vnd sancte Paulus (S46), van sancte Paulus (S46/2), ame achten tage sancte Petrus vnd sancte Paulus, van sancte Marie Magdalenen (S49), sancte Dominicus (S54, fehlt in Cod. Guelf. 952 Helmst.), an unser vrowen tage wortemissen (S59), van sancte Bartholomeus (S61), an sancte Johannes alse he hovedet wart (S64), van sancte Matheus (S67), van den engelen (S70, fehlt in Cod. Guelf. 952 Helmst.), van sancte Lucas (S75, in Cod. Guelf. 952 Helmst. andere Rubrik), van sancte Symon vnde Judas (S78, fehlt in Cod. Guelf. 952 Helmst.), an aller hilgen avende (fehlt in Cod. Guelf. 952 Helmst.), an aller hiligen tage (S79, fehlt in Cod. Guelf. 952 Helmst.), van sancte Martene van sancte Nicolaus van sancte Augustinus (S81, S3, S63, fehlt in Cod. Guelf. 952 Helmst.), van den apostelen (C2, zwei Perikopen, in Cod. Guelf. 952 Helmst. noch zwei weitere), van enen mertelere (C4, drei Perikopen), van den meren merteleren (C5, vier Perikopen, in Cod. Guelf. 952 Helmst. noch drei weitere), van den confessoren (C7, vier Perikopen, in Cod. Guelf. 952 Helmst. noch zwei weitere), van den iuncvrowen (C9, zwei Perikopen), van vnser vrowen (C10), van den selen (S80, fünf Perikopen, in Cod. Guelf. 952 Helmst. nur vier, davon eine abweichend).
    Textgeschichte: Der in der Forschung bislang unbekannte Codex überliefert die gleiche Textfassung, allerdings mit Ergänzungen, Auslassungen und in z. T. abweichender Reihenfolge, wie das "Wolfenbütteler Evangelistar" Cod. Guelf. 952 Helmst.
    101rv (ursprünglich hinteres Vorsatzbl.) leer.
Entstehung der Handschrift: Die Schreibsprache des Codex legt nahe, dass er im nördlichen Grenzgebiet des mitteldeutschen Sprachraums geschrieben wurde. Die auch in niederdeutschen Plenaren wie Cod. Guelf. 392 Helmst., 208rb–209ra; 582 Helmst., 302v–307r und 650 Helmst., 127v–129r, auffallende Hervorhebung des Festes von Petrus und Paulus mit Vigil und Oktav deutet auf einen vermutlich monastischen Entstehungort mit entsprechendem Patrozinium hin, beispielsweise auf das Augustiner-Chorherrenstift St. Petrus auf dem Lauterberg (Mons Serenus, heute Gem. Petersberg) bei Halle/S.
Provenienz der Handschrift: Da dieses Stift über das Goslarer Provinzialkapitel der Augustiner-Chorherren seit dem 13. Jh. über enge Verbindungen in den Nordharzraum verfügte, ist nicht auzuschließen, dass der Codex auf diesem Wege in eines der südniedersächsischen Augustiner-Chorfrauenstifte, etwa nach Heiningen oder Marienberg bei Helmstedt, gelangte, vgl. dazu oben bei Cod. Guelf. 319 Helmst., 102rb–106vb.
Erwerb der Handschrift: Sofern dies zutrifft, dürfte der Codex seit 1572 in der Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel aufbewahrt und 1618 in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt worden sein. In den Katalogen von 1614 und 1644 aufgrund seiner Größe nicht explizit erwähnt, wird er erstmals ausführlich 1797 im Handschriftenkatalog von P. J. Bruns (BA III, 52) unter Nr. 1107 beschrieben: Evangelia in dies dominicales et festos Platd. membr. 12°. — Die Hs. wurde 1810 nicht in die Universitätsbibliothek Göttingen transferiert, unter der Katalognummer von Bruns in der Verlustliste der Göttinger Bibliothekskommisison vom Mai 1812 genannt, vgl. Göttingen, SUB, BA, B 25b:2, Promemoria der Göttinger Bibliothekskommission vom 9.10.1815, Anlage H, unfol., sondern verblieb wie der Codex I Hs 1 (s. dort) im Juleum zu Helmstedt.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

Schneyer J. B. Schneyer, Repertorium der lateinischen Sermones des Mittelalters für die Zeit von 1150–1350, Bd. 1–11, Münster 1969–1990, Bd. 1–4 ebd. 21973–1974 (Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters 43, 1–11)

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