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Beschreibung von Helmstedt, ehem. Universitätsbibliothek, Pgt. Frgm. 16
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Handschriftentitel: Eike von Repgow. Johannes von Buch
Entstehungsort: Braunschweig
Entstehungszeit: um 1370
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 1 Bl.
Format: 43,5 × 23,5 cm
Zustand: Das Bl. ist für die Verwendung als Umschlag gefaltet, am Rand und an den Ecken schräg beschnitten, an der Außenseite angeschmutzt, in der Blattmitte (ehemaliger Rückenüberzug) ist der Text verwischt, Textverlust durch mehrere Löcher und Risse.
Seiteneinrichtung: 31 × 19,5 cm, zweispaltig (Spalten 9 cm breit), 41 Zeilen, Tintenliniierung, Punkturen an den Blatträndern sichtbar.
Hände: Regelmäßige, sorgfältige Textualis von der gleichen Hand wie in Cod. Guelf. A.d Extrav., Glosse in kleinerem Schriftgrad vom Haupttext abgesetzt.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Sorgfältig rubriziert, abwechselnd rote und blaue Lombarden und Paragraphenzeichen. Zitatkennzeichnungen, Überschriften, Seitentitel und marginale Remissionen rot. Identische Ausstattung wie inCod. Guelf. A.d Extrav.
Entstehung der Handschrift: Das Blatt war Bestandteil eines repräsentativen Sachsenspiegel-Codex, der in Format, Layout, Textgestalt und Ausstattung vollkommen mit dem auf 1367 datierten Codex Cod. Guelf. A.d Extrav. aus dem Besitz des Braunschweiger Rates identisch ist und damit wie dieser zu den ältesten bekannten Abschriften des Sachsenspiegel-Landrechts mit der Buch'schen Glosse gehört. Beide entstanden zur gleichen Zeit in einem professionellen Skriptorium, das sowohl über aktuelle Textvorlagen des glossierten Sachsenspiegels als auch über die Kenntnis juristischer Handschriften französischer Provenienz verfügte, die als Vorbilder für die Gestaltung der Codices mit dem einheimischen Recht dienten. In Schrift und Illumination stehen den Sachsenspiegelcodices die für das Braunschweiger Kollegiatstift St. Blasius gefertigten Missalia NLA – StA Wolfenbüttel, VII B Hs 175, VII B Hs 178, VII B Hs 179 und VII B Hs 192 sowie das Dorstädter Mariale Cod. Guelf. 617 Helmst. besonders nahe, vgl.
  • Härting 30–32, 46–53;
  • Divina officia, 406f. Nr. 79 (H. Härtel.);
  • Haucap-Nass St. Blasius, 221f. Nr. 85, 88, 89 und 102;
  • K. Schnabel, Ein Zeugnis der Marienfrömmigkeit im 14. Jahrhundert. Das Dorstädter Mariale Cod. Guelf. 617 Helmst., in: Rosenkränze und Seelengärten, 137–146.
Ob der Codex, aus dem vorliegendes Fragment stammt, ebenfalls in Braunschweig aufbewahrt wurde, ist eine nicht mehr beweisbare Hypothese, vgl. dazu Lesser Gerwin von Hameln, 89f.
Provenienz der Handschrift: Der Codex wurde offenbar im frühen 17. Jh. aufgelöst, das vorliegende Bl. diente als Einband für den theologischen Sammelband J 176 der Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben im Katalog HAB, BA III, 84, p. 174, mit insgesamt 7 Einzeldrucken: VD17 3122:718434G, 3122:718435Q, 23:264730F, 23:631583M, 23:257671U, 3:601425X und VD16 ZV 25552. Da Provenienzvermerke fehlen, ist unbekannt, wann und auf welchem Wege der Codex mit dem Einbandfragment in den Besitz der Universitätsbibliothek gelangte.
Erwerb der Handschrift: Der Sammelband befindet sich bis heute in der Ehemaligen Unversitätsbibliothek Helmstedt, wo der Bibliothekar Rolf Volkmann das Fragment 1992 entdeckte und im Atelier von F. Koschate in Göttingen ablösen und restaurieren ließ.
Hauptsprache: Schreibsprache: Mittelniederdeutsch (ostfälisch).
Inhalt:
1. 1ra–vb Eike von Repgow: Sachsenspiegel (Landrecht mit der Glosse des Johannes von Buch) . (Text setzt ein) … ren is der wedder claghe [nene stede v]an ver vesten luden … — … so l[at vragen e]nes ordeles dat du gher[ne hordist we]der id de vindere wor de [vinden eder ieghen de](Text bricht ab). Das Fragment enthält die Passagen Landrecht 3,12,1–14,1 und gehört zur Textklasse IVa (Homeyer Rechtsbücher, 274 Nr. 1223; Oppitz 1, 29) bzw. laut MGH Fontes iuris N.S. 7, LVII, zur Klasse Ia. Auf den Paragraphentext folgt jeweils direkt in kleinerem Schriftgrad die Glosse, in marg. Remissionen auf das Kaiserrecht.
Textgeschichte: Den identischen Text bietet die Schwesterhs. Cod. Guelf. A.d Extrav., 125va–126rb.
Druck
  • MGH Fontes iuris N.S. 7, 1006–1014 (1536 Nr. 94 Hs. genannt);
  • Scheele, Fragment (s. oben), 110–113.
Zur Buch'schen Glosse vgl.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

Härting M. Härting, Der Meßgesang im Braunschweiger Domstift St. Blasii (Handschrift Niedersächsisches Staatsarchiv in Wolfenbüttel VII B Hs 175). Quellen und Studien zur niedersächsischen Choralgeschichte des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts, Regensburg 1963 (Kölner Beiträge zur Musikforschung 28)
Homeyer Rechtsbücher G. Homeyer, Die deutschen Rechtsbücher des Mittelalters und ihre Handschriften, Weimar 1931/1934
HQL 1 Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte, Bd. 1: Mittelalter (1100–1500): Die gelehrten Rechte und die Gesetzgebung, hrsg. von H. Coing, München 1973 (Veröffentlichung des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte)
Kannowski B. Kannowski, Die Umgestaltung des Sachsenspiegelrechts durch die Buch'sche Glosse, Hannover 2007 (MGH Schriften 56)
Oppitz U.-D. Oppitz, Deutsche Rechtsbücher des Mittelalters, Bd. 1: Beschreibung der Rechtsbücher, Bd. 2: Beschreibung der Handschriften, Köln u. a. 1990
Rosenkränze und Seelengärten Rosenkränze und Seelengärten — Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern, hrsg. von B.-J. Kruse, Wiesbaden 2013 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 96)

Dieses Dokument steht seit dem 1.März 2013 unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz (CC BY-SA).

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