Transkription

Kirchner, Timotheus/Selnecker, Nikolaus/Chemnitz, Martin: Histori deß Sacramentstreits, Darinnen klärlich außgeführet wirdt, wie diese Zwytracht entstanden, biß auff unsere Zeit continuiret, Und sonderlich was hierinn von den Augspurgischen Confessionsverwandten ... zu gründtlicher Widerlegung deß Zwinglischen unnd Calvinischen Irrthumbs ... gehandelt worden .
[Inhaltsverzeichnis]
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Histori deß Sacramentstreits /
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Darinnen klärlich außgeführet wirdt / wie diese Zwytracht entstanden / biß auff vnsere Zeit continuiret / Vnd sonderlich was hierinn von den Augspurgischen Confessionsverwandten / Chur / Fürsten / Ständen / vnd Theologen / zu gründtlicher Widerlegung deß Zwinglischen vnnd Caluinischen Irrthumbs / Mündtlich vnd Schrifftlich gehandelt worden.
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Auß den vngezweiffelten offentlichen Actis vnd ergangenen Schrifften / so in der Chur vnd Fürsten Cantzeleyen vnd Archiuis mit Fleiß beygelegt / durch etliche fürnehme Theologen zusammen geordnet.
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Allen frommen Christen zu diesen letzten gefährlichen Zeiten zu wissen schr nützlich vnd nohtwendig.
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Gedruckt im Jar vnsers Erlösers vnd Seligmachers Jesu Christi / 1591.
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Kurtze Vorrede an den Christlichen Leser.
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DEmnach in der allgemeinen Vorrede der Apologien deß Christlichen Concordibuchs genugsam angezeiget worden / auß was Vrsache̅ dieselbige verfasset / vnd durch den Truck publiciret / bedarff es dieses orts desto weniger Wort oder Berichts / warvmb auch die Historia Augustanae Confessionis, so viel den Artickel vom heiligen Abendtmal belangt / fürgenommen sey. Dann es je an dem / daß dahin allermeist gesehen / daß das Schnöde vom Guten / die Warheit von der Vnwarheit / vnd auffrichtige Händel vom Betrug vnd Falschheit mögen gescheiden werden /
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vnd dem Christlichen Leser / der durch elnes dazu gedingeten Aduocaten / an eim fürnehmen Ort (dessen Ehre vn̅ Glimpffs halben / wir auch seines rechten Namens / den er vnchristlich verleugnet / jetzt geschweigen / vnd biß zu seiner Zeit schonen / vnd sparen wöllen) so sich mit eim selbsertichten Namen / Ambrosi Wolff vnd German Beyer nennet / vnwarhafftige Narration vnd Lügenhistoriam eiusdem Confessionis, jrre gemacht / die vnfehlbare Warheit klar für Augen gestellet / vnd also beydes den jetzo lebenden vnd Nachkommenden (da anderst die Welt lenger stehen soll) gedienet / vnd für deß Caluinischen Sacramentschänderischen Gegentheils vnverschämbten Fälschereyen vnd Verkehrungen mögen gewarnet seyn. Es ist ja nun männiglich bewust / was die Sacramentirer durch jetztgemeldten gedichten vnflätigen Wolff erstlich in La
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teinischer / darnach in Teutscher Sprach / wider die wahre Histori der Augs. Confes. jhre falsche jrrige Meynung vom H. Abendtmal / dadurch fortzusetzen / vnnd sich vnter die Augsp. Confes. als vnter jhrer Schwermerey vermeynten Schandtdeckel zu verkriechen / durch öffentliche̅ Druck außgesprenget / da wir vns dann erinnern vnsers Kirchengesangs / Ach Gott der thewre Name dein / muß jhrer Schandt ein Deckel seyn / Du wirst ein mal auffwachen. Nun ist man wol so baldt willens gewest / in der gemeinen Apologia deß Christlichen Concordi Buchs / vnter andern auch diese greßliche Wölffische Vnwarheit gründtlich vnnd außführlich zu widerlegen / vnnd hergegen die wahre Historiam der Augspurg. Confes. im Artickel vom Nachtmal deß HERRN / rundt / klar vnd deutlich zu setzen / wie dann auch gleichwol
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zu weilen etwas nach Gelegenheit von diesen Sachen mit wenig Worten in die Apologia hineyn getruckt vn̅ angedeutet worden / aber weil es zu weitleufftig / vnnd die Sachen zu groß vnd viel / vnnd doch vmb der Nachkommen willen hochnötig geachtet / daß deß Wolffen vnnd seines gleichen Vnwarheit vnd Verkehrunge / sonderlich vnd gründtlich gezeiget vnnd widerleget würden / vnd ein recht vnverdächtige / vnverfälschte / wahre Historia der Augspurg. Confes. verfasset würde / wie dieselbige je vnd allweg in den Kirchen / so sich dazu bekandt vnnd noch bekennen / beyde von der hohen vnd anderer Obrigkeit / vnd von den Vnderthanen / Lehrern vnd Zuhörern / angenommen vnd verstanden / nemlich / nicht nach Zwinglischer oder Caluinischer Meynung / wie der erdichte Wölffische Rabula vermeßlich für geben darff / als weren von Anfang deß nidergelegten Bapstthumbs
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alle Euangelische Chur / Fürsten vn̅ Stände der Augs. Conf. mit allen jren Kirchen vnd Schulen / Zwinglisch oder Caluinisch gewesen: So hat demnach / auß Christlichem / hochnötigem / Gott wolgefälligem vn̅ der gantzen Kirche̅ nützlichem / auch der Posteritet dienstlichem Raht / ein warhafftige Historiam Augspurg. Conf. vom H. Nachtmal deß HERRN / von Anfang biß zu dieser Zeit / nicht auß verlegenen / vmbfliegenden Schartecken / noch auß Priuat vnd zusam̅en geraspelten vngewissen / vnd auff Schrauben gesetzten Episteln / sondern auß den publicis Actis vnd solchen Schrifften / so derwegen zu jeder Zeit gewechselt / vnnd in den Churf. vnnd Fürstlichen Cantzeleyen vn̅ fürnemen örten / mit fleiß verwahret behalten / der vnwarhafftigen Historia deß erdichte̅ Wolffs zu entgegen / begriffen / in welcher nach allen Vmbständen der Zeit vnd Sachen / alles das / was
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da zu gehörig / vnd deß Wolffen vnerfindtlich Gedicht zu widerlegen von nöten / ordentlich / deutlich vnd warhafftig erzehlet: Darauß auch der Christliche Leser wol sehen wirdt / wie boßhafftig das Gegentheil mit solchen offentlichen Religionssachen vmbzugehen pflegt / auch wie schändtlich es die gewisse / klare / helle Warheit zu verkehren / vnd seinen jrrigen Wahn mit List / Tücken vnd Gewalt fortzusetzen / vnd den Einfältigen eynzubilden / sich vnterstchet / also / daß viel weise vnnd Gottsfürchtige Männer / auß langwiriger Erfahrung / vnverholen außsagen / vn̅ für gewiß bekennen vnd zeugen dürffen / daß sie jhr lebenlang keine Leute noch Secten jemals bekandt / gesehen / gehöret vnd erlebet haben / die in Göttlichen Sachen also alfentzen / vnd mit solchen Lügen offentlich vn̅ heimlich / List vnd Betrug / jren gefasten Wahn vnd Irrthumb vnverschämpt vnd vnge
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scheuwet / außspreuwen wollen / als eben die Sacramentirer jetziger Zeit in jhren Historien / Defensionen / Nouis, Pasquillis, Schrifften vnd Reden / zu thun pflegen / daß man auch jnen nicht mehr in Weltlichen Sachen / viel weniger aber in Göttlichen Dingen gläuben noch trauwen kan / dieweil sie anders reden / denn sie es meynen / vnd anders im Hertzen vnd Sinn haben / dann jre Wort auß jrem Munde lauten / Vnd vber das jmmerdar allerley darzu dichten / vnd manchsmal im Flug vnd im Lufft etwas erhaschen / erschnappen vnd auffbringen / das sich in der Warheit gar nicht also im geringsten verhelt. Darauß dann je männiglich den trutzigen stoltzen Lügengeist erkennen / neiden vnnd meiden solte. Auff daß nun die Warheit ans Liecht komme / wie es mit der Historia der Augspurgischen Confession in dem hohen / tröst
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lichen Artickel / vom H. Abendtmal vnsers lieben HERREN vnd Heylandts Jesu Christi (dessen Lehr vnnd Ehr / wir / Gott lob / haben vnd suchen) bewandt sey / vnnd wie der Caluinische Lügengeist so hefftig vn̅ trotzig sich dawider aufflehnet / So haben hier zu die deputierten Theologen / die wahre vngezweiffelte Historiam / wie sie an jr selbst ist / von Jaren zu Jaren mit jren Vmbständen / trewlich vnd auff Christlichen Glauben erzehlet / vnd zugleich / was zur Richtigkeit / Grundt vn̅ Bestettigung der Lehre gehörig vnd nöhtig / mitgenommen vn̅ deutlich erkläret / daß also historica vnd res ipsae, oder wie man pflegt zu reden / doctrinalia & realia, beysammen sind / vn̅ haben nicht gethan noch thun wöllen / wie der Caluinianer / deß Wolffen / vnd seines Namens vnd Thuns gleichen / Brauch ist / die allein das jenige zwacken vnd annem̅en / was jnen in jren Krahm dienet vnd gefäl
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lig ist / was aber für sie nicht / sondern jnen zu wider / da gehen sie fürüber / vnd vertuschen es / wo / wen̅ / vnd wie sie nur können. Eine auffrichtige Christliche Redligkeit ist / Gott lob / zu dieser Historia gebracht / geübet / vnd ins Werck gesetzt worden / vnd auß vnwidersprechlichen Gründen der Warheit alles weitläufftig vnnd reichlich außgeführet / nicht allein was sich von der Zeit der vbergebenen Confession zu Augspurg / vnd auch in vorgehenden Jaren / biß auff das 62. Jar / mit der selben Confession zugetragen / sondern auch wie baldt anfangs dieser Artickel vom H. Abendtmal / von D. Luthero / vnd andern seinen getreuwen Gehülffen am Euangelio sey gelehret vnnd erkläret worden / vnnd wie sich der Streit vber den Worten deß Abendtmals erhoben. Damit nun fromme Hertzen / denen die Warheit lieb ist / vnd gern beständige̅ Be
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richt von dieser großwichtigen Religions Sachen haben wöllen / Christlich vn̅ auffrichtig / ohn Wölffischen Falsch vnnd Betrug gedienet werde / ist ermeldte warhafftige Historia der Augspurgischen Confession / wie sie von Anno / etc. 30. auch zuvorn von denen / so sie vbergeben / vnnd hernach jmmerdar / im Artickel vom H. Abendtmal recht verstanden vnd erkläret / in dieses Buch auß beständigem Grundt der Warheit gefasset / vnnd durch den Druck mitgetheilet worden. Der barmhertzige Gott vnd Vatter aller Gnaden / verleihe vmb seines geliebten Sohns vnsers einigen Mittlers vn̅ Heylandts Jesu Christi willen / daß ermeldte warhafftige Historia der gantzen Christenheit zu allem Guten diene / Amen / HERR Jesu / AMEN.
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Historia, Wie je vnd alwege die Augspurgische Confession / im Artickel vom heiligen Abendtmal des HERREN / bey vnd in reinen Kirchen vnnd Schulen / nach laut des vnfehlbaren Worts Gottes / sey verstanden / vnd wider das Gegentheil verthedigt worden.
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VNter andern bösen / arglistigen vnnd vnchristlichen Tücken vnnd Griffen / damit die Sacramentierer / sonderlich zu diesen jetzigen letzten Zeiten / sich vnderstehn die Leute gleich zubezäubern / vnnd von den einfeltigen klaren Worten der Einsatzung des Abendmals deß Herren abzuführen / ist fast das fürnembste / daß sie alle Geschichte / vnd die gantze Historiam von Religions Sachen / fürnemlich in dem Artickel vom Abendmal der HERren / von der zeit an / da Gott durch den getrewen Dienst D. Lutheri angefangen hat / das Liecht Göttliches Worts / auß der grewlichen Finsterniß der vielfeltigen Abgötterey vn̅ Irrthumb(Der Sacramentierer vnnerschemtes Gedicht / daß alle Churfürsten vnnd Stände / so sich zur Augspurgischen Confession bekennen / je vnnd allweg sollen Sacramentierisch gewest sein.) des Antichristischen Babsthumbs / widerumb an den Tag vnnd ans Liecht zubringen / biß auff diese jetzige zeit zu verstümmeln / zu verkeren / zu verdrehen / vnd zu verfelschen / sich dürstiglich vermessen / vnnd wöllen also gleich mit gewalt die gantze Welt vberteuben vnd bereden / als were bey den Protestierenden Churfürsten / Fürsten vnd Stenden / beide Kirchen vnd Schulen / Lehrer vnnd Zuhörer / in der Lehr / Glauben vnd Bekentnis / fast je vnnd allwege Sacramentierisch / Zwinglisch vnd Caluinisch gewesen.
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Nun handelt man allhie ja nicht von Historien vnnd Geschichten / so in weiten / fernen / frembden Landen / weit vber Meer / in der newen Welt / in America, India, oder etwan in Vtopia, sich zugetragen / oder die so alt / verlegen / vnnd von wegen der so gar vielen vndencklichen jahren / jederman vnbekandt vnnd vnbewust / dauon ein jeder seines gefallens erdencken / tichten vnnd herfür bringen möchte / was er wolte: Sondern es würdt gehandelt von Historien vnnd Geschichten / so mitten im Teutschlande / nicht in einem verborgenen Winckel / heimlich / sondern in hellem / klaren Liechte / sich zugetragen / daruon offentliche gedruckte Bücher / vnnd auch schrifftliche Vrkunde / nicht allein bey beglaubten priuat Personen / sondern auch bey grosser Potentaten Cantzeleyen noch vorhanden / vnd noch viel Leute im Leben sind / die zum theil von den Händeln gute wissenschafft haben. Daher billich alte ehrliche Leute sich nicht gnugsam verwundern können / daß jetzund noch gefraget vnnd disputieret soll werden / Ob die Stände / Kirchen vnnd Schulen der Augspurgischen Confession / von Anno 1517. biß auff diese zeit / im Artickel von des Herren Abendmal / Lutherisch / oder Zwinglisch vnnd Caluinisch gewesen sein sollen / vnnd daß nicht allein der Teuffel so vnuerschämpt / so küne / vnnd / wie man sagt / so kürre jetzund sey / daß er auch in öffentlichen Schrifften darff tichten vnd fürgeben / man sey in Kirchen vn̅ Schulen der Augspurgischen Confession / jmmer vnnd allwege / was den Artickel vom Abendmal deß Herren belanget / Zwinglisch oder Caluinisch gewesen / sondern daß man auch Leute soll finden / die solchem fälschlichen vnd groben Gedicht können beifall geben. Da würdt doch ja in der that erfüllet das schreckliche Vrtheil Gottes / da man lange vor gewarnet / geprediget vnd geschrieben hat / dauon Paulus 2. Thessal. 2. weissaget: Dafür daß sie die Liebe zur Warheit nicht haben angenommen / daß sie selig würden / darumb würdt jhnen Gott einen krefftigen Irrthumb senden /
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daß sie der Lügen glauben / auff daß gerichtet werden alle die der Warheit nicht glauben / sondern haben lust an der Vngerechtigkeit. Nun hat wol der Meister oder Tichter desselbigen Comments / wölchem er diesen Tittel geben: Historia von der Augspurgischen Confession / im Artickel von des HERREN Abendmal / etc. bey seinem rechten Namen sich nit nennen dörffen oder wöllen / sondern hat sich in eine Nebelkappe / vnder eines andern frembden ertichten Namens / nemlich / M. Ambrosij(Ambrosij Vvolffij Gedicht vnnd falsche Legend.) Vvolffij, (weil er eben vnder der Decke mit solcher Wahre bey den seinen ein zimlichen guten Marckt gehabt) versteckt vnnd verkrochen. Aber eben mit solcher vertuschung seines Namens (wölches vor zeiten auch in Politicis nicht were für ehrbar gehalten) vnd mit anmassung eines Wölfischen Namens / hat er durch eine sonderliche schickung vnnd heimlich Gericht Gottes / sich müssen so fern zuerkennen geben / daß an jhme durch solche That erfüllet werde / daß Christus spricht / Joan. am 3. Wer arges thut / der schewet das Liecht / vnnd kömpt nicht gern an das Liecht / daß seine Werck nicht gestrafft werden. Item / daß Paulus weissaget / Actor. 20. Es werden vnder euch kommen grewliche Wölffe / die der Herde nicht verschonen werden / Auch auß euch selbest werden auffstehen Männer / die da verkehrte Lehr reden / die Jünger an sich zuziehen. Gleiches falls / daß Christus / Matth. am 7. warnet: Sehet euch für / für den falschen Propheten / die in Schaffskleidern (als weren sie eitel heilige Ambrosij) zu euch kommen / jnnwendig aber sind sie reissende Wölffe. Nun haben sich zu dem Vvolfio noch andere wilde Thier /(Newstädter Buch / Admonitio genannt / falsch vn̅ vnerbar.) so von dem alten Berengario jhren Namen haben / als Vrsinus, vnnd dergleichen gesellet / wölche im Newstätischen Buch / Admonitio genannt / vnder andern eben solches vnerbarn Stücks mit der Historia Augustanae Confessionis sich befleissen / auff
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daß es gehe nach dem / wie Amos saget / Cap. 5. Gleich als wenn jemandt für dem Löwen (oder Wölffe) flöhe / vnnd ein Beer begegnete jhm. Vnd ob wol der alte brüllende Löwe es mit solchem (Warumb dise Historia geschriben worden.) Comment gar gifftig vnd böse meinet / so dienet es doch vnnd ist nütze darzu / daß per illam occasionem, mit Vorwissen / Raht / vnnd auß beförderung ettlicher Christlichen löblichen Stände der Augspurgischen Confession / die Händel auffgesucht / vnd in eine richtige Ordnung / per annotationem historicam, gefasset / vnnd also eine vera narratio aller der Religions Händel / so fürnemlich / was diesen Artickel vom Abendmal des Herren belanget / der gefälschten Historien des Vvolffij, vnnd der Newstätischen Theologen / opponiert / vnnd dauon rechter / gründlicher / klarer Bericht / auff die Nachkommen / graui & publica authoritate, möge transmittieret werden. Denn weil allbereit zu dieser zeit so öffentliche grobe historiarum deprauationes ohne schew fürbracht werden / was würde wol in künfftigen zeiten (da die Welt noch lenger stehen solte) geschehen? So würdt auch solche Arbeit darzu gut sein / wenn dem Leser solche Verfälschung der Historien / auß gutem bestendigem Grunde / gezeiget vnd gewiesen werden / daß jederman darauß vernem̅en vnd vrtheiln würdt können / weß Geistes Kinder solche Leute sind / vnnd was jhnen sonsten in andern dingen zutrawen sey / die solche greiffliche Vnwarheiten / in kündlichen / erweißlichen Historien oder Geschichten / öffentlich sich nicht schewen fürzugeben. Es würdt aber für vnnötig geachtet / bey einem jeden stück / eine sonderliche Declamation oder lange Predigt zumachen: Sondern nach Ordnung der zeit / sollen von einem jar zum andern / die fürnembsten Historien / so in vnnd vber dem Sacramentshandel / bey den Ständen / vnnd in den Kirchen der Augspurgischen Confession verwandt vnnd zugethan / sich zugetragen / vnnd was dargegen von den Sacramentierern fürgenommen / recht vnnd warhafftig auß gutem bestendigem Grunde /
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kürtzlich vnd einfeltig verzeichnet / vnnd dargegen gezeiget vnd geweiset werden / wie vntrewlich vnd fälschlich vnsere Widersacher / die Sacramentierer / mit solchen Historien vmbgehen / darauß jhr Geist / der sie treibet / wol vnd leichtlich kan geprüfet werden. Vnd anfenglich setzen sie mit grossem trotz vnd freuel / daß(Gedichte rede / daß D. Lutherus sol allzeit im anfang / Sacramentierisch gewest sein.) Lutheri lehr / glaub vnd bekentnis / von der zeit an / da er angefangen hat wider das Bapsthumb zu schreiben vnd zu streiten / ehe dann Anno 1524. der Sacramentierer streit vom Carlstad erreget worden / je vnnd alle zeit sey Zwinglisch oder Caluinisch / vnd das man jetzo Sacramentierisch nennet / gewesen / Das ist / in der meinung / daß der Leib vnd Blut deß Herrn / mit vnd nach seiner Substantz vnnd Wesen von dem gesegneten Brot vnd Wein im Abendmal bey vns auff Erden / so weit vnd fern abwesend vnnd abgescheiden sey / als der Himel von der Erden ist. Et hoc esset vnum magnum verbum, si verum esset, wie die Juristen sagen / Das were ein groß Wort / vnd were viel geredt / wenns warwere. Nun wölle der Christliche Leser doch vmb Gottes willen acht drauff geben / wie war das sey / daß sie zum Grund vnd Anfang jhrer historischen Narration setzen. Dann wir wöllen diesen jhren ersten vnverschempten Vngrund / durch Gottes Gnaden / der öffentlichen vnwarheit so klerlich vberweisen / als die liebe Sonne am hellen Mittag ist / daß ein jeder es sehen / ja greiffen vnd fülen möge. Denn erstlich schreibt Lutherus ja selber / vnnd dasselbige(Widerlegung vn̅ falschheit deß vorigen Gedichts.) mit grossem ernst / protestationis weise / Anno 1527. in dem Buch / (Daß diese Wort noch fest stehen) Ich wil hiermit für Gott vnd aller Welt bezeuget vnd bekandt haben / daß ichs mit den Sacramentschwermern nicht halte / noch je gehalten habe / noch jmmermehr halten wil / ob Gottwil.
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(Anno 1520.) Zum andern / Wie dazumal der Bapst selber mit allen Papistischen Vniuersiteten / auß allen Winckeln vnd Orten / Artickels weise zusammen klaubten / vnd verdampten / was Lutherus an der Bäpstischen Kirchen lehr straffte / da sind wol andere Artickel vom Sacrament deß Abentmals mit drunder / aber der Artickel wirdt darunter nicht gefunden / als solte Lutherus jemals die ware wesentliche Gegenwertigkeit deß Leibs vnnd Bluts Christi / in oder vnter dem Brot vnd Wein im Abentmal / angefochten oder verleugnet haben. (Doct. Eck wider D. Lutherum.) Zum dritten / Wie D. Eck am ende deß 20. jhares / von Rom mit Bäpstlichen Bullen ankommen war / vnd derwegen sonderliche Außschreiben wider Lutherum außsprengete / vnnd vermeinete Lutheri Sach bey jedermenniglich noch mehr verdechtig vnd verhasset zumachen / wann er jhme schuld gebe / daß er nicht gleubte / daß der Leib vnd das Blut Christi im Abendmal gegenwertig were / wie dasselbige auch hernach der Münch (Diettenberger.) Diettenberger gethan / hat Lutherus dagegen eine Protestation lassen außgehen / sampt einem Büchlein / von den newen Eckischen Bullen vnd Lügen / vnd spricht im anfang / daß D. Eck ein solcher falscher Mensch erkennet vnnd beruffen sey / daß er leuget vnd treuget was er redet / schreibet vnd thut / Vnd wie er folgendes kompt auff den Artickel vom dem waren Leib vnnd Blut Christi im Sacrament / erinnert er sich / daß man im Deutschen Sprichwort saget: Eine öffentliche Lügen sey keiner Antwort (Tom. Ien. 1.) werth / vnd spricht nur kürtzlich: Das D. Eck mir schuld gibt / als solle ich lehren / daß Christus Fleisch vnnd Blut / vnter dem natürlichen Brot vnd Wein gleuben / ketzerisch sey / da saget (Anno 1521. 1522.) er das seine / dann er weis es anders / etc. Jetzund aber dörffen VVOLFFIVS vnd seine Rottgesellen eben dasselbige dem Luthero / auß sonderlicher Zwinglischer Liebe / zur warheit öffentlich aufftichten / wie oben gemeldet.
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Zum vierdten / Im jhar 20. hat Lutherus eine Erklerung(To. 1. Ien. pag 211. Dreierley Ketzerey in Behmen / 1. Pigharder. 2. Grubenheimer. 3. Die von beider gestalt / nicht Ketzer / sondern allein zwispeltig / Schismatici.) gestellet etlicher Artickel in seinem Sermon vom Sacrament / da er schreibet: Von der Behmischen Ketzerey zusagen / höre ich / es sein drey Partheyen im Behmerland. Die ersten / die Pigharder / welche sich durch ein außgelassen Buch / das ich gesehen / selbst erkleren / daß sie nicht alleine beider gestalt geniessen (da nicht so gros anlege) sondern auch nicht gleuben / daß Christi Fleisch vnd Blut warhafftig da sey. Diese Behmen halte ich für Ketzer / spricht Lutherus / Gott erbarme sich vber sie / ich habe sie auch viel mal in meinen Schrifften gerühret: Vnd im Büchlein an den Christlichen Adel Teutscher Nation / Tomo 1. pag. 300. spricht Lutherus: Wenn die Pigharder gleuben / daß warhafftig Brot vnd Wein im Abentmal / vnd darunter warhafftig Fleisch vnnd Blut Christi da sey / wöll er sie nicht verwerffen / denn das sey ein Artickel deß Glaubens / daß in dem natürlichen Brot vnd Wein / natürlich Fleisch vnd Blut Christi sey. Noch schewet sich jetzt Meister Ambrosi Wolfius vnd seine Rottgesellen nicht / so außgeschempt zusein / daß sie öffentlich schreiben vnnd streiten / Lutherus sey von anfang seines schreibens / biß auff Carlstads Lerm / Anno 24. allzeit Sacramentierisch / das ist / Pighardisch gewesen. Vnd da sollen noch im Teutschland Leute gefunden werden / die solche öffentliche vnwarheit nicht allein vnuerschempt außsprengen dörffen / sondern derselben auch gerne gleuben wolten. Vnd diese öffentliche Erweisung bezeugen ja klerlich vnd gewaltig bey allen Ehr vnd Warheit liebhabenden Leuten / daß es eitel Vngrund vnnd Vnwarheit sey / wenn die Sacramentierer auß Lutheri ersten Schrifften hin vnd wider etliche Wort außzwacken / vnnd darauß wider seine eigene Wort / Meinung / Erklerung vnnd Protestation schliessen wöllen / als sey er vor dem streit mit Carlstad / der Sacramentierer Meinung / in der Lehr vom Abentmal deß Herren / das ist / Zwinglisch gewesen.
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Vnd diß einige stück were vberflüssig genug zu verantwortung vnd widerlegung alles deß / was aus Lutheri ersten Schrifften felschlich auff jren Zwinglischen Vnglauben angezogen wirdt / Als im Newstetischen Buch pag. 225. & sequentibus. Item in Vuolfij vnwarhafftiger Historien / pag 263. & sequent. Wöllen aber doch vmb mehres / deutlichers / klerers Berichts willen / etliche von jhnen angezogne Sprüche Lutheri besehen / da sichs denn öffentlich vnd greifflich befinden sol / wie vntrewlich / felschlich vnd bößlich / diese Leute dem frommen Luthero seine Wort verfelschen / verdrehen / verkehren / verstümmeln / vnd wider seine eigene Deutung / Meinung / Erklerung vnd Protestation / auff den Zwinglischen Schwarm / mit lauter gewalt vnd freffel ziehen. Vnd wer dann vber das sich gar nicht warnen lassen wil / sondern lust hat / wie Paulus geweissaget / der Lügen zu gleuben / da müssen wir Gottes Gericht gehen lassen / daß nemlich Gott jhnen einen krefftigen Irrthumb sendet / auff daß gerichtet werden alle / die der Warheit nicht gleuben / sondern haben lust an der Vngerechtigkeit / 2. Thessal. 2. Als daß sie anziehen Lutheri Wort ex responsione ad schedulam inhibitionis Episcopi Misnensis, Tomo 2. Vuitteberg. pag. 33. Vnd im ersten (D. Lutheri Wort verkehret vn̅ felsch lich angezogen von den Sacramentierern.) Teutschen Theil Ienens. pag. 219. da er schreibet / Es sey eine schande / daß nicht ein Bischoff solt gefunden werden / der köndte das Sacrament von dem Leib Christi vnterscheiden / welche doch weiter als der Auffgang vnd Nidergang vnterschieden sein. Allhier wölle der Christliche Leser acht geben / wie schendlich vnnd bößlich diese Leute dem Luthero seine Wort wider seinen Willen / Verstand vnnd Meinung / auch wider das / wie die Wort an vnd für sich klerlich lauten / öffentlich per crimen falsi verkehren: Dann sie wöllen auß den erzelten Worten schliessen vnnd beweisen / daß Lutherus dazumal so grob Zwinglisch vnd Sacramentirisch gewesen sey / vnnd den Leib Christi so
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weit vnnd fern vom Sacrament / das ist / vom gesegneten Brot des Abendmals abgesöndert / vnnd abwesend gesetzt habe / nicht allein wie die jetzigen Sacramentierer lehren / so weit der öberste Himmel von der Erden / sondern noch weiter vnnd ferner / nemlich / dann der Auffgang vnnd Nidergang von einander gesondert vnd gescheiden werden. Nun spricht Lutherus / distinguendum esse Sacramentum(Warer verfrandt der Wort D. Lutheri.) à corpore Christi, quae sic differunt, vt nec Oriens nec Occidens tantò distinguantur, vnnd verstehen alle / die Latein wissen / was da sey vnd heisse / (distingui & differre) als wenn man sagt: corpus differre & distinguendum esse ab anima. Item: illa duo differunt, &c. In einem lebendigen Menschen sey Leib vn̅ Seel vnderschieden / wölches keines weges so viel heist: In einem lebendigen Menschen ist die Seel von dem Leibe so weit abwesend / abgesondert vnd abgeschieden / wie der Morgen vom Abend. So handelt auch Lutherus am verzeichnetem Orte / in keinem wege diß / wie augenscheinlich. Vnd summa / das versteht jederman / dz es viel ein anders ist / von dem gesegneten Brot den Leib Christi vnderscheiden / dieweil das Brot nicht in den Leib Christi selbst verwandelt würdt / vnd lehren / der Leib Christi sey vom Brot so weit abwesend / als der Auffgang vom Nidergang ist. Vnd auß dem einigen Bubenstück solt man ja billich vernemmen / was solchen Leuten zu trawen. Mit was Threwen nun sie die vorigen testimonia Lutheri angezogen / mit solcher allegieren sie auch die folgenden. Denn(Zeichen / signa, symbola, sigilla, Sacramenta.) was Lutherus Zeichen heisse im Sacrament / wölches Wörtlin sie hin vnd wider auß seinen Büchern zusammen klauben / ist auß dem Spruch ex I. Tomo Ienensi, im Sermon vom hochwürdigen Sacrament / zuuernemmen / da er das Abendmal ein Zeichen nennet / nicht aber auff Zwinglische Meinung / vnd im Sacramentierischem Verstande / als were der ware Leib Christi von dem gesegneten Brot im Abendmal weit vnnd ferne abwesend /
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sondern er erkläret seine Wort deutlich vnnd außtrücklich also: Vber das alles / spricht er / hat Christus diese zwo Gestalt nicht bloß noch ledig eingesetzt / sondern sein warhafftig vnnd natürlich Fleisch in dem Brot / vnd sein warhafftig natürlich Blut in dem Wein gegeben / daß er je ein vollkommenes Sacrament oder Zeichen gegeben. Item in libro de captiuitate Babylonica spricht er: Der Leib Christi im Brot sey das Zeichen / so an die Verheissung gethan sey. Deßgleichen im Sermon vom newen Testament / Tom. 1. Ien. pag. 332. Gott hat in allen seinen Zusagungen gemeinglich neben dem Wort / auch ein Zeichen geben / zu mehrer sicherung vnd stercke vnsers Glaubens. Also gab er Nohe zum Zeichen den Regenbogen: Abrahae gab er die Beschneidung. Zur zeit Gideon gab er den Regen auff das Land vmb Lambfelle / vnnd so fort an findet man viel derselben Zeichen in der Schrifft / neben den Zusagungen gegeben. Denn so thut man auch in weltlichen Testamenten / daß nicht alleine die Wort schrifftlich verfasset / sondern auch Sigill vnnd Notarienzeichen daran gehenget werden / daß es je bestendig vnnd glaubwirdig sey. Also hat auch Christus in diesem Testament gethan / vnd ein krefftigst / alleredelst Sigill vnd Zeichen an vnd in die Wort gehenget / das ist sein eigen warhafftig Feisch vnnd Blut / vnder dem Brot vnnd Wein. Denn wir arme Menschen / weil wir in den fünff Sinnen leben / müssen je zum wenigsten ein eusserlich Zeichen haben neben den Worten / daran wir vns halten / vnnd zusammen kommen mögen / doch also / daß dasselbige Zeichen ein Sacrament sey / das ist / daß es eusserlich sey / vnd doch geistlich ding habe vnnd bedeute / damit wir durch das eusserliche in das geistliche gezogen werden / das eusserliche mit den Augen des Leibes / das geistliche jnnerlich mit den Augen des Hertzen begreiffen. Vnnd bald hernach: Das Sigill oder Warzeichen ist das Scrament Brot vnnd Wein / darunter sein warer Leib vnd Blut / dem es muß alles leben / was
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in diesem Testament ist / darumb hat er es nicht in tode Schrifft vnnd Sigill / sondern lebendige Wort vnnd Zeichen gesetzet / die man täglich widerumb handelt. Auß wölchen Worten allen klar zu vernemen / ob wol Lutherus(Zeichen des gegenwertigen / nit des abwesenden Leibs.) das Wort / Zeichen / braucht (wie es dann dazumal bey den Schullehrern / vnnd auch sonst / gebreuchlich war) daß ers doch nicht von einem Zeichen des abwesenden / sondern des gegenwertigen Leibes vnd Bluts Christi verstanden. Heisset denn das nun / wie sie fürgeben / Lutherus hab Zwinglische Lehr geführet / vnnd mit jhnen geschwermet / daß nur blosse Zeichen des weit vnd fern abwesenden Leibs vnnd Bluts Christi / im Abendmal / hie bey vns auff Erden / gegenwertig vnd außgetheilet werde? Daß heisset doch ja vntrewlich / fälschlich vnd bößlich / mit Lutheri Worten vnd Sprüchen vmbgangen. Auß der Kirchenpostill Lutheri / super textum Titi secundo,(Christus wirdt vns fürgetragen im Wort.) führen sie Lutheri Wort ein / da er spricht: Christus wirdt dir nicht in die Hand noch in den Mund gegeben: sondern man tregt dir jhn für / allein mit Wort vnd Euangelio. Diese Wort deuten sie dahin / als solte Lutherus gelehret haben / daß im Abendmal nichts mehr sey / gegeben vnnd empfangen würde / denn sonst in der Predigt des Euangelij fürgetragen. Nu redet aber Lutherus an gemeltem ort gar nicht vom Sacrament des Leibs vnnd Bluts Christi / sondern handelt da nur in gemein von der Predigt des Euangelij / vnnd was darinnen angebotten wirdt. Noch ziehen sie auch diese Wort für sich an / da doch Lutherus nicht mit eim Buchstaben der Lehr vom heiligen Abendmal / vnd was darinnen sey / außgetheilet vnnd empfangen werde / erwehnet. Vnnd das heist ja bey jhnen trewlich Lutheri Wort allegieren. Ebner massen handlen sie auch mit den Worten / so sie Dominica septuagesima, auß der Kirchenpostill citieren: Gott han
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dele mit vns Menschen durch zwey ding / durch ein leiblich oder mündlich Wort / vnd durch eusserliche Zeichen. Dann was Lutherus mit dem Wort / Zeichen / meine / ist bißhero gnugsam dargethan: So verwirfft auch Lutherus am ende des allegierten Sermons mit außgedruckten Worten derer Meinung / wölche fürgeben / das Brot bedeute Christi Leib / wie vnser Gegentheil thut / wie solte er denn mit vorgehenden Worten jhre Meinung bestettiget haben / vnnd derselben gewesen sein? Vber das ist zu mercken / daß vnser Gegentheil / auch in diesen Sprüchen Lutheri / jhre Falschheit gebrauchen / daß da Lutherus von der geistlichen Niessung des Leibs vnnd Bluts Christi redet / sie jhm dieselbigen Wort also deuten / als verneine er vnd verleugne damit (Das 6 Capitel Joannis redet nit vom Abendmal des HERREN.) die Sacramentliche Niessung des gegenwürtigen Leibs vnnd Bluts im Abendmal / da doch Lutherus offt außdrücklich meldet / daß das 6. Capitel Johan. nicht rede oder handele vom Abendmal des HERREN. Solche jhre schöne Kunst brauchen sie auch an Lutheri Worten / so sie ex secundo Tomo lenensi, ex assertione contra Bullam Leonis einführen. Denn was Lutherus contra Papisticam (Contra opus operatum.) opinionem operis operati, von würdigem / fruchtbarlichem vnnd seligem Brauch des Sacraments schreibet / Non Sacramentum, sed fidem Sacramenti iustificare, daß nemlich in allen Sacramentis, verbum promissionis müsse mit lebendigem vertrawen vnd Glauben angenom̅en werden / daß wir glauben / es gelte vns selber mit / dasselbige ziehen vnnd deuten sie auff die Substantz des Abendmals / vnnd wöllen darauß erzwingen / daß Lutherus nicht gehalten habe / daß der ware Leib vnd Blut Christi mit Brot vnd Wein im Abendmal gegenwertig sey / sondern daß nur die geistliche Verheissung / von der Gnade Gottes darinnen außgetheilet werde. Daß wir aber nicht lange zu rahten / oder hieruon viel disputieren dörffen / hat Lutherus Anno 1525. dieselbige seine Lehr
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vnd Meinung eben mit seinen vorigen Worten widerholet / in(An̅o 1525. schreibt D. Lutherus von ordnung der Communicanten.) dem Büchlein / (von ordnung vnd bericht / wie es forthin mit denen / so das hochwirdige Sacrament empfahen wöllen / gehalten solle werden.) Tom. 3. Ien. german. pag. 157. Die summa aber vnd meinung Lutheri an demselbigen ort(Im Bapsthumb hat man gelehret von der substantz deß Abentmals / aber von dem nutz vnd frncht / nichts.) ist diese: Bißher hat man (nemlich im Bapsthumb) vom Sacrament also gelehret / daß man je getrost vnd fest gleuben sol / daß vnter dem Brot sey der warhafftige Leib / vnd vnter dem Wein das warhafftige Blut Christi. Wozu man aber deß Sacraments begeren sol / vnnd was mehr dazu gehöret / das hat niemandt war genommen. Vn̅ haben nicht gesehen / daß ein solcher Glaub auch wol in Teuffeln vnd Vnchristen sein kan. Darumb ist es noch ein gering ding nur souiel gleuben. Wenn aber dieser Glaube kompt / welcher das Wort (für euch gegeben / für euch vergossen / zur vergebung der sünden) fasset / daß ich gewiß vnd sicher bin / daß er da ist / daß er mir gegeben / vnd mein ist / also / daß ich mich sein annemme / als sey er mein eigen Gut / das mir Gott geschenckt hat: Wenn ich das gleube / nicht allein / daß es sein Leib vnd Blut sey / sondern daß mir alles geschenckt sey / was die Wort in sich haben / als denn geniesse ich seinen Leib vnd Blut zur Seligkeit. Vnd auff daß ich ein Zeichen vnd Versicherung habe / daß so viel grosse vnaußsprechliche Güter mein sein / nem̅e ich den Leib vnd das Blut Christi / etc. Vnd hierauß kan ja ein jeder abermal sehen vnnd vernemmen / wie verkehrlich vnnd bößlich die Sacramentierer mit Lutheri worten vmbgehen. Also wenn Lutherus das Abentmal nennet Sacramentum(Sacrament deß Brots.) panis ein Sacrament deß Brots / da schmieren sie bald jre Zwinglische Glos daran / als sey Lutheri Lehr vnd Meinung gewesen / daß allein Brot vnd Wein im Abentmal sey / wie sie in dem Spruch Lutheri Tomo 1. Ienensi, vom Sacrament / jhm
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seine Wort verstümmeln / dann sie ziehen seine Wort also an: (Crimen falfi.) Das Sacrament deß Altars hat drey ding / die man wissen muß / vnd lassen die andern Wort Lutheri aussen (vnnd deß heiligen waren Leichnams Christi.) Stehet das aber Erbarn Leuten zu / einem seine Wort also verstümmeln / vnd felschlich anziehen / vnnd gleichwol darauß erzwingen wöllen / daß er jhrer / das ist / Zwinglischer meinung gewesen sey? Vnd heist das nicht ein crimen falsi begehen? also wenn Lutherus die Einfeltigen trewlich warnet / daß sie sich nicht bekümmern sollen mit dem Narrenwerck / wie Christi warer Leib in solchem kleinen stücklein Brot sein könne / dauon die Scholastici so viel vnnützes disputieren vnd fragen treiben / das deutet vnser Widertheil also / als sey Lutheri Lehr vnnd Meinung gewesen / daß der Leib vn̅ Blut Christi gar nit im Abentmal sey / sondern ferner vnnd weiter dauon abgeschieden / abgesondert / vnd dauon abwesend sey / dann der Auffgang von dem Nidergang ist. Eben also verhelt sichs auch mit den folgenden testimonijs, welche sie auß dem Sermon Lutheri / vom newen Testament / einführen / vnd auff jhre Zwinglische Lehr deuten wöllen. Dan̅ da redet Lutherus auch in genere von den Sacramenten oder Zeichen / vnd wozu sie von Gott eingesetzet: Sie aber deuten jm seine Wort dahin / daß Lutherus sol gelehret haben / daß im Abentmal nur blosse Gedenckzeichen sein / vnd außgetheilet werden: so er doch in allen diesen seinen Predigten gantz vnd gar das Gege̅spiel tradiret / wie dieselben Sermones nach der lenge selbst außweisen / vnd bereit augenscheinlich kurtz zuuor ist dargethan worden. Ob nun wol solches alles sich in der Warheit also befindet / daß sie Luthero seine wort felschlich / vnd wider seine Lehr vnnd Glauben anziehen: jedoch schliessen sie dieses orts impudentissimè, daß Lutheri Lehr vom Abentmal / vor dem streit von Carlstad erreget / Zwinglisch vnd Sacramentierisch gewesen.
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Vnnd hie müssen wir auch kürtzlich mit nemmen / daß die(Ob D. Luther selber seine ware Lehr von der Person Christi widerruffen / wie die Sacramentierer fürgeben.) Sacramentierer viel jhar her groß wesen damit getrieben / als hette Lutherus selber alles das / was er von der Person Christi in dem Sacramentshandel jemals geschrieben vnnd gelehret hat / offentlich widerruffen / für vnrecht vnd jrrig erkandt / vnd haben das darauß vnnd damit beweisen wöllen / weil Lutherus in der Kirchenpostill / in der Außlegung der Epistel am Christage / offentlich schreibet: Ich selbst hab offt gejrret / daß ich der Natur hab zugeeignet / was der Person gebüret / vnd widerumb / etc. Vnd zwar damit haben sie viel Leute jrre gemacht / weil Lutherus die Kirchenpostill für eins seiner besten Bücher gehalten vnnd gerhümet.(Die Kirchenpostill D Lutheri / wenn sie geschrieben sey / nemlich An. 21. vnd nicht allererst An. 47. da Lutherus schon entschlaffen.) Aber die Sach ist an jhr selbst richtig / vnnd kan der Augenschein in Epistola dedicatoria beweisen / daß Lutherus dieselbige seine Kirchenpostill außgehen hat lassen / Anno 1521. Was er nun zuuor für der zeit Anni 21. vnnd im Bapsthumb hievon etwa vnrichtig gehalten oder gelehret / das erkennet er damit für jrrig. Daß aber vnser Widerpart / die Sacramentierer / darauß schliessen / was Lutherus hernach biß an sein ende von der Person Christi im Sacramentshandel lehren vnd schreiben würde / sol mit den Worten / so Anno 1521. gedruckt / für jrrig vnnd vnrecht erkannt vnd widerruffen haben / das ist ja ein öffentlich crimen falsi, wie auch in Schulen alle / denen die praecepta de argumentis, ex circumstantia temporis deductis, bekandt / verstehen vnd vrtheilen können. Nun wölle aber der Leser noch ein ander Bubenstück mercken.(Böß stück der Sa cramentierer.) Wie die Sacramentierer auß der vnsern Erinnerung diß gemerckt / darauß sie ja ein wenig hetten sollen schamrot werden / haben sie etwa für etliche jhre Bücher ein Verzeichniß lassen drucken / wen̅ vnd wo die von jnen angezogne Bücher Lutheri gedruckt. Vnd vnter andern haben sie gesetzt / die Wittenbergische Kirchenpostill Lutheri ist zu Wittenberg / 1547. gedruckt / auff daß sie bey einfeltigen / vnter dem deckel / der sachen den
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schein machen möchten / als hette Lutherus mit dem vorangezogenen Spruch alles das retractieret / vnnd als jrrig verworffen / was er biß ans ende seines lebens / von der Person Christi / sonderlich im Sacramenthandel / jemals gelehret vnnd geschrieben. Nun mags wol war sein / daß dieselbige Kirchenpostil Lutheri widerumb nach seinem Tode zu Wittenberg nachgetruckt / wie dann dasselbige in vnterschiedlichen jharen etlich mal geschehen. Aber Lutherus selber / hat in seiner Kirchenpostill / wie die erstlich Anno 21. gedruckt / nie nichts geendert oder gebessert: Die Sacramentierer aber ziehen dieselbige nachgedruckte an / ohne außdrückliche meldung / wenn erstlich dieselbige Kirchenpostill vom Luthero in den druck gegeben / auff daß sie also hinderlistiger weise vnvermerckt / den Leser in die Gedancken führen / vnd behalten mögen / als habe Lutherus zu letzt / was er wider die Sacramentierer jemals de persona Christi geschrieben / als jrrig widerruffen vnd verworffen. Vnd das sind ja feine ehrbare stücke.

Anno 1523.
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(Anno 1523.) Folgends wölle der Christliche Leser mit fleiß mercken / daß (Pag. 220. Tom. 2. Büchlein D. Lutheri gesehrieben an die Waldenser in Behmen.) Anno 1523. Lutherus ein Büchlein geschrieben vom anbeten deß Sacraments / an die Brüder / Vualdenses genannt / in Behmen vnnd Mehren / fast ein jhar zuuor / ehe denn Carlstad den Lermen vom Abentmal mit seinem schreiben offentlich angefangen hat. Vnd weil in demselbigen Büchlein D. Luther so deutlich vnd klar seine Lehr / Glauben vnd Meinung vom Abentmal dar gibt vnnd erkläret / daß man auch fast greiffen kan / daß er auch vor dem streit wider Carlstad in keinem wege sey Sacramentierisch gewesen / So gedencken Meister Wolff vnd seine Gesellen / deß Berengers Geschlecht / desselbigen Büchleins in jhrer Historia gar nicht / sondern vermeinen durch jhr vorbey
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gehen vnnd verschweigung dasselbige Büchlein zu vertuschen(Anno 1523.) vnd vnder zutrucken / daß sie desto frewdiger mit vnuerschämpter Stirn bey den Vnerfahrnen schliessen mögen / Lutherus sey in seinen Schrifften / Predigten vnd Büchern / ehe denn Carlstad den Lermen angefangen / allzeit Zwinglisch / das ist / in der Meinung gewesen / wölche auch jetzund alle Sacramentierer bestreiten. Vnd müssen ja diese Leute alle Menschen für lauter Gänse oder Oelgötzen halten / daß sie vermeinen / wann sie diese Schrifft Lutheri in jhrer Historien meuchlisch vertuschen / vnd nicht gedencken / daß als dann niemand sein werde / der dasselbige Büchlein Lutheri finden köndte / oder etwas dauon wisse. Vnnd wenn sie fälschlich tichten vnd schliessen / Lutherus sey in seiner Lehr allzeit Zwinglisch oder Sacramentierisch gewesen / ante motam contentionem cum Carlstadio, ob man gleich augenscheinlich sehen / ja greiffen vnnd erweisen kan / daß Lutherus in demselben Büchlein gantz vnnd gar das Widerspiel gelehret vnd getrieben hat / nicht obiter, sed ex professo, mit vielen Worten vnd Argumenten / daß dennoch alle Welt den Vnflat jhrer Sacramentierischen offentlichen Vnwarheit / für eitel Bisam vnd Heiligthumb halten vnnd anbeten soll. Vnnd zwar wer lust darzu hat / dem geschiehet auch nicht vnrecht dran. Ist derhalben nütz vnd nötig / daß in Ordnung der rechten waren Historien / dieses Büchleins Lutheri mit fleiß gedacht werde. Zum andern ist vns diß Büchlein Lutheri in Ordnung der Historien / von Anno 1523. auch dazu nütze vnnd gut. Denn folgendes Anno 1534. werden die Sacramentierer einen grossen Triumph anstellen / daß Lutherus der Vvaldensium Confession mit seiner Praefation gezieret / approbieret vnnd commendieret habe / wie an seinem ort in Ordnung der Historien daruon bericht geschehen soll. Vnnd wöllen damit die Leute vberreden / als hette Lutherus alles das / was jemals die Waldenser vom Sa
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crament (Anno 2523.) gelehret / geschrieben vnnd herfür gebracht / canonisiert / da diß Büchlein viel anders zeuget / vnd also zu rechter Erkantnus vnnd Wissenschafft der waren Historien vom Sacramentstreit / gar dienstlich ist. Nun ist vnnötig / daß man das gantze Büchlein solte vmbschreiben / vnnd hieher setzen. Wöllen aber darauß / wegen des Christlichen Lesers / nur ettliche fürneme Punct / so zu diesem Handel gehören / kürtzlich melden / vnnd wer mehr Bericht begeret / in das gemelte Büchlein gewisen haben. So spricht nun Lutherus / daß dazumal von den Waldensern ein Büchlein außgegangen / in wölchem vnder andern Stücken auch das gesetzt / daß Christus im Sacrament nicht selbstendig / natürlich / auch dasselbige nicht anzubeten sey / wölches vns Teutschen fast beweget. Denn euch ohne zweiffel bewust ist (spricht Lutherus) wie ich durch ewere Geschickten zu mir / euch bitten ließ / daß jhr diesen Artickel eigentlich klar machtet durch ein sonderlich Büchlein. Denn ich mündlich hörete von jhnen bekennen / wie jr eintrechtig miteinander halten solt / dz Christus warhafftig mit seinem Fleisch vnd Blut vnder dem Sacrament sey / wie es von Marien geboren / vnd am heiligen Creutze gehangen ist / wie wir Teutschen glauben / etc. (Der Teutschen Glaube vom heiligen Abendmal / ist für dieser zeit niemals Sacramentierisch gewesen.) Vnnd wolle der Leser mit fleiß mercken / daß Lutherus allhier nicht seine eigene oder sonderbare Gedancken vom Abendmal beschreibet / sondern er spricht: Wölches vns Teutschen fast beweget: Item / bald darauff spricht er zwey mal: Ich will diesen Artickel auffs deutlichst vnnd klärlichst dargeben / wie wir Teutschen glauben / vnnd wie auch zu glauben ist nach dem Euangelio. Item / das Wort solstu zu Hertzen fassen / daß du von jhm haltest / wie zuhalten ist / nemlich / daß du es für ein lebendiges / ewiges / allmächtiges Wort haltest / das dich kan lebendig von allen Sünden vnd Todt frey machen / vnnd ewig behalten / vnnd bringe mit sich alles was es deutet / nemlich / Christum mit
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seinem Fleisch vnd Blut / vnd alles was er ist vnd hat. Denn es(Anno 1523.) ist ein solch Wort / das solches alles vermag vnnd thut / darumb wil es auch darfür gehalten sein. Er erzehlet auch ettliche sonderbare Geister / die vom Wort der Einsatzung des Abendmals(Etliche sonderbare Geister / die vom Wort vnnd der Einsatzung des Abendmals / abgewichen.) abgewichen / vnd spricht: Auffs erste sind ettliche gewesen / die es dafür gehalten haben / es sey schlecht Brot vnnd Wein im Sacrament / wie sonst die Leute Brot essen vnd Wein trincken / vnd haben nicht mehr daruon gehalten / denn das Brot bedeute den Leib / vnnd der Wein bedeute das Blut Christi / gleich als wenn man eine Figur auß dem alten Testament neme / vnnd spreche / Das Himmelbrot / das die Jüden in der Wüsten assen / bedeut den Leib Christi / oder das Euangelium / aber das Himmelbrot ist nicht Euangelium noch Christi Leib. Also wenn ich von der(Bedeutungs Zeichen der Sacramentierer / sind falsch.) Tauffe spreche / Die Tauffe ist ein Bad der Seele / das ist / die Tauffe badet nicht die Seele / sondern bedeut das Bad der Seelen / da sie mit dem Wort Gottes im Glauben gebadet wirdt. Solche Ehre haben nun diese dem Sacrament gethan / daß sie sagen / es sey nicht der Leib Christi / sondern bedeute jhn wie ein Zeichen: vnnd spricht weiter Lutherus: Da hüte dich nun für / laß Vernunfft vnnd Witz fahren / die sich bekümmert vergeblich / wie Fleisch vnd Blut da sein möge / vnnd weil sie es nicht begreifft / wil sie es nicht glauben. Fasse das Wort / da Christus spricht / Nemet hin / das ist mein Leib / das ist mein Blut. Man muß nicht so freueln an Gottes Wort / das jemandt ohne(1. Das Wörtlein (Ist) muß den Sacramentierern heissen / bedeut.) außgetruckte klare Schrifft / einem Wort wolte eine andere deutung geben / denn seine Natürliche deutung ist / als diese thun / die das Wörtlein IST / freuentlich ohne Grund der Schrifft zwingen dahin / es soll so viel heissen / als das Wörtlein / bedeut / vnd machen diesem Spruch Christi eine solche Nase / das ist mein Leib / soll so viel gelten / als das bedeut meinen Leib / etc. Aber wir sollen vnd wöllen einfeltiglich an Christus Wort bleiben / der
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(Anno 1523.) würdt vns nicht betriegen / vnd solchen Irrthumb mit keinem andern Schwerdt zu rück schlagen / denn damit / daß Christus nicht spricht / das bedeutet mein Leib / sondern / das ist mein Leib. Item: wann sie anziehen den Spruch 1. Corinth. 10. da Paulus spricht / (1 Corinth. 10. Sie truncken von dem geistlichen Felß / der da war Christus.) Sie haben alle denselbigen Geistlichen Tranck getruncken / sie truncken aber von dem Geistlichen Felsen / der nach jhnen kam / Der Felß aber war Christus / vnnd sagen hie: Hie spricht Paulus / Christus sey der Felß gewesen / vnnd Moyses doch den leiblichen Felß schlug / dauon sie truncken. Kan man dann hie sagen / der Felß ist Christus / wölches ja nichts anders kan heissen / dann der Felß bedeutet Christum / (sintemal Christus kein natürlicher Felß sein mag.) So mögen wir auch hie sagen / Das Brot bedeutet meinen Leib / da der Text saget / das ist mein Leib. Da soll man antworten / das solch jhr schliessen / zwene grosse fehl hat. Der erste ist / das nicht war ist / das sie in S. Paulus Spruch fahen / dann S. Paulus sagt nicht / daß der Felß / den Moyses schlug / Christus sey / sondern seine Wort lauten klärlich also: Sie haben von derselbigen Geistlichen Speise gessen / da wir von essen / vnd eben von demselbigen Geistlichen Tranck getruncken / da wir von trincken / etc. (S Paulus redet nit vom leiblichen natürlichen Felsen / sondern wie vom geistlichen Himmelbrot / also auch vom geistlichen zukünfftigen Felß.) Nun essen wir je nicht das leibliche Himmelbrot / vnnd trincken auch nicht von dem natürlichen Fels / da die Jüden in der Wüsten von assen vnnd truncken / sondern das Geistliche Himmelbrot / vnd der Geistliche Felß / ist eben derselbige / den wir bey vns hie haben / wie er sich selbst hernach erkläret / vnd spricht: Sie truncken aber von dem Geistlichen Felß / der hernach kam / wölcher Felß ist Christus. Als solt er sagen / Ich sage nicht von dem leiblichen / sondern von dem Geistlichen Felß / der allererst zukünfftig war / vnnd meine damit Christum / der ist der rechte Felß / von dem haben sie so wol gessen als wir / denn sie haben auch an jhn geglaubet so wol als wir. Da sihestu / daß sie S. Paulus Wort fälschlich auff jren Irrthumb gezogen haben. Denn es ist
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war / das S. Paulus sagt / Christus war der Fels / nicht das er(Anno 1523.) Christum bedeut / sondern ist selbst der warhafftige Geistliche(Christus ist der Geistliche Felß selbst / one Bedeutung. Nötige Regel D. Lutheri.) Fels / welcher durch jenen leiblichen bedeutet ist. Item Lutherus setzt die Regel: Ein jeglich Wort sol man lassen stehen in seiner natürlichen bedeutung / vnd nicht dauon lassen / es zwinge denn der Glaub dauon. Also hie auch / wenn sie wolten sagen / daß das Brot sey nicht Christus Leib / sondern bedeute / sollen sie auffbringen / wo es wider den Glauben sey / daß Brot nicht Christus Leib / vnd der Wein nicht sein Blut sey / sintemal wir auch wol dergleichen zweierley Wesen finden in der Natur / das wir vom fewrigen Eisen recht sagen / das Eisen ist Fewer / vnd das Fewer(Fewrig Eisen.) ist Eisen / vnd nicht das Fewer bedeutet Eisen / oder das Eisen bedeutet Fewer. Der ander jrrthumb gehet darmit vmb / daß er die zwey(2. Leib vnd Blut im Abentmal / muß den Sacramentierern heissen ein Geistliche einleibung in den Leib Christi.) Wörtlein / mein Leib / vnd mein Blut / auch verkehre / ja dem gantzen Text einen andern verstand gebe / auff die weise / Wann Christus spricht / das ist mein Leib / sol also viel heissen / Wenn jhr diß Brot vnnd Wein nemet / so werdet jhr meines Leibes theilhafftig / daß also das Sacrament nichts anders sey / denn Gemeinschafft am Leibe Christi / oder viel mehr eine einleibung in seinen geistlichen Leib / zu welcher einleibung zuüben / hab er solch Brot vnnd Wein eingesetzt / als ein gewiß Zeichen / daß da die Geistliche einleibung geschehe / vnnd der geistliche Leib in seiner vbung gehe. Das ist ein schwinder griff / vnnd gründet sich darauff(Zweierley Leib. 1. Ein-Natürlicher. 2. Ein Geistlicher / welcher ist die Kirche Christi.) / daß die Schrifft Christo zweierley Leib gibt / ein natürlichen / der von Maria leiblich geboren ist / wie alle andere Menschen Leibe haben / Den andern / der Geistlich ist / das ist / die gantze Christliche Gemein / welcher Heupt ist Christus / etc. Vnd vber die Wort S. Pauli / 1. Cor. 10. Wir sind alle(1. Corin. 10. Wir sind alle sampt ein Brot / etc.) sampt ein Brot / etc. spricht Lutherus: Hie meinen sie / S. Paulus hab die Wort außgelegt / daß / da Christus spricht / das ist mein Leib / sey souiel gesagt / das ist die Gemeinschafft meines Leibes /
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(Anno 1523.) das ist / wer deß Brots jsset / der jsset nicht meinen Leib / sondern jsset die Gemeinschafft meines Leibes / daß er meines Leibes (der nicht im Sacrament ist / sondern sonst für euch gegeben / vnnd nun im Himmel ist) geneusset / sampt den andern / also / daß durch solch essen dieses Brots / er theil nimmet alles deß / das mein Leib hat / thut vnd leidet / nicht auß krafft deß Brots oder essens / sondern auß krafft solcher Göttlicher zusagung. Solche Gedancken haben wol einen hübschen schein für der Vernunfft / wenn man jhnen wolte nachgeben / die Wort Christi vnd Pauli zu deuten nach jhrem willen. Aber das heist nicht Christlich gelehret / wann ich einen sinn in die Schrifft trage / vnd ziehe darnach die Schrifft darauff / sondern widerumb / wen̅ ich zuuor die Schrifft klar habe / vnnd darnach mein Sinn darauff ziehe. Den̅ wer kans leiden mit gutem Gewissen / daß Christi Wort / da er spricht / das ist mein Leib / der für euch gegeben wirdt / sol also zu deuten sein / das ist die Gemeinschafft meines Leibs / der für euch gegeben wird? Sintemal das ohne Schrifft gesagt wirdt / vnd gar viel ein ander ding vnd rede ist / mein Leib / vnd meines Leibes Gemeinschafft. Weil dann nun die Wort Christi / das ist mein Leib / der für euch gegeben wirdt / so helle vnd stracks im Wege ligen / vnd solchem verstande stracks widerstehen / ist solcher Meinung in keinem (1. Cor. 10. Die Gemeinschafft deß Leibes.) wege zu folgen. Denn auch Paulus selbst / nachdem er im zehenden Capitel solche Wort von der Gemeinschafft deß Leibes gesagt hatte / kömpt er doch im eilfften wider zu den Worten / vnd redet gleich wie Christus / vnnd spricht: Ich hab euch geben / was ich empfangen habe / Denn der Herr Jesus / deß Nachts / da er verrhaten ward / nam er das Brot / dancket / brachs / vnd sprach / (Der natürliche Leib Christi ist im Abentmal gegenwertig.) Nemet hin vnnd esset / das ist mein Leib / der für euch gegeben wirdt / das thut zu meinem Gedächtnus. Hie sind die Wort dürre vnnd klar / daß nicht der geistliche Leib Christi da sey / sondern sein natürlicher Leib. Denn der geistliche Leib ist nicht für vns
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gegeben / sondern sein natürlicher Leib ist vor seinen geistlichen(Anno 1523.) Leib / der wir sind / gegeben. Vnnd wil vns nicht ziemen hie / auß dem Wort / Leib / machen eine Gemeinschafft deß Leibes / vnnd auß eigner willkör ohne Schrifft wider so klare Wort zu handeln. Es ist nicht gnug zusagen / solcher Spruch möge jhren verstand(Der Glaub muß vn̅ sol gewiß sein / vnd nicht wancke̅.) geben / sondern sie müssen beweisen / daß er solchen Verstand erzwinge vnd dringe. Man muß in diesen Sachen gewiß faren / die das Gewissen treffen / vnd nicht darauff stehen vnd sagen / es mag also verstanden werden. Mögen vn̅ Müssen ist nicht eins / du must beweisen / es müsse also vnnd nicht anders verstanden werden / So lange du solches / müssen / nicht beweisest / dringet dein Spruch vnd verstand nichts. Denn der rechte gewisse verstand in diesem Spruch S. Pauli ist ohne zweiffel dieser / das Brot / das wir brechen / ist die Gemeinschafft deß Leibes Christi / das ist / wenn wir solch Brot essen / so empfahen vnd geniessen wir alle sampt / einer so viel als der ander / nicht schlecht Brot / sondern den Leib Christi. Vnd ob sie solchen verstand anfechten / vnd sagen / Gemeinschafft deß Leibes Christi / meinet hie S. Paulus / daß wir alles gutes geniessen / daß Christus in seinem Leibe erworben hat / gleich wie die / die so Götzenopffer essen / alles Vnglücks mit entgelten müssen / daß die Teuffel haben / Das ist wol war / vnd ein guter verstand / aber er dienet hieher nicht eigentlich / auch hilfft er sie nicht / denn damit ist noch nicht vmbgestossen / daß Christus Leib da sey / etc. Es haben die Brecher nicht alle die geistliche Gemeinschafft(Brotbrechen im Abendmal / was es heisse.) am Leibe Christi / ob sie wol alle die Sacramentliche Gemeinschafft haben / darumb muß S. Pauli Spruch den sinn haben / das Brot brechen ist die Gemeinschafft deß Leibes Christi / Ebraico more fractio panis est participatu̅ corpus Christi, pro, participatio Christi, auffs allereinfeltigste den Worten nach also / daß der Spruch auffs allerfeinste vnsern Glauben bestetige /
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(Anno 1523.) vnd gantz mit den Worten Christi stimme / daß das Brot sey der (Ehrerbietung vn̅ anbetung Christi im heiligen Abentmal.) Leib Christi. Wer nicht gleubet / daß Christi Leib vnd Blut da ist / der thut recht / daß er weder Geistlich noch Fleischlich anbetet. Wer aber gleubet / als es denn zu gleuben gnugsam erweiset ist / der kan freilich dem Leib vnnd Blut Christi seine Ehrerbietung nicht versagen ohne Sünde / denn ich muß je bekennen / daß Christus da sey / wenn sein Leib vnd Blut da ist / seine Wort liegen (Christus ist mit seinem Leib vnnd Blut im Abentmal.) mir nicht / vnd er von seinem Leib vnd Blut nicht geschieden ist. Das ist wol war / daß ein vnterscheid ist vnter dem / daß Christus droben im Himel sitzt / vnd im Sacrament / vnd in den Hertzen der Gleubigen ist. Denn er freilich darumb gehn Himel gefahren ist / daß man jhn daselbst sol vnd muß anbeten / vnd bekennen / daß er der Herr sey / vber alle ding mechtig / Philip. 2. Aber in dem Sacrament vnd in den Hertzen der Gleubigen ist er nicht eigentlich darumb / daß er da wolle angebetet sein / sondern daselbst mit vns schaffen vnd vns helffen. (Viererley Leute / so zum heiligen Abentmal gehen / vnd Christum ehren vnd anbeten.) So wollen wir nun viererley erzelen. Die ersten sind / die alle jhre Gescheffte an den Worten deß Sacraments haben / daß sie den Glauben speisen / vnnd Brot vnnd Wein mit Christi Leib vnnd Blut zum gewissen Zeichen nemen desselben Worts vnd Glaubens. Diß sind die sichersten / vnnd bestehen / kommen vielleicht selten so tieff herunter / daß sie sich vmb anbeten vnnd Ehrerbietung bekümmern / denn sie nemen Gottes Werck gewar an jhnen selbst / vnd vergessen jhrer Werck gegen dem Sacrament. Die andern / die nach diesem Glauben geübet / herunter kommen auch auff jhre Werck / vnnd Christum im Sacrament geistlich anbeten / das ist / daß sie jnwendig mit dem Hertzen sich neigen / biegen vnd knien / solches jhr jnwendiges anbeten zubeweisen. Die dritten sind / die jhn nur jnnerlich anbeten. Die vierdten / die jn nur eusserlich anbeten. Diese letzten tügen gar nichts. Item / je einfeltiger du an Worten bliebest / je besser dirs were. Darumb laß jhre Threwme faren / concomitanter, per
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concom̅itantiam, vnnd was sie mehr hieuon sagen / vnnd bleib du(Anno 1524.) darauff. Erstlich / daß du die Wort fassest / Das ist mein Leib /(Figmentum concomitantiae.) der für euch gegeben wirdt / da iß vnnd trinck / vnnd nehre deinen Glauben / nim darnach den Leib vnnd Blut dazu / zum Warzeichen solcher Wort Gottes / vnnd sprich: Mir ist nicht befohlen zuforschen noch zuwissen / wie Gott Vatter / Sohn / heiliger Geist / oder Christus Seele / im Sacrament sey. Mir ist gnug / das ich weiß / wie das Wort das ich höre / vnd der Leib den ich neme / ist warhafftig meines HERREN vnnd Gottes / lasse die spitzigen vnd glaublosen Sophisten nach solchen vngründlichen dingen trachten / vnnd die Gottheit im Sacrament bezaubern. Der Leib / den du nimmest / das Wort / das du hörest / ist deß / der alle Welt in seiner Hand begreiffet / vnnd an allen Enden ist / da laß dir an benügen. Haec Lutherus.

Anno 1524.
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(Anno 1524.) Anno 1524. ist der elende beschwerliche Lermen / vber der(Wenn der streit vom Abendmal / im Teutsch land angangen sey / vnd wer denselben erreget habe / nemlich Carlstad.) Lehr vom Abendmal des HERREN / zu vnser zeit allererst angangen (denn von den alten Schwermereien handeln wir jetzunder allhier nicht) da nemlich Carlstad ein sonderlich hefftig / böß / bitter Buch / wider Lutherum / als were die Lehr / die er fürete / von der waren Gegenwertigkeit des Leibes vnd Bluts Christi / im gesegneten Brot vnd Wein deß Abendmals / falsch vnnd vnrecht / durch offnen Truck ließ in alle Welt außgehen. Gleich wie nun Gott der HERRE gemeinglich aller Kirchen certamina in jhren ersten authoribus sonderlich pflegt also zuzeichnen / daß auch ein jeder Christ / der nur in Gottes furcht mit fleiß achtung darauff geben will / den Geist / der solch Spiel treibet / leichtlich darauß brüfen / oder den Wolff bey seinen Haaren gar(Wolff.) wol erkennen kan: Also wollen wir alhie erstlich auffs kürtzeste vnnd einfeltigste / auß denen zu der zeit vnd hernach öffentlichen publicierten Schrifften / von der Historien des Carlstadij vnnd
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(Anno 1524.) seiner Rottgesellen / ein wenig an diesem ort / so viel zu der sachen wirdt nötig vnd dienstlich sein / anziehen. (Ambrosij Wolffen dürstige vermessenheit.) Vnnd anfänglich müssen wir das mitnemen / daß Meister Wolff vnd seine Gesellen / in jhren außgesprengten scriptis sich höhest bemühen / alle / oder ja die fürnembste / meiste vnnd grösseste Schuld vnd Vrsache des erregten vnd angegangnen oder erwachsenen Sacramentstreits / auff den guten wolgeplagten Lutherum zulegen / Vnnd derhalben wolten sie gern den Leuten einbilden / als were Carlstad ein solcher bescheidner / ruhiger vnd eingezogener Mann gewest / der diesen Streit nimmer het erregen würden / wo nicht Lutherus mit seiner Vngestümmigkeit jhm dazu Vrsach geben / vnnd jhn gleich dazu genötiget vnd gedrungen hette. Vnd solches zubeweisen ziehen sie fast hoch an / (Gesprech D. Lutheri mit Carlstadeu / zu Jena in der Herberg zum schwartzen Beeren.) das Gesprech Lutheri / so er Anno 1524. zu Ihena in der Herberg zum schwartzen Beeren mit Carlstadio gehalten / wölches / sagen sie / dermassen mit hefftigen / vngestümmen / bittern Worten / gescherfft / daß darauß leichtlich abzunemen sey / wie der Luther nicht auß Bewegung des heiligen Geistes / sondern vil mehr auß Anregung eines feindseligen Geistes / vnd mit gifftigem bitterm Gemüt / wider D. Carlstadium / denselbigen vnder zutrucken / vnnd also gleichsam alleine in der Kirchen zuherrschen / diesen Streit mit solcher vnbescheidnen Geschwindigkeit gesucht vnd fürgenommen habe. Aber hie wolle erstlich der Christliche Leser mercken / wie redlich vnnd auffrichtig diese Leute handeln / dann eben darüber hat Lutherus in einem Brieffe an Georgium Spalatinum geklaget / wie einer / der seines Namens nicht bekandt gewesen / auff Anreitzung böser Leute / dazumal solch Gesprech öffentlich habe trucken lassen / vnd außgesprengt / vnd darinnen nicht allein was war / vnnd also ergangen / verfasset / sondern auch viel Lügen mit vndergemenget / wölches Lutherus mit Gedult vberwinden müssen / etc. Wie dann solcher Außzug auß dem schreiben an Spala
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tinum̅, To. 2. Ien. fol. 462. für das Ihenische Gespreche gesetzet(Anno 1524.) / eben darumb / daß der Leser / ehe dann er gemeltes Colloquium anfange zulesen / zuuor den Bericht einneme / was von denselben Actis des Jenischen Colloquij zuhalten. Aber derselbe Bericht hat Meister Wolffen in seinen Zwinglischen Kram(Wolffens Arglistigkeit.) nicht gedienet / hat derwegen denselbigen gäntzlich vorbey gehen vnd vertuschen wollen / vnd vermeinet / daß er sonst im gedachten Colloquio leicht etwas erwischen köndte / damit er bey seines gleichen den guten Lutherum verunglimpffen vnnd schumpffieren möchte. Was denn gleichwol auch in specie die Beschreibung des gehaltenen Colloquij zu Jena anlangt / befindet sichs / daß nicht Lutherus / sondern Carlstad / sich zwier / erstlich durch Brieffe / darnach durch Botschafft / zu Luthero genötiget / vnnd nicht allein seines damals gethanen Sermons halben / jhn eben hart zu rede gesetzt / sondern auch allerley beschwerliche Wort sich vernemen lassen / daß nemlich Lutherus das Euangelium vnrecht / vnd(Carlstadts stoltz / Eigensinnigkeit / vnd Rhum.) nicht den geereutzigten / sondern einen selbst eingebildeten Christum geprediget. Vnnd sonderlich hat er Lutheri Lehr vom Sacrament angestochen / vnd öffentlich da gerhümet / daß noch kein Mensch vom Sacrament auff die weise / wie er Carlstad dauon hielte / nach den Aposteln / geschrieben vnd gelehret: Vnd wie Lutherus jhm außgebotten frey zuschreiben / vnd an tag zubringen / wo er vnrecht gelehret / hat er mit trotzigen Worten gesaget / das wil ich thun / es muß auch an tag kommen. Item / ich wil herfür ans Liecht / vnnd wil entweder öffentlich zu schanden werden / oder Gottes Warheit muß offenbar werden / Vnnd was der vngestümmen Wort mehr gewesen / wölche er auch selbst erkandt / vnd derhalben die / so da bey gewesen / gebeten: Lieben Brüder / ich bitte euch / keret euch nicht an meine harte Rede / ich hab es an der Complexion / daß ich so hart rede.
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(Anno 1524.) Wie er nun zu dem / daß er zuuor allbereit zu Wittenberg / vnnd darnach zu Orlamünda in Thüringen / solche Lermen / Verwirrung vnnd Jammer / wie bald gesagt soll werden / angerichtet / auch dazumal / da Lutherus vom Churfürsten zu Sachsen abgesand war / in den Thüringischen Kirchen etliche Predigten zu thun / damit andere vorstehende Weitleufftigkeit möchten durch threwe Vnderrichtung vnnd Gottes Segen verhütet vnd abgewendet werden / etc. er dermassen / wie gesagt / hoch herein gefahren / vnnd Lutherum mit so stoltzem Freuel öffentlich getrotzt / gepochet vnnd gedrewet / wie er wider jhn schreiben wolte: Hat jhme Lutherus nicht vnbillich in eodem casu respondieren sollen / iuxta dictum Salomonis: Responde stulto iuxta stultitiam suam, ne sapere sibi videatur, Prouerb. 26. Antworte dem Narren nach seiner Narrheit / daß er sich nicht weise lasse düncken. Dann der heilige Geist nicht allein auff einen einigen weg / nemlich / durch Sanfftmut / allein zu handeln / sondern auch zu zeitten nach Gelegenheit der Personen / auch nach notturfft vnd Erheischung der sachen / gebürlichen Eiuer vnnd Ernst / mit scharpffen Worten zugebrauchen pflegt. Wann nun das solte ein Zeichen des bösen Geistes sein / daß Lutherus dem Carlstadio mit ernsten Worten etwa geantwortet / was wöllen wir denn von Paulo sagen? da er seinen Corinthern schreibet (1. Cor. 4.) Soll ich mit der Rutten zu euch kommen / oder mit Lieb vnnd sanfftmütigem Geist? Vnd da er seinen Titum also informieret / Tit. 2. Solches rede vnnd ermane vnnd straffe mit allem ernst: Da er dann in seiner Sprach ein solch Wörtlein braucht / wölches traun nicht heist allzeit mit freundlichen Worten / sondern auch mit gebürlichem Ernst verfahren. Vn̅ summa / Paulus 2. Corinth. 5. fassets vnd verwarets auff beiden Seitten also: Thun wir zu viel / so thun wirs Gott / sind wir mässig / so sind wir euch mässig. Ja wenn die Wölffische Glossa gelten solte / würden dise Leute zu den Predigten Christi / Matth. 11. & 23. bald mit
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den Jüden Joh. 8. sagen: Samaritanus es, & daemonium habes.(Anno 1524.) Vnd wer Lutherum vnd seinen trefflichen freidigen Geist auß seinen Schrifften ein wenig kennet / der muß sich doch fürwar verwundern / wie er in demselben Colloquio so kaltsinnig hat sein können / vnnd muß bekennen / daß er gegen dem hochtrabenden vngestümen Geist Carlstad noch mehr denn viel zu gelinde gewest. Was auch deß Goltgülden halben / so er damals Carlstaden geben / beschwerlich von jhnen angezogen vnnd auffgemutzt wirdt / damit hats nichts die meinung / wie sie es / jhres Vatters Art nach / bößlich vnnd verkerlich deuten / als wenn eine Hadermetze (wie man im Teutschen saget) so jmmer Lust zu zancken hat / etwa eine böse Sache für Gelt an sich keufft / sondern weil Carlstad / in massen droben gehöret / Luthero zu etlichen malen in gehaltenem Gesprech gedrewet / öffentlich wider jn zu schreiben / vnnd aber öffentlich fürwendete / er besorgete sich / daß man jhm den druck versperren möchte / hat Lutherus jm darauff einen Goltgülden verheissen vnnd gegeben / damit anzuzeigen / daß er jm nicht allein nicht hinderlich / sondern viel mehr beförderlich dazu sein wolte / vnd dasselbige darumb / denn er viel lieber gesehen / daß dieser Schwarm / da es ja nicht anders hat sein wöllen oder können / öffentlich durch Schrifften auß gesprengt / denn sonst hin vnd wider in den Winckeln heimlich in die zarten Christen vntergesteckt würde / damit er also Vrsach vnnd gelegenheit hette / denselben auch öffentlich zu widerlegen / vnnd die Kirchen daruor zuwarnen / etc. Wie er dann derhalben auch eben zu der zeit an die Fürsten zu Sachsen / von dem auffrürischen Geist zu Allstad schreibt / Tom. 2. pag. 459. fa. 2. Ihre Fürstliche Gnade(Auffrürische Widerteufferischer vnd Müntzerischer geist zu Allstad.) solle nicht wehren dem Ampte deß Worts / sondern die Geister nur getrost vnd frisch predigen lassen / was sie können / vnd wider wen sie wollen / damit er vnd andere seine Getrewe gehülffen / deß gleichen alle fromme Christen / vrsach haben möchten / nach dem spruch Johannis sie zu prüfen / welches nicht könne gesche
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hen (Anno 1524.) / wenn sie in winckel kröchen / vnd das Liecht scheweten / etc. wie er dann von Carlstad schreibet / im andern theil wider die Himlischen (Warumb D Lutherus gewolt / daß Carlstad mit seinem jrrthumb herfür aus Liecht keme.) Propheten / daß er drey jhar vorher / ehe Lutherus wider jhn geschrieben / mit seinem jrrthumb sey schwanger gangen / da er dann viel mehr schaden in der Kirchen gethan / als hernach / da man auß seinen gedruckten Büchern vrsach gehabt / seinen schwarm in öffentlichen Predigten vnnd Schrifften zuwiderlegen / vnd also die einfeltigen dauor zuuerwarnen: Vnnd dahin gehets / daß Lutherus jm nicht alleine außgeboten / sondern auch mit verehrung deß Goltgülden / jhn gelocket hat / damit der Fuchs / wie man saget / endlich zum Loch herauß keme / vnnd desto baß vnd ehe gefangen vnnd bestrickt werden möchte / etc. vnd hat solches darumb öffentlich / in beysein vieler frembder vnd Jenischen / auch Keiserlichen vnd Marggräffischen Botten / gethan / damit allenthalben außkeme / wie felschlich Carlstad Lutherum außgetragen / als ob er jm den druck gehindert vn̅ versperret hette. Vn̅ das sey gnug von demselbigen Gesprech. Darauß gnugsam zusehen / mit was vnfug das gegentheil alle schuld dieses erregten streits auff Lutherum zulegen / vnd jhren Carlstad durchauß weiß zu brennen sich vnterstehet / da er doch / wie oben ex Luthero gemeldet / zu der zeit allbereit drey gantze Jhar lang an seinen verfürischen Büchern gemacht vnd getichtet hette. Vnd wenn fromme Christen ein wenig zu rück auff den ersten anfang sehen / befindet sichs / wie Gott der Herr / sonderlich diesen Sacramentierischen geist bald im anfang gezeichnet / vnd seiner Kirchen / was von jhme zuhalten / gleich wie mit fingern / gezeiget habe. Dann eben zu der beschwerlichen trübseligen zeit (D. Luther in des Reichs Acht wirdt guediglich erhalten.) Anno 1521. wie Lutherus seiner lehr halben zu Wormbs auff dem Reichstage für Königen vnnd Fürsten / nach der Weissagung Christi Luc. 21. gestellet / vnnd darnach vom Keyser Carolo öffentlich in deß Reichs Acht gethan / vnnd also allenthalben in öffentlicher gefahr Leibes vnnd Lebens war /
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daß jhn derhalben auch der fromme vnd weise Churfürst Friedrich(Anno 1524.) / an einen etwas abgelegnen ort wegschaffen hat lassen / eben da / wie sonst durch die Gnade Gottes zu Wittenberg alles ruhig gewesen / vnnd andere threwe Collegae Lutheri mit der gantzen Kirche / vmb fortsetzung deß Euangelij / vnd erhaltung jhres lieben Praeceptoris, zu Gott ernstlich geseufftzet vnd gebetet / da ist Carlstad mit seinem rumor in Kirchen vnnd Schulen herfür getreten / daß nicht Lutherus den rhum alleine bey allen Euangelischen(Carlstads vnruhe.) Ständen deß Römische̅ Reichs hette / sondern der Andreas Bodenstein von Carlstad jhme auch einen Namen machte. Hat es derwegen nach dem alten Verß fürgenommen:
Aude aliquid breuibus Gyaris & carcere dignum, Si vis esse aliquid, probitas laudatur & alget. Vnterstehe dich etwas / vnnd wage es / auff daß du ein namen bekömmest / vnd nicht dahinden bleibst. Denn wer jmmer wil from sein / ob er gleich dauon wegen gelobet wirdt / so ist vnnd bleibt er doch arm / vnnd veracht. Niemandt gibt jhm was darzu / daß er from ist / er muß kalt gnug dabey sitzen / etc. Vnd eben dieser Vrsachen halben fehet Carlstad neben wenig andern / darzu vberredeten / in der Kirchen zu Wittenberg an zurumoren / nicht allein mit vnzeitigem Bildstürmen vnd abthuung der gewönlichen Kirchen Ceremonien / sondern gibt auch in seinen Predigten allerley vngereimbt ding für / man solle nicht nach den geschriebenen Keiserlichen Rechten / welche von Menschen gemacht / sondern nach Mosis Gesetzen / die Gott selber gegeben / die Regiment vnd Gerichte / hin vnd wider bestellen vnd führen. Vnd da Gott der Herr zu der zeit auß sondern gnaden neben dem Euangelio allerley gute Künste / vnnd sonderlich die Heuptsprachen / darinnen die heilige Schrifft beschrieben / gewaltig wider an Tag bracht / daher dann das Reich deß Sathans bey Jüden / Papisten / vnnd andern / nicht einen ge
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ringen (Anno 1524.) stoß bekommen / hat Carlstad solch köstlich Kleinot auch nicht können vngetadelt lassen / sondern öffentlich sich vernemen lassen / man dörffte nicht studieren / es sey ein lauter stinck ende hoffart der Vniuersiteten / mit vielen Künsten vnnd Sprachen daher brangen / es sey daran nichts gelegen / die Aposteln sind arme / vngelehrte Fischer gewesen / vom Geist Gottes aber gelehrt vnd getrieben: Also müsse man von Gott gelehret sein / welches geschehe durch offenbarung der lebendigen Stimme Gottes / vnd welche solche offenbarung befinden / die werden tüchtig zum Reich Gottes / die sol man für rechtschaffene Prediger erken̅en / sie hören / jhnen gehorchen vnd folgen. Vnd zwar da er also gepfiffen / hat man bald Leute gefunden / die da getantzet haben. Denn es war einer / mit namen Nicolaus Storch / Pelargus (wie jhn Philippus genennet hat) ein Bürger von Zwickaw / welcher nicht studieret hatte / der fand sich hin vnd wider im Voitland an gemeine einfeltige Leute / vnnd schalt hefftig / erstlich / auff die dazumal geistlichen / von wegen jhres ergerlichen Lebens / sonderlich die etwa in fürnemen grossen Aemptern waren. Darnach nam er auch die in Weltlichem Regiment mit / von wegen jhrer hoffertigen vnbarmhertzigen Regierung: Vnnd richtets dahin / daß die Versamlung / die von solchen Heuptern regiert würde / nicht köndte eine ware Kirche Gottes sein. Vnd weil er fürgabe / er hette die Gabe der weissagung / daß er künfftige oder verborgene ding gewiß treffen vnd errathen köndte / gab er für / Gott hette beschlossen / er wolte beyde geistliche vnnd Weltliche Regenten in der Kirche außrotten / vnd durch andere fromme vnd heilige Leute die Regiment bestellen. Da funden sich viel zu jhm / die da fürgaben / daß sie im Trawm viel wünderliche Gesicht vnnd Offenbarung hetten. (Carlstad. Storch. Stübner. Cellarius.) Etliche gaben für / daß jhnen / auch wenn sie wacheten / Gesichte erschienen. Welche nu in solcher seiner Gemeinschafft sein wolten / denen rhiet gedachter Storch / daß sie sich von newes wi
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solten teuffen lassen. Daher die Widerteufferey jhren ersten(Anno 1524.) Anfang zu vnser zeit genommen. Zu demselbigen Hauffen gesellet(Anfang der Widerteufferey.) sich auch einer derselbigen Landart / mit Namen Marcus Stübener / wölcher zuuor ein Student zu Wittenberg gewesen. Weil er aber nicht sonderlich studiert / hat er jhme durch Carlstads Predigen / dessen vorgedacht / bald lassen alle Studia auß vnnd abpredigen. Derselbige hat viel wünderlichs dings fürgeben / von jnnerlichen ruffen Gottes zum Predigampt. Item /(Himlische Prophe ten / wölche vnnd warumb sie also genennet worden.) wie Gott one Mittel des studierens / durch seine lebendige Stimme / mit jhm redete / vnnd er mit Gott. Daher sie D. Lutherus hernach Himlische Propheten genennet. Dasselbige Gesindlein begundt sich im abwesen D. Lutheri allmehlich gen Wittenberg zu finden / vnnd bey Carlstad ein Anhang zu suchen: dadurch jhrer viel in der hohen Schul zu Wittenberg jämerlich verwirret / vnnd zum theil eingenommen worden / wie sonderlich Martinus Cellarius des Marx Stübners sich hefftig angenom̅en / daß nicht geringe sorg vn̅ gefahr gewesen / es möchte die zarte Kirche vnd Schule zu Wittenberg / die Lutherus in seinem Abzuge fein stille vnd ruhig gelassen / dardurch gantz vnd gar in einen Hauffen fallen. Vnnd dem grossen Vnheil fürzubawen / hat der Senatus(Pathmus D. Lutheri.) Academiae die gantze sache an Lutherum in sein Pathmum, (wie er den Ort / dahin er in geheim / in verwarung vom Churfürsten gnedigst geschafft / selbst genennet) gelangen lassen / der beide auß Christlichem Eiuer / vnnd auch erwegung der vorstehenden noth / als bald / auch ohne Vorwissen des Churfürsten / wider(D. Lutherus kömpt wider gehn Wittenberg.) gegen Wittenberg kommen / damit er also den Lermen stillen / vnd die Kirche vnd Vniuersitet / durch Gottes Gnade vnd Segen / wider in vorigen guten zustand setzen vnd bringen möchte / darüber denn groß frolocken bey allen Gelehrten vnnd Vngelehrten zu Wittenberg sich erhaben / wie auß D. Hieronymi Schurffrj schreiben an Churfürsten / Tomo 2. Ien. pag 88. zuse
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hen. (Anno 2524.) Es hat auch Lutherus solche seine / ohn des Churfürsten Vorwissen / geschehene widerkunfft / in einer sonderlichen Schrifft an den Churfürsten zu Sachsen / mit erzehlung aller Vmbstände vnd Vrsachen / entschüldiget. (Lutherus höret den Marx Stübener.) Es hat aber genanter Marcus hefftig darauff gedrungen / dz er sich mit D. Luthero besprechen möchte: wölcher wol erstlich / auß Christlichen wichtigen Vrsachen / etwas beschwerlich dazu gewest / aber doch endlich jhm Zeit vnd Stell ernennet. Vnd hat Lutherus allein Philippum Melanthonem zu sich genommen. Marcus aber hat Martinum Cellarium / vnd sonst noch einen / mit sich gebracht. Vnnd nachdem Marcus seine sach seltzam vnd wünderlich erzelet / hat D. Lutherus nicht mehr darauff gesagt / denn allein / daß sie sich wol solten fürsehen / vnnd achtung darauff geben / was sie theten / sintemal das alles / was er jetzt von jhnen gehöret / hette gar keinen Grund in der heiligen Schrifft / oder in Gottes Wort / sondern weren nur fürwitzige Gedancken / vnd betriegliche vnd gefährliche eingeben des leidigen Sathans. (Marcus wil die Gedancken wissen.) Darauff Marcus geantwortet / Ich wil beweisen / daß ich den Geist Gottes habe / wenn ich wil errahten / was du jetzund gedenck est in deinem Hertzen / nemlich / daß meine Wort dich bewogen / daß du dich zu meiner Lehr begeben wilst. Es hat aber Lutherus mit Marco ferner nichts reden wollen / vnnd bekandt / daß er eben dazumal / da Marcus also zu jm geredet / den Spruch fürsetziglich vnnd mit fleiß zu gedencken für genommen / Increpet te Dominus, Satana, Der HERR schelte dich / Sathan / du verdampter Geist. Gleich wie Marcion, da er zu Polycarpo saget: Agnoscis ne me Polycarpe? kennestu mich / diese antwort bekame: Agnosco te primogenitum Diaboli, Ich kenne dich als des Teuffels erstgebornen. Wie nun durch fleissige Vnderrichtung die Leute wider zu recht bracht / daß sie gesehen / wie Carlstad vnnd andere seine zu
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gethane / so zum theil ohne alle vocation / auß eignem fürnemmen(Anno 1524.) zu predigen sich eingedrungen / vnd den sachen in vielen Puncten zu viel gethan / Kirchen vnnd Schulen betrübt / vnnd viel wüstes Wesens vnder Studenten vnnd gemeinem Volck angerichtet / daß also auß Lutheri Bericht jederman den Geist erkandt / vnnd mehlich von jhm abgetretten / da ist auch jhres bleibens zu Wittenberg nicht länger gewesen / sondern haben die Himmlischen Propheten / wie sie Lutherus nennet / sich von Wittenberg hinweg(Die Himlischen Propheten machen sich von Wittenberg hinweg.) an die Saale verkrochen / auff daß sie also ein wenig desto mehr Lufft haben / vnd jre wahre an Gesichten vnd offenbarungen desto besser vertreiben köndten. Vnnd da hat sich auch Thomas Müntzer / Pfarrer zu Allsted / zu jhnen gesellet. Damit nu jederman spürete / was Carlstad im Schilde führete / vnd wo hin sein Intent gerichtet / hat er also bald / hinder des Churfürsten Rücken / auch ohne Vrlaub vnd Gunst der Academien / sein Archidiaconat / in der Schloßkirche zu Wittenberg / sampt seiner Lectur / verlassen / vnd ohne enige Anzeigung / auch ohne Bestellung seiner Arbeit / von Wittenberg abe gehn Orlamünda / da die Pfarr der Vniuersitet als ein Lehen incorporiert(Orlamünda an der Saal in Thüringen.) / sich begeben / daß er also den Himlischen Propheten desto näher / vnnd von Luthero vnuerhindert / desto dürstiger vnnd frewdiger mit jhnen leichen köndte. Ob nun wol die Vniuersiet Carolstadium / als der auch nach seinem Abzuge sein Rente vnnd auffkunfft behalten / wider zu seiner Lectur vnnd Predigt erfordert / so ist doch solches alles vergebens gewesen / sondern es hat jhm Orlamünda besser gefallen / vnd zu seinem Vorhaben dienstlicher gedaucht / da er dann bald / des Geistes Art nach / den Pöfel an sich gehangen / Bäpstliche Gewalt jhm angemasset / vnnd den ordentlichen Pastorn / so von der Vniuersitet dahin verordnet / vnnd in der Lehr(Carlstad verwüstet Kirchen vnnd Schulen.) richtig gewesen / entsetzt / auch bald daselbst die Schulen in einen Hauffen geworffen / damit er allein herrschen / vnnd keines
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(Anno 1524.) (D. Lutherus schreibet von auffrichtung Christlicher Schulen.) widersprechens von jemandt sich zu befahren hette / daß daher / vnnd auß andern Vrsachen / auch Lutherus ein Büchlein / von Auffrichtung Christlicher Schulen / öffentlich außgehen zulassen / verursacht worden. Was er auch ferner allda bey einfeltigen Leien für früchte fürbracht / ist offenbar auß der feinen Rede des (Eins Orlamündischen Schusters rede.) Orlamündischen Schusters / wölcher Tom. 3. pag. 44. beschrieben wirdt. Denn da Lutherus denselbigen gefraget / was denn das Euangelium saget / hat er gut grob Thürings geantwortet: Jesus seit ein Euangelij / weß nit wu es steht / Mine Brüder wissens wol / daß die Bruit muß das Hembde nack et vsziehen / soll sie bie dem Brütigam schlaffen / Also muß man die Bilder abbrechen / daß wir der Creaturn loß vnd rein werden. Haec ille. Was meinestu Christlicher Leser / daß dieser vnnd dergleichen Früchte wol mehr auffgangen sind daselbst? darauß man ja billich den Baum erkennen solte / wann man nur wolte. Noch soll vnser Gegentheil den Carlstad zu einem lebendigen Heiligen machen / vnd muß allein der störrische Luther alle Schuld haben vnd tragen. Vnnd wenn gleich auch etwas bey D. Carlstad hafften / oder er etwa zu weit gangen sein solte / sagen sie doch / daß solches viel mehr dem Luther / als jhm zuzurechen sey / Weil man gar keine gelinde Mittel / damit er etwa jnne zuhalten gewest / jemals an jhm hab versuchen vnnd brauchen wöllen. Aber es hat daran freilich nicht gemangelt. Denn ohne das / was droben (Philippus Melauthon vermanet Carlstad ohne Frucht.) von der gantzen Vniuersitet gemeldet / hat Philippus Melanthon / wölcher von Natur ein glimpfflicher freundlicher Man gewesen / jhn zum offtermal vermanet / er solte nicht also mit Mose / mit den Bildern / mit der Messe vnnd Beichte schwermen / wölches Lutherus ohne zweiffel auch wol gethan hette / wann es nur bey jhm erspriessen mögen. Weil er jhm aber vnder die Augen gesaget / es were jhm nichts vmb Lutherum / vnnd jhm ein
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knipfflein für die Nase geschlagen / hat er wol gesehen / daß er für(Anno 1524.) sein Person nichts an jhm schaffen würde / hat derhalben durch D. Ionam, vnd Dietrich von Biela / mit jhm handeln lassen / aber es ist alles bey jhm ohne frucht abgangen. Der himlischen Propheten(Der himlischen Propheten / Carlstads / vnd der andern / vngereimbte lehre / vn̅ abschewliche reden.) / Storchs / Stübners vnnd Müntzers Gemeinschafft / ist jhm lieber gewesen / denn Lutheri, Philippi, Iusti Ionae, Pomerani, vnd anderer. Vnd ist zwar zuuerwundern / weil dieselben so viel grobes / vngereimtes dinges fürgebracht / daß er denselben hat beipflichten mögen. Vnnd sind vmb diese zeit vom Carlstad mancherley Tractetlein durch den druck außgesprenget worden / mit sonderlichen Titteln / als / von dem geheimen willen Gottes. Item / Von der offenbarung Gottes / wie die geschehe / in vnser inwendigkeit. Item / Von der gelassenheit / daß man nichts vmb den Buchstaben wissen dörffte / sondern eingehen in die macht deß Herren. Item / Man dörffe nit studiern / Sprache lernen / das were nur ein hoffart / man müsse von Gott gelehret sein. Wollen nu vmb deß Christlichen Lesers willen / auß jhrem zu der zeit auß gegangenem Büchlein einem / ein wenig dauon anzeigen. Vnd erstlich haben sie gelehret / wie ein Mensch für dem gehöre(1. Entgröbung.) deß Worts / sich durch die ertödtung zubereiten vnnd geschickt machen sol / welches sie nennen / entgröbung. Zum andern(2. Studierung.) / wie er darnach sol Gottes Wort hören vnnd lesen / daß haben sie genant / Studierung. Zum dritten / haben sie gesetzt / das ein Mensch zweiffeln solle / obs auch war fey / was er auß Gottes Wort lieset vnd höret / vnd derhalben bitten vmb solche empfindliche offenbarung / daß gar kein zweiffel oder vnglaube in jhm vberbleibe / das haben sie genennet / verwunderung / vnnd haben(3. Verwunderung.) jhren zuhörern jhre eigne Exempla fürgehalten / wie sie wol pflegten gehn Himel außzuspeien / vnd also zubitten: Vatter / gib mir ins Hertz die außgestreckte lust zu deiner Gerechtigkeit / wo nicht / so wil ich dich vnd alle Aposteln verleugnen. Zum vierd
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ten (Anno 1524.) / wann einer noch viel mit der Sünden zustreitten hette // das (4. Die lange weile.) haben sie genant / die lange weil. Zum fünfften haben sie gesetzt (5 Besprengung.) die besprengung / wenn der Mensch in der offenbarung / durch die lebendige stimme Gottes gelehret wirdt / vnd kommet der besitzer in das jnnwendigste / vnnd gibt in das Hertze ein gewiß Vrtheil von allen dingen / vnd wird also der Mensch der Creaturen (6. Gelassenheit / vergessenheit / ledige Scele / klare leuterung.) entrissen. Es sind auch das jhre phrases gewesen / im leiden der weisen / in gelassenheit / in vergessenheit / in einer ledigen vnbekümmerten Seele / in klarer leuterung / etc. Diß ist darumb hieher auß jhren eignen Schrifften gesetzt / daß der Christliche Leser sehe / was Storch / Stübener / Müntzer / vnd jhres gleichen / für geister gewesen / zu welchen sich Carlstad (Die erste autor vnd aufenger der Sacramentierer ist Carlstad gewest.) gesellet / daß es ja mit jhm gienge nach dem alten Spruch: Noscitur ex comite, qui non cognoscitur ex se. Vnd also sehen wir / wie Gott der Herr seiner Kirchen zu trewer Warnung / diesen geist bald anfenglich / in dem ersten autore gezeichnet / vnd gleich allen frommen Christen / denen die Warheit lieb / in dieser Person ein starck wincken gegeben habe / sich für denselben vnnd für jhrer lehr / so viel jhnen jhrer Seelen Heil vnd Seligkeit / zuhüten vnd vorzusehen. Dennoch wirdt Carlstad noch heutigs Tags von vnserm gegentheil gleich canonisieret / vnnd schier in das coelum Empiraeum, zu Christo gesetzt. Damit aber nicht jemandt diese recitation verdechtig / vnnd das jenige / was auß Lutheri scriptis genommen / etwa partheiisch halten möge / wöllen wir hören / was Schleidanus hieuon schreibet / denn derselbe hat ex professo die historiam illius temporis beschrieben / oder da man jhn ja affectioniert halten wolle / (Schleidanus vom Carlstad.) ist nicht heimlich / daß er dem gegentheil fast mehr / denn vns zugethan gewesen / dessen Wort libro tertio lauten also: Andreas Carlstad hat / dieweil D. Luther nicht einheimisch gewesen / eine andere lehr (zu Wittenberg) auff die Cantzel gebracht / vnd mit vngestüm die Bilder auß der Kirchen geworffen / denn er den
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pöfel erweckt hatte. Als aber D. Luther dieser Vrsach halben(Anno 1524.) fürnemlich widerumb heim erfordert / hat er diesen handel deß(D. Lutherus vom Bildenstürmen.) Carlstads gestrafft / vnnd angezeigt / man müsse nicht diesen weg fürnemen / sondern zuuor die Bilder auß der Menschen hertzen abschaffen / vnnd das Volck lehren / daß man allein durch den Glauben gerecht werde / vnd daß die Bilder zur Seligkeit nichts nützen. Wann nun also die Bilder auß den hertzen gethan / vnnd das Volck recht vnterrichtet sey / so werden die Bilder nicht schaden thun / oder auch von sich selbst fallen. Er lasse es jhme zwar nicht zuwider sein / daß man sie hinweg thue / Aber solches gebüre der Obrigkeit / vnd sey nicht zuzulassen / daß ein jeder seines gefallens solches fürneme. Vnd hernach im fünfften Buch saget er ferner also: Carlstad / von dem droben gesagt / weil er es nicht mit D. Luther hielt / ist er von Wittenberg weg gezogen / vnd hat mit den heimlichen Lehrern / welche fürgaben / sie hetten Göttliche Gesichte vn̅ Gesprech mit Gott / viel Freundschafft gehabt / derwegen der Churfürst zu Sachsen jhm sein Land verbotten. Er aber (Carlstad)(Carlstad schilt D. Luthern / daß er auff der Papisten seiten sey.) ließ Bücher außgehen / darinnen er D. Luthern vnd seine mitgehülffen hefftig antastete / als newe Schmeichler deß Bapsts / vnnd als ob sie von der Messe vnnd von der Beichte / von den Bildern / vnnd andern dergleichen Sachen / vnrecht lehreten /(Das ist mein Leib / muß dem Carlstad so viel heissen / da sitzt mein Leib.) auch legte Carlstad die Wort Christi (Das ist mein Leib) also auß / da sitzt mein Leib. Es hat auch Carlstad deß Churfürsten selbst nicht geschonet / sondern jhne gar hessig angezogen / daß er ins elend verjagt were / vnd hat alle schuld auff Lutherum gelegt. Darauff D. Luther nach der leng geantwortet / seine Lehr vertheidigt / vnnd angezeigt / es habe billiche Vrsach gehabt / warumb der Churfürst den Carlstad / in seiner Herrschafft nicht dulden wölle. Biß hieher Schleidanus. Welchs nichts anders ist / denn eben das / was droben auß Lutheri Büchern / vnd den actis illorum temporum, angezogen. Vnnd weil ja der
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(Anno 1524.) störrige Lutherus sich jmmer leiden / vnnd dem gegentheil nichts (Philippus Mel. vom Carlstad / was vnd wie er gewest sey.) warsagen oder schreiben kan / wollen wir Philippi zeugnis vnnd Encomium vom Carlstad hören / der schreibet in einer öffentlichen Epistel ad Fridericum Myconium, in praefatione libelli de veterum sententijs, de Coena Domini also: Nun ist gewiß / daß Andreas Carlstad diesen Tumult vom Abendmal / zum allerersten hat angefangen / welches ein wilder vnuerstendiger / vngelehrter / eigensinniger Mensch war / von dem wir daß künlich sagen dürffen / daß er nicht erkennt oder gethan habe gegen menniglich / was einem Menschen zustehet. Ich geschweige / daß man auß jrgend einer vermutung hette können abnemen / daß der heilige Geist in jhm regierte / ja man hat viel gewisse anzeigung / daß er ein gottloser Man gewesen / sein gantze lehr war zum mehrern theil Jüdisch vnnd auffrhürisch / er verdampte alle statuta vnnd Weltliche satzungen / die von den weisen Heiden herkommen / vnd wolte die Leute bereden / man solte in gerichtlichen Sachen nach dem Gesetze Mosis vrtheilen / Denn was Christliche freyheit vermöchte / wisse er gar nicht. Weiter / als Nicolaus Storch anfieng die Widerteufferische lehr in Teutschland einzuschleiffen / gefiel es jhme (Carlstad) wol / vnnd gab demselbigen gantz Schwermerischen geschmeiß von stund an beifall. Endlich erreget er auch diß gezenck vom Abendmal / nur auß verbittertem hertzen wider D. Luthern / nicht daß er vermeinete Gott vnd der Warheit vielleicht etwas damit zudienen. Denn als Carlstads vnsinnige Bildstürmerey D. Luthern hefftig mißfiele / entbrante Carlstad vor grawsamer Rachgierigkeit / vnnd trachtet mit allem fleiß / wie er etwan einen scheinbaren tadel an Luthero möchte finden / sein ansehen vnd gut gerüchte bey menniglichen zuuerkleinern. Gantz Teutschland weiß / vnnd ist mirs bekentlich / daß ich hieran nicht liege / wiewol so jemand derer ding beweisung fodert / werden Carlstads eigene Bücher vnd Tractetlein / so offentlich am Tage sein / jhren authorem selbst augenschenlich
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vberzeugen / denn auß denselben wol zusehen ist / daß den Carlstad(Anno 1524.) gar keine andere Vrsache / dann Neid vnnd Haß / zu dieser schädlichen Disputation verursacht habe. Biß daher Philippus. Darauß ja augenscheinlich nicht allein zusehen / sondern gleich mit Fingern zugreiffen / daß alles / was vnser Gegentheil von vrsprünglicher erregung dieses Streits Luthero gern auffseilen wolte / sich in der Warheit allein von Carlstad befindet. Noch soll er ein gelimpfflicher Mann gewest sein / der diesen Streit nimmer erreget hette / wo jhme der störrige Luther nicht darzu Vrsach gegeben / ja gleich jhn darzu genötiget hette. Aber hierauß lehrne ein frommer Christ / den Sacramentitrischen Geist kennen / mit was Threwen nnd Glauben sie Historien schreiben. Wie nun Carlstad / seinem zu Jena genommenen Abschied nach / seine Bücher / dauon er souiel gepocht / hat trucken lassen wollen / damit es ja noch das Ansehen hette / als wenn Luther in Sachsen den Truck jhme gehindert / hat er sich in eigner Person auff gemacht gehn Basel / vnd daselbst seine Bücher trücken lassen. Ob er nun wol seinen weg auff Straßburg genommen /(Carlstad kompt gehn Straßburg / vnnd von dannen gehn Basel.) hat er doch daselbst / wie gleichsfalls auch zu Basel / niemands im Ministerio angesprochen / auß Vrsach / daß es jhme von den Brüdern den Widerteuffern / die zu der zeit des angehenden Auffrhurs halben sich trücken musten / ist widerrhaten worden. Was aber gleichwol Carlstad daselbst heimlich / vnd sonst durch seine Bücher für Rumor / mit seiner Schwermerey vom Sacrament / Bildern vnd Tauff / wie er dann anderßwo auch gethan(D Lutheri Warnungschrifft / an die zu Straßburg.) / angerichtet / dauon zeuget Lutheri Warnungschrifft an alle Christen zu Straßburg / Tomo 3. Luth. pag. 103. Nun ist in demselbigen seinem Buch der Streit nicht alleine gewesen von seinem groben , das ist / daß das Wort (das ist mein Leib) souiel heissen soll / als / da sitzt mein Leib / sondern da
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hin (Anno 1524.) ist das gantze scriptum gericht gewesen / daß er die ware wesentliche Gegenwartdes waren Leibes vnd Bluts Christi / im heiligen Abendmal Christi / hat verleugnet vnd vmbstossen wollen / wie dann die Wort darinne gefunden werden: Du wirst mich lange nicht vberreden / daß Gott im Brot sey. Item / wie mag man Christum ins Brot vnd Wein bringen? vnd dergleichen. Weil denn die Sacramentschwermer eben dasselbige noch (Woher Carlstad seine Sacramentierische lehre empfangen vnnd gelehrnet / nemlich / vom Teuffel.) heutiges tages streiten / ist in demselbigen Buch das sonderlich zumercken / wie Carlstad / der erste Anfänger dieses Streits / solcher seiner newen Lehr ein authoritatem, grossen Namen vnnd Ansehen hat machen wollen / daß er nämlich dieselbige / nicht von jhm selber / noch von einem einigen andern Menschen hat / sondern / wie er selber geschrieben / es were jhm ein Man erschinen / der hette jhm solche Meinung vom Sacrament offenbaret / vnd gezeiget / wölches seinem fürgeben nach / Gott der himlische Vat ter soll gewesen sein. Aber Lutherus sagt jhm recht / Tom. 3. pag. 68. es sey nicht der himlische Vatter / sondern der leidige Teuffel vnnd seine Mutter gewesen / wie den̅ bald hernach in seinen Rottgesellen den himlischen Propheten / sich gnugsam erwiesen / wer mit jhnen hab pflegen Gesprech zuhalten / nämlich der Geist / wölcher war ein Mörder vnd Lügner von Anfang / der sich dermassen scheinlich durch den auffrürischen Bawrenkrieg in jhnen herfür gethan / daß man jhn gleich mit Händen hat greiffen vnd fülen können. Vnd hat auch Gott der HERR / mit dessen Namen sie (Müntzers vnd Storchens ende vnd tod.) jhre Boßheit beschönet / seines Gerichts nicht vergessen / sondern bald im Anfang des Sommers / Anno 1525. auff den Müntzer seine schwere Hand gelegt / daß er wunderbarlicher weise in offentlichem Auffrhur zu Franckenhausen ergriffen / gegen Heldrungen geführet / daselbst peinlich verhöret / vnd endlich als ein offentlicher Auffrhürer durch die Obrigkeit ist gebürlich vnnd
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gerichtlich gestrafft worden. Nicolaus Storch aber / sein Rottgeselle(Anno 1524.) / ist dauon geflohen / vnnd endlich zu München in einem Spittal mit beschwertem Gewissen gestorben. Also / daß auch die / so jhne daselbst / als einen Frembdling / nicht gekandt / noch von seinen Händeln etwas gewust / solche beschwerung des Gewissens wol an jhme gemerckt vnd verstanden haben. Vnd weil Carlstad zu diesen sich jmmer gehalten / viel schreiben mit jhnen gewechselt / hat er leichtlich erachten können / was die Obrigkeit auch etwa mit jm fürnemmen möchte / hat derhalben den Kopff auß der Schlinge gezogen / vnnd sich gehn Rotenburg an die Tauber gemacht / da er bey nachtzeit von seinen Brüdern in einem Korbe vber die Mawren gelassen: sonst würde er vielleicht mit andern Müntzerischen Geistern / so daselbst eingezogen vnd gerichtet / leichtlich sein an den Reien kommen. Wie nun derselbe Lermen etlicher massen gedempffet / hat(Carlstad wird durch D. Lutherum auß erbarmung vnd Haffnung seiner besserung / widerumb eingebetten.) er (Carlstad) gleichwol dem Landfrieden so viel nicht getrawet / daß er sich alßbald ins Churfürstenthumb Sachsen begeben hette / sondern sich erst schrifftlich / vnnd dann auch mündlich / durch mittel Personen / des Auffrhurs halben / bey D. Luthern entschuldiget / vnnd souiel erhalten / daß Lutherus seinet halben an den Churfürsten zu Sachsen geschrieben / vnnd jhn des gefaßten argwönigen Auffrhurs enthaben / daß jm also der freie Eingang ins Churfürstenthumb wider erlaubet / doch mit der Condition / daß er mit gegebner Hand vnnd Threwe angelobt / auß jhren Churfürstlichen Gnaden Landen ohn jhre Erlaubnus nicht zuweichen / sich auch still vnnd eingezogen zuhalten. Vnnd weil er seiner vorigen bösen Händel halben bey jederman verachtet / auch keine Vertröstung einiger Vocation jhm hat machen können / hat er sich erstlich in ein Dörfflein / darnach in das Städlein Kemberg / ein Meil wegs von Wittenberg /(Carlstad wird zu Kemberg ein Bawer vnd Klipkramer.) häußlich nidergelassen / ist also ein Bawer / darnach ein Klipkramer worden / hat gebranten Wein / Pfefferkuchen / Spiegel /
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(Anno 1524.) Nestel / vnnd dergleichen zu kauff gehabt / zu zeiten Holtz auß dem Lüberwalde geholt / vnnd gehn Wittenberg zu Marck geführet / hat auch wie ein ander natürlicher Bawer sich gekleidet / ist einher gangen in einem groben Baurenrock / vmbgürtet mit einer alten rostigen Wehr / in einer zerrissenen löcherichen Scheide / vnd einen groben Bawrenfiltz auff dem Haupt / wolte auch nicht anders genennet sein / denn wie ein ander Bawr (Neber Andres) ob er vielleicht also ein Ansehen einer sonderlichen Heiligkeit vberkommen köndte. Aber solch Handwerck / weil es vndoctorlich (Carlstad suchet zu Hoff Patronen.) / mühselig / schwer vnd verdrießlich / hat jhm auch die länge nicht gefallen wollen. Hat sich derwegen an ettliche fürnemme Personen bey Hoff gefunden / vnnd mit fürwendung grosser Demut sich dahin erkläret / wie gern er sich weisen / vnd wider zu recht wolte bringen lassen. Es sind auch darauff etliche Handlunge mit jhme / auch von D. Luthero, vnd D. Pontano Cancellario, (Carlstad schreibt Bücher / vnnd wil sein Namen dazu nicht bekennen / gleich wie Wolff.) fürgenommen / Anno 27. vnnd 28. aber ohne Frucht. Vnd ist endlich außgebrochen / daß ettliche Büchlein ohne Namen in Truck außgangen / vnnd Carlstad vberwiesen worden / daß sie sein weren / auch befunden / daß er neben andern Practicken auch Brieff an Krautwald vnd Schwenckfeld gesand / wie solches alles zubefinden Tom. 4. Ienen. Germ. pag. 374. & sequentibus. (Carlstad begibt sich hinweg / wider fein Eid vnnd Pflicht / gehn Straßburg / vnd von dannen in Schweitz.) Derwegen wie er endlich vernommen / daß die Sacramentschwermerey / an ettlichen Oberländischen fürnemmen Orten / vnd in Schweitz / mit Gewalt eingerissen / hat er sich / wider Churfürstliche Verbott vnnd seine gegebene Pflicht / von Kemberg hinweg gemacht (wie denn solche vnnd dergleichen Stücklein / trewloß vnd meineidig zuwerden / vnd also der Christlichen Obrigkeit gleich zuspotten / auch heutiges tages vnsern Sacramentschwermern nit seltzam sind) ist erstlich gehn Straßburg kommen / vnnd wie er darnach nicht hat können vnderkommen / zeucht er von dannen ins Schweitzerland / da er nicht allein freundlich empfangen / vnnd zur Herberge auffgenommen / son
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dern auch mit einer Pfarr / im Reinthal zu Alsted genandt / versehen(Anno 1524.) worden. Von dannen ist er gehn Basel zum Predigampt(Carlstad wirdt zu Bafel ein Prediger / vnd mmpt ein böß schrecklich ende.) beruffen worden / da er auch endlich sein Leben beschlossen. Wie er aber sein ende genommen / wöllen wir deme / der alles sihet vnd weiß / befehlen / weil das gegentheil die schreckliche zeitung / so damals von seinem absterben auß Basel gesprengt / nicht gerne gestehen wil. Es ist aber diß in offentlichen druck offtermals außgangen / vnnd auß Basel auch von den Kirchendienern geschrieben worden / daß Carlstad endlich vom bösen Feinde erwürget sey worden. Denn da er dermal eins in der Kirchen geprediget / sey vnter der Predig in die Kirche hinein kommen ein grosser vngehewrer Man / der sich neben den Bürgermeister gestellet / vnd widerumb auß der Kirchen in deß Carlstads Hauß gangen / darinnen niemandt / den Carlstads Sohn gewesen / den er in die höhe auffgehoben / als wolte er jhn auff vnd wider die Erden stossen / vnd habe jhn doch widerumb ohne schaden gelassen / vnd jhm befohlen / er solte seinem Vater anzeigen / er wolle nach dreyen Tagen widerkommen vnd jhn holen. Da nun Carlstad nach der Predigt den Bürgermeister gefragt / wer der grosse Man gewest / hat jhm der Bürgermeister geantwortet / er habe niemandt gesehen. In dem aber Carlstad heimkompt / vnd anhöret / was jhm sein Son anzeiget / wird er so bestürtzt vnd bekümmert / daß er den dritten Tag hernach stirbet. Diß erzelen wir / wie oben vermeldet / auß denen Schrifften / die von Carlstads tode öffentlich gedruckt worden. Vnd ob wir gleich solchs in seinem werth bleiben lassen / vnd Carlstadio gerne ein besser ende gön̅en / jedoch weil gleichwol auch das widertheil / solch schrecklich ende mit bestendigkeit nicht leugnen kan / wie es auß Lauatero zusehen / so kan niemands frommen Christen wehren / daß sie auß Carlstads bösen hendeln / vnd sonderlich auß dem Man̅e / der jm sein offenbaret / dieses geschreis halben / jnen allerley Gedancken vnd vermutung machen.
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(Anno 1524.) Aber wir wöllen vns wider wenden zu der ordnung der Historien / wie der Sacramentstreit / so durch Carlstads vnbesonnene vngestümmigkeit / wie Bucerus selber in Apologia Anno 1526. schreibet / erreget / plötzlich vnd eilend / wie ein grosses Fewer / mit grewlicher ergernis vnnd verwirrung / nicht allein vieler einzelen Gewissen / sondern auch vieler Kirchen vn̅ Gemeinen vmb sich gefressen / da fast kein stewren noch wehren hat helffen wöllen. (Wolffens vnwar hafftige beschüldigung wider D. Lutherum.) Meister Wolff vnterstehet sich zwar / die schuld allein vnnd gar auff den Lutherum zulegen / aber wir haben bißhero die Warheit lauter gezeiget / vnnd die ordnung der Historien wirds folgends fein einfeltig außweisen / wenn der Leser nur fleissig acht drauff gibt. Denn wie das Colloquium, welches oben gemeldet / zwischen Luthero vnd Carlstadio / Anno 1524. den 22. Augusti / ergangen / hat sich alsbald Carlstadius auffgemacht gegen Basel / seine Bücher daselbst drucken lassen / dann er hatt zuuor albereit wol drey jhar daran gemacht vnnd geschrieben / vnnd ist der druck eilends vnd bald gefertiget / vnd ist jhren vielen so jach vnd eilent / weil es etwas newes war / darnach gewesen / daß man nicht erwarten hat können oder wollen / was vnd wie Lutherus / wider welchen solche Bücher Carlstadij namhafftig gericht waren / (Capito vnd Bucerus fahen an / zu Straßburg / durch offentliche schreiben / den Sa cramentstreit weiter zuregen.) antworten würde / sondern Capito zu Straßburg hat also bald im Octobri 1524. ein offentliches Schreiben / was von derselben deß Carlstads sachen / wider Lutherum / zuhalten vnd zuurtheilen / außgehen lassen. Demselbigen ist im Decembri Bucerus mit einem andern offentlichem gedrucktem Büchlein / welchem alle damals Kirchendiener zu Straßburg vnterschrieben / gefolget / vnnd ist derselben Büchlein summa diese gewest: Fidem tantum nostram pane & vino Dominico, per recordationem corporis & sanguinis illius pascendam, & caeteras quaestiones (In Capitonis iudicio B. 4.) omittendas esse. In Buceriautem lib: ita manducandum esse panem & bibendum vinum, vt corporis & sanguinis illius semel pro nobis traditi, seriò recordemur, eaque ratione nos spi
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ritualiter & verè carne eius vesci, & sanguinem eius bibere.(Anno 1524.) Das ist / daß wir / nemlich / an dem Brot vnnd Wein des HErren / allein vnsern Glauben / durch gedechtnus seines Leibes vnnd Bluts / speisen / vnnd andere fragen gantz vnterlassen solten. Item / man solte das Brot vnnd Wein im Abendmal also essen vnnd trincken / daß wir seines Leibs vnnd Bluts / einmal für vns gegeben / ernstlich gedencken solten. Denn also essen wir geistlich warhafftig sein Feisch / vnd trincken sein Blut. Der Rhat zu Zürich hat sich anfenglich an gemelte Carlstads Bücher / weil darinn eine newe / vnnd dazumal den Leuten gar eine vnbekante meinung were / hart gestossen / hat derhalben verbotten / daß dieselben Carlstads Bücher in jrer Stadt offentlich nicht solten verkaufft werden: Zwinglius aber hat auff der(Zwinglius entschuldiget vnd ver teidiget deß Carlstads schwarm vnd Gifft.) Cantzel solches als bald offentlich gestrafft / vnd seine gantze Kirche vermanet / gereitzet vnd angehalten / daß sie solche deß Carlstads Bücher ja lesen solten / denn Carlstad erkennete etwas von der Warheit in diesem Artickel vom Sacrament / aber weil er sich auff die Tropos nicht gnugsam verstünde / machte ers in ordnung der Wort der einsetzung etwas vnbescheiden / vnd were jhm wie einem vngeübeten Kriegsmanne / der wol ein gut hertz zum streit hette / dem es auch an guten Waffen nicht mangelte / verstünde aber nicht gnugsam / wie er die Waffen recht vnd nützlich anlegen vnd brauchen solte. Vnnd damit hat Zwinglius zuuerstehen geben / daß er der Meister were / ders besser machen wolte vnd köndte. So schreibet auch Lauaterus: wie nun Carlstads Bücher herfür kommen / habe Zwinglius an Matth. Aulberum, Prediger zu Reutlingen / welcher eben dazumal mit einem seiner Mitprediger / vber Carlstads Bücher / von wegen deß Sacraments / in streit gerhaten war / als bald einen langen Brieff geschrieben / darinn er seine Zwinglische Opinion vom Abend
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mal (Anno 1524.) an tag geben / vnnd gedencket Zwinglius selbst ad Pom̅eranum, das dieselbige Epistel bald auch / ehe vnd denn sie gedruckt worden / abgeschrieben / vnnd mehr denn fünffhundert Brüdern mitgetheilet sey worden / eben wie Paulus schreibet von der Aufferstehung Christi / allein das bey Zwinglischer Epistel kein Apostel oder Jünger deß Herren gewesen. (Oecolampadius entschuldiget vnd vertheidiget den Carlstad.) Also weil auch in Schwaben allerley disputieret ward von Carlstads außgesprengten Büchern / hat Oecolampadius hin vnd wider geschrieben / daß man ja den Carlstad / von wegen solcher seiner Bücher / nicht vervnglimpffen wolte. Denn ob er gleich das jenige / was er damit gesucht / eigentlich nicht gleich getroffen hette / so were doch sein intent vnd die summa der sachen (daß nemlich Christus nicht im Sacrament) nicht böse oder verwerfflich. (Wolffens wolftscher rhat / vnnd nichtiges bedencken.) Wie nun der gestalt bald Anno 1524. nach außgesprengten Carlstads Büchern / allenthalben alles voll redens / disputierens vnnd schreibens vnnd drückens war / von Carlstads newen grillen / was hat Lutherus thun sollen? Wolfius helt / er hette das maul zuhalten / vnnd die Feder hinlegen sollen / so were gut (D. Lutherus hat sich mit gutem Christlichen bedencke̅ / wider den Carlstad endlich eingelassen.) Fried / vnd alles still blieben. Ist eben der rhat gewesen / wie etwa auch die Wölffe den Schäffern gerhaten haben / man solte die wackern beissende Hunde von der herde nur hinweg thun / oder jhnen ja das Maul zubinden / so würde wol gut Friede werden / sein vnd bleiben. Vnd ist heute nicht new / sondern ist der alte gesang / wenn threwe Prediger falscher lehr widersprechen / das man schreiet / Tues, qui conturbas Israel. Aber Lutherus hat sich erinnert / daß er zu seinem Ampt beruffen were / nicht daß er ein blinder Wechter / vnnd ein stummer Hund sein solte / sondern daß er fürnemlich von Gott erweckt / vnd von jhme mit sonderlichen Gaben begnadet were / daß er mechtig sein köndte / vnd solte die verwirrer vnd widersprecher der reinen gesunden lehr straffen / vnd jhnen daß Maul zustopf
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fen / 1. Timoth. 1. Vnd hat sich dennoch auch / nachdem Carlstads(Anno 1525.) Bücher allbereit durch offenen Truck allenthalben außgesprenget waren / mit seiner Antwort nicht vbereilet / sondern da andere mit offenen Schrifften im Octob. vnnd Decemb. sich allbereit / wie gesagt / herfür gethan / hat Lutherus Anno 1525.(Anno 1525.) im Ianuario angefangen Earlstads Bücher zuwiderlegen / vnd hat im Februario erst seine Antwort gefertiget. Vnd weil dieselbigen seine Bücher in seinen Tomis, vnnd vnder dem Tittel (wider die himlischen Propheten) vorhanden / ist von vnnöten / dieselbigen hieher zusetzen.

Anno 1525.
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Daß wir aber in der Historia fortfaren / hat Zwinglius / wie auch die seinen / in keinem wege dem Carlstad / auch nach seinen außgesprengeten Büchern / den Rhum gönnen oder gestatten(Zwinglius wil der erste sein / der den Streit vom Sacrament erreget.) wollen / als were er desselbigen Schwarms zu diesen zeiten der erste Anfänger vnd Erfinder. Denn Lauaterus schreibet / daß Zwinglius lange zuuor / eben mit demselbigen Schwarm schwanger gangen / vnd habe auch vor Carlstad durch sich vnnd durch die seinen / hin vnnd wider / an alle vorneme vnnd gelehrte Leute / in Teutschland vnnd Franckreich / geschrieben / er würde vnd wolte etwas sonderlichs vom Abendmal des HERREN herfür bringen. Er hat aber weder auff der Cantzel / noch in Schrifften / sich öffentlich herfür thun dörffen / sondern nachdem Carlstad durch offenen Truck seiner Bücher / zu demselbigen bösen Spiel die Würffel auffgelegt / vnd Lutherus auß Erheischung seines tragenden Amps / im Februario sein Schreiben wider die himlischen Propheten kaum verfertiget / ist Zwinglius so gach vnnd eilend gewesen den Rhum zuerjagen / daß des erfolgeten betrübten / ergerlichen Streits vom Sacrament / er der rechte Anfänger vnnd Stiffter zu vnsern zeiten were / daß bald im Martio, Anno 1525. er mit seinem Commentario, de vera
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(Anno 1525.) & falsa Religione, ad Franciscum Galliae regem, darinne er seine Opinion vom Abendmal nach der Länge an den Tag gegeben / vnd verthedigt / durch offenen Truck ans Liecht kommen / vnd weil eben dazumal der Franckforter Marck verhanden / hat er gethan / wie jener Schuster / der sich fürchtet / er möchte den Marck verseumen / vnnd hat bald in höchster eil durch drey Studenten / das Stück vom Abendmal lassen verteutschen / daß es ja auß dem Franckfordischen Marck weit außgesprenget / vnnd vnder alle Leute gebracht möchte werden. Vnd bald in der Vorrede desselbigen Buchs / hat er sich Carlstads angenommen / vnd auff Lutherum gestochen / daß nämlich ettliche eigensinnige Leute weren / weil die sehen / daß die Warheit (der Carlstadischen vnnd Zwinglischen Opinion) nicht durch sie / sondern durch andere / ans Liecht keme / vnd an den Tag bracht würde / so lesterte sie andere Leut. (Zwingels meinung vom heiligen Abendmal.) Vnd soll der Leser wol mercken / wie Zwinglius die Opinion gefasset / daß Christus mit seinem Leib vnnd Blut nicht auff Erden / bey seiner Kirchen / da mit dem gesegneten Brot vnnd Wein sein Abendmal gehalten wirdt / gegenwertig / sondern im Himmel were / vnnd aber die Wort der Einsatzung (das ist mein Leib / das ist mein Blut) jhm entgegen stünden / vnnd all zu starck in die Augen scheineten / daß er lange nicht hat können außdencken (Woher Zwingel sein Sacramentierische meinung studiert / vnnd gelehrnet / nemlich / erstlich von eim Hollender / zum andern von eim schwartzen Gespenst / im trawm / wie er selbst bekentzet.) / wie er die Wort also möchte keren vnnd wenden / daß sie seiner vorgefasten Opinion nicht entgegen weren / biß jhm endlich zukommen eine sarcina, ein hinderlassens Wanderßpäcklein / Bündlein oder Säcklein / eines Bataui Honij, vnd darinne / wie er selbst hoch rhümet / hat er gefunden eine Epistolam, darinne gewest vnio, die edle Berle / oder der köstliche Edelstein / dz in den Worten der Einsatzung die Wort (Hoc est, das ist) also köndten vnnd möchten gedeutet werden / hoc significat, das bedeutet mein Leib vnd Blut / der nicht im Abendmal auff Erden / sondern im Himmel ist. Vnd darauff hat Zwinglius alßbald seinen gan
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tzen Grund gesetzt. Dieselbige Epistola ist in offenem Truck verhanden(Anno 1525.) / vnd soll etwa Anno 1521. geschrieben sein / ist aber vom Zwinglio in Truck gegeben / Anno 1525. darinnen die summa vnd der Grund ist / weil Christus spricht Marci am 13. Wenn jemand zu euch sagen wirdt / sihe / hie ist Christus / sihe da ist er / so glaubets nicht / Derhalben soll man nicht glauben denen / die da sagen / Christus sey im Sacrament oder im Brot / sondern wie die Schrifft saget: Johannes ist Elias. Item / wie Christus spricht zu Maria / sihe / das ist dein Sohn. Der Felß war Christus / Ich bin der Weg / die Thür / Ich bin der Weinstock / Drey Reben vnnd drey Körbe sind drey Tage. Denn weil Christus saget / das thut zu meinem Gedechtnus / vnnd Gedechtnus wirdt verstanden für ein Zeichen eines abwesenden dinges. Item / wie das Manna bedeutet hat Christum / ist aber nicht Christus gewesen: also sey auch das Brot im Sacrament. Item / der Artickel vom Abendmal stehe nicht im Symbolo Apostolico. Item / wie man ein Hauß vberantwortet / wenn man einem die Schlüssel gibt. Item / wo ich nicht hingehe / wirdt der Tröster nicht kommen. Weil aber Zwinglius gar zu sehr / wie er selber bekennet / geeilet(Zwingel setzt die Wort Christi beiseitz / vnd fragt sein vernunfft vmb rhat.) / derhalben was er darnach mehr hat können außdencken / so zu dem Gezänck dienen möchte / vnd was auch seine Rottgesellen für Pfeile mitler weil jhm haben in seinen Köcher zuschieben können / das hat er in ein sonderlich Buch gefasset / vnnd noch in demselbigen jahr / im Augusto / trucken lassen / mit dem Tittel / Subsidium Eucharistiae, als ein Hinderhalt / wenn etwa seine vorigen andere argumenta wider das Sacrament / not solten leiden oder geschlagen werden. Vnnd wollen den Leser allhier kürtzlich erinnert haben / daß Zwinglius selber mit seinen eigenen Worten gnugsam zuuerstehen gibt / daß die Wort der Einsatzung des Abendmals jhm nicht geweiset / viel weniger jhn gedrungen oder genötiget
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(Anno 1525.) haben / zu seiner Opinion / vom abwesen des Leibs vnnd Bluts Christi: sondern / da er gleich noch vnder dem Bapsthumb / die dazumal gebreuchliche Lehr / vom Abendmal / gehalten / gelehret vnd geprediget / vnd noch nicht wuste / auch nicht drauff gedachte / wie die Wort anders / denn wie sie lauten / möchten verkeret vnd außgelegt werden / so hab er es doch niemals warhafftig geglaubt. (Zwinglische oder Sacramentierische Lehr kompt herauß lauterm Vnglauben / vnd nit auß den Worten Christi.) Vnnd das ist ein gut nota, daß die Zwinglische Meinung vrsprünglich nicht auß den Worten der Einsatzung / sondern auß einem Vnglauben hergeflossen sind. Denn das sind seine eigene Wort / da er schreibt: Fuimus ante annos plures, quàm nuno conueniar dicere, huius opinionis de Eucharistia, das ist / Wir sind länger vnd vor mehr jaren / denn sichs jetzund gebürt zusagen / in der Opinion gewesen / daß nämlich Christi Leib vnd Blut im Sacrament nit gegenwertig. Imò nemo nostrûm vnquam verè credidit, se in isto pane tale quiddam edere, quod somniauimus. Das ist / Niemand hat vnder vns jemals warhafftig geglaubet / daß wir in dem Brot des Abendmals das essen / wie wir vns haben trewmen lassen / etc. Vnd ist eine denckwirdige Historia / die man billich wol behalten / vnnd auch auff die Nachkommen fortbringen soll / nämlich / weil dazumal die Himlischen Propheten / wie sie Lutherus nennet / offentlich lehreten / vnnd viel Leute mit dem Schein verführten (Zwingel vnd sein Hauff / wil sich am Wort Christi nit genügen lassen / sondern sonderbare Offenbarung haben.) / man köndte vnnd dörffte nicht alles / was man glauben soll / auß dem geschriebnen Wort Gottes nemmen / sondern das were viel statlicher vnnd glaubwirdiger / wann man eine sonderliche Offenbarung / so etwa im Trawm / oder in einem sonderbarem Gesichte geschehen / herfür bringen köndte / denn das were die Offenbarung / nicht des todten Buchstaben / sondern der lebendigen Stimme Gottes / wie sie redeten. Wie nu Carlstad vorgab / wie droben gemeldet / es were jhm sein durch ein Gesichte / in gestalt eines Mannes / geoffenbaret: Also hat auch Zwinglius in diesem Handel vom Sacrament / auff ein Gesich
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te / vn̅ auff eine sonderbare offenbarung / im Trawm geschehen /(Anno 1525.) sich anfenglich referirt / gezogen / vnd stattlich beruffen. Denn also schreibt er selber in seinem Subsidio Eucharistiae. Mox post editum Commentarium, cum coram senatu de abroganda Missa, & de instituenda noua sua synaxi ageret, Scribam quendam acriter restitisse, hoc praecipuo argumento, quòd Zuuinglius à perspicua verborum proprietate discederet, & non satis certò & liquidò probaret (Est) in verbis coenae accipiendum pro significat. Exempla enim Lucae octauo, Semen est verbum Dei: Matth. 13. Ager est Mundus, esse valdè dissimilia. Ibi enim praecedere parabolas, quarum explicatio per verbum (Est) tradatur. In Coena verò Dominica nihil tale esse. Hac obiectione Zuuinglius ita perturbatus fuit, vt quamuis aliquid tunc diceret, ne omnino tacere videretur, sentiret tamen stimulum obstrepentis conscientiae. His enim verbis ipse narrat: Cùm è senatu nos recepissemus, coepimus cogitare omnia, omnia reuoluere, quò scilicet proderemus exempla, quae nulla cum parabola coniuncta forent, attamen aliud nihil exemplorum occurrebat, quàm quod in Commentario proditum est, aut quod occurrebat, erat illorum simile. Cùm verò decimus(Somnium Cinglij.) tertius dies appeteret (vera narro, adeoque vera, vt caelare volentem, conscientia cogat effundere, quod Dominus impertijt, non ignorans, quantis me contumelijs, risibusque exponam) cùm, inquam, trede cima Aprilis lux appeteret, visus sum mihi in somnio multo cum taedio contendere denuò cum aduersario scriba, sicque obmutuisse, vt quòd verum scirem, negante lingua beneficium suum, proloqui non possem. Qui me angor (vt solent nonnunquam somnia fallaci ludere nocte, nihil enim altius quàm somnium narramus, quod ad nos attinet, tametsi leue non sit, quod per somnium didicimus, gratia Deo, in cuius solius gloriam ista prodimus) vehementer perturbare videbatur,(Ater monitor.) ibi , visus est monitor adesse, ater fuerit an al
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bus, (Anno 1525.) nihil memini, somnium enim narro, qui diceret, quin ignauè respondes ei, quod Exod. 12. scribitur. Est enim Phase Domini. Protinus vt hoc phasma visum est, simul expergiscor, & è lecto exilio, locum apud septuaginta primùm vndique circumspicio, ac de eo coram tota concione pro virili dissero. Haec Zuuinglius. Das ist / Da er vor dem Rhat / von abtilgung der Meß / vnd anordnung deß Abendmals / handelte / habe sich ein Schreiber hart dawider gesetzt / vnnd sonderlich fürgebracht / daß Zwingel von den klaren Worten abwiche / vnnd nicht deutlich beweisen köndte / daß das Wörtlein / Ist / solte im Nachtmal souiel heissen / als / es bedeutet / denn es gelte nicht / daß man Gleichnis vnnd Parabel einfüren wolte / Als / der Samen ist das Wort Gottes / der Acker ist die Welt / denn bey solchen Gleichnüssen stünde die Außlegung selbst / aber im Abendmal deß Herren geschehe nichts deßgleiche̅. Ob dieser Rede ist Zwinglius erschrocken / vnd ob er gleich etwas gesagt / auff daß man nicht gedechte / er müste gar still schweigen / so habe jhme doch sein eigen Gewissen widerredet / vnd widerstanden. Da wir nun (spricht er) auß dem rhat heimkamen / hab ich alle Bücher durchsehen / vnnd gesucht / ob ich ein Exempel finden möchte / da das Wort / Ist / für ein bedeutung genommen würde / ohn ein Gleichnüs / aber ich fand kein andere vber die vorgehende. Wie nun der dreyzehende Tag sich nahete (ich rede die Warheit / also / daß wen̅ ichs gleich verschweigen wolte / doch mein Gewissen mich zwinge / solches außzusagen / welches der Herr also mitgetheilet hat / wiewol ich mich hiedurch selbst in Spot vnnd verachtung setze) sihe / da hat mir getrewmet / daß ich abermals mit dem obgedachten Schreiber widerumb vnd mit verdruß zanckete / vnnd gantz stum̅ werden muste / vnd jm nichts antworten kündte. Vnnd da ich mich im Trawm also bey der Nacht engstete / da dauchte mich / es stünde ohngefehr bey mir ein Man / der mich erinnerte (ob derselbige
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schwartz oder weiß gewesen sey / weiß ich nicht) vnnd sprach / antworte(Anno 1525.) kecklich / wie im 2. Buch Mose am 12. geschrieben stehet / Es ist der Durchgang deß Herren. Est Phase Domini. Da ich diß Gesichte gesehen / vnd erwacht / bin ich mit Frewden(Zwingel folget dem raht des schwartzen gespenstes / daher der Sacramentierer wesen entstanden / vnd bißher getrieben worden.) auß dem Bette gesprungen / nachgesucht / vnnd solches bald für der gantzen Kirche / nach meinem vermögen / offentlich geprediget. So fern Zwinglij Wort. Da nu also / wie gemeldet / Zwinglius mit aller seiner Heereskrafft / mit dem exercitu, das ist / mit dem gantzen hellen hauffen / vn̅ mit dem subsidio, hinderhalt vn̅ Troß seiner Argument / auff dem Plan war / da haben dennoch (wie Pirckheimerus schreibt) viel Leute / auch Oecolampadius selbst / wol gesehen vnd gemerckt / daß Zwinglius mit aller seiner Rüstu̅g / viel zu schwach vnd vngeschickt / solche Sache außzuführen. Derhalben haben(Oecolampadius hilfft dem Schwachen Zwingel auff die Bein / vnd fallen doch beide.) beide Freunde vnnd Feinde / bey Oecolampadio (wie er selber schreibet) angehalten / daß er sich der sachen annemen wolte. Vnd derselbige / weil er sich auch auff der Cantzel vnd in Brieffen / offt dauon hat vernemen lassen / hat also darnach noch Anno 1525. ein Buch geschrieben / vnd drucken lassen: De genuina verborum Domini (hoc est corpus meum) iuxta vetustissimos authores expositione. Desselbigen Buchs summa ist / wie auch Lauaterus schreibet: Nullum miraculum esse in pane Mystico supra captum hominis. Et verba illa (Hoc est corpus meum) absque tropo constare non posse, vt multa absurda caueantur, & ne contra Spiritum, & contra gloriam Christi pugnent. Es sey kein Wunderwerck im gesegneten Brot / vnnd sey nichts vber den Menschlichen verstand darinn. Es sey aber ein Figur vnnd Bedeutung in diesen Worten / Das ist mein Leib / sonst were es sehr vngereimbt ding / vnd dem Geist vnd der Ehre Christi vngemeß / wenn das Brot solte sein Leib sein / etc. Weil nun Oecolampadius seiner Geschickligkeit halben in guten künsten vnnd Sprachen / auch wegen seines sittsames /
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(Anno 1525.) eingezogenen Lebens / bey jederman in grossem ansehen / hat man (Oecolampad oder Haußschein / wil mit der Sacrame̅tiererey durchdringe̅ / vnnd D. Luthero sich widersetzen.) gemeinet / der würde einen grossen nachdruck in diesem handel machen / vnd weil auch die fürnembsten Prediger in Schwaben vnter jhm zuuor zu Heidelberg gestudieret / vnd jn noch für jhren Praeceptorn hielten / vnnd grosse Freundschafft mit jhm hatten / hat er hinden an gemeltes sein Buch ein epistolam an die Prediger in Schwaben drucken lassen / darinn er denselbigen sein Buch zuschreibet vnd zusendet / vnnd begeret / daß sie dauon richten vnd vrtheilen solten / dieweil er vernommen / daß viel sich daran geergert / daß er Luthero / welcher dazumal wie eine Seule der Kirchen gehalten ward / in der Sacraments sache / nicht bey fiele. Vnd da meinet jederman / die Prediger in Schwaben würden entweder dazu schweigen / oder öffentlich auff Oecolampadij Seiten trete̅ / aber vber zuuersicht sind bald etliche fürneme Prediger versamlet zu Hall in Schwaben / vnnd haben eine widerlegung deß gemelten Buchs Oecolampadij gestellet / vnnd semptlich vnterschrieben / Anno 1525. Octob. 21. welcher sie daher (Syngramma Sucuicum.) den Tittel gegeben / Sueuicum super verbis Coenę: (Cheobaldus Billicanus zu Nörtlingen / schrcibewider die Sacramentierer.) Hoc est corpus meum, &c. Es hat auch in demselbigen 1525. jhar / im Nouembri, Theobaldus Billicanus, Schulmeister vn̅ Prediger zu Nörtlingen / eine epistolam, de verbis Coenae Domini, & opinionum varietate ad Vrbanum Regium, geschrieben / darinn er sein iudicium von Carlstads / Zwinglij vnnd Oecolampadij Büchern eröffnet / vnnd auß Art vnnd Eigenschafft der Heuptsprachen sie widerleget / vnnd setzt zum Grunde die Wort der einsetzung / mit der außdrücklichen bedingunge / daß er derselbigen ordnung / vmbstende / Natur vnnd Krafft / erwegen vnd erforschen wölle / vnd mitler weile sich nicht bewegen lassen / (Die Wort des Abendmals sind hell vnd klar.) entweder durchs sechste Capitel Johannis / oder durch andere argumenta, hin vnnd wider zusammen geraspelt / sondern wenn er durch die Wort der einsetzung gegründet vnd gestercket sey / so wolle er dann darnach in die andern Argumenten sich wol
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richten vnd finden. Denn es könne ja das nicht geleugnet werwer(Anno 1525.) / dz die Krafft vn̅ der Verstand vom Abendmal / in den Worten(Der Sacramentierer allerley würderliche meinung / kommet hierinn zu samen / daß der leib Christi im Abendmal nicht sey / denn nur Geistlich im Glauben.) des Abendmals / eigentlich vnnd warhafftig außgetruckt sey / vnnd auff wie mancherley weise sie die Wort ludificieren / das wolle er anzeigen / wiewol sie in der summa fast vberein kommen / daß / nämlich im Abendmal (wölches auff Erden mit dem gesegneten Brot vnnd Wein gehalten wirdt) nichts anders denn Brot vnnd Wein gegenwertig sey. Denn es were auch im Abendmal der Leib vnnd das Blut Christi kein nütze / wie es am Creutz gewest / so würde auch Christus / weil er zur Rechten des Vatters / nicht herunder fahren / vnd sich hernieder lassen in eines jedern niessenden Leib. Denn Christus eben damit / daß er es nennet ein Gedechtnus seines Leidens / gnugsam anzeiget / quòd à Coena abesset, daß er vom Abendmal abwesend / vnnd weil das nirgent für ein Mirackel angezogen / daß das Brot sein Leib / vnnd der Wein sein Blut / sey es eine gnugsame Anzeigung / daß der Leib vnnd Blut Christi im Abendmal nicht sey / denn allein Geistlich. So könne auch die gantze Frucht des Abendmals wol bestehen / ohne die Gegenwertigkeit des leibes vnd Bluts Christi. Vnd das sind fast die persuasiones, spricht er / daß sie die Leib vnnd das Blut Christi vom Abendmal (wölches in der Kirchen auff Erden mit Brot vnnd Wein gehalten wirdt) hinweg reumen. Vnd am ende spricht er: Das mangelt den leuten / daß sie nicht das halten / wie die Wort des Abendmals wollen / sondern daß sie jhre Meinung / die sie vorhin gefasset / den Worten des Abendmals auffdringen / daß man fast niemants für einen Christen helt / der sich nicht in Kampff wider(Wer sich wider die Wort des Abendmals nit aufflehnet / der wirdt bey den Sacramentierern für keinen Christen gehalten.) die Wort des Abendmals aufflehnet. In demselbigen jhar / octauo Decembris hat Vrbanus Regius, damals Prediger zu Augspurg / wölcher auch vorhin / wie Lauaterus meldet / wider Carlstad geschrieben / auff dieselb Epistolam geantwortet / vnnd jhm darfür gedanckt / vnnd klagt / daß das gemeine Volck schier
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(Anno 1525.) in so viel Secten / als Prediger sind / vber die Wort des Abendmals (Vrbanus Regius schreibt von der Sacramentierer Gottslösterlichen reden.) / getheilet / die jmmer im Maul haben die Gottslösterung von einem brödtern Gott / den man aufffressen könne / vnd dz sie zum ewigen Fewr verurtheilen alle / so mit einfeltigem Glauben / bey den einfältigen Worten Christi bleiben / vnnd neben dem / daß sie mit Dancksagung rhümen vnnd preisen / die Erlösung / so am Creutz geschehen / auch glauben / daß Gott (arcana) durch geheimte verborgene Gegenwertigkeit Christi / in seinem Abendmal / als mit einem thewren Pfande / die seinen tröste / biß daß er herrlich vnnd allen offenbarlich sichtbarlich widerkomme. Er (Wigleph vnnd die Waldenser sind der Sacramentirer gesellen.) erzelet auch / daß zuuor Vigleph vnnd die Vualdenses eben den Artickel / vnnd eben mit denselben Argumenten sich vnderstanden haben zuuerthedigen / daß das Brot im Abendmal figürlich der Leib Christi were / wie Johannes figürlich vnnd persönlich were Elias gewesen. Item / er Regius, habe zwar alle Argument der Carlstadischen opinion fleissig bewogen / habe auch wol gesehen / daß es ein Compendium were / daß man das Opffer der Messe / in einem huy vmbkeren köndte / aber daß er der Meinung nicht habe beypflichten können / habe jhm das eben im wege gestanden / wie Billicanus in sua Epistola außführlich handelt. Er weiset auch / daß in dem Spruch / Der Felß war Christus / kein tropus sey / weil Paulus spricht / der geistliche Felß war Christus. So erzwinge auch der Spruch Exodi am 12. nichts: Esset eilend / denn diser Tag ist des HERREN Pesach oder Durchgang. Vnd letzlich beschleust er / daß die andern Brüder (Augspurgische Prediger stimmen nit mit den Sacramentierern.) vnd Mitarbeiter am Euangelio Christi in der Kirchen zu Augspurg / semptlich mit vnderschrieben haben des Billicani Meinung. Es hat auch in demselbigen 1525. jar / Bilibaldus Birchheimerus, so in der Griechischen Sprach trefflich wol erfahren / vnnd allenthalben bey den Gelehrten hoch berhümpt / wie dann auch noch viel Orationes Nazianzeni verhanden / die er latinè vertiert hat / ein trefflicher / ansehenlicher Rahtherr zu
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Nürnberg / wölcher in legationibus fast allenthalben weit vnnd(Anno 1525.) breit bekandt / an Oecolampadium / wider sein zuuor gemeltes(Bilibaldus Pirckheimerus Rahtherr zu Nürnberg / vnd des Keisers Maximiliant primi Consiliarius, schreibt wider die Sacramentierer.) Buch / weil er sein alter Freund vnd bekandter war / geschrieben / wölches hernach Anno 1526. zu Nürnberg getruckt / vnnd setzt baldt im Anfang propositionem librisui, scilicet non esse errorem, si quis credat, Christi corpus & sanguinem eius in pane & vino contineri, non solùm mysticè, sed verè, imò potius illos errare, qui ita non credant. Item: Nolumus vt nobis aliud relinquatur, quàm vt corpus exponamus, nempe, hoc est corpus meum, id est, in hoc est vel continetur corpus Christi. Item: Dicis necessarium esse, vt tropus assumatur: Rectè quidem, nam si falsa interpretatio veritas esse deberet, non nisi per Tropum posset defendi: Verùm cùm manifesta & clara sint verba Christi, nullo ficto tropo sacram Scripturam adulterari patiemur. Item: Credimus illi, qui ita mandauit, nil de modo disputantes, sed certi de verbis Christi existentes. Item: Non est hoc controuersum, quid Eucharistiae operetur Sacramentum, sed potius quid sub illo contineatur. Item: Si tibi Lutheri responsio ad Carlstadium non satisfecit, minus mea scripta satisfacient. Verùm etsi Lutherus tibi non satisfaciet, multos tamen Christianos in officio continebit: ac tandem in fine concludit: Demonstratum est, verba Christi plana esse & manifesta, nullumque hoc in loco admittere tropum, priscosque authores omnes eius fuisse sententiae, vt verum & reale corpus Christi ac sanguis eius sub pane & vino contineatur. Das ist / Es ist kein Irrthumb / so einer glaubt / daß der Leib vnnd das Blut Christi im Brot vnnd Wein des Abendmals sey / nicht allein durch ein figürlich Geheimnus / sondern warhafftig / ja es sündigen viel mehr alle / die das nicht glauben. Item / wir wollen nicht mehr / denn daß vns das gelassen werde / daß Christi Leib sey im gesegneten Brot / nicht auff tropisch / oder Bedeutungsweiß / sondern wie die klaren Wort lauten / ohne Figur. Denn
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(Anno 1525.) wir glauben dem HERREN Christo / ob wir gleich die weise (Oecolampad vertedigt die Sacramentiererey zum hefftigsten.) nicht verstehen. Vnd also haben alle rechte Lehrer zu jeder zeit gelehret / etc. Eben in demselben jar 1525. die Tho. 21. Decem: hat Oecolampadius außgehen lassen Sermonem Apologeticum, de dignitate Eucharistiae, vbi haec sunt eius verba: Dum clamant (Hoc est corpus meum) multa sunt quę non permittunt hunc intellectum capi, quòd panis sit substantialiter corpus Christi, vel quòd in pane sit corpus illud, quod idem in coelo. Dicit enim: Nisi ego abiero, paracletus non veniet. Item: Patriarchae credentes verbo corporali, praesentia Christi frui nondum poterant, & propterea beatificantur. Beati qui non viderunt, &c. Igitur stabit pro nobis, vt sit sensus: Beati qui citra corporalem praesentiam credunt, id quod Deus credi vult. Item: Christus sponsus est Eccle siae, & eam carne sua pascit, & sanguine potat, & vtrunque sola fide constat. Neque igitur in nuptijs Christi cum Ecclesia, neque in conuiuijs praesentiam corporis Christi adesse oportet. Item: Sponsus etiamsi absens sit, manet cum suis, & eos adiuuat. Etiam absens corpòre, praesentem se fore virtute, auxilio, benedictione promisit, & praesens est. Item: Quis diceret, agrum aufferre cuipiam, si proprietatis titulus, cum vsu fructus saluus maneat, etiamsi ager longius absit, & ipse domi epuletur. Item dicunt: In Ecclesiis nostris nihil esse praeter panem & vinum, sed si in lege panes propositionis non erant communes panes, quantò magis in Coena Domini nihil erit vulgare, etiamsi verum corpus non in pane, modò legitima gratiarum actio non desit, &c. Item: Non dicimus solum panem, sed & Sacramentum, & non cuiusuis rei signum, sed sacratissimum sanctissimi corporis. Admonet autem de corpore, quomodo pro nobis traditum, nos viuificet, atque ita nobis sit panis spiritualis, rectè per panem materialem significatus. Ittem: Vbi memoria passionis seruatur, audet ne quisquam
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dicere, nihil adesse, praeter panem & vinum? Sed dicunt, rectè(Anno 1525.) nos dicere, si & corpus adesse fateremur: Quibus respondemus: Plus esse memoriam corporis pro nobistraditi, quàm praesentiae, non dico corpore memoriam, sed memoriam digniorem esse praesentia. Et in fine inquit: Vnum est, quo se diuites putant, nempe praesentia corporis & sanguinis, at nos illorum fructibus non destituimur, quae maiori gloria in coelo esse credimus. Das ist in der summa / Christi Leib ist im Abendmal nicht gegenwertig / sondern ist im Himmel. Wir aber besitzen gleichwol die himlische Güter durch die niessung im Abendmal / gleich als wenn einer daheim reichlich jsset / vnd sein Acker draussen / oder weit abgelegen hat / welcher doch sein ist / ob er schon selbst nicht auff dem Acker ist. Der Breutigam ist doch seiner Braut Breutigam / ob er schon nicht gegenwertig ist. Es ligt mehr an der Frucht / denn an der leiblichen Gegenwertigkeit / etc. Eben in demselbigen jhar / 1525. hat auch Pomeranus eine(Pomeranus.) Epistolam, Lateinisch vnnd Teutsch drucken lassen / ad Doctorem Hessum Vratislauiensem Pastorem, darinne auch die Wort stehen: Quòd nos Christi voratores & carniuoras vocant, blasphemia est: nam non laceramus Christi carnem, sed panem. Et in pane verum corpus Christi, quod non cernitur, non laceratur, sed adesse & edi creditur, propter verba Christi. Item: Illic ergo est corpus Christi, quomodo verò ibi sit, quid ad me? Viderit ille, qui sic instituit, modò ego credam huic, & faciam quod ille commisit. Das ist: Sie nennen vns Fleischfresser. Das ist ein Gottslesterung. Denn wir zureissen nicht das Fleisch Christi / sondern das Brot / vnnd essen in dem Brot den waren Leib Christi / den wir nicht sehen / noch zureissen / sondern gleuben / daß er gegenwertig da sey / vnnd geessen werde / wie die Wort Christi lauten. Wie aber der Leib Christi da sey / was gehet es mich an? Er wirds wol wissen zuuerschaffen / der es
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(Anno 1525.) also verordnet / vnd eingesetzt hat / wenn ich jhme nur gleube / vnd thue / was er befohlen hat. In demselbigen jhar hat auch Lutherus geschrieben an alle Christen zu Straßburg / sich wol vorzusehen für Carlstads schwermerey vom Sacrament / Tom. 3. Teutsch / pag. 104. Vnd weil man vorwendet / es sey kein neher Weg / die Papistische Messe vmbzustossen / denn der Zuuinglianismus, (D. Lutherus bleibt bey Gottes Wort / vnd kan vnd wil sich zu der Sacramentierer gleissenden vnnd gleißnerischen Argumenten nicht begeben.) Vnnd weil Lutherus wider der Papisten Opffermesse viel geschrieben / wollen etliche drauß schliessen / er sey zuuor auff dem Zwinglischen wege / oder ja nicht weit dauon gewest / wollen wir etliche wenig Wort darauß verzeichnen. Vnd spricht Lutherus: Das bekenne ich / wo D. Carlstad / oder jemand anders / vor fünff jharen / mich hette mögen berichten / daß im Sacrament nichts denn Brot vnnd Wein were / der hette mir einen grossen dienst gethan / ich habe wol so harte anfechtung da erlitten / vnnd mich gerungen vnd gewunden / daß ich gerne herauß gewesen were / weil ich wol sahe / daß ich damit dem Bapsthumb einen grossen stoß hette kön̅en geben. Ich hab auch zweene gehabt / die geschickter daruon zu mir geschrieben haben / denn D. Carlstad / vnd nit also die Wort gemartert nach eignem dünckel. Aber ich bin gefangen / kan nicht herauß / der Text ist so gewaltig da / vn̅ wil sich mit Worten nicht lassen auß dem Sinn reissen / ja wenns noch heutiges Tages möchte geschehen / daß jemand mit bestendigem Grunde beweisete / das schlecht Brot vnnd Wein da were / man dürffte mich nicht so antasten mit Grim̅ / ich bin leider allzu geneiget darzu / souiel ich meinen Adam spüre. Aber wie D. Carlstad dauon schwermet / ficht mich so wenig an / daß mein meinung nur desto stercker dadurch wirdt / vnd wenn ichs vorhin nicht hette gegleubt / würde ich durch solche lame possen / ohn alle Schrifft / allein auff Vernunfft vnnd dunckel gesetzt / allererst gleuben / daß seine meinung müste nichts sein. Haec Lutherus. Auch in dem jhar hat Carlstad D. Luthero ein Buch zugeschickt / dafür Lutherus eine vorrede gemacht / Tom. 3. pag. 155. vnnd lautet also:
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Es hat mir D. Carlstad ein Büchlein zugefertiget / darinne(Anno 1525.) er sich vnnd sein Schrifft erkleret / sonderlich die / so er vom(Carlstad weiß selbs nicht / ob er recht oder vnrecht habe / wie er selber bekent.) hochwirdigen Sacrament hat lassen außgehen / vnnd bin das höchlich erfrewet / daß er frey offentlich bezeuget / er wolle solche seine lehr / nicht als vor eine gewisse vnnd beschlossene Warheit gehalten haben / wie er auch selbst noch nicht halte / noch halten kan / sondern habe seine Meinung vnnd Sinn fragweise an den Tag gegeben / zuhören vnd zuerfaren / wo man die Warheit möge gründlich vnnd statlich erweisen vnd bekrefftigen / etc. Vnd beschleust D. Luther die Vorrede also: Weil nu D.(Sacramentierer Geist ist vngewiß / vnnd hat kein Grunde) Carlstad / vnnd auch alle andere / so diesen Artickel handeln / auß einem wahn vnd fragen dauon reden / wie sie selbst bekennen / ist gewiß / daß sie den Geist in dem stück noch nicht haben / auch auß Menschlichem dünckel / vnnd nicht auß dem Geist reden. Darumb sich ein jeglicher vor jhrer meinung also hüten vnnd halten sol / daß er nicht darauff falle vnnd daran hange / sondern so er auch mit jhnen zweiffelt vnd wehnet / harren vnnd verziehen / biß er auch gewiß vnd sicher werde / oder wird seine Seele in Gefehrligkeit geben / Den̅ was wir gleuben sollen / das muß nicht wahn noch dunckel / sondern gewisse Warheit sein / darüber wir tausent(Das 1525. jhar ist ein schröcklich jhar gewest / darinn 1. deß Bapsts Jubel jhar gehalten 2. die Widerteuffer sich gereget. 3. die Bawren auffrhürisch worden. 4. die Sacramentierer sich herfür gethan. 5. der from̅e weise Churfürst zu Sachsen / Hertzog Friderich gestorben / etc.) Hälse lassen möchten / etc. Also hat sich nun in dem fatali & funesto Anno 1525. auch Zwinglische Sacramentschwermerey / offentlich vnd gewaltig herfür gethan / da der Bapst seine kremerey mit dem Antichristiischen Jubeljar vnuerschempt gehalten / da die Widerteuffer heuffig sich gereget / da die Bawren fast allenthalben in Teutschland Auffruhr wider die Obrigkeit angerichtet / vnd auch jemmerlich darüber geschlagen sind. Allhie aber muß nicht mit stillschweigen vorbey gangen werden / daß Meister (Wolffens vnnd seines hauffens vermessenheit.) Wolff vnd seine Rotte ein groß geschrey machen / das Sueuicum Syngramma sey auff gut Zwinglisch gestelt / vnnd halte in sich eben der Sacramentierer Lehr vnnd Meinung.
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(Anno 1525.) Nu wöllen wir allhie nicht anstellen eine weitleufftige Refutation des Comments / sondern wöllen nur kürtzlich verzeichnen etliche vorneme Punct / darauß ein jeder nicht alleine sehen / sondern auch greiffen könne / wie eine vnuerschembte Stirn diese Leute haben / vnnd was jhnen in Historien sachen zugleuben. (1. Syngramma sueuicum, ist den Sacramentierern durchauß eutgegen.) Denn erstlich ist das außdrücklich vnnd namhafftig gestellet wider deß Oecolampadij Buch / welches droben gedacht. Zum andern / es berufft vnnd referiert sich außdrücklich vnnd mit namen auff Luthers ander Buch wider Carlstaden / von den Himlischen Propheten / welches ja nicht Sacramentierisch ist. Zum dritten / Lutherus erkennet vnnd rhümet dasselbige Buch / als were es sein eigen. Zum vierdten / Es werden darinne fast alle vermeinte Sacramentierische Gründe / argumenta vnd opiniones Zuuinglij vnd Oecolampadij, gestraffet vnd widerleget. Zum fünfften / Brentius vnd Snepfius, die fürnembsten authores syngrammatis, so noch lang hernach gelebt / haben sich offentlich contra Sacramentarios, mit allem eiuer vnd ernst erkleret / vnd die rechte ware meinung deß Syngrammatis selbst angezeigt / Vnd heist ja sonst in allen sachen: Optimus interpres verborum quisque suorum est. Ein jeder kan sein eigen Wort am besten außlegen vnd erkleren. Zum sechsten / so hat auch Oecolampadius selbst wider das Syngramma im folgenden jhar geschrieben / vnnd hat der halben sein gegenschreiben intituliert / Antisyngramma, Vnd am ende spricht er: Ea quae scribitis, minimè probare possum. Was jhr in ewrem Syngrammate schreibet / das kan ich mir keines weges gefallen lassen.
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Zum siebenden / so stehet in Syngrammate außtrücklich / panem(Anno 1525.) coenae Dominicae non esse corpus significatiuum, figuratiuum, typicum, vel tropicum, non spirituale, non mysticum, sed sicut aliquoties repetitur, verum & corporale corpus Christi. Zum achten / Es hat dazumal niemandt das Syngamma also dörffen anziehen / als were es auff Zwinglische / Sacramentierische Weise gerichtet vnnd gemeinet. Denn auch Lauateri historia sagt: Summam Syngrammatis esse, corpus Christi carnaliter & corporaliter (quod tamen Syngramma nequaquam de modo carnali, seu ratione corporali intelligit) commendatum esse verbis istis: Hoc Est corpus Meum, & cùm verba ista ad panem accedant, adferre illi idem corpus, & ita in pane iam corpus realiter, vt dicunt, existere. Das ist / daß die summa desselbigen Buchs sey diese / daß der Leib Christi leiblich vnd warhafftig im Brot sey / nicht auff fleischliche leibliche Weise / sondern wie die Wort lauten / das ist mein Leib / etc. Allein jetzund / da nun mehr die Welt auff der Todenneige ist / darff man sich vnderstehen ohne schew vnd scham / daß man die Leut vberreden wil / daß das schwartze weiß sein soll / das doch jederman sehen vnd fast greiffen vnnd fühlen kan / daß es weiß ist / wie vor zeiten Anaxagoras disputieret hat / man soll halten vnnd glauben / daß der Schnee schwartz sey / ob gleich jederman sihet / das er weiß ist. Auch redet das Syngramma also / verwaret vnnd erkläret auch selbst seine Wort also / daß es nicht Zwinglisch sein könne / sondern gut vnd klar Lutherisch sey. Als da Zuuinglij vnd Oecolampadij Argument angezogen wirdt: Patres dicunt, panem esse figuram corporis Christi, aut significare corpus Christi: Ergo non sentiunt esse verum corpus Christi. Da antwortet das Syngramma: Patres vocant panem nunc corpus Christi, nunc symbolum corporis, vt ostendant,
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(Anno 2525.) non solùm esse symbolum & exemplum, sed symbolum cum reipsa coniunctum. Et mox: Sicut panis, quà panis est symbolum corporis, ita quà habet verbum illud (HOC EST CORPVS MEVM) non solùm symbolum est, sed & ipsum corpus. Item Chrysostomus dicit: Apostolos carnem Christi comedisse, & sanguinem eius bibisse, & non licet per praecedentia vel sequentia hoc intelligere de spirituali manducatione, sed de corporali. Item: Quia Christus inquit, Hoc facite in mei memoriam, vos inde colligere audetis, corpus Christi non esse praesens, propterea quòd memoria rerum est absentium, non praesentium, sed ad confirmationem adhibetis exempla de signisrerum non absentium, sed praesentium. Columba enim, flatus & linguae igneae signa quidem sunt spiritus, sed & spiritus praesens est non absens. Item: Times forsan, ne duo corpora sint in vno eodemque loco: timere desine, & ab imaginatione carnali cessa. Aristotelem hîc non audimus, nec praedicationes logicas. Disputat Aristoteles de duobus corporibus in sua harena, in verbo Domini alium agnoscamus praeceptorem. Nonne & Chrysostomus inquit, te Oecolampadi citante, in Eucharistia sensui multa esse absurda, & quę cogitationem nostram superant. Age memineris, fidem non in hoc Sacramento solùm, sed & in multis alijs rebus, multa absurda ferre. Num verò vt liceat fidei pro sua libidine quiduis imaginari? Nequaquam, sed quòd verbum habeat. Item: Patres ederunt corpus Christi, & biberunt sanguinem eius spiritu, nos autem non solùm spiritu, sed carne etiam edimus corpus, & bibimus sanguinem eius. Corpus Christi praesens fuit patribus spiritu, nobis non solùm spiritu, sed & litera, non illa occidente, sed praesenti verbi exhibitione, corpus & sanguis Christi praesentatur. Spiritus quidem, cui omnia futura sunt praesentia, ac tam certa, ac si praeterijssent, sed nunc reuelato Christo, non solùm spiritus verbi, sed & litera (absit verbo maligna interpretatio) corpus
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Christi & sanguinem eius praesentia exhibet, affert & demonstrat.(Anno 1525.) Hoc, inquiens, est corpus meum. Item, corpus Christi sine fide manducatum nihil prodest, imò magis oberit, qui enim maducat indignè, iudicium sibi manducat, sed quòd fide manducandum sit corpus, nihil adimit pani, vt non sit corpus Christi. Vt enim non propterea Christus carne caruit, quia Petrus eum ederit spiritualiter: ita non propterea corpus Christi in pane esse negandum est, eò quòd spiritualiter sit manducandum. Item: Maria tangens pedes Iesu filij Dei, qui est intangibilis, tetigit carnaliter, quid igitur absurdum erit, si fatemur, corpus Christi incomestibile carnaliter nos edere, dum panem coenae edimus, sicut nemo tam stupidus est, qui diffiteatur, verbum Euangelij spiritualiter, hoc est, fide recipiendum esse, vt maximè auribus carnalibus recipiatur. Item: Cùm corpus Christi carne nos edere asseueremus, non aliter quàm candida interpretatione hoc accipitis. Nam edimus corpus Christi, & bibimus sanguinem, non vt corpus Christi atteramus & frangamus, vt est in reuocatione Berengarij, sed panem ipsum, qu à panis est, tractamus, frangimus, edimus, & dentibus atterimus: corpus autem accipimus, quà verbum (Hoc est corpus meum) accipimus. Das ist in einer summa so viel gesagt: Wenn Zwingel vnd sein Hauff spricht / Es haben die alten Lehrer das Brot im Abendmal ein Figur vnnd Zeichen des Leibs Christi genennet / darumb sey es nicht der Leib Christi / etc. daß darauff die ware Antwort sey diese / daß die alten Lehrer sich selbst erklären / daß sie ein Zeichen vnnd Figur / nicht des abwesenden / sondern des wesentlichen gegenwertigen Leibs Christi / vnnd also ein Zeichen / das mit dem wesen dessen / so es anzeiget / vereiniget ist / vestehen / wie die Wort mit sich bringen / Das ist mein Leib / nicht allein ein schlecht Zeichen / sondern der Leib selbs. Denn die Apostel haben das Fleisch Christi geessen / vnnd sein Blut getruncken / wölches
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(Anno 1525.) nicht nur von der geistlicher Niessung / sondern von dem leiblichen essen vnnd trincken zuuerstehen ist / da der Leib vnnd das Blut Christi gegenwertig / vnd nicht abwesend ist. Daß aber Christus sagt / das thut zu meinem Gedechtnus / daß wil der Zwinglische Hauff dahin ziehen / als sey der Leib Christi nicht gegenwertig da / sintemal es sey ein Gedechtnus / nämlich eines abwesenden dings. Aber daß solches ein nichtiger behelff sey / zeugen die Exempel / die sie selbst anziehen / wölche nicht ettwas abwesend / sondern gegenwertigs vermelden / als / da die Taube / der Wind / vnnd die fewrige Zungen sind Zeichen des heiligen Geistes / der nicht abwesend / sondern gegenwertig da war. Item / daß sie fürgeben / daß zwey wesentliche leibliche ding / oder zween Leibe / nicht zugleich können an einem einigen Ort beisammen sein / ist ein eitel fleischliche Phantasey. Denn wir hören hie nicht Aristotelem / noch Philosphische Reden / vnnd Folgereien / sondern Gott vnd sein Wort. Das ist vnser rechter Praeceptor. Im Abendmal sind viel ding (spricht Chrysostomus / wie solchs Oecolampad selbs anzeucht) die der Vernunfft seltzam sind / vnd vnsere Gedancken vnd Sinn vbertreffen. Aber du solst eingedenck sein / daß der Glaube nicht allein in diesem Sacrament / sondern in vielen andern Sachen / vngleubliche vbernatürliche ding fasse / nicht / durch eigne Imagination / Wahn / oder Einbildung / sondern was vnd wie das Wort Gottes saget. Item: Es haben wol die Vätter im alten Testament den Leib des HERRN geessen / vnd sein Blut getruncken / aber nur im Geist / vnnd nicht wie wir / die wir nicht allein im Geist / sondern auch warhafftig sein Leib essen / vnd sein Blut trincken / nicht nur bedeutlich / sondern wie er nun ist angenommen / vnnd warhafftiger menschlicher Leib ist / wie er sagt / das ist mein Leib. Vnd wenn gleich der Mensch kein Glauben hat / noch hat dennoch Christus ein warhafftigen Leib / den er vns zuessen gibt / da er vom Brot sagt / das ist mein Leib. Wer aber ohne Glauben
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kompt vnnd vnwirdig ist / der jsset jhme das Gericht / vnnd jsset(Anno 1525.) gleichwol den Leib Christi / ob er jhn schon im Geist vnd Glauben nicht jsset. Denn Leib ist vnd bleibt Leib. Vnnd der Herr Christus endert sein Leib nicht / der Mensch sey gleich wirdig oder vnwirdig. Man sol ja das Euangelium hören / vnnd mit Glauben annemen. Solchs bekennen wir alle. Dennoch aber hörens jhrer viel nur mit fleischlichen Ohren. Euangelion aber bleibt gleichwol Euangelium / etc. Item / Wir zureissen vnnd zubrechen nicht den Leib Christi / wenn wir sein Leib essen / sondern das Brot. Aber den Leib nemen vnnd empfahen wir / wenn wir das Brot nemen / wie die Wort lauten / Esset / das ist mein Leib / etc. Diese Wort sind ex Sueuico Syngrammate allhie verzeichnet / daß der Leser augenscheinlich sehen möge / wie vnuerschempt diese Secten nunmehr worden sind / daß sie sagen dörffen / auch das Sueuicum Syngramma sey Zwinglisch. Aber ein Spruch ist in dem Syngrammate, mit welchem sie sonderlich hoch prangen / setzen denselben offt hinden vnnd forne in jhre Bücher / als welcher gentzlich müsse jhres schlages sein. Pulcherrimè quidam dixit, quod edimus intrat ventrem, quod credimus intrat mentem. Was wir essen / geht in Bauch / was wir aber gleuben / das gehet in das Gemüt. Nun köndten wir allhie viel einführen vnd anziehen / daß Lutheri vnnd der seinen lehr vnnd meinung nie gewesen / daß der Leib Christi / wenn er gleich nach dem Wort / mit dem Munde empfangen wird im Abendmal / eine Bauchspeise sey / Aber wir wollen jtzund nichts mehr thun / sondern allein auß D. Luthers Schrifften etwas hieher verzeichnen / wie der solche(Der Leib Christi mit dem Mund empfangen / ist kein Bauchspeiß.) Wort außleget vnd erkleret / daß sie nie Zwinglisch geredt oder gemeinet sein / wie sie von den jetzigen Zwinglianern verkerlich gedeutet werden. Vnd spricht Lutherus Tom. 3. Teutsch / pag. 361. also / Wenn habt jhr jemals von vns gehört / daß wir das Abendmal
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(Anno 1525.) Christi also essen oder zuessen lehren / daß allein ein eusserlich leiblich essen da sey / deß Leibes Christi? Haben wir nicht also gelehret (Zwey stückte sind im Abendmal zumercken 1 Das Wort. 2. Das Leibliche essen.) durch viel Bücher / daß im Abendmal zwey stück sind zu mercken / Eins / das allerhöchste vnd nötigst / das sind die Wort / Nemet / esset / das ist mein Leib / etc. Das ander ist das Sacrament vnd leiblich essen des Leibes Christi. Nun die Wort kan freylich niemand durch den Hals in den Bauch jagen / sondern muß sie durch die Ohren ins hertz fassen. Was fasset es aber ins Hertz durch die Wort? Nichts anders / dann das sie lauten / nemlich / den Leib für vns gegeben / welches ist das Geistliche essen. Vnd haben weiter gesaget / daß wer das Sacrament leiblich jsset / ohne solche Wort / oder ohne solch Geistlich essen / dem ists nicht allein kein nütz / sondern auch schedlich / wie Paulus saget / Wer das Brot vnwirdig jsset / der ist schüldig an dem Leib deß HERren. Vnnd folgends spricht er: Der Mund / der leiblich Christus Fleisch jsset / weiß freilich nicht / was er jsset / oder was darinne das Hertz jsset / demselben were es auch vor sich selbst nichts nütz / denn er kan die Wort nicht fassen noch vernemmen. Aber das Hertz weiß wol / was der Mund jsset. Denn es fasset die Wort / vnnd jsset das Geistlich / welchs der Mund leiblich jsset. Weil aber der Mund deß Hertzens Gliedmaß ist / muß er endlich auch in Ewigkeit leben / vmb des Hertzens willen / welches durchs Wort ewiglich lebet / weil er hie auch leiblich jsset dieselbige ewige Speise / die sein Hertz mit jhm Geistlich jsset. (Leiblich vn̅ Geistlich essen.) Vnd facie. 2. saget er / Im Abendmal ist ein Geistlich essen / von Christo eingesetzt neben dem leiblichen / weil darinne ist Gottes Wort / welches dem Hertzen saget / Nemet / das ist mein Leib / welches der Bauch oder Mund nicht kan leiblich essen noch fassen. (Geistlich essen.) Item pag. 362. Erstlich heist das nicht Geistlich essen / trincken oder handeln / wenn das jenige / so man jsset / trincket oder
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handelt / Geist ist / oder ein Geistlich Wesen ist / sondern daher(Anno 1525.) heist es Geistlich / daß es vom Geist kompt / vnnd wil vnnd muß von vns Geistlicher weise genossen sein. Obiectum non est semper spirituale, sed vsus debet esse spiritualis. Et facie. 2. Das(Matth. 5.) Blutflüssige Weib rürete ja kein Geistlich ding an / da sie Christus Saum anrürete / sondern das leibliche Kleid Christi / dennoch war da ein Geistlich rüren desselbigen Kleides in jrem Hertzen / da sie bey sich sprach: Möchte ich nur seines Kleids Saum anrüren / so würde ich gesund. Sihe da / solches Wort vnd Glauben in jhrem Hertzen / ist ein Geistlichs anrhüren / denn jhre Handt köndte freilich das Wort nicht fassen / daß jhr Hertz sprach (Rühre an) sie wuste auch nicht / was sie anrüret. Woher wuste sie es aber? Nicht vom anrühren / sondern von dem Wort (Das ist der Heiland.) Nu / was rühret hie das Hertz Geistlich an? Nichts anders / denn eben dasselbige leibliche Kleid / das die Hand leiblich anrhüret. Einerley ist das Kleid / vnd sind doch da zweierley anrüren / Geistlich vnd Leiblich. Pag. 363. Alles das jenige / das vnser Leib eusserlich vnnd leiblich thut / wenn Gottes Wort darzu kompt / vnnd durch den Glauben geschiehet / so ists vnnd heists Geistlich geschehen / etc. Daß Geistlich nichts anders ist / denn was durch den Geist vnd Glauben / in vnnd durch vns geschiehet / Gott gebe das ding / damit wir vmbgehen / sey leiblich oder Geistlich / scilicet in vsu, non in obiecto, spiritus est. Weiter saget er facie. 2. Beides behalten wir / leibliches vnnd Geistliches essen / der Mund jsset den Leib Christi leiblich / denn er kan die Wort nicht essen / noch fassen / vnd weiß nicht was er jsset / schmecket jhm gleich als esse er etwas anders / den̅ Christi Leib. Aber das Hertz fasset die Wort im Glauben / vn̅ jsset eben dasselbige Geistlich / das der Mund leiblich jsset. Den̅ das Hertz sihet wol / was der vnuerstendige Mund leiblich jsset. Woher sihets es aber? Nicht vom Brote / noch
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(Anno 1525.) vom essen deß Mundes / sondern des Worts / das da stehet / Esset / das ist mein Leib / vnnd ist doch einerley Leib Christi / denn beide Mund vnd Hertz / iß ein jegliches auff seine maß vnd weise. Letzlich / da alles vol schreibens / schreiens vnd disputierens war / von Zwinglischer bedeutung vn̅ / Oecolampadischer figur / des vom Brot im Abendmal ferne vnd weit abwesenden Leibes (Tom. 3. Ien. pag. 157.) Christi / hat Lutherus / Anno 1525. gestellet vnd drücken lassen / eine ordnung vnd Bericht / wie es forthin mit denen / so das hochwirdige Sacrament empfahen wöllen / gehalten sol werden zu Wittenberg. Vnnd kan der Christliche Leser darauß vberflüssig vernemen / daß Lutherus keines weges Zwinglisch oder Sacramentierisch gewest / wie Wolfius vnuerschembt fürgeben darff. (Anno 1526.)

Anno 1526.
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In diesem jhar haben Zuuinglius vnd Oecolampadius, die im vorigen jhar das böse Sacrame̅tierische Spiel dermassen / (Oecolampad schreibt ein Antisyngramma.) wie gesaget / angefangen / hefftig noch ferner rhumoret / Denn Oecolampadius wider die droben erwehneten Epistolam Billicaniad Regium, ein lang Buch geschrieben / deßgleichen auch ein Buch wider das Syngramma Sueuicum, welches er Antisyngramma genennet. Also hat auch Zwinglius / welcher bißher Lateinisch von diesem handel geschrieben / im Februario Teutsch vom Abendmal angefangen zuschreiben / daß nemlich die Wort den verstand nicht haben köndten / der bißher fürbracht were. Im (Zwingel schreibt wider die Wort der Einsetzung Christi.) Martio hat er wider die droben gemelte epistolas Billicani & Regij geschrieben / vnnd weil Birckheimerus das jahr zuuor wider Oecolampadium geschrieben / wie droben gemeldet / hat Zwinglius / Anno 1526. im Julio / an die zu Nürnberg geschrieben / daß sie seine / vnnd deß Oecolampadij Bücher nicht verbieten wolten.
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Mense Octob. hat er an die zu Eßlingen eine Epistolam(Anno 1526.) von diesem Handel geschrieben. In demselbigen jar 1526. da die Zuuingliani allenthalben vnd wider jederman mit jhren Schrifften so grewlich töbeten / hat sich Lutherus noch nicht in Harnisch bringen lassen / doch aber sein Bekantnus nicht heimlich gehalten / sondern die seinen gewarnet. Dann wie das Syngramma Sueuicum vom Agricola ins Teutsche vbergesetzt / hat Lutherus daruor eine(Lutherus lobet das Syngramma.) Vorrede gemacht / in wölcher er saget: Es ist ein lateinisch Büchlein / Syngramma genannt / durch die Prediger in Schwaben außgangen / wider die newen Rotten / so von dem Abendmal Christi newe Trewme auffbringen / vnnd die Welt verwirren / wölches mir so wol gefiel / daß ich dasselbige willens war zuuerteutschen / weil ich sonsten für vielem schreiben vnd sachen nicht habe können ein sonderlichs in der eil schreiben. Ich versahe mich auch zu der zeit / da ich wider die himlischen Propheten schreibe / vnd des Carlstads Angriff / daß noch da hinden solten sein / die mit dem (Est vnd significat) sich solten herfür thun / vnd sonderlich so gelehrte Männer / obs wol so gar ein kindischer vntüchtiger Grund ist / der kein Exempel in der Schrifft hat / vnnd wenn er schon ein Exempel hette / dennoch damit nicht bewiesen möchte werden / daß auch in den Worten (das ist mein Leib) solte(Der Sacramentierer grund gar schlüpfferig / bodenloß / vnd vngewiß.) vnd müste so genommen werden / das werden sie nimmermehr beweisen / das weiß ich fürwar. Denn es gar viel ein anders ist / wenn ich sage: Das mag so heissen / vnnd wenn ich sage / Das muß so heissen / vnnd kan nicht anders. Auff das erste kan sich das Gewissen nicht verlassen / auff das ander aber kan sichs verlassen. Item / Wolan / seint daß ich noch nicht zeit habe / wider diesen Geist insonderheit zuschreiben / wil ich mit dieser Vorrede meinen Glauben bezeugen / vnd wer sich wil warnen lassen / trewlich rhaten / daß sie sich fürsehen für diesen falschen Propheten /
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(Anno 1526.) wölche vnsern Gott heissen einen gebackenen Gott / einen brödtern (Der Zwinglianer Gottslösterliche Reden.) Gott / vns heissen sie Gottes Fleischfresser / Gottes Blutsseuffer / vnd weiß nicht wie viel mehr grewlicher Lösterwort. (Sacramentierer Secte hat viel Köpffe.) Item / Diese Secten ist so fruchtbar / daß sie jnnwendig einem jar / fünff oder sechs Köpffe hat gewonnen. Der erste war D. Carlstad mit seinem . Der ander Huldrich Zwingel / mit seinem significat. Der dritte / Johannes Oecolampadius / mit seiner figura corporis. Der vierde / keret die Ordnung des Texts vmb. Der fünffte ist auff der Bahn / der versetzt die Wort. Der sechste stecket noch in der Geburt / vnnd wirffelt die Wort. Der siebende wirdt vielleicht auch etwa kommen / vnd die Karten mengen. Ein jeglicher wil hie Meister werden. In demselbigen jhar hat Lutherus einen Sermon von dem (Tom. 2. Vitteb. Pag. 94.) Sacrament des Leibs vnd Bluts Christi / wider die Schwarmgeister geprediget / zu Wittenberg außgehen lassen / in wölchem er sein Bekantnus wider die Sacramentierische Lehr / dieweil er anderer Geschefft halben insonderheit wider Zwinglium / vnnd die andern seine Rottgesellen / nicht schreiben können / damit nicht jemandt gedechte / daß er seine Lehr vom Abendmal geendert / oder Zwinglisch worden / deutlich widerholet. Wollen nur etliche wenig Wort hieher verzeichnen. (Zwey ding im Sacrament. 1. Wort / vnd Werck. 2 der Glaube selbs.) In diesem Sacrament sind (spricht Lutherus) zwey ding zuwissen vnnd zu predigen. Zum ersten / was man glauben soll / daß man auff Lateinisch nennet obiectum fidei, das ist / das Werck oder ding / das man glaubet / oder daran man hangen sol. Zum andern / der Glaube selbs / oder der Brauch / wie man das / so man glaubt / recht brauchen soll. Der erste ist ausser dem Hertzen / wirdt vns eusserlich für die Augen gehalten / nämlich / das Sacrament an jm selbs / dauon wir glauben / daß im Brot vnnd Wein / warhafftig Christi Leib vnd Blut ist. Das ander ist jnnwendig im Hertzen / kan nicht herauß kommen / vnd stehet darinn / wie sich das Hertz gegen dem eusserlichen Sacrament halten soll.
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Was das erste belangt / haben wir für vns den dürren hellen(Anno 1526.) Text der Wort Christi: Nemet / esset / das ist mein Leib / der(Des Herren Christi Wort ist vnser Grund.) für euch gegeben wirdt: Trincket alle darauß / das ist mein Blut / das für euch vergossen wirdt / zur vergebung der Sünden / etc. Das sind die Wort / darauff wir pochen / die sind so einfeltig vnd klar geredt / daß auch die Widersacher müssen bekennen / es koste mühe / daß man sie anders wohin ziehe / vnd lassen doch solche helle Wort stehen / vnd gehen jhren Gedancken nach / machen jhnen selbs Finsternus in das helle Liecht. Aber wer recht wil fahren / vnd nicht anlauffen / der hütte sich für den spitzigen Gedancken / die der Teuffel in der Welt erreget / in dem stücke / daß er ja wil das Ey außsauffen / vnd vns die Schalen lassen / das ist / den Leib vnnd Blut Christi auß dem Brot vnnd Wein nemmen / daß es nicht mehr / denn ein schlecht Brot bleibe / wie der Becker Brot. Vnd spotten vns darnach / wie sie gelüstet / daß wir Fleischfresser vnd Blutseuffer sind / vnnd einen gebackenen Gott anbeten: wie auch vor zeiten der abtrünnige / verzweiffelt Bub / Auerrois, der(Auerrois ein Spötter vnnd Mammeluck.) auch ein Christi gewesen war / der gleubigen spottet vnnd löstert / es were kein erger Volck auff Erden / denn die Christen / darumb / daß sie jhren eigenen Gott fressen / wölches kein ander Volck je gethan hette. War daß nicht ein spitzig gifftig Wort? Eben solches treibet der Teuffel wider vns jetzt allenthalben in der Welt. Nun ist Gott ein solcher Man / der da lust hat zuthun / was(Gott handelt mit der Welt / nicht nach der Welt lauff vnd art.) für der Welt närrisch vnd vntüchtig ist / wie Paulus 1. Corinth. 1. sagt: Wir predigen den gecreutzigten Christum / den Jüden ein Ergernus / den Heiden ein Thorheit. Item / Dieweil die Welt durch jhre Weißheit / Gott in seiner Weißheit nicht erkandte / gefiel es Gott wol / durch thörichte Predigt selig zumachen(Wer dem Wort Gottes nicht wil glauben / der fahre jmmer hin.) / die so daran glauben. Wolan / wers nun nicht glaubet / der glaube darnach / es sey lauter Brot / oder ein Schüsselkorb. Wer des Glaubens gefehlet hat / der mag darnach gleuben / was
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(Anno 1526.) er wil / gilt eben gleich. Als / wer ersauffen soll / der ersauffe in einem Bach oder mitten im Strom / so ist er ersoffen. Also sage ich von diesen Geistern / wenn sie das Wort fallen lassen / so laß sie jmmer glauben vnnd sich spalten / wie lange sie wollen / wie bereit geschehen ist / daß sechs oder sieben Secten auffgestanden sind vber dem Sacrament / doch alle in dem Wahn / daß nicht Christus Leib vnd Blut da sey. Das macht zum ersten / sage ich / daß sie nicht sind bey den (Der Vernunfft Phantasey in der Lehre vom Abend mal.) Worten Christi blieben. Darnach / daß sie mit jhrer Vernunfft drein fallen / vnnd der sache nachdencken dermassen / Solt Christus Leib vnd Blut im Sacrament sein / vnd in der gantzen Christenheit / so offt das jar vber / außgetheilet werden / vnnd ein jeder / so offt er hinzu gehet / Christus Leib essen vnd sein Blut trincken / was wolt das für ein vngeschickt / vngereimet ding werden? Solches haben sie zum ersten gefasset / dauon haben sie denn ein gemalet Glaß für den Augen / da müssen denn die Wort auch heissen was sie gedencken. Also thun alle Rottengeister / schöpffen vorhin einen Dünckel / wenn jnen derselbige gefellet / vnderstehen sie sich / die Schrifft auch darauff zuzwingen. (Der frommen Christen gedanck / glaub vnd rede.) Wer aber den rechten Glauben schöpfft auß den Worten / der glaubet also / GOTT gebe Christus krieche ins Brot oder in Kelch / oder worein er wil / wenn ich sein Wort habe / wil ich nit weiter sehen noch gedencken: was er saget / das wil ich sagen. So wickelt er sich ins Wort / lest sich nicht dauon weisen / wirdt auch dadurch erhalten. Denn wir sind je nicht so grosse Narren / daß wir die Wort nicht verstehen. Wenn solche Wort nicht klar sind / weiß ich nicht wie man Teutsch reden soll? Solt ich nicht vernemmen / was das were? Wenn mir jemandt ein Semel fürleget / vnnd sagte / Nim / iß / das ist weiß Brot. Item / Nim hin vnd trincke / das ist ein Glaß mit Wein: Also wenn Christus saget / Nemmet / esset / das ist mein Leib / verstehet auch ein Kind
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wol / daß er redet von dem / so er darreichet. Es ist ein natürliche(Anno 1526.) rede / wenn man auff etwas weiset / daß man weiß was einer saget. Sol ich nun mir solche Wort noch tunckel machen / vnnd(Das Wort sol nit der Vernunfft / sondern die Vernunfft sol dem Wort weichen.) was Spitziges drüber erdencken / mache ich mich selbs jrre. Es sind je alzumal klare vnnd deutliche Wort / Nemet hin vnd esset / das ist mein Leib / Item / Trincket alle darauß / das ist mein Blut. Darüber brechen sie sich mit grosser mühe / kommen mit jhrem dünckel zuuor / darnach müssen die Wort deuten / was ein jeglicher erdacht hat. Darumb bleiben wir stracks bey den Worten / vnd thun darnach Augen vnd Sinne zu / weil jederman weiß / was da heisset / Das ist mein Leib / vnnd sonderlich das er hinzu setzet / Der für euch gegeben wirdt. Wir wissen ja / was Christus Leib ist / nemlich / von Maria geboren / der gelitten / gesiorben vnd aufferstanden ist. Nun haben sie fürnemlich zwey ding / die sie auffbringen wider(Der Sacramentierer fürnembste einrede / vnd vngegründte Gründe.) vns. Zum ersten sagen sie / Es schicke sich nicht / daß Christus Leib vnd Blut sol im Brot vnd Wein sein. Zum andern / Es sey nicht von nöten. Das sind fast jhre besten Gründe / darauff sie bawen / die wollen wir sehen. Auffs erste / möchte ich eben so wol sagen / Es rheimet sich(1.) nicht / daß Gott herab solte vom Himel komen / vnd sich geben in der Mutter Leib / Daß der / der da alle Welt speiset / erhelt vnnd beschleust / lest sich speisen vnnd beschliessen von der Jungfrawen. Item / daß Christus ein König der Ehren / dem alle Engel müssen zu Füssen fallen / vnd alle Creaturen für jhm zittern / sich so herunter wirfft vnter alle Menschen / vnnd sol sich lassen ans Creutz hengen / als den allerschendlichsten Vbeltheter / darzu von den ergsten verzweiffelsten Menschen. So wolt ich auch daraus schliessen / Gott were nicht Mensch worden / oder der gecreutzigte Christus were nicht Gott:
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(Anno 1526.) Also sagen sie auch / Es schicket sich nit / daß Gott im Sacrament so viel Wunderwerck sol thun / als die er sonst nir gendt thut. Denn daß wir gleuben / das der einige Leib Christi / an hundert tausent enden sey / souiel Brots gebrochen wirdt / vnnd daß mit dem Brot vnnd Wein warhafftig vnnd wesentlich zugegen sey / dargereicht vnd empfangen werde der Leib vnd Blut Christi / das halten sie für ein vngleubig ding / machen grosse Wunder dauon / sehen aber nicht / daß es eitel / vnnütze Gedancken sind. Denn wenn man es also wil messen / so müste man keine Creatur bleiben lassen. Denn wenn ich solte vnnd köndte die Creaturen außmessen / vnnd mit Worten außstreichen / soltestu eben so grosse / ja noch grössere Wunder darinnen sehen / als in diesem Sacrament / etc. (2. Christus vnd der H. Geist müssen sich lassen zur Schulen füren von den Sacramentierern.) Der ander Grund / den sie füren / ist / Es sey nicht von nöten. Da muß sich Christus lassen zur Schulen führen vnd meistern / der heilige Geist hat es nicht recht troffen. Denn so sagen sie / Wenn ich gleube an Ihesum Christum / der für mich gestorben ist / was ists noth / daß ich gleube an den gebackenen Gott? Wolan / er wirdt sie auch ein mal backen / daß jhnen die Rinde wirdt verbrennen. Wer saget nun das? Gott oder ein Mensch? Ein Mensch sagt es. Warumb? Darumb / daß sie der Sathan besessen (Der Sathan hat die Sacramentierer besessen.) hat / haben nicht mehr gelernet / denn die Wort reden vnnd predigen / Christus ist für vns gestorben / aufferstanden / vnd dergleichen / im Hertzen aber fühlen sie nichts dauon. Wilstu nun Gott meistern / was noth vnd nicht noth sey / vnnd nach deinem dünckel richten vnd schliessen? Viel billicher kehren wir es vmb / vnd sagen / Gott wil es so haben / darumb ist dein dünckel falsch. Was Gott für nötig ansihet / wer bistu / daß du darffst darwider reden? Darumb bistu warhafftig ein Lügner / etc. Also verblendet der Teuffel die Leute / daß sie kein Gottes Werck recht ansehen können. Zum andern / daß sie auch das
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Wort nicht ansehen / wollen darnach mit jhrer Vernunfft alles(Anno 1526.) erforschen. Soltestu ein Körnlein auff dem Felde außforschen /(Wie vnnd auff was weiß der Teuffel die Leute verblendet.) du soltest dich verwundern / daß du drüber stürbest / Gottes Werck sind nicht vnsern Wercken gleich. Derhalben sage du also / was ligt mir dran / ob es von nöten sey oder nicht / Gott weiß es wol / wie oder warumb es also sein sol vnnd müsse / wenn er saget / daß es noth ist / so schweigen alle Creaturen. Weil nun Christus(Gott sol man gleuben / er rede was er wolle.) hie mit klaren Worten saget / Nemet / esset / das ist mein Leib / Trincket alle darauß / das ist mein Blut / gehöret mir den Worten zugleuben / so fest / als ich allen Worten Gottes gleuben muß. Wenn er gleich nur ein Strohalm reichet / vnnd solche Wort spreche / solt ichs gleuben. Darumb muß man Mund / Augen / vnd alle Sinne zuthun / vnd sagen / Herr / du weist es / wozu diß oder anders noth sey / besser denn ich. Also ist es auch mit der Tauffe / Das Wasser ist die Tauffe / vnd in der Tauffe ist(Tauff.) der heilige Geist. Da möchtestu auch sagen / Was ists von nöten / daß man mit Wasser teuffe? der Geist sagt aber also / Hörestu / hie ist Gottes Wille vnd Wort / da bleibe bey / vnd laß deinen dünckel fahren / etc. Darumb sey das die summa / Sihe nur / daß du fleissig auff Gottes Wort acht habest / vnd darinne bleibest / wie ein Kind in der Wiegen / lessestu das ein augenblick fahren / so bistu dauon gefallen. Damit gehet auch der Teuffel allein vmb / daß er die Leute herauß reisse / vnd bringe sie dahin / daß sie Gottes Willen vnd Werck / ohne Wort / mit der Vernunfft messen. Wo nun vernünfftige Hertzen sind / welche die berhürten(Schwermer.) zwey stück bekümmern / solchen ist noch zurhaten. Die andern aber sind eitel Schwermer / so da weiter fahren / vnnd die Wort Christi anders deuten vnd dehnen / denn sie Christus geredet hat. Ja es sind rechte Ertzschwermer / die gar keinen Grund für sich haben. Jene haben doch für der Vernunfft ein ansehen / wie diese aber die Wort zureissen vnnd zwingen / kan Vernunfft wol
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(Anno 1526.) sehen / daß sie Narren sind. Es sind nur drey Wort / Das ist mein Leib. Da gibt einer dem Wörtlein / das / eine Nasen / vnnd (Drey Wort (Das ist mein Leib) werden jemmerlich von den Sacramentierern geradbrecht.) reissets von dem Brot / daß mans so sol deuten / Nemet / esset / das ist mein Leib / gerade als wenn ich spreche / Nim hin / vnnd jß / hie sitzt Hans mit der Roten Joppen. Der ander nimpt das Wörtlein / Ist / das sol jhm souiel heissen / als das Wort / bedeutet. Der dritte saget / (Das ist mein Leib) heisset so viel / als / das ist eine Figur meines Leibes / setzen solehe eigene Trewme ohne allen Grund der Schrifft. Diese Schwermer fechten mich nicht an / sind auch nicht werth / daß man sich mit jhnen schlage / Es sind grobe Grammatische Schwermer / die andern sind doch subtile Philosophische Schwermer. Darumb laß sie fahren / vnd laß vns bey den Worten bleiben / wie sie lauten / daß im Brot / der Leib Christi / vnd im Wein / Warhafftig sein Blut sey. Nicht daß er sonst nicht anderswo mit seinem Leib vnd Blut sey / denn er ist gantz mit Fleisch vnnd Blut in der Gleubigen hertzen / sondern daß er vns wil gewiß (Ohne das Wort kan vnd sol man Christum nicht fassen.) machen / wo vnnd wie du jhn fassen solst. Da ist das Wort / das sagt / Wenn du das Brot jssest / so jssestu seinen Leib / für dich gegeben / Wenn das nicht da were / wolte ich das Brot auch nicht ansehen / etc. Weil wir nun den Schatz erhalten haben / daß wir vns nicht lassen den Kern auß der Schalen nemen / vnnd die Sprew für das Korn behalten / ist nun zupredigen / wie man deß Sacrame̅ts brauchen vnd geniessen sol. Denn es nicht gnug daran ist / daß wir wissen / warumb es da ist / vnd warumb oder wozu es vns gegeben wirdt zuentpfahen. Da haben sie aber das Hertzleid anzurichten / der Teuffel kans nicht lassen / er muß besudeln / was Gott macht vnnd redet / kan ers nicht gar hinweg reissen / so macht er ja eine hole Nuß / (Bapst. Sacramentierer.) darauß. Der Bapst hat vns eine gestalt genommen: Diese aber lassen vns beyde gestalt / machen aber ein Loch in die Nuß / daß
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wir den Leib vnnd Blut Christi sollen verlieren / darzu lassen sie(Anno 1526.) auff beiden seiten den rechten Brauch anstehen / etc. Ich halte / daß der Teuffel sein höchstes versuche / vnnd der(Die Sacramentierer machen durch jhre vielfeltige Gottslösterung / daß einer lie ber solt todt sein. denn jhre lösterung höreu.) jüngste Tag nicht ferne sey / daß ich auch lieber wolte todt sein / denn bey jhnen hören Christum so grewlich schmehen vnd lösteren. Sie sagen / es soll nur ein Zeichen sein / dabey man die Christen erkennen vnd richten soll / daß wir ja nichts dauon haben sollen / denn die Hülsen. Da kommen sie zusammen / essen vnd trincken / darumb / daß sie seines Todes gedencken. In den Gedancken soll die Krafft gar stehen / daß Brot vnnd Wein nicht mehr sey / denn ein Malzeichen vnnd Farbe / darbey man erkenne / daß wir Christen sind. Warumb thun sie das? Darumb / daß sie die Wort in(Was die Sacramentierer richtigs vnnd guts in der Lehre haben / das haben sie von vns.) Wind schlagen / Esset / das ist mein Leib / der für euch gegeben wirdt / Die Wort gelten jhnen nichts / rumpeln oben vberhin / es soll nichts mehr gelten / denn den Todt verkündigen vnnd predigen. Ja freilich soll man seinen Todt verkündigen / wir haben auch daruon geprediget / herrlicher / denn sie jmmer / vnnd hetten sie es nicht von vns / sie würden nichts wissen dauon zulehren. Die Papisten haben je nichts geredt / darumb dürffen sie vns solches nicht lehren / vnnd groß dauon rühmen / als hetten sie etwas newes erdacht. Wir predigen auch den Todt Christi nach den Worten /(Vnderscheid vnder dem gepredigten Wort / vnnd Sacrament.) Das thut zu meinem Gedechtnus. Es ist aber ein vnderscheid da / wenn ich seinen Todt predige / das ist ein öffentliche Predigt in der Gemeine / darinn ichs niemandt sonderlich gebe / wers fasset / der fassets. Aber wenn ich das Sacrament reiche / so eigne ich solches dem sonderlich zu / der es nimpt / schencke jhm Christus Leib vnnd Blut / daß er habe vergebung der Sünden / durch seinen Todt erworben / vnnd in der Gemeine geprediget / das ist etwas mehr / denn die gemeine Predigt. Denn wiewol in der
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(Anno 2526.) Predigt eben das ist / das im Sacrament / vnd widerumb / ist doch darüber dieser Vortheil / daß es hie auff gewisse Person deutet. Dort deutet vnnd mahlet man keine Person abe / aber hie wirdt es dir vnnd mir in sonderheit gegeben / daß die Predigt vns zu eigen kömpt. Denn wenn ich sage / Das ist der Leib / der für euch gegeben wirdt / Das ist das Blut / das für euch vergossen wirdt / zur vergebung der Sünden / da gedencke ich sein / verkündige vn̅ sage von seinem Todt / ohn daß es nicht offentlich geschihet in gemein / sondern allein auff dich gezogen wirdt. (Das Abendmal gehöret für die Christen allein / die Predig aber gehöret für alle menschen.) So hat es Christus geordnet / daß / wenn wir zuhauffe kommen / soll ein jeglicher von dem Brot vnd Kelch nemmen / vnnd darnach von des HERREN Todt predigen. Warumb? Denn man soll den Leib vnnd Blut im Abendmal niemandt geben / denn allein die Christen sind / die zuuor gehöret haben Christum predigen. Aber die Predigt oder Verkündigung gilt in gemein für jederman / auch für die / so noch nicht Christen sind. Die Christen sollens alleine geniessen / aber doch darneben gedencken / daß jhrer mehr werden. Darumb soll mans offentlich außschreien / vnnd solch offentlich Gedechtnus halten / daß die auch herzu kommen / die es noch nicht wissen / etc. Die aber zum Sacrament gehen / sollen glauben vnnd sicher sein / nicht allein / daß sie Christus warhafftig Leib vnnd Blut darinne empfahen / sondern auch / daß dieser Schatz jhnen da geschenckt werde / vnd jhr eigen sey. Wozu? Nicht vmbs Gelds oder Verdiensts willen (Vergebung der Sünden.) / als ein Werck / wie die Mönche vnnd Pfaffen Meß halten / sondern für vns / zur vergebung der Sünden. Nun wissen wir wol / was vergebung der Sünden heisset. Wen̅ er vergibt / so vergibt er alles gantz vnnd gar / lest nichts vnuergeben. Wenn ich nun der Sünden loß vnnd frey bin / so bin ich auch des Todes / Teuffels / vnnd der Hellen loß / vnnd bin ein Kind Gottes / ein HERR Himmels vnd der Erden.
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Also soll ein jeglicher wissen zu antworten / sonderlich wenn(Anno 1526.) er angefochten wirdt / vnd die Verfolgung hergehet / daß er könne(Trost der from̅en gleubigen hertzen / menn sie zum tisch des Herrn gehen.) sagen / So verstehe ich die Wort / daß da sein Leib vnnd Blut mir geschenckt wirdt / zur vergebung der Sünden. Derhalben muß ein jeglicher Christ wissen diese Wort von Buchstaben zu Buchstaben / daß er sagen kan von Hertzen / Da hat mir mein HERR seinen Leib vnd Blut / im Brot vnd Wein gegeben / daß ichs essen vnd trincken soll / vnnd soll mein sein / soll darzu sicher sein / daß mir meine Sünde vergeben sind / vnd daß ich des Todes vnd der Helle loß sein soll / vnd ewigs Leben haben / Gottes Kind vnnd ein Erbe des Himmels sein. Darumb gehe ich auch zum Sacrament / solches zu suchen / Denn ich bin ein armer Sünder / habe den Tod für mir / da muß ich hindurch / der Teuffel ficht mich an / vnnd stecke in allerley not vnnd fährligkeit. Weil ich nun in Sünden des Teuffels vnnd Todes gefangner bin / füle daß ich schwach bin im Glauben / kalt in der Liebe / wünderlich / vngedültig / neidisch / die Sünde klebet hinden vnnd forn an mir / Darumb komme ich hieher / da ich Christus Wort finde / vnd höre / daß mir vergebung der Sünden / durch seinen Tod vnnd Blut soll geschencket sein. Wenn wir nun also das Geschenck hin haben / sollen wir denn solches veekündigen / auff daß wir ander Leute darzu bringen. Sihe / so solt man die Kinder vnd einfeltigen vnderweisen vom Sacrament / daß sie wüsten was sie da suchen solten. Daß heissen wir nun den rechten Brauch / nicht also / daß(Rechter brauch des Abendmals.) es nur gethan sey / vnd der Kirchen gehorsam vollbracht. Denn so möchte eine Saw auch wol hinzu gehen. Es ist nicht vmbs Wercks willen zuthun / sondern daß dein Hertz Trost empfahe / vnnd gestercket werde / wie die Wort lauten / Der für euch gegeben / Das für euch vergossen wirdt. Vnnd wenn gleich die Wort nicht da stünden / wie sie Paulus aussen lesset / so hastu dennoch den Leib / der für deine Sünde gestorben / vnnd das Blut / so
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(Anno 1526.) dafür vergossen ist. Wenn dir aber Christus geschencket wirdt / so ist dir auch vergebung der Sünden geschencket / vnd alles was Christus hat vnnd ist. Wenn du das mit dem Hertzen gefasset hast / wie es denn sonst niergendt mit zufassen ist / vnd glaubest es / so mustu sagen / kein Werck / kein thun / hilfft mir von Sünden / sondern ich habe einen andern Schatz / meines HERREN Leib vnnd Blut / gegeben zur vergebung der Sünden. Das ist der einige Schatz vnd vergebung / vnnd kein ander im Himmel noch auff Erden. Hactenus D. Lutherus. Vnd weil damals die Zwinglianer D. Lutherum gerne beschüldigen wolten / daß er zuuorn auch jhrer Meinung gewesen (wie noch heutiges tags die Caluinisten mit Vngrund tichten) (D. Iustus Ionas.) so hat D. Iustus Ionas das Büchlein Lutheri de Eucharistia, vom heiligen Abendmal / wölches an die Vualdenses in Behmen geschrieben / ins Latein gebracht / vn̅ an D. Ioan. Ruel, Iurisconsultum, vnnd Mansfeldischen Rhat / nachfolgende Epistel / jetzt gedachten Büchleins lateinischer Version / fürgesetzt vnd praefigiert / darinn er vermeldet / daß solches fürgeben der Zwinglianer / ein lauter mutwillig Gedicht sey. Die Epistel ist diese.

Ornatissimo Iurisconsulto D. Ioanni Ruël, Islebiae Comitum Mansfeldensium à consilijs, amico suo singulari.
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IVSTVSIONAS.
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Gratiam & pacem in Christo. Cùm quidam eorum, qui nunc de Eucharistia docent, negantque ibi sub pane esse corpus Christi, incredibili teneantur studio huius doctrinae, quàm latissimè spargendę, & tot libris editis, non mediocriter turbent Ecclesias, interim eò quoque euaserunt, vt incipiant iudicare alienas conscientias, & quasi ipsi de sua sententia plus quàm
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certisint, fortiter pronunciare, neminem hactenus constanter(Anno 1526.) credidisse, aut credere hoc potuisse, esse scilicet sub pane corpus Domini, adeoque Lutherum ipsum, & illius sectatores, diuersum sensisse & sentire, ausint profiteri. Quinoui Doctores vt admonere̅tur, quàm multùm sibi sumant, & quàm periculosa arrogantia ibi iudices se alienae conscientiae constituant, vertiè germanico librum Lutheri, ante trienniu̅ ad Vualdenses fratres editum & conscriptum, tunc cùm Lutherus etiam (vt non est vsque adeò prae illis neophytus) minimè oscitanter versaretur in illo Eucharistiae negotio expendendo & reducendo in viam, si fortè errarent Vualdenses fratres. Ex quo satis apparet, quemadmodum hodie sentit, sic & tunc sensisse Lutherum, cùm ne suspicari quidem posset, illam factionem exorituram. Dignus enim est libellus, qui non tantùm germanicè legatur, in quo breuiter & simpliciter vera de Eucharistia sententia astruitur, quem & illi tot libris variè in hoc themate rethoricati nondum diluerunt. Hoc autem opusculum, quamuis (vt in bonis scriptis fieri solet) posthabitum, eò libentius latinè rursus edidi, vt rationem redderem meae fidei. Legi enim aduersariorum libellos germanicos & latinos, qui nullam conscientiam sic certam reddunt, vt non scrupulus ille maneat in animo. Quid si fallant omnes istae cogitationes? Clarum verò & simplex Dei verbum fallere non potest. Video eos veterum scriptorum locos, Augustini, Cypriani, Hieronymi, Chrysostomi, Irenaei, Hilarij, qui non obscurè pro veritate suffragiauerunt, sic cupidè & callidè trahere ad partes suas, vt eo ipso reddant se & causam suam non parum suspectam. Video ad hos eorum libros multos & varios, ipsosque tanquam è suggesto perorare bonis lateribus: at vbi dicta, scripta sunt quàm plurima, vbi tot clepsydrae exhaustae, vbi & copiosè & plausibiliter peroratum est, audiui rethores, audiui homines sua humana mihi afferentes. At simulatque librum rursus Euan
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gelicum (Anno 1526.) aspicio, mox planius, apertius & simplicius audio, Dominum & Deum meum Christum loquentem: Accipite, edite, hoc est corpus meum, &c. Hoc facite in mei commemorationem. Quae simplicissima verba, si passifuerimus, aliter atque sonant, exponi, non parua fenestra aperietur fingendae & refingendae scripturae pro arbitrio contendentium. Proin si votis quicquam proficeretur, optarim quosdam illius dogmatis assertores, aliâs viros sanè doctos, & minimè malos, reduci posse in viam, nisi forsan prorsus obduruerunt. Quemadmodum scriptura praedicit, fore sectas, praesertim nouissimis temporibus, vt hi, qui probatisunt, manifesti fiant. Ad te verò, mi Doctor ornatissime, mitto illum libellum Lutherilongè optimum, & nunc maximè necessarium, à me latinè vtcunque redditum, vt habeas, quo animum tuum & tuorum in tanta varietate & doctorum & doctrinarum communias. Bene vale in Domino. Vuittebergae, die Simonis & Iudae, 1526. Das ist in einer summa kürtzlich zureden souiel: Die Sacramentierer leugnen / daß vnter dem gesegneten Brot im Abendmal / sey der Leib Christi / vnd wollen diese jhre lehr durch viel Schrifften / vnnd wie sie nur können / weit außbreiten / vnnd verunruhigen also die Kirchen. Lassens auch dabey nicht bleiben / sondern vnterstehen sich auch von anderer Leute Gewissen zuurtheilen / vnd wollen kurtz vmb / jres schwarms gewiß sein / vnd andere bereden / es habe niemandt jemals gegleubet / daß vnter dem Brot solte deß Herrn Christi Leib sein / ja Lutherus vnnd andere sein selbs nicht des Glaubens. Ein solchen vbermessigen stoltz haben diese Leute. Darumb ich diß Büchlein / welchs D. Lutherus an die Waldenser vor dreyen jharen geschrieben / auß dem Teutschen ins Latein gebracht / darauß zusehen / was wir gleuben vom heiligen Abendmal / vnnd mit was lügen die Sacramentierer behafft sind / wider welche vns Gottes Wort lehret vnd gnugsam vnterrichtet / das niemandt betriegen kan. Vnnd
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vnsers Glaubens sind alle rechtgleubige Lehrer allzeit gewesen /(Anno 1526.) die doch die Sacramentierer gern mit gewalt vnnd mit list / auff jhre Seiten ziehen vnd zwingen wolten. Aber damit machen sie sich selbs vnd jhre böse sache nur desto verdechtiger. Sie haben doch in allen jhren Büchern / Predigten vnnd Disputationen / mehr nichts / denn Menschentand / vnnd der Vernunfft geuckeley / wenn man jhnen gleich jhar vnd tag zuhöret. Aber wenn wir Christum hören / der da sagt / Nemet / esset / das ist mein Leib / etc. da fellet jhr schwarm vnd phantasey in Kot. Gott gebe daß sie mögen bekehret werden / vnd sich dem Wort Gottes vnterwerffen / damit sie nicht / als doch sonst gelehrte vnnd vernünfftige Leute / ewiglich verworffen werden / etc. Vber das alles sol in der historia Anni 1526. sonderlich(Der Zwinglianer heimliche Practiken.) der Leser mit fleiß achtung drauff geben / was für practiken vnnd griffe die Zwinglianer dazumal gebraucht / jhre lehr vnuermerckter sache / hinterlistiger weise / fortzusetzen / vnd ist solches am ende Anno 1525. angangen / da allbereit Zwinglius vnd Oecolampadius / mit jhren Sacramentierischen Büchern / offentlich für der gantzen Welt / auff den Plan getreten. Denn da hat Bucerus(Bucerus wil / das niemandt wider die Zwinglianer schreiben sol.) hin vnd wider / fürnemlich an die Lutherischen Theologen / geschickt vnd geschrieben / vermeint also / vnter dem schein Christliches Friedes vnd Einigkeit / zuwege zubringen / daß niemandt wider Zwinglium vnnd Oecolampadium mit Gegenschrifften sich einlassen solte. In der meinung / vnnd in dem vorsatz / haben die Prediger(Gregorius Chaselius prediger zu Straßburg.) dazumal zu Straßburg / auß jhrem mittel einen / mit namen Chaselium, an Lutherum gegen Wittenberg / mit werbung abgefertiget / welchen Lutherus / neben andern Wittenbergischen Theologen / mit antwort vnd befehl widerumb zu rück gefertiget / Anno 1525. den 5. Nouemb. welches hernach zu Wittenberg gedruckt ist / mit diesem Tittel: D. Martini
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(Anno 1526.) Lutheri mandatum, traditum Gregorio Chaselio, quemadmodum respondere deberet Sacramentarijs, qui ipsum Vuitebergam miserant. Extat etiam illud scriptum Tom. 2. Epistolarum Lutheri, pag. 302. darauß wir die fürnembsten Stück / so zu dieser Historien allermeist gehören / kürtzlich verzeichnen wöllen. Primùm, quando ipsi per sese sentiunt fore, vt haec causa magnum sit incendium conflatura, acquiescant huic monitioni spiritus, & reuereantur, ne postea frustraneo conscientię singultu gemant, spiritus monitionem à sese fuisse neglectam. Secundò, pace nihil optabilius nobis: nam hanc tragoediam non mouimus primi, sed coacti respondimus. Silere verò perpetuò non est integrum. Cùm ipsi editis libellis (Zuuinglium & Oecolampadium puto) animos mouerint, nisi optent nos à verbi ministerio, & animarum cura abstinere. Tertiò, à conuitijs abstinere iustum est, sed quomodo responderi potest, aut contradici, si damnare non licet, & damnandi verbum pro conuitio rapitur? An non est conuitium, quòd illi modestissimi nos carniuoras, esculentum Deum, impanatumque colere, tum negatores redemptionis, in cruce factae, editis libellis traducunt. Hęc tamen hactenus tulimus, cum ipsi ferre nequeant, si errare dicantur à nobis: an prorsus probari volunt? planè non feremus talia. Quartò, consilium illud non stat, quòd fide les auocandi sint à quaestione corporis & sanguinis praesentis, & solo verbo & fide exercendi. Apud nos verbum & fides, sine re, in qua nituntur, non sunt, cum ipsa verba inuoluant sententiam istam, an sit corpus & sanguis ibi? Nec vulgus auocari ibi potest, tot libellis per illos sparsis & receptis, ipsorum fuerat primò tacere, serò nunc silentium quaeritur. Quintò, quid verò metuunt, si experimento fidei (quod iactant) certi sunt, sinon fallunt neque falluntur? Nos qui su
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mus, qui illis resistamus? Cum verò & hîc trepident, & aliud(Anno 1526.) quaerant, monemus vt iam alteram monitionem spiritus metuant, & videant quid agant, spiritus enim non sic trepidat aut disputat. Sextò. Deinde non diximus vnquam, neutram rem esse, carnem & sanguinem Christi, aut non afferre salutem, sed diximus verbum praedicandum, & cibum esse verum animae. Hîc tertiò monet eos spiritus, vt sibi caueant eò lapsi, vt rem necessariam, faciant inutilem & neutram, idque nobis falsò imputent. Septimò. Summa, alterutros oportet esse Satanae ministros, velipsos vel nos. Ideo hîc nulli consilio aut medio locus, confiteri oportet alterutram partem, quod credit. Atque hîc oramus, quando ita certi sunt, ne dissimulent apud vulgus sese à nobis dissentire. Haec quarta monitio Spiritus est, qui non sic simulat. Octauo. Pacem libenter amplectimur, modò salua sit pax erga Deum nobis per Christum parta. Nonò. Rationes nihil sunt, tropum non admittimus, nec ipsi probant, & huic monitioni Spiritusoro vt credant. Probandum erat, an verbum EST, in loco isto, pro significat, debeat accipi, ipsi verò probant alicubi in Scripturis pro significataccipi. Quis hoc ignorabat? Tum hoc maximè metuant, cùm manifestè in alijs locis coecutiant, ne etiam hoc loco errent, videlicet manifestè coecutiunt in illo: Petra erat Christus. Paulus enim non de petra corporali dicit, sed de spirituali. Sic enim habet: Bibebant de spirituali eos consequente petra. Petra autem erat Christus. Nonne haec, id est, spiritualis petra, erat Christus? Vbi hîc, erat, pro, significat, accipitur? Est igitur hîc manifestus lapsus. Item & illud: Agnus est transitus Domini, manifestus lapsus est. Vbienim hoc habet Scriptura? Sic dicit Moses: Comedetis festinantes, est enim transitus Domini, hoc est, ideo haec
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(Anno 1526.) omnia faciatis, quia dies ille est Pascha vel transitus Domini. Sicut si dicerem, comede assaturam, quia dies Dominica est. Ad tempus scilicet vel diem refertur, non ad agnum. Summa est, vt probari possiti, EST, pro significat, accipi alicubi, probari tamen, hoc loco sic accipi non potest: iam sine ratione & Scriptura vim facere diuinis verbis sacrilegium est. Decimò. Quare per Christum, & omnia, quae chara in Christo habemus, rogamus fratres, vt ab hoc errore tot signis indicato, alienum esse à spiritu, tam nihili argumentis nixo abstineant, desinantque animas seducere. Periculum enim animarum hîc maximum agitur. Vndecimò. Quòd si omnino (persuasi) desinere nolint, aut non possint, Arriani seculi furoribus id comparabimus, & ira Dei nostram ingratitudinem plectente, tantisper laborabimus, donec misereatur nostri: damnum maximum patrabunt, sed non peruincent. Duodecimò. Quòd Zuuinglius vel ipsi meo verbo offenduntur, quod dixi: Es muß ja recht sein / was ich schreibe / doleo, significant enim, se nonnullo animi morbo laborare in me: cur ipsi iactant experimenta fidei? An non est fastuosissima illa vox, si carnem spectes? verùm saluberrima, si vera sit, Petro authore, qui vult nos sic loqui, vt certi simus, verbum Dei nos loqui. Qua certitudine nisi ipsi inanes essent, meam certitudinem & fiduciam non sic damnarent. Nos certi sumus eos errare. Ipsi viderint, quàm certi sint, sese non errare. Dominus det, vt verè non errent, hoc est, resipiscant. Das ist so viel geredt: Erstlich / weil die Sacramentierer selbs sehen / daß auß dieser sache / wie sie es treiben / ein groß Fewr entstehen werde / so sollen sie solcher Erinnerung des heiligen Geistes statt vnd raum geben / folgen / vnnd sich demütigen / daß sie hernach nicht mit vergeblichem seufftzen vnd weheklagen jres Gewissens / vber sich selbs schreien dürffen / dz sie des Geistes vermanung veracht / vnd in Wind geschlagen haben.
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Zum andern / ist vns nichts liebers / denn der Friede. Wir(Anno 1526.) haben aber diese Tragedj vnnd ergerlichen Streit nicht erreget / sondern wir haben gezwungen müssen antworten. Denn es lesset sich nicht jmmerdar stillschweigen / sonderlich dieweil Zwingel(Zwingel vnd Oecolampad haben das Sacrameutierische Fewr je lenger je mehr angezündet vnd auffgeblasen.) vnnd Oecolampad durch jhre getruckte Büchlein / die Leute bewegten vnd jrr machten / da haben wir warlich wöhren müssen / wo wir anders / wie sie gern wolten / vns des heiligen Predigamps vnd der Seelsorg nicht gantz vnd gar begeben solten. Zum dritten / ist es billich / daß man sich des schmehens vnd(Das Wort (verdammen) was es heisse.) lösterns enthalte. Aber gleichwol kan man nicht antworten / noch der falschen Lehr wöhren / wo man die falsche Lehre nicht verdammet. Aber da nimpt man das Wort / verdammen / vnnd das soll souiel sein vnnd heissen / als / schmehen vnd löstern: so sie doch jmmerdar schmehen vnnd löstern / vnd gar sanfftmütig vns offentlich nennen / Fleischfresser / vnnd eins gebackenen brödtern Gottes Götzendiener / vnd verleugner der Erlösung / so ein mal am Creutz geschehen. Solch löstern vnnd schmähen haben wir bißher geduldet. Sie aber wollen nicht leiden / wenn wir(Der Sacramentierer lösterliche vnart.) sagen / sie jrren. Sie wollen kurtz rund recht haben / vnnd dazu gelobt sein. Wir aber können vnd sollen solchs nicht dulden. Zum vierdten / kan dieser Rhat nicht bestehen / daß man(Wort vnd Glaub allzeit beisammen.) die gleubigen soll abführen von der Frage / ob vnnd daß der Leib vnnd das Blut Christi gegenwertig sey / vnnd solle sie allein im Wort vnd Glauben üben. Wort vnd Glaub sind bey vns ohne das jenige / darauff sie stehen vnnd gegründet sein / gar nichts. Denn die Wort bringen das mit sich / daß der Leib vnnd Blut Christi gegenwertig da im Abendmal sey. Vnnd dauon kan man die Leute nicht abführen / ob schon die Sacramentierer so viel Träctetlein außgestrewet / vnd in Truck gegeben / da es besser were gewest / sie hetten im Anfang geschwiegen / denn daß sie
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(Anno 1526.) allererst jetzt / nu allzu spat / zu stillschweigen rhaten / vnd die sach vertuschen wollen. (Der Sacramentierer flüchtiger / furchsamer / meuch lischer / lösterlicher vnd vngewisser Geist.) Zum fünfften. Warumb fürchten sie sich aber / wenn sie jhrer sachen / durch sonderliche Bewerung vnnd Erfahrung des Glaubens (wie sie rhümen) gewiß sind / daß sie weder andere betriegen / noch sie von andern betrogen werden können? Denn wer sind wir / daß wir jhnen widerstandt thun mögen / wenn sie jhrer sachen so gewiß sind? Aber weil sie so zittern / vnnd suchen ein stillschweigen / so vermanen wir sie / daß sie nu dise andere Erinnerung des Geistes fürchten / vnnd sehen / was sie doch thun. Denn der heilige Geist zittert vnd wancket / disputtert vnd zweiffelt nicht also. (Abendmal Christi ist kein mittelding / sondern ein notwendiger Artickel der Christlichen Lehre.) Zum sechsten. Haben wir kein mal gesagt / dz es ein schlecht vnnd frey mittelding sey / daran nicht viel gelegen / man halte es / wie man wolle / mit dem Fleisch vnd Blut Christi im Abendmal / vnd daß es keine Seligkeit bringe. Diß haben wir aber gesagt / daß man das Wort soll predigen / vnnd das es sey ein ware Seelenspeiß. Vnnd erinnert sie allhie der heilige Geist zum dritten mal / daß sie sich fürsehen / dieweil sie so tieff fallen / daß sie auß einem notwendigen ding wollen machen ein vergeblich vnnütz mittelding / daß jederman frey stehe / man halte dauon auff beiden seiten / was vnd wie man wolle / vnd dürffen doch solchen Betrug vns fälschlich zumessen. (Ein theil muß vnrecht haben. Hie ist ein mittel.) Zum siebenden. Summa. Ein Theil muß des Sathans diener sein / sie oder wir. Darumb ist hie weder Rhat noch Mittel. Ein jedes Theil muß bekennen / was es glaube. Vnnd wir bitten sie / weil sie ja jhrer sachen so gewiß sein wollen / daß sie doch solches nicht verbergen bey dem gemeinen Volck / sondern frey rund herauß bekennen / daß sie es mit vns nicht halten. Vnd das ist die vierdte Erinnerung des heiligen Geistes / der nicht also simuliert / gleißnerisch noch falsch ist.
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Zum achten. Den Fried nemen wir gerne an / allein / daß es(Anno 1526.) ein Fried sey gegen Gott / vns durch Christum erworben. Zum neundten. Ihre Gründe / Argument vnd Vrsachen(Der heilige Geist vermanet die Sacramentierer vielfeltig / daß sie von jrem tand abstehen / Sie aber folgen nicht / sondern widerstehen dem heiligen Geist.) sind eitel tand / vnd nichtig. Ihren tropum, Figur oder Bedeutung / nemen wir nicht an: Sie könnens doch nicht beweisen. Vnd ich bitte sie abermals / daß sie dieser erinnerung deß heiligen Geistes weichen vnd folgen. Sie solten beweisen / ob vnd daß das Wort / Ist / im Abendmal so viel heisse / als / es bedeutet: So fahren sie zu / vnnd bringen andere Schrifft / darinn das Wort / Ist / sol heissen / es bedeutet. Wer weiß aber das nicht? Sie solten sich aber selbst wol fürsehen vnd fürchten / weil sie auch in andern Sprüchen blind sein vn̅ jrren / daß sie auch allhie im Abendmal jrren. Denn es ist je ein lauter jrrthumb / daß sie sagen / Der Fels war Christus / das ist / er bedeutet Christum. Denn Paulus redet nicht vom leiblichen Fels / sondern vom geistlichen. Denn(Christus ist der geistliche Fels.) also spricht er: Sie truncken von dem geistlichen Fels / der mit folget / welcher war Christus. Ist denn nicht der geistliche Fels Christus gewest? Wie kan denn das Wort / War / so viel heissen / als / er bedeutet? Darumb ist diß ein öffentlicher jrrthumb vnnd Fall. Also ist es auch mit diesem / Daß Lamb ist der Durchgang oder das Passah deß Herrn. Das ist ein öffentlicher jrrthumb.(Der Tag ist das Passah deß Herrn.) Denn wo stehet das in der Schrifft? Moses saget also / Ihr solts essen / als die hinweg eilen / denn es ist deß Herrn Passah / Das ist / Ihr solt solchs also alles halten / denn der Tag ist deß Herrn Passah oder Durchgang: Als wenn ich sagte / Du solst gebratens essen / denn es ist Sontag. Vnnd gehöret diß Wort (Es ist deß Herrn Passah) zur zeit / oder zum Tag / vnnd nicht zum Lamb. Aber sie wöllen kurtz vmb beweisen / daß / Ist / bißweilen heisse / es bedeutet / vnd könnens doch nimmermehr beweisen / daß es im Abendmal nichts mehr / denn nur / es bedeutet / heissen sol. Der Schrifft aber auff solche weise gewalt thun / ist ein Kirchenraub / vnd Diebstall.
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(Anno 1256.) Zum zehenden. Wir bitten sie durch Christum / vnd was wir in Christo liebs haben / daß sie von diesem jrrthumb / der öffentlich dem heiligen Geist widerstehet / vnd kein Grund noch vrsach hat / abstehen / vnnd auffhören die armen Seelen zuuerführen. Denn es ist je gar grosse gefahr der armen Seelen. (Der Sacramentierer zeit vnd toben ist gleich der Arrianer zeit vnd lesterung.) Zum eilfften. So sie aber ja nicht wöllen noch können auffhören / so mögen wir sie mit den Arrianern / vnd mit der vnseligen zeit derselben vergleichen / Vnd weil Gott auß gerechtem Zorn vnser vndanckbarkeit strafft / wöllen wir so lang arbeiten / biß er sich vnser widerumb erbarmet. Sie werden wol gar grossen schaden thun / aber sie werden nicht vberwinden / noch durchdringen. Es wirdt jhnen nicht gelingen. Zum zwölfften. Daß Zwingel vnnd die seinen vbel auffnemen / daß ich gesagt habe / Es muß ja recht sein / was ich schreibe / ist mir leid. Denn sie zeigen damit an / wie sie gegen mir gesinnet sein. Warum̅ rhümen sie sich aber jres bewehrten vn̅ versuchten Glaubens? Es ist wol nach dem Fleisch solch Wort trotzig vnnd stoltz / aber sehr heilsam / wenn es war ist / wie Petrus bezeuget. Denn wir sollen reden / daß wir gewiß sein / wir reden Gottes Wort. Vnnd wenn sie diese gewißheit hetten / so würden sie meine gewißheit nicht verdammen. Wir sind gewiß / daß sie jrren. Sie mögen zusehen / wie gewiß sie seind / daß sie nicht jrren. Der HERR gebe / daß sie weiter nicht jrren / das ist / daß sie sich bekeren. Haec Lutherus. (Brentirs widerlegt deß Buceri chreiben.) Es hat auch Brentius, Anno 1525. im Octobri, eine Epistolam in druck gegeben / darinne er erzehlet vnd widerleget / was Bucerus an jhn vnd andere hieruon geschrieben / darinnen vnter andern auch diese Wort: Quòd in nobis admonetis, cur primi non exhibuistis? Bellum indicitis, & nobis belli iura prohibetis. Carlstadius de pane coenae dissentiendioccasionem praebuit. Quis eam dissensionem auxit? & quis auxerit, testantur libri
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editi. Camerinam mouistis, iam nos adhortamini, ne velfoetorem olfaciamus, vel ne expurgemus. Incendium per vos excitatum flagrat, nunc prohibetis, ne accurramus incendium extincturi, aut ne suspicemur vel incendium esse. Putasne ijs rebus pacem parari? Item, videmus quidem verba magnifica, Pacem quaerimus, Ecclesię profectum, gloriam Christi solam speramus: sed interim longè aliter in Ecclesijs vestris docetis, & libris editis testamini. Nos hactenus ex Christi verbo docuimus, panem coenę non signum solùm, sed & verum corporale Christi corpus esse. Vos diuersum docetis & scribitis, & adhuc pace̅ Ecclesiae vos quaerere, asseuerare audetis. Item docetis, panem coenae signum duntaxat esse corporis Christi. Quod hanc vestram doctrinam non accipiamus, vnctio facit, verbum Christi hortatur, quo verbo, donum corporis sui nobis praesens obtulit. Et tandem ita concludit: Vnde nobis in hac causa concordia oriatur, aliud non video, incendium excitastis, curate vt extinguatur. Haec Brentius. Das ist: Was jhr jetzt von vns haben(Die Sacramentierer wöllen kriegen / vnd niemand sol sich wehren.) wollet / warumb habt jrs nicht im anfang selbst gethan? Ihr wollet Krieg führen / vnd wöllet vns wehren / daß wir euch nicht sollen widerspreche̅. Carlstad hat angefangen. Wer hat den Streit erreget / gemehret / vnd je lenger je mehr geheuffet? Das beweisen die gedruckten Bücher. Ihr habt das kot vnnd den vnflat selbst her gefüret / vnd wollet nu / wir sollens nicht riechen / noch außfegen. Ihr habt das grosse Fewer selbst angesteckt / welchs vberall brennet / Nu wöllet jhr / wir sollen nicht zulauffen / noch leschen / noch vns mercken lassen / als were es ein Fewer. Meinestu / das auff diese weise kön̅e Fried gemacht werden? Wir sehen vn̅ hören wol grosse prechtige Wort / Fried / Ruhe / Kirch / Christi ehre / die jhr suchen wollet / aber das widerspiel bezeugen ewre Bücher / vn̅ ewer falsche lehr. Wir haben bißher auß dem Wort deß Herrn Christi gelehret / daß das Brot deß Nachtmals nit schlecht ein bloß
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(Anno 1526.) Zeichen sey / sondern sey derware wesentliche Leib Christi. Ihr aber lehret das widerspiel / vnndschreibet auch also öffentlich. Noch dürffet jhr vermessenlich sagen / jhr suchet Fried vnnd Ruhe der Kirchen / etc. Item / Ihr lehret / das Brot im Abendmal sey nur ein Zeichen deß Leibs Christi. Daß wir nu solche ewre lehre nicht fassen noch annemen / das macht die Salbung (der heilige Geist / denn wir sind Christen) vnnd das Wort Christi lehret vns anders / das vns den waren gegenwertigen Leib Christi dargibt / etc. Wie wir aber zur einigkeit kommen sollen / sehe ich kein ander mittel / denn daß jhr das Fewer / welchs jhr selbst angezündet habt / auch selbst leschet. (Bucerus leßt eine Apologiam drucken.) Folgends im Martio / Anni 1526. hat Bucerus eine Apologiam hieuon lassen außgehen / darin̅en er schreibet: Hortatuseos fui, vt perpenderent, quàm non modò dedeceret, eundem Christum & Deum, eodem spiritu confitentes & praedicantes, dissidere, verùm etiam quantum hîc scandalum obijceretur infirmioribus, taceo, quòd Oecolampadius cùm de ipsis, tùm de Euangelij gloria multò melius meritus sit, quàm vt posset piè ab ipsis proscindi. Sin autem huc nondum possent peruenire, retinerent suam sententiam, ita, vt impietatis tamen nomine, praeceptoris sui doctrinam haudquaquam infamarent, cùm in sola verborum coenae explicatione esset diuersitas, in sensu quantum equidem possem perspicere, nulla. Brentio etiam hac de re scripsi, quòd spes esset, eum, si pacis & concordiae causam agendamsuscepisset, qua est apud vicinosfratres suos authoritate, inter quos nimirum eruditione atque iudicio haud mediccriter excellit, facilè quotquot in tota ea vicinia, Euangelij praecones habentur, à callidiore contentione seruaturum, ac, si qui in illam imprudentius incidissent, reuocaturum. Ergò Brentio scripsi occasione, quam dixi, quod videretur idoneus, si voluisset, ad studium concordiae vicinos suos fratres reuocare.
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Admonui iuxtà, quanta offendicula haec contentio infirmioribus,(Anno 1526.) quorum maximè ratio habenda est, obiectura sit, & iam obiecerit, quantum etiam damni datura, praesertim si immodestius fideles Christi ministri traducantur, proscindantur, id quod leue nimis quidam ducunt. Quid panis sit, aut quid in pane sit, quoniam ab Apostolis non est solicitè peruestigatum, visum nobis fuit, praesertim postquam materia esse coepit, tam perniciosae dissensionis, neque nobis hîc ingenij neruos intendendos, sed magis dandam operam, vt nos ipsos potius probemus, & exploremus, quod Paulus iubet, atque Christi ex fide memoriam celebremus. Hinc enim pietas incrementum sumit, cum isthinc non videam nisi contentionem, dissidia, simultates, ac innumera mala prouenire. Et poterant profecto Sueui fratres in suis Ecclesiis docere, quae vnctio docuisset, citra aliorum insectationem.(Butzer wil / der Saeramentsstreit sey nur ein schlecht Wortgezänck / vn̅ helt darfür / es möge ein jedes theil bey seiner meinung bleiben. Das ist / Christi Wort möge man wol lassen anstehen / vnd danon abweichen.) Das ist in der summa so viel gesagt: Er habe eine vermanung gethan / was für ein erbermlicher Vnstand / vnnd Ergernus es sey / daß die Lehrer vnnd Christen / so einen Christum vnnd einen Gott auß einem Geist bekennen vnd predigen / vneinig sind. Oecolampad sey sein Praeceptor gewest / wol verdienet / vnd man solte seiner verschonen / oder / es solte jedes theil bey seiner Meinung bleiben / sintemal es nur ein Wortgezänck were / vnd in der Meinung were ein Einigkeit / souil ers verstünde. Er hette an Brentium dauon wegen auch geschrieben / wölcher / so er lust hette zu fried vnnd Einigkeit / würde durch sein ansehen andere auch bewegen vnd zu rück ziehen / daß sie nicht ferner zancken / auff daß das Ergernus möchte verhütet vnd abgeschafft / vnd die Diener Christi nicht so vbel außgemacht werden / etc. Was das Brot sey / oder was im Brot sey / soll nicht sonderlich gefraget werden / weil die Aposteln selbst dauon nicht sorgfeltig gewesen / vnd nur Vneinigkeit dadurch erreget wirdt / sondern wir sollen viel mehr dahin sehen / daß wir vns selbst prüfen / vnnd
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(Anno 2526.) des HERRN Christi im Glauben gedencken / wie Paulus befihlet. Denn also könne man Gottselig sein. Aber auß der andern Frag (Was das Brot sey / was darinn / mit / oder vnder dem Brot sey) kommen nur Zanck / Mißtrawen / vnnd vnzelich viel vbels. Vnd köndten die Brüder oder Lehrer in Schwaben / bey jhren Kirchen lehren / vnd das fürbringen / was die Salbung lehret / ohn ander Leut schmähen. (Zwinglischer tückischer Griff vnd Gedicht.) Der ander Zwinglische Griff in diesem 1526. jar geprackticiert / ist dieser / daß sie in offnen Schrifften fürgegeben vn̅ außgesprenget haben / daß Erasmus vnd Lutherus vor dem erregten Sacramentierischen Streit / eben auch in des Zwinglij Opinion vnd Meinung vom Abendmal gewesen / Vnd dauon wollen wir (Pag. 7.) jhres eigenen historici Lauateri Wort hieher verzeichnen / wölcher also schreibet: Conradus Pellicanus, Hebraicae linguae apud Tigurinos Professor, ab amicis interrogatus, quid Erasmus Roterodamus, cui Basileae familiaris fuerat, de coena Domini sentiret, respondebat, eum solùm agnoscere Christi manducationem per fidem. Hoc cum Erasmus intellexisset, per aliquot Epistolas grauissimè cum eo expostulabat, quasi euulgasset, se credere cum Carlstadio, in Eucharistia nihil nisi panem & vinum haberi. Respondit Pellicanus, quid, & quomodo dixerit, & quędam eius scripta, si non solam, certè praecipuam commendare spiritualem manducationem. Mense Aprili editus est libellus germanica lingua, cui titulus erat praefixus: Doctissimi Erasmi Roterodam. & Lutheri opinio de coena Domini nostri Iesu Christi. In fine annectitur nomen Ludouici Leopoldi. Argumentum libriest, quòd Erasmus & Lutherus, dum contentione nondum calerent, sic scripserint, vt in spirituali Christi & praesentia & manducatione, omnia posuisse videantur. Hunc libellum mutato nonnihil nomine, Leo Iudae Ecclesiae Tigurinae Pastor ad D. Pe
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trum, non alio consilio scripserat, quàm vt viam eis muniret,(Anno 1526.) quo ab errore suo commodè discedere possent. Das ist: (wie es die Schweitzer selbst verteutschet haben) Conradus Pellicanus(Conradus Pellicanus.) / ein gelehrter in Hebreischer Sprach / vnnd ordentlicher Leser der Schul zu Zürich / wardt von etlichen guten freunden gefragt / was doch Erasmus von Roterdam (dem er zuuor zu Basel beigewohnet / vnnd gar geheim gewesen) von dem Nachtmal des HERRN hielte. Der antwortet / daß er erkendte allein ein geistlich Essen vnnd Niessung Christi durch den Glauben. So bald Erasmus solches vernam / hat er Pellicanum durch etliche(Erasmus wil nie Zwinglisch sein.) Episteln schwerlich beklagt vnnd beschüldiget / als ob er von jhm außgossen hette / daß er hielte vnnd glaubte mit dem Carlstadio / im Nachtmal nichts mehr / denn allein Brot vnnd Wein zugegen sein. Auff das / Pellicanus Erasmo widerumb zuschriebe / was / vnd wie er geredt vnnd geschrieben hette / vnnd daß auch seine / des Erasmi Geschrifften (ob sie gleich nicht allein) doch fürnämlich auff die geistliche Niessung des Sacraments weisent / etc. Im Monat Aprill / gieng ein Büchlein auß in teutscher Sprach / des Titel war: Deß allergelehrtesten Erasmi von Roterdam / vnnd Martini Lutheri Meinung / von dem Nachtmal vnsers HERRN Jesu Christi / etc. Zu ende wirdt daran gehengt der Namen Ludouici Leopoldi. Der Inhalt diß Buchs ist / daß Erasmus vnd Lutherus / zuuor / vnd ehe sie in diesem Sacramenthader entzündet oder erhitziget worden sind / also geschrieben haben / daß sie (meniglichs achtens vnnd Verstands)(Leo Iudae dichtet jhme ein Namen / Ludwig Leipolt / nach art der Sacramentier er / wie Brosius Wolff vnd German Beyer.) alle ding der geistlichen Gegenwertigkeit vnnd Niessung Christi / im Nachtmal / zugemessen haben. Dieses Büchlein aber / hat Leo Iudae, Pfarrer zu Zürich bey S. Peter / geschrieben / keiner andern Vrsach / denn daß er jhnen den Weg öffnete / daß sie mit fugen von jhrem Irrthumb möchten abweichen. Hęc Lauaterus.
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(Anno 1526.) Darauff hat Erasmus eine scharpffe / harte Antwort gethan / mit hefftigen Worten / Darauß wir allein etliche Wort hieher setzen wollen / auß dem Zwinglischen Historienschreiber Lauatero pag. 8. Sparsus est ante paucos dies libellus, cui titulus, Erasmi & Lutheri opinio de coena Domini, de quo difficile sit pronunciare, vtrum plus habeat stultitiae, an malitiae, Cum in singulis paginis nomen iteretur Erasmi, ipse qui scripsit, nusquam est ausus apponere suum nomen, nisi quòd in calce subijcit nomen fictitium, quod ipsum statim argumentum est malae conscientiae. Das ist: Es ist vor kurtzen tagen ein Büchlein (Erasmi Roter. antwort wider die Lügen Leonis.) außgangen / wölches Tittel ist / Von der Meinung Erasmi vnnd Lutheri vom Nachtmal des HERRN. Von solchem Büchlein / ob es mehr Thorheit / oder mehr Boßheit in sich halte / ist nit wol zuurtheilen. In allen Blättern stehet der Name Erasmi. Der es aber geschrieben / der darff sein Namen nicht bekennen / sondern am ende tichtet er jhme selbst einen Namen / wölchs ein gewisse Anzeigung ist eines bösen Gewissens. Haec Erasmus. Aber Lutherus hat solche öffentliche Landlügen auch keiner antwort wirdig geachtet. Der dritte Zwinglische Griff / Anno 1526. gepracticieret / (Bucerus verfälschet vnd versacra mentiert D. Pomerani Psalterium.) ist der / weil Bucerus eine sonderliche feine Gabe hatte / lateinische scripta in gut Teutsch zuuersetzen / hat er Anno 1526. Pomerani latinum Commentarium super Psalterium verteutschet / vnd zu Basel drucken lassen. Hat aber im hunderten vnd eilfften Psalm die Zwinglische Meinung hinderlistiger weise / vnder Pomerani Namen / hinein geflickt / darüber hat Pomeranus bald in demselbigen jahr / in einem öffentlichen außschreiben geklagt / vnnd sind darinnen diese des D. Pomerani Wort: Non feramautem, quòd meis sententijs, & sub nomine meo admixta sunt, quae ego sanè non possum (ita me amet Christus) non impia iudicare, nempe quae vel in Psalmo 111. cuius initium est, Confitebor tibi, &c. de Eucharistia inserta sunt, quasi ego
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sim assertor illius opinionis, qua contra manifesta verba institutionis(Anno 1526.) Christi, negatur à fidelibus in Eucharistia verum corpus Christi edi, & verum eius sanguinem bibi, quasi ita oporteat contra Christi verbum pugnare, quemadmodum Dei fauore, contra traditiones humanas, & impium huius tam sancti Sacrame̅ti abusum pugnatum est. Ago verò nunc tantùm, vt non sinam sub nomine meo, quae non sentio, atque adeò contra quae, propter institutionem Christi, sentio, inuulgari, aut si qui gaudent seduci, & humanas sequi cogitationes, non dicant me, contra publica de me testimonia, seductionis vel authorem vel cooperatorem. Siquidem praeposita est Psalterio praefatio illa mea, ad Illustrissimum Saxoniae Principem Fridericum Electorem, &c. cuius memoria sit in benedictione. In qua praefatione fateor me ea, quae in Psalterium scribo, in nostra schola docuisse, & praeterea additae sunt commendationes D. M. Lutheri, & Philippi Melanthonis, quibus lectori commendant omnia, quae in Psalterium scripsi. Cum ergo in Psalterio germanico lecta fuerit impia de Sacramento opinio, dicetur, non solùm Pomeranum ita sentire, sed eam etiam publicè in nostra schola esse assertam, & per D. Martinum & Philippum publico testimonio confirmatam. Miror verò, quòd cornicum oculos configere volentes, dicunt omnes veteres à tempore Apostolorum, pro opinione hac Sacramentaria & sensisse & scripsisse. Sperant fortè neminem praeter seipsos esse, qui veterum scripta vel viderit, vel sit visurus. Qua quaeso conscientia ita asserere audent, qui tamen publicis scriptis gloriantur, se omnia, quae veteres scripserunt, diligentissimè excussisse? Scripserunt quidem veteres multa de spirituali manducatione, & Eucharistiae Christianae vsu, quemadmodum & nos hactenus & praedicando & scribendo, tamen oportunis quoque locis ex Christi institutione & verbis edocti, fatemur cum Christo, non obscuris verbis, panem & poculum Domi
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ni (Anno 1526.) (quae Eucharistia dicitur) discipulis Christi vescentibus, esse (D. Pomeranus entschuldiget sich öffentlich-) verum, non fictum corpus & sauguinem Domini. Das ist: Ich wils nicht leiden / das vnter meinem Namen meinen Schrifften sollen eingedrungen werden / solche ding / welche (so war mir Christus hold sey) ich für Gottloß vnnd lesterlich halte. Als daß in der Außlegung deß 111. Psalms / von Abendmal deß HERrn / vnter meinem Namen / diß eingemischet ist / welchs gantz vnnd gar wider die außdrücklichen Wort der Einsetzung Christi streitet / da geleugnet wirdt / daß die Christen im Abendmal den waren Leib Christi essen / vnnd sein wares Blut trincken: Gleich / als müste man nu auch wider deß HERrn Christi Wort sich aufflehnen / wie man / durch Gottes Gnad / wider die Menschliche satzung / vnnd wider den Gottlosen Mißbrauch dieses heiligen Sacraments / sich aufflehnen hat müssen. Aber ich wil nicht nachgeben / daß vnter meinem Namen / was ich nicht gleube / sondern da ich das widerspiel halte / vnd bey den Worten der Einsetzung Christi bleibe / sol öffentlich außgesprengt werden. Wer da wil verführet vnnd betrogen werden / vn̅ Menschlichen Gedancken nachhengen / der darff mich nicht anziehen / daß ich dazu im geringsten Vrsach gebe / oder helffe. Denn es ist öffentlich am Tage / was mein glaub / lehre / vnd bekentnus sey / wie ich in der Vorrede an Churfürsten zu Sachsen / Christlicher gedechtnüs / geschrieben habe / daß ich auff der hohen Schul allhie solches öffentlich gelehret / was ich in den Psalter geschrieben / vnd darumb sind auch D. Martini Lutheri / vnd Philippi Melanthonis Vorreden dabey / da sie dem Christlichen Leser meine Arbeit rhümen. Wenn nu in dem Teutschen Psalter die Gottlose meinung der Sacramentierer wirdt gelesen werden / so wirdt man nicht allein sagen / Pomeranus sey eben der (Der Sacrameneierer vermessene zünheit.) meinung / sondern / man lehre also zu Wittenberg / vnnd Luther vnd Philippus habens bezeuget vnd bestettiget. Ich verwundere mich aber / daß die Sacramentierer alle verachten / vnnd mit
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jhrem newen Geticht wollen alle alte Lehrer / von der Apostel(Anno 1526.) zeit bißher / auff jhre falsche meinung ziehen / vnnd vermeinen / es sey sonst niemandt / denn sie allein / der der alten Lehrer Schrifften jemals gesehen habe / oder sehen werde. Mit was Gewissen dörffen sie doch also reden vnnd rhümen / sie haben alles / was die Alten geschrieben / auffs fleissigste gelesen vnd erwogen? Es haben wol die Alten viel geschrieben von der geistlichen niessung / vnnd von rechtem brauch deß Abendmals / wie auch wir bißher gethan haben / vnd noch thun. Aber an seinem Ort / wenn man die Wort der Einsetzung Christi handelt / bekennen wir mit Christo / nicht mit tunckeln Worten / daß das Brot / vnnd der Kelch deß HERrn / sey den Jüngern / die es essen vnd trincken / der ware (nicht ein gedichter / bedeuteter) Leib / vnnd Blut deß HERRN / etc. Eben in demselbigen jhar / 1526. hat Bucerus auch Lutheri(Bucerus verfelschet vnd verzwin gelt D. Lutheri Kirchenpostill.) Kirchenpostill ins Latein versetzt / vnd in 4. Tomo in praefatione & annotationibus, hat er auch das Sacramentierische gifft / vnter Lutherinamen zuuerkeuffen / vnd den Leuten einzubilden / sich vnterstanden / wie er denn darumb denselbigen Tomum, durch eine sonderliche praefation / den fratribus in Italia, zugeschrieben / darüber hat Lutherus in einer Epistola ad Secerium, Idib. Septembris, Anno 1527. in offenem druck für jedermenniglich geklagt. Dieselbige Epistola ist vorhanden Tom. 2. Epistolarum(D. Lutherus ist vbel zu Frieden mit deß Buceri bösen griffen.) Lutheri, pag. 349. Vnd sind diese Wort darinne: In quarto Tomo sibi temperare non potuit anhelus ille, & sui sensus propagandi incredibili furore cupidus spiritus, quin praefatione dira & sacrilega, tum annotationibus virulentis, meum opus crucifigeret, ita, vt non fuerint contenti miseri homines suum virus proprijs & iam infinitis libris sparsisse, nisi & alienos libros eo veneno illito, perdant. Idem fecit & antea Iohanni Pomerano, in suo Psalterio, insigni perfidia, quem non ignorabat per Dysdiapason, ab illa impia
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(Anno 1526.) secta dissentire. Stcut & nuper mihi quidam insanus Leopoldus fecit, edito libello contendens, Erasmum, Lutherum, Melanthonem, Pomeranum, & totam Vuitebergam, cum illis sentire: quid fiet nobis mortuis, cùm talia contingant viuentibus? His spiritibus credat doceri veritatem, si quem perire delectat, cùm non nisi manifestis mendacijs, ortum dogma susceperint, mendacijs asserant, tum perfidia alienos libros corrumpendo propagent. Obijciunt nobis, carnem nihil prodesse, at hoc sciebamus. Quaerimus aliud, nempe: de isto loco, Hoc est corpus meum. (a. Theff. 2.) Obijciunt absurdum esse, at hoc quoque sciebamus, sed aliud quaerimus. Obijciu̅t miracula visibilia, at hoc sciebamus. Quaerimus aliud, semper aliud occinunt, quàm quod quaerimus. Fateor, si multos libros scribere est dogma tueri, nimirum illi triumphant etiam super totam scripturam. Si autem dogma tueri, est argumentis solidis pugnare, & conscientias securas reddere, verum est, illos necdum vnam cepisse chartulam scribere. Hanc Epistolam, mi Seceri, ideo ad te scribo, vt, si editurus es denuò Tomum illum quartum, omnibus modis eam praefigas, velsubnectas, vt sit lectori in meo libro antidotum aduersus Buceri praefationem. Deinde, quod ea ipsa praefatione mihi testimonium perhibet, esse me vehementem aduersarium suae sectae, atque vtinam per negotia liceret esse vehementiorem, quanquam velit rem videri leuiculam istam dissentiunculam, denique citra fidei iacturam, sic enim sentit ille spiritus. Hoc est quod semper dixi, Sacramentarios illos haereticos, habere Christum pro ludo, & seriò nunquam esse ab eis cognitum aut doctum, quantumlibet magnificè iactant Euangelium, & gloriam Deise quaerere. Mundus iamdudum contemptu verbi Dei meruit hanc iram Dei, sectas vastatrices inducetis, sicut Paulus praedixit: Mittet illis Deus operationem erro
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ris, vt credant iniquitati, qui non receperunt dilectionem veritatis.(Anno 1526.) Hoc verbum coepit impleri, & implebitur, vt probentur electi, & damnentur reprobi. Das ist: Der stoltze / geile / ehrgeitzige vnd begierliche Geist / hat durch eine grewliche Gottlose Vorrede / vnnd gifftige Erklärung / mein Werck vnd Arbeit gecreutziget / vnd darff nicht allein mit eigenen Büchern sein Gifft außsprewen / sondern wil auch andere frembde Bücher mit seinem Gifft beschmeissen vnnd verderben. Solches hat er zuuor auch Johanni Pomerano in seinem Psalter gethan / auß grosser Vntrew / da er doch wuste / daß seine Meinung weit von der Sacramentierer gottlosen Sect vnnd Geuckeley abgesondert war. Wie auch newlich mir einer gethan hat / Leopoldus / ein vnsinniger durstiger Mensch / der da sich vnderstehet zuerweisen / daß Erasmus / Lutherus / Philippus / Pomeranus / vnnd die gantze Kirch zu Wittenberg / es mit jhnen halte. Geschihet nu das noch bey vnserm Leben / was wil geschehen / wenn wir todt sein? Wer da wil verloren vnd verdampt sein / der mag glauben /(Wer verdampt sein wil / der halte sich zu den Sacramentierern.) daß solche Geister die Warheit lehren. Denn sie ja mit eitel öffentlichen Lügen / jhre newe falsche Lehre / angefangen haben auffzubringen / zuuerthedigen / vnd durch trewlose Verfälschung frembder Bücher fortzusetzen. Sie werffen vns für / das Fleisch sey kein nütz. Das wusten(Die Sacramentierer sagen kein malgleich zu.) wir zuuor wol. Wir fragen was anders / nämlich von den Worten / Das ist mein Leib. Sie sagen / es sey vngereimbt / abschewlich / vngeschickt / vnnd vnbequem. Das wüsten wir auch wol. Wir suchen aber vnd fragen noch ein anders. Sie werffen vns für von den Wunderwercken / daß dieselben sichtbarlich geschehen. Das war vns auch bewust. Wir fragen aber gar ein anders. Sie aber singen vnd bringen stets was anders für / dauon die Frag nicht ist. Das bekenne ich / wenn viel Bücher schreiben so viel ist / als die rechte Lehre verthedigen / so haben sie obgesieget auch vber die gantze heilige Schrifft. Wenn aber die
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(Anno 1526.) Lehre verthedigen so viel ist / als / rechten Grund bringen auß Gottes Wort / vnnd die Gewissen zu ruhe vnnd fried bringen / ey so haben sie noch nit ein rechten Buchstab angefangen zuschreiben. Vnd solches schreibe ich an euch / lieber Seceri / auff daß / wenn jhr wollet im Truck ferner fortfahren / daß jhr diese meine Epistel in allweg vorher setzet / oder darzu thut / auff daß der Christliche Leser in meinem Buch ein Artzney / wider das Gifft vnnd Praefation des Butzers / finden könne. Darnach / gibt er mir in seiner Vorrede selbst Zeugnus / daß ich seiner Secten hefftig entgegen sey. O wolte Gott / ich hette so viel zeit vnd weil / daß ich mich wider diese Secte hefftiger setzen köndte / wiewol ers für eine schlechte / geringe sachen helt / vnnd für ein nichtigen (Die Sacramentierer kennen Christum nicht / vnnd predigen jhn nicht recht.) Streit / daran der Glaube keinen schaden leiden möge. Denn solches helt dieser Geist. Vnnd das ists / das ich allzeit gesagt habe / daß die Sacramentschender Christum halten nur für ein gespöt / vnnd er von jhnen niemals sey recht erkandt noch geprediget worden / ob sie gleich mit prallenden Worten sehr hoch herfahren / vnd daß sie Euangelium vnnd die Ehre Gottes suchen / sich rhümen wollen. Die Welt hat nu lengst durch verachtung des Worts Gottes / diesen Zorn Gottes verdienet / daß allerley verderbende Secten herfür brechen / wie Paulus geweissaget hat / Gott wirdt jhnen krefftige Irrthumb schicken / daß sie den Lügen glauben müssen / weil sie die Liebe zur Warheit nicht haben angenommen. Diß Wort hat angefangen erfüllet zu werden / vndwird erfüllet werden / auff daß die Außerwöhlten geprüfet / vnd die verworffenen verdampt werden. (Anno 1527.)

Anno 1527.
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(D. Lutherus de Euccro.) Es hat auch Lutherus Anno 1527. in seinem Buch / daß diese Wort noch feste stehen / am ende / solche der Schwermer vnthat / wie sie Lutherum / Pomeranum / vnnd auch Philippum /
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öffentlich für aller Welt / auff jhre seite mit Vnwarheit / bößlich(Anno 1527.) haben ziehen vnnd deuten wollen / mit vielen Worten hefftig geeifert / vnnd sind das seine Wort: Martinus Bucerus ist(Tom. 3. Ien. Pag. 328.) vnder euch der fürnembsten einer / vn̅ ein Christlicher lieber Bruder vnnd Mitdiener vnder euch / der euch auch schon beim Leben heilig macht. Derselbige hat vnsers Pfarrers / Herr Johann Pommers / Psalter verlateinet (als er denn grosse Gnade hat von Gott zureden vnnd zuuerdolmetschen) vnnd hat das feine Buch mit dem Gifft ewer Lehr / vom heiligen Sacrament / also verderbet / daß da schwärlich Rhat mag gefunden werden / weil dasselbige Buch vnder so viel Leute kompt / vnd vnder Herr Johanns Namen vnnd Arbeit / mit vnder verkaufft wirdt / eben der Irrthumb / den er doch mit Hand vnd Mund täglich widerficht. Solches Stücklein lasset jhr heiligen Leute gehen / vnnd als hettet jhr gefallen daran / vnnd haltet jhn nicht zum Widerruff vnnd Widerstattung / so jhr doch wol wisset / was Ern Johann daran gelegen ist / vnd wie hoch er mit solchen Bubenstücken beleidiget ist. Desselbigen gleichen mein allerbestes Buch / das ich ye gemacht hab / die Postillen / wölche auch die Papisten gerne haben / hat er mit Vorreden / vnderreden / vnnd einreden auch also zugerichtet / daß vnder meinem Namen / diese lösterliche / schändliche Lehr / weiter bracht vnd geführet wirdt / dann vielleicht durch alle ewere Bücher. Was soll ich thun? Wie kan ich der sachen nu rhaten? Ich muß es haben / als hette mich ein Hund gebissen. Ich habe es mit Vorreden gestrafft / aber was hilfft es? Der Teuffel sahe wol / daß dis Buch durchdrang allenthalben / darumb ergreiff er dasselbige / lude vnnd schmierete seinen Dreck drauff / vnnd ich vnschüldiger Mann muß also des Teuffels Dreckführer sein / ich wolle oder wolle nicht. Noch leiden wir nichts / sondern gehen auff Rosen / vn̅ sind schelter vnd beisser / sie aber sind eitel Heiligthumb / vnd treiben gleichwol daneben solche
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(Anno 1527.) gifftige Tücklein / vnd Mordstiche / die nicht zuheilen sind. Vnd zwar wenn ich kein Christ were / so were ich gesinnet / daß mir einer lieber den Halß absteche / denn solche Tücklein bewiese / da ich mit meinem Buch muß den Seelengifft fürtragen / vnwissent vnnd vnwillens. Also gach ist den Leuten vnnd jhrem Teuffel / mit jhrem Irrsall / daß sie auch durch frembde Bücher denselben außbreiten / gerade als weren der Bücher zu wenig / damit sie jetzt die Welt teuben wollen / was solte nach meinem Tod geschehen? Das thut man mir bey meinem Leben / vnnd lesset mich hier zu Wittenberg sitzen vnd zusehen. Vnnd zwar Bucerus hette mich nicht dörffen lehren seinen Trawm vnnd Gedicht vom brabeo & eadem esca. Es ist nicht zuhoch ding / ich wolts auch wol ersehen haben / wo ich hette gefallen dran gehabt. Dazu / hette er fehl an meiner Außlegung gehabt / hette er mich wol wissen zufinden mit Schrifften / oder eignen Büchlein / vnd wer ohne not gewest / hinder meinem Rücken / mein liebstes Buch so zuschänden / vnd damit seinen Gifft in die Hertzen zutreiben. Solche stücklein gehen alle hin vnder euch / als heilige / sittige / Christliche Werck / trotz vns vngedültigen / daß wir dawider mucken. (Bucerus wil Philippum auff seiner seiten haben.) Daran lest jhm derselbig Bucerus nicht genügen / Magister Philippus Melanthon muß auch herhalten / von dem schreibet er frey herauß / Philippus möge jetzt glauben was er wolle / aber etwan habe er es gewißlich auch gelehret / daß eitel Brot im Abendmal sey. Sihe lieber sihe / wie dringen die heiligen Leute auff vns / vnnd wollen vns blinde geistlose Fleischfresser schlecht mit Gewalt in jhrem Glauben haben / als köndte jhr Gott nicht ohne vns Wittenberger zu seiner Ehre kommen / vnd jhren Glauben erhalten. Ich wil das Stücklein jetzt nicht außstreichen / wie es wol werth were / auff daß sie nicht Vrsach nem̅en / an vnser Vngedult / der Hauptsachen zuuergessen / vnd jhre Heiligkeit zuprei
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sen. Das bitten wir allein / daß sie solche stück zuuor auß jhrem(Anno 1527.) mittel thun / vnnd nicht vnter sich leiden / ehe dann sie sich so gar hell brennen / vnnd das Maul wischen / Denn es stehet heiligen Leuten vbel an / solch Ertzbubenstück vnnd Teuffelische tücklein dem Nechsten zubeweisen. Auff solche öffentliche anklage Pomerani vnd Lutheri / hat Bucerus wol allerley in seiner antwort fürgewendet / wie es pfleget in solchen sachen zugeschehen / aber das factum hat er nicht leugnen können oder dörffen. Vnnd Lauaterus schreibt / pag. 12. daß Zwinglius selbst zuuor widerrhaten habe / er solte solches mit den versionibus dermassen / wie gleichwol geschehen / wie gesagt / nicht fürnemen. Es ist auch wol zumercken / daß eben daß Mysterium iniquitatis, bald nach Lutheri Tod / auch zu Wittenberg sich hat begunt zuregen. Denn da Anno 1548. der(Crimen falsi in secundo Tomo Lutheri edito Vuitebergae Anno 1548.) ander theil der Bücher Lutheri gedruckt / haben etliche verschaffet / daß die jetzo verzeichneten Wort / auß Lutheri Buch sind außgelassen worden / daruon der Leser weitern bericht Georgij Rorarij zu finden / Tom. 2. pag. 383. Dieses stück der Historien / Anno 1526. vnd folgends / sind darumb mit sonderm fleiß zumercken. Denn eben derselbige Zwinglische geist / vnd eben mit solchen vnerbaren stücken vnnd vnthaten / hat sich zu den jetzigen zeiten nun etliche jhar her weidlich gereget / sehen vnd hören lassen. Vnd wer dieselbigen geister prüfen wil / hat auß erwehneten Historien anzeigung gnugsam: Wer aber vber alle verwarnung dergleichen Zwinglische stück vnnd tück jetziger zeit annemen vnnd anbeten wil / den lassen wir im Werck vnnd mit der That beweisen / daß jetzund erfüllet werde / das Paulus geweissaget hat / 2. Thessal. 2. In demselbigen jhar / 1527. hat Zwinglius im anfang eine Teutsche Apologiam / an Doctor Straussen / welcher wider Zwinglij Bücher etwas geschrieben / von dem Sacraments
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handel (Anno 1527.) / außgehen lassen / vnnd dieselbige seinem HERren / dem Marggraffen zu Baden / dedicieret. (Bilibaldi Pirckheimeri schreiben wider Oecolampadium.) Vnd in demselbigen jhare ist auch gedruckt worden / Bilibaldi Birckheimeri Senatoris Norinberge̅sis secunda responsio ad Oecolampadium, darauff kurtz hernach Oecolampadius widerumb geantwortet hat. Vn̅ weil das jhar zuuor Zwinglius eine Epistola̅ an die zu Nürnberg hat außgehen lassen / daß daselbst seine / vn̅ deß Oecolampadij Bücher / einen freyen offenen (Andreas Osiander.) paß möchten habe̅ / hat in dem 27. jhar Andreas Osiander / Prediger zu Nürnberg / Epistolam Apologeticam ad Zuuinglium geschrieben / darin̅ er anzeiget / was er in dem Sacramentstreit in Zwinglij Büchern verworffen habe / vnnd auß was vrsachen / vnnd was man sich auch hinfürder in dem handel zu jhme zuuersehen solt haben. Auch in demselbigen jhar / im Martio / hat Zwinglius geschrieben (Woher die Wort (ware wesentliche Gegenwertigkeit deß Leibs vnnd Bluts Christi im heiligen Abendmal) genommen sein.) wider den Sermon Lutheri / vom Sacrament deß Leibs vnd Bluts Christi / wider die Sacramentschwermer / vnd weil Lutherus daselbst also redet: Daß mit dem Brot vnd Wein im Abendmal warhafftig vnnd wesentlich gegenwertig sey / gereicht vnnd entpfangen werde der warhafftige Leib vnnd Blut Christi / so hat Zwinglius seinem Buch den Tittel gegeben: Apologia ad sermonem de substantiali corporis & sanguinis Christi in coenapraesentia. Vnnd diß wolle der Leser darumb wol mercken / wie vnd woher das genommen sey / daß man in hac controuersia noch offt redet / de substantiali praesentia corporis & sanguinis Christi in coena: Von der waren wesentlichen Gegenwertigkeit deß Leibs vnnd Bluts Christi im Abendmal. Fürnemlich aber ist in dem 1527. jhar / der Sacramentstreit erst hefftiger dann zuuor / fortgangen. Dann weil bißher Lutherus namhafftig wider Zwinglij vnnd Oecolampadij Bücher zuschreiben / sich nicht hette wollen auffbringen lassen /
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nur daß er sein bekentnüs von dem schwebenden Streit / kürtzlich(Anno 1527.) etlich mal widerholet / vnnd die seinen dafür threwlich gewarnet / sonderlich weil er mit Frewden gesehen / daß andere mit Christlichem eiuer vn̅ wolge gründeten widerlegungen sich deß Streits(Zwinglius vnterstehet sich Doctorem Lutherum auffzubringen / vn̅ zu prouiciern.) annamen / da hat Zwinglius endlich beschlossen / er wolte vnnd müste Luthero neher kommen / vnd jhm also auff die Füsse tretten / daß er auff den Platz herauß / vnnd mit namen wider Zwinglium vnd Oecolampadium herfür müste. Hat derhalben drücken vnnd außgehen lassen seine Exegesin, hoc est, amicam expositionem negocij Eucharistiae, vnnd hat dasselbige öffentlich mit namen an Lutherum geschrieben / daß er / vnd auch sonst jederman / wissen vnd vernemen solte / daß man seiner Haar insonderheit gerne haben wolte / vnnd hat in solchem seinem einigen Buch fürgenommen / an sechs Büchern Lutheri zu gleich Ritter zu werden: Nemlich / an das Syngramma Sueuicum, weil Lutherus dasselbige so hoch gerhümet. 2. wider Lutheri Epistolam ad Heruagium. 3. was Lutherus wider Carlstad vnd die Himlischen Propheten geschrieben. 4. was Lutherus viel jhar zuuor an die Waldenser / vom anbeten deß Sacraments / geschrieben. 5. wider die Epistolam Lutheri an die zu Straßburg. 6. wider die Epistolam Lutheri an die zu Reutlingen. Vnnd in der Vorrede setzet er diese Wort / daß er hoffe / wenn Lutherus solche seine Exegesin gelesen / (arena cessurum) so würde er müssen gewonnen geben / vnnd von dem Platz weichen vnd abziehen. Auff solche freuele zunötigung / vnd hoffertiges / vbermütiges(D. Lutherus antwortet auff das küne fürnemen Zwinglij.) außfordern / hat Lutherus / Ampts / Standes vnd Beruffs wegen / nach seinem jhm von Gott vertrawetem talento, in der Sachen / daran der gantzen Kirchen so hoch vn̅ viel gelegen / anders nicht thun sollen / können / oder gewissens halben wollen / sondern hat noch in demselbigen jhar 1527. wider geantwortet / in vnnd mit dem Buche (Das diese Wort Christi / Das ist mein
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(Anno 1527.) Leib / etc. noch feste stehen / wider die Schwarmgeister.) Dann (Das diese Wort (Das ist mein Leib) noch fest stehen.) weil sie allerley hin vnd wider gesuchte argumenta, bey viel hunderten rechneten vnnd zehleten / den Leuten mit vielen Centner Argumenten / Maul / Nasen / Ohren vnd Augen / auffzusperren / hat Lutherus nicht viel Centner oder Mylion argument vnnd Gründe / hin vnd wider zusammen raspeln wöllen / sondern hat die Christen / im handel von deß Herrn Abendmal / auff keinen andern / sondern auff diesen einigen Grund vnnd Fundament / nemlich auff die Wort der Stifftung deß Testaments Christi / gewiesen / welcher Allmechtig vnnd warhafftig / vnnd demnach zuuerschaffen vermag / was er verordnet / vnnd in seinem Wort verheissen hat. (Der ware einige Grund im Abend mal / ist Christi Wort / welches mit keinem Artickel des Glaubens streitet.) Bey diesem Grund sol man bleiben / vnd von andern Gründen nicht Disputieren / sondern mit einfeltigem Glauben / bey den einfeltigen Worten Christi verharren / welchs am sichersten / vnd bey dem gemeinen Leyen erbawlich / der sonst diese Disputation nicht ergreiffen noch fassen kan / wie D. Luther stets also vermanet / vnd angehalten hat. Wenn aber die widersacher solchen vnsern einfeltigen Glauben vnnd verstand der Wort deß Sacraments Christi / anfechten / vnnd als ein vnglauben schelten / vnd das fürwerffen / als sey vnser einfeltiger verstand vnnd glaub wider die Artickel deß Christlichen Glaubens / besonders von der Menschwerdung deß Sohns Gottes / von seiner Himmelfart vnnd sitzen zur Rechten der Allmechtigen Krafft vnnd Maiestet Gottes / vnd demnach falsch vnd vnrecht / So hat D. Lutherus / durch warhafftige erklerung der Artickel vnsers Christlichen Glaubens / angezeiget vn̅ erwiesen / daß obgemelter vnser einfeltiger verstand der Wort Christi / denselbigen Artickeln nicht zuwider / sondern gemeß sey / vnd durch sie desto herrlicher bekrefftiget werde. Derhalben Lutherus seinem Buch diesen Tittel gegeben / (Daß diese Wort Christi / Das ist mein Leib / etc. noch fest stehen
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wider die Schwarmgeister) vnd denselben oben auff allen Blettern(Anno 1527.) des Buchs widerholet. Dann weil die Wort des Sohns(Warumb D. Lutherus solchen tittel seinem Buch ge geben / daß diese Wort / etc. noch fest stehen.) Gottes / in vnd mit wölchen er sein Abendmal gestifftet vnnd eingesetzet / deutlich vnd klar außsagen / daß das gesegnete Brot vnd Wein im Abendmal / sein Leib vnnd Blut sey / so hat vnser Lehr vnnd Glaube / von der wesentlichen Gegenwart / Außtheilung vnd Empfahung des gegenwertigen Leibs vnd Bluts Christi im Abendmal / grundes all vnd vbergnug. Vnnd so lang dieselbigen Wort des Stiffters Christi / wölcher in seinen Worten(Keine Argument können Gottes Wort vmbstossen.) warhafftig vnd allmächtig ist / noch nit weggereumet oder vmbgestossen / so sollen billich alle Centner menschlicher Argument ein frommes Christliches Hertz nicht also bewegen / daß es durch Leichtfertigkeit abweichen / oder durch kluge ansehenliche Reden menschlicher Weißheit / sich verleiten vnnd abfüren solte oder wolte lassen von der einfeltigen Meinung / auch deutlichem vnd klarem Verstande / Lehre / vnd Glauben / wie die Wort der Einsatzung vnd Stifftung des Abendmals außsagen / vnnd in jhrem rechten natürlichen / eigentlichen Verstande lauten. Vnd diß ist ein recht gut Lutherisch gülden Kunststück in disem Handel / bey den Worten der Stifftung bleiben / vnnd dauon keinerley weise auff andere Disputationes sich abführen lassen. Weil aber solch Buch Lutheri in seinen Tomis verhanden / wollen wir den Christlichen Leser / dasselbige mit fleiß zu durchsehen / gewiesen haben. In demselben jhar / 1527. bald im Junio / hat Oecolampadius(Oecolampad vnd Zwingel / empören sich wider D. Lutherum.) wider jetzt gemeltes Buch Lutheri geschrieben / vnnd hat seinem Buch diesen Tittel gegeben: Secunda, iusta & aequa responsio ad Martinum Lutherum. Vnd bald darauff hat auch Zwinglius dawider ein sonderlich Buch gestellet vnd außgehen lassen / vnd hat dasselbige Electori Saxoniae dediciert / vermeinent also seinen Schwarm auch vnder die Sachsen zubringen / vnnd desselbigen Buchs / wie auch
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(Anno 1527.) des gantzen Zwinglischen Streits wider Lutherum / summarischen jnnhalt / hat jhr eigen Lauaterus in diese Häupstücke gefasset (Zwingels Lehr vn̅ Schwarm.) / pag. 13. Haec autem praecipua fuerunt capita, in quibus Zuuinglius à Luthero in hac causa dissentiebat, nempe, quòd haec verba Christi per metonymiam essent exponenda. Quòd Christi corpus & sanguis, non ore carnali, sed fide duntaxat perciperentur. Quòd Christi corpus in certo coeli loco degeret, neque per omnia, vt Diuinitas, diffunderetur. Quodqúe impij, symbola tantùm corporis & sanguinis Christi, non ipsum corpus Christi eiusqúe sanguinem acciperent. Das ist: Das sind die fürnembsten Häuptpunct / darinn Zwingel wider Lutherum ist. Denn also lehret Zwingel / daß die Wort Christi im Nachtmal / figurlich / von einem abwesenden vnnd bedeuteten Leib / müssen außgelegt vnd verstanden werden. 2. Vnd daß der Leib vnnd das Blut Christi / nicht mit leiblichem Munde / sondern allein mit dem Glauben / empfangen werde. 3. Item / daß der Leib Christi an einem gewissen ort im Him̅el seine Statt vnd Wohnung habe / vnd nicht vberall sey / wo die Gottheit sey. 4. Vnnd / daß die Gottlosen allein die bedeutlichen eusserlichen Zeichen des Leibs vnd des Bluts Christi / vnd nicht den Leib vnd Blut Christi selbst / empfahen. (Anno 1528.)

Anno 1528.
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(Disputation zu Bern in Schweitz.) Anno 1528. im Januario / ist gehalten worden eine öffentliche Disputation zu Bern in Schweitz / fürnemlich von wegen des Handels / das Abendmal belangend. Vnd weil zuuor / Anno 26. im Maio / von wegen der Papistischen örter in Schweitz / auch eine Disputation war gehalten worden / in qua inter themata, quae ad disputandum proposita, & ab Oecolampadio impugnata fuerant, etiam hoc fuit, quòd verum Christi corpus atque sanguis adsint in Coena, daß der ware Leib vnnd Blut Christi im Abendmal sey / So ist dawider vnnd dagegen
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in der Bernischen Disputation diese propositio zu disputieren(Anno 1528.) fürgelegt worden: Corpus Christi substantialiter & corporaliter in pane Eucharistiae percipi, nullo Biblicae Scripturae testimonio euinci & demonstrari posse. Das ist / Daß der Leib Christi im Abendmal gegenwertig nicht sey / noch in oder mit dem Brot empfangen werde / wie die Tigurini selber in jhrer Antwort / wider Lutheri letztes kleines Bekantnus vom Abendmal / tractatu secundo, pag. 80. das thema disputationis Bernensis, erzehlen. Vnd zu derselbigen Disputation ist auch beruffen(Andreas Althamerus ist wider die Zwinglianer.) worden Andreas Althamerus, wölcher hernach Ecclesiastes Noricus worden / weil er etwas vom Sacrament hat außgehen lassen / vnnd auch sonst geschrieben hatte Conciliationes locorum Scripturae in specie pugnantium, & eorum, qui cum corporali praesentia in coena Domini pugnare videntur. Der hat daselbst praesentiam corporis Christi in Coena öffentlich verthedigt / wölches von den Zwinglianern jhm also verkerlich gedeutet / als were er gar Papistisch worden. Aber gemelter Althamerus hats dazumal / vnd auch hernach / im Werck vnnd mit der that beweiset / daß er recht gut Lutherisch / vnd in den Kirchen der Augspurgischen Confession / ein reiner / nützlicher / ansehenlicher Lehrer gewesen / vnnd von jedermenniglich dafür erkennet vnd gehalten ist worden. Weil nun im vorigen jar Oecolampadius vnd Zwinglius / wider Lutherum dermassen / wie vor gesaget / geschrieben / hat Lutherus dagegen Anno 1528. außgehen lassen sein groß Bekantnus(D. Lutheri groß Bekantnns vom H. Abendmal.) vom Abendmal Christi / da er im anfang Gott gedancket / daß sein voriges Buch wider die Schwarmgeister vnd feinde des H. Sacraments / nicht geringe frucht bracht. Denn dadurch viel frommer hertzen / so durch die Schwermer verwirret / vnd vnruhig gemacht / zu frieden gestellet / Vnnd weil er gesehen / daß durch stetig / vnauffhörlich libellieren / wenn ein theil
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(Anno 1528.) wider das ander / ein Buch vber das ander herauß wirfft / der Kirchen in die lenge bestendig nicht gedienet / der sachen auch endlich nicht abgeholffen wirdt: (Dann wie er anderßwo schreibet / istis perpetuis disputationibus & contentionibus tandem prophanantur animi hominum) schreibt er: Ich hab jhr gnug / vnnd wil nicht mehr an sie schreiben / auff daß nicht der Sathan noch töller werde / vnnd mehr Lügen vnd Narrenwerck herauß speie (wie er jetzt gethan) das Papier vnnützlich zubesudeln / vnd dem Leser damit die zeit zuhindern / bessers zulesen. Ich habe leider sorge / daß ich ein warer Prophet sein muß / da ich geschrieben habe: Es (Kein Ketzermeister wirdt bekeret.) werde kein Ketzermeister bekeret. So wil ich nun sie fahren lassen / nach der Lehr S. Pauli / Tit. 3. Einen Ketzer solstu meiden / wenn er ein mal oder zwier vermanet ist. Denn sie werdens hinfort nicht besser machen / es ist herauß was sie vermögen / vnnd wil mich zu den vnsern keren / dieselbigen weiter / so viel ich vermag / durch Christus Gnad in diesem Artickel vnderrichten. Item / Es wil mir nicht lenger ziemen / mit seinem Narrenwerck vmbgehen / vnd die heilige Schrifft ligen lassen / er speie hinfort wie viel er wölle. Weil aber auch dieses Buch in Tomis Lutheri jederman selbst lesen kan / achten wirs für vnnötig / hie viel Sprüche darauß zu allegieren. Wollen demnach den Christlichen Leser ermanet haben / gemeltes Buch mit fleiß zu lesen vnd zu erwegen. Es sind aber vnder andern vielen / zween Punct / darauß mit fleiß zumercken / wölche vns zu diesen zeiten nützlich vnd nötig sind. (Von der Vbiquitet.) Der erste ist von der Vbiquitet oder Allenthalbenheit / wölches Stück die Sacramentierer auß ettlichen Worten Lutheri erhascht / vnnd darüber viel wesen gemacht / die Leute von den einfeltigen klaren Worten der Einsatzung abzuführen / vnnd in eine andere verwirrte Weitleufftigkeit zubringen. Denn
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Zwingel hat D. Luthero schuld gegeben / als machte er mit solcher(Anno 1528.) seiner disputation duo infinita, nemlich / das ewige vnendliche wesen der Gottheit / vnd darnach / als setzte er vnd machete gleichsfals die angenommene vnnd Persönlich mit der Göttlichen Natur deß Sons Gottes vereinigte Menschliche Natur / auch alterum infinitum, daß die auch infinita & immensa assentia worden were. Darauff sagt D. Lutherus / Nein / vnd streitet allein / daß es mit der angenom̅enen vn̅ Persönlich vereinigten Menschlichen Natur Christi nicht die meinung habe / als wie Antdorff an einem kleinen Platz vnd ort des grosses Meers gelegen vnd anstosse / oder wie corpus planetae an einem eintzigen ort seines grossen weiten circuli gehefftet / oder wie ein edler Stein in einem grossen weiten Ringe an einem kleinen örtlein desselben versetzet / oder als wenn ein klein Steinlein etwa henget vnnd klebet an einem geringen ort eines grossen Felsens / der da mole sua sehr fern vnd weit sich erstreckt vnnd außbreitet / wie die jetzigen Sacramentierer disputiern vnd reden. Denn wenn wir hielten vnd lehreten / daß der Sohn Gottes nur allein an einem einigen ort seine angenommene vnd Persönliche vereinigte Menschliche Natur / mit vnd bey sich gegenwertig hette / aber an andern orten / da wir gleich auch sein Wort vnd verheissung von haben / were der Sohn Gottes ohn oder ausser seiner Persönlich vereinigten Menschlichen Natur / so würde vnd were die Person getrennet / welche bestehet in Persönlicher vereinigung beyder Naturen. Wie auch viel Vnfläter vnnd Säwe darauß haben folgern wollen / von allen Schüsseln vnd Kannen / vnd was noch gröber vnnd vnflätiger ist / vnnd was D. Lutherus auß gebürlichem eiuer geantwortet / ist auß diesen seinen eigenen Worten gnugsam zusehen. Ich werde vielleicht andere Schwermer kriegen / die mich
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(Anno 1528.) fahen wollen vnd fürgeben / Ist denn Christi Leib an allen orten / (Daß diese Wort / Das ist mein Leib / noch fest stehen. pag. 354. fac. 2.) ey / so wil ich jhn fressen vnd sauffen in allen Weinheusern / auß allen Schüsseln / Gläsern / vnd Kannen. Hörestu es nu du Saw / Hund / oder Schwermer / wer du vnuernünfftiger Esel bist. Wenn gleich Christi Leib an allen enden ist / So wirstu jhn darumb so bald nicht fressen noch sauffen noch greiffen. Warumb das? darumb / daß ein anders ist / wenn Gott da ist / vnd wenn er dir da ist. Denn aber ist er dir da / wenn er sein Wort dazu thut / vnd bindet sich damit an / vnd spricht / Hie soltu mich finden. Wenn du nu das Wort hast / so kanstu jhn gewißlich greiffen vnnd haben / vnnd sagen / Hie habe ich dich / wie du sagst. Das ist nicht wider einander / sondern der Schrifft / vnnd dem Glauben gemeß / daß Christi Leib zu gleich im Himmel vnd im Abendmal sey. Vnd ist gegründet eigentlich in dem ersten Artickel / Ich gleube an Gott den Vatter Allmechtigen / Schöpffer Himmels vnd der Erden. Es beschwert (sagen sie) die Leute solcher Artickel / denn es ist schwer zugleuben / daß ein Leib sey zugleich im Himmel vnnd Abendmal. Da steckts nu. Wenn etwas zugleuben schwer ist / der gleube vnd spreche / Es sey nicht war / etc. Deßgleichen hat D. Lutherus auch in seiner grossen Bekentnüs sich deutlich vnd rund erkleret / auß was Vrsachen / vnd auff was meinung er von der Vbiquitet gedisputieret / vnnd hat zugleich gewiesen / warumb die Sacramentierer darnach so sehr grübeln / daß Lutherus darüber im handel vom Sacrament mit jhnen streiten solte / vnd was es für weitleufftigkeit mit sich bringen würde / wenn man solche weitleufftige Disputation in den handel vom Abendmal mit einmengen oder einführen wolt lassen. Gibt derwegen den rhat / daß man einfeltig bey den Worten
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der Einsetzung bleiben sol / vnd zeiget an / mit was massen vnnd(Anno 1528.) bescheid ohne nachtheil deß geheimnüs von der Persönlichen vereinigung / die Disputation de Vbiquitate könne in diesem handel bey seits gesetzt werden / wie seine eigene Wort anzeigen. Denn also sagt er: Daß ich beweisete / wie Christus Leib allenthalben sey / weil Gottes rechte Hand allenthalben ist / das thete ich darumb (wie ich gar öffentlich daselbst bedinget) daß ich doch ein einige weiß anzeigte / damit Gott vermöchte / daß Christus zugleich im Himmel / vnd sein Leib im Abendmal sey / vnd vorbehielte seiner Göttlichen weißheit vn̅ Macht / wol mehr weise / dadurch er dasselbige vermöcht / weil wir seiner Gewalt ende noch maß nicht wissen. Warumb henget sich (aber) der Geist an die einige weise von mir angezeiget? Auff daß er damit die einfeltigen narret / daß sie dieweil nicht sehen solten / wie er vber hin springe / da er antworten sol / vnnd also ein ander spiel anfienge / damit er vns von der Bahn riesse / daß wir der Sachen / die jhn engstet / vergessen. Wenn ich nu mit jhnen stritte vber derselbigen meiner angezeigten weise / so hetten sie gewunnen Spiel. Warumb? Darumb / daß sie dadurch Vrsach hetten nicht zuantworten auff den rechten Knoten / der sie druckt / vnnd gleichwol ein Buch vmbs ander schreiben. Item: Wenn gleich der Geist meine angezeigte weise köndte vmbstossen (als er nicht thun kan) so hette er damit noch nichts außgericht / weil damit noch nichts beweiset were / daß die zwey wider einander sein: Christus im Himmel / vnnd sein Leib im Brot. Er muß beweisen / daß nicht allein dieselbige weiß vnmüglich sey / sondern auch daß Gott selbst kein andere weise mehr wisse noch vermöge. Item: Weil wir auß der Schrifft beweisen / daß Christus Leib kan auff mehr weise / denn auff leibliche weiß (localiter oder circumscriptiuè) etwa sein / so haben wir damit gnug
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(Anno 1528.) erstritten / daß man den Worten sol gleuben / wie sie lauten (das ist mein Leib) weil es wider keinen Artickel deß Glaubens ist / vnd dazu der Schrifft gemeß ist / als da sie Christus Leib durch versiegelte Stein vnnd verschlossene Thür führet. Denn weil wir eine weise können anzeigen vber die leibliche vnnd begreiffliche weiß / wer wil so kün sein / daß er Gottes Gewalt wolt messen vnnd vmbspannen / als der nicht auch wol andere mehr weise wisse / etc. Solche meinung die Disputation von der Vbiquitet belangend / ist auch hernach vnter D. Lutheri Sprüchen / so er guten Leuten in jre Bücher geschrieben / verzeichnet worden / Tomo Ienensi 8. Teutsch pag. 341. Es wirdt der ware Leib / vnd das ware Blut Christi im Brot vnd Wein zu essen vnd zu trincken gegeben. Nu erhebt sich eine Frage. Wie kan Christus leiblich im Sacrament sein / so doch ein Leib an vielen orten zu gleich nicht sein kan? Hierauff antworte ich also / Christus hat gesagt / Er wolle da sein / darumb ist er warhafftig im Sacrament / vnnd dazu leiblich. Darumb ist er warhafftig da / vnnd sol auch kein andere Vrsach solcher leiblichen Gegenwertigkeit gesucht werden / denn diese / die Wort lauten also / darumb muß es also geschehen / wie sie lauten. Was aber den Leib belanget / kan Christus / wenn er nur wil / allenthalben oder an allen orten sein. Darumb hats ein ander meinung mit seinem vnd vnserm Leibe. Vom allenthalben oder an allen orten sein / sol nicht disputieret werden. Es ist viel ein ander ding in dieser Sache. So reden auch die Schul Theologen hie nichts vom allenthalben / sondern behalten den einfeltigen Verstand von der leiblichen Gegenwertigkeit Christi. Auß diesen Worten D. Lutheri siehet ein jeder frommer Christ gar wol / daß wir in diesem Leben nicht sollen noch können vns mit weitleufftigen disputiern einlassen / weil die Persön
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liche vereinigung beider Naturn in Christo / vnnd die einwohnung(Anno 1528.) der gantzen fülle der Gottheit in der angenommenen Menschlichen Natur / ein sonderlich groß / göttlich / vbernatürlich / vnnd vns vnaußforschlich vnnd vnbegreifflich Geheimnus ist / wölches vollkommene Erkantnus wir sparen wollen ins ewige Leben / da wir den HERRN Christum anschawen werden / wie er ist / innerhalb aber jhne vberall erkennen / ehren / vnnd anruffen / waren Gott vnd Menschen vnzertrennlich / vnnd vns an sein Wort halten / vnd demselben glauben / vnnd nicht temerè etwas asseueriern, da wir nicht das außtrückliche Wort Gottes von haben / noch auch temerè etwas verdammen / dawider Gottes Wort selbst nicht ist / sondern bleiben intra terminos & metas, nemlich / bey dem außgetruckten vnfeilbaren Wort Gottes / vnnd sparen / wie gesagt / das vbrige / das vns in diesem Leben zu hoch vnd vnaußforschlich ist / ins ewige Leben. Zum andern / ist das mit sonderm fleiß zumercken / weil Lutherus gestritten / daß die Wort des Abendmals nit solten durch einicherley tropum von jhrem eigentlichen Verstand vnnd Bedeutung dahin gezogen werden / daß der Leib vnnd Blut Christi weit vnnd ferne von dem Brot vnd Wein des Abendmals etwa an einen Ort gesetzt werden / sondern daß man bey denselbigen Worten / wie sie außsagen vnd lauten / einfeltig bleiben solte / hat er eine außführliche Erklärung in seinem grossen Bekantnus gesetzt / was es für eine praedicatio sey / wenn Christus von dem Brot vnd Wein des Abendmals spricht / Das ist mein Leib / das ist mein Blut / Nemlich / vnione Sacramentali, vnnd was dieselbige(Sacramentalis vnio. Synecdoche.) sey / vnnd was er durch seine synecdochen verstehe / wie er solches durch viel Exempel der Schrifft / vnnd auch in gemeiner Rede erkläret. Denn also sagt er: Es ist im Sacrament ein einigkeit auß zweierley wesen worden / die wil ich nennen Sacramentliche Einigkeit / darumb / daß Christus Leib vnnd Blut vns
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(Anno 1528.) allda zum Sacrament werden gegeben. Darumb ists aller ding recht geredt / so man auffs Brot zeiget / vnd spricht / Das ist Christus Leib / vnnd wer das Brot siehet / der siehet den Leib Christi / gleich wie Johannes spricht / Daß er den heiligen Geist sahe / da er die Tauben sahe / etc. Item: Solche weise zureden von vnderschiedlichen Wesen / als von einerley / heissen die Grammatici Synecdochen. Vnnd ist fast gemein / nicht allein in der Schrifft / sondern auch in allen Sprachen / als / wenn ich einen Sack oder Beutel zeige oder darreiche / spreche ich / Das sind hundert Gülden. Da gehet das zeigen / vnd das Wörtlein (Das) auff den Beutel / aber weil der Beutel vnnd Gülden etlicher massen ein Wesen sind / als ein Klumpe / so triffts zugleich auch die Gülden. Der weise nach / greiff ich ein Faß an / vnnd spreche / Das ist Reinisch Wein / Das ist Welsch wein / Das ist roter Wein. Item / ich greiff ein Glaß an / vnd spreche / Das ist Wasser / Das ist Bier / Das ist Salbe. In allen diesen Reden siehestu / wie das Wörtlein (Das) zeiget auff das Gefäß / vnd doch / weil das Getrenck vnd Gefäß etlicher massen ein ding ist / so triffts zugleich / ja wol fürnemlich das Getrenck / etc. Item: Weil denn nu solche weiß zu reden / beides in der Schrifft vnnd allen Sprachen gemein ist / so hindert vns im Abendmal die praedicatio identica nichts. Es ist auch keine da / sondern es trewmet den Sophisten also. Denn ob gleich Leib vnd Brot zwo vnderschiedliche Naturn sind / ein jegliche für sich selbst / vnd wo sie von einander gescheiden sind / freilich keine die ander ist / doch wo sie zusammen kommen / vnd ein new gantz wesen werden / da verlieren sie jhren vnderscheid / so fern solch new einig Wesen betrifft / vnd wie sie ein ding werden vnd sind / also heist vnnd spricht man sie denn auch für ein ding / daß nicht von nöten ist / der zweien eines vndergehen vnd zu nicht werden / son
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dern beide Brot vnd Leib bleibe / vnd vmb der Sacramentlichen(Anno 1528.) Einigkeit willen recht geredt wirdt / Das ist mein Leib / mit dem Wörtlein (Das) auffs Brot zudeuten. Denn es ist nu nicht mehr schlecht Brot im Backofen / sonder Fleischbrot oder Leibsbrot / das ist / ein Brot / so mit dem Leib Christi ein Sacramentierlich Wesen / vnnd ein ding worden ist. Also auch vom Wein im Becher / das ist mein Blut / mit dem Wörtlein (Das) auff den Wein gedeutet / Denn es ist nu nicht mehr schlechter Wein im Keller / sondern Blutswein / der mit dem Blut Christi in ein Sacramentlich Wesen kommen ist. Das sey gnug von diesem Stück / für die vnsern. Die anderen lehret jhr Geist nichts achten / denn was sie recht düncket. Haec Lutherus. Vnnd ist allhie in sonderheit diß wol zu mercken / daß Bucerus hernach selbst (wie an seinem ort soll angezeigt werden) bekennet hat / daß eben derselbige Tractatus Lutheri de praedicatione identica, & de vnione Sacramentali jhn bewogen habe / daß er Lutheri Meinung recht verstanden / vnd sich zu seiner Lehr begeben habe. Vnnd daß solches allwege Lutheri Meinung gewesen / ist darauß klar / daß er im Buch an die Waldenser vnd wider Carlstad eben also auch redet / wie jetzund kürtzlich seine Wort angezogen vnnd verzeichnet. Vnnd wie er hernach auch also schreibet vnd redet / Tomo Latino tertio in 6. cap. Esaię pag. 298. Eben also redet auch Brentius in sua Exegesi in Iohannem, Anno 1542. geschrieben / wölche Wort in Teutsch also lauten: Wann du das Wörtlein (Ist) durch das Wort (Bedeut) außlegest / oder das Wörtlein (Leib) durch die Wort (ein Figur des Leibs) außlegest / so legestu die Wort falsch auß. Dann durch solche Außlegung benimpstu dem Zeichen seim Rem (das ist / das jenige / vmb dessen willen das Zeichen da ist) vnnd
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(Anno 1528.) benimpst dem Sacrament sein Warheit / (das ist / das jenige / wölches das fürnembste im Sacrament ist) darumb (spricht Brentius) soll man nimmermehr ein solchen Tropum zulassen / der vns von dem Brot den Leib / vnnd von dem Wein das Blut (Christi) hinweg nemme: Auff daß nicht der geistliche Mensch im heiligen Abendmal seiner verhofften Güter beraubet werde. Es ist aber dennoch von nöten / daß man einen Tropum zulasse / weil wir sehen / daß das Brot nicht in den Leib Christi / noch der Wein in das Blut Christi verwandelt wirdt. Wölches ist dann nun derselbige Tropus? Hüte dich fleissig / daß du ja nit zugebest des Carlstadischen Geistes Tropum: Dann derselbe würde den Glauben seiner Güter berauben / wiewol er gar nicht wil dafür angesehen sein / aber das ende wirdt es mit der that beweisen. Wölchen Tropum soll ich dann zulassen? Nemlich den jenigen soltu zulassen / der in der Schrifft / vnd in dem gemeinen Brauch zureden am allermeisten in vbung ist / nemlich synecdochen, wölches ist ein solch Figur / da entweder vnder einem Theil das gantze ding / oder vnder dem gantzen ding ein Theil verstanden wirdt: Oder wenn man einem das gantze gibt / vnnd doch allein das fürnembste Theil desselben genennet wirdt. Als wenn dir jemands eine Wiegen / vnnd ein Kind in der Wiegen ligend / darreichet / pfleget er gemeiner weise nach zusagen / Nimm hin das Kind / vnd setze es beyseits. Hie werden zwey ding miteinander geben / nemlich / die Wiegen / vnd das Kind / Vnd wirdt doch nur das fürnembste genennet / nemlich das Kind. Also werden vns im Abendmal des Herrn zwey ding dargereichet / das Brot / vnd der Leib / Vnnd wirdt doch nur der Leib genennet / wölcher in dieser Außspendung das fürnembste ist. Solches haben wir von gemelten zweien Puncten auß dem grossen Bekantnus D. Lutheri / dem Christlichen Leser zu gut vnd besserm vnderricht / kürtzlich erzehlen wollen.
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Es hat aber wider offtgedachtes grosses Bekentnüs Lutheri(Anno 1528.) vom Abendmal / alsbald in demselbigen jhar 1528. Zwinglius(Zwingel vnd Oecolampad schreiben wider D. Lutherum.) vnd Oecolampadius weitleufftig jeder ein groß Buch geschrieben. Vnnd hat Zwinglius seines dem Churfürsten zu Sachsen / vnnd dem Landgraffen zu Hessen zugeschrieben / ob er etwa dadurch die Herrn von Lutheri Person / vnnd also auch von der reinen Lehr / im Artickel vom Abendmal / abwendig machen köndte. In demselbigen jhar hat auch Bucerus einen Dialogum dawider geschrieben / vn̅ viel Bossen / die Leute also an sich zuziehen(Bucerus kompt mit eim Dialogo.) / vnnd solch Büchlein zulesen lustig zumachen / darinn mit vntergesprenget / vnd führet zwo Personen ein / die da reden: Einen Sebaldum / als einen Nürnberger / vnnd den andern Arbogastum / als einen Straßburger. Fürnemlich aber exagitiert er diß / daß Lutherus / der sonst so hefftig streitet / daß in den Worten deß Abendmals kein tropus sey / dardurch die Wort von jhrem einfeltigen gebreuchlichem verstande / wie sie außsagen vnd lauten / abgeführet solten werden: Gleichwol selber eine Synechdochen darinn zulesset. Aber wie er dieselbe Synechdochen verstehet vnd meinet / hat er selbst in seiner grossen Bekentnüs / de praedicatione identica, gnugsam erkleret. Auch eben in dem jhar / 1528. im Maio / hat D. Pomeranus(D. Pomeranus thut sein bekentnüs deutlich vom heiligen Abendmal.) geschrieben / vnnd zu Wittenberg außgehen lassen / seine öffentliche Bekentnüs vom Sacrament deß Leibes vnnd Blutes auß seiner Einsetzung / darinn er Grund vnnd Vrsach seines Glaubens vom Abendmal deß HErren angezeiget / vnd denen / so nicht hören wollen / das valete gibt. Darauß wollen wir auch etliche stück / so zu einfeltiger Lehr erklerung vom Abendmal nützlich / allhie verzeichnen. Vnnd in praefatione sagt er / daß er anzeigen wolle / was er halte von der Consecration / wie mans heist / das ist / woher das komme vnd geschehe / daß das Brot deß HERRN sey sein Leib / vnnd der Kelch sein Blut. Vnnd dar
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unter (Anno 1528.) handelt er fast alle Wort der Einsetzung Christi. Darnach schreibet er von einer sonderlichen Art der Sacramentierer. Item / von der predigt Christi / so Johan. 6. beschrieben / vnnd das jmmerwehrende / vnauffhörliche libellieren mit den Sacramentierern / schneidet er endlich abe / vn̅ gibt jhnen das valete mit diesen Worten: Die das Wort Christi verleugnen / sollen hernach nichts mehr von mir erwarten / sondern mögen Christum fürchten / wider welchen sie in seinem Wort fechten vnd streiten. Ich bin aber gewiß / daß sie jn nicht vberstreiten / noch die festung seines Worts eröbern werden können. Weil aber D. Pomeranus in gemeltem Büchlein / die lehr vnserer Kirchen / de Consecratione, richtig / einfeltig vnnd deutlich erkleret / wollen wir / wie gesagt / die summam dieser Lehr / mit seinen eigenen Worten / der studierenden Jugend zu gut / kürtzlich erzehlen. Christus dicit, Hoc facite. In quo verbo fidenter facimus, quae Christus instituit. Non fidimus in nostris consecrationibus & anhelitu, vt stultè obijcitur nobis, sed hoc verbo Christi, Hoc facite, hoc est, fidimus in Christi institutione & iussione. Christus non dixit, Accipite & comedite panem, accipite & bibite vinum, sed, hoc facite, id est, accipite, & comedite meum corpus, sic instituo, sic volo, sic iubeo, &c. Non dico aut iubeo, vt vos faciatis panem corpus meum, sed vt edatis eum, qui iam est corpus meum. Instituo & volo, vt in commemorationem mortis meae edatis corpus meum, &c. Breuiter itaque haec institutio Christi, si actio, verbum, iussio eius inspiciatur, vt oportet, hoc vult, instituit & ordinat, vt, vbi visum fuerit, conuenientes edamus panem eius, quem ipse dicit corpus suum esse, &c. Est hîc corpus & sanguis Christi, propter Christi institutionem & voluntatem.
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Nos non solùm repetimus super panem & vinum ista verba(Anno 1528.) Christi, (Hoc est corpus meum, hic est sanguis meus) sed totam Christi institutionem siue ordinationem, vt Priuilegium Principis nostri, vt institutionem & ordinationem Domini nostri Iesu Christi, vsque ad Mundi finem apud fideles duraturu̅. Non enim conuenientes, cupimus hîc edere vulgarem panem, aut bibere vulgare poculum, sed eum panem, quem Paulus vocat panem Christi Domini. Is panis & id poculum antea erat vulgaris panis, & vulgare poculum, & sine periculo, aut si mauis, sine discrimine licet vesci quibuslibet, siue dignis, siue indignis, etiam canibus & porcis, modò non hoc curarent homines in creatoris ignominiam. Vbi autem iste panis, & istud poculum ad institutionem Christi venerit, vt conuenientes edamus & bibamus in Christi commemorationem, iam non est vulgaris panis, sed panis Domini, non vulgare poculum, sed poculum Domini, & vsque adeò Domini panis est, & Domini poculum, non quemadmodum Domini est terra & plenitudo eius, sed singulari modo, vt quisquis ederit panem hunc, & biberit calicem Domini indignè, reus fiat corporis & sanguinis Domini, & iudicium sibi manducet. Quando Sacramentarij haec non negant, hîc obiter interrogo eos, vnde, quo halitu, quibus verbis, qua incantatione (omitto alias blasphemias) fiat panis & poculum eorum, in Christi commemoratione tam sanctum, vt indignè vtensiudicium sibi sumat, & fiat reus corporis & sanguinis Domini? Quòd si dixerint, vt non dubito saniores dicturos, quòd ob Christi institutionem hoc fiat, gratias agemus eis, &c. Interroga Christi institutionem, quae dicit, Panis iste meus est corpus meum, Poculum istud meum est sanguis meus, &c. Vnde nobis haec omnia? Ex Christi institutione. Ipse sic instituit, ordinauit, voluit. Christiani hanc institutionem amplectuntur, & gratias agunt.
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(Anno 1528.) Stultum igitur fuerit haec verba institutionis Christi om̅ittere, impium his non confidere. Nam sine his, quid quaeso in pane & poculo quaereremus? Haec verba sacrae Christi institutionis publicè recitat minister nostrę Ecclesiae super pane̅ & poculum, super mensam, super altare posita, nullo eis adhibito flatu (vt irridemur) quando agnoscit, nihil hîc sua virtute fieri, sed omnia virtute institutionis & ordinationis Christi. Et recitat, vt agnoscant co̅municaturi, quid erga hoc Sacramentu̅ sit nobis & faciendu̅ & credendum, vtque contra Sacramentarios perpetuò pro nobis respondeat haec institutio, & vsque ad finem mundi duratura Christi ordinatio, quae efficit, vt sit ibi nobis ad edendum & bibendum corpus & sanguis Christi, non postulat aut iubet, vt nos corpus & sanguinem Christi faciamus: quod datur nobis, grato animo, & exultante gratiarum actione accipimus, non praesumimus facere, quod quia non iubetur à Christo, facere non possumus. Dicit enim, Hoc est corpus meum, Hic est sanguis meus, Non dicit, Facite meum corpus, Facite meum sanguinem. Non factores sui corporis & sanguinis voluit, sed communicatores, id est, vt ederemus Dominicum corpus, & sanguinem biberemus, in eius commemorationem, quod corpus, & quem sanguinem, nobis ipse per suam institutionem daret, non nobis ipsi faceremus. Quòd si Deus nunquam suae ordinationi & institutioni defuit, si nunquam non verum fuit, quod ipse dixit, si nunquam non praestitit, quod suo verbo voluit, cur impiè haec sola institutio Christi vellicatur? in mille formas dilaniatur? breuiter, negatur, ne sit hoc, quod Christus instituit? Tropis illis non est hîc locus, si totam hanc institutionem attendas, & non per particulas, nunc hoc, nunc illud rapias, tuoque sensu confundas, contempta instituentis voluntate.
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Volumus ibi edere corpus Domini, & bibere sanguinem(Anno 1528.) eius, non adinuentione alia humana, non nostra temeritate & praesumptione, sed Christi Domini nostri & vnici Magistri institutione & iussione, qui dixit, &c. Atque ita, licet visibiliter per manum ministri, tamen inuisibiliter ex manu Christi, virtute & efficacia institutionis siue verbi eius, accipimus corpus & sanguinem eius. An' non ipse promisit, vbi duo vel tres fuerint congregati in nomine meo, illic ero in medio eorum? Est ergo ibi, & dat nobis suum corpus & sanguinem, ita conseruaturus suam institutionem, & verbi sui veritatem. Tu impie blasphemas, vnde accipietis corpus & sanguinem Christi? Quis dedit vobis potestatem, vt faciatis corpus Christi (taceo iam de Deo impanato) Putas'ne, quòd hoc ad foedam oris exhalationem cuiuscunque, vel ad nutum & voluntatem etiam scortatoris, adulteri, vsurarij, Christus sursum atque deorsum feratur, & sedem suę maiestatis deserat? Impie & blaspheme, quid tibi cum nomine Christiano, qui verbum Christi deseris? nolens videre quid instituerit, & respicis in ea solùm, quae rationi tuae videntur absurda & impossibilia, verbo Christi rationem tuam opponis, egregiè scilicet, & Christianè. Sunt hîc, secundum verba institutionis Christi, verum corpus, & verus sanguis Christi, de quo fides Christiana dubitare non potest, &c. Quomodo autem hîc sint corpus & sanguis Christi, credo neminem scire posse, neque aliquem debere esse solicitum vt sciat, quando ex verbo Christi hoc non intelligitur, aut vt intelligamus iubetur, tantùm credamus hîc, quod Christus dicit, & faciamus, quod ipse iubet, & satis responsum est Christi institutioni. Qui hoc iussit & instituit, suae institutioni de esse non potest, modò hîc credamus, quod ipse dicit, nempe panem esse corpus eius, &c. & faciamus quod ipse iubet, nempe vt edamus & bibamus in ipsius commemorationem, &c. Non con
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tendo (Anno 1528.) de vocabulo Consecrationis. Scio melius dici Christi institutionem, quàm nostram consecrationem: atramen non contendo, vbi panis sit corpus Christi, ex Christi institutione: Dei consecratio est, Spiritus sancti consecratio est, Christi consecratio est, &c. Das ist / Christus sagt / das thut / Bey diesen Worten thun wir kecklich vnd getrost daß jenige / was Christus eingesetzt vnnd befohlen hat / wir setzen kein vertrawen auff vnser sagen oder anhauchen / wie diese Leute vns gantz vnbesonnen auffrücken / sondern auff diß Wort Christi (das thut) das ist / wir setzen vnser vertrawen auff die Einsatzung vnd Befehl Christi. Christus hat nicht gesagt / Nemet hin / vnd esset Brot / Nemet hin vnnd trincket Wein / Sondern / das thut / das ist / nemet hin / vnd esset meinen Leib. Also ordne ichs / also wil ichs haben / einen solchen Befehl gebe ich / etc. Ich sage vnd befehle nicht / daß jhr das Brot zu meinem Leibe machen sollet / sondern daß jr das Brot esset / wölches allbereit mein Leib ist / ich ordne vnd wil / dz jr meinen Leib essen sollet zum Gedechtnus meines Todes / etc. Wenn wir derhalben die Handlung / Wort vnnd Befehl Christi ansehen / so setzet / ordnet / vnd wil er so viel mit dieser seiner Einsatzung / dz wir / wenn wir zusam̅en kom̅en wollen / sein Brot essen sollen / von wölchem Brot er sagt / daß es sein Leib sey / etc. Es ist allhie der Leib vnd das Blut Christi / vmb seiner Einsatzung vnd Befehls willen / etc. Wir erholen vber dem Brot vnd Wein nit allein die Wort Christi (das ist mein Leib / das ist mein Blut) sondern wir erholen die gantze Einsatzung vnd Verordnung / als ein Priuilegium vnsers Fürsten / als eine Einsatzung vnnd Verordnung vnsers HERREN Jesu Christi / wölche biß ans ende der Welt bey den Christen bleiben wirdt. Denn wenn wir zusam̅en kom̅en / geschicht nicht der Meinung / daß wir hie gemein Brot essen / oder gemeinen Wein trincken / sondern das Brot / wölches Paulus das Brot des HERREN nennet.
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Diß Brot vnnd dieser Kelch war vorher ein gemein Brot(Anno 2528.) vnd ein gemeiner Kelch / vnd dasselbig also / daß ohne gefahr oder vnderscheid alle Menschen wirdige vnd vnwirdige / ja auch wol Hunde vnnd Sewe dauon essen möchten / wenn nur das verhütet wirdt / daß es nicht dem Schöpffer zur schmach vnd hohn geschehen möge. Wenn aber diß Brot vnd dieser Kelch zu Christi Einsatzung kompt / vnd die jenigen / so es niessen / zum Gedecht nus Christi essen vnnd trincken / Alßdenn ists nicht mehr ein gemein Brot / sondern des HERRN Brot / vnd nicht ein gemeiner Kelch / sondern des Herren Kelch / vnnd ist also des Herren Brot / vnd des Herren Kelch / nicht wie die Erde des Herren ist / vnnd jhr Herr / sondern auff sonderbare weise / daß / wer dis Brot vnnd diesen Kelch des Herren vnwirdig jsset vnnd trincket / jhm das Gerichte jsset / vnd schuldig wirdt an dem Leib vnd Blut des Herren. Wenn nun die Sacramentschwermer diß nicht verneinen / so wil ich sie alhie beileufftig gefragt haben / woher / durch wölch hauchen / durch wölche Wort / durch was Zauberey (wil anderer lösterungen geschweigen) doch das Brot vnd der Kelch / so sie zum Gedechtnus Christi außtheilen / so heilig werde / daß die jenigen / so es vnwirdig brauchen / jnen das Gericht nemmen / vnd schuldig werden an dem Leib vnnd Blut des Herrn? Wenn sie nun hie antworten / wie ich nicht zweiffel / daß die / so die besten vnder jhnen sein wollen / antworten werden / Es geschehe vmb Christi Einsatzung willen / sagen wir jhnen danck dafür. Frage Christi Einsatzung / wölche sagt / diß mein Brot ist mein Leib / dieser mein Kelch ist mein Blut / etc. Woher haben wir diß alles? Auß Christi Einsatzung / der hats also eingesetzt / verordnet vnd gewolt. Die Christen nem̅en solche Einsatzung an / vnd dancken jm dafür. Derhalben würde es thörlich gethan sein / wenn jemandt dise Wort der Einsatzung Christi außschliesse / vn̅ ist eine Sünde / wer denselbigen nit gleubet. Denn wo es ohne diese Wort were / was wolten wir denn im Brot vnd im Kelche suchen?
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(Anno 1528.) Diese Wort der heiligen Einsatzung Christi spricht der Diener vnserer Kirchen offentlich vber das Brot vnd vber den Kelch / so auff dem Altar sind / ohne alles anhauchen (wie man vns hönisch fürwürfft) denn er erkennet / daß hie lauter nichts durch seine Krafft / sondern alles durch die Krafft der Einsatzung vnd Verordnung Christi / verrichtet werde. Vnnd spricht darumb die Wort der Einsatzung / daß die / so zum Tisch des HERRN gehen wollen / erkennen / wie wir gegen diß Sacrament vns verhalten / vnnd was wir glauben sollen. Diese Einsatzung vnnd Verordnung Christi / so biß an der Welt ende bleiben wirdt / ist vns gnug zur Antwort wider die Sacramentierer / wölche schaffet / daß vns da zu essen vnd zu trincken fürgesetzet wirdt der Leib vnd das Blut Christi / fördert vnd heisset vns nicht / daß wir den Leib vnd das Blut Christi machen. Was vns allhie gegeben wirdt / das nemmen wir mit willigem frölichem Hertzen / vnd mit Dancksagung an vnd auff / vnnd vnderstehen vns nicht das jenige zu machen / dauon wir von Christo keinen. Befehl haben / vnd es derhalben auch nicht machen können. Denn er sagt / das ist mein Leib / das ist mein Blut / Er saget nicht / machet meinen Leib / machet mein Blut. Er wil nicht solche Leute haben / die seinen Leib vnnd Blut machen / sondern die es geniessen / das ist / Er wil / daß wir den Leib vnnd das Blut des HERRN essen vnd trincken zu seinem Gedechtnus / wölchen Leib vnnd wölches Blut Er durch seine Einsatzung vns hat geben wollen / vnd haben wirs nicht sollen machen. Weil nun Gott sich niemals seiner Ordnung vnd Einsatzung begeben / vnd allzeit war gewesen ist / was er gesagt hat / weil er auch allzeit gethan / was er in seinem Wort gewolt hat / warumb wirdt denn diese einige Einsatzung Christi so bößlich angezapfft / vnnd auff so vielfeltige weise zerrissen / vnnd (daß ichs mit eim Wort sage) warumb wirdt sie verleugnet / daß sie nicht das sein / vnd geben soll / was Christus eingesetzt vnd verordnet hat?
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Tropi oder verblümbte vmbwechselung der rede haben hie kein(Anno 1528.) raum noch statt / sonderlich wenn du die gantz Einsetzung Christi in acht nimbst / vnnd nicht stückweise jetzt diß / dann das erzwack est / vnnd nach deinem eigen dünckel durch einander wirffest / vnnd mitler weile den willen vnnd befehl deß / so es eingesetzt hat / hindan setzest. Wir wöllen alda essen den Leib deß HErrn / vnd sein Blut trincken / nicht nach einigem Menschlichem gutdüncken / auch nit nach vnserm fürwitz oder vermessenheit / sondern nach Christi ordnung vnd befehl / den wir für vnsern einigen Meister halten / denn der hat gesagt / das ist mein Leib / etc. Also ob wol sichtiglich durch die Hand deß Dieners / So empfahen wir doch vnsichtiglich auß der Hand Christi / durch die Krafft vnd Wirckung der Einsetzung / seinen Leib vnd sein Blut. Hat er nicht zugesagt / wo zween oder drey versamlet sind in meinem Namen / da bin ich mitten vnter jnen? derhalben ist er da / vnd gibt vns seinen Leib vnd sein Blut / vnd segenet also seine Einsetzung vnd die Warheit seines Worts. Du Gottloser Mensch / sagst lesterlich / woher wolt jhr den Leib vn̅ das Blut Christi nemen? Wer hat euch die Macht gegeben / daß jhr den Leib Christi machen können? (wil jetzt nichts sagen vom brötern Gott) Meinstu daß auff das stinckende anhauchen / oder auch beger vnd willen eines jeglichen / auch wol eines Hurers / Ehebrechers oder Wucherers / der HErr Christus auff vnd nider fahre / vnd den Sitz seiner Maiestet verlasse? Warumb lessestu verzweiffelter Gottslesterer dich einen Christen nennen / da du doch Christi Wort verlessest? Du wilt nicht sehen / was er eingesetzt hat / vnnd sihest allein darauff / was deiner Vernunfft vngereimpt vnd vnmüglich deucht / vnnd setzest also deine Vernunfft / Christi Wort zu wider / ich meine das sey wol vnd Christlich gehandelt.
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(Anno 1529.) Es ist allhie vermög der Wort der Einsetzung der ware Leib vnnd das ware Blut Christi / dauon der Glaub eines Christen nicht zweiffeln kan. Wie aber Christi Leib allhie seye / achte ich daß niemandt wissen könne / vnnd daß auch niemandt solchs zu wissen sich bemühen solle / sintemal solchs auß Christi Worten nicht verstanden / vnd vns auch zuuerstehen / nicht befohlen wird / wir sollen allein gleuben / was hie Christus sagt / vnd thun was er gebeut / vnd also ist auß vnnd durch Christi Einsetzung gnugsam geantwortet. Der diß Sacrament befohlen vnd eingesetzt / wirdt sich seiner Einsetzung nicht begeben / wenn wir nur allhie gleuben / daß er sagt / nemlich / daß das Brot sein Leib seye / vnnd thun was er gebeut / nemlich / daß wir essen vnd trincken zu seinem gedechtnüs / etc. Ich streite nicht vom Wörtlein der Consecration oder Segens / weiß wol / daß es besser vn̅ eigentlicher Christi Einsetzung / als vnser Segen genennet wirdt. Jedoch streite ich nicht / wenn das Brot auß vnnd durch Christi Einsetzung der Leib Christi wirdt / das ist ein Segen Gottes / es ist ein Segen deß heiligen Geistes / es ist ein Segen Christi / etc. (Anno 1529.)

Anno 1529.
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(Reichßtag zu Speyr.) Anno 1529. ist zu Speyr ein Reichßtag gehalten worden / vnd weil in demselbigen Abschied / allerley / auch in Religions sachen / so eines beschwerlichen vnnd bedencklichen ansehens mit versteckt / haben die Stende / welche in jhren Landen vnd Gebieten / Reformation in Religions sachen / Lehr vnnd Ceremonien belangend / angestalt vnd fürgenommen / offentlich dawider Protestieret / vnd eine Form jhrer Appellation / von dem decreto & mandato desselben Reichßtags / an den Keiser / zu einem allgemeinen / oder Teutscher Nation ordentlichen Concilio / außgehen lassen / vnd dieselbige Protestation ist am 19. Tage Apri
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lis offentlich in Schrifften vor den Reichßstenden gelesen / daher(Anno 1529.) der Name der Protestierenden Stende / auffkommen / vnnd(Protestierende Stende woher vn̅ wenn sie den Namen bekommen.) in allen Landen bekandt ist worden. Nun ist vnser fürnemen allhie nicht / dieselbige gantze Historien zuuerfassen / sondern wollen allein dabey bleiben / was den Sacramenthandel belanget. Denn weil in dem Abschied / dawider die Protestation gerichtet(Sacramentierer sollen im Reich nicht geduldet werden.) / vnter andern auch diese clausula stehet (Vnd sonderlich sol etlicher Lehre vnd Secten / souiel die dem hochwirdigen Sacrament deß waren Fronleichnams vnnd Bluts vnsers HErrn Ihesu Christi zugegen / bey den Stenden deß heiligen Reichs Teutscher Nation / nicht angenommen / noch hinfort zu predigen / gestattet oder zugelassen werden) so fassen die jetzigen Sacramentierer dasselbige / vnd vnterstehen sich solches in offentlichen Schrifften also zudeuten vnnd zuuerkehren / als hetten die Protestierenden Stende jhren Namen vnter andern auch dauon / vnnd daher / daß sie die Sacramentierische Lehr / in jhren Kirchen vnd Schulen / wolten vngestraffet / vnuerworffen / vnuerdampt(Sleidan. lib. 6.) / frey vnd vngehindert haben. Aber die Historia vermag außdrücklich / daß sie sich eben in der Protestation offentlich dahin vnnd darauff referirt vnnd gezogen haben / was in den nechsten jharen / ab anno 1525. in jhren Kirchen / eben wider die Sacramentierer / von der Gegenwertigkeit deß Leibs vnd Bluts Christi in seinem Abendmal / gelehret vnnd gestritten war. Weil aber Johannes Faber / Bischoff zu Wien / vnter gemelter(Iohan. Faber Episc. Vuienensis.) clausula deß Abschieds / das suchte vnnd practicierte / daß die Papisten / vnter dem schein / die Stende der reformierten Religion trennen / vnd / wenn sie wolten / vberziehen möchten / Vnd da jhnen frey eingereumet würde / daß sie die Zwinglianer vnuerhöret jhres gefallens / in die Acht thun vnd verfolgen möchten / so würden die Protestierende Stende eben damit den Papisten das Schwerdt wider sich selbst in die Hende geben. Also vnd
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(Anno 1529.) der meinung hat man gedachte clausulam von den Sacramentierern / in die gemeine Protestation / mit eingenommen / fürnemlich weil viel von den Stenden gute hoffnung hatten / es solten die Sacramentierer sich finden vnd gewin̅en lassen. Keines weges aber der meinung / als wolten sie damit die Zwinglische lehr entschüldigen oder rechtfertigen / vnnd derselbigen Secten dardurch fürschub oder förderung thun / wie offentliche gemeine Handlungen / etliche jhar nach einander / das klärlich außweisen / wie wir hören werden. Vnd hie wolle nun der Christliche Leser bedencken / wie erbar das gehandelt sey / daß die jetzigen Sacramentierer / die gemeine Handlungen der Protestierenden Stende / so fälschlich vnd gefehrlich / zu jhrem fürschub vnnd vortheil / dermassen / wie gesagt / dörffen anziehen. (Phil. Mel erklärt sich wider Oecolampadium.) Eben auff demselben Reichßtage / hat der Churfürst von Sachsen / Philippum Melanchthonem mit sich gegen Speyer genommen / vnd weil derselbige biß daher sich noch nicht offentlich erkleret hatte von dem Sacramentstreit / hat er eben von dannen auß eine Epistolam an Oecolampadium geschrieben / vnnd dieselbe bald Lateinisch vnd Teutsch drucken lassen. Denn Oecolampadius zuuorn (doch eben in demselbigen jhar / 1529.) an Philippum / vnter andern also geschrieben: Es wil Faber / daß man die Sacramentierer sol in die Acht thun vnd Proscribiren / vnd eben auff die weise zeigt er an / wie es jhm ein ernst sey vmb den reinen Glauben / vnnd wie er der Concordien vnd Einigkeit rathe / wenn er nemlich crassius, grösser von den Sacramenten redet vnd helt / denn sichs gebüret: vnnd damit bringet er zugleich viel Sycophanterey vnd verleumbdung herfür / als hielten wir / daß Christus bey vns were nur eine Figur vnnd gespenst / vnnd nicht warhafftiger Christus were / vnnd als were Christus ohnmechtig / vnd nicht Allmechtig. Item / als hette er nur einen einigen Winckelort eingenommen / vnnd were nicht vberall / vnnd
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trüge nicht alle ding durch sein krefftiges Wort. Ja eben also(Anno 1529.) muß es sein nach seiner Klugheit / daß / wenn wir vnderschiedlich / von den Naturen der einigen Person reden / so müssen wir darfür angesehen werden / als verleugnen wir die andere Natur / vnd wenn wir leugnen / daß die Gottheit in jhrer Natur gelitten habe / so müsse vns auffgetrungen werden / als leugnen wir auch / daß Christus Gott gelitten habe. Item / wenn wir bekennen / daß Christi leibliche Vmbschriebenheit vnnd quantitas, nicht an allen Orten sey / so müssen wir beschüldiget werden / als leugneten wir / daß Christus / der die menschliche Natur / so er einmal angenommen hat / nimmermehr verlesset / nicht an allen Orten vberall sey / noch in der Zal / da jhrer zween oder drey in seinem Namen versamlet sind / noch in der gleubigen Hertzen / etc. Auff diß des Oecolampadij schreiben / hat Philippus eine Antwort gestellet / darinn stehen die Wort / wölche wir hieher verzeichnen wollen. Denn darauß kan man eigentlich verstehen / worin zu der zeit status huius controuersiae gestanden / vnd daß der protestierende Stände Protestation / so zu Speir geschehen / keines wegs gemeinet / die Sacramentierische Lehr zu entschuldigen / viel weniger zuuerthedigen. Vnd sind diß Philippi Wort in Epistola ad Oecolampadium: Wenn mir ewere Meinung vom Abendmal des HERRN gefiele / so wolte ich schlechts mich dazu bekennen. Ihr streittet dauon / daß der Leib des abwesenden Christi / gleich wie in einer Tragoedj / oder in einem Spiel / werde repraesentieret / oder bezeichnet / Ich aber sehe / daß von Christo diese Verheissung verhanden ist: Sihe / ich bin bey euch biß zur Welt ende / vnnd dergleichen / da denn nicht nötig ist / daß man die Gottheit von der Menschheit diuelliere vnd absondere. Darumb so halte ich diß Sacrament / daß es ein Zeugnus sey der waren Gegenwart / vnd daß demnach in diesem(Was das Sacra ment des Altars sey.) Abendmal sey die Gemeinschafft des gegenwertigen Leibes /
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(Anno 1529.) Vnnd weil die Eigenschafft der Wort mit keinem Artickel des (Christi Einsatzung / ist wider kein Artickel des glaubens.) Glaubens streitet / so ist keine wichtige / gnugsame Vrsache da / warumb wir dauon solten abweichen / vnnd diese Lehr / von des Leibes Christi Gegenwart / stimmet mit andern Sprüchen heiliger (Christus ist nicht an eim gewissen ort des Himmels / daß er anderswa nicht sein künne.) Schrifft / so von der waren Gegenwertigkeit Christi bey vns / reden. Denn diß ist je ein Wahn / der den Christen übel anstehet / daß Christus also soll einen gewissen theil oder ort des Himmels haben eingenommen / daß er darin / gleichsam in einem Kercker versperret / sitzen müsse. Du heuffest wol viel vngereimte dinge / die auß dieser Lehr folgen sollen / vnnd bringest zusammen ettliche der alten Sprüche / die dir dienen sollen. Aber die absurda vnnd vngereimte ding / können niemandt ergern / der anders eingedenck ist / daß von Himlischen sachen / auß Gottes Wort / vnnd nicht auß der Geometria, zuurtheilen sey / vnnd der durch mancherley Anfechtung gelehrnet hat / daß gar keine weise noch weg mehr sey / wie / vnnd dardurch man das Gewissen gnugsam lehren vnnd vnderrichten kan / so bald man vom Wort Gottes abweichet. Das ist wol war / daß eine Vngleichheit ist (Alte Lehrer stimmen mit einander vberein / vom heiligen Abendmal.) in den Sprüchen der alten Lehrer / aber dennoch / so jemandt fürsichtiglich der fürnembsten Lehrer Sprüche eligiert vnnd ansihet / so wirdt er befinden / daß die meisten anzeigen / daß eben diese Lehr / der wir folgen / auch der alten Kirchen / so viel sie vns bekandt ist / Lehr vnnd Meinung gewest sey. Wiewol du / als ein beredter Mensch / etliche Sententz gar listiglich außlegest / vnnd auff deine sache mit Gewalt ziehen wilst. Die alten / wenn sie von (Aufferstehung vn sers Leibs wirdt versichert im Abendmal.) der Aufferstehung disputieren / beruffen sie sich auffs Abendmal / vnnd thun das / nach meinem Verstand / artig. Denn Christus hat den Aposteln angezeigt / daß er würde aufferstehen / sintemal er die Gemeinschafft seines Leibes hatte eingesetzt. Denn es war ja von nöten / daß der Leib / der vns solte mitgetheilet werden / lebete. So es aber die Alten darfür gehalten hetten / daß ein abwesender Leib solte alleine repręsentieret / oder bedeutet werden / wie
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wolten sie die Aufferstehung darauß bestettigen? Denn ob gleich(Anno 1529.) Christus nicht were aufferstanden / so hette dennoch der abwesende vnnd verwesende Leib können repręsentiert oder bedeutet werden / gleich wie in Fabeln einer des Hectoris Person oder Stell repręsentieret vnd verweset / etc. Ich sehe / daß ewre sache nur stehet auff behelff der geschwinden Köpffe / vnd daß jhr einen Anhang suchet vnnd habet / offentlich vnd heimlich / etc. du soltest aber bedencken(Der Sacramentierer Grund hat kein Grund.) / daß auch geschwinde Köpffe vnnd vernünfftige Leute bißweilen jrren können / vnd in geistlichen sachen ists fürnämlich gefährlich / so man sich auff eigene Vernunfft vnnd Geschwindigkeit verlesset: Du weist / daß geschrieben stehet: Es ist ein Grewel für Gott / was hoch ist vor dieser Welt / Vnd sind jhrer viel mehr / denn man meinet / die nur das in der Religion annemmen / was sie mit jhren ingenijs vnd Vernunfft außsinnen vnnd begreiffen können. Hactenus Philippus. In demselbigen jhar / weil alle argumenta, so Lutherus in(Der Sacramentierer wesen hindert den lauff des Euangeln.) den nechsten jharen wider die Sacramentierer geführet / kürtzlich in ein Buch waren zusammen gezogen / ist im Septembri dagegen ein Büchlein getruckt worden / des inhalts / daß für die Zwinglische Lehre nicht alleine / die einzeln wenig Wort (das ist mein Leib / das ist mein Blut) die Lutherus jmmer im Munde fürete / sondern wol drey Centner oder drey hundert argumenta weren / wölche in demselbigen Büchlein begriffen vnd erzelet. In demselbigen 1529. jhar / weil der Sacramentstreit den Lauff des heiligen Euangelij so mercklich hinderte / vnnd weil in der Protestation gedacht war / daß die Zwinglianer noch nicht verhöret / hat Landgraff Philippus zu Hessen / etc. außgeschrieben vnnd angestellet das Colloquium zu Marpurg. Wie viel aber(Marpurgisch Colloquium.) vnd groß bedencken / die Wittenbergischen Theologi darüber gehabt / in Betrachtung / daß es doch ohne Frucht würde abgehen / vnnd ettwa dardurch noch mehr vnruhe darauß kommen / zeugen ettliche schrifftliche Bedencken vnd Brieffe genugsam / so in
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(Anno 1529.) Fürstlichen Cantzeleyen verhanden / dauon wir vmb mehrers berichts willen / warhafftige Copeien hieher setzen wollen.

Philippi Melanthonis schrifftlich bedencken / ob es gut sey / daß D. Martinus sich mit Oecolampadio vnderrede des Sacraments halben.
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Ich hab für mein Person kein schewe / mit Oecolampadio vnnd seines gleichen / von dem Sacrament zu reden / derhalben ichs dem Landgraffen auch nicht abgeschlagen (Sacramentierer haben ein grossen schein vnd anhang ohne warheit.) / vnd wolte Gott / es möchte füglich geschehen. Denn dieser Handel ist nicht gering / vnd jhr fürgeben hat einen Schein / hat auch einen grossen Anhang / aller / so gelehrt geachtet im gantzen Teutschland / auß Vrsachen / die ich weiß / aber es fehlet jhnen an einem Stück / daß sie noch nicht wissen / wie schwer es ist / für Gott zustehen ohne Gottes Wort. Fürwitz vnd Freuel kan nicht (Zwingel taug nichts.) anders handeln / denn sie handeln. Mit Zwingel zuhandeln ist gantz vnfruchtbar / So ist auch bedacht / daß er nicht / sondern Oecolampadius soll gefordert werden / vnnd ob er schon gefordert / ist doch nicht zuhoffen / daß er kommen würde. Wenn nun die andern / so dem Zwingel zu lieb diesen Tantz tantzen / schon genugsam vnderricht haben / würden sie dennoch schew haben / sich mit vns zuuergleichen / vnd so man zusammen kommen solte / müsten nicht alleine sie vnnd die vnsern dabey sein / sondern auch ettliche von Papisten / gelehrte vnd vernünfftige Männer / die vnser beider bewegen anhörten / sonst würde es viel reden machen / die Lutherischen vnd Zwingler / zügen zuhauffen / conspirationes zumachen / etc. Auch würden die Zwingler / so niemandt / als vnparteyisch dabey gewesen / vielleicht desto mehr rhümen wollen. Derhalben habe ich dem Landgraffen angezeigt / daß / so man zusammen keme / not were / daß Leute dabey weren von
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Papistischen / als vnparteyische. Ich kenne etliche / die ich hoffe /(Anno 1529.) zubewegen weren / daß sie von jhrem jrrthumb abstünden / als nemlich Hedio vnnd Ambrosius Blarer / aber mit den andern würde es erger / vnnd möchte darnach mehr vnruhe darauß kommen / wie nach der Leipzischen Disputation geschehen. Item / Es ist nicht gut / das der N. N. viel mit den Zwinglern zuthun habe / er hat sonst mehr lust zu jhnen / als ich sorge / denn gut ist. Denn die sache ist dermassen / daß sie spitzige Leute / dafür ich den(Viel gelehrte Leu te sind Sacrame̅t schender.) N. N. auch halte / sehr anficht / vnnd fellet die Vernunfft leichtlich auff das / das sie begreifft / sonderlich wenn gelehrte Leute darzu stimmen / die der sachen auß der Schrifft eine gestalt machen / als denn viel gelehrte Leute jetzund dem Zwingel anhangen.(Philippus zeuget / daß die Sacramentierer falsch vnd vnrecht sind.) Aber mir ist diese sache also angelegen / vnnd habe mich / so viel müglich / darumb erkundet / vnd beruhe darauff / daß ichs mit den N. N. nicht halten wil mein lebenlang / vnd weiß / daß Zwingel vnd seine Gesellen / vnrecht vom Sacrament schreiben. Philippus Melanthon manu propria.

Philippi schreiben an Hertzog Johan Friderichen zu Sachsen deß Churfürsten Sohn / etc.
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Durchleuchtiger / Hochgeborner Fürst vnd Herr / E. F. G. sind meine vnterthenige schüldige dienst allezeit zuuor / etc. Gnediger Herr / E. F. G. wissen / wie mein G. H. der Landgraff begeret / daß sich D. Martinus mit Oecolampadio / vnd andern / vom Sacrament vnterrede. Nu gebüret vns in solchen grossen / wichtigen Sachen / ohne meines gnedigsten Herrn / vnd E. F. G. rhat vnd bewilligung nichts zuthun / wo E. F. G. bedechten / daß gut sein solte / daß solche vnterrede
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(Anno 1529.) würde fürgenommen / solte an vns kein mangel befunden werden / denn es muß doch ein mal zureden kommen. Ich habe aber E. F. G. mein thöricht bedencken zu Weimar zugestellet / das hierbey geleget / warumb die Vnterrede zwischen dem Martino / Oecolampadio / vnd andern / auff dißmal nicht fürzunemen sey. (Vnterredung mit den Sacramentierern ist vnfruchtbar. Sie bessern sich doch nicht.) Ich habe auch mit D. Martino daruon geredt / der besorget auch / es werde vnfruchtbar sein / so sie sich allerley vnterreden würden: zu dem sey keine besserung / bey den fürnembsten Widersachern zuhoffen. Ich weiß aber / wie diese Sache meinem gnedigen Herrn dem N. N. angelegen / vnnd besorge / wo S. F. G. hören würde / daß D. Martinus die vnterredung abermals abgeschlagen / daß S. F. G. nicht wenigs willens zu dem Cinglio gewinnen würde / vnnd habe nicht geringe Vrsache dieser meiner sorge. Derhalben bitte ich vntertheniglich / E. F. G. wollen bedencken / was hierinn zuthun sey. Ich sehe für gut an / daß mein gnedigster Herr / als weren S Churf. G. darumb angesuchet von mir / solches abschaffe / daß ich M. G. H. dem N. N. diese antwort zuschriebe / mein gnedigster Herr der Churfürst / wolte vns dißmal nicht erleuben / damit S. F. G. mit gelimpfflicher antwort gestillet würde. Ich bitte vntertheniglich / E. F. G. wollen die sache / die meines bedünckens nicht zuuerachten / bedencken / vnd mir gnediglich antworten lassen / daß ich M. G. H. dem N. N. wie ich billich sol / antworten möge. Gott beware E. F. G. durch seine Barmhertzigkeit ewiglich. Datum Wittenberg / Freytags nach Exaudi / Anno 1529. So ist auch dauon verhanden ein Schrifft Lutheri / an (Tomo 4. Ienensi. fol. 466. D. Luth. ad Landgrauium Hessiae, &c.) Landgraffen Philippum zu Hessen / die lautet also: Gnad vnnd Fried in Christo: Durchleuchtiger / Hochgeborner Fürst / gnediger Herr / ich habe E. F. G. Schrifft vnnd gnediges begeren / daß ich mich sol gehn Marpurg begeben / mit Oecolampad vnd den seinen / eine vnterrede zuhaben / deß zwiespalts halben vom Sacrament / ob Gott wolte Friede vnnd Einigkeit geben /
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vntertheniglich vernommen. Wiewol ich aber eine schlechte(Anno 1529.) hoffnung habe zu solchem Friede / so ist doch ja E. F. G. fleiß(D. Luther / ob er gleich weiß / daß alle vnterred mit den Sacramentierern vergebens ist / noch wil er der Oberkeit willfaren / vnd gern mit jnen conferiern / vnd alles thun / was zu Christlicher Einigkeit nötig vnd dieulich ist.) vnd sorge / hierin hoch vnd sehr zu loben / vnnd ich für mich willig bin / solchen verlornen / vnd vielleicht auch vns fehrlichen dienst / E. F. G. mit allem fleiß zubeweisen / vnd E. F. G. willen vnnd fürnemen nach / mich begeben wohin ich sol. Den̅ ich den Rhum mit Warheit dem widertheil nicht lassen wil (ob Gott wil) daß sie mehr zum Frieden vnnd Einigkeit geneiget weren / denn ich. Ich wil E. F. G. eben so mehr bey zeit dürre herauß sagen / was ich dencke. Aber da bitte ich für / G. F. vnd H. daß E. F. G. wolten gnediglich bedencken / oder auch erforschen / ob jenes theil auch geneigt were etwas zuweichen von jhrer meinung / damit endlich vbel nicht erger werde / vnd eben das widerspiel deß gerhate / das jetzt E. F. G. so hertzlich vnnd ernstlich suchet. Denn was hilffts / zusammen kommen vnd vnterreden / so beyder theil mit fürsatz kompt / nichts vberall zuweichen? Mich sihet die Sache an / als suchten sie durch E. F. G. fleiß ein stücklein / darauß(Heimlicher tück der Sacramentierer.) nichts guts folgen wil / nemlich / daß sie hernach wider vns rhümen möge̅ / wie kein fehl an jnen gewesen sey / hetten solchen grossen Fürsten beweget / vnd wolten also vns / durch E. F. G. Namen / als weren wir Feinde des Friedes vnnd der Warheit / sich auffs allerfeinste schmücken. Ich kenne den Teuffel wol / was er suchet / Gott gebe aber / daß ich hie nicht ein Prophet sey. Denn wo es nicht ein falscher tücke / sondern rechter ernst were bey jhnen / Friede zusuchen / dörfften sie solche prechtige weise / durch grosse mechtige Fürsten / nicht fürnemen / denn wir von Gottes Gnaden / so wild vnnd wüste nicht sind / sie hetten vns mit Schrifften jhren demütigen fleiß zum Friede / wie sie rhümen / wol lengest / vnd noch / können anbieten / Denn ich weiß das wol / daß ich jhnen schlecht nicht weichen werde / kan auch nicht / weil ich so gantz für mich gewiß bin / daß sie jrren / dazu sie selbs vngewiß sind jhrer meinung / denn ich all jhren
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(Anno 1529.) Grund in dieser sache gnugsam erfahren habe / so haben sie meinen Grund auch wol gesehen. Darumb ist meine vnterthenige bitte / E. F. G. wollen vmb Gottes willen helffen höchlich bedencken / obs mehr Frucht oder schaden bringen werde. Denn das ist gewiß / wo sie nicht weichen / so scheiden wir von einander ohne Frucht / vnd sind vergeblich zusammen kommen / vnd ist E. F. G. kost vnd mühe verloren / So werden sie denn nicht lassen können jhr rhümen / wie sie bißher gewohnet / vnnd vns mit ongelimpff beschweren / daß wir auffs newe gedrungen werden / vns zuuerantworten / so ists (Vbel erger / Et factum est.) denn erger worden / denn es jetzt ist / das wil vnd suchet der Sathan. Daß aber E. F. G. besorget / auß solcher vneinigkeit möchte Blutuer giessen folgen / weiß auch E. F. G. wa deß folgen würde (da Gott für sey) daß wir deß alles vnschüldig sein / vnd Gott wirdt vnser vnschuld wol an Tag bringen. Ob der Rottengeist Blutuergiessen anrichtet / so thut er nach seiner Art / wie er zuuor an Frantz von Sickingen / Carlstad vnd Müntzer / auch gethan hat / da wir dennoch von Gottes Gnaden vnschüldig / vnd der gegentheil schüldig blieben ist. Solchs habe ich E. F. G. zuerzeigen meinen bereitten willigen (wiewol gar kleiner Hoffnung) dienst / geschrieben. Denn E. F. G. zudienen / bin ich schüldig vnd willig. Christus aber vnser HErr zutrette den Sathan vnter seine / vnnd vnser aller Füsse / Amen / Amen. Gegeben zu Wittenberg den 23. Junij / Anno 1529. E. F. G. Williger. M. L. Wie aber dannoch dasselbige angestalte Marpurgische Colloquium endlich seinen fortgang gehabt / wenn es angangen / wer dabey gewesen / vnnd was da gehandelt / ist in offentli
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chem Truck Lateinisch vnd Teutsch außgangen / vnd angezeiget(Anno 1528.) worden. Denn Lutherus im Anfang des Colloquij baldt(Sacramentierer haben manigfeltig Irrthumb.) vermeldet / daß ettliche auß den Sacramentierern vil jrrige Lehr hetten / vn̅ rhümeten den Arrium / als der von der heiligen Dreifaltigkeit besser / denn andere alte rechtschaffene Lehrer / Augustinus vnnd andere / solten geschrieben haben / vnnd daß sie die beide Naturen in Christo so weit sonderten / daß sie auch auß der einigen Person Christi / zwo Personen machten. Item / daß jhrer ettliche leugneten / daß die Erbsünde vns verdamlich sey / vnnd daß die Tauffe nur ein Zeichen einer eusserlichen Conuersation vnnd Gemeinschafft sey / vnnd daß die Gerechtigkeit des Menschen / nicht alleine dem Glauben an Christum / sondern auch zum theil vnsern Kräfften / müste zugeschrieben werden / vnd dergleichen Puncten mehr. Vnnd ist zumal in diesem gantzen Colloquio(D. Lutherus bleibt stracks bey dem Mund vnd Wort Christi.) diß wol zu mercken / daß Lutherus stracks bey dem Wort Gottes geblieben / hindan gesetzt alle menschliche Vernunfft / natürliche weise / vnd Folgereien / wölches das Gegentheil nicht hat thun wollen / wie es denn auff den heutigen tag noch so gehet / vnd hat Lutherus derwegen zu jhnen offt gesaget: Ihr habet einen(Sacramentierische Geist ist nicht der H. Geist.) andern Geist / denn wir. Item / wir haben im Abendmal ein nützlich Fleisch / das vns keine andere Schrifft / keine Außlegung / keine menschliche Vernunfft nemmen kan / Habet aber jhr darinne ein Fleisch / das kein nütze ist / kan ich nicht dafür. Wir gründen vns auff Gottes Wott / das Wort aber saget / Erstlich / daß Christus einen waren Leib habe / das glaube ich / Darnach / daß eben dieser Leib sey gehn Himmel gefahren / vnd sitzet zur Rechten des Vatters / das glaube ich auch. So saget auch das Wort / daß dieser Leib vns im Abendmal werde zuessen gegeben / wölches ich auch glaube / Denn mein HERR Jesus Christus kan leichtlich das thun / was er wil / vnnd das ers thun wolle / hat er in seinen Worten bezeuget / darauff ich mich bestendiglich verlasse / biß so lang er selber durch sein Wort mir etwas anders sagen wirdt.
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(Anno 1528.) Es haben auch auff diese Lutheri Wort Zwingel vnd Oecolampadius (Zwingels vnnd Oecolampadij nichtige Schlußreden vnnd Folgereien.) / nichts mehr auß Gottes Wort antworten vnnd fürbringen können / sondern haben sich begeben auff Schlußreden vn̅ Folgereien der menschlichen Vernunfft / daß ein menschlicher Leib müsse an einem ort sein / etc. Weil aber Lutherus schlechts auffs Wort Gottes gedrungen / wölchem das Gegentheil nicht hat weichen wollen / ist das Colloquium ferners verblieben. (Philippus Melanthon beschreibet das Colloguium zu Marpurg.) Vnd weil Philippus Melanthon die summa des Colloquij gefasset / vnnd an Churfürsten Johannem zu Sachsen geschrieben / wollen wir dieselbige / wie sie vor dieser zeit getrucket / vmb mehr Richtigkeit vnd Gewißheit willen / hieher verzeichnen. Erstlich schaffet mein G. H. der L.G. daß sich D. Martinus allein mit Oecolampad / vnnd Philippus allein mit Zwingel vnderredet. Da wardt jhnen fürgehalten / daß wir sonst viel Artickel befünden in jhrer Lehr / die auch strefflich / dauon auch nun zureden / als nämlich. Daß Zwinglius geschrieben / daß keine Erbsünde sey / vnnd lehret / Sünde sey allein eusserliche böse Werck vnnd Thaten / vnnd meinet des Hertzen angeborne Vnreinigkeit vnnd Lüste. Item / daß wir von Natur Gott nicht fürchten / nicht glauben / sey nicht Sünde. Diß ist eine grosse Anzeigung / daß Zwinglius (Zwingel weiß nit viel von Christlicher Heiligkeit.) nicht viel von rechter Christlicher Heiligkeit wisse / dieweil er Sünde allein eusserliche Thaten setzet / wie die Pelagiani, alle Papisten vnd Philosophi. Zum andern / jrren sie schr vom Predigampt oder Wort / vnnd vom Brauch der Sacramenten. Denn sie lehren / daß der heilige Geist nit durchs Wort oder Sacrament gegeben werde / sondern werde ohne Wort vnd Sacrament gegeben. Also lehret auch Müntzer / vnnd fiel dadurch auff eigene Gedancken / wie denn folgen muß / wenn man den heiligen Geist ohne Wort vermeinet zuerlangen.
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Zum dritten / sind Reden erschollen von denen von Straßburg(Anno 1529.) / daß sie nicht recht halten von der heiligen Dreifeltigkeit / dauon wir auch jhre Meinung begerten zuwissen. Denn wir haben vernommen / daß ettliche vnder jhnen von der Gottheit reden / wie Jüden / als solte Christus nicht natürlicher Gott sein. Zum vierdten / reden sie vnd schreiben vngeschicklich dauon / wie der Mensch für Gott gerecht geschetzt werde / vnd treiben die Lehr vom Glauben nicht gnugsam / sondern reden also dauon / als weren die Werck / so dem Glauben folgen / dieselbige Gerechtigkeit / auch thun sie bösen Bericht / wie man zum Glauben komme. Nun haben sie vnderricht in diesem Artickel von vns dazumal(Zwingel vnd Oecolampad werden in den fürnembsten Häuptstücken Christlicher Lehre / von D. Luthero vnnd Philippo allererst recht vnderwiesen.) / so viel in der eil geschehen mögen / empfangen / je mehr sie dauon höreten / je baß es jhnen gefiel / Vnnd sind in allen diesen Stücken gewichen / wiewol sie vor öffentlich anderß geschrieben. Deß andern tages / in der öffentlichen Vnderredung / dabey mein G. H. der Landgraff gewesen / zeigte D. Martinus erstlich an / daß not were von den obgeschriebenen Artickeln zureden / doch ist die sache des Sacraments allein fürgenommen / vnd Zwingel vnd Oecolampad auff diesen dreien Argumenten allein gestanden. Johan. 6. lehret Christus seinen Leib geistlich essen / darumb(1.) umb soll im Sacrament allein geistlich essen verstanden werden. (Argument der Sacramentierer.) Ein Leib möge nicht an vielen orten sein / Dieweil nu Christus einen waren Leib habe / vnd sey im Him̅el / so könne er nicht(2.) zugleich im Sacrament sein. Hat hierunder viel vngeschickter Reden lassen fallen: Gott gebe vns nicht so vnbegreifflich ding für. Eusserliche Niessung / eusserlich ding / sey nicht nütze / etc. vnd viel dergleichen. Oecolampad lase viel gemeiner Sprüche auß Augustino /(3.) daß Sacrament / Zeichen sein / die etwas bedeuten / wie Schlange in der Wüsten etwas bedeutet.
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(Anno 1529.) Diß sind jhre Gründe gewesen / darauff Oecolampad offt gesagt / Ich meinete ja es were gnug / wenn man allein bey der geistlichen Niessung blibe / etc. (Antwort auff jre Argumenta. Johan 6.) D. Martinus hat diese argumenta verlegt / vnd sind zween tage damit zugebracht. Auff das erste / Johannis am sechsten / ist geantwortet / daß dasselbige Capitel / der Einsatzung des Sacraments nicht entgegen sey. Denn wiewol Christus da allein von geistlicher Niessung seines Leibes lehret / nämlich / vom Glauben / so ists doch allhie eingesetzt / auch leiblich zuessen / vnnd wirdt damit dem geistlichen essen nichts abgebrochen noch gehindert / sondern wir lehren / daß auch solch geistlich essen im Sacrament sein soll / Also ist / laut der Wort / Hoc est corpus meum, die eusserliche Niessung eingesetzt / ob sie schon Johan. am 6. nicht eingesetzt ist. (Das Fleisch ist nicht nütze.) Die Widerpart vermeint sich sehr zubehelffen mit diesem Spruch / Das Fleisch ist nicht nütze. Als solte Christi Fleisch im Sacrament nicht nütze sein. Darauff wardt geantwortet / daß dieser Spruch nicht solte von Christi Fleisch verstanden werden. Denn Christus saget droben: Sein Fleisch bringe Leben / sondern soll verstanden werden von vnserm fleischlichem Wesen vnd Gedancken / etc. Vnnd ob mans schon von Christi Fleisch wolte verstehen / möchte man nicht mehr darauß erzwingen / denn daß Christi Fleisch ohne Glauben genossen / nicht nütze sey / Denn diß muß man ja bekennen / daß Christus Fleisch nicht vnnütze sey / sonderlich denen / so da glauben. Auff das ander wardt geantwortet / daß Vernunfft nicht solte Gottes Macht vnd Heimligkeit richten / ob ein Leib möchte an vielen orten sein / oder nicht. Aber auff diesem Argument stehen sie sehr fest / ziehen viel Sprüche an / die zu dieser Sache nicht dienen / Daß Christus
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einen waren Leib habe / Daß Christus vns gleich sey / Daß ein(Anno 1529.) Leib müsse ein stadt haben / etc. Auff das alles ward geantwortet / vnd offt repetieret / daß vnser Vernunfft dauon nicht richten solte / Denn Gott kan wol einen Leib ohne stadt erhalten / wie die gantze Welt aussen keine Stadt hat. Die widerpart pochet sehr / es were ein groß Mirackel / vnnd wie solche Mirackel durch böse Priester auch geschehen möchten / etc. Darauff geantwortet / daß man in Emptern der Kirchen / in(Der Priester wir digkeit vnd vnwir digkeit / gibt vnnd nimpt nichts dem befehl vnd ordnug Gottes.) keinem wege der Priester Wirdigkeit ansehen solt / sondern Gottes befehl / kein Engel / kein Heiliger möchte nützlich predigen / oder Sacrament reichen / so es nicht Gottes Befehl were / wie Panlus schreibet: Er sey nicht tüchtig von sich selbst. Vnd das ist ein sonder Irrthumb vnnd Ketzerey der Donatisten gewesen / vnd jetzund der Anabaptisten / daß niemandt Sacrament reichen möge / er sey denn heilig. Nach dieser solution haben sie diß stück fallen lassen. Auff das dritte / Daß Augustinus offt spricht: Sacramenta(Satramenta sind Zeichen.) sind Zeichen / die etwas bedeuten / ward geredt / daß war ist / alle Sacramenta bedeuten die verheissung / so an dasselbige Werck gehenget ist. Also das Nachtmal bedeutet / daß durch den Todt Christi / für vnsere Sünde gnug geschehen / vnd vns vergebung der Sünden zugesaget / Dennoch folget nicht / daß Christi Leib nicht da sey. Diß ist die summa gewesen der gantzen Disputation. Dieweil aber Osiander vnnd Brentius nicht gehöret / haben wir eine Schrifft an meinen gnedigen Herrn den Landgraffen zu letzt gestellet / darin̅en viel Sprüche der Alten angezeiget. Denn die widerpart berhümet sich offt der Väter: Darumb / damit mein gnediger Herr der Landgraff gewisse vnnd klare Sprüche auß den Vätern hette / sind klare Sprüche erzehlet worden / darinnen angezeiget / daß die Alten vnserer meinung gewesen.
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(Anno 1529.) Vnd zum beschluß der Sachen / haben Zwingel vnd Oecolampadius (Die Sacramentierer werden als Brüder nicht erkandt noch angenommen.) sehr begeret / daß wir sie als Brüder annemen möchten / solchs haben wir in keinem wegen willigen wollen / haben sie auch hart darumb angeredet / daß vns wunder neme / mit welchem Gewissen sie vns für Brüder halten wollen / wenn sie meineten daß wir jrreten. Denn wie wolten sie leiden / daß bey jhnen vnser meinung gelehret / gehalten vnnd geprediget würde / neben jhrer Lehre? Nun möchte solches zugelassen werden / wenn wir einander nicht excommunicierten. (Zwingel vnd Oecolampad nemen D. Lutheri lehr vnd vnterweisung durchauß an vnd können nichts dawider auffbringen / allein / daß sie vom Abendmal dem Wort Christi nicht wollen glauben.) Daß aber die handelung nicht vnfruchtbarlich were / sind doch Artickel von andern Sachen gestellet / weiter jrrthumb zuuerhüten / so viel müglich. Denn wir haben befunden / daß von denen Artickeln / so droben gesetzt / vngeschicklich geredt worden. Also haben sie jhnen vnser meinung in allen stücken gefallen lassen / außgeschlossen diesen einigen Punct / von der Gegenwertigkeit deß Leibes Christi im Nachtmal. Wir halten auch / so dieselbige Sache nicht zu weit geführet / sie solte niemals nicht fürgenommen werden / ist auch zuhoffen / so man geschickte wege fürneme / mit jnen zuhandeln / sie würden die Sache fallen lassen. Sie haben auch sonst gar nicht vnfreundlich sich gegen vns erzeiget. Wir befinden aber / daß sie der Lehr / so D. Martinus lehret / nicht gnugsam bericht / wiewol sie die Wort nachreden.

Hactenus Philippus.
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Gleicher weise hat Philippus an Hertzog Heinrichen zu Sachsen / auch einen kurtzen bericht / wie derselbe Tomo quarto Ienensi, fol. 467. zubefinden / gethan / den wir auch hieher setzen wollen. Der Durchleuchtige Hochgeborne Fürst / mein gnediger Herr der Landgraff zu Hessen / hat die nachgeschriebenen ge
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fordert auff Michaelis / Anno 1529. zu Marpurg zuerscheinen(Anno 1529.) / sich mit einander zu vnterreden / vom heiligen Sacrament des Leibs vnd Bluts vnsers HErrn Jesu Christi. Vnd sind zu Marpurg erstlich einkommen / Oecolampadius / Zwinglius / Bucerus vnd Hedio. Darnach D. Luther / Justus Jonas / Philippus Melanthon. Zu letzt auch Andreas Osiander von Nürnberg / Johan Brentius von Hall / Stephanus Agricola von Augspurg. Als D. Martin Luther kom̅en / hat mein gnediger Herr der Landgraff erstlich befohlen / daß sich Doctor Luther mit dem Oecolampadio allein / vnnd Zwinglius mit dem Philippo auch allein vnterreden solten. Diesem Befehl nach haben diese mit einander gehandelt. D. Luther hat Oecolampadio fürgehalten viel Artickel / dauon er etliche zum theil vnrecht geschrieben / zum theil beschwerliche reden erschollen / daß mehr vnd grösser jrrthumb zubesorgen. Von solchen Artickeln hat Philippus Melanthon mit Zwingel gehandelt. Vnd sind nemlich diese gewesen. Zwingel hatte vnrecht geschrieben de peccato originali,(Vieljrrthumb der Sacramentierer.) Daß Erbsünde nicht solte Sünde sein. Daß auch die Tauffe nicht dazu dienet / daß dadurch die Erbsünde den Kindern vergeben werde. Item / vom heiligen Sacrament deß Leibes vnd Bluts vnsers HErrn Jesu Christi / hette er vnrecht geschrieben / daß Leib vnd Blut nicht warhafftig im Sacrament sein. Item / de vsu verbi & sacramentorum lehren sie nicht / daß Wort vnnd Sacrament instituiert / Daß dadurch der heilige Geist gegeben werde / derhalben ministerium verbi & sacramentorum in Ecclesia leichtlich fallen möchte. Item / man sagt / daß sich etliche bey jhnen hören lassen / als halten sie nicht recht von der Gottheit Christi.
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(Anno 1529.) Darauff Zwingel geantwortet / Erstlich / von der Gottheit Christi / daß er allezeit gehalten vnnd noch halte / daß Christus warhafftiger Gott vnnd Mensch sey. Item / daß er auch sonst halte de Trinitate, wie Synodus Nicena gelehret / Es gehe jhn aber nichts an / daß etliche droben im Lande gewesen / von denen vngeschickliche Reden gehöret / Zeiget auch an / daß Hetzer ein (Hetzer ein Ketzer vnd Widerteuffer.) Widerteuffer / der zu Costnitz gericht / contra diuinitatem Christi ein Buch geschrieben habe / welches er (Zwingel) verhalten / daß es nicht ans Liecht kommen. Von den andern Artickeln / nemlich / von der Erbsünde. Item / daß der heilige Geist / durchs Wort vnnd Sacrament nicht gegeben werde / ist viel disputieret worden / wie viel daran gelegen / vnnd ist Zwingel hierinn gerne von seinen Schrifften gefallen. Darnach ward geredt vom Artickel deß Sacraments. Was aber Zwingel vnd Oecolampad fürwendeten / zum schutz jhrer Lehr / hat man in der öffentlichen vnterrede gehöret. Denn dieweil man von diesem Artickel nicht gar einig worden / wolte mein Gnediger Herr / daß man ein mal dauon handelte. Bey solcher vnterrede wolte sein F. G. selbst sein / vnd etliche von den Rhäten zu sich ziehen. (Sacramentierer wissen nicht viel vom Euangelio.) Als nun die öffentliche vnterrede ward angefangen / zeiget Luther an / daß die noth erforderte / von der gantzen summa Christlicher Lehr mit jhnen zureden. Denn man finde in Zwingels Schrifften viel jrrthumb / so hetten sie auch wenig de iustificatione gelehret / daß zubesorgen / daß sie nicht viel vom Euangelio wissen. Zum andern protestiert Luther / daß er wüste / daß er vom Sacrament recht geschrieben / wolte auch dabey bleiben / So aber Oecolampad vnnd Zwingel vermeineten etwas auffzubringen wider die Warheit / das wolte er anhören vnnd verlegen.
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Dawider redet Zwingel / Man were nicht zusammen kommen(Anno 1529.) / von andern Artickeln zureden / sondern allein vom Sacrament / doch / so man dauon einig würde / wolte er auch von andern sachen reden. Also wardt der Artickel vom Sacrament allein fürgenom̅en / vnd wurden fürnämlich drey Argument gehandelt. Das erste / Johan. 6. habe Christus gesprochen / Das Fleisch(Johan. 6.) sey nit nütze / darumb soll man nit im Sacranent verstehen / dz da Fleisch sey / dann fleischlich Niessung sey nit nütze. Das verlegt Luther also / daß diese Wort: Caro non prodest quicquam,(Das Fleisch sey kein nütz / wie es soll verstanden werden.) sollen nicht von seinem Fleisch verstanden werden / denn er hat zuuor gesprochen / sein Fleisch bringe das Leben / sondern vom Fleisch / da nicht Geist bey ist / Darumb setzet Christus darzu: Spiritus est qui viuificat, vnnd wil sagen / vnser Fleisch sey kein nütze / verstehe Gottes Werck nicht / Es were ja eine schreckliche Rede / daß Christus Fleisch kein nütze sein solt. Vnd ob man schon das zuliesse / daß Christus von seinem Fleisch geredet / Caro non prodest quicquam, möcht doch Zwingel seine Meinung vom Sacrament nicht darauß erzwingen. Denn diese Wort sagen nicht / daß Christi Leib im Sacrament nicht sey / sondern so man schon zuliesse / daß sie von Christi Fleisch zuuerstehen / mögen dahin gedeutet werden / daß Christi Fleisch nicht nütze sey / denen / so nicht glauben / wie auch diese Wort Augustinus außleget. Denn Christus wil / daß Fleisch ohne Geist nicht nütze sey / Darumb er denn dazu setzet / Spiritus est, qui viuificat. Das andere Argument war Vernunfft: Ein Leib möge nicht an vielen örtern sein / Nu sey Christus Leilb im Himmel / etc. Von diesem Argument war ein sehr langer Zanck. Lutherus sagte / natürliche Vernunfft solte nit / könne auch nicht / die Allmächtigkeit Gottes richten. Zwingel sagt / Gott gebe vns nicht solche vnbegreiffliche ding für. Solche vngeschickte Reden
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(Anno 1529.) entpfielen jhm / so doch die Christliche Lehr viel vnbegreifflicher höher Artickel hatte / als: Daß Gott Mensch worden / Daß dieselbige Person / Christus / so warer Gott ist / gestorben. Zwingel saget auch / wie solche grosse Werck / durch böse Priester geschehen möchten / daß Christus Leib dahin gebracht würde? Darauff Luther geantwort / vnnd einen klaren Bericht gethan / daß solches geschehe / nicht auß des Priesters Verdienst / sondern auß Christus Ordnung / dieweil solches Christus befohlen / so geschehe es. Also soll auch gehalten werden von Krafft des Worts vnd aller Sacrament / daß sie kräfftig sind / vnd wircken / nicht auß Verdienst oder Heiligkeit des Priesters oder Predigers / sondern auß Krafft Göttlicher Ordnung vnnd Göttliches (Donatistarum & Cinglij error.) Befehls. Es sey auch error Donatistarum, daß die Sacramenta nicht kräfftig sind / so von bösen Priestern gehandelt werden. Auff diesen guten Bericht Luthers repliciert Zwingel nicht. Das dritte Argument triebe Oecolampadius / Sacramenta sind Zeichen / darumb soll man verstehen / daß sie etwas bedeuten: Derhalben soll auch hie verstanden werden / daß der Leib Christi allein bedeutet werde / vnnd nicht da sey. Auff solch Argument ward geantwortet / daß es war sey / daß die Sacramenta Zeichen sein / aber wir sollen sie nicht anders deuten / denn wie sie Christus hat gedeutet. Item / daß Sacramenta Zeichen sind / soll verstanden werden fürnämlich / daß sie die angehangenen promissiones bedeuten. Also bedeutet die Beschneidung fürnämlich das Wort / das Gott daran henget / er wolte gnedig sein. Vnnd so einer eine andere Deutung suchen wolte / als daß Beschneidung bedeutet Casteiung des Leibes / were es ein vnnütze Deutung / so er die andere Deutung der Promission / wölche die fürnembste ist / nicht achtet. Darumb solte man in Deutung nicht freuentlich handeln / sondern sehen / wie sich Gottes Wort selber deutet.
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Zu letzt wurden viel Sprüche auß den Vättern gelesen /(Anno 1529.) dadurch Zwingel vnnd Oecolampadius vermeineten jhre sache zuerhalten. Es waren aber wettleufftige Sprüche / deren etliche gar nicht vom Sacrament geredt waren / als / Daß ein Leib einen Raum muß haben. Item / daß Christus einen waren Leib habe. Dagegen wurden meinem gnedigen Herrn / dem Landgraffen / viel klärer Sprüche auß den Vättern schrifftlich zugestellet / die da lehren / daß der ware Leib vnnd Blut Christi / im Abendmal sind. Das ist die summa der gehaltenen Vnderredung / kürtzlich verfasset / vnd bestunde also D. Luther auff seiner Meinung / daß warer Leib vnd Blut Christi im Abendmal sey: Die Widerpart wolte nicht von jhrem gefasten Glauben weichen. Begerten aber D. Luther solte sie annemen als Brüder. Solches hat D. Luther in keinem wege wollen willigen / hat(D Luther vberweiset die Sacramentierer / daß sie jhrer Lehre selbst vngewiß sein.) sie auch hart angeredet / daß jhn sehr wunder nemme / wie sie jhn für einen Bruder halten köndten / so sie anders jhre Lehr für recht halten / es sey ein Zeichen / daß sie jhrer sach nicht sehr groß achten. Doch zuuerhüten weiter Irrthumb vnd Vneinigkeit / ist bedacht worden / daß etliche Artickel gestellet würden / wölche durch den Truck außgangen / in denselbigen haben Zwinglius vnnd Oecolampadius gerne in allen Stücken Luthers Meinung gefolget / allein vom Sacrament haben sie nicht folgen wollen / denn die sache ist zuweit geführet. Es ist aber Hoffnung / daß sie es fallen lassen / so ein Potentat gute Wege hierinn fürnemme / Gott gebe seine Gnade.
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(Anno 1529.)

Dieser nachgeschriebenen Artickeln (Artickel zu Marpurg gestellet.) haben sich die zu Marpurg versamlete verglichen / den 3. Octobris / Anno 1529.
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(1. Ein Gott in dreien Personen.) Zum ersten / daß wir beiderseits eintrechtiglich glauben vnnd halten / daß ein einiger / rechter natürlicher Gott sey / Schöpffer aller Creaturen / vnnd derselbige Gott einig im Wesen vnd Natur / vnnd dreifaltig in Personen / nämlich / Vatter / Sohn / heiliger Geist / allermassen wie im Concilio Niceno beschlossen / vnnd im Symbolo Niceno gesungen vnnd gelesen wirdt / bey der gantzen Christlichen Kirchen in der Welt. (2. Gott der Sohn ist Mensch worden.) Zum andern / glauben wir / daß nicht der Vatter noch heiliger Geist / sondern der Sohn Gottes / des Vatters natürlicher Sohn / sey Mensch worden / durch Wirckung des heiligen Geistes / ohne zuthun Männliches Samens / geboren von der reinen Jungfrawen Maria leiblich / vollkommen / mit Leib vnnd Seel / wie ein ander Mensch / ohn alle Sünde. (3. Christus Gottes vnd Marie Sohn ist gestor. ben / vnd sitzt nu in Göttlicher Allmacht etc.) Zum dritten / daß derselbige Gottes vnnd Marien Sohn / vnzertrente Person Jesus Christus / sey für vns gestorben / gecreutziget vnnd begraben / aufferstanden von den todten / auffgefahren gen Him̅el / sitzend zur Rechten Hand Gottes / HERR vber alle Creaturen / zukünfftig zu richten die lebendigen vnd die todten. (4. Erbsünde verdammet alle menschen.) Zum vierdten / glauben wir / daß die Erbsünde sey vns von Adam angeborn vnd geerbet / vnd sey eine solche Sünde / daß sie alle Menschen verdammet / vnd wo Jesus Christus vns nicht zu hülff kommen were mit seinem Todt vnnd Leben / so hetten wir ewiglich daran sterben müssen / vnd nicht zu Gottes Reich vnnd Seligkeit kommen mögen.
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Zum fünfften / gleuben wir / daß wir von solcher Sünde /(Anno 1529.) vnd allen andern Sünden / sampt dem ewigen Tod / erlöset werden(5 Erlösung durch Christum allein.) / so wir an solchen Gottes Sohn Jesum Christum / für vns gestorben / gleuben / vnnd ausser solchem Glauben / durch keinerley Werck / Stand oder Orden / etc. loß mögen werden von einigen Sünden / etc. Zum sechsten / daß solcher Glaub sey ein Gabe Gottes / die(6. Glaube ist Gottes Gabe.) wir mit keinen vorgehenden wercken oder verdienst erwerben / noch auß eigner Krafft mögen vberkommen / sondern der heilige Geist gibt vnnd schaffet wie er wil denselben in vnsere Hertzen / wenn wir das Euangelium oder Wort Christi hören. Zum siebenden / daß solcher Gla ube sey vnsere Gerechtigkeit(7. Gerechtigkeit des glaubens für Gott.) für Gott / als vmb welches willen vns Gott gerecht / from vnd heilig rechnet vnd helt / ohn alle Werck vnd Verdienst / vnd dadurch von Sünden / Todt / Helle / hilfft / zu gnaden annimpt vnnd selig macht / vmb seines Sohns willen / an welchen wir also gleuben / vnd dadurch seines Sohns Gerechtigkeit / lebens / vnnd aller Güter / geniessen vnnd theilhafftig werden / Darumb alle Klosterleben vnd Gelübde / als zur Seligkeit nütze / alle verdampt sind.

Von dem eusserlichen Wort.
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Zum achten / daß der heilige Geist / ordentlich zu reden /(8 Mündlich Wort vnd Predigt.) niemandt solchen Glauben oder seine Gaben gibt / ohne vorgehende Predigt oder mündlich Wort oder Euangelio Christi / sondern durch vnd mit solchem mündlichem Wort wircket vnnd schaffet er den Glauben / wie vnd in welchen er wil / Rom. 10. etc.

Von der Tauffe.
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Zum neundten / daß die heilige Tauff sey ein Sacrament /(9. Tauffe ein Bad der Widergeburt / vnd Werck Gottes / etc.) das zu solchem Glauben von Gott eingesetzt. Vnd weil Gottes
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(Anno 1526.) Gebot: Ite, baptisate, vnd Gottes verheissung: Qui crediderit, darinn ist / so ist es nicht allein ein ledig zeichen oder losung vnter den Christen / sondern ein Zeichen vnd Werck Gottes / darinn vnser Glaube gefodert / durch welchen wir wider geboren werden. (10. Gute Werck sind Früchte deß Glaubens.) Zum zehenden / daß solcher Glaube / durch wirckung deß heiligen Geistes / hernach / so wir gerecht vnnd heilig dadurch gerechnet vnd worden sind / gute Werck durch vns übet / nemlich / die Liebe gegen dem Nechsten / beten zu Gott / vnd leiden alle verfolgung.

Von der Beichte.
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(11. Beicht / vnd Ab solution.) Zum eilfften / Daß die Beichte oder Rhatsuchung bey seinem Pfarrhern oder Nechsten / wol vngezwungen vnnd frey sein sol / aber doch fast nützlich den betrübten / angefochtenen / vnd mit Sünden beladenen / oder in jrrthumb gefallenen Gewissen / allermeist vmb der Absolution oder tröstung willen deß Euangelij / welchs die rechte Absolution ist.

Von der Obrigkeit.
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(12. Obrigkeit stand ist von Gott.) Zum zwölfften / daß alle Obrigkeit vnd Weltliche Gesetze / Gerichte vnd Ordnunge / wo sie sind / ein rechter guter stand sey / vnnd nicht verboten / wie etliche Bäpstliche vnnd Widerteuffer lehren vnnd halten / sondern / daß ein Christi / so dazu beruffen / oder geborn / wol kan durch den Glauben Christi selig werden / gleich wie Vater vnd Mutterstand / Herren vnd Frawenstand. (13. Menschliche satzunge sind frey / wo sie nicht wider Gottes Wort sind.) Zum dreyzehenden / daß man heisset Tradition / Menschliche ordnung in Geistlichen oder Kirchen geschefften / wo sie nicht öffentlich wider Gottes Wort streben / mag man frey halten / oder lassen / darnach die Leute sein / mit denen wir vmbgehen / in allen wegen onnötige ergernüs zuuerhüten / Frieden zu dienste / Daß auch die Lehr / so Pfaffenehe verbeut / Teuffels lehre sey.
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Vom Sacrament deß Leibs vnd(Anno 1529.) Bluts Christi.
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Zum vierzehenden / gleuben wir vnd halten alle vom Abendmal(14. Beyde gestalt im Sacrament deß Leibs vnd Bluts Christi.) vnsers lieben HErrn Jesu Christi / daß man beyde Gestalt / nach der Einsetzung / brauchen sol. Daß auch die Messe nicht ein Werck ist / damit einer dem andern / Todt vn̅ Lebendig / gnade erlanget. Daß auch das Sacrament deß Altars / sey ein Sacrament deß waren Leibs vnnd Bluts / auch einem jeglichen Christen fürnemlich von nöten. Deßgleichen den Brauch deß Sacraments / wie das Wort von Gott dem Allmechtigen gegeben vnd geordnet sey / damit die schwachen Gewissen zum Glauben vnd Liebe zubewegen / durch den heiligen Geist. Vnnd wiewol aber wir vns (ob der ware Leib vnnd Blut Christi leiblich im Brot vnnd Wein sey) diese zeit nicht verglichen haben / so sol doch ein theil gegen dem andern Christliche Lieb / so fern jedes Gewissen jmmermehr leiden kan / erzeigen / vnd beyde theil Gott den Allmechtigen fleissig bitten / daß er vns durch seinen Geist in dem rechten verstand bestettigen wölle / Amen. Nach summarischer erzelung deß Marpurgischen Colloquij, ist auch diß wol zumercken / daß Zwinglius vnter andern Argumenten vnd fürwerffung auch diß / welches heutiges Tages die Widersacher sehr treiben / geführet / vnd zu Luthero gesagt hat: Cur vos in coenae verbis tropum admittere non vultis, &c. Warumb wollet jhr nicht ein Figur / Bedeutung oder tropum in den Worten deß Nachtmals nachgeben / so jhr doch die Figur Synechdochen zulassen müsset? Darauff Lutherus(Synechdoche.) geantwortet / daß diese Figur nicht allein in heiliger Schrifft / sondern auch in einer jeder Sprach / so ganghafftig sey / daß man jhrer auch in täglichem Brauch / nach gemeiner gewönlicher Art zureden / nicht entperen könne / wenn nemlich das continens, so etwas anders begreiffet oder in sich hat / gebraucht wirdt für
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(Anno 1529.) das / so darinn begriffen wirdt / pro contento, & contrà. Als wenn ein Herr zum Knecht saget / Bringe mir mein Schwerdt her / da er ja zugleich auch die Scheiden meinet / ob er schon nicht außdrücklich mit Worten die meldet. Vnnd also wirdt diese Figur im Sacrament zugelassen / wenn man es bißweilen das (Sacramentierer bringen ein geschrey auß / als haben sie vberwunden.) Brot nennet / da doch nichts desto weniger der gegenwertige Leib angezeiget wirdt / etc. Nach gehaltenem Colloquio / ist bald von dem gegentheil ein geschrey außgesprenget worden / als hetten sie gewon̅en spiel / (D. Lutherus ad D. lacobum Prouestum.) vnd das Krentzlein erlanget. Derwegen denn Lntherus an Jacob Probst / diener deß heiligen Euangelij zu Bremen also geschrieben: Daß die Sacramentierer rhümen / daß ich zu Marpurg (Sacramentierer sind die Lügen selbst / vnd widerruffen jhren wider ruff.) vberwunden sey / thun sie jhrer Art nach. Denn sie sein nicht allein Lügner / sonder die Lügen selbst / voller list vnnd heuchelerischem Betrug / wie Carlstad vnnd Zwingel mit jhren Worten vnd mit der that selbst darthun vnd bezeugen. Ihr sehet aber / daß sie zu Marpurg in den gestelten Artickeln widerruffen haben / was sie von der Tauffe vnnd brauche der Sacramenten / auch vom eusserlichen Wort oder Predigampt / vnd von andern dingen / bißher in jhren öffentlichen gedruckten Büchern / schedlicher / gifftiger weise gelehret haben. Wir widerruffen gar nichts. Aber da sie auch im Artickel vom Abendmal deß HErren vberwunden waren / haben sie jhn nicht wollen widerruffen / ob sie schon sahen / daß sie nicht bestehen kundten / dann sie fürchteten sich für jhrem eigenen Pöbel / zu welchem sie nicht hetten dürffen wider heim kommen / so sie widerruffen hetten. Vnd wie / oder warumb solten sie nicht vberwunden oder geschlagen sein? (Zwingels Argument.) Ist doch deß Zwingels einigs vnnd gantzes Argument nur das gewesen / daß ein Leib nicht sein könne / er sey denn vmbschrieben / mit dicke / breite vnd lenge / an einem gewissen ort. Ich habe jhm aber auß der Philosophia wider entgegen gehalten / daß auch der Himel / so ein groß corpus, natürlicher weise / sine loco,
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nicht an einem gewissen ort sey / darauff sie nicht haben antworten(Anno 1529.) können. Oecolampadius hatte aber nur diß einige Argument(Oecolampads Argument.) / Weil die Vätter / diß Sacrament ein Zeichen nenneten / so were der Leib nicht da. Doch haben sie mit vielen Worten verheissen / sie wolten mit vns sagen / der Leib Christi sey warhafftig im Abendmal gegenwertig (aber geistlich) so fern wir sie anders als vnsere Brüder wolten erkennen vnd nennen / vnnd also eine Concordj oder Einigkeit simulieren vnd tichten / wie denn(Zwingel bittet / jhne für ein Bruder anzunemen.) Zwingel öffentlich mit weinenden Augen für dem Landgraffen vnnd allen bate / vnnd diese Wort saget: Es sind keine Leute auff Erden / mit denen ich lieber wolte einig sein / als mit den Wittenbergern. Mit grossem fleiß vnnd anhaltung haben sie es dahin bringen wollen / daß sie dafür gehalten würden / als weren sie mit vns einig / Darumb kondten sie schwerlich meine Wort vertragen / wenn ich zu jhnen sagte: Ihr habt einen andern Geist / dann wir. Sie erbranten gantz vnd gar / so offt sie solche Wort höreten.(Zweierley Geist / D. Lutheri (heilig) vnd Zwingels geist / der da selbst bekennet / er wisse nit / ob er schwartz / oder weiß sey.) Zu letzt haben wir doch endlich so viel zugelassen / wie im letzten Artickel stehet / daß / ob wir sie wol nicht für vnsere Brüder halten können / jedoch wollen wir sie von vnserer Christlichen Liebe / (die wir auch dem Feinde schüldig sind) nicht außschliessen. Solches hat sie sehr angefochten / daß sie den brüderlichen Namen bey vns nicht haben erhalten mögen / sondern als Ketzer dauon ziehen müssen / doch also / daß wir dieweil friede hielten mit öffentlichen Gegenschrifften / ob vielleicht Gott jhnen jhr Hertz wolte eröffnen. Dieses möget jhr sicherlich nachsagen / so war ich des Herren Christi Prediger bin / ja / so war Christus die Warheit selbst ist / so war ist auch dieses / was ich euch schreibe / auff daß jhr zur Hand haben möget / daß jhr den Lügenmeulern / wenn sie nicht wollen ruhe haben / könnet fürhalten. Sie haben sich gegen vns erzeiget vnd gestellet / mit vngleublicher Demut vnd Freundligkeit / aber / wie jetzt offenbar wirdt / alles falsch vnnd betrieglich /
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(Anno 1529.) nur daß sie vns zu einem schein vnd gestalt der Concordi ziehen / vnnd also jhres Irrthumbs theilhafftig vnnd patronos machen möchten. O wie listig ist der Sathan. Christus aber ist weiser / der vns erhalten hat. Ich habe nu auffgehöret mich zuuerwundern / wenn sie ohn alle scham Lügen treiben. Ich sehe / daß sie nichts anders können / vnnd bin fro darüber / weil ich sehe / daß der Sathan sie regieret vnnd führet / daß sie nicht mehr durch liste / sondern durch öffentliche Lügen sich selbst verrhaten / Anno 1530. (Anno 1530.)

Anno 1530.
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(Reichßtag zn Augspurg.) Anno 1530. ist angangen vnnd gehalten worden der grosse Reichßtag zu Augspurg / auff wölchem vnder andern Händeln fürnämlich die Augspurgische Confession / etc. endlich gefertiget / die protestierende Stände sampt jhren Theologen sich darüber verglichen / biß sie auch den 25. Junij nach mittag / für Römischer Keiserlicher Maiestat / vnd allen Reichßständen / öffentlich verlesen / vnd dem Keiser vbergeben / auch angenom̅en worden. Nu ist vnser fürhaben nicht / dieselbige gantze Historien an diesem ort zuerzehlen / wölche sonst anderßwo beschrieben ist: Allein was fürnemlich / vnd insonderheit betrifft / den Artickel vom Abendmal des HERREN / wollen wir dauon die fürnembsten Punct / was auff dem Reichßtage zu Augspurg darinn fürgelauffen vnnd gehandelt worden / auß gewissen / öffentlichen Actis kürtzlich zusammen fassen / vnd verzeichnen. (Confession ist entworffen vnd gefasset worden / ehe man zu Augspurg ankommen.) Vnd erstlich ist vnleugbar / daß die Churfürstlichen Sächsischen Theologi, nicht allererst zu Augspurg auff dem Reichßtage angefangen / die Confession zufassen / sondern noch zuuor daheim / auß Befehl des Churfürsten zu Sachsen / darauff bedacht gewesen / vnnd sich verglichen einer gewissen Form vnnd Christlichen Artickeln / nach wölchen die Confession zu reguliern
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vnnd zustellen were / wie denn höchstgedachter Churfürst solches an D. Lutherum / Justum Jonam / Pomeranum / vnnd Philippum / hat gelangen lassen / wie diß schreiben zu Torgaw datiert Montags nach Reminiscere / Anno 1530. außweiset: Ehrwirdige / Hochgelehrte / liebe andechtige vnnd getrewe /(Des Churfürsten zu Sachsen schreiben an die Theologen zu Wittenberg.) wir wissen euch gnädigster Meinung nicht vnangezeiget zulassen / daß vns von Römischer Keiserlicher Maiestat / vnserm aller gnädigsten Herren / ein Reichßtags Außschreiben zukom̅en ist / damit wir auff den 8. Aprilis / nechstkünfftig / gleich andern des heiligen Reichs Ständen / gegen Augspurg zum Reichßtage / so jhre Keiserliche Maiestat / daselbst eigner Person zuhalten im fürhaben sein soll / erfordert worden / wölcher vorgemelter Außschreiben jnnhalt wir euch jnnligend Abschrifft vbersenden. Dieweil aber vnder den fürnembsten Sachen / dauon auff solchem Reichßtag gehandelt soll werden / eine / belangend den Zwiespalt in vnser Christlichen Religion / vnnd solcher großwichtigsten sachen halben / darin außgetruckt / daß dauon solcher massen gehandelt vnd beschlossen soll werden / als nämlich / eines jeglichen gutbedüncken / Opinion vnd Meinung / zwischen den Ständen selbst / in Lieb vnd Gütigkeit zuhören / zuuerstehen / vnnd zuerwegen / dieselbigen Zwiespaltunge / zu einer einigen Christlichen Warheit zubringen vnd zuuergleichen / alles so zu beiden Theilen nicht recht were außgelegt / oder gehandelt / abzuthun / durchauß alle ein einige vnd ware Religion anzunemmen vnnd zuhalten / Vnd wie wir alle vnder einem Christo sein / vnd streiten: Also alle in einer Gemeinschafft / Kirchen vnnd Einigkeit zuleben / vnd beschließlich also gute Einigkeit vnd friede zumachen. So erwegen wir bey vns / daß die hohe vnnd vnmeidliche notturfft erfordern wil / weil vielleicht solcher Reichßtag / an eines Concilij oder National Versamlung stadt gehalten wil werden / daß wir aller der Artickel halben / darumb sich angezeigter Zwiespalt / beide im Glauben / vnd auch in an
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dern (Anno 1530.) eusserlichen Kirchenbreuchen vnd Ceremonien erhelt / zum förderlichsten / dermassen gefasset werden / damit wir vor Anfang solches Reichßtages / bestendiglich vnd gründlich entschlossen sein / ob / oder wölcher gestalt / auch wie weit wir vnnd andere Stände / so die reine Lehr bey jhnen angenommen / vnnd zugelassen / mit Gott / Gewissen vnnd gutem fug / auch ohn beschwerliche Ergernuß / Handlung leiden mögen vnnd können / dieweil doch die sachen / wie wir vorberürte Außkundung des Reichßtags nicht anders verstehen können / auff solche wege sollen fürgenommen werden / daß denn von niemandt baß / gründlicher noch bestendiger / dann euch / erwogen vnnd berhatschlaget mag werden / Als wir auch hiemit an euch gnedigst begeren / vnnd sonderlich / daß jhr solche erwegung / andere sachen vnnd gescheffte in ruhe gestalt / dermassen wolt fürnemmen / auff daß jhr jetzo zwischen vnnd nechstkünfftigem Sontags Oculi / damit fertig werdet / vnnd auff denselben benanten Sontag semptlich anher gegen Torgaw damit kommen möget / wie wir / vnd in Betrachtung / daß die zeit / biß auff den Reichßtag gantz kurtz ist / vnnd wir vns ohn verzug werden erheben müssen / gentzlich zu euch verlassen wollen / etc. (D. Luther begreifft zu Torgaw siebenzehen Artickel / auß wölchen hernach die Confession zu Augspurg genommeu / vnd ferner erklärt worden.) Danu auff jetz gedachten Churfürstlichen gnedigsten Befehl / die Theologi von Wittenberg gehn Torgaw kommen / hat auß derselbigen vorgehabten gemeinem Rhat vnd bedencken / Lutherus die siebenzehen Artickel / die in seinen Tomis noch verhanden / gefasset / daß sie also ein materia der Confession / so zu Augspurg köndte gestalt vnd vbergeben werden / sein solten / darin der Artickel vom heiligen Abendmal / in der gesampten ersten Delination vnd Form / also lautet: Articulus decimus: Das Eucharistia, oder des Altars Sacrament stehet auch in zweien Stücken / nämlich / daß da sey warhafftig gegenwertig im Brot vnnd Wein / der ware Leib vnd Blut Christi / laut der Wort / das ist mein Leib / das ist mein
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Blut / vnd sey nicht allein Brot vnnd Wein / wie jetzund das widertheil(Anno 1530.) fürgibt. Diese Wort fordern vnnd bringen auch den Glauben / üben auch denselbigen bey allen denen / so solchs Sacrament begeren / vnd nicht dawider handeln / gleich wie auch die Tauffe den Glauben bringet vnd gibt / so man jhr begeret. Nach solchen Artickeln / von D. Luthero gestellt / ist hernach(Philippus Melanth. schreibt die Coufession zu Augspurg.) die gantze Confession / zu Augspurg vom Philippo Melanthone / in eine gewisse ordnung verfasset worden / vnnd zuuorn / ehe sie ferner kommen / von Artickeln zu Artickeln / auch fürnemlich der zehende Artickel vom Abendmal / der verwandten Fürsten vnd Stende / vnd derselben Theologen vnnd Rhäten Vrtheil / Censuren vnnd bedencken / vnterworffen / wie D. Erhardus(D. Erhardus Schnepffius hilfft trewlich.) Schnepffius / der selbst mit in demselben rhatschlag gewest / schreibet / vnd in seiner Confession / Anno 1555. außgangen / bezeuget / inmassen auch Philippus selber bekennet / wie in praefatione primi Tomi seine Wort lauten: Nihil mihisumpsi: praesentibus Principibus & alijs gubernatoribus & concionatoribus disputatum est ordine de singulis sententijs: Ich habe mich selbst nichts vnterstanden. In Gegenwertigkeit der Fürsten vnd anderer Obrigkeit / ist ordentlich von jedes Artickels meinung geredt vnd disputieret worden / etc. Es hat auch der Churfürst zu Sachsen dieselbige verfaste(D. Luth. empfehet die Confession / dieselbige zu vbersehen vnd zuuerbessern.) Confession / vnd darinn auch fürnemlich den zehenden Artickel vom Abendmal / Luthero zuübersehen / vnnd zu corrigieren geschickt / wie auch Philippus selber / dieselbe gantze Schrifft / dem Vrtheil Lutheri vnterworffen / wie er in jetzgedachter Pręfation auch saget: Missa est Luthero tota forma Confessionis: Es ist die gantze Confession zu Luthero geschickt worden. Vnnd weil deß Churfürsten zu Sachsen (der die Confession ein gantz Monat zuuor / ehe der Keiser ankommen / D. Luthero zuübersehen vn̅ zuuerbessern vberschickt hat) deßgleichen auch Philippi Brieff vnd Lutheri antwort darauff kurtzist / wollen wir dieselben hieher setzen.
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(Anno 1530.)

Johans von Gottes Gnaden / Churfürst / etc.
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(Elector ad Lutherum de Confessione relegenda & corrigenda.) Vnsern Gruß zuuorn / etc. Ehrwirdiger vnd Hochgelerter / lieber andechtiger / nachdem jhr / vnnd andere vnsere Gelehrten zu Wittenberg / auff vnser gnedigst ansinnen vnnd begeren / die Artickel / so der Religion halben streitig sind / in verzeichnüs gebracht / als wollen wir euch nicht bergen / daß jetzo allhie Philip. Melant. dieselben weiter vbersehen / vnnd in eine Form gezogen hat / die wir euch hiebey vbersenden / vnnd ist vnser gnedigst begeren / jhr wollet dieselben weiter vbersehen / vnnd zubewegen vnbeschwert sein. Vnnd wo es euch dermassen gefällig / oder etwas dauon oder dazu zusetzen / bedechtet / das wollet jhr also daneben verzeichnen / damit man als denn auff Keis. Maiest. ankunfft / der wir vns kurtz versehen / gefasset vnnd geschickt sein mögen / vnnd vns dieselbigen als dann bey diesem Boten / wol verwaret / vnnd verpetschaffet / vnuerzüglich wider anhero schicken / etc.

Philippi Brieff ist dieser.
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Es wirdt euch vnsere Apologia (denn also nennet er daselbs die Confessionem) zugeschickt / Wiewol es vielmehr ein Confessio ist / den̅ der Keiser hat nit zeit lange disputationes anzuhören. Ich habe aber gleichwol das jenige gesetzt / das ich vermeine am nützlichsten / oder zu lehren am dienstlichsten sey. Auß diesem bedencken habe ich gar nahe alle Artickel deß Glaubens zusammen gefasset. Denn Eck hat gantz gifftige vnnd Teuffelische Lesterung wider vns lassen außgehen / welche ich hiemit habe wollen ablehnen. Ihr werdet nach ewerm Geist von der gantzen Schrifft vrtheilen.
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Doctoris Lutheri antwort / auff das vorgesetzte Churfürstliche(Anno 1530.) Schreiben / ist diese gewesen: Gnade vnd Fried / in Christo(D. Lutheri antwort an Churfürsten / etc. von der Confession.) vnserm HErrn. Durchleuchtigster / Hochgeborner Fürst / G. H. ich habe M. Philippi Apologia̅ vbersehen / die gefellt mir fast wol / vnd weiß nichts daran zubessern / noch zuendern / würde sich auch nicht schicken / denn ich so sanfft vnnd leise nicht treten kan. Christus vnser HERR helffe / daß sie viel vnnd grosse Frucht schaffe / wie wir hoffen vnd bitten / Amen. Dazumal hat Philippus etlich mal an D. Lutherum geschrieben(Philip. Mel klaget vber die tückischen Practiken der Zwinglianer.) / vnd jhn von den heimlichen Practiken der Zwinglianer berichtet / wie sie sich auch die Fürsten auff jhre Seiten zuziehen / vnterfiengen. Darumb schreibet er ad Lutherum also: Der Cantzler / D. Feig / ist gestern kommen / vnnd sagt / sein Herr sey auff dem Wege Mit jhm ist M. Schnepff kommen / ein frommer Man / vnnd der euch hertzlich lieb hat / der vertröstet vns etlicher massen / daß sein Herr könne auff rechter Ban erhalten werden / wiewol er nicht leugnet / das gefahr dabey sey. Er saget / wie hefftig er mit jhm streite von deß HErrn Nachtmal / vnnd wie ohn vnterlaß die Schweitzer mit jhren Brieffen bey jhm anhalten solches bekümmert mich hoch. Vnnd würde derwegen vielleicht nicht vndienstlich sein / daß jhr an jhn / oder an vnsern Jungen Herrn / geschrieben hettet / damit er in rechter Ban erhalten vnd bestettiget würde. Vnd hernach den 22. Maij schreibt Philippus zu Luthero: Landgrauius gehet jetzt damit vmb / daß er vnserer Confession vnterschreibe / vnnd scheinet / daß er leichtlich zu den vnsern könne gebracht werden. Aber hier zu ist ewers schreibens von nöten. Darumb bitte ich auff das höchste / jhr wollet an jhn schreiben / vnd jhn vermanen / daß er sein Gewissen / mit vertheidigung einiger falscher Lehr / nit beschweren wolle. M. Schnepff ist ein(Schnepffius.) gar guter bestendiger Man. Ich wolte / daß jhr jm zu ehren / wenn es die gelegenheit so würde mitbringen / hettet geschrieben.
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(Anno 1530.) Da nun die Artickel der Augspurgischen Confession / vnter den protestierenden Stenden gehörter masse berhatschlaget vnd bewogen würden / vnd vnter denen fürnemlich der zehende (Newe auschlege / daß die Sacramentierer für Brüder möchten erkandt vnd zugleich angenommen / vnd zur vnterschreibung der Augspurgischen Confession zugelassen werden.) Artickel vom Abendmal / ist mitler zeit ein schreiben außkommen / darinn hefftig gerhaten / vnd darauff gedrung worden (wie dann auch zuuor im Marpurgischen Colloquio geschehen / aber bey D. Luthero solche scheineinigkeit nicht hat mögen erhalten werden) daß nemlich die Lutherischen Theologi der prostierende Stende / die Zwinglianer in jhre Gesellschafft vnnd Brüderschafft nemen wolten / also / daß sie auch zu gemeiner vnterschreibung der Augspurgischen Confession / so dem Keiser von den Protestierenden vbergeben werden solte / mit zugelassen vnd angenommen möchten werden. Diß schreiben ist erstlich an den Landgraffen zu Hessen gebracht / vnd darnach Philippo vnnd Brentio zugestellet worden / in hoffnung / diese beyde würden darinn nicht so hart sein / wie Lutherus zu Marpurg gewest / sondern sich linder vnnd weicher erzeigen. Was aber darüber für Wechselschrifft / darinn der gantze handel erkleret / ergangen sind / weil dieselbigen vorhin offentlich gedruckt / wollen wir sie an diesen Ort auch verzeichnen.

Philippi vnd Brentij Schreiben an den Landgraffen zu Hessen.
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Durchleuchtiger / Hochgeborner Fürst / gnediger Herr / wir haben die Schrifft / vns zugestalt / die Bruderschafft belangend / mit fleiß verlesen / vnnd bitten in vnterthenigkeit / E. F. G. wolle vnsere antwort gnediglich vernemen. Denn Gott ist vnser Zeuge / daß wir ja / sonderlich in diesem fall / niemands zu lieb oder zu leid handeln. Denn dieser zwispalt ist vns von hertzen leid / haben auch auff Erden kein grösser betrüb
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nus / dann von dieser sachen / daß wir sehen wie man zufellet auff(Anno 1530.) vngegründte opiniones, darauß grosse Spaltung in der Kirchen / darzu Vnrichtigkeit in Gewissen folget / dadurch man hernach weiter fellet auff andere schädliche Gedancken / wie wir dann sehen / daß vielen jetzund widerfahret / wölche erstlich vom Abendmal haben allegorisieret / kommen nun vnd allegorisieren von mehr Artickeln / als nämlich Campanus / Martinus Cellarius / Carlstad / Felinus / darüber kein ruhe haben / sondern Practicken machen / wie man solches mit Gewalt hinauß führe / darauß nicht allein ein grewlich groß Blutuergiessen zubesorgen / sondern auch grössere Spaltungen in geistlichen Sachen / vnd Zerrüttung der Regiment / daß sie in hundert jharen / ja nimmermehr biß zum ende der Welt / wider zuflicken sind. Ach HERR Gott / wie ein schrecklicher Anblick ists / solch grewlich ding bedencken. Derhalben mag vns E. F. G. glauben / daß wir warlich in grosser Betrübnus sind / vnnd nicht lust haben / wie man vielleicht gedencket / daß wir vnsers Rhumbs halben vil zancken. Darumb bitten wir gantz vndertheniglich / E. F. G. wollen vnser Antwort gnediglich vernemmen / die wir auffs kürtzeste gefasset(Wölche man inn Religions sachen / für Brüder erkennen vnd annemen / vnnd wölche man dafür nicht halten soll.) haben / E. F. G. nicht lang auffzuhalten. So achten wir / es sey nicht not / auff alle Stück der Schrifft / so vns zugestellt / zuantworten. Erstlich / der Brüderschafft halben / mag sein / daß man Christen / so jrren / vnnd doch Irrthumb nicht verthedigen / als Brüder dulden solle / wie Christus selbs seine Jünger geduldet hat. Aber die jenigen / so vngegründte Lehr fürgeben vnnd verthedigen / kan man nicht für Brüder halten / Denn man soll ja nicht willigen in vnrechte Lehr. Darumb alles / so in gedachter Schrifft nach der lenge disputieret wirdt / daß man die schwachen dulden soll / kan nicht anders gedeutet werden / dann auff solche schwache / so jhre vngewisse Lehre nicht verthedigen / wie auch Paulus die Galater angenommen / hat aber daneben von den jenigen / so vnrechte Lehr fürgaben / gesprochen: Ich
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(Anno 1530.) wolte / daß die / so euch beschneiden / weggeschnitten würden. Diß ist vnser einfeltige Meinung / wie wir es gegen Gott dencken zu verantworten. Denn wie können wir doch Bruderschafft mit vnserm Widerpart machen / vnd also willigen / daß sie jhre Lehr verthedigen / für recht vnd gewiß / so doch vnser Gewissen anders fület vnnd helt / vnd wirdt durch jhre Disputation nicht gestillet? Der Schreiber gedachter Schrifft / mag es vielleicht gut meinen / aber er redet jha vom Glauben zuschwach / meinet es lige nicht groß daran / ob man schon in ettlichen Artickeln / so in der Schrifft sind / jrre / vnd es sey nicht not / daß man gewiß sey / was man helt vnnd lehret / Aber warlich wenn das Hertz vngewiß ist / vnd soll also vngewiß etwas fürgeben / so ists vbel verwaret wider Gottes Gericht / wie Paulus spricht: Was nicht auß dem Glauben geschicht / ist Sünde / vnnd bedarff guter Erfahrung / wie der Glaube gewiß sein muß / so er für Gottes Gericht bestehen soll. (Artickel von Sacramenten sind hoch vnd groß / vn̅ wer darinn nicht richtig ist / der jrret weit.) So sind auch die Artickel von den Sacramenten nicht gering zu achten. Denn dieweil die gantze Kirche täglich damit vmbgehet / folget vber die massen groß Ergernuß / wo man hierinn jrret. Wir können aber wol abnemmen / woher solche Theologia kömpt / die da vermeinet / es lige nicht groß daran / was man lehre / es sey gnug für Gott / freundlich vnd erbarlich leben. Also weren viel Philosophi auch Christen gewesen. So ist auch die Lehr nicht zurechnen nach dem schein eines bürgerlichen Lebens / sondern nach Gottes Wort. (Wenn man weiß / daß ein Lehr falsch vnd vnrecht ist / darff man nicht warten auff ein Concilium.) Auff das ander Stück / daß zu arbeiten sey auff ein Concilium / so Keiserliche Maiestat dermassen / wie außgeschrieben / procedieret / möchte es wol für ein Concilium gehalten werden. Es sey aber im Concilio oder sonst / so sind wir schüldig zubekennen / was wir glauben / wir sind auch schüldig andern nicht zuweren / die Lehr / so wir nicht gewißlich für recht halten / zuuerbieten. Zu dem ist auch not / daß wir bedencken / daß wir nicht an
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dere gute vnnd gewisse Lehr / mit dieser vngewissen Subtilitet(Anno 1530.) stopffen / wie bereit all zum theil geschiehet. Verfolgen doch die Zwinglischen ohn ein Concilium die Papisten vnd Widertäuffer / warumb soll denn andern vnrecht sein / jhre vngegründte Lehr zuuerbieten / ausserhalb des Concilij? sonderlich so dadurch rechte gewisse Lehr gefördert / vn̅ friede erhalten wirdt. Zu letzt bitten wir vmb Gottes willen / E. F. G. wolten in dieser grossen vnnd hochwichtigen sache / vom Sacrament / sich nicht abwenden lassen von den Worten Christi auff Allegorien. Denn in Gottes Ordnung muß man der Wort eignen Verstand behalten. So die rationes, wölche Zwinglius führet / das Gewissen stilleten / daß es sich für Gott darauff verlassen möchte / wir wolten dieselbigen Allegorien auch annemmen / aber wir wissen / daß sie das Gewissen nicht zu rhu bringen können. Nu ists gar schrecklich / vngewisse Lehr / für gewisse verthedigen wollen / vnd ob solcher vngewissen sachen zu grosser Spaltung vnd Krieg vrsach geben. Denn wir wollen E. F. G. nicht bergen / daß die Zwinglischen(Der Zwinglischen fürgeben vnd Werck ohn Lieb vnd ohn Gedult.) allhie rhümen / wie sie gefast sein mit Gelt vnd Leut / was sie für Anhang haben frembder Nation. Item / wie sie Bisthumb außtheilen wollen / vnnd frey werden. Vnnd befrembdt vns sehr / daß sie sonst viel von der Liebe rhümen / vnnd sich doch vernemmen lassen in solchen Practicken / darin man wenig Lieb / Gehorsam oder Gedult spüren kan. Vnd wenn sie schon rechte Lehr hetten / were doch solch fürnemmen / des sie sich selbst rhümen / nicht Christlich / dardurch eine erschreckliche Zerrüttung(Der Zwinglianer fürnemmen kan kein gut ende nemmen.) der Kirchen vnd aller Regiment folgen müste. Ach Gott man solte doch die Nachkommen bedencken / wölche zubesorgen / keine Kirch vnnd kein Regiment haben werden / wo solch entstehen Auffrhur würde. Zu dem allem sorgen wir auch / daß solch jhr fürnemmen kein gut ende nemme.
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(Anno 1530.) Diß vnser einfeltig bedencken / wolle E. F. G. nicht vngnediglich verstehen / denn Gott ist vnser Zeuge / daß wir hierinn nicht vnsern Vortheil suchen / sondern mit höchstem ernst Gott bitten / daß er E. F. G. für Irrthumb / vnnd allem übel behüten wolle. Wir sehen / daß der Teuffel ein grewlich Spiel im Sinne hat / darumb ist not / daß wir nicht freuentlich handeln. Wir haben E. F. G. in eil kurtz wollen antworten. Wo aber E. F. G. lengern Bericht von vns begeret / wolten wir / als wir vns schüldig erkennen / mit allem fleiß nach der lenge Bericht thun. Gott beware E. F. G. allzeit. Den 11. Junij / Anno 1530. E. F. G. vnderthenige Diener / Philippus Melanthon. Ioannes Brentius.

Des Landgraffen Antwort / auff vorgehend Philippi Melanthonis vnd Joannis Brentzen Schreiben.
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Lieber Brentz vnd Philippe / ich hab ewer schreiben gelesen / vnnd nicht anders denn freundlich auffgenommen. Daß jhr aber im Anfange schreibet / daß Campanus vn̅ Martinus Cellarius vnnd andere / böse Secten einführen durch jhre Gedancken / ist mir leid / glaube auch / daß es Zwinglio vnd Oecolampadio so leid sey als euch / aber vmb jhrer Gedancken willen muß man die vnschüldigen nicht vrtheilen / dann sonst möchte gesagt werden / Luther hette auch viel übels geursachet / wie denn die Papisten sagen.
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Was jhr aber auff die Schrifft kürtzlich antwortet (die jhr(Anno 1530.) denn nicht anders verstehen solt / denn daß ichs euch auß guter meinung zugeschickt habe) als nemlich / daß man die nicht für Brüder erkennen sol / die vnrechte lehr fürhaben / vnnd darauff den Spruch Pauli füret / weiß ich nicht / ob solcher Spruch das vermag / das jhr darauß anziehet. Denn ich halts dafür / daß solcher jrrthumb mit der beschneidung / viel ein ander ding ist gewesen / denn dieser fall ist. Denn die Juden meineten / die Beschneidung were nötig / darumb straffet sie auch Paulus / vnnd ist dennoch beschnitten / spricht: Ich wolte daß sie weggeschnitten weren / spricht nicht: Ihr seid deß Teuffels / vnnd nicht mehr zudulden. So ist diese jrrung deß Sacraments nicht eine solche jrrung / wie jene / sondern wir sind allesampt eins / vnd gleuben vnd bekennen einen Christum / vnnd suchen durch denselbigen selig zu werden. Es halten auch / die jhr jrrend nennet / Gottes Wort in allem war / sondern sie sein deß verstandes in solchen Worten deß Nachtmals einer andern meinung / denn jhr / darumb düncket mich / dieweil sie mit euch in allem eins sein / auch bekennen den Christum / dermassen wie jhr jhn bekennet / auch daß man Christum im Nachtmal durch den Glauben esse / welches essen zur Seligkeit von nöten / vnnd nicht sagen / daß Gott diß oder das vermöge / sondern / daß dem Glauben nach / vnd der Schrifft nach / also wie sie anzeigen / zuuerstehen sey. Dieweil denn Christus nicht wol anders gessen kan werden / denn von gleubigen / vnnd durch den Glauben / dieweil Christus einen clarificierten Leib hat / vnnd denn ein clarificierter Leib nicht den Bauch speiset / deucht mich solche meinung were ohne noth / hoffe auch noch zu Gott dem Allmechtigen / jhr werdet euch eines bessern bedencken. Denn ob jhrs schon vmb der Lehrer willen nicht thun wollet / so werdet jhr doch die andern bedencken / die in solchen Sted
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ten (Anno 1530.) sitzen / vnnd so sie jrreten / doch solches jrrthumbs nicht vertheidiger sein / darzu daß viel Leute noch in solchen Landen vnnd Stedten sein / die ewrer meinung sein. So nu ein Land verdampt / vn̅ in Straffe fallen solt / so müste Kraut mit Kol gehen. So hoffe ich je / jhr seid deß Geistes Kinder / da Christus von spricht: Deß Menschen Sohn ist nicht kommen zuuerderben / sondern selig zu machen / da seine Jünger wolten das Fewer lassen vom Himmel fallen / gleich wie Elias. Ihr dürffet sie auch in solcher jhrer Opinion nicht vertheidigen / sondern sie tragen vnd vnterweisen / vnnd anmanen zu zeiten vnnd zu vnzeiten / wie Paulus sagt. Das seid jhr aber schuldig / daß jhr sie helffet vertheidigen / bey der lehr / die jhr selbst für recht haltet / nicht mit dem Schwerdt meine ich euch / ewer Person halben / sondern mit mündlicher Rede vnnd beystand. Möcht auch gerne wissen / ob Luther die Waldenser / Brüder genennet hat / wie der Schreiber anzeiget / die da solcher meinung sein sollen. Was jhr aber dem Schreiber schuld gebet / daß er mit dem Glauben zuschwach vmbgehe / halte ich dafür / daß vielleicht ewer meinung also bey euch gedenckt / nachdem jhr solcher Opinion feind seid / halte aber bey mir gewiß / daß solcher Tichter nicht meine / daß man vngewiß solte lehren / vnnd mit Wercken oder eusserlichen Sitten in Himmel kommen / wie die Philosophi, sondern daß solches seine meinung sey / so man Glauben habe / so werden Werck vnd Sitten folgen. Wo nu solcher Glaube sey / vnnd Werck folgen / vnnd dennoch etwas in der Schrifft nicht verstanden wirdt / da sol man Gedult haben / vnd nicht hinweg werffen / Denn wer mit vns ist / ist nicht wider vns / spricht Christus. Was aber angehet das Concilium / halte ich / wir werdens alle dörffen / daß man vns nicht verdamme vnuerhöret / Wenn aber diß hie sol ein Concilium sein / so wirds ohne zweiffel ein Concilium sein / der keines mehr gewesen ist. Sollen wir auch / alle die Christum bekennen / warten auff den Beschluß / der hie
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sol gemacht werden / vnnd so wir denn anders noch gleuben wolten(Anno 1530.) / so wolte ich / daß ich in der Schrifft nicht gelesen hette. Ich wils aber / ob Gott wil / nicht thun / hoffe auch ohne zweiffel / jhr frommen gelehrten / die ich jetzt vor vnsere Seulen hie achte / werdet ewer Datum auff solchen Beschluß nicht setzen. Daß jhr aber ewern Glauben bekennet / kan man euch nicht verdencken / ist auch zu loben eine rechte auffrichtige / warhafftige Bekentnis. Daß man aber einige Lehr mit gewalt verbieten wil / da nicht die Artickel deß Glaubens verleugnet / oder Auffrhur an sich haben / halte ich nicht für recht / doch begere ich vnterweisung. Vrsachen sein noch hie zubewegen. Die erste / daß Christus spricht: Lasset das Vnkraut bey dem Weitzen auffwachsen. Vnd Paulus: Es ligt nichts dran / es werde Christus rechter weise / oder zufallens / allein daß Christus nur geprediget werde. Die ander / daß im anfang / da Luther hat anfahen zupredigen vnnd schreiben / er trewlich die Obrigkeit vermanet vnd gelehret hat / daß jhr nicht zustehe Bücher zuuerbieten / oder zupredigen nicht geschehen zu lassen / vnd daß sich jr Ampt nicht so weit strecke / sondern die Obrigkeit habe alleine vber Leib vnd Gut zu regieren / vnd nicht vber Seelen vnd Gewissen. Die dritte / daß die Zwinglischen / wie man sie nennet / noch nit vberwunden sein / daß sie jhren jrrthumb bekennen / oder daß ein jrrthumb sey / der wider die hohe Mayestet Gottes sey. Das aber die Zwinglischen die Papisten sollen verfolgen / habe ich nicht gehöret mehr / denn jetzt. Ob sie aber die mißbreuche abstellen / ist nicht vnbillich / denn sie wollen mit jren Wercken den Himmel verdienen / vnd lestern also den Sohn Gottes. Daß sie aber die Widerteuffer verfolgen / ist auch nicht vnrecht / den̅ sie lehren zum theil Auffrhur / Doch halten die Zwinglischen ein vnterscheid mit denen / die nicht Auffrhürisch sind / wie man mich berichtet.
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(Anno 1530.) Auffs letzte / daß jhr anzeiget / was sich die Zwinglischen sollen hören lassen / hoffe ich nicht / daß also sey / bitte aber euch / jhr wollet mir anzeigen / wer die sein / die sichs haben hören lassen / auff daß die Warheit offenbar werde. Dann ich halte Zwingel vnnd Oecolampad der meinung nicht / daß sie Bischoffthumb wollen außtheilen / oder Auffrhur machen. Daß aber jhre obern gerne viel Freundschafft hetten / die in der noth jhnen hülffen / stehet sie nicht zuuerdencken / nach dem der N. auch Bündnüs mit Fürsten vnnd Stedten gemacht / auch noch täglich drumb anhelt. Vnnd darumb zum Beschluß / bitte ich euch vmb der ehre Gottes willen / vn̅ vmb aller gleubigen wille̅ / auch dem gemeinen Nutz zu gut / ists müglich / machet einen freundlichen Brüderlichen Friede mit denen / die man Zwinglisch nennet / vnd bedencket / wie gar freundlich der Apostel / vnd viel der Alten / miteinander / vnd gegen die Frembden / gehandelt haben. Denn jhr wisset ja wol / daß der Glaube nicht gezwungen sein sol / vnd daß man erst die Hertzen gewinnen muß / sonst helffen keine eusserliche Gebot. Denn Gebot vnnd Zwang thut nichts / sondern vnterweisung / vnd daß man sihet / daß jhr die Zwinglischen mit threwen begeret zu vnterrichten / vnd nicht zu verderben. Ich hoffe auch nimmer / daß jhr der meinung / daß man die Zwinglischen mit Gewalt zu ewerm Glauben dringen sol / oder sie vmb jhres Glaubens willen vberziehen / welches doch were wider alle Schrifft / darzu wider Luthers eigen schreiben / der in dem viel geschrieben hat / den Türcken betreffent / vnnd sonst / welcher Glaub gar nicht taug / Ich trawe es euch nicht zu / wiewol mir allerley gesaget wirdt / bitte antwort. Daß jhr mich auch bittet / daß ich mich von warem verstand deß Sacraments nicht wolle lassen abwenden / dürffet jhr nicht zweiffeln / ich wil ob Gott wil / Gottes zusagen trawen / vnd seinem Wort Glauben geben / wiewol ich in dieser Sachen
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ewrer Meinung auch nicht kan gewiß gemacht werden / auß klarem(Anno 1530.) Text ohne Gloß. Aber ich wil euch von Hertzen gern semptlich vnd sonderlich hören / vnd meine Vernunfft vnder den warhafftigen Verstand gefangen nemmen / doch mit Gottes Wort. Ich wil euch aber hinwider / als Brüder in Christo / ermanet haben / daß jhr auch ewer selbst war nemmet / vnd was für Leute auff euch sehen / vnnd dermassen handeln / das zu friede dienet / vnnd daß jhr nicht erwecket / daß Keiser vnnd Fürsten vber die Zwinglischen herfallen / vnnd dadurch viel vnschüldig / auch zum theil / die jhrer Opinion nicht anhengig / jhr Blut mit dem schüldigen vergiessen müssen / oder vielleicht ein solch Spiel drauß würde / daß alle Christgleubigen es müsten entgelten / vnnd wir darnach auch für die schweppen / oder daß auff beiden seiten / Keiser vnnd Fürsten / vnnd auff der andern seiten / Schweitzer / Stedte vnd Bawern / einander dermassen verderbten / daß Gott vielleicht Vnglück wider die Obrigkeit gehen liesse / vnnd herwiderumb Witben vnd Waisen vmb Leib vnnd Blut keme. Diß alles wil ich euch zuuermanen geschrieben haben / vnd sehet in diesem meine Person nicht an / sondern die Ehre Gottes. Bitte auch / wollet mein lang schreiben euch nicht verdriessen lassen / sondern es von mir nicht anders / denn auß Liebe vnnd zum frieden dienstlich / auffnemmen / wil auch gern mündlich weiter mit euch dauon reden / etc. Philips Landgraff zn Hessen.
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(Anno 1530.)

Auff dieses des Landgraffen Schreiben / haben Philippus vnnd Brentius mit folgender Schrifft widerumb semptlich geantwortet.
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Durchleuchtiger / Hochgeborner Fürst / gnediger Herr / wir dancken E. F. G. in aller Vnderthenigkeit / daß E. F. G. vnser Schrifft gnediglichen angenom̅en / zweiffeln auch nicht / E. F. G. meinen es trewlich / was sie hierinn bedacht / zu Errettung Land vnd Leute / bitten derhalben abermal / E. F. G. wollen es dafür halten / auß nechst angezeigter vrsache Ansehung / daß wir warlich hierin keinen mutwillen treiben / sondern fürhaben zurhaten vn̅ handeln / wie wir es gegen Gott getrawen zuuerantworten. So weiß auch E. F. G. daß wir beide vns noch nie / weder in Schrifften noch sonst / vnfreundlich gegen die Zwinglischen erzeigt haben / haben auch bey jhnen viel guter Freund / daß vns derhalben diese Zwispalt mehr leid ist / denn vielen andern. (Mit den Zwinglianern kan kein Brüderschafft für genom̅en werde.) So viel aber die Bruderschafft belanget / hat E. F. G. vnser einfeltig bedencken gelesen / daß wir nicht darein wissen zuwilligen / darumb daß solche Bruderschafft nicht kan ohne Ergernus gemacht werden. Denn das müste folgen / daß man es dafür halten würde / als bewilligten wir in jhre Lehr / vnnd sterckten dadurch solche Lehr / die wir doch für Gott nicht wissen zuerhalten. Zum andern / so können E. F. G. wol bedencken / daß wir des Keisers halben grösser Gefahr besorgen müssen / denn die Zwinglischen / auß vielen Vrsachen / die nicht not sind zuerzehlen. Darumb können wir noch nicht wissen / wie es fürfallen wil / vmb ein Concilium zu bitten / nicht daß wir vnsern Glauben
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erst vom Concilio lehrnen sollen / sondern vns auffzuhalten wider(Anno 1530.) vnbilliche beschwerung. So aber Gott gnade gebe / daß vnser Gewissen vnd nötige Lehr / wie biß anher von Keiserlicher Maiestet geduldet vnnd toleriert worden / halten wir / daß wir solches als denn nicht hindern sollen mit verthedigung Zwinglischer Lehr / so man dieselbige nit wolte tolerieren. So können wir auch vnsers einfeltigen Verstandes nicht achten / daß diß zu frieden dienen wird. Denn so Keiserliche Maiestat Zwinglische Lehr wolte verfolgen / würde sie freilich solches nicht derhalben vnderlassen / daß wir Brüderschafft mit jhnen(Wer Zwinglische Lehr verthedigt / muß ein böß Gewissen haben.) gemacht hetten / sondern der Lerm würde viel grewlicher vnnd grösser / daß wir dann zum offtermal hierinnen besorget / dazu / dieweil die vnsern mit bösem Gewissen / vnnd nicht auß Glauben / Zwinglische Lehr verthedigen / würden sie Gott nicht dienst thun. Daß aber angezogen wirdt / man solle des Volcks schonen / ob man schon die Lehrer verfolget. Auff diß ist vnser Antwort / daß hie oder in einem Concilio nicht von Personen gehandelt wird / sondern allein von der Lehr / ob die recht oder vnrecht? Hierin ist jeglicher schüldig seinen Glauben zubekennen. Die Executio wider verbottene Lehr / stehet bey vns nicht / vn̅ were Christlich / daß in der Execution vnderscheid gehalten würde zwischen den Lehrern vnnd dem Volck / wie allezeit in der Kirchen geschehen / Doch so die Stedte / so vnder dem Keiser sind / wolten sich vndertheniglich halten / möchte diese sache ohne Krieg außgerichtet werden. Vnnd wir halten / daß Fürsten vnnd Stedte / Lutherische(Christliche trewe Lehrer bedörffen keines weltlichen schutzes / oder brachij sccularis.) vnnd Zwinglische / recht vnnd Christlich theten / so sie vns / die wir lehren / vnser Lehr verantworten liessen / vnnd nicht fürnemmen / vns / sonderlich wider Key. May. zuschützen / wie Hertzog
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(Anno 1530.) Friedrich / löblicher Gedechtnus / den Luther sein Ebenthewer selbst stehen ließ / wolte jn nicht wider Keiserliche Maiestat schützen. So die Fürsten dermassen gesinnet weren / hettet wir arme Gesellen weniger sorge / vnd wolten frölich leiden / vnd hetten die Fürsten vnd andere Obrigkeit mehr ruhe. Daß E. F. G. anzeigen / wie von vns soll geredt werden / als solten wir gefallen haben an gewaltsamer Verfolgung der Zwinglischen / wirdt vns vnbillich auffgeleget / dann wir sind friedens zum höchsten begierig / wie man weiß / daß wir alle zeit vnruhige Practicken widerrhaten haben / vnnd gebeten / man soll vns vnfer Lehr selbst lassen verantworten / wie wir mit Gottes hülffe vns auch allhie wollen vernemmen lassen. Daß aber etliche (Zwinglianer haben lust zu kriegen.) rhümen / wie die Zwinglischen zu Krieg gerüstet sind / mögen wir E. F. G. mit Warheit berichten / daß sie solches zu Augsprug / in meldung des Rotweilischen Lermens / auch sonst geredt ist. E. F. G. wissen / daß diese sache Gottes ist / darin man muß Gottes hülffe warten / der ohne zweiffel vnser nicht vergessen / wirdt / so wir nur nicht zusehr eilen / vns mit vnziemlichem Gewalt vnnd Rhat zuschützen. Esaias spricht: Wer glaubet / soll nicht eilen. Also müssen wir warten / was Gott thun wil zu seiner (Glaub wil durchs Creutz beweret sein.) zeit / vnd nicht zuuor kommen durch vnziemliche Practicken / wir müssen / wie Ezechias vnd andere haben geharret / vnnd hilff erlanget / ja Glauben lehrnen üben in der gefahr / sonst werden wir nimmer lehrnen / was Glaube ist. Derhalben bitten wir / E. F. G. wollen gedult haben / vnd nicht so sehr eilen / menschliche hülffe zusuchen / die doch offt fehlet / auch in guten sachen. Wir haben solche Artickel / deren wir (Zwinglische Lehr ist vngewiß / vnd hat kein Gottes Wort.) durch Gottes Gnade gewiß sein / vnnd können darob mit gutem Gewissen leiden / wölches ein grosser Trost ist in aller Gefahr / Aber der Zwinglischen Lehr / wie man es nennet / können wir nit gewiß sein / denn wir haben darzu kein klar Gottes Wott.
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Das haben wir bedacht in kürtz / E. F. G. zuantworten / vnd(Anno 1530.) bitten in aller vnterthenigkeit / E. F. G. wolle vnser Schrifft gnediglich verstehen. Wo E. F. G. weiter bericht haben wil / wollen wir vns gehorsamlich halten / wie wir vns allezeit zuthun gegen E. F. G. schüldig erkennen. Gott beware E. F. G. allezeit für allem übel. E. F. G. vnterthenige Diener / Philip. Melanthon. Ioan. Brentius. Auff daß es aber nicht das ansehen habe / als hetten Philippus vnnd Brentius / allein für jhre Priuat Person / dazumal die Brüderschafft mit den Zwinglianern widerrhaten / so ist wol zubehalten / daß eben dieselbige frage von solcher Brüderschafft / Anno 1531. widerumb erreget vnnd angebracht / vnnd von der gantzen Theologischen Facultet zu Wittenberg auff gleiche ebene(Facultas Theologica zu Wittenberg widerräht die Bruderschafft mit den Zwinglianern.) meinung / wie die vorige gewest / erkleret worden / wie in ordnung dieser Historien hernach folgen wirdt. Dann in summa dauon zureden / ist dieselbige gesuchte Bruderschafft / annemung vn̅ zulassung zur gemeinen Subscription oder vnterschreibung / zu Augspurg nicht erhalten worden / sondern die Augspurgische Confession ist im zehenden Artickel / vom Abendmal / für allen Reichßstenden offentlich also abgelesen / vnnd Keiser. May.(Zwinglianer wer den zu Augspurg außgeschlossen / vnd in der Confes sion offentlich verworffen.) Teutsch vnd Lateinisch vbergeben worden / mit der clausula, (Et improbant secus docentes: vnnd wirdt die gegenlehr verworffen) vnnd sind also die Zwinglianer von gemeiner subscription der Augspurgischen Confession außgeschlossen / vnnd jhre Lehr auch in diesem Artickel deutlich vnnd klar außgesetzet.
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(Anno 1530.) Derwegen auch bald nach vbergebener Confession / Spalatinus, (Spalatinus.) Churfürstlicher Sächsischer fürnemer Theologus, auß Augspurg von sich geschrieben / daß man bey einem jeden Artickel der Confession / die gegenlehr vnd jrrige Meinung vnnd Ketzerey / als Sacramentschwermer / Widerteuffer / vnd dergleichen / verworffen habe. (Sacramentierer / Zwinglianer / oder Schwermer vom Sacrament. Tom. Ien. 5 fol. 38.) Was man aber vnter / vnd mit dem namen der Sacramentierer oder Sacramentschwermer / für lehre vnnd Lehrer dazumal gemeinet vnd verstanden habe / ist vom dem 1524. jhar / biß hieher / außfürlich gnugsam erwiesen vnnd angezeiget. Auch schreibet Sleidanus lib. 8. daß der Churfürst zu Sachsen im Augusto / 1531. den beyden Keiserlichen abgesandten Vnterhendlern / Graffen Wilhelm von Nassaw / vnd Graffen von Newenar / da dieselben der Zwinglischen Lehre gedacht / zur antwort gegeben / was für Lehre in vnsern Kirchen sey / das sey auß der Augspurgischen Confession menniglich offenbar / vnd sey auch das gewiß / vnnd jederman bekandt / daß / da er auff dem Reichßtag zu Augspurg gewest / mit den Zwinglianern gantz keine Gemeinschafft gehabt. Es ist auch in der Friedshandlung zwischen (Woher das Wort (wesentlich) in den zehenden Artickel der Augsp. Confession kommen sey.) den Papisten vnnd den vnsern dazumal zu Augspurg der zehend Artickel noch deutlicher erkleret / mit diesen Worten: Sie sind mit vns einig / daß der Leib vnnd Blut vnsers HErren Ihesu Christi warhafftiglich im hochwirdigen Sacrament deß Altars gegenwertig sey / vnnd zu deutlicher erklerung / ist darzu gethan / daß der Leib Christi warhafftiglich vnd wesentlich da sey / vnnd daher ist das Wort / wesentlich / in den zehenden Artickel der Apologiae kommen. (Widerteuffer vn̅ Sacramentierer werden bey den protestierenden Stenden nicht geduldet.) Vber das haben die Protestierende Stende dem Keiser vnd den andern Stenden / durch die jren den 22. Septembris lassen anzeigen / was die Widerteuffer vnd Sacramentierer belangete / hetten sie dieselben in jhren Fürstenthumben vnd Gebieten nie geduldet / wolten sie auch hinfort nicht dulden / sondern
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jeder zeit wider sie ernstlich predigen / vnd die Leute für jhren Irrthumben(Anno 1530.) warnen lassen. Sie hoffeten aber gleichwol / es würden die Sacramentierer sich berichten vnd besser vnterweisen lassen / vnnd mit der zeit auch zur einigkeit vnnd gemeinem Consens der Kirchen gebracht werden können. Deßgleichen hat Philippus an Keiserlichen Prediger AEgidium(Philip. Mel. propheceiet von der grossen zerrüttung / die von den Zwinglianern kommen werde / so man sich mit jhnen einlesset.) mit solchen Worten geschrieben: Gott sey mein Zeuge / daß ich keiner andern Vrsache halben so fleissig zum Friede gerhaten habe / denn allein darumb / daß ich gesehen / wo nicht Friede gemacht würde / so würden sich die vnsern mit den Zwinglianern coniungieren / welches / daß es nicht geschehen möchten / haben wir mit höchster trew vnd fleiß bißher verhütet. Denn wenn sie solten miteinander zugleich eins werden / so würde darauß entspringen gar grosse zerrüttung vnd confusion der Lehre / vnnd gantzen Religion. Zum dem erkleret auch die Apologia / so hernach Anno / etc. 31. offentlich Teutsch vnnd Lateinisch gedruckt worden / den zehenden(Der zehende Artickel in der Augspurg. Confession vnd Apologia gantz gesetzt.) Artickel der Augspurgischen Confession / mit diesen Worten / die wir / auß zusammen haltung beider Exemplaren / der Teutschen vnnd Lateinischen / hieher setzen vnnd gantz erzehlen wollen. Den zehenden Artickel fechten die Widersacher nicht an / darinn wir bekennen / daß vnsers HErrn Christi Leib vnd Blut (verè & substantialiter) warhafftig vnd wesentlich / im Nachtmal Christi zugegen / vnd mit den sichtbaren dingen / Brot vnd Wein / warhafftig dargereichet / vnnd von denen / so das Sacrament empfahen / genommen wirdt. Hanc sententiam constanter defendimus, &c. Diese meinung vertheidigen wir bstendiglich / vnnd haben die Sache fleissig erforschet vnnd erwogen. Denn weil Paulus saget / das Brot sey eine Gemeinschafft deß Leibs Christi / etc. so müste folgen / daß das Brot nicht eine Gemeinschafft deß Leibs Christi / sondern nur deß Geistes
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(Anno 1530.) Christi Gemeinschafft were / wenn der Leib deß HErrn nicht warhafftig da were. Vnd wir befinden / daß nicht allein die Römische Kirche / die leibliche Gegenwertigkeit Christi gelehret / sondern auch die Griechischen Kirchen allezeit also gelehret haben / vnd noch also lehren vnd halten. Denn das bezeuget jhres Ampts Canon / darinn der Priester offentlich betet / daß das gemeine Brot der Leib Christi werde. Vnd Vulgarius, ein fürnemer Scribent spricht außdrücklich / daß das Brot nicht allein schlechts eine Figur oder Bedeutung sey / sondern daß es warhafftig zum Fleisch Christi werde. Vnnd Cyrillus gehet lang damit vmb in der außlegung deß 15. Capitels Johannis / da er lehret / daß Christus vns im Abendmal leiblich gereicht vnnd gegeben werde. Denn so sagt er / Wir leugnen nicht / daß wir durch rechten Glauben / vnnd reine Liebe / Christo / geistlich vereiniget werden: Daß wir aber nach dem Fleisch gar keine vereinigung mit jhm haben solten / da sagen wir nein zu / vnnd das ist auch wider die Schrifft. Denn wer wil zweiffeln / daß Christus auch also der Weinstock sey / wir die Reben / daß wir Safft vnnd Leben von jhm haben? Höre wie Paulus saget / Wir sind alle ein Leib in Christo / wiewol vnser viel sind / so sind wir in jhm doch eins / denn wir geniessen alle eines Brots. Meinestu das wir die Krafft deß Göttlichen Segens im Abendmal nicht wissen? Denn wenn der geschihet / so macht er / daß durch die Gemeinschafft deß Fleisches vnnd Bluts Christi / Christus auch leiblich in vns wohnet. Item / darumb ist das zumercken / daß Christus nicht alleine durch Geistliche einigkeit / durch die Liebe / sondern auch durch natürliche Gemeinschafft (participatione naturali) in vns ist / vnnd wir reden von Gegenwertigkeit deß lebendigen Leibes / denn wir wissen / wie Paulus saget / daß der Todt forthin vber jhn nicht herrschen wirdt. So ferne gehet die Lateinische vnnd Teutsche Apolo
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gia vom heiligen Abendmal / vnd verwaret den zehenden Artickel(Anno 1530.) der Augspurgischen Confession / wider die Sacramentierer genugsam. Wie aber das Gegentheil gemeiniglich tadelt / was jhm nicht gefehlt / also thuts auch mit den vorgehenden Worten. Denn bey diesem Stück der Historien / macht der ertichte Ambrosius Wolfius ein groß Geschrey / Lutherus habe zur selbigen(Wolffs Gedicht.) zeit noch gehalten vnnd verthediget die Papistische transsubstantiationem, oder wesentliche Verwandlung des Brots in den Leib Christi / vnnd sey also die Augspurgische Confession dazumal in einem gantz Papistischem Verstande gemeinet / vnnd vbergeben worden / wie derwegen auch etliche auß der Apologia solches zubeweisen / sich vergeblich vnderstehen / dieweil darin gesetzt werde: Mutato pane, ipsum corpus Christi fieri, & panem verè in carnem Christi mutari, Das Brot werde verwandelt(Sacramentliche Verwandlung des Brots / wölchs der Leib Christi ist.) in den Leib Christi / wölche Wort (wie das Gegentheil vberzeuget selbs bekennen muß) durch die vnsern von keiner wesentlichen Verwandlung des Brots in den Leib Christi / sondern allein / wie Paulus redet / von dem gesegneten Brot / wölches nicht mehr gemein Brot ist / sondern der Leib / oder die Gemeinschafft des Leibes Christi / das ist / von Sacramentlicher Verwandlung / verstanden worden sind / daß nämlich (wie Irenaeus, Augustinus, vnd andere rechtgleubige Lehrer reden) zwey ding im heiligen Abendmal sind: Das jrrdische vnd himlische / das ist / Brot / vnd der Leib Christi / Kelch vnd das Blut Christi / etc. Nu ist aber auch vnwidersprechlich / vnnd offentlich am tage(Transsubstantiatio ist von D. Luthero verworffen / ehe die Augspurgische Confession geschrieben.) / daß Lutherus etliche jhar / vnd zum öfftern zuuor / ehe die Aug spurgische Confession geschrieben vnd vbergeben worden / allbereit die Papistische transsubstantiationem oder Verwandlung / wölche die Papisten als ein Artickel des Glaubens treiben / verworffen hat. Denn Anno 1520. hat er de captiuitate Babylonica, das ist / von der Babylonischen Gefengnus / geschrieben /
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(Anno 1530.) vnd darinnen gesetzt / daß die andere captiuitas oder Gefengnus des Sacraments des Altars / dadurch die Lehre desselben im Bapsthumb gefangen gehalten werde / sey jhre Transsubstantiatio. Handelt auch vnd lehret daselbs dawider mit vielen Worten vnnd Argumenten / da er scheibet / daß auch / da er noch im Bapsthumb gesteckt / jhm der Cardinal Cam eracensis Vrsach (Cardinalis Cameracensis.) geben habe / wider die Papistische Transsubstantiationem zugedencken. Denn derselbige Cardinal geschrieben / es sey beweißlicher / daß das Brot nicht verwandelt werde. Darnach 1522. da er wider König Heinrich in Engelland geschrieben / hat er gleichsfalls nach der lenge wider die Papistische Transsubstantiationem, darauß die Papisten einen Artickel des Glaubens machen wolten / gestritten / vnnd endlich mit diesen Worten beschlossen: Iam tutissimi sumus, merissimum esse impiorum & coecorum Thomistarum figmentum, quicquid blateratur de Transsubstantiatione ista: esseque firmiter fide libus verbis Dei nitendum, vbi in Paulo simpliciter & puré dicit: panem esse corpus Christi, quem frangimus & manducamus. Quare nunc muto, transsubstantiare volo meam sententiam, & dico: Antea posui, nihil referre: Sic, siue sic sentias de Transsubstantiatione, nunc autem visis rationibus, & argumentis assertoris Sacramentorum pulcherrimis, decerno: Impium esse & blasphemum, si quis dicat, panem transsubstantiari: Catholicum autem & pium, si quis cum Paulo dicat, Panis quem frangimus, est corpus Christi. Anathema sit, qui aliter dixerit, & iota aut apicem vnum mutârit. (Transsubstantiatio oder wesentliche verwandlung des Brots / in die Sub stantz des Leibs vn̅ Bluts Christi / ist ein lauter Papi stisch Gedicht.) Das ist: Wir sind nun mehr gewiß / daß es ein eitel Gedicht ist der Gottlosen vnnd blinden Thomisten / was man plaudert von der Transubstantiation. Man soll sich auff Gottes Wort gründen vnnd verlassen / wölches sagt / daß das Brot sey der Leib Christi / etc. nämlich / ohne Verwandlung. Vnd so ich zuuor ge
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halten habe / es lege nichts daran / man halte von der wesentlichen(Anno 1530.) Verwandlung des Brots in den Leib Christi / was vnd wie man wolle / so endere vnnd verwandele ich hiemit solche meine vorige Meinung / vnd sage nu auß gewissen Vrsachen vnnd beweisungen / daß es Gottloß vnnd lösterlich sey / wenn jemand spricht / daß das Brot verwandelt oder transubstantijert werde. Recht aber / Christlich vnd Gottselig ist es / so jemandt mit Paulo sagt / das Brot / das wir brechen / ist der Leib Christi. Verflucht sey / der anders redet / vnnd ein Tittel hierin zuendern sich vnderstehet. Wir sind nu sicher vnnd gewiß / daß es ein lauter Gedicht Gottloser Leute sey / was von der Verwandlung des Brots vnd(Tom. Ien. 2. Pag. 141.) Weins geplaudert wirdt / etc. Darumb (spricht D. Luther in seinem Teutschen Schreiben an König Heinrich) sage ich noch nein dazu / daß Brot vnnd Wein verwandelt werde / vnnd biete trotz allen Papisten / daß sie ja beweisen. Vnnd weil D. Luther am selben ort solches weitleufftig handelt / achten wir ohne not alle Wort hieher zusetzen / vnd ist gnug / daß wir dem Christlichen Leser den ort hiemit gewiesen haben / allda ers finden vnnd selbst lesen mag. Nachmals Anno 1523. hat Lutherus an die Waldenser geschrieben / vn̅ wider die Transsubstantiationem dise Wort gesetzet / Die Papisten haben ernstlich gestritten vber jhrem newen(Tom. 2. Ien. dag. 124.) Artickel / daß im Sacrament kein Brot bleibe / sondern nur Gestalt des Brots / vnd streitten noch / vnnd schelten jederman Ketzer / wer nicht mit jhnen den Münchtrawm durch Thomas Aquinas bekrefftiget / vnnd durch die Bäpste bestettiget / für nötige Warheit helt / daß kein Brot da bleibe. Aber dieweil sie so hart darauff dringen / auß eigenem Freuel ohne Schrifft / wollen wir jhnen nur zuwider vnnd zu trutz halten / daß warhafftig Brot vnnd Wein da bleibt / neben dem
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(Anno 1530.) Leib vnd Blut Christi / vnd wollen für solchen Trawm Christen vnd nackenden Sophisten / gerne Ketzer gescholten sein. Denn das Euangelium nennet das Sacrament / Brot / also daß Brot sey der Leib Christi / da bleiben wir bey / etc. Anno 1528. hat Lutherus ferner sich fein vnnd rund erkläret / was er von der Transubstantiation halte / in seinem grossen (Tom. 3. Ien. fol. 485.) Bekentnus vom Abendmal Christi / in tractatu de praedicatione identica. Weil aber die Sacramentierer so hefftig disputieren wider die wesentliche Gegenwertigkeit des Leibes vnnd Bluts Christi im Abendmal / vnd aber sonst so hart allein darüber streitten / daß sie Brot vnd Wein im Abendmal haben vnnd behalten mögen / so schreibet Lutherus in seiner grossen Bekantnus / pag. 493. Ich hab offtmals gnug bekennet / daß mirs keinen Hader gelten soll / (Die Papisten behalten doch Leib vnd Blut im Abendmal / die Sacramentierer aber leugnens.) es bleibe Wein da / oder nicht: Mir ist gnug / daß Christus Blut da sey / es gehe dem Wein / wie Gott wil. Vnnd ehe ich mit den Schwermern wolte eitel Wein haben / ich wolte ehe mit dem Bapst eitel Blut haben. Es ist auch zum vberfluß dieses zumercken / daß in der gütlichen Friedshandlung zu Augspurg / die Papisten etlich mal den protestierenden zugemutet haben / daß sie solten die Verwandlung des Brots in den Leib Christi glauben vnd bekennen / also / daß nicht mehr Brot allda sey. Aber die vnsern haben diesen Anhang nicht können noch wollen annemmen / noch darein willigen / sondern sind bey jhrer einfeltigen Bekantnus / von der waren Gegenwertigkeit des Leibs vnnd Bluts Christi im heiligen Abendmal / bestendiglich geblieben. Ist auch endlich von Keiser Carolo der Transubstantiation halben in sie weiter nicht gedrungen worden. Was belangt die Wort in der Augspurgischen Confession (vnder der Gestalt des Brots vnnd Weins) ist in vnsern Kirchen dazumal / wie auch noch heutiges tages / das Wörtlein
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Species, Gestalt) anders nicht gebrauchet worden / denn für ein(Anno 1530.) theil des Sacraments / als daß mit dem sichtbaren Brot vnd(Species, Gestalt.) Wein im Abendmal / der ware Leib vnd Blut Christi warhafftig gegenwertig sey / da ausgeteilet vnd genommen werde / als wen die vnsern in gemeinen reden sagen: Man sol den Leyen(Vnter zweierley Gestalt.) das Sacrament in / oder vnter beyder Gestalt / vnd nicht nur in einer Gestalt / reichen vnd geben / vn̅ würden die vnsern / auch gemeine Leute schwerlich das für gut auffnemen / wenn man darauß schliessen vnd sagen wolte / daß wir darumb Papistisch worden weren. (Leibliche Gestalt.) Denn wenn wir lesen Luc am 3. Der H. Geist fuhr hernider in leiblicher Gestalt / auff Christum / wie eine Taube / verstehet niemandt mit / oder vnter den Worten / einige Transsubstantiationem(In oder vnter der gestalt des Brots vnd Weins.) oder verwandlnng. So sind auch die Wort in, vel sub specie panis & vini, bey Augustino, vnd bey andern Patribus gemein / die doch keine Transubstantiation gehalten. So haben die vnsern das Wort (Gestalt) hernach deutlich also erkleret / daß es nicht auff die Transsubstantiation solle gezogen / oder dauon verstanden werden. Denn also lauten auch Buceri Wort von der Augspurgischen Confession: Das wort(Bucerus in lib. Ger man. cuius inscriptio est: Christlich vngefehrlich bedencken / edito anno 1545.) (Gestalt) sol nicht auff die Transubstantiation / sondern nach dem brauch der Alten / vnd vnser Confession (welche diese Rede auch also gebrauchet hat) verstanden werden / nemlich / daß mit den sichtbaren Zeichen / Brot vnd Wein / die vnsichtbaren Gaben(Die Sacramentierer brauchen selbst das Wort / Gestalt.) / der ware Leib vnd das ware Blut vnsers HErren / gegeben vnd empfangen werden. Vnnd zwar auch die Sacramentierer selbs / haben offt das Wort (Gestalt) also gebraucht / wie Bullingerus in Commentario in Esa: diese Wort füret: Pertinet huc negocium coenae Dominicae, in qua sub visibilibus speciebus(fol. 176.) carnem & sanguinem Domini spiritualiter, per fidem ad salutem, cum gratiarum actione percipimus. Das ist: Hieher gehöret der handel vom heiligen Nachtmal / in welchem vnter der
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(Anno 1530.) sichtbarlichen Gestalt / wir das Fleisch vnnd Blut deß HERren / geistlich durch den Glauben zur Seligkeit / mit dancksagung empfahen / etc. So haben auch Zwingel vnnd Oecolampadius / in Colloquio zu Marpurg / den gefasten articulum, numero 14. in welchem das Wort (Gestalt) gebraucht / mit eignen Händen vnterschrieben / welche ja nicht haben Papistisch sein wollen. Mit was schein wollen sie dann vns dieses Wörtleins halben zu Papisten machen? Daß auch die vnsern in der Augspurgischen Confession / mit dem Wort (Gestalt / vnnd dergleichen andern Worten / in der Apologia / dauon oben gemeldet) gar keine Transubstantiation haben billichen noch vertheidigen wollen / ist auch auß dem klar / daß / da Anno 1537. von der fürnembsten Kirchen Theologis, die Augspurgische Confession / darinn stehet das Wörtlein / Gestalt / ist vnterschrieben worden / da ist zugleich die Papistisch Transubstantiation in den Schmalcaldischen Artickeln außdrücklich vnd mit namen verworffen. Denn also lauten die Wort: Von der Transubstantiation achten wir der spitzigen Sophisten gar nichts / da sie lehren / daß Brot vnnd Wein verlassen oder verlieren jhr natürlich Wesen / vnnd bleibe alleine gestalt vnd farbe des Brots / vnnd nicht recht Brot. Denn es reimet sich mit der Schrifft auffs beste / das Brot da sey vnd bleibe / wie es S. Paulus selbs nennet / Das Brot das wir brechen / vnd also esse er von dem Brot / etc. Auß diesem warhafftigen kurtzen Bericht / den wir bißhero von der Augspurgischen Confession gethan / ist nun zum Beschluß (Sturmij / böß geticht / vnd vnbescheidenheit.) außdrücklich zusehen / daß ein eitel Gedicht ist / was STVRMIVS in sein alten tagen / wider die Warheit fürbringet / der sich nicht schemet / offentlich zuschreiben / die Fürsten haben nicht gewolt / daß Lutherus solte die Confession fassen / so er doch dieselbige zuuor selbs entworffen / vnnd auffs Pappier
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gebracht / vnd die nach seiner delineation von Philippo gefertigte(Anno 1530.) Confession / auff deß Churfürsten zu Sachsen / vnd auch Philippi beger vnd bitte / reuidiert hat / wie gnugsam oben ist außgeführet worden. So ist auch dieses deß Sturmij greiffliche vnbescheidenheit(Augspurg. Confes. vn̅ die Zwingli sche Confession können nicht beisammen stehen.) / daß er sagen darff / es sey die Augspurgische Confession / vnd der vier / dazumal Zwinglischen Stedte Confession / gleichförmig vnnd consentaneae gewesen / vnnd man habe dem Keiser sollen vbergeben / auß derselben beyden Confessionen eine / es were gleich / welche sie were / allein sey die Sächsische Augspurgische Confession derhalben dem Keiser vbergeben worden / weil der Rhat zu Straßburg den Chur vnd Fürsten den vorzug haben lassen wollen / vnd sey doch gleichwol jetzgedachte Augspurgische Confession / auch von den Gesandten der Zwinglischen Stedte vnterschrieben worden / daß also die vbergebene Confession / für eine einhellige Confession der protestierenden Stende / gehalten würde. Ob nun wol auß vorigem Bericht die vnuerschempte nichtigkeit dieses greifflichen Gedichts offenbar wirdt / vnd dasselbige keiner antwort werth ist / jedoch wirdt auß dem / so jetzt so bald folget / der Vngrund dieser vermessenheit / noch bekandter vnnd abschewlicher. Denn es je wissentlich vnnd vnlaugbar ist / daß wie vorhin gemeldet / die hochgesuchte Bruderschafft der Zwinglianer oder Sacramentierer / mit den Prostierenden / kein mal hat können erlanget vnnd erhalten werden / sondern da die Prostierende / Chur / Fürsten vnd Stende / jhre Bekentnüs / welche daher auch noch biß auff diese zeit / genennet wirdt die Augspurgische Confession / allbereit vbergeben hatten / da haben allererst hernach auff demselben Reichßtag / die vier Stedte / Straßburg /(Vier Stedte.) Costnitz / Memmingen / Lindaw / weil dieselben damals nicht einerley Meinung mit den protestierenden Stenden vom
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(Anno 1530.) Abendmal deß HErren waren (wie auch Sleidanus vnd Lauaterus schreiben) jhre eigene besondere Confession / vermöge des Keiserlichen Außschreibens zum Reichßtage / vbergeben. Nun ist zwar derselbige achtzehende Artickel jhrer Confession / vom Sacrament deß Leibs vnd Bluts Christi / nicht richtig / sondern zu kurtz vnd schlüpfferig / vnd also gestellet gewesen / daß man jhn / vmb etlicher einuerleibter Puncten vnnd Wort willen / hat können auff gut Lutherisch deuten vnnd verstehen. (Slüpfferige Bekentnüs vom Abendmal.) Denn es stehet darinn / daß der HErr in diesem Sacrament seinen waren Leib vnnd Blut warlich zuessen vnd zutrincken gebe / zur Speise der Seele / vnd zum ewigen Leben / daß sie in jm / vnd er in jhnen bleibe. Item / Sie bethewren hoch / daß bey jhnen gar nicht / die heiligen Wort Christi / verkeret vnd zurissen / vnd nichts denn Beckenbrot vnd schlechter Wein / im Nachtmal gereichet werde. So wirdt auch Doctor Luthers lehr vom heiligen Abendmal / wie die in der Augspurgischen Confession verfasset / in der vier obbemelten Stedten bekentnüs / nicht angegriffen / gestraffet / noch verworffen. Hergegen aber sind etliche Punct vnnd Wort darinn gewesen / darunter sich die Zwinglianer haben können verkriechen vnnd behelffen / daher es bey vielen / sonderlich bey den politicis, allerley disputierens verursachet hat / wie Sleidanus lib. 7. solches widerholet / vnnd spricht / daß die vier Stedte / in jhrer Confession vom Abendmal deß HERREN / nicht einerley meinung mit den Sachsen vnnd jhren verwandten / gehabt / Vnd wie / vnd warumb die Protestierende denselben Artickel nicht billichen / noch für recht halten können / oder wollen / wirdt ordentlich hernach in der Historia folgen. Vnnd Lauaterus schreibt selbs / daß auch Zwinglius bekant habe / daß jhme dieselbige / der vier Stedte Confession / vnd jhre darauff erfolgete Apologia / nicht vbel gefallen habe / aber doch gleichwol nicht sicher geachtet / daß er sie schlecht admittieren vnd zulassen solte.
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Die Papisten aber haben sie in jhrer Confutation stracks für(Anno 1530.) Zwinglisch gehalten vnd erkandt. So haben auch die von Memmingen vnd Lindaw hernach in offenem Außschreiben bekandt / daß Anno tausent / fünff hundert vnd dreissig / jre Prediger Sacramentierisch oder Zwinglisch gewesen. Darauff hat baldt Bucerus / auch noch in werendem Reichßtag(Bucer suchet vergleichung.) / seine Conciliationes vnnd Vergleichung gesuchet / fürgeschlagen / vnnd angefangen. Aber da zwischen ist mit fürgefallen / daß Zwinglius seine eigene besondere Confession gestellet /(Zwingels Confession.) so zu Zürich den dritten Julij / Anno 1530. Lateinisch vnnd Teutsch getrucket / vnnd baldt gegen Augspurg kommen ist / von wölcher des Zwingels Confession Philippus an Lutherum also(Philippus Melanthon helt Zwin glium für ein vnsinnigen Menschen.) schreibet: Zwingel hat eine getruckte Confession hieher gehn Augspurg geschickt. Ihr müsset schlecht sagen / der Mensch sey vnsinnig. Die alten Irrthumb / von der Erbsünde / vnd Brauch der Sacramenten / vernewert er gantz vnd gar / von den Ceremonien redet er gar Schweitzerisch / hoc est, barbarissime, grob vnd vnfletig / nemlich / er wolte / daß alle Ceremonien abgethan weren. Seine sache vom Nachtmal treibet er hefftig. Er wil daß alle Bischoffe vertilget werden. Ich wil euch ein Exemplar schicken / wenn ichs wider bekomme / denn / das ich gehabt habe / wird vnder den Fürsten vmbgetragen. Vnnd darnach an Bucerum schreibt Philippus: Zwingel(Schweitzerischer geist im Zwingel.) hat ein Bekantnus hieher geschickt / darinn er warlich nicht wil dafür angesehen werden / daß er von vnser Lehr vnnd Meinung schlechts mit Worten alleine discrepiere / oder sich absondere / so rumort er ohne not / auch in andern Artickeln. Es lesset sich ansehen / daß in diesem Menschen mehr ein Schweitzerischer / dann ein Christlicher Geist sey / der jhn hat angetrieben zu dieser so trotzigen Confession / etc. Auß derselben des Zwingels Confession / wollen wir fürnemlich / was zu der controuersia vom Abendmal des Herren
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(Anno 1530.) gehöret / hieher verzeichnen / weil die Handlung / so noch zu Augspurg / nach vberreichter Augspurgischen Confession / zwischen Bucero vnnd Capitone mit den protestierenden fürgelauffen / zum theil auß des Zwingels Bekantnus hergerüret / vnnd wie / worinn / vnnd warauff der status controuersiae Cinglianae (der gantze Handel vnnd Streit) damals gestanden / eigentlich eben auß des Zwingels Confessionen kan vnnd soll billich genommen werden. (Zwingels vngereimbte / abschewliche rede vnd meinung / von der Erbsünde.) Zwingels jrrige Wort an Keiser Carolum / von der Erbsünde / sind diese: Vnser Vatter Adam hat eine solche Sünde gesündiget / die warlich vnnd eigentlich Sünde ist / also daß seine Sünde ein Laster vnnd Missethat ist (scelus, crimen, & nefas.) Die aber von jm geboren sind / haben nicht also gesündiget / denn wölcher vnder vns hat den Apffel im Paradiß mit den Zeenen anbissen? Darauß nun folget / wir wollen es zugeben oder nicht / (velimus, nolimus) daß die Erbsünde / wie sie in den Kindern Adams ist / nicht eine Sünde ist / so man Sünde eigentlich nim̅t / wie jetzt gehöret / denn sie ist nicht eine Mißhandlung wider das Gesetz / vnd darumb ist sie eigentlich ein Brest (morbus) Kranckheit / vnd Eigentschafft. Brest / Denn wie Adam auß eigner Lieb sein selbs / gefallen ist / also fallen auch wir. Eigenschafft / denn wie er in Knechtschafft vnd Eigenschafft kommen / vnd sterblich worden ist / also werden auch wir Knechte oder eigen / vnd Kinder des Zorns geboren / vnd sterblich / etc. Vnnd bald hernach: Die Geburt / vnnd nicht das sünden / das die Menschen selbs begangen haben / zeucht vns dahin / daß wir feinde vnnd widerwertige Gottes sind. Item: Der Todt wirdt vns auff den Hals geleget / ob wir gleich nicht gesündiget haben / wie Adam. Wir müssen sterben / aber auß Adams Missethat / vnd auß vnser angeburt / vnd nicht auß vnser Sünde / so man eigentlich Sünde nennet / etc. Item: Nicht alleine die Kinder / so von Christlichen Eltern geboren werden / sondern auch
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der Vngläubigen vnd Heiden Kinder / werden freuentlich geurtheilet(Anno 1530.) / vnnd verdampt. Vnnd mich düncket / daß die vngöttlich vnd vbernemlich (praesumptuosè) thun / die sie (wegen der Erbsünde) verdampt schetzen. Diese Wort des Zwingels sind gar wider das Bekantnus / das er zuuor vngefehrlich bey einem halben jhar zu Marpurg gethan / vnnd sich mit eigener Hand vnderschrieben hat / da die Wort also lauten: Wir glauben / daß die Erbsünde vns von Adam sey angeboren vnd geerbet / vnd sey eine solche Sünde / daß sie alle Menschen verdammet / vnd wo Jesus Christus vns nicht mit seinem Tod vnd Leben zu hülff kommen were / so hetten wir ewiglich daran sterben müssen / vnd nicht zu Gottes Reich vnnd Seligkeit kommen mögen. Von der Kirchen Gottes schwermet Zwingel mit diesen(Zwingel dichtet dreierley Kirchen. 1 der vngleubigen Kinder. 2. der Christen in gemein. 3. eines jeden orts insonderheit.) Worten: Die erste Kirche Gottes / sind alle außerwöhlten zum ewigen Leben. Vnnd sind viel außerwöhlete / die dennoch den Glauben noch nicht haben / als Maria / Johannes / Paulus / da sie noch stummende Kinder waren. Die andere Kirch sind alle / die man Christen nennet / vnder wölchen doch viel verworffene sind / vnnd diß ist die empfindliche vnd eusserliche Kirche / von der eusserlichen Bekantnus wegen. Die dritte Kirche ist ein jede sondere Versamlung oder Gemeine. Vn̅ in der Kirchen (spricht Zwingel weiter) müssen getaufft werden / nicht alleine / die da glauben / sondern alle die / so bekennen / sonst dürffte man niemandt teuffen / weil man nicht weiß / ob der / so bekennet / Glauben habe / oder nicht. Von den Sacramenten setzt er: Ich weiß / daß alle Sacrament(Lösterliche Rede Zwingels von den H. Sacramen ten / Tauff vnnd Abendmal.) fern dauon sein / daß sie Gnad oder erlassung der Sünden geben / oder mit sich bringen oder außtheilen. Stat sententia. Dieses bekenne ich. Sacramenta als eusserliche ding / bringen nicht den Geist. Vnnd der Geist darff keines Fuhrmans noch Wagens / denn er ist selbst die Krafft vn̅ der Wagen. Item:
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(Anno 1530.) Die Gnade des Geistes wirdt nicht mit dem eintuncken (mersione in Baptismo) noch mit dem trincken im Abendmal / hergebracht. Item: Die Tauffe bringet nicht Gnade / sondern bezeuget der Kirchen / daß dem Gnade geschehen sey / der getaufft wirdt. Denn das Sacrament ist ein Zeichen der (zuuor) bewiesenen Gnade / ein sichtbare Gestalt / Form vn̅ Fürbild der vnsichtbaren Gnad / vnnd ein offen Zeugnus / daß vns eusserlich vnnd sichtbarlich zur Kirchen gesellet / etc. (Zwingel wil nur imaginatiuam prae fentiam Ckristi im Abendmal haben.) Vom heiligen Abendmal schreibet Zwingel also: Ich glaube / daß im heiligen Nachtmal der Dancksagung / der ware Leib Christi zugegen sey / im anschawen des Glaubens (contemplatione fidei) das ist / daß die / so Gott dem Herren dancksagen / vmb die gutthat / die er vns in seinem Sohn bewiesen hat / erkennen / daß er ware Menschheit an sich genommen / warlich gelitten / vnnd warlich vnsere Sünde mit seinem Blut abgewaschen habe / vnnd wirdt also alle sache / die durch Christum verhandelt ist / denselben Dancksagenden gleich als gegenwertig / ja im anschawen (Zwingel leugnet / daß der Leib Christi im Abendmal sey.) vnd trachtung des Glaubens (contemplatione fidei.) Aber daß der Leichnam Christi selbs / oder wesentlich (per essentiam & realiter) das ist / der natürliche Leib mit seinem Wesen / gegenwertig im Nachtmal sey / oder mit vnserm Munde vnnd Zeenen geessen (wie denn die Papisten / oder die / so hinder sich blicken auff die Aegyptischen Häfen / ollas AEgyptiacas) lehren / das verleugnen wir / vnnd das nicht allein / sondern wir sagen auch tapffer herauß / daß es ein Irrung ist / die wider Gottes Wort strebet / etc. Denn Christus / der die Weißheit vnd Mund Gottes ist / redet selbs also: Die armen werdet jr allweg bey euch haben / aber mich werdet jhr nicht allwege bey euch haben. Hie wirdt allein die Gegenwertigkeit des Leibes abgeschlagen / denn nach der Gottheit ist er allwege gegenwertig. Denn er ist allwege allenthalben / wie er denn mit einem andern Wort spricht: Ich werde bey euch sein biß zu end der Welt / zwar / nach der Gott / Krafft vnd Gnaden / etc.
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Es darff auch vnser widerpart sorgen nicht / da sie sagen /(Anno 1530.) die Menschheit sey allenthalb / da die Gottheit ist / oder aber die Person werde zutrennet / denn die meinung nimpt hin die ware Menschheit Christi. Denn nichts mag allenthalben sein / weder allein die Gottheit. Vnd daß die Menschheit an einem Ort sey / die Gottheit aber allenthalben / das zertheilet die Personen so wenig / als wenig es das Göttliche wesen zertheilet / daß der(Zwingels gleichnüsse vnd phantasey.) Sohn die Menschheit hat an sich genommen / etc. Wie der Sonnen Leib an einem Ort ist / aber jhr Krafft durchgehet alle ding. Vnd wie die Menschliche Seele vber das Gestirn hinauff / vnd in die Helle hinab langt / vnd doch deß Menschen Leib an einem Ort ist / also ist es mit dem Leib Christi. Item: Christus spricht / Widerumb verlasse ich die Welt / vnnd gohn zum Vatter. Hie stath das Wort / verlassen / etc. Wie er spricht: Bald werdet jhr mich nicht sehen. Vnd es were auch einem betrug gleich (pręstigium aleretur) wenn wir darauff beharren wolten / das sin natürlicher Leib gegenwertig solte sin / doch allein vnsichtbarlich.(Zwingel macht auß dem praesenti ein futurum, denn da der Text also stehet / Ego amplius non sum in mundo, Ich bin nicht mehr in der Welt / etc. da machts Zwingel also / Non amplius ero in mundo, Ich werde forthin nimmer in der Welt sein.) Denn warumb wolte er sich nicht lassen sehen / so er doch hie were? so er sich doch so offt nach der vrstend den Jüngern erzeiget hat? Er spricht / Es ist nütze vnd gut / daß ich hinweg gang. So er nu leiblich / natürlich hie were / so were es je nicht gut / daß wir jhn nicht sehen / etc. Item er spricht: Ich werde fürthin nimmer in der Welt sin / etc. Darauß kundbar ist / daß er nach Menschlicher Natur in der Welt nicht sein werde / etc. Vnd Lucas spricht: Er ist von jhnen hingewichen / vnd in den Himmel erhebet. Vnd saget nicht / Er ist verschwunden / oder hat sich vnsichtbar gemacht / etc. Vnnd Marcus / Der HErr ist in den Himmel empfangen (assumptus est in coelum) vnd sitzet zur Rechten Gottes. Saget nicht / er ist hie blieben / vnnd hat den Leib vnsichtbar gemacht. In Geschichten spricht Lucas: Er ist erhebet worden / vnnd haben sie zugesehen / vnnd die Wolcke empfieng jhn für jhren Augen. Hie hat jhn die Wolcke verdeckt / deß es nicht be
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dorfft (Anno 1530.) hette / wenn er allein das Gesicht verziegen hette (si solummodo aspectum sustulisset) vnnd aber sonst gegenwertig gewesen were. Es hette auch des erhebens vnd entziehen nicht bedorfft. (Zwingels Argumenta wider die Wort Christi vom Abendmal / welche noch heutigs tages der Schwermer Argumenta sind.) Daselbst spricht Lucas weiter: Jesus / der von euch empfangen ist in den Himel / wirdt gleich also kommen / wie jhr jhn habt gesehen in Himmel gahn. Was ist klerers? Er spricht: Von euch ist er empfangen / so was er je nicht bey jhnen / weder sichtbarlich noch vnsichtbarlich / nach der Menschlichen Natur. Wenn wir jhn nun sehen werden widerumb kommen / gleich wie er hinweg gangen ist / so werden wir wol wissen / daß er hie ist. Sonst aber sitzet er nach Menschlicher Natur / zur Rechten deß Vaters / biß daß er wider kommet zurichten die Lebendigen vnd die Todten. Der Engel sprach: Er ist erstanden / vnd ist nicht hie / sehend / das ist der Ort / da sie jhn hingeleget haben. Item: Jesus kam / da die Thüren beschlossen waren / vnd stund in mitten vnter sie. Was hette es hie kommens dürffen / wenn sein Leib allenthalben ist? aber ja vnsichtbar / wie sie sagen. Es were gnug gewest / daß / der sonst da was / sich nu gezeiget / vnd zukennen geben hette / vnd hette kommens nicht dörffen. Item / Daß aber der natürliche wesentliche Leib Christi / mit vnserm Munde nicht gegessen werde / hat er selbst gelehret / da er den Jüden / die von dem leiblichen essen seines Fleisches zancketen / also sagt: Das Fleisch ist gar nichts nütz / ja natürlich zuessen / aber Geistlich zuessen ists viel nütze / dann es bringet das Leben. Was auß dem Fleisch geborn ist / das ist Fleisch / vnnd was auß dem Geist geborn ist / das ist Geist. Wen̅ nun der natürliche Leib Christi mit vnserm Mund gessen würde / was solte auß dem Fleisch / das natürlich geessen wirdt / anders / weder Fleisch werden? Vnd damit diese rechnung niemandt leicht düncke (ne leue videatur alicui argumentum) so höre den andern theil / was auß dem Geist geboren wirdt / das ist Geist. Darauß folget /
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was Geist ist / das muß auß Geist geboren sein. Ist nun das(Anno 1530.) Fleisch Christi heilsam der Seel / so muß es geistlich gessen werden / nicht leiblich. Vnnd diß dienet auch zur Sache der Sacramenten (ad sacramentorum materiam) daß Geist von Geist geboren wirdt / vnd von keinem leiblichen dinge. Paulus berichtet vns / daß er habe Christum etwa bekennet nach dem Fleisch / so kenne er doch jhn nimmer nach dem Fleisch. Mit den orten werden wir gezwungen zuuerjehen / daß die Wort / Das ist mein Leib / nicht natürlich / sondern bedeutlich / müssen genommen werden / gleich als die: Hoc est Passa, das ist der Vberschritt / denn das Lamb / das man jhärlich aß / vnd das hochzeitlich Fest (feriarum celebratio) waren nicht der Vberschritt / sondern es bedeutet das fürgahn (praeteritionem & saltum) oder Vberschritt / der vor zeiten beschehen was. Darzu dienet auch das nachkommen (successio) daß das Nachtmal nach dem Lamb kommen ist (quod agno successit coena) denn Christus brauchet gleiche Wort / vnnd zusammen setzung der Wort (compositionem verborum, etc.) Darzu dienet auch die Eigenschafft aller gedechtnüs / die behalten den Namen deß / dessen sie gedechtnüs halten / als wie die Athenienser genant haben , schuldlüffterung (leuationem oneris seu debiti,(.) leichterung der schulden) nicht daß alle jhar die schuld geringert würde / sondern das Solon ein mal gethan hat / das preisen sie für vnd für / vnnd halten jhr gedechtnüs mit dem Namen dessen / das einmal geschehen / rei ipsius nomine. Also wirdt der Leib vnnd Blut Christi genennet / das / das doch allein ein Symbolum vnd Zeichen deß Leibs vnd Bluts Christi ist. Nun folgen auch argumenta. (1.) Wie der Leib mit geistlichen dingen nicht mag gespeiset werden(Zwingel gibt klug keit für / in Göttlichen Sachen / vnd füret Christum zur Schul.) / also mag auch die Seele nicht mit leiblichen dingen gespeiset werden. Wirdt nu der selbs natürlich Leib Christi gessen / so frage ich / ob er den Leib oder die Seele speise? den Leib aber speiset
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(Anno 1530.) er nicht / ergo, so muß er die Seele speisen. So er aber die Seele leiblich speiset / so jsset die Seele Fleisch / vnnd bleibet das nicht war / daß Geist allein auß Geist geboren werde. (2.) Ich frage / was der natürliche Leib Christi geessen nütze? Antworten etliche / Er bringet vergebung der Sünde. Wenn das war ist / so haben die Jünger verzeihung der Sünden im Abendmal. Ergo, so ist Christus vergeblich gestorben / oder so der geessene Leib (comestum corpus) die Frucht vnnd Krafft deß leidens Christi außtheilet / wie sie fürgeben / so folget / daß die Frucht deß leidens Christi vnd seiner Erlösung / außgetheilet ist / ehe sie geboren vnd worden ist. So aber / wie andeee vngelehrte sagen / der natürliche / leibliche geessene Leib / den Leib deß Menschen speiset zur Aufferstehung / so wirdt er noch viel mehr vnsern Leib gesund machen / vnd von Kranckheit erlösen. Aber Irenaeus wil anders verstanden werden / wenn er saget / vnser Leib werde mit dem Leib Christi gespeiset zur Aufferstehung. Denn er wil anzeigen / daß die Hoffnung vnser Aufferstehung bekrefftiget werde / durch die Aufferstehung Christi. En lepidum tropum. (3.) So der natürliche Leib Christi im Nachtmal den Jüngern gegeben ist / so ist noth / daß sie denselben geessen haben / wie er dazumal gewest: Nun ist er damals passibile & vulnerabile corpus, leidenbar gewest. Ergo, so müssen sie den Leib geessen haben / der verwundet solte werden / denn er je noch nicht verkleret war. So aber vnser widerpart saget / sie haben wol denselben Leib geessen / aber nicht vulnerabile & passibile, der da verwundet solte werden vnnd leiden / sondern wie er nach der Aufferstehung war. So sage ich widerumb / Ergo, so hat Christus entweder zweene Leib gehabt / einen / der noch nicht verkleret / vnd den andern / der verkleret worden: Oder aber derselbige Leib hat zu einer zeit müssen tödlich vnnd vntödlich (passibile & impassibile) gewest sein. Vnnd weil er den Todt so sehr gefürchtet / hette er je nicht wollen leiden / sondern hette sich an das / wölches vn
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tödlich war / gehalten (corporis ista dote vti, qua indolens erat)(Anno 1530.) vnnd were also sin Liden vnd Sterben nicht warhafftig geschehen / sondern nur ein schein vnd hypocrisis gewest / dadurch denn Marcion fein würde widerumb herein geführet von diesen Andabatis, blinden Schirmern / etc. Ambrosius schreibet vber die Wort Pauli (Ihr solt den(4.) Todt des Herren verkündigen.) Dieweil wir mit dem Todt des Herren erlöset sein / sind wir dessen eingedenck mit dem essen vnd trincken / bedeutend das Fleisch vn̅ Blut / die für vns auff geopffert sind. Augustinus spricht / Der Leib Christi / der von todten aufferstanden(5.) / muß an einem ort sein / oportet in vno loco esse. Vnd ob gleich gelesen wirdt / potest in vno loco esse, so ist doch das potest falsch. Augustinus aduersus Adimantum, cap. 13. sagt / Der Herr(6.) hat gesaget / Das ist mein Leib / da er das Zeichen seines Leibes gehabt. Die Alten haben allzeit symbolicè zeichenlich vnnd bedeutlich(7.) geredt / wenn sie vom essen des Leichnams Christi geredt haben / als wenn ich sagte: Die Lilie dörret oder wächset für den König auß Franckreich / dem gehet auff vnnd abe / denn die Lilien ist sein Zeichen / also auch hie / etc. Wie das Brot den Leib enthelt / vnd der Wein sterckt vnnd macht frölich / also macht das Sacramentliche esse die Seele gewiß von der Barmhertzigkeit Gottes / daß er seinen Sohn gegeben / etc. Eben damals hat Zwingel auch wider D. Ecken / von dem(Zwingel schreibt an die Fürsten gen Augspurg / wider Doctor Ecken.) er war angegriffen / an die Fürsten gehn Augspurg geschrieben / vnnd erstreiten wollen. Erstlich / daß die Sacramenta nicht außtheilen einige Gnad. Zum andern / daß im Abendmal der ware natürliche Leib Christi nicht geessen werde / ob er gleich darin gegenwertig sey / auff zweierley Meinung. Erstlich / contemplatione fidei, im anschawen des Glaubens. Zum andern / propter
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(Anno 1530.) symboli actionem, sacramentaliter, & in mysterio, zum Zeugnus / daß Christus ware menschliche Natur an sich genommen / vnnd sein Leib hiemit bedeutet werde / vnnd seiner gedacht werde / Gleich als wenn ein Haußuatter / der vber Land wil reisen / zu seinem Weibe spricht / da hastu mich deinen Mann / vnnd gibt jhr seinen Ring / dabey soll sie seiner eingedenck sein / ob er schon fern abwesend ist / etc. So weit haben wir des Zwingels abschewliche Rede vnnd Meinung / dafür ein Christlich from Hertz offtmals erschrecken muß / erzelen wollen / auff daß man den statum vnd gantzen Handel des leidigen Sacramentierischen Streits recht ansehen vnd behalten könne. (Zwinglianer sind von der Augspurgischen Confession abgesondert.) Was aber zu Augspurg hernach zwischen den Protestierenden vnnd Zwinglianern ferner gehandelt worden / dauon wollen wir auß öffentlichen Acten auch hieher kürtzlich etwas verzeichnen. Dieweil die Zwinglianer weder in die Bruderschafft genommen / noch zur gemeinen Subscription der Augspurgischen Confession kondten zugelassen werden / wölche nun dem Keiser vberantwortet war / hat Martinus Bucerus nicht nachgelassen (Butzer gibt abermals für / es sey nur ein Wortgezäuck / vnnd begert ein Gesprech.) anzuhalten vmb Vereinigung vnnd Vergleichung mit den vnsern. Vnnd hat sonderlich fürgewand / es were kein Streit zwischen vnsern vnnd jhren Kirchen / was den Handel des Nachtmals des Herrn an jhm selbst betreffen thete / sondern were nur ein Wortgezäncke / darinn es zuthun sey vmb etliche sonderbare Reden / vnnd köndte die sache durch ein Christlich Gesprech wol erörtert werden. Vnd weil Bucerus / Capito / Blarer / vnnd andere anhielten / hat Johan Brentz mit jhnen geredt / aber von der andern wegen sich nicht eingelassen / sondern allein trewlich zu referieren sich erboten. Als sie aber sonderlich darauff gedrungen / daß Philippus vnnd die andern / mit jhnen semptlich reden vnd schliessen möchten / hat jnen Philippus mit folgendem schreiben seine Meinung zuuer stehen geben.
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Philippus Melanthon Martino(Anno 1530.) Bucero vnd seinen mituerwandten.
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Brentius hat mir den innhalt ewerer mit jhm gehabten vnderredung / angezeiget / ich hette auch keine beschwerung(Philippus erkläret sich / daß ers mit den Zwinglianern nicht halte / noch sich mit jnen in ein Gesprech einlassen könne.) mit euch gegenwertig zureden / wenn ich jetzund nicht durch andere Gescheffte gehindert würde. Denn jr solts gewißlich dafür halten / so ich etwa ewer Lehr nicht allerding für recht halte / daß ich gleichwol ohne alle Verbitterung / vnnd ohne Haß / anderer Meinung bin. Mich düncket / es sey weder dem gemeinen besten zutreglich / noch meinem Gewissen zurhaten / daß ich vnsere Fürsten mit ewerer verhasseten Lehr beladen solte / die ich weder mir selbst noch andern für recht vnnd warhafftig darthun kan / als die wider der gantzen Kirchen Zeugnus ist. So fern jhr aber schrifftlich mit mir conferieren wollet / so solt jhr gewißlich wissen / daß ich ewere Brieffe also verwaren wil / daß euch keine Gefahr darauß entstehen soll. Zwinglius hat ein Bekantnus hergesand / darinn er warlich(Zwingel hat kein Christlichen Geist.) nicht wil dafür angesehen sein / daß er allein mit Worten anders lehre denn wir. So rumoret er ohne not / auch in andern Artickeln. Es scheinet daß mehr ein Schweitzerischer / denn ein Christlicher Geist sey / der jhn eine solche trotzige Bekentnus zuschreiben angetrieben hat. Ich wolte gantz gerne / daß der Streit von des Herren Abendmal / köndte beygeleget vnd gestillet werden. Vnd wil / so jhr hieuon mir etwas schreiben wollet / gern antworten. Datum den 23. Julij. Als aber vnder den vnsern in Rhat gestellet / ob sie mündlich in weniger Person beysein / mit dem andern Theil von der gantzen sachen Vergleichung handeln solten / oder ob es füglicher durch schrifftliche Erklärung / die man behalten vnnd darauff fussen köndte / geschehen möchte: Haben sie bedencken gehabt /
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(Anno 1530.) in solche mündliche vnderredung zu willigen. Vnd dieweil Bucer bey dem Churfürstlichen Sächsischen Cantzler D. Brücken / bey Ehrn Johann Brentzen vnd andern fürgeben / wie es allein ein Wortgezänck zwischen jhnen vnnd den Lutherischen were / so sie doch sonst der Hauptsachen einig: Ist für thatsam angesehen / daß dem Bucer der Hauptstreit / oder die Hauptpunct / darinn der gantze Streit beruhet / auff das allerkürtzest / schrifftlich solten zugeschickt werden. Damit / wo er sich drauff richtig erklärete / weiter / was der sachen notturfft erfordert / darinn fürgenommen / vnnd auff eine gründliche Einigkeit gehandelt möchte werden. Solche Artickel sind durch Philippum Melanthonem Lateinisch gestellet / vnd durch den Cantzler D. Brücken dem Bucer zugesandt. (Philippus schreibet Artickel vom Abendmal / die dem Butzer vnnd andern Sacramentierern zugestelt worden / jhre antwort darauff zuthun.)

Artickel / darinn die Zwispalt von der Gegenwertigkeit des Leibs vnd Bluts Christi im Abendmal zwischen D. Luthern vnnd des Zwingels Mituerwandten / fürnämlich beruhet. Von D. Brücken Churfürstlichen Sächsischen Cantzlern dem Bucer zugestellet.
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(Die Sacramentierer machen den Leuten nur ein blawen Dunst für die Augen.) Bucer vnd die seinen / halten schlechter ding dafür / daß der Leib Christi im Him̅el sey / vnnd nicht mit dem Brot oder im Brot / wesentlich gegenwertig sey. Sagen gleichwol / daß der Leib Christi warhafftig zugegen sey / aber durch beschawung des Glaubens / das ist / in Gedancken (imaginatione) also daß er mit Gedancken gegenwertig gebildet werde. Das ist schlecht vnd einfeltig jhre Meinung. Sie machen den Leuten einen blawen Dunst für die Augen / damit / daß sie sagen / Christus sey warhafftig zugegen. Vnd setzen gleichwol dazu / durch beschawung des Glaubens / das ist / in Gedancken / damit sie wider leugnen die wesentliche Gegenwertigkeit.
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Wir lehren / daß der Leib Christi warhafftig vnnd wesentlich(Anno 1530.) gegenwertig sey mit dem Brot / oder im Brot. Vns dünckt(1. Butzer handelt hinderlistig.) aber / daß Bucer hiemit hinderlistig handelt / wenn er sagt: Wir sein in diesem Artickel miteinander eins / nemlich / dieweil wir die Transubstantiation oder verwandlung deß Brots / sämptlich verwerffen / vnd sagen / Brot bleibe. Wiewol wir sagen / daß der Leib Christi wesentlich zugegen(2. Christi Leib ist wesentlich / nicht aber reumlich / im Abendmal.) sey: So sagt doch D. Luther nicht / daß er localiter, reumlich in einer grösse vnd vmbschrieben / da sey: Sondern auff die weise / wie die Person Christi / oder der gantze Christus bey seiner Kirchen vnd allen Creaturen gegenwertig ist. Hierauß folgert Bucerus / wenn Christi Leib auff diese(Buceri imaginatio.) weise zugegen ist / wie der gantze Christus bey allen Creaturen gegenwertig ist: so folget / daß der Leib Christi / nur an einem ort reumlich sey. Vnnd daß alle andere dinge / dieweil sie andere vnterschiedne vnd weit abgelegene örter haben / nicht wesentlich dem Leib Christi gegenwertig sein / sondern obiectiuè. Also disputiert er / daß die Gegenwertigkeit nur darinn stehe / daß sich einer mit Gedancken den Leib Christi als gegenwertig bildet. Aber Bucerus betreugt sich / vnnd andere / mit dieser imagination,(Warhafftige vnd wesentliche gegen wart deß Leibs Christi im Abendmal.) Denn er nimmermehr die wesentliche vnnd warhafftige Gegenwertigkeit deß Leibs Christi im Brot zuleßt. Nu müssen wir bekennen / daß es eine warhafftige vnnd wesentliche Gegenwertigkeit sey / vnd sollen nicht disputieren / ob es eine reumliche / oder anderer Art Gegenwertigkeit sey. Auff diese Artickel / so wir kürtzlich vnnd in einer summa erzehlet haben / hat D. Bucer / dem Churfürstlichen Sächsischen Cantzler / D. Brücken / mit folgendem Schreiben geantwortet: Ich dancke E. Achtb. Daß sie mir eine antwort vom Philippo(Butzers autwort.) erlangt hat. Aber wenn er meine meinung recht vernemen
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(Anno 1530.) vnnd erwegen wollen / hette er nicht dörffen dazu setzen / daß ich hinderlistig den Leuten / einen Blawen dunst für die Augen machte / vnnd anders redte / als ichs meinete: Dieweil er vnd die seinen auff die warhafftige Gegenwertigkeit deß Leibs Christi dringen. Das hab ich lange wol gewust / vnnd so ichs zuuor nicht gewust / hette ichs doch zu Marpurg von jhm in D. Luthers Zimmer vernemen können / da er eben das jenige / so er hie schreibt / mir vnter Augen sagte. Aber dauon disputiere ich jetzund / daß eben die Gegenwertigkeit deß Leibes Christi / dauon sie lehren / die ohne alles auff vnd abfahren / vnd ohne allen raum / bestehen köndte / wie D. Luther in seinem bekentnüs helt (wenn schon Christus reumlich im Himmel were / etc.) keine andere Gegenwertigkeit sey / denn die wir durch beschawung deß Glaubens (contemplatione fidei) haben. Denn sie lehren / daß durch das Wort der Leib Christi ins Abendmal gebracht / vnd durch den Glauben genossen werde. Was kans für eine andere weise der Gegenwertigkeit sein / da viel vnterschiedene örter der Person Christi zugleich als ein pünctlein gegenwertig sein / wie sie in den Artickeln / so mir E. Achtb. zu geschickt / bekennen. Aber was darffs viel Wort / M. Philippus bekennet / daß der Leib Christi / also mit dem Sacrament sey / wie vns Christus nach diesen seinen verheissungen / gegenwertig ist: Wir wollen Wohnung bey jhm machen. Ich wil mitten vnter jhnen sein. Ich bin bey euch biß zur Welt ende. Item / Christus wohnet in euch / Das bekennen wir auch / vnnd verstehen die jetzt angezogene Sprüche / wie sie von den H. Vätern verstanden sind. Dieweil nun M. Philippus der Vätter authoritet so hoch helt / was ists wunder / daß mich düncket / daß er / so viel die Sache an (Bucerus ist der meinung / der auch Oecolampadius ist.) jhr selbst belanget / mit vns vberein stimme? Denn das sage ich noch einmal / vnnd mache darumb den Leuten keinen blawen dunst vor die Augen / daß die Wort contemplatione fidei, durch
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anschawung deß Glaubens / vns viel mehr als ein bloß gedechtnüs(Anno 1530.) deß abwesenden Christi bedeute / welches auch Oecolampad in seinem Dialogo gnugsam bezeuget. Mich nimpt aber wunder / warumb man damit nicht zu Frieden / daß ich geschrieben habe / die vnseren strecken aber solche Gegenwertigkeit viel weiter / als die durch das vnfeilend Wort Gottes / vnnd gewaltige Wirckung deß H. Geistes / bestehet: Dieweil sie doch selbst also reden / daß der Leib Christi durchs Wort ins Abendmal gebracht werde / vnnd die Vätter hin vnnd wider / daß Christus durch die Krafft deß H. Geistes gegenwertig were / bezeugen. So ich nu hie die Gegenwertigkeit allein von der Krafft vnnd Wirckung vnd vom H. Geist verstehe: So müssen sie eben dasselbige auch verstehen / dieweil sie eben dieselbige Wort brauchen: Aber was darffs viel Wort? hat doch Oecolampadius gnug vnnd vberig gnug bezeuget / daß vns auch der ware Leib deß HERRN im Abendmal gegenwertig gereichet werde / aber also / wie es Chrysostomus vnd andere Vätter gegleubet haben / allein der Seelen vnd dem reinen hertzen / das in den Himmel durch den Glauben erhaben ist. Wir gleuben auch / daß Gott alle ding müglich ist / dieweil(Butzer helt sich nur an die reumliche gegenwart des Leibs Christi an einem gewissen ort im Himmel.) aber die H. Schrifft / den leib Christi / so wol nach der aufferstehuug / als zuuor / allzeit nur an einem ort / leiblich / vnd nimmer in vielen örten zugleich / beweiset: So kan ich auch nicht anders dauon halten / daß der Leib Christi nirgend anders als reumlich sey / ist nicht vnsere meinung: man verstehe dann (etwa sein) nach eigenschafft eines leibs. Denn wir bekennen / daß der ware vnd gantze Christus allenthalben sey / wo Christen sind / denn er wohnet in jhnen. Daß er aber leiblich an einem ort sein solte / vnd doch nicht raum geben oder nemen / das sagen wir / sey wieder die Natur vnd Eigenschafft eines waren Leibs.
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(Anno 1530.) Also sagen wir / daß wider die Natur eines waren Leibs ist / (Das einige Argu ment Bützers vn̅ der Sacramentierer ist: Es ist wider die Natur eines Menschlichen Leibs. Ergo so ist der Leib Christi nicht jm Abendmal.) zugleich an vielen orten sein / wie Augustinus, wie Thomas, wie Bonauentura, vnd viel andere / die niemandt jemals / souiel diese meinung belangt / anders als rechte Lehrer gehalten hat. Diese Wort Augustini, daß Christus an einem Ort deß Himmels / von wegen eines waren Leibs Eigenschafft / sey / die gleuben wir war sein. Vnd daß er auff die weise / wie er im Himmel ist / zugleich auch anderßwo im Brot / oder mit dem Brot sein solte / dasselbige pflegen wir nach der Schrifft / mit allen Vättern vnd Schullehrern zuuerneinen. Dieweil aber dieses S. Augustini meinung ist / dauon wir nicht ein Haar breit weichen / vnd M. Philippus denselben / als der es mit jhm vom heiligen Abendmal eintrechtig halten sol / erkennet. Darumb daß er offt sagt / daß im heiligen Abendmal der Leib Christi warhafftig zugegen sey: Wie kömpt es denn / daß sie vns nicht dafür erkennen / daß wir mit jhnen eintrechtig hierinn halten / da wir eben dasselbige / (Butzer wil es mit D. Luthero nicht halten / vnd spricht doch / sie sein einer meinung / vnd es sey nur ein Wort gezenck.) wie Augustinus, bekennen? Was die Eigenschafft deß Leibes Christi antrifft / da bekenne ich / daß wir es mit etlichen / die D. Luthers meinung vertheidigen / nicht halten / wissen aber nicht / obs auch M. Philippus, mit denselbigen halte. Habe jetzund allein vom Streit deß Abendmals reden wollen. Wir gleuben / daß Christi Wort vom Abendmal warhafftig sind / vnnd bekennen / daß Christus also gegenwertig sey / wie die Wort lauten / wie die von alten Vätern verstanden sind / nemlich / warhafftig vnd wesentlich. Was haben denn die ewern für Vrsach / darumb sie vns verwerffen? Aber von Eigenschafften der Menschlichen natur in Christo / vnd von seiner Auffahrt in Himel / gleuben wir / wie die heiligen Väter / so viel derselbigen noch verhanden sind / alle dauon geschrieben / vnd die Schullehrer jhnen gefolgt haben. Mit denen stimmen etliche auß den ewern nicht vberein. Dieweil sie aber dieselbige nicht darumb
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für vnchristen halten / warumb haben sie denn mit vns auch nicht(Anno 1530.) hierin gedult? Da sollen aber E. Achtb. nicht an zweiffeln / daß die heiligen Vätter / ettlicher allhie / als ewers theils Meinung gantz nicht geduldet hetten / wie jhre Schrifften bezeugen / habe auch nicht zweiffel / wo dieser Streit vom Abendmal nicht eingefallen / daß sie auch auff dieselbige Meinung nimmermehr würden kommen sein / denn ja D. Luther viel anders in seiner Postill von diesem Artickel gelehrt hat / wölches sein bestes Buch ist. Daß aber E. Achtb. schreiben / es dünckte sie beschwerlich sein / wenn solche grosse Vneinigkeit / allein von einem Wortgezäncke herfliessen solte / das ist eines Christlichen Gemütes anzeigung / aber es ist leider vor zeiten auch also viel heiligen Leuten begegnet. Daß aber die vnsern / von dieser sache jetzund nicht mehr also reden / wie sie vor der zeit gesedt haben: Soll E. Achtb. nicht wunder nemen / denn zuuor der gemeine Pöbel viel vngehewres dings geglaubet / vn̅ dem Brot zugeschrieben hat / was dem Herren Christo gebüret. Da haben die vnsern erstlich allein wider des gemeinen Volcks Irrthumb / vnd Aberglauben geschrieben / aber dieweil man meinet / daß sie dem Carlstad darinn zufielen / vnnd D. Luthern abfielen: hat D. Luher vnnd andere wider sie geschrieben / wölche Schrifften / daß sie billich von den vnsern / sonderlich in dem Verstand / wie sie der Pöbel annam / widerleget sein / das wirdt E. Achtb. mit allen Gottseligen einmal selbst erkennen. Es reden auch die letzten Schrifften Lutheri vnnd Brentij reiner vnnd bedechtiger / von diesem Geheimnus / als die ersten. Darumb nicht wunder / daß auß den letzten Schrifften mehr Einigkeit zuspüren ist. Aber es hat dem Herrn also gefallen / daß wir jetzund also miteinander streitten sollen. Es wirdts aber der tag einest geben / wölcher Theil Christi Ehre reiner verfochten / vnd Christo rechtmessiger nachgefolget sey / dem dancke
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(Anno 1530.) ich / daß er mich alle Mittel / so zu Einigkeit jmmer dienstlich sein möchten / hat versuchen lassen. Der wirdt auch verhoffentlich geben / daß ich in meinem Leben oder Todt bezeuge / daß ich Christi Meinung warhafftig gefolget habe. Die ewern mögen zusehen / wölchem Geist sie folgen / da sie mit vns sich zu vnderreden wegern / vnnd vns viel mit vngrund aufflegen / das niemand darthun kan. Christus wolle E. Achtb. vnnd die Euangelische Fürsten / zu seines Namens Ehren erhalten / vnd geben / daß jhr einmal in vns vnnd dieser gantzen sachen / was Christi ist / erkennet. Wenn er das gibet / werdet jhr bekennen / daß wir nichts vnrechts hierinn geglaubet oder gelehret haben. Vnder des wolte ich / daß ewre gelehrten so auffrichtig weren / daß sie vns nicht anderer Lehr vnnd Practiken beschuldigten / denn sie wissen daß war ist. E. Achtb. wollen diß schreiben für gut auffnemmen. Denn Christus weiß / daß ich solches keiner andern Vrsache / denn zu außbreitung der Ehre Christi geschrieben. In wölchem E. Achtb. an Leib vnnd Seele gesund vnd selig leben / vnnd mich jhr im Herrn befohlen sein lassen wolle. Datum Augspurg 1. Aug. Anno 1530. Nach dem aber auff die zeit nichts endlich darinn geschlossen / daß vnsere / den Bucer vnd seine Gesellen / für Brüder erkennen wollen: Vnnd aber doch nicht desto weniger Bucerus stets drauff beharrete / daß seine vnd D. Luthers Meinung / im grund (Bucer schreibt an D. Lutherum.) einig were / ob schon in Worten vnd Form zureden eine vngleichheit scheinete: Ist für gut angesehen / daß Bucer selbst an D. Luthern schreiben / vnd jhm seine Meinung erklären wolte. Desselbigen schreibens gedenckt Philippus in seinem Brieff an Lutherum / des Anfang ist: Per Cyriacum plura, &c. im getruckten Tomo 1. Epist. folio 24. mit diesen Worten: Bucerus schreibt euch von des Herrn Abendmal / vnd wil vnsere Meinung dauon annemmen. Er helt / daß der Leib Christi im Brot zugegen sey / das ist die summa. Ich hatte jhm propositiones fürgeschrieben /
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aber er hat auß gutem bedencken seine eigene propositiones an(Anno 1530.) euch gesandt. Darauff antwortet D. Luther in einem Brieff an Philippum / des Anfang ist: Vtinam vos breui, &c. mit diesen wenig Worten: Ich antworte dem Bucero nichts / denn du weissest / daß(D. Lutherus hat kein gefallen an des Butzers Griffen.) ich solche verschlagene Griffe vnd Boßheit von Hertzen meide / vnd gefallen mir solche Leute nicht. Nicht desto weniger (weil nun fürnemlich / vnnd fast allein vom Abendmal des Herren / zwischen Luthero vnnd etlichen andern / der Streit war / wölche Vneinigkeit den Papisten sehr lieb / den andern aber sehr leid /) ist Bucerus bald hernach / noch vor Außgang des Reichßtags / mit vorwissen des Churfürsten zu Sachsen / vnnd seiner Obrigkeit / selbst zu D. Luthern gehn Coburg gereiset / vnnd wie diese(Butzer berreiset selbst zu D. Luthero gehn Coburg.) Zwiespalt beizulegen / vnnd Christliche Einigkeit widerumb gestifftet möchte werden / mit jhm gehandelt. Vnd hat sich damals zugetragen / daß D. Lutherus im Schloß zu Coburg ein Fledermauß / so in sein Gemach geflogen / angehefftet / vnnd nach jhr geschossen / sie getroffen / vnnd da er das Pöltzlein herauß gezogen / zugleich auch das Hertz der Fledermauß mit genommen / vnnd zu M. Veit Dietrichen gesprochen / Vite, du wirst sehen / daß solches etwas noch heut diesen tag bedeuten wirdt / daß ich der Fledermauß das Hertz getroffen habe: Eben denselben tag kömmet Bucerus gefahren / vnd lest sich bey D. Luthero angeben / Da so bald D. Lutherus M. Vitum Dietrichen erinnert hat / Sihe da / Vite, ich wil der Fledermauß das Hertz treffen / wölches auch geschehen / vnnd hat Bucerus von D. Luthero gleichwol ein gar Christliche / glimpffliche / friedfertige / vnd nit eine vnebne Antwort bekommen (responsum non incommodum) wie es Sleidanus lib. 7. nennet / also daß er auch bald hernach zu Oecolampadio vnd Zwinglio / eben der Vrsach halben / gereiset. Es ist aber durch allerhand fürgefallene hinderung solche Einigkeit dazumal verblieben.
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(Anno 1530.) Es hat aber dennoch Zwinglius (wie Lauaterus schreibet) dem Bucero geantwortet / es solte jhm gerechte / billiche Friedshandlung nicht entgegen sein / aber er hielte nicht dafür / daß Lutherus von seiner Meinung / so er einmal gefasset / würde abzubringen sein / Derwegen möchte sich Bucerus wol fürsehen / daß er nicht vergeblich mühe / arbeit vnd vnkosten / drauff wendete. Es haben auch die Abgesandten der Protestierenden vom Reichßtag den Fürschlag Buceri von seiner Pacification / Conciliation (Der Prediger zu Nürnberg schrifft liche berhatschlagung / wider die Zwinglianer / daß man sich mit Gott vnd gutem Gewissen / mit jhnen in kein Gesprech / ver trag / noch bündnus einlassen könne.) vnd Vergleichung / jhren Herrn vnd Obern / ferner vnd fleissiger zuerwegen vnd zuberhatschlagen / vndergeben / darauff auch im selben jahr die Prediger zu Nürnberg einen Rhatschlag vnd bedencken / an einen fürsichtigen / weisen Rhat gestellet / wölches bey den Fürstlichen Sächsischen Cantzeleyen verhanden / vnd also lautet. Fürsichtige / erbare / weise / günstige liebe Herrn / E. E. W. haben vns durch jhren Rhatschreiber lassen anzeigen / wie daß etliche tapffere Stände vnnd Personen / den Zwingel vnnd seine fürnembsten Anhänger vnd Mituerwandten / in dem Verstand des heiligen Abendmals des Herrn / vom Irrthumb abzuwenden / durch eine öffentliche Disputation / oder ein sonderlich Gesprech sich solten willens sein zubemühen / vnd derhalben an vns begeret / vnser gutbedüncken / ob es gut / fruchtbar vnnd zuthun sein würde / schrifftlich anzuzeigen. Derhalben sein wir nach fleissigem nachdencken zusammen kommen / vnnd einhelliglich / auß mancherley bewegung vnnd wichtigen Vrsachen / für gut angesehen / daß man / so viel sich jmmer leiden kan / solches fürnemmens soll müssig gehen / vnd das auß vrsachen / wie hernach folget. Erstlich / dieweil der heilige Paulus zu Tit. 3. spricht: Einen ketzerischen oder abtrünnigen Menschen vermeide / wann er einmal vnd abermal vermanet ist / vnd wisse / daß ein solcher verkert ist / vnd sündiget / als der sich selbst verurtheilet hat.
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Daß aber der Zwinglj / vnd was seiner meinung anhanget /(Anno 1530.) Ketzerisch vnnd abtrünnig sey / ist öffentlich am tage / denn sie(Zwinglianer sind Ketzer vnd abtrünnige Leute / lassen sich durch Gottes Wort weder weisen / noch lencken.) nicht alleine für etlichen tagen anders gegleubt vnd gelehret haben / denn jetzo / sondern auch jhre jetzige Lehr ist wider das öffentliche / vnleugbare Wort Gottes / durch drey Euangelisten vnd Paulum bezeuget / vnd sie können noch wollen keinen Grund noch Vrsachen auß der heiligen Schrifft anzeigen / daß man solche Wort anders verstehen muß / wiewol das in mancherley wege von jnen gefordert ist worden / sondern gehen allein mit der blinden Vernunfft vmb / also / daß jhre Vrsachen vnd Argument viel mehr beweisens dörffen / denn die Heuptsache selbst / wie öffentlich am tage ist / allen / die jhre Schrifft fleissig lesen. So(Zwinglianer sol man meiden vnd neiden / als ruchlos.) hat vns ja der heilige Geist durch Paulum vnterrichtet / wie wir vns gegen jhn halten sollen / nemlich / sie meiden / vnnd nicht mit jhnen disputieren / derhalben nicht noth noch nütze ist / auß fürwendung deß scheins der Liebe vnd der hoffnung / daß sie möchten gebessert werden / sich gegen jhnen einzulassen. Denn sie sein durch öffentliche außgegangene Schrifften nicht einmal oder zweymal / sondern offtmals vermanet vnd vberwunden / vnd verharren doch in jhrem jrrthumb. Erforderte nu das die Liebe / daß wir vns weiter gegen jhnen solten einlassen / so würde freylich der heilige Geist / der ein Brunn aller lieb ist / nicht sprechen / vermeide einen solchen / sondern lehre vnnd vnterrichte einen solchen. Vnd were noch eine Hoffnung jres widerkerens / so würde ohne zweiffel der heilige Geist / der alle künfftige ding wol weiß / nicht sprechen / wisse / daß er verkeret ist / sondern / wie weistu / ob du jhn noch möchtest gewinnen? Vber das alles / ob gleich zuhoffen were / daß etliche Ketzer möchten bekehret / vnd zur Warheit bracht werden / so ists doch von denen nicht mehr zuhoffen / denn sie sind nicht allein verkehret / wie Paulus sagt / sondern sie sündigen auch in jhrer Lehr eine solche Sünde / die jhr eigen Gewissen verdampt / daß sie
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(Anno 1530.) warlich / wie Paulus spricht / sich selbst verurtheilen. Das ist aber die Sünde in den heiligen Geist / die weder hie noch dort vergeben (Die Sacramentierer begehen die Sünde in den heiligen Geist zum Tode.) wirdt / eine Sünde zum Todt / für die zubitten der heilige Johannes keinen bemühen wil / welches man darbey wol sihet / daß Zwingel so hoffertig ist / daß da jhm seine erste rechte meinung / die er vom heiligen Sacrament gehalten / gelehret / geschrieben / vnnd auffs höchste bezeuget hat / würde fürgeworffen / war nicht so demütig / daß er hette gesprochen / ich habs desselben (Zwingels hinderlistige vertuschung seines falschen wahns ein lange zeit.) mals noch nicht verstanden / oder etwa dergleichen / das einem guten Gewissen were wol angestanden / sondern vnterstehets auffs vngeschickste zuuertheidigen / nemlich also: Es habe jhn desselben mals noch nicht zeit gedaucht / vnnd man müsse der geschickligkeit der zuhörer war nemen / welchs dennoch leidlich were / wiewol es vnchristlich / wenn er meinet / man solte die erkandte Warheit sparen / biß an seine zeit. Er aber hat / als seine Wort vberzeugen / nicht allein seine Warheit / als ers jetzo helt / verschwiegen / sondern auch die rechte Warheit stadtlich gelehret / darauff gedrungen / darüber bezeuget vor Gott vnd Christo / daß ers nicht anders noch besser wisse / welchs ein gewaltig anzeigen ist / eines verstockten / Gottlosen / verzweiffelten Hertzens. Vnd wiewol wir nun solches nicht gleuben / daß es jhme jemals ein ernst gewesen sein sol / sondern wol wissen / daß es nicht also ist / so sehen wir doch auff seine Wort / vnd bewegen / was das bedeute (Zwingel verurtheilet sich selbst.) / daß er am ersten recht geschrieben / vnd für Gott vnd Christo bezeuget / er wisse nicht bessers / vnd hernach darff sagen / er habe es nie also gehalten / sondern allwege wol gewust / daß nicht der Leib vnnd Blut Christi warlich sey im Abendmal / er habe aber der schwachen müssen schonen / das muß je ein Gewissen sein / das eigentlich jhm selbst nicht recht geben kan / sondern sich selbst verurtheilen muß. (Zwinglianer wer den stets in lügen ergriffen.) Weiter ist wissentlich vnd öffentlich / ja auch greifflich am Tage / daß der gantze Zwinglische hauff / in jhrem Schreiben /
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nicht allein in öffentlichen / vnwidersprechlichen Lügen zu mehr(Anno 1530.) mal ergriffen sein / sondern auch in solchen Lügen / das menniglich bekennen muß / daß es fürsetzliche Lügen sein / welchs aber ein gewiß Zeichen ist / daß sie an jrer Sache selbst zweiffeln / vnnd sie nicht getrawen mit lauter blosser Warheit zuerhalten / derhalben das Vrtheil jhres eigenen Gewissen hierinne auch herfür bricht. Vnd vber diß alles spüret vnnd sihet man den Grewel jhres(Zwinglianer sind verschlagene verfürische Leute / wollen mit vns einig sein / vn̅ sind vnd thun doch allzeit gar das wider spiel.) Hertzens vnd Gewissens / in dem / daß sie anfahen / mit fleiß vnd grosser mühe jhren jrrthumb in solche feine geschmückte / außgelesene Wort zu kleiden / daß sie die einfeltigen damit betriegen / wie wir dann mercklich sehen in der Copeyen deß Artickels vom Abentmal / so die Gesandte̅ von N. N. auff dem nechste̅ Speyrischem Reichßtag von sich geben haben. Dann in derselben sihet man klerlich / daß sie sich befleissen / also von der Sache zureden / daß wir meinen sollen / sie halten eben wie wir / wie dann etliche schon damit betrogen / vnd herauß gefahren sein / sie gleuben auch eben also. Nun ist öffentlich am Tage / daß sie nicht gleuben / daß im Abendmal der Leib vnnd Blut Christi sey / wie nicht allein jhre Schrifften vnd Lehr / sondern auch die öffentliche Feindschafft / so sie gegen Luther tragen / Zeugnüs geben. Ja sie bekennen auch in dieser Copey jhren jrrthumb / mit den verdeckten Worten: Aber die / so ohne waren Glauben das Nachtmal halten / die essen jhnen das Vrtheil / vnnd gar nicht den Leib vnnd das Blut Christi. Vnd dürffen dennoch fürgeben / sie gleuben / vnd lehren festiglich zugleuben / wie es die drey Euangelisten vnnd Paulus geschrieben / ohne zusatz / ohne verenderung / ohne Menschen außlegung vnnd verduncklung der Vernunfft / in aller einfalt deß(Warinn der streit stehe zwischen vns vnd den Sacramentierern.) Glaubens. Wer wolte nu / wenn er diese Wort höret / nicht dafür halten / sie weren mit vns einhellig? Herwiderumb / wer merckt nicht auß den andern Worten / daß sie vns gantz vnnd gar mißhellig sind / denn der Streit ist gar nicht / was der
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(Anno 1530.) nutz deß Abendmals sey / sondern was das Abendmal an jhm selbst. So wir denn nicht einhellig sind / vnd jhre Wort einhelligkeit (Der Sacramentierer Mund redet anderst / denn jhr Hertz ist.) fürgeben / so muß jhre rede von vns entweder nicht recht verstanden werden / oder aber muß jhr Hertz vnnd Mund nicht zusammen stimmen. Am verstand aber fehlet es warlich nicht / denn wir können von Gottes Gnaden Teutsche Sprach so wol / oder auch baß / dann sie / darumb ist offenbar / daß sie anders reden / denn es in jhrem Hertzen ist. Es ist auch offenbar / daß sie wissen / daß wir jhre Wort nicht werden verstehen / wie sie im Hertzen haben / vnd köndten doch wol anders vnnd also reden / daß sie wüsten / daß wir jhr Hertz lauter verstehen würden / vnd thuns doch nicht / Darumb ist öffentlich / daß sie vns fürsetziglich begeren zubetriegen. (Sacramentierer haben ein böß Gewissen / vnd dörffen nicht frey herauß an dz Liecht / sondern verbergen jhren gifft.) So ermessen nun E. E. W. ob sie nicht ein böses Gewissen haben / das sich bey der Sache fürchtet / dieweil sie nicht an das Liecht frey Teutsch / verstendig vnnd vnuerwickelt herauß dürffen / sondern verbergen jhren gifft vnter solchen Worten / die auß jrer Eigenschafft solch gifft vnnd jrrthumb nicht anzeigen / noch entdecken. Ermessen auch / ob nicht der Sathan / ein Vatter der Lügen / jhr Lehrmeister sey / dieweil sie vns begeren mit falschen Worten zublenden / denn sie auch der Teutschen Sprach gewalt thun / Denn es ist je zweyerley / wenn ich spreche: (Eins dings geniessen / vnd / Ein ding geniessen / sind vnterschiedliche reden.) Ich geneuß das ding / vnd geneuß des dinges. In dem zeige ich an / daß das ding deß nutzes Vrsprung sey / im ersten / daß es der nutz selbst sey. Also möchte man recht Teutsch sprechen: Abraham vnnd andere fromme Jüden / haben deß Leibs vnd Bluts Christi genossen / Sie haben aber den Leib vnnd das Blut Christi nicht genossen. Herwiderumb / Judas hat den Leib vnd das Blut genossen / Er hat aber deß Leibes vnnd deß Bluts nicht genossen. Solche vnterscheid wissen sie wol / vnnd sprechen dennoch / ein Christ geniesse den Leib vnnd das Blut / so sie es doch nicht gleuben / sondern widerfechten. Ermessen auch E. E. W.
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wie vnchristlich / vnnd der Warheit gantz vngemeß / sie fürgeben /(Anno 1530.) vnd sprechen / Wir lassen sonst einen jeden in seinem Verstande bleiben / wie jhn Gott füret. Denn sie in diesen Worten fürgeben(Die Sacramentierer achten die Lehre vom heiligen Abendmal gering / vnd vnnötig / daß man drüber soll vneinig werden.) / als liessen sie es geschehen / ob einer die Wort verstünde / wie wir sie verstehen / wie sie den̅ auch vor in etlichen außgegangenen Brieffen vnnd Büchern haben fürgeben / es sey nicht so viel daran gelegen / ob man sich darüber zweien / vnnd die Liebe zutrennen soll. Wölches zum ersten öffentlich nicht war ist / denn sie lassen nicht einen jeden in seinem Verstande bleiben / sondern predigen vnnd schreiben dawider / als wider den höchsten Irrthumb vnnd Abgötterey / wölches wider etliche Artickel des Christlichen Glaubens / vnd wider die heilige Schrifft sey / wie wir denn müsten bekennen / daß war were / wenn sie recht hetten. So thun sie(Sacramentierer thun / als verzweifelte Buben / vnnd löstern Gott.) auch als verzweiffelte Buben / wenn sie es also thun / vnnd zugeben / daß ein jeder glaube vnnd verstehe / wie er wil / dieweil sie halten / es sey wider etliche Artickel des Glaubens. Sie löstern auch Gott auffs höchste / in dem / daß sie jhm zulegen / als solte er etliche(Gott füret vns nit in widerwertige meinung vnd verstand.) in den / etliche in andern verstand füren / so er doch ein Gott des Friedes / vnd nicht der Vneinigkeit ist / vnnd noch viel mehr in dem / daß er ettliche solt in den Verstand füren / der wider die Artickel des Glaubens ist / als sie sagen. Haben sie aber in diesen jren Worten recht / daß sie billich einen jeden in seinem Verstand lassen bleiben / darinn jhn Gott füret / daß er jhn nicht wil anhangen / so sind sie verzweiffelte Bösewicht / die vnsern Verstand / darin vns Gott führet / angefochten / Irrthumb vnnd Abgötterey gescholten / vnd dem Glauben entgegen geurtheilet haben. Auß dem allem ersehen ohne zweiffel E. E. W. daß sie(Vnbestendigkeit vnd leichtfertigkeit der Sacramentierer / die nun mehr verkeret vnd dahin gegeben sind.) Ketzer vn̅ abtrünnige sein / denn sie haben etwa recht gelehret / vn̅ für Gott vnnd Christo bezeuget / sie wissen nichts bessers / Nun aber sind sie abgefallen / vnnd lehren anders / sagen auch / sonderlich Zwingli / er habe es allwege gewust / vnd allein der zeit vnnd
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(Anno 1530.) der schwachen geschonet. E. E. W. sehen auch das / daß sie bekeret sein / denn sie mannigfaltig vberwunden / nicht widerkeren. E. E. W. verstehen auch / daß sie sich selbst verurtheilen / das ist / daß sie jhr eigen Gewissen heimlich schlegt vnnd strafft / dieweil sie mannigfaltig mit lügen vnd triegen vmbgehen. Vnnd das das gröste ist / sehen E. E. W. daß sie Gott schon dahin geben / verstossen vnd gestrafft hat / daß sie solch jhr Vrtheil / darinn sie sich selbs verurtheilen / müssen beide mit Worten vnnd Wercken offenbar machen / daß mans greiffen mag. Dieweil denn des heiligen Geistes Meinung vn̅ Befehlich lauter vnd klar ist / man solle sie meiden / vnd wissen / daß sie verkeret sein / vnd sündigen / als die sich selbst verurtheilen / alsbald sie einmal vnd abermal vermanet sind / wieuiel mehr sind sie zuuermeiden nach so vielfeltiger Vermanung / Vberwindung / Offen barung jhres liegens vnnd triegens / wider jhr eigen Gewissen? etc. (Wer sich mit den Sacramentierern ferner einlest / der thut wider des H. Geistes Befehl.) Wie kan doch etwas gutes darauß kommen / wenn man wider des heiligen Geistes Meinung vnd Befehl wil lehren / die er vrtheilet / sie sein schon verkeret / vnnd wil viel zuthun haben mit denen / die er befihlet zumeiden? Zum andern / ob man hoch bewegen wolte den Schaden / so man fürbildet / als solte solche Zwitracht beide geistlichem vnnd weltlichem Regiment / sehr nachtheilig sein / das lassen wir wol ein Ansehen haben bey der Vernunfft / daß es aber für Gott in der Warheit also sey / das wirdt sich nimmer finden. Denn der heilig Geist sagt durch Paulum zun Corinthern: Es müssen (Es müssen Spaltung sein.) Spaltung sein / auff daß die / so beweret oder bestendig sein / offenbaret werden. Wenn nu der heilig Geist das Vrtheil fellet / Es müssen Spaltung sein / wer wil es abwenden? Man sihet / wie es vor zeiten ist gangen / je mehr man durch menschliche Wege vnnd
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Weißheit / Secten vnnd Spaltung hat wollen abschneiden / je(Anno 1530.) mehr man derselben verursachet hat. Vnnd wenn denn Gott die Bestendigkeit der seinen wil offenbarn / vnnd durch mancherley vngeschickte / hässige Secten / den Haß / Zorn vnnd Neid / so die seinen tragen müssen in der Welt / ringer machen / vnnd sehen lassen / daß sie auff der rechten Bahn geblieben / vn̅ zubleiben willens sein / Warumb wollen wir durch Vermischung vnnd Verbindung zu den jrrigen vnd abtrünnigen / solche grosse vnnd vnaußsprechliche Gnade verhindern? Es ist je schon beschlossen im Himmel / daß solche Secten nicht dienen werden zur Verderbung der rechten Christen / sondern nur zur Offenbarung jhrer Bestendigkeit. Zum dritten / Wenn wir vns gleich fürbilden den nutz / der im geistlichen vnnd weltlichen Regiment darauß kommen solte / vnnd setzen / daß die Disputation auffs allerbeste gerhate / wie wirs jmmer wünschen köndten / so ist leichtleich zu beweisen / daß der nutz keiner würde hernach folgen / deren wir hoffen vnd begeren. Denn ob gleich Zwingli / Oecolampad vnnd Butzer / sich(Die verführten Schäfflein können schwerlich wider zu recht kommen.) begeben vnnd erkenneten / daß sie auff ein Sand gebawet hetten / vnnd bekerten sich auß grund jhrer Hertzen / das weren nur drey Menschen. Dieweil aber der heilige Geist spricht / der Glaube ist nicht jedermans ding / vnnd niemandt kömpt zu Christo / denn wen der Vatter ziehet / vnd glauben alleine die / deren Hertz Gott berühret / Wo würden so viel hundert tausent Menschen bleiben / die jetzo verführet sein / wenn sie Gott nicht berühret? So glaubten sie dem bekerten Zwinglj weniger / denn dem bestendigen Luther / berhüret er sie dann / so werden sie auff den Zwinglj nicht warten. Wenn sich nun die Hirten bekereten / vnd die Schäfflein jrrig bleiben / was würde anders darauß folgen / denn daß sie jhnen andere Hirten suchten / die noch vngeschickter weren? vnnd da wir jetzt eine Sect haben mit zweien oder dreien Irrthumen(Ein einige Sect gebieret viel andere Secten.) / würden wir wol zehen Secten mit hundert Irrthumen
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(Anno 1530.) gewinnen / Denn es ist eben also gangen zur Apostel zeit / vnnd darnach wenn ein Sect durch den Todt / oder durch Gnade / das Haupt verlor / wurden so viel Häupter vnnd Secten darauß / als viel jhrer vnder dem Hauffen ehrgeitzig / vnd sich etwas geschickt deuchten sein: Auß des einigen Simonis des Zeuberers Irrthumb / sind nach seinem Tode vnzehliche entsprungen / wie man bey jhren Irrthumben wol sihet. Solte man nun vber solcher der wenig Personen Bekerung sich lassen düncken / der sache were geholffen / vnd sich denn jhres Landuolcks annemmen / als Christlicher Glieder / vnd widerumb sich hülff zu jhnen versehen / da würde man recht anlauffen / denn sie weren noch in Gottes Zorn / vnnd wir hielten nicht dafür / daß wir vnrecht theten / die wir vns zu jhnen verbünden / wölches die sache nur erger macht / vnd würden billich mit denen verderbet / vnnd in alles vnglück geführet / die wir haben auß befehlich des heiligen Geistes sollen meiden / vnd das nicht gethan hetten. Denn man soll einen grossen vnderscheid machen / zwischen (Vnderscheid vnder gleubigen vnd vngleubigen bundsgenossen.) gleubigen vnd vngleubigen Bundesgenossen / vnnd wir halten / es sey beides vnrecht / wenn man sich mit hülff frommer Christenleut gewalts vnnd vnrechts also erwöhren köndte / daß man nicht wider Gottes Gebott thete / vnnd wolts verachten / vnnd eines Wunderwercks von Gott erwarten. Oder aber / wenn man sich auff die mennig vnd stercke verlassen wolte / deren / mit denen wir nicht zuschaffen haben solten / wie vns die heilige Schrifft der Exempel viel anzeigt / daß die Könige Juda kein Glück gehabt / wenn sie sich zu den Aegyptern oder Abgöttischen Königen / jhren Nachbarn in Israel verbunden haben. Herwiderumb wenn sie derselben Gottlosen Leute müssig gangen / seines Worts sich beflissen / vnnd auff jhn getrawet haben / sein sie nie verlassen worden. So verbeut Moses auch dem Volck in der Wüsten / sie sollen zu Chore / Dathan / vnnd Abiram / nicht na
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hen / nichts / das jhr ist / anrühren / nicht mit jhnen zuthun haben /(Anno 1530.) daß sie nicht auch das Erdreich mit jhnen verschlicke. Dieweil wir dann gleichen befehl haben / solche Menschen zumeiden / dürffen wir auch keines andern Vrtheils gewarten. Zum vierdten / muß man gewarten / es sey der jrrthumb vom(Die Sacramentierer haben nicht allein einen jrrthumb / sondern es steckt viel wüstes Gottloß wesen hinder jhnen / voller grewel vnd jrrthumben.) Sacrament nicht alleine / Dann wer kan gleuben / wo der Teuffel vberhand gewinnet / daß er sich an einem jrrthumb genügen lasse? Wie denn Zwingli schon herauß ist / vnnd verleugnet die Erbsünde / welcher jrrthumb wol grewlicher ist / denn der vom Sacrament. Solten wir nu einen jrrthumb hinweg thun / vnnd die andern noch nicht wissen / vnnd darüber einerley verstandes mit jhnen haben / so würden sie mit andern jrrthumben desto frewdiger herauß fahren / vnnd wir daran schüldig werden / ist auch keine hoffnung / daß man solcher Gefahr fürkommen könne. Denn man hat wol gesehen vnnd erfahren / was Bündnüs thun / wenn sie gemacht sein / was der grösser vnd erger theil wil / da müssen die Frommen auch mit / oder trewloß gescholten / vnd in grosser Gefahr stehen. Zum fünfften / muß man auch besorgen / der Teuffel / der ein(Sacramentierische Geist stellt sich erstlich Englisch / aber darnach wirdt er ein Teuffel / vol list vnd betrug.) Lügner vnd ein Mörder ist / dürffte wol / ein solch Bündnüs zufördern / eine weile heucheln / vn̅ sich allerding schön machen / als hielte ers gantz mit vns / biß er vns das Hertz abstöle / vnd wir keine Sorge mehr trügen / als denn solte er wol erst wider anheben durch die seinen / vnd so viel Lügen vnd Mordens anrichten / daß wir die Hende auff dem Kopff möchten zusammen schlagen. Hette man dem Carlstad getrawet / da er widerruffte / vnnd wider in sein Ampt vnnd Wirde eingesetzt / solte man wol erfahren haben / warumb der Teuffel durch jhn / vnnd in jhm / also geheuchelt hette. Zum sechsten / ist auch zubesorgen / dieweil wir sehen / daß sie mit betrieglichen Worten vmbgehen / sie möchten vns vber
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listen (Anno 1530.) / vnnd jhre meinung mit solchen schalckhafftigen Worten fürtragen / daß wirs recht sein liessen / vnd sie soltens dennoch anders meinen / denn wir verstünden. Wenn wir nun Einigkeit der Meinung schliessen / vnnd darauff einander etwas zusagten / wenn denn offenbar würde / daß sie es anders gemeinet vnnd gedeutet hetten / weren wir beyde / des geistlichen vnd zeitlichen halb / in grosser Gefahr / vnnd würde in der gemeine schwerlich zuurtheilen sein / welcher theil den andern betrogen hette / oder betriegen wolte. Darauß abermal nichts denn schande / schade / vnnd grosse ergernüs zugewarten were. Zum siebenden / gebe man dem gemeinen Man ergernüs / (Gemein ergernis.) als der gedencken würde / Wil man viel vnterreden vnnd disputieren / so ist die Sache entweder noch gar zweifflich / oder hat ein theil den andern nicht recht vernommen / Daher mancher fallen würde. (Schedliche gefahr vom Zwinglische̅ hauffen.) Zum achten / Dieweil zu vermuten / der Zwinglische hauffe würde ohne stercke nicht kommen / ist zubesorgen / derselbe hauff würde in Herbergen vnnd Winck eln viel schadens thun dem gemeinen Man / ob sie gleich vns im Gesprech nicht ein Haar / weder im schein noch im grunde / möchten angewinnen. Zum neundten / solten wir ohne end vnd nutz wider von einander / so würde jedes theil das Feld behalten haben / vnd rhümen / er hette gewonnen. Dadurch sie dann aber nur mehr Vrsache / eingangs vnd vortheils hetten / von newem zu erregen vnnd verführen / die bißher bestendig blieben. Zum zehenden / ist auch zubesorgen / vnd fleissig zubedencken / was für grosser schade / ergernüs vnnd nachtheil / darauß entstehen (Zwinglianer biegen die Schrifft nach jhrer Vernunfft / vnd gehen mit List vnd Lügen vmb.) möchte / wenn der Stende einer / so solch Gesprech verursachen / oder der Person eine / so zu solchem Gesprech gezogen worden / solt in jrrthumb fallen / vnd verführet werden / welches doch wol geschehen köndte / dieweil sie mit so viel List vnnd Lügen gerüstet sein / die Schrifft so biegen / vnnd jhr jrrthumb der Ver
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nunfft so gleich ist. Darzu / dieweil wir von Gott befehl haben /(Anno 1530.) sie zumeiden / als die wir sie nicht allein nicht besser können machen / sondern auch in der Gefahr stehen / daß sie vns möchten erger machen / vnd doch solchen Befehl Gottes wolten verachten / vnd viel wesens mit jhnen haben / Denn Salomon spricht: Wer sich gern in Gefahr gibt / der ist auch wol werth / daß er darinn verderbe. So fern gehet der Prediger zu Nürnberg Christliches bedencken / welchs wol in acht zunemen ist / daß man auch darauß sehen könne / wie richtig es dazumal zu Nürnberg gestanden / vnd was für ein rechter ernst vnd Gott wolgefelliger eiuer / in dieser Sachen wider die Sacramentschender / beide bey der Obrigkeit / vnd bey den Lehrern oder Predigern gewest sey. Eben in demselbigen jhar hat Philippus Melanthon etliche Sprüche der heiligen Vätter / vom Nachtmal deß HErren / zusammen bracht / vnd an Fridericum Myconium geschrieben / wie sie Anno 30. gedruckt. Dawider hat nicht lange hernach(Sententiae Philippi M. collectae ex Patribus de Coena Domini.) Oecolampadius einen Dialogum geschrieben / wie auch wider die Epistolam Philippi, so Anno 1529. zu Speyr geschrieben / eine antwort außgehen lassen. Vnd weil wir ohne noth achten / dasselbe gantze Büchlein Philippi / welches Lateinisch vnd Teutsch verhanden ist / hieher zu setzen / wollen wir nur etliche stück darauß / dardurch der handel einfeltig erkläret wirdt / vnnd nicht die gantzen Sprüche der Vätter / an diesem ort kürtzlich erzehlen. In der Vorrede an Myconium stehen diese Wort Philippi: Die alten Vätter haben eben das vom Abendmal deß Herrn gehalten vnd gegleubet / was wir auch jetzund halten vnnd gleuben / nemlich / daß der Leichnam vnnd das Blut vnsers HErrn warhafftig sey gegenwertig im Abendmal. Es ist nicht zurhaten / auch nicht sicher / von dem gemeinen Verstand der alten Kirchen abzuweichen. Von etlichen wer
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den (Anno 1530.) wir angesehen / als die eines stümpffen verstandes sein / daß wir in den Worten deß Euangelij / Das ist mein Leib / nicht sehen eine andere deutung / oder vernewerung einer Gleichnüs (Tropus, Metapho ra, gilt nicht im Abendmal.) halben / wie denn in sich helt nach der Redmeister lehre / der Tropus Metaphora, vnd daß wir nicht verstehen / auß solcher weise zureden / oder deutung / daß wir entlediget möchten werden von vnzehlichen vnd vnendlichen Fragen. Es lest sich ansehen für eine Narrheit / daß man also fest halte vber dem Sinn oder Verstande der vorigen Wort / sintemal viel ein scheinbarlichern Verstandt mit sich bringet dieselbige andere deutung / nach dem Tropo Metaphorae. Dieselbige werden mich auch schelten / daß ich in solchen Zeugnüssen der Vätter nicht vermerckt habe die vbertreffliche heimliche vnd geistliche Meinung. Es sind mir aber nicht vnwissendt solche listige Ertzney: aber was kan man mit solcher weissen Kunst nicht hinderlistig widerlegen vnnd zu nicht machen / wann einem jeglichen raum vnd macht würde geben / auß seinem eigenen Kopff vnd willen / solche hohe geistliche Deutung zuerdichten? Denn auff solche weise haben etliche hinderlistige Menschen / die gantze Christliche Lehr in die Philosophiam gemengt / vnnd gantz vnnd gar eine andere Gestalt geben. (Der Va̅tter vnd Lchrer waren mei nung von der gege̅wart deß Leibs Christi im Abendmal.) Ich halte es gewiß vnd festiglich / daß die Vätter festiglich vnd ernstlich bekennen / daß der Leib deß HErrn warhafftig gegenwertig sey im Abendmal / vnd reden nit alleine von der Krafft vnd Wirckung / sondern von der leiblichen Gegenwertigkeit. Die jenigen / die wider vns sind / bringen auffs allermeiste auß den Schrifften der Alten / nicht mehr denn zweene Sprüche / jhre meinung zubefestigen. Ohne gewisse vnd feste Zeugnüs wil ich nicht halten noch bekennen eine newe Lehr / welche mit sich zeucht den allergrösten Fall der allergrösten ding. Denn es ist warlich gar schwer dem Gewissen / zudulden vnnd zutragen die vnruhe solcher erweckten Zwitracht / etc.
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An gemeltem ort gedenckt Philippus des Carlstads / daß er(Anno 1530.) ein wilder / roher / vnbesonnener Mann gewesen / voller Vnuerstands(Carlstad / was er für ein wüster Mensch gewest sey.) / Neides / Haß / rachgier (wie oben Anno 1524. weitleufftiger angezeigt) in wölchem Man̅ / spricht Philippus / keine Anzeigung gewest des heiligen Geistes / noch Göttlicher Ehre vnd Furcht / der nur wie ein trunckener grober Mensch geschrien / vnd zu groben / vnlustigen dingen / mit schenden vnnd löstern / lust gehabt / etc. Vnnd solches schreibe ich / sagt Philippus / daß man gewarnet werde / sich zuhüten für diesem Teuffel / denn er hat wünderliche List vnd Rencke / vnnd wünderliche gefärbte Werck vnd Dienstbarkeit / durch wölche er sich flickt vnnd einwickelt in die gemüter der Menschen / wiewol er seine Natur vnnd Eigenschafft nicht lang kan verbergen / denn er hat ein angebornes hitziges vnnd vnruhiges Hertz / derhalben er bald an tag gibt seine Ehrgeitz / Zorn vnd neid. Vigleph stürmet auch dergleichen / der doch sonst in vielen andern Stücken voller Irrthumb stecket / auß wölchem man vrtheilen mag seinen Geist. Summa / Das ist meine Meinung / daß es nicht zurhaten noch zuthun sey / daß man in die Christliche Kirche solche Lehr vnd Opinion bringen wolle / die gar kein Zeugnus noch Grund habe von der alten Kirchen / die zu der Apostel zeit / vnd bald darauff gewest ist. Derhalben hab ich der Vätter Sprüch / vom Abendmal des HERRN / zusammen gebracht / auff daß wir gewisse Zeugnus der alten Lehrer hetten / in wölchen mächtig bewiesen wirdt / daß der Leib des Herrn warhafftig im Abendmal gegenwertig sey. Haec Philippus in praefatione sententiarum de Coena. Im beschluß eben desselben Büchleins / spricht er weiter:(Christus ist an keinen ort gebunden / vnd sein Leib ist nicht in ein gewiß ort eingeschlossen.) Man hat kein gewiß Zeugnus der Schrifft / auß dem man erweisen möge / daß Christus also an einem ort sey / daß er nicht zugleich auch an einem andern ort sein möge. Vnd alles was man auffbringen mag / daß Christi Leib an einem einigen ort sey / das
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(Anno 1530.) sind nur Argument auß der Vernunfft genommen. Wenn aber das solte gnug sein / die Artickel des Glaubens auß der Vernunfft örtern vnd richten / würde sich nie kein Zanck von der Gegenwart des Leibs Christi im Sacrament / erhoben haben. Denn es sihet ja jedermand wol / wie gar es wider alle Vernunfft ist / solches zuglauben / Aber also schliessen sie gleichwol alle / man müsse in den Artickeln des Glaubens nicht der Vernunfft / sondern der klaren hellen Schrifft folgen / Gott gebe es reime sich mit der Vernunfft / wie es wolle. (Sacramentierer haben kein bestendigen grund / vnnd jhr alfentzen helt in der anfechtung / den stich nicht. Die wort Christi / das ist mein Leib etc. sind eitel Donnerschläge auff die Sacramentschender.) Ich sihe noch keinen bestendigen Grund auff derer seiten / die das Sacrament anfechten / warumb vnsere Meinung vnrecht sey. Es mag wol sein / daß der andern Meinung den vnuersuchten sichern Hertzen baß gefalle / darumb / daß sie sich fein mit der Vernunfft reimet / vnnd mit subtilen scharpffen Argumenten auffgemutzt ist / Aber es wirdt eigentlich den stich nicht halten / wenn die Anfechung vnnd das Gewissen kommen wirdt / vnnd sie fragen / was für Gründe sie haben / daß sie von der rechten Meinung / wölche jmmerzu von der Apostel zeit in der Kirchen gewest / auff eine newe vngegründte / jrrige Opinion / gefallen sind / da werden denn auß diesen Worten (das ist mein Leib / Das ist mein Blut) eitel Donnerschläge werden / wölche das Hertz also zuengsten vnd zuschlagen werden / daß jhme die Welt zu enge darob soll werden. Denn was wil ein verzagtes blödes Hertz wider diese Donnerschläge auffbringen? Wölche Sprüche / wölches Wort Gottes wirdt sie da gewiß machen können / daß das Wörtlein EST / so viel sey / als / Es bedeutet den Leib / (Vnnersuchte / sichere / rohlose hertzen / werden zu Sa cramentierern.) oder es ist ein Figur des Leibes? Warlich die leichten vnuersuchten Leute / die so bald newe Secten vnd Wahn in die Leute bringen / wissen gar nichts von solchem Kampff vnd Arbeit des Gewissens / sondern lassen jhnen jhre Gedancken vnnd scharpffe Köpffe besser gefallen / dann die helle dürre Schrifft. Ich habe versucht / vnd weiß es / wie gar keinen stich in der not vnd Anfech
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tung solche Lehre halten möge / so wider das Wort Gottes fürgenommen(Anno 1531.) werden / sie scheinen gleich wie sie wollen / sonderlich aber diese gegenwertige Zwiespalt vom Sacrament ist darumb desto erger vnnd grösser / daß es sich so ansihet / sie werde mit sich bringen eine grosse Enderung in der Kirchen vnnd im gantzen Reich. Wer wil sich nun / ohne helle / klare Zeugnus / ohne Schrifft / mit einem solchen vntreglichen Gewissen beladen? Darumb wil ich mich dem Wort Gottes / vnd der alten Kirchen nach halten. Ich sehe keine genugsame vrsache / daß durch das Wort (Leib) allein ein Zeichen des Leibes / der nicht gegenwertig ist / verstanden werden soll / etc. Vnnd ist wol zumercken / wenn etwas sich stösset mit der(Der Schrifft soll man folgen / vnnd nit der natur oder der vernunfft / inn Göttlichen fachen. Die Sacramentierer machen auß dem Christlichen Glauben / ein lautere Philosophey / vn̅ figural Gesang auß jhrer Vernunfft / ohne Choral vnnd ohn Text oder Wort Gottes.) Vernunfft / vnnd reimet sich mit jhr nicht / so es sich doch mit der Schrifft / vnnd andern Artickel des Glaubens reimet / daß man da soll der Schrifft mehr / dann der Vernunfft folgen / Denn es müssen ja die Sprüche hell vnnd klar sein / darauß wir vnsern Glauben vnd Artickel nemmen. Denn wenn man mit den Artickeln des Glaubens vmbgehen möchte nach eines jeden Wahn vnnd Meinung / würden wir gar keinen behalten / wie wir sehen / daß jhrer etliche schon gethan / wölche mit der weise auß dem Christlichen Glauben nichts anders gemacht / denn eine lautere Philosophey. Denn sie hielten es dafür / daß die Christen / als gute albere Leute / die Figuren in der Schrifft / nicht recht verstünden / vnd darumb viel närrische / vngereimte Artickel / ohne Vrsache für war hielten vnnd glaubten / wie ich wol in vielen Stücken anzeigen wolte / aber ich wil der schwachen verschonen. Denn man kan die einfeltigen Gewissen sehr bald in den sachen (wo man von der Schrifft kompt) jrre machen. So sehen wir auch / wie zu vnsern zeiten der tollen Köpffe viel sind / die mit subtilen / behenden Glößlein / sich versuchen / etliche Artickel zuuerfälschen.
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(Anno 1530.) Vnser Herr Gott gebote dem Abraham / daß er sich solte (Abraham hat nit wollen Sacramen tierisch werden / sonst hette er dem Wort Gottes nit gehorchet. 1. wider die natur 2. wider das Gesetz. 3. wider alle vernunfft. 4. wider die verheissung / etc.) beschneiden lassen. Das wirdt die Heiden auß der massen lecherlich gedaucht haben / vnd dennoch hat er die Wort / wie närrisch vnnd lecherlich sie lauten / in jhrem einfeltigen schlechten Verstande müssen bleiben lassen / vnnd nichts anders drauß machen. Da hette ein Klügling auch mügen Kunst für geben / es sey nicht müglich / daß Gott so närrisch ding von den Leuten fordere / es müsse einen andern Verstandt haben / etc. Vber das kan man keinen Spruch auß der Schrifft auffbringen / darauß man bewehren köndte / daß der Leib Christi nit im Abendmal were / oder daß man die Wort des Abendmals anders deuten soll / denn sie lauten. So hat sie die alte Kirche auch so gehalten vnd gebrauchet / ohne alle frembde Deutung / wie sie lauten / daß es sich also niergend stösset / denn allein an der Vernunfft (Vernunfft vnnd Wort Gottes / rei men sich nit zusam men. Eins muß dem andern weichen.) / die kan es nicht zusammen reimen. Das ist aber keine Vrsache / daß man darumb von den hellen / klaren Worten weichen soll. Denn so das gelten solt / daß dieser vnnd ander Artickel darumb solten falsch sein / daß sie sich mit der Vernunfft nicht reimen / würden wir gar keine Zuflucht vnnd Auffenthaltung in nöten vnnd Anfechtung haben / etc. Vernunfft kan sich mit dem Wort vnd Verheissung Gottes nicht vereinigen. Es reimet sich eben als wenig mit der Vernunfft / wenn die Anfechtung verhanden ist / daß man glaube / es sey war / was die Schrifft saget / von dem gnedigen willen Gottes / als es sich reimet / daß Brot vnd Wein / der Leib vnd das Blut Christi sey. (Col. 2. Sehet zu / daß euch niemand beraube durch die Philosophey vnnd lose verfürung / etc.) Es wils nit thun mit den Geometricis & Physicis speculationibus, die machen die vnuersuchten sichern Leute gar toll / wen̅ sie in die H. Schrifft gerhaten / vn̅ alles mit der Vernunfft fassen wollen / sondern also soll man thun / dz man allein auff die Schrifft sehe / vnnd sich darauff gründe / vnnd wenn man in der Schrifft kein gewisse helle Zeugnus findet / daß entweder im Brot der ware Leib Christi nicht sey / oder die Wort anders / denn
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sie an sich selbs lauten / zuuerstehen sein / daß man darnach stracks(Anno 1530.) schliesse / daß sonst kein Argument / es scheine vnnd gleisse wie es wolle / gnugsam sey / eine newe Opinion vnd Lehr / wider die klaren Wort zulehren / sonderlich weil so groß ergernüs darauß entstehet / welche keinem Menschen zuertragen müglich sind / ohne gewisse vnd helle Zeugnüs der Schrifft. Neben diesem allem sind sonst viel Sprüche von Christo in der Schrifft / die mich dahin dringen / daß ich festiglich gleube / Christi Leib sey warhafftig im Abendmal / kan auch keine(Wazu die Sacra ment eingesetzt.) Vrsach finden / warumb Christus da gegenwertig nicht sein möge / da er doch warhafftig etwas wircket. Denn das ist ja gewiß / daß die Sacrament dazu eingesetzet sind / daß Gott die Hertzen dardurch erregen vnnd bewegen wil / zum festen Glauben / vnnd nicht darumb allein / daß sie ein eusserlich Mahlzeichen sein sollen / dabey man die Christen für den Heiden erkenne / wie man bey der Kleidung einen Wahlen für einen Teutschen / einen Münch für einen Leyen erkennet. So ist auch groß daran gelegen / daß man in dieser Sache(Wozu der Sacramentierer disputationes dienen / nemlich / zu fieischlicher sicher heit / vnd Epicurerey.) den waren nutz vnd Brauch deß Sacraments recht vnd gründlich verstehe / Were auch viel besser / daß man die Gewissen damit vnterrichtete / wozu solch Sacrament eingesetzt sey / denn daß man mit den Geometricis speculationibus vmbgehet / ob ein Leib ohne ein raum / vnd mehr denn an einem orte / sein möge / etc. Welche disputationes zu nichts anders dienen / denn daß man je röher vnd wilder dauon werde / vnd zu letzt gar nichts gleube / wie wir leider schon an vielen sehen. So ferne haben wir Philippi eigene Wort erzehlen wollen(Ob Philip. Mel. sein Büchlein von den sententijs patrum auffgehaben vnd verworffen habe / wre die Sacramentierer fürgeben.) / dabey wir endlich auch diß anzeigen müssen / daß vnsere Widersacher / die Sacramentierer / ein groß geschrey machen / als habe Philippus dasselbige Büchlein / von den Sprüchen der Vätter vom Abendmal / durchauß selber gentzlich verworffen.
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(Anno 1530.) Vnd wollen dasselbige beweisen auß seiner Vorrede / die er gesetzt hat vber den ersten Tomum seiner Bücher / die zu Basel zusammen gedruckt worden / An̅o 1542. Aber wer dieselbige Vorrede lieset / befindet im augenschein / daß Philippus in keinem wege / die Sprüche der alten Vätter / von der waren wesentlichen Gegenwertigkeit deß Leibs vn̅ Bluts Christi im Abendmal verwirfft / sondern er saget / daß etliche Sprüche / so vnter dem Tittel Cypriani / Ambrosij / oder Theophylacti angezogen werden / supposititia sein sollen / die von andern geschrieben sind / vnnd nit von denen / deren Namen vnd Tittel sie führen. Vnd weil er nit gerne wolte / daß durch solche frembde Sprüche / die Papistischen mißbreuche deß Sacraments / sonderlich die Transubstantiation / bestettigt solte werden / so schreibt er / daß er die hette wollen hinweg thun / wo er dabey gewesen / da die Baßlische druck fürgenommen. Vnd nennet außdrücklich vnd mit namen die Transubstantiation / welche auch wir in vnsern Kirchen keines weges billichen noch zulassen / wie oben gnugsam erwiesen. (Philippus an Görlicium zu Braunschweig.) Hieher gehöret die Epistel / so Philippus vmb dieselbige zeit an Martinum Gerlitium, Pastore̅ Brunsuicensem, geschrieben / welche / wie sie auch vor der zeit gedruckt / von Wort zu Wort also lautet: Quantum attinet ad factionem Zuuinglij, iubeo te bono animo esse, ego agnoui coram auditis antesignanis illius sectae (in Colloquio scilicet Marpurgensi, habito anno 1529.) quàm nullam habeant Christianam doctrinam, tantùm pueriliter philosophantur. Ideo non poterunt durare. Omnis enim plantatio, quae non est ex Deo, eradicabitur. Cùm totis sexcentis annis disputauerint, nihil afferunt praeter hanc vocem: Caro non prodest quicquam. Hanc nunc torquent ad Christi carne̅. Vidistiquid ego collegerim de hac re, vnde meam sententiam cognoscere potes. Ego mori malim, quàm hoc affirmare, quod illiaffirmant, Christi corpus non posse nisi in vno loco esse, ideo constanter arguas eos publicè & priuatim, cum erit occasio.
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Vituperes hoc quoque in eis, quòd de vsu Sacramentorum(Anno 1530.) nihil dicunt, Nulla est mentio fidei iustificantis in omnibus Zuuinglianorum libris. Cùm nominant fidem, non intelligunt illam, quae credit remissionem peccatorum, quae credit nos recipi in gratiam, exaudiri & defendià DEO, sed intelligunt Historicam. Vsum autem & exercitium fidei Christianos nosse oportet. Vale. Christus gubernet tuum ministerium. Das ist: Was die Zwinglische Rott belangt / sollet jr gutes muts sein / ich habe selbs erfahren / da jhre fürnembsten Redlesführer zu Marpurg beysammen gewest / daß sie keine Christliche Lehr haben / sondern alleine kindisch vnnd lächerlich philosophiern vnd geuckeln / Darumb werden sie nicht bestehen. Denn alle Pflantzen / so nicht von Gott ist / wirdt außgerottet. Wenn sie gleich sechs hundert jhar disputieren / so bringen sie mehr nicht / denn allein dieses / Das Fleisch ist kein nütze. Vnnd diese Wort ziehen sie mit Gewalt auff daß Fleisch Christi. Was meine meinung(Die Sacramentierer lehre̅ nichts rechts / weder vom Glauben noch Sacramenten.) sey / habt jr auß meinen Büchlein zusehen / von den Sprüchen der Vätter. Ich wolte lieber sterben / denn es mit jhnen halten / vnd sagen. Der Leib Christi muß vnnd könne nur an einem ort sein. Darumb wollet sie getrost straffen / offentlich vnnd sonsten / wenn vnnd wo es die gelegenheit gibt. Wollet auch diß an jnen straffen / daß sie vom Brauch der Sacrament nichts rechts lehren. Man findet ja in allen Zwinglischen Büchern nicht einige meldung vom Glauben / dadurch wir für Gott gerecht werden. Wenn sie gleich den Glauben nennen / so verstehen sie doch nicht den Glauben / der vergebung der Sünden gleubet / vnnd gewiß ist / daß wir zu Gnaden angenommen / erhöret / vnnd von Gott beschützet vnd erhalten werden / sondern sie verstehen nur einen Historischen Glauben (den auch die Teuffel haben) ein schlecht bloß wissen. Es sollen aber die Christen den Brauch vnd Vbung deß Glaubens wissen. Gott befohlen. Der HErr Christus regiere ewer Predigampt.
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(Anno 1531.)

Anno 1531.
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In diesem jhar ist abermal eine Schrifft außgesprenget / (Zwinglianer lassen widerumb ansuchen / daß sie möchten in die Brüderschafft von D Luthero vnd vnsern Kirchen / angenommen werden.) darinn die Zwinglianer noch wie vor / disputierten vnnd ansuchten / daß sie von den protestierenden Lutherischen Theologen / in die Brüderschafft möchten angenommen werden. Item / Ob man ohne ein Concilium / oder zuuor / ehe denn darüber ein sonderlich Concilium gehalten würde / die Zwinglische Lehr / dauon wir gewiß sein / daß sie vnrecht / in vnnd bey vnsern Kirchen verbieten möchte. Vnnd weil dieselbige Frage / von der Bruderschafft / wie zuuor gezeiget / Anno tausent / fünff hundert / vnnd neun vnd zwaintzig / an Lutherum zu Marpurg / vnnd folgends Anno tausent / fünff hundert / vnd dreissig / zu Augspurg an Philippum vnnd Brentium gelanget / aber von denselbigen solch suchen / auß stadtlichen Argumenten vnd Vrsachen / stracks abgeschlagen war / ist jetzt gemelte Schrifft vom Landgraffen zu Hessen / etc. an die gantze Theologische Facultet zu Wittenberg geschickt / ob etwa also etwas köndte erhalten werden. Aber die Theologi zu Wittenberg / haben sämptlich auß vorgehabtem Rhat / darauff ein gemein gesampt bedencken lassen abgehen / darinn sie von Wort zu Wort widerholet / was zu Augspurg Philippus vnnd Brentius miteinander von obgedachter gesuchter Brüderschafft / geantwortet haben / vnd ist dasselbe Concept mit Philippi eigner Hand geschrieben / in der Sächsischen Cantzley noch verhanden. Es hat auch Philippus selbst / für sein eigen Person / ein schreiben an Landgraffen gestellet / da er gentzlich schleust / vnnd eben mit den Worten / so zu Augspurg geführet worden / ein rhat gibt / vnnd lauten dieselbigen seine Wort also: Man sol die Sacramentierer für Brüder weder annemen / noch erkennen: Welchs derwegen auch zumercken ist / weil sonst die Sacramentierer fürgeben vnnd schreien / es sey Philippus / nach dem
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Oecolampadius auff sein Büchlein / de sententijs Patrum, einen(Anno 1531.) Dialogum trucken lassen / nicht mehr wider die Sacramentierer gewest. Im selbigen jhar hat Bucerus an Hertzog Ernsten zu(Bucer wil abermal nur ein Wort gezänck auß dem streit vom Abendmal machen / vnnd lehret doch das Widerspiel / das wir nit lehren können noch sollen.) Braunschweig vnnd Lüneburg geschrieben (wie in der Fürstlichen Lüneburgischen Cantzeley solche Schreiben noch verhanden) vnd hat auß dem Streit vom Abendmal / nur schlecht einen Wortstreit machen wollen / da ein Theil das ander nicht recht noch gnugsam verstünde / vnnd doch ein jedes Theil / auß warem gutem Hertzen / für die Ehre Gottes eiferte / vnd beide recht hetten. Denn Zwingel / Oecolampad / er / vnnd die andern jhres theils / hielten es ja / daß der ware Leib / vnd das ware Blut Christi / im Abendmal zugegen sey / vnd mit den Worten des Herren / Nemet / esset / das ist mein Leib / Trincket darauß alle / dieser Kelch ist mein Blut / vermögen allein / daß der Diener nit mehr gebe / denn allein eusserlich ding / vnnd leiste seinen Dienst am Wort vnd Zeichen / das jnnerliche aber gebe Gott / nämlich / jnnerliche Himmelbrot / vnnd jnnerlich Gedeien / vnnd werde das Brot nicht zum Leib Christi / sondern bedeute / vnnd sey ein Figur / Zeichen vnd Sacrament des Leibes / wölcher mit dem Brot von Christo dargebotten wirdt / zur Speise der Seelen / nicht des Bauchs. Vnd weil vns Christus nichts empfindliches gegeben / so sein in dieser empfindlichen Handlung / alle ding des Gemühtes / Glauben / vnd geistlich / etc. Es hat auch Bucerus eine Vergleichungschrifft so bald mit geschickt / vnd gebeten / daß sie durch Hertzog Ernsten vnnd Landgraffen zu Hessen / D. Luthero möchte zugeschickt / vnnd offentlich getruckt werden / Wie er dann gleicher weise an Licentiaten Johann Försterum / Fürstlichen Lüneburgischen Cantzlern geschrieben / vnd gemelte Schrifft vnder Hertzog Ernsts namen in Truck verfertigen wollen / wölche Vergleichung eben der Meinung / so jetzt erzeletworden / gewest.
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(Anno 1531.) Deßgleichen hat an hochgedachten Fürsten / der Rhat zu (D. Luther soll stillschweigen vnd dem Wolff das Wasser nicht trübe machen.) Straßburg auch geschrieben / vnnd gebeten / daß seine F. G. bey D. Luthero wolte ein rhu vnd stillschweigen erlangen / vnnd auff ein Concordi trachten / wölches durchs Buceri Büchlein / so es gedruckt würde / geschehen köndte. Darauff hat Hertzog Ernst D. Luthero solches alles vermeldet / vnd bey jhm / ohne weitlefftig bedencken / allen guten willen zu rechter Christlicher Einigkeit befunden. Weil aber jetzt erwehnete Schrifften Buceri / sampt seinem Büchlein / noch auff schrauben stunde / vnnd seltzame Gedancken vnnd Vrtheil / auch Ergernus / verursachen möchte / (wie die Wort in der Antwort Hertzog Ernstes / an den Rhat zu Straßburg / lauten) ist der Truck desselben verblieben / dessen den beide / der Rhat vnnd Bucerus gar wol zu frieden gewesen / da sie nur vernommen haben / daß D. Lutherus vnd die vnsern / wolten die sache / auß hoffnung der Einigkeit / darauff auch Hertzog Ernst wolte bedacht sein / eine weil beruhen lassen. (D. Lutheri Antwort an Hertzog Ernsten zu Lüneburg.) Dieweil nun / wie angezeit / Buceri Büchlein / dadurch die Einigkeit solte auffgericht werden / vngewiß / zweiffelhafftig / vnnd beiden theilen gerecht war / hat D. Lutherus an Hertzog Ernst sein Bedencken vnd Antwort lassen abgehen / wie folget: Gnad vnd Frid in Christo / Durchleuchtiger / Hochgeburner Fürst / gnediger Herr / auff E. F. G. begeren / hab ich schon lengst dem M. Butzer geantwortet / auff daß aller freundlichste / aber daß ich solte in solche seine Deutung oder Meinung willigen / habe ich jhm auch auffs glimpfflichste abgeschlagen. Denn es ist nicht müglich / auff solche seine für gegebene Meinung vns zuuergleichen / were auch nicht gut. Es solte warlich auß solchem vergleichen wol erger werden / denn es jetzt ist / das kan E. F. F. selbst auch wol erkennen. Denn solten wir vns rhümen lassen solcher Vereinigung / so müsten wir zu beiden theilen gestadten / daß / wo vnsere Leute etwa zu jhnen kemen / vnnd
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das Sacrament empfahen wolten / oder widerumb jhre Leute zuvns(Anno 1531.) kemen / würde der vnleidliche Irrthumb angehen / daß vnsere Leute eitel Brot vnd Wein empfiengen / vnd doch glaubten / daß es der Leib vnd Blut Christi were / vnnd jhre Leute bey vns den Leib vnnd Blut Christi empfingen / vnnd doch glaubten / daß eitel Brot vnnd Wein were / vnnd der Grewel viel mehr. Daß aber M. Bucerus fürgibt / es stehe der Hader in Worten allein / da wolte ich gern vmb sterben / wenn es so were. Es solte socher Span sich nicht lange erhalten / auch noch nie angefangen haben. Mir ist wol so lieb zur Vereinigung / wie ich weiter mit jhm zu Coburg geredt habe. Darumb achte ich / daß jetzt so viel gnug sey gehandelt / biß Gott weiter Gnade gibt / nemlich / daß wir zu beiden seiten / des gegeneinander schreibens stille stehen / als die zu beiden theilen gnugsam vns vndereinander vermanet vnnd verstanden haben. Hat Gott die Gnade geben / daß sie zulassen /(D. Lutherus hat noch hoffnung / es sollen vnd werden sich die Sacramen tierer eins bessern besinnen / vnd weisen lassen.) Christi Leib sey im Sacrament leiblich der Seelen gegenwertig / bin ich guter Hoffnung / sie werden vollend mit der zeit auch das nachlassen / daß er gleicher weise dem Munde / oder eusserlich dem Brot gegenwertig sey / weil ich warlich kein vnderscheid sehen kan / noch beschwerung. Summa / wir wollen beten vnnd hoffen / biß vollend gantz gut werde / vnnd nicht für dem Hamen fischen / noch huy sprechen / ehe wir recht gründtlich eins werden. Solches habe ich E. F. G. vndertheniglich wollen antworten / vnd E. F. G. sollen glauben / daß mir nechst Christo meinem Herrn nichts liebers geschehen köndte / denn daß djese Leute recht gründlich mit vns eins weren / da solt mir kein Todt zu bitter sein / den ich drüber nicht leiden wolte. Vnnd wo es Gott geben wirdt / so wil ich alßdenn frölich sterben / vnnd meinen Abschied nemmen / ob Gott wil. Christus vnser Herr sey mit E. F. G. ewiglich / Amen. Prima Februarij, 1531. Es ist auch wol zubehalten / daß dazumal Bucerus seine Wort (der Leib Christi werde in Worten des Nachtmals /
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(Anno 1531.) vnnd in den Sacramenten / den Christen gereicht) also erkläret (Bucer erkläret seine meinung also / daß man hoffnung gewinnet seiner be kerung / vnd einigkeit.) hat / daß er wolle damit zuuerstehen geben / der Leib Christi sey auch dem Brot / Mund vnd Bauch zugegen / wiewol er nicht zur Speise des zergenglichen Bauchs sey auffgesetzet zuniessen im Sacrament. Vnd wiewol solche vnnd dergleichen Rede von den Zwinglianern / jhrem Brauch nach / anders gedeutet vnnd außgelegt werden köndten / jedoch haben sie die Hoffnung der Einigkeit (Hertzog Ernst / etc. begert deutliche teutsche erklärung von Bucero vnnd den Zwinglianern.) grösser gemacht. Darumb auch vmb runde / richtige Erklärung bey jhnen offtmals angesuchet worden / wie Hertzog Ernst / hochlöblicher Gedechtnus / selbst an Bucerum geschrieben / mit diesen Worten: Obscuritas vestra nisi satis explicetur, non poterit vllum huic causae remedium afferri, neque conscientijs persuasio vel error eripi, neque concordia solidè ali & firmari. Certissimis & explicacissimis verbis, quatenus fieri potest, sententia vestra declaranda est. Das ist / Ewere tunckele Rede müssen rund / vnnd mit klaren deutlichen Worten erkläret werden / sonst kan man der sachen nicht helffen / noch die Gewissen dieses Irrthumbs entnemmen / noch zur bestendigen Einigkeit kommen. Es hat D. Lutherus auch einen kurtzen Begriff von Buceri Fürschlag / vnnd warauff der Handel stehe / auffs Papier gebracht wölches mit seiner eignen Hand geschrieben / von Wort zu Wort also lautend: (D. Lutheri Fürschlag auff des Butzers erklärung.) Erstlich / daß Martinus Bucerus anzeigt / jedes Theil halte es mit vns im Sacrament gleich / nemlich des Stücks halben / daß sie glauben mit vns / daß der ware Leib vnd Blut vnsers Herren sey gegenwertig im Sacrament / vnnd werde mit den Worten dargereichet / der Seelen zur Speise / oder zur sterckung des Glaubens / das nemmen wir freundlich an / vnd hören von Hertzen gern. Zum andern / weil aber allein Bucerus solches bekennet /
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vnnd allein sein bedencken anzeigt / als haltens die andern auch(Anno 1531.) also / so vns doch wol bewust / vnd die Bücher vnd hendel am Tage liegen / daß Zwingel vnnd Oecolampad hefftig dawider gestritten / vnd als ob dem Heuptstück darob gehalten / daß Christus leiblich im Himmel allein an einem ort / vnnd nicht im Sacrament / gegenwertig sein könne / wil hie von nöten sein / daß man zuuor gewiß sey / ob die andern auch also halten / wie Bucerus(Einigkeit muß ein rechten Grund haben / oder gar vnterlassen werden.) guter hoffnung meinet / vnnd ob man auch solchs im Volck öffentlich lehre vnnd treibe / sonst möchte die vereinignng einen bösen Grund gewinnen / vnnd hernach erger werden / wie ich D. Luther dem Bucero zu Coburg gar fleissig fürhielt / daß man solche vereinigung auß gutem reinen Grunde anfienge / oder ließ es anstehen. Zum dritten / vber solche leibliche Gegenwertigkeit Christi / für die Seelen / wie Bucerus hie bekennet / handelte ich auch mit jhm / von der leiblichen Gegenwertigkeit / so beyde Gottlose vnnd gleubige / auch Mündlich / den waren Leib vnd Blut empfahen / vnter Brot vnnd Wein. Darinn er sich ziemlich ließ mercken / daß mich erfrewete. Nun wirdt in dieser Schrifft nicht von diesem stück gemeldet / vnd wir doch dencken / wo sie so viel zugeben / daß der Leib Christi möge der Seelen leiblich dargereicht werden / vnd gegenwertig sein. Solt es nicht schwer sein zugleuben / daß er auch dem Munde oder dem Leib / oder dem Brot / gegenwertig sey / vnd dem Mund dargereicht werde. Wo nun Gott vollends Gnade gebe (daß wir von Hertzen wündschen) daß sie solchs stücks auch mit vns eins / vnd mit vns hielten vnd lehreten / so were die Einigkeit schlecht / vnd ein hohes Werck vnd wunder Gottes vollnbracht. Im selben jhar ist zu Schmalkalden ein zusammenkunfft(Schmalkaldische zusammenkunfft.) der protestierenden Fürsten vn̅ Stedte angestellet worden / allda der Schmalkaldische Bund vnter etliche̅ auffgerichtet / zur vorsorg vnnd Beschutz / so jemand von den protestierenden Stend
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den (Anno 1531.) / der Confession halben / möchte verfolget vnnd angegriffen werden. Ob nun wol der Landgraff zu Hessen (wie Sleidanus vnnd Lauaterus schreiben) bereit einen Bund mit den Zürchern / Baßlern vnnd Straßburgern / der Religion halben / gemacht hette: So haben doch die Zwinglianer im Schmalkaldischen Conuent / zu einiger Bündnus nicht können zugelassen werden / weil sie sich außdrücklich nicht erkleren wolten / ob sie mit vnserer Kirchen Bekentnüs / vom Abendmal / einig weren. Vnd ob gleich etliche angehalten / man solte sie in das Bündnus an vnd auffnemen indefinitè, sine vllius dogmatis exceptione, ohne allen Außzug jhrer Lehr / so hat doch solches nicht können (Abschied der Schmalkaldische̅ bundstende.) geschehen / wie der Extract auß der Schmalkaldischen Bundstende Abschied / den 4. Aprilis gegeben / gnugsam außweiset. Die Wort lauten also: Nach dem die Gesandten von Straßburg eröffnet / was die örter der Eydgenossen / von Zürich / Bern vnnd Basel / dieser Christlichen verstendnus halben / zur antwort geben / nemlich / daß sie den Artickel deß Sacraments / wie jhnen der zugeschickt / nicht zuuerwerffen wüsten / vnnd so man sie ohne bedingung einiges Artickels / sondern allein auff daß freye Göttliche Wort / in die verstendnus / laut derselben / annemen / so wolten sie mit den jhren weiter darauß reden / in hoffnung / bey jhnen willen zu finden. Darauff sich Hertzog Johann Friedrich vernemen lassen / wo sie den Artickel / wie obgemelt / klar zuschreiben würden / hette er seines Herren Vatters befehl / sie williglich einzunemen. Dieweil er aber das zu diesem mal nicht klar vermercken köndte / hette er auch darauff zuschliessen keine Gewalt: Hat aber auff bitte der andern Fürsten vnd Stende / solches an seinen Herren Vatter gelangen zulassen / vnd was jhm zur antwort entstehet / den von Straßburg auffs förderlichste vnuerhalten zulassen / bewilliget / etc.
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Es hat auch ein weiser Rhat zu Nürnberg / durch Herrn(Anno 1531.) Christoff Kressen / auff das Christliche Bedencke̅ / das die Prediger(Ein E. W. Rhat zu Nürnberg rhet vnnd bittet / die Zwinglianer in keine Bündnus noch Concordj anzunemen / wo sie sich nicht rund vn̅ klar zu vnser Confession außdrücklich bekennen.) allda vbergeben / wie oben dasselbige erzehlet worden / dem Churfürsten zu Sachsen / vnnd versamleten Stenden / rhaten / vnd sie bitten lassen / daß man die Zwinglianer nicht wolle in einige Concordj an vnd auffnemen / sie wollen sich denn zuuor / zu vnserer Confession vnd waren Lehr / vom heiligen Abendmal / ohne list / redlich vnd auffrichtig bekennen. Deßgleichen da D. Lutheri bedencken / ob ein Bündnus mit den Zwinglianern zutreffen sey / begert worden / hat er diesen(1. D. Lutheri rhatschlag / ob die Zwinglianer in ein Bündnus zunemen sein. Antwort / nein. Vrsachen werden ordentlich erzehlet.) Rhatschlag gestellet. Weil das verbündnus sol den namen haben / vnd der meinung geschehen / daß die Lehr deß Euangelij dadurch bey vns erhalten / vnnd beschützt werde / So ists auffs erste vnmüglich vnnd vmb sonst / Vrsach / denn solch verbündnus muß ohne zweiffel sich gründen vnnd stehen auff dem Gewissen / oder Glauben / derer / so sich verbunden / als daß sie alle eintrechtiglich wollen gleuben. Nun ist solcher Glaube bey den andern vns vnbewust / vnd vngewiß / vnd freylich zubesorgen / bey gar wenigen. Wenn denn nun ein Feind etwa angriffe / so würden sich denn gar wenig finden / die bestehen würden / die andern alle abfallen. Da würde man denn allererst / vnnd zu langsam erfahren / wie die Städte jhr selbst nicht mechtig sind / vnnd würde das Bündnus mit grosser schand vnnd schaden zu nicht werden. Deß haben wir Exempel gnug an den Städten N. N. welche vorhin das Euangelium fressen wolten für liebe / nun aber plötzlich vn̅ leichtlich vmbgefallen: Also ists auch zufürchten / das es auch mit N. N. gehen würde / weil noch viel darinnen sind / die dem Euangelio feind sind / daß ein oder zweene Mann / die jetzt schweigen vnnd leiden / sich herfür thun werden / vnnd die gantze Stadte vmbkeren. Denn / Non est omnium fides, spricht Paulus.
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(Anno 1531.) Zum andern / ists gefehrlich / deß N. N. halben / weil es ein (2.) vnruhiger Man ist / er möchte abermal / wie er jenes mal thete / etwas anfahen / Stifft / Klöster stürmen / ohne vnsern willen / so müsten wir hernach / vnd mit / thun / oder mit gethan / was er thete. Deßgleichen auch der Städte halben N. N. so die Stiffte (die doch nicht in jhrer Gewalt) mit eigner Gewalt verschlossen / vnd eingenommen haben / solches müsten wir alles mitgethan / vnd helffen vertheidigen. Weil nu denn N. N. vns in solche Gefahr bringen möchte / so thun wir wider Gott / wo wir vns in solche fahr begeben / wie geschrieben stehet: Du solst Gott nicht versuchen. Vnnd abermal: Wer Gefahr gerne hat / der wirdt darüber vntergehen. (3.) Zum dritten / ists verdechtig vnnd ergerlich. Denn wer kan so viel Leute darfür halten / daß sie hierinnen nicht suchen brachium carnis, das ist / mehr tröstes vnd trötzes auff Menschen hülffe / denn auff Gott / ja gar wenig würden so reines Glaubens sein (ist anders jemand so rein) die nicht solchen Bund würden jhren Abgott sein lassen / das were denn erschröcklich. Vnnd ob schon zween oder drey rein weren / so hette man doch hiemit den andern Vrsach gegeben / vnd solchen Abgott für sie auffgerichtet / wie Gideon Judic. 9. vnd Micha Judic. 20. geschahe. Zum vierdten / ist vnchristlich der Ketzerey halben / wider das (4.) Sacrament. Denn wir können sie nicht im Bunde haben / wir müsten solche Ketzerey mit helffen stercken vnnd vertheidigen / vnnd wenn sie vertheidiget würden / solten sie wol erger werden / denn vorhin. Denn weil sie diß stück nicht bessern / ist nicht hoffnung / daß sie in den andern stücken recht vnnd fest bleiben werden. Hiebey mercke man das Exempel Jos. 7. da vmb deß einigen Achams willen / das gantze heilige Volck vnglück haben muste / biß daß solche Sünde gestrafft ward. Ob jemand wolt fürgeben / Die Städte sind doch in allen stücken / biß auff den einigen / mit vns eins / vnnd solte ja an
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dem einigen / vmb der andern alle willen / nicht so vil gelegen sein?(Anno 1531.) Antwort. Es ist allzu viel an dem einigen gelegen / wie droben(Wer in einem Artickel falsch vnd jrrig ist / vnd wil sich auß Gottes wort nit weisen lassen / der ist durchauß vnrichtig vnd vnrein.) von Acham gesagt / denn darinn werden die andern alle auch vnrein / wie Jacobus spricht / Offendens in vno, factus est omnium reus. Er ist nicht weniger ein Vnchrist / wer einen Artickel leugnet / denn Arrius / oder der einer / derhalben wir dem Vrtheil nicht entlauffen mögen / Faciens & consentiens, pari poena plectuntur, Rom. 1. Vnnd wie der Prophet zum Könige Josaphat sagt / 2. Paralip. 19. Impio praebes auxilium, & ijs, qui oderunt Dominum, amicitia iungeris. Auch beschweren sie die sachen selbst damit zu sehr / daß sie ohne alle not vom Sacrament / so gantz vnd gar alle Ceremonien abthun / vnd machen eine schlechte Collation drauß / wölches wir nicht wol glimpfflich können verantworten. Spricht man aber: Dieser Bund betreffe nicht die Lehr / sondern soll wider eusserliche Gewalt / die man wider Recht fürnimpt / dieweil jene sich auff Erkantnus erbieten. Antwort. Das helt nicht / denn man weiß / daß vns der Widertheil vmb keiner Vrsachen willen angreiffen wil / denn vmb der Lehr willen / darumb lest sichs nicht glauben / daß wir wider vnrechte Gewalt solchen Bund machen / Vnd daß sie sich auff Erkantnus erbieten /(Wir sind gewiß / daß die Sacramentierer vnrecht lehren.) hilfft vns nichts / denn wir wissen vnd halten / daß sie vnrecht haben / vnd mögen solches nicht mit jhnen in Zweiffel oder Erkantnus setzen. Darumb wir nicht mit gutem Gewissen können mit jhnen handeln / wir müsten solch jhr erbieten auff Erkantnus auch bewilligen vnd bestettigen / vnnd also gleich mit jhnen / von vnserm gewissen Erkantnus / auff jhren Zweiffel oder vngewissen Wahn fallen / das were denn mehr denn halb / wo nicht gar / vnsern Glauben verleugnet. Derhalben ist vnser Bedencken / daß mans lasse bleiben bey den Artickeln / die gestellet sind auff solche handlung.
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(Anno 1531.) Vber das hat Lutherus insonderheit / was die zu Straßburg belanget / geschrieben / Wenn die von Straßburrg bey sich gentzlich beschlossen / daß sie mit vns nicht eben das glauben / daß der Leib vnd das Blut Christi auch eusserlich im Brot vn̅ Wein gegenwertig sey / vnnd von frommen vnnd bösen gleich viel / gereicht / gehandelt vnd empfangen werde / so hetten sie jhre arbeit vnnd vergleichung wol mögen am ersten anstehen lassen / wie ich (D. Lutherus kan nicht mehr nachgeben / den̅ er gethan hat.) selbst M. Bucero zu Coburg fleissig vnnd deutlich gesagt habe. Ich kan (spricht er) fürwar nicht weiter weichen oder nachgeben / mich dünckt / ich hab viel gethan / wo es sonst helffen soll. Bald darauff haben etlicher Städte Botschafften / auff dem (Sleid. lib. 8. Christliche / Fürstliche antwort des Churfürsten zu Sachsen / etc.) tag zu Franckfurt / abermals begeret / man wolte die Zwinglianer oder Schweitzer in den Bund nemmen. Da hat der Churfürst zu Sachsen / durch seine Legaten antworten lassen / Dieweil sie in dem Nachtmal des Herrn ein andere Lehr füreten / gebüre jhme nicht / mit jhnen ein Bündnus einzugehen / Er köndte wol wissen / wie viel an jhrer freundschafft gelegen sey / von wegen jhrer stercke vnd gewalt / man müsse aber das nicht ansehen / damit es nicht ein böses ende nemme / wie denn denen / wölches die Schrifft bezeuget / geschehen sey / wölche sich zuuerwaren / allerley hülffe bey frembden ohne vnderscheid gesuchet vnd gebrauchet haben. (Keiser Carolus schickt zu de̅ Churfürsten zu Sachsen / zween Graffen / wegen des ver dachts / als solte S. C. F. G. den Zwinglianern nit vngewogen sein / Darauff der Chur fürst ein Christliche Fürstliche ant wort gibt / vnd sich) Vnlangst hernach / sind zu dem Churfürsten zu Sachsen / mit vorwissen vnnd willen Keiserlicher Maiestat / gegen Weimar ankommen / Wilhelm Graff zu Nassaw / vnnd Wilhelm Graff zu Newenar / vnnd jhm vnder andern fürgehalten / der Keiser were berichtet vnnd beredet / daß dem Churfürsten des Zwingels vnnd der Widerteuffer Lehr gefiele: Darauff ist die Antwort gegeben worden. Nachdem der Churfürst verstanden / daß er / wie leichtlich zuachten / durch S. C. F. G. abgünstigen / in die Römische
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Keiserliche Maiestat / mit vngrund getragen / als solte er etwas(Anno 1531.) der Zwinglischen / auch der Widerteuffer / vnnd anderer vngeschickter(erkläret / daß er die Zwinglianer in seinen landen nicht dulden wolle noch könne.) Lehr / anhengig vnnd verwandt sein / wölches er mit hoher beschwerung vernommen / vnnd habe hinwiderumb / zu vermerckung seiner vnschuld / anzeigen vnnd vermelden lassen / daß er nicht zweiffelte / der Keiser / auch sie die Graffen / vnnd menniglich wüsten das Christlich Bekantnus / so er sampt andern / jhme in des Glaubens sachen verwandten / vor dem Keiser vnnd allen Reichßstenden / in öffentlicher Keiserlicher verhör zu Augspurg / auff nechstuergangenem Reichßtag / hette vbergeben vnd verlesen lassen / darauß der Keiser vnnd menniglich / klar vnnd eigentlich zuuermercken gehabt / was er / der Churfürst / angeregts Artickels halben / gleubte vnd hielte / auch in seinen Fürstenthümen / Landen vnnd Gebieten / halten liesse. Zum dem were kund vnnd offenbar / daß zu Augspurg / er vnnd seine verwandten / sich derer / so man Zwinglisch nennet / gar nicht haben annemen / noch sie zu seiner sache ziehen wollen / sondern sich derselben gentz lich geeussert / etc. So auch jemands / wes Stands er were / vnder seinem des Churfürsten / in Glaubens sachen / verwandten / auß verhengnus Gottes / in den Irrthumb des hochwirdigen Sacraments / Widerteuffens / oder anders / fallen würde / desselben theils vnnd gemeinschafft / wolte sich der Churfürst entschlagen vnd enteussern. So were auch öffentlich / vnnd sonder Rhum anzuzeigen /(Im Churfürstenthumb Sachsen / hat man den Zuin glianern von anfangs statlich vnd bestendiglich widerstanden.) daß an keinem ort in der Christenheit / so geschwind / gründlich vnd hart / wider dieselben Secten der Sacramentierer vnd Widerteuffer / geprediget / gelehret / vnd geschrieben würde / als in seinem des Churfürsten Landen vnd Fürstenthümen. Es were auch sein endlich Gemüth / Will vnnd Meinung / bey der bekandten Warheit / so zu Augspurg öffentlich verlesen / zustehen / vnd mit Göttlicher hülff biß an sein ende zubeharren.
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(Anno 1531.) Bete demnach die obgedachten Graffen / sie wolten gegen dem Keiser / jhn den Churfürsten / entschüldigen / mit bit / solcher vnerfindlichen bezichtigung / nicht stadt noch Glauben geben. Darauff haben sich die Graffen vernemmen lassen / wiewol sie zuuor solches wol gewust / hetten sie doch diese anzeig mit erfrewetem Gemüth vernommen / wolten auch dasselbige mit höchstem vnderthenigstem fleiß Keiserlicher Maiestat vermelden / vnnd zweiffelten nicht / der Keiser würde dessen auch eine frewde vnd gefallen haben. (Schweitzerische krieg / darin Zwinglius vmbkom̅en / vnnd mit jhm noch andere 16. Kirchendiener im krieg erschlagen worden.) Nach dieser zeit / doch in demselben jahr / im Monat October / hat sich in Schweitz ein schwerer einheimischer Krieg erhoben / darinn Zwinglius / vier vnnd viertzig jahr alt / volens communem subire Martem, in gemeinem Streit / wie Schleidanus meldet / forne an der Spitzen / den 11. Octobris / erwürget worden / vnd sind zugleich mit jhm vmbkommen sechtzehen andere Kirchendiener / die sich mit jhm in Krieg gewagt / Deßgleichen Guolphgangus / vnd Reiplinus / Apt im Kloster zu Capellen / Item / Conradus Fabri / Combter zu Rusnach / vnnd sonst bey sechs tausend Mann. Vnd meldet die Baßlische Chronica / (Zwingels erberm licher Tod.) dz des Zwingels Leib in vier Stück von den feinden sey zurissen / vnd zu Aschen verbrand / vnnd ins Wasser geworffen. Andere schreiben / weil er ein fetter Mann gewest / haben die Kriegsknecht Riemen auß seinem Leibe geschnitten / vnd damit jhre Stieffeln geschmieret / wölches ja erbermlich vnd mitleidenlich zuhören ist. Dabey wir vns erinnern des Spruchs Psalm. 119. lustus es Domine, & iustum iudicium tuum. Item: So jhr euch nicht bessert / werdet jhr alle auch also vmbkommen. (Oecolampadius stirbet erbermlich.) Kurtz hernach / im Monat Nouember / ist auch Oecolampadius / auß lauter Trawrigkeit vnd Bekümmernus / wegen des Zwinglij kläglichem Tod / gestorben / seines alters 49. jahr alt. Vnnd schreibt Lauaterus / daß er funffzehen tage krang gele
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gen / vnnd sanfft gestorben sey / mit diesen Worten: Saluame(Anno 1531.) Christe Iesu, Mach mich selig HErr Christe Jesu. Etliche aber haben von seinem Todt anders berichtet / daß er nemlich erdruckt / vnnd Todt im Bette sey bey der Nacht vnuersehens gefunden worden. Er ist im anfang ein gelehrter Münch zu alten(Oecolampadius gelehrt / vnd züchtig / stets kleinmütig vnd im zweiffel.) Münster in Beyern gewest / vnd hat darnach in Academia Heide lbergensi publice gelesen / sonst ein frommer Mann / wie oben vermeldet / aber in der lehr vom Abendmal / ob er gleich die Zwinglische meinung in Schrifften hefftig verfochten / doch weil er dauon wegen im Gewissen gezappelt / stets kleinmütig vnd zweiffelhafftig / also / daß er auch dermal eins / da er Kranck auff seinem Bette gelegen / in gegenwart einer andern fürnemen Person / Gott angeruffen vnd gebeten / er wolle jhn noch / so er gejrret / auff rechten weg bringen / vnnd jhn nicht stecken lassen. Auch zum Landgraffen gesaget: Ich wolte / daß mir meine rechte(Oecolampadij rede zum Landgraffen zu Hessen) Hand were abgehawen worden / ehe denn ich einen einigen Buchstaben / oder Gloß / vom Abendmal / wider D. Luthern / der gleichwol den Text vnnd die Wort Christi behelt / geschrieben habe / wie solche deß Oecolampadij Wort / Petrus Plateanus(Petrus Plateanus.) am Hessischen Hoff neben vnd mit vielen andern gehöret / vnnd D. Luthero / vnnd andern frommen fürnemen Leuten / erzehlet hat. Vnnd ist also D. Lutheri weissagung / vber Zwingel vnnd Oecolampad / war worden. Denn zu Marpurg / Anno 1529.(D. Lutheri prophecey vber Zwingel vnd Ocolampad.) hat D. Luther zu beyden gesagt: Ach jhr Herrn / sehet euch wol für / zubesorgen ists / jhr werdet in dreyen jharen ewere Hende vber ewern Köpffen zusammen schlagen / vnnd das ist auch geschehen / ehe die zeit vergangen. Vnd haben Zwingel vnd Oecolampad ein schröcklich ende genommen / weil Moses Gebett wider seinen Chore / Dathan vnnd Abiram / nicht auff die Erden gefallen. Es hat aber Lutherus offtmals diesen jemmerlichen Todt
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(Anno 1531.) beklagt / vnnd andere trewlich gewarnet / sonderlich wenn er deß Oecolampadij gedacht / Ach du armer Mann (hat er gesagt) du bist je dein selbst eigner Prophet gewest / da du gesprochen: Gott sols rechnen / wenn du mit willen vnrecht lehrest / daß dirs Gott vergebe / so es noch müglich ist. Ich suche Gottes Ehre / vnd der Kirchen bestes / vnd bleibe bey seinem Wort. Wenn ich das nicht thete / so würde es Gott an mir auch suchen / vnd mich plötzlich auffreumen. (Butzer schreibt abermal / vnd wil Lutherum vnd die Zwinglische jrrthumbe conciliern oder vereinigen.) Nach Zwingels Todt / hat Bucerus an Bullingerum vnd Leonem gegen Zürich geschrieben / vnd jhnen vermeldet / das D. Lutheri Lehr vom Abendmal leidlich / vnnd nicht ferne von der Zwinglischen meinung sey / vnnd sey der gantze Streit mehr ein Wortgezenck / denn daß er die Sache solte betreffen. Sie haben (Die Zürchischen prediger sind in jren Zwinglianismo standhafftig / vnnd redliche Schwermer.) aber dem Butzer geantwortet / vnnd jhn vermanet / er wolle doch bey jhnen bestendig beharren / vnnd sich von der meinung / die er selbst bißher durch viel predigten vnnd öffentliche schreiben hette verfochten / auff Lutheri Seiten vnd Lehr / von der leiblichen gegenwart Christi im Abendmal / nicht bewegen noch ziehen lassen. Deßgleichen haben sie an andere Kirchendiener in Schwabenland vielmals geschrieben / vnnd sie gebeten standhafftig zusein / vnnd sich wegen deß jemmerlichen Schadens vnnd Todts Zwinglij vnnd Oecolampadij / nicht kleinmütig zuerzeigen. Aber wir wollen nun zum 32. jhar kommen / vnd was darinn sich in dieser Sache / vom heiligen Abendmal / begeben / kürtzlich erzehlen.

Anno 1532.
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(Des Keisers vnd Cbur vnd Fürsten tag zu Schweinfurt.) Anno 1532. auff dem tag zu Schweinfurt / ist im namen vnd auß befehl Keiserlicher Maiestet / von den Fürsten / so dazu abgefertigt gewesen / als Meintz vnd Pfaltz / den protestierenden Fürsten vnd Stenden angezeigt worden / daß der erste Artickel
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der gemeinen Friedshandlung darauff stehe / daß sie vber die(Anno 1532.) Augspurgische Confession nichts newes noch frembdes sollen(Zwinglianer vnd Widerteuffer gehören nicht zur Augspurgischen Confession.) lassen lehren / oder außgehen / vnnd mit den Zwinglischen vnnd Widerteuffern keine Gemeinschafft haben / noch jhnen Gunst vnd Förderung erzeigen. Wo aber die Zwinglischen jhren jrrthumb bekennen / vnnd dauon abstehen würden / oder der Chur vnd Fürsten bekentnüs vnd assension / wie die zu Augspurg vbergeben sind / annemen wolten / solten sie auch im Friede mit eingezogen vnnd begriffen sein / wo nicht / solte man sie lassen gehen / jhnen keine hülffe beweisen / noch einige Bündnus mit jhnen machen. Die von Straßburg aber / vnd etliche Schwäbische Städte(Die von Straßburg erkleren sich gemeß der Augspurgischen Confession.) / haben jhr Lehr / vom Abendmal deß HERrn / so sie in jhrer Confession zu Augspurg vbergeben / weitleufftiger vnnd deutlicher / der Sächsischen Augspurgischen Confession gemeß / vnnd einhellig erkleret. Vnd ist solche erklerung von den Sächsischen angenommen / vnd darauff ein gemeiner Schluß vnd Abschied gemacht / der den Keyserlichen Commissarijs fürgetragen / nemlich / daß die protestierende Stende zu denen / so vom Nachtmal deß HErrn / oder von der Tauffe anders lehren / denn jhre der Chur vnnd Fürsten Confession / zu Augspurg vbergeben / mitbringt / sich / so viel die Lehr belanget / nicht gesellen wollen. Vnnd sind also die Schweitzer / vmb deß Zwinglischen jrrthumbs willen / von der Bündnus außdrücklich abgewiesen(Schweitzer werden vmb des Zwinglischen jrrthumbs willen / von aller Bündnus außgeschlossen.) vnnd außgeschlossen. Vnnd ist die Augspurgische Confession / wie sie dem Keyser / von Chur / Fürsten / vnnd zweyen Stedten / zu Augspurg vbergeben / auch mit denen von Straßburg vnnd etlichen Schwäbischen Stedten / je lenger je mehr / wie ferner diese verzeichnus anzeigen wirdt / bestettiget worden. Auß diesem kurtzen warhafften Bericht / ist zuersehen / daß(Lauateri falscher bericht.) Lauaterus / vnd andere Sacramentierer / hierin̅ fälschlich berich
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ten (Anno 1532.) / daß sie schreiben vnd fürgeben / als habe man die vier Stedte / so jhre sonderliche Confession zu Augspurg vbergeben / dabey (sonderlich im Artickel vom Abendmal) frey / vnnd also bleiben lassen / daß dieselbige gleich der Augspurgischen Sächsischen Confession / gelten / vnd von jhnen gebraucht werden / vnd sie jre vorige Zwinglische meinung nichts desto weniger behalte̅ möchten / welchs denn ein greifflich geticht ist / der gemeinen Friedshandlung / so damals im namen vnd auß befehl der hohen Obrigkeit angestellet worden / gantz vnd gar entgegen. (Butzer richtet mit seinen Conciliationibus nicht viel guts auß / vn̅ macht D Lutherum verdechtig / als sey er zu den Zwinglianern getretten. D Lutherus schreibt dauonan Hertzogen in Preussen.) Im selben jhar / weil von Buceri Conciliationibus oder vergleichungen / durch die Sacramentierer allerley außgesprenget / vnd den Leuten eingebildet ward / hat sich darüber allerley rottierung in Preussen zugetragen / als were numehr Lutheri meinung / daß man der Zwinglischen Lehr wol möchte vngehindert vnd vngeschewet / freyen weg vnnd paß / auch in der protestierenden Stende / Euangelischen reinen Kirchen vnnd Schulen / gönnen vnnd geben. Daruon hat der Hertzog in Preussen an D. Lutherum geschrieben / vnnd rhat bey jhm gesucht / welcher jhm nicht allein Christlich geantwortet / sondern auch dieselbige Antwort öffentlich in druck lassen außgehen. Vnd weil darinne allerley nützliche Lehr / erinnerung vnd warnung begriffen / wider die damals vorstehende Buceri Conciliationes, die von den Zwinglianern auff jhre Seitten gedeutet wurden / wollen wir darauß etliche fürneme stück verzeichnen. Ich habe (spricht D. Luther) diese Schrifft durch den druck wollen lassen außgehen / den Schwermern abermal damit anzuzeigen / daß ich nicht mehr gedencke mit jhnen von der Sache zuhandeln. (Johan. 6. cap.) Was das sechste Capittel Johannis anlangt / so ists war / daß Christus darinn vom Abendmal nichts redet / handlet
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nichts mit den Händen / reichet kein Brot nicht da / noch Wein(Anno 1531.) seinen Jüngern / wie er im Abendmal thut: Sondern thut eine(Tom. 5. Ien. fol. 548.) freie Predigt / beide den Jüngern vnd vngleubigen zu Capernaum / von dem Glauben an jhn / wölcher Glaube es dafür helt / daß er warhafftiger Mensch sey / Fleisch vnd Blut habe / vnd dieselbigen beide für vns gegeben. Wölches heist eigentlich sein(Geistlich essen vn̅ trincken / was es sey / vnd daß es allein dem gleubigen gehöre.) Leib geistlich essen / vnnd sein Blut geistlich trincken. Vnnd nennet sich auch ein geistlich Brot / das der Welt das Leben gibt. Solch essen vnnd trincken kan wol geschehen ausser der Tauff vnd Sacrament / allein im Glauben / vnnd durch das gepredigte Wort des Euangelij. Vnd kan auch kein Gottloser also essen / so wenig als ein Gottloser kan zugleich glauben / vnnd zugleich Gottloß bleiben / etc. Vnd ist die summa gesagt / Wer glaubt an Christum / der wirdt selig. Aber im Abendmal können beide wirdige vnd vnwirdige essen(Vnderscheid vnder dem 6. cap. Jo hannis / vnnd dem Abendmal.) / 1. Corinth. 11. aber nicht alle das Leben / wie sie Johannis am 6. essen. Derhalben ein grosser vnderscheid ist / zwischen Johannis am 6. vnnd dem Abendmal. Denn jenes ist ein geistlich essen / ohne das leiblich essen: Aber hie im Abendmal ist ein geistlich essen / doch allein den gleubigen / vnnd daneben ein leiblich essen / beide den gleubigen vnd vngleubigen gemein / etc. Vnnd wiewol etliche Text Joannis am 6. auffs Sacrament(Johan. 6. Dabo.) / dasselbige zubestettigen / führen / vnnd dringen auff das Wort / Dabo, da er spricht: Mein Fleisch / das ich geben werde / vnnd meinen / es soll eine Verheissung sein des Sacraments / so er hernach eingesetzet hat / so schleust es doch nicht. Denn er meinet mit dem Dabo, oder Verheissung / daß er wolle seinen Leib in den Todt für vns vberantworten / vn̅ sein Blut für vnsere Sünde vergiessen. Weiter kan man nichts herauß zwingen / auß obgesagter Vrsach / dann kein Gottloser kan geistlich Christi Fleisch essen / oder sein Blut trincken / das ist / gleuben / wie er wol thun kan im Abendmal / vnd ohne Glauben den Leib vnnd Blut Christi mündlich empfahen.
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(Anno 1532.) Doch wir hiemit nicht verdammen die Vätter vnd Lehrer / so das sechste Capitel Johannis zum Abendmal geführet vnnd gebraucht haben / etc. Ihre Meinung ist doch recht vnd gut / daß sie damit bezeugen / es sey warhafftig Fleisch vnnd Blut Christi in Abendmal / etc. (Schwermer oder Sacramentierer / ruhen nicht.) Nun hab ich droben gesagt / vnd vormals mehr / daß ich der Schwermer hinfort müssig gehen wil / vn̅ sie dem Vrtheil Gottes befohlen lassen sein / denn ich vnd viel andere / diese sache vom Sacrament / so gründtlich vnd gewaltiglich getrieben haben / vn̅ jhr faul Geschwetze so klärlich verlegt / daß sie selber gar viel Sprüche vnd Stücke haben müssen nachgeben vnd einreumen / darauff sie doch am ersten gantz halßstarrig bestunden. Damit bewiesen wirdt / als auß der Erfahrung / daß sie jhre sachen / auß vngewissem Grund / vnd eigen ertichten Gedancken / haben fürgebracht / vnnd noch heutiges tages nicht auffhören können zuplaudern / sondern wenn sie ein Argument oder Spruch verlieren / grübeln vnnd suchen sie jmmer ein anders / vnnd richten jhre (Art der Caluinisten heutiges tages.) sachen / auff nicht stilleschweigen. Gleich wie der Teuffel jhr Meister / wenn er einen heiligen Mann nicht kan mit Kunst / Schrifft oder Gewalt / vberwinden / so macht er jn doch mit seinem vnableßlichem anhalten müde / ob er also gewinnen köndte. Also meinen sie auch / sie wollen ein ewig disputieren treiben / vnd die Leute mit plaudern vnnd dönen eintreiben / daß man dieweil nicht sehen soll noch hören / wie vngegründte ding sie fürgeben / vnd niemand soll mercken / wie viel Sprüche vnd Stück sie verloren haben. Auch so viel Bücher sie bißher geschrieben haben an allen orten / vnnd trefflich geschrien vom geistlichen essen / ist doch jhr keiner funden vnder jhnen allen / der da richtig vnnd deutlich definieren / oder hette sagen können / was geistlich essen sey / oder wie es doch mit dem Glauben eine Gestalt habe / sondern plaudern jmmer vom geistlichen essen / vnnd wissen we
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der was sie sagen noch setzen / wie S. Paulus spricht / 1. Tim. 1.(Anno 1532.) denn es sind vnerfahrne / vnuersuchte Leute im Geist / daß es(Sacramentierer rhümen viel vom geistlichen essen / vnd wissen doch nicht / was es sey / vnd haben kein guten geist / vnd ist dazu alles verloren / vn̅ vmb sonst / was man in guten mit jhnen anfehet.) jhnen vnmüglich ist zubegreiffen / was Geist / geistlich essen / oder Glauben sey. Darumb ist nicht weiter mit jhnen zuhandeln / vnnd wer von jhnen wil vnbetrogen sein / der hat auß vnsern Büchern so viel vnderricht / daß er sich jhres plauderns wol erwehren kan. Derhalben ist mein threwer Christlicher Rhat / E. F. G. gehe jhrer auch müssig / denn da ist kein ende disputierens vnnd plauderns / sie lassen jhnen nicht sagen / vnnd hören nicht / wissen auch nichts zusagen / vnnd lehren auch nichts. Vnnd E. F. G. lassen solchs nicht meinen Rhat sein / als auß mir gewachsen / sondern des heiligen Geists / der aller Hertzen / vnnd alle sachen besser kennet / denn wir / derselbe hat vns solchen Rhat gegeben / durch seinen außerwehlten Rüstzeug S. Paulum / Tit 3. da er spricht: Einen ketzerischen Menschen soltu meiden / wenn er einmal oder zwier vermanet ist / vnnd solst wissen (spricht er) daß er verkeret ist / vnd hat sein Vrtheil / etc. Nun sind sie nicht einmal oder zweimal vermanet / sondern in vielen Stücken vnd Sprüchen vber wunden / vnd wollen dennoch nicht ablassen / darumb ist gewiß / wie S. Paulus sagt / daß sie verkeret sind / vnnd hilfft kein vermanen mehr / viel weniger hilfft viel disputieren / vnnd ohne auffhören mit jhnen plaudern. Vnd abermal spricht S. Paulus / 2. Timoth. 2. Lehre sie / daß sie nicht vmb Wort zancken / wölches kein nutz ist / ohn daß es die zuhörer abwendet / das ist ja so viel gesagt / daß mit den Rotten viel disputieren nicht allein vnfruchtbar ist / bey jhnen / sondern auch schädlich bey den zuhörern / die dadurch / wenn sie gleich nicht verführet werden / dennoch geergert vnd abgeschreckt werden. Solchen Rhat des heiligen Geistes müssen wir nicht verachten / noch vns an jhr rhümen keren / sondern sie jmmer lassen
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(Anno 1531.) hinfahren / vnnd sie meiden. Der vns so hat gerhaten / der wirdt (Der heilige Geist hat vns für dem Zwiuglischen geist trewlich gewarnet.) sie wol finden / vnd jhren Rhum zuschanden machen / wie er denn bereit an mit der That fürgenommen hat / solches zubeweisen vnd zubeweren. Denn wir haben ja gesehen / wie er den Müntzer (Müntzer.) vnd seine Gesellen hat troffen / vnd sie zum schrecklichen Exempel gesetzt allen Schwermern vnd Rottengeistern. Denn es war bey jhnen auch eitel rhümen des Geists / vnnd verachtung der Sacrament / aber es hat sich befunden im außkericht / was es für (Carlstad.) ein Geist gewesen sey. Deßgleichen hat er den Carlstad / sind der zeit er diß Spiel angefangen hat / hin vnnd her / in der Welt gejagt / vn̅ kein stadt für seinen Leib / noch ruhe in seinem Hertzen gelassen / wie ein rechter Cain / mit zittern vn̅ furcht gezeichnet vn̅ geplaget. Vnd nun newlich die armen Leute in Schweitz / Zwingeln (Zwingel. Oecolampad.) vnd die seinen / auch mercklich gnug gestrafft / daran sich die Rottengeister billich stossen solten / aber sie sind verstockt / verkeret / vnd suo iudicio condemnati, sagt S. Paulus. Sie wollens alle erfahren / vnd keiner glauben. (Gottes Straffe.) Vnnd wiewol weder die Müntzerischen noch Zwinglischen glauben wollen / daß sie von Gott gestraffet sind / sondern halten sie / vnnd predigen sie auß für Märtyrer / so müssen wir doch / die wir wissen / daß sie in diesem Artickel / vnnd andern mehr / schwerlich gejrret haben / solche Straffe Gottes erkennen / vnnd dafür ansehen / nicht daß wir vns frewen jhres Vnglücks / daß vns von Hertzen leid ist / vnd allezeit gewesen / sondern daß wir das Zeugnus (Sacramentierer sind nicht Märterer.) der Warheit Gottes nicht lassen können. Sind sie selig worden / wie dasselbige Gott nicht vnmüglich ist / einen Menschen an seinem letzten ende / in einem Augenblick / zubekeren / das gönnen vnnd wünschen wir jhnen von grund vnsers Hertzen / aber Märtyrer zumachen / da gehöret mehr zu / denn schlecht selig werden / nämlich / eine gewisse Göttliche sache / darumb sie leiden vnnd sterben / wölches hie sich nicht finden / Denn wir auch
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die Vbeltheter / so durch öffentlich Gericht gestraffet / oder abgethan(Anno 1532.) werden / zur Hellen nicht verurtheilen / aber darumb keine Martyrer darauß machen. Vnnd mich verwundert / daß die vbrigen Müntzerischen(Verstockung.) vnd Zwinglischen / sich so gar nicht keren an solche Gottes Rhuten / daß sie nicht allein verhertet bleiben in jhrem jrrthumb / sondern daß sie solche Ruthen deuten / für eine Ruthen der Martyrer / vnd sich noch rechtfertigen / vnd den H. Märtyrern vergleichen. Aber es ist das gemeine Exempel aller Gottlosen / dauon der Prophet Esaias am 9. vnd andere Propheten sagen: Non est reuersus populus ad percutientem se: Das Volck bekehret sich nicht zu dem / der es schlegt. Weil denn Gott so gewaltiglich drein zeichnet / vnd mit der(Gott beweists mit der that / daß er an der Sacramentierer jrrthum̅ kein gefallen habe.) that redlich solchen jrrthumb verdammet / vnd vnsern Glauben bestettiget / so ists zeit / daß man auffhöre zuzweiffeln / vnd zudisputieren / auff daß er nicht zu hoch versucht werde / vnnd zuletzt wir jhrer Straff vnnd Plage auch theilhafftig werden. Zu dem / so ist dieser Artickel nicht eine lehr oder auffsatz ausser der Schrifft / von Menschen erdichtet / sondern klerlich im Euangelio / durch helle / reine / vngezweilffelte Wort Christi gestifftet vnd gegründet / vnnd von anfang der Christlichen Kirchen / in aller Welt / biß auff diese Stunde / eintrechtiglich gegleubet vnnd gehalten / wie das außweisen der lieben Vätter Bücher vnd Schrifft / beide Griechischer vnnd Lateinischer Sprache. Dazu der tegliche Brauch vnd das Werck mit der erfarung / biß auff diese Stunde.(Die gantze Christliche Kirche bezeuget / daß der Schwermer fürgeben new vnd falsch sey.) Welches zeugnus der gantzen heiligen Christlichen Kirchen (wenn wir schon nichts mehr hetten) sol vns allein gnugsam sein / bey diesem Artickel zubleiben / vnnd darüber keinen Rottengeist zuhören / noch zuleiden / denn es gefehrlich ist vnd erschröcklich / etwas zuhören oder zugleuben / wider das eintrechtige zeugnus / Glauben vnd Lehr der gantzen heiligen Christlichen Kirche̅ / so von anfang her / nun vber fünfftzehen hundert jhar / in aller Welt eintrechtiglich gehalten hat.
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(Anno 1532.) Wenns ein newer Artickel were / vnd nicht von anfang der heiligen Christlichen Kirchen / oder were nicht bey allen Kirchen / noch bey der gantzen Christenheit in aller Welt / so eintrechtiglich gehalten / were es nicht gefehrlich noch schröcklich dauon zuzweiffeln oder disputieren / ob es recht sey. Nun er aber von anfang her / vnd so weit die gantze Christenheit ist / eintrechtiglich gehalten ist / wer nun daran zweiffelt / der thut eben souiel / als gleubte er keine Christliche Kirchen / vnnd verdampt damit / nicht alleine die gantze heilige Christliche Kirche / als eine verdampte Ketzerey / sondern auch Christum selbst / mit allen Aposteln vnd Propheten / die diesen Artickel / da wir sprechen: (Ich glaube eine heilige Christliche Kirche) gegründet haben / vnnd gewaltig bezeuget / nemlich / Christus Matth. am 28. Sihe / ich bin bey euch biß an der Welt ende. Vnd S. Paulus 2. Timoth. 3. Die Kirche Gottes ist eine Seule vnnd Grundfeste der Warheit. Auch zeuget jhre eigne opinion wider sie selbst / daß sie wider einander vber dem Text so vneinig sind / vnd schier sieben oder achterley / so viel Text / so viel Rotten sind / machen / vnd (Sacramentierer haben allerley glossen vber dem klaren Text.) können nichts gewisses lehren / noch jrgend ein armes Gewissen bestendiglich berichten. (Sacramentierer sind im Lande nit zu leide̅ / so anders ein Christliche Oberkeit ruhe / vn̅ ein gut Gewissen haben vn̅ behalten wil.) Derhalben vermane ich vnnd bitte E. F. G. wolte solche Leute meiden / vnnd sie im Lande ja nicht leiden / nach dem rhat S. Pauli / vnnd des heiligen Geistes / droben angezeigt. Denn E. F. G. müssen bedencken / wo sie solche Rottengeister würden zulassen vnd leiden / so sie es doch wehren vnnd vorkommen können / würden sie jhr Gewissen grewlich beschweren / vnd vielleicht nimmermehr wider stillen können / nicht alleine der Seelen halben / die dadurch verführet vnnd verdampt würden / welche E. F. G. wol hette können erhalten / sondern auch der gantzen heiligen Kirchen halben / wider welcher / so lang hergebrachten vnd allenthalben gehalten Glauben / vnd eintrechtig Zeugnus / etwas zulehren gestatten / so mans wol köndte wehren / ein vntregliche
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Last ist deß Gewissens. Ich wolte lieber nicht allein aller Rottengeister(Anno 1532.) / sondern aller Keiser / Könige vnnd Fürsten / Weißheit vnd Recht / wider mich lassen zeugen / denn ein Jota oder ein Tittel der gantzen heiligen Christlichen Kirchen wider mich hören / oder sehen. Denn es ist ja nicht so zuschertzen mit Artickeln des Glaubens / von anfang her / vnnd so weit die Christenheit ist / eintrechtiglich gehalten / wie man schertzen mag mit Bäpstischen oder Keiserlichen Rechten / oder andern Menschlicher Tradition der Vätter oder Concilien / etc. Diß schreiben D. Lutheri / da es ist außgangen / haben es die(Die Zürchischen Praedicanten wer den vngedultig vber D. Luthers schreiben.) Zwinglianer zu Zürich mit grosser vngedult gelesen / vnd an den Hertzog in Preussen auch geschrieben / vnnd gebetten / er wolte mit jhren Brüdern / so die Zwinglische lehr führeten / gnediglich vmbgehen vnd handeln / vnnd sie nicht hindern noch abschaffen lassen. Haben auch dem Hertzogen ein Büchlein / vom Leib vnnd Blut Christi / durch Bertramum vor zeiten geschrieben / vnnd von Leo Jud verteutschet / mitgeschickt / aber / Gott lob / nichts außgerichtet. Fast zu ende dieses jhars hat Philippus Melanthon an(Philip. Melanth. schreibt an Rotmannum gehn Münster in Westphalen.) Bernhardum Rottman̅um gegen Münster in Westphalen vnter andern also geschrieben / wie solche Epistola auch durch offenen druck außgangen: Incertus etiam rumor huc allatus est, in vrbe vestra palam probari Zuuinglij dogma, de Coena Domini. Ego nec rumoribus istis fidem plane habeo, nec tibi placere puto, si qui . Etsi autem non hoc mihi sumo, mi Bernharde, vt tibi aliquid praecipiam, tamen pro nostra inter nos amicitia duxi ad te scribendum, vt potius alia salubriora doceas, quàm illas Cinglij disputationes. Facile est conscientias conijcere in dubitationem, liberare dubitatione difficilimum est. Ideo malim te eligere in docendo certa, & quae fiduciam in pijs mentibus confírment, non quae excitent dubitationem. Habemus satis multa, quae necesse est inculcare,
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(Anno 1532.) de beneficio Christi, de vitanda dubitatione, de vera inuocatione, & in his malim te versari. Quorsum opus est illas prophanas disputationes, quòd nusquam nisi in coelo sit Christus, & quòd sedeat vni affíxus loco, spargere? Certè scriptura iubet inuocare Christum. Fatendum igitur est, eum adesse verè verbo & signo, cùm eo vtimur, vbi promisit se adesse velle, sicut & Deus verè aderat ad propitiatorium propter promissionem, velle consolari. Et nostri non probant illam , qua Papistae dicunt, corpus in species illas includi, quasi vinum in lagenam, sed adesse dicunt Christum verè in Coena, quod nihil habet incommodi. Neque ego ignoro, hîc ab ingeniosis hominibus multa quaeri posse. Et credo te hominem ingenio acri praeditum exerceri his disputationibus. Sed te etiam atque etiam oro, ne iudicium praecipites. Non ignoro, doctos viros alicubi applaudere dogmati Cingliano, & habent concinnas rationes. Sed in hoc non sunt omnia: praesentia, quam dixi, habet fidei. Haec scripsi simplici animo, adductus amore tui, teque rogo, vt in bonam partem accipias, mihique rescribas, & de tua sententia, & de statu Ecclesiae tuae, & c. Pridiè natalis Domini, 1532. Philippus Melanthon. Das ist: Es ist ein Geschrey erschollen / daß in ewrer Stadt die Zwinglische Lehr sol offentlich geführet werden / von des HErren Abendmal. Ich gleube nicht gar solchem geschrey / vnnd halte nicht dafür / daß dir die jenigen gefallen / welche es mit dem Zwingel halten. Sihe du zu / daß du was heilsamers lehrest / denn die Zwinglischen disputationes sind. Man kan die Gewissen bald zweiffelhafftig machen / aber jhnen nicht bald widerumb herauß helffen. Darumb lehre etwas / das gewiß vnnd war ist / vnd den Glauben im Hertzen bestettiget vnd sterckt / vnnd nicht /
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das nur zweiffel anrichtet. Wir haben gnug an dem / daß man(Anno 1533.) soll fleissig treiben / als / von Christi Wolthaten / von warem vertrawen(Zwinglische dispu tationes sind ohne Glauben / vnd gar vngewiß / vnd machen die Gewissen jrr vnnd zweiffelhafftig / vnnd sind im grund nur Heid nisch vnd fleischlich.) / wider den Zweiffel / von warer Anruffung / etc. damit solstu vmbgehen. Warzu gehören oder dienen doch die Heidnische Fragen von Christo / daß er nirgend / denn im Himmel sey / vnd sitze an einem gewissen ort? Die Schrifft heist vns ja Christum anruffen. Ey / so ist er warhafftig gegenwertig bey vns / im Wort vnd Sacrament / wenn wirs brauchen / wie er verheissen hat / daß er da sein wolle / gleich wie Gott war bey dem Gnadenstuel / vmb seiner zusag willen. Die vnsern wollen warlich auch nicht die Papistische Verwandlung nachgeben / noch die Einschliessung / als wie der Wein in Flaschen ist / sondern sagen / daß Christus warhafftig im Abendmal sey / etc. Ich weiß wol / daß gelehrte Männer(Vil gelehrte Men ner sind Zwinglisch / nur jrer vernunfft nach.) lust haben zur Zwinglischen Lehr / vnnd sie haben scheinbare Argument. Aber daran ists nicht alles gelegen. Die Gegenwertigkeit im Abendmal stehet auff dem Wort Gottes / wölches eine Richtschnur des Glaubens ist / etc. In diesem jhar / weil die Sacramentierer vnnd Widerteuffer(Sacramentierer vnd Widerteuffer ein Kuche.) / wölche nun (wie vorgesagt / weidlich mit einander laichten / vnd gleich ein Mehl vnd Kuche waren) hin vnnd wider in Seestedten / zu Goßlar / vnnd anderswo / vnd sonderlich zu Münster mit Bildstürmen / Orgel herunder reissen / vnd Glocken abwerffen / vnnd dergleichen / gewaltig begundten zurumoren / wie noch heutiges tages in Niderlanden vnnd anderswo / da sie einnisteln / jhr Brauch ist: Ist ein Erbar Raht zu Braunschweig nicht wenig(Die Statt Braun schweig thut jhr Christlich Bekantnus wider die Sa cramentierer.) dadurch bewogen worden (sonderlich / weil auch jhrer etliche / beide im Rathstuel / vnnd vnder den Patritijs noch hart vber der Bäpstischen Religion hielten / vnnd auß dieser zusammenrottung vnnd Rumorn der Widerteuffer vnd Sacramentschwermer / jhnen die Hoffnung macheten / daß die gantze / damals auch zu Braunschweig Anno 28. einhelliglich angenommene Luthe
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rische (Anno 1532.) Lehre / hiedurch von jhr selber fallen solte.) Es hat aber gedachter Rhat zu Braunschweig dem ergerlichen / boßhafftigen Geschmeiß der Widerteuffer vnd Sacramentierer / in jhrer Gemein vorzubawen / vnnd die Bürgerschafft dawider zuuorwahren / vnd bey der rechten / reinen Lutherischen Lehr zuerhalten / die damals jhrer Statt Praedicanten vor sich erfordert / vnnd jhren Glauben vnnd Bekantnus von dem heiligen Abendmal erstlich mündlich thun lassen / vnnd darnach dasselbige auch in Schrifft zuuerfassen / aufferlegt / wölches auch geschehen. Vn̅ haben dasselbe jhr Bekantnus / vmb mehrer Gewißheit willen / zu Luthero gehn Wittenberg gesandt / der es vbersehen / vnnd es jhm dermassen gefallen lassen / daß ers öffentlich zu publicieren befohlen / wölches auch geschehen / vnd ist erstlich zu Wittenberg in disem 1532. jhar getruckt / vnnd darnach Anno 1536. zu Magdeburgk widerumb auffgelegt. Ob nun wol dasselbige Bekantnus den einfeltigen Leien zum besten sich wider die damals auch in die zarte angehende Kirche zu Braunschweig allgemach einschleichende Widerteuffer vnnd Sacramentierer desto baß zuuorwahren / mit wenig Worten gestellet: So ist doch alle das jenige / was zur Erklerung des Artickels vom heiligen Abendmal nöttig / auffs aller einfeltigst darinnen gefasset / vnd ist sonderlich die Antithesis nicht alleine wider Papisten / sondern fürnemlich wider die Sacramentierer deutlich gesetzet / vnd damit die damals Prediger sich rund vnnd deutlich erklärten / daß sie mit des Carlstadts , so jhm der hellisch Vatter offenbaret / vnnd mit des Zwingels significat, so er zum theil auß eim Trawm / zum theil auß eines Hollenders Bündlin empfangen / nichts zuschaffen haben / sondern mit Luthero bey dem Wort bleiben / vnnd also nicht Zwinglisch / sondern gut Lutherisch sein wolten. So setzen sie die Wort der Einsatzung Christi zum grund jhrer Bekantnus / vnnd nemmen dar
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auß die einfeltige Erklärung des Artickels von dem heiligen(Anno 1532.) Abendmal / wölche sie in vier Punct gefasset haben. 1. Von wem(Vier Puncten der Lehre vom heiligen Abendmal.) das Sacrament eingesetzet. 2. Wem es eingesetzt. 3. Was das Wesen des Sacraments sey. 4. Wölches sey die Frucht oder Nutz der Empfahung des Sacraments / etc. Vnnd da sie vom wesen des Sacraments handeln / widerholen sie die Definition auß Lutheri kleinem Catechismo / das Sacrament des Altars / sey der ware Leib vnnd das ware Blut Christi / vnder dem Brot vnnd Wein / etc. Vnnd da solches jemand wolle mit den Sacramentierern disputieren / wie es sein könne / geben sie im ersten Stück zur Antwort / Man solle auff den Stiffter dieses Sacraments sehen / von wölchem der Vatter gesagt habe / den solt jhr hören. Das Stück von der vnwirdigen Niessung / wölches sonderlich eine rechte Proba ist der heimlichen / meuchlischen Sacramentierer / haben sie auch fein außtruckt mit diesen Worten / Ob da heimlich ein Judas vnnd vngleubiger zukeme / das bricht dem Befehl Christi nicht abe / etc. Diesem Bekantnus hat M. Martinus Gorolitius Superintendens, sampt seinem Coadiutore M. Heinrico Vuinckelio, vnnd zwentzig Predigern vnderschrieben. Es hat auch D. Johann Pommer / da er zu Lübeck in Anrichtung der Kirchen gewesen / diese zu Wittenberg getruckte Bekantnus in einem Briefflein an die zu Münster gerhümet / vnnd sind das seine Wort: Etliche Landleuffer suchten die frommen Christen zu Braunschweig mit der Sacramentschenderey jrre zumachen / damit auch ettliche Prediger berichtiget wurden. Aber daselbs ein Erbar Rath / verordente Bürger / Gilde vnnd Gemein / forderten von jhren Prędicanten jhre schrifftliche Bekantnus des Sacraments halben / die ist also getruckt außgangen / daß ich Christum dafür preise vnd lobe in Ewigkeit. Das sage ich E. Ehrw. vnd allen Christen zu guter newer zeitung / etc.
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(Anno 1533.) Wollen nun im Namen Gottes das zwey vnnd dreissigste jahr hiemit enden / vnnd Gott dancken / daß er so gnediglich sein Warheit bey vnd vnder vns erhalten / vnnd so gewaltiglich alle krumme / listige Tücke vnd Anschläge der Sacramentierer verhindert vnd zu schanden gemacht hat. Wollen nunmehr ferner sehen / wie er es in nachfolgenden jharen gleicher weiß gethan hat / dafür wir seiner Göttlichen Allmacht vnnd Barmhertzigkeit / auch dancken wollen hie vnd in Ewigkeit.

Anno 1533.
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(Der Waldenser in Böhemen Büchlein.) In disem jhar haben die Brüder in Behmen vnd Mehren / D. Luthero ein Büchlein geschickt / mit dem Tittel: (Rechenschafft des Glaubens / der Dienste / vnnd Ceremonien / der Brüder in Behmen vnnd Mehren) wölche von etlichen Pickarder / vnd von etlichen Waldenser genannt werden. Wölches Büchlein sie zuuor / auff gnedigs begeren Herren Georgen / Marggraffen zu Brandenburg / Fürsten in Schlesien / an Herrn Conrad von Kraigk auff jungen Buntzel / gestellet. Vn̅ weil dasselbige jr Büchlein zuuor zu Zürich getruckt / (aber nit trewlich / wie sie selber am ende jhres Büchleins klagen) haben sie Anno 1533. etliche jhre abgesandten zu Luthero abgefertigt / mit jhm mündlich dauon / vnd sonderlich des Sacraments vnsers Herrn Jesu Christi Leibs vnd Bluts halben / zuunderreden. Darauff Lutherus nicht allein gemeltes Büchlein hat zu Wittenberg trucken lassen / sondern auch seine Vorrede dafür gesetzt / wie in (Tom. 6. Ien. Pag. 119.) den Teutschen Tomis zubefinden. Dasselbige deuten vnnd verkeren die jetzige Sacramentierer dem frommen Luthero also / als habe er damit alles das jenige approbieret / gebillichet / vnd gleich canonisiert / was die Waldenser jemals vom Abendmal gelehret vnd geschrieben / als in jhrer Confession / Vladislao Regi Vngariae, Anno 1506. zugeschickt / vnd nachmals gedruckt.
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Wir haben aber droben in historia Anni 1520. vnd 1521.(Anno 1533.) klerlich erwiesen / was Lutherus an der Waldenser Lehr / befunden vnd gestraffet habe / denn er ja offt darüber geklaget / daß sie anders reden / denn sie gleuben / vnd gegenwertig für jhm anders jhre meinung von der Gegenwertigkeit des Leibs vnnd Bluts Christi im Abendmal / fürgebracht / vnd anders in etlichen jhren Büchlein dauon geschrieben. Item / von der Kindertauff / denen sie den Glauben absprechen. Item / vom Glauben / daß derselbige nicht ohne Werck bestehe / vnd gerecht mache / vnd das die Werck dem Glauben helffen müssen. Item / von sieben Sacramenten / vom Ehelosen leben der Priester / von verachtung der Sprachen / Kinderschulen vnd guter künste / vnd von dergleichen jhren jrrthumben mehr. Weil aber die Abgesandten mündlich mit D. Luthero zu rede kommen waren / vnnd sich also erkleret hatten / daß sie mit den Sacramentierer nicht gleich stimmeten / sondern gleubten / daß im Sacrament der warhafftige Leib vnnd Blut Christi empfangen werde / etc. hat D. Lutherus obgedachte Vorrede gesetzt /(D Luther hat gedult mit den Wal densern / als mit eim schwachen Gefeß / vnd zerbro chenem Rhor / vn̅ armen Leuten / die noch nicht gnugsam vnterwiesen / vnd billichet doch derwegen jre gan tze Lehre nicht.) vnd mit jhnen auß Christlicher guter hoffnung / vnd hertzlichem vertrawen / Gedult getragen / ob dermal eins / der Vatter aller Barmhertzigkeit (wie seine Wort lauten) durch seinen lieben Sohn vnsern HErrn Jesum Christum / seine reiche Gnade dazu geben wolte / daß doch der Rotten vnnd Spaltung weniger würden / etc. Es hat aber D. Luther gleichwol nicht alles gebillichet / was die Waldenser auch in demselben jhrem Büchlein fürgegeben vnd geschrieben. Denn er sagt außdrücklich in derselben Vorrede / daß er sie in der Lehr vom heiligen Abendmal fast verdechtig gehabt / aber auff jhre erklerung (daß im Sacrament der ware Leib vnd Blut Christi empfangen werde / vnd daß die Papistische Transubstantiatio, vnd opus operatum nichts / etc.) sey er gelinder gegen jhnen worden. Item / daß sie mit Worten / reden / vnnd jhrer Sprach / nicht gleichförmig mit vnsern Kir
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chen (Anno 1533.) halten / darumb er auch jhr Büchlein außgehen habe lassen / daß alle fromme Christen lesen vnd sehen / wie nahe oder ferne sie bey vns sein / oder von vns sind. Er wisse auch zwar jhre weise zureden nicht anzunemen / wolle sie aber auch widerumb nicht vbereilen / noch so eben zwingen / nach seiner weise zu reden / so fern wir sonst der Sachen eins werden vnd bleiben. Item / ob gleich jemandt were / dem nicht gnug in diesem Büchlein geschehen / der wolle das ansehen / wie sie sich demütiglich erbieten / vnd wenn sie schon nichts anders damit verdienen / so ists doch billich / daß man sie als das zerbrochen Rhor / vnnd glimmende Tocht / sein lasse / biß Gott weiter schicke nach seinem willen / etc. Vnd weil dem also / wie kürtzlich erzehlet / so wolle doch der Christliche Leser bedencken vnd erwegen / was das für eine that sey / daß die jetzigen Sacramentieren darauß / weil D. Lutherus / für der damals jhme zugeschickter der Waldenser Confession / auff jetzt gehörte maß vnd weise / eine Vorrede gesetzt / nemen / erzwingen / vnd die Leute bereden wollen / als habe Lutherus damit jre gantze Lehr approbieren vnd canonisieren wollen. Vnd zwar es mögen die Sacramentierer dauon reden / was vnd wie sie können / jhrer Art nach / so ist dennoch diß vnleugbar / daß der Waldenser obgenante Confession / zu der zeit / da Lutherus die Vorrede dafür gemacht / nicht Zwinglisch / sondern gut Christlich oder Lutherisch gewest sey / ob gleich die Waldenser an etlichen orten hernach anders worden / vnnd von jhrer dazumal gegen Luthero erklerten Confession abgewichen. (Das Brot ist der Leib Christi.) Denn also sagen sie in gemeltem jrem Büchlein (litera H.) Wenn in einer Christlichen versamlung / von einem diener die Wort deß HErren gesprochen / daß nu das Brot / der verordnung Christi nach / sein Leib sey / daß man festiglich gleuben sol / daß jhm eben also / vnd nicht anders sey. Dann wir halten / daß der Glaub einem jeglichen Wort Gottes bereit vnnd fertig sein
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sol / vor allem außgründen / forschen vnd vrtheilen. Es müsse je(Anno 1532.) der Sinn auff den Glauben / vnnd nicht der Glaube auff den Sinn gebawet werden / auff daß nicht Menschen verstand herrsche / vnd der Glaube zu Bodem gehe. Hie meinen etliche / die Rede sey zu hart / vnd bringe ergernus vnd Abgötterey / vnd stimme mit den Papisten. Denen sagen wir also / Es sein Papisten / oder wer sie wollen / wo sie recht reden / halten oder thun / da loben wir sie / vnd sind eins mit jhnen. Wo sie aber vbel reden oder thun / da loben wir sie gar nichts / vergleichen vns auch mit jhnen nicht. So zwinget vns die Göttliche Schrifft bey diesem Sacrament zugleuben / Zum ersten / daß es Brot vnnd Wein sey. Zum andern / zwinget vns die Schrifft zugleuben vnnd zubekennen / daß diß Brot / welches da eigentlich Brot ist vnd bleibet / der rechte Leib Christi sey. Denn er saget / Das ist mein Leib / Als solte er sagen / Das Brot / welches ich in die Hende genommen / gebrochen / vnnd euch zu essen gegeben / dasselbige ist mein Leib / vnd kein ander / denn der meine / etc. Item / sie verwerffen die / so das Sacrament empfahen für eine Losung vnnd Zeichen / dabey man einen Christen kennet. Wenn wir aber die obgemelten Schrifften / welche oben zum Grunde deß Glaubens gelegt sind / hin vnd herwider werffen / vn̅ auff allen Ecken wol besehen / vnnd nu einen Sinn vnnd Verstandt darauß nemen sollen / welcher vberall zutreffen / vnd keiner Schrifft entgegen sein sol / so finden wir nichts anders / denn daß der HErr Jesus das Brot verordnet hat / daß es sein Leib / vnnd der Wein sein Blut sein solte / zur erinnerung seiner wolthat / vnd zu gegenwertiger geniessung seines Testaments / welchs mit seinem Todt vnd Blutuergiessung bestettigt ist. Nicht daß das Brot verwandelt würde in Fleisch / vnd der Wein in Blut / sondern daß das Brot / Brot / vnd der Wein / Wein bleibe / vnd dennoch das Brot sein Leib / vnd der Wein sein Blut were.
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(Anno 1533.) Darnach folgen die Wort vnnd Rede der Waldenser / dauon (Was die Waldenser für reden führen / die D. Luth. nicht hat wollen billichen.) Lutherus in seiner Vorrede spricht (Er wisse jhre weise zu reden nicht anzunemen) Nemlich / daß Christus wesen habe zweyerley weise / zum ersten / leiblich / zum andern / geistlich. Leiblich wesen haben / halten wir / daß es sey / in eigener Person gegenwertig etwas außrichten / vnnd ein solch leiblich wesen hatte Christus vor zeiten auff Erden / da er in eigener Person predigte / Zeichen thet / Marter leid / starb / begraben ward / etc. Aber jetzund hat er nicht ein solch wesen auff Erden / denn die Schrifft nötiget vns zugleuben / daß er mit seiner leiblichen Person die Welt verlassen / gehn Himmel gefahren / etc. vnnd komme von dannen nicht herwider / weder heimlich noch offenbar / biß an den Jüngsten tag / etc. Geistlich wesen haben / halten wir / daß es sey / ohne Persönliche vnnd fleischliche Gegenwertigkeit etwas außrichten / als / 1. durch den heiligen Geist. 2. durchs offentliche Predigampt. 3. durch krefftige verodnung der Sacrament / etc. Item / darauß folget / daß Christus mit allem seinem verdienst im Sacrament sey / doch nicht so fleischlich / wie die Capernaiten verstehen / sondern geistlich / wie der Menschen Seligkeit fordert / etc. Darauß erscheinet / daß jhre meinung (ob sie es gleich auff jhre sonderliche Art vnnd weise außgeredet haben) allein diß gewesen / daß Christus nicht auff leibliche / fleischliche / reumliche / oder vmbschriebene weise / nach Art vnnd weise dieser Welt / im Abendmal gegenwertig / etc. welches auch vnsere Lehr vnnd Meinung ist. Darnach (M. 2.) im Capitel von den Ceremonien / bey der berichtung nach der Predigt / vermanet der Diener das Volck zu sämptlichem Gebett zu Gott / auch des Brots vnnd Weins halben / welches da gegenwertig ist / daß es der Himlische Vatter / der verordnung vnnd meinung Christi nach / annemen wolte / vnnd das Brot werden lassen seinen Leib / der für vns ver
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rhaten ist / vnd den Wein sein Blut / wölches für vns vergossen(Anno 1533.) ist zur vergebung der Sünden. Nach dem Gebett meldet der Diener die verordnung Christi / vnnd die Wort / die er dabey geredt hat / auff daß das Volck diese Wort hörend / einfeltig glaube / daß auch das gegenwertige Brot / der Leib Christi / vnnd der Wein / sein Blut sey / dasselbige alsdann mit begierde vnnd lust empfahe / vnd seiner Wolthat dabey gedencke. Vnnd im Beschluß am ende des Büchleins stehen diese Wort: Diß Büchlein ist vormals getruckt zu Zürich / aber mit grossem gebrechen. Darumb so jemands derselbigen eins fürkeme / er lasse es fahren / vnnd richte sich nach diesem hie zu Wittenberg gedruckt. Auß disem ist jetzt auch leichtlich abzunemmen / was das für(Der Caluinischen Theologen zu Wit tenberg Anno 1571. betrug.) ein böses Stück gewest sey / daß die Caluinischen Theologen / so zu Wittenberg den elenden Lermen angerichtet / vnnd derwegen auß dem Lande verwiesen worden / ein Confession der Waldenser / Anno 1573. haben trucken lassen / durchauß auff Sacramentierischen Schlag gerichtet / vnd doch auff die vorige D. Lutheri Vorrede sich beruffen / als hette der thewre bestendige Mann / solchen Sacramentschwarm / durch seine Praefation gebillichet. Nun setzen sie aber jhren jetzigen Caluinischen Glauben / der vorigen Confession stracks zuwider / in dem sie in jhrer newen Confession / vnnd in andern Büchlein / mehr also schreiben: Christus sey im Sacrament mit seinem geistlichen Leibe / aber nicht mit dem Wesen seines waren Leibes / mit wölchem er gehn Himmel gefahren / vnd sitze allda zur Rechten seines Vatters / biß an den jüngsten tag / an einem ort wallend. Item / Er könne sich nicht erweitern / noch leiblich genossen werden / noch sich mehren / sondern bleibe gantz / warhafftig vnnd wesentlich im Himmel / vnd werde von den frommen nicht leiblich / sondern nur geistlich genossen / modo praesentiae suae esse in sublimi, in hoc Mundo autem Christum esse modo spirituali, & c.
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(Anno 1533.) Wir wollen nun von den Waldensern auff diß mal auffhören / für sie bitten / daß sie Gott gnediglich bekeren wolle. (Tom. 6. Ien. Pag. 150. D. Lutheri Warnungsschrifft an den Rath vnd Gemein zu Franckfurt am Meyn / sich für Zwinglischer Lehre zuhüten.) Wollen weitter / was Lutherus Anno 1533. für ein Warnungschrifft / an den Rath vnnd Gemeine der Stat Franckfurt am Meyen / sich vor Zwinglischer Lehr vnnd Lehrern zuhüten / gestellet / vnd durch offenen Truck außgehen lassen / besehen / vnd kürtzlich erzehlen. Wie des Buceri fürgenommene vnnd angestelte Conciliationes (dauon oben meldung geschehen) von den Zwinglianern gedeutet vnnd mißbrauchet sind worden / hat Lutherus in derselben seiner an die Franckfurter Warnungsschrifft gewiesen / sonderlich weil die Leute wolten vberredet werden / als were es alles gleich / vnnd ein ding / mit der Christlichen Lehre Lutheri / vnd mit Zwingels Wahn vnd Meinung / vnd es von etlichen Predigern also gemeistert ward / daß niemands köndte gewiß sein / was / vnnd wie mans meinet oder glaubte. (Sacramentierer genckeln / vnd drehen jhre wort / vnd behalten doch jhre falsche Meinung.) Denn es sind jhrer viel / (schreibt D. Luther an die von Franckfurt) die nur jhre Wort drehen / behalten aber gleichwol die vorige Meinung im Sinn / vnd Brauch / sagen mit dem Munde / es sey Christi Leib vnd Blut warhafftig gegenwertig im Sacrament / aber doch nur geistlich / vnnd nicht leiblich / werde auch allein im Hertzen mit dem Glauben empfangen / vnd nicht leiblich mit dem Munde / wölcher empfahe eitel Brot vnd Wein. Sihe / sagt er weitter / ist das nicht ein teufflisch Gauckelspiel mit den Worten Christi getrieben / vnd die einfeltige Hertzen / so schändlich vmb jhr Sacrament betrogen vnnd beraubet? Das heist / wie S. Hieronymus von den Arrianern schreibt / wie jhre Bischoffe also predigten / daß die Christen ein anders auß jhren (Zweizüngigt Rott.) Worten verstünden / denn sie meineten / etc. Die zweizüngige Rott saget / Christi Leib vnnd Blut sey im Sacrament warhafftig / aber doch geistlich / vnnd nicht leiblich / vnd bleiben damit auff jhrem vorigen Irrthumb / daß eitel Brot vnnd Wein im Sacrament sey. Geben darnach für / es sey nicht not / daß
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der gemeine Christenmensch wisse / wie Christi Leib im Sacrament(Anno 1533.) sey / sondern sey gnug / daß er glaube / es sey der Leib / den Christus gemeinet hat / Vnnd wenn du also glaubest / daß Christi Leib im Himmel leiblich vnnd im Sacrament geistlich sey / so habestu im Geist vnnd Glauben / den Leib / den Christus gemeinet hat / ob du wol im Brot vnd Wein / nichts denn eitel Brot vnnd Wein empfehest. Daher machen sie des Herren Abendmal wüste / verechtlich vnd gering / als sey es nicht von nöten / weil man Christi Leib vnnd Blut geistlich im Hertzen haben könne. Manche dörffen auch jhren eignen Glauben nicht bekennen / vnd sind Meuchelchristen / vnd bedörffen einer zwiefaltigen Helle(Meuchelchriststen / die nicht frey rund herauß jhre Lehr vnd Glauben bekennen dürffen.) / eine / daß sie wider Gottes Wort liegen / die andere / daß sie jhre eigene Lehr nicht frey dürffen bekennen / etc. Es ist nicht die frage / ob einer glauben soll den Leib / den Christus meinet / denn das weiß ein jeder. Das ist aber die frage: Ob einer eitel Brot vnd Wein mit seinem Munde empfahe / vnd was man jhme mit den Händen reiche? Hie gilts nicht den Brey im Maul weltzen / vnnd mumm mumm sagen / noch im Sack verkauffen / denn es(Mumm / mumm sagen / etc.) gilt hie nicht so vnder dem Hütlein spielen / vnd im finstern mausen / Darumb ist das mein threwer Rhat / den ich für Gott schüldig bin / wer seinen Seelsorger offentlich weiß / daß er Zwinglisch(Zwinglische Seelsorger soll man meiden.) lehret / den soll er meiden / vnd ehe sein lebenlang des Sacraments entberen / ehe ers von jhm empfahen solte. Ja auch ehe drüber sterben / vnnd alles leiden. Ist aber sein Seelsorger der zweizüngigen einer / der mit dem Maul fürgibt / es sey im Sacrament der Leib vnnd Blut Christi gegenwertig vnd warhafftig / vnd doch verdächtig ist / daß er im Sacke verkauffe / vnnd anders meine / weder die Wort lauten / so gehe oder sende frey zu jm / vnd laß dir deutlich herauß sagen / was das sey / daß er dir mit seinen Händen reichet / vnd du mit deinem Munde empfehest / hindan gesetzt / was man im hertzen glaube / oder nit glaube / schlechts gefraget / was Hand vnnd Mund hie fassen? Ists ein redlicher
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(Anno 1533.) Schwermer / der auffrichtig mit dir handeln wil / der wirdt dir (Redliche Schwer mer.) also sagen / er reiche dir eitel Brot vnd Wein / dabey du solst dencken vnnd glauben den Leib vnd Blut Christi / etc. Ists aber der (Geuckler / zwey züngige Mummums Geifer.) Gauckler einer / die vnder dem Hütlein spielen / so wirdt er MVMm / MVMm sagen / vnnd den Brey im Maul vmbher werffen / vnnd also geifern / Es ist gnug / daß du glaubest / den Leib / den Christus meinet. Das heist denn fein geantwortet / vnd Vrkunde gegeben der Hoffnung / die in vns ist / wie S. Petrus lehret. (Zweizüngige Prediger soll man auß dem Lande weisen.) Solcher hohen Kunst nach / wolte ich mit allen Artickeln des Glaubens spielen / etc. Aber solche Prediger / wenn sie schertzen wolten / solten sie etwas anders fürnemmen / vnnd Göttliche sachen mit frieden lassen / daß nicht einmal der Donner drein schlage. Ists aber jhr ernst / so solte man sie mit ernst auch von dem Ampt vnnd von der Cantzel zum Lande außweisen. Dann was soll doch das schröcklich Gauckelspiel sein? darinn sie das Volck wollen lehren / vnd sagen jhnen doch nichts / sondern weisen sie in finstere Loch / vnnd sprechen: Glaube was Christus meinet / Was aber Christus meinet / wollen sie nicht sagen / denn (Stummen Hunde / Heuchler vnd vngewisse Lehrer.) sie fürchten / wo sie es sagen solten / würde alle Welt sprechen / das meinet Christus nicht / sondern du selbst meinest es / vnnd dein Vatter der Teuffel mit dir / vnnd brauchet beide des Namens Christi zum Schanddeckel vber ewere Lügen / damit jhr vns versuchen vnd verderben wollet / etc. Glauben / was die Kirche glaubet: glauben / was sein Herr glaubet: glauben / was der Köler glaubt: glauben was im Buch stehet / ist alles ein nichtiger Glaube / der dem Teuffel nicht schadet. Aber es gehöret mehr zum Glauben / vnnd nicht schlecht sagen / Ich glaube / was Christus meinet. Denn was er meinet / das geben seine Wort / die man nicht muß auß den Augen thun. (Wort Christi.) Ich wil die Wort haben / vnd den Glauben auff sie (wie sie lauten) setzen / daß ich nicht wil glauben den Leib / den Christus mei
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net / ausser vnnd ohne sein Wort / sondern den Leib / den seine(Anno 1528.) Wort meinen / wie sie da stehen vnnd lauten / denn das ist seine rechte meinung / vnd er hat seine meinung in den Worten / vnnd durch die Wort vns gesagt vnd angezeigt. Ausser seinem Wort / vnd ohne sein Wort / wissen wir von keinem Christo / viel weniger von Christi meinung. Den der Christus / der vns ohne Christi Wort seine meinung fürgibt / daß ist der leidige Teuffel auß der Helle / der Christi heiligen namen führet / vnd darunter seine Hellische gifft verkeuffet / etc. Etliche Schwermer vnterstehen sich auch jhren jrrthumb(D. Luth. Bücher müssen den Schwermer herhalten / als sey er jhrer meinung.) durch meine Bücher zubeschönen / wiewol ich doch billicher hoffen solte / daß niemandt so freuel vnd vnuerschampt sein köndte / solchen seinen jrrthumb mit mir zustercken vnd zuerhalten / weil mein Bekentnüs für aller Welt offentlich am tage da stehet / vnd meine Bücher gewaltiglich zeugen / mit welchem grossen ernst ich wider den jrrthumb gestritten habe / daß ein Schwermer sich ja solt in sein Hertzschemen / einen Buchstaben deß Luthers / zu seinem jrrthumb zu führen / oder zubrauchen. Zu dem / so ist nun für alle Welt kommen / die herrliche Confession vnd Apologia / so für Keyserlicher Mayestet zu Augspurg / von vielen der höchsten Stenden deß Römischen Reichs frey bekandt / vnnd erhalten / etc. Schröcklich ists auch / daß bey einerley Altar / in einerley(Prediger / die mit beyde̅ theilen können zu Frieden sein / sind gefesse deß Zorns Gottes / verstockt / vnd Ertzteuffel.) Kirchen / sollen beyde theil einerley Sacrament holen / vnnd empfahen / vnd ein theil sol gleuben / es empfahe eitel Brot vnnd Wein / das ander theil aber / es empfahe den waren Leib vnnd Blut Christi / Vnd offt zweiffele ich / obs zugleuben sey / daß ein Prediger so verstockt vnnd boßhafftig sein könne / vnnd hierzu stille schweigen / vnnd beyde theil also lassen gehen / ein jegliches in seinem wahn / etc. Ist aber einer / der muß ein Hertz haben / das da herter ist / dann kein Stein / Stahl / noch Demant / der muß freylich ein Apostel deß Zorns sein / vnnd ein Ertzteuffel / da
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(Anno 1533.) Gott wirdt zuschmeissen müssen. Vnd wer solche Prediger hat / oder sich deß zu jhnen versiehet / der sey gewarnet für jhnen / als für dem leibhafftigen Teuffel selbst. (Sacramentierischer geist richtet nichts guts an.) Ich weissage nicht gern / vnd ahnet mir doch nichts guts in meinem Hertzen von den frechen Geistern / denn sie haben auch noch bißher nichts gutes / sondern viel böses geschaffet / Gott stewre jhnen / etc. Das ist die summa / begriff / vnd kurtzer extract deß threwen Rhats vnnd Christlichen schreibens D. Luthers (so viel diesen Artickel vom heiligen Abendmal anlanget) an den Rhat zu Franckfurt. Vnd ist solcher Rhat dazumal (wie auch noch) sehr von nöten gewest / beide der rechten reinen Lehr halben / wider die meuchlischen Schwermer / vnd auch derwegen / daß das erdichte fürgeben vn̅ außsprengen / zu spott vn̅ schanden gemacht würde / darinn die Zwinglianer Doct. Lutherum angezogen / als were sein gemüte / Lehr vnd Meinung eben also / wie sie / laut jrer Conciliation vnd vergleichungen / hielten / wie auch auß nachfolgender Schrifft der Praedicanten zu Augspurg / so damals noch Zwinglisch gewesen / vnnd Anno 33. diese Schrifft gestellt vnd abgehen lassen / ferner zusehen ist / welche auch ein nachrichtung der Händel / so nachmals Anno 35. sich begeben / sein kan. Die Schrifft lautet also. (Der Prediger zu Augspurg vnd Straßburg Schreiben.) Wie weit wir Prediger zu Augspurg vnnd zu Straßburg mit D. Luthero des Nachtmals halben einig sein / vnnd wie weit nicht. Es ist nicht ohn / wir lassen vns vernemen / haltens auch vor Gott also / daß wir in der Lehr vom hochwirdigen Sacrament deß Leibs vnnd Bluts vnsers HErrn Ihesu Christi / im Grund ja eintrechtig sein / mit denen zu Wittenberg / vnnd allen / die es mit jhnen halten / wie wir D. Luther / in seinem letzten grossen Bekentnüs von diesem Sacrament vernemen / auch jhre Confession Keyserlicher Mayestet auff dem Reichßtag allhier
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vberantwort / laut D. Luthers schreibens / in seiner grossen Bekentnüs(Anno 1533.) / darinn er seinen Glauben von dem hochwirdigen Sacrament deß Leibs vnnd Bluts vnsers HErrn Ihesu Christi / zum bestendigsten vnnd reichlichsten hat wollen dargeben / Daß das Brot / vnd der Leib vnsers HErrn zweyerley Wesen seind / vnd werde im Sacrament auß den zweyen Wesen ein Einigkeit / die nennet er Sacramentlich / vnnd schreibt diese Wort: Es ist nicht ein natürliche oder persönliche Einigkeit / wie in Gott vnd Christo / so ists auch vielleicht ein ander Einigkeit / denn die Taube mit dem heiligen Geiste / vnd die Flammen mit dem Engel hat. Demnach ist ja auch ein Sacramentliche Einigkeit / denn es ist aller ding recht geredt / diß / so man auffs Brot zeiget / vnnd spricht: Das ist Christus Leib / vnnd wer das Brot siehet / der siehet den Leib Christi / gleich wie auch Johannes spricht / Daß er den heiligen Geist sahe / da er die Taube sahe / wie gehört ist. Vnnd also fort an ists recht geredt / Wer diß Brot angreifft / der greifft Christus Leib an / Vnnd wer diß Brot jsset / der jsset Christus Leib / Wer diß Brot mit den Zeenen oder mit der Zungen zerdrückt / der zerdrücket mit Zeenen oder Zungen den Leib Christi / vnnd bleibt doch allweg war / Daß niemandt Christus Leib siehet / greifft / jsset oder beisset / wie man sichtbarlich ander Fleisch siehet vnd zerbeisset / Den̅ was man dem Brot thut / wirdt recht vnnd wol dem Leib Christi zugeeignet vmb der Sacramentlichen Einigkeit willen / etc. Das sind D. Luthers selbst Wort / in seiner Bekentnüs / Vbi tractat de praedicatione identica & opinione Vuiglefij. In welchen / wie in vielen andern / er je klar vnnd hell / bekennet / Daß das Brot vnnd der Leib Christi natürlich vnnd wesentlich vnterschieden sind vnnd bleiben / vnnd nur Sacramentlich vereiniget werden. Item / Das sehen / greiffen / zerbeissen / das ist / mündlich essen / dem Brot vnd nicht dem Leib Christi eigentlich geschehe / werde aber dem Leib Christi zugeeignet vmb der Sa
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cramentlichen (Anno 1533.) einigung willen / wie das leiblich sehen Johannis / so eigentlich nicht weiter / denn an die Gestalt der Tauben gereicht hat / dem heiligen Geist zugeeignet werde / vnnd Johannes sagen möchte / Ich sehe den heiligen Geist / vnnd deutet auff die Gestalt der Tauben / mit deren der heilige Geist erschiene / das ist der heilige Geist / etc. Vnd etwas nach diesem schreibet D. Luther / Diß Brot ist ja der Leib Christi / wie die Taube der heilige Geist ist / vnnd die Flammen die Engel. Item / solche weise zu reden von vnterschiedlichen Wesen / als von einerley / heissen die Grammatici Synechdochen, vnnd ist fast gemein / nicht allein in der Schrifft / sondern auch in allen Sprachen / Als wenn ich einen Sack oder Beutel zeige oder darreiche / spreche ich / Das seind 100. gülden / da gehet das zeigen vnd das Wörtlein (Das) auff den Beutel / aber weil der Beutel vnd Gülden etlicher massen / ein wesen sind als ein klumpff / so triffts zugleich auch die Gülden an. Der weise nach / Ich greiff ein Faß an / vnd spreche / Das ist Reinisch Wein / das ist Welsch Wein / das ist roter Wein. Item / Ich greiff ein Glaß an / vnnd spreche / Das ist Wasser / das ist Bier / das ist Salbe / etc. In allen diesen Reden zeiget das Wörtlein (Das) auff das gefeß / vnnd trifft doch zugleich / ja wol fürnemlich das getrenck / etc. Diß sind abermal D. Luthers Wort / in welchen wir nicht anders sehen können / denn daß er Brot vnnd Leib vnsers HErrn Ihesu Christi jmmer lest ein vnterschiedlich Wesen bleiben / weil sie aber der HERR zusammen gefüget hat / vnnd so fern ein Wesen auß jhnen machet / daß er vns seinen Leib vnnd sein Blut mit diesen sichtbarlichen dingen (denn also redet die Sächsische Apologia) Brot vnnd Wein / schencket vnnd vbergibet / so sey da ein Sacramentliche Einigkeit zwischen dem Leib vnd Brot deß HErrn / vnnd zeiget das Wörtlein (Das) nicht allein auff das Brot / sondern zugleich vnnd fürnemlich auff den Leib deß HErrn / der vns da auch fürnemlich gegeben wirdt. Nun solche meinung finden
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wir auch bey allen heiligen Vättern / die alle bekennen / daß da(Anno 1533.) zwey ding seind / Ein jrrdisch vnd ein Himlisch / als Irenaeus, ein befindlichs vnnd vnbefindlichs / wie Chrysostomus, ein Zeichen vnd Bezeichnets / als Augustinus sagt. Solches halten vnd lehren wir auch / vnnd weisen allwege die Leute dahin / daß sie im heiligen Abendmal Christum vnsern HERRN suchen / vnnd in diesen Worten / Nemet / esset / das ist mein Leib / etc. erkennen / daß die rechte Vbergab vnd Geschenck des HERRN / nicht das Brot vnnd der Wein / etc. sondern der ware Leib / vnd das ware Blut vnsers HERRN Jesu Christi sey / das ist / er selbst Christus vnser HERR / der je gantz vnd vnzertheilet ist / hat wollen damit vns desto mehr zu erinnern / vnnd vnsern Glauben daß zu erwecken / dieses schencken vnnd vbergeben sein selbst thun / nicht allein mit worten / sondern neben vnnd mit seinen Worten / auch mit vnd durch die Zeichen Brots vnnd Weins / wie in der Tauffe die newe Geburt geschicht / neben seinen Worten / die wir hören / auch mit dem sichtbaren begiessen oder tuncken / wölche der heilige Augustinus heisset sichtbare(Visibilia verba sichtbare Wort.) Wort / dann vnsere art also ist / daß wir in allen wichtigen vbergaben vnd zusagungen solche vnsere Zeichen oder deutliches vorsprechen vnnd darreichen gebrauchen. Der heilige Chrysostomus schreibet von diesem also: Dieweil nun das Wort saget / Das ist mein Leib / so laßt vns dasselbige annemmen / vnnd jhn mit verstendlichen Augen des Gemüts ansehen / denn Christus nichts entpfindlichs gegeben hat / sondern das so man aussen handelt / ist ein entpfindlichs / die rechte ding aber seind da alle verstendlich oder geistlich. Also in der Tauffe wirdt die Gabe des Wassers durch diß entpfindlich erlanget / daß aber da außgericht wirdt / die Widergeburt oder Ernewerung / dasselbige ist verstendlich oder geistlich / : Denn werestu nicht leiblich / so hette er dir die vnleiblichen Gaben bloß geben / Sintemal aber die Seele mit dem Leib vereinbaret ist / hat er dir die , das
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(Anno 1533.) ist / die verstendliche oder geistliche ding in den entpfindlichen gegeben. Haec ille. Solcher weise redet auch Cyrillus, Dionysius, vnnd auch das groß Concilium zu Nicea gehalten / vnnd alle Vätter. Darbey geben wir aber auch zu / daß man sagen möchte / Ich habe Christum gesehen / vnnd in die Hand genommen / mit den Zeenen zerbissen / wenn man die Sacrament gesehen / vnnd in die Hand genommen / vnnd mit den Zeenen zerbissen hat / wie etwan die alten lieben Vätter diesen Handel / Göttliche güte damit zupreisen / auch fürgegeben haben. Doch dieweil solche Reden bey den vngeübten etwas anders / denn die Meinung ist / bringen mögen / wie sie denn auch bracht haben / wolten wir / daß man solche Wort doch also erkläret / wie sie D. Luther selbst erkläret hat / nämlich / daß diese ding / in die Hände vnnd Mund nemmen / zerbeissen / vnd dergleichen / dem Brot eigentlichen geschehen / vnnd dem Leibe des HERRN allein darumb zugegeben werden / daß zwischen dem Brot vnd dem Leib des HERRN ein Sacramentliche Einigkeit ist / das ist / daß vns der Leib des HERRN mit dem Brot vbergeben wirdt. Auff diese Meinung werden nu solche Reden / wenn man sagt / Ich sehe / esse / neme in die Hand vnd Mund das Brot / wölches ein Sacrament ist des Leibs vnsers HERRN / damit vns der Leib des HERRN vbergeben wirdt / recht gebraucht: Item / dieweil der HERR vns Diener hiezu gebrauchet / wie zu andern seinen geistlichen Gaben / die er vns allhier auff Erden mittheilet / können wir auch sagen / Daß wir den Christen den Leib vnd Blut des HERRN geben / wie denn der heilige Paulus saget / zu den Corinthern / Ich habe euch durch das Euangelium newgeboren. Item / zun Galatern / Lieben Kindlein / die ich wider gebere / biß Christus in euch formieret wirdt / vnnd dergleichen. Aber alles das / macht der pflantzende vnd wesserende nicht. Gott aber ists / der das Gedeien gibt / etc. Vnd dauon schreibet D. Luther im ersten Buch vom Sacrament gar fein diese Wort:
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Wir wissen / daß es des Herrn Abendmal ist / vnnd heist nicht(Anno 1533.) schlechts der Christen Abendmal / denn der Herr hats nicht allein eingesetzt / sondern machts vnd helts auch selbst / vnnd ist der Koch / Keller / Speiß vnd Tranck selber. Haec ille.

Wie wir mit D. Luthero eins.
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Nun bißher können wir anders nicht erkennen / denn daß wir mit D. Luthern eintrechtig sein. Er bekennet erstlich / daß im Abendmal zweierley ding gegeben werden / an jhrer Natur vnnd Wesen vnderschieden / Nemlich / Brot vnd der Leib des Herrn / Wein vnd sein Blut. Diß bekennen wir auch. Zum andern / bekennet er / daß diese zweierley ding miteinander einerley Wesen / vnnd ein Einigkeit bekommen / die nennet er Sacramentlich / vnd das darumb / daß vns der Leib vnd Blut des Herrn im Sacrament gegeben / das ist / mit diesen sichtbaren dingen / wie jhre Apologia redet / vbergeben werden. Diß bekennen wir auch. Zum dritten / bekennet er / man möchte vmb dieser Sacramentlichen Einigkeit willen / etwa dem Leib des Herrn zugeben / das doch eigentlich zureden dem Leib Christi gar nicht / sondern dem Brot allein geschicht / als sehen / greiffen / mündlich essen / wie man sagt / man habe den heiligen Geist oder Engel gesehen / da man nur die Gestalt der Tauben oder Fewerflammen gesehen hat / darmit der heilige Geist vnnd der Engel erschienen ist / etc. Diß bekennen wir auch. Zum vierdten / bekennet er / daß sich der HERR selbst dargibt fürnemlich / vnnd der Diener dienlicher weise / den Leib vnnd das Blut Christi darreichet / in dem / daß er zu dieser vbergabe mit darreichung der Wort vnd Sacrament / dienet / etc. Diß beken̅en wir auch. Nu rechnen ewer Fürsichtigkeiten selbst /
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(Anno 1533.) vnd alle Christen / ob wir vnbillich sagen / wir sein im Grund dieses Handels mit D. Luthero eintrechtig / denn vns sollen verflucht sein / alle / die da sagen / Daß in des Herrn Abendmal eitel Brot vnd Wein gereichet werde / vnd nicht bekennen / daß da die rechte einige Schenck vnd Gabe sey / der warhafftige Leib vnnd das warhafftige Blut des Herrn / ja der Herr selbst / gantz vnnd gar / warer Gott vnd Mensch.

Wo wir nicht eins mit D. Luthern sein.
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(1. Zwinglianer wollen nicht glauben / daß die vnwir digen / vnbußfertigen / oder vnglaubige / in der Kirchen Christi / den waren Leib / vnd das ware Blut Christi empfahen / wölchs stracks wi der S. Paulum geschwermet ist. Vnd sagen dazu / daß alle / so zum H. Abendmal gehen / vnd den Leib Chri sti empfahen / glau big vnd from sein.) Dabey möchten wir aber auch wol vns in ettlichen nebenstücken vnd Worten / nicht eins finden. Vnd erstlich / in dem vnser Herr Jesus hat diß sein H. Sacrament / wie auch die Tauff vnnd alles / was vns seine erlösung fürtregt / denen seinen Jüngern verordnet / auff wölche dise seine Wort gehen / Das ist mein Leib / der für euch gegeben / Das ist mein Blut / das für euch vergossen wirdt / zur verzeihung der Sünden. Item / Die ein Brot vnd ein Leib miteinander sind / vnnd die ware Gemeinschafft seines Leibs vnd Bluts haben / daß sie seine Glieder seind 1. Cor. 10. Auß diesem halten wir / daß den waren Leib vnd wares Blut des Herrn niemand empfahe / der nicht in den Herrn warlich glaubt / vn̅ sein Glied sey / denn so wir Diener jemand erkenneten / der an Christum vnsern Herrn nicht warlich glaubt / vnnd sein Glied were / dörfften wir jhm das Sacrament nicht reichen / vnnd daß darumb / daß es Christus nicht wil. So denn nun Christus der Herr selbst hie der ware Priester / vnd fürnemer Handler ist / der auch sein thun an vnsere Werck nicht bindet / vnnd jederman wol kennet / wie sollen wir denn sagen / daß er thue / daß er vns verbeutet / wo wir sie kennen / vnnd wölche auch seines Leibs nicht wollen / wie zwar alle vngleubigen seind / wölche auch derhalben mit Christo im Tauff nicht bekleidet werden / wiewol wir sie gleich den guten teuffen / Bekommen auch nicht vergebung der Sün
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den / wenn wir sie schon auff jhre falsche Rew entbinden vnd absoluieren.(Anno 1533.) Wir seinds je nicht / die hie fürnemlich reden oder handeln(Refutatio proprij erroris. Die Tauff ist recht / ob gleich viel vngleubige ge taufft werden. Item / die Absolutio ist recht / vnd ist Gottes Wort / ob gleich viel vngleubige absoluiert werden. Also ist auch das Abendmal allzeit gantz vnd recht / Brot vnd Leib / Wein vnd Blut Christi / ob gleich viel vnwirdige / vnbußfertige Heuchler / Manlchristen vnd vngleubige dasselbige empfahen. †) / sondern Christus der HErr / der jederman kennet / vnd seine Gaben jedem gibt / nachdem er gleubet / durch vns. Mehr halten wir / wie auch vns deß alle heilige Vätter vnd Lehrer dargeben / daß der HErr im Abendmal / wie von keinem andern seinen Leib vnd Blut / denn Johan. 6. also auch von keinem andern essen vnd trincken seines Fleischs vnd Bluts geredt habe / allein außgenommen / daß er im Abendmal diß mit zeichen Brots vnd Weins vbergeben hat / so er † Johan. 6. schlecht ein Zeichen oder vbergeben vom essen seines Fleischs / vnnd trincken seines Bluts redet. Also hats die Christliche Kirche je vnnd je gehalten / deß man Zeugnüs hat bey allen heiligen Vättern / so viel wir deren haben / keinen außgenommen. Es gebens auch die Wort deß HERrn / an beyden orten geredt / dann was vnterscheids ist zwischen dem / das Brot / das ich geben werde / ist mein Fleisch / das ich geben werde für das leben der Welt / vnd diesen / Nemet esset / das ist mein Leib / der für euch gegeben / Nemet / trincket / das ist mein Blut / das für euch zur verzeihung der Sünden(2. Zwinglianer wollen das heilige Abendmal / vnd das geistliche essen vnd trincken Johan. 6. schlechter ding für eins verstanden vnd genommen haben.) vergossen wirdt / allein das außgenommen / daß / wie gesagt / im Abendmal nur die Zeichen mehr / vnnd das vbergeben ist. So wir dann nach den Worten deß HErrn selbst / vnnd nach dem verstandt derselbigen / welchen die Christliche Kirche von anfang gehabt / wie alle heilige Vätter zeugen / für einerley essen vnd trincken deß Leibs vnnd Bluts Christi / an jhm selbst halten / das dauon der HErr Johan. 6. vnd das dauon er im Abendmal geredt hat. Vnd aber Johan. 6. sagt: Wer mein Fleisch jsset / vnnd mein Blut trincket / der bleibt in mir vnnd ich in jhm / vnnd hat das ewige Leben / welchs je die vngleubigen nichts angehet / so können wir ja in diesem handel / den vngleubigen nicht mehr / denn die Sacrament / die niessung aber Christi vnsers HErrn /
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(Anno 1533.) die allwege das ewige Leben bringen / gar nicht zugeben / vnd haltens also / wie der heilige Augustinus: Derselbige schreibt de ciuitate Dei lib. 21. cap. 25. Daß alle / die im Leib Christi nicht seind / den Leib Christi auch nicht niessen / vnd das habe der HErr selbst gelehret Johan. 6. da er saget / Wer mein Fleisch jsset / vnd trincket mein Blut / der bleibt in mir / vnd ich in jhme. Mit diesen Worten / spricht der heilige Augustinus / habe der HErr angezeigt / was da sey / nicht allein Sacramento tenus, das ist / biß auff Sacrament / sondern reuera, das ist / warlich vnnd deutlich den Leib Christi essen / vnnd sein Blut trincken / denn diß ist in Christo bleiben / daß auch Christus in jhm bleibet / denn diß er also geredt / als sagt er / Wer in mir nicht bleibt / vnnd in dem ich nicht bleibe / der sol nicht sagen noch meinen / daß er meinen Leib esse / oder mein Blut trincke. Diß sind die Wort Augustini. Da mag nun sein / daß D. Luther vnd die seinen / anders halten / vnnd den Leib vnnd das Blut deß HErrn bey den bösen vnd guten / gleubigen vnnd vngleubigen gemein machen / sie sagen / Gottes zusagen stünde auff jhnen selbst / vnnd nicht auff der Menschen glauben oder vnglauben / das gestehen wir / wenn aber ein zusag deß HErrn mit namen vnd außdrücklich auff die gleubigen gestellet ist / können wir sie nicht den vngleubigen gemein machen. Nun sind die Wort im Abendmal zun Jüngern geredt / vnd denen Jüngern / auff welche auch diese Wort gehen / Das ist mein Leib / der für euch gegeben / das ist mein Blut / das für euch zur verzeihung der Sünden vergossen wirdt / diß gehet die vngleubigen je nichts an. So schreibet Doct. Luther / die Schwermer haben in jhrem Abendmal nichts denn Brot vnnd Wein / dieweil sie die Wort deß HErrn verkeren. Nun die Gottlosen halten gar nichts dauon / vnnd verkeren diese vnnd andere Wort deß HErrn / was sollen sie denn da weiters denn Brot vn̅ Wein empfahen? Etliche andere sage̅ / wer gar nichts gleubt / der
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empfahe auch gar nichts von Christo / als wenig / als ein Mauß /(Anno 1533.) die das Brot deß HErrn jsset / welche aber dennoch ein historischen Glauben haben / die essen den Leib Christi sampt dem Brot / aber jne̅ zum Gerichte / hiemit wirdt aber die Sache auch an den Glauben gebunden. Es können die Leut auch wol am Leib vnnd Blut deß HErrn schuldig werden / die schon da nichts / denn Brot vnd Wein niessen / so sie deß Leibs vnd Bluts deß HErrn nicht wollen / vnd solche thewre schenckung zum ewigen Leben / verwerffen vnnd nicht annemen wollen / welche jhnen da durch die Wort vnd Sacrament angebotten werden. So können sich auch die rechtgleubigen / die Christum schon warlich niessen / dennoch auch schuldig machen an den himlischen Gaben / wenn sie die nicht mit rechter andacht empfahen / wie die Corinther gethan haben / die dennoch dem Paulo auch liebe Brüder vnnd Glieder in Christo waren.

Vergleichung deß ersten Stücks.
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In diesen haben wir die vergleichung hierauff gestellet: Wir sind je der Kirchen diener / das ist / der rechtgleubigen (die draussen sind / gehen vns nicht an / so gehören auch die Sacrament nur für die gleubigen) Dieweil denn nun Gott gegeben / daß wir (so viel es die gleubigen belanget) dieses handels im Grund eins sind / was sollen wir vns der Gottlosen halben / was sie empfahe̅ / zweyen / die doch dieser handel gar nichts angehet / vnnd wir mit jhnen in solchen gar nichts zuthun haben sollen? Zwar zu Marpurg / so man sich sonst hette vertragen können / wolte D. Luther vnnd die seinen / diesen span an Christlichen Frieden sich nichts haben lassen hindern. Das ander / darinn wir nicht möchten eins sein / ist / wenn man vns fragt / wie wir doch Christum vnsern HERRN im Abendmal empfahen vnd zugegen haben / vnd niessen / sagen wir
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(Anno 1533.) auß dem 6. capit. Johan. 1. Cor. 10. vnd denn mit allen Alten heiligen Vättern / das wiewol diese Gegenwertigkeit vnnd niessung vnaußsprechlich sey / so mögen wir sie doch so viel erkennen / vnd lehren / ja auch befinden / daß wir Christum vnsern HErrn also empfahen / zugegen haben / vnd niessen / daß wir in dem fortgebracht werden vnd zunemen / das wir in jhm / vnd er in vns sey / daß wir seine Glieder sein / seiner Art / Fleisch von seinem Fleisch / Bein von seinem Gebein. Diß wil S. Paulus klerlich / als er sagt / Der Kelch / darbey wir dancksagen / ist er nicht die Gemeinschafft deß Bluts Christi? Das Brot / das wir brechen / ist es nicht die Gemeinschafft deß Leibs Christi? Denn er diese Wort zugleich damit bewert / denn wir seind ein Brot / vnnd ein Leib / denn wir alle von einem Brot theil haben. In diesem kan ein jeder sehen / daß der heilige Paulus die Gemeinschafft deß Leibs vnd Bluts deß HErrn / so da empfahen vnnd haben / alle / die recht deß Brots vnnd Kelches deß HErrn theil haben / ein solche Gemeinschafft sey / auß deren vnd durch die / wir ein Brot vnd ein Leib sind / welchs wir denn nicht anders / denn in Christo vnserm gemeinen Heupt sein können / so er vns jetzt sein Art vnd Leben mittheilet. D. Luther lest sich also vernemen / als würde er / so man jhn fragt / wie ist nun der HErr in seinem Abendmal zugegen / wie niesset man jhn / sagen / Ihm were gnug / daß er wüste / daß der warhafftige Leib / vnnd das warhafftige Blut deß HErrn im Abendmal zugegen sey / vnd genossen werde / welcher Gestalt vnd maß aber / das wolle er jhm befehlen vnd nichts forschen: Wenn man jhn aber fragte / wozu er da were vnnd genossen werde / wolte er sagen / zum Pfande vnnd versicherung / daß er vns zu erlösen gestorben ist. Vnnd diesen seinen Leib vnnd Blut für vns dem Vatter auffgeopffert hat / etc. die Gemeinschafft / so wir mit Christo vnserm HERRN haben / daß wir seine Glieder seind / vnnd er vnser Heupt / stünde auff der
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Geistliche Niessung / das ist / den Glauben an Christum. Findet(Anno 1533.) sich also in dem / daß wir erklären / warinn die ware Gegenwertigkeit vnd Niessung Christi vnsers HERRN im Abendmal stünde / vnd erkennet werden soll / nemlich / in der warhafften Mittheilung der Art vnnd Natur vnsers HERRN Jesu Christi / daß er jetzt in vns natürlich (wie Hilarius schreibet) vnd leiblich (wie Cyrillus sagt) lebe vnd wohne / Vnd weil solchs D. Luther nicht erklären wil / ist etwas Mißhelligung zwischen vns vnd jm entstanden / sonderlich auß dem vorigen / daß D. Luther denen auch die ware Gegenwertigkeit vn̅ Niessung Christi zugibt / als sich seine Wort hievon lassen ansehen / die die Geistliche niessung / welche er sonst auch bekennet / vnd also die ware einleibung in Christum nicht haben / da doch kein Schrifft da ist / die dargebe / wie die Christum im Sacrament warlich empfahen vnd niessen / die an jhn nicht warhafftig gläuben.

Vergleichung deß andern Stücks.
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Nun aber / als wir achten / kan in diesem auch wol eine Vngleichung troffen werden / Doct. Luther bekennet mit vns / daß die Sacramentliche niessung Christi vmb der Geistlichen niessung willen sey. So hat er zu Marpurg Christlichen Frieden derenhalben nicht wöllen abschlage̅ / daß wir auß oberzehltem Grund nicht köndten zugeben / daß jemands Christum vnsern HERREN / die Speiß deß ewigen Lebens / warlich vnd an jm selbst empfahe / oder niesse ohne Glauben. So haben wir / wie vorgesagt / mit denen / die die Geistliche niessung nicht haben / vberal nichts zuthun / in diesen Sacramenten / sintemal wir denn / die ware Gegenwertigkeit vnd niessung Christi bey den Gläubigen (welchen doch dieses Sacrament vom HERRN verordnet ist) als sat vn̅ vollkommen Glauben / vnd bekennen / als D. Luther / vnd jemand anders / vnd solcher warhafften satten gegenwertigkeit vnd niessung vnsere vorgesetzte
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(Anno 1533.) erklärung gar nichts abbricht / hette je D. Luther wol vrsach / daß er vns solche erklärung zu gut hielte / wie er sie doch den heiligen Vättern zu gut helt / welche alle solche erklärung fürgeben / Denn freylich benimpt solche erklärung der waren gegenwertigkeit vnd niessung nichts / so sie die Vätter / dargeben. So läßt sich D. Luther offtmals vernemmen / es sey jm darumb zuthun / daß man im Abendmal nicht wölle eitel Brot vnd Wein halten / sondern daß auch da sey vnd genossen werde / der ware Leib vnd das ware Blut deß HERRN. Zum dritten / so seind wir auch in diesem nicht eins / daß D. Luther vnd die seinen / jmmer schlecht / ohne erklärung sagen wöllen / vnd von andern gesagt haben / man habe / esse vnd trincke / den Leib vnd das Blut deß HERRN leiblich vnnd mündlich / welches wir schlecht hin / ohne erklärung nicht wissen zu sagen / dieweil doch weder die heilige Schrifft noch die lieben Vätter / also geredt haben / denn wiewol wir D. Luthers verstand in dem recht vn̅ Christlich erkennen / so wöllen doch solche wort / dem gemeinen Mann ein mißverstand geberen. D. Luther wil auß solchen worten nit mehr / denn daß der warhafftige Leib / vnnd das warhafftige Blut deß HERRN mit dem Brot vnd Wein / warhafftig dargereicht vnd genossen werde / gestadt do frey / vnd schreibts selbst / wie obgemelt / Daß das leiblich vnd mündlich essen / an den Leib vnnd Blut deß HERRN nicht gereiche / sondern so es dem Brot vnnd Wein eigentlich geschicht / so gebe mans dem Leib vnd Blut deß HERRN zu / vmb der Sacramentlichen einigkeit willen. Solche meinung ist nu recht / vnd wir haltens auch also / vnd deßhalben haben wir / diese wort in jetzt erzehlten verstande nicht verdammet / der gemeine Mann aber / nemlich bey vns / wil allwege / so man sagt / Man esse den Leib Christi im Abendmal leiblich vnd mündlich / oder das Brot sey der Leib Christi leiblich / als sey etwas natürlicher einigkeit zwischen dem Brot vnd Leib deß HERRN / das doch D. Luther selbst nicht wil / darumb reden wir einfeltig / wie die Schrifft
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redet / daß der HERR vns im Abendmal / sein Leib vnd Blut gebe(Anno 1533.) zu niessen / lassen das leiblich vn̅ mündlich bleiben / vnd damit man vns nicht verdencke / als ob wir nur ein gedichte gegenwertigkeit vnd niessung Christi im Abendmal setzten / thun wir hinzu das wort / warhafftig / vnd herwider / damit nicht jemand wolt meinen / daß vns da der Leib vnd das Blut deß HERRN werde gegeben / zu einer zerstörlichen Bauchspeise / vnnd tranck / setzen wir auch hiebey / daß wir diese speiß vnd tranck / von den Gläubigen gemeint / empfahen / aber also / daß die gantze Seel vnd Leib / deß HERRN ware gemeinschafft haben / vnnd dadurch deß ewigen Lebens vnd der aufferständniß theilhafftig werden / das den̅ / vnsers verstands / wider D. Lutherum nicht ist / denn sie je selbst sagen / daß weder sinn noch vernunfft diese speiß erreichen mögen / wie man auch gesungen hat / der Glaube solle dem mangel der sinnen zu statt kommen (praestet fides supplementum, sensuum defectui: Vnd / Quod non capis, quod non vides, animosa firmat fides, praeter rerum ordinem.) Das ist / daß du nicht fassest / nicht sihest / das bestettiget der getroste Glaube / vber die ordnung der dinge. Zu dem / so ziehen sie in diese sachen Irenaeum, Hilarium vnd andere an / dieselbigen reden nur auch also. Nun dieses puncts halben / so es nur vmb wort zuthun ist / vnd das wörtlin (Warhafftig) alles das vermag vnd mit sich bringt / das hie jmmer zu gläuben vnd zu bekennen seyn mag / vnd ist darzu am aller vnanstössigsten / sehen wir abermal nicht / daß vrsach sey / daher jemand köndte sagen / daß wir im grund nicht eins seyn / etc. Das vierdte / darinnen wir vns zweyen / welchs bey vns auch das aller gröste vnd schwerest ist / vnd allein ein rechte zweyung ist / daß D. Luther vnser erzehlte einigkeit (so im grunde dieses handels zwischen vns ist) nicht erkennen wil / vnd jmmer stracks nein dazu sagt / da wir jmmer stracks ja sagen müssen / wir wöllen denn anders / denn wir für Gott erkennen / dargeben. Dabey aber haben wir das allweg geklagt / daß D. Luther die einigkeit nicht erkennen
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(Anno 1533.) wil / vnd sich gegen keinen Menschen je vernemmen hat lassen / daß er an vns ein vernügen habe / vnnd mit vns einig seyn wölle / ob er wol billich mit vns eins seyn solte / vn̅ im grund der sachen auch ein einigkeit ist. Das ist aber auch kein newes / daß etwa Leut sich gegen einander auß affecten nicht verstehen können / da sie doch einer meinung sind. In Sachsen habe̅ sich einmal zweene mit einander geschlagen / daß einer wolte Luther were der gelehrtest / der ander / Martinus were der gelehrtest / vnd meineten doch einen Mann. E. F. aber vnd alle Christen seyn Richter in der sachen / ob wir im grunde eines seyn / oder nicht.

Beschluß dieses Artickels.
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D. Luther bleibt bey den worten der Schrifft. Also auch wir. Er helt es mit den Vätern. Auch wir. Gläubet vnd lehret / wie die Sächsische Confession lautet. Auch wir. Er wil / daß wir im heiligen Abendmal / vom HERRN fürnemlich / vom Diener dienlich / mit Brot vnd Wein den warhafftigen Leib / vnd das warhafftige Blut vnsers HERRN Jesu Christi empfahen / vnd warlich niessen. Auch wir. Brot vnd den Leib deß HERRN / Wein vn̅ sein Blut / läßt er in der natur vnd eignem wesen vnterschieden / setzet zwischen jnen nur ein Sacramentliche einigkeit. Auch wir. Er macht auß dem Leibe vnd Blut keine Bauch speise vnnd tranck. Auch wir. Allein vergleichen wir vns nicht / Erstlich in dem / so wir diesen handel / der je keinem vngläubigen zugehört / bey den gläubigen bleiben lassen / da redet D. Luther etwa also / als wolt er jn auch den vngläubigen gemein machen / wiewol wen̅ wir eigentlich ansehen / das er sagt / wie weder sinn noch vernunfft Christum erreichen / vnd die vngläubigen je nicht mehr / denn sinn vnd vernunfft haben / wil vns als düncken / wenn der zanck so weit nicht kommen / man solte
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leicht sagen deß Sacraments halb (wie Augustinus vnnd die alten(Anno 1533.) reden) es würde den bösen da so viel / als den guten dargereicht / aber in der warheit empfiengen sie nichts von vnserm HERRN Christo. Zum andern / so wir mit der Schrifft vnd Vättern die gegenwertigkeit vnd niessung im Abendmal Christi erklären / daß es sey die ware gemeinschafft mit Christo / vnd ein solche mittheilung seines lebens vnnd art / daß wir in jm leben vnnd seine glieder seyn / wil vielleicht D. Luther solchs vnerkläret bleiben lassen / vnd nicht weiter sagen / denn der HERR ist da / vnd wirt genossen. Zum dritten / daß er die wort / mündlich vn̅ leiblich / brauchet vnd wil gebrauchet haben / da wirs / mißverstand zuverhüten / bey dem wort / warhafft / bleiben lassen / vnd reden / wie Herr Johann Brentz (der es doch mit D. Luthern fürnemlich helt) der mund deß Glaubens niesset den Leib Christi / der mund deß Leibes das Brot / etc. So aber wir mit den Gottlosen nichts zuthun haben / vn̅ der zusag vnsers HERRN / die auff die gläubigen gestelt / geniessen / gläuben vnd bekennen / die erklärung auch / so wir thun im handel / der waren gegenwertigkeit vnd niessung Christi vnsers HERRN im Abendmal / gantz vnd gar nichts abbricht / vnd in diesem handel je das wort warhafft / alles das außdrücket / das wir bekennen sollen / vnd wir auch Doct. Luthero sein leiblich vnd mündlich in dem verstande / den er selbst setzet / bleiben lassen / sehen wir in der warheit / im grunde der sachen keinen streit / sondern allein in worten / vnd das vns am aller beschwerlichsten / in sein Doct. Luthers Gemüt / so doch vnser Hertz vnd Gemüt zu warem frieden / vnd rechter liebe zum höchsten geneigt ist / angesehen / daß er prediget Christum vnsern HERRN / vnd vnsern einigen Heiland seyn / vnnd auch im grunde vnd fürnemen deß handels deß heiligen Sacraments (vnsers verstandes) nichts setzet / das wir in der warheit nicht auch halten vnd lehren. Auß dem allen / so weit wirs für Gott verstehen / können wir anders nicht sehen / denn daß wir vnd
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(Anno 1533.) D. Luther / wie sonsten in allen stücken Christlicher lehre / also auch in der Lehre vom heiligen hochwirdigen Sacrament deß Leibs vnd Bluts vnsers HERRN Jesu Christi / im grund der sachen eines sind / aber in worten nicht. Diese Schrifft der Augspurgischen vnd damals Zwinglischen Theologen haben wir gantz hieher setzen wöllen / daß der Christliche Leser darauß sehen möge / wie die Zwinglianer jmmerdar den namen vnd rhum gesucht / als weren sie eben der meinung / die in der Augspurgischen Confession stehet / vnnd als lehreten sie im grund eben das / was Christus durch D. Lutherum vns gelehret hat / vnd was vnserer Kirchen Glaub vn̅ Bekenntniß vom heiligen Abendmal ist / vnd als sey der streit mehr nicht / denn nur ein schlecht wortgezenck / so doch je vnser Glaub ferrner von jhrem wahn geschieden ist / als der Himmel / darinn alle selige ewig leben werden / von der Helle / darinn der Teuffel sampt allen Gottlosen verdampt ist / seyn kan / wie die gantze Historia durch alle jare außweiset. Vnd was allerley obiectiones oder gegenwürff vnd einreden / so in jetzterzehlter Schrifft fürgebracht / an langen thut / davon ist in der vnsern schrifften / sonderlich in D. Lutheri Büchern vom heiligen Abendmal / deßgleiche̅ in der Apologia deß Christlichen Concordiensbuchs / Christlicher / gründlicher / warer / außführlicher / vnd gnugsamer bericht geschehen. Es kan aber auch auß jetzt angezogner Schrifft ein nachrichtung zu den folgenden händeln / fürnemlich / die sich Anno 35. zugetragen / genommen werden / wie oben auch vermeldet worden. Dieses müssen wir aber zum ende dieser schrifft / damit wir das 33. jar beschliessen / auch vermelden / daß die Zwinglianer jmmerdar dafür gehalten vnd fürgeben haben (wie in der gesetzten schrifft auch jmmerdar zusehen ist) als lege es nur an der person / willen / lehr / vnd meinung D. Luthers / vnnd wenn nur D. Luther weichen / vn̅ ein ander Gemüt gegen den Zwinglianern fassen wolte / so würde es alles richtig / vnnd friedlich zugehen. Aber solcher
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wohn ist stäts jrrig vnd falsch gewest. Den̅ D. Lutherus nicht auff(Anno 1534.) sein person gesehen / sondern auff Christum / vn̅ auff Christi wort / wille / vnd meinung: Davon hat er sich weder sein eigen gutdüncken / verstand / kunst / noch ander Leut gnad / vngnad / gunst oder vngunst / freundschafft noch feindschafft / abführen lassen. Vnd wie er mit den Papisten / allein nach der richtschnur Gottes worts vmbgangen / also hat er auch dem Zwinglischen schwarm / vn̅ andern Rotten / widersprochen / vn̅ von sich selbst geschrieben: Schüler(Anno 1522. an Harrma̅ von Cronburg.) deß seligen worts Gottes gläuben nicht an den Luther / sondern an Christum selbst / das wort hat sie / vn̅ sie haben das wort / den Luther lassen sie fahren / er sey heilig oder nicht. Gott kan so wol durch Balaam / als durch Esaiam / durch Caipham als durch S. Peter / ja durch einen Esel reden / mit dem halte ichs auch. Denn ich kenne auch selbst nit den Luther / wil jn auch nicht kennen / ich predige auch nichts von jm / sondern von Christo. Der Teuffel mag jn holen / wenn er kan / Er lasse aber Christum mit frieden bleiben / so bleiben wir auch wol / etc. Vnd eben dieser vrsache̅ halben bleiben wir auch bey D. Lutheri beken̅tniß / dieweil er vns allzeit führet zu Christo / vnd Christi mund / willen / wort / befehl / vnd ordnung / vnd führet vns davon nicht abe / wie der Teuffel vnnd seine Rottgesellen / Schwermer / Sacramentirer / vnd dergleichen zuthun pflegen.

Anno 1534.
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(Anno 1534.) In diesem jar / davon wegen offtgedachter Conciliation Buceri allerley von Luthero durch die Zwinglianer vnter die Leute außgesprenget ward / haben auch die Papisten angefange̅ / also von Luthero zureden / daß auch gute leute sich besorgten (wie D. Luther im Brieff von seinem Buch der Winckelmeß / Tom. 6. Ienensi, selbs meldet) als hielte ers / oder würde es mit der zeit halten / mit den Schwermern vnd Sacraments feinden. Darumb schreibt er so bald / vnd spricht: Es ist jetzt der Widersacher höchste kunst / eili
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che (Anno 1533.) stück auß meinen Büchern zuzwacken / die sie zu meinem vngelimpff drehen vnd martern / damit zuverdunckeln / vnd den Leuten (D. Luther wils mit de̅ Sacramentirern nimmermehr halte̅ / weder hie / noch in ewigkeit.) drehen vnd martern / damit zuverdunckeln / vnd den Leuten zuverbergen / was darneben stehet für meinen gelimpff. Darumb weil von mir begeret wirt / daß ich bezeuge / daß ich mit den Sacramentsfeinden (oder daß ichs ja klar herauß sage) mit Carlstadts / Zwingels / vnd jrer Gesellen / jrriger Lehre / gar nichts halte / noch ewiglich halten wölle: So sind verhanden meiner Bücher viel / vnd sonderlich mein Bekenntniß wider die Schwermer / welches mir für Gott vnd der Welt starck gnug zeugniß gibt / vnd wil zum vberfluß hiemit mein Bekenntniß vernewet / widerholet vnnd bestättiget haben / wie es da stehet gedruckt vnd außgangen ist von wort zu wort. Wil auch mit Gottes hülff darauff sterben / vnd von hinnen fahren zu meinem HERRN / wie ich denn jetzt in solchem Bekenntniß vnd Glauben lebe / vnd alles thue vnd leide / das warlich viel vnd groß ist. Vnd sollen mich / ob Gott wil / davon auch die Pforten der Hellen nicht reissen / den̅ es mir ja ernst ist / das weiß ich fürwar / vnd je länger je mehr / etc. Es müssen mir auch die Papisten den namen geben / daß ich besser das heilige Sacrament deß Leibs vnd Bluts vnsers HERRN habe vertheidigt / denn sie selbst / vnd ich weiß auch / daß sie es alle auff einen hauffen / nicht so starck vnd gewaltig können vertheidigen / etc. Darumb bitte ich / wöllet guten Leuten sagen / daß sie keine sorge haben / es wolte mich denn Gott sonderlich plagen / vnd mit dem Teuffel besessen werden lassen. Ich wil / ob Gott wil / bey meinem Bekenntniß bleiben. Vnd wiewol ich ein Mensch bin / vnd fallen kan / wie wir alle sind / vnnd alle fallen können / so hoffe ich doch zu meinem lieben HERRN Jesu Christo / der mich vmb seines Namens willen / in so manich Schweißbad geführt / vn̅ doch noch nie verlassen hat / er werde mir (Hertzlichs ernstlichs bekenntniß D. Luthert wider den) solchen ernst zu seinem heiligen Sacrament / nicht vmb sonst gegeben haben / etc. Sobekenne ich nun abermal allhie für Gott vnd aller Welt / daß ich gläube / vnd nicht zweiffel / wil auch mit meines lieben HERRN Jesu Christi hülff vnd gnade / biß an jenen Tag
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darauff bleiben / daß / wo man nach Christi ordnung Meß (das(Anno 1534.) Sacrament oder Abendmal deß HERRN) helt / es sey bey vns Lutherischen oder im Bapsthumb / oder in Graecia, oder in India,(Sacrament schwarm.) wenns auch gleich allein die eine gestalt / das doch vnrecht vn̅ mißbrauch ist / wie es im Bapsthumb geschiehet / vmb die Ostern / vnd sonst im jar / wen̅ sie die Leute berichten / so sey daselbs vnter der gestalt deß Brots / der warhafftige Leib Christi / für vns ans Creutz gegeben / vnter der gestalt deß Weins / das warhafftige Blut Christi / für vnsere Sünde vergossen / vnd sey nicht ein geistlich noch ertichter Leib vnd Blut / sondern das rechte natürliche / von dem heiligen Jungfräwlichem / rechtem menschlichem leibe Marie / ohne männlichen leib / alleine vom H. Geist / empfangen / welcher Leib vn̅ Blut Christi auch jetzt droben sitzet zur rechten Hand Gottes / in der Maiestet / in der Göttlichen Person / die Jesus Christus heißt / ein rechter warer ewiger Gott mit dem Vatter / von dem er in ewigkeit geborn ist / etc. Vnd solchen Leib vnd Blut deß Sons Gottes Jesu Christi / nicht allein die Heiligen vn̅ Wirdigen / sondern auch die Sünder vnd vnwirdigen warhafftig handlen vnnd empfahen leiblich (wiewol vnsichtbarlich) mit Händen / Mund / Kelch / Patenen / Corporal / vnd was sie dazu gebrauchen / wenn mans in der Messe gibt vnd nimpt. Das ist mein Glaub / da weiß ich / vn̅ sol mir jn niemand nemen / den̅ ich bekenne es nicht allein / darumb daß ich für mich offt vn̅ manchmal grossen trost auß solchem Glauben im Sacrament empfangen habe / in meinen hohen grossen ängsten vnd nöten / welche erfahrung mir für meine person gnug ist / zur bestättigung meines Glaubens / sondern auch darumb / daß ich dem klaren / offentlichen / gewissen Text deß Euangelij / wil mit meine̅ zeugniß (so viel ich jm̅er mag) wider alle andere / beyde alte vn̅ newe jrrthumb vnd ketzerey beygestanden / vnd deß Teuffels boßheit vnd fürnemmen / meinen liebe̅ Brüdern vn̅ Schwestern in Christo / nach der Christlichen liebe / pflicht / zu dienst vnd besserung / widergestanden haben.
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(Anno 1534.) Gleich wie ich / noch kein rechter Christ / leugnen kan / daß der Name Gottes / der rechte / warhafftige / natürliche Gottes Name sey / wenn ein falscher Bube dabey schweret oder fluchet / vnd vmb solches Bubens oder Teuffels willen / nicht eines andern Gottes name wirt / Widerumb auch / so ein heiliger / Sanct Paulus oder Esaias / Gottes namen führet / dabey schweret oder fluchet / darumb nicht ein ander noch besser name Gottes wirt / denn eben derselb namen ist / den der Bube zum Mißbrauch führet. Gott vnd sein name / vnd alles / was er ist / redet vnd thut / das bleibet vn̅ gehet jm̅er fort / es mißbrauche deß alles / wer da wil / es sey Mensch oder Teuffel / etc. wenn nur seine ordnung gehalten wirt / etc. Gott bleibt Gott auch in der Hellen / Christus bleibet fromb / auch vnter seinen Creutzigern / Ein Gülde / bleibt ein Gülde / auch in deß Diebs vnd Räubers Hand / wenn er nur selber ein rechter Gülde ist / vnd nicht ein falscher Gülde / wider deß Königs ordnung geschlage̅ / etc. Gott gebe auch allen frommen Christen ein solch Hertz / daß / wen̅ sie hören das wort / Meß (wie es jetzt die Papisten vom opffer führen) erschrecken / vnd sich segnen / als für eim Teuffels grewel / Widerumb wenn sie hören / das wort / Sacrament / oder Abendmal deß HERRN / vor lauter frewden springen / ja auch nach rechter geistlicher frewdenart / süssiglich weinen. Denn ich habs ja von Hertzen lieb / das liebe heilige Abendmal meines HERRN Jesu Christi / darinn er mir seinen Leib vnd Blut / auch leiblich / in meinen leiblichen Mund zu essen vnd zu trincken gibt / mit so vberauß süssen freundlichen worten: Für euch gegeben / Für euch vergossen / etc. Wen̅ ich nu vom Sacrament rede / so ists warlich mein ernst / daß ich meine den rechte̅ natürlichen Leib vn̅ Blut Christi im Brot vnd Wein / die personen seyn / wie sie wöllen / die es geben / oder nemen / Denn Christus mein HERR wirt mir nicht liegen / Da lebe vnd sterbe ich auff / ob Gott wil. Das ist der lauter / vngefälschte / reine Wein / da kein kretzschmarwasser ein geust. Haec Lutherus. Eben im selben jar / sind außgetruckt worden vnd außgangen /
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Enarrationes Lutheri in Esaiam, Außlegung deß Propheten(Anno 1534.) Esaie / vnd weil der Prophet im 6. Cap. beschreibt ein Gesicht / vnd redet davon also: Daß er den HERRN Zebaoth gesehen habe mit(D. Luthert außlegung deß Prophe ten Esaie. Tom. 3. Ien. lat. pag. 283.) seinen augen / da er jn doch nur im gesicht gesehen (den̅ die Schrifft zeuget klärlich / daß die Göttliche Maiestet / in vnd mit jrem Göttlichen ewigen wesen / in diesem zeitlichen vergenglichen leben / nicht gesehen werde) vn̅ der HERR mit seinem Göttlichen wesen / in vn̅ bey demselben gesicht / warhafftig durch sonderliche offenbarung gegenwertig / so wirt derwegen / durch eine sonderbare art zu reden / die gestalt deß HERRN / vnd der HERR / für eins genom̅en / nemlich / wen̅ zwey vnterschiedliche ding / oder wesen / beysammen / oder vereinigt sind / vnnd man von einem theil / oder stück eines dinges / eben so viel redet / als von dem gantzen Composito, oder wen̅ man eines zeiget / vnd zugleich meinet das continens vnd co̅tentum. Als wenn die Schrifft saget / Diß ist mein lieber Son. Item / Johannes hat den H. Geist gesehen in gestalt einer Tauben. Vnd also (spricht daselbs Lutherus) rede̅ wir auch recht vom Sacrame̅t / daß / wer das Brot deß HERRN sihet / der hat den waren Leib deß HERRN gesehen (contra Sacramentarioru̅ errore̅.) Item / der Leib deß HERRN / vnd das gesegnete Brot im Abendmal / werden für eins genom̅en / daß / wer dasselbige Brot jsset / den Leib deß HERRN jsset. Vnd das ist ebe̅ / wie Lutherus sonst seine vnd vnsere Kirchenlehr / glauben vn̅ beken̅tniß vom Abendmal / zuvor allezeit hat pflegen zuerklären / wider den Carlstad / vnd in seine̅ grossen beken̅tniß de prędicatione identica, & de Sacrame̅tali vnione. (Tom. Ieu, 3, pa. 97. & 485, Die jetzigen Caluinisten gehen bößlich mit D. Luthert schrifften vmb.) Ob aber wol diß stück an diesem ort auß der Lateinischen außlegung deß Propheten Esaie angezogen / nicht fürnemlich zu dieser vnser Historischen verzeichniß gehöret / jedoch weil die jetzigen Sacramentirer / das vorgemelte zeugniß Lutheri / verstümmelt anziehen / vnd bößlich vn̅ verkerlich also / vnd dahin deuten / als were Lutherus dadurch zu den Sacramentirern getretten / vnd jre meinung gebillichet / vnnd als recht angenommen / so haben wir
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(Anno 1534.) desselben allhie gedencken wöllen / auff daß dem Christlichen Leser augenscheinlich gezeigt möchte werden / wie vnverschämpt vn̅ vnerbar diese Leute damit vmbgehen / wenn sie Lutheri / oder anderer Scribenten zeugniß / anziehen / vn̅ auff jre Sacramentirische meinung fälschlich deuten. Denn wenn der Leser nur einfeltig gegen einander helt / wie die wort Lutheri / an gezeigtem ort / gantz stehen vn̅ lauten / vn̅ wie sie im Newstättischen vn̅ Bremischen Büchern eingeführt werden / so weiset der augenschein / wie dieselben Sacramentirer / an den worten Lutheri / einen öffentlichen betrug vn̅ crimen ( Crimen. falsi. ) falsi, begehen / vnd jm seine wort verstümmelt / vnd fälschlich anziehen / behalten / was sie vermeinen auff jren wahn zuverkehren / das ander aber / so offentlich wider sie ist / lassen sie aussen / vnnd schneidens ab. Sonderlich aber haben sie hinderlistiger weise / auß vnd beygesetzt / die außdrücklichen wort Lutheri / da er daselbs spricht / daß solches diene co̅tra Sacramentariorum errorem, wider den jrrthumb der Sacramentirer / mit welchen worten er jre Lehre außdrücklich verwirfft / Noch dürffen sie tichten / Lutherus sey am selben ort Zwinglisch oder Sacramentirisch gewesen. Sie lassen aussen die wort / da Lutherus sagt (daß wir offt reden von eine̅ stück / als von dem gantzen vereinigten dinge.) Item / sie lassen aussen / das Lutherus sagt / Es werde beydes gezeiget / nemlich / die gestalt vnd der HERR selbst in der gestalt / vtrum que demonstratur, continens & contentum, gleich wie Brot vnd Leib im Abendmal. Item / sie lassen aussen / das Lutherus sagt / es sey gleich ein art zu reden / als wenn die Schrifft spricht / Das ist mein lieber Son / da denn Lutherus die Sacramentlichen reden / als / Das ist mein Leib / etc. mit der persönlichen vereinigung beyder naturen in einer Person / auff seine art / vergleichet / vnd also beyde (IInusitatae praedicationes.) ad inusitatas praedicationes referirt. Hierauß kan ja ein jeder Christlicher Leser leichtlich sehen / mit was vnwarheit vn̅ fälscherey solche Gesellen vmbgehen / vnd was doch hinfort in andern stücken jnen für glauben zuzustelle̅ seyn sol.
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Warlich / wen̅ man einen auff solchem vngrund ergreifft / sol man(Anno 1534.) ja dabey spüren können / daß jm wenig guts forthin zuvertrawe̅ sey. Daß sie aber die wort Lutheri erhaschen / da ers daselbs nennet / figuram sermonis (ein figur vnd sonderliche art zu reden) vnd wöllen darauß schliessen / man solle die wort der einsetzung nit verstehen / wie sie lauten / sondern sie von jrer eigentliche̅ bedeutung abwenden / vn̅ per tropum dahin ziehen / daß der Leib vn̅ Blut Christi ferrner vnd weiter vom Brot vnnd Wein im Abendmal abwesend sey / denn der Him̅el von der Erden ist / dasselbige geticht leiden die Exempel / die Lutherus Esaie am 6. einführet / keines weges nit. Vnd hat Lutherus / längst zuvor wider den Carlstad / vn̅ in seinem Beken̅tniß vom Abendmal Anno 28. sich außtrücklich vn̅ deutlich erkläret / das er figura̅ sermonis, wie ers (Esa. 6.) nen̅et / Synecdochen( Synecdoche. ) verstehe / wen̅ zwey vnterschiedliche ding oder wesen / bey / vn̅ mit eina̅der gegenwertig vn̅ vereinigt sind / vn̅ mit einer rede zu gleich außgesprochen werden / wie er dasselbige mit vielen Exempeln / beydes in der Schrifft / vn̅ auch in gemeiner täglicher sprach beweiset / Als wen̅ eine Mutter auff die Wiegen / da jr Kind jnnen ligt / zeiget / vn̅ spricht: Das ist mein Kind. Oder wen̅ ich zeige auff den Menschen Christum / vnd spricht: Das ist Gottes Son / etc. Vnd in täglichem / gemeine̅ brauch aller sprachen / sagt man / wenn man auff einen Beutel zeiget / darin̅ so viel Gelt ist / Das sind 100. Gülden / Vnd wenn man auff ein Faß zeigt / vnd spricht / Das ist Rheinisch Wein / Das ist Welscher Wein / Das ist Roter Wein. Item / auff ein Glaß / vnd spricht: Das ist Wasser / Das ist Bier / Das ist Salbe. Item / wen̅ jemand deß Königs Son in die Hand sticht / so sagt man / Der hat deß Königs Songestochen. Also sagt man / Das ist ein fewrig eisen / so doch eins fewer / das andereisen ist. Dieweil aber D. Lutherus solche figuram oder Synecdochen selbst gnugsam vnd gar deutlich erkläret de praedicatione identica, so lassen wirs dabey billich bleiben vnd bitten den Christlichen( Tom. 3. Ien, pag. 528. ) Leser / daß er Lutherum davon selbst lesen wölle / so wirt er
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(Anno 1534.) darauß alle richtigkeit nemen vnd fassen können. Denn proprijssimè zu reden / hat ein tropus allein in einem vocabulo oder einigem (Was Tropus sey vnd heisse.) wort / raum vnd statt / da etwa ein wort von seiner eigentlichen signification vnd bedeutung / anders / denn wie es lautet / wirt verwechselt vnd abgewandt. Vnd auff solche meinung streitet Lutherus recht / daß in worten deß Abendmals kein solcher tropus sey / als were das Brot im Abendmal ein solch Zeichen / davon der Leib Christi so weit / als der Himmel von der Erden / abgesondert vn̅ abwesend. Das ist aber viel ein anders / wenn Lutherus in Tractatu de praedicatione Identica davon handelt / was die gantze rede / proposition oder predication anlanget / wenn alle wort jre eigentliche bedeutung / wie sie lauten / behalten / vn̅ in eine praedication oder proposition zusammen gefasset / vnd zugleich außgesprochen werden / damit anzuzeigen / daß da zwey vnterschiedene ding oder wesen zugleich beysammen sind / als wenn die Schrifft saget: Gott ist Mensch / vnd deß Menschen Son ist Gottes Son. Item / wenn von der sichtlichen gestalt der Tauben Johannes sagt / Ich habe den H. Geist gesehen herabfahren / etc. Vnd wenn von der sichtlichen gestalt deß Jünglings der Euangelist sagt: Es war der Engel deß HERRN / Vnd wen̅ von dem gesegneten Brot vn̅ Wein im Abendmal der Son Gottes spricht / Das ist mein Leib / Das ist mein Blut / Vnd solche praedicationem, wenn die wort alle in jrem eigentlichem verstand vnd bedeutung / wie sie lauten / bleiben / vnd gelassen werden / vnd aber weil da zwey vnterschiedene wesen beysammen sind / vn̅ gleich wie continens vnd contentum coniungiret / vnd darumb auch in der rede / proposition oder praedication / zusammen gefasset werden / hat man / wie Lutherus sagt / vor ( Synecdoche. ) zeiten in den Schulen / Synecdochen genennet. Dadurch man gleichwol aber keines wegs gemeinet oder verstanden hat / einen solchen tropum, figur oder bedeutung / eines weit vnd ferrn abwesenden dinges / sintemal zwey wesen da beysammen gegenwertig sind / wie Lutherus also seine Synecdochen verstehet / nit daß die Gött
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liche vnd menschliche Natur in der person Christi / Item / die Leibliche(Anno 1535.) gestalt der Tauben / vnd der heilige Geist / oder die sichtliche gestalt deß Jünglings / vnd deß Engels deß HERRN / weit vnnd ferrn von einander abgesondert vn̅ geschieden seyn / wie er auch mit vielen andern Exempeln in täglicher gemeiner rede erweiset. Was aber die gantze proposition vn̅ rede anlangt / da alle wort zusammen gefasset werden / vnd zwey vnterschiedliche wesen zugleich beysammen sind / oder als continens & contentum coniungirt werden / da leidet die gantze rede keinen tropum, keine figur / keine bedeutung eines abwesenden dinges / sintemal zwey wesen beysammen sind gegenwertig / etc. Vnd davon sey auff diß mal / vn̅ an diesem ort / da wir historica̅ consignatione̅ handlen / gnugsam gesagt / vnd kan der Christliche Leser sich gründlichers vn̅ weitläufftigers berichts auß Luthero selbs / vn̅ auch auß der Apologia formae Concordiae erholen. Ferrner hat der Römische dazumal König Ferdinandus / Anno(König Ferdinandus schreibet an Churfürste̅ zu Sachsen / dz der Zwing lischen Sect gewehret werden möge.) 1534. an Churfürsten zu Sachsen nachfolgendes schreiben geschickt: Hochgeborner lieber Oeheim vn̅ Churfürst / wir haben die zeit her deß Kadawischen auffgerichten vertrags zu etlich malen warhafftig bericht empfangen / daß sich an vielen orten im heiligen Reich / vn̅ fürnemlich bey den Stätten / die Zwinglische Sect von tag zu tag mehren / vnd erzeigen sol / welches nicht wenig erschrecklich / vnd groß vnd hoch zu besorgen ist / wo nicht nottürfftig vn̅ zeitig einsehen geschicht / daß darauß verführung Christlicher Gewissen / vnwiderbringlicher schaden vnd nachtheil gemeiner Christenheit / darneben abfall vnd minderung deß Reichs Stände / vn̅ fürnemlich auch vngehorsam / empörung vn̅ auffstand deß gemeinen Man̅s wider die ober vnd Obrigkeit erfolgen werde. Vnd dieweil denn die hohe vnd grosse notturfft erheischet / solchem angezündtem Fewer / ehe es in die weite komme vnd vberhand neme / nach aller müglichkeit zubegegnen / damit solchs one blutvergiessen / schaden / verderben / vn̅ zerstörung deß Vatterlands / gelöscht vn̅ gedempfft
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(Anno 1543.) werden möge: So haben wir in abwesen Röm. Key. Maiestet / vnsers lieben Brudern vnd Herrn / als Röm. König / für vns selbst / dem solch beschwerligkeit hoch angelegen / vnd one zweiffel deiner Liebe / auch zum höchsten mißfellig ist / bedacht / eine hohe vnvermeidliche notturfft zuseyn / deine Lieb / als deß heilige̅ Reichs Churfürsten / vnd fürnembsten Glied eins / dieses / wie obstehet / zuberichten / vnd dieselbigen daneben deß obgemelten Kadawischen Vertrags / welcher zwischen vnser / vnd deiner Liebe / vnd andern / auffgerichtet ist / in diesem Artickel / da der Religion sachen halben meldung geschiehet / zuerinnern / nemlich / daß die Sacramentirer nit geduldet noch gelitten werden sollen / vnter welchem wort / Sacramentirer / die Zwinglischen / die das Hochwirdige Sacrament nicht ehren / vnd nichts davon halten / verstanden werden. Ersuchen hierauff dein Liebe / sonders gnädiges vnd freundliches fleiß / die wölle angezeigte hochwichtige sach / wie der zu begegnen / vnd in leidliche weg zubringen sey / dadurch das / wie obstchet / zusorgen ist / fürkommen vnd verhütet werden möge / notturfftiglich erwegen / bedencken vnd berahtschlagen / vnd vns darüber vnverzögentlich / bey vnserm Edlen Knaben / deiner Liebe raht vnnd gutbedencken zuschreiben / vnd so auch dein Lieb in mitler weile / an orten vnd enden deiner Lieb gelegen / da sich dergleichen obgemelt böse mutwillige handlung / als mit annemmung der Zwinglischen Secten erzeiget haben / oder da solcher zusorgen ist / daß sie noch angenommen werden möchte / zu abstellung vnd verhütung / solches für sich selbst etwas gütlichs handlen vnd fürnemmen mag / in solchem auch keinen fleiß sparen / sondern darinnen erzeigen nach dem befehl vnd Ampt / das deiner Liebe in solchem von Gott befohlen / vnd sie zuthun schüldig ist. Das wöllen wir auch gleicher weise nicht vnterlassen / sondern mit allem ernst vnd fleiß gütliche handlung / vnd alles / das zu erhaltung Christliches lebens vnnd wesens dienstlich ist / fürnemen vnd treiben / vnd dein Liebe erzeige sich also / auff dieses vnsers ersuchen Rö. Keys. May. vn̅ vnserm vertrawen /
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vnd deiner Lieb selbs notturfft nach / gehorsamlich vnnd gutwillig /(Anno 1534.) das wird gedachte Keyserliche Mayestet / von deiner Liebe zu sonderm wolgefallen verstehen. So wöllen wir es selbs gegen deiner Lieb in sonderm / gnedigen vnd freundlichem willen erkennen vn̅ bedencken. Geben in vnserm Schloß zu Praga / den fünfftzehenden tag deß Monats Augusti / Anno 1534. Vnserer Reiche deß Römischen im vierdten / vnd der andern im achten. Auff diß Königliche schreiben hat der Churfürst geantwortet / daß sein Herr Vatter seliger / vnd er / allezeit der Zwinglischen Lehr nicht weniger / denn jemandt anders / zuwider gewest / wie solches zum offtermal auff gehaltenem Reichßtag / vn̅ sonst gnugsam vermerckt / wolle auch nachmals die Zwinglische Lehr vnd die Widertäuffer in seinen Landen nicht leyden / sondern mit schreiben / lehren vnd predigen auffs schärpffste widerfechten / vn̅ solchen Irrthumb wehren lassen / vnd sich / damit es nicht eynbräche / darwider legen / welches sich der König zu jhm vnd den seinen forthin / durch verleyhung der Gnaden Gottes / auch also / vnnd nicht anders / versehen sol: Denn ers vnnd die seinen an keinem Christlichem möglichem fleiß / den Sachen zu begegnen / wöllen mangel fürfallen lassen / etc. Eben in demselbigen Jar 1534. ist der Widertäufferischer(Widertäufferisches wesen zu Münster in Westphalen.) Streit in der Statt Münster / hefftig vnnd beschwerlich worden / welches auch endtlich auff eine öffentliche Auffruhr außgelauffen. Vnd da haben die Prediger zu Straßburg / ein zimlich groß Buch geschrieben an die Statt vn̅ Kirchen zu Münster in Westphalen / von einsetzung der Diener deß Worts / von der Kindertauffe / vnd von dem Sacrament deß Leibs vnnd Bluts Christi / welches Getruckt ist im Martio / Anni 1534. Vn̅ weil die Prediger zu Münster damals allerley vnrichtige vn̅ abschewliche ding in jren schrifften mit vntermengeten / hat Bucerus gedacht / er wolle also vnter jrem Namen (quasi sub tertia, quod dicitur, persona) etliche Zwinglische Irrthumben desto bequemlicher vn̅ füglicher straffen vnd verwerffen / vn̅ also einen weg zu gemeiner vereinigung in dem
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(Anno 1534.) gantzen Sacramentirische̅ handel / gleich als vnuermerckter sacht / desto leichter treffen vnd machen: welche vereinigung in der Lehre vom heiligen Abendmal / nicht nur in eines Jarsfrist durch gepflogene Tractatus / oder durch ein ergangene schlechte erklärung plötz lich vnd bald hat geschlossen werden können / sondern man hat etliche Jare nach einander daran gearbeitet / vnd viel vnd manchsmal darin gehandelt. Derhalben es auch sehr nützlich vnd fein ist / daß der Christliche Leser mit fleiß darauff in ordnung der Historie̅ acht gebe / wie ein Stück nach dem andern je länger je mehr / besser / richtiger vnd gründtlicher abgehandelt worden / vnnd was für praeparatoria, (Praeparatoria zur Concordi im Sacra ments handel.) oder vorbereitung zu der Concordia / im Handel deß Sacraments / so Anno 1536. allererst endtlich / gründtlich / vnd bey den Vnsern beständiglich getroffen vnd geschlossen / vorher darzu gemacht / vn̅ wie dieselben ergangen sind. Wir wöllen aber allhie nur anzeygen / was in demselben Buche fürgeschlagen / wie einigkeit in dem zwyspalt von dem Abendmal zu treffen. Vnd weil die Handlung von der Concordia / im Artickel deß Abendtmals / wie sie von Jar zu Jaren fortgangen / biß sie endlich geschlossen / auch hierauß etlicher massen besser kan verstanden werden / wöllen wir kürtzlich auß dem 24. 25. 26. vnd 27. Capitel gemelts Buchs etwas / so hiezu dienen kan / hieher verzeichnen. Dan̅ auff dasselbige Buch referirt vn̅ zeucht sich außdrücklich / vnd mit namen Bucerus / Anno 1535. daß darinn angezeiget vnd geweiset sey ein weg / wie man kommen möchte zur einigkeit in dem Streit vom Abendtmal deß HERRN. (Auß der Straßburgischen Prediger Buch / eine kurtze verzeichniß vom Abend mal.) Vnnd setzet nun dasselbige Buch / das in der schweren disputation vom Abendmal / so biß daher etliche Jar mit grossem ärgerniß geschwebet / von vielen mehr in worten / dann der Häuptsache / gestritten / welches aber Lutherus / wie zuuor gemeldet / vnnd auch hernach in ordnung der Historien folgen wirdt / nicht hat können / sollen / noch wollen nachgeben. Vnd folgends setzet das Buch zur vereinigung diß / daß nem
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lich / nicht nur eitel Brot vnd Wein / sondern daß auch der Leib vnd(Anno 1534.) Blut Christi im Abendmal deß HERRN warlich mitgetheilt vnd genossen werde / man sage dann / in / vnter / oder neben dem Brodt(In / vnter / neben dem Brodt / der Leib Christi im Abendtmal.) vnd Wein / gelte gleich viel / denn es sey allein vmb die ware gegenwertigkeit Christi im Abendmal zu thun. Es werde aber nicht eine natürliche vereinigung deß Leibes Christi / vnd deß Brots (oder wie sie es erklären / daß Brodt vnnd Leib deß HERRN nicht natürlich ein ding werde̅) noch der Leib in das Brot räumlich eyngeschlossen / noch zur zerstörlichen Bauchspeise werde / sondern eine Sacramentliche einigkeit. (Sacrament liche einigkeit. Geistlich.) Vnnd wenn man sagt / Wir empfahen den Leib Christi im Abendtmal geistlich / oder durch den Glauben / so sey es nicht ein lediges Geticht / sondern eine ware Göttliche niessung. Auch wenn man sagt / Man empfahe den Leib Christi im Abendmal(Leiblich vn̅ mündlich.) leiblich vnd mündlich / daß man dennoch den Leib Christi zu keiner Bauchspeise mache / sondern weil diß alles dem Brodt / so mit dem Leib deß HERRN Sacramentlich vereinbaret ist / geschihet / so werde es dem Leib deß HERREN auch zugegeben / vmb der Sacramentlichen einigkeit willen. Man gebe auch zu Synecdochen(Synecdoche.) / das ist / so man auffs Brodt deutet vnnd saget (Das ist mein Leib) das man zwey ding in eins verfasse / vnd nicht nur allein auffs Brot / sondern fürnemlich auff den Leib deß HERRN deute. Oder das wörtlein (Das) deute vnnd zeyge auff zwey ding / den Augen(Das wörtlein (Das.)) auffs Brodt / dem Glauben auff den Leib deß HERRN / als da der HERR den Jüngern / mit dem anhauchen oder anblasen / den heyligen Geist gab / vn̅ sagte: Nemet / das ist der heylige Geist. Da das Zeichwörtlein (Das) nicht fürnemlich auff den Athem / oder anhauchen deß HERRN / sondern auff den heiligen Geist gangen / ob es wol den eussern Athem auch hette angezeyget. Item / Der HERR wohn vnnd lebe natürlich vnd leiblich in(Natürliche vn̅ leibliche eynwonnng Christi in vns.) vns / wie Chrysostomus / Cyrillus / vnd Hilarius dauon reden / welches aber nicht jrrdischer noch fleischlicher / sondern Himmlischer /
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(Anno 1534.) Geistlicher weise / doch in Göttlicher vnnd thätlicher Warheit geschiehet. Es wird auch in gemeldtem Buche verworffen der Münsterischen (Münsterische Secrame̅tirer leug ne̅ / daß das brot sey der natürliche leib / vn̅ daß der Leib in dem Brodt sey / etc.) Prediger opinion / die da leugneten / daß Brot vn̅ Wein im Abendtmal nicht weren der natürliche Leib vnnd Blut Christi / auch daß der natürliche Leib vnd Blut deß HERRN / nicht were in dem Brot vnd Wein deß Abendtmals / auch nicht dabey oder darvnter / denn allein der gedächtniß vnd bedeutung halben / daß nemlich Brot vnd Wein genennet werden / der Leib vnd Blut Christi / weil es weren allein Gedenckzeichen deß Leibs vnnd Bluts Christi. Vn̅ da jre meinung wer / daß das Brot nicht natürlicher weise der Leib Christi were / oder zum Leib Christi würde / in / oder vnter dem Brod räumlich / gesetzt vnd eyngeschlossen sey / ist daß der gemeine aller Kirchen Glaube je vnd allwege gewesen. Aber es lautet / als ob man den Christum aller ding vom Abendtmal scheiden / vnd nichts denn Brot vnnd Wein da / als deß abwesenden Leibs vnnd Bluts Christi Denckzeichen bekennen wolte / welches denn stracks wider die Wort Christi / in denen er frey vnd vnuerdunckelt saget: Er gebe vns seinen Leib vnnd sein Blut / vnd das mit Brot vnd Wein / aber mit demselbigen gar nicht natürlicher weise vereinbaret / darein oder darunter räumlich geschlossen / sondern Sacramentlich / Das ist aber auch nicht nur schlecht bedeutlich / sondern daß vns da auß deß HERREN ordnung vnd selbst Werck vnd Gaabe / durch den Diener / vnd mit den zeichen Brots vnd Weins / von jm selbs / er selbs warhafftig / wesentlich vnd thätlich vbergeben wirdt / daß wir in jm / vnd er in vns natürlich / das ist durch gemeinschafft (Natürlich.) seiner Natur / ist vnd lebet / doch zu keiner zustörlichen Bauchspeise / die von natürlichen Kräfften / begriffen vnd gefasset würde / sondern im Glauben erkennet vnd empfangen werden muß / ohn welchen niemandt vmb diese ding etwas wissen mag. Es ist diß alles warhafftig vnd wesentlich / vnd doch nicht fleischlich / noch nach art dieser zeit / man darff da weder von raum noch platz / von keinem
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auff oder abfahren / nach leiblicher art gedencken / Es ist ein Handel(Anno 1534.) deß newen Testaments vnd Reichs Christi / vnd (spricht das buch) daß solches deß mehrentheils / derer / so in den Oberländischen / Rheinischen vnd Schwäbischen Kirchen / Frey vn̅ Reichßstätten / vom Bapsthumb abgetretten sind / Predigern / jhr glaub / haltung vnd lehre sey. Es sol aber in obgemeldtem Buch auch diß mit sonderbarem fleiß gemerckt werde̅ / daß die handlung fürnemlich an zweyen stücken oder puncten sich gestossen / darüber die vorstehende Concordi noch länger / denn zwey gantzer Jare ist auffgehalten / vnd nicht ehe hat können geschlossen vnnd vollzogen werden / es würden denn die beyden Punct zuuor richtig gemacht / nemlich / zum ersten: Daß das obgedachte Buch setzt / daß in der schweren Disputation vom Abendmal / welche nun lang mit grossem ergerniß geschwebet / von vielen (wie auch kurtz zuuorn ist vermeldet worde̅) mehr ein wortstreit were / denn daß in vnd von der Häuptsachen gestritten würde: welches aber (wie hernach Anno 1536. ferrner angezeigt sol werde̅) D. Luther keines wegs nachgeben hat können / sondern hat stracks vn̅ hefftig solchem jrrigen wahn widersprochen. Der ander punct / darüber es sich gestossen / ist von der Gottlosen niessung / was dieselbigen im Abendtmal empfahen / essen vnd trincken. Denn obgemeltes Buch saget: Es sind wol / die noch disputiere̅ / von den Gott losen / was die im Abendtmal niessen. Aber weil dieser Handel den Gläubigen / vn̅ nicht den Vngläubigen / gegeben / achten wir / man könne dieser Disputation wol gerahten / vnnd wollen wir mit niemand darüber streiten. Aber dieser Punct / von der Gottlosen niessung / ist hernach in Formula Concordiae, Anno 1536. deutlicher vnd richtiger / auß / vnd nach Sanct Pauli lehr vnd worten / gesetzt vnd erkläret. Auch in demselbigen 1534. Jar / hat Bucerus ein Apologiam(Bucerus schreibt wider Robertu̅ Episc. Abrin cens.) / oder Defensionschrifft wider Robertum Episcopu̅ Abrincensem Gallum, lassen außgehen. Vn̅ weil er hernach An̅o 1535.
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(Anno 1534.) sich darauff berüfft / daß er darinn erkläret habe / wie er achte / daß er mit Lutheri lehr vnnd meinung vom Abendtmal / mit dem er sonst darüber vneins gewest / verglichen / vnnd vereinigt möchte werden / wöllen wir auch kürtzlich darauß etwas hieher verzeichnen / sonderlich ( In Tomo Anglicano, pag. 634. ) weil auch Anno 1536. in der Concordihandlung Bucerus desselbigen seines Buchs meldung thut. Sunt igitur haec Buceri verba. Lutherus ex eo, quòd Dominus panem porrigens dixit (Hoc est corpus meum) affirmat: In sacra coena verè dari, adesse & edi Domini corpus, transsubstantiationem autem non recipit: Abrincensis hoc ita deprauat, & quaecunque ex eo consequi possunt, si quis dicat, panem ipsum corpus Christi fieri per identitatem, ea omnia inesse sententiae Lutheri, impiè scurratur, vt DEVM in pristino pistum, in clibano coctum, in ore laceratum & tritum, in ventrem delapsum. Item, pane̅ esse immortalem, omnipotentem, &c. Lutherus autem disertè & copiosè docuit in hac oratione, (hoc est corpus meum) quia particula (hoc) panem demonstrat, non esse praedicationem identicam, & inter panem & Domini corpus sacramen talem modò vnionem affirmat. Simile quidem adduxit ferri candentis, sed in hoc modo vt ostenderet duas res sic interdu̅ coniungi, vt pro vna quodam modo habeantur vtriusque appellatione seruata. Num mo̅strato ferro ignito dici possit, hoc ignis est, & hoc ferrum est? Sic demonstrato pane Eucharistiae rectè dici, hoc est panis, & hoc est corpus Domini, eò quòd panis & corpus Domini sacramentaliter coniuncta sunt: Item, cùm vinum offertur in cantharo, quia duae res, vinum & cantharus aliquo modo vnitae sunt, demonstrato cantharo, dicitur, Hoc vinum est, & fertur demonstratio ad sensum quidem in cantharum, ad intellectum autem ad vinum, & id praecipuè, &c. Haec verò vnio, licet non sit naturalis, non personalis, nec etiam formalis, qualis Spiritus S. erat & formae columbinae, in qua ille apparuit, aliquam tamen coniunctionem idiomatum efficit, Nam quae pani propriè competunt, vt tangi, videri, dentibus conteri, ea corpori Domini propter hanc sacramentalem vnionem tribuuntur, etsi corpus Domini per se nihil horum pati posset: sic apparente Spiritu sancto in specie columbae, licet sola haec species oculis propriè caperetur, dicitur tamen Iohannes vidisse Spiritum sanctum. Ita de patribus, quibus apparuerunt angeli, memorat scriptura, quòd
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viderint angelos, cùm flammam modò conspexerunt, in qua illi se Angelici(Anno 1534.) spiritus humano obtutui ingerebant. Ita cùm Dominus dixit (Hoc est corpus meum) particula (hoc) duo demonstrat, sensibus quidem panem, fideiautem, & hoc praecipuè, ipsum corpus Domini, &c. Item putabatur multis Lutherus, quia contendebat nullum inesse verbis coenae tropum, sentire, panem in substantia sua idipsum esse, quod Domini corpus, vel illud localiter in pane includi, aut certè alia quapiam physica ratione cum pane vniri. In qua de Luthero opinione fatoor ipse quoque fui: sed euulgauit postea Lutherus magnam, id est, pleniorem sententiae suae confessionem, in qua disertè scripsit, se nullam aliam, quàm Sacramentalem inter panem & corpus Domini vnionem statuere. Et non quemlibet hîc se tropum reijcere, sed eum modò, qui veritatem praesentiae Christi in coena excludat, qualem reputat esse, metaphoram. Synecdochen autem esse hîc agnoscit, qua aliud ex alio intelligere oportet, vt cùm Spi ritus S. scribitur, cùm signo ignis vel colum bae aduenisse. Hinc patere coepit, eum velle simul cum pane ipsum verum corpus Christi in sua substantia & essentia exhiberi, non tamen ratione corporali vel naturali, hoc est, non quantitatiuè, non qualitatiuè, nec localiter. Arcana certè & non huius saeculi ratio est, qua in coena Dominus nobis & adest & manducatur. Ita Lutherus etiam existimauit, quòd à quibusdam dicebatur corpus Domini adesse contemplatione fidei, vel adesse & edi ore fidei, non satis exprimi veram Domini in coena praesentiam & manducationem, sensum enim horum verborum posse esse, ferri fidem seu contemplationem in Christu̅ absentem. Vnde patres, vt Hilarius, Chry sostomus, Cyrillus, & caeteri affirmârunt, Dominum IESVM in nobis habitare & viuere, non iam per fidem solùm & dilectionem ceu absentem, sed etiam naturaliter, carnaliter, & corporaliter, quia suam naturam & carne̅ nobis communicat, suaque membra esse efficit, idque omne nobis in Eucharistia exhibet. Haec Bucerus. Quòd verò ibi disputat, Cinglium & Oecolampadium idem etiam cum Luthero fensisse, & quòd de manducatione indignorum suo more quaedam etiam ibi disputat, illa postea Anno 1536. in actione & Formula Concordiae correcta aliter, & rectius explicata sunt. Die summa dieser wort ist: Bucerus schreibet vnd bekennet / daß Lutherus gläube vnd bekenne / daß im Abendtmal Christi wort sollen allzeit für augen gehabt werden / nemlich / daß der Leib Christi gegenwertig sey / außgetheilet vnd empfangen werde / vnd daß doch
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(Anno 1534.) keine verwandelung deß Brots in den Leib Christi geschehe. Aber dise meinung Lutheri verfälscht der Frantzösische Bischoff (spricht Bucerus) vnd legt sie also auß / vnnd folgert / gleich als lehrete Lutherus (Bucerus vertheidigt D. Luth.) / daß das Brot werde zum Leib Christi / vnd daß ein gebackener Gott / mit dem Munde zerkeuwet / vnd in Bauch gelassen / getichtet werde. Item / als sey das Brot / Gott / vnsterblich / Allmächtig / etc. Aber solche Lästerung ist niemals in sinn kommen einem Rechtgläubigen / Vnnd Lutherus hat im Abendtmal zwey ding / Brodt vnnd Leib / Wein vnnd Blut / vermög der Wort Christi / Gleich als wenn man ein fewrig Eysen nimpt / vnd spricht: Das ist Feuwer / Vnd das ist Eysen. Also auch hie: Das ist Brot / Vnd / Das ist der Leib deß HERREN / nemlich / auß Sacramentlicher (Sacrament liche vereini gung / brots vnd Leibs / Weins vnd Bluts im Abendmal.) vereinigung / etc. Hie gilt kein verwandlung / noch einschliessung / kein Figur noch bedeutung eines abwesenden Leibs / Sondern diese Sacramentliche vereinigung hat ein gegenwertigen Leib vnnd gegenwertig blut Christi / doch nicht auff natürliche weiß / nach läng / breit / vnd raum eines menschlichen Leibs / sondern auff vnbegreiffliche Göttliche weiß / doch nicht allein durch den Glauben / sondern warhafftig vnnd wesentlich gegenwertig. Denn der HERR Christus theilet vns mit / vnd gibt vns sein Fleisch vnd Blut im Abendmal / etc. Daß aber Bucerus in jetztgemeldtem schreiben auch der vnwirdigen niessung auff sein verwirrete weiß gedencket / das gehöret zu den beyden Puncten / daruon bey dem Buch der Prediger zu Straßburg an die zu Münster kurtz zuuor meldung geschehen / darüber / wie gesagt / noch eine zeitlang die Concordia verhindert worden. ( ??? 2. Fuit. germ. pag. 492. ) Vnnd weil kurtz zuuor der Münsterischen Sache gedacht / vnnd aber dieselbe Histori im andern Wittenbergischen teutschen Theil / der Bücher Lutheri gefasset / wolle̅ wir darauß allein etwas / so viel zum Sacramentshandel gehöret / hieher verzeichnen / Als vom Bernhard Rottman / welcher ein Prediger in Münster ge
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wesen / also geschrieben stehet: Es ist vmb diesen Rottmann / wenn(Anno 1534.) man jhn recht ansehen wil / auch wol allein auß diesem handel / also gethan / Daß seiner zeit kein Rotten oder Secten auffgestanden ist / derer er nicht ein Fähnreich oder Vorfechter habe wollen seyn / vnd(Bernhard Rottmann / Prediger zu Münster.) doch alles vnter dem namen vnsers HERRN Jesu Christi / vn̅ seines lieben Euangelij. Denn der jrrige Geist hat sich an der einfältigen Lehre deß lieben Euangelij nicht lassen benügen / sondern ist fortgefahren / die hohe witze vnd tieffe kunst der Sacramentschänder auch angenom̅en / daß er vielleicht auch hochverständig gehalte̅(Viel wöllen Sacramentirer seyn / nur daß sie hochverstän dig möge̅ ge schaät werden. Münsterische böse handlung. Stutten Bernhard.) möchte werden. Den̅ friede oder trost deß Gewissens / kan ja keiner in solcher vngewisser Lehre / wie die ist / finden. Vnd hat im anfang seines predigens zu Münster / das Sacrament deß Altars also gereichet / Brach Semmel in eine grosse breite Schüssel / goß Wein darauff / vnd nach dem er die wort deß HERRN vom Abendtmal dazu gesprochen / hieß er die / so deß Sacraments begerten / zugreiffen vnd essen / wie sie den̅ auch thaten. Dauon ist er Stutten Bernhard genennet worden / Denn Semmel heißt auff jhre Spraach Stutten. Nachmals hat er Oblatten gantz / wie man sie bäckt / genom̅en /(Lästerliche that deß Sa cramentsche̅ ders Bernhardi Rottmanns.) vnd darmit das Abendtmal gehalten. Vnd auff eine zeit / da er das Sacrament außteilen wolte / nam er solch Oblat / zerbrach sie / vn̅ warff sie mit diesen Gottslästerischen worten auff die Erden / Sehet / wo ist hie Blut vnnd Fleisch? Wenn das Gott were / würde er sich wol von der Erden auffheben / vnd auff den Altar wider stelle̅. Solte darumb gewiß seyn / daß weder der Leib noch Blut Christi im Sacrament ist. Vnd da in demselben andern teutschen Tomo Lutheri ist getruckt(Wie die Sacramentirer vnd Widertäuffer zu Münster dz Abendtmal gehalten / vn̅ verunehret.) neuwe zeitung von Münster / welche mit einer Vorrede Lutheri außgangen / Da wirdt beschrieben / wie sie jre Widertäufferische vn̅ Sacramentirische Abendtmal haben angefangen zu halte̅ / Nemlich / das Abendtmal haben sie die Eynwohner der Statt Münster / auff einen Dinstag auff dem Thumbhofe gehalten / zu
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(Anno 1534.) Tische bey zwey vnd viertzig hundert gesessen / vnnd drey Gerichte geben / als gekocht Fleisch / Schincken vnd Gebratens / vnd hat der König / Königin / vnd alle jre Diener / zu Tische gedienet. (Tom. 2. Vuit. fol. 412. König Leydensis.) Nach dem essen / hat der König vnd die Königin Weitzenkuchen genommen / gebrochen / vnnd den andern gegeben / mit solchen worten: Nemet vnd esset / vnd verkündiget den Tod deß HERRN. Deßgleichen auch eine Kanne mit Wein / mit denselbigen worten: Nemet vnnd trincket alle darauß / vnnd verkündiget den Todt deß HERREN. Die Gemeine aber hat fortan einer dem andern die Kuchen gebrochen / mit solchen worten: Bruder vnd Schwester / nim hin / vnd jß davon / Wie sich Christus für mich gegeben hat / also wil ich mich für dich geben. Vnnd als er die Weitzenkörnlein in einander gebacken / vn̅ die Trauben zusammen getruckt / Also sind wir auch in ein. Vnd folgend deß Dinstags nach Gereonis / welches ist der dreytzehende tag Octobris / Anni 34. ist eine versam̅lung zu Münster auff dem Thum̅hofe geschehen / zu zehen Vhr / für Mittag / die helfft so in Münster vorhanden / zwey vnd viertzig hundert an einer versam̅lung / Mann vnd Frawen / zu allen theilen Mannbar / vnd haben sich dargesetzt / alle zur Tafeln gespeiset / zum ersten gessen gekocht Fleisch / Schincken vnd Gebratens / darnehest einen kuchen / das Abendtmal zubeginnen. Darnach kam der König mit seinem Volck / mit ein vnd dreissig Pferden / mit vier Drabanten / gekleydet mit Samet vnd gülden Stücken auß der Kirchen. Der König gekleidet mit einem schwartzen Paltrock / darauff ein silbern Stück gedecket vnd seiner Kron / vnd ein tapffer Ornament mit einer gülden Welt / dadurch zwey Schwert / vnd die Hände voll Ringe / vn̅ in seinem vollen Harnisch abgesessen / vnd in der Kleydung zur Tafeln gedienet mit seinen Dienern ohngefehrlich mit sechtzig Personen / vnnd als die Mahlzeit geschehen / ist er auch gesessen mit den Dienern vorgemelt / vnd den jenen / die von der Wache kamen.
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Als nun vor vnnd nach das runde Brodt auff die Tisch gebracht(Anno 1534.) / sprach der König: Nemet / vnd esset / vnnd verkündiget den Tod deß HERRN. Vnnd darnach gab er den Wein / vnd sprach: Nemet / vnd trincket / vnd verkündiget den Tod deß HERRN. Als sie nun geessen vnd getruncken / sungen sie den Gesang / Gloria in excelsis Deo / zu teutsch. Vnd ist in sonderheit wol zu mercken / weil sie vom Leibe vnd Blute deß HERRN im Abendmal nichts hielte̅ / sondern das volck vberredeten / sie hetten am heiligen Geist gnug / vnd der were jhnen viel besser / denn Brot vnd Wein im Abendtmal / daß sie ein ander( Tom. 2. Vuit. fol. 496. ) Spectackel erdacht haben. Denn auff eine zeit / als das Volck auff dem Marckt also versam̅let / hart an einander vnd gedrang stunde / kömpt Knipperdölling / springt auff / vnnd läufft oben vber das(Knipperdöl ling.) Volck her / auff Händen vnd Füssen / vn̅ blässet einem jeden in den Mund / vnnd saget: Der Vatter hat dich geheiliget / empfahe den heiligen Geist. Vnnd machet das Volck also heilig mit seinem blasen. Auch haben sie bey jrem Abendmal einen Judas wöllen haben(Ein Judas bey dem Sa cramentirischen Abend mal zu Mün ster.) / mit demselben aber haben sie also gespielet / daß / da der König sich zuletzt gesetzt / Item / die Königin / vnd die mit jnen zu Tisch gedient hatte̅ / auch die acht vn̅ viertzig Prediger / die jetzt hinweg ziehe̅ solten / vnd assen vnd truncken: Ist der König vnter dem essen auffgestanden / ehe es noch gar finster ward / (denn die nacht gieng schon herzu) vnd hat gesagt / Er müste gehen / vnd außrichten ein Werck / das jm der Vatter befohlen hette. Es war aber ein reisiger Knecht da gefangen / den hatten sie mit zu solchem Abendfressen gebracht / vnd jhm wol zugetruncken / Dem hiebe der heilige Vatter / der König / für grosser Hellischer oder Teuffelischer andacht / den Kopff herab / sagte / er were Judas gewest. Darnach kam er wider an den Tisch / vnd gefiel jm selbst so wol vber diesem Mord / daß er sein dazu noch lachet. Vn̅ hat der Teuffel sonderlich sein wüstes wesen mit diesem
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(Anno 1534.) geschmeiß zu Münster anrichten vnd treiben wöllen / vnd den Widertäufferischen / vn̅ Sacramentirischen Geist der Welt wol darstellen vnd zeygen / vnd zugreiffen / vnd zufühlen in die Hände gebe̅ / (Der Widerteufferischen Sacramentierer grewliche namen vnd schreckliche thate̅.) nicht allein mit der that / vnd im Werck / sondern auch mit jren heßlichen / scheußlichen namen / als / Leiden / Knipperdölling / Tausentschuer / Rottmann / Krechting / Kippenbruch / Riemenschneider / Reininck / Rederacker / Schwerinck / Klopreiß / Stralen / Taschenmacher / Schlachtschaff / Kerchering / Balck / Tripp / Hänßgin von der langen Strassen / etc. Nomina sunt ipso barbara facta sono. Vnd / wie man sonst pflegt zu sagen: Conueniunt rebus nomina saepe suis, Nam vnnd That kommen offt mit einander vberein / gleich wie heutigs tags der mehrer theil Sacramentirische namen von Bestien / Beeren / Böcken / Wölffen / Hasen / Steinen vnd seltzamen Vögeln / genommen sind: Welchs wir allhie an seinen ort stellen. ( Tom, 2. Vuit. fol. 497. ) Ferrner gehöret diß auch hieher / wie der Münsterische König / Johan von Leide̅ hernach / wie er auß dem gefengniß gebracht / sich zu den Hessischen abgeschickten Predicanten / Antonium Coruinum / vnd Johannem Kymeum / hievon erkläret hat.

Predicanten.
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Was haltet jr von dem Sacrament deß Altars?

König.
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Vom Abendmal halte ich viel / denn ich je dem / so von Gott verordnet vnd eyngesetzt ist / nicht widersprechen sol.

Predicanten.
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Gläubet jr auch / daß wir im selben Sacrament den Leib vnd das Blut Christi empfahen?

König.
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Daß in diesem Sacrament die Gläubigen / so getaufft sind / den Leib vnd Blut Christi empfahen / gläube ich / denn wiewol ichs für dieser zeit mit dem Zwingel gehalten / befinde ich den̅och nu / daß
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die Wort Christi (Das ist mein Leib / das ist mein Blut) in ihrer(Anno 1534.) wirde müssen stehen bleiben. Daß aber auch der Vngläubige den Leib vnd Blut Christi empfahen solte / kan ich nicht gläuben.

Predicanten.
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Warumb das? Sol nun abermal vnser Vnglaub mehr gelten / denn Gottes Wort / Befehl vnd Ordnung?

König.
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Es ist der Vnglaub so ein schrecklich ding / daß ichs nicht gläuben kan / daß der Vngläubige den Leib vnnd Blut Christi geniessen möge.

Predicanten.
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Es ist ein verkehrt ding / daß jr vnsern Glaube̅ oder Vnglauben jm̅er vber Gottes Werck vnd Ordnung setzen wolt / So doch am tage ist / daß vnser Glaube Gottes Ordnungen vnd Wercken / nichts geben / oder aber mein Vnglaube denselben nichts abbrechen kan. Glaube muß da seyn / sol ich solch Essen vn̅ Trincken empfinde̅ / das ist war: Aber doch muß man in dieser sache / mehr auff Gottes Wort / Befehl vnnd Werck sehen / denn auff vnsern Glauben oder Vnglauben.

König.
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Wenn diese euwer meinung bestehen sol / so müßten auch alle Vngläubige bißher in der gemein den Leib deß HERREN geessen / vnd von seinem Blut getruncken haben. Aber solches gläube ich nicht.

Predicanten.
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Ihr wolt nicht mercken / daß vnser Vnglaube der Ordnung Gottes einen abbruch thun kan. Vnd wie wolten sich die Gottlosen so höchlich versündigen / wenn sie schlecht Brot vnd Wein essen vnd trincken? Aber dieweil sie deß Leibs vnd Bluts Christi warhaff tig mißbrauchen / darumb sagt S. Paulus / Der Vnwirdig sey
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(Anno 1534.) schüldig am Leib vnd Blut Christi. Nun sagt vns doch / wozu ist die Sonn geschaffen?

König.
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Solchs lehret die Schrifft / Nemlich / daß sie dem Tag fürstehen / vnd scheinen sol.

Predicanten.
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Wenn wir nun / oder jhr / blind weren / solte darumb die Son̅ das jenig nicht thun / dazu sie geschaffen ist?

König.
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Deß weiß ich mich wol zu erin̅ern / daß mein oder ewer blindheit / der Sonnen an jrem schein keinen abbruch thun kan.

Predicanten.
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Also ists mit allen Wercken vnd ordnungen Gottes / sonderlich mit den Sacramenten. Wen̅ ich getaufft werde / sol billich der Glaube da seyn. Wenn er aber je nicht da ist / sol nichts desto weniger (Tauff. Tit. 3.) die Tauff ein köstlich / herrlich vnd heylig Sacrament / ja / wie S. Paulus sagt / Ein Bad der Widergeburt vn̅ erneuwerung deß heiligen Geistes / geheissen werden / vnnd das darumb / daß sie Gottes Wort / Befehl vnd Verheissung hat. Deßgleichen sol auch billich im Abendessen / der / so es geneusset / glauben haben / damit er die verheissung Christi daselbst geschehen (Heb. 11.) / ergreiffe / wie geschrieben stehet: Oportet accedentem credere, aber nichts desto weniger bleibt da Gottes Wort / ordnung vnd befehl / wenn gleich mein Glaub nimmer dazu käme. Doch hievon ist gnug geredt. Diß haben wir auß der damals gedruckten neuwen zeitung von Münster / darumb hieher verzeichnen wöllen / daß der Christliche Leser auß diesen abschewlichen Händeln den Sacramentirischen Schwindelgeist kennen / vnd sich für demselben / als für dem Teuffel selbst / hüten lerne. Denn gleich wie dieser Schwarmgeist
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damals zu den auffrührischen Widertäuffern / vnnd Him̅lischen(Anno 1534.) Propheten / sich öffentlich in Carlstad / Müntzer / Storch / Rottman / vnd andern / sich geschlagen: Also sehen wir / daß er auch noch heutiges tages in Franckreich / Niderland / vnd anderßwo thut / vnd fried vnd einigkeit zerstöret / vnd Christliche Ceremonien vnd Ordnung / durch grossen frechen mutwillen auff hebet / vnd in hauffen wirfft / vnd mit dem theuwren heiligen Nachtmal Christi / noch zur zeit so leichtfertig vmbgehet / als wenns nicht allein ein Widertäufferisches gelach / sondern gantz vnnd gar nur ein Bawrenzech were. Der ewige Son Gottes wölle jnen stewren vnnd wehren / vnd vns für jren greuweln gnediglich bewahren vnd behüten. Wöllen nu in der Historien weiter fortfahren. In demselbigen Jahr hat Nicolaus Ambsdorffius / etliche(Nicolaus Ambsdorffius.) Artickel / Themata seu propositiones, publiciret / in welchen er streitet / daß man mit den Sacramentirern keine Concordi mache̅ solte / sie hetten denn zuuor bekennet / daß sie in jrer biß daher gefürten Lehr / vom Abendtmal gejrret / vnd vnrecht wider Lutherum geschrieben hetten. Denn weil viel Disputationes vnnd verwirrung( Vide Buceruns in To. Anglicano, pag. 635. ) in den Kirchen hin vnd wider daher sich verursachten / daß Bucerus seine Conciliationes / darauff gerichtet (wie etlich mal bißher angezeigt) daß beyde theil / die Lutherischen vnnd Zwinglischen / in rebus ipsis, eines Verstandes / einer Lehr / vnnd gleicher meinung vom Abendtmal weren / allein daß ein jedes Theil seine eigene phrases & modos loquendi, wort vnnd art zu reden hette / vnnd brauchte / die wol sich in vielen ansehen liessen / daß sie nicht allein vngleich / Sondern offt gegen einander weren / vnnd doch nur ein Wortgezänck were / allein darüber / daß ein theil anders / denn das ander darvon redete / da man sonst / was den Handel vnnd die Häuptsache an jhr selbst belanget / einer Lehr / eines Verstandes / vnd gleicher meinung were: So schöpfften demnach jrer viel nicht alleine die Gedancken / Sondern liessen sichs auch in Schrifften also vernemmen / man solte einen jeden bey seiner vorigen Lehre
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(Anno 1534.) vnd meinung vom Abendmal / bleiben lassen / vnd wen̅ gleich einer so / der ander anders / davon redete / solte man darüber nicht streiten / Sondern vntereinander gute Brüder vnd Gesellen seyn / als were man in der sachen vnd im Haupthandel durchauß einig / oder man möchte zu beyden theilen sich solcher Wort vnd Reden vergleiche̅ / welche ein jedes Theil / auff seine vorige Lehr / Verstand vnd Meinung / deuten vnd ziehen köndte. Auch wolten die gewesene Zwinglianer dessen nicht namen haben / daß man zu Lutheri lehr vnd meinung damit trette / vnd sich begebe / fürnemlich aber / daß man in der vorher geführten Zwinglischen lehr / das wenigste vnd geringste widerruffen oder retractieren wolte. Dawider hat nu Ambsdorfius etliche Propositiones vnnd Artickel gestellet / vn̅ dieselbigen damals lassen außgehen / vn̅ darinn mit name̅ die Prediger zu Straßburg angegriffen / welche ob gleich die weltliche Obrigkeit sich gegen den Chur vnd Fürsten der Augspurgischen Confession / aller dings gemeß erkläret / vnnd darumb in die gemeine Friedshandlung zugelassen vnd angenommen waren / wie davon oben Bericht geschehen / dennoch nicht ruhen / vnnd jhren Irrthumb erkennen / sondern nie vnrecht gelehret vnd gethan haben wolten / vnd doch fürgaben / sie weren einerley lehr vnd meynung mit Luthero / wie weiter folgen wird. (Anno 1535.)

Anno 1535.
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(Butzer schreibt wid den Ambsdorff.) Anno 1535. im Aprill / hat Bucerus / sampt den Predigern zu Augspurg / auff vorgemeldte Artickel Ambsdorfij / mit achtzig Schlußreden oder propositionibus geantwortet / darmit gegen Luthero / jhrer Lehr vnnd Glaubens halben / vom Abendtmal deß HERRN / sich etwas deutlicher vnd außführlicher zu erklären / davon wir etliche / so zur ordnung vnd erklärung der Historien diene̅ / hieher verzeichnen wollen / Nemlich: (Buceri vnd Prediger zu) Wir gläuben / lehren vnd bekennen / daß im heiligen Nachtmal / warhafftiglich gereicht vnnd empfangen werde / nicht allein
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Brot vnd Wein / als heilige Warzeichen / sondern auch zugleich(Anno 1535.) vnnd fürnemlich deß HERRN Leib vnd Blut / mit den sichtbarlichen / vnd in jhrer Natur vnverwandelten warzeichen / Brot vnd(Straßburg erklärunge vom heilige̅ Abendmal. Wesentlich Leiblich Warhafftige.) Wein. Vnnd alles was Lutherus durch das wort / Wesentlich vnd Leiblich / sagt / wöllen wir durch das wort / Warhafftig außgetruckt haben. Es setzt ja Lutherus keine natürliche vermischung / auch keine reumliche einschliessung deß Leibs Christi / mit vnd im Brot vnd Wein. Er macht auch auß dem HERRN Christo keine Bauchspeise. Dieweil vns denn allhie der Leib vn̅ das Blut Christi / mit den leiblichen warzeichen / Brot vnd Wein / gegeben wirt / so wöllen wir vns nicht beschweren zu bekennen / daß es gegeben vn̅ empfangen werde leiblich in die Hand vnd Mund / jedoch daß wir die außlegung Lutheri dazu thun / daß nemlich diese empfindlichen werck / in die Hand vnd Mund zunemmen / dieweil solchs eigentlich dem Brot vnd Wein gebühret / vnd an demselben geschiehet / von dem Leib vnd Blut Christi / als die vnsern sinnen nicht vnterworffen sind / der Sacramentlichen vnion vnd vereinbarung wegen / gesagt vn̅ verstanden werden / nach der gewöhnlichen Synecdoche,( Synecdoche. ) wie Johannes sagt: Er habe den heiligen Geist gesehen / da er doch allein die Tauben sahe. Vnd wie Moses sagt: Er habe den HERRN von Angesicht zu Angesicht gesehen. Wir lassen vns auch gefallen / wie Hilarius / Cyrillus / vnd andere Patres reden / daß Christus in vns wohne vnd lebe / natürlich / leiblich / vnd fleischlich / das ist / durch seine Natur / Leib / vnnd Fleisch / doch aber nicht auff natürliche weise / oder nach art dieser Welt / so wir mit vernunfft fassen mögen / sondern auff Him̅lische Göttliche weise. Die Schrifft nennet nicht allein den Geist / krafft vnd wirckung Christi / vnd dergleichen / sondern spricht / Daß vns der Leib vnd Blut Christi gereichet werde / vnd wir den essen vnd trincken. Item / Wir haben allwegen erkannt / vnd bekennen noch / daß das fürnembste / so vns Christus in seinem herligen Nachtmal gibt /
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(Anno 1536.) sey sein Leib. Vnd zeiget vns also in worte̅ deß HERRN das wörtlein DAS / auff zwey ding / Die eusserlichen sinnen deutet es auff das Brot / den jnnerlichen verstand deß Menschen aber deutet es (DAS / .) auff den Leib Christi / wie man zu reden pfleget / wenn man etwas vnsichtlich / durch das / so sichtbar ist / geben vnd reichen wil / Also ist eine Synecdoche, in diesen worten / DAS / Item / Nemet hin / (Zwey ding im Abendmal.) Esset. Denn es werden zwey ding allda zugleich oder beysammen fürgetrage̅ / ein jrrdisch / vn̅ ein heimisch / wie Ireneus davon schreibet / Ein empfindliches / vnd ein verstendlichs / das ist / welches man mit dem verstande fasset vn̅ ergreifft / wie Chrysostomus sagt / Ein zeichen / vnnd das / so bezeichnet wirt / wie Augustinus / Bernhardus / vnd andere reden / nemlich / das Brot / vn̅ der Leib Christi. Die Gabe allhie ist der Leib vnd Blut deß HERRN / Brot vnd Wein aber / werden allein als warzeichen dazu gebrauchet / auff daß nemlich vns / die wir noch in diesem leben wandeln / die vbergab solcher gaben / desto vollkomner / vnd vnsern Glauben damit zuerwecken / desto kräfftiger seyn sol. So nu etliche weren / die da sagen vnd lehren wolten / daß vns allhie nichts anders / denn ein Zeichen vnd Figur gegeben werde / derer Lehr sey verflucht / etc. Wir bekennen / da jrer viel läugneten / daß in den worten deß HERRN (Das ist mein Leib) gar kein tropus were / sondern (Hoc, Das) weise auff das Brot / vnd (Est) würde verstanden wesentlich / vnd daß darauß folgete / daß das Brot / nemlich an jm selbst / eben das were / was der Leib Christi ist / wesentlich / leiblich / vnd fleischlich / oder daß im Brot der Leib Christi were wesentlich / vnd fleischlich / vnd wir achteten / daß jhre meinung were / daß der Leib Christi mit dem Brot natürlicher weiß vereiniget / oder ja im Brot reumlich eingeschlossen würde / haben wir dawider gestritte̅. Da sie aber Synecdochen nachgeben (wie D. Lutherus solches thut vnd erkläret in seinem grossen Bekenntniß vom Abendmal) vnnd daß da sey nicht ein natürliche vereinigung zwischen dem Brot vnd dem Leib deß HERRN / sondern eine Sacramentliche
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vereinigung / vnnd daß sie keine reumliche einschliessung lehreten /(Anno 1535.) Da haben wir bekannt / daß wir mit jnen einig / vnd der streit mehr worten / denn vber dem verstand / vnd in der meinung gewesen / etc. Diese Artickel haben vervrsachet / daß man ein gut vertrauwen vnd hoffnung geschöpfft / es würden die Theologen / so noch nicht aller ding jhren Zwinglischen jrrthumb erkenneten / je Länger / je mehr zu Doctor Lutheri Christlicher Lehr vnd Bekenntniß tretten. Vnd weil in der Kirchen zu Augspurg / vom Abendmal deß(Augspurg) HERRN / grosse spaltung gewesen (ob wol dieselbige damals beygelegt / so hat es doch keinen bestendigen grund haben mögen) so hat der Rhat zu Augspurg / zu D. Luthero gegen Wittenberg abgefertiget / jhren Prediger Casparn Huberinum / vnd Doctor Gereon( Caspar Huberinus. D. Gereon. D. Iohanner Forsterus. ) / daß sie einen rechten Euangelischen Prediger / den jhnen Doctor Lutherus schicken solte / Nemlich / Doctor Johannem Försterum / einen Gottsfürchtigen vnnd gelehrten Mann / der im Artickel vom Abendmal deß HERREN gut Lutherisch ware / vocirn. Deßgleichen daß sie D. Vrbanum Regium / der vormals( Vrbanus Regius, ) auch bey jhnen gewest / vnd nun zur Zell / bey Hertzog Ernsten zu Lüneburg / Prediger vnnd Superintendens war / widerumb bekommen möchten. Darauß denn Lutherus abermal keine andere gedancken machen können / denn daß eine auffrichtige / redliche / Christliche Concordj / in der Lehr vom heiligen Nachtmal / gesucht würde. Vnd hat darauff von solcher Concordia an die von Straß burg vnd Augspurg / auch an D. Nicolaum Gerbelium Iurisconsultum( D. Nicolaus Gerbelius Iuruconsultus. ) geschrieben / nemlich / daß er / weil sie sich mit Brieffen vnd Artickeln so erkläreten / gute hoffnung habe / sie seyn zur Concordj geneigt vnd willig / welche er für sein Person auch von(D. Lutheri Christliche gute hoffnung / vnnd hertzlichs erbieten.) Hertzen begere vnnd wündsche / vnd nach seinem abschied auß dieser Welt / gern friede vnd einigkeit sehen / vnd hinderlassen wolte / so gern als jhm Christus gnädig seyn sol / wölle auch an jhm nichts erwinden noch mangeln lassen / sondern alles gerne vnnd willig
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(Anno 1535.) thun / vnd dulden / damit nur die Concordia vollkommen vnd bestendig seyn möge / darinn man auch im namen Gottes sol fortfah ren. Denn was mit Gott angefangen werde / das vollbringe er auch selbst / bewogen vnnd erbetten durchs Gebett / vnd sehnlichs flehen. Es sey jm auch ein schwerer grosser stein vom Hertzen genommen / nemlich argwohn vn̅ mißtrawen / das er zuvor niemals trawen dürffen / weil sie sich kein mal dermassen / wie jetzt geschehen / erkläret / vnnd mit solchem eiuer vnd ernst zur Concordj erbotten / etc. Auß diesem Christlichen erbieten Doct. Lutheri / sihet der Christliche Leser / dz Lutherus ein Christlich / Gottfürchtig / fromb / auffrichtig / redlich / erbar / bestendig vnd friedliebend Hertz zur Concordj gehabt / vnd gute hoffnung gefaßt / es were auch also das Hertz der andern / wie jre wort lauteten. (Handelstag zu Cassel in Hessen.) Es ist auch darauff erfolget / daß solcher verhofften Concordien oder einigkeit halben / ein Handelstag vom heiligen Abendmal zu Cassel in Hessen angestellet worden / dazu denn Bucerus vnd Philippus gefordert / vnd hat Philippus von D. Luthero / der die gantze sache / Christo zu ehren / wol hat verwaren wöllen / ein bedencken in der form eines rahtschlags empfangen / vnd dasselbige als eine Instruction mit sich genommen / die lautet von wort zu wort also: (Instructio von D. Lut. geschrieben vnd Philippo zugestelt.) Mein bedencken / ob einigkeit zwischen vns vnd den Zwinglianern / deß Sacraments halben / zu machen sey / oder nicht / ist das. Zum ersten / können wir in keinem wege zulassen / daß man von vns solte sagen / wir hetten vor zu beyden theilen ein ander nicht verstanden / denn dieser behelff wirt in solcher grossen sachen wenig dienstlich seyn / weil wir selbst zu beyden theilen solchs nicht für war achten / so würden auch andere gedencken / es were nur zu eine̅ schein erticht / vnd würde also vnser sach nur ärger vnd zweiffelhafftiger. Weil es aber ein handel ist / der jedermans Gewissen belangt / were es nicht gut / daß man eine solche ärgerniß solte anrichten.
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Zum andern / weil bißher diß der zwyspalt gewesen ist / daß sie(Anno 1535.) das Sacrament allein für ein Zeichen / wir aber für den waren Leib vnsers HERRN Jesu Christi gehalten haben / vnd also gar der sachen vneins gewesen sind / dünckt es mich in keinem wege rhümlich seyn / wenn man der einigkeit zu gut / eine newe vnd mittel meinunge wolte stellen / als daß sie solten zulassen / es were der ware Leichnam Christi dabey / vn̅ wir nachgeben solten / es würde nichts geessen / denn das Brot / ich wil jetzund deß Gewissens schweigen / wie sich das darein schicken würde. So muß man dennoch diß auch bedencken / daß die mittel meinung in einem solchen handel / der jederman̅ betrifft / mancherley gedancken den Leuten machen / vnd viel tausent fragen vnd opinionen darauß entstehen würden / daß es also viel sicherer ist / daß sie bey jrem Zeichen bleiben / wie vor / denn es würden weder sie jhre noch wir vnsere part / viel weniger wir beyde zusammen / die gantze Welt auff diese meinung bringen können / sondern würden die Leute nur reitzen auff mancher ley seltzame gedancken. Darumb ist mir(Mancherley fragen vervrsache̅ den vnglauben.) viel lieber / dz die vneinigkeit / in solchen zweyen meinungen / stecken bleibe / den̅ daß man vrsach gebe / zu mancherley vnzehlichen Frage̅ / dadurch die Leute dahin zuletzt kämen / daß sie gar nichts gläubten. Zum dritten / so haben wirauff vnser seiten / erstlich / den klaren hellen Text deß Euangelij für vns / welcher nit allein die frommen / sondern auch andere / nicht ohne vrsache beweget. Darnach haben wir auch für vns viel Sprüche der Vätter / welche man nit so leichtlich kan ablehnen / noch mit gutem Gewissen anders deuten / denn sie lauten / dieweil die art der Spraach so starck mit dem Text klingt. Zum dritten / ist auch das für vns / daß es sehr fährlich ist zu schliessen / daß die Kirche so viel hundert jar / durch die gantze Christenheit / den waren verstand von dem Sacrament nicht gehabt habe / weil wir doch alle das bekennen / daß die Sacrament vn̅ das Wort / wiewol sie mit mancherley Grewel bedeckt / dennoch dennoch blieben sind.
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(Anno 1535.) Zum vierdten / Die Sprüche S. Augustini / von dem Zeichen / sind nicht starck gnug / diese drey stück / so jetzt erzehlet / vmbzustossen (Zeichen.) / sonderlich / weil auß Sanct Augustini Büchern klar angezeigt vnnd bewiesen kan werden / daß er rede entweder von dem Zeichen deß gegenwertigen Leibes (Als da er sagt wider den Adamantium / Der HERR hat es dürffen seinen Leib heissen / da er (Geistlich essen.) jnen gab das Zeichen seines Leibes) oder von dem Zeichen deß geistlichen Leibs (corporis mystici) wie er offt pfleget / sonderlich in Johanne / da er mit vielen worten anzeucht / Das fleisch Christi essen / heisse den geistlichen Leib essen / das ist (wie er pfleget zu reden) in der gemeinschafft / einigkeit vnnd liebe der Christlichen Kirchen seyn / denn das sind seine wort. (Augustini spruch / Ihr werdet nicht den Leib essen.) Zum fünfften / Der stärckste Spruch Augustini wider vns / ist dieser / daß er spricht / Ir werdet nicht den Leib essen / den jr sehet / vnd gleichwol dencket das Hertz an die klaren wort / Das ist mein Leib / etc. Diesen Spruch kan man leichtlich also deuten / daß Augustinus redet von dem sichtbaren Leib Christi / wie die wort lauten (Den jr sehet) auff diese meinung streitet Augustinus nichts wider die klaren wort Christi. Vber das alles ist Augustinus viel zu schwach dazu / daß er mit diesem einigen vngewissen Spruch / ja der sich nicht gnugsam reimet mit den worten Christi / vns von vnser meinung solt abwenden. Zum sechsten / Ich kan Augustinum nicht anders verstehen / wie ich auch achte / daß er die Patres für jm verstanden habe / denn daß er wider die Jüden vnd Heyden hat also müssen lehren / daß bey den Christen der Leib Christi nicht sichtiglich oder leiblich gessen werde / vn̅ damit hat er den Glauben deß Sacraments vertheidigen müssen. Widerumb gegen den falschen Christen / hat er auch müssen lehren / Daß das Sacrament essen / vergeblich sey / wenn mans nicht geistlich esse / das ist / wenn sie nicht der Kirchen eingeleibt / vnd mit jr einig sind / vn̅ damit hat er die liebe im Sacrament getrieben vnnd erfordert / wie man klar im Augustino sehen mag.
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Vnd ist kein zweiffel / er wirt solches auß den Patribus vor jhme /(Anno 1535.) vnd auß dem gewöhnlichen brauch seiner zeit / genommen haben. Zum siebenden / wenn man mir diese stück / so jetzt erzehlet / alle bleiben läßt / wil ich mich nicht viel bitten lassen. Denn Gott sey mein zeuge / ich wolte / wenn es müglich were / diese vneinigkeit mit meinem Leib vnd Blut (wen̅ ich auch mehr denn einen Leib hette) gerne abkäuffen / aber wie sol ich jm thun? Sie sind vielleicht auß gute̅ Gewissen / mit dem andern verstand gefangen / darumb wöllen wir sie gerne dulden / sind sie rein / so wirdt sie Christus der HERR wol erretten. Dagegen bin ich auch warlich mit gutem Gewissen mit dem andern verstande gefangen / es were denn / daß ich mich selber nicht kennete / darumb dulden sie mich / wo sie es nit mit mir können halten. Vnd ist summa das vnser meinung / daß warhafftig / in vnd mit dem Brot / der Leib Christi gessen wirt / also / daß alles / was das Brot wireket vnd leidet / der Leib Christi wircke vnnd leide / daß er außgetheilet / gessen / vnd mit den Zänen zubissen werde propter vnionem Sacramen talem. So ferrne gehet Doct. Lutheri bedencken vnd Instruction /(Bucert erklärung / sich ď Augspurgischen Confession gemäß zu verhalten / vnd also zu lehren.) welche Philippus mit sich gen Cassel genommen / vnnd darauff mit Bucero handlung gepflogen / vnd so ferrne kommen / daß Bucerus sich erkläret / er wölle der Augspurgischen Confession vnnd Apologia / so von Chur vnnd Fürsten dem Keyser vbergeben / mit den seinen gemäß lehren / Nemlich / daß Christi Leib warhafftig vnd wesentlich im Brot deß Abendmals deß HERRN gereichet / empfangen vnd gessen werde / vnd daß auff solche seine erklärung / nun wol könne ein Concordia an vnd auffgerichtet vnd beschlossen werden. Hierauff hat Lutherus sein bedencken abermals gestellet / mit(D. Lutheri Christlich gemüt zur Concordia.) nachfolgenden worten: Auff deß Butzers meinung / so M. Philippus von Cassel ge
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bracht (Anno 1535.) / ist diß mein gutdüncken. Erstlich / weil darinn vermeldet / Daß die Predicanten wöllen vnd sollen / der Confession vnd Apologia gemäß lehren / kan vn̅ weiß ich solche Concordia nicht außzuschlagen für mein person. Zum andern / Weil sie deutlich bekennen / daß Christi Leib warhafftig vnd wesentlich im Abendmal / im Brot gereichet / empfangen vnd gessen werde / etc. Wo jr Hertz stehet / wie die wort lauten / weiß ich auff dißmal die wort nicht zu straffen. Zum dritten / Nu aber diese sache vom anfang daher weit vn̅ tieff eingerissen ist / daß bey den vnsern noch zur zeit schwerlich gegläubt wirt / daß es jene so lauter meinen / als die wort da stehen / vn̅ die beysorge noch gar starck ist / daß jrer etliche vnserm Namen vnd Glauben fast feind sind / sehe ich für nütz vnd gut an / daß man die Concordia nicht so plötzlich schliesse / damit jene nicht vbereilet / vnd bey den vnsern nicht ein zwytracht sich errege. Denn sie gehören auch zur sache / die nicht mein / oder jemands allein ist / sondern / wo man auß den vorgesetzten worten begündt frcundlicher gegen einander zu handeln / würde sichs mit der zeit wol ereugen / ob jhre meinung rein vnd recht were / oder ob sie etwas dahinden hetten / damit solche Concordia hernach / ärger discordia möchte werden / etc. Vnd diß / von Lutheri resolution vnd bedencken / hat Philippus bald dem Bucero zugeschrieben / den 3. Februarij / Anno 1535. mit ferrner anmeldung / daß ers auch an andere fürneme Kirchendiener / so es mit Lutheri meinung vnd Lehr hielten / würde gelangen lassen müssen / wie davon ein Epistola Philippi verhanden ist / Tomo Buceri Anglicano, pag. 631. Vnd weil derselbige handel hat sollen auch an andere fürneme Kirchendiener gebracht werden / wöllen wir davon ein Copey eines kurtzen Brieffleins Philip. Melanth. an D. Vrbauum Regium hieher setzen. Casellis cum Bucero collocutus sum de controuersia
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Coenae Domini, & retuli exemplum senten tiae ipsius, quod(Anno 1535.) ad te mitto. Affirmat se & suos symmistas Argentorati ex animo sic sentire & docere. Exposuit & concionatores vrbium superiorum, Vlmae, Augustae, Constantiae, & vicinarum subscribere huic sententiae. Petit igitur, vt fiat inter nos concordia, ita, vt si quid, fortè adhuc nostri desiderent, tamen interim non damnent eos, sic moderantes suam sententiam, donec aliquando tota res magis etiam in aliquo congressu componatur. Lutherus satis clementer respondit, sed reijcit rem ad caeteros Euangelij Doctores: Vult te & plerosque alios etiam audiri, vt communis concordia fiat. Misi igitur tibi exemplum sententiae, teque oro, vt mihi significes, an hoc modo docentes tolerandi sint, ac non damnandi, cùm quide̅ integrae concordiae aliquando spes sit. Ego planè iudico, eos non procul abesse à nostrorum sententia, imò reipsa, conuenire, nec damno eos, &c.

Copey sententiae Buceri.
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Ob Bucerus vnd andere zu toleriren / vnd nicht zuverdammen(Erklärung Buceri / vnd auff wz maß die Sacramentirer / so sie sich zur Augs. Conf. bekenne̅ / anzunemen vn̅ zu dulden.) sind / so sie sonst in der gantzen Christlichen Lehr / der Confession vnd Apologiae. gemäß lehren. Deßgleichen auch vom Sacrament / wie folget: Daß sie bekennen / der Leib Christi werde wesentlich vn̅ warhafftig empfangen / so wir das Sacrament empfahen. Vnd das Brot vn̅ Wein sind sig na exhibitiua, das ist / solche zeichen / welche / so man reichet vnd empehet / werden zugleich gereicht vnd empfangen der Leib vn̅ das Blut Christi. Vnd halten / daß das Brot vnd der Leib also bey einander sind / nicht mit vermischung jres wesens / sondern als Sacrament / vnd das jenige / so sampt dem Sacrament gegeben wirt / quo posito, aliud ponitur. Denn dieweil man auff beyden seiten helt / daß Brot vnd Wein bleibe / halten sie solche Sacramentalem coniunctionem.
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(Anno 1536.) Es hat auch darnach Lutherus selber gar ein freundlich schreiben an die Kirchendiener zu Straßburg abgehen lassen / den fünfften (D. Luther erbeut sich abermal Christlich vnd freundlich zur Con cordia.) Octobris / Anno 1535. darinn er begeret eine zusammenkunff / da diese sache vnd andere / durch ein mündlich Gesprech / durch wenig Personen / ohne weitläufftigkeit / möchte beygelegt vnnd vertragen werden. Vnd stellet jhnen anheim / daß sie sollen zeit vnd ort ernennen. Dieselbige Epistel Lutheri stehet in Tomo Puceri Anglicano, pag. 632. Es stehet auch folgends ein Brieff Lutheri / den 26. Nouembris / Anno 1535. geschrieben an Doctor Gerbelium / darinn er sich gar freundlich erbeut vnd erkläret / wie willig vnd begierig er sey zu warer Concordj / in der sachen belangend das Abendmal deß HERRN.

Anno 1536.
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(Buceri vnd etlicher Oberländische̅ stätte Theologen ankunfft zu D. Luth.) In diesem Jar / weil Bucerus sich der Concordj halben bemühet / wirt ein Tag zu Straßburg angestellet / darauff viel Gelehrte / auch Gesandte auß etlichen Orten in Schweitz erschienen / vnd haben endlich Wolffgangum Capitonem / vnd Martinum Bucerum von Straßburg / Licentiat Martinum Frechtum von Vlm / L. Jacobum Ortherum von Eßlingen / Geruasium Scholasticum von Memmingen / Johannem Bernhardt von Franckfurt / M. Bonifacium Lycosthenem / vnd Wolffgangum Musculum von Augspurg / Martinum Germanum von Fürfeld / Mattheum Aulberum / vnd Johannem Schradium von Reutlingen / zu Luthero abgefertiget / vnd solche jre ankunfft schrifftlich Doct. Luthero vermeloet / vnnd jn gebetten / er wolte gegen Eisenach zu jnen kommen / welches er schwacheit halben / auch von wegen kurtz (Churfurst zu Sachsen vnd D. Lut.) der zeit / nicht hat thun können / vnd derwegen sie gegen Grimm beschieden / daß die zusammenkunfft auff den Sonntag / Vocem lucunditatis, das ist / den 21. Maij beschehen solte / welches denn
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auch dem Churfürsten zu Sachsen also vermeldet worden / der(Anno 1536.) darob ein gnädigst gefallen / doch auch geringe hoffnung zu den Oberländischen Predicanten gehabt / so wol auch Doct. Lutherus(haben geringe hoffnung / auß allerley vrsachen.) sich wenig gutes / auß allerhand vrsachen / zu jnen versehen / dieweil sie newlich allerley Zwinglische Bücher außgehen hatten lassen. Darumb der Churfürst an seinen Cantzler / den alten D. Pontanum / mit nachfolgenden worten geschrieben. Nach dem die sachen groß / tapffer vnd wichtig / wolten wir(Churfürstlichs Christlichs schreiben an den alten Doct. Brücken.) gerne / daß jr auch selbs zu Grimm / bey vnnd neben der vnterrede seyn möchtet. Weil es aber deß andern angesetzten Tages halben / nicht beschehen kan / so wöllen wir vns versehen / nach dem D. Martinus selbs zur stedte ist / es werde den Oberländischen Predicanten nichts gewichen / noch eingereumet werden. Begeren auch hiemit / jr wöllet / krafft dieses vnsers befehls / D. Martino vnd den andern Theologis anzeigen / daß er auff vnserer Augspurgischen Confession vnd Apologia / auch dem heiligen Hochwirdigen Sacrament deß Leibs vn̅ Bluts vnsers HERRN Jesu Christi / bestendig bleiben / vnd darob fest halt en / vn̅ in keinem wege / vnd mit nichten / auch in dem wenigsten punct vnnd Artickel nicht weichen wolle. Den̅ weil die Oberländischen Predicanten solche Bücher haben außgehen lassen / auch Zwinglium vnd Oecolampadium für heilig achten / so können wir wol bedencken / daß wenig trost oder hoffnung der Concordj halben seyn wil: Doch stehet solches in Gottes willen vnd vorsehen / der es one zweiffel nach seinem Lob / Ehr vnd Preiß / wol wirt gnädiglich zu schicken wissen / etc. Diese Christliche / Fürstliche fürsorge / zeigt außdrücklich an / daß der fromme Churfürst niemals / an der Zwinglischen(Zwinglische zwey züngige meinu̅g.) vnd Zweyzüngigen meinung / einigen gefallen gehabt / Sondern standhafft bey rechter Lehr / rund vnd auffrichtig geblieben. Weil nun die frembden Theologen sonst guten lust gehabt / daß sie Wittenberg sehen möchten / haben sie einen Boten zu D.
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(Anno 1536.) Creutziger vnd zu Philippo (der bereit auff dem weg gegen Grim̅ gewesen) lassen ablauffen / vnd gebetten / sie wolten sich nicht gegen Grim̅ verfügen / sondern daheim bleiben / den̅ sie begerten zu Wittemberg mit Luthero / vnd mit jnen zu reden / welchs sie nun lange her gewündschet hetten. Den 21. Maij sind sie zu Wittenberg ankommen / vnd in der Herberg / darein sie auff Churfürstlichem befehl / anordnung vnd außlösung / gewiesen / eingezogen / vnd noch denselben Abend sich bey Luthero vnnd andern Theologen / demütiglich angeben lassen. (Friderict Myconij be richt vo̅ der gantze̅ hand lung der Concordien Anno 36. zu Witte̅berg.) Dieweil aber D. Fridericus Myconius / Superintendens vnd Pfarrherr zu Gotha / ein frommer / Gottfürchtiger / reiner vn̅ vnverdächtiger Lehrer / dieser gantzen handlung selbst beygewohnet / vnd ein kurtze verzeichniß mit eigener Hand / wie es sey durchauß ergangen / geschrieben / vnnd nach sich gelassen / so wöllen wir dieselbige auffs kürtzest summarischer weise hieher setzen. Den 22. Maij früe / sind Capito vnd Bucerus zu Luthero gangen / vnd jn gegrüsset / etc. vnd nach Mittag vmb drey Vhr widerumb kommen / allda für vns allen Bucerus mit einer langen rede vermeldet / daß er sich in seinem vnd anderer namen frewe / daß die zusammenkunfft angangen / sintemal er nun vier jar dahin gearbeitet / daß sie möchten einig werden / vnnd eine eintrechtige Lehr vom Abendmal führen / etc. Darauff Lutherus geantwortet / daß jm nichts liebers were / denn eine rechte / gewisse / ware / bestendige Concordj. Aber weil jre / deß Zwingels / Oecolampads / vnnd andere Schrifften vnd Episteln / offentlich mit Buceri Vorrede / außgangen / vnd sie das gegenteil (Sacramentirer sollen jre jrrthum̅ erkenne̅ / bekennen / vnd widerruffen.) stäts lehreten / wüste er nichts zu hoffen von jrgend einer rechten einigkeit / vnd were besser / man liesse es bleiben / wie es jetzt sey / denn daß man eine gleissende / vnbestendige einigkeit eingehe. So es jnen nun ein ernst sey / so sollen sie jre jrrthumb erkennen / bekennen vnd widerruffen: Darnach sollen sie mit dem HERRN
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Christo / vnd mit der Schrifft / die ware meinung annemmen / vnd(Anno 1536.) andere lehren. Zwingels vnd Oecolampadij Lehr sey falsch / vnd die verdamme er / Vnd ob er gleich sie für jhre Person dem Gericht(Zwingel vn̅ Oecolampad haben falsche lehr.) Gottes befehl / der sie noch an jrem ende bekehren könne / so sey doch jre Lehr verdamlich vnd vnterwerfflich / etc. Weil sie auch stäts schlüpfferige vn̅ vngewisse reden führen /(Vnbestendigkeit vnd schlüpfferige reden der Sacramentirer.) jetzt so / bald anders / vnnd jmmerdar außflucht haben / so sollen sie tund vnd klar sagen / ob im heiligen Abendmal / vermög der einsetzung Christi / das Brot / vnd der Kelch / oder Wein / sey warhafftig der Leib vnd das Blut Christi / wie es Christus gesagt hat / vnd die Euangelisten bezeugen / vnd werde von wirdigen vnd vnwirdigen /(Was die Sacramentirer sagen vnd bekennen sollen / wen̅ sie one falsch vnnd betrug mir vns handelen wöllen.) wie S. Paulus redet / oder von frommen vnd bösen / genommen vnd empfangen / vnd neme die wirdigkeit vnd vnwirdigkeit derer / die es empfahen / der einsetzung vnd warheit Christi gar nichts / sondern / ob es gleich mit Gottlosen Händen gegeben / vnd mit Gottlosem Munde genommen werde / sey es doch nichts deste weniger der ware Leib vnd das ware Blut Christi / nicht derwegen / daß es wirdige oder vnwirdige sind / sondern daß es Christus gesagt hat / Das ist mein Leib / etc. Nach langer entschüldigung / so Bucerus fürgebracht / wegen jrer außgegangenen Epistel vnd Schrifften / ist jnen bedenckzeit gegeben worden. Den 23. Maij / vmb drey nach Mittag / sind die frembden vnd wir widerumb zu D. Luthero kommen / Hat Lutherus seine vorige rede widerholet / Erstlich / ob sie wöllen widerruffen / was sie jrriges gelehret. Zum andern / ob sie die ware Lehre / von der waren gegenwart Christi / in oder mit dem Brot / etc. hinfort lehren wöllen / vnd also mit vns einig werden. Darauff hat Bucerus geantwortet vnd bekennet / daß er die(Butzer bekennet / daß er vndeutlich gelehrt / vnd derhal-) sache etwa nicht recht verstanden / auch nicht deutlich gnung gelehret habe / vnd were willig / wie den̅ bereit geschehen / zuwiderruffen / vnd hinfort recht zu lehren / vn̅ sich richtig allezeit zu erklären / nem
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lich (Anno 1536.) / das Brot im Abendmal / sey der ware Leib Christi / vnnd der Wein / sey das ware Blut Christi / vnd werde durch den Kirchendiener (ben widerruffen / vnd hinfort recht lehren wolle.) gegeben allen / so hinzu gehen / nach der ordnung vnd einsetzung Christi / vnd werde empfangen / nicht allein von den wirdigen / mit Hertz vnnd Mund zur Seligkeit / sondern auch von den vnwirdigen mit jrem Munde / zu jrem Gericht vnd Verdam̅niß: allein verstehe er solches von den Gliedmassen der Kirchen / vnnd nicht von Türcken / Jüden / oder Thieren / Meusen / Hunden / etc. Gleicher weise haben nach Bucero die andern frembden alle bekennt / vnnd darüber vermeldet / daß jhre Obrigkeit durch ein öffentlich Edict hetten lassen in vielen Kirchen vermelden / daß alle die jenigen solten hart gestraffet werden / welche leugneten / daß (Oberlendische Theologi wölle̅ sich zur Augsp. Confession bekennen.) der Leib Christi im Brot / vnnd das Blut Christi im Wein deß Abendmals / gegenwertig sey / etc. Darumb betten sie / weil sie sich zur Augspurgischen Confession vnd Apologia derselbigen / bekenneten / man wölle sie in die Concordj vnnd einigkeit deß Glaubens an vnd auffnemmen. (Hertz vnd wort wöllen bey den Sacrame̅tirern nicht zusammen.) Auff diese erklärung hat sich Lutherus mit vns besonders beredet / dem wir auch geantwortet / wenn jhr Hertz sey / wie jhre wort lauteten / vnnd sie also gläubten / wie sie redeten / vnnd wolten also lehren / so köndten wir jhnen jre bitte nicht abschlagen / doch / daß sie noch einmal sich erkläreten / von der gegenwertigkeit deß Leibs (Gottlose leu te in ď Christenheit / em pfahen auch den Leib Christi mit jrem Munde.) Christi im Brot / welchs auch ein Gottloser mit seinem Munde empfähet / Gleich wie der Name deß HERRN / allzeit der Name deß HERRN ist vnd bleibet / ob jn gleich ein Gottloser in seinem Munde führet / vnd lästerlich mißbraucht. Nach / vnd auß dieser kurtzen verzeichniß / hat Myconius an M. Vitum Dieterich / Predigern zu S. Sebald zu Nürnberg / weitläufftigern bericht gethan / auch mit seiner eige̅ Hand geschrieben / wie solches schreiben in Bibliotheca, vnnd vnter Mag. Viti Dietrichs Brieffen zu Nürnberg gefunden / wiewol es von
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etlichen jetziger böser art nach / vertuscht gehalten / vnd doch nicht(Anno 1536.) mehr kan länger verborgen gehalten werden. Vnd lautet dieselbige Epistel also: Gnade vnd Friede durch Christum. Ewere Brieff / geliebter(Myconij bericht vnd Epistel / an Mag. Veit Dietrichen zu Nürnberg.) Herr Vite / hat mir Flidnerus vnser Bürger vberantwortet / vnd ewere vnd anderer freundligkeit hoch gerhümet. Ich dancke euch auch sehr dafür / daß jhr euch nicht beschweret habt / an diesen freund zu schreiben / vnd ich bitte Gott / daß diese Tugent stäts bey euch bleibe. Denn es sind heutiges Tages jhrer viel / auch auß den Gelehrten / die so nachlässig sind / daß sie kein wort wider antworten / wenn man gleich mit Brieffen stäts bey jnen anhelt. Aber jhr thut recht / daß jr Luthero vnd Philippo nachfolget / die sich hierinn vnverdrossen erzeigen. Was vnser zusammenkunfft zu Wittenberg anlanget / davon jr gern wöllet berichtet seyn / ob ich schon nicht zweiffel / jr werdet von denen zu Reutlingen / die im heimweg zu euch kom̅en sind / vnd von andern alles erfahren haben: jedoch wil ich euch hiemit auch meinen guten willen beweisen. D. Luthers schwacheit hat verorsachet / daß der Conuent von Eisenach gen Grim̅ gelegt ward. Aber weil die frembden Gäste Wittenberg gern sehen wolten / habe̅ sie eine̅ Boten zuvor geschickt / vnd Creutzigern vnd Philippum daheim heissen bleiben / denn sie wolten lieber allda mit den Vättern / nach denen sie sich so lange gesehnet / alle sachen / auch zum vberfluß / handeln / den̅ anderßwo von vielen dingen mehr rahten / denn dieselben eigentlich verstehen. Den 17. Maij sind gen Gotha zu mir kom̅en / Wolffgangus Capito / Martinus Bucerus von Straßburg / vnnd Bonifacius Wolfahrt (Lycosthenes) von Augspurg / die ich nach vermögen freundlich empfangen. Vnd weil ich Bucerum zuvor hatte zu Marpurg gekannt / gehöret / vnnd auch etwas in die Schule geführet (exercueram etiam) aber Capitonem allein vom Namen kannte vnnd sahe / daß wol mit jhm vmbzugehen war / haben
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(Anno 1546.) wir nach gehaltener Abendmalzeit von dem streit deß gegenwertigen Leibs Christi im heiligen Nachtmal / angefangen zu reden / da ich jnen kurtz vnd deutlich vnsere meinung habe erkläret / von der (Capito vnd Bucer werden vo̅ Myconio allererst vnterwiesen.) wir nicht weichen wolten / wir wolten denn die Schrifft verachten / vnd dauchte mich / als lernete Capito etliche ding / darinn er zuvor im zweiffel gehangen / vnd als wurden auch dem Bucero etliche puncten klärer / denn sie zuvor gewesen. Derwegen / auff daß ich jhnen etwas helffen möchte / habe ichs gar früe alles auffs Papier bracht / vnd jnen zugestelt / daß sie es mit fleiß erwegen vnd bedencken wolten. Da sie es nur gelesen / haben sie müssen frey bekennen / daß vnsere Lehr vberein stimme mit der heiligen Schrifft / vnd mit den heiligen Vättern der reinen Kirchen. Nach diesen sind die andern auch ankommen / vnd bin ich vnd Justus Menius mit jnen stracks auff Wittenberg abgereiset / vnd vnterwegen hat ein theil dem andern zur gnüge rechenschafft seines Glaubens / vnd vnserer hoffnung gegeben. Es ist nicht eine stunde vergangen / da wir nicht etwas hetten erkläret / vnnd tapffer erstritten / daß das Brot im Abendmal (nicht auß wirdigkeit oder vnwirdigkeit derer / die es nemen / oder die es geben) sey vnnd werde genennet der ware Leib Christi / der für vns gegeben / sondern auß krafft vnd gewalt deß / der das Brot in seine Hand genommen / vnd gesagt hat / Das ist mein Leib. Aber was bin ich euch verdrießlich mit erzehlung / Was auff dem Wege geschehen sey? Ich schicke euch hiemit ein Exempel meiner Lehre / welche sie / ehe wir gen Wittenberg kommen / alle mit mir angenommen haben / wiewol sie nicht mein / sondern der Kirchen Christi lehr vnd meinung ist. Wir sind gen Wittenberg ankommen am Sonntage / den man nennet Vocem Iucunditatis, ist Philippus / der widerumb anheimes gefordert war / da er auff dem Wege gen Grimm gewesen / erstlich zu vns kommen / vnd fro worden / daß ich vnd Menius verhanden waren. Aber deß Bucers vn̅ seiner Geferten ankunfft / war jm nicht angenem / dieweil er alle hoffnung von der einigkeit
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hette fallen lassen / vnnd deß Zwingels vnd Oecolampads Epistel(Anno 1536.) eben dazumal in Druck öffentlich waren außgangen / welche den frommen Churfürsten vnd Doct. Lutherum so hart anfochten / daß wir nichts wenigers hoffen kundten / den̅ daß sie gläuben solte̅ / man(Zwingels vn̅ Oecolampa dij Epistel sehr gefehrlich vnd ärgerlich / auch zum theil Heydnisch.) suchete vnd wündschte mit ernst eine rechte Concordi / oder daß nur eine hoffnung derselben seyn möchte. Da aber Menius vn̅ ich dem Philippo anzeigten / was wir zu Gotha vnd auff dem wege von den frembden Gästen selbst gehöret hatten / fasset er jhm widerumb ein Hertz / vnd hieß vns zu Luthero selbs gehen / daß wir jm erzehlen solten / was sich zugetragen hette. Lutherus behielt vns bey sich zum Nachtessen / da wir mit jhme fast biß in die Mitternacht von dem gantzen Handel redeten / vnd was sich vnter wegen begeben / da wir mit einander disputirt hatten / ordentlich vermeldeten. Aber wir kundten schwerlich so viel erhalten / daß er gläuben wolte / daß solches alles von hertzen / von jnen geredet vnd geschehen were. Den 22. Maij früh vmb sieben vhr / sind zu Luthero gangen Bucerus vnnd Capito allein / wovon sie aber in dem ersten Congress geredt / das ist darnach auß der Handelung offenbar worden. Vmb drey vhr Nachmittag / sind auff vnsere seyten in D. Lutheri behausung zusammen kommen / Lutherus / Pomeranus / Jonas / Cruciger / Philippus / Menius / vnnd ich. Dabey ist auch gewesen Wellerus / sampt M. Georgio Rorario Diacono. Auff der andern seyten / sind allein Bucerus vnnd Capito gewesen: Da man sich nu gesetzt / hat Bucerus antworten sollen auff das / davon Lutherus früh mit jm geredt. Der anfang seiner rede ist lang vnnd weitläufftig gewest / daß er / nemlich / sich für sein Person / vnd auch von wege̅ anderer / höchlich frewe vber diser zusam̅enkunfft / weil sie sonderlich zu Wittenberg nu mehr / vnd nicht anderswo / angestellet vnd gehalten werde. Darnach hat er erzehlet / wie er nun in das vierdte Jar dahin gearbeitet / daß wir alle möchten einig werden / vnd eine meinung mit einander vom Abendtmal / zusam̅en bräch
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ten (Anno 1536.) vnd lehreten. Item / daß wir auch eine gleiche form vn̅ weiß der Kirchenordnung anrichteten. (D. Luth wil entweď ein rechte / stand hafftige Con cordiam habe̅ / oder sich gar nicht in schlüpfferige vngewisse handlung begeben.) Lutherus hat hierauff geantwortet / Er begere nicht mehr / denn daß eine ware / standthaffte / rechte einigkeit / vnter vns möchte widerumb an gerichtet werden / aber weil neuwlich mit wissen vnnd willen Buceri / die Episteln Zwingels vnd Oecolampads in truck außgange̅ / dadurch viel gar Gottlose / grewliche falsche Lehre außgebreitet werden / darfür auch deß Bucers Epistel gedruckt / vnnd vber das noch andere Büchlein herfür kommen / darin die Lehr / die wir mit den Aposteln vnd mit der Kirchen vertheidigen / verworffen wird: So könne er nit sehen / wie eine beständige rechte einigkeit möge gestifftet werden / vnter denen / die so gantz widerwertige dinge lehren vn̅ treiben / da wir / nemlich allhie / gegenwertig einanders müsten hören vnd reden / vnnd widerumb ein anders / vnnd gar ein widerwertiges in den Büchern hand ln. Ob sie nun solches der vrsache halbe̅ thun / weil sie ja mit vns in der Lehre / von der gegenwart deß Leibs Christi im Abendtmal nicht einig / oder ob sie daheime / wegen der vnruhe deß gemeinen Pöbels / daß durch sie verführet / nicht anders dürffen reden / da mögen sie zusehen. Er hielts aber dafür / es were besser / man liesse die Sache im vorigen Stande / darinn sie jetzt sey / beruhen vnd bleiben / Denn daß man durch ein gedichte / geferbte Concordi / den Handel / der zwar arg vnd böß / hundert mal ärger machete. So würden auch die Nachkom̅en so blind vnd stumm nicht seyn / daß sie diesen Betrug nicht mercken vnnd entdecken solten Vnd wenn wir gleich die Welt betriegen köndte̅ / so würde man doch die Augen vnnd Ohren deß HERREN / der alle ding höret / nicht betriegen. (Bucerus wirdt bestürtzt / vnd Antwortet zitterlich vn̅ vngewiß.) Diese Rede hat Bucerum hefftig bestürtzt vnnd erschreckt / darauff er auch angefangen weitläufftig / aber sehr vnordentlich oder vngerad zu antworten / nemlich / es sey da kein fucus noch betrug / Sintemal sie für der Oberkeit vnd in den Kirchen / auch in Rahtschlägen deß Oberteutschen Landes / vnd zusammen kunfften
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der Lehrer / jhre meinung bezeuget hetten / vnnd bezeugten nochmal(Anno 1536.) mit worten / Büchern / Schrifften / vnd in Predigten. Hat auch erzehlet / was er in vergangenem Jar denen zu Münster / vnnd auch desselbigen Jars / Episcopo Abrincensi, geantwortet hette. Erkläret sich / daß die Episteln Zwingels vnd Oecolampads / nicht allein one sein wissen / sondern wider sein Verbott / getruckt weren / vn̅ daß seine Epistel / so vom Drucker vorher gesetzt / nicht eine Vorre de / sondern ein brieff were / der im vorigen jar von jm zu andern geschriebe̅ / vn̅ nit dazu gemeinet were / daß er jemals solte in truck außgehe̅ / welchs jm niemals getreumet hette. Die schult were deß Buch drückers / der so geitzig vn̅ arg sey. Vn̅ eben solchs sagt auch Capito. Lutherus hat widerholet / wie er pfleget / mit grossem ernst /(D. Luthert freudige bestendigkeitz.) daß entweder eine rechte einigkeit / oder gar keine geschehe. Darzu aber hielte er / daß fürnemlich zwey ding von nöten seyn / Zum erste̅ / daß sie jhre fre mbde meinung / die nicht deß HERRN Christi / der Apostel / vnd der Kirchen ist / vnd die sie doch bißher zu lehren / vnd andern eynzubilden vnd eynzureden / sich vnterstanden / widerruffen / vnd öffentlich vnrecht sprechen solten. Zum andern / daß sie die(Zwingels / Oecolampads / vn̅ der Sacramentirer falsche jrrige Meinung / list verdam̅et. Lästerliche rede̅ der Sa cramentirer.) ware meinung hinfort mit vns einhelliglich lehren wolten. Den̅ er Lutherus / vnd seine Mitgehülffen / kündten nicht anders / den̅ verdammen die meinung Zwingels vnd Oecolampads von der Erbsünde / vnnd vom Sacrament / sintemal auch noch jmmerdar auß jhren Büchern / bekannt vnd erschollen were diese grewliche reden / (der brötene Gott / DEVS impanatus, das Fleisch Christi ist kein nütze / das bedeutet mein Leib / das in allein eine Figur vnd Zeichen meines Leibs / vnd dergleichen) welche alle dahin vnd dazu gebrauchet werden / daß man sagen vn̅ halten sol / daß das Brot deß Abend mals sey nicht der Leib Christi / vnd der Wein deß Nachtmals / sey nicht das Blut Christi / vnd ob man gleich die Personen könte dem Gericht Gottes befehle̅ / so müste er doch diese Gottslästerung verfluchen vn̅ verdammen. Sie weren bißher allezeit je näher je näher(Sacramentirer gehen mit worten) vns beygefallen / vnd zu vns gemehlich widerkehret. Denn erstlich
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(Anno 1536. jm̅erdar neher zu vns / aber mit der that sind sie weit vo̅ vns vnnd von Christo.) hetten sie bekennt / das Brot deß Abendtmals sey nicht aller dinge gleich / wie ander Brodt / noch der Wein / wie ein gemeiner Wein / Sondern es were eine bedeutung vn̅ memorial / ein gedechtniß deß abwesenden Leibs Christi / etc. Darnach weren sie noch näher kommen / in dem sie bekannt / der Leib Christi / vnd das Blut Christi sey gegenwertig / doch geistlicher weise / das ist / er sitze zur rechten Gottes / aber doch mache der Geist durch sein speculirn vnd gedancken / daß der Leib dem Brodt / vnnd das Blut dem Wein gegenwertig sey / gleich als wenn man in einem Tragedispiel den Hectorem / durch ein ander Person bedeutungs weise darstellet. Zu letzt kom̅et jr (sagt D. Luther) noch näher zu vns / weil jhr zu Coburg mit mir frey bekannt / vnd jetzt in etlichen Büchern eben dasselbige schreibet / das Brot sey der ware / natürliche / wesentliche Leib Christi / etc. Vn̅ werde empfangen mit dem Munde derer / denen er angebotten oder gegeben wird / doch also / wenn sie gläubig vnd Jünger Christi sind. Aber wenn er den Vngläubigen gegeben werde / so sey es nichts mehr / denn Brot vnd Wein / vnd also muß bey euch der Leib Christi seyn / nicht auß gewalt oder krafft Christi / der es also verordnet / vnnd gesagt hat / sondern viel mehr auß Krafft vnsers Glaubens / vnd nach vnsern gedancken / welche verschaffen / daß Christus / der zur Rechten deß Vatters ist / vnserm Glauben gegenwertig sey / so wir gläuben / So wir aber nicht gläuben / so könne er nicht gegenwertig ( & status. ) sein / Sondern sey denen / die nicht gläuben / nur ein leer bloß Zeichen. Itzt ist nun hie von nöten / auff daß keines zweiffels noch argwohns vrsache zu beyden theilen vbrig bleibe / daß jr vnd die andern mit euch / die jhr hieher gesandt seyd / vns erkläret / ob jhr lehret vnd haltet / daß das Brot sey der Leib Christi / für vns gegeben / vnd der Wein sey das Blut Christi / für vns vergossen / auß krafft vnd eynsetzung Christi / der es also geordnet hat / es sey gleich der diener / der es darreichet / oder der / der es empfehet / wirdig oder vnwirdig. Den̅ die Euangelisten zeugen mit diesen worten: Das ist mein Leib / Vnd / dieser Kelch ist das Blut deß neuwen Testaments / etc.
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Daß der HERR Christus also selbs geredet habe / Dicens (er(Anno 1536.) sprach) Ist nun war / was er sagt / oder ists falsch? oder wird es aller erst war / wenn wirs gläuben? oder muß er falsch seyn vnnd liegen / wenn wir nicht gläuben? Ihr müsset ja auch bekennen / Daß das Sacrament ohne vnterscheidt / den From̅en vn̅ Bösen / den Gläubigen vnd Vngläubigen / den Heiligen vnnd Heuchlern / oder / wie Paulus redet / den Wirdigen vnd Vnwirdigen / gereicht / vnd von jnen empfangen werde / vnnd doch die Wirdigkeit vnd Vnwirdigkeit derer / die es empfahen / nichts ändere an der eynsetzunge Christi / der es also gesagt hat / etc. Daß nun in der Hand auch deß vnwir digen Dieners / vnnd im Mund auch deß Vnwirdigen / der es jsset vnd trincket / warhafftig das sey / das Christus sagt / Nemlich / sein Leib vnnd Blut / nicht darumb / oder daher / daß es gegeben oder gegläubt wirdt / sondern dieweil es Christus befihlet / vnd saget: Von diesen Sachen möget jhr mit einander euch bereden / vnd morgen / was jr bekennen köndt / vnnd mit vns lehren wollet / nach guter berahtschlagung antworten. Den 23. Maij vmb drey vhr / Nachmittag / sind wir zu beyde̅ theilen in D. Lutheri behausung zusammen kommen. Da wir vns nu alle gesetzt / hat Lutherus kürtzlich widerholet / was er den vorige̅ tag proponiret hatte / vnnd zugleich gefragt / ob sie (die Gesandten) wolten widerruffen / ein jeder / was er wider deß HERREN Christi(Widerruff.) der Schrifft / vnd der Kirchenlehr vnd meinung / gelehret vn̅ außgesprengt? Darnach / ob sie die meinung / von der waren gegenwertigkeit deß Leibs Christi / in oder mit dem brod deß Abendmals deß HERRN / mit vns beständiglich vnnd einmütiglich lehren wolten. Davon solten sie sich erklären / vnd jhr gemüte vns auffrichtig offenbaren. Bucerus hat hierauff erstlich bekennet / daß er für dieser zeit(Butzer bekenner sein fehl / vn̅ wil widerruffen wo / wie vnd wenn man wil.) etliche ding nicht gnugsam / klar vn̅ deutlich verstanden habe / auch nicht gnugsam rein vn̅ recht gelehret / aber so bald ers recht gelernet vnd gefasset / habe er seinen Irrthumb verbessert / widerruffen / vnd
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(Anno 1536.) vnrecht bekannt / wölle auch nochmals hinfort (daß er niemandts in Irrthumb führe) widerruffen / vnd mit Mund / vnd in Schrifften / vnd auff waserley weise solchs geschehen kön̅e / reuociren. Darnach was anlangt die erklärung der waren meinung / von der warhafftigen (Butzer thut sein bekennt niß in seine̅ vnnd der Schweitzer namen.) gegenwertigkeit deß Leibs Christi / in oder mit dem Brot deß Abendmals / etc. bekenne er für seine Person / vnnd auch ander Schweitzer vnnd Plaureri statt vnd namen / daß das Brot im Abendtmal sey warhafftig der Leib Christi / vnnd der Wein sey warhafftig das Blut Christi / vnd werden der Leib vnd das Blut gegeben (Im brot mit dem brot.) durch den Diener Christi / ohne vnterscheidt / allen die es neme̅ / es sey denn / daß die eynsetzung vnd Wort Christi verfälscht werde̅. Es werde auch warhafftig der Leib vnd das Blut Christi empfangen (Mit dem Mund auch von Vnwirdigen.) / nemlich / der natürliche wesentliche Leib / etc. nit allein mit dem hertzen / sondern auch mit dem munde / derer / die es empfahen / wirdiglich zur Seligkeit / vnwirdiglich zum Gericht. Wenn er aber sage / daß die Gottlosen den Leib nicht empfahen / so wolle er mehr nicht / denn diß verstanden haben / daß / wenn ein Türck oder Jüde / oder ein Mauß / oder ein Wurm / die Hostien / so die Papisten einsperren (da derer ding keins geschicht / die Christus befohlen vn̅ eingesetzt hat) zernaget / daß solches allein dem Brot widerfahre / vnd sey nur Brot / vnd nicht der Leib Christi / vnd geschehe auch solches nicht am Leib Christi: Vnd nur dieses grobes / räumliches / vnd natürliches essen deß Leibs Christi / habe er verleugnen wöllen. Aber das essen / so nach der eynsetzung vnd ordnung Christi geschicht / wie er oben sich erkläret hette / bekenne vnd lehre er / vnd wolle sie allezeit lehren. So er auch etwas nicht gnugsam deutlich lehrete / solte man jn nur darumb von eim jeden Stück besonders fragen / so wolte er sich vnd seine meinung klärer vnd deutlicher darthun. Nach dieser Rede hat Lutherus die andern frem̅den ordentlich nach einander / in gegenwart aller / gefragt / vnd hat ein jeder für gewiß geantwortet / er bekenne / halte / lehre vn̅ vertheidige eben das / was / vnd wie es Bucerus erkläret hette / vnd hetten nun ein gantzes
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Jar also gelehret / woltens auch hinfort also lehren / vnd baten / man(Anno 1536.) solte kein argwohn auff sie werffen / noch sich einiges betrugs befahren. Etliche sagten auch / daß jhre Obrigkeit in jren Kirchen durch ein öffentlich Ediet hette̅ gewisse straffen gesetzt / auff die / so da leugneten die ware gegenwertigkeit deß waren Leibs Christi mit dem Brodt / etc. Sie baten auch alle sehr demütig vnd mit ernst / weil sie erkenneten / daß die Augspurgische Confession vnd Apologia / dem(Oberlendische Theologi bekennen sich zur Aug. Conf. vnnd Apologia.) Keyser vberantwortet / recht vnnd war were / so wolte man sie doch als Mitglieder in Christo / zu solcher Concordi vnnd Bandt eines Glaubens / vnd rechter Brüderlicher liebe / auch an vnd auffneme̅. Denn weil wir ein Häupt erkenneten / vnnd deß HERRN Christi lehr einmütiglich ehreten / so were ja billich / daß vnter vns auch / einer den andern für sein Mitglied / hielte vnd bekennete. Lutherus ist darauff mit den seinen in die Kammer gegange̅ / mit jnen zu reden / was ferrner zu thun were. Da nu ein jeger gefraget(Hertz vnnd Wort.) / vnd seine meinung angezeigt / Pomeranus / Jonas / Crueigerus / Wellerus / Philippus / Menius / vnnd ich Fridericus Miconius / haben wir endtlich gleich auß einem munde geantwortet / wen̅ sie also / wie sie bekannt hetten / mit dem hertzen gläubten / mit dem Munde bekenneten / vnd die Kirche auch also vnterrichteten / vnnd hinfort also lehren wolten / so köndte man mit jnen zu frieden seyn: Jedoch solten sie noch einmal rund vnd klar außsagen / ob sie beken nen / daß eben das Brodt / das durch den Diener Christi / mit den( Repetitur status causae. ) worten Christi / der es eyngesetzt hat / den vnwirdigen gegeben wird (wie es Paulus nen̅et) sey warhafftig der Leib Christi / wie der Name deß HERRN / den ein Gottloser / wider das ander Gebott mißbrauchet / der Name Gottes ist / vnd wird durch den mißbrauch nit auffgehaben / oder / wie Judas den HERRN Christum im Garte̅ vmbfehet vnd küsset / vnd ist doch vnd bleibt der HERR Christus / vnnd wirdt durch den mißbrauch vnd Gottlose verrähterey nicht anders. Da wir wider herauß gangen / vnd jedermann sich gesetzt /
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(Anno 1536.) hat Lutherus alle ding mit grossem Geist vnd Muth / der auch an seinen augen vnd gantzem Angesicht zusehen war / erzehlet. Da sie (D. Lutheri ernste frewdige rede.) nun das / an welchem die Sache gelegen war / bekenneten / nemlich / daß das Brot sey der Leib Christi / auß gewalt vnd Krafft Christi / der es eyngesetzt / vnnd also auß Göttlicher Mayestet gesagt / vnnd verheissen hat / es mißbrauchens gleich die Vnwirdigen / oder brauchens die Wirdigen / etc. ist fried vnd einigkeit zwyschen vns / die wir (Bucer vnd Capito weinen.) beysam̅en waren / gemacht. Vn̅ haben Capito vnd Bucerus angefangen zu weinen / vnnd wir haben zu beyden theilen mit gefaltenen Händen / vnd Gottsfürchtigen Geberden Gott dem HERREN gedanckt. Es ist jnen auch befohlen worden / sie solten für sichtig vn̅ gemächlich bey jren Kirchen die Gegenlehre / so die noch in etlichen Hertzen steckte / hinweg nemmen / vnnd die gewisse ware meinung / die sie jetzt angehöret vnd bekennet hetten / fürtragen / vnd so viel der Geist deß HERRN vnser schwacheit zu hülffe kompt / deutlich erklären. Wenn auch diese rede (die Gottlosen empfahen den waren Leib Christi) bey den Irrigen vnd Vnuerständigen / für vnleydlich (Vnwirdige.) geachtet würde / solten sie dieweil das Wort brauchen / das Paulus braucht / nemlich / die Vnwirdigen / vnd doch die Sache an jr selbs recht erklären / oder solten für das Wort / Gottloß / brauchen das (Vngleubige) Wort / Vngläubig. Darauff hat man einander die Hände gegeben / vnd haben wir vns widerumb in vnsere Herberge begeben. Den 24. Maij / am Tage der Himmelfart Christi / ist nichts mehr gehandelt worden / denn daß man Predige gehöret hat / Welleri / Miconij vn̅ Menij. Zur Vesper hat Lutherus gepredigt gantz herrlich vnd geistreich von den Worten Marci: Gehet hin in alle (D. Luth. Geistreiche Predig.) Welt / vnd prediget das Euangelium allen Creaturen / etc. Ich habe Lutherum zwar offtmals hören predigen / aber dazumal war mir nicht anders zu sinne / den̅ es redete er nicht allein / sondern donnerte auß dem Himmel selbst im Namen Christi. Denselben Tag hat man von der Form der Concordi in der lehre vom Abendmal gehandelt / vn̅ ist Philippo aufferlegt worde̅ / daß er sie fassen vnd stellen solte.
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Den 25. Maij / ist die Formula Concordie / oder das Exemplar(Anno 1536.) der Confession / die wir zu beyden theilen annemmen solten / in der Herbrig / bey Christiani Goldtschmids Witten / dem Bucero vnnd seinen Mitgefehrten / fürgehalten worden. Weil aber vnser beyderseits wenig beisammen / vn̅ die sache nicht allein vnser / sondern auch der Fürsten / Kirchen / vnd anderer Pastorn der Herde deß HERRN / gemein war / so haben wir dahin geschlossen / daß / wie wir jetzund beysam̅en / in einer waren Catholischen oder Christlichen meinung einig seyn: Also wolten wir auch mit vnserm Exempel / vnnd durch Schrifft / solche handlung / den Abwesenden zu erkennen geben / daß sie mit vns auch / sich zu solcher einigkeit finde̅ / welches wir hoffentlich / leicht erhalten wollen. Deßgleichen sollen sie auff jhrer seyten auch also thun. So können alsdenn jrer zween zu vns / oder von den vnsern zween zu jnen gesandt werden / auff daß vnsere Concordia in dieser Streitsache / vnterschrieben / vnd offentlich in gemeinem Namen außgehen / vnnd allen Kirchen befohlen werden möge. Letzlich / haben sie bezeuget / daß sie alle Artickel / die in der außgegangenen Augspurgischen Confession vnd Apologia (der Chur vnd Fürsten) begriffen sind / auffs aller fleissigste vertheidigen / lehren / vnd behalten wollen / etc. So ferrne gehet deß frommen warhafftigen Myconij Epistel / so viel den handel vom heiligen Abendtmal anlangt. Den̅ was weiter von der Tauff / von der Kinder glauben / von der Obrigkeit vnd jrem Ampt / vnd dergleichen fürgelauffen / davon Myconius in gemeldtem schreiben auch bericht thut / gehöret jetzund eigentlich nicht hieher. Daß aber der Lästerer / Ambrosius Wolff / sich vergeblich vnterstehet / die Epistel partheisch / verdächtig / vnnd ein Meichelschrifft zunennen / thut der Gottlose Mann / seiner art nach / als der nur lust hat zu liegen / vnd die Personen zuuer kleinern vnd zuwürgen. Was das für ein Geist sey / zeigt der HERR Christus selbst
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(Anno 1536.) an / da er sagt / Ihr seyt von dem Vatter dem Teuffel / vnd nach euwers Vatters lust wollet jr thun / derselbig ist ein Mörder von anfang / vnd ist nicht bestanden in der Warheit / denn die Warheit ist nicht in jm. Wenn er die Lügen redet / so redet er von seinem eygen / denn er ist ein Lügener / vnd ein Vatter derselbigen. Ferrner ist in der Fürstlichen Sächsischen Cantzeley vnd anderswo / für handen / die ermanung / so Butzer zu Wittenberg in gegenwart der andern / an seine Gesellen gethan / daß / vnd wie sie sich dergestalten Forme Concordie vnterschreiben solten. Seine Wort sind diese gewesen. (Buceriwort vnd vermanung an seine Geferte̅.) Weil die einigkeit darinn stehet / daß ein jeder vnter vns getrewlich den inhalt dieser Artickel lehre / vn̅ als viel den Artickel vom Nachtmal belangt / so müssen wir die Lehre / darin̅ gelehret / daß vns im heiligen Nachmal / da dasselbige nach dem Wort Gottes gehal ten / vnd administrirt wird / nichts denn Brot vnnd Wein / gegeben vnd empfangen werde / als ein öffentlichen Irrthumb verdamme̅ / vnd dagegen beständiglich lehren / daß diß die Warheit Christi sey / daß vns im Nachtmal der ware Leib vn̅ wares Blut deß HERRN warhafftig gegeben / vnnd empfangen werde / doch nicht dergestalt / daß er natürlicher weise ins Brodt verändert / oder aber localiter daran gebunden / vnd zur Speise deß Bauchs gegeben werde / daß auch die warheit dieses Sacraments / nicht auff dem Verdienst der Menschen / welche es empfahen oder außtheilen / sondern auff dem Wort vnd einsetzung deß HERRN / gegründet sey / vnnd darumb alle die jenigen / welche das Sacrament vnwirdig empfahen / jhnen das Gericht empfahen. Wer nun bekennet / daß diß also war sey / vnd demnach getrewlich zu lehren gedenckt / der mag sich vnterschreiben / vnd was er zusaget / halten / Da aber etliche sich diser subscription beschwerlich finden / sind wir erbötig / jnen freundtlich auff alles zu antworten / was sie von dieser vnterschreibung abhalten / oder verhindern möchte. Haec Bucerus. Darauff haben sie geantwortet / Sie haben kein bedencken /
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sondern es sey jr meinung vn̅ ernst / vnd haben darauff ein jeder mit(Anno 1536.) seiner eygnen Hand vnterschrieben. Es lautet aber die Formula Concordie vom Abendtmal deß HERRN / wie die zwyschen den Theologis zu Wittenberg / vnnd(Forma Con cordie Anno 36.) der Oberländischen Stätte Superintendenten / vnd Predicanten / gesetzt vnd gedruckt auß dem Original / welches dazumal mit D. Lutheri eigner Handt geschrieben / vnd vnterschrieben / deßgleichen mit aller derselbigen beyderseits Theologen Handschrifft / bekräfftiget worden ist / also: Wir haben gehört / wie er Martinus Bucer / seine vnnd der andern Predicanten meinung / so mit jhm auß den Stätten kommen sind / von dem heiligen Sacrament deß Leibs vn̅ Bluts Christi / erklärt haben / nemlich also: Sie bekennen / lauts der wort Irenei / daß in diesem Sacrament zwey ding sind / eines Him̅ lisch / vnd eines Irrdisch. Demnach halten vnd lehren sie / daß mit dem Brodt vnd Wein / warhafftig vnd wesentlich zugegen sey / vn̅ dargereicht vnd empfangen werde der Leib vnd das Blut Christi. Vnd wiewol sie keine Transsubstantiation halten / das ist / mit nichten sagen / Brod vnd Wein werde auß jhrer natur / in den wesentlichen Leib Christi verändert / auch nicht meinen / Christi Leib sey localiter oder räumlich in dem Brod eyngeschlossen / oder blei be ausserhalb dem gebrauch / oder der niessung deß Sacraments mit dem Brot vereinigt: So sagen vnd bekennen sie doch vnione Sacramentali, das ist / nach vnerforschlicher / Sacramentirlicher vereinigung vnd krafft dieses Geheimniß / sey das Brodt CHristi Leib / das ist / sie gläuben / Christi Leib sey mit sampt dem Brod / war hafftiglich gegenwertig / vnd werde warhafftig mit dem Brod dargereicht. Denn so das Brodt / ausserhalb deß gebrauchs / beyseyts gelegt / vnd im Sacramenthäußlein verwaret vnd behalten wirdt / oder in Procession vnd Creutzgängen vmbgetragen / vnd den Leuten gezeigt wird / wie bey den Papisten geschicht / halten vnd gläube̅ sie / Christi Leib sey nicht zugegen. Demnach sagen sie / Die einsetzung dieses Sacraments /
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(Anno 1536.) durch Christum beschehen / gelte / vnd sey kräfftig in der Christliche̅ Gemein / ob gleich der / so es darreicht / oder der / so es empfehet / wirdig oder nicht. Derhalben / wie der Apostel Paulus von den Vnwirdigen redet / also sagen auch sie / auch die Vnwirdigen das Saerament niessen / also / daß Christi warer Leib vnd Blut / den Vnwirdigen warhafftig dargereicht / vnnd von den Vnwirdigen empfangen werde / wo nur die Wort / einsetzung vnd befehl Christi / behalten vnnd gebraucht werden. Aber diese empfangen es jnen zum Gericht / wie Paulus schreibet / Dieweil sie mißbrauchen deß heyligen Sacraments / weil sie es ohne ernstliche ware bekehrung zu Gott / vnd ohne Glauben empfangen. Denn das Sacrament ist eyngesetzt zu bezeuge̅ / daß allen dene̅ / so rechtschaffene Busse thun / vnd sich mit warem Glauben an Christum halten / vnnd sich also trösten / alle Gnade vnd Gutthaten Christi zugeeignet / vnd sie dem HERRN Christo eingeleibet / vnd von allen jhren Sünden / durch das Blut Christi / gewaschen vnd gereiniget werden. Dieweil aber auff dißmal vnser wenig sind zusammen kommen / vnd diese Sache auch an die andern Prediger vnd Oberkeit / beyderseits / gelangen muß / kön̅en wir die Concordia noch nicht beschliessen / zuuor / vn̅ ehe wir es an die andern gelangen lassen. Nach dem aber diese alle bekennen / daß sie an allen Artickeln der Confession / vnd Apologia der Euangelischen Fürsten / gemeß vn̅ gleich halten vnd lehren wollen / wolten wir gern / vnd begeren auffs höchste / daß ein Concordia auffgerichtet würde. Vnnd wo die andern / beyderseits / jnen diese Artickel auch gefallen lassen / haben wir gute hoffnung / daß eine beständige Concordia vnter vns auffgerichtet werde. (Bucer vnd seine Geferten trette̅ zu D. Luthero.) Auß dieser Concordi ist nun einem jeden redlichen Christen kund vnd offenbar / daß Bucerus / sampt den seinen / damals zu Luthero getretten / sintemal 1. er seine vn̅ der seinen meinung / hat müssen erklären / ob sie auch mit Lutheri vn̅ der reinen Lehrer bekenntniß vbereyn komme / oder nicht. 2. Ist auch zu keiner vergleichung ehe
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zugelassen / er erkläret sich denn zuuor dahin / daß er sein vorige jrrige(Anno 1536.) Lehr vom heiligen Abendmal widerruffen wolte / wie solchs bald im anfang der Handlung D. Lutherus von jhme vnnd den andern abgesandten Theologen begeret / wie Lauaterus in seiner Histori selbst bekennet. 3. So hat er sich auch zum Widerruff außdrücklich vnd one schew erbotten. 4. Hat auch in der Pfarrkirchen / den Sonntag Exaudi / sampt Capitone / öffentlich communiciert / vnd sich allda zu der Wittenbergischen Kirchen bekan̅t / die keine andere Lehr damals gehabt / denn allein die / welche Gott durch sein außerwehleten Werckzeug Lutherum / widerumb geoffenbaret / vnnd zu Wittenberg schallen lassen. 5. Hat vber das alles am selben Sonntage in der Pfarrkirchen / Nachmittage / in gegenwertigkeit vieler tausent Persone̅ / in der öffentlichen Predigt / die er da gethan / one(Bucer predigt vnd widerrüfft öffentlich zu Wittenberg) schew sich öffentlich dahin erkläret / daß er / sampt den andern abgesandten / sich zu Luthero / vnnd der Wittenbergischen Kirchen lehre vnnd bekenntniß / von der waren / wesentlichen gegenwart / außtheilung vnd empfahung deß Leibs vnd Bluts Christi im Abendtmal bekenne / auch hinfort von hertzen vnd mit ernst drüber halten / vnnd beständig dabey seyn lebenlang bleiben wolle. Vnnd hat damit alles / was er dawider vorhin gelehret / geschrieben / oder gehandelt / widerruffen / wie er auch bald darnach sei ne Retractationes in Septembri hat drücken lassen / von welche̅ auch sie / die Zwinglianer selbst (als Lauaterus folio 30. schreiben) daß er darinn seine vorige meinung vom Abendmal D. Luthero zu gefallen retractieret. Nu ist ja für Gott vnd aller Welt vnleugbar / war vnd offenbar / daß zu Wittenberg damals / wie jetzt gemeldt / allein D. Lutheri Lehr vom Abendmal / vnnd allen andern stücken deß Christlichen Glaubens / durch Gottes Gnade / öffentlich in der Kirchen vnd Schul ist gepredigt / vnd jedermänniglich fürgetragen / vn̅ der Zwinglische Irrthumb widerlegt / verworffen vnd verdampt worden / welches Bucerus vn̅ seine Mitgesellen ja so wol / als die gantze
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(Anno 1536.) Welt vnd Christenheit hat wissen kön̅en. Haben sie nu vnterschrieben (wie sie es denn gethan) so sind sie je zu Luthero getretten / vnnd (Ambrosij Wolffens ge dicht.) Lutherus nicht zu jnen / haben sie aber eine andere meinung vertuschen / vnd jhren Zwinglischen verstandt (wie der Gottlose Wolff / auff sie tichtet) behalte̅ wolle̅ / so kan ein jeder Christ leichtlich darauß schliessen / was solches für ein auffrichtig / ehrbar stück gewest were. Es gibts auch die bekenntniß an jr selbs / daß sie zu Luthero getretten / vnd froh sind worden / daß sie nur von jm auffgenommen / (Summa vn̅ innhalt der bekenntniß Buceri / vnd seiner Mitverwandte̅.) vnd zur Concordi zugelassen. Denn daß sie bekennen / es sey im Abendmal zwey ding / ein jrrdisch (Brot vn̅ Wein) vn̅ ein Him̅lisch / (Leib vnd Blut Christi) da bekennen sie außdrücklich / rund vn̅ vnuerholen / daß im Sacrament (welchs wir hie auff Erden / vn̅ nicht droben im Himmel empfangen) warhafftig vn̅ wesentlich mit den sichtbaren Symbolis / Brot vnnd Wein / gegenwertig sey / außgetheilet / dargereichet vnd empfangen werde / nicht allein Brot vnnd Wein / sondern auch der ware / wesentliche natürliche Leib Christi / vnd das ware Blut / doch one verwandlung deß Brots / in den Leib Christi / vnd one räumliche einschliessung deß Leibs in das Brodt / vnd daß die Vnwirdigen so wol / quo ad substantiam, doch jhnen selbst zum Gericht / als die Wirdigen zur Seligkeit / den Leib vnnd Blut Christi empfahen / mit jhrem leiblichen munde / wie Christus sagt / esset vn̅ trincket / das ist mein Leib / das ist mein Blut / doch daß nur die einsetzung vnd ordnung Christi gehalten werde / wie Lutherus zuuor / ehe Bucerus zu jm komme̅ ist / ferrner davon vnterricht gegeben hat / wider die Bäpstische Winckelmeß / Anno 1533. Vnd ist bey diesem stück sonderlich zu mercken / daß wider die Zwinglianer / Schwenckfelder / vnnd dergleichen Schwermer / gesetzt wirdt / daß es nicht liege an wirdigkeit oder vnwirdigkeit deß Dieners / der das Sacrament reichet / oder deß / der es empfehet / den̅ auch die Vn wirdigen reichen vnd empfahen warhafftig den Leib vnd das Blut Christi / so man deß HERRN Christi eynsetzung vn̅ befehl helt / wie hernach ferrner sol vermeldet werden.
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Daß wir auch dem Christlichen Leser zur besserer nachrichtung(Anno 1536.) / etliche fürnemme puncten ordentlich widerholen / zusammen fassen / vnnd ein wenig erklären / So ist ja die oberzehlte Forma(Erklärung der Forme Concordie Anno 36.) Concordie / der man dazumal im Sacramentshandel sich verglichen / vereiniget / vnd beyderseits vnterschrieben hat / nicht gestellet / mit newen / frembden / oder in vnsern Kirchen / vngewönlichen vnd vnbekannten worten / da man von weitem oder ferrnem allererst erfragen müste / oder errahten dürffte / was der verstand vnd die meynung were / Sondern wie man bey Lutheri zeit vnd leben in den Kir ehen / so sich zur Augspurgischen Confession bekannt / vnnd von der Zwinglischen vnd Sacramentirischen lehre vnd meinung / öffentlich sich abgesondert / von diesem Sacrament gelehret vnd geredet hat / vnd sind die wort so deutlich / hell vn̅ klar / daß auch die Schwei tzer oder Zürcher bald gemerckt vnnd gekennet / daß die wort / damit die Concordia gestellet / vnnd auch die meinung nicht Zwinglisch / sondern gäntzlich gut Lutherisch were / wie die Historie der folgende̅ Jaren klärlich außweisen werden. Ist derhalben nicht not / daß man lang fragen solle / wie dieser oder jener die Formulam Concordie verstanden / erkläret / oder außgelegt habe / Sondern wir wöllen kürtzlich die fürnembste stück / so in der Formula Concordie verfasset / vnd sich selbs deutlich erklären / vnnd auch in werender Handelung erkläret seyn / nacheinander verzeichnen. Denn erstlich bekennen sie / daß in diesem Sacrament / deß Leibs vnd Bluts Christi / welchs man mit dem alten namen Eucha ristiam nennet / zwey ding sind. Nemlich / ein Irrdisch / als Brodt vnd Wein / vnd ein Him̅lisch / als der Leib vnd Blut Christi. Zum Andern / In der ernste̅ bezeugung / so fürher gange̅ / ehe die vnterschreibung erfolget / setzen sie außdrücklich / daß sie als eine̅ öffentlichen jrrthumb verdammen / wen̅ gelehret wird / daß im H. Nachtmal / da dasselbige nach dem wort Gottes gehalte̅ / vnd admi nistrirt wirt / nichts den̅ brot vn̅ wein / gegeben vn̅ empfange̅ werde. Zum Dritten / In wehrender Handelung / ist die
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(Anno 1536.) erklärung außtrücklich geschehen / daß das Brot deß Abendimals nicht sey eine bedeutung vnd memorial / oder gedächtniß deß abwesenden Leibs Christi / etc. sondern daß der Leib vnd das Blut Christi gegenwertig sey. Zum vierdten / Die Oberländischen Prediger haben vermeldet / daß jre Obrigkeit durch ein öffentlich Edict hette̅ gewisse straffe gesetzt auff die / so da leugneten die ware gegenwertigkeit deß Leibs Christi mit dem Brot / oder daß der Leib Christi im Brot / vnd das Blut Christi im Wein deß Abendmals gegenwertig sey. Zum fünfften / Es hat auch in werender handlung Lutherus sampt seinen Mitgehülffen / das getrieben / weil sie stets schlüpfferige vnd vngewisse rede führeten / jetzt so / bald anders / vnd jmmerdar außflucht hetten von bedeutung / figur vnd zeichen deß Leibs / vnnd dergleichen / welche alle dahin vn̅ da zu gebraucht wurden / das man halten vnnd sagen solte / daß das Brot vnd der Wein deß Abendtmals / nicht sey der Leib vnd das Blut Christi / so solten sie rund vn̅ klar sagen / ob im heiligen Abendmal / vermöge der einsetzung Christi / das Brot vnd der Kelch / oder Wein sey warhafftig der Leib vn̅ das Blut Christi / wie Christus gesagt / vnnd die Euangelisten bezeugen. Darauff Bucerus geantwortet (wie auch gleicher weise die andern seine Mitgesandten alle bekennet) daß er willig were hin fort recht zu lehren / vnnd sich richtig allzeit zu erklären / Nemlich / daß das brot im Abendmal sey der ware Leib Christi / vnd der wein sey das ware Blut Christi. Zum sechsten / In derselben Handelung stehet auch diß / daß sie / nemlich / das ander theil / wol etwas näher kommen weren / in dem sie bekannt / der Leib vnnd Blut Christi sey gegenwertig / doch Geistlicher weise / das ist / er sitze zur Rechten Gottes / aber doch ma che der Geist (oder vnsere Seele) durch sein speculire̅ / imaginiren / vnd gedancken / daß der leib dem brodte / vnd das blut dem weine gegenwertig sey / gleich als wenn man in einem Tragedispiel den Hectorem / durch eine andere Person bedeutungs weise darstellt. Aber
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zu letzt kommet jr (hat Doctor Luther gesagt) noch näher zu vns /(Anno 1536.) weil jhr zu Coburgk mit mir frey bekannt / vnd jetzt in etlichen Büchern eben dasselbige schreibet / daß das Brott sey der ware / natürliche / wesentliche Leib Christi / etc. vnd werde empfangen mit dem Munde derer / denen er angebotten oder gegeben wirt (wie nemlich das mündlich empfahen Lutherus in seiner grossen Beken̅tniß erkläret.) Darauff hat Bucerus geantwortet / was anlangt die erklärung der waren meinung / von der warhafftigen gegenwertigkeit deß Leibs Christi / im oder mit dem Brot deß Abendmals / etc. bekenne er / daß das Brot im Abendmal sey warhafftig der Leib / vnd der Wein das Blut Christi. Zum siebenden / vnd da etliche Jar zuvor / ehe denn die Concordj endlich vnd gäntzlich geschlossen / der ander theil offt nennete die gegenwertigkeit Christi / welchs man auch allein von der Göttlichen Natur Christi verstehen künte: Hat man in Formula Concordiae außdrücklich vnd namhafftig gesetzt vn̅ genennet den Leib vnd das Blut Christi. Zum achten / Item / da man disputiret / es were gnug an dem einem Aduerbioverè, oder warhafftiglich / damit vnd darunter alle andere dergleichen köndten begriffen vnd verstanden werden / wie in der vorgehenden Jar Historien vermeldet / vnnd aber man vermerckte / was für ein betrug darunter von etlichen verstecket ward (vt cùm dicitur, verè foenum est populus iste) da man auch das wort / Wesentlich / verdechtig machen wolte / als solte es heissen / natürlicher / leiblicher / fleischlicher art vnd weise / Derhalben ist vnterschiedlich vnd außtrücklich in Formula Concordiae gesetzt worden (warhafftig vnd wesentlich) außzudrucken / daß nicht allein der geist / krafft / wirckung Christi / oder seines Leibes / oder deßgleichen / fondern die Substantz oder das Wesen gemeinet würde. Zum neundten / Deßgleichen da etliche allein von der empfahung vnd niessung deß Leibes Christireden wolten / weil sie das al
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lein (Anno 1536.) von der blossen / Geistlichen empfahung vnd niessung deß ferrn abwesenden Leibs Christi verstehen köndten vnd wolten: Derhalben ist in Formula Concordiae gesetzt / daß mit dem Brot vnnd Wein warhafftig vnd wesentlich zugegen oder gegenwertig sey / vnd dargereicht vnd empfangen werde der Leib vnd Blut Christi / Denn Brot vn̅ Wein deß Abendmals ist zugegen oder gegenwertig / wirt dargereicht vnd empfangen / nicht im Himmel / sondern in der Christlichen Gemein allhie bey vns auff Erden. Zum zehenden / Sie setzen / daß sie nicht halten Transsubstantiationem: auch nicht / daß der Leib Christi reumlich / oder vmbschrieben / ins Brot eingeschlossen oder sonst leiblich vn̅ beharrlich damit vereinigt werde / ausser dem brauch / oder ausser der niessung deß Sacraments / als im Sacramenthäußlein / Processionibus, vnd dergleichen / Sondern daß durch Sacramentliche einigkeit / oder vereinbarung / das Brot sey der Leib Christi. Zum eylfften / Vnd die Sacramentliche einigkeit oder vereinbarung / vnd das Lutherus heisset Synecdochen, erklären sie also / Nemlich / daß sie halten / so das Brot dargereicht wirt / daß als denn zugleich gegenwertig sey / vnd warhafftig dargereicht werde der Leib Christi / etc. Zum zwölfften / Von der niessung der vnwirdigen / hat Lutherus in der handlung die lehr vnd meinung also erkläret / Nemlich / weil sie vorher gelehret hetten / wenn diß Sacrament gegeben würde den vngläubigen / so sey es nichts mehr den̅ Brot vn̅ Wein / oder sey denen / so nicht gläuben / nur ein leer / bloß zeichen / So solten sie sich erklären / ob sie hielten vn̅ hinfort lehren wolten / daß das Brot vn̅ der Wein deß Abendmals / sey der Leib vn̅ das Blut Chri sti / nicht von wegen oder auß krafft vnsers Glaubens / sondern auß krafft / vnd von wegen der einsetzung Christi / der es also verordnet / vnd gesagt: Das ist mein Leib / etc. Derhalben vnd daher werde der ware Leib vnd Blut Christi / von wirdigen vnnd vnwirdigen / wie Paulus redet / oder von from̅en vnd bösen Christen genommen vn̅
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empfangen / vnd neme oder ändere die wirdigkeit oder vnwirdigkeit(Anno 1536.) derer / die es reichen vnd empfahen / an der einsetzung / verordnung / vnd warheit Christi gar nichts / Sondern ob es gleich mit Gottlosen Händen gereichet / vnd mit Gottlosem Munde genam̅en werde sey es nichts desto weniger der ware Leib vn̅ das ware blut Christi / nicht derwegen daß es wirdige vnd vnwirdige sind / die es reichen oder empfangen / sondern daß es Christus also geordnet vn̅ gesagt / Das ist mein Leib / etc. Vnd daß nicht etwa fürgewe̅det möcht werden / als weren sie darin̅ vbereilet / ist jnen darauff bedenckzeit gegeben / daß sie sich mit einander davon bereden möchten / vnnd was sie bekennen könten / vn̅ mit Luthero lehren wolten / nach guter berahtschlagung antworten. Darauff hat Bucerus deß folgenden Tags geantwortet vnd bekennet / daß der ware Leib vnd Blut Christi / werde durch den Kirchendiener gegeben / allen so hinzu gehen / nach der ordnung vnd einsetzung Christi / vnd werde empfangen / nit allein von den wirdigen mit Hertz vnd Munde zur seligkeit / sondern auch von den vnwirdigen mit jrem Munde zu jrem Gerichte vnd verdamniß / Es sey denn / daß die einsetzung Christi verändert oder verkehret würde / allein verstehe er solchs von denen / so (nemlich externa professione, & fide historica) gliedmassen sind der Kirchen / vnd nit von Vnchristen / Türcken / Jüden / Heyden / etc. oder von Thieren / Meusen / Hunden / etc. so das Brot nagen möchten. Lutherus hat nach gehaltener vnd gehabter mit den seinen vnterredung / geantwortet / wen̅ sie also mit dem Hertzen gläubeten / vn̅ mit dem Munde bekenneten / vn̅ die Kirche auch also vnterrichten wolten / so könte man mit jnen zu frieden seyn. Jedoch solten sie noch einmal rund vnnd klar außsagen / ob sie bekenneten / daß eben das Brot / das durch den Diener Christi / mit den worten Christi / der es eingesetzt / auch den vnwirdige̅ gegeben wirt / sey warhafftig der Leib Christi / wie der name̅ deß HERRN / de̅ ein Gottloser mißbraucht / der name Gottes ist / vnd wirt durch den mißbrauch nit auffgehoben. Oder da Judas Christum vmbfähet vnd küsset / wirt durch den
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(Anno 1536.) grossen Mißbrauch vnd Gottlose verrähterey Christus nicht anders / sondern ist vnd bleibt Christus / etc. Wenn auch diese rede von der Gottlosen niessung / bey den jhren vnleidlich geachtet würde / solten sie dieweil S. Pauli wort von den vnwirdigen brauchen / vn̅ doch die sache an jr selbst recht erklären. Zum dreytzehenden / darauß vnd darauff ist in der Formula Concordiae, der Artickel von den vnwirdigen also gestellet / daß nemlich die einsetzung dieses Sacraments durch Christum geschehen / kräfftig sey / vnd gelte in der Christlichen Kirchen vnnd Gemeine Gottes / vnd daß es nicht liege an wirdigkeit oder vnwirdigkeit / deß / so das Sacrament reichet / oder deß der es empfähet. Darumb wie Sanct Paulus sagt / daß auch die vnwirdigen das Sacrament niessen: Also halten sie / daß auch den vnwirdigen warhafftig dargereichet werde / der Leib vnnd das Blut Christi / vnnd zwar nicht allein dargereicht / offerirt / angebotten / vnnd exhibirt werde / sondern daß auch die vnwirdigen warhafftig dasselb empfahen / So man deß HERRN Christi einsetzung vnd befehl helt / aber solche empfahens zum Gerichte. Vnd wirt daselbs in Formula Concordiae auch erkläret / welche da sind / so deß Sacraments mißbrauchen / oder vnwirdig vnd zum Gericht empfahen vn̅ niessen / vnd widerumb worinn da stehe der wirdige heilsame vnd selige brauch dieses Sacraments. Welche wort / weil sie an jnen selbs deutlich / klar / vnd richtig / achten wir one not dieselbe an diesem ort noch einmal zu widerholen. Vnd diß ist die allerbeste vnd gewisseste erklärung der Formulae Concordiae, welche auß der handelung / so zu Wittenberg etliche Tag lang in gegenwart Lutheri / vnd beyseyn seiner mitgehülffen von diesem handel gepflogen / genommen wirt / vnd welche erklärung auch die wort der Concordj Formel selbs geben vnd bestättigen. Es ist sonst noch verhanden in Tomo Buceri Anglicano, pag. 665. eine declaration / welche Bucerus nach seiner wider anheimkunfft in dem Straßburgischem Jarmarckt / da aller
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ley Leute / so der getroffenen Concordj nicht alle gleichwol gewogen(Anno 1536.) / vorhanden gewesen / gethan so