Transkription

Kirchner, Timotheus/Selnecker, Nikolaus/Chemnitz, Martin: Dass die zwey vnd vierzig anhaltische Argument/ wider der Vbiquisten Trewme noch fest stehen/ Notwendige verantwortung uff das vierte Capitel der vermeinten Apologien/ zu Erfurd im Weinfass/ von dreien Theologen/ D. Timotheo Kirchner/ D. Nicolao Selnecker/ vnd D. Martino Chemnitio verfasset / Gestelt durch die Kirchendiener im Fürstenthumb Anhalt ... .
[Inhaltsverzeichnis]
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Augustinus, vt habetur in can. Quisquis. 11. quaest. 3.
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Quisquis metu cuiuslibet potestatis veritatem occultat, iram Dei super se prouocat: quia magis timet hominem, quàm Deum. Et post pauca: Vterque reus est, & qui veritatem occultat, & qui mendacium dicit: quia & ille prodesse non vult, & iste nocere desiderat. Item Chrysostomus, vt citatur in can. Nolite. 11. quaest. 3. Non solùm ille proditor est veritatis, qui transgrediens veritatem, palàm pro veritate mendacium loquitur: sed etiam ille, qui non liberè pronunciat veritatem, quam liberè pronunciare oportet: aut non liberè veritatem defendit, quam liberè defendere conuenit.
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Im̅ Yamen der heiligen Dreyfaltigkeit.
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ANfenglich dancken wir dem ewigen Gott / vnd Vater vnsers HErrn / vnd Heilands Jesu Christi / das er nach seiner väterlichen güte / vnd barmhertzigkeit die vorgefallene hochwichtige Disputation von der heiligen ewigen Person / vnd Maiestet seines geliebten / eingebornen Sons / vnsers warhafftigen / vnd einigen helffers Jesu Christi / dermassen gnedigst regirt / vnd gemittelt / das bishero nicht allein vielen Christlichen hertzen / das licht der warheit auffgangen / sondern auch die Durchleuchtigsten / vnd Durchleuchten Hochgebornen Chur / vnd Fürsten numehr algemach den betrug etlicher Theologen mercken / vnd nach dem hiebeuor jre Chur / vnd Fürstliche Gnaden mit listen hindergangen / jtzo die Apologiam des also genanten Concordi Buchs / nicht wie zuuor / in jrer / der Chur / vnd Fürstlichen Durchleuchtigkeit / sondern allein in der dreyen verfasser namen (wie billig) vff jr eigen verantwortung / haben publiciren / vnd ausgehen lassen. DEnn freilich hiedurch allen fromen hertzen / vnd liebhabern der warheit gute hoffnung gemacht / das der allmechtige / als ein Brunquell / vnd Vater alles lichts / vnd warheit / ferner die Hochlöbliche Heupter / vnd Regenten Deutscher Nation / gnedigst werde erleuchten / vnd wie der Apostel sagt / 1. Petri 5. volbereiten / stercken / krefftigen / gründen / damit sie nach dem exempel Constantini /
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Theodosij / vnd anderer grossen Helden / die Göttliche warheit so viel desto mehr befürdern helffen / je gröber die Irthumb gewesen / welche durch misbrauch jrer lindigkeit bisher von wenig eigensinnigen Lerern böslich ausgestrewet / vnd mit vngrunde verteidinget worden sind. Dafur wir denn Gott / wie bisher geschehen / nochmals vmb gnedige vermehrung des lichts zu jrer Chur / vnd Furstlichen Gnaden zeitlichen / vnd ewigen heil / vnd trost / an Leib vnd Seel / tage vnd nacht von hertzen anzuruffen / vnd zu bitten / nicht ablassen wollen / vngezweifelter zuuorsicht / das so vieler Gottseligen / vnd betrübten hertzen embsige / vnd andechtige seufftzen / entlich von dem Almechtigen jrer bitt gewehret / vnd ein hülffe erlangen werden / welche zu seinen Göttlichen ehren / vnd der warhafftigen Kirchen seines lieben Sons ewigen erbawung gereichen wird / das verleihe die heilige Dreyfaltigkeit / hochgelobt in alle ewigkeit / Amen. Zum andern / dancken wir auch Gott von hertzen / das er die verfassung der Erfurdischen Apologien dermassen nach seinem weisen raht moderirt / vnd regieret hat / Das die grosse anzal der armen verfürten Subscribenten / welche an der Formula Concordiae hangen / dauon gelassen. Denn hiemit nicht allein vieler gewissen / so auffs newe weren betrübt / vnd verwundet worden / verschonet blieben / sondern auch gnugsam vor allen verstendigen bezeuget wird / das die verfasser der Apologien dem werck selbs mistrawen / vnd zweifels one vermarckt / das durch abforderung / vnd samlung newer subscription / viel die zuuor vnterschrieben / (In massen sichs vnlangst one das vffm colloquio zu Quedlinburg ausgewiesen /) jre namen
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reuociren würden / dadurch das gantze furnemen mercklich geschwecht / ja wol gar zerfallen möchte. Dieweil denn Gott durch solchen weg / der vorigen subscribenten gnedigst verschonet / haben sie so viel desto mehr vrsach / jr gewissen zu bedencken / vnd durch warhafftige bekerung / die vörige Irthumb / denen sie zum teil aus furcht / zum teil aus vbereilung beygepflichtet / zu corrigiren / damit sie nicht in peccato mortali stecken bleiben / sintemal jnen nicht vnbekant / das die approbatio errorum pugnantium contra fundamentum sey peccatum mortale, welchs vor Gott nicht kan entschuldigt werden / sonderlich wenn man wissentlich darinnen verharret. Dieweil denn der Erfurdischen Apologien autores / vnd verfasser (Denn also werden sie von jren eigenen bisher gewesenen consorten / trewen gehülffen / vnd mitgesellen / den Theologen zu Rostoch / vnd demnach von vns auch / in gegenwertiger vnser nottürfftigen verantwortung / mehrer richtigkeit halbe̅ / jedoch von vns one schmach gemeinet / intituliret) zu jrem werck sich mit namen bekennen / nemlich:
Timotheus Kirchnerus: Nicolaus Selneccerus: vnd Martinus Chemnitius. So protestiren wir hiemit der gebür nach / in meliori forma, das wir in dieser vnser verantwortung keines wegs wider die löbliche Chur / vnd Fürsten / (deren Christliche intention wir allezeit gerhümet / vnd von hertzen / wie auch noch / allezeit gewuntscht haben / das sie jren rechtmessigen effect / vnd vortgang zu erleuterung der warheit / vnd Christlicher einigkeit / die one warheit nicht bestehen kan / durch
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gebürliche mittel / welche bisher von denen / so das werck gefüret / oder wie sie von sich selbst schreiben / das spiel in der hand gehabt / mehren teils gehindert / oder ja verkeret worden / hette erlangen mögen) Sondern allein wider obgenante drey verfasser / vnd jren beypflichtern wollen verstanden sein. Welchen zwar / dieweil sie fast vntheologischer weis mit vns vmbgehen / der gebür nach / wol mit gleichem begegnet werden könte / so wirs nicht für erbewlicher / vnd dieser hochwichtigen sach gemesser achten / in warer furcht / vnd anruffung Gottes mit bestendigen gründen aus der heiligen Schrifft / viel mehr / denn mit fleischlichen affecten / vnd vergeblichen worten vnser Lehr / vnd glauben zu schützen. Wollen derwegen / was zur sach nicht dienet / so viel müglich / abschneiden / vnd jre conuicia / darin wir jnen gern gewonnen geben / sie selbst verantworten lassen / damit wir nicht zugleich papyr / vnd zeit verderben. Die Argument aber / vnd beweisung / darauff sich die Anhaltischen Kirchen / mit allen rechtgleubigen in der gantzen Welt in diesem hohen geheimnis von der Menschwerdung des Sons Gottes beruffen / vnd gründen / wollen wir zu ehren der Göttlichen / vnwidersprechlichen ewigen warheit auffs kürtzeste widerholen / vnd mit Gottes hülff darthun / das sie von der Erfurdischen Apologien im geringsten nicht widerlegt / oder vmbgestossen sind / Sondern (Gott lob / vnd danck /) noch fest / vnd vnbeweglich stehen / wie sie auch in alle ewigkeit / wider der Hellen pforten wol bestehen werden / vnd verhoffen gentzlich / die löbliche Chur / vnd Fürsten / sampt allen liebhabern der warheit in gantzem Teutschland / werden durch Gottes gnad vnser vn
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schult in der that spüren / vnd der dreyen verfasser vngründe vnd betrug je lenger je mehr erkennen / dazu der Almechtige ferner sein gnad / vnd heiligen Geist vmb seines Namens willen verleihen wölle / Amen. Belangend derwegen die publicirte Apologiam / welche von den dreyen obgedachten Theologen zu Erfurt gestelt / vnd anfenglich durch den Heidelbergischen / hernach aber auch anderswo durch den Druck ausgesprenget ist / gibt vns nichts zu schaffen / was sie durchs gantze Buch / in grosser weitleufftigkeit / mit stettiger widerholung einerley wort / farben / vnd calumnien wider andere streitten / oder viel mehr predigen / (denn was andere betrifft / mögen sie für sich / wie on zweifel wol geschehen wird / verantworten /) Sondern was in specie / als vornemlich das vierte Capitel / mit ausgedrucktem namen wider die Anhaltische Theologen gericht ist / darauff vns vieler hochwichtigen vrsachen halben mit nichten still zu schweigen gebürt / das wöllen wir auffs kürtzest (vermittelst Göttlicher hilff / vnd gnaden) durchsehen / vnd nach der richtschnur Göttliches worts prüfen. Was nu mit Gottes wort vberein kömpt / sol fern von vns sein / das wirs nicht solten hoch / vnd werth achten: Was aber demselben zu wider / verhoffen wir bey jederman / der billigkeit nach entschuldigt zu sein / das wirs one ansehen der person / mit rechtem grund der warheit / widerlegen / vnd verwerffen. Es ist aber bald im anfang / so wol der Titel / als der eingang des vierten Capitels dermassen verfasset / das(Fol. A. pol. Erfur. 73. b) man wol spüret / was zum Weinfas für Hefen / vnd affect mit vntergelauffen. Denn sie jrer sach ein ansehen zu machen / vnd die Anhaltische Kirchen zu trennen / sich gleich
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mitleidend stellen / vnd nicht allein vnsern gnedigen Fürsten vnd Herrn zu Anhald / sondern auch mehrern teil (wie sie reden) seiner F. G. Kirchen / vnd Kirchendiener entschüldigen / damit sie die vngnad / vnd schuld desto füglicher vff etliche wenig / denen sie feind sind / vnd sie gern verdechtig machen wolten / bringen möchten. Darauff wir zur antwort geben / Erstlich / das wir jnen nicht gönnen / das sie die sach mehr nach den personen / den̅ nach der warheit vrteiln / weil sie die Regel Tertulliani solten bedacht haben: Veritas non ex personis, sed personae ex veritate iudicari debent. Nach welcher meinung auch Plato der weise Heid / sehr vernünfftig / vnd wol geredet hat: Omninò enim, non quis dixerit, sed quàm rectè dicatur, considerandum est. Zum andern / nemen sie jr selber nicht wol in acht / dieweil sie hiemit jre affect verrathen / das sie nemlich die Leut gern vberreden wolten / die Theologen im Fürstenthumb Anhalt weren gespalten / vnd mangelte an etlich wenigen / die es hinderten / da sonsten die andern alle zu jnen tretten würden / etc. Denn hieraus gnugsam zu ermessen / das sie nichts liebers sehen / den̅ das sichs also / wie sie furgeben / verhielte / nemlich das spaltung vnter vns würden / so hetten sie hernach gute hoffnung / das man nach jnen / als nach den pacificis conciliatoribus / wider friede zu machen / schicken müste. Wie sie denn bishero durch erfarung gelernet / das sie hin / vnd wider nicht ehe platz gefunden / bis sie zuuor durch heimliche practicken die hertzen derer / die zuuor im fried beysamen gelebt / vnter einander verdechtig gemacht: Als denn
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ist jnen der poss / oder viel mehr die Krämerey / so sie mit Gottes wort treiben / (wie der Apostel redet. 2. Cor. 2.) nach jrem wuntsche recht angangen / vnd geraten / nemlich grosse geschenck / mit der Kirchen vnwiderbringlichen schaden / zu erlangen / vnd jre affecten auszufüren. Aber wie es jnen bisher (dem ewigen Gott sey dafür ewiglich lob / vnd danck gesagt /) an allen solchen / vnd dergleichen practicken im Fürstenthumb Anhalt gefelet / also wollen wir nochmals den Gott der warheit / vnd des frieds anruffen / das er jre hoffnung zu wasser mache. Fügen jnen demnach zu wissen / das wir in allen Anhaltischen Kirchen / vnd Schulen / durch Gottes gnad / viel eintrechtiger / vnnd brüderlicher gegen einander gesinnet sind / denn es diesen dreien verfassern / mit all jrem anhang / lieb ist. Vnd damit sie gleichwol gewarnet sein / an vns sich mit solchen / vnd dergleichen argwonischen griffen nicht ferner zu versündigen / so geben wir jnen guter wolmeinung alhie / den spruch des Apostels zu bedencken: Qui perturbat vos, portabit iudicium suum, quisquis sit. Wer euch jrre macht / der wird sein vrteil tragen / er sey / wer er wölle. Galat. 5. Denn numehr eben deshalben je weniger hoffnung sie zu schöpffen haben / das die Anhaltischen Kirchen von der erkanten / vnd bekanten warheit / zu jnen abtretten solten / je gröber sie jre sach selbst endecken / also das auch die jenigen / so es bisher mit jnen gehalten / numehr von jnen aus hochwichtigen vrsachen beginnen zu setzen / wie vnlangst der Quedlinburgische Conuent gnugsam ausgewiesen / vnd bezeugt. Das sie vns aber mit dem verhasten zunamen der
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Caluinischen gern beschweren wolten / were vieleicht jrem geist zu gut zu halten / dieweil er sich anders nicht schützen kan / wo nicht bey den einfaltigen die warheit selbst dadurch in verdacht gesetzt würde. Derhalben wir mit klaren worten bezeugen / das wir keiner Lehr / so von einigem Menschen / ja von keinem Engel im Himel erdacht / zugethan / sondern dieselbige einige / ewige / Göttliehe lehr / glauben / vnd Religion allein für recht erkennen / vnd bekennen / die in heiliger Schrifft von Gott selbst geoffenbaret / vnnd auff den rechten Heuptgrund / welcher ist Jesus Christus / mit warheit erbawet ist. Wer derselbigen Lehr mit vns / vnd allen rechtgleubigen / von hertzen grund beypflichtet / den halten wir / er hab namen / wie er wölle / für ein heilig gliedmas der Christlichen Kirchen. Nach dem aber kein Mensch in dieser Welt / von Adam an (den eingebornen Son Marie ausgenomen) bis vff den letzten / der nach Gottes Raht noch geborn werden sol / volkomen / vnd one sünde ist / sondern ein jeder / wo nicht an der Lehr (wie denn der Propheten / vnd Apostel lehr / von Gott selbst / als vnstrefflich / bewehret) jedoch am leben / seine stipulas an sich tregt / vnd ausser Christo kein Mitler / erlöser / versüner / noch Heiland zu finden ist / der vns mit seinem gehorsam das ewige leben verdient / vnd erworben / so können / noch wöllen / noch sollen wir vns von keinem Mensche̅ / wie hoch erleucht er auch sey / heissen / oder nennen lassen / weder Cephisch / noch Paulisch / weder Caluinisch / noch Martinisch / weder Apollisch / noch Philippisch / Hussitisch / oder Lutherisch / weder Bernhardiner / noch Franciscaner. Denn das hiesse den Knecht vber den Herrn ge
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setzt / vnd ist von Gott durch den Apostel. 3. Corint. 1. 3. ernstlich verbotten / Ja Lutherus selbst ist hefftig dawider / in massen er in seiner trewen verwarnunge an alle Christen / sich zu hüten für auffruhr / vnter andern gantz Christlich vermanet / vnd flehet / wie folget. Ich bitte (spricht er) man wölle meines namens schweigen / vnd sich nicht Lutherisch / sondern Christen heissen. Was ist Luther? Ist doch die Lere nicht mein / so bin ich auch für niemand gecreutziget. S. Paulus wolte nicht leiden / das die Christen solten heissen Paulisch / oder Petrisch / sondern Christen. Wie keme denn ich armer stinckender Madensack dazu / das man die kinder Christi solt mit meinem heilosen namen nennen? Nicht also lieben Freunde / lasset vns tilgen die parteyische namen / vnd Christen heissen / des Lere wir haben. Die Papisten haben billich einen Parteyischen namen / dieweil sie nicht begnüget an Christi Lere / vnd Namen / wollen auch Bepstisch sein / so last sie Bepstisch sein / denn der Bapst jr Meister ist. Ich bin / vnd wil keines Meister sein / Ich hab mit der Gemeine / die einige gemeine Lere Christi / der allein vnser Meister ist. Matth. 23. Bisher Lutherus / Tomo. 2. Germ. Dieweil auch vnsere Widersacher mit diesem / vnd dergleichen Namen nichts anders suchen / denn das sie die jenigen / so jnen Ampts / vnd gewissens halben / aus Gottes wort widersprechen / bey dem vnberichten Hauffen gern wolten glaublos machen / vnd allen beyfall / ja wol die audientz selbst / damit sie allein möchten gehört werden / abschneiden / so werden frome Gottfürchtige hertzen dauor gewarnet sein / vnd viel mehr die sach selbst erwegen / damit sie sich nicht lassen jrre machen / sondern der warheit nachforschen / vnd raum geben / vngeacht / wie wenig / vnanseh
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lig / vnd verhasset die jenigen sind / so die warheit durch Gottes gnad noch füren / vnd verteidingen. Es ist jnen aber an dem nicht gnug / sondern fechten auch sönderlich an / das der Anhaldischen Bekentnis / vnd Apologia zur Neustad an der Hard gedruckt / denn daraus wollen sie schliessen / es sey also practicirt / vnd müsse derhalben die gantze Lehr verwerfflich sein. Welches Argument so Kindisch lautet / das fürwar von so hohen sinnreichen Theologen nichts Leppischer auff die bahn hett können gebracht werden. Denn wenn sichs warhafftig schleust / der Anhalder bekentnis ist daselbst gedruckt / da man den Patribus Bergensibus vor allem widerspricht / Darumb ist sie Ketzerisch: So wird gleichsfals folgen müssen / die heilige Bibel / wie sie D. Luther verdeutscht hat / ist vor der zeit auch daselbst / vnd zwar durch einerley Typographum gedruckt / Derhalben ist sie Ketzerisch / vnd falsch. Bedürffen demnach einer newen Bibel / darauff wir zwar bisher vertröstet / aber wie wir vernemen / so ist das Werck mit dem Autore in Brun̅ gefallen / Mögen vns derwegen an der alten Lutherischen version genügen lassen / bis vns die newen Superlutheraner ein bessere zuwegen bringen. Es ist ja D. Chemnitio nicht vnbekant / wie es vmb der Anhaltischen Theologen Confession / vnd Apologiam geschaffen. Denn als er neben D. Jacobo Andree / vnd D. Wilhelmo Zimmerman / den 6. Nouembris / Anno 79. zu Dessaw ankomen / dem Durchleuchten / vnd Hochgebornen / vnserm Gnedigen Fürsten / vnd Herrn zu Anhalt / etc. Die Praefation des Concordibuchs zu insinuiren / vnd commendiren / hatten S. F. G. albereit den 21. Octobris /
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zuuor einen Conuent seiner Theologen / beschrieben / vnd derselben einmütigs bedencken vber gemelte Prefation schrifftlich eingenomen / welchs diesen gesanten von S. F. G. offerirt worden / daraus abzunemen / das es kein priuatum scriptum, sondern communi suffragio approbatum gewesen. Dieweil denn damals D. Chemnitius mit gemelten beyden seinen Fratribus für nötig geacht / flugs ex tempore durch ein Refutationschrifft zu antworten / sind sie (vngeacht / das jnen damals von jren zugeordneten Politicis / vernünfftig geraten / sie soltens einen Monat in bedencken nemen /) stracks vff jrem fürnemen blieben / vnd daselbst verharret / bis sie den 12. Nouembris jre Refutationschrifft eingewand / vnnd selbst vnserm Gnedigen Fürsten vnd Herrn vberantwortet. Welche dermassen von seltzamen vngereimpten greifflichen calumnien in der eil zusammen gerafft worden / das wir nicht verstehen / wie ein wüster Buch könte geschrieben werden. Dieweil sie denn darauff wider von Dessaw abgezogen / vnd verhofft / einen sönderlichen rhum zu erlangen / als die dermassen den Anhaltischen begegnet / das wir nichts mehr wider sie auffbringen könten / Sind wir von Hochgedachter vnser gnedigen hohen Oberkeit vffs new conuocirt worden / welcher wir dafür von hertzen dancken / das sie vns / wider vnser Antagonisten zuuersicht / zur verantwortung gnedig komen lassen / Wie wir denn vnsere wolgegrünte Apologiam wider gedachte wüste Refutationschrifft einmütiglich beschlossen / welche abermal nicht wir / sondern vnser gnediger Fürst vnnd Herr selbst / (so viel schwere calumnien von S. F. G. Kirchen / damit vns die mehr gedachten Theologen zur vngüte beschweret / mit gu
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tem grund abzulehnen) beförderst an die Durchleuchtigste Hochgeborne drey weltliche Churfürsten / vnnd darneben an andere der Augspurgischen Confession verwante Christliche Stende / vnsere gnedigste / vnd gnedige Herrn / haben verschickt / vnd gelangen lassen. Dieweil denn solch vnser scriptum hiedurch publicum worden / vnd wir das liecht niemals geschewet / sondern zu allen billigen mitteln / dadurch die Göttliche warheit befördert / vnd bestendiger fried in solcher hochwichtigen Religions spaltung angericht werden möcht / vns freywillig mit gebürlicher reuerentz / vnd demut jederzeit erboten / so hat es bey vns nicht gestanden / das jenige / so von vnser Christlichen hohen Oberkeit selbst / aus hohem Fürstlichen bedeneken an die fürnembste Stende der Augspurgischen Confession verschickt ist worden / zu hindern / das es anderswo nicht abgeschrieben / noch durch öffentlichen Druck weiter publicirt würde. Vnd ist zwar hieraus viel mehr dieses zu mercken / das dem widerpart nicht wol dabey ist / wenn man jrer falschen Lehr durch öffentliche gegenschrifft aus Gottes wort / sonderlich im drucke widerspricht. Denn jr vberzeugtes / Brandtmahlichtes gewissen sagts jnen / das hiedurch jre bawfellige sach nicht gut gemacht / sondern den jenigen / so die warheit lieb haben / je lenger / je mehr entdecket wird. Derwegen sie als Lichtschewende / welches auffrichtigen Theologen nicht geziempt / mit aller macht / für vnd für dahin arbeiten / das nur allein jnen der Drucke frey / vnd offen stehe / damit niemand einreden / oder fragen dörffe: Papa, quid facis?
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Dieweil aber jre vbergebene Refutationschrifft / so wol als vnser bedencken / vnd Apologia / on einigen zusatz / minderung / oder enderung mit dazu gedruckt / vn̅ gleich mitten einkomen ist / solten sie sich ja so viel desto weniger zu beschweren haben / wo sie nicht eben hiemit an tag geben wolten / das sie jrer sachen vngewis / vnd damit ans licht zukomen schewe trügen. Oder hetten vernünfftiglich schliessen können / So der Anhaltischen schrifft vmb des Newstettischen Drucks willen verdechtig / das hiedurch auch jre Refutation verdechtig vnd verwerfflich gemacht würde. Aber dis alles hiemit an seinen ort gesetzt / dieweil sie gleichwol vorgeben / das sie hochnötig geursacht / vnser Bekentnis / vnd Apologiam durch waren grund Göttliches worts bestendiglich abzulehnen / so wollen wir (wie allbereit angezeigt) im namen Gottes / jre wider vns eingefürte gründe / durch die richtschnur Göttlichs worts examiniren / vnd dem Christlichen Leser / vermittelst Göttlicher hilff / vnd gnaden / zum augenschein demonstriren / vnd beweisen / das sie auff lauter vngrund bawen / vnd jnen an nirgend mehr / denn an Gottes wort / ob sie wol dasselbig zum schein / vnd deckel anziehen / mangelt / vnd demnach der Anhaltischen Argument / vnd gründe / noch vnbeweglich / vnd feste stehen / wie sie denn auch wider aller Hellen Pforten wol ewiglich werden bestehen bleiben. Nach dem wir nu in vnser Apologia hiebeuor drey vnterschiedene teil vorgebracht. Erstlich ein notwendige ablehnung der sechs beschwerlichen calumnien / damit sie vns in jrer Refutationschrifft mit vngrunde beschuldigt. Zum andern / die einfaltige / vnd richtige erklerung der Lehr von der Person Christi / nach der rechtgleubigen
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Kirchen meinung kürtzlich widerholet / vnd mit bewerten zeugnissen der reinen Lerer bekrefftigt. Zum dritten / Ein vergleichung vnserer Argument mit jrer vermeinten Refutation. So nemen wir allhie für bekant an / das sie den mittel teil / die Thesin betreffend / so wol als den ersten teil / darin wir jre vnbillige beschuldigung widerlegt / mit stillschweigen approbiren / vnd zweifeln gar nicht / das hiedurch bey verstendigen vnparteyischen Lesern albereit vnser vnschult augenscheinlich / wie die helle Sonne am Mittag / herfür leucht. Denn da sie einigen mangel in diesen zweien stücken befunden / würden sie denselbigen mit nichten haben verschweigen können / noch sollen. Derwegen guthertzigen Christen wir hiemit zu erkennen geben / was von solchen Leuten zu halten / die für der gantzen Welt sich vnterstehen der jenigen Lehr zu verdammen / oder ja verdechtig zu machen / derer richtige erklerung sie mit keinem finger anrüren dörffen / geschweigen vmbstossen können. (Apol. Anhald. pag. 181. cum. 19. sequentibus.) Denn wir ja aus fünff vnwidersprechlichen vrsachen / warumb der Mitler hab beide / Göttliche vnnd Menschliche natur / mit allen derselbigen vnterschiedlichen wesentlichen eigenschafften / vnd natürlichen wirckungen an sich haben sollen / das hohe geheimnis von der Menschwerdung des ewigen Sons Gottes dermassen ausgefürt / das hiedurch nicht allein die vnterschiedene reden von den eigenschafften / vnd wirckungen der Naturn / vnd von dem Ampt des Mitlers / Sondern auch die hohe Maiestet / ehr / vnd herrligkeit / welche dem Mitler so wol nach seiner Menschlichen / als nach seiner Göttlichen natur / on einige vermi
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schung / oder verwandelung / vnd absonderung der Naturn / oder trennung der Person mit warheit gebüren / deutlich erklert / vnd bewert worden ist. Lassens demnach bey solcher erklerung nochmals beruhen / vnd sind gewis / das kein Mensch durch einen andern / denn diesen glauben jemals selig worden ist / noch werden kan. Was beschuldigen sie denn die Anhaltischen Kirchen? Sonderlich weil sie auch die verantwortung der sechs(Apol. Anhal. pag. 137. cum. 5. sequentibus.) greifflichen calumnien im ersten teil daselbst widerlegt / müssen vnangetastet lassen. Denn das sie die tabellam der zwölff angezogenen paradoxorum / die wir aus jren eigenen Büchern jnen für die augen gestelt / damit vermeinen abzulehnen / das der angezogenen Stücke keins im Concordibuch also stehe / gebraucht / gefüret / oder verteidingt werde / sonst solte billig alle Welt für solchem Buch gewarnet werden: Ist vns abermal sehr lieb / vnd nemens für bekant an / das sie deutlich bekennen / vnd aussagen / angezeigte stück alle seyen newe / erschreckliche / abschewliche paradoxa. Denn dafür halten wirs auch / wie wir sie denn keiner andern meinung angezeigt / vnd erzelet haben / denn damit die vnsern / vnnd alle liebhaber der warheit vor dergleichen vngereimpten opinionen trewlich zu warnen. Dieweil es aber zu derer verantwortung / welcher namen genent werden / stehen sol / So fragen wir / obs nicht mehrenteils jr eigene Rottgeselln gewesen / vnd zum teil noch sind? Solte man denn in so langer antithes des Concordibuchs die Kirchen auch vor solchen reden nicht gewarnet haben? Gebürt sichs auch in so hochwichtiger sach parteyisch zu handeln / vnd da man sonst keines Menschen / wie
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hoch er sich verdint hat / verschonet / wie geziemet sichs denn / seinem eigen part also vber zu helffen / oder wie jre schöne art zu reden lautet / die sach vbern riss zu pappen? Ja es hetten sich die Herrn verfasser hiebey viel mehr erinnern mögen / das die jenigen / so jnen das Concordibuch anfenglich vorgeschriben / eben hiemit dieselbigen paradoxa durchaus haben iustificiret. Vnd zwar wir würden nichts gründlichs hieuon anzeigen / noch melden können / von wem nemlich solch buch anfenglich zusamen bracht / vn̅ gemacht sey worden / wenn nicht dasselbige durch etliche Frage / vnd Antwort / von dem buch / Formula Concordiae, für die albern / vnd einfaltigen (wie der Titul lautet) durch Caspar Fuger (vieleicht ists D. Jacobus Andree selbst gewesen) gestellet / vnd zu Dresden / Cum Gratia, & Priuilegio, Anno 1580. gedruckt / offenbar wer worden. Denn also lauten daselbst die ersten zwo Fragen / bald im eingang.

Die erste Frage.
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Man sagt jtzt viel von einem newen Buch / genant Formula Concordiae, Lieber sage mir doch / was ists für ein Buch:

Antwort. Es ist ein gut / vnd nutzliches Buch / etc. Die ander Frage.
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Von wem ist solch Buch zusamen bracht / vnd gemacht worden:

Antwort.
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Erstlichen habens etliche Gottfürchtige / friedliebende / vnd gelerte Theologen / im Land zu Wirtenberg / Darnach auch in Nidersechsischen Kirchen / so allzeit bey der reinen / vnuerfelschten (Ja Flacianischen) warheit der himlischen Lere bestendig geblieben / vnd dauon memals abgewichen sind / zusamen bracht.
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Hieraus ist leicht zu schliessen / das es vmb D. Johan̅ Brentij / vnd D. Jacobi Andree Lehr / dieselbigen durchaus zu Canoniziren / fürnemlich zu thun gewesen / welchs die andern desto ehe haben passiren lassen / dieweil jnen zu gefallen auch jr Flacianismus in den vbrigen Artickeln saluiret worden. Wie wir denn keins wegs daran zweifeln / das D. Jacobus Andree viel zu auffrichtig sey / denn das Er disfals mit den Herrn verfassern der newen Erfurdischen Apologi / seine / vnd D. Brentij vorige Lehr / dieweil er doch darauff verharret / vnd nichts bessers aus Gottes wort annemen wil / für abschewlich / vnd verwerfflich halten / noch aussetzen lassen werde. Vnd gibt fürwar bey verstendigen ein gros nachdencken / Warumb sie jtzt den praecipuum autorem der Concordiformul / von welchem sie erstlich / vnd fürnemlich erdacht / (wiewols etliche aus den jtzigen nicht wort haben wollen / hörens auch vngern gedencken) so blötzlich aus jrer Synagog / der doch zuuor jr Feder / vnd munde / ja in allem thun / vnd lassen / vnd also (wie man pflegt zu sagen) fast allein das Fac totum war / excludiren? ABer wir wollen die Paradoxa nach einander anhören /(Tabella paradoxorum. I.) vnd jre verantwortung erwegen. Was nu das erste paradoxum anlanget de gradibus praesentiae Dei, entschuldigen sie zwar das Concordibuch / aber die angezogene autores, verstehe D. Brentium; Iacobum(Ap. Anhalt. pag. 147. 148. 149. 150. 151.) Andreae; Item / Andream Musculum, &c. wollen sie in jren reden wider den typum sanorum verborum hiemit nicht iustificirt haben. Was folgt denn hieraus anders / denn das sie wider jren willen vns recht geben müssen / das wir nemlich ge
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dachte reden billig ausgesetzt / dieweil sie dem vorbilde der gesunden reden / darob man in der Kirchen fest halten sol / nicht gemes. So erkennet ja ein jeder verstendiger Leser auch one vnser erinnerung / was dis für ein einigkeit / vnd Concordia sey / welche von denen / die selbst im Heuptgrund so grewlich geirret / auffgericht wird. Vnd wer ist so alber / der nicht von sich selbst mercke / das die stiffter dieses wercks durch einen spiritum vertiginis mit einander verwirret werden / dieweil sie nicht allein D. Andree Musculi / der beim Concordiwerck alzeit gewesen / vnd D. Brentij propositiones, vmb den es anfenglich allein zu thun war / selbst (wiewol vngern) vnter die Paradoxa müssen zelen / Sondern auch D. Jacobum / den sie zuuor schir vff henden trugen / numehr gantz / vnd gar ausschliessen / vnd vffs aller schimpfflichste verachten. (Fol. Ap. Erf. 74. b) Das auch dem Concordibuch nie in sinn komen / gemelte gradus praesentiae Dei zu confundiren / ist leicht zu gleuben. Ob aber die Collectores hierin so gar vnschüldig / vnd rein seyen / geben wir dem verstendigen Leser nur hieraus zu ermessen / das sie folio. 296. für gleichstimmende reden anziehen / da geschrieben stehet / Das Wort ward Fleisch / welches zum vierten gradu praesentiae Dei gehört / vnd das Wort wonet in vns / welchs anders nicht / den̅ per assistentiam war ist / nach erklerung des andern / vnd dritten gradus praesentiae Dei: das ist ja ein confusio graduum. Es were denn / das durch die einwonung des Worts in vns / auch alle Heiligen mit jm persönlich vereinigt sein solten / wie sie etwan vor der zeit gestritten haben. Welchs gleich so grob ist / als Samosateni lesterung / der eben auch
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diese reden / das Wort ist Fleisch worden / vnd das Wort wonet in vns / für aequipollentes / oder gleichstimmende gehalten / vnd dadurch die Persönliche vereinigung der zweien Naturen in Christo verleugnet. Wie Theodorus Rhetensis bezeugt: quòd Dominum impiè dixerit nudum fuisse hominem, in quo Deus Verbum sicut & in singulis Prophetis habitârit; ac proinde duas naturas separatas, & citra vllam prorsus inter se communionem, in Christo esse, quasi alius sit Christus, alius Deus Verbum in ipso inhabitans. Haec ille. Dis mögen die newen Concordisten wol behertzigen / denn weil sie einerley fundament mit den alten Ketzern füren / vnd dieselbigen vff einerley weis erkleren / so kans auch mit jrer Lehr keinen andern ausgang gewinnen. Item fol. 312. schliessen sie in der Concordiformul / mit klaren worten (wiewol one grund) wo der Göttlichen natur in Christo eigene Maiestet / nicht auch der Menschlichen natur mit der that / vnd warheit zugeschrieben werde / sonder von der person des Menschen Sons / schlecht nur allein nach seiner Göttlichen Natur / welcher sie eigen ist / verstanden sol werden / wie sie den̅ aus Gottes wort anders nimmermehr verstanden / noch erklert werden kan / das auff solche weise (weil Gott ein Geistlich / vnzertrennet wesen / vnd demnach allenthalben / vnd in allen Creaturen ist / vnd in welchen er ist / sonderlich aber / da er in den gleubigen / vnd heiligen wonet / daselbsten solche seine Maiestet mit / vnd bey sich hat) auch mit warheit gesagt werden möchte / das in allen Creaturen / in welchen Gott ist / sonderlich aber in den gleubigen / vnd heiligen / in welchen Gott wonet / alle fülle der Gottheit leibhafftig wone / alle schetze der weisheit /
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vnd des erkentnis verborgen / aller gewalt in Himel / vnd auff Erden gegeben werde / weil jnen der heilige Geist / der alle gewalt hat / gegeben wird: der gestalt denn zwischen Christo nach seiner Menschlichen natur / vnd den andern heiligen Menschen kein vnterscheid gemacht / vnnd also Christus seiner Maiestet beraubt würde / etc. Was ist hiemit anders gemeint / denn was sonsten D. Jacob Andree in der entschuldigung wider die von Ingolstadt am 25. blat / nur mit andern worten ausspricht / wie folget. Wenn die Persönliche vereinigung (spricht er) nichts anders sein solte / als in der person des Worts bestehen / so kan man nicht leugnen / das alle ding von dem Wort Gottes persönlich erhalten werden / es seye denn / das sie sagen wollen / das die Person des Worts den Creaturen nicht zugegen seye. Derwegen wöllen wir von allen Creaturen sagen / das sie mit dem Son Gottes persönlich vereiniget sein / von welches Person sie erhalten werden. Bisher seine wort. Das also zu beiden teilen die art zu reden / Adesse, inhabitare, & vniri, das ist / gegenwertig sein / bewonen / vnd vereinigt werden / one vnterscheid der graduum praesentiae Dei, wie allen verstendigen leicht ist zu ermessen / gebraucht / vnd mit einander vermischt werden. Item / ist das nicht ein confusio graduum praesentiae Dei, da sie in formula Concordiae fol. 313. vnter andern also schliessen / Wo Christus nicht so wol nach / vnd mit seiner angenomenen Menscheit / als nach der ewigen Gottheit allenthalben gegenwertig sey / das der gestalt Petrus / Paulus / vnd alle Heiligen im Himel / weil die Gottheit / so allent
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halben ist / in jnen wonet / auch bey vns auff Erden weren / etc. Wie könte die Lehr von den vnterschiedenen gradibus diuinae praesentiae erger / denn auff solche weis confundiret werden? Also was das ander paradoxum / von der vermischung(II.) der persönlichen vereinigung / vnd communicationis idiomatum angehet / nemen wir abermals für bekant an / das sie vnsere allegata aus den benampten Büchern jrer consorten / nicht tadeln können / derwegen sie eben hiemit D. Brentium / vnd Jacobum Andree notwendig carpiren / vnd verdammen. Nach dem sie aber subijciren / das die jenigen / so daran schuldig sein / billiger / denn sie / darumb besprochen / vnd zu rede gesetzt werden solten / so begert man von jnen zu wissen / dieweil sie sich vber gantz Teutschland der censur angemast / warumb sie denn allhier so vberhin gestrichen? Item / wie offt beruffen sie sich so wol in der formula Concordiae, als in gegenwertiger Erfurdischen Apologia / auff viel andere jrer Consorten vnbenampte schrifften / darin doch dergleichen paradoxa mit hauffen zu finden? Das sie derwegen jr Christlich Concordibuch excusiren wollen / vnd nichts desto weniger der jrigen nicht gleiches Schrotes schrifften durchaus Canonisiren / das ist freilich / wie sie schreiben / ein zimlich stücklein / per antiphrasin. In massen jnen solches auch die Theologen im Ertzstifft Magdeburg / am Sontag Jubilate / Anno 82. zu Hall in Sachsen versamlet / in jrer censur vber gemelte Apologiam / mit folgenden worten zu verstehen geben. Zum neunden / (sagen die Synodici daselbst) weil die Herrn Theologen in dieser Apologia / sich bisweilen
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auch auff der vnsern scripta referiren / were es (vnserm einfeltigen bedencken nach) rahtsamer / das man sich auff die receptas publicas nostrarum Ecclesiarum confessiones berüffe / oder aber an solchen örtern dieselbige materiam richtig erklerete / so viel zu diesem negocio nötig. Denn vnter diesem namen (der vnsern schrifften) sich etwa ein jeder verkeuffen möchte / vnd gleichwol vnleugbar / das nicht der vnsern aller scripta durchaus gleiches schrots / vnd korns in der prob befunden werden. Haec illi. Dieweil sie sich aber auff jrer seiten alle vff die Formulam Concordie / als vff die richtschnur jrer Lehr referiren / die sie allein erkleren / vortpflantzen / vnd erhalten wöllen / so mag ein jeder verstendiger vrteilen / ob das nicht ein confusio vnionis hypostaticae, & communicationis idiomatum sey / wenn D. Joannes Mattheus ficht / vnd streittet / communicationem idiomatum realem esse ipsam differentiam specificam vnionis duarum naturarum in Christo personalis. Vnd diesen halten sie für einen pur reinen bekerten Lutheraner / noch sol die Lehr im Concordibuch mit solcher vermischung nichts zu thun haben. Wer ist so scharffsinnig / der dis könt zusamen reymen? (III.) Ebener massen helt sichs auch mit dem dritten Paradoxo von der vermischung der Person / vnd Natur / oder der wörter Concreti, & Abstracti. Dancken jnen derwegen freundlich / das sie vns vom verdacht / als hetten wir die jrige hiemit vnbillig beschuldigt / entledigen / vnd solche vnbedechtige reden / von wem sie auch gefallen / mit vns improbiren / vnd verwerffen. Warumb lassen sie denn noch für / vnd für nicht ab / inter propositiones abstractiuas zu referiren die herrliche
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schöne trostsprüche vom Ampt / vnd Person Christi? Des Weibs Samen wird der Schlangen den Kopff zertretten. Genes. 3. Item / Das blut Jesu Christi des Sons Gottes / reinigt vns von allen Sünden. 1. Johan. 1. Item / Mir ist gegeben alle gewalt im Himel / vnd auff Erden. Matth. 28. Item / Coloss. 2. In jm wonet die gantze fülle der Gottheit persönlich / etc. Confundiren sie nicht in diesen Sprüchen allen das Concretum, vnd Abstractum, dieweil sie die wort stracks von der Person auff das angenomen Fleisch detorquiren? Form. Concord. Fol. 310. Zum vierden / das sie die Naturn einander gleich(IIII.) setzen / bezeugen jre eigene Bücher / daraus wir die Allegata von wort zu wort angezogen / vnd erzelet. So ist auch das Concordibuch mit nichten exempt / denn obs wol zum schein die exaequation verwirfft / so ists jm doch in erklerung der sachen selbst zu wider / dieweil die Herrn verfasser noch durchaus streiten / Es gebüre der angenomenen Menscheit eben dieselbige ehr / macht / gewalt / herrligkeit / vnd weisheit / die der ewigen Gottheit eigen ist / ja sie verteidingen auch die rede / als propriè, & simpliciter veram: Caro Christi est Deus: Das Fleisch Christi ist Gott. Welchs im grunde (wo mans nicht eine figuratam locutionem sein lesset / in massen etwa D. Luther also / nicht böser meinung / aber keinen glaubens Artickel daraus zu machen / geredet) nichts anders ist / denn das wir aus D. Andree Musculo angezogen / welcher disputirt / das das ewige Wort mit seinem angenomenen Fleisch ein wesen /
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oder VNA essentia sey. Welchs auch D. Heshusius die Churfürstliche Theologen zu Quedlinburg erinnert / wie wir an seinem ort vermelden wollen. (V.) Das funffte Paradoxon anlangend / können sie nicht leugnen / das etliche vnter jnen / derer namen / vnd wort von vns angezogen / zwischen der Clarification / vnd Glorification vnterscheid machen / welches doch vom Euangelisten Johanne mit einem wort ausgesprochen wird. Das sie aber das Concordibuch disfals entschuldigen wollen / ist wider sie selbst. Denn sie ja durchaus noch heutigs tags streitten / vnd fechten / das die exaltatio naturae assumtae ad dexteram Dei, von mutter Leib an / in Christo angefangen / vnd sey auff Erden solche herrligkeit des Fleisches Christi mit der Knechts gestalt nur bedeckt gewest / welche gleichwol in den mirackeln bisweilen herfür geleuchtet / bis sie sich nach der Aufferstehung / da die Knechtsgestalt / wie sie vorgeben / abgelegt / gentzlich mit vollem glantz ereigent / vnd bewiesen hab. Was ist dis anders / denn zugleich eine vermischung der ernidrigung / vnd erhöhung / vnd daneben ein gedicht von einem vnterscheid des clarificirten / vnd glorificirten leibs Christi? Sintemal vorgeben wird / das die Menschliche natur in Christo / von der empfengnis an / zur possess / oder besitz / gemeinschafft / brauch / vnd vbung der göttlichen Maiestet / durch empfangene mitteilung aller Göttlichen eigenschafft (wie die newe Phrases in der Erfurdischen Apologia lauten) warhafftig komen / vnd erhaben sey / sie habs aber heimlich gehalten / bis nach der Aufferstehung / etc.
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Welchs freilich im grund nichts anders / denn eine verleugnung ist des gantzen Artickels von der Erlösung des Menschlichen geschlechts durch Christum / vnnd eine zerstörung der gantzen Historien von der Menschwerdung / ampt / mirackeln / vnd wolthaten des ewigen Sons Gottes. Das sechste Paradoxum / das Christus nach allen(VI.) beiden Naturen gelitten hab / verwerffen sie verbaliter, mit der zungen: vnd behaltens realiter, mit der that. Denn jre Bücher / vor / vnd nach der Formula Concordie / ausgangen / darauff sie sich one vnterscheid beruffen / stehen für augen / vnd wil D. Selnecker keines wegs leiden / noch zugeben / das man mit Theodoreto / welches meinung mit der rede des Apostels. 1. Pet. 3. 4. vbereintrifft / sagen / oder für recht halten sol / Christus ist dem Leiden / so fern er Gott ist / nicht vnterworffen gewest / Item / So fern er Gott ist / kan Christus nicht leiden. Sol nu dieses vnrecht geredet sein / so mus vnwidersprechlich folgen / das Christus entweder gar nicht / denn nur scheinweis hab gelitten / wie die Marcioniten lesterten / von denen die Vbiquisten freilich nicht fern sind / weil ein Leib / des Himel / vnd Erden vol ist (wie die Formula Concordie redet / Es sey alles durch / vnnd durch vol Christi fleisch / oder vol Christus / auch nach der Menscheit / fol. 313.) ans Creutz mit nichten hette angenagelt / noch am Holtz gemartert / vnnd getödtet werden können / oder er wird nach beiden Naturen gelitten haben. Welcher meinungen keine mit Gottes wort bestehet. Vnd nichts desto weniger vnser gegenteil so fest darauff beruhet / das sie in jrer vermeinten Refutationschrifft wider vnser bedencken / pag. 57. sich nicht geschewet / mit diesen
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schrecklichen worten heraus zu faren / das wo jr dogma de Diuinitate suo modo in Christo passa, wie Brentius gelert / nicht approbirt werde / der gantze Christliche glaub falsch / vnd wir noch nicht erlöset / sondern ewig verlorn / vnd verdampt sein müsten. Haec illi. (VII.) Auff das siebende Paradoxum von der vermengung der Menschwerdung mit der Himelfart Christi / haben wir D. Brentij (vmb welchen es den Vbiquisten anfenglich allein zu thun gewest) eigene wort / buch / vnd blat angezogen / pag. Apol. Anh. 160. Daraus klar bewiesen wird / das der Vbiquisten meinung sey / man sol nach der zeit der Aufferstehung / vnd Himelfart Christi nicht fragen / denn er sey von anfang seiner Menschwerdung vnsichtbarer weis hinauff in Himel gefaren / vnnd zur rechten Gottes seines Vaters gesetzt. Da auch die Herrn verfasser vnser wort mit gesunden augen angesehen / so hetten sie pag. 146. in widerlegung jrer fünfften wider vns ausgesprengten calumnien / da sie de futuris prognosticiren wolten / vnser intention / warumb wir die tabellam paradoxorum aus jren Büchern zusamen gezogen / vnd daselbst inserirt / leicht verstehen können / das wir nemlich den prognosticanten jren Calender vmbwenden / vnd von jren abschewlichen leren nicht arckwonen / oder weissagen / sondern die hochlöbliche Heupter / sampt allen Christlichen lesern auff jre albereit / vor / vnd nach dem Concordiwerck publicirte schrifften mit anzeigung Buch / blat / vnd wort / selbst weisen / vnd das vrteil nach der Göttlichen richtschnur befehlen. Dieweil denn solche vngehewre Knotten (wie wir daselbst am ende gedachter tabellae, pag. Apol. Anh. 178.
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gleichfals erinnert) in jrer weitgesuchten Antithesi fein stillschweigend vbergangen sind / vnd die Autores nichts desto weniger so wol in der Concordiformul / als in jtziger Erfurdischen Apologi sich etlich mal vff der jrigen anderweit ausfürliche erklerung / vnd Schrifften referiren / so ist ja hieraus offenbar / das obgedachte paradoxa bey jnen entweder für keine Irthumb geachtet werden / oder das sie jrem Ampt nicht gnug gethan / sonder als Splitterrichter parteyisch gehandelt / dieweil sie sonst aus allen winckeln so viel errores in jrer langen antithesi zusam gerafft / der jrigen aber gantz abscheuliche / vnd greiffliche jrthumb / ja lesterungen der allgemeinen Christlichen warheit so meisterlich mit stillschweigen vbergangen. Nach dem sie aber alhie jre Bawersdialectica gebrauchen(Fol. Ap. Erf. 75. a.) / daraus die newe Regel genomen / wie man in Religions sachen fein höfflich / vnd Theologisch antworten sol / nemlich wir sagen / das diese bezichtung nicht war sey / oder wie einer aus den H. Bergischen Vätern vor der zeit in öffentlichen disputationibus zu antworten gepflegt / Ego respondeo, quòd hoc argumentum non est verum, etc. So müssen wir jnen zwar jre höffligkeit zu gut komen lassen / denn von jnen heists:
Wir habens recht / vnd macht allein / Was wir setzen / das gilt gemein / Wer ist der vns sol meistern? Dieweil sie vns aber herfür in jr dritt Capitel weisen / da fol. 71. Apol. Erfurd. bey der beschreibung der Menschwerdung des Sons Gottes / die einwonung aller Fülle der Gottheit dem Menschlichen angenomenen fleisch Christi also zugeschrieben wird / das von dem augenblick der heili
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gen Empfengnis an / die Menscheit in Christo zur Göttlichen maiestet erhaben / ob sie wol dieselbige zur zeit der Ernidrigung heimlich gehalten / vnd nicht allezeit hab blicken / noch sehen lassen / etc. so geben wir einem jeden verstendigen zu erkennen / was dis anders sey / denn ein vermischung / wo nicht gentzliche abtilgung beider Artickel von der Menschwerdung / vnd Himelfart Christi / sonderlich / weil sie die göttliche Maiestet / in welcher besitz / brauch / vnd vbung / wie sie reden / das fleisch Christi von Mutterleib an sol erhöhet sein / so weit extendiren / oder amplificiren / vnd erstrecken / das / wie D. Johannes Mattheus / Professor zu Wittemberg / die Formulam Concordie expliciret / vom ersten augenblick der empfengnis an / der leib Christi / so wol / als die Gottheit / allenthalben sey / So ist ja nach dieser meinung / die Menschliche natur Christi in Himel gefaren / so bald sie vom Son Gottes angenomen. Vnd eben diesen verstand hat auch jre versteckte auslegung des Artickels von der sichtbaren Himelfart / darunter sie nichts anders / ob sie es wol nicht alweg wöllen bekant sein / suchen / noch meinen / denn das man jrem fürgeben nach / vngezweifelt gleuben sol / der sichtbare / begreiffliche / endliche leib Christi / welchen er im stand seiner nidrigkeit an sich gehabt / da er sein empfange Maiestet noch heimlich gehalten / sey durch die Himelfart (welche sie im grund jres Glaubens nur für ein spectackel halten / derwegen sie auch die letzte widerkunfft des HErrn zum gericht / nur von einer apparition / oder offenbarung verstanden haben wollen) vnsichtbar / vnbegreifflich / vnendlich worden. Denn das heist bey jnen eigentlich / aus dieser jrdischen vergenglichen welt in das himlische / vnd menschlicher
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vernunfft vnbegreiffliche wesen / oder leben eingehen. Da wol die wort bestehen könten / aber jre meinung / die sie darunter verbergen / vnd nicht ehe / denn wenn sie raum haben / offenbaren / ist der Historien des heiligen Symboli gantz / vnd gar zu wider. So viel nu das Concordibuch betrifft / ists eben vmb des willen desto strefflicher / das es diesen hohen Artickel von der Himelfart vnerklert stillschweigend vbergehet / da doch jr so viel / auch aus jren eigen subscribente̅ / darumb gebeten. Ja sie verleugnen im Concordibuch austrücklich / das Christus leiblicher / begreifflicher / reumlicher weis im Himel sey / fol. 302. da doch die Christliche Kirch / je / vnd alweg gegleubt / quòd Christus vbique sit personaliter, in coelo localiter, in coena sacramentaliter. Vom achten Paradoxo / das nemlich Christi leib / da(VIII.) er zu Hierusalem sichtbarlicher / vnd reumlicher weis / im Tempel gepredigt / oder am Creutze gehangen / zugleich vff dieselbige zeit mit der Gottheit zu Rom / Athen / im Himel / vnd vberal ausserhalb allen örtern / vnsichtbarer / vnd vnreumlicher weis / gewesen sein sol / etc. Können sie nicht leugnen / das sie vff diese meinung / mit D. Brentio / des wort wir in vnser Apologia pag. 161. angezogen / jr ertichte Maiestet anfenglich gegründet. Wie auch noch D. Johan̅ Mattheus vorgibt / der leib Christi sey vom augenblick seiner empfengnis / ob er wol in Mutterleib nur reumlich / vnd vmbschriben getragen / jedoch sonst vberal vnumbschriben / vnd one raum in Himel / vnd Erden gewesen. Das aber das Concordibuch hieuon nichts wissen sol / geben wir allen Christlichen lesern nur hieraus zu er
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messen / das sie fol. 302. mit ausdrücklichen worten schreiben / Christi einiger Leib hab dreierley weise etwa zu sein / vnd nach der leiblichen begreifflichen weise / wie er auff Erden leiblich gangen / da er raum gab / vnd nam / seiner grösse nach / auff solche weise sey er weder in Gott / oder bey dem Vater / noch im Himel. Darnach machen sie seinen Leib zu einem Geist / oder gespenst / der wie das gesichte / klang / oder dohn / item wie licht / vnd hitze / durch alle Creatur / lufft / wasser / bret / vnd wand fare / vnd also sey er im Abentmal. Endlich sol der leib Christi / so wol als Gott selbst / in / vnd ausser allen Creaturen sein / wunderlicher weise / das sie jn weder fülen / rüren / messen / noch begreiffen / sondern viel mehr / das er sie für sich habe / gegenwertig / messe / vnd begreiffe / vnd nach dieser weise sey er mit Gott eine person. Was folgt hieraus anders / denn das sie Christi leib in ein Gespenst verwandeln / dieweil der HERR selbst bezeugt / das sey kein warhafftiger Leib / sondern ein Geist / oder Gespenst / der sich nicht sehen / begreiffen / vnd fülen lasse / noch fleisch / vnd bein an sich habe. Luce 24. Wollen allhie geschweigen / das sie mit dieser Lehr die ware menschwerdung Christi zu grund austilgen / dieweil sie vorgeben / der leib Christi sey mit Gott eine person / nicht nach der weis / wie er auff erden raum geben / vnd genomen / sondern wie er alles mit der Gottheit erfülle. So müste ja nach dieser auslegung / nicht der Son Gottes für vns gelitten / vnd gestorben sein / sondern nur lein pur gemeiner Mensch / dadurch notwendig all vnser gaub / trost / vnd hoffnung zerstöret würde.
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Das neunte Paradoxum von zweyerley Gottheit /(IX.) haben wir aus D. Brentij / vn̅ Jacobi Andree angezogenen schrifften augenscheinlich erwiesen. Das sie aber vorgeben / es sey mit klaren worten in libro Concordiae verdampt / ist in vnser Apologia pag. 266. albereit verantwortet / nemlich / das solche condemnatio in formula nirgend klar / vnd austrücklich zu finden. Denn ob sie wol fol. 311. in genere affirmiren / es sey / vnd bleib in Christo nur ein einige göttliche Almechtigkeit / krafft / maiestet / vnd herrligkeit / so ziehen sie doch dieselbige per realem idiomatum communicationem, das ist / per contradictionem in adiecto, eben so wol auff die Menscheit / als auff die Gottheit / vnd sagen demnach von einem ding mit der that zugleich ja / vnd nein / ob sie es wol mit worten verblümen. So viel aber die Antithesin anbelanget / welche sie sonst aus allen vier ecken der Welt zusamen klauben / gedencken sie nicht mit einem einigen wort / das etliche vnter jnen zweierley Gottheit / vnd allmacht / ein mittheilende / vnd mitgetheilte / oder wie jre Epitheta lauten / communicantem, & communicatam; item participantem, & participatam asserirt haben. Dieweil sie denn fein stillschweigend vberhin streichen / so ist wol abzunemen / das sie es für keinen Irthumb halten / sonderlich weil sie sonsten auch jrem erdichten Anathemate selbst zu wider / diese proposition trutziglich verteidingen / Caro Christi est Deus: Das fleisch Christi ist Gott. Derwegen sie alhie zu milde berichten / das obgedacht paradoxum in libro Concordiae mit klaren worten verdampt sey. In massen sie auch in jtziger Erfurdischen Apo
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logy / fol. 57. mehr nicht / denn die erschaffene / vnd von der göttlichen natur abgesonderte Almechtigkeit aussetzen / vnter des aber für / vnd für streitten / die Menschliche natur sey der ewigen wesentlichen Almechtigkeit in Christo mit der that (realiter) teilhafftig worden / ob sie wol nicht auch / wie die Gottheit / wesentlich Almechtig sey. Ist denn die Gottheit wesentlich Almechtig / die Menscheit aber per realem omnipotentiae eiusdem communicationem; so können sie ja nicht fürüber / mit Brentio zu distinguiren inter vnam illam, eandemque omnipotentiam, quatenus est vel communicans, vel communicata, hoc est, simul actiua, & passiua. Dauon wir in Gottes wort keinen bestendigen grund finden. (X.) Das zehende paradoxum, das die himelfart Christi nur eine Disparition / oder verschwindung sey / mag ein jeder verstendiger aus den Allegaten vnser Apologie / pag. 165. vrteilen. Ob aber das Concordibuch daran entschuldiget / weil es diesen Artickel vnerklert gelassen / vnd demnach stilschwei? gend solche grobe jrthumb approbiret hat / ist auch one vnser erinnerung leicht zu ermessen. Denn auch die Jesuiten zu Meintz / cap. 9. Disputationis suae contra Vbiquitarios, thesi. 96. von diesem Artickel nachfragen: An Spiritus sanctus loquatur impropriè? Item, cur in tàm grandi volumine libri Concordiae tàm altum sit de Ascensione phantastica silentium? scilicet (sagen sie) vt populus non intelligat ineptissimas Patrum Concordiae ineptias. Haec illi. Das sie sich aber alhie auff das vorgehende Capitel jrer Erfurdischen Apologien beruffen / stehen wol die wort
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daselbst / fol. 71. die wir in rechtem verstand gern annemen / das nemlich der Artickel von der Himelfart historicè, vnd laut des Buchstabens zuuerstehen / vnd das Christus mit seinem Leib am 40. tage nach seiner Aufferstehung warhafftig / vnd sichtbarlich von der Erden durch die Wolcken erhaben / vnd gen Himel gefaren / vnd das hier kein disparition / oder verschwindung zu dichten sey. Aber wie reimpt sich hiemit / das die Formula Concordie / fol. 302. wie oben gemelt / klar aussagt / das Christus leiblicher weis nicht im Himel sey. Item / das nach art der göttlichen Rechten / Christi leib allenthalben gegenwertig sey. Item / das sie in jrer Apologia den Artickel von der widerkunfft des HERRN zum gericht / nur von der apparition / oder offenbarung des albereit allenthalbgegenwertigen leibs Christi erkleren? Denn freilich dis alles der Historien Symboli zu wider ist. Vom eilfften paradoxo, da sie Himel / vnd Hell in(XI.) einander mengen / zeugen abermal jre vnleugbare angezogene wort / pag. Apol. Anhald. 171. Welche im Concordibuch alle stillschweigend Canonizirt werden / in massen sie es alhie nicht allein vnuerneint lassen / sondern auch mehr fur verantwortlich / denn für jrthumb achten. Denn sol es zu verantworten sein / so mus es ja etlicher massen vertheidinget werden / das der Himel in der Hell / vnd die Hell im Himel sey / welches wir mit der ewigen Klufft des göttlichen Gerichts / dauon Luc. 16. der HERR redet / vnd mit der absonderung der verdampten von den auserwelten / Matth. 25. da ein jeder Hauff an seinen ort gewiesen wird / keins wegs concilijren können.
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Wie aber der Artickel von der Himelfart im Concordibuch ausgelassen / Also ist zwar die Hellefart / vieleicht vff etlicher Subscribenten erinnerung (Dieweil sie zuuor im Torgawischen buch fast Comedien weis / durch Fahnen / vnd Chorkappen / damit Christus / als ein Siegender Held / die Thor in der Hellen auffgestossen / vnd vnter den Teuffeln rumort / das hie einer zum Fenster / der ander dort zum Dache hinaus gefallen / welchs wir an seinen ort stellen / vnd für die Kinder passiren lassen / erklert worden) sehr verschnitten / ob wol remissiuè nichts anders sol gemeint sein. Were gleichwol in solchem herrlichen vorhabendem werck zur algemeinen Concordien ein ausfürlichere declaration beyder Artickeln / von der Hellenfart / vnd Himelfart Christi / aus Gottes wort wol von nöten gewesen. Aber es haben sich die Herrn verfasser besorgen müssen / sie möchten sich zu beiden teilen blos geben / Dieweil Himel / vnd Hell so wenig / als niderfaren / vnd auffaren / von einerley ort können verstanden werden. So ist dieselbige gantze predigt Lutheri / darauff sich das Concordibuch bey dem neunden Artickel referirt / welcher auch Fürst George zu Anhald / Christmilder gedechtnis / in seiner dritten Predigt vber den 16. Psalm / fol. 251. gedencket / dem gedicht von der allenthalbenheit durchaus zu wider. Man wolte denn alles von Christo nur scheinweis / mit den Marcioniten / vnd nicht viel mehr historicè, nach der Schrifft / verstehen / vnd auslegen. (XII.) Vom zwölfften / ob die verklerten leibe der Heiligen / (verstehe so wol Christi / als seiner auserwelten) im Himel vmbschriben sein / das ist / jre vnterschiedene disposition /
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grösse / vnd gestalt der warhafftigen Menschlichen gliedmassen an sich haben / vnd behalten / oder nicht? Dazu sagen wir / Ja: die Vbiquisten aber / Nein: nach ausweisung jrer eigenen wort / die in vnser Apol. fol. 173. etc. angezogen sind. Das nu D. Brentij / vnd seiner Consorten meinung im Concordibuch nicht gedacht / vnd demnach vnausgesetzt blieben / nemen wir für bekant an. Denn eben das heissen wir / in der weitgesuchten antithesi jres Concordibuchs molli brachio fürüber streichen / vnd der jrigen (vff welcher vielfeltige vnter des / vor / vnd nach diesem streit / ausgegangene / wiewol vnbenampte / Bücher sie sich allweg beruffen) stilschweigend verschonen. Wie sie denn auch im eilfften Paradoxo vorgewand / das es von andern vorlengst sey verantwortet worden / vnd doch zum wenigsten nicht anzeigen / wenn / wo / von wem / oder wie solchs geschehen / noch wo es nach zusuchen / oder zu finden. Item / ob die verantwortung gnug / oder zu wenig / dem göttlichen wort gemes / oder zu wider sey. Nach dem aber das Concordibuch fol. 302. mit klaren worten aussagt / Christi leib sey nicht leiblicher / das ist / vmbschribener / begreifflicher weis im Himel / wie er vmbschribener / vnd begreifflicher weis auff Erden gangen / so lassen wir abermal einem jeden verstendigen das vrteil befohlen sein / ob nicht eben hiemit D. Joan̅. Brentij / vnd Andree Musculi / sampt jrer Consorten meinung bestettigt werde / da sie vorgeben / man müsse nicht gedencken / das Christus in der gestalt / in welcher er sichtbarlich auffgefaren bis an die wolcken / im Himel sey. Vnd ob wol Theodoretus / mit allen rechtgleubigen alten Lerern anders hieuon geschrieben / vnd gehalten / so sey es doch ein vnrechter
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verstand der Schrifft / vnd nichts / denn kindische gedancken von Himlischen sachen gewesen / etc. Aus welchem allem augenscheinlich klar / das wir den vnparteyischen Leser mit erzelung so vieler abschewlichen Paradoxen nicht vnbillig gewarnet / sich vor dem Concordibuch wol für zu sehen / in welchem freilich die Fundamenta / vnd gründe aller derselbigen abschewlichen jrthumen heimlich versteckt sind. Was aber nu von den Herrn verfassern der Erfurdischen Apology zu halten sey / welche vngeacht / das sie nicht in abrede sein können / oberzelte Paradoxa seyen in den angezogenen jrer Consorten Büchern von wort zu wort also / wie in vnser Tabella ördentlich verzeichnet / zu finden / die auch so grob / das (wie sie selbst bekennen) billig alle welt (Fol. Ap. Ers. 74.a.) dafür gewarnet werden solte / sie nichts desto weniger in jrer langen / weitgesuchten / vnnd offtmals erzwungenen Antithesi (darin bisweilen errores nur die zahl zu gemehren / mit eingemenget / derer niemand jemals bezichtiget / geschweigen vberzeuget worden ist / als von den zusamen geleimten Brettern / vnd dergleichen) solche vngehewre Knotten ausgelassen / vnd niemand dauor gewarnet / sondern jren gesellen hiemit lauirt haben / ja wol die gründe selbst / wie gemelt / im Concordibuch heimlich dazu gelegt / vnnd vnterbawet. Solchs wolle ein jeder / dem die warheit / vnnd Gottes furcht ein ernst ist / bey sich selbst zu gemüt füren / vnd behertzigen. Bisher von der tabella paradoxorum. H Jerauff folget nu in vnser Apologia / vom 181. blat an / bis ins. 219. ein kurtze / einfeltige / warhafftige erklerung des grossen geheimnis von der Menschwerdung des Sons
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Gottes / das ist / von der persönlichen vereinigung der Göttlichen / vnd menschlichen Natur / sampt derselbigen jmmerbleibenden wesentlichen eigentschafften / vnd wirckungen in Christo. Item / Von dem vnterscheid der Amptsnamen / so der Person nach beiden Naturn zustehen / vnd der wirckungen / so nach jeder natur eigenschafft müssen erklert / vnd verstanden werden / per vsitatam regulam, welche die Patres genent communicationem idiomatum. Item / was eigentlich aus Gottes wort von der Maiestet / Ehr / glori / vnd Herrligkeit Christi / so wol nach seiner ewigen Gottheit / als nach der angenommenen Menscheit / welche auch in der erhöhung zur Rechten des Vaters vnabgetilget bleibet / zu halten sey. Dieweil aber solches alles von den Herrn verfassern mit keinem wort angerüret / viel weniger aus der heiligen Schrifft / noch allgemeinen Symbolis widerleget ist / noch werden kan / so wollen wir hiemit den Christlichen Leser daselbst hin gewiesen haben / vnd zweifeln nicht / er werde hieraus leicht schliessen / das vnsere Antagonisten in jrem gewissen der warheit vberzeugt sind / welche sie on vrsach in antastung des dritten teils vnser Apologia / da wir jnen so viel starcker / vnbeweglicher Argument entgegen setzen / zu widerlegen sich bemühen / vnd doch nichts anders dadurch erhalten / denn das sie jr eigene Lehr je lenger je bawfelliger machen / vnd derselbigen mangel / feil / vngewisheit / vnd gebrechligkeit jederman zu erkennen geben / den Papisten aber / vnd andern widersachern / vnser gantze Religion zu verlachen öffentlich prostituiren. Solchs wollen wir nochmals / mit erklerung vnser Argument / welche noch fest ste
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hen / vnd mit ablehnung jrer vngegründen widerlegung / auffs kürtzest / einfaltigst / vnd deutlichste dem vnparteyischen Leser zu erkennen heimstellen / vnd hiemit vor dem betrug / in so wichtigen sachen / jederman gewarnet haben. Vnd bedingen alhie anfenglich / das wir mehrer richtigkeit halben / die ordnung vnser vorigen Argumenten behalten wollen. Denn die Herrn verfasser viel argument vbergehen / die andern aber confundiren / vnd wunderlich in einander werffen / mehrer teils auch gar zustümmeln / vnd verkeren / welchs anzeigunge sind einer bösen vngewissen sach / die sich auffrichtiger weise von niemand wil vertheidingen lassen / sondern jre Patronen selbst pflegt vnter die augen zu schelten. Es ist aber der gantze streit alhie von diesen dreierley Propositionibus / oder reden / Ob die menschliche Natur / oder das fleisch Christi / aus krafft der persönlichen vereinigung mit der Gottheit des ewigen Worts / sey Almechtig / alwissend / allenthalben. Also das Christus nicht allein seiner ewigen Gottheit halben / nach welcher Er mit dem Vater / vnd heiligen Geist der warhafftige / einige Gott / schöpffer / vnd erhalter aller ding / gleich dem Vater / vnd heiligem Geist / an macht / gewalt / weisheit / sterck / krafft / vnermessligkeit / Ehr / vnd herrligkeit ist / vnd bleibt von ewigkeit zu ewigkeit / Sondern auch seiner angenommenen natur halben / nach welcher er vnter Gott / das ist / kleiner denn der Vater / vnnd heilige Geist / Ja / wie Augustinus sagt / se ipso minor, vnd demnach eines wesens mit vns / seinem geschöpfe ist / sol für almechtig / alwissend / vnendlich gehalten / vnd gegleubt werden.
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Dazu sagen wir / Nein / aus folgenden / vnbeweglichen(Argumenta Anhaldinorumcontra Vbiquistas.) / warhafftigen gründen.

Das Erste Anhaltische argument.
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Erstlich / Gott befihlet ernstlich durch den Apostel /(I.) das wir fest halten sollen ob dem fürbild der heilsamen gesunden rede des heiligen Geistes / in Prophetischer / vnd Apostolischer Schrifft vns offenbaret / vnd vorgeschrieben. Obgedachten art zu reden / das Christi fleisch almechtig / alwissend / allenthalben sey / kömpt mit demselbigen fürbild nicht vberein. Derhalben sind wir nicht schuldig darob zu halten / sonder viel mehr / als verdechtige / vnd von Menschen erfundene zu verwerffen. In diesem Argument haben wir Maiorem mit der Regel Lutheri erklert: Qui nouas phrases fingit, nouas simul res fingit. Wer sich vnterstehet / in den geheimnissen der hohen glaubens Artickel / newe art zu reden herfür zubringen / der gehet gewislich mit newer Lehr schwanger. Hiemit stimmet auch der schöne Spruch Augustini vberein: lib. 10. de Ciuit. Dei, cap. 23. Nobis ad certam regulam loqui fas est, ne verborum licentia etiam de rebus, quae his significantur, impiam gignat opinionem. Die Minorem bestetigen vns die Antagonisten selbst. Denn in jrer vbergebenen Refutationschrifft wider vnser bedencken / können sie nicht fürüber / sondern müssen wider jren willen bekennen / das gedachte Phrases / die Menschliche natur in Christo ist almechtig / alwissend / allenthalben / nicht allein in heiliger Schrifft / vnd dreyen Heupt
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symbolis / sondern auch in der Augspurgischen Confession / Apologia / Schmalkaldischen Artickeln / vnd Cathechismis Lutheri nicht zu finden. So mus ja / jrem eigen bekentnis nach / vnwidersprechlich folgen / das es von Menschen erdichte / vnd demnach verwerffliche Phrases sind. Haben derwegen die Autores der Prefation im Concordibuch der Hochlöblichen heupter Namen misbraucht / da sie berichtet / Es werde hiemit in bestettigung der Formul Concordie von obgedachter norma fidei orthodoxae weder in rebus, noch phrasibus abgeschritten. Hierauff gebürt den Herrn verfassern der Erfurdischen Apologien richtig zu antworten. Denn so lang sie diese newe Phrases aus obgedachten approbirten schrifften nicht augenscheinlich / vnd nach dem Buchstaben selbst erweisen / so bestehet bis erste Argument / vnd schleust wider sie / das sie in praefatione zu mild berichtet haben. Ob sie auch gleich vorwenden / jre Phrases seyen implicitè in obgedachter hypotyposi (welchs wir jnen viel weniger gestehen) so ists doch nichts geantwortet / sondern dasselbige müste vnter die sententz / res, oder meinung der Lehr gezogen werden. Sie haben aber fürgeben / das sie nicht allein mit der meinung / sondern auch mit den worten selbst von der heiligen Schrifft / Heuptsympolis / Augspurgischen Confession / Apologia / Schmalkaldischen Artickeln / vnd Catechismis Lutheri im geringsten nicht abweichen. Dieweil sie denn hiemit die Hochlöbliche Heupter persuadirt / vnd wider andere vnschuldige haben zur vngnad bewogen (wie denn jre Chur / vnd Fürstliche gnaden wir
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keins wegs verdencken könten / die jenigen in billige straff zu nemen / die von dem furbild der heilsamen Lehr in heiliger Schrifft / vnd obgedachten Büchern der heiligen Schrifft gemes / nach dem heilsamen / rechten / schrifftmessigem verstand angenomen / vnd verfasset / abzuweichen sich vnterstehen möchten / Jedoch da sie zuuor ördentlich verhört / mit Gottes wort vberwiesen / vnd halsstarriger weise bey jrem eingebildetem vorgefastem jrthumb zu verharren befunden würden) So begeren wir nicht one vrsach / das vnsere widersprecher jre phrases aus den Büchern in norma begrieffen / nach dem Buchstaben beweisen. Wo nicht / wie es jnen denn / jrer selbst aussag nach / zu thun vnmüglich / so werden sie hiemit einer öffentlichen vnwarheit vberwiesen. Denn sie vnter der löblichen Heupter Namen in der Praefation ausgegeben / sie tretten mit dem newen Concordibuch von offterwenter norma weder in phrasibus, noch rebus ab / da doch die Heuptsachen mit solchen phrasibus nirgend in norma beschriben sind. Lassen demnach alhie nochmals alle vnparteyische Christen vrteilen / ob nicht die Anhaltischen / sampt allen rechtgleubigen / wenn sie schon sonst kein ander bedencken gehabt / jedoch an diesem Argument allein / vberwichtige vrsach gnugsam gehabt / sich der Subscription des Concordibuchs zu wegern. Denn wir sind nicht auff Menschen wort / noch lere / sondern allein auff Gottes wort / vnd Christliche Symbola getaufft / haben dazu in vnsern promotionibus, vnd ordinationibus an Eydes stat zugesagt / vnd angelobt / kein newe Lehr / so dem Göttlichen wort / den Symbolis / noch Augspurgischen Confession / vnd demnach der vnwandelbaren /
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ewigen / göttlichen warheit zu wider / weder in rebus, noch phrasibus, in vnserm Ministerio zu gestatten / noch einzufüren. Darumb vns billig alle Christliche hertzen wol entschuldigt nemen werden. Nach dem sie aber hiebeuor in jrer Refutationschrifft wider vnser bedencken dreyerley farben gebraucht / die newerdachte Phrases bey Ehren zu erhalten / so erinnern wir alhie den Christlichen Lesern / das wir jnen zwo derselbigen Scheinfarben haben abgedrungen / welche sie alhie nicht mehr auff die bahn dürffen bringen / vnd in vnser Apologia pag. 230. zu finden sind / mit der dritten aber / nemlich das die Patres also geredt sollen haben / wollen sie sich noch schützen. Nu begeren wir nichts mehr / denn klaren beweis / wo / in welchem Buch / blat / ort / bey den rechtgleubigen alten Kirchenlerern diese phrases zu finden: Caro Christi, oder humana natura Christi est omnipotens, omniscia, vbique. Denn so lang sie dasselbig nach dem klaren Buchstaben nicht augenscheinlich beweisen / in massen es jnen bisher daran gefehlet / so bleibt dis vnser erstes Argument wider sie fest / vnd vnbeweglich. Wie sie denn auch alhie in jrer Erfurdischen Apologia / fol. 75. sich fast selbst schuldig geben / dieweil sie nicht richtig vffs Argument antworten / sondern wie jre gewonheit ist / die fallaciam secundum plures interrogationes herfür suchen. (Fol. Ap. Erf. 75. a.) Belangend (sagen sie) die phrasin: humana natura Christi est omnipotens, wird diese rede / nach ausweisung / vnd mit worten der Schrifft / vnd orthodoxae antiquitatis,
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also erklert / das Christo nach seiner angenomenen Menschlichen natur göttliche gewalt / vnd macht gegeben / Matth. 28. Bisher jre wort. Was ist aber hiemit vnserm Argument benomen? Denn alhie nicht die frage ist / wie sie jre newerdachte art zu Reden erkleren / sondern von der Rede selbst / ob sie in der Christlichen Kirchen zu dulden / weil weder die heilige Schrifft / noch die Heuptsymbola / noch die Augspurgische Confession / Apologia / Schmalkaldische Artickel / oder Catechismus Luthert also reden / das die Menschliche natur sey almechtig / alwissend / vnd allenthalben gegenwertig. Von der erklerung / ob sie zu zulassen / oder nicht / werden die folgende Argument handeln / alhie fragen wir von der Phrasi / welche sie zwar gern mit dem Spruch Matth. 28. beschönen wolten / Aber alle wort desselbigen Spruchs sind jrer Phrasi zu wider. Denn wer hat jnen die macht gegeben / dem HERREN Christo seine wort also zu erkleren / Ja viel mehr vmb zu keren / vnd gar zu verderben. Das es sol heissen / Mir / das ist / meinem angenomenen fleisch / oder Menschlichen natur. Ist gegeben / das ist / thetlich mitgeteilt / vnd geschenckt. Alle gewalt im Himel vnd auff Erden / das ist / die ewige / wesentliche / vnermesliche almechtigkeit / alwissenheit / vnendligkeit / oder allenthalbgegenwertigkeit meiner ewigen Gottheit selbst / das ich also nach beiden Naturen almechtig / alwissend / allenthalben sein sol. Werden doch durch diese erklerung dem HERRN alle wort vmbgekert. Wenn wir den̅ schon so vergessen sein wolten / vnd diese nichtige erklerung passiren lassen / so wer dennoch die Phrasis noch vnerwiesen / von welcher der
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streit ist / vnd würde billicher geschlossen / das wir mit der Schrifft / denn mit jnen zu reden vns befleissigen solten. Denn sonst vns der Prophet öffentlich vnter augen schelten würde / wie der Spruch lautet / Ezech. 22. Sie Predigen lose teiding / weissagen lügen / vnd sagen / So spricht der HErr HERR / so es doch der HERR nicht geredt hat. In massen auch aus den Sprüchen Johannis 5. vom vbergebenen gericht. Matth 9. von der gewalt Sünde zu vergeben. 1. Johan. 3. von der Sünden abwaschung. Item Philip. 2. von der Ehre der anruffung / etc. obgedachter steittigen reden keine folget. Das sie vns aber fürwerffen / wir wolten gern die Lehr von dem lebendmachenden fleisch Christi / mit dem angezogenen spruch Cyrilli: Natura carnis ipsa per se viuificare non potest. Quid enim maius natura Diuinitatis haberet? vmbstossen / das ist ein öffentliche calumnia / dadurch sich jr geist allezeit / weil er sonst nichts hat für zu bringen / sehen lesset. Vnd zwar sie müssen vns bald drauff / wider sich selbst (Fol. Ap. Erf. 75. b) recht geben. Denn sie bekennen / das sich Cyrillus / wie er verstanden sein wolle / gnugsam erklere / nemlich / ob wol das fleisch durch sich selbst nicht könne lebendig machen / wie Gott selbst / so könne es doch ea, quae indigent vita, lebendig machen / darumb / vnd daher / das es durch die vereinigung mit dem Wort zu solcher lebendmachenden krafft erhaben / vnd komen sey. Dieweil denn Christi fleisch (obs wol in warheit das lebendmachende fleisch ist / vnd heist / ratione videlicet non essentiae, sed subsistentiae, hoc est, vnionis cum Verbo, quod omnia viuificat, wie die klare wort in vnser Apologia
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pag. 231. austrücklich gesetzt) gleichwol nicht / wie Gott selbst / durch sein almechtige krafft / sondern durch krafft der persönlichen vereinigung mit dem ewigen almechtigen Wort lebendig machet / wie ists denn almechtig? Denn es ja sich selbst / viel weniger andere aus eigener krafft nicht lebendig machet / Sondern ist ein lebendigmachendes fleisch / Erstlich vmb der vereinigung willen mit dem ewigen Wort / welchs das leben selbst ist. Johan. 1. Vnd hieuon reden alle testimonia, welche cap. 1. Apologiae Erfurdensis vom zehenden blat an / bis ins 14. aus den Patribus erzelet werden / welchen wir disfals im geringsten nicht widersprechen / sondern bezeugen hiemit öffentlich / das vnser meinung in allen / vnd jeden denselbigen Sprüchen begriffen / vnd erkleret sey. Zum andern / respectu meriti. Denn der Son Gottes hat sein eigen fleisch für vnser Sünde zum lytro, oder bezalung dahin gegeben. Zum dritten / respectu copulationis cum membris. Denn es ist kein applicatio des warhafftigen trostes / noch ewigen lebens / weder an Leib / noch Seel des Menschens / wir werden denn durch warhafftige bekerung / vnd glauben seine gliedmassen. Non enim consolationem experimur, nisi fiducia Christi, & Deus admirando consilio non vult nos recipere, nisi propter obedientiam, & meritum huius personae, quae est Deus, & homo: nec regimur, & viuificamur Christi Spiritu, nisi membra facti corporis eius. Das aber Christi fleisch mit nichten darumb almechtig / alwissend / noch vnendlich werde / bezeugt nicht allein der Spruch Lombardi / darauff die Herrn verfasser nichts antworten können: Humanae Christi naturae datum non est,
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posse omnia facere, quae Deus facit, ne omnipotens, & per hoc Deus putaretur. Sondern auch Cyrillus selbst mit folgenden worten / welche auch die Mechelburgische Theologen notirt haben: Ex quibus omnibus (spricht Cyrillus lib. 11. in Ioan. cap. 22.) illud subtilius emergit, quòd etiam cum vt homo adesset, non hac ratione, sed Deitatis virtute, ac gloria illos conseruabat. Nihil ergo mali vobis accidere potest, ait, si carne abfuero; cum Deitatis meae potestas, quae vos huc vsque conseruauit, in posterum etiam seruatura sit. Haec non ideo dicimus, quia Domini corpus non magni aestimemus: sed quia mirabiles hos effectus gloriae Deitatis attribuendos putamus. Nam ipsum etiam Domini corpus coniuncti virtute Verbi sanctificatur. Haec ille. (Fol. Ap. Erf. 75. b) Was ferner in der Erfurdischen Apology an diesem ort von den wörtlein essentialiter, habitualiter, formaliter, subiectiuè gedacht wird / sparen wir hienunter an seinen ort / vnd können vns nicht gnugsam verwundern / das sie die Argument flugs im anfange also in einandergeworffen. In massen sie auch hieher ziehen / was wir in vnser Apologia pag. 145. bey der ablehnung jrer dritten calumnien von etlichen lecretis, so von D. Luther seligen mit eigner hande geschrieben / vnd in des Gottseligen Fürst Georgen zu Anhalt / etc. Christmilder gedechtnis / Archiuen zu finden / erwehnet haben. Welches von vns mit warheit geschehen / bedürffen aber (Gott lob) vnser Lehr zu vertheidingen / noch zur zeit solcher secreten / die wir billig in allen ehren halten / nirgend zu. Wie wir denn auch derer vnser widerpart so leichtlich nicht wirdig achten wolten / ob schon (welchs doch nicht ist) dieselbige zu publiciren / oder eröffnen / bey vns stünde.
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Wer aber die jenigen sind / die mit heimlichen / vnd offtmals erdichteten brieffen / vnd was dergleichen ist / vmbgehen / mögen sich vnser widersacher selbst durcheinander befragen / vnd prüfen / vnter vns werden sie solche Märleinstichter nicht finden. Es geschahe aber Anno. 78. zu Hertzberg im Colloquio, das vnser gegenteil ein gros geplerr macht von seltzamen Brieffen / so etwa der Gottselige Philippus an einen grossen woluerdienten Fürsten / der Augspurgischen Confession verwant / solt geschrieben haben. Als wir aber dieselbigen zusehen begerten / vnd vertröstung bekamen / wurde nichts draus / das wirs gleich selbst für ein Schertz / oder viel mehr fur ein Fabel achten musten. Noch eins können wir alhie nicht vnterlassen / die Herrn verfasser zu bitten / das eben sie drey sich vntereinander / dieweil sie noch am leben sind / wol besinnen wolten / ob nicht einer aus jrem mittel (sonderlich aber der jenige / welcher seinen glauben so offt verendert / das er zu Hertzberg / als wir in etlicher Dictaten / seiner jtzigen Lehr durch aus zu wider / wolmeinende erinnerten / freywillig / wiewol seiner hochachtparkeit zu geringer Reputation / bekante / er hette in vergangenen Jaren so viel geschrieben / das er jtzt gnug zu corrigiren / vnd reuociren habe) etwan dem Herrn Philippo sein testament nach seinem todt zu verbessern / oder viel mehr zu verbösern sich vnterfangen / da ein Büchlein / Disce mori genand / wider solt auffgelegt werden / darin solch testament in erzelung des H. Philippi Seligen abschied / von wort zu wort / so viel sein bekentnis betrifft / angezogen. So es von nöten / könten wir demselbigen sein eigen Hand / vnd glossam zeigen / da er seinem Praeceptori
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gantze zeil ins testament inserirt / vnd andere wort dafür ausgestrichen. Was dis für ein Erbar stücklein sey / geben wir verstendigen / vnd Christlichen Juristen zu erkennen. Sonderlich weil dasselbig Büchlein wider des Autoris wissen / vnd willen / nach solcher correction / oder viel mehr deprauation / heimlich wider in die Officinam verschickt worden / da es noch / durch sonderliche schickung Gottes / ehe es auffgelegt / offenbar / vnd von andern vnternomen ist. Was solt man wol von vns armen Leuten für ein Weltgeschrey machen / wenn man dergleichen Erbare stücke / daruor vns Gott ewiglich behüten wolle / vff einigen vnsers mittels erweisen könte. Aber von jnen heists / wie der 56. Psalm sagt / Was sie böses thun / das ist schon vergeben / denn sie machen jnen kein gewissen. Belangende das dictum Athanasij / da wir jnen wolmeinende / vnd one weitleufftigkeit gewiesen / das jr allegatum sich anders / denn sie angezeigt / befinde / geben sie zur (Fol. Ap. Erf. 76.a.) antwort / Erstlich / das es im vmbschrieben von dem Amanuensi versehen / welchs wir an seinen ort stellen / bitten aber gleichwol / da wir etwan solcher entschuldigung bedürfften / sie wollen vns dieselbige auch zu gut komen lassen. Das sie aber zum andern mit fast vnhöfflichen worten heraus faren / vnd vns lügenstraffen / Es sey nicht war / was wir desfals berichtet / hetten wir vns gleichwol zu jnen / als grossern Lichtern / ja Seulen der Kirchen / mehr bescheidenheit versehen / vnd dafür geachtet / da wir / als die wir vns jnen nicht gleich weder an alter / noch verstand halten / vieleicht gejrret / sie würden vns (andern zum vorbilde) etwas gelinder begegnet sein / in betrachtung der verma
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nung des Apostels / Lieben Brüder / so ein Mensch etwa von einem feil vbereilet würde / so helfft jm wider zu recht mit sanfftmütigem Geist / die jr geistlich seit / vnd siehe auff dich selbst / das du nicht versuchet werdest / Galat. 6. Denn wir meinten / solche vnd dergleichen Regel weren jnen so wol / als vns vorgeschriben. Dieweil sie aber der Geist jrer warheit dermassen heraus zu faren antreibt / so wollen sie gleichwol bedencken / ob nicht so wol die Theologen im Ertzstifft Magdeburg / als die Mechelburgischen in jrer beiderseits vberschickten Censur von der Erfurdischen Apology erinnert / das sie an vielen orten nicht allein der alten Väter Sprüche widersinnisch / sondern auch der jenigen meinung / die sie zu refutiren sich vnterstehen / vnrecht citirten. Zugeschweigen / das sie eben an diesem ort in entschuldigung des Sprüchs Athanasij zwifach vffs new sich verraten. Denn erstlich aus der Vorrede vber die opera Athanasij klar zu sehen / das die scripta tertij Tomi sind supposititia. Dieweil sie denn in jrer Apologia wider die Bremenses etliche dicta Augustini aus dieser vrsachen / das dieselbige Scripta nicht eigentlich / wie sie vorgeben / Augustino zustehen sollen / verwerffen / so hetten sie allhie dasselbige billig ebenmessiger weis bedencken sollen. Zum andern / sagen sie / das Athanasius in eadem oratione de suscepta natura humana contra Apollinarium, pag. 53. Die wort Petri / Act. 2. Dominum illum, & Christum fecit, quem vos crucifixistis, &c. auff zweierley weise interpretire: Erstlich / De corpore Christi: Zum andern / de vniuersa Ecclesia: Da doch die scripta Athanasij augenscheinlich das contrarium beweisen. Denn weil der spruch /
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dauon wir erinnerung gethan / stehet / jrem eigen verzeichnus nach / pag. 540. vnd dieselbige Oratio de suscepta natura humana contra Apollinarium, daraus der locus, welchen wir notirt / genomen / nicht mehr / denn 6. folia in sich gantz / vnd gar begreifft / wie kan es denn müglich sein / das ex eadem oratione, pag. 53. dauor / wie sie one grund fürgeben / das gegenspiel zu befinden? Müste doch also dieselbige Oratio bey. 487. folia in sich begreiffen. Hat das auch der Amanuensis versehen / so möcht er billig die Feder nider legen. Denn in solchen wichtigen sachen / vnd sönderlich vor den hohen Heuptern die Religion zu verfechten / freilich ein fleissigers auffsehen beides in setzen / vnd abschreiben erfordert wird. Ob wir jnen nu gleich wolten alhie vberhelffen / vnd das 53. blat des gantzen operis Athanasiani verstehen / welchs vns nachweiset in die schöne herrliche ausfürliche oration de incarnatione Verbi, eiusque corporali ad nos aduentu, so kömpt jnen doch in derselben gantzen Homilia nicht ein Sprüchlein / noch einige Syllaben zum behelff / wie wir nochmals allen verstendigen das vrteil befehlen / vnd nicht zweifeln / das vmb dieser vrsach willen von den Herrn verfassern die wort des 53. blats / darauff sie sich scheins halben beruffen / ausgelassen. Denn sie vieleicht dafür achten / es werd jnen niemand nachschlahen. Was sie denn nicht setzen / darauff können wir nicht antworten. So viel aber den Spruch aus dem 540. blat Athanasij allegirt / betreffen thut / ist derselbig in vnser Apologia pag. 236. ex toto contextu, welchen vnsere widersacher vorsetzlich verstümmeln / gnugsam erklert / vnd wider jre falsche gloss ausfürlich erhalten / das alhie ferner dauon zu dispu
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tiren vnnötig. Sonderlich weil die Sprüche Nysseni / Basilij / vnd Epiphanij / von jnen des orts citirt / vnser Lehr(Fol. Ap. Erf. 76. b) selbst bestettigen / vnd dem gegenteil widersprechen / wie im folgenden Argument klar zu erkennen sein wird / wenn wir aus Nazianzeno erkleren werden / was Basilius meine / da er lib. 2. contra Eunomium spricht: Non esle Theologiae, sed oeconomiae sermonem illum Petri: Dominum ipsum, & Christum fecit hunc Iesum. Vnd zwar der Apostel erklert sich selbst / das fecit alhie so viel heisse / als declarauit. Denn was S. Petrus / Act. 3. am ende seiner Pfingstpredigt sagt / das Gott diesen Jesum / den die Jüden gecreutziget hatten / zu einem HERREN / vnd Christ gemacht habe / das hat er im anfang derselbigen predigt / durchs wort (Beweiset) ausgesprochen. Welchs die Schrifft vmb vnsert willen also beschreibet / denn mit thaten / wunder / vnd zeichen hat Gott beweiset / das dieser Jesus nicht ein blosser Mensch / sondern zugleich warhafftiger ewiger Gott / vnd der verheissene Messias selbst sey. Dis ist eigentlich S. Petri meinung / welcher auch S. Paulus beyfelt / Rom. 1. Aber gnug bisher von vnserm ersten Argument / welchs von den Herrn verfassern der Erfurdischen Apology im geringsten nicht widerleget ist / noch werden kan / sondern ewiglich wol bestehen wird / Dieweil sie jre newerdichte Phrases weder aus Gottes wort / noch einigem rechtgleubigen alten Scribenten / dem klaren Buchstaben nach / bescheinen können / Ja sie heuffen noch viel mehr jre wunderliche art der newen sprachen / in massen wir in vnser Apologia pag. 233. vnd 234. noch ein zimlich Register jnen für augen gestelt / darauff sie kein wort
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antworten / vnd demnach wider sich selbst vnwidersprechlich bezeugen / das sie solche / vnd der gleichen vngereumpte reden / welche der Leser daselbst auffsuchen kan / vnuerworffen haben wollen.

Das ander Anhaltische Argument.
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(II.) Das ander Argument fleusset aus dem ersten / vnd handelt vom vnterscheid zwischen der sachen selbst / vnd der Regel / damit die sache ausgesprochen wird. Denn dieweil der streit ist / ob die angenomene Menschliche natur in Christo (welche ein Creatur ist / vnd der ewigen Gottheit / als der Schöpfferin nimmermehr in ewigkeit kan gleich werden) sey almechtig / alwissend / allenthalben / von des wegen / das sie mit dem ewigen Wort eine Person worden ist: So mus vor allen dingen zuuor der Heuptgrunde bewiesen werden / darauff solche reden entlich beruhen. Nu kan der grunde anders nicht gelegt werden / man beweise denn zuuor / das die menschliche natur Christi durch die persönliche vereinigung mit dem ewigen Wort hab auffgehört ein Creatur zu sein. Solchs aber zu beweisen ist vnmüglich. Derwegen ist auch vnmüglich / das die phrases bestehen mögen: humana natura Christi est omnipotens, omniscia, vbique. Denn jr eigen Regel ist dawider / welche also lautet: Eatenus vera est praedicatio, quatenus res est vera. Ein rede gilt so fern / so ferns die sach an jr selbst leidet. Nu leidet in warheit die sach nicht / das ich sage / die menscheit Christi sey durch persönliche vereinigung mit dem ewigen Wort die Gottheit selbst worden.
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Darumb kan auch mit warheit von der menscheit Christi nicht gesagt werden / das sie sey almechtig / alwissend / allenthalben. Von der Person aber ists beides war / nemlich / das Christus von seiner empfengnis an / nicht allein warhafftiger Gott sey / welchs Er auch von ewigkeit war / one anfang / vnd bleibts in ewigkeit / one ende / Sondern das er zugleich warhafftiger Mensch sey / welchs er von anfang nicht war / sondern in Mutter leib allererst worden ist / bleibt aber nu beides in einer Person / one auffhören / das ist / one einige trennung der Person / vnd one vermischung / oder verwandelung der Naturn. Darumb alles / was ich von Gott / vnd einem warhafftigen Menschen / der doch one Sünd ist / in warheit reden / oder gleuben kan / das kan ich auch Christi person / sie werde gleich von der Göttlichen / oder menschlichen Natur genent / mit warheit zuschreiben. Nicht aber / was der Göttlichen natur eigen ist / gehört der Menschlichen / vnd auch widerumb / was der menschlichen Natur eigen ist / vermage der göttlichen mit warheit nicht zugeschrieben werden. Dis ist (Gott lob / vnd danck) so deutlich / vnd klar / das es nu mehr auch die Catechumeni verstehen lernen / Vnd ist zu beklagen / das man noch die zeit mit beweisung dieses öffentlichen lichts der vnwidersprechlichen warheit / welcher jederman billig mit allen freuden zuspringen / vnd beyfallen solt / verderben mus. Nach dem sich aber vnser widersacher für / vnd für auff den Spruch des HERRN beruffen / Matth. 28. Mihi data est omnis potestas. Daraus jre realem communicationem omnipotentiae factam carni zu erzwingen /
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vnd wir jnen geantwort / Es gelte nicht / a disparatis, das ist / à persona ad naturam zuschlissen. Denn der HERR rede vorsichtig / vnd deutlich / Mir / nicht aber / wie sie es deuten / Meinem fleisch ist alle gewalt gegeben / etc. So thun sie alhie einen zimlichen sprung / vnd sagen / von diesem (Fol. Ap. Erf. 77. a) Argument / de confusione disparatorum sey droben in jrer Erfurdischen Apology / cap. 2. & 3. nach der lenge geantwort / da wir nachschlagen / findet sich nichts / das zur sachen dienet. Derwegen abermal offenbar / das sie vns one grunde widersprechen. Wie wir vns denn nochmals mit des HERRN erklerung selbst schützen. Denn weil Matth: am eilfften Christus klar bezeugt / alle ding seyen im vom Vater vbergeben / vnd die Vbiquisten hin / vnd wider fechten / das die Persönliche vereinigung der vnterschiedenen Naturen in Christo beruhe in vbergeben / vnd empfahen / denn die göttliche Natur sey die geberin / die menschliche aber die nemerin / oder empfaherin / So müste hieraus notwendig folgen / das nicht der Son / sondern der Vater selbst die Menschliche natur an sich genomen / vnd also Christus / oder der Messias worden sey. Sintemal des menschen Son jm nicht selbst alle ding gegeben / sondern vom Vater empfangen hat. Vnd also folget aus der Vbiquisten Lere vnwidersprechlich der Sabeilianer / vnd Patripassianer jrthumb / welche nur eine Person in der ewigen Gottheit bekanten / vnd demnach der Person des ewigen Vaters das gantze werck vnser erlösung / nemlich die Menschwerdung / sampt der gnugthuung / in leiden / vnd sterben zuschriben / vor welcher Gotteslesterung sich billig alle frome hertzen entsetzen.
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Es ist aber alhie auch dieses wol zu notiren / das die Herrn verfasser nicht in abreden sind / noch sein können / das jnen der Spruch des HERRN: Data est mihi omnis potestas, so viel heisse / als meae carni realiter communicata est essentialis illa Dei omnipotentia. Vngeacht / das die gloss dem HERRN Christo nicht ein einiges wörtlein in seinem Spruch gantz lesset. Sie behelffen sich aber mit zweierley schein. Erstlich / der ewigen Gottheit in Christo könne nichts gegeben werden. Darumb was Christo gegeben sey / müsse seiner Menscheit gegeben heissen. Zum andern / die alten Lerer haben diese Sprüch / darin Christo etwas gegeben / anders nicht verstanden / denn respectu carnis. Darumb sey es alles nur dem fleisch Christi / oder seiner Menscheit gegeben. Ehe wir nu vff diese zwen behelff antworten / wolle der Christliche Leser zuuor den Spruch des HERRN nach allen vmbstenden erwegen / vnd wol bedencken / ob demselbigen von diesen glossatoribus nicht gewalt geschehe. Denn erstlich bezeugt die gantze ordnung der reden Christi von Mattheo am letzten beschriben / das der HERr seinen Jüngern nochmals auff dem Berge / dahin er sie bescheiden hatte / das Predigampt mit der Lere / vnd Sigillen der Lere trewlich zu verwalten befohlen / vnd zu bekrefftigung solches befehls sich auff sein autoritet / die er vom Vater / als ein gesandter empfangen / beruffen hab / damit sie nicht zweifeln dörfften / ob er solch ministerium zu verordnen befügt sey / vnd von seinem himlischen Vater so viel
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macht habe / oder nicht. Wie er sie denn auch zugleich seines Göttlichen beystands vertröstet / wider alle zukünfftige gefahr / darin sie von jm vnuerlassen sein sollen. Denn siehe (spricht er) Ich bin bey Euch alle tage / bis an der Welt ende. Dieweil denn kein Vbiquitas hieraus des Leibs Christi / wie D. Heshusius zu Quedlinburg selbst bewiesen / kan erzwungen werden (denn Christus sagt nicht / Siehe mein Leib ist allenthalben bey Euch / sondern Ich / der Ich von anfang meiner Kirchen beystand geleistet / wil Euch auch bis zum ende der Welt meines beystandes kein augenblick beraubt sein lassen) Woraus wil man denn die Almechtigkeit des Leibs Christi erstreiten / sintemal ja der HERR mit nichten gesprochen / Mein angenomene Menschliche natur ist almechtig / sondern Mir ist alle gewalt gegeben / etc. Es wird aber das wort Exusia, gewalt / in der Schrifft / sonderlich bey den Euangelisten / vnd Aposteln nirgend anders / denn relatiuè, von einem geordneten gewalt / nach gewissem befehl / oder zulassung / vnd verwilligung gebraucht. Durch die Vniuersal aber / so alhie dabey stehet / wird angezeigt / das die verwaltung des Mitlern Ampts dieser andern Person / in der Gottheit / als einem gesandten volmechtiglich durch ein gemein Decret / vnd beschlus / im allerheiligsten geheimbten raht der ewigen Dreyfaltigkeit / mit allem gewalt / allein / vnd sonst niemand vbergeben sey. Dadurch zwar der Gottheit in Christo nicht besondere newe kräffte / die sie etwan zuuor nicht gehabt / zugelegt worden (denn solchs were freilich ein Arianische Gottes
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lesterung / vnd verkleinerung seiner ewigen / göttlichen / volkomenen Maiestet / vnd almacht / daran im nie das geringste / noch ichtes gemangelt / geschweigen zugelegt / oder vermehret hat werden können) Sondern dieweil er nicht von sich selbst / one / noch wider seines Vaters willen / sich vnser angenomen / hett er one diesen verwilligten / vnd jm vbergebenen allen gewalt / seine ewige almechtige krafft zu dem werck vnser Erlösung / nicht angewant / oder gebraucht / wer vns zu gut nicht Mensch worden / viel weniger hette er zur bezalung für vnser Sünde sich schlachten lassen / noch das Predigampt zu vnserm trost verordnet / vnd eingesetzt. Nach dem es aber dem Vater also wolgefallen / seinen Son in vnser fleisch zu senden / hat er jm dazu alle gewalt / was zu vnserm Heil / seinem ewigen beschlus nach / von nöten / anzurichten / vnd zu verordnen vbergeben. Das also bey dem ewigen Vater kein gnad / noch zutrit erlangt kan werden / one durch den Son / wie auch der Vater kein ehr annimpt / wenn man den Son nicht zuuor erkent / vnd ehret. Denn allein im namen des Sons wil er erkant / angeruffen / vnd geehret sein. Demnach der Son freilich / als vnser ewiger König / vnd hoher Priester / sein almechtige ewige krafft vns zu gut / nach seines Vaters befehl / vnd wolgefallen / dahin gebraucht / das er Menschliche natur aus dem geheiligten Jungfrewlichen geblüth seiner Mutter / in allem vns gleich (doch on sünde / Hebr. 4.) an sich genomen / vnd dieselbige in seiner ewigen Person tregt / zieret / stercket / weit vnaussprechlicher weis vber alle andere Creaturn im Himel / vnd auff Erden / ob er sie wol seiner ewigen Göttlichen Maie
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stet / vnd almacht nicht gleich gemacht / noch den vnterscheid zwischen dem Schöpffer / vnd geschöpff auffgehoben / oder seinem fleisch göttliche eigenschafft mitgeteilt. Denn solchs dem ewigen Decret seines Vaters / vnd demnach allem demselbigen gewalt / die er vom Vater / als ein gesanter empfangen / zu wider sein würde. Sintemal er in die Welt geschickt / die arme verlorne Menschen selig zu mache̅ / nicht aber die Menschliche natur / als sein geschöpff / der Göttlichen ewigen natur / als der Schöpfferin / in sich an krafft / macht / weisheit / noch herrligkeit gleich zu machen. Denn dadurch er sich selbst würde degradirt / geunehret / vnd verleugnet haben. Wie nu die Menscheit nicht kan zur Gottheit werden / ob wol Gottheit / vnd Menscheit in Christo ein Person ist / also kan auch die Menscheit nicht allmechtig / alwissend / noch vnendlich werden / ob wol der Mensch Christus / oder des Menschen Son / das ist / dieselbige Person / die Gott / vnd Mensch ist / warhafftig / vnd in der that ist Almechtig / alwissend / vnd allenthalben / oder vnentlich / nicht aber der Menschlichen / sondern der göttlichen Natur halben. Vnd ist sich hoch zuuerwundern / das etlichen / als D. Heshusio / vnd andern / die es mit jm halten / das licht der warheit in dem auffgangen / das sie die proposition, Caro Christi est vbique, mit bestendigem grunde / so wol als wir / vnd alle rechtgleubigen / ernstlich verwerffen / vnd nichts desto weniger vber den andern beyden: Caro Christi est omnipotens, & omniscia, noch halten / da sie doch hieuon eben so wenig / als von jener zeugnis der heiligen Schrifft / vnd alten Väter anziehen können.
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Dazu vnmüglich / das die eigenschafft in Gott entweder von dem ewigen Göttlichen wesen / oder von sich selbst vntereinander könten geteilet werden / sondern sind / vnd bleiben die aller einigste vnzertrenlichste einigkeit des ewigen vnbegreifflichen Göttlichen wesens / das alwege durch einer Göttlichen eigenschafft mitteilung / die andern semptlich / ja das Göttliche wesen selbst notwendig folgen / vnd zugleich mitgeteilet werden müste. Vber dieses alles / ist ja dis auch vnwiderleglich / das Vbiquitas, als immensitas praesentiae, dem fleisch Christi mit nichten kan abgesprochen werden / so jm potentiae, vnd scientiae immensitas gebüren solten. Dieweil auch der HERR dieselbige seine empfangene Amptsgewalt / die jm als einem Legaten mit gewissem Decret / schlus / vnd abschied (also zu reden) von seinem ewigen Vater vbergeben ist / selbst mit den beyden wörtlein Himels / vnd Erden gleich vmbschrencket / damit anzuzeigen / das seine sendung / vnd dazu verwilligte Amptsgewalt / durch ein gewissen abschied determinirt sey / vnd sich weiter nicht erstrecke / denn das durch sein verdienst / vnd krafft die Menschen in allen dingen wider zu recht gebracht / vnd seinem Vater ein ewige Kirchen aus dem Menschlichen geschlecht gesamlet / erworben / vnd zugefüret würde / vermöge der Apostolischen erklerung / Rom. 8. Wiewol nu bisweilen die Schrifft vnser einfalt zu dienen / durch erwehnung derselben beiderley wörtlein / Himels / vnd Erden / als zugleich des höchsten / vnd nidrigsten wercks / oder geschöpffs Gottes / so von menschlichen augen angeschawen / vnd erkant werden können (derer schöpffung / vnd erhaltung gleichwol der Menschlichen natur Christi
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nicht kan zugeschrieben werden / wie solt sie denn almechtig sein?) Gottes vnermesliche almacht beschreibet: So kan / noch sol dennoch die vnentliche ewige wesentliche krafft Gottes weder aus diesen beiden fürnembsten allein / noch aus allen andern sichtbaren / oder vnsichtbaren geschöpffen Gottes in gemein geurteilt / vnd gleich damit vmbschriben werden / sondern es ist / vnd bleibt vnwidersprechlich war / das die ewige Gottheit des Sons / mit dem Vater / vnd heiligen Geist in derselben allerheiligsten / vnd keiner Creaturn ermeslichen einigkeit des ewigen Göttlichen wesens (vber die werck der schöpffung / erlösung / vnd heiligung / in welches dreierley austeilung alles / was da vnserthalben ist / vnd von Gott herkömpt / begriffen wird) on vnterlas in vnbegreifflicher weisheit / vnd vnaussprechlicher krafft jre jnnerliche gemeinschafft habe / dazu er seiner angenomenen Menschlichen natur (ob er sie wol / nach dem er sie einmal an sich genomen / in ewigkeit vntrenlich / vnd vnzerstörlich an sich behelt) nicht bedarff. Welchs wir dem Christlichen Leser / in der furcht Gottes ferner zubedencken / befehlen. Vnd wollen nu auff die Frage antworten / ob alles / was Christo gegeben / nur der Menscheit gegeben heisse? Sagen demnach / das ein anders sey / carni, & respectu carnis. Damit wir aber richtigkeit halten / vnd nicht (wie vnser gegenteil pflegt) eins in das ander mengen / so wollen wir vor allen dingen betrachten / was der HERR Christus von seinem ewigen Vater empfangen hab / vnd wie mancherley dasselbig sey. Darnach aus den nachfolgenden Regeln / eine mit der andern vergleichen / vnd durch einander erkleren.
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Als / I. Quicquid habet Filius Dei per naturam, id habet filius hominis per gratiam. II. Quicquid accepit in tempore, accepit secundum humanitatem, seu respectu humanae naturae. III. Alia (secundum Nazianzenum) consideratio Filij(Nazian. orat. 1. de Filio.) est ratione essentiae, alia ratione oeconomiae. Oder / wie Basilius sagt: Differunt theologia, & oeconomia. IIII. Oeconomia & incarnationem, & incarnationis finem,(Basil. lib. 2. contra Eunom.) hoc est, officium Christi complectitur. Officium autem toti personae secundum vtranque naturam incumbit, salua tamen vtriusque proprietate. V. Discernendum est inter Deitatem mittentem, & personam missam. VI. Missio, & obedientia facta est ab initio, nec tollit aequalitatem eslentiae, & potentiae, sed discernit ordinem personarum. VII. Res tunc fieri, & dari dicitur, quando incipit patefieri, & manifestari. Wenn man diese Regel beysamen behelt / vnd eine durch die andere erklert / so sind sie alle licht / vnd leicht / da sonsten / wenn sie von einander getrennet werden / bald finsternis / vnd jrthumb eingefüret wird. Es helt sich aber eigentlich / vnd in warheit also / wie folget. Der ewige Son Gottes hat nichts von sich selbst / auch sein Göttliche natur / vnd wesen nicht / sondern alles / was er ist / hat / vnd wirckt / das ist / hat / vnd wirckt er aus gegebener / vnd empfangener krafft / von seinem ewigen Vater. Nach der Regel Augustini: Filius agit per se, non à se.
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Welche der HERR selbst bekrefftigt / da er spricht / Johan. 5. Warlich / warlich ich sage euch / der Son kan nichts von jm selber thun / denn was er sihet den Vater thun. Denn was derselbige thut / das thut auch der Son. Item / Wie der Vater das leben hat in jm selber / also hat er dem Son gegeben / das leben zu haben in jm selber / etc. Diesen Spruch / als ein vnwidersprechlich zeugnis der ewigen warheit / wird niemand vmbstossen. Was aber der Son hat von seinem ewigen Vater / das hat er nicht vff einerley / sondern vnterschiedentlicher weis. Denn alles was er hat / ist / vnd wirckt / das hat / ist / vnd wirckt er entweder von natur / durch sich selbst / vmb seinet willen / oder aus gnaden / das ist / vmb vnsert willen. Von Natur hat er von seinem ewigen Vater / von ewigkeit her / on anfang / vnd ende / vermöge seiner ewigen geburt / das er Gott ist / eines wesens / almacht / krafft / weisheit / herrligkeit / vnd ewigen Maiestet mit dem Vater / vnd heiligem Geist / gleich wie dieses alles auch der heilige Geist ist / vnd hat / aber nicht nur vom Vater / noch durch ein ewige geburt / wie der Son / Sondern zugleich vom Vater / vnd Son / durch seinen ewigen ausgang. Hieher gehören die drey schöne Sprüch im bekentnis Athanasij von der ordnung / vnd persönlichen vnterschied zwischen dem Vater / Son / vnd heiligen Geist. Denn der Vater ist von niemand weder erschaffen / noch gemacht / noch geborn / noch ausgehende. Der Son ist allein vom Vater nicht erschaffen / nicht gemacht / sondern geborn. Der heilige Geist ist zugleich vom Vater / vnd Son / nicht erschaffen / noch gemacht / noch geborn / sondern ausgehende.
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Was aber der Son aus gnaden / das ist / vmb vnsert willen hat / das gehört eigentlich zu seiner Menschwerdung / vnd haben die Schullerer dieses alles nicht vnbequem in dreierley ordnung der empfangenen gnaden eingeteilt / nemlich / in gratiam vnionis, capitis, & singularis praerogatiuae. Wie denn daran bey allen rechtgleubigen kein zweiffel ist / das nach diesen dreien gradibus, oder stücken / alles gar bequemlich könne verstanden / vnd erklert werden / was so wol in der heiligen Schrifft / als von den alten Lerern der Kirchen / gesagt / vnd geschriben ist von dem / das etwas dem Menschen Christo in der zeit gegeben sey. Denn alles / was der Mensch Christus hohes / vnd fürtreffliches hat / das hat er / entweder / vnd zum ersten / wegen der Persönlichen vereinigung mit dem Wort / als ewiger(1.) / warhafftiger / vnd natürlicher Gott / welches name / vnd eigenschafft / ehe dieser Mensch / Marie Son / in der Jungfrawen leib empfangen / vnd auff diese Welt geborn war / weder zuuor / noch hernach in ewigkeit / von keines andern Menschen kind vermochte / noch kan praedicirt, oder geredet werden. Vnd folget gleichwol nicht / wenn ich mit der rechtgleubigen Kirchen sage / der Son Marie ist der almechtige Schöpffer / vnd erhalter Himels / vnd Erden / das darumb (nach der Vbiquisten meinung) die Menschliche natur in Christo almechtig sey / man wolte denn fürgeben / das sie kein Creatur blieben / sondern die Schöpfferin selbst worden sey. Oder der Mensch Christus hat es zum andern / wegen(2.) seines heiligen Ampts / als der Kirchen heupt / ewiger König / vnd hoher Priester: Vmb welches allerheiligsten /
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vnd herrligsten Ampts willen / diese Person muste zugleich Gott vnd Mensch sein. (3.) Oder aber / vnd also zum dritten / hat ers von wegen des sonderlichen vorzugs der hohen fürtrefflichen gaben / welche das fleisch Christi / wiewol nicht aus sich selbst / jedoch für sich / vnd in sich selbst / zum teil vor der verklerung / zum teil nach derselbigen / als die dadurch reich gemacht / vnd damit gesalbet ist / für jren andern mitgenossen empfangen hat. Wie nu der dritte grad / die empfangene gaben betreffende / dauon kein streit ist / zweiffels one nur von der angenomenen Menscheit in Christo mus erklert / vnd verstanden werden (denn die ewige Gottheit in Christo / als aller gnaden / vnd gaben vnerschöpfflicher wesentlicher Brunquel / kan von niemand begabt / noch gezieret werden) Also ist vnwidersprechlich das Mitlerampt nicht einer Naturn allein / sondern der gantzen Person befohlen / vnd vbergeben. Darumb auch allen Ampts gewalt / welchen der ewige Son Gottes in seiner angenomenen Natur / nach dem die zeit erfüllet war / beweist / der Person gegeben ist / welche auch jr Ampt angefangen vor der Menschwerdung. Denn ob wol die erfüllung des Ampts nicht one das Fleisch / noch ausser demselbigen hat können volbracht werden / so ist doch die Kirchen im alten Testament selig worden durch den glauben an den Mittler / welches zukünfftig Opffer jnen albereit zum Heil krefftiglich applicirt worden / vmb des gehorsams willen / darein sich der Son von vnsert wegen anfenglich / so bald der schlus des Göttlichen raths aus der geheimbten Schos des ewigen Vaters durch die erste verheissung offenbaret ist / freywillig ergeben / vnd
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dem Menschlichen geschlecht zu trost darzu versprochen / vnd angeboten hat. Nach dem nu das Decret von der widerbringunge des armen gefallenen Menschlichen geschlechts beschlossen ist worden / ehe der Welt grund gelegt war / Ephes. j. So kan ja mit nichten folgen / das vermöge solches ewigen Decrets das Mitlerampt mit aller zugehörigen gewalt / nur dem fleisch Christi vbergeben (denn also müste dasselbig von ewigkeit her gewesen / vnd demnach vom Himel komen / nicht aber von vnser Natur genomen sein / was hetten wir vns denn sein zu getrösten?) Sondern ist eigentlich derselbigen Person vbergeben / zu welcher im andern Psalm der Vater saget: Du bist mein Son / Heute hab ich dich gezeuget. Heische von mir / so wil ich dir die Heiden zum erbe geben / vnd der Welt ende zum Eigenthumb. Darumb auch Lutherus recht sagt / Tom. Ien. 3. lat. fol. 528. Regnum aeternum personae huic datur: Quòd est impossibile dari homini puro. Quia est regnum Dei solius, esse Regem sine fine. In historiam conceptionis. Luc. 1. Was aber die gratiam vnionis anbelangt / wird von des Menschen Son (wie sich vnser Heiland vns zu trost nennet) recht gesagt / das jm ein Name gegeben sey / der vber alle Namen ist / Philip. 2. Item / das er krefftiglich sey erwiesen Gottes Son / nach dem Geist / Rom. 1. Welchs aber mit nichten auff die Menschliche natur kan / noch sol gezogen werden. Denn ob wol dieselbige nicht allein wegen der Persölichen vereinigung mit dem ewigen Wort / sondern auch jrer eigen fürtrefflichen gaben halben / vnd beförderst / das der ewige Son Gottes in / mit / vnd durch derselbigen ördentliche mitwirckung / vnd zuthun das
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gantze werck vnser Erlösung volbracht / vnd ausgerichtet hat / weit vber alle Creaturn erhaben ist / so bleibt sie doch ein Geschöpff / vnd ist vnter Gott / wie der Apostel klar bezeugt / das Christo alles vnterthan sey / jedoch ausgenomen Gott / der jm alles vnterthan hat. 1. Corinth. 15. Denn Gott ist Christi Heupt. 1. Corinth. 11. Item / Alles ist ewer / Jr aber seit Christi / Christus aber ist Gottes. 1. Corinth. 3. Wiewol nu Christus nicht in der zeit hat angefangen Gott zu sein / so ist er doch auff Erden nicht als Gott erkant / noch geehret worden / sondern muste sich / als einen blossen / gemeinen / ja aller nichtigsten Menschen verachten lassen / bis er durch seine herrliche Aufferstehung von todten / siegreiche Himelfart / vnd sichtbare ausgiessung des heiligen Geistes krefftiglich erwiesen hat / das er der almechtige Son Gottes / vnd demnach der HERR sey vber alles. Da ist jm allererst solcher Name recht zugeeignet / vnd geaeben / nach dem zugleich feinde / vnd freunde desselbigen an jm öffentlich vberzeugt worden sind / ob er wol von ewigkeit solchen zuuor gehabt. Nach der Regel: Res tunc dari, & fieri dicitur, quando incipit manifestari, & patefieri. Wenn etwas offenbar wird / so sagt man / das es als denn geschehe / obs wol vor Gott / vnd in der warheit viel ehe gewesen ist / (Erklerung etlicher Reguln aus den alten Vetern.) denn das es allezeit dazumal aller erst / wenn es erkant wird / seinen anfang solt bekomen haben. H Jeraus ist nu leicht zunerstehen / was die heiligen (I.) Väter gemeint haben / wenn sie sagen: Alles / was der Son Gottes von Natur hat / das hat des Menschen Son aus gnaden.
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Mit nichten wollen sie hiemit nach der Nestorianer lesterung zwen Söne in Christo verstanden haben / sondern reden von Christo / als von einer Person / mit vnterscheid der zweien Naturn / nach welchen diese Person vnterschiedene Namen tregt / das sie zugleich Gottes / vnd des Menschen Son heist / vnd ist. Vnd alles / was von derselbigen Wunderperson mit warheit gesagt kan werden / wenn sie der Son Gottes genent wird / das ist zugleich auch war von derselbigen Person / wenn sie den andern Namen tregt / das sie des Menschen Son genennet wird. Vnd also haben sich die Nestorianer mit dieser Regel gar nicht zu schützen. Es misbrauchen aber derselbigen auch die Eutychianer / vnd Vbiquisten / gleich als müste folgen / dieweil einerley praedicata von dieser Person gelten / sie heisse gleich des Menschen / oder Gottes Son / das darumb auch einerley Namen der eigenschafft / werck / oder thaten von beiden Naturen können / vnd sollen predicirt werden / vnd das sonderlich der angenomenen Menscheit aus gnaden gegeben / oder mitgeteilet sey / was der ewigen Gottheit in Christo aus Naturlicher eigenschafft gebüre. Denn hiedurch nicht allein der wesentliche vnterscheid beider Naturn in Christo notwendig würde verschwinden / vnd der Gottheit eigenschafft könten nicht mehr eigenschafft heissen / oder bleiben / sondern vber dieses alles müste die Person auch getrennet werden / gleich wie in dem hohen gehemnis der heiligen Dreifaltigkeit aus dem / das dem Vater / Son / vnd heiligem Geist einerley natürlichen wesentlichen eigenschafften gebüren / nicht nur eine / sondern drey vnterschiedene Person / in der einigen Gottheit erkant / vnd beschriben werden. Welchs nu mehr auch den Catechu
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menis (Gott lob) offenbar / vnd wer vnter den Naturen in Christo kein vnterscheid mehr / ausgenomen / das die eine von ewigkeit / die ander zu gewisser zeit almechtig / alwissend / vnendlich / vnd allenthalben sey / vnd demnach zwo almechtigkeit (ein ewige / vnd zeitliche) müsten gegleubt werden. Welches freilich eine vnuermeidliche zerstörung sein würde der gantzen Christlichen Religion / vnd seligmachendes glaubens. Darumb bleibet fest / vnd gewis / das die angezogene Regel: Was der Son Gottes von Natur hat / das hat des Menschen Son aus gnaden / beyderley extremis, mus entgegen gestelt werden / nemlich zugleich der Nestorianer Irthumb / welche die Person trenneten / vnd zwen Söne in Christo dichteten / vnd der Eutychianer lesterung / welche die Naturn vermischeten / vnd was von der Gottheit verstanden solt werden / vff die Menscheit zogen / gleich wie auch die Vbiquisten fürgeben / weil des Menschen Son warhafftig sey / vnd heisse der Son des allerhöchsten / almechtiger Schöpffer / vnd erhalter Himels / vnd Erden / so müsse vnwidersprechlich folgen / das auch die Menscheit in Christo almechtig sey. Denn also erkleren sie dieselbige gnade / dadurch des Menschen Son empfangen hab / was dem Son Gottes von Natur gehört. So doch die Regel nicht von der angenomenen Natur / sondern von der person Christi / welche vmb der Persönlichen vereinigung willen der vnterschiedenen Naturn zugleich Gottes / vnd Marie Son heist / vnd ist / redet. Vnd das ist auch die Heuptvrsach alles dieses Irthumbs / vnd Schwarms von anfang gewest / bis vff diese
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stunde / das sie vngeacht aller erinnerung / vnd erklerung / stracks des Menschen Son / vnd die Menscheit des Sons für einerley halten. Denn ob sie wol zum schein das Concretum, vnd Abstractum (wie man in Schulen redet) bisweilen vnterscheiden / so behalten sie doch jr gedicht de triplici genere communicationis idiomatum, vnd was sie in primo zugelassen / stossen sie im dritten / da sie jre abstractiuas propositiones, mit verkerung der Schrifft / vnd Altväter meinung / böslich vertheidingen / wider zu grund vmb / gleich als were die Christliche Religion ein solch vngewis ding / das was an einem ort war ist / am andern müste falsch sein / vnd nicht war bleiben. So lang sie nu aus den rechtgleubigen Vätern / one verfelschung jrer wort / vnd verstandes oder meinunge / nicht erweisen / das dieselbigen gelert haben / Was der ewigen Gottheit in Christo von Natur gehöre / als almacht / alwissenheit / vnendligkeit / das gehöre der angenomenen Menscheit aus gnaden / So lang wird jr vngegründes fürgeben / das die Menscheit in Christo almechtig / alwissend / vnendlich / oder vberal / vnd allenthalben sey / falsch bleiben / wie es denn ist / vnd bleibt in ewigkeit. Denn die gnad / dadurch des Menschen Son empfangen hat / was dem Son Gottes von Natur gebürt / zeucht sich mit nichten auff die Natur in sonderheit / gleich als wer derselbigen die almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit aus thetlicher mitteilung wircklich zum Gnadengeschenck vbergeben / vnd verliehen (welches die alten Schullehrer Gratiam habitualem, item gratiam fingularis praerogatiuae genennet haben. Die sich aber so weit nicht erstreckt / denn
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sonsten der Manicheer / vnd Flacianer Irthumb folgen müste: Quôd Caro Christi sit diuersae à nostra speciei, vnd also hetten wir kein teil / noch trost mehr an Christo. Denn was er nicht an sich genomen / vnd behalten / das hat er nicht geheilet / noch selig gemacht) Sondern die Regel redet eigentlich / vnd nur allein de gratia vnionis, welche das gantze werck der Gnadenreichen Menschwerdung des ewigen Sons Gottes begreifft / dadurch dem armen gefallenen Menschlichen geschlecht solche ehr / trost / freud / vnd herrligkeit aus gnaden widerfaren / das von diesem vnserm Bruder / der fleisch von vnserm fleisch / vnsers gebeins / vnd geblüts / das ist / ein warhafftig natürlich Menschenkind ist / mit warheit kan gesagt werden / das er sey almechtiger / ewiger / natürlicher Gott / vnser lieber Immanuel. Welcher Ehren / vnd Herrligkeit kein Engel / Ertzengel / Cherubin / noch Seraphin / von sich / noch seinem Geschlecht rhümen kan / Hebr. 2. Ja die Engel Gottes selbst haben lust / vnd freude / diese ehr / vnd herrligkeit der Menschen / in vnserm lieben Erlöser / vnd Heiland geoffenbaret / anzuschawen / vnd zu preisen. 2. Pet. 1. Wie nu von ewigkeit her allein der ewige Gott / Vater / Son / vnd heiliger Geist / almechtig / alwissend / vnendlich ist / vnd bleibt / in ewigkeit / also hette kein Mensch diesen Namen bekomen können / wo nicht der Son Gottes selbst Mensch / oder eines Menschen Son worden wer. Derselbige Son Gottes / hochgelobt in ewigkeit / behelt was er von ewigkeit hat. Wie Er sich aber in vnserm fleisch durch desselbigen annemung / vnd Persönliche vereieinigung offenbaret hat / also ist auch durch solche gnad der Persönlichen vereinigung des ewigen Worts mit vnserm
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fleisch / gebein / vnd geblüth dem Menschlichen geschlecht die ehre / vnd gnad widerfaren / das einer aus jrem mittel / vnd geschlecht / heist / vnd ist warhafftiger natürlicher Son des allerhöchsten / almechtiger / alwissender / vnendlicher Schöpffer / vnd erhalter Himels vnd Erden / Luc. 1. nicht aber nach der Natur / in welcher er sich offenbaret hat / sondern nach derselbigen / die solche gnad in eigener ewigen Person an vns bewiesen / vnd vnser Mitbruder (in allem vnserm fleisch / vnd blut / an wesen / eigenschafften / vnd wirckungen / gleich / ausgenomen die Sünde) worden ist / welches der Apostel das vrkündliche grosse geheimnus der Gottseligkeit nennet. 1. Timoth. 3. Vnd bisher von der ersten Regel. Die ander Regel der alten rechtgleubigen Kirchenlehrer(II.) heist: Quicquid Christus accepit in tempore, accepit secundum humanitatem, seu respectu assumtae humanae naturae. Was vnser HERr Christus / der ewige Son Gottes / in der zeit empfangen hat / das hat er nach der Menscheit / oder in betrachtung der angenomenen Menschlichen natur empfangen. Mit dieser Regel wissen die Vbiquisten nicht gnugsam zu prangen / vnd machen sich sampt allen / die jnen beyfallen / je lenger je blinder / vnd jrriger. Es ist aber die Regel für sich gantz tröstlich / licht / vnd herrlich / wenn man die phrasin / oder art zu reden recht verstehet / vnd erkleret / Nemlich / Erstlich / was da eigentlich heisse / Secundum humanitatem, seu respectu assumtae humanae naturae. Zum andern / Was da heisse / in tempore.
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Zum dritten / Was heisse / habere, oder accipere. Denn dieser dreierley art zu reden keine von vnserm gegenteil recht verstanden / noch erkleret wird. Es helt sich aber in warheit also / Erstlich / die phrasis distinctiua, secundum humanitatem, seu respectu humanae naturae, wird mit nichten (jrem fürgeben nach) durchaus nur in dem verstand gefürt / das dadurch nichts mehr / denn der blosse vnterscheid der naturen angedeutet / oder gemeinet werde: vnd demnach alles / was Christo gegeben / nur der Menscheit gegeben heisse. Sondern es zeucht sich auch diese phrasis offt vff den vnterscheid der betrachtung des ewigen Worts in seinem blossen göttlichen wesen / ausserhalb seines Ampts (vmb welches willen der Son Gottes Mensch ist worden / Johan. 1.) vnd des zustandes in seinem Ampt / welchs ja dem HErrn Christo befohlen / vnd vbergeben / nicht zwar das es auff der blossen Menscheit liege / sondern die andere Person der Gottheit / das ewige Wort des Vaters selbst / tregt solch Mitlerampt / vnd ist darumb Mensch worden / das es in vnser natur den todt / durch seinen todt vberwinde / vnd das leben zur ewigen heute vns wider erwürbe / vnd schenckte. Darumb zur erklerung dieser reden / secundum humanitatem, vel respectu humanae naturae, Die Regel Nazianzeni hoch von nöten ist / die wir droben vnter andern Regeln / am dritten ort angezogen / vnd zugleich mit der vierten / fünfften / vnd sechsten daselbst erklert / das nemlich viel ein anders sey / von dem Son reden in blosser anschawung / oder betrachtung seines Göttlichen wesens / ausserhalb des Ampts / darzu er in diese Welt gesand / vn̅ Mensch worden / vnd ein anders das grosse geheimnis seiner
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Menschwerdung / sampt den vrsachen / warumb das ewige Wort sey Mensch worden / erkleren / welches freilich dem ewigen Wort einen andern respect tribuirt. Derwegen auch die Veter / ob sie wol wider die Arianer / welche aus dem / was die Schrifft bezeugt / das Christo etwas in der zeit gegeben sey / die ewige Gottheit des Sons anzufechten sich durstiglich vnterstunden / viel dergleichen Sprüche nur auff die angenomene Menscheit Christi gezogen / jedoch herwiderümb in widerlegung der Nestorianer / vnd Eutychianer / den andern vnterscheid nicht mit wenigerm fleis in acht genomen / das nemlich die Person des ewigen Worts bisweilen allein nach der blossen ewigen Gottheit / bisweilen nach der oeconomia, die zugleich das geheimnis der Menschwerdung für sich / vnd das ampt / das ist / die Vrsachen / warumb der Mitler beyde Natur an sich habe / in sich fasset / betrachtet werde. Denn viel in der Schrifft vom ewigen Wort / respectiuè, wegen seines ampts geredet wird / das absolutè von seinem göttlichen Wesen / blos / vnd ausserhalb der menschwerdung / nicht passieret. So ist ohne das in den Schulen wol bekant / das die subiecta in denen Reden / in welchen die praedicata sollen respectiuè verstande̅ werde̅ / vocabula concreta sein müssen. Derwegen auch was Christo respectu humanae naturae gegeben / mit nichten drumb soli humanitati (ausgenommen die dona habitualia, von welchen kein streit ist) gebüren. Sondern wie sich das ewige Wort durch freywillige auffnemung solches seines heilwertigen amvts (dazu der Son Gottes von anfang der widerbrachten Kirchen / durch die Offenbarung / vnd aussprechung der ersten Ver
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heissung / im Paradeis / fast bey vier tausent Jar vor seiner Menschwerdung / sich vns zu gut hat senden lassen) selbst genidrigt / vnd als ein Knecht vnser heil zuuerwalten / da die zeit erfüllet ward / inn vnserm fleisch erschienen ist: Also wird (demselbigen geheimnis gemes) recht verstanden / vnd gesagt / das jm / als dem Verbo incarnato, vnd nicht seinem fleisch allein / alles gegeben sey. Wie wir hernach etliche klare Sprüch der alten rechtgleubigen Veter hieuon anziehen wöllen. Vnd dieweil die angenomene menschliche Natur dem mitlerampt für sich allein viel zu schwach were / so steckt ein heimlicher Stancarismus hierin (man beschöne / oder bementel es / wie man wölle) so man streittet / das die amptsgewalt allein dem fleisch / vnd nicht der Person / die fleisch worden ist / gegeben sey. Hiemit kömpt vberein / das Cyrillus vnterschiedentlich redet von dem ewigen Wesen des Sons Gottes / vnd von seiner sendung ins Fleisch / wie er denn von allen beiden seine meinung mit vielen aequipollentibus formis, oder gleichsinnigen Reden klar an tag gegeben hat. Denn vom ewigen Wesen des Sons Gottes brauchet er diese Reden: Secundum quod intelligitur, & est Deus; quatenus est Verbum ex Patre genitum; quatenus est Deus verus; quatenus intelligitur secundum se, & absque carne; quatenus extra carnem, & Deus ex Deo intelligitur; quatenus secundum naturam est Deus; quatenus est sine carne, & nondum sicut nos, & quodammodo implicitum Verbum. Seine Menschwerdung aber / oder sendung ins Fleisch beschreibet er mit diesen worten:
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Quatenus apparuit, sicut nos; quatenus missus est am carne; quatenus exinaniuit se ipsum; quatenus factus est, sicut nos; quatenus homo factus est; secundu̅ quod homo; quatenus carnem propriam suae diuinae, & summae substantiae fecit; quatenus est Verbum caro factu̅, & habitauit in nobis; quatenus apparuit in carne; quatenus in formam serui venisse dicitur; quatenus ad humana descendit. So ist auch ex Petro Lombardo bekant / das die particula distinctiua (SECVNDVM) nicht allezeit auff einerley weis / oder meinung gebraucht werde. Denn also schreibet er lib. 3. dist. 10. SECVNDVM, habet multiplicem rationem. Aliquando enim exprimit conditionem, vel proprietatem diuinae naturae, vel humanae; aliquando vnitatem personae; aliquando notat habitum; aliquando causam. Cuius distinctionis rationem diligenter lector animaduertat, atque in sinu memoriae recondat, ne eius confundantur sensus, cum de Christo sermo occurrerit. Das ist: Das wort (Secundum, oder NACH) hat mancherley bedeutung. Bisweilen weiset es auff die eigenschafft der göttlichen(1.) / oder menschlichen Natur / als / Christus ist ewig nach der Gottheit / Christus ist gestorben nach der Menscheit. Vnterweilen zeiget es an die einigkeit der Person /(2.) als / der Son Gottes hat nach der Menscheit empfangen die göttliche Allmechtigkeit / ja die Gottheit selbst. Etwan bedeutets auch die empfangene Gaben /(3.) welche die menschliche Natur / an / vnd für sich selbst hat. Als Lucae 2. Aber das Kind wuchse / vnd ward starck im Geist / voller Weisheit / vnd Gottes gnade war bey jm.
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Welches alles von Christo Nach der angenomenen Menscheit geredet / vnd zuuerstehen ist. (4) Zu zeiten weiset es auff die Vrsach / als / Christus ist vom Tod aus eigner Macht erstanden / Nach seiner Gottheit / Das ist / darumb das er Gott ist. Welche vnterschiedene bedeutungen der Leser mit fleis mercken mus / vnd im gedechtnis behalten / damit er nicht jrre gemacht werde / so offt man von Christo redet. Haec ille. Zum andern / die phrasin, in tempore, ziehen vnser Widersacher stracks nur allein auff die menschliche Natur in Christo / vnd haben diesen scheinbarlichen behelff / Es könne Gott nichts in der zeit gegeben werden / denn jm von Ewigkeit an nichts jemals gemangelt. Dieweil wir aber in vnser Defension / die vns D. Johannes Matthaeus / professor zu Wittembergk / durch seine von vns vnuerursachte zunötigung vnlangst abgedrungen / fast bey zehen bletter / in widerlegung des 42. paradoxi daselbst / mit erklerung dieser Frage zugebracht / vnd viel schöner Sprüche aus den Vätern angezogen / So bitten wir alle Liebhaber der Christlichen Warheit / sie wollen dieselbige erklerung / hindangesetzt alle affection / vnd praeiudicien / aus Gottes Wort vrteilen. Denn vns diese Verantwortung ohne das vnter den Henden wechst / das wir den guthertzigen Leser nicht gern mit widerholung einerley ding lang auffhalten wolten. Vffs kürtzest aber helt sichs hiemit in der Summa / wie folget. Dem Son Gottes / weil er eines Wesens mit dem Vater / vnd heiligem Geist ist / mangelt freilich nichts / als e
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wigen Gott / vnd aus seiner fülle empfahen wir alle / gnade vnd gnade. Joannis 1. Er ist aber inn der fülle der bestimpten zeit Mensch worden / welchs er von Ewigkeit nicht war / vnd wiewol er / was die Gottheit betrifft / so wol in / vnd nach / als vor der Menschwerdu̅g vnwandelbar blieben / derwegen jm an der Gottheit gantz / vnd gar nichts / auch das geringste nicht / weder ab / noch zugangen / jedoch war zuuor / wie auch hernach im menschlichen Geschlecht / dergleichen exempel vnter allen Menschen kindern vnerhört / das von einer Person beides mit Warheit solte gesagt werden / das sie zugleich sey warhafftiger / natürlicher / ewiger Gott / aus des Vaters Natur vor der Welt geborn / vnd warhafftiger / natürlicher Mensch aus der Jungfrawen / da die zeit erfüllet war / in die Welt geborn. Derwegen was diese Person von Ewigkeit hat / als Gott / das empfehet sie in der zeit / als Mensch. Nicht das die menschliche Natur dadurch almechtig / alwissend / oder allenthalben worden / Sondern das zuuor kein Mensch gewesen / noch ausser Christo sein wird / dem solcher Name mit der that gebüret / das er zugleich warhafftiger natürlicher Mensch / vnd doch auch natürlicher / warhafftiger / almechtiger / ewiger / alwissender / vnendlicher HERR / vnd Gott sey / vnd heisse / Schöpffer / vnd erhalter Himels / vnd Erden. Ob auch wol sein heilwertiges ampt in dem allerheiligsten / vnd geheimbsten raht der heiligen Dreifaltigkeit ausser / vnd vber alle zeit / ehe der Welt grund gelegt ward / beschlossen ist worden / Ephes. 1. Wie den das decretum reparationis nostrae, vff kein vnterschiedene zeit kan restrin
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girt werden / so ist es doch in der zeit allererst promulgirt / vnd offenbar worden. Derwegen auch in diesem verstand (ratione decreti non facti, sed patefacti, Das ist / souiel die Offenbarung des ewigen Raths / vnd beschlus betrifft) recht / vnd Christlich gesagt wird / das vnserm Mitler / Versüner / vnd Heiland alles / was zu seinem ampt gehöret (welchs mit nichten allein der angenomenen Natur / söndern der ewigen Person des Worts / die vmb solches ampts willen Mensch ist worden / befohlen / vnd auffgetragen ist) sey in der zeit gegeben / verstehe vnsert halben / obs wol in Gottes Raht von Ewigkeit her beschlossen war. Denn respectu nostri geschicht disfals in der zeit / was respectu Dei von Ewigkeit her vorabscheidet gewesen ist. Wie denn die Herrn Verfasser sich jrer eigen Regel / die sie aus S. Augustino / (Fol. Apol. Erf. 62. a.) vnd Lombardo in der Erfurdischen Apologien / fol. 62. anziehen / solten allhie erinnert haben / welche leret / das in Gottes Wort offt nach vnser einfalt ein ding als denn / oder zu der zeit heisse geschehen sein / wens offenbar wird. Daher auch der heilige Lerer Athanasius den Spruch S. Petri / Act. 3. Dominum illum, & Christum fecit, quem vos crucifixistis: also erkleret / das es nicht simpliciter, sed secundum quid geredet / vnd zuuerstehen sey. Denn für sich war Christus allezeit der HERR / bey den Menschen aber war es nicht allezeit bekant. Non igitur hîc scriptum est, (inquit Athanasius) FECIT eum sibi filium, aut fecit eum sibi Verbum, sed fecit eum Dominum. Idque non simpliciter, sed apud nos, & in medio nostri eum fecit, quod idem est, ac si dixisset, declarauit eum Dominum. Nam illud vocabulum FECIT, quod in fine dicebatur, id sub
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alia voce, nempe DECLArauit, in principio posuit. Ex signis enim, ijsque quae fecit Dominus, DECLARATVM est, non simpliciter eum hominem fuisse, sed Deum, & Dominum in corpore, eundemque Christum fuisse. Haec ille. Vnd bezeugt Augustinus klar / das nach diesem modo, oder tropo loquendi (wie es daselbst genennet wird) die Schrifft auch sage / das der Son an jenem tag das Reich dem Vater / vnd Gott vbergeben werde. Nicht zwar / das als den̅ allererst der Vater zu regieren anfahen werde / welcher mit dem Son / vnd heiligem Geist / als warhafftiger / einiger / natürlicher / lebendiger Gott / regirt / vnd herschet von ewigkeit zu ewigkeit / sondern das als denn allererst vor allen Engeln / vnd Menschen / beide feinden / vnd freunden augenscheinlich offenbar werde / das Christus sey der ewige Son des Vaters / vnd das sein Reich / welchs er auff Erden durchs heilige Predigampt gesamlet / sey warhafftig / nicht eines blossen Menschen fürnemen / sondern Gottes des ewigen Vaters Wercke / vnd Reich gewesen. Dieweil auch dem Namen Gottes an heiligkeit / vnd ehr niemals gemangelt / vnd gleichwol der HERR vns beten leret / Geheiliget werde dein Name / so solten daselbst aus der erklerung Augustini sich die Herrn Verfasser auch billig haben vnterrichten lassen / das sich mit nichten so stracks zu schliessen gebüre / Gott mangelt an nichts / derwegen kan jm nichts gegeben werden. Denn ob wol bey Gott für sich kein mangel ist / so ist doch bey vns mangel an dem / das er von vns fordert / vnd haben wil / nach der Regel / Gebet Gott / was Gottes ist. Matth. 22. Denn wen̅ wir durch des heiligen Geistes gnad / vnd Krafft new geborn / vnd also zum erkentnis der waren Gottesdienst kommen / so
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geben wir Gott seine gebürliche Ehr mit vertrawen / Demut / furcht / Gebet / dancksagung. Darzu kan man auch nicht allzeit menschlicher weise also schliessen / quòd dare semper praesupponat indigentiam. Denn es ist ein fallacia / wie mans in Schulen nennet / â dicto secundum quid ad dictum simpliciter. Welchs durch folgende zwen Sprüch zum exempel mag erkleret werden. Als zun Galatern am 6. spricht der Apostel / Ein jeder prüfe sein selbst Werck / vnd als denn wird er an jm selber ruhm / oder ehr haben / vnd nicht an einem andern. Daraus mit warheit geschlossen wird: Die höchste Ehr eines Menschen ist das Zeugnis eines guten Gewissens. Ob nu gleich die gantze Welt einen solchen veracht / so folgt darumb nicht / das er bey jm selbst kein ehr habe. Wird aber sein vnschuld erkant / so bekömpt er auch ehre bey andern / daran es jm doch bey jm selber / wie der Apostel redet / nie gemangelt. Also bezeugt der 94. Psalm / das Recht doch recht bleiben müß / vnd dem werden alle fromme Hertzen zufallen. Nu ist ja bey dem heufflein der rechtgleubigen allezeit die rechte heilsame Lehr / vnd ist vnmüglich / das die Christliche Kirchen durchaus am fundament jrre / wiewol etliche gliedmasse̅ mit dicker finsternis ein zeitla̅g behafft sein kön̅e̅. Obs nu gleich bey den falschen Lerern nicht erkant wird / so folgt doch nicht / das der warhafftigen Kirchen Religion / oder Glaub falsch sey. Wie auch nicht folget / wens offenbar / vnd erkant wird / was recht ist / das es darumb rechter werde / oder zuuor dem vnschuldigen theil an Warheit vnd recht gemangelt habe / sondern an erkentnis / vnd beyfall mangelt es.
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Gleich wie es der Sonnen am Liecht nicht mangelt / ob wol der blindgeborne zwischen tag / vnd nacht keinen vnterscheid erkennet. Da jm auch gleich die augen geöffnet / wie Joannis am 9. das mirackel beschrieben wird / so wird doch hiedurch der Sonnen Liecht für sich weder grösser / noch geringer / weder volkömlicher / noch vnuolkömlicher / weder heller noch dünckeler. Also bleibet Recht allezeit recht / wie denn auch Warheit allezeit ist / vnd bleibet Warheit / ohne mangel / vnd tadel / man neme sie gleich an / oder verfolge sie / falle jr mit hauffen ab / oder zu. Wer aber in der finsternis des Vnglaubens bis ans ende verharret / der kan vnter die frome Hertzen / vnd ausserwelten Kinder Gottes an jenem tag nicht gezelet werden. Es were den̅ / dz man denselbige̅ Spruch des 94. Psalms straffen / oder in zweifel ziehen wolte / darin der ausserwelten eigentlich kennzeichen beschrieben ist. Denn Recht mus doch recht bleiben / vnd dem werden alle frome Hertzen zufallen. Solchs mögen vnsere Antagonisten / mit jren verfüreten / blinden / oder ja vbereileten / vnd einfeltigen subscribenten wol zu gemüth füren / denn wir jnen nichts böses in vnsern Hertzen gönnen / noch wüntschen. Wer nu stracks verleugnet / das Gott etwas könne gegeben werden / der zerstöret die gantze Religion / vnd alle Christliche Gottesdienst / dardurch endlich viel grösser schaden / vnd finsternis in die Kirchen eingefüret werden müste / denn in dieser sichtbaren Welt folgen könte / wenn die Sonne in jhrem Lauff vom Firmament abgeschafft / vnd weggethan würde. Welchs wir allen verstendigen in der
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furcht Gottes zu behertzigen / vnd zu vrteilen vntergeben. Endlich lest sichs auch nicht verantworten / das die Herrn Verfasser so spielen mit den wörtlein habere, vnd accipere. Denn bisweilen setzen sie den vnterscheid der beiden Naturen in Christo also / das was die ewige Natur in Christo sey / nemlich allmechtig / alwissend / allenthalben / essendo, . Eben dasselbig sey die angenomene Natur / vnd gebür jr in der that habendo, . Aber dieses ist von den jenigen / welche die disputation der newen Licentiaten zu Wittembergk / An̅o 80. gehalten / durch eine ausfürliche collation / oder vergleichung mit der alten rechtgleubigen Kirchen / vnd Lehr / dermassen widerlegt / das jnen vnmüglich etwas dawider mit gutem grunde auffzubringen. Bisweilen ziehen sie / dem vörigen verstand stracks zuwider / das wort habere auff die göttliche Natur / aber für die menschliche Natur behalten sie das wort accipere. Es ist aber die alte Schulregel vnwidersprechlich war: Quòd dare & accipere personarum sit, vel suppositorum, non ipsarum naturarum. (Vigil. lib. 2. contra Eutych. cap. 3.) Welches der heilige Merterer Vigilius deutlich / vnd wol erkleret: Habere, vel non habere gehet auff die Person / Quod autem habetur, vel non habetur, das gehört zu dem vnterscheid der Naturn. Vnus enim est Christus, idemque Deus, idemque homo: habens in verbis, & gestis, vnum, quod humanitatis; aliud, quod propriae diuinitatis eius naturae conueniat: licet vtraque simul ad vnam eius personam, vel substantiam pertineant. Hiemit concordiret auch Fulgentius lib. 3. ad Thrasim. Vnus, idemque Christus est, qui quod humanum est,
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habet Deus in veritate humanae: & quod diuinum est, habet homo in veritate diuinae naturae. Welchs alles Cyrillus lib. 5. de Trinit. in diese schöne Regel fasset: Sic, quae de Christo dicuntur, intelligen da sunt; vt nec, quae Deitati conueniunt, humanitati ipsius tribuantur; nec quae humanitatis propria sunt, ad Deitatem ipsius detorqueantur. Wollen aber die Herrn Verfasser nochmals vff jrer meinung beharren / das alles / was Christns in der zeit bekomen / gehöre nur der menschlichen Natur zu / so möchte man nicht vnbillig von jhnen zuwissen begeren / Wer denn in der fülle der zeit Mensch worden sey? Ists nicht der Son Gottes selbst / der menschliche Natur hat an sich genomen? Wie kan denn an sich nemen / oder empfahen / vnd in der zeit bekomen / nur von der Menscheit verstande̅ werden? welche freilich in der zeit die Person des ewigen Worts mit nichten an sich genomen hat / sondern ist von dem ewigen Wort selbst in die einigkeit derselbigen ewigen andern Person der heiligen Dreyfaltigkeit angenomen worden. Es wollen aber die Herrn Verfasser alhie wol bedencken / wie sie mit bestendigem grund den Jesuiten zu Meintz antworten möchten vff die ausfürliche widerlegung beides jhrer Concordi formul / vnd Apologien / sampt der newen Licentiaten disputation Anno 80. zu Wittemberg gehalten. Denn vnter andern daselbst thesi 46. von den Jesuiten klar bewiesen ist / das der gedichte vnterscheid zwischen dem / das gesagt wird / Deitatem Verbi esse, sed humanitatem in Christo habere realem omnipotentiam, omniscien
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tiam, & omnipraesentiam, die Person viel mehr zertrenne / vnd die beiden Naturen Christi in einander vermische / denn das hiedurch die Menschwerdung des ewigen Worts solt erkleret werden. Derwegen sie auch mit gutem grund wider die Vbiquisten decidiren / vnd das gegenteil aus den Patribus deutlich anzeigen / vnd erweisen / wie aus nachfolgenden jren eigen worten zuuernemen. Quare S. Patres annotarunt secundum doctrinam scripturarum rectissimè dici, Christo non tantùm secundum humanitatem, sed etiam secundum diuinitatem, ad significandum discrimen personarum, aliquid à Patre esse donatum. Sic Athan. in serm. 4. contra Arianos. Hoc dictum, inquit, Pater diligit Filium, & omnia dedit in manus eius. Et: Omnia mihi sunt tradita à Patre, & quaecunque sunt eius generis sententiae, non indicant, quasi ea aliquan do non habuerit Filius, sed quòd ea, quae possidet vt Deus, postulet vt Filius, &c. Et ea de causa hoc verbum prolatum est, Datum est mihi, & accepi, & traditum est mihi, vt ostenderet, se Patrem non esse, sed aeternum Verbum, & Filium, & Verbum Patris, & quia Filius est, ideo perpetuò ex Patre habet, quaecunque habet. Et B. Cyrill. Alexandr. lib. 10. thesaur. cap. ???. Christus omnia à Patre accepisse se dicit, vt futuras haereticorum opiniones radicitus euerteret. Nam ne quis omnia Patris in Filio perspiciens, propter incommutabilem similitudinem eundem putet Patrem, & Filium esse, quod Sabellio accidit, necessariò à Patre se accipere ait, quae ab eo naturaliter habet; Vt cum alter det, alter accipiat, dualitas perso
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narum demonstretur, non nominibus solùm, sed verè ac personaliter distincta. Haec illi. Hieraus ist nu leicht zuuerstehen / das die Sprüche / welche die Herrn Verfasser alhie aus den alten Kirchenlerern zusamen gezogen haben / zu der reali communicatione idiomatum, dadurch die menschliche Natur selbst almechtig / alwissend / vnd vnendlich worden sein sol / gar nichts dienen / söndern demselbigen gedicht viel mehr zuwider sind. Denn ob wol Cyrillus lib. 2. ad Reginas spricht /(Fol. Apol. Erf. 77. a.) Accepisse gloriam, potestatem, & regnum super omnia, referendum esse ad conditionem humanitatis. So folgt doch nicht / das darumb die menschliche Natur selbst almechtig / alwissend / oder allenthalben sey / sondern solchs gebürt Christo vmb seiner ewigen Gottheit willen. Dieweil er aber von Ewigkeit her nicht Mensch gewesen / hat er solchsalles empfangen / als Mensch / per gratiam vnionis, welchs Cyrillus alhie nennet conditionem humanitatis. Denn es zuuor nicht erhöret war / das ein warhafftig natürlich Menschen kind zugleich auch wesentlicher natürlicher Gott were. Vnd also erkleret der heilige Lerer Athanasius diese Frage mit austrücklichen worten / wie folget: Homo merus non dignus fuisset istiusmodi muneribus: Verbum è diuerso solum, & merum istis non indiguisset. Coaptatum igitur nobis est Verbum, potestatemque suam nobis impertijt, & superexaltauit. In homine enim existente Verbo, accepit homo. Quoniam igitur Verbo existente in carne exaltatus est homo, & accepit potestatem: ideo ista ad Verbum referuntur, quia propter Verbum data sunt. Ideò enim, quia Verbum in homine erat, istae gratiae donatę sunt;
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et vt Verbum caro factum est, ita etiam homo per Verbum ea accepit. Mit welchen worten er klar bezeuget / das er nicht de gratia habituali, sed vnionis rede. Den̅ dieweil die empfangene Maiestet also verstanden sol werden / wie das ewige Wort ist fleisch worde̅ / vnd aber die angenomene Natur mit nichten das Wort selbst worden / noch in dasselbige verwandelt ist / so ist sie auch nicht für sich / in abstracto, almechtig / alwissend / oder vnendlich worden: Sondern was Christus / als Gott / von ewigkeit ist / das behelt er auch in der Menschwerdung. Wie aber weder zuuor / noch hernach seines gleichen vnter Menschen nicht gefunden / also ist zuuerstehen / das jm solchs alles / was er von ewigkeit hat / vffs newe gegeben werde / nicht zwar das es seiner menschlichen Natur gebüre / söndern der Person bleibt es / die zuuor in menschlicher gestalt nicht gesehen / noch erkant war. Solchs bezeugt auch Cyrillus de recta fide ad Theodosium mit folgendem Spruch: Manifestum est, quòd quae insunt natura, & propriè Verbo ex Deo Patre, seruantur ei iterum etiam, quando apparuit vt homo. Ideò periculosum est audere diffidere. Ad hunc igitur modum intelligi potest, omnia à Patre data Filio, vt ea, quae ab aeterno habuit, quatenus Verbum Patris est, iterum accepisse videatur, quatenus Verbum caro factum est, & in carne manifestatum. &c. Aus welchen worten Cyrilli vnwidersprechlich geschlossen wird / das so fern die ewige Gottheit des Sons / dem angenomenen fleisch / oder der angenomenen Menschheit gegeben ist / so fern gebüren jhr auch alle wesentliche eigenschafften Gottes.
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Nu ist ja vnleugbar / das die angenomene menschliche Natur / ob sie wol mit dem ewigen Wort persönlich vereinigt / jedoch nicht in die göttliche Natur verwandelt / noch die Gottheit selbst worden sey / Den̅ so fern erstreckt sich die gratia vnionis hypostaticae gar nicht / das eine Natur von der andern könte praedicirt werden / Söndern in Christo ist ein anders die Gottheit / ein anders die Menscheit / solcher Vnterscheid kan in ewigkeit nicht auffhören / noch geendert werden. Darumb auch die allmechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit / noch andere göttliche eigenschafft / der angenomenen menschlichen Natur nicht also gegeben sein / das sie dieselbigen für sich empfangen hette / oder selbst mit der that vnendlich / alwissend / vnd almechtig worden wer. Eben dieses / vnd nichts anders meinet in warheit D. Lutherus / da er in seiner schönen auslegung der letzten wort Dauidis / vnter andern also schreibet: Christus vnser HERR hat zwo Geburt / oder zwo Natur in einer vnzertrenten Person. Denn er ist ein Christus / nicht (wie der tolle geist Nestorij narret) zween Christi. Nach der ersten Geburt hat er nicht zeitlich / sondern von Ewigkeit her vom Vater empfangen die ewige gewalt / oder Gottheit / vnd der Vater hat sie jhm gegeben / gantz / vnd völlig / wie er sie selbst hat von Ewigkeit. Nicht hat er sie jm also gegeben / das er sich derselbigen beraubet / oder entlediget habe / sondern dieselbige gewalt / vnd kein andere / die er von Ewigkeit gantz / vnd völlig gehabt / vnd in ewigkeit behelt / hat er dem Son gegeben. Denn es sind nicht zwo Gottheit / sondern beider
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Personen ist ein einige Gottheit / vnd bleibet recht geredet / Esaiae 42. Ich wil meine Ehre keinem andern geben / noch mein Lob den Götzen / denn der Son ist kein ander Gott / noch Götze / sondern mit dem Vater ein einiger / rechter ewiger Gott. Hieuon spricht er selbst Joan. 16. Alles was der Vater hat / das ist mein / Spricht nicht / der Vater hat nichts mehr / Ich habe es alles allein / oder der Vater hat alles allein / ich habe nichts / sondern der Vater hats alles / aber dasselbige alles / das er hat / das ist mein. Das ist ja klerlich souiel gesagt / das der Vater / vnd Son ein enige Gottheit haben / vnd von demselben alles / des Vaters / das des Sons ist / hats der heilige Geist auch / wie er daselbst spricht: Er wirds von dem meinen nemen. Von welchem meinem? On zweiffel von dem meinen / das der Vater hat / also nimmet der heilige Geist von beiden / dem Vater / vnd Son / dieselbige völlige gantze Gottheit / von ewigkeit her. Item / Joan. 5. Wie der Vater das Leben hat in jm selber / also hat er dem Son gegeben das Leben zu haben in jm selber / vnd wie der Vater todten aufferwecket / vnd lebendig macht / also auch der Son macht lebendig / welche er wil / auff das sie alle den Son ehren / wie sie den Vater ehren / das alles ist von der ersten ewigen göttlichen Geburt gesagt. Nach der andern zeitlichen menschlichen Geburt / ist jm auch die ewige gewalt Gottes gegeben / doch zeitlich / vnd nicht von ewigkeit her. Den̅ die Menscheit Christi ist nicht von ewigkeit gewest / wie die Gottheit / Sondern wie man zelet / vnd schreibet / ist Jesus Marien Son dis Jar. 1543.
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Jar alt / Aber von dem augenblick an / da Gottheit vnd Menscheit vereiniget ist in einer Person / da ist / vnd heist der Mensch Marien Son / almechtiger ewiger Gott / der ewige gewalt hat / vnd alles geschaffen hat / vnd erhelt / per communicationem idiomatum, darumb das er mit der Gottheit eine Person / vnd auch rechter Gott ist. Dauon redet er Matth. vlt. Mir ist alle gewalt gegeben im Himel / vnd auff Erden / Welchem Mir? Mir JEsu von Nazareth / Marien Son / vnd Mensch geborn. Von ewigkeit hab ich sie vom Vater / ehe ich Mensch ward: Aber da ich Mensch ward / hab ich sie zeitlich empfangen nach der Menscheit / vnd heimlich gehalten bis auff mein aufferstehen / vnd auffart / da es hat söllen offenbaret / vnd verkleret werden / wie S. Paulus Rom. 1. spricht: Er ist verkleret / oder erweiset ein Son Gottes krefftiglich. Joannes nennet es verkleret. cap. 7. Der heilige Geist war noch nicht / denn Jesus war noch nicht verkleret. Bisher Lutherus. Aus welchem Spruch / vnser / ja aller rechtgleubigen meinung klar / vnd deutlich bezeuget wird. Denn dieweil Lutherus durch dasselbige gantze buch jm fürgenomen / wieder die Jüden beides zubeweisen / nicht allein / das Jesus von Nazareth der warhafftige versprochene Messias / sondern das er auch warhafftiger ewiger natürlicher Gott sey / vnd demnach in einer vnzertrenlichen Person zwo vnterschiedene Naturn habe: So werden jhm seine wort wider seine rechte meinung misdeutet / wenn man sie dahin verstehet / als hab er wollen beweisen / das die Menscheit in Christo almechtig / alwissend / oder vnendlich worden sey. Wie er denn in diesem angezogenen Spruch stracks
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das gegentheil leret / nemlich / das die Sprüche / Alles / was der Vater hat / das ist mein. Joan. 16. Item / Der Son hat das Leben in jm selber / Joan. 5. etc. welche von den Vbiquisten felschlich vff die menschliche Natur gezogen werden / anders nicht denn von der göttlichen Natur Christi zuuerstehen sein. Vnd setzt die Vrsach dazu / denn es sind nicht zwo Gottheit / sondern beider Personen des Vaters / vnd des Sons / welchs er hernach auch von dem heiligen Geist beweiset / ist ein einige Gottheit / vnd bleibet recht geredet / Esa. 42. Ich wil meine Ehr keinem andern geben. Als wolte Lutherus sagen / Die Almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit / vnd dergleichen eigenschafft / können von dem göttlichen Wesen nicht getrennet werden. Wie nu der HERR Christus / nicht seiner zeitlichen / sondern ewigen Natur / vnd Geburt halben / eines Wesens mit dem Vater ist / also gebürt jm auch die Ehr der allmechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit anders nicht / denn so fern er Gott ist. Denn sonsten würde die Person getrennet / vnd zwey vnendliche Wesen in Christo / das ist / zwo Gottheit / eine zeitliche / vnd ewige gedichtet. Derwegen / ob wol dem Menschen Christo die ewige gewalt Gottes in der zeit gegeben / so hebt doch solchs den vnterscheid der Naturn in Christo nicht auff / folgt auch nicht / das darumb die Menscheit Christi sey allmechtig / alwissend / vnendlich worden / Söndern ist zuuerstehen nach der Offenbarung Gottes im fleisch / per communicationem idiomatum, dadurch vom Son Mariae beides mit Warheit gesagt wird / das er sey der wesentliche glantz / vnd
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Ebenbild der herrligkeit des Vaters / Schöpffer / vnd Erhalter Himels / vnd Erden / vnd das er sey almechtig / alwissend / allenthalben: Nemlich / vmb der persönlichen vereinigung willen / welches geheimnis durch die Regel communicationis idiomatum ausgesprochen / vnd erkleret wird. Aber von der Menscheit Christi kan nicht gesagt werden / das sie aus des Vaters Natur / vnd Wesen von ewigkeit geborn / noch das sie Himel / vnd Erden erschaffen. Denn sie ist selbst ein geschöpff / vnd wird erhalten / nicht durch sich selbst / sondern in / vnd von der Person des ewigen Worts / mit welcher sie persönlich vereinigt ist. Darumb kan auch von jr nicht mit warheit gesagt werden / das sie almechtig / alwissend / oder allenthalben sey. So nemen wir nu in diesem rechten eigentlichen verstand alle dicta Patrum von den Herrn Verfassern alhie(Fol. Apol. Erf. 77.) zusamen getragen / gern / vnd willig an / vnd zweifeln gar nicht / alle verstendigen werden vns aus Gottes Wort beifal geben / das dieselbige allzumal dem gedicht vnsers gegenteils von der reali idiomatum communicatione im geringsten nicht patrociniren. Was wir auch hiebeuor bey der Regel Basilij / (Differunt propositiones Theologiae, & oeconomiae:) Oder Nazianzeni, (quòd alia sit consideratio Verbi ratione essentiae, alia ratione oeconomiae, quae simul my sterium incarnationis, & finem illius mysterij, hoc est, officium complectitur:) erinnert haben / Das wird von Cyrillo mit folgender schönen Regel / wie man die Schrifft recht handeln / vnd auslegen sol / illustrirt / vnd bekrefftiget.
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Exinaniuit SEMETIPSVM VERBVM (Nota au ream regulam tractandi scripturam.) voluntariè, & factum est subditum Patri vsque ad mortem. Quando igitur ex ijs, quae dispensatiuè vel facta sunt, vel dicta propter carnem, & humanitatem, extolluntur quidam contra cognitionem Filij, dicentes non esse Deum verum, & Filium secundum naturam eum, qui humana forma: tunc omnem celsitudinem extollentem se demoliemur, si subuerterimus opiniones, quas illi sentire voluerunt, & accommodauerimus omnem sensum ad dispensationem obedientiae. Filium enim factum in mensuris humanitatis decebat humana non auersari. Haec Cyrillus. Tomo 3. libro 1. de recta fide, ad Reginas. pag. 298. (Fol. Apol. Erf. 78. a.) So viel nu den Spruch Athanasij belanget / Data est Christo omnis potestas, vt Saluatori: können die Herrn Verfasser nicht fürüber / sondern müssen wider jhren willen bekennen / das solchs Athanasij wort / vnd meinung sey. Damit sie aber nicht dafür angesehen werden / als geben sie der Warheit gewonnen (welchs jhnen doch kein schande were / wenn sie sich Gott zu ehren vberwinden könten) so suchen sie jhre Sophisticam herfür / vnd sagen / das wir in assertione catholica, positione. 24. den Spruch Athanasij vnrecht ausgelegt / vnd ein jrrige meinung darunter verborgen. Schemen sich auch nicht / wider jhr Gewissen vns öffentlich zu beschüldigen / als wolten wir mit vnser Lehr die Leute gern mit dem Arianisino beschmitzen / (denn solche höffliche wort brauchen sie) daraus freilich zusehen / das sie / an statt bestendiges grundes / daran es jnen allzeit mangelt / zur verleumbdung schreiten / vnd beweisen mit jhrem eigen exempel / das Maxentius recht gesagt:
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Quorum mens contentioni indulget, & non sanari, sed vincere cupit, auersa ab ijs, quae rectè dicuntur, tantùm intenta est in hoc, vt inueniat, quod pro suis partibus loquatur. Schrecklich aber ists / das sie die Lere für Ariamisch ausruffen / welche von vns also gesetzt / vnd erkleret ist / wie die folgende wort ausweisen: De Maiestate officij gloriatur Christus: Si vos Filius liberauerit, verè liberi eritis. Ioan. 8. Item: Data est MIHI (scilicet SOLI, vt Saluacori, secundum Athanasium) omnis illa potestas, videlicet liberandi genus humanum à peccato, & morte, ac dandae vitae aeternae, repellendi hostes, & exercendi iudicij, in quo damnaturus sum incredulos, saluatis fidelibus: omnia denique, quae Mediatori congruunt, non minus potenter, quàm sapienter, & mirando cum successu, contra inferorum portas transigendi. Das ist / (wie es in vnser teutschen bekentnis von wort zu wort gegeben ist) Von der Maiestet seines ampts rühmet der HERR CHRIstus Joannis am 8. capitel: So euch der Son frey machet / so seid jr recht frey. Item / Matthaei am letzten: Mir (nemlich / MIR allein / als dem Seligmacher / wie Athanasius herrlich daruon redet / vnd DLuther in seiner letzten Predigt zu Eissleben gethan / auch also erkleret) ist gegeben alle gewalt / nemlich / das menschliche Geschlecht von Sünden / vnd tod zu erlösen / das ewige Leben zugeben / die Feinde zuuertreiben / vnd das Gerichte zu halten / darinnen ich die vngleubigen verdammen / vnd die gleubigen werde selig machen / Ja ALLES ist mir endlich gegeben / das dem Mitler zwischen Gott /
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vnd dem Menschen / so wol krefftiglich / als weislich / vnd mit je wunderlichem glückseligem fortgange / wider die pforten der Hellen / zuuerrichten gebüret. Bisher vnsere wort in assertione catholica, pag. 101. welche allhie von vnserm gegenteil verworffen werden. Denn heisset nu das Arianisch geleret / wenn wir vnsere zuhörer auff den einigen Heiland JEsum Christum / Gottes vnd Mariae Son weisen / vnd sagen / das sonst niemand die gewalt habe selig zu machen / oder mit S. Petro / das ausser dem Namen Jesu kein heil zu hoffen / Act. 4. vnd mit S. Paulo / das kein ander grund gelegt könne werden / denn der einige Name Jesu Christi. 1. Cor. 3. Ja mit dem Heiland selbst: Qui non honorat Filium, non honorat Patrem. Wer den Son nicht ehret / der ehret auch den Vater nicht. Joan. 5. Mit welchen Sprüchen allen wir allein zu dem Son / der allein dazu gesandt / vnd in die Welt kommen ist / das er vnser Saluator sey / gewiesen werden. Ist nu dis (sagen wir) für Arianisch / vnd ketzerisch zu halten / so mögen alle fromme Christen vrteilen / was in dem Wunderbuch der Concordiae, vnd Apologiae für ein Christus vorgetragen werde. Wir erschrecken von gantzem hertzen / vnd entsetzen vns ob dieser grewlichen vermessenheit / das vnser gegenteil die vnwandelbare ewige Warheit Gottes für Arianische Lesterung schelten / vnd ausruffen darff. Der ewige getrewe GOTT gebs jhnen in der zeit der gnaden zuerkennen / damit jhnen solche schwere Sünd nicht zum Gericht vorbehalten werde. Denn wir gar nicht zweiffeln / wo sie dieses nicht erkennen / vnd zu
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gleich Gott / vnd der Christlichen / von jhnen bisher hoch geergerten / vnd jemerlich betrübten Kirchen / noch vor jhrem ende mit ernst werden abbitten / sondern in solcher meinung verharren / vnd dahin sterben / das es jhnen zur Sünde wider den heiligen Geist / daruor Gott alle Christen ewiglich behüten wölle / gereichen werde. Denn wer der Arianischen Lesterung (Gott geklagt) den Weg / vnd die bahn wider in die Kirchen weise / haben sie sich mehr / denn gut ist / zuersehen aus der tabella phrasium Serueticarum, vnd andern angehengten Sprüchen der newen Antitrinitarier / in der getrückten Collatione sententiae orthodoxae, & Iacobiticae de persona Christi, wider die Disputation Anno 80. zu Wittembergk gehalten / in welcher Collatio̅ diese newe Lehr vnsers gegenteils zu grund vmbgestossen / wie jhnen denn in ewigkeit vnmüglich sein / vnd bleiben wird / sich mit warheit dawider zuschützen. Vnd zwar / das sie vnser Lehr wider jr eigen Gewissen verketzern / vnd verdammen / bezeugen sie wider sich selbst mit ferner anziehung eben desselbigen Spruchs Athanasij /(Fol. Apol. Erf. 78. a.) darauff wir vns beruffen / der jhnen recht / vns aber falsch sein sol. Die wort Athanasij / vber den Spruch Christi: Matth. xj. Omnia mihi tradita sunt à Patre, pag, 290. lauten also: Tradita enim sunt illi, vt medico, qui sanaret morsum serpentis: Et vt vitae, quae excitaret mortuum: Et vt luci, quò illuminaret tenebras: Et vt rationi, quò redintegraret vim rationalem. Et paulò post: Certè, qua ratione sibi omnia tradita essent, indicare volens Saluator, per Matthaeum subintulit: Venite ad me omnes, qui laboratis, & onerati estis, &
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ego reficiam vos. Datum enim est mihi, vt fatigatos reficiam, & mortuos viuificem. Das ist / (wie es in vnser teutschen bekentnis verdolmetscht ist) Es ist jhme alles gegeben / als dem Artzte / der den biss der Schlangen heilete / vnd als dem Leben / welches die todten aufferweckte / vnd als dem Liechte / dardurch er die finsternis erleuchtete / vnd als dem verstendigen ewigen WORTE / damit er die vernünfftige Krafft in dem Menschen widerumb zu recht brechte. Vnd bald hernach: Als der Seligmacher wolte anzeigen / wie jm alle ding vbergeben seind / hat er durch seinen Apostel Matthaeum darauff setzen lassen: Kompt her zu mir alle / die jr müheselig / vnd beladen seid / ich wil euch erquicken. Denn mir ist es gegeben / das ich die müheseligen erquicke / vnd die todten lebendig mache. Bisher Athanasius. Dieweil denn vnleugbar / daß das ewige Wort derselbige Artzt ist / welcher auch vor seiner Menschwerdung Adam vnd Euam / in jrem verwundetem gewissen / wider geheilet / vnd durch den Propheten rüffet / Ich bins der gerechtigkeit leret / vnd ein meister bin zu heylen / oder zu helffen. Jesa. 63. vnd freilich das herrliche zeugnis des Euangelisten Joannis am ersten / In jm war das leben / vnd das leben war das licht der menschen / mit nichten von der angenomenen natur Christi / sondern von seiner ewigen Gottheit mus verstanden werden / in massen auch Cyrillus sagt lib. 1 ad Reginas de recta fide: pag. 314. Nouissimus Adam, hoc est, Christus, quia non indigebat vita, vtputa DEVS, factus est in Spiritum nos viuificantem: quae viuificatio diumae naturae propria est possessio.
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Vnd endlich / dieweil das ewige Wort darumb vom Himel hernieder komen ist / das es vns zu gut Mensch / vnd also vnser getrewer Medicus, vnd warhafftiger Helffer würde / nicht aber sein menschliche Natur mit sich vom Himel hernider gebracht / die auch zu solchem heilsamen ampt für sich allein viel zu wenig gewesen wer / So vermag ja mit keinem bestendigen grunde geleugnet werden / das solche amptsverwaldung / sampt aller zugehörigen Maiestet / vnd herrligkeit / dazu sich der Son von anfang der Kirchen freiwillig von seinem himlischen Vater vns zu trost hat senden lassen / vnd die er jm nicht selbst one beruff / noch wider seines ewigen Vaters wolgefallen zugezogen / keins wegs nur von der angenomenen Natur zuuerstehen sey. Vnd folgt drümb nicht / das der Gottheit in Christo newe Krefft gegeben seyen / Söndern das ewige Wort hette seine ewige almechtige Krafft vns zu helffen nimmermehr angewand / wenn nicht in dem geheimbten allerheiligsten Schos des Vaters / solch ampt / jm / als dem Son / vnd einigem Versöner / vollmechtiglich auffgetragen / vbergeben / vnd befohlen wer / nemlich / das er sich in vnser fleisch senden lassen / vnd nach volbrachtem Opffer / durch sein Leiden / vnd aufferstehung wider in sein vörige ewige herrligkeit eingehen solt. Dieses / vnd nichts anders meinet Cyrillus / da er spricht: Accepisse gloriam, potestatem, & regnum super omnia, referendum est ad conditionem humanitatis. Denn er hiemit das ewige Wort keins wegs darumb ausschleusset / söndern wil eben solchs verstanden haben von derselbigen Person selbst / welche Mensch worden / vnd in
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conditione humanitatis, das ist / relatiuè, viel anders / denn absolutè in der blossen Gottheit betrachtet wird. Denn also erkleret er in demselbigen gantzen Buch die conditionem humanitatis (wie er redet) das ist / den stand im fleisch / per incarnationis mysterium, durch das geheimnis der menschwerdung / dadurch freilich nicht nur die angenomene Natur / sondern das ewige Wort selbst / von welchem der Euangelist bezeuget / quod Verbum caro factum sit, das Wort ward fleisch / verstanden wird. Nam existens in forma, & aequalitate Patris, DEVS Verbum, (spricht daselbst Cyrillus vber den Spruch Act. 2. Dextra Dei exaltatus: &c. pag. 366.) quod ex illo, fortissima dextra, & manus vera, inanitus quidem dicitur propter humanitatem: Exaltatus verò rursus, non in externam dignitatem, & qua olim caruerit, conscendens: sed rediens ad gloriam, & eminentiam sibi implantatam, & in ipso semper existentem. Exaltatur enim humanè, quamuis secundum naturam existat altissimus. Factus est enim homo. Et hoc opinor est naturae conditio, & inanitio, quae dicitur. Quin Deus homo factus, quamuis nihil habitus sit, quàm solus homo, & ita videbatur, praedicatus est in gentibus, & fides habita est ei in mundo. 1. Tim. 3. Honoratus item, vt verè Filius Dei, ac Patris, summaeque nobilitatis gloriam recepit, Deus esse creditus: nec insolita res illa ei est, sed verum dicimus, summissum in humanitate, & exaltatum videri, quamuis summa etiam gloria conspicuum. Haec ille. Tom. 3. de recta fide ad Reginas. Hieraus ist klar / das beide Stende / so wol der nidrigung / als der erhöhu̅g / von der gantzen Person / die Mensch worden ist / vnd nicht nur von der angenomenen Natur Christi geredet / vnd verstanden werden.
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Ob nu wol der Gottheit für sich nichts weder ab / noch zugehet / so ists doch weit vnterscheiden / wenn man vom ewigen Wort absolutè, oder relatiuè redet. Vnd zwar / nach dem vnser gegentheil nicht leugnen(Fol. Apol. Erf. 78. a.) kan / sondern bekennen / vnd sagen mus / es sey offenbar / das Athanasius lere / Es sey eben darumb die Person des Sons Gottes zu dem ampte / die Menschen selig zu machen / erwehlet / dieweil er von ewigkeit ein erleuchtend Liecht / vnd lebendigmachendes Leben gewest ist / Mit was gewissen verleugnen sie denn / das eben mit derselbigen erwelung zu solchem ampt / allein dem Son / vnd sonst niemand / weder im Himel / noch auff Erden (verstehe nicht allein keiner Creaturen / sondern auch dem Vater / vnnd heiligem Geist selbst nicht) derselbige beruff / vnd ampt der menschwerdung zu vnserm heil / mit aller vollmacht / vnd gewalt / dazu gehörig / als einem gesandten (jedoch derselbigen Person hoheit / vnd einigkeit im Wesen mit dem Vater / vnd heiligem Geist nichts begeben) vffgetragen / vbergeben / befohlen / vnd vertrawet sey? Heist das nicht jm selbst mit eignem Munde widersprechen? Denn es hilfft sie nicht / das sie die wesentliche Krafft / so der Gottheit eigen ist / vnd bleibt von ewigkeit in ewigkeit / one ab / vnd zugang / one schmelerung / oder vermehrung / mit der verwilligten vollmacht / lebendig / vnd selig zu machen (so zum mitlerampt gehörig / vnd freilich nicht nur vff die menschliche Natur kan gezogen werden / man wolte denn vorsetzlich zu Stanckaro / welcher das mitlerampt nur auff die Menscheit deutete / tretten) für vnd für vermischen / Söndern eben hiemit werden sie selbst zu öffentlichen Arianern / weil sie der Menscheit Christi göttli
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che wesentliche eigenschafften zusehreiben / in massen die newe / vnd alten Antitrinitarier / wie auch Serueti bekentnis ausgewiesen / das gedicht de reali, & physica idiomatum communicatione nie geleugnet / ja aus diesem vngrunde wider die wesentliche ewige Gottheit des Sons gestritten / weil es (jhrem fürgeben nach) ohne noth / das der Heiland wesentlicher ewiger Gott sein müste / sintemal one das seine Menscheit mit empfangener / oder mitgeteilten Maiestet / Almacht / alwissenheit / vnd andern göttlichen eigenschafften in der that gezieret sey. Also bestehet nu vnser ander Argument / sampt dem ersten / noch fest / vn̅ vnbeweglich. Welchs wir gleichwol der Warheit zum besten / etwas ausfürlicher haben erkleren müssen / dieweil das gegentheil viel vngereimbtes alhie geheuffet / vnd in einander gemenget. Bitten derwegen den Christlichen Leser / das er vnser nottürfftige verantwortung anders nicht / denn zu allem guten auffnemen wolle / vnd sönderlich der angezogenen Regeln / welche sich am bequembsten / wenn man eine mit der andern vergleicht / erkleren lassen / ingedenck bleiben. Denn dadurch die folgende argument offt illustrirt werden / von welchen wir nu mehr desto kurtzer (so fern sichs leiden wil) zu handeln / vns in richtiger Ordnung befleissigen wollen.

Das dritte Anhaltische Argument.
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(III.) DAs dritte Argument betreffende / findet sichs zwar mit wenig rühm vnsers gegenteils / jedoch mit Warheit / das sie jre Sach bey dem vn
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berichten hauffen jrer Subscribenten nur mit dieser groben Sophiftica schmücken / vnd bementeln / das die Person Christi getrennet werde / wo man jhnen diese Reden nicht laß passicren / das die Menscheit Christi almechtig / alwissend / allenthalben sey. Dieweil wir sie aber gebeten / sie wolten die bekante Lehr / da man in Schulen vnterscheidet zwischen denen wörtern / die man nennet Concretum, vnd abstractum, helffen erhalten / vnd nicht schwechen / Haben sie bisher / wie wir in vnser Apologia pag. 246. der jhrigen Reden etliche namhafftig ausgesetzt / dieselbige zum teil schimpflich verworffen / zum teil misbraucht / vnd verkeret / Endlich aber diese ausflucht funden / der Name Abstractum komme her vom wort abstrahere, das heisse so viel / als separare. Darumb sie vns in dem recht geben / das nemlich die Menscheit von der Person Christi abgesöndert / oder getrennet / vnd gescheiden / nicht sey allmechtig / alwissend / allenthalben / sie sey aber doch gewislich / vnd in der that almechtig / alwissend / vnd allenthalben / so fern sie von der Person Christi vnabgesöndert bleibe. Dieses nu / vnd nichts anders ist noch für vnd für jr behelff / vnd meinung. Sie gehen aber alhie sehr kurtz furüber / vnd sagen /(Fol. Apol. Erf. 78. a.) es sey nicht noth zu beweisen / das die Scholastici das wort abstractum in sensu Etymologico gebraucht haben. Gleich als wer es vmb das Etymon, woher das wort in der Grammatica seinen vrsprung habe / zu thun / vnd nicht viel mehr / was in dem geheimnis von der Menschwerdung des Sons Gottes / von diesen Reden / vnd newen Glaubens artickeln zu halten sey / da sie fürgeben:
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Das fleisch Christi sey almechtig / alwissend / allenthalben. Denn dieweil ein anders ist / wenn man von der Person redet / von welcher man freilich widerwertige ding sagen kan / als das sie sey endlich / vnd vnendlich / sichtbar / vnd vnsichtbar / gecreutzigt / vnd nicht gecreutzigt / gestorben / vnd nicht gestorben / aufferstanden / vnd nicht aufferstanden / gen Himel gefaren / vnd nicht gen Himel gefaren / etc. Ein anders aber / wenn man von den Naturen besonders redet / So mus man ja beides mit fleis in acht neme̅ / damit allezeit zugleich der Person vnzerstörliche einigkeit wider Nestorium / vnd der beiden Naturen wesentliche vnterscheid wider Eutychen erhalten werde. Denn jener trennete die Person / weil er nicht wolt nachgeben / das man sagen solt / der Son Gottes ist für vns gecreutzigt / Gott ist für vns gestorben / dieser aber vermischte die Naturen / dieweil er lerete / die Gottheit Christi selbst sey für vns gecreutzigt / vnd gestorben. Vnd stacke Eutyches eben in diesem jrthumb / wie vnsere Antagonisten warhafftig noch stecken / ob sie wol nicht gern dauon hören / das nemlich scheiden / vnd vnterscheiden ein ding sey. Damit sie aber jtzt der Sachen ein bessern schein geben / machen sie dreierley genera communicationis idiomatum, da doch von anfang der Kirchen nicht mehr / denn vom ersten / vnd einigem geredet / vnd geschrieben ist worden. Denn die Ampts Namen / als Mitler / Erlöser / Versöner / Seligmacher / Heiland / ewiger König / vnd Hoherpriester sein / etc. machen kein communicationem idiomatum, sondern gehören Christo nach beiden Naturen / die
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weil ein jede das jre / so jhr gebüret / zu solchem ampt thut / vnd wirckt / daraus ein algemeine wolthat der erlösung folget / vmb welcher willen auch der Mitler beide Naturn an sich haben muste. Was aber die praerogatiuen / vnd vortreffliche Gaben / so der menschlichen Natur beides vmb der persönlichen vereinigung mit dem Wort / vnd erhöhung willen zur rechten des ewigen Vaters gebüren / können dieselbigen noch viel weniger vnter die göttlichen Eigenschafften gerechnet / oder jn ein besonder genus communicationis idiomatum gezogen werden. Denn COMMVNICATIO IDIOMATVM ist ohne allen zweiffel nur die Regul / dadurch das grosse geheimnis von der Menschwerdung des ewigen / vnd eingebornen Sons Gottes ausgesprochen wird / da nemlich vmb der persönlichen vereinigung willen beiderley Naturn wesentliche eigenschafften / vnd natürliche wirckungen / der Person zugeschrieben werden / ob sie wol von derselbigen Natur / der sölche eigenschaffte / vnd Wirckungen gehören / nicht alweg genennet wird. Als / der Son Mariae ist Schöpffer Himels / vnd Erden / Der Son Gottes ist für vns gecreutzigt / vnd gestorben. Dis ist beides war / per communicationem idiomatum, weils von der Person geredet wird / die Gott / vnd Mensch zugleich ist. Darumb mus auch in der erklerung allezeit der verstand vff die Natur / vmb welcher willen diß / oder jenes von der Person geredet wird / dirigirt / vnd gezogen werden. Wie den̅ die Apostel den vnterscheid angezeigt haben / Chri
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stus ist gestorben nach dem fleisch / vnd lebendig gemacht nach dem Geist. 1. Petri 3. 4. Item / Er ist Dauids Son nach dem fleisch / vnd erwiesen Gottes Son nach dem Geist. Rom. 1. 9. So denn in primo genere, welchs allein von der rechten / vnd eigentlich also genanter communicatione idiomatum handelt / die propositiones abstractiuae nicht gelten / wie gelten sie denn in tertio, quod est idiomatum communicationis genus fictitium? Es kan ja eine proposition nicht zugleich falsch / vnd warhafftig sein. Darzu ist weltkündig / vnd offenbar / das D. Heshusius aus Preussen hat weichen müssen / vmb der proposition willen / das er sol fürgeben / vnd gestritten haben; Caro Christi in abstracto est omnipotens. Vnd haben vnsere Collocutores zu Hertzbergk / An̅o 78. jr iudicium von diesem streit damals also gestelt / das sie D. Wigando / der sich Bischoff zu Pomezan schreibt / mehr beyfall gegeben / denn seinem gegenteil D. Heshusio. Ists denn vnrecht geredet / Caro Christi, seu humana natura in abstracto est omnipotens, omniscia, vbique, &c. (wie denn D. Heshusius so fern / Gott lob / kommen / das er zu Quedlinburgk selbst gestritten / quòd caro Christi non sit vbique / vnd wir aus warhafftigen gründen göttliches Worts gar nicht daran zweiffeln / das alle dieselbige propositiones in abstracto vnrecht seyen / man verstehe das Abstractu̅ gleich Dialecticè, wie sichs gebürt / oder Etymologicè, wie die Herrn Verfasser damit spielen / ja man setze gleich die determinationem in abstracto dazu / oder las sie dauon) Wie komen denn die Herrn Verfasser der Erfurdischen Apologien vff die widerwertige meinung / das sie
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eben dieselbige propositiones, vmb welcher willen D. Heshusius seines Bistumbs entsetzet worden / vnd sie mit jrem beyfal das gegenteil iustificirt haben / numehr als abstractiuas vertheidingen. Was ist denn für ein vnterscheid; In abstracto, oder abstractiuè esse omnipotentem, omniscientem, omnipraesentem? D. Heshusius ist ja viel zu gelert dazu / denn das er abstractum, vnd distractum für eins solt gehalten haben. So schriehe sein gegenteil durch öffentlichen Druck / welcher noch vorhanden ist / die phrasin determinatiuam, in abstracto, für einen blohen dunst aus (denn das ist die bischoffliche höffligkeit) Wie sollen denn nu allererst dieselbige propositiones für Glaubens artickel angenomen werden / sonderlich dieweil gantz / vnd gar nichts in der meinung geendert wird / wie auch in phrasi kein vnterscheid zusehen / ausgenomen / das propositio in abstracto nu genent wird propositio abstractiua. Aber sie werden der Kirchen Gottes jhren Bawers glauben mit solchem nichtigen / vnd an jhm selbst widerwertigen beweis / vnd process noch lang nicht einreden. Gott erleuchte nur ferner (wie er gnedigst angefangen hat) die hochlöblichen Heupter / so wird man wol erfaren / was sie für einhelligkeit / vnd gewisheit jres glaubens behalten werden. Denn das sie die proposition Theodoreti; Sola caro(Fol. Apol. Erf. 47. b.) in Christo passa est: Vel, Christus, in quantum Deus, impatibilis est, noch nicht aus der Rede S. Petri / Christus hat gelitten nach dem fleisch / recht verstehen / vnd zulassen wöllen / sondern solam carnem halten für solitariam, & separatam carnem, das ist alzu grob / vnd in vnser Apologia / bey diesem dritten argument mit vielen herrlichen zeug
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nissen der alten rechtgleubigen Lerer gnugsam erklert / vnd ausgefürt / das alhie ferner wort dauon zu machen vnnötig. Nur allein / das man bey der distinctiua, SOLA, daraus sie ein disiunctiuam, vnd separatiuam machen / beides jrn Eutychianismum / vnd Flacianismum zu mercken hat. Jenen zwar in gegenwertigem Artickel / da sie dem Leiden Christi ein solche meinung auffdichten / gleich als habe das ewige Wort des fleisches schmertzen mit gelitten / vnd den todt auch etlicher massen / oder suo modo (wie sie reden) für sich geschmecket: Diesen aber im artickel von der Rechtfertigung / da sie per fidem solam, auch verstehen solitariam, hoc est, ab omni bono proposito separatam. Denn nach jrer meinung nicht alle in das vertrawen / vnd eigener Ruhm / sondern auch die gegenwart der guten Werck / das ist / der newe vorsatz von Sünden abzulassen / in der rechtfertigung vor Gott die Seligkeit hindern sol. Wollen jtzt geschweigen / das die propositio: Sola fide apprehendimus Christum, qui est iusticia nostra, in den heiligen Sigillen der Christlichen Religion mus bey jhnen nicht mehr heissen: Sola fide apprehen dimus Christum. Gleich als weren in Gottes Wort brieff / vnd Sigel wider einander / oder müste / was an einem Ort war ist / am andern falsch sein / welchs kein rechtgleubiger nachgeben / vnd jnen zubeweisen in ewigkeit vnmüglich vorfallen wird. Derwegen sie dem vnterscheide inter solam, & solitariam carnem Christi; Item, inter naturas in Christo distinctas, & separatas, billig etwas besser nachdencken / vnd mehr berichts dauon aus Gottes Wort / vnd den alten rechtgleubigen Kirchenlerern annemen solten.
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Dieweil denn ABSTRACTVM in dieser Lehr nicht heisst etwas abgesonderts von der Person Christi / sondern was einer jeden Natur in derselbigen Person Christi / one schaden / oder trennung der persönlichen einigkeit / für sich eigentlich gebüret / damit man von Christo / zugleich als warhafftigen Gott / vnd warhafftigen Menschen / aus heiliger Schrifft recht gedencken / reden / vnd gleuben könne / vnd nicht aus jhm mache entweder einen göttlichen Menschen / wie Nestorius / oder einen menschlichen newerschaffenen Gott / wie Arius / vnd Eutyches: Dieweil auch die persönliche vereinigung / so wol als die exaltation, oder erhöhung / den vnterscheid der Naturen (welcher nirgend anders woher / denn nur allein aus den vnterschiedlichen wesentlichen eigenschafften / vnd natürlichen wirckungen fleust / vnd genommen werden kan) mit nichten auffhebt / noch zerstöret / sondern viel mehr erhelt / vnd bekrefftiget / denn sonsten keine persönliche vereinigung sein könte / sondern wer zugleich ein trennung / vnd vermischung / wie aus Nestorij / vnd Eutychis schwarm zusehen / welche beiderseits aus misuerstand der Lehr / die man communicationem idiomatum nennet / hergeflossen. So würde auch sonsten die Exaltation / viel mehr ein destruction / vnd austilgung der menschlichen Natur sein / wider den schönen / trostreichen Spruch Augustini: Carni suae immortalitatem dedit, naturam non abstulit. Item, Ambrosij: Eadem est corporis Christi etiam in gloria veritas, quae in nobis est, &c. Auff welche meinung auch Gerson, Cancellarius Parisiensis, recht vnd wol geschrieben: Gloria carnem Domini non tollit, sed extollit; non interficit, sed perficit.
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Diesen zeugnissen allen zu wider / ist offenbar / vnd an tage / das durch die vbelerdachte allenthalbgegenwertigkeit der menschlichen Natur Christi / die substantz / vnd Warheit derselben angenomenen Menscheit viel mehr zerstöret / vnd ausgetilget / denn erhöhet / oder geehret werde. Daher man auch billig / vnd mit warheit sagen kan: Vbiquitatis commentum carnem Domini non extollit, sed tollit; non perficit, sed perimit, ac interficit. Vmb dieser / vnd dergleichen vieler andern hochwichtigen vrsachen willen / die mit keiner sophistica können vmbgestossen werden / widerholen wir vnser drittes argument mit bestendigem grund / vnd lassens alle gelerten / vnd verstendigen vrteilen / wie folget: In abstracto, oder abstractiuè von den Naturen in Christo reden / ist einerley art. Denn zu beiden teilen ein jede Natur / doch ohne absönderung / oder trennung von der Person / für sich betrachtet wird. Nu haben vnsere Colloquenten vor der zeit an D. Heshusio selbst gestrafft / vnd verworffen / die propositiones in abstracto: Da man nemlich fürgeben / vnd gestritten / carnem Christi in abstracto esse omnipotentem, omniscientem, omnipraesentem. Ergo, So folget vnwidersprechlich / das auch dieselbige propositiones, welche man jtzt in der Erfurdischen (Fol. Apol. Erf. 41. 42.) Apologia abstractiuas nennet / falsch sind. Denn was in abstracto falsch ist / mus auch abstractiuè falsch sein. Das kan nimermehr feilen. Vber dieses schliessen wir also: Die erhöhung der menschlichen Natur in Christo beruhet auff dem geheimnis der persönlichen vereinigung
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mit dem ewigen Wort / als vff dem einigen fundament / vnd heuptgrunde / vmb welches willen zu keinem Engel / sondern allein zu dem Son Mariae gesagt ist / Setze dich zu meiner Rechten. Heb. 1. Es verursacht aber die persönliche vereinigung kein realem communicationem idiomatum Deitatis in carnem, wie nicht allein allen rechtgleubigen / vnd dieses geheimnis verstendigen bekant ist / söndern vnser gegenteil wider sich selbst bezeuget / dieweil es in primo genere communicationis idiomatum (ausser welchem doch in warheit nicht mehr genera communicationis idiomatum können erwiesen werden) die propositiones abstractiuas selbst verwirfft. Derwegen folgt vnwidersprechlich / das auch die erhöhung / vnd Maiestet der menschlichen Natur in Christo kein sölche mitteilung der göttlichen eigenschafften ins fleisch verursachen könne / wie vnser gegenteil dichtet / vnd fallen demnach die propositiones abstractiuae auch in tertio genere communicationis idiomatum wegk. Diß vntergeben wir (wie gemelt) allen gelerten / vnd verstendigen zu vrteilen. Denn was an einem Ort falsch ist / das kan am andern nicht war sein / Sonst müste Warheit etwan auch vnwarheit sein / welchs vnmüglich ist / vnd bleibt vnmüglich in alle Ewigkeit. Wir protestiren aber alhie aduersus calumniam, & sophisticam. Denn wenn wir mit allen rechtgleubigen / vnd verstendigen sagen: Es seyen nicht drey genera, sondern nur ein genus co̅municationis idiomatum; So sagen wir darumb nicht / das nur einerley genus, oder classis propositionum, seu praedicationum de Christo sey / sondern
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communicationis idiomatum (sagen wir) ist nur ein genus. Denn idiomata, seu proprietates naturarum, appellationes officij, vnd praerogatiuae carnis assumtae sind disparata, welche vnterschiedlich von Christo (wo man nicht fürsetzlich die Lehr mit jrthumb confundiren / vnd verdunckeln wil) verstanden / vnd erklert werden müssen / secundum triplicem illam gratiam, vnionis, capitis, & habitualem: Wie droben im andern argument aus den alten Schullerern deutlich angezeigt / vnd erwiesen worden.

Das vierte Anhaltische Argument.
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(IIII.) DAs vierte Argument vbergehen sie stillschweigend / derwegen es noch fest stehet / Wie folget: Es ist vergeblich / vnd kan nicht bestehen / wenn man das jenige zum beweis / oder erklerung anzeucht / welches jederman bekennet / das es weder gewesen / noch seye / oder sein werde. Nu bekennet ja vnser gegenteil selbst / das das fleisch Christi ausserhalb der persönlichen vereinigung mit dem ewigen Wort / niemals gewesen / noch seye / oder sein werde. Derhalben so kan auch die erklerung der Praefation vber die formula Concordiae, darüber vnser bedencken wolmeinende gestellet / vnd vbergeben ist worden / nicht bestehen. Denn sie ist nicht allein an sich selbst vergeblich / vnd
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nichtig / sondern auch der Sachen / dauon der streit ist / öffentlich zu wider / das nemlich die göttliche Maiestet (wie jhre wort in der Praefation lauten) der menschlichen Natur Christi nicht ausserhalb der persönlichen vereinigung solte zugeschrieben werden. Welchs Argument wir darümb alhie widerholen / auff das wir bey der Heuptsachen bleiben / vnd den statum causae vns nicht verendern lassen. Denn hieraus klar zusehen ist / wie die gute Herrn Verfasser in jrer Sach entweder so gar schwach / vnd seicht fundirt sein / oder viel mehr jhre verwundte Gewissen hiemit selbst an tag geben / dieweil sie nicht richtig bey der Sach bleiben / söndern was jnen nicht dient / mit stillschweigen vbergehen / daneben aber vrsach suchen / den Leser von der Heuptsach abzufüren / vnd als denn das jenige zum beweis anzuziehen / dauon noch die Frage ist. Denn jnen ja nicht vnbekant / das wir von der angenomenen / oder vereinigte̅ / vnd nicht abgesonderten menschlichen Natur Christi reden / vnd dauon ist die Frage / Ob die angenomene menschliche Natur Christi sey almechtig / alwissend / allenthalben. Diese phrases, vnd modos loquendi, wie sie in jhrer Praefation vber die formulam Concordiae genennet werden / sol man aus Gottes Wort / vnd andern Büchern / so daselbst für die richtschnur / oder Regel / vnd norma reiner Lehr von jhnen selbst (wiewol sie nicht allein in phrasibus, sondern auch in rebus fern dauon abgewichen / vnd noch abweichen) angezogen sind / beweisen / So vermeinen sie mit solcher bementelung der Sachen abzuhelffen / vnd allen misuerstandt / vnd ergernis (wie sie daselbst contradictoriè
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bedingen) auffzuheben / das die menschliche Natur nicht ausserhalb der persönlichen vereinigung ermelte göttliche Maiestet der allmechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit habe. So doch diß nichts anders ist / denn ein sophistica elusio, & veri status translatio, welchs man in Schulen nennet fallaciam secundum plures interrogationes. Da ein anders gefragt / vnd auff ein anders geantwort wird. Ob sie aber gleichwol Christo nicht auch ein abgesönderte Menscheit andichten / wird im folgenden argument bewiesen.

Das fünffte Anhaltische Argument.
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(V.) DEnn zum fünfften wir aus jhrem dogmate vnwidersprechlich schliessen / wie sie denn solchen Schluss / welchen sie derwegen auch stilschweigend vbergehen / in ewigkeit nicht werden vmbstossen können / vnd wir billig für bekant anziehen / das sie nicht mit einer syllaben darauff zu antworten vermocht. Denn es ist vnmüglich / das dieser schluss geleugnet könne werden / sondern bestehet aus Gottes Wort vnbeweglich / wie wir alle verstendigen nochmals solches erkennen lassen / vnd demnach vnser argument widerholen / welchs also lautet. Was zugleich endlich / vnd vnendlich / vmbschrieben / vnd nicht vmbschrieben / allenthalben / vn̅ nicht allenthalbe̅ / alwissend / vnd nicht alwissend / almechtig / vn̅ nicht almechtig ist / oder sein kan / das mus vnwidersprechlich nicht einerley / sondern zweierley Natur / oder Wesen an sich haben. Denn die Regel der göttlichen Warheit ist / vnd bleibt vn
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wandelbar in ewigkeit: Quodlibet est, aut non est. Ein jeglichs ding / das mus ja / oder nein sein. Item: Nihil simul potest esse tale, & non tale. Es kan nichts zugleich schwartz / vnd weis sein. Denn wie kan ein eintzige Natur (spricht Damascenus im dritten Buch) solche ding an / vnd in sich haben / die vnterschiedene Naturen machen / vnd deswegen in einer Natur zugleich nicht bestehen können? Oder / wie ist es müglich / das ein eintzige Natur zugleich erschaffen / vnd nicht erschaffen / sterblich / vnd vnsterblich / vmbschrieben / vnd nicht vmbschrieben sey? Das fleisch Christi / so der Son Gottes aus dem Leib der Jungfrawen Marien / in einigkeit seiner Person / angenomen hat / ist / vnd bleibt ein warhafftiges fleisch / vnd menschlicher Leib in alle ewigkeit / mit vns eines Wesens / fleisch / Bein / vnd Geblüt / von vnserm geblüt / Bein / vnd fleisch / in allem vns gleich / ausgenomen die Sünde / wie solches die gantze heilige Schrifft / vnd alle rechtgleubigen Kirchenlerer von anfang bis auff diese stunde / vnd die heiligen Merterer mit jrem blut bezeuget haben. Darumb mus es entweder zweierley fleisch sein / ein vereinigtes / vnd nicht vereinigtes / deren dieses vnsers Wesens / vmbschrieben / endlich / nicht alwissend / almechtig / allenthalben: Jenes aber almechtig / alwissend / allenthalben / vnendlich / vnumbschrieben / vnd demnach nicht vnsers Wesens were. Oder / sol das vereinigte Fleisch Christi vnsers Wesens sein / vnd bleiben / wie wir alle gleuben / So kan es nicht mit göttlichen / vnendlichen eigenschafften / vnd maiestet der almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit gezieret sein. Denn solches wer keine zier / sondern abtilgung der Natur / wie Lutherus saget: Negans
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proprietates, negat naturas. Wer die eigenschaffte̅ verleugnet / der verleugnet die Naturen selbst. Item / Theodoretus: Proprietatum deletio, vtriusque naturae negatio est. Der eigenschafften vertilgung / ist beider Naturen verleugnung. Dieweil denn dieser Schluss vnwidersprechlich noch fest stehet / so werden sie ja hiemit augenscheinlich vberwiesen / das sie dem HERrn Christo zweierley Menscheit andichten / ein angenomene / vnd nicht angenomene. Welchs auch hieraus klar zusehen ist / das sie in der formula Concordiae fol. 302. mit austrücklichen / vnd deutlichen worten bekennen / das der Leib Christi / wie er auff Erden gangen / vnd am jüngsten tag wider erscheinen werde / also nicht in Gott / oder bey dem Vater / noch im Himel sey. Sondern er sey in Gott nach himlischer maiestetischer weis / dadurch er in allen Creaturen wunderlich zugegen sey / in / vnd ausserhalb / vnter / vnd vber alle ding / vnumbschrieben / vnd vnbegreifflich. Welchs ja im grunde nichts anders ist / noch sein kan / denn ein Leib one glieder / größ / leng / gestalt / form / vnd disposition eines Leibs. Was wer aber dis anders / denn ein blos gedicht / phantasma / oder schein eines Leibs / dadurch all vnser Glaub / Hoffnung / Freud / Ehr / vnd trost / so wir an dem Son Gottes haben / darumb das er vnser fleisch vnd blut worden ist / verschwinden müste. Das edictum Iuftiniani betreffende / welchs wir bey diesem argument in vnser Apologia / pag. 265. angezoge̅ / vn̅ mit einem Spruch Athanasij / vnd Damasceni erklert haben / müssen sie vns recht lassen / das nemlich die menschliche Natur Christi anders nicht / denn in der Person des Worts / ausser welcher sie für sich selbst niemals gewesen / noch sein kan / sol betracht werden.
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Das sie aber dazu setzen (Denn es dem Christlichen Concordibuch / oder den vnsern nie in sinn komen / zu leren /(Fol. Apol. Erf. 78. b.) das Christi fleisch für sich ein eigene subsistentiam, oder Person gehabt / etc.) Solchs wer jnen zwar wol zu gönnen / wenn nicht das gegenspiel aus jhrem dogmate vnwidersprechlich folgete. Als zum Exempel / Ist Christus mit seinem Leib / wie er auff Erden raum geben / vnd genomen / vnd an jenem tag reumlicher / vmbschriebener / begreifflicher / sichtbarer weis widerkomen wird / nicht in Gott / wie das Concordibuch vnbesonnen fürgibt / fol. 302. So mus er ja nach derselbigen vmbschriebenen / sichtbaren / oder begreifflichen weis / nach welcher vff Erden das Opffer für vnser Sünde am stamme des Creutzes geleistet ist worden / eine besondere subsistentiam, oder Person ausserhalb der Person Gottes des ewigen Worts gehabt haben / vnd also müste folgen / das nicht Gott / sondern ein pur lauter Mensch für vns gelitten hette. Welche Lehr vns allen trost wegnemen würde. Derwegen sie billig von allen fromen Hertzen verworffen wird. Mit was Gewissen haben denn im Concordibuch so viel blinden Subscribenten dieselbige nichtige / vnd verwerffliche Lehr approbirt / vnd angenomen? So sind ja der jhrigen Bücher / darauff sie sich ferner beruffen / vorhanden / in welchen allerley / nicht allein Eutychianische / sondern auch Nestorianische art zu reden / hauffen weis zu finden. Als / das der Son Gottes hab den Son Mariae angenomen. Der Son Mariae werde von dem Son Gottes erfüllet.
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Der Son GOttes wohne in dem Son Mariae. Der Son Gottes erfülle S. Petrum mit seinem Wesen / so wol als den Menschen Christum. Solche / vnd dergleichen Reden stehen fast in allen büchern D. Brentij / Jacobi Andreae / vnd jhres gleichen / die sie von diesem streit geschrieben. Welche freilich dahin zeigen / vnd lauten / als wer ein ander Gottes / ein ander Mariae Son. Ein ander das ewige Wort / oder der eingeborne des Vaters / ein ander der Mensch Christus / oder des Menschen Son. Das jhnen auch sölche hochgefehrliche jrsame Reden nicht vnuorsehens entfaren / sondern mit gutem bedacht / fürsatz / vnd ernst also gesetzt sind / ist daraus offenbar / das sie die persönlichen vereinigung der beiden Naturn in Christo nur allein aus der wirckendlichen / vnd thätlichen mitteilung der göttlichen volkomenen Maiestet / vnd eigenschafften ins fleisch / beschreiben / vnd sonsten dafür halten / das die Gottheit des ewigen Worts nicht weniger in Petro / denn in Christo wohne. Welches vngehewre dogma (so vns den HERrn Christum nicht zugleich natürlichen Gott / vnd Menschen sein lesset / sondern nur einen göttlichen Menschen aus jhm machet) in der Concordiformul fol. 312. gleichsfals asserirt / vnd vortheidinget wird / wie droben de confusione graduum praesentiae Dei gnugsam erwiesen ist. Können sich derwegen die adhaerenten desselbigen Concordibuchs / sampt den Herrn Verfassern der Erfurdischen Apologien / nicht allein des Nestorianismi / so wenig als des Eutychianismi / mit keinem bestendigen grund entlestigen / söndern sind mit diesem vnserm fünfften argu
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ment / welchs noch vnbeweglich / vnd fest stehet / in jhrem verbranten Gewissen / für Gott / vnd allen heiligen gliedmassen der himlischen / vnd jrdischen Kirchen vberzeuget / das sie dem HERRN Christo zweierley Menscheit andichten / ein vmbschriebene / nach welcher er eines Wesens mit vns ist / nemlich wie er auff Erden gangen / vnd also (jrem fürgeben nach) nicht in Gott sein sol. Vnd ein maiestetische / vnumbschriebene / vnsichtbare / vnbegreiffliche / nach welcher er in Gott / vnd bey dem Vater im Himel / ja vberal / in / vnd ausser / vber / vnd vnter allen Creaturen sein sol. Dieweil sie denn aus jrem eigen Concordibuch / vnd andern jres teils Schrifften / darauff sie sich beruffen / dieses grewlichen jrthumbs augenscheinlich vberwiesen werden / so sind alle jre protestationes, die sie dagegen einwenden / oder fürbringen / nichts denn blosse wort / der Sachen vnd That selbst vngemes / vnd gentzlich zuwider. Darümb sich billig alle fromme Hertzen / sonderlich aber die hochlöblichen Heupter / welche Gott zu Schutzherrn der reinen / vnd nicht falschen Religion beruffen / vnd verordnet hat / vor solcher vngehewern / gotteslesteriger / scheutzlichen Lehr / bey verlust des ewigen heils / vnd Seligkeit sollen warnen lassen.

Das sechste Anhaltische Argument.
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DAs sechste Argument / darinnen wir(VI.) vnser Widerpart freundlich gewarnet / das sie nicht zweierley Gottheit dem HErrn Christo an
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dichten sollen / beruhet zugleich vff dem klaren Buchstaben jhrer gedrückten Bücher / darinn dieser alzu grobe jrthumb augenscheinlich zu finden / vnd auff dem somnio de reali idiomatum co̅municatione, seu participatione facta carni, das ist / auff jres gehirns (wie sie reden) erdichten Trawme selbst / das nemlich die menschliche Natur in Christo / so wol als die göttliche / sey almechtig / alwissend / allenthalben. Denn erstlich kan mit nichten geleugnet werden / das D. Brentius / vnd Jacobus Andreae anfenglich dis mit grossem ernst gestritten / vnd verfochten haben / das in dem HERrn Christo nicht allein die ewige Gottheit zubetrachten sey / welche der Son Gottes in sich / für vnd für gehabt / sondern auch die jenige / die der Son Gottes zur zeit der menschwerdung dem Son des Menschen (denn also gefehrlich reden sie / vff gut Nestorianisch / gleich als wer ein ander Gottes / ein ander des Menschen Son) sol mitgeteilt haben. Vnd setzen ausdrücklich zur vrsachen dazu / Alia enim est diuinitas communicans, seu participans: alia communicata, seu participata. Sicut alius est donator, aliud donum. Denn die da mitteilet (sagen sie) ist ein andere Gottheit / als die da mitgeteilt wird. Gleich wie ein anderer ist / der da schenckt / ein anders das geschencke. Solche / vnd dergleichen wort findet man hauffenweis in jren verworrenen streitbüchern / wie wir derselbigen viel in vnser Apologia / pag. 161. 162. 163. vnd 164. trewlich zusamen gezogen / vnd dem Christlichen Leser für augen gestellt haben. Ob sie nu gleich wolten fürwenden / sie hettens her
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nach in jrem Concordibuch ausgesetzt / vnd verworffen / so nemen wir zwar für bekant an / das sie es für ein teuffels(Fol. Apol. Erf. 78. b.) lehr schelten / vnd zweiffeln gar nicht / das es besser nicht zu tituliren sey. Jedoch verwundert vns nochmals nicht vnbillig / dz sie (vber vnsere so offt widerholte erinneru̅g) nichts desto weniger die Brentianische / vnd Jacobitische Epitheta von der communicirten / geschenckten / vnd mitgeteilten göttlicher Almechtigkeit / vnd almechtiger Gottheit im Munde behalten / vnd nur in gemein zur entschüldigung fürgeben / sie dichten kein zeitliche / oder erschaffene Gottheit. Item / Es sey nicht mehr / denn ein einige göttliche Allmechtigkeit / welche sie doch eben so wol auff die menschliche / als vff die göttliche Natur in Christo ziehen / ja diese Eutychianische / vnd Schwenekfeldische Reden noch trutziglich / vnd beharrlich für einen gewissen eigentlichen Glaubensartickel vertheidingen / quòd ipsa humana natura, seu caro Christi sit Deus, Das Christus Gott sey nach beiden Naturen / vnd sein fleisch sey auch Gott. Zum andern / bringet die Sach den beweis / vnd des gegenteils widerlegung selbst mit sich / so lang sie jre gedicht von der allenthalbenheit / alwissenheit / vnd almechtigkeit des fleisches Christi behalten. In massen aus diesem vnserm sechsten Schluss / oder argument klar zusehen ist / welchs wir mit nachfolgender erklerung deutlich widerholen. Sol es war sein / das die menschliche Natur in Christo sey almechtig / alwissend / allenthalben / so ist sie es entweder durch ein besondere / erschaffene / vnd von den wesentlichen eigenschafften der göttlichen Natur vnterschie
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dene almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit: oder durch die ewige / wesentliche / vnerschaffene almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit der Gottheit selbst / das also der göttlichen / vnd menschlichen Natur Krafft / Weisheit / vnd vnendligkeit / an der zahl einerley / vnd nicht zweierley / noch vnterschieden sey. Es kan aber dieser fürgeben keins mit warheit bestehen / denn das erste verwerffen die Herrn Verfasser selbst / das ander aber ist dem ersten so verwandt / das der vnterscheid nur in worten / vnd nicht in der that beruhet. Denn wie aus dem ersten ein notwendige austilgung folgen müste des vnbeweglichen Artickels / darinn wir gleuben / vnd bekennen / das nur ein einiges göttliches Wesen in der heiligen Dreyfaltigkeit / vnd demnach auch nicht mehr / denn nur ein einiger almechtiger Gott sey / also kan aus dem andern keines wegs verhüttet werden die Arianische / vnd Eutychianische vermischung des Schöpffers mit seinem geschöpffe. Sintemal die Regel / damit von den alten rechtgleubige̅ Lehrern zugleich den Arianern / Eutychianern / vnd Monotheleten begegnet worden / vnwidersprechlich war ist / vnd bleibt in alle ewigkeit: Quorum operatio, & virtus in differenter vna est, his necesse est speciei vnitatem seruari. Wo einerley Wirckung / Krafft / vnd Weisheit ist / da ist nothwendig einerley Natur. Darumb auch Cyrillus in Ioann. lib. 2. recht sagt: Similiter operantur, quae omninò eiusdem naturae sunt. Welche ding gantz / vnd gar einerley Natur haben / die haben auch einerley Wirckunge. Item, Hilarius lib. 6. de Trin. Per hoc & Filius, & Deus esse creditur Christus, quòd opera Patris efficiat.
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Aus den Wercken des Vaters / die Christus thut / wird beides erkant / das er der natürliche Son des Vaters / vnd derwegen Gott selbst sey. Vnd setzet die vrsach dazu / wie folget: Non enim exaequatur, & similis est Deo creatura. Si reperiri aliquid potest eiusdem virtutis, erit eiusdem etiam substantiae. Das ist / Kein Creatur / oder geschöpff ist dem Schöpffer gleich. So etwas könte erfunden / oder gezeigt werden / das einerley Krafft mit dem Schöpffer hette / das müst auch einerley Natur / oder Wesen an sich haben. Bisher Hilarius. Dieweil denn die Herrn Verfasser die exaequation, dadurch die Naturn in Christo einander werden gleich gemacht / selbst verworffen (verstehe mit dem Munde / verbaliter; denn realiter, vnd in der that bleibt sie / so lang sie jr Vbiquitet / vnd realitet verfechten) So müssen sie entweder das gedicht / von der allenthalbenheit / alwissenheit / vnd almechtigkeit der menschlichen Natur fallen lassen / oder so sie fürgeben / die menschliche Natur sey auff ein andere weis almechtig / alwissend / allenthalben / denn die göttliche Natur / werden sie nicht furüber können / eben mit dieser nichtigen entschuldigung zweierley almechtigkeit / alwissenheit / vnd vnendligkeit zu dichten / derer die eine sey der Gottheit wesentlich / die andere der Menscheit nicht wesentlich / söndern thätlich: Oder / wie sie sonst reden / Jene wird physica sein / die mitteilerin / oder geberin / Diese hyperphysica, die mitgeteilte / empfangene / oder geschenckte / vngeacht / das nichts an Krafft / Weisheit / noch wirckung vnendlich / oder almechtig kan genennet werden / das an
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ders woher (wie die menschliche Natur in Christo / von der Person des ewigen Worts) vnd nicht von sich selbst sein erhaltung hat. Stellen also dis vnser sechste argument / welchs wir hiermit / wegen der Sachen hochwichtigkeit / kürtzlich widerholet / vnd so viel vns müglich gewesen / vmb der einfaltigen willen / auffs deutlichste erkleret haben / nochmals in aller rechtgleubigen / vnparteyischen / vnd verstendigen billigs vrteil / vnd erkentnis.

Das siebende Anhaltische Argument.
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(VII.) ZVm siebenden / mögen vnser Widersacher in warheit es dafür halten / vnd gleuben / das wir aus jrer scheutzlichen Lehr wenig freude haben / vnd viel mehr aus Christlicher Lieb / zu notwendiger erinnerung / vnd warnung / vnser bedencken bisher gestellet / denn das wir lust haben solten / in weitleufftige disputation vns mit jnen einzulassen. Dieweil wir aber der massen von jhnen ausgeschriehen / vnd in der Erfurdischen Apologi vffs new / als Ketzer (wiewol vnüberwiesen / Gott lob / vnd wider recht) verdampt werden / so mögen sie jhnen selbst / vnd nicht vns die schuld zuschreiben / das wir aus vnuormeidlicher noth / die Warheit / vnd Ehr Gottes / neben vnser vnschuld zu retten / jhnen nach dem natürlichen / göttlichen / vnd beschriebenen Recht / in der gebür antworten / vnd was für vngereumbte paradoxa aus jrem gedicht von der wirckentlichen
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allenthalbenheit / alwissenheit / vn̅ almechtigkeit der menschlichen Natur in Christo entspringen / one schew anzeigen. Nach dem sie denn jtzt abermal in vnserm sechsten argument augenscheinlich vberwiesen sind / das sie Christo zweierley almechtigkeit andichten / vnd die falsche proposition, Caro Christi est Deus, Das fleisch Christi ist Gott / für einen eigentlichen vnwidersprechlichen Glaubens artickel stracks wollen gehalten haben: Daneben aber im fünffte̅ argument auch vberzeugt worden / dz sie zweierley Menschheit / oder Leib in Christo fingiren (den̅ nach dem ersten / wie er vns gleich auff Erden gangen / vnd am jüngsten tag widerkomen wird / sol er nach der Lehr des Concordibuchs fol. 302. nicht in Gott sein / nach dem andern aber sey er vnumbschrieben / vnsichtbar / vnbegreifflich / almechtig / alwissend / allenthalben / vnd also in Gott / nach art der beschreibung / die sich gar zu vnsern Leiben nicht reimet / noch etwas mit vns gemein hat) Dieweil denn solchs (sagen wir) mit vnwidersprechlichen gründe̅ ausfürlich bisher auff sie erwiesen ist / vnd so lang erwiesen bleibt / so lang sie das gedicht von der Vbiquitet des fleisches Christi nicht endern / vnd fallen lassen / So kan ja kein verstendiger Christ leugnen / das sie an statt der zweyen Naturn dem HERrn Christo viererley Naturn zuschreiben / vnd also das trostreiche geheimnis von der Menschwerdung des ewigen Worts (so viel an jnen ist) gar zu nichts machen / vnd böslich verkeren. Denn ob sie wol zum schein mit worten dawider protestiren / so folgt es doch aus jrer reali communicatione idiomatum in der that. Darumb was sie verbaliter, das ist / mit worten verwerffen / das vertheidingen sie realiter, mit der that.
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Dieweil wir denn mit jhren eigen worten bekennen müssen / das solche jre Lehr von der Vbiquitet des fleisches (Fol. Apol. Erf. 78. b.) Christi / daraus so viel grewliche paradoxa, vnd gantz vngereimbte meinungen herfliessen / ein verflucht teuffelisch gedichte sey / so ist auch bey vns kein zweiffel / das es (wie jhre wort / die wir jnen hiemit / vnser vnschuld zu retten / wider zu haus schicken müssen / alhie schrecklich lauten) der leidige Satan aus der Hellen selbst / welcher ein Vater der Lügen ist / diesen Meistern dietiret hab. Welchs auch Gott gewislich an jhnen straffen wird / wo fern sie nicht in der gnadenzeit (wie wir jne̅ hertzlich gönnen / vnd für sie bitten) rechtschaffene Busse thun / vnd es jm mit zerknirsten hertzen abbitten. Dazu jhnen GOTT helffe. Amen.

Das achte Anhaltische Argument.
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(VIII.) DAs achte Argument ist in vnser Apologia dermassen mit Gottes Wort / vnd der alten rechtgleubigen Lehrern zeugnis verwaret / das dem gegenteil vnmüglich gewesen / vnd wol vnmüglich bleiben wird in ewigkeit / richtig darauff zu antworten / geschweigen mit grund dasselbig vmbzustossen. Es fleust aber her / aus dem vnwidersprechlichen Artickel von der Schöpffung / vnd aus der vnwandelbarn Regel der ewigen Warheit / dadurch man von einem ding nicht widerwertigs / das ist / zugleich ja / vnd nein / reden kan. Denn es heist: Quodlibet est, aut non est. Item, Nihil simul potest esse tale, & non esse tale.
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So wird nu im Artickel von der Schöpffung vor allen dingen der Schöpffer von dem geschöpff / vnd hernach die Creaturen selbst nach jhrem Wesen von einander vnterschieden. Der Schöpffer ist ein vnendlichs / ewiges / vnermeslichs Wesen / in allem / wiewol vnuerschlossen: vber alles / aber vnerhaben: vnter allem / jedoch vngedrücket. Das heisset habere modum essendi repletiuum, alles erfüllen / vnd zugleich vberal gantz zugegen sein / wesentlich / vnd krefftig / welches alle in Gott zugehöret / vnd wenn man von etwas mit warheit sagen kan / das es allenthalben sey / so mus vnwidersprechlich folgen / das es Gott selbst sey. Hoc enim est Deum esse, quod simul vbique totum esse: Spricht Augustinus de ciuit. Dei. Das heist GOTt sein / nemlich gantz / vnd gar zugleich vberal sein. Item: Deus est totus in coelo, totus in terra, non alternis temporibus, sed vtrunque simul: quod nulla natura corporalis potest. GOTT ist gantz / vnd gar im Himel / gantz / vnd gar auff Erden / nicht zu vnterschiedenen zeiten / sondern zugleich auff ein mal / welches kein leibliche Natur vermag. Item: Solius Trinitatis proprium est, quia non est corpus, vt vbique sit tota, per spacia locorum non diuisa. Es gehört allein der Dreyeinigkeit zu / dieweil sie kein Leib ist / das sie mit jhrer gantzen substantz allenthalben sey / vnd durch keinen raum / oder Ort getrennet werde. Et Magister sententiarum lib. 3. Distinct. 33. Sola diuinitas essentia est illocalis, & incircumscriptibilis. Allein die Gottheit ist ein vnendliches / vnd vnbegreiffliches Wesen.
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Was aber ein Creatur heisset / vnd ist / dasselbig alles hat / vnd behelt diese wesentliche eigenschafft an sich / das es zugleich nicht mehr / denn an einem Ort ist / noch sein kan / man wölle denn die Creatur mit dem Schöpffer vermischen / vnd den gantzen Artickel von der Schöpffung zu grund zerstören. Denn es kan / noch vermag diese gemeine Heuptregel von allen geschöpffen Gottes / nicht geleugnet / noch durch einiges exempel / oder exception restringiret / vnd eingezogen / oder geschwechet werden / dauon Ambrosius sagt / lib. de Spiritu sancto: Omnis creatura certis suae naturae limitibus est circumscripta, nec creatura dicenda est, quae non habet circumscriptam, determinatamque substantiam, & virtutem. Ein jegliche Creatur ist mit gewissen Zielen jhrer Natur vmbschrieben / es sol auch kein Creatur genent werden / die nicht ein vmbschriebene / vnd endliche substantz / vnd Krafft hat. Ist auch nichts geredet / das man solchs für ein schwacheit der menschlichen Natur in Christo wolte anziehen / welche nach dem stand der nidrigkeit sey abgelegt worden / sondern es bestehet dawider die Schulregel noch fest / vnd vnbeweglich: Finitas, & circumscriptio circa creaturam, est potius complementum ipsius, & perfectio, quàm infirmitas. Das die Creaturen endlich / vnd vmbschrieben sind / das ist viel mehr jhr volkomenheit / denn jr schwacheit. Vnd kömpt hiemit vberein die Regel Lutheri: Negans proprietates, negat naturas. Wer eines dings natürliche eigenschafft leugnet / der verleugnet desselbigen dings Natur selbst.
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So ist nu gewis / vnd vnwidersprechlich / Das alles in allem erfüllen: das ist / modus essendi replens omnia, wie mans in Schulen zu nennen pflegt / allein Gott zugehöret. Was denn nicht Gott selbst / sondern vnter Gott / das ist / ein Creatur / oder geschöpff ist / das ist alles seiner Natur / Krafft / vnd wirckung halben abgemessen / oder endlich / vnd vmbschrieben. Jedoch hats ein andere meinung / vnd gelegenheit mit den Geistern / als mit den Leibern. Denn jene nicht fleisch / vnd Bein an sich haben / wie diese. Vnd sind doch jene / so wenig / als diese / ja sie können beiderley nicht mehr / denn an einem Ort zugleich sein / nur das diese mit leiblichem raum / nach größ / statur / vnd Ordnung der vnterschiedenen glieder / gleich vmbzirckelt / vnd vmbschrieben / jene aber nach eigenschafft jrer Natur vnbegreifflicher / vnsichtbarer / vnd doch anders nicht / denn endlicher weis / beschrieben werden. Derwegen die Geister definitiuè, die Leibe circumscriptiuè etwa sind. Dieser beiderley art reimen sich mit nichten auff Gottes Natur. Denn ob wol die Engel so wol als Gott / vnsichtbarer / vnd vnbegreifflicher weis sind / wo sie sind / so sind sie doch zugleich nicht mehr / denn an einem Ort. Als zum exempel / Der Engel / so dem Apostel / der in Asia betet / beystunde / konte zu derselbigen zeit nicht bey andern sonst in der Welt sein. Darümb der alte Lerer Didymus lib. 1. de Spiritu sancto, wie auch Basilius lib. de Spiritu sancto, cap. 22. hieraus die Gottheit des heiligen Geistes erweisen / das er
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zugleich in aller Apostel Hertzen gewonet / welche doch weit von einander / hin vnd wider in der Welt zerstrewet waren. Vnd wird hiemit klar bewiesen / das weder an vielen / noch allen Orten zugleich sein / einiger Creatur / sondern allein Gott zugehöre. Denn sonst der Schluss Didymi daselbst vnkrefftig sein würde / welchen er also fasset: Si enim Spiritus sanctus vna de creaturis esset, saltem circumscriptam haberet substantiam, sicut vniuersa, quae facta sunt. Nam etsi non circumscribantur loco, & finibus inuisibiles creaturae: tamen proprietate substantiae finiuntur. Spiritus autem sanctus, cum in pluribus locis sit, non habet circumscriptam substantiam. Das ist / Wenn der heilige Geist ein Creatur wer / so müst er zum wenigsten / wie alle geschöpffe / ein vmbschriebene Natur haben. Denn ob wol die vnsichtbaren Englische Natur in keinem raum / noch Ort beschlossen wird / so hat doch jhr Wesen ein solche eigenschafft / das es endlich / vnd vm̅schrieben ist. Aber der heilige Geist / weil er an vielen Orten zugleich ist / hat er kein vmbschriebene endliche Natur. Soviel aber die leibliche Geschöpff belanget / ist so gar vnmüglich / das sie auff vnsichtbare / vnbegreiffliche weis / ohne lenge / größ / gestalt / Ordnung / raum / stell / oder Ort der vnterschiedene̅ stück / oder gliedmassen sein können / das auch der HERR selbst seinen aufferweckten / vnd nu mit ewiger Krafft / herrligkeit / vnd vnsterbligkeit verklerten / oder gloriftcirten Leib / sonst nirgend anders woher / denn von der rechten natürlichen beschreibung aus dem Artickel der Schöpffung / vnd demnach mitten aus der
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physica philosophia genomen / beschreibt / vnd vertheidingt / das er kein gespenst sey. Denn sehet (spricht er) vnd fület / ein Geist hat nicht fleisch / vnd bein / wie jr sehet / das ich habe. Luc. 24. Welchs argument necessitate definitionis vnwidersprechlich zum gegenteil schleusset / das diß kein warhafftiger menschlicher / sondern viel mehr ein Marcionitischer / erdichter Leib sey / der nicht sichtbarlich / vnd begreifflich fleisch / vnd bein an sich habe. Kan demnach / noch vermag ein natürlicher Leib nicht sein vnumbschrieben / vnbegreifflich / oder vnendlich / welches der alte Lerer Cyrillus so hoch bekrefftigt / vnd betewert / das er in libro de Trinitate mit deutlichen worten sich erkleret: Quòd adeò sit corpori proprium, in loco, & magnitudine, seu quantitate esse, vt etiam diuinitas, si esset corpus, nec quantitatem, & magnitudinem, nec loci circumscriptionem effugere posset. Das es einem Leib also eigentlich zugehöre / das er an eim gewissen Ort / gewisser grösse / oder quantitet sey / das auch die Gottheit / wenn sie ein Leib were / weder der quantitet / oder der grösse / noch der reumlichen vmbschreibung entgehen könte. Dieweil denn im Concordibuch fol. 302. die dreierley weise etwa zu sein / von dem Leib Christi also erkleret werde̅ / das derselbige / wie er vff Erden gangen / circumscriptiuè, nicht in Gott sey: Definitiuè wie ein Geist etwa ist / sey er im Sacrament: Repletiuè aber / vff maiestetische weis / da der Leib Christi alles erfülle / sey er in Gott / vnd mit Gott ein Person / etc. So antworten wir hierauff mit bestendigem grund /
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das wir aus hochwichtigen vrsachen diese Lehr zu billigen / nicht vnbillig bedencken tragen. Denn in warheit hiedurch vff ein mal die gantze Lehr von Christo verleugnet wird. Erstlich / das der Son GOTtes für vns gelitten hab. Zum andern / das der warhafftige Leib Christi wesentlich im heiligen Abentmal ausgeteilt / vnd empfangen werde. Zum dritten / das Gottes Son Mensch worden / vnd durch sein Leiden / vnd sterben mit vnserm fleisch in die herrligkeit warhafftig eingangen sey. Denn erstlich bezeugt die gantze heilige Schrifft / das vnser Heiland Jesus Christus sein ampt auff Erden also verrichtet hab / das er niemals mit seinem Leib mehr / denn an einem Ort zugleich gewesen. Zu Nazareth ist er in Mutterleib empfangen / Zu Bethlehem geborn / In Aegypten ist er ein Exulant gewesen / im Tempel hat er mit den Schrifftgelerten disputirt / Am Jordan ist er getaufft / In der Wüsten ward er versucht / In Judaea / vnd Galilaea ist er von Flecken zu Flecken vmbher gezogen / Zu Hierusalem eingeritten / Vor Pilato verurteilt / Zu Golgoltha gecreutzigt / vnd kan mit keinem grund angezeigt werden / das er vor / oder nach seinem Leiden an vnterschiedenen / (wollen geschweigen / an allen Orten zugleich) gewesen sey. Dieweil denn Christus nach solcher weise / wie er mit seinem begreifflichen vmbschriebenen Leib auff Erden gangen / da er raum geben / vnd genomen / nach seiner leiblichen größ / wie er auch am jüngsten tag also wider komen wird / nicht sol in Gott sein / als das Concordibuch leret /
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wie hat denn der Son Gottes dasselbig alles / in massen aus den Euangelisten jtzt vffs kürtzeste angezeigt / vnd erzelet worden ist / ausgerichtet? So wird ja die gantze Euangelische Historien nur von einem blossen Menschen müssen verstanden werden. Dis wollen guthertzige Christen wol bedencken / vnd nicht vff die Person / sondern auff die Warheit sehen. Denn hierauff beruhet vnser gantze Seligkeit / das wir gleuben / Der Son Gottes selbst / vnd nicht ein blosser Mensch / hab sein Blut für vns vergossen. Solchs hat nicht in einem maiestetischen / vnbegreifflichen Leib geschehen können / denn ein solcher Leib / der alles erfüllen sol / hette weder gefangen / noch ans Creutz gehefftet / viel weniger am Holtz getödtet werden können. Ist nu Christi Leib / wie er am holtz gehangen / leiblich / begreifflich / endlich / vnd vmbschrieben / nicht in Gott / so sind wir noch vnerlöst. Denn einem blossen Menschen wer dasselbige grosse Werck zu volbringen vnmüglich gewesen. Wie der 49. Psalm bezeugt: Kan doch ein Bruder niemand erlösen / noch Gott jemand versünen. Denn es kostet zu viel jhre Seele zuerlösen / das ers mus lassen anstehen ewiglich. Nu lauten die wort in der Concordi formul noch viel gefehrlicher / denn von einem blossen Menschen. Sintemal der Apostel bezeugt / das wir alle in Gott leben / weben / vnd sind. Act. 17. Die Concordisten aber geben für / das auch der Leib Christi nach seiner grösse / wie er auff Erden gangen / vnd am jüngsten tage wider komen werde / nicht in Gott sey / viel weniger kan er nach dieser meinung des Sons Gottes selbst eigener Leib sein.
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So gar wird von der Concordiformul der Leib Christi / welchen sie doch (die Vbiquisten) am höchsten ehren wöllen / geunehret / das er auch geringer / denn aller andern Menschen Leibe geschetzet wird. Denn in Gott leben / weben / vnd sind wir alle / wie wir auff Erden gehen / vnd wandeln / ein jeder nach seiner statur / lenge / dicke / vnd größ. Allein aber der Leib Christi sol nach seiner größ nicht in Gott sein. Denn (sagen sie) Gott ist nicht ein leiblicher raum / oder stedte. Gleich als müste darümb folgen / das der Leib Christi / welcher seiner größ halben / ohne raum / vnd stedt nicht sein kan / also betrachtet / ausser Gott sey? Hat denn der Son Gottes einen Leib / ohne raum / vnd stedte / one gliedmassen / vnd größ an sich genomen? Freylich folgt hieraus nichts anders / denn ein Nestorianische trennung der Person Christi / wenn sein Leib / wie er auff Erden leiblicher weis raum geben / vnd genomen / vnd das gantze Werck vnser Erlösung / keines wegs anders / denn leiblicher weis / wie die Historien ausweiset / vnd die Kinder im Catechismo bezeugen (Hoc certissimè verum est, Das ist gewislich war) verrichtet hat / nicht sol in Gott sein. Wir wollen aber dem Christlichen Leser alhie jhren Schluß zu judiciren für augen setzen. Gott ist nicht ein leiblicher raum / oder stedte. Der vmbschriebene Leib Christi / wie er auff Erden gangen / vnd am jüngsten tage widerkomen wird / kan nicht one raum / vnd stedte sein. Derhalben ist der vmbschriebene Leib Christi / wie er
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auff Erden gangen / vnd am jüngsten tag wider komen wird / nicht in Gott. In Schulen würde man nicht allein schlecht / vnd einfaltig antworten; Ex puris negatiuis nihil sequi. Sondern auch anzeigen / das kein Spruch recht an dem andern hange. Denn es sind wol fünff termini in diesem Schluß / da sich nur drey zu sein gehörten / nemlich. 1. GOTt. 2. Raum. 3. Leib Christi. 4. One raum sein. 5. Nicht in Gott sein. Darümb gibt es keinen Schluß / Sondern folget eben auff einander / als wenn man fürgeben wolt: Die menschliche Seel ist vnsichtbar / vnd hat keine stück / oder gliedmassen an sich. Der menschliche Leib aber ist sichtbar / vnd von vnterschiedenen gliedmassen / als stücken des Leibes zusamen gesetzt. Derwegen ist der menschliche Leib mit der Seeln nicht persönlich vereinigt. etc. Das nu dieses vnrecht geschlossen sey / kan ein jeder verstehen. Also müste der vörige Schluß viel anders gerichtet sein / nemlich: GOTT ist one leiblichen raum. Das fleisch Christi (welchs vnser gegenteil wol fürgibt / aber noch nicht erwiesen hat) ist Gott. Darumb ists one leiblichen raum.

Oder:
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Was one raum / vnd stedte nicht sein kan / das kan nicht in Gott / noch mit dem ewigen Wort persönlich vereinigt sein.
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Der Leib Christi / wie er auff Erden gangen / vnd am jüngsten tage wider komen wird / kan seiner größ halben / nicht ohne stedte / vnd raum sein. Darümb kan der Leib Christi / wie er auff Erden gangen / vnd zum endlichen Gericht widerkomen wird / nicht in Gott / noch mit dem Wort vereiniget sein. Aber welcher verstendiger Christ wird solchs mit gutem Gewissen können nachgeben? Der mittelspruch ist zwar vnleugbar / Der Schluß aber streittet zugleich wider den Glauben von der Schöpffung / da wir mit Paulo bekennen / Das wir alle in Gott leben / weben / vnd sind. Act. 17. Vnd wider den artickel von der Erlösung / denn er trennet die Person Christi / gleich als were der Leib Christi off Erden ausser Gott gewesen / ja das endliche Gericht wird hiemit einem blossen Menschen zugeschrieben. Darumb vnwidersprechlich folget / das am ersten Spruch der mangel sey / das nemlich vnser gegenteil nicht allein die gradus praesentiae Dei, abermal jhrer nichtigen protestation zu wider / confundirt (denn ein anders ist / in Gott sein / welchs sich auff alle Creaturen erstreckt / ein anders / die persönliche vereinigung der beiden Naturen in Christo) Sondern auch derselbigen proposition / In Gott sein / vnd mit dem Wort persönlich vereinigt sein / noch keine recht verstehen / oder erkleren. In massen die Jesuiten zu Meintz newlich wider vnser gegenteil ausfürlich / vnd gnugsam erwiesen / das jhnen freilich Gewissens / vnd Ehren halben / endlich einmal den Jesuiten viel mehrden̅ vns / mit bestendiger widerlegung zu begegnen obliegen wird / welchs sie bisher mit grund nicht
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haben zu wegen bringen können / darans jnen zweiffels one auch ferner mangeln wird. Denn die offenbare Warheit lesst sich nicht dempffen. Zum andern / widersprechen wir darumb dieser Lehr / das nemlich der Leib Christi dreierley weise zu sein / oder etwa zu sein / an sich hab / damit wir nicht mit jnen zu Stenckfelder / vnd Sacramentirer werden. Denn dieweil der Leib Christi im gesegneten Brod / vnd Wein des heiligen Abentmals / definitiuè, das ist / wie es in der Concordiformul fol. 302. erkleret wird / also sein sol / wie das gesicht / der klang / oder dohn / das Licht / vnd hitze / durch Lufft / Wasser / glaß / Crystallen / vnd dergleichen fehret / So wird hiedurch eben der geistler (wie sie Lutherus genant) opinion bestetigt / vnd die warhafftige gegenwart im heiligen Abentmal zu grund zerstöret. Welchs nicht allein abermals die gemelten Jesuiten vnlangst in jhrer ausfürlichen disputation zu Meintz wider die Vbiquiste̅ gnugsam erwiesen / Sondern auch Thomas Aquinas selbst klar bezeugt / das definitiuè, das ist / nach der Geister / oder Engeln weise an einem Ort sein / die gegenwertigkeit des warhafftigen Leibs im heiligen Abentmal viel mehr hindere / denn befördere / wie aus folgenden seinen eigenen worten zu sehen. Nec est definitiuè in hoc Sacramento Christi corpus: quia sic non esset alibi, quàm in illo altari, vbi conficitur hoc Sacramentum: cum tamen sit in coelo in propria specie, & in multis altaribus sub specie Sacramenti. Haec ille: parte 3. summae Theol. quaest. 76. art. 5. Es ist aber hiebey auch dieses zu bedencken / wie fein die Herrn Verfasser der Apologia jre wort in acht haben /
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nach dem sie so offt bedingen / der streit im H. Abentmal sey nicht de modo praesentiae (denn die weise sey ein verborgen geheimnis) vnd setzen doch in der Concordi formul / der Leib Christi sey im Brod des Abentmals geistlicher weise / wie der klang / hitz / Licht. Wo bleibt denn die praesentia corporalis, darumb es allein zuthun sein sol? Vnd zwar sie sind auch dißfals der Sachen mit einander nicht einig. Denn eins teils vnter jhnen sagen / Modum praesentiae ignoramus. Die Theologen aber zu Franckfurt an der Oder / in censura confessionis Nic. Menij, setzen dawider: Modum praesentiae nos ignorare falsò dicitur. Solten derwegen durch einander der Sachen selbst zuuor einig werden / ehe sie andere zuuordammen sich anmasseten. Dagegen halten wirs einfeltig dafür / wenn man ja mit Luthero also reden wolte: Corpus Christi esse definitiuè in Sacramento coenae: das man wol am sichersten thete / man blieb bey der Heuptsachen / vnd ließ die nebenstreit / de tribus modis essendi, de vbiquitate, vnd dergleichen (darümbs anfenglich mit nichten fürnemlich / wie jtzt / zuthun gewesen / ja die Lutherus nicht allein selbst zu letzt hat fallen lassen / sondern auch in medio feruore disputationis frey öffentlich bekant / das es zufellige ding seyen / die nicht zur Heuptsachen gehörten / noch dieneten) an jhrem Orte bleiben. Die Heuptsache aber beruhet vff dem einigen grunde / das die wort noch fest stehen. So lasst vns nu bey den worte̅ bleiben / damit nicht durch jene frembden vngereimpten gedicht die wort des HERrn hindan gesetzt / vnd geschwecht werden.
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Denn sie freilich in Ewigkeit wol steiff / vnd fest sind / vnd bestehen / wenn nur menschliche glossen / deren das Concordibuch voll ist / daruon bleiben. Es hat der HERR sein Testament gefasst in befehl / vnd beschreibung. Der befehl erfordert des gantzen Menschens zugleich jnnerlichen / vnd eusserlichen gehorsam / Nemet hin / Esset / trincket / Thut solchs zu meinem gedechtnis. Die beschreibung / was wir also nemen / essen vnd trincken sollen / ist die definition, darinn vns die warhafftige gegenwart / austeilung / vnd nissung des warhafftigen Leibs / vnd Bluts Christi angebotten / zugesagt / vberreicht / vnd ausgeteilt wird / nemlich / wie die wort der beschreibung / welchs des warhafftigen / almechtigen Stiffters vnbetriegliche zusage / vnd Verheissung ist / lauten:
Das ist mein Leib / der für euch gegeben wird / Das ist mein Blut / das für euch vergossen wird. So thu nun ein Christ / was der HERR befohlen hat / vnd gleube seinem wort / wie er das Sacrament gestifft / vnd beschrieben hat / Ist ferner one not / viel zu disputiren / oder zu zancken / wie es sein könne / oder nicht. Der HERR wird seine zusage wol halten. Lasset vns nur zusehen / das wir nicht falsch befunden werden. Bey dieser einfalt bleiben wir / vnd lassen vns vom Leib Christi / der für vns ein Opffer worden ist / nicht vff klang / dohn / Licht / oder gesicht weisen / sondern sind gewis / das wir desselbigen Leibs in der warheit teilhafftig werden / der für vns am stamme des Creutzes auffgeopffert ist / welchs kein Geist / noch gespenst gewesen. Sonst hetten die rechtgleubigen Kirchenseribenten aus der Lehr von dem
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heiligen Abentmal die alten Ketzer / Marcioniten genant / nicht widerlegen können / wie allen verstendigen / auch one vnser erinnerung / bekant ist. Zum dritten / ist bisher gnugsam ausgefürt / vnd in offtgedachter Disputation der Jesuiten zu Meintz / wider die formulam Concordiae, vnd Apologiae, mit ewigem vnwiderbringlichem schimpff aller Subscribenten / vnd Patronen erwiesen / das die maiestetische allenthalbenheit des Leibs Christi nichts anders / denn ein Eutychianische vermischung beider Naturn in Christo / das ist / der menschlichen Natur abtilgung / vnd demnach zugleich des geheimnis von der gnadenreichen menschwerdung des ewigen Worts / so wol als der warhafftigen austeilung / vnd nissung des waren Leibs / vnd Bluts Christi im heiligen Abentmal zerstörung / vnd verleugnung sey. Vnd zwar der Christliche Leser wolle solches nochmals hieraus behertzigen. Denn nach dem der heilige Merterer Vigilius lib. 4. vnter andern dis argument wider den Ketzer Eutychen braucht: So das Wort / vnd fleisch in Christo ein Natur ist / Warumb ist denn das Fleisch Christi nicht so wol allenthalben / als das ewige Wort? Welchs gleichwol Eutyches selbst noch viel zu grob geachtet / denn das es bestehen könte. So mus ja vnwidersprechlich folgen / dieweil die Concordisten fürgeben / Der Leib Christi sey auff göttliche / himlische / maiestetische weis allenthalben / da die Gottheit ist / fol. 302. das auch mit diesem fürgeben vermöge des Schluss des heiligen Merterers Vigilij, nur einerley Natur in Christo gedichtet werde. Daraus denn zugleich offenbar / das bey den alten
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Lerern die vbiquitet der Menscheit Christi noch für abschewlicher / vnd viel vngereimbter gehalten worden ist / als die verwandelung des fleisches Christi in die Gottheit selbst. Denn sonst Vigilius ein vergeblich argument ab absurdo ad absurdius wider den Ketzer Eutychen gefüret hette. Bestehet also auch vnser achtes Argument vnwidersprechlich. Vnd hat der Herrn Verfasser Exception / es seyen diuersi respectus, keinen grunde. Denn viel ein anders ist / modus essendi, welchs ist ipsa forma, quae dat esse rei; vnd ein anders / respectus. Dieses ist ein zu zufellige vergleichung / da ein ding gegen das ander gehalten / vnd doch dem Wesen nichts benomen wird: Als / Dauids Leib gegen Goliads Leib / war ein vngleiche leng / nichts desto weniger behielt ein jeder seinen Leib. Substantia enim non recipit magis, aut minus. Jenes aber ist ein solche eigenschafft / ohn welche ein ding nicht bestehen kan. Denn wenn der modus essendi circum scriptiuus von einem Leib kömpt / so höret er auff ein Leib zu sein. Sintemal ein Leib nicht kan sein ohne größ / Figur / vnd gestalt / die sich sehen / vnd fülen lesset / wie der HERR sagt: Sehet / vnd fület / denn ein Geist hat nicht fleisch / vnd Bein / wie jr sehet / das ich habe. Lucae 24. Also ist die andere ausflucht gantz / vnd gar nichtig / ja auch kindisch / vnd schimpfflich von solchen hohen Doctoren / vnd Licentiaten zu hören. Wie sonderlich der Cantzler zu Wittembergk / Herr Licentiat Johan Schütz in seinen Collectaneen aus Luthero zusamen gerafft / sehr damit
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branget / als sey es gar argutum, nemlich / das sie nicht reden / de tribus modis essendi simpliciter, sed alicubi essendi. Denn zweierley vngereimbtes hieraus folget / Erstlich / das sie den modum essendi repletiuum ziehen inter modos alicubi essendi. So doch Gott seiner vnendlichen Natur halben / eigentlich nicht anders / denn vberal (vnd demnach ausserhalb / vnd vber alle Ort) ist / noch sein kan. Vnd wird figuratè, oder impropriè gesagt / das Gott hie / oder dort / oder etwa an einem Ort sey / nemlich / propter singularem efficaciam, & patefactionem gratiae, ac gloriae. Zum andern / fallen sie eben hiemit / wider jhr eigen protestation / vffs newe in das gedicht de quadruplici natura Christi. Denn hat Christus dreierley weis mit seinem Leib etwa zu sein / vnd wie bisher bewiesen / dieselbige modi sind nicht respectus diuersi, sondern gehören ad ipsam formam rerum substantialem, vnd inferiren vngleiche substantz / oder Wesen / nemlich ein leibliche / englische / vnd göttliche / so kan nicht geleugnet werden / das der Leib Christi / nach dieser Lehr / zugleich Gott selbst / ein Engel / vnd theil von einem Menschen sey. Dagegen aber tres modi non simpliciter essendi, sed alicubi essendi, praesupponiren auch vnwidersprechlich / si alicubi essendi tres illos modos habet Christi corpus, quòd alicubi eosdem non habeat. Habet ergò praeter illos tres, alium quartum essendi modum, nondum videlicet explicatum. Vnd also ist nicht auszusprechen / was endlich für ein grewlicher wust vngereimbter Lehr aus der heilosen Vbiquitet folgen werde / welche billig an dem woluerdienten
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Herrn Luthero (wie er selbst gebeten / seine Schrifften zu vnterscheiden / vnd nicht sine iudicio zu lesen) mit Sem / vnd Japhets mantel solte zugedeckt werden. Aber des vndanckbaren Chams geschlecht kan von seiner vnart nicht lassen.

Das neunde Anhaltische Argument.
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ZVm neunden / die vergleichung der Naturen /(IX.) oder wesentlichen eigenschafften verdam̅en sie mit worten / vnd asserirens mit der that. Jedoch nemen wir alhie für bekant an / das es ein(Fol. Apol. Ers. 78. 79.) verdamliche Lehr sey / wenn man die Menscheit in Christo der Gottheit gleich achtet. Nu folget aber vnwidersprechlich aus der Lehr von der almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit des Leibs Christi / das sie entweder zweierley almechtigkeit / alwissenheit / vnd vnendligkeit dichten (wie hiebeuor jhre Bücher öffentlich ausgewiesen / aber jtzt haben sie solches / weil es gar zu grob / geendert) oder machen die menschliche Natur der göttlichen in Christo an Macht / Weisheit / Maiestet / vnd vnendlicher gegenwart gleich. In massen D. Brentins pag. recognitionis 63. vnd D. Jacobus in disputatione de maiestate hominis Christi, thesi 26. austrücklich bekent / vnd deutlich sich erklert haben / wie daselbst jre eigene wort lauten: Humanitatem Christi Diuinitati eius non , sed : non essentia, sed potentia: non natura, sed gloria: non substantia, sed maiestate exaequamus.
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Wir machen die Menscheit des HERRN Christi gleich seiner Gottheit / wiewol nicht am Wesen / jedoch an gewalt / nicht souiel die Natur / sondern souiel die glori / vnd herrligkeit / nicht souiel die substantz / sondern souiel die maiestet anlanget. Vnd ist aus allen vmbstenden zusehen / das sie im gantzen Concordibuch so wol / als in der Apologia nichts anders / denn dieses noch zur zeit lehren / vnd für recht vertheidingen. Derwegen auch in jhrer antithesi fol. Concordiae 314. die wort ambiguè, vnd zweiffelhafftig gesetzt sind. Denn sie haben ein ausflucht erdacht / das fleisch Christi sey wol almechtig / alwissend / allenthalben: aber nicht wesentlich / wie die Gottheit: noch also / das die almacht / alwissenheit / vnd allenthalbenheit wesentliche eigenschafft werden der angenomenen menschlichen Natur / wie es wesentliche eigenschafft der Gottheit sind. Behalten vnter des jhre vorgefaste meinunge / das fleisch Christi sey nichts desto weniger almechtig / alwissend / allenthalben. Denn (sagen sie) viel ein anders ists: Idioma fieri, & idioma communicari, das ist / ein wesentliche eigenschaffe werden / vnd das eine wesentliche eigenschafft nach art der persönlichen vereinigung mitgeteilet werde. Was ist aber dis anders / denn ein exaequatio, oder vergleichung der beiden Naturen? Ja darinnen noch dreierley vngereimbter meinung verfasset / vnd heimlicher verdeckter weise mit einverwickelt werden. Als / erstlich sol die almechtigkeit / alwissenheit / allent
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halbenheit von dem fleisch Christi / nicht aber das göttliche Wesen selbst / realiter, vnd in der that können praedicirt werden. Daraus vnwiedersprechlich folgen müste / das Gott nicht simplicissima, indiuidua essentia, sondern quiddam ex essentia, & proprietatibus compositum sey. Denn diese propositiones in abstracto nemen sie an / die menschliche Natur in Christo ist almechtig / alwissend / allenthalben. Diese aber verwerffen sie / die menschliche Natur in Christo ist die almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit / oder vnendligkeit selbst. Item / Sie haltens für recht / wenn man sagt / die menschliche Natur Christi ist Gott. Aber dagegen verwerffen sie / wenn man sagen wolt / die menschliche Natur Christi ist die Gottheit selbst. Es haben aber die Jesuiten zu Meintz ausfürlich bewiesen / das diese Reden alle aequipollentes sind. Derwegen sie entweder semptlich / vnd sönderlich von der menschlichen Natur in Christo zugleich war / oder zugleich falsch sein müssen. Zum andern / sol nach dieser Lehr die almacht / alwissenheit / vnd vnendliche gegenwart dem fleisch Christi in der that mitgeteilt werden / vnd doch der göttlichen Natur wesentliche eigenschafft bleiben. Das heisset zugleich ja / vnd nein / oder schwartz / vnd weis von einem dinge reden. Denn was eines dings eigen ist / vnd bleibt / vermag keinem andern in der that mitgeteilt werden / oder müste auffhören / des vörigen eigen zu sein / vnd zu heissen. Das kan ein Kind von sieben jaren vrteilen / so bald es das Meum, vnd Tuum zu nennen pflegt.
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Zum dritten / ist vnmüglich / das nicht hieraus zweierley allmechtigkeit / allwissenheit / allenthalbenheit / vnd demnach zweierley Gottheit in Christo folgen solten / weil eine Natur wesentlich / die ander aber nicht wesentlich / sondern thätlich sol almechtig / alwissend / allenthalben / vnd Gott selbst sein. Also werden die Natur in der that einander gleich gemacht / dieweil eine so wol / als die andere almechtig / alwissend / allenthalbe̅ / vnd Gott genen̅et wird. Nach der weise aber / da einer jeden solchs gebürt / werde̅ sie vnterscheiden. Mus demnach einer Naturn almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit / vnd Gottheit / eines grads nidriger sein / als der andern / vnd also die Exaequation in sich selbst wider auffgehoben / vnd getrennet werden. Das ist in der that / vnd warheit nichts anders / denn ein Eutychianus Nestorianismus / vnd Nestorianus Eutychianismus. Denn es gehet nach dem Sprichwort: Error foecundus est. Item, Dato vno inconueniente sequuntur infinita. Bestehet derwegen auch vnser neunde Argument noch fest / vnd vnbeweglich. Wie denn gleichsfals von den Jesuiten zu Meintz gnugsam dargethan ist / was Nestorius apud presbyterum Rhaetensem gemeinet / welcher das gedicht de reali idiomatum communicatione, als seiner Lehr gemes / nie verworffen hat. Dazu nicht weniger / als die Vbiquisten / entweder keinen / oder gar geringen vnterscheid gehalten / zwischen den vocabulis Concreti, vnd abstracti. Ja eben darumb die persönliche vereinigung der beiden Naturn in Christo verleugnet hat / das er mit seinem
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Grosuater Samosateno dafür hielte / Christus als der höchstbegabte Mensch könte nichts desto weniger almechtiger Gott sein / ob er schon nicht ewiger natürlicher Gottes Son in der Person were. Es mögen auch die Herrn Verfasser daselbst warnemen / wie jnen jhr behelff genomen ist / das sie zum schein alzeit fürgeben / Ihr gedicht von der Maiestet sey nach art der persönlichen vereinigung zuuerstehen. Denn wir ein hertzlich mitleiden haben / das sie sich so blos geben / das jrent halben die Jesuiten öffentlich aller Subscribenten der Concordiformul spotten. Derwegen jhre hohe notturfft ist / wie wir nu zum öfftern gebeten / vnd vermant / das sie viel mehr wider die Jesuiten / als wider vns / die wir nichts anders / denn die Warheit / vnd den Fried / wie Gott durch den Propheten Zachariam befohlen hat / suchen / vnd meinen / ein ausfürliche / wolgegründte Apologiam endlich einmal stellen / oder verfassen / vnd ausgehen lassen. Denn wir sonst jhnen zu gefallen nicht können von vnser rechtmessigen protestation wider jhr gedichte Vbiquitet abstehen / Sondern vermanen / vnd bitten viel mehr / das sie selbst Gott zu ehren / vnd schüldigem gehorsam mehr vff die Warheit / denn vff jre affect sehen wolten / vnd es für keine schand achten / einen so groben / vberwiesenen / öffentlichen jrthumb zu reuociren. Denn Recht mus doch recht bleiben / vnd dem werden zu letzt alle frome Hertzen beyfallen. Psalm. 94.

Das zehende Anhaltische Argument.
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(X.) ZVm zehenden / dieweil es vnmüglich ist / das die almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit / von der göttliche̅ Natur / derer wesentliche̅ eigenschafft sie sind / getrennet werden könten (denn sie gehören zu der Gottheit selbst / welche sonst auffhören würde simplicissimum ens zu sein / sondern müste etwas aus der Natur / vnd eigenschafften zusamen gesetzt / das ist / zu einer Creatur werden) Derwegen wird man in alle Ewigkeit aus keinem bestendigen grund der Schrifft / noch vernunfft erzwingen / geschweigen darthun / oder erweisen können / dz die menschliche Natur in Christo / ohne gentzliche vergötterung an jhr selbst / in der that / für sich / in abstracto, almechtig / alwissend / allenthalben sey. Sondern so lang diese Reden von vnserm gegenteil / als Glaubens artickel verfochten werden / das fleisch Christi ist Gott / die Menscheit in Christo ist almechtig / alwissend / allenthalben / so lang mus bey jhnen der vhralte / vnwidersprechliche Glaubens artickel falsch sein / das fleisch Christi ist ein geschöpff / das ewige Wort hat warhafftige menschliche Natur an sich genomen / ist vnsers fleischs / gebeins / vnd geblüts teilhafftig worden. etc. Vnd also verkeren sie die menschwerdung des ewigen Worts in ein blosse vergötterung. Denn sie leren / das fleisch Christi sey Gott / vnd vertheidingen die propositiones abstractiuas, die Menscheit Christi ist almechtig / alwissend / allenthalben / welche Namen allein von der göttlichen Natur mit warheit praedicirt / oder gesagt werden können. Das sie aber dawider excipiren / sie halten / lehren /
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vnd gleuben nichts desto weniger / das die menschliche Natur in Christo sich für vnd für / mit vnser Natur vergleiche / Erstlich / was die substantz / vnd Wesen derselben anlanget / nach welcher Christus seinen Brüdern gleich worden / ausgenomen die Sünde. Hebr. 2. Zum andern / auch was Christi clarificirten / vnd verklerten Leib anlanget. Phil. 3. Zum dritten / das die angenommene menschliche Natur Christi jre wesentliche eigenschafften für vnd für behelt / vnd nimmermehr zum Geist / oder vnendlich wird. Dis alles ist für vns / welchs wir auch von jnen dermassen für bekant annemen / das sie eben hiemit wider sich selbst jr eigen Gewissen auffoecken / vnd bezeugen müssen / das sie jrer andern Lehr keinen grund haben. Denn freilich hiemit alles vmbgestossen wird / was sie bisher de tribus modis essendi, oder alicubi essendi, vnd dergleichen trewmen gestritten haben. Denn ja allen vernünfftigen bekant / vnd dem artickel von der Schöpffung des Menschens zum Ebenbild Gottes (vmb welches willen / auff das nemlich solches alles wider zu recht gebracht / vnd mit nichten abgetilgt / noch zerstöret würde / es dem Son Gottes in seiner menschwerdung allein zuthun gewest) durchaus gemes / das von einem ding nicht contradictoriè opposita, das ist / solche widerwertige Sachen / da jmer ein wort das ander wider vmbstösset / vnd auffhebet / gesagt werden können. Dieweil denn die menschliche Natur Christi / vnser Natur / an Wesen / vnd wesentlichen eigenschafften auch in der verkleru̅g sol gleich bleibe̅ / wie daran kein zweiffel ist /
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(denn er alles / was zu einem volkomenen natürlichen Menschen gehöret / an sich genomen hat / ohne allein die Sünd / welche auch nicht ist ein theil / oder stück / oder erschaffene natürliche eigenschafft am Menschen: was er aber hat angenomen / das behelt er vnzerstört / vnd vnabgelegt in alle zukünfftige Ewigkeit) So kan ja nicht zugleich von jr mit warheit gedacht / gesagt / noch gegleubet werden / das sie GOTT / vnd doch ein Creatur sey / das sie almechtig / alwissend / allenthalben in der that sey / vnd nicht sey. Oder / da es beides von der Menscheit Christi solte war sein / welchs doch vnmüglich ist / so wird es entweder von vnser Natur an vns auch müssen war sein / oder kan nicht bestehen / das Christi / vnd vnser fleisch / ausgenomen die Sünde / einander für vnd für / an Wesen / vnd eigenschafften / auch in der Klarheit gleich sein. Dis Argument wird in ewigkeit wol bleiben / in massen es auch von vnserm gegenteil / wider jhr eigen Gewissen / wie gemelt / viel mehr bekrefftigt / denn im geringsten geschwecht / oder soluiret worden ist. Denn das sie aus der persönlichen vereinigung / vnd mitteilung der Maiestet / so (jhrem fürgeben nach) daraus erfolget / vnd demnach aus der erhöhung der menschlichen Natur in Christo zur rechten Hand Gottes / schliessen wollen / das die menschliche Natur in Christo sey almechtig / alwissend / allenthalben / vnd wie sie reden / Gott / aber nicht zur Göttin worden / vnd das solchs der angenomenen menschlichen Natur verklerung / keines wegs aber derselbigen vergötterung / zerstörung / oder abtilgung sey.
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Dis alles wird one grund von jhnen geredet / nur die einfeltigen im jrthumb zuerhalten / vnd sind eitel vergebliche / hochschwülstige / blosse wort / vnd widerholung des / dauon noch der spann ist / welchs man in Schulen nennet petitionem principij. Denn das jenig / darüber man beweiss / vnd grund von jnen fordert / ziehen sie zur prob an / als wer es albereit erwiesen. Darumb wir nicht mehr darauff zu antworten schuldig sind / denn das wir jhre nichtige Schlussreden / welche sie alhie in einander heimlich verwickeln / vnd verschlagener(Fol. Apol. Erf. 79.) weis verstecken / in die rechte form bringen / damit sie von einem jeden desto leichter mögen geurtheilt werdenn / wie folget. Die ewige Gottheit / vnd Maiestet Christi ist allmechtig / alwissend / allenthalben. Die menschliche Natur ist mit der ewigen Gottheit / vnd Maiestet Christi persönlich vereinigt. Derwegen ist der menschlichen Natur Christi dieselbige Maiestet / das sie auch sey almechtig / alwissend / allenthalben / in der that mitgeteilt. Antwort / Wenn die mittelste proposition also hiess: Die Menscheit Christi ist die Gottheit selbst worden / so würde der Schluss folgen. Sonst hengts eben so wenig an einander / als wenn man schliessen wolt: Die Seel im Menschen ist vernünfftig / vnsterblich / vnsichtbar / one stück / oder gliedmassen. Der Leib ist mit der Seelen persönlich vereinigt.
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Darumb ist der Leib vernünfftig / vnsterblich / vnsichtbar / ohne stücke / vnd gliedmassen / das würde nicht folgen. Denn ein anders ists / von der persönlichen vereinigung / ein anders von einer jeden Naturn wesentlichen eigenschafften reden. Jedoch ist hieraus abermal zu spüren / das vnser gegenteil (wie hefftig auch mit dem Munde sie dawider protestiren) von der angenomenen / vnd vereinigten Menschheit also halten / als hab sie vmb der vereinigung willen mit dem Wort die gleicheit mit vnsern Leiben an jrem endlichen Wesen / vnd eigenschafften / in etwas vnendliches an Macht / Weisheit / vnd gegenwart verendert. Fallen also in jre vörige meinung / es sey in der Person Christi des angenomenen fleischs / vnd bluts ein andere betrachtung / vnd beschreibung / denn wie es vns durchaus gleich ist / vnd bleibet / ohne die Sünd / die zur Natur nicht gehört. Die andere verdackte Schlussrede vnsers gegenteils ist diese: Die rechte Hand Gottes ist allenthalben. Die menschliche Natur in Christo ist zur rechten Hand Gottes erhöhet. Derwegen ist sie allenthalben.

Antwort / wie zuuor:
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Ein anders ists / Die Rechte Gottes selbst sein: ein anders / zu derselbigen erhöhet sein. Sonst müste auch folgen / das die menschliche Natur in Christo kein Creatur / sondern von ewigkeit wer. Denn so jenes recht were / müste dis auch recht sein:
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Die Rechte Gottes ist ohne anfang. Die Menscheit Christi ist zur Rechten Gottes erhöhet. Darumb ist sie one anfang. Summa: Es hangen vnsers gegenteils Schlussreden an einander / wie ein gewircke von Sandkörnern zusamen geflochten. Vnd kan auch diß von niemand vmbgestossen werden: Sol der Leib Christi durch die verklärung allenthalben sein / so müssen auch vnsere Leib also werden. Denn er wird vnsere nichtige Leib seinem herrlichen Leib ehnlich machen. Phil. 3. Wie reimbt sichs denn / das der HERR seinen verklerten Leib lesset angreiffen / vnd spricht? Ein Geist hat nicht fleisch / vnd Bein / wie jr sehet / das ich hab. Luc. 24. Schemen solt man sich / das man wider die offenbare Warheit also wissentlich zu fechten / vnd zancken verharret. Denn das sie sich auff Schrifft beruffen / hat jhnen bisher gemangelt / in massen auch zu Quedlinburgk jr Widerpart nicht mehr / denn klare Schrifft von dieser proposition gefordert / das Christi fleisch allenthalben sey. So lang sie nu diß aus vnuerkarter / klarer / vngezwungener Schrifft (darans jnen ewiglich mangeln wird) vnbewiesen lassen / folgen wir billig der Vermanung des HERrn: Sie werdens wol scheinbarlich fürgeben / also das (wo es müglich wer) auch die ausserwelten Gottes von jnen verfüret werden möchten: Aber gleubt jhnen nicht. Matth. 24. Denn sie erfüllen noch heutiges tags die Prophezey
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Ezechiels / tünchen mit losem kalck / predigen lose teidung / weissagen Lügen / vnd sagen: So spricht der Herr HERr / So es doch der HERR nicht geredt hat. Ezech. 22.

Das eilffte Anhaltische Argument.
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(XI.) ZVm eilfften / Dieweil aus vorhergehenden argumenten die exaequation, oder vergleichung der beiden Naturn in Christo / so wol als die vergötterung der menschlichen Natur vnwidersprechlich folget / so kan (Fol. Apol. Erf. 79.) auch dis argument de naturarum identitate, welchs der Monophysiten jrthumb war / nicht vmbgestossen werden / sondern folgt necessitate consequentiae, vnd beruhet auff der vnwandelbaren Regeln / der göttlichen Warheit / vnd Ordnung der Schöffung selbst. Nemlich / wenn eines dings wesentliche eigenschafft von einem andern mit warheit kan gedacht / oder gesagt werden / das demselbigen zugleich einerley Natur / vnd Wesen gebüre. Vnd widerumb / welchem ding eines andern natürliche wesentliche eigenschafften nicht können zugeschrieben werden / die können auch nicht einerley Natur / vnd Wesen an sich haben / wie Lutherus sagt: Tollens proprietates, tollit naturas. Dieweil denn Christus nach beiden Naturn / wie vnser gegenteil dichtet / almechtig / alwissend / allenthalben / vnd Gott selbst ist / so mus ja die Menscheit in die Gottheit verwandelt / vnd demnach nur eine Natur in Christo
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sein / sonderlich nach dem sie jhre vorige Lehr von zweierley Gottheit / vnd allmechtigkeit in Christo / nu mehr selbst cassirt / vnd auffgehoben haben. Belangend die gleichnis vom fewrigen Eisen / haben jhnen die Jesuiten zu Meintz / thesi 80. deutlich gnugsam gewiesen / das dieselbige vmb zweierley vrsach willen den Vbiquisten zu jrem gedichte gar nichts diene. Denn erstlich teilet das Fewer dem glüenden Eisen nicht sein eigen substantz / oder wesentliche eigenschafft mit / sonst müste das Eisen gar zu Fewer werden / vnd seine grösse / schwer / dicke / vnd lenge verlieren / vnd ja so wol / als das Fewer auffwarts / nicht vnterwarts faren. Zum andern / ist die Hitze im glüenden Eisen von des Fewers hitze / dauon es glüende worden / abgesöndert / vnd also für sich selbst durchhitzel. Müste demnach die Menscheit in Christo gleichfals durch ein sonderliche Gottheit / vnd almechtigkeit / welche der ewigen effect wer / almechtig sein. Vnd also würden auffs new zwo Gottheit folgen. Vber dieses / zusetzen / das in dem glüenden Eisen ein wesentlich Fewer / vnd nicht nur die Hitze / als ein qualitas sey / so beweist doch solchs nicht mehr / denn das durch vnd durch das Fewer in dem Eisen / nicht aber das Eisen (eigentlich zu reden) für sich leuchte / vnd brenne. Also auch die Gottheit leuchtet in der gantzen angenomenen Menscheit / so viel die persönliche vereinigung betrifft / vnd bleibt nichts desto weniger die angenomene Menscheit auch in der Person des ewigen Worts / endlich / vnd vmbschrieben / gleich wie das Eisen sein gewicht / vnd größ nicht verlewert.
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Wil man hiemit nicht zu frieden sein / sondern dis gleichnis alzu genaw appliciren / so wird man die Sach dadurch mehr verdunckeln / denn erkleren. Es haben aber die alten Lerer hiemit nicht mehr anzeigen wollen / denn Erstlich / wie des Eisens gantze massa von des Fewers hitze durcharbeit wird / vnd doch die natürliche eigenschafft so wol an sich / als am Fewer vnzerstöret bleibet / das also auch in Christo die gantze Natur des Menschens an Leib / vnd Seel mit dem ewigen Wort vereiniget werde / jedoch ohne vermischung vnd zerstörung beider Naturen Wesen / oder substantz / vnd wesentlichen eigenschafften. Zum andern / wie das glüende Eisen / oder Schwert / hiedurch zweierley Wirckung bekömpt / nemlich zu schneiden / vnd zu brennen / das also der Mensch Christus / welcher auch Gott ist / auff zweierley / nemlich zugleich vff göttliche / vnd menschliche weis / nach jeder Naturn eigenschafft / ohne trennung der Person / vnd vermischung der Naturn wircke / daraus ein algemeine Wolthat entspringt / zu welcher ein jede Natur das jhre thut / darumb auch dieselbigen Wirckungen von dem alten Lehrer Dionysio Areopagita actiones deiuiriles genent werden. Denn nach der Menscheit stirbet Christus / nach der Gottheit erhelt er den Sieg / vnd bleibt doch Gottheit / vnd Menscheit auch im tod vngetrennet / daraus die Erlösung des menschlichen geschlechts folget / welche ein gemeine Wolthat Christi ist / nach beiden Naturn. Da aber die menschliche Seel für sich almechtig hette sein / oder werden können / wie den Vbiquisten trewmet / so hett der Mitler an der menschlichen Natur gnug
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gehabt / vnd der almechtigen ewigen göttlichen Natur / oder Person des Worts nirgend zu bedörfft. Euacuiren demnach / vnd verkleinern die Vbiquisten das gantze Werck der erlösung / vnd deutens in der that (was sie auch mit dem Mund dawider excipiren) nur auff die menschliche Natur / welchs zugleich Stanckari / Nestorij / vnd Arij lesterung in sich begreifft.

Das zwölffte Anhaltische Argument.
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ZVm zwölfften / schliessen wir also: Wie im(XII.) Christlichen Symbolo nur einerley vnendliches Wesen gegleubt / vnd bekant wird / also ist auch nur einerley almechtigkeit / alwissenheit / algegenwertigkeit / Herrligkeit / vnd Maiestet des ewigen Schöpffers (welcher heisst / vnd ist GOTt Vater / Son / vnd heiliger Geist / hochgelobt in Ewigkeit) vnzerstörliche / vnwandelbare / ewige / vnendliche / wesentliche eigenschafft. Sol nu der Vbiquisten Lehr von der mitgeteilten / vnd warhafftig empfangenen almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit der menschliche̅ Natur in Christo bestehen / so mus dieselbige angenomene menschliche Natur in Christo vnwidersprechlich an Macht / Weisheit / vnd gegenwart vnendlich worden sein. Vnd also würden zwey infinita, oder zum wenigsten identitas naturarum in Christo folgen / dadurch notwendig das geheimnis beides der heiligen Dreyfaltigkeit / vnd Menschwerdung des ewigen Worts auffgehoben / vnd zu nicht werden müste.
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Diß argument haben vnser Widersacher noch zur zeit nicht soluiren können / wird jnen auch in ewigkeit vmbzustossen vnmüglich sein. Damit sie aber etwas dagegen auffbrechten / vnd sich der Warheit (welcher zu weichen bey jnen die höchste schande ist) nicht gefangen geben / ergrieffen sie in jhrer praecipitirten wüsten refutationschrifft zu Dessaw (wie jhr gebrauch ist) die petitionem principij. Concedirten vns wol anfenglich die praemissas, das nur vna infinita essentia sey / nemlich essentia creatrix, seu creatoris propria. Item / Das durch verleugnung / oder verenderung der eigenschafft die Naturn selbst entweder verleugnet / oder verendert werden müsten. Vnd hiemit haben sie vnser gantze Lehr wider jr eigen dogma concedirt / vnd bekrefftiget. Jedoch bey jren blinden Subscribenten noch ein ansehen / vnd Namen zuerhalten / darumb es jnen allein zuthun / ergriffen sie damals (wie gemelt) petitionem principij, das ist / dauon noch die Frage war / zogen sie zum beweis an / vnd was sie zuuor nachgegeben / zerstöreten sie wider per oppositum in adiecto, das nemlich / Jenes alles vngeacht / nichts desto weniger die göttliche Natur in der Person des Sons / was jr eigen ist / der angenomenen menschlichen Natur in der that mitteile. Dawider haben wir mit bestendigem grunde geantwortet / wie auch noch / das einer Natur eigenschafft / keiner andern Natur / die nicht eines Wesens mit jr ist / könne ohne abtilgung jrer selbst mitgeteilt werden. Denn eigen sein / heisse nicht gemein werden.
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Hierauff antworten sie nu alhie / fol. Apol. Erf. 80. vnd vbergehen das vorige alles stillschweigende / welchs wir auch hiemit also für bekant annemen / vnd wollen ferner jre newe ausflüchte examiniren. Die Frage ist diese: An proprium alicuius naturae in quarto modo, possit alteri naturae realiter partcipari, ita vt simul vtriusque reuera commune fiat, & prioris nihilominus maneat proprium Systaticum, seu (vt Dialectici nominant) proprium in quarto modo. Das ist / Ob die eigenschafft / dadurch eine Natur bestehet / vnd one welche sie auffhöret das jenig zu sein / das sie ist / einer andern / von jr nach dem Wesen vnterschiedenen Naturn / also könne mitgeteilt werden / das sie zugleich der vorigen natürliche / oder wesentliche eigenschafft bleibe / vnd doch in der that / vnd warheit mit der andern gemein werde / das ist / von einer so wol / als von der andern warhafftig / vnd wirckentlich könne / vnd solle verstanden / vnd geredet werden. Als zum erempel / die ewige Gottheit in Christo ist almechtig / alwissend / allenthalben / vnd wo diß nicht von Christo warhafftig könte gesagt werden / so wer er nicht Gott. Dieweil denn solche eigenschafften zum göttlichen Wesen selbst gehören / so ist die Frage / Ob der angenomenen menschlichen Natur die göttliche almechtigkeit / allwissenheit / vnd allenthalbenheit / auch könne / vnd solle zugeschrieben werden / also das sie warhafftig so wol / als die Gottheit / almechtig / alwissend / allenthalben sey / vnd solchs mit der Gottheit des ewigen Worts in der that gemein hab / obs wol der göttlichen Natur ewige / vnwandel
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baren / vnd wesentlichen eigenschafften für vnd für sind / vnd beiben. Darauff haben wir geantwortet / vnd antworten noch mit bestendigem grunde also / das hiedurch die eigenschafften jren Namen verlieren müsten / vnd nicht mehr eigenschafften bleiben / noch mit warheit genent werden könten. Denn was einem andern in der that mitgeteilet wird / das kan ja dem vorigen / des eigen es war / nicht mehr allein gebüren / in massen auch die Vernunfft / vnd algemeine erfarung bezeugen / das durchs MEVM, vnd TVVM, welchs sind pronomina possessiua, vnd gehören ad dominiorum, seu proprietatum distinctionem, auffgehoben wird die communio rerum. Was jhrer zweien / oder vielen zugleich gehört / das gehört nicht einem allein. Den̅ die Regel bleibt vnbeweglich: Quod reipsa fit commune, desinit esse proprium in quarto modo. Sonst müste die definition falsch sein: Proprium est, quod vni soli rei semper, & omnibus eius indiuiduis inest. Vnd könte nicht bestehen / das Nazianzenus / vnd Damascenus einmütiglich / vnd bestendig bezeugen: Proprietas mutationem nescit. Quónam enim modo Proprietatis nomen sustinere queat, si moueatur, atque mutetur? Diß alles ist so gewis / vnd vnleugbar / das kein vernünfftiger Mensch daran zweiffeln kan. Vnd dieweil es von den erschaffenen eigenschafften der Creaturen war ist / das die eigenschafften eines dings / keinem andern zugeschriben werden können / es sey denn dasselbig mit dem vörigen einerley Natur / vnd Wesen / denn sonst bliebe Eigenschafft nicht eigenschafft: Wieuiel mehr mus es war sein
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von den vnerschaffenen Göttlichen eigenschafften / die Gottes natur / vnd wesen selbs sind / vnd nicht nur inhaerentes qualitates, oder anklebende gaben / wie am Menschen? Noch schemen sich die Herrn verfasser der Erfurdischen Apologien nicht solches vnser wolgegründetes argument für ein nichtige einrede zu schelten / vnd demnach wider die principia catholica, daran kein vernünfftiger Mensch / noch Christ zu zweiffeln hat / zu disputiren / gleich als köndten sie mit jrer gedichten exception / oder ausflucht entwischen / da sie fürgeben / es sey ein anders idioma fieri, vnd idioma communicari. Item / wir leren (sagen sie) Quòd propria nunquam egrediantur sua subiecta; das ist / (wie jre dolmetschung(Fol. Apol. Erf. 80. a) daselbst lautet /) das die wesentliche eigenschafften der Göttlichen natur Christi der angenomenen menschlichen natur wesentliche eigenschafften nimermehr werden. Item / es bleiben gleichwol die almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit der Göttlichen natur wesentliche eigenschafft / ob sie gleich der menschlichen natur in der that mitgetheilt werden. Denn solches nicht von einer wesentlichen mitteilung / auch nicht von einer physica transfusione, oder ausgiessung der Göttlichen eigenschafften in die angenomene menschliche natur / das sie solche eigenschafften an / vnd für sich selbst / abgesondert von der Gottheit des Sons habe / zuuerstehen sey / sondern von der mitteilung / so nach art / vnd von wegen der persönlichen vereinigung der beyden naturen in Christo geschicht / wie nemlich die Seele dem Leibe jre eigenschafften mitteilet / oder jn / mit vnd durch dieselben organa wircket.
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Hierauff antworten wir ördentlich / vnd kürtzlich / wie man in Schulen zu antworten pflegt. Erstlich ists ein fallacia secundum plures interrogationes. Denn von einem andern ist die frage / von einem andern thun sie jre erklerung. Ob wir jnen nu gleich concediren: idioma fieri, sey etwas anders / denn idioma communicari: dauon kein streite ist. So kan doch hieraus nicht bewiesen / noch geschlossen werden: quòd vnius naturae proprium diuersae speciei naturis realiter communicatum, maneat nihilominus vnius naturae proprium, etiam quando alij naturae realiter communicatur. Denn vnmüglich ists / das eines dings eigenschafft einem andern / so nicht einerley wesen ist / wirckentlich mitgeteilt werde (es geschehe gleich wesentlich / oder nicht wesentlich) vn̅ doch des vörigen proprietas, oder eigenschafft / mit warheit bleibe. Es were denn / das eigen / vnd gemein sein / nicht mehr vnterschieden / vnd demnach ja / vnd nein / das ist / gantz widerwertige reden von einem ding zugleich war sein könten. Zum andern / geben sie der Regel / propria non egrediuntur sua subiecta, so wol in der Concordiformul / fol. 308. als an diesem ort in der Apologia / fol. 80. gantz / vnd gar einen vnrechten verstand / gleich als geschehe derselbigen gnug / wenn sie fürgeben / sie verstehen die mitteilung von keiner wesentliche̅ ausgiessung in die angenomene Menschliche natur / das sie solche eigenschafften an / vnd für sich selbst / abgesondert von der Gottheit des Sons habe / etc. Denn dis abermal widerwertig geredet ist / gleich als könte die angenomene menschliche natur auch von der
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Gottheit des Sons abgesondert / an / vnd für sich selbs sein / oder etwas haben. Was wer es denn für ein angenomene natur / wenn sie doch abgesondert sein könte? Komen also wider ad petitionem principij, gleich als wer die menschliche natur Christi wol abgesonderter weis vmbschrieben / endlich / vnd mit solchen eigenschafften / wie vnsere Leib / vnd Seel begabet / aber nach art der persönlichen vereinigung sey sie allmechtig / alwissend / allenthalben. Dichten derwegen für / vnd für zweierley menscheit in Christo / eine vereinigte / vnd abgesonderte / welchs sie doch sonsten nicht gestehen wollen. Vber dieses so wollen sie wissentlich nicht wissen / das in Christo nicht allein die eigenschafften der beyden naturn / sondern auch der ewigen person selbst zu bedencken sind / von welchen allen gesagt / vnd verstanden wird; quòd propria non egrediantur sua subiecta. Denn wie allein die ander Person der heiligen Dreyfaltigkeit heist / vnd ist das ewige Wort / item der glantz / vnd wesentliche ebenbild des Himlischen Vaters / darumb das sie aus des Vaters wesen geborn ist / vnd solchs kan von Christo anders nicht / denn nach der Gottheit / in der person des ewigen Worts verstanden werden. Also ist vnmüglich / das auch in der persönlichen vereinigung der beyden naturen (denn ausserhalb der persönlichen vereinigung wir von keinem fleisch Christi wissen) die eigenschafften der Göttlichen natur vff die menschliche natur / noch widerumb die eigenschafften der Menscheit auff die Gottheit sollen / oder können mit warheit gedeutet / vnd verstanden werden.
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Denn sonst eine vermischung folgen würde / das man weder von der Menscheit / noch Gottheit in Christo vnterschiedlich reden / oder gedencken köndte. Wie Theodoretus recht sagt: Confusio vnitarum naturarum non sinit cogitare nec de carne, vt carne; nec de Deo, vt Deo. Belangende die gleichnis von der menschlichen Seel im leib / remittiren wir vnser gegenteil zu den Jesuiten / welche in obgedachter disputation zu Meintz / thesi 82. ausfürlich die Vbiquisten vberzeugt haben / das hiedurch jrem gedicht von der Almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit der menschlichen natur Christi gar nichts gedienet / sondern vielmehr dasselbig zu grund vmbgestossen werde. Denn das müste ja (sagen sie) gar ein vnuerstendiger / ja vnsinniger / mensch sein / der da meinte / das der Seelen eigenschafften / als verstehen / gedencken / rathen / schlüss machen / wöllen / vnd dergleichen / dem Leib in der that mitgeteilt werden. Es ist vnerhört / das der verstand dem Leib zugehören sol. Das man aber fürgibt / die Seel wircke alles jn / mit / vnd durch den Leib / vnd das also auch die Gottheit in Christo ALLEs / jn / mit / vn̅ durch die angenomene mensch liche natur wircke / ist eben der Apollinaristen meinung / welche vorzeiten durch solch argument erstreiten wolten / das die Gottheit in Christo sey an stadt der vernünfftigen Seel / daraus folgen müste / das Christus kein volkomener Mensch were. Mögen derwegen die Vbiquisten zusehen / wie sie sich desselbigen jrthumbs mit bestendigem grund entlestigen können / dieweil sie auch mit diesen Ketzern einerley vngründe / vnd wort füren.
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Es ist aber an jm selbst ein gantz nichtig fürgeben / denn die vernünfftige menschliche Seel jre fürnembste wirckung / als gedencken / verstehen / rahtschlagen / wöllen / erwehlen / etc. eigentlich zu reden / nicht den leiblichen organis, instrumenten / oder gliedmassen mitteilet / weil niemand den verstand / rath / willen / oder dergleichen edle werck im Menschen dem Leib / sondern viel mehr der Seeln / oder vernunfft allein zuschreibet. Denn ob wol durch der leiblichen organen der fünff eusserlichen sinnen / reinigkeit / gesundheit / vnd volkomenheit / die gedancken / vnd gescheffte der vernunfft sich reiner / vnd volkömlicher ereigen / da sonsten in kranckheiten / als wohnwitz / vnd dergleichen / die vernunfft gehindert wird / so folget doch nicht / das die Seel jre edle eigenschafft dem Leib in der that mitteile / also das der Leib so wol / als die Seel gedencke / rahtschlag / verstehe / zele / wehle / etc. WIe vnser gegenteil felschlich hieraus beweisen wil / das vff diese weis / nach art der persönlichen vereinigung auch die menschliche natur in Christo nicht weniger / als die Gottheit selbst / sey / vnd werde almechtig / alwissend / allenthalben. Denn zu diesem ende haben die alten Lehrer solche gleichnis vom Menschen vff Christum keins wegs weder gezogen / noch verstanden / oder gebraucht: Sondern jr meinung ist nur dahin gericht gewesen / etlicher massen zu erkleren / wie in Christo die Gottheit des ewigen Worts / vnd die angenomene menscheit persönlich vereinigt sind / one zerstörunge einiger naturn an wesen / eigenschafften / vnd wirckungen / oder derselben verwandelunge / noch mit der andern vermischung.
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Denn gleich wie Leib / vnd Seel ein Mensch sind / also ist Gott / vnd Mensch ein Christus / sagt das Symbolum. Daneben aber haben sie nicht verschwiegen / das in diesem exempel / wie fein sichs auch reime / gleichwol viel vngleicheit zubefinden sey / wie in allen gleiehnissen zu geschehen pflegt. Denn es heisst: Simile non est idem. Darumb wir in diesem hohen geheimnis von Christo (Aug. Epist. ad Volusianum.) mit dem heiligen Augustino bekennen müssen: Si quaeritur ratio, non est mysterium admirabile: si exemplum, non erit singulare. Demus ergo, Deum posse aliquid facere, quod nos non possumus intelligere. Wenn vnser gegenteil dieses hette recht behertzigt / so würde man in der Concordiformul fol. 313. nicht so grob heraus gefahren sein / das alles allenthalben / durch vnd durch vol Christus sey / auch nach der Menscheit. Item / fol. 302. Wo der Leib Christi nicht allenthalben sey / da die Gottheit / so müsse vnser Glaub falsch sein / etc. Diese vngeschickte Reden können mit keiner Schrifft erwiesen / noch erhalten werden / sondern streitten zugleich wider die Warheit des Glaubens von Christo / vnd wider die heilsame form von Christo zu reden. In massen auch hieraus vnser gegenteil augenscheinlich confundiret wird / dieweil sie in der Apologia von der vbiquitet in genere nichts wissen wollen / vnd doch an gemelten Orten dieselbige so grob vertheidingen / welchs jnen zu Quedlinburgk von D. Heshusio / vn̅ hiebeuor auch (wiewol beiderseits one frucht) von den Mechelburgischen Theologen selbst in jhren vbergebenen notis, oder Censur von der Erfurdischen Apologia fürgehalten worden ist. Bestehet demnach vnser zwölfftes Argument gleichs
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fals / wie die andern alle / noch vff festem vnbeweglichen grunde: Das nemlich vielen gemeine werden / nicht mehr könne eines dings eigenschafft sein / oder heissen / noch bleiben: sondern müsse folgen identitas naturarum, das ist / der vnterscheid beider Naturn in Christo würde verschwinden. Dabey auch dieses zu bedencken / das wenn wir gleich vnserm gegenteil in solcher vngereimbten meinung (dafür vns doch Gott gnedigst / wie bisher / also forthin auch / vnd in ewigkeit behüten wolle) bey fal geben / so würde doch hiedurch das geheimnis der Menschwerdung des ewigen Worts mit nichten erklert / sondern vielmehr zerstöret. Denn dieweil almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit / solche eigenschafften in Gott sind / die nicht allein dem Son / sondern auch dem Vater / vnd heiligem Geist wesentlich gebüren / so müste folgen / wo hierinn / oder in derselbigen thätlichen mitteilung die persönliche vereinigung der beiden Naturn bestünde / das so wol der Vater / vnd heilige Geist / als der Son Mensch worden sey / wie die Sabellianer / vnd Patripassianer geschwermet haben. Oder / deucht sie diß zu grob / vnd wolten jrer gewonheit nach / per oppositum in adiecto excipiren / das nicht des Vaters / oder heiligen Geistes / sondern allein des Sons allmechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit der angenomenen menschlichen Natur realiter mitgeteilt sey: so müste folgen / das der Son entweder andere / oder ja eines grads nidrigere wesentliche eigenschafften hette / als der Vater / vnd heiliger Geist haben. Dieweil allein des Sons allmechtigkeit communicabilis were: Jene aber / nemlich des Vaters / vnd heiligen Geistes almechtigkeit könte keiner Creatur mitgeteilt werden.
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Daraus vnwidersprechlich der Arianer / vnd newen Antitrinitarier jrthumb / ja lesterung folgen müsten. Denn da sie abermal fürwenden wolten / würde doch die person des ewigen worts auch der angenomenen menscheit person / vnd blieb nichts desto weniger des Worts eigene / vnd ewige person / one einige verkleinerung / oder geringerung / etc. Darauff antworten wir mit allen rechtgleubigen / das eben hieraus zu erweisen / das jr gedicht de reali idiomatum communicatione, nichtig / vnd verwerfflich sey. Denn sonst müste auch folgen / das man mit warheit sagen köndte: Caro verbi assumta, est secunda Trinitis persona; Das angenomen fleisch Christi ist die andere Person der heiligen Dreyfaltigkeit. Gleich wie sie dichten / das es recht geredet sey / das Fleisch Christi ist almechtig / alwissend / allenthalben / ja Gott selbst. Dieweil aber jenes falsch ist / so kan auch dieses nicht bestehen. Darumb wir bey dem Symbolo bleiben / welchs vns lehret / das die persönliche vereinigung nicht stehe in thätlicher mitteilung weder der wesentlichen / noch der persönlichen eigenschafften des Worts mit dem Fleisch / sondern in der vnzerstörlichen annemung des fleisches in die andere person der heiligen Dreyfaltigkeit.

Das dreyzehende Anhaltische Argument.
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(XIII.) DAs dreyzehende argument ist aus dem alten Bischoffe Foebadio genomen / welcher den Ketzern zu seiner zeit fürwurffe / sie hetten durch
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vermischung der zweyen naturn etwas drittes aus Christo gemacht. Also hat D. Andr. Musculus in disputatione de mysterio manifestationis Filij Dei in carne, Thes. 28. aus dem ewigen Wort / vnd angenomenen fleisch vnam essentiam fingirt / vnd derselbigen beyden coniunction, oder zusamenfügung in ein wesen / nennet er daselbst perfectam, & integram vnitatem: wie wir in vnser Apologia pag. 154. die formalia verba angezogen. So beweisen die Jesuiten zu Meintz / Thesi 18. Das eben vff diese meinung die newen Licentiaten zu Wittenbergk / praeside D. Iacobo Andreae, Anno 80. vnrecht disputirt haben / thesi VVit. 42. Quòd homo, & Deus: vel Filius Mariae, & creator vnum quiddam sit. Das Gott / vnd Mensch / oder des Menschen Son / vnd der Schöpffer ein ding sind. Haben aber nicht hierauff Athanasius ad Epictetum, vn̅ Ambrosius contra Apollinaristas, welcher beyden Sprüche Theodoretus in seinen dialogis anzeucht / vorlengst geantwortet? Qualis infernus tantam blasphemiam euomuit, vt dicatur corpus Christi cum Deitate Verbi vnius essentiae esse. Vnd dieweil wir jnen jre eigene wort anzeigen / so thun sie vns gewalt / das sie sagen / es sey ein calumnia, oder es sey vnser eigen gedicht. Denn es viel ein anders ist: vnum esse in masculino, welchs heist / eine person sein: & vnum esse in neutro genere, das ist / ein ding sein. Christus ist vnus quidam, in, & ex duabus naturis: sed non vnum quiddam, viel weniger vna essentia, ein ding.
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Denn in Christo ist aliud, & aliud: sed non alius, & alius. Das ist / wie in der heiligen Dreyfaltigkeit nur ein einigs Wesen / oder Natur ist / ob wol drey vnterschiedene Personen sind: Also ist das gegenteil in Christo / nemlich ein einige Person / aber zwey vnterschiedene Wesen / oder Naturn. Dieweil denn diss so gewis / vnd war ist / das vnser (Fol. Apol. Erf. 18. 2) gegenteil alhie selbst frey heraus saget / wer anders lehret / der sey Anathema: So nemen wir hiemit für bekant an / das sie die vörigen allegata D. Musculi / vnd jrer newen Licentiaten hiemit öffentlich verwerffen / vnd nach jrem Bepstischen angemasten gewalt anathematiziren. Sie mögen aber wol zusehen / das sie den Segen hiemit nicht auch vber jhr eigen Concordibuch gesprochen haben / welchs in derselbigen disputation der Licentiaten zu Wittenberg Anno 80. hat sollen erkleret / vnd bekrefftiget werden. In massen wir jnen alhie mit widerholung vnsers dreyzehenden arguments / nochmals solches wolmeinende / mehrer warnung halben / zu gemüt füren wollen / wie folget. Das geheimnis der Menschwerdung des Sons Gottes / welches ist / vnd wird genent die persönliche vereinigung der Göttlichen vnd menschlichen natur in Christo / erfordert vnwidersprechlich / das ein jede natur jr wesentliche eigenschafft vnuerrückt / vnd vnuerendert an sich behalte / auff das der natürliche vnterscheid zwischen jnen bleibe. Sonst würden die naturen vermischt / vnd an stadt der vereinigung zweyer volkomenen naturn / etwas drittes eingefürt / das weder volkomener Gott / noch volkomener
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mensch / sondern etwas gemengtes aus beiden were / vnd demnach auffhörete / so wol mit Gott nach der ewigen / als mit vns nach der zeitlichen natur eines wesens zu sein. Die newe Lehre aber von der Allmechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit der angenomenen menschlichen Natur in Christo / lesset der göttlichen Natur vnendliche wesentliche eigenschafften nicht vnuerruckt / noch vnuerendert / sondern zeucht sie auch auff die endliche Natur / gleich als ob dieselbige so wol / als die Gottheit in Christo almechtig / alwissend / allenthalben sey. Darumb hebt solche newe Lehre den vnterscheid zwischen den beiden Naturen in Christo auff / vnd dichtet aus jhnen etwas drittes / von welchem weder / das es warhafftiger Gott / noch warhafftiger Mensch sey / gesagt kan werden / Sondern müste (nach diesem gedicht) etwas aus der Gottheit / vnd Menscheit zusamen gelöttet sein / das also aus den beide̅ Naturn in Christo etwas drittes worden wer: gleich wie aus der vernünfftigen Seel / vnd menschlichem Leib ein Mensch / oder menschliche Natur bestehet / die für sich / nach keinem teil allein betrachtet / weder am Wesen / noch Person volkomen ist. Denn dafür haltens in warheit die Vbiquisten / wie jnen die Jesuiten zu Meintz solches gleichsfals fürgeworffen / vnd augenscheinlich gezeigt / dazu einen dolum, der sich zu Theologen am wenigsten reime / genennet haben: das nemlich die Person des ewigen Worts für sich / ohne die menschliche Natur / etwa vnuolkomen gewesen / oder noch sey. Gleich als wer durch die menschwerdung dem ewigen Wort etwas an volkomenheit der Person zugangen / daran es jr zuuor gemangelt.
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Aber solchs widerlegt Damascenus / vnd sein Scholiastes lib. 3. cap. 3. mit vielen ausfürlichen argumenten / darauff wir vns vmb geliebter kürtze willen hiemit wollen referirt haben. Hiewider gilt es mit nichten zu sagen / Es sey nicht war. Denn diese bewrische antwort ist beides zu grob / vnd viel zu wenig. Sondern an stadt solcher vnhöfflichen solution / solten die Herrn verfasser der Erfurdischen Apologien viel mehr beweisen / das sie den grunde zu dergleichen falschen opinion nicht legten / das ist / jr gedicht von der Vbiquitet müssen sie fallen lassen / sonst wird sie jr eigen anathema selbst treffen. Denn im Concilio zu Chalcedon ist wider jren Vorfechter Eutychen einhelliglich geschlossen / das die zwo naturen in Christo jre natürliche wesentliche eigenschafften durch die persönliche vereinigung viel genawer behalten / denn wenn sie nie vereinigt worden weren. In massen dasselbig decretum klar mit sich bringet / welchs also lautet: Christum consona omnes voce docemus perfectum in diuinitate, & perfectum in humanitate: vnum Domiuum in duabus naturis, inconfusè, immutabiliter, indiuisè, inseparabiliter cognoscendum; nulla naturarum differentia sublata propter vnionem, sed salua MAGIS vtriusque naturae proprietate, & in vnam personam &vnam subsistentiam concurrente. Dis kan mit dem gedicht / von der thätlichen mitteilung der Göttlichen eigenschafften ins fleisch Christi / nicht bestehen. Drümb so sie mit vns dem decreto Chalcedonensi beypflichten / so müssen sie jre trewme von der Almechtigkeit / Alwissenheit / vnd allenthalbenheit des
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fleischs Christi fallen lassen. Wo nicht / so bleibt es war / das sie aus der persönlichen vereinigung der vnterschiedenen naturn in Christo ein drittes machen / sie mögens gleich vermenteln / wie sie wollen. Denn (wie das Concilium zu Epheso recht geschlossen) wer sich dem Christlichen glauben nicht gemes erkleret / der ist demselbigen zu wider / er beruffe sich gleich darauff / wie er wolle. Neque enim satis est, fidem voce duntaxat confiteri, nisi rectè quoque eam interpreteris.

Das vierzehende Anhaltische Argument.
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WAs kan denn nu zum vier zehenden für(XIIII.) ein trost hieraus genomen / oder geschöpffet werden / wenn wir gleuben sollen / der ewige Son Gottes / vnser einiger Heiland / hab in der menschwerdung ein solche natur an sich genomen / die entweder von der empfengnis / oder geburt / oder aufferstehung / oder himelfart an / habe warhafftig / vnd in der that angefangen allenthalben zu sein / vnd sey die persönliche vereinigung anders nicht volkomen / denn nach derselbigen vnermeslichen Maiestet / oder viel mehr Vbiquitet / dadurch allenthalben alles voll Christus sey / auch nach der menscheit / als die Concordiformul redet. fol. 313. Wie er aber mit seinem Leib vff Erden gangen / da er raum geben / vnd genomen / also sey er nicht in Gott gewesen / in massen abermal das Concordibuch schrecklich leret. fol. 302. Ja er sey auch im heiligen Abentmal mit seinem Leib anders nicht /
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denn wie ein Geist etwa zu sein pflegt / oder wie der glocken dohn / vnd klang / oder sonst ein stimme / durch Lufft / Wasser / brett / vnd wand fehret / vnd ist. etc. Diß alles (sagen wir) dieweil es für einen sonderlichen Glaubensartickel im Concordibuch asserirt wird / vnd wir droben albereit in vnserm achten argument gnugsam ausgefürt / vnd zum deutlichsten erwiesen / das zugleich Nestorij / Eutychis / vnd aller Stenckfelder / das ist / der rechten eigentlichen Sacramentirer / vnd Geistler Lehr / durch solch vngehewer dogma bestettigt werde / so widerholen wir nochmals vnser vierzehendes argument / mit vnwidersprechlichem grunde darzu thun / das durch der Vbiquisten Lehr aller trost der Christen / den sie nicht allein von der Menschwerdung / vnd siegreichen Himelfart / sondern auch von dem heiligen Abentmal des HERRN zugewarten haben solten / auffgehoben / vnd souiel an jnen / den Vbiquisten ist / gantz vnd gar zerstöret wird / wie folget: Aller Christgleubigen fromen Hertzen warhafftiger / vnd bestendiger trost fleusset nirgend anders woher / beruhet auch auff nichts anders / denn nur allein aus / vnd auff dem einigen Heuptgrunde vnser aller Seligkeit / das sie nemlich gleuben / vnd für gewislich war halte̅ (wie die Kinder im Catechismo sagen / das ist gewislich war) das der ewige Son Gottes jr Bruder / das ist / fleisch von jhrem fleisch / jhres gebeins / vnd geblüts worden / der vff Erden in der verwantschafft mit vnser Natur gelert / gelitten / gestorben / begraben / zur Hellen gefahren / seinen menschlichen Cörper vom tod wider aufferweckt / seinen Jüngern gezeigt / vnd nach viertzig tagen hienauff in Himel gefürt / zur Rech
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ten seines Vaters erhaben / endlich auch vns nach sich zu holen widerkomen werde. Des alles zu einem gewissen Sigill er das hochwirdig Sacrament seines Abentmals gestifftet / darinn ER vns selbst / durch die Hand des Dieners / vermöge seiner zusage / mit dem gesegneten Brod / vnd Wein / seinen warhafftigen / wesentlichen / das ist / für vns auffgeopfferten Leib / zur Speise vnser matten Seelen / vnd sein tewres warhafftigs / wesentlichs / das ist / sein eigen Blut / aus seinen heiligen Wunden am stamme des Creutzes zur abwaschung vnser Sünden mildiglich vergossen / zu einem labtrancke / vnd erquickung vnser Seelen / vberreicht / austeilet / vnd applicirt / vnd sich vns hiemit selbst / gantz vnd gar zu eigen gibt / sampt allem / das Er / mit seinem Leib vnd Blut / ja mit seiner gantzen substantz / verdienst / vnd krafft / ist / hat / vermag / wirckt / vnd verdienet. Denn er nicht allein die krafft / vnd wirckung / sondern viel mehr den cörper selbs wesentlich / vnd demnach die substantz seines warhafftigen / sichtbaren / am Creutz angenagelten / vnd durchstochenen Leibs / für vns gegeben / vnd sein warhafftigs / natürlich / sichtbar / rosenfarbes blut / aus seinen allerheiligsten Wunden für vns vergossen hat. Ausser diesem allem ist kein trost in Himel / noch vff Erden / daran sich ein geengstes hertze / vnd verwundtes gewissen in seiner blödigkeit halten / oder auffrichten könte. Vnd beruhet gentzlich auff dem einigen Heuptgrunde der warhafftigen Menschwerdung des ewigen Sons Gottes / das derselbige kein gespenst / sondern warhafftiger Mensch worden / vnd was er einmal worden / auch in der herrligkeit / vnd demnach in ewigkeit nimermehr auffhöre zu sein / oder zu bleiben.
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Dieser Lehr aber zuwider / streitet das Concordibuch one grund / aus blossem vorgefastem wohn / vnd eingebildter falscher hypothesi: Weil die Person des ewigen Worts sey vnsichtbar / allenthalben / vnbegreifflich; vnd die angenomene Natur von derselbigen nimermehr könne / noch solle getrennet werden: Derwegen sey der sichtbare / begreiffliche Leib Christi / wie er auff Erden von Ort zu Ort gangen / vnd also am jungsten tag sich wider offenbaren werde / nicht in Gott / sondern hab solche von seiner empfengnis an / in Mutter leib mitgetheilte / vnd empfangene herrligkeit / nicht ehe / denn nach seiner aufferstehung / oder Himelfart allererst volkomen leuchten lassen / vnd sey demnach eine Person mit dem ewigen Wort / das ist / alles in allem / vnbegreifflicher / vnerforschlicher / vnd gantz Maiestetischer weise worden. Im Abentmal aber sey er / wie ein klang / der durch die wande fehret / etc. fol. Concord. 302. 313. Dieweil denn hieraus vnwidersprechlich folgen müste / das nicht der HERR der Ehren / sondern ein blosser Mensche / ausserhalb / vnd nicht in Gott / viel weniger Gott selbst / seinen Leib für vns auffgeopffert / vnd sein Blut für vns vergossen hette / wie Nestorius geschwermet: Dagegen aber in der ewigen gloria nicht ein sichtbarer / begreifflicher / menschlicher Leib / der wie vnsere Leib / fleisch / vnd Bein hette / an Christo zufinden / sondern ein vnsichtbarer / vnbegreifflicher / der mit der Gottheit alles erfüllete / welchs so grob / das auch Eutyches nicht gröber hette jrren können: Wollen alhie geschweigen / das die corporalis praesentia, oder manducatio (welchs eigentlich ist / vera veri corporis praesentia, & manducatio in coena) gar in eine
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Stenckfeldische geistlerey verkeret / vnd demnach die aller schrecklichste Sacramentschwermerey / so jemals hat könne̅ erdacht werden (wie die Jesuiten selbst den Vbiquisten solches mit starcken gründen fürgeworffen) eingefürt vn̅ bestetigt wird / dadurch nemlich zugleich nicht allein die warhafftige Sacramentliche gegenwart / sondern auch die wesentliche warheit / vnd substantz des Leibs / vnd Bluts Christi selbst / verleugnet / vnd von dem warhafftigen Leib / vnd Blut die Christen vff gedöhn / vnd klang in der wandt / vnd dergleichen alfentzerey abgefüret werden. Dieweil denn solches alles (sagen wir) aus dem Concordibuch / mit blat / zeil / wort / vnd meinung augenscheinlich zu erweisen / vnd zu Quedlinburgk von D. Heshusio dem gegenteil selbst vorgehalten / in massen sie auch nochmals diß vnser vierzehende argument im Weinfaß zu Erfurd nicht haben zu soluiren sich vnterstehen dürffen / noch können / sondern nur trunckener / mutwilliger / vnbedachter weis dawider schelten / vnd lestern: So lassen wir allen Gottfürchtigen hertzen / denen es vmb warhafftigen / bestendigen trost ein ernst ist / die consequentz dieser vnser widerholten schlussreden zu vrteilen hiemit befohlen sein / das nemlich durch das gedicht von der almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit des fleisches / oder menschlichen natur in Christo / der warhafftige trost allerbekümmerten hertzen in der gantzen Christenheit / gantz / vnd gar müste zu nicht / vnd zerstöret werden. Gott wölle vns ewiglich dafür behüten / Amen.
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Das funffzehende Anhaltische Argument.
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(XV.) DAs funffzehende argument fleusst aus dem vörigen / vnd bestehet auff gleichem festen grunde. Derwegen es auch von dem gegenteil vnwiderlegt blieben: Welches wir hiemit / wegen jres stillschweigens / abermal für bekant wollen angenomen haben / vnd den schluss / der angestelleten ordnung halben / vffs kürtzeste widerholen. Es ist aber das argument dieses: Nach dem man in der Erfurdischen Apologia / so wol als in der Praefation des Concordibuchs / die falschen propositiones, das die menschliche natur Christi sey almechtig / alwissend / allenthalben / hiemit zu beschönen / vnd zuerhalten gedencket / das sie nicht dahin verstanden werden sollen / als hab die menschliche natur solche eigenschafften an / vnd für sich selbst / Abgesondert von der Gottheit des Sons: So sagen wir bestendiglich / zuuor wie jtzt / vnd jtzt wie zuuor / das solchs entweder ein vergebliche ausflucht ist (wie es denn in warheit nichts anders sein kan) oder man wird setzen müssen / das vns Christi angenomene menschliche natur ferner nicht / denn abgesönderter weis von der Gottheit / an wesen / eigenschafften / vnd wirckungen verwand sey. So viel aber die betrachtung derselbigen in der persönlichen vereinigung betrifft / sey caro Christi (wie Flacius mit den alten Manicheern geschwermet) diuersae à nostra speciei. Nu ist ja ausserhalb der persönlichen vereinigung kein fleisch / oder menscheit Christi.
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Derhalben müste hiedurch alle vnsere verwantschafft mit demselbigen fleisch / so das ewige Wort persönlich angenomen / vnd an sich tregt / auffgehaben sein. Diß argument bestehet erstlich für sich selbst vnwidersprechlich. Denn weil das fleisch Christi sol mit der ewigen Gottheit alles gegenwertig thetlich / vnd wirckentlich erfüllen / so kan es mit vnserm fleisch keine verwantschafft haben / welchs mit raum vnd stedte vmbzirckelt / vnd von wegen der ördentlichen austeilung aller leiblichen glieder nicht kan anders / denn entlich / oder vmbschrieben / vnd also nur an einem ort sein wesen haben. Zum andern / wirds von dem gegenteil mit stillschweigen confirmirt / vnd bestettigt. Denn da sie mit bestendigem grunde etwas dawider hetten wissen auffzubringen / so würden sie es / jrer eigen notturfft halben / nicht phergangen haben. Zum dritten / ob sie altzie auch fürwenden wolten / wie sonst jr gebrauch ist / wenn jnen alle behelffreden abgeschnitten werden / das sie sagen / Gott wisse wol rath dazu / wie sein Leib ein warhafftiger Leib bleibe / ob er schon mit der Gottheit allenthalben / oder an vielen orten zugleich gegenwertig sey: So ist jnen doch albereit von den Jesuiten zu Meintz solches genomen. Vnd geben wir hierauff zur antwort / das Gott freilich zu allem / was jm wolgefelt / wol rath zu finden wisse / one vnser zuthun: Aber vns gebürt von jm anders nicht / denn nach seinem offenbarten Wort zu gedencken / vnd zu reden. Dieweil er denn seinen lieben Son darumb hat Mensch lassen werden / nicht zwar das er die menschliche natur in sich an almechtigkeit / alwissenheit / vn̅ vnendlicher
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gegenwart jm selbst gleich machte / sondern fleisch / Blut / vnd gebein von dem vnsern würde / vnd nach Ordnung aller erschaffenen menschlichen gliedern / eigenschafften / vnd wirckungen vns durchaus gleich (ausgenomen die Sünde) in derselbigen angenomenen menschlichen Natur das gantze Werck vnser erlösung verrichtete: So gilt es / oder reimbt sich gar nicht / eigene opiniones für Glaubensartickel / diesem ewigen decret / schluss / oder Rath Gottes zu wider / erdencken / vnd hernach nur hiemit zu entschuldigen / Gott wisse wol rath / diss / oder jenes zu verschaffen. Denn solchs viel mehr ein versuchung / ja verhönunge / denn ein ehre Gottes ist / vnd köndte sich sonst ein jeder schwermer hiemit behelffen. Zum vierden / ist am tage / das in der disputation zu Wittembergk Anno 80. von den newen Licentiaten vnter andern vngereimpten paradoxis, dieses sonderlich mit grossem ernst gestritten / vnd vertheidingt worden ist / das der Leib Christi / auch was die beschreibung / oder definition eines Leibs belanget / von vnsern Leiben vnterscheiden sey. Welchs nichts anders / denn die öffentliche schwermerey der alten / vnd newen Manicheer einfüret. Dazu wider des HERRN Christi eigene definition / vnd beschreibung seines Leibs ex diametro streitet / da er spricht: Sehet meine Hende / vnd meine Füsse / Ich bins selber. Fület mich / vnd sehet. Denn ein Geist hat nicht fleisch / vnd Bein / wie jhr sehet / das ich habe. Lucae 24. Welcher Spruch mit der vorwendung (das gleichwol der Leib Christi / nicht / wie Petri / vnd Pauli Leibe / in eigener / sondern in des ewigen Worts vnendlicher Person bestehe / vnd zubetrachten sey) keins wegs vermage auff
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gehoben zu werden. Sondern wir setzen jhnen die vnleugbare / trostreiche Regel Ambrosij entgegen / da er spricht: Eadem est corporis Christi Veritas (ergo etiam substantia, & definitio eadem) quae in NOBIS est. Personae enim assumentis infinitas non abolet, nec tollit finitatem naturae assumtae. So ist auch viel ein anders / de distinctis corporum gradibus (darauff sich etliche vergeblich beruffen) vnd de ipsa corporum veritate, seu definitione reden. Wie denn Hende / vnd Füsse eines menschlichen Leibs / so wol an Christo / als an vns / eigentlich aus dem artickel der Schöpffung / vn̅ demnach ex arbore substantiae (man nenne jn gleich Porphyrianam, oder Aristotelicam) nicht können / noch sollen ausgeschlossen werden. Denn Christi Leib (so wol als vnsere Leibe) ein vmbschriebene / erschaffene / vnd endliche creatur / vnd substantz ist / dauon die Regel gilt: Substantia non recipit MAGIS, aut MINVS. Vnd bleibt nichts desto weniger war / das Cyrillus sagt: Vnigeniti proprium corpus existens, omnia humana transcendit: videlicet, non quidem diueisitate essentiae (aliàs enim diuersae à nobis speciei esset) verùm dignitate, quam ex triplici habet gratia; vnionis, habituali, & officij, seu capitis. Zum fünfften / stehet im Concordibuch fol. 302. klar / das der Leib Christi / wie er auff Erden gangen / nicht in Gott sey. Dieweil er aber in der Person des ewigen Worts wesentlich ist / vnd aber / wie er auff Erden wesentlich gangen / nicht sol in Gott / oder in der Person des Worts gewesen sein: So mus ja auff Erden nichts anders / denn ein Manicheischer Leib für vns auffgeopffert sein.
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Wunderlich aber sind sie jnen selbst dißfals zu wider / das auch der Leib Christi / wie er wider komen wird / jhrem fürgeben nach / nicht sol in Gott sein. Da doch die letzte widerkunfft nicht kan vnter die Werck der nidrigkeit gezelet werden / damit sie solchs alles sonst wollen ablehnen / das sie nemlich sagen / Christus habe durch die aufferstehung die Knechtsgestalt gantz vnd gar abgelegt: Sondern die widerkunfft des HERRN zum jüngsten gericht / wird eben die warhafftige Offenbarung seiner Herrligkeit sein. Wie der HERR selbst bezeugt / Matth. 25. Wenn aber des Menschen Son komen wird in seiner herrligkeit / vnd alle heiligen Engel mit jhm / denn wird ER sitzen auff dem Stul seiner herrligkeit / vnd werden für jhm alle Völcker versamlet werden. Das kan von keinem gespenst / viel weniger von einem Leib / der Himel / vnd Erden erfülle / verstanden werden. Drumb vnwidersprechlich war bleiben mus / das weder die Maiestet / vnd Herrligkeit / noch die persönliche vereinigung der beiden Naturen in Christo / die reumligkeit / vnd endligkeit des angenomenen Leibs hindere: Wie das Concordibuch felschlich leret / das der Leib Christi / wie er auff Erden raum / vnd Ort geben / vnd genomen / vnd also am füngsten tag widerkomen werde / nicht in Gott sey. Eius enim est (spricht Athanasius) ire, & venire, qui aliquibus locorum terminis circumscribitur, & eum, in quo erat, deserens locum, ad eum, vbi non erat, veniebat. Ceterùm Verbi diuinitas vniuersa implens, nullis locorum terminis separatur. Sicut nihil est, vnde discedat; ita nihil est, quò veniat. Vnd ist das bande der persönlichen vereinigung in
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Christo einmal so starck / als das andermal. Denn wie es durch die nidrigkeit nicht schwecher worden / also ists durch die herrligkeit nicht stercker worden: Sondern in beiden stenden ist / vnd bleibet Ein Christus / gestern / vnd heut / vnd derselbig auch in ewigkeit. Hebr. 13. Wer diß leugnet / der mus zugleich leugnen / das des Menschen Son / der das gericht endlich hegen wird / sey vnser Immanuel / warhafftiger Gott / vnd Mensch. Das thun eigentlich die Manicheer / vnd Vbiquisten / welche die letzte zukunfft des HERRN nur für ein blosse erscheinung / vnd offenbarung halten / one warhafftige nider / oder auffart. In massen sie hiebeuor auch aus der Himelfart Christi nur ein disparition / oder verschwindung gedichtet haben. Endlich / vnd zum sechsten / ist gewis / vnd wol beweislich / das die newen Manicheer / welche die Erbsünd für des Menschen natur / substantz / vnd wesen selbst halten / alle die jenigen / für Sacramentirer ausruffen / welche jnen die proposition; quod caro Christi diuersae sit à nobis speciei; Das Christi fleisch nicht einerley art mit vns hab / nicht wollen passiren lassen. Wie wir denn solchs / so es von nöthen / mit M. Hieronymi Mencelij / Superintendenten zu Eisleben / eigener Handschrifft können darthun / darin̅ er sich gegen einem guten freund beklagt / jnen würde schuld gegeben / das sie Sacramentirer weren / wenn sie dieselbige proposition (wie gemelt) nicht wolten gut sein lassen. Was ist aber für ein vnterscheid zwischen diesen reden: Caro Christi diuersae à nobis speciei est; Vn̅ / Corpus Christi non habet eandem cum nostro corpore definitionem?
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Dieweil denn die Wittenbergische disputation Anno 80. von den newen Licentiaten / fürnemlich zur declaration, oder erklerung der Concordiformul angestelt / vnd gemeint ist (wie der Cantzler derselbigen Academien / H. Licentiat Johan Schütz in der vorrede seiner Collectaneen selbst bezeugt) so mus ja hieraus vnwidersprechlich folgen / das sie per realem idiomatum communicationem, das ist / durch jr gedicht von der almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit des Leibs Christi / eben diß / vnd nichts anders wollen einfüren / das man nemlich das fleisch Christi für ein ander fleisch / denn an vns ist / halten sol: wider den obgedachten klaren Spruch Ambrosij; Eadem est in Christo corporis veritas, quae in nobis est: Es ist in Christo warhafftig eben ein solcher menschlicher leib / wie an vns ist. Dieweil denn die alten Marcioniten / vnd Manicheer vorzeiten von Irenaeo / Tertulliano / vnd dergleichen orthodoxis / vnter andern gründen sonderlich aus der stifftung des heiligen Abentmals widerlegt worden sind: Nam si qua corporis qualitas (spricht Tertullianus) quae non carnea sit, opponetur; certè non nisi carnea sanguinem habebit, atque ita consistit probatio corporis à testimonio carnis, & probatio carnis à testimonio sanguinis. Vnser gegenteil aber / nicht allein vom Leib Christi ein andere beschreibung / denn von vnsern Leiben dichtet / sondern auch wie der Leib auff Erden für vns / an gewieser stedt / vnd raum zu Golgoltha / wesentlich / sichtbar / vnd begreifflich auffgeopffert / vnd als das rechte Osterlamb am stamm des Creutzes geschlachtet worden ist / nicht wil in Gott / geschweigen mit dem Son Gottes persönlich vereinigt sein lassen (den̅ damals an jm kein herrligkeit / schönheit /
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noch Maiestet / darauff sie die persönliche vereinigung allein gründen / zu befinden war. Jesa. 53.) vnd darüber die warhafftige gegenwart des warhafftigen / wesentlichen Leibs / vnd Bluts Christi im heiligen Abentmal / anders nicht wil verstanden / noch gegleubt haben / denn wie ein klang / oder gedöhn / ja licht / hitz / gesichte / vnd dergleichen / durch lufft / wasser / glas / vnd Crystallen faren (mit welchem allem freilich die alten / vnd newen Manicheer gar wol zu frieden sein würden / vnd könten) So lassen wir nochmals dem Christlichen Leser / so die sachen recht verstehet / das vrteil befohlen sein / ob nicht der Vbiquisten Lehr zugleich den allerergsten Sacramentschwarm / sampt der Manicheer lesterunge einfüre / vnd bestettige. Sintemal sie nicht allein die warhafftige gegenwart im heiligen Abentmal verkeren / sondern auch die warheit / oder die substantz / vnd das wesen des Leibs selbst verleugnen / vn̅ von vnsern Leiben nach der gantzen definition absöndern / dadurch er nichts mehr / denn allein den blossen namen / mit vns gemein behalten kan.

Das sechzehende Anhaltische Argument.
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MIt was grunde wollen sie denn nu das(XVI.) Sechzehende argument vmbstossen / das nemlich jr gedicht von der Almechtigkeit / Alwissenheit / Allenthalbenheit der menschlichen natur in Christo / all vnser heil zu nichts mache? Dieweil der Spruch Athanasij vnwidersprechlich war ist / vnd bleibt in ewigkeit: Quod non assumsit, no̅ sanauit. Daraus wir nochmals also schliessen / vnd allen rechtgleubigen / ob es recht geschlossen sey / zu erkennen vntergeben.
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Der ewige rath / vnd abschied in der geheimbten schon des Vaters von der menschwerdung des eingebornen Sons Gottes / ist allein dahin gerichtet / auff das vnser sündhaffte natur / die dem tod heimgefallen / durch vereinigung des ewigen Worts mit der geheiligten natur vnsers fleischs / gebeins / geblüts / vnd vernünfftigen Seeln (an welcher der todt / wegen jrer vnschuld in Christo / für sich kein recht / noch macht gehabt) von Sünden wider gereinigt / vnd zum ewigen Leben hiedurch erworben würde. Wie die Kirche singet:
Beatus autor seculi Seruile corpus induit. Vt carne carnem liberans, Non perderet quos condidit.

Das ist:
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Der Selig Schöpffer aller ding / Zog an eins Knechtes Leib gering / Das er das fleisch durchs fleisch erwürb / Vnd sein geschöpff nicht gar verdürb. Wie aber der Son Gottes allein die menschliche natur an sich genomen: also hat kein gefallene creatur ewiges heil zu hoffen / denn so fern sie mit der angenomenen natur des Mitlers / wesentlich an Seel / Leib / vnd allen gliedmassen verwand ist. In massen solches Damascenus aus den alten lerern sehr fein / vnd tröstlich erkleret / lib. 3. fidei orthodoxae. cap. 6. Toti humanae naturae dicimus vnitam esse totam diuinitatis Filij Dei essentiam. Nihil enim eorum reliquit, quae Deus Verbum initio nos formans, in natura nostra creauit; sed assumsit omnia, corpus, animam, & rationem, & horu̅ proprietates. Nam animal, quod vnius ex his non
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est particeps, homo esse non potest. Praeterea totus totum assumsit me, & totus toti vnitus est, vt toti salutem largiretur. Quod enim non assumtum est, salutari medicina non curatum est. Das ist: Wir leren / das das gantze wesen der Gottheit des Sons Gottes / mit der gantzen menschlichen natur vereiniget sey. Denn er hat nichts dahinden gelassen / was er als das ewige Wort / der vns anfenglich gebildet / in vnser Natur erschaffen hat / sondern er hat es alles angenomen / den Leib / die Seel / vnd die vernunfft / vnd alle derselben eigenschafften. Denn was eines vnter diesen nicht teilhafftig ist / das kan nicht ein Mensch sein. Darumb aber hat er gantz sich mit mir gentzlich vereiniget / das er den gantzen Menschen selig machte. Denn was nicht angenomen ist / dem ist nicht mit heilsamer Ertzney geholffen. Bisher Damascenus. Nu ist ja vnwidersprechlich war / das vnsere Leibe kein natürliche / wesentliche verwantschafft haben können / mit einem solchen Leibe / des alles allenthalben durch / vnd durch voll sey / wie das Concordibuch fol. 313. schreibt / das es alles allenthalben durch / vnd durch voll Christus sey / auch nach der menscheit. Denn ein solcher Leibe weder in Mutter Leibe hette können empfangen / noch aus der Mutrer geborn / noch in warheit für vns geschlachtet werden können: Sondern müste alles nur ein blosser schein gewesen / vnd demnach das gantze werck vnser erlösung nicht in warheit / sondern nur scheinweis erfüllet / vnd volbracht sein. So wolle nu ein jeder vernünfftiger Christ (der nicht scheinweis / sondern aus seines hertzen grunde begeret mit Gott versönet zu sein / weis aber von keinem andern Sün
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opffer / den̅ das am stam̅e des Creutzes von dem Son Gottes in seinem eigenen warhafftigen Leib geleistet ist) für sich selbst schliessen / ob durch der Vbiquisten trewme von einem solchen Leib / der entweder / wie er am Creutz / nach Ort / vnd stedt / zu Golgoltha angenagelt gehangen / nicht in Gott / geschweigen Gottes leib gewesen; Oder ja zugleich sichtbar / vnd vnsichtbar / am creutz / zu Rom / Athen / vnd vberal herümb / in Himel / auff / vnd vnter der Erden vagirt sein sol / nicht all vnser Heil / Seligkeit / trost / vnd Hoffnung zu schanden gemacht werde? Hierauff können die Herrn Verfasser der Erfurdischen Apologien nichts antworten / sondern schreien nur (Fol. Apol. Erf. 81. a.) aus jhrem Weinfass mit vnsinnigkeit / Es sey nicht war / Es sey erlogen: gleich als hetten wir vnser argument nicht auff festen / vnbeweglichen grunde erbawet. Aber dieweil schelten / vnd lestern vntriegliche Zeichen sind / das jhr Sach bawfellig / vnd das Gewissen bey jhnen verwundt sey / so wollen wir die Rach Gott befehlen / vnd wuntschen vnserm gegenteil / das sie ein mal von jhrer halsstarrigkeit ablassen / von jhrem tieffen / vnd harten dünckelschlaff auffwachen / vnd recht nüchtern werden / ehe sie der gerechte Richter (welchs wir jhnen nicht gönnen) gar in einen verkerten sinne fallen lasse / wie der Prophet drewet: Quoniam repulisti scientiam, repellam ego te. Oseae 4.

Das siebenzehende Anhaltische Argument.
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DAs siebenzehende argument hat den(XVII.) Herrn Verfassern nicht einen geringen schweis ausgejagt / dieweil sie es an so vielen Orten widerholen / vnd gern soluiren wolten / wenn sie könten. Aber es stehet noch fest / vnd vnbeweglich / wird auch wol in Ewigkeit vnumbgestossen bleiben. Die Frage ist diese. Nach dem der Spruch des Apostels: In Christo wohnet die gantze Fülle der Gottheit leibhafftig / oder persönlich / Col. 2. von vnserm gegenteil also verstanden / vnd erkleret wird: Der Leib / oder das Fleisch / oder die menschliche Natur in Christo / ist durch die persönliche vereinigung mit dem ewigen Wort teilhafftig worden der völligen göttlichen almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit / glori / Maiestet / vnd herrligkeit / also / das sie nu mehr / so wol als die Gottheit / almechtig / alwissend / allenthalben / ja Gott selbst sey: So fragen wir nicht vnbillig / ob sie denn auch von ewigkeit hero sey / vnd was mehr zu der fülle der Gottheit gehört / zugleich empfangen habe? Denn wo alle fülle der Gottheit ist / da wird nichts ausgeschlossen. Müste also jhrem gedichte nach / Christus nach seinem fleisch nicht zu Bethlehem geborn / sondern mit seinem Leib vom Himel herab komen sein / wie die Apollinaristen geschwermet. Hierauff pflegten bisher vnser Widersacher zu antworten / das alle göttliche eigenschafften des ewigen Worts (nota, ALLE; derwegen auch / one anfang / vnd von ewigkeit / ja aus des Vaters Natur / vnd Wesen geborn / vnd also mit dem Wort vom Himel komen sein) der menschlichen Natur mitgeteilt werden / aber nicht auff einerley weis.
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Denn etliche / als von ewigkeit sein; Item / alle ding aus nichts erschaffen; werden (sagen sie) der angenomenen Natur nur in concreto personae mitgetheilt. Welchs / so wirs ohne vnterscheid also für recht solten passiren lassen / verursachen würde / das (jrem gedichte nach) entweder zweierley Concreta weren / nemlich concretum naturae, & concretum personae; Oder / das die menschliche Natur für sich ein Person hette. Denn weil die proposition / des Menschen Son hat Himel / vnd Erden erschaffen / sol also verstanden werden / das hiedurch das Werck der Schöpffung der menschlichen Natur selbst / vnd nicht viel mehr der Person / die in gemeltem Spruch von der angenomenen Natur den Namen tregt / zugeignet werde / aber doch (wie sie excipiren) in concreto; so kans nicht fehlen / es wird hiedurch der menschlichen Natur ein eigen concretum, das ist / jr besondere hypostasis zugeschrieben. Sönderlich dieweil vnser gegenteil an stadt der approbirten definition / da die communicatio idiomatum auff die Person gezogen wird / nach der Regel Theodoretj: Vnio facit communia nomina; eine besondere dichten / vnd alle eigenschafften Gottes stracks auff die menschliche Natur deuten. Darnach machen sie Secundum genus communicationis idiomatum, für die amptsnamen / welche Christo nach beiden Naturn zugehören / als / das er vnser ewiger König / Hoherpriester / Mitler / Erlöser / Versühner / Seligmacher / vnd Heiland worden ist / etc. Was hat aber diss mit der communicatione idiomatum zu thun?
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Das dritte sol etwas sönderlichs sein / vnd von der angenomenen natur in Christo auch in abstracto, für sich gegleubt werden / das nemlich die menscheit Christi sey almechtig / alwissend / allenthalben: daraus ja (wie bisher erwiesen) nichts anders folgen könte / denn das sie aller ding schöpfferin / vnd erhalterin wer / die sich doch selbs weder hat erschaffen / noch vff diese stunde erhelt. Denn was heist almechtig sein anders / denn alle ding erschaffen / vnd erhalten? Wiewol sie nu solche dreierley art communicationis idiomatum, newlich von jnen also erdicht / vnd der gantzen Christenheit sonst vnbekant / mit etlichen frembden grichischen namen (die sie ohne gnugsamen beweis / vnd erklerung allegiren) zubeschönen sich bemühen / vnd nennen primam speciem communicationis idiomatum : Secundam : tertiam : So ist vns wol nicht vnbekant / das solche / vnd viel mehr der gleichen wörter bey den grichischen Theologen im gebrauch (doch nicht one vnterscheid) gewesen. Wenn man aber aus einem jeden dergleichen Namen / oder wort ein sonderlich genus communicationis idiomatum machen solt / so würde sichs vber die massen weit austeilen. Wie denn aus diesem vngrunde D. Christophorus Cornerus (einer aus den sechs Patribus Bergensibus, von welchem doch gehalten wird / das er die Sach viel besser verstehe) in seinen com̅entarien vber das Symbolum Athanasij / darinn fast alle Brentianische Paradoxa, vnter einem newen fuco widerholet / vnd asserirt werden / sechserley genera locutionum de attributis Christi, pag. 104. erdichtet / vnd die gantze Lehr de communicatione idiomatum
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wunderlich zerstückelt / vnd jemerlich durch einander confundiret. Darzu ist vnserm gegenteil vnmüglich zu beweisen / das von den alten durch die angezogene drey grichische wörtlein dreierley communication idiomatum solten verstanden worden sein. Denn sie zuuor ausfürlich darthun müsten / das solche dreierley species praedicationum vnter ein genus communicationis idiomatum gehörten. Es folgt aber noch lange nicht / ob gleich etliche Sprüche reden von den wesentlichen eigenschafften der beiden Naturn / die der Person ohne vnterscheid / sie trage gleich von dieser / oder jener Natur den Namen / zugeschrieben / vnd doch nur vff dieselbige Natur / der sie eigentlich zustehet / im rechten verstand gezogen werden müssen: Etliche von den amptsnamen / die beiden Naturn / aber nicht one vnterscheid zugehören: Etliche aber von den praerogatiuen / vnd gaben / so der menschlichen Natur allein gebühren. Ob wol (sagen wir) diß sich freilich also verhelt / so folgt doch hieraus noch lang nicht / das darumb triplex genuscommunicationis idiomatum sey; wie vor der zeit jr antwort gewesen / vnd sie noch bisweilen / auch in der Erfurdischen Apologia sich hiemit behelffen. Sie setzen aber hin / vnd wider / in jhren Büchern / lange Predigt / vnd erklerunge dazu / nemlich / das etliche eigenschafften Gottes / actu secundo in den Creaturen jres gleichen wircken / dauon die Creaturen genent werden / weis / gerecht / gütig / etc. Etliche aber / als von sich selbst / ohne anfang / Item vnendlich sein / lassen keine Wirckung in den Creaturen /
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dauon sie gleichen Namen etlicher massen haben / oder bekomen möchten: ausgenomen / das die vnsterbligkeit auch den Engeln / vnd menschlichen Seeln / als beider seit vnsterblichen Geistern / angeschaffen / vnd in der that mitgetheilt werde. Dieweil aber in der angenomenen Natur Christi die Wirckunge des heiligen Geistes one mass sich ereigen / derwegen sey dieselbige nicht allein mechtiger / vnd weiser / denn alle Creaturn / sondern so wol als die Gottheit selbst / almechtig / alwissend / allenthalben. Welche erklerungen alle mit einander / vber diß / das sie die eigenschafft Gottes mit den erschaffenen Gaben / vnd also den Schöpffer mit den Creaturen vermischen / eigentlich auch dieses mit sich bringen / das in Christo die menschliche Natur mit der Gottheit wol einerley almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit hab / aber nicht ewiger / sondern erschaffener weis / actu secundo, non primo. Ob nu aus Christo nicht ein newerschaffener Gott hiedurch gedichtet werde / lassen wir alle rechtgleubigen / vnd verstendigen vrteilen. Jedoch / nach dem sie sich nu mehr etwas deutlicher erkleren / vnd mit vns bekennen / die einigkeit sey der menschlichen(Fol. Apol. Erf. 60. 81.) Natur nicht mitgeteilt / denn die Schrifft gedencke der ewigkeit ohne anfang nicht / etc. So nemen wir zwar diß abermals wider sie für bekant an / das nemlich / ob wir gleich (wie wir doch gewissens halben nicht können) mit jhrem gedicht de reali idiomatum communicatione zu frieden sein solten / oder wolten: Dennoch nicht / wie bisher von jhnen gestritten / alle / sondern nur etliche göttliche eigenschafften der angenomenen menschlichen Natur gebüreten /
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dadurch denn ein trennung in den göttlichen eigenschafften notwendig folgen müste / Sondern wir schliessen auch aus jrer eigenen angezogenen vrsachen / wie folget: Man solle Christo nach seiner angenomenen menschlichen Natur nichts one Schrifft zuschreiben. Es stehet aber nirgend geschrieben / das Christi fleisch / oder angenomene menschliche natur sey almechtig / alwissend / allenthalben / noch Gott selbst. Derhalben sol man solchs von Christi angenomener menscheit nicht reden / leren / gleuben / noch annemen. Den mitler Spruch (Minorem genant) probiren wir also: Das die Vbiquitet der menscheit Christi nirgend in der Schrifft bezeuget werde / haben vnser widersacher selbst zu Quedlinburgk für D. Heshusio gestehe̅ müsse̅. Wie sie denn auch in der Apologia zu Erfurd zusam̅en geraspelt / nicht furüber können / sondern wider sich selbst aussagen müssen / fol. 173. Es sey in Gottes Wort nicht ausgedruckt die Vbiquitas per species. Vnd in jrer refutationschrifft wider vnser bedencken pag. 55. bekennen sie runde / das obgemelte phrases (eine so wol / als die andere) semptlich / vnd sönderlich / weder in der heiligen Schrifft / noch andern Büchern von jnen in der norma des Concordibuchs erzehlet / also secundum literam gefunden werden. So haben wir bisher bewiesen / das sie auch implicitè keinen grund in der Schrifft haben. Derwegen sie alhie mit jrem eigen schwert geschlagen sind / vnd bestehet numehr auch vnser siebenzehendes argument (wie gemelt) noch fest / vnd vnbeweglich / welchs wir / vmb mehrer versicherung willen / zum beschlus alhie / nicht mit vnsern worten / sondern wie es von den Jesuiten zu Meintz thesi 62.
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erklert ist / mit denen vnser gegenteil / wo sie jrer sachen keine schew trügen / viel billiger / denn mit vns sich einzulassen hetten / also widerholen. Si aliquae diuinitatis proprietates, vt omnipotentia, omnipraesentia, omniscientia, gloria (has enim nominatim isti iactant) beneficio vnionis hypostaticae humanitati Christi reipsa communicatae essent; necesse esset, & reliquas numero infinitas, perfectione immensas, ei communicatas esse. At humanitas omnium diuinarum perfectionum particeps non fuit, nec esse potuit. Nullae igitur ei realiter communicatae fuerunt. Primam propositionem nemo Theologiae gnarus inficiari potest, cui exploratum sit, proprietates, vel attributa diuina (vt vocat Schola) inter se, & à diuinitate, cogitatione tantùm nostra; non autem vel realiter, vel essentialiter, vel formaliter discrepare. Nam cum quaeque earum proprietatum, aequè ac diuina essentia, perfectione infinita sit, necessariò reliquarum omnium vim eminenter complectitur; sicut anima rationalis in homine reliquarum animarum, sentientis scilicet, & vegetatricis; & aureus coronatus multorum obolorum; & Deus omnium rerum creatarum perfectiones in se continere dicitur. Sümtionem autem verissimam esse, quamplurimae diuinitatis proprietates ostendunt, quae in humanitatem competere non possunt. Nam proprium diuinitatis est, vt sit sua essentia, & à seipsa; vt sit ab omni aeternitate; vt sit increata, expers initij, & finis; communis tribus personis, essentialiter infinita, omnium rerum principium & finis; simplicissima, incorporea, immaterialis, & incom
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prehensibilis. Quarum omnium perfectionum nulla, dispensatione vnionis hypostaticae, realiter in humanitatem Christi transiuit. Nemo enim rectè dixerit, carnem Christi siue secundum se, siue ratione vnionis personalis esse suam essentiam, increatam, expertem initij, & finis; cum non possit non esse producta à Deo: vel esse ab omni aeternitate, expertemque initij, & finis; cum ipsamet Vnio personalis in tempore facta fuerit: vel denique esse simplicem, non compositam, incorpoream, immaterialem, incorruptibilem, & impassibilem; quia si ratione Vnionis personalis potest caro, vel humanitas Christi dici incorporea; cur non poterit ratione eiusdem dici non caro, non humanitas? quod manifestam implicat contradictionem. Et, si potest dici incorruptibilis, quomodo Christus carne passus est, & mortuus; & quomodo pati potuit, cum sit incorruptibilis, & impassibilis, incorruptibilitate, & impassibilitate ipsius Dei, qui pati, & mori non potest? Haec illi. In summa / das Licht der göttlichen Warheit ist viel zu hell / denn das es mit vergeblichen einreden / oder ausflüchten sich verdunckeln lasse. Dieweil denn vnmüglich / das Gottes almacht / Weisheit / vnendligkeit entweder von seinem göttlichen Wesen / oder von der Ewigkeit / könne getrennet / oder abgesöndert werden / so kan vnser gegenteil mit nichten furüber / entweder mit vns / vnd allen rechtgleubigen zu bekennen / das die menschliche Natur in Christo nicht sey almechtig / alwissend / allenthalben / noch Gott selbst / sondern ein endliche / erschaffene Creatur. Vnd zwar diß were der aller richtigste / vnd sicherste
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Weg zur bestendigen einigkeit / auff das Gott die Ehre behielte der vnwandelbaren Warheit / welcher alle Menschen sich billig vnterwerffen solten. Oder / da sie solch jr gedicht nicht fallen zu lassen gedencken / müssen sie notwendig zugleich die Ewigkeit dem fleisch Christi zuschreiben / das ist / die gantze Historien von der Geburt zu Bethlehem / vnd das die Menschheit Christi eines Wesens mit vns sey / verleugnen / vnser Erlösung in ein scheinwerck verkeren / vnd demnach nicht allein der Apollinaristen jrthumb / welche fürgaben / das fleisch Christi sey vom Himel komen / vernewern / sondern noch viel einen ergern schwarm in die Christenheit einfüren. Dieweil jene Ketzer / ob sie wol die vernünfftige Seel in Christo verleugneten / vnd aus der Historien von der Geburt zu Bethlehem nur ein scheinwerck machten / nichts desto weniger dem Leib Christi sein endligkeit / lenge / vnd Ordnung der gliedmassen vnabgesprochen liessen / wie solchs aus den Dialogis Theodoreti zu sehen ist: Der Vbiquisten meinung aber zugleich Leib / vnd Seel an Christo vergöttert / vnd aller natürlichen menschlichen eigenschafften / one welche die substantz eines Menschen nicht bestehen kan / beraubt / vnd durch jhre gedichte Vbiquitet in ein vnendliche erfüllung aller ding / welchs allein Gott zugehöret / verkeret. Ja / wie aus D. Johann Matthaeo zu sehen / von der empfengnis an / dem Leib Christi / ehe noch Christus in die Welt geborn / die allenthalbenheit zuschreibet / welchs so grob / das zuuor von keinem Ketzer jemals desgleichen erfaren / noch gehört worden ist. Das wir nicht vnbillig / wider diese / vnd jene / das ist / wider die alten vnd newen
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Apollinaristen / mit Chrysostomo aus der heiligen Lehr von der waren gegenwart des warhafftigen Leibs / vnd Bluts Christi / welche von beiderley denselbigen Ketzern in der that (ob sie es gleich nicht wort haben wollen) verleugnet wird / also argumentiren / vnd schliessen: Sicut in sanctificato pane Domini, qui mediante Sacerdote liberatus est ab appellatione panis, & dignus est habitus Dominici corporis nomine; natura tamen panis permansit, & non duo per haec corpora, sed vnum Filij corpus praedicatur: ita quoque in vnitate personae Christi, vtraque natura incorrupta, proprietatis suae conseruat agnitionem. Haec Chrysostomus.

Das achtzehende Anhaltische Argument.
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(XVIII.) DAs achtzehende Argument beruhet auff der allereinigsten Einigkeit des göttlichen Wesens / sampt allen wesentlichen eigenschafften in der heiligen Dreyfaltigkeit. Vnd haben wir solches newlich in vnser Defension wider D. Johan Matthaeum / professorem zu Wittenbergk / dermassen im dritten / vnd vierten argument daselbst ausgefürt / das alhie ohne noth / weitleufftiger dauon zu handeln. Jedoch widerholen wir es nicht vnbillig / vmb angestelter Ordnung willen / wie folget: Es ist vnmüglich / das die persönliche vereinigung der beiden vnterschiedenen Naturn in Christo vff dem jenigen (eigentlich also zu reden) bestehe / oder beruhe / das der ewige Son Gottes / mit seinem ewigen Vater / vnd heiligen
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Geist gemein hat / vnd nach welchem er / als die andere Person / so allein zum Mitlerampt verordnet / vnd gesand ist / von der ersten / vnd dritten Person der heiligen Dreyfaltigkeit nicht kan vnterschieden werden. Nu ist ja vnleugbar / vnd in allen Christlichen Symbolis bekant / das der Vater / Son / vnd heiliger Geist / so wenig nach den natürlichen / oder wesentlichen eigenschafften / Maiestet / vnd herrligkeit / als nach dem ewigen Wesen selbst / können vnterschieden werden. Denn nach sölchem allem / Gott Vater / Son / vnd heiliger Geist / die aller einigste Einigkeit vnter sich haben / das auch vmb derselbigen willen / ob wol ein jede Person für sich warhafftiger / ewiger / vnermeslicher / almechtiger / alwissender / algegenwertiger / vnerschaffener HERR / vnd Gott / nach Christlicher Warheit / sol / vnd mus bekant werden: wir doch im Christlichen Glauben nicht drey ewige / vnermesliche / almechtige / alwissende / algegenwertige / vnerschaffene / noch drey HERRN / oder drey Götter / wie drey Person nennen / noch bekennen können. Diß alles ist so war / vnd vnwidersprechlich / das in ewigkeit nichts bestendigs dawider kan auffgebracht werden. Derwegen wir mit allen rechtgleubigen Christen schliessen / das das band der persönlichen vereinigung der göttlichen / vnd menschlichen Natur in Christo keins wegs bestehen / noch beruhen könne vff einiger thetlichen mittheilung des göttlichen Wesens / noch wesentlichen eigenschafften / vnd Wirckungen Gottes: Sondern das aus der Lehr vnsers gegenteils / welche bisher differentiam vnionis hypostaticae in Christo specificam (wie man in Schulen zu reden pflegt) auff die wirckentliche mitteilung der
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göttlichen almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit ins fleisch / gesetzet / vnd gegründet haben / eigentlich / vnd one ausflucht folge der Sabellianer / vnd Patripassianer lesterung / von der Menschwerdung / Leiden / vnd sterben im fleisch / so wol des ewigen Vaters / vnd heiligen Geistes / als des Sons. Diß Argument ist so starck / das wir mit freuden / vnd gebürlicher dancksagung gegen Gott rühmen / vnd bekennen / das wir anfenglich durch nichts mehr / denn eben durch dieses bewogen sind worden / dem gedicht vnsers gegenteils aus Gottes Wort zu widersprechen / vnd zweiffeln gar nicht / es könne noch vielen jrrigen / vnd verfürten Subscribenten / vnter welchen freilich noch guthertzige Leute sind / die sich haben vbereilen lassen / mit welchen auch billig mitleiden zutragen / durch fleissige betrachtung dieses arguments / auff vorhergehende ernste anruffung göttliches Namens / zur Warheit gedienet werden. Was antworten aber die Herrn Verfasser der Apologien zu Erfurd hierauff? (Fol. Apol. Erf. 81. 82.) Viel wort zwar / vnd ein lange Predigt haben sie dawider gesetzt / In warheit aber thun sie dem argument so gar keinen abbruch / das sie es auch wider jhren fürsatz selbst bestettigen. Denn dieweil die Heuptfrage alhie nur diese ist / was die Specifica vnionis duarum naturarum in Christo hypostaticae differentia, oder das warhafftige bande sey dieses geheimnis / welchs die persönliche vereinigung heist / vnd ist / der endlichen / vnd vnendlichen Naturn in Christo / das ist / worinn der vnterscheid stehe / das man wol von Petro / Dauid / Mose / vnd dergleichen sagen kan / dieser ist
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ein Mann Gottes: Aber allein von Mariae Son sagt man / dieser ist der Mann / der HERR / vnd Gott selbst. Gen. 4. Denn er ist allein Immanuel / Gott mit vns: Jesaiae 7. Das ist / Gott / vnd Mensch / in einer Person. Ob nu der vnterscheid dieser Reden darinn stehe / das in andern Heiligen nur etliche / dazu in diesem leben noch vnuolkomene / vnd wandelbare Gaben / oder Wirckungen des heiligen Geistes / nach gewisser mass / vnd Ordnung: In der Menscheit Christi aber / alle Gaben / ja (wie vnser gegenteil fürgibt) die eigenschafften Gottes selbst / ohne mass / volkomen / vnd vnwandelbar / an almacht / Weisheit / vnbegreifflicher algegenwertigkeit / vnd himlischer ewigen Maiestet / oder herrligkeit sich ereigen / vnd leuchten? Oder / ob viel mehr der vnterscheid hierinn bestehe / das alle andere Heiligen nach der Person von dem Son Gottes vnterscheiden sind: Der Son Mariae aber ist der Son Gottes selbst persönlich. Denn die angenomene menschliche Natur hat für sich kein eigene Person / sondern ist in die Person des ewigen Worts auffgenomen / sonst könte sie nicht bestehen. Vnd beruhet eigentlich die persönliche vereinigung mit nichten vff einer sonderlichen thetlichen mitteilung newer vnerschaffenen eigenschafften / oder Gaben / so der menschlichen Natur in Christo von der ewigen Gottheit widerfaren / sondern nur in der annemung / vnd erhaltung derselbigen im Wort / ausser welchem diese indiuidua massa der menschlichen Natur Christi nichts were / noch sein könte / wie allen rechtgleubigen Chisten bekant ist. Dieweil nu hierauff die Heuptfrage in diesem argu
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ment bestehet / so nemen wir die erklerung vnsers gegenteils für bekant / vnd zu freundlichem dancke an. Bitten auch / sie wollen dabey verharren / so wird mit der zeit / durch Gottes hülff / wol in der Kirchen / darinn der vbiquistische Sawerteig nicht vermag die lenge zu bestehen / wider können bestendiger Friede angerichtet werden. Denn sie vns alhie endlich (Gott lob) beyfallen / vnd (wiewol vieleicht wider jhren willen) recht geben müssen: (Fol. Apol. Erf. 82. b.) das nemlich die specifica differentia der persönlichen vereinigung (wie jre wort lauten) nicht in co̅municatione potestatis bestehe / sondern in ipsa vnione, seu concursu duarum in Christo naturarum in vnam hypostasin. Vnd das die mitteilung der almechtigen Krafft nicht die vereinigung selbst / sondern ein consequens, oder folge derselben sey. Bisher jre eigene wort. Hiemit sagen wir austrücklich / das vnsere gantze Lehr von jhnen selbst / wider das Concordibuch bekrefftiget sey. Denn so starck ist die Warheit (wie Theodoretus fein redet) das jhr auch die Widersacher manchmal / wider jren danck / willen / vnd vorsatz beyfal / vnd zeugnis geben müssen. So nu die Herrn Verfasser / wie bestendigen auffrichtigen Lerern wol anstehet / auff dieser bekentnis der Warheit beruhen wollen / so ist kein zweiffel / jhr vermeint Concordibuch wird schon hiemit cassirt / vnd demnach bestendiger Friede bey allen rechtgleubigen angerichtet / vnd consirmirt sein. Sie thun aber in dem zuuiel / vnd vergessen jhrer andern geselschafft / das sie vnsere nottürfftige / wolgemeinde / vnumbgengliche erinnerung für ein calumnien ausruffen /
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vnd vns beschüldigen / als sey es vns nicht vmb die Warheit selbst / sondern nur vmb priuat Personen zuthun. Item / es sey ein lauter zunöttigung zum Buch / neben(Fol. Apol. Erf. 83. a.) dem (sagen sie) das es dem gegenteil freilich ein schande ist / das sie auch von den Jesuiten / welche abgesagte Feinde vnser Kirchen sind / behelff suchen. Bisher jhre beschüldigung. Hierauff thun wir diesen warhafftigen bericht. Erstlich ists gnug / das es Gott / als dem einigen Hertzkündigern / welchen kein Mensch betriegen kan / bewust / vnd offenbar ist / obs vns in dieser hochwichtigen Sach / daran Gottes Ehr / der Kirchen Ruhe / vnd aller Menschen ewige Seligkeit gelegen / vmb priuat Personen / vnd eigene affection / oder vmb die Warheit zuthun sey. Diß wollen wir allein Gott richten lassen. Zum andern / redets die Sach selbst / vnd ist am tage / das es vielmehr vnserm gegenteil vmb Personen / denen sie ohne gegebene rechtmessige vrsach zu wider sind / denn vmb warhafftigen Fried zuthun sey. Sonst hetten sie / nach der Regel des Propheten (Liebet nur die Warheit / vnd den Fried / Zach. 8.) Iren proceß à sufficienti cognitione, & probatione causae, wie nicht allein Gottes Wort / sondern auch das Gesetze der Natur vns lehret / vnd mit nichten ab executione angefangen / oder biß anher mit der Sach vorfahren. Aber auff diesen Weg würde es bey dem alten Corpore doctrinae geblieben sein / vnd hette jnen nicht gelungen / jhr vngegründtes gedicht der Kirchen auff zudringen / noch zu inthroniziren. Zum dritten / fragen wir / Wer denn die priuat
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Personen sind / derer Paradoxa wir namhafftig angezeigt / vnd ausgesetzt haben? Sinds nicht eben die fürnembsten aus den Bergischen Herrn Vetern / vnd jren negsten verwanten / die das Spiel in der Hand haben / von welchen (wie D. Selnecker in praefatione repetitionis suae, Anno 81. zu Leiptzig gedruckt / schreibet) der tewre Mann D. Luther vor langest geweissagt / das es also / wie leider vor augen / in der Kirchen zugehen werde / wenn das Spiel in der Buben Hende komen werde? Zum vierdten / ists denn nicht ein algemeine Sach / die sie freilich keins wegs priuatim, sondern publicè, vnd cum autoritate füren / vnd tractiren? Sonderlich dieweil sie semptlich zum Concordibuch so hoch sich verschworen / das sie nemlich bey verlust jhrer Seligkeit anders nichts / denn demselbigen gemes / gedencken / gleuben / lehren / noch schreiben wollen? Derwegen sie auch die Cathedras vff den fürnembsten Academijs (welche von den löblichen Stifftern / gleich als publica oracula, da man sich der Warheit aus allen vmbliegenden Landen erholen solte / verordnet sind) occupirt / vnd sich der profession Theologiae, die formulam Concordiae dadurch vortzupflantzen / angemasset haben. Wie sie sich auch in der gantzen Apologien / hin / vnd wider / zum öfftersten / vff der jrigen anderweit von diesem streit ausgegangene / vnd publicirte Schrifften beruffen. Dieweil denn vnter andern D. Johan Matthaeus zu Wittembergk / ex professo der Vbiquisten Lehr zugethan / die specificam vnionis duarum in Christo naturarum hypostaticae differentiam nominatim vff die realem communicationem gründet / wie wir solches in Defensione tertij
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argumenti Anhaldini wider jhn öffentlich erwiesen / so ist ja nicht vnbillig / das wir dem Christlichen Leser alhie zu erkennen geben / was für ein Spiritus vertiginis vnter die Subscribenten komen / sintemal die Herrn Verfasser das jenig für ein calumniam schelten / was die facultas theologica zu Wittembergk öffentlich für recht bekennet / profitirt / vnd durch den Druck in die gantze Welt von sich schreibt. Nach dem auch obgemelter D. Johann Matthaeus sich rühmet / das er sonderlich die Sacramentierer an jhren eigentlichen notis zu erkennen geben könne / vnd diß neben andern für ein vnfeilbare notam, oder Kennezeichen anzeucht / wenn man nicht gestehen wolle / das in diesem geheimnis differentia specifica, vel quasi specifica (wie er ambiguè, vnd zweiffelhafftig redet) sey realis idiomatum communicatio: So halten wir / eben demselbigen (wiewol falschen) praeiudicio nach / die Herrn Verfasser der Erfurdischen Apologien nicht vnbillig für Sacramentirer / wie sie denn in warheit / auch von den Jesuiten (aber mit andern / vnd viel gewissern gründen / denn von D. Johann Matthaeo geschehen) des Stenckfeldischen allergröbsten Sacramentschwarms / welcher das Bäpstische gedicht von der transsubstantiation selbst vbertrifft / greifflich / vnd augenscheinlich vberwiesen werden. Derwegen wir vns auch zum fünfften / gar für keine schande achten / das wir exceptis excipien dis, der Jesuiten argumenta in diesem streit wider vnser gegenteil allegiren: nach der Regel; Omnia probate, quod bonum est, tenete. Sintemal offenbar / das nicht allein die Apostel bisweilen der Heiden Sententz angezogen / sondern Lutherus selbst
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hat zum öffternmal für ein sonderliche gnade Gottes gepreiset / das der hohe Artickel beides von der heiligen Dreyfaltigkeit / vnd von der Menschwerdung des ewigen Worts / im finstern Bapstumb erhalten. In massen auch vnleugbar ist / das so wol in der Augspurgischen Confession / vnd derselben wolgegründten Apologien / als in den Schmalkaldischen Artickeln / ja in allen zwischen den vnsern / vnd Bäpstischen / wegen der Religion angestalten Colloquien / bekant / vnd angenomen / das von diesen Artickeln kein streit. Derwegen man auch jederzeit dieselbigen / als verglichene / beiderseits eintrechtiglich vbergangen / vnd nur zu den jenigen geschritten / die zum ampt des Mitlers gehören. So ists nu viel mehr vnserm gegenteil ein ewige / vnuerantwortliche schande / das sie sich für Lutheraner (mehr denn für Christen) dazu allein für die bestendige der Augspurgischen Confession verwanten / vnd protestanten ausgeben / vnd gleichwol hiemit öffentlich vberzeugt werden / das sie beides von Lutheri Lehr / vnd der Augspurgischen Confession / vnd protestation / darauff doch der gantze Religions fried in Germanien gewidmet / selbst abschreiten. Das mögen sie wol ponderiren. Sonst haben wir in vnser Apologia / pag. 306. vnd 429. bey dem neuntzehenden / vnd ein vnd viertzigsten argument (da auch vnser gegenteil wegen jhres ruhmredtigen glorirens / das sie den Papisten an Kunst / vnd geschickligkeit / wens zum treffen keme / wol gewachsen sein wolten / des alten Sprichworts wolmeinende von vns erinnert worden / welchs wir bitten / das es in kein vergessen gestellet werde / denn es heisst: Hîc Rhodus, hîc saltent:) der
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Jesuiten halben / ob / vnd wie fern wirs mit jhnen halten / oder nicht / vns gnugsam erklert / dabey wirs nochmals beruhen lassen. Vnd zweiffeln gleichwol gar nicht / das viel gelerter verstendiger Leut vnter jhnen erzogen werden / die der Warheit mit ernst nachforschen / vnd die Sachen vieleicht besser / denn sie sich dürffen vernemen / oder mercken lassen / verstehen. Für welche wir Gott nicht vnbillig anruffen / das jnen das Licht des erkentnis / wie in diesem / also auch in andern streittigen Artickeln / so wol / als vns / von tag zu tag mehr / vnd klärer angezündet / vnd mitgetheilet werde. Vnserm gegenteil aber geben wir nochmals den Spruch Tertulliani zu einem Latein auff: Veritas non ex personis, sed personae ex veritate aestimari debent. Oder / wie der Heide Seneca recht gesagt: Non semper spectandum est, quis dicat, sed quid dicatur. Wenn Gott redet / so bleibts billig dabey: Ipse dixit. Wenn aber Menschen reden / so heissts: Man sol nicht vff die Person / sondern auff die Sachen sehen. Denn die Warheit / so fern sie recht / vnd schlecht tractirt / vnd erkleret wird / endert sich mit nichten nach den eusserlichen vmbstenden der zeit / Ort / vnd Personen / sondern ist / vnd bleibet vnwandelbar ewiglich. Derwegen auch von vnserm gegenteil hieran seht vnbillig geschicht / das sie der Apostolischen Regel zu wider: Omnia probate, quod bonum est, tenete; jhres gegenteils Bücher zu lesen stracks verbieten. In massen newlich D. Dauid Voigt (der sonsten die Sachen viel besser verstehet / wie jn denn sein Praeceptor Philippus Melanthon viel anders vnterrichtet / vnd freilich auch viel besser / nisi vetus dor
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miret gratia, vmb jn / vnd andere sich verdienet hat) zu Ihena vnsere Defension wider D. Johann Matthaeum nicht hat wöllen verkeuffen lassen / vnd einen armen Wandersman / der aus wenigen exemplaren seine zerung zu erlangen gedacht / dermassen geengstigt / das er jhm nicht allein die exemplaria (mit was gewissen / mag er verantworten) hat nemen wollen / sondern auch den Kercker / vnd weis nicht was schwerers / angebotten. Gleich als were diß der Weg die Lehr zuuertheidingen / oder als hetten sie nicht die Bibel für sich / daraus sie vns / so wir jrreten / eines bessern zu vnterrichten schuldig. Aber sie behelffen sich mit dem Latein: Ecce duo gladij hîc. Item: Tempora mutantur, & nos mutamur in illls. Zum sechsten / die gradus praesentiae diuinae betreffende / mögen sie sich schmücken / vnd entschuldigen / wie sie wollen / so ist die confusio, oder vermischung derselbigen im Concordibuch öffentlich für augen. Denn fol. 296. stehet klar / das die propositio: Verbum caro factum est, welche eigentlich ad quartum gradum gehöret / sey aequipollens, oder gleichstimmende mit der Reden / Das Wort wonet in vns / welche doch vielmehr zum dritten grad gehöret. Also fol. 302. in explicatione trium modorum essendi. wird das mysterium incarnati Verbi, durch die vnendliche Maiestet / dadurch Gott alles in allem ist / vnd erfüllet / beschrieben: So doch dieselbige vnendligkeit der algegenwertigen göttlichen Maiestet eigentlich nicht zum vierten / sondern zum ersten grad gehört. Dieweil aber auch daselbst (wie nu zum öffternmal / vnd nicht vnbillig / wegen der Sachen hochwichtigkeit /
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gedacht / vnd widerholet worden) stracks verneinet wird / das der Leib Christi / wie er auff Erden gangen / da er raum / vnd Ort geben / vnd genomen / nach solcher gestalt in Gott / geschweigen Gottes Leib sey: So ist eben hiemit das jenige dem Leib Christi abgesprochen / was nach dem ersten grad der gegenwart Gottes keiner Creatur abgesprochen werden kan / noch sol: dieweil der Spruch des Apostels in gemein auff alle geschöpff Gottes referirt / vnd gezogen werden mag: In ipso viuimus, mouemur, & sumus. Act. 17. Vber diß alles haben wir in vnser Apologia / pag. 300. vnd 301. jhre eigene wort aus der Concordiformul fol. 312. angezogen / welche klar beweisen / das sie die specificam mysterij huius differentiam nur auff die realem communicationem idiomatum setzen. Denn sonst würde (jhrem daselbst gantz nichtigem fürgeben nach) allen Creaturen / sonderlich aber den gleubigen / vnd heiligen Menschen / in welchen Gott wohnet / alle Fülle der Gottheit leibhafftig / sampt allen Schetzen der Weisheit / vnd erkentnis / vnd demnach alle gewalt im Himel / vnd auff Erden mitgeteilet sein: ja (sagen sie / folio Concordiae 313.) wenn Christus nur nach seiner ewigen Gottheit allenthalben gegenwertig were / so würden der gestalt Petrus / Paulus / vnd alle Heiligen im Himel (weil die Gottheit / so allenthalben ist / in jhnen wonet) auch bey vns auff Erden sein / etc. Ob denn diß nicht ein grobe / ja fast greiffliche vermischu̅g sey der vnterschiedene̅ graden göttlicher gegenwertigkeit / neben dem / das differentia Vnionis duarum naturarum in Christo hypostaticae specifica nur auff das gedicht der vbiquitet / vnd realis idiomatum communicationis ge
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gründet wird / lassen wir allen verstendigen Christen zu vrtheilen befohlen sein. Denn dieweil vnser gegenteil vff angezogene jhre eigene wort aus der Concordiformul gar nichts in der Erfurdischen Apologien zu antworten gewist / so lassen wirs auch hiebey beruhen / vnd nemen jr stillschweigen nicht vnbillig für bekant an. Wie denn hieraus offenbar / das die Concordiformul mit der Apologia nicht aller ding gleichstimmet: nach dem alten Sprichwort; Non concordat Psalterium cum cithara. Endlich / vnd zum siebenden / das decretum Concilij Toletani betreffende / haben wir die rechte erklerung / vnd meinung dauon in vnser Defensione tertij, & quarti argumenti Anhaldini wider D. Joannem Matthaeum gnugsam dargethan. Achtens derwegen alhie one noth / nach der lenge zu widerholen. Nur allein das wir den Christlichen Leser zum freundlichsten erinnert haben wollen / vff der Herrn Verfasser falsche gloss / oder vielmehr calumnias fleissig acht zu geben. Denn es heisst: Non dicas falsum testimonium aduersus proximum tuum. Das decretum Concilij Toletani lautet also: Cum tota cooperata sit Trinitas formationem suscepti hominis, quoniam inseparabilia sunt opera Trinitatis: solus tamen Filius suscepit humanitatem in singularitate personae, non in Vnitate diuinae naturae: Id est, in eo, quod proprium est Filij, non quod commune est Trinitati. Mit nichten aber wird hiedurch von vns (wie vnser (Fol. Apol. Erf. 83. b.) gegenteil felschlich / vnd wider jhr eigen Gewissen / alhie beschwerlich vns beschuldigen) verneinet / das die gantze göttliche Natur in der person des Sons die menschliche Natur an sich genomen habe.
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Denn wir solches zu verfelschen / zu verleugnen / oder zu verneinen / für ein öffentliche Lesterung halten / der wir mit Hertzen / vnd Munde widerspreche̅ / wie auch dergleiche̅ fürgeben mit keinem bestendigen grunde aus vnsern schrifften / noch Lehr in Ewigkeit wird können erwiesen werden. Ja wir halten vnsere Widersacher für öffentliche Verleumbder / so lang biß sie mit vnsern eigen worten solche abschewliche Lesterung / der sie vns wider jr eigen Gewissen beschuldigen / vff vns erweisen / welches jhnen ewiglich wol vnmüglich sein / vnd bleiben wird. Sondern wir leren / gleuben / vnd haltens mit allen rechtgleubigen vnwidersprechlich dafür / das die Person des Sons / wie sie one die ewige Gottheit / nach welcher sie mit dem Vater / vnd heiligem Geist eines Wesens ist / nicht bestehen kan / also keins wegs ausserhalb / oder abgesöndert (welchs gar vnmüglich) von der göttlichen Natur / Mensch worden / oder menschliche Natur angenomen hab / sondern das die gantze volkomene göttliche Natur in der Person des Sons mit der angenomenen menschlichen Natur vereinigt sey. Wie solches von Damasceno lib. 3 cap. 6 nach der lenge ausgefüret / vnd Dionysij Spruch angezogen wird: Omnem, & perfectam diuinitatis naturam, in vna sui ipsius , vnitam omni humanae naturae, & non partem parti: &c. Es folgt aber hieraus mit nichten / das darumb die menschliche Natur so wol / als die göttliche / sey almechtig / alwissend / allenthalben. Denn das hiesse das bande / oder terminum, in quo vtraque natura concurrit; Das ist / die persönliche vereinigung der beiden volkomenen Naturn in Christo / viel mehr vff das göttliche Wesen / nach welchem
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die drey Personen in der Gottheit nicht vnterschieden sind / denn nach obgesetzter Regel Dionysij / allein auff die andere Person der heiligen Dreyfaltigkeit / setzen / vnd gründen / dadurch freilich nichts anders / denn der Sabellianer / vnd Patripassianer Lesterung eingefüret / vnd bekrefftiget würde. Wie wir solches nochmals allen verstendigen / aus Gottes Wort zu judiciren heimstellen. Denn auch Petrus Lombardus / welchen die Herrn (Fol. Apol. Erf. 83. b.) Verfasser alhie felschlich citiren / vnd vieleicht nicht mit nüchtern augen angesehen (sintemal er nicht / wie sie fürgeben / Distinctione sexta, sed quinta, libri tertij, cap. 1. des Concilij Toletani gedenckt) viel mehr für vns / denn für vnser gegenteil decidirt / vnd schleusset / wie folget: Quod dicitur solus Filius formam serui accepisse, por hoc non excluditur diuina natura ab exceptione seruilis formae, sed aliae duae personae, Pater scilicet, & Spiritus sanctus. Bey welchem Spruch vnser gegenteil zugleich annotiren mag / das forma serui, ob es schon bisweilen auch von der sterbligkeit / vnd allerley schwacheit / welcher Christus in diesem leben (aber one Sünde) vnterworffen gewesen ist / gebraucht wird / dennoch principaliter nichts anders sey / denn natura assumta, wie daselbst aus den Patribus nach der leng bewiesen wird. Derwegen jr fürgeben nicht bestehen kan / das durch die erhöhung Christus die Knechtsgestalt gentzlich hab von sich gelegt. Denn also müst er auffgehört haben warhafftiger Mensch zu sein. Das aber im Concilio Toletano ferner gesagt wird: Id, quod est proprium Filij, non quod commune est Trinitati, hominem accepit: wird daselbst erklert / das es also
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zuuerstehen sey: Id est, propriè in hypostasi Filij, non in tribus communiter personis, diuina natura humanam naturam sibi vniuit. Vnd folgt die vrsach darauff / cap. 2. ibidem: Dei Filius dicitur factus homo, vel esse homo, non solùm, quia hominem assumsit; sed quia ipsum in Vnitatem, & singularitatem sui, & personae accepit. Natura autem diuina hominem quidem accepit, id est, hominis formam sibi vniuit; sed non in singularitatem, & vnitatem sui. Seruata enim proprietate, ac diuersitate duarum naturarum personae singularitas extitit. Ideóque non sic dicitur diuina natura esse homo, vel facta homo, sicut Dei Filius. Hactenus verba Petri Lombardi. Aber diß alles wird von den Vbiquisten vmbgekert / die durch jhr gedicht / das die menschliche Natur in Christo / durch die persönliche vereinigung mit dem ewigen Wort / zur possess / oder besitz / gemeinschafft / brauch / vnd vbung (wie die Erfurdische Apologia an vielen Orten / sonderlich fol. 4. 5. 6. 56, wider die heilsame form der heiligen Schrifft / vnd alten Veter / sehr gefehrlich redet) der göttlichen Maiestet / vnd eigenschafften komen sey / im grunde nichts anders / denn assumtionem naturae humanae in sinlaritatem diuinae naturae, vnd demnach totius Trinitatis incarnationem, das ist / der Patripassianer Lesterung / wie hefftig sie auch per oppositum in adiecto (jrer art / vnd gewonheit nach) dawider protestiren / in die Kirchen einfüren / vnd bestettigen: In massen alle verstendigen / auch ohne vnser erinnerung / mit schmertzen vorlangest erkant / vnd beklagt haben. Der guthertzige Leser wolle vns nicht verargen / son
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dern freundlich zu gut halten / das wir in diesem achtzehenden argument der Warheit zum besten / etwas lenger / den̅ wir verhofft / wegen vieler verwirreten puncten vns haben auffhalten lassen. Wollen forthin / vermittelst göttlicher hülff / so viel müglich / der kürtze vns befleissigen: Jedoch das der Sachen notturfft (wie billig) nicht hindan gesetzt / noch vbergangen werde.

Das neuntzehende Anhaltische Argument.
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(XIX.) DAs neuntzehende Argument ist vnserm gegenteil ein brandmal im Gewissen. Denn ob sie wol fürgeben / sie halten Vnionem hypostaticam, (Fol. Apol. Erf. 83. b.) vnd communicationem Maiestatis nicht für eins / so sind doch nicht allein jhre Schrifften / darauff sie sich so manchfeltig beruffen / öffentlich am tage / sondern wir haben albereit im vorgehenden argument das contrarium aus der Concordiformul selbst / augenscheinlich wider sie mit anziehung jrer eigen wort erwiesen. Das sie aber vffs newe fürwenden / es sey ein anders personalis, ein anders essentialis communicatio idiomatum, seu Maiestatis; hilfft sie nichts / sondern beschüldigt sie viel mehr eines vberzeugten Gewissens. Denn jhnen nicht verborgen sein kan / das die Maiestas omnipotentiae, omniscientiae, vnd omnipraesentiae etwas wesentlich / vnd nicht etwas persönlich in gott ist. So bezeugt auch die Definitio personae, das personalis communicatio (es sey denn / das communicatio pro vnione genomen werde / dauon hie nicht geredet wird) ein öffentliche implicationem contra
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dictionis einfüre. Sintemal personale das jenige heisst / quod est incommunicabile. Quod enim communicabile est, id propriè loquendo non est personale. Vber dieses / dieweil communicatio in Christo / nicht ist die Vnio selbst / sondern quiddam consequens; vnd die beiden Naturn / an jhren natürlichen eigenschafften / vnd Wirckungen / auch in der persönlichen vereinigung vnuerendert bleiben (wie zu Chalcedon / wider die alten / vnd newen Eutychianer / so wol als zu Epheso wider die Nestorianer / sie seyen alt / oder new / aus Gottes wort bestendig / vnd einmütig geschlossen / vnd verabscheidet worden) so ist vnmüglich / das die göttliche̅ eigenschafften von der menschlichen Natur in Christo können mit Warheit praedicirt / oder gesagt werden / man wolte denn allen vnterscheid der Naturn auffheben / vnd sagen / die Menscheit sey die Gottheit selbst. Werden derwegen alhie die Herrn Verfasser der Erfurdischen Apologien / abermal durch jhre eigen Regel vberwiesen / das jre Lehr falsch sey. Denn wie die co̅municatio ist (sagen sie) also ist auch die einigkeit / vnd hergegen /(Fol. Apol. Erf. 84. a.) wie die einigkeit / also auch die communicatio. Talis est communicatio idiomatum, qualis est vnio: quia hanc illa consequitur. Nu sind ja die beiden Naturn in Christo also vereinigt / das gleichwol eine von der andern in abstracto nicht kan gesagt werden. Denn die Gottheit ist nicht Menschheit / noch die Menscheit Gottheit. Derwegen freilich auch die eigenschafften derselbigen Naturn nicht also mit einander verwechselt / oder communicirt werden / das der Gottheit die sterbligkeit / oder das
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Leiden / noch der Menscheit die almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit / oder vnsterbligkeit könne mit warheit gebüren / noch zugeschrieben werden. Die Vrsach ist diese. Denn die gemeinschafft der eigenschafften beruhet auff der persönlichen vereinigung. Vnd wie die Naturn vereinigt sind / also verwechseln sich die Namen / sampt den natürlichen eigenschafften / vnd Wirckungen. Derwegen wer der Menscheit das zuschreibet / das der Gottheit eigen ist / nemlich almechtig / alwissend / allenthalben sein / der kan nicht furüber / aus der Menscheit zugleich die Gottheit zu machen. Sintemal jhrer eigen Regel nach / wie die communicatio ist / also ist auch die einigkeit. Geschicht nu die communicatio in abstracto, so mus auch die einigkeit in abstracto geschehen / vnd bestehen: dadurch das gantz mysterium Verbi incarnati zu nicht werden müste. Zu dem / es halte vnser gegenteil Vnionem vnd communicationem für gleich / oder vngleich / für eins / oder nicht für eins / so bestehet nichts desto weniger der Nestorianismus in jhrer Lehr / so lang sie folio Concordiae 302. vncorrigirt lassen / das der Leib Christi / wie er auff Erden gangen / vnd am jüngsten tag wider komen wird / nicht in Gott sey. Item / so lang sie fol. 296. daselbst diese beide Reden für aequipollentes, oder gleichstimmende halten / das Wort ward fleisch / vnd das ewige Wort wohnet in vns. Denn dieweil vnleugbar / das die einwohnung des Sons Gottes in vns geschicht per assistentiam, also das wir gleichwol nach der Person von dem Son Gottes vnterschieden bleiben / so müste sichs nach dieser aequipollentz / gleichsfals mit Christo halten / wie Nestorius geschwermet.
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Vnd was folget anders / denn entweder ein verkerung der Historien von Christo in ein pur lauter spectackel / vnd Marcionitisch gespenst / oder ein Nestorianische trennung der Person / dieweil sie folio Apologiae 84. alle die jenigen für Nestorianer ausruffen / die wider die Vbiquitet mit allen rechtgleubigen streitten / das Christus mit seinem Leib zugleich nicht mehr / als an einem Ort sey. Ist diß Nestorianisch / so mus vnwidersprechlich folgen / das der Leib Christi am stamme des Creutzes nicht warhafftig / sondern nur scheinweis gehangen / in warheit aber (wie Brentius vnbesunnener weis gestritten) als der HERRE im stande seiner tieffesten nidrigkeit die klegliche stimme von sich geben / Mein Gott / wie hastu mich verlassen / Er zugleich damals mit seinem Leib in der höchsten gloria / ausser allem leiden / vberal / im Himel / auff Erden / zu Rohm / Athen / vnd in der Helle gewesen sey. Oder / sol die Geschicht von der creutzigung des angenagelten Leibs Christi zu Golgoltha warhafftig sein / vnd bleiben (wie die Kinder sagen / Hoc certissimè verum est, Das ist gewislich war) So mus aus diesem nichtigen gedicht folgen / das der angenagelte Leib Christi am Holtz nicht sey in Gott / noch viel weniger Gottes Leib gewesen. Wo blieb denn vnser Heil vnd trost? Das sind die schöne gründe / vnd beweis / die vnser gegenteil füret / jhre böse Sach zu stützeln. So grob / vnd vnbedacht / das Nestorius selbst nicht gröber hette schwermen können. Wie denn die Jesuiten zu Ingolstadt hiebeuor / nach ausweisunge vnser Apologien / pag. 306. nicht vnbillig den Vbiquisten vorgeworffen / das sie viel blinder sind / denn Nestorius / welcher aus den gründen / oder viel
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mehr vngründen / daraus vnser gegenteil die persönliche vereinigung erhalten / vnd beweisen wil / gar wol gesehen / vnd verstanden / das derselbigen zerstörung daraus vnwidersprechlich folgen müste. Derwegen jm auch das gantze Concilium zu Epheso so ernstlich widersprochen. Gern möchten wir aber hören / wie vnser gegenteil alhie der opinion sich entlestigen wolte / oder könte / die D. Johan Matthaeus / professor zu Wittembergk / öffentlich dietiret / vnd durch den Druck ausgebreitet hat / das nemlich der Leib Christi von seiner empfengnis an / die Maiestet empfangen / vberal zu sein / wo die Gottheit ist / im Himel / vnd auff Erden / noch ehe die Geburt zu Bethlehem ergangen. Welchem tand auch D. Zacharias Schilter professor, vnd procancellarius zu Leiptzig / in seiner ersten disputatz de Regno Christi, thesi 31. wiewol mit etwas verblümbdern worten patrocinirt. Denn sollen die jenigen Nestorianer sein / die da gleuben / vnd halten / das Christus mit seinem Leib zugleich nicht mehr / als an einem Ort sey / wie sich die Herrn Verfasser der Erfurdischen Apologien erkleren / so mus freilich entweder die Historien von der empfengnis / Geburt / vnd education des Kindlein Jesu / so wol als von dem gantzen stand seines Predigampts / vnd nidrigkeit auff Erden / falsch sein / oder sein Leib wird / vermöge der Concordiformul / damals nicht in Gott / geschweigen Gottes Leib gewesen sein. Geben demnach vnsere Censores hiemit öffentlich wider sich selbst an tag / das sie von einem schwindelgeist getrieben werden. Denn von der vbiquitet wollen sie in jrer Apologia fol. 172. nichts wissen / welche sie doch
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nicht allein in der Concordiformul deutlich zum öfftern asseriren / wie bißher erwiesen / sondern auch an diesem ort hiemit augenscheinlich zu bestettigen sich vnterstehen: dieweil sie alle die jenigen / one vnterscheid / für Nestorianer schelten / die der Vbiquitet widersprechen. Wer nu nicht mutwillig wil blind / vnd verfüret sein / der lern alhie den Nestorianischen Geist in den Vbiquisten erkennen / vnd bedencke mit fleis die Regel: Prüfet die geister / das ist / die lehrer / ob sie von Gott sind / das ist / ob jr Lehr recht / vnd heilsam / vnd mit Gottes wort / als mit der einigen richtschnur des waren glaubens vberein stim̅e. Denn dis priuilegium kan / noch sol kein mensch / wie hoch / weis / vnd mechtig er sein mag / der Christlichen Kirchen mit gutem gewissen nemen / oder hindern / welchs vns Christus so thewer erworben / vnd so hoch durch seinen Apostel befohlen hat: Omnia probate, quod bonum est, tenete. Prüfet alles / vnd behaltet allein / was recht vnd gut ist. Dahin auch die ernste warnung gerichtet / da der Euangelist / vnd Apostel Joannes spricht / daran solt jr den Geist Gottes erkennen: Ein jglicher Geist / der da bekennet / das Jesus Christus ist in das fleisch komen / der ist von Gott. Vnd ein jeglicher Geist / das ist / lehrer / der da nicht bekennet (verstehe / mit der vnwidersprechlichen folge seiner Lehr so wol / als nach dem eusserlichen scheinbaren protestiren / vnd mündlichen vorgeben) das Jesus Christus in das fleisch komen (das ist / das vnser Heiland zugleich warer natürlicher Gott / vnd Mensch sey / vnd sein Ampt / zwar nicht jme / sondern viel mehr vns zum besten / in vnzerstöreten beyden Naturn / vnd derselben wesentlichen eigenschafften trage / vnd verwalte) der ist nicht von Gott / vnd das ist der
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Geist des Widerchrists / von welchem jr habt gehört / das er komen werde / vnd ist jtzt schon in der Welt. 1. Joan. 4. Bestehet derwegen auch dieses vnser neuntzehende argument noch vnbeweglich / nemlich aus dem Symbolo Athanasij / wie folget: Wenn wir mit allen rechtgleubigen sagen / vnd bekennen / der Vater ist almechtig / der Son ist almechtig / der heilige Geist ist almechtig / alwissend / allenthalben / so bezeugen wir hiemit / das Vater / Son / vnd heiliger Geist / ein einiges ewiges wesen / nicht aber ein einige person sind. Derhalben auch in Christo nicht eine person / sondern eine natur / vnd wesen eingefüret wird / so man lehret / die menscheit sey so wol / als die Gottheit / almechtig / alwissend / allenthalben. Vnd also wird zugleich Nestorij / vnd Eutychis schwarm bestettigt / vnter welchen jener aus zweien Naturn zwo Person / dieser aber aus der einigkeit der Person nur eine Natur gedichtet. Vnd jrreten sich alle beide an der Lehr de communicatione idiomatum, die sie für etwas mehr / als für ein Regel / das geheimnis von der Menschwerdung des ewigen Worts auszuspreche̅ / hielten. Daher denn D. Lutherus (welcher gleichwol auch in dem / vnserm gegenteil zu wider ist / das er die communicationem idiomatum niemals realem genennet hat) recht / vnd wol geurteilt / vnd ausgesprochen: Wer die zwo Naturn in Christo / Gott / vnd Mensch / bekennet / der mus auch jhrer beiden idiomata der Person (Nota, der Person / nicht der andern Natur) zusprechen. Denn Gott / vnd Mensch ist nichts / wo sie nicht solten jhre idiomata, oder eigenschafften haben. Darumb sind sie beide / Nestorius /
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vnd Eutyches mit jrem Irthumb / vnd verstand billig verdampt. Haec ille, lib. de Concilijs.

Das zwentzigste Anhaltische Argument.
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DAs zwentzigste Argument ist von vns(XX.) anders nicht / denn zur trewen warnung gemeinet. Dieweil denn vnser gegenteil keiner freundlichen warnung stadt geben wil / vn̅ gleichwol der Christlichen Kirchen / sowol jtzt / als bey der zukünfftige̅ posteritet / das höchste / nemlich die ewige Seligkeit an diesem hohen artickel gelegen / so gebürt vns auch dieses argument zu retten / vnd dem gegenteil seinen mangel deutlich vnter augen zusetzen / ob der liebe Gott vieleicht noch etlichen hiedurch das Hertz erweichen / vnd aus so dicker / schrecklicher finsternis / ja lesterungen heraus reissen wölle: dafür wir jn teglich bitten / vnd vnserm gegenteil nicht liebers (wie Gott weis) gönnen / noch wuntschen. Es helt sich also: Ist Christus (wie vnser gegenteil streittet) nach beiden Naturn almechtig / alwissend / allenthalben / so ist er entweder nach beiden Naturn dem Vater gleich / vnd also wer der Spruch falsch: Pater maior me est (der Vater ist grösser / denn ich) Oder / Er müste auch nach beiden Naturn eines geringern wesens sein / denn der Vater. Vnd also köndten wir nicht mehr mit Athanasio bekennen: Aequalis Patri secundum Deitatem, minor Patre secundum humanitatem.
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Nu kan ja dieser Meinung keine bestehen. Denn das Symbolum, sampt der gantzen heiligen Schrifft / ist wider beide. Derwegen ist vnsers gegenteils Lehr von der almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit des fleisches Christi vnwidersprechlich falsch / vnd nichtig. Alhie wolle der Christliche Leser wol acht haben / wie vnser gegenteil die Sach gern bementeln / vnd vertüschen (Fol. Apol. Erf. 84. b.) wolte. Denn sie nur von der almechtigkeit reden / vnd nennens die gemeinschafft der Maiestet: fliehe̅ aber mit fleis das jenige / was sie sonst damit verstanden haben wollen / nemlich / das Christi fleisch so wol / als die Gottheit selbst / zugleich almechtig / alwissend / vnd allenthalben / ja Gott sey. Denn solchs / vnd nichts anders / ist eigentlich jre meinung. Sie schmücken sich aber mit der Maiestet / sonst möchten sie sich selbst verdechtig machen / vnd jhre vngegründte Lehr verrahte̅. Dazu antworten sie vffs argument nicht richtig / sondern durch vmbschweiffe / vnd brauchen abermal die fallaciam secundum plures interrogationes: dadurch denn vnser meinung viel mehr bestettigt / als geschwechet wird. Denn weil die Frage ist / Ob die Menscheit Christi / so wol / als die ewige Gottheit / almechtig / alwissend / allenthalben sey / vnd sie darauff nicht richtig antworten / sondern erkleren den modum; Quomodo, wie das fleisch Christi almechtig / alwissend / vnd allenthalben sey: So ist hiemit schon bekant: Quòd sit; das es (jhrem wohn nach) also sey. Vnd bestehet demnach vnser argument durch jhr eigen gezeugnis. Denn die vngleicheit der weis / wie ein
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ding eben diß sey / oder hab / das ein anders ist / oder hat / macht in der Sach / oder That selbst keinen vnterscheid / wie allen vernünfftigen bekant. Sie verstehens nu physicè, oder hyperphysicè, das die menschliche Natur Christi almechtig / alwissend / vnd allenthalben sey (denn dauon ist allein die Frage / obs sich also verhalte / vnd nicht auff was weise?) So können sie nicht furüber / entweder zweierley almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit zu dichten / wie hiebeuor aus jren eigen streitschrifften wider sie erwiesen / ob sie es wol nicht mehr wort haben wollen: Oder müssen zulassen / das in der that (quae enim tantùm rei modo differunt, reipsa non differunt) zwischen den beiden Naturn kein vnterscheid / vnd demnach Christus so wol nach seiner angenomenen Menscheit / als nach der ewigen Gottheit / dem Vater gleich sey. Vnd also könte der Spruch des HERRN nicht bestehen: Pater maior me est; Der Vater ist grösser / denn ich. Joan. 14. Oder / solte dieser Spruch (wie es denn anders nicht sein kan) war bleiben / so müste Christus nach beiden Naturn eines geringern Wesens sein / denn der Vater; wider das heilige bekentnis Athanasij: Gleich ist Christus seinem himlischen Vater nach der Gottheit / kleiner ist er / denn der Vater / nach der Menscheit. Diß solt vnser gegenteil mit Gottes Wort / vnd nicht mit jhrer Tautologia, da sie jmer ein Liede / per petitionem principij widerholen / vmbstossen / aber es wird jnen fehlen. Derwegen es nichts von jnen geredet ist / das sie von der weise disputiren / weil sie die sach noch nicht bewiesen haben.
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So wissen sie selbst / das wir nicht von der abgesönderten (wie sie sich allezeit hiemit behelffen) sondern von der vereinigten menscheit Christi reden. Darumb es vergebliche ausflücht / vnd in warheit nichts anders / denn eines vberzeugten bösen gewissens anzeigungen sind (in massen es auch die praefation der Jesuitischen disputation zu Meintz für lauter betrug anzeucht) das sie für / vnd für einerley geschrey / one beweis füren / die realis communicatio idiomatum sey nach art der persönlichen vereinigung / vnd erhöhung zur rechten hand Gottes zuuerstehen. Item / die menschliche natur in Christo hab solche eigenschafft Gottes (verstehe / das sie almechtig / alwissend / vnd allenthalben / ja Gott selber sey) nicht abgesöndert von der göttlichen natur / an / vnd für sich selbst / sondern das jr die almechtige göttliche gewalt mitgeteilet / das widerfehret jr (sagt die Erfurdische Apologia / fol. 85.) vnd das empfehet sie aus der persönlichen vereinigung / nach art / vnd von wegen derselben / vnd der erhöhung zur Rechten Hand Gottes / wie der leib / von der Seelen empfehet / on alle verwandlung / oder exaequation. Vnd das dieselbige mitgeteilte göttliche Maiestet / vnd Almacht (Fol. Apol. Erf. 85. a.) / jn / mit / vnd durch die angenomene menschliche natur leuchte / vnd wircke / wie das fewer / in / mit / vnd durch das fewerige eisen leuchtet / vnd wircket / etc. Diese reden alle / vnd wie ferner jre lange Predigten lauten / sind nichts denn vergebliche widerholung des jenigen / das noch vnbewiesen ist / als wer es bewiesen. Vnd reicht jmer eine contradiction der andern die hande. Denn ja offenbar / das die persönliche vereinigung / vnd erhöhung zur Rechten Gottes / vnterschiedene artickel sind.
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Ist nu die menschliche natur Christi almechtig / alwissend / allenthalben vmb der persönlichen vereinigung willen / so ist sie es nicht vmb der Exaltation / oder erhöhung willen. Vnd widerumb / ist sie es vmb der erhöhung willen / wie kan sie es denn vmb der persönlichen vereinignng willen sein? Ja die allenthalbenheit hindert die erhöhung. Denn eben darumb heist es / nach dem Spruch Athanasij / apud Theodoretum: Non excelsus, sed caro excelsi exaltatur: Dieweil die Göttliche natur / wegen jres vnendlichen wesens / dadurch sie alles in allem erfüllet / dem orte nach / nicht erhöhet werden kündte. Wie auch die menschliche natur eben darumb nicht vberal / oder allenthalben ist / noch sein kan: denn sie ausserhalb dieser sichtbaren welt vber alle Himel erhöhet ist. Vnd wiewol die Rechte des Vaters allenthalben ist / so ist doch die menschliche natur Christi nirgend / denn im Himel / zur rechten des Vaters erhaben. Solt sie aber / vermöge dieses artickels / allenthalben sein / so müste sie nicht in Himel erhaben / sondern die Rechte Gottes selbst worden sein. Das also weder die menschwerdung / noch erhöhung einige Vbiquitet der angenomenen natur in Christo einfüret / noch verursachet. Wie solte denn solch gedicht nach art derselbigen beyden / vnd weit von einander vnterschiedenen artickeln / zuuerstehen sein? Vber dieses ist es nichts geredet / das die Almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit der menschlichen natur in Christo warhafftig mitgeteilt / vnd widerfaren sey / welche sie auch in der that empfangen: sie habs aber
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(wie jre erdichte exceptiones lauten) nicht an / vnd für sich selbst / von der göttlichen Natur abgesöndert. Denn dieweil wir von keiner abgesönderten Natur wissen / noch reden / so ist ja hiemit bekant / das die vereinigte Menscheit Christi solche wesentliche eigenschafften Gottes (jhrem fürgeben nach) in der that empfangen / die jr auch mitgeteilt / vnd widerfaren: Derwegen sie sie freilich / als empfangene / vnd mitgeteilte / an sich hat. Denn was wer es sonst für ein empfahen / widerfaren / vnd mitteilen / wenn kein haben darauff erfolgete? Was man empfehet / das hat man. Was einer Natur von der andern widerfehrt / vnd in der that mitgeteilt wird / das wird beiden gemein / vnd bleibt keiner allein eigen. Id enim alteri communicari dicitur (sagen die Jesuiten zu Ingolstadt) quod alteri commune efficitur: hoc est, quod prioris desinit esse proprium in quarto modo. Vnd das verstehen auch die Catechumeni. So hat nu die menschliche Natur in Christo (nach der Vbiquisten Lehr) diß mit der Gottheit gemein / das sie nicht weniger / als die Gottheit / almechtig / alwissend / allenthalben ist. Vnd also müste Christus nach beiden Naturn dem Vater entweder gleich / oder vngleich sein / welches beides vnrecht. Kan derwegen / noch vermage der Vbiquisten gedicht von der almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit der menschlichen Natur in Christo nicht bestehen: Man wolle denn öffentlich / wider den algemeinen Catholischen / Christlichen Glauben / entweder die persönliche vereinigung selbst / mit den Eutychianern / vnd Monophysiten: oder die ewige Gottheit des Sons mit den Samosatenianern / vnd Arianern verleugnen.
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Denn wie dieses aus dem andern / so folgt jenes aus dem ersten. Ist Christus nach beiden Naturn dem Vater / an Macht / Weisheit / vnd gegenwart gleich / so ist er nach keiner Natur kleiner / denn der Vater / vnd höret also auff / warhafftiger natürlicher Mensch zu sein: wie die Eutychianer / vnd Monophysiten geschwermet. Ist er aber nach beiden Naturn dem Vater vngleich / so bleibt er nicht warhafftiger / ewiger / natürlicher Gott / sondern wird nur ein erschaffener / vnd gemachter Gott / wie vorzeiten Samosatenus / vnd Arius gelestert. Ist auch dieses bey Mans gedencken von Serueto / jenes aber von Schwenckfeld / des Nachfolger die Vbiquisten sind / vernewert worden. Ob sie nu gleich / nach jrem Bawersglauben (damit sie die Leute wollen bethören / als blieben sie bey dem einfaltigen verstand der Schrifft / vnd rechtem Christlichen Glauben) dawider hefftig toben / vnd schreien: Es sey nicht war / Es sey erlogen (Denn so fein bescheidentlich reden sie / welchs wir jrem verstand / vnd angemasten gewalt zuschreiben) So verstehet doch der Christliche Leser / das der grund / in den praemissis, daraus diß vnwidersprechlich geschlossen wird / von jnen vnwiderlegt / ja viel mehr bestetigt ist / vnd bleibt. Sie wolten denn / nach jrer Dialectica, für recht passiren / vnd gelten lassen: Antecedens concedere, & consequens negare; Oder / consequens destruere, & antecedens affirmare: Das ist / zugleich ja / vnd nein sagen in einerley Sachen. Das mus niemand thun (spricht Lutherus im buch von den Conciljs) denn ein gar vnuerstendiger / oder ein verzweiffelter Spötter.
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Die gleichnis von Leib / vnd Seel / item von Fewer / (Fol. Apol. Erf. 85. a.) vnd Eisen (darauff sie alhie wider komen) sind droben von vns gnugsam / wie auch von andern hiebeuor / zum öffternmal nach der der lenge erklert / vnd dienen nichts zu der Vbiquisten Sachen. Denn wie vmb der persönlichen vereinigung willen der Seeln / vnd Leibs am Menschen / nicht kan gesagt werden / der menschliche Leib sey vernünfftig / verstendig / weis / gelert: ob gleich nicht vnrecht gesagt wird / der Mensch ist vernünfftig / weis / gelert / verstendig: Also ist wol recht gesagt / der Mensch Christus (nicht aber / die Menscheit Christi) ist almechtig / alwissend / allenthalben / Schöpffer / vnd erhalter aller ding. Item / wir leugnen nicht / das die Gottheit in / mit / vnd durch die angenomene menschliche Natur leuchte vnd wircke. Wie aber daraus nicht folget / das die menschliche Natur in die Gottheit verwandelt / oder / das Licht selber werde: also ist sie auch nicht selber almechtig / alwissend / allenthalben / sondern solche eigenschafften / vnd Wirckungen gehören allein der Gottheit / vnd nicht der Menschheit zu. Gleich wie von einem glüenden Schwert / obs wol zugleich brennt / vnd schneidet / jedoch nicht gesagt kan werden / das brennen des stahls / oder Schwerds / noch schneiden des Fewers / oder der gluth wirckunge sey / sondern beides wird wol vff einmal volbracht / aber von vngleicher vrsach. Viel weniger folget / dieweil das Fewer / oder viel mehr die hitze des Fewers / in / mit / vnd durch das glüende Eisen leuchtet / vnd brennet / das drumb die Krafft / oder Wirckung zu leuchten / vnd brennen so wol dem Eisen / als
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dem Fewer zustehe. Wie vnser gegenteil fol. Apol. Erf. 86. felschlich hieraus schleusst / das die menschliche Natur aus der persönlichen vereinigung / vnd erhöhung die göttliche Krafft alles im Himel / vnd auff Erde̅ zu schaffen / erhalten / vnd zu regieren in der that (verstehe / sagen sie / vereinigter / aber nicht abgesönderter weis) empfangen habe: die sich doch selbst nicht erhelt / sondern in / von / vnd durch das ewige Wort erhalten wird. Was sie nu bey diesem argument widerholen / von der proposition / das Christi fleisch ein lebendmachendes(Fol. Apol. Erf. 85. b.) fleisch sey / ist nicht wider vns / sondern wider jhr eigen gedicht. Denn aus dem ersten Concilio zu Epheso gehalten / klar zu beweisen / das die rechtgleubigen Väter eben darumb Nestorium verdampt haben / dieweil er dieselbige proposition von einer sönderlichen lebendigmachenden Krafft / so dem fleisch Christi von der beywonung des ewigen Worts mitgeteilt solt worden sein / verstanden haben wolte. Welchs nichts anders ist / denn der Vbiquisten realis idiomatum communicatio; nur dieses ausgenomen / das Nestorius (wie die Jesuiten zu Ingolstadt vorlangst erwiesen) viel scharffsinniger / als vnser gegenteil gewesen: Sintemal er wol gesehen / das ex reali idiomatum communicatione mit nichten (wie vnser Vbiquisten vnsinnig streitten) die persönliche vereinigung der beiden Naturn / sondern vielmehr derselbigen trennung in Christo erfolge. Droben aber haben wir deutlich erklert / das Christi fleisch warhafftig lebendmachend sey / vmb dreierley vrsach willen: Erstlich / als des ewigen Worts / ausser welchem kein
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Krafft des Lebens ist / eigen fleisch. Denn nichts kan lebendig machen / das nicht das Leben wesentlich / das ist / ein Schöpffer des Lebens ist: wie Cyrillus an vielen Orten bezeugt. Zum andern / als das einige Lösegeld / dadurch wir vom tod zum Leben erkaufft sind. Zum dritten / als die warhafftige Speise zum ewigen Leben / vmb der niessung / vnd application willen. Denn wie das fleisch Christi nach einmal volbrachtem Opffer für der Welt Sünde / nicht ohne leben ist / noch sein kan ewiglich: Also ist vnmüglich / das die jenigen / so nicht seine gliedmassen sind / des lebens teilhafftig werden / In massen auch niemand seines warhafftigen fleisches ohne leben geneusset / man wolte denn leugnen / das Christi fleisch ein warhafftig lebendigmachend fleisch sey. Wie der HERR sölches alles mit einem Spruch zusam̅en fasset: Ich bin das lebendige Brod vom Himel komen: Wer von diesem Brod essen wird / der wird leben in ewigkeit / vnd das Brod / das ich geben werde / ist mein Fleisch / welchs ich geben werde für das Leben der Welt. Christi fleisch ists / vmb der persönlichen vereinigung willen mit dem Wort / welchs das Leben wesentlich ist. Für das Leben der Welt wird es gegeben / als ein Opffer / vnd bezalung für die Sünde. Als ein Brodt erquickt es die Menschen zum ewigen Leben / vmb der application / vnd niessung willen. Denn vngenossen / macht es niemand lebendig; genossen aber /
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hat es nicht ein Krafft zu tödten / sondern lebendig zu machen: Sonst wer es viel mehr ein gifft / denn ein Speise zum leben. Wie aber hieraus nicht folget / das fleisch Christi ist ein lebendigmachend fleisch / drümb ist es das Leben selbst: Also folget auch nicht / Es ist des Sons Gottes eigen fleisch / drümb ist es so wol / als die Gottheit in Christo almechtig / alwissend / allenthalben. Denn wenn sichs also verhielte / so wer nicht von nöten gewest / das das Wort fleisch würde / Sintemal die Krafft lebendig zumachen auch einer Creaturn hette können mitgeteilt werden: vmb welches fürgebens willen Nestorij Lehr verdampt ist worden. Zwischen Nestorij aber / vnd der Vbiquisten Lehr ist kein vnterscheid: denn nur allein / das jener die wesentlichen eigenschafften Gottes der vnuereinigten nach der Person (denn er nur ein vnionem assistentiae dichtete / wie auch noch die Antitrinitarier thun) diese aber (wie jhre wort lauten / ob wol die Sach widerspricht) der vereinigten menschheit / die ja in Christo ein Creatur ist / vnd bleibt in Ewigkeit / zuschreiben. Dieweil aber beiden der Spruch Jesaiae 42. entgegen ist: Gloriam meam alteri non dabo: Vnd die Vbiquisten das wort (Alteri) nur von einer andern Person / vnd nicht zugleich von einer andern Natur verstehen / ist diß so grob / das es keines widerlegens bedarff. Denn wie der ewige Son zweierley eigenschafften an sich hat: nemlich die wesentliche̅ / nach welcher die heilige̅ drey Personen in der Gottheit einander gleich / ja einig sind / als almechtig / alwissend / allenthalben sein / etc. vnd
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die persönliche / nach welcher der Son vom ewigen Vater / vnd heiligen Geist vnterschieden wird / als da sein / aus des ewigen Vaters Natur geborn / der glantz seiner herrligkeit / das ewige Wort / vnd wesentliche Ebenbild des Vaters sein: Also ist war von beiderley eigenschafften des ewigen Worts / nemlich / so wol von den natürlichen / oder wesentlichen / als von den persönlichen / das solche Ehr dem fleisch Christi keins wegs gebüre / man wolte denn zugleich durch die mitteilung der wesentlichen eigenschafften einen newen Gott / vnd durch der persönlichen eigenschaffte̅ mitteilung / noch einen Son Gottes dichten / das ist / die gantze Christliche Lehr vff einmal vmbstossen / verleugnen / vnd zu nicht machen. Wie denn auch vnser gegenteil diese glossam weder aus Gottes Wort / noch aus dem heiligen Symbolo Athanasij wird erhalten können / da in der Erfurdischen Apologia also stehet: Wenn der Son Gottes seiner angenomenen menschlichen (Fol. Apol. Erf. 86. b.) Natur seine göttliche gewalt mitteilet / so teilet er keiner andern / oder frembden Creatur ausserhalb seiner Person / seine göttliche Maiestet mit / sintemal in Christo non est alter, & alter, ist kein ander / vnd ander / sondern ein andere Natur / etc. Denn dieweil hiemit öffentlich bekant wird / das die göttlichen eigenschafft der angenomenen Menscheit in Christo / als einer Creatur (ob sie wol nicht / wie andere Creaturn / von der Person des Worts abgesöndert / oder frembd / ausserhalb der Person des Worts / sondern des Worts angenome̅ / vnd demnach sein eigen fleisch / vnd blut ist) gleichwol als einer bleibenden Creaturn / mitgeteilt
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werden: So wird aus dem Symbolo Athanasij / so wol als aus Gottes Wort selbst / der beweis hinweg fallen / das des Vaters / Sons / vnd heiligen Geistes ein einige Gottheit sey / darümb das sie einerley Ehr / Maiestet / vnd herrligkeit / an almechtiger Krafft / vnendlicher Weisheit / vnd vnermeslicher allgegenwart haben: Sintemal solches alles / nemlich die göttliche Ehr / Maiestet / vnd herrligkeit der almacht / alwissenheit / vnd algegenwertigkeit in Christo / von der erschaffenen Natur so wol / als von der Schöpfferin / in der that / vnd warheit sollen gelten / vnd gesagt werden können. Was möchte nu den alten / vnd newen Antitrinitariern für bequemere fürschübe / vnd beförderung jrer grewlichen Lesterung wider die ewige Gottheit des Sons widerfahren? Zugeschweigen / da der Spruch Jesaiae nicht eigentlich de natura, sondern de persona altera zuuerstehen sein sol / das hiemit eben zugleich / die wesentliche mitteilung der göttlichen eigenschafften vom Vater / nicht allein dem Son / sondern auch dem heiligen Geist abgesprochen wird. Dieweil denn solches alles wider die öffentliche Warheit fichtet / vnd demnach vnser zwentzigste argument (nicht weniger / als die andern alle) noch fest / vnd vnbeweglich bestehet / vnser gegenteil aber keiner freundlichen warnung audientz / noch raum zu geben bedacht: So wolle der Christliche Leser nochmals aus folgenden gründen ermessen / ob nicht durch der Vbiquisten Lehr den Antitrinitariern (Gott erbarms) thor / vnd thür in Deutschla̅d auffgetha̅ werde / vnd höchlich zubesorge̅ (der almechtige gütige Gott
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wolle solchs gnediglich abwenden / vnd bey zeit hindern) wie die Arianische blasphemien gantz Orient eingenomen / vnd den gerechten zorn Gottes vber denselben gezogen / das die aller herrlichsten Schulen / vnd Kirchen jtzo der grawsamen Mahometischen lesterung Stelle worden sein / Es möchte dergleichen vnfall / vnd verwüstung auch Germanien / vnd andern Christlichen Königreichen / vnd Lendern widerfaren. Denn one allen zweiffel diß bey allen rechtgleubigen vnleugbar / vnd bekant ist / das die wesentliche / ewige Gottheit / nach welcher vnser HERR / vnd Heilande JEsus Christus seinem ewigen Vater / vnd dem heiligen Geist gleich / ja einig ist / vnter vielen andern / fürnemlich mit diesen viererley vnwidersprechlichen gründen bewiesen werde. Erstlich / mit gewissen ausserlesenen Sprüchen der heiligen Schrifft. Zum andern / aus den natürlichen eigenschafften / die allein Gott zugehören. Zum dritten / aus den Wercken / die keiner Creatur müglich. Zum vierten / vnd letzten / aus den cultibus, oder diensten / die sonst niemand / denn allein dem ewigen / lebendigen / warhafftigen Gott gebüren. Diese gründe aber semptlich / vnd sönderlich werden von den Vbiquisten zum teil verkert / zum teil zweifelhafftig gemacht: dieweil sie dieselbigen auch auff die angenomene menschliche Natur Christi ziehen / welche doch nicht von Ewigkeit her gewest / sondern in der zeit allererst erschaffen ist / vnd wie andere Creaturn jhren anfang in dieser Welt bekomen hat.
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Derwegen wird durch der Vbiquisten Lehr die gewisheit der ewigen / wesentlichen Gottheit in Christo geschwecht: dagegen aber der Antitrinitarier grewliche Lesterung wider die heilige Dreyfaltigkeit gesterckt / vnd der Türcken vnglaub in die Christenheit heimlich eingefüret. Den mitler spruch (Minorem genant) beweisen wir ex sufficiente enumeratione partium Maioris; das ist / aus gnugsamer erzelu̅g / wie die gründe / derer im ersten Spruch (daran kein Christ zweiffeln kan) gedacht wird / von vnserm gegenteil misbraucht werden. Denn erstlich / die Zeugnis der heiligen Schrifft betreffende / so ist offenbar / das vnter andern diese zwien Sprüch nicht die geringsten / sondern fast die fürnembsten sind / dadurch die Christliche Kirch bißher erwiesen / das vnser HERr Christus nicht allein warhafftiger Mensch / sondern auch ewiger / natürlicher / warhafftiger Gott sey / nemlich der Spruch des Euangelisten / Das Wort ward fleisch. Joann. 1. vnd der Spruch des Apostels / Ein jeglicher sey gesinnet / wie Jesus Christus auch war / welcher / ob er wol in göttlicher gestalt war / hielt ers nicht für einen Raub / Gott gleich sein / Sondern eussert sich selbst / vnd nam Knechts gestalt an. Phil. 2. Nu wird der Spruch des Euangelisten von den Concordischreibern fol. 296. also verderbt / das er nicht mehr sol bezeugen / denn das Gott in vns wone / sintemal dieser Spruch dem vörigen aequipollens, oder gleichstimmende sein sol. So müste ja folgen / das der Son Mariae so wenig in der Person Gott selbst von Natur wer / als Petrus / vnd Paulus / vnd wir alle / in welchen Gott / als in seinen Tempeln wohnet. Vnd also wird
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aus vnserm Im̅anuel / welcher , GOTT / vnd mensch ist / nur gemacht , ein göttlicher mensch: dz also (nach der alten Eutychianer / vn̅ Nestorianer meinu̅ge / welche sich mit den Samosatenianern / vn̅ Arianern beide wol vergleichen) aus dem Verbo incarnato (welchen die Griechen genent haben Deum , Gott mit vnserm fleisch bekleidet / vnd vereinigt / der vnser angenomenes / vnd mit sich persönlich vereinigtes fleisch / in alle ewigkeit an sich behelt / vnd tregt) müste werden carneus, hoc est, factitius Deus, seu homo , ein fleischerne / das ist / erschaffener / vnd new gemachter Gott. Welches im grunde nichts anders / denn der heutigen Antitrinitarier / vnd newen Arianer / oder Seruetianer lesterung ist. Der Spruch Pauli aber (in Gottes gestalt / vnd Gott gleich sein / Item / Knechts gestalt an sich nemen) wird von den Vbiquisten gantz / vnd gar wider der alten rechtgleubigen Kirchen einhelligen consens / vnd meinung / ja auch wider D. Brentij selbst erste / vnd schrifftmessige erklerung (darauff wir vns / geliebter kürtze halben / hiemit abermal referirt haben wollen) zum schrecklichsten verkeret. Sintemal er von jnen mit nichten (wie es doch der context erfordert / vnd mit sich bringt) verstanden / oder ausgelegt wird / von der ewigen / wesentlichen Gottheit des Sons / welcher freilich nach der göttlichen gestalt (das ist / nach seiner ewigen Natur / so da ist die fülle der Gottheit / das ist / die volkomene wesentliche Gottheit) einig / vnd gleich ist / vnd bleibt dem Vater / vnd heiligem Geist / an ewiger herrligkeit / vnd Maiestet / als warhafftiger / natürlicher / wesentlicher / ewiger Gott selbst.
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Sondern derselbige trostreiche / vnd recht Apostoliche Spruch / mus sich gantz widersinnischer weis (Gott geklagt) drehen / vnd misdeuten lassen auff eine mitgeteilte göttliche gestalt der almacht / alwissenheit / vnd allenthalbenheit / das ist / auff jhre vnzeitige vbelerdachte Maiestet / so das angenomene menschliche fleisch in / vnd von Christo empfangen / aber vor seiner aufferstehung nicht volkömlich gebraucht / sondern in der nidrigkeit / welchs sein sol die Knechts gestalt / gleich mit einer Laruen bedeckt / verborgen / vnd heimlich gehalten hab / vff gut Manicheisch / dadurch zugleich die beweisung der göttlichen Natur geschwecht / vnd die menschliche Natur in Christo gar verleugnet wird. Ob nu diß abschewliche gedicht / der vngleubigen Antitrinitarier / vnd abtrünnigen Mamelucken / so zum Alcoran sich begeben / blasphemien / vnd lesterungen wider die ewige Gottheit vnsers Heilandes Jesu Christi nicht befördere / mag ein jeder rechtgleubiger / vnd verstendiger Leser bey sich selbst in der furcht Gottes bedencken / vnd ermessen. Denn freilich die newen Antitrinitarier eben auff solche weise den Spruch Pauli verkeren / vnd daraus wider die ewige Gottheit vnsers Heilandes gar leicht also schliessen können / wie folget: Der gantze Christus bestehet aus der gestalt Gottes / vnd aus der gestalt eines Knechtes. Philip. 2. Er hat aber von Mutterleib an (nach der Vbiquisten Lehr) beide gestalt an seiner menschlichen Natur / vnd Substantz gehabt / dieweil er nach der Menscheit mit den göttlichen eigenschafften gezieret / derselben aber im stand
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der nidrigkeit sich geeussert / vnd vor den Leuten in dieser sichtbaren Welt nur einen eusserlichen menschlichen knechtswandel gefüret / biß er nu durch den eingang in seine herrligkeit die Knechtsgestalt gar abgelegt. Derwegen ist er vor / vnd nach seinem Leiden ein pur lauter Mensch (so viel sein Substantz betrifft) blieben / ob er wol mit göttlichen eigenschafften der almacht / alwissenheit / allenthalbgegenwertigkeit / als ein gemachter Gott / gezieret / vnd begabet ist. Was nu den Antitrinitariern auff diese Gotteslesterung / dazu jnen durch obgedachte verkehrung des Apostolischen Spruchs anleitung gegeben / vnd ein grosser vorteil gethan wird / mit bestendigem grund zu antworten sey / werden die Vbiquisten / so lang sie vff jrem gedicht verharren / wol vnangezeigt lassen. Zum andern / ist kundt / vnd offenbar / das man in der Christlichen warhafftigen Religion bißher einmütiglich also geschlossen: Niemand ist almechtig / alwissend / allenthalben / denn allein Gott in seinem vnendlichen Wesen. Es ist aber so wol der Son / als der Vater / vnd heiliger Geist / almechtig / alwissend / vnd allenthalben. Darumb ist der Son so wol / als der Vater / vnd heiliger Geist / warhafftiger / ewiger / wesentlicher / natürlicher Gott. Dieweil aber nicht mehr / denn ein einiger Gott ist / vnd der Son gleichwol nicht der Vater / noch heiliger Geist ist / so folget / das obwol ein andere Person der Vater / ein andere der Son / ein andere der heilige Geist / dennoch Vater / Son / vnd heiliger Geist der einige / lebend
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machende / ewige / natürliche wesentliche Gott ist / gleich in der herrligkeit / vnd ewigen Maiestet. Nu aber die Vbiquisten eben diese Maiestet der göttlichen almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit / vff die angenomene menschlichen Natur ziehen / vnd deuten / so verstehet ja ein jedes fromes Hertze / das hiedurch der obgesatzte Schluss geschwecht / vngewis / vnd zweiffelhafftig gemacht wird. Dieweil ein vngleubiger Mahumetist bald instantiam geben / vn̅ ein einwurff vorbringen könte: Auff diese / oder dergleichen weise / wie folget: Die menschliche Natur ist ein Creatur. Sie ist aber gleichwol (der Vbiquisten Lehr nach) almechtig / alwissend / allenthalben. Derwegen folget nicht / das vmb sölcher Namen / vnd eigenschafft willen / der Son Mariae eines Wesens mit dem ewigen Vater sey. Hierauff / wissen wir wol / das vnser gegenteil excipirt: Es sey ein vnterscheid in der weis. Denn die Gottheit in Christo sey die almechtigkeit selbst / die menschliche Natur aber sey nur almechtig: Item / Jene hab es von Ewigkeit / diese in der zeit / etc. Aber es sind vergebliche behelff / die nichts zur entschuldigung dienen. Denn so wenig sie zu Quedlinburgk vor D. Heshusio / mit einiger schrifft haben beweisen können / das die Menscheit Christi sey allenthalben: Also werden sie auch in ewigkeit mit keinem Spruch (dem buchstaben. vnd eigentlichem verstande nach) erweisen / das sie almechtig / oder alwissend sey. Wiewol jhnen solches von D. Heshusio (darob sich billig zuuerwundern) noch on allen grunde zugelassen: gleich als were die vnendligkeit der Macht / vnd Weisheit geringschetziger / denn die
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vnendligkeit der gegenwart: Oder / als könte die gedichte almechtigkeit / vnd alwissenheit des Fleisches Christi bestehen / ob sie schon in dem vnkrefftig befunden würde / seine (des fleisches) substantz allenthalben zu praesentiren. So doch die allenthalbenheit nicht ferner sich erstreckt / als wo fern die Creaturen sind / oder wonen / es sey im Himel / Lufft / Wasser / auff Erden / oder vnter der Erden. Die almacht aber / vnd Weisheit Gottes vbertrifft dieses alles / was erschaffen ist / vnermeslicher weis / vnd könte viel tausentmal mehr Creaturen / ja gantz newe Welt erschaffen: welche Krafft ob sie der Menscheit Christi (die sich selbst nicht gemacht / noch erhelt / vnd wie Lutherus recht / vnd Christlich schreibet / sich selbst von dem tode nicht erwecket hat / noch jhr selbst am creutz hat helffen können) auch zugeteilt sey / man hiemit den Vbiquisten / vnd jhrem anhang besser zu bedencken vbergeben wil. So lang sie nu nicht klare Schrifft bringen / das Christus nach beiden Naturn almechtig / alwissend / allenthalben sey / bleibt jhr gedicht vnbewiesen / vnd verwerfflich. Zu dem / weil der Mensch Christus anders nicht almechtig ist / als warhafftiger Gott (denn kein Creatur ist almechtig) So fern er aber Gott ist / ist er auch die Gottheit / vnd almechtigkeit selbst; was kan denn für erhebliche vrsach angezogen werden / warümb das fleisch Christi (welchs nach der Vbiquisten Lehr / nicht allein almechtig / sondern auch Gott ist) nicht auch die Gottheit / vnd almechtigkeit selbst / vnd demnach ein newe / almechtige Göttin (aus gleichem der Vbiquisten vngrunde) solte genennet werden?
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Hierauff begeren auch die Jesuiten zu Meintz richtige antwort / vff welche wir vns nochmals / nicht zwar als vff vnsere Rottgesellen (wie die Herrn Verfasser trunckener(Fol. Apol. Erf. 87. a.) weis calumnijren) sondern darumb beruffen / das sie dißfals halten / vnd schreiben / was dem göttlichen Wort gemeß ist. Daher auchu Ltherus selbst bekant / Er hab in diesem artickel mit den Papisten keinen zanck / oder zwiespalt. So heissts ja; Non quis, sed quid dicat, attendas: Siehe auff die Warheit / vnd nicht vff die Person. Sonst möchten sie auch die gantze Bibel / vnd alle rechtgleubigen alte Veter verwerffen / dieweil sich die Jesuiten / so wol als wir / derselbigen gebrauchen / vnd darauff beruffen. Im fall man hiemit noch nicht zu frieden sein / sondern vieleicht abermal den erdichten vnterscheid vrgiren wolt / das gleichwol die almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit von jnen (den Vbiquisten) nicht vff einerley weis in beiden Naturn / sondern vff ein andere weis in der Gottheit / auff ein andere in der Menscheit Christi betrachtet werde: So antworten wir / das in der heiligen Dreyfaltigkeit gleichfals das ewige göttliche Wesen / sampt allen wesentlichen eigenschafften Gottes / anders in dem ewigen Vater / als von niemand; anders in dem ewigen Son / als allein vom Vater durch die ewige Geburt; vnd anders in dem ewigen heiligen Geist / als zugleich vom Vater / vnd Son durch den ewigen ausgang mitgeteilt / vnd empfangen / betrachtet wird. Aber wie hieraus nicht folgt / das Vater / Son / vnd heiliger Geist nur ein einige Person in vnterschiedener Natur / vnd Wesen / sondern vielmehr einerley form /
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gestalt / Natur / vnd Wesen in vnterschiedenen gleichewigen Personen an sich haben / behalten / vnd sind / von Ewigkeit / zu ewigkeit: Also würde in Christo vnwidersprechlich die gleicheit in den Naturn (ausgenomen die zeit) vnd daneben die spaltung / oder trennunge der Person folgen müssen. Wollen alhie geschweigen / das eben durch vnsers gegenteils fürgeben / das nemlich die persönliche vereinigung in Christo stehe vff geben / welchs von der Gottheit geschehe / vnd vff empfahen / oder nemen / welchs allein von der Menscheit zuuerstehen sein sol / die mensehwerdung viel mehr des Vaters / als des Sons / nach der Sabellianer / vnd Patripassianer Lesterung (dauon hiebeuor auch notdürfftige meldung / vnd Christliche warnung geschehen) eingefüret / vnd bestettigt wird. Sintemal Christus alles von dem Vater / vnd nicht von sich selbst empfangen hat. Matth. 11. Joann. 17. Vertieffen sich also die guten Herrn aus einem jrthumb in den andern / nach dem Sprichwort: Dato vno inconueniente sequuntur infinita. Item: Incidit in scyllam, qui vult vitare charybdim. Zum dritten / spricht der Euangelist / Alle ding sind durch das Wort gemacht / vnd one dasselbige ist nichts gemacht / was gemacht ist. Joan. 1. Daraus die rechtgleubige Kirchen beweiset / das der Son Gottes sey warhafftiger / ewiger / natürlicher / wesentlicher Gott / denn das Werck lobt den Meister. Vnd die Schrifft erklert sölchs nicht allein von der Schöpffung der Welt / welche einmal geschehen / sondern auch von der widerbringung des armen gefallenen menschlichen geschlechts zum ewigen Leben /
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vnd daneben von der erhaltung aller geschöpffe / biß zum ende der Welt. Denn es ist beides / Schöpffung / vnd erhaltung / eines Meisters Wercke. Derhalben bezeugt der Apostel / das der Son / welchen Gott gesetzt hab zum Erben vber alles (Nota: dem Son gebürt alles / nicht allein aus verdienst / als dem Mitler / sondern auch von Natur / als dem Erben. Das Erbteil aber wird zu gewisser zeit eingethan / vnd vbergeben: darumb hat er auch als Gott etwas / nemlich sein Erbteil / vnd eigenthumb / welchs von ewigkeit wol im Raht Gottes also beschlossen / Ephes. 1. aber nicht von ewigkeit in der that also vorhanden gewesen / zu gewisser zeit empfangen / one nachteil / dürfftigkeit / vnd mangel seiner ewigen Gottheit / Psalm. 2.) durch welchen er auch die Welt gemacht / sey nicht allein der glantz der herrligkeit des ewigen Vaters / vnd das ebenbilde seines Wesens / sondern trage auch / das ist / regiere / vnd erhalte alle ding mit seinem krefftigen Wort. Hebr. 1. Vnd der 147. Psalm schreibt nicht allein die Erschöpffung / sondern auch erhaltung der gantzen Welt / vnd aller Creaturn in der Welt dem einigen Gott zu / da er vermant / vnd spricht: Singet vmb einander dem HERRN mit dancke / vnd lobet vnsern Gott mit Harffen. Der den Himel mit Wolcken verdeckt / vnd gibt Regen auff Erden / der Grass auff Bergen wachsen lesst. Der dem Vieh sein Futter gibt / den jungen Raben / die jn anruffen, etc.
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Dieweil nu die Erfurdische Apologia mit dürren (Fol. Apol. Erf. 86. a.) worten ausspricht / das Christus auch nach seiner persönlich vereinigten / vnd erhöheten menschlichen Natur / alles schaffe / erhalte / vnd regiere / im Himel / vnd auff Erden: vnd die Concordiformul fol. 307. alle mirackel Christi / daraus man sonst sein ewige Gottheit zuerweisen pflegt / vff die mitgeteilte / vnd empfangene Maiestet der angenomenen / vnd erhöheten Menscheit deutet: So mus ja vnwidersprechlich folgen / das (vermöge der Vbiquisten gloß) aus allen diesen / vnd dergleichen Wercken (welche doch die Schrifft allein der almacht / vnd Krafft des ewigen Schöpffers / als dem Finger Gottes zuschreibet / vnd die der Son mit dem Vater / vnd heiligem Geist gemein hat / Psalm. 33.) nicht mehr wider die Antitrinitarier krefftiglich wird geschlossen können werden / das der Vater / Son / vnd heiliger Geist / eines göttlichen ewigen Wesens / Natur / form / oder gestalt sind / gleich in der herrligkeit / vnd ewigen Maiestet. Sintemal (der Vbiquisten gedicht nach) auch die vereinigte / vnd erhöhete Menscheit in Christo / zu sölcher göttlichen almacht / vnd gewalt warhafftig erhaben / das sie ALLEs in der That schafft / erhelt / vnd regirt (wie die newe Apologia one grund fürgibt) im Himel / vnd auff Erden. Also wird forthin der 147. Psalm nicht mehr von dem Jehouah / vnd Schöpffer aller ding / welcher Name in der Schrifft eigentlich nur allein dem göttlichen Wesen zugeschrieben wird / Sondern von der Menscheit in Christo / das ist / von der Creatur müssen verstanden werden / das dieselbige Regen / vnd Schnee vom Himel gebe / Graß auff Berge̅ wachsen lasse / vn̅ dem Viehe sein futter schaffe.
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Welchs doch vnser gegenteil weder aus Gottes Wort / noch mit eines einigen rechtgleubigen Lerers gezeugnis in ewigkeit beweisen kan / sönderlich dieweil bekant / das die menschliche Natur Christi weder von / noch durch sich selbst erhalten werde / viel weniger sich selbst erschaffen habe. Vnd ob wir schon nachgeben wolten / das die Gottheit in Christo / vmb der persönlichen vereinigung willen mit dem Fleisch / ALLES / nicht allein in / vnd mit (welchs wir gern bekennen) sondern auch durch die angenomene / vereinigte / vnd erhöhete Menscheit (welchs die Schrifft nicht leidet) trage / schaffe / erhalt / vnd regire / im Himel / vnd auff Erden: So müste doch hiedurch die persönliche vereinigung zum wenigsten vor der erhöhung geschwecht (weils damals noch nicht im Werck also ergangen ist) oder die erhöhung mit der nidrigung vermischet / vnd demnach die historische Warheit in zweiffel gezogen werden. Wollen abermal geschweigen / das durch etwas / schaffen / tragen / erhalten / vnd regieren alles / was im Himel / vnd auff Erden / vnd demnach Fewer / Lufft / Wasser / Erden / Sonn / Mond / Stern / Menschen / Viehe / Grass / vnd Laub / noch einige Creatur / weder klein / noch gros / vnausgeschlossen (denn sölchs alles mit dem Himel / als mit einer deck / oder gewelb begriffen / vnd vmbfangen ist) Diß nu alles (sagen wir) durch etwas angenomenes schaffen / tragen / erhalten / vnd regieren (welchs allein Gott zustehet) macht kein persönliche vereinigung / man wolt denn abermal Gott den ewigen Vater / vnd seinen eingebornen Son / das ewige Wort / mit den Sabellia
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nern / für eine Person halten / dieweil die Schrifft bezeuget / das alle ding durch das Wort gemacht / Joan. 1. vnd Gott durch seinen Son auch die Welt erschaffen hab. Hebr. 1. Vnd der Psalm gebraucht sölche Reden nicht allein vom Son / sondern auch vom heiligen Geist: Denn der Himel ist durchs Wort des HERRN gemacht / vnd all sein Heer durch den Geist seines Mundes. Psalm. 33. Zum vierten / vnd letzten ist gewis / das die Ehr der anruffung / vnd Gebets keiner Creaturn / sondern allein Gott gebüret / als dem einigen Hertzkündiger / vnd almechtigen Helffer / der seinen gleubigen in aller noth gegenwertig beywonet / jre seufftzen erhöret / vnd nach seinem weisen Raht / wie es am besten ist / trost / linderung / Hülff / vnd rettung schafft / vnd verleihet. Dieweil aber vnser Widersacher solchen Gottesdienst / auch der angenomenen menschlichen Natur in Christo / die ein Creatur ist / vnd zwar nicht (wie mit vns die gantze rechtgleubigen Kirchen) vmb der persönlichen vereinigung willen mit dem ewigen Wort / sondern viel mehr vmb der von jhnen vbelerdachten Vbiquitet / oder Maiestet / vnd wirckendlicher mitteilung willen der wesentlichen eigenschaffte̅ Gottes / zuschreiben: So schwechen sie eben auch hiemit den beweis von der ewigen Gottheit in Christo / vnd stercken der Antitrinitarier abgötterey / wider aller rechtgleubigen bekentnis / Lehr / vnd meinunge. Alhie aber (welchs nothwendig mit zu erinnern ist) misbrauchen sie abermal zu jrem vorteil / das von den alten Lehrern wider Nestorium im ersten Concilio zu Epheso recht geschlossen / man solle Christum Gott / vnd
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Menschen / ohne trennung / in einer Person / mit einerley Gebet zugleich ehren / vnd machen ein Eutychianische vermischung der Naturn / gleich als gebürte der menschlichen Natur so viel ehr / als der göttlichen. Da doch hieraus eben das jenige / so der alten rechtgleubigen Veter Lehre im grund zu wider ist / folget. Denn dieweil sie (die Vbiquisten) die Gottheit / vnd Menscheit in Christo mit einerley Ehr / aber vmb vngleicher vrsachen willen / verehren / die Gottheit zwar vmb jhrer wesentlichen Maiestet willen / die Menscheit aber vmb derselbigen aus gnaden / oder geschencks weise mitgeteilten / vnd empfangenen Maiestet willen (wie D. Zacharias Schilter / Professor Theologiae, vnd Procancellarius zu Leiptzigk / thesi 75. Disput. 1. de regno Christi, vnam, eandemque illam Immanuelis gloriam, seinem eigen Gewissen / vnd vörigen Lehr / die er anders von seinem praeceptore gelernet hat / viel mehr aber der öffentlichen Warheit des göttlichen Worts zu wider / vnterscheidet / vnd distinguirt in naturae quidem diuinae , naturae verò humanae ex gratia ei donatum, seu vt munus ei datum) So wird eben hiedurch das Gebet getrennet / vnd bleibt nicht einerley latria, oder Gottesdienst / sondern vff gut Nestorianisch wird die Menscheit mit der Gottheit coadorirt / als werens vnterschiedene Person / vnd werden die gedancken im Gebet zugleich verwirret / vnd zerteilet: Sintemal die vrsach / darumb beiden Naturn sölcher cultus, oder Gottes dienst erzeigt wird / nicht einerley / sondern zerspalten ist. Daraus denn vnwidersprechlich an stadt des warhafftigen einigen Gottesdiensis / ein Nesto
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rianische Anthropolatria, oder Menschendienst / in die Kirchen Gottes eingefüret werden müste. Dagegen die rechtgleubigen alten Lerer einmütiglich aus Gottes wort geschlossen / das dem ewigen Son Gottes / so wol nach / als vor seiner gnadenreichen Menschwerdung / die anruffung gebüre / als natürlichem / ewigen Gott / mit dem Vater / vnd heiligem Geist / hochgelobt in Ewigkeit. Betreffend aber die angenomene Menscheit Christi / wird dieselbige keins wegs vom gebet ausgeschlossen / Sondern dieweil im Gebet / vnter andern notwendigen requisiten / fürnemlich dreierley erfordert wird: Erstlich / die gewisheit / wie der rechte Gott anzutreffen sey / damit man nicht etwas für Gott halte / wie Türcken / Jüden / vnd Heiden / das nicht Gott ist. Zum andern / ob er vns könne erhören / das ist / ob er nicht allein die Krafft / sondern auch die Macht / oder den gewalt habe / vns armen Sündern zu helffen. Zum dritten / warumb er sich vnser noth annemen / vnd die seufftzen der elenden / die seinen Namen anruffen / nicht verachten / noch verstossen sol / vnd wolle. So haben die alten rechtgleubigen Lehrer / nemlich Augustinus / Chrysostomus / Cyrillus / Damascenus / etc. Ja nach / vnd von denselbigen auch die Scholastici, zum gleichnis (welchs doch nicht gar / sondern nur etlicher massen / nach gleichnis art / sich reimet / wie wir es denn auch one calumnien verstanden haben wollen) die königliche Kron / Scepter / vnd Purpur / vmb erklerung willen / gebraucht.
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Denn wie für sich derselbige königliche ornat mit keiner supplication / noch fußfall der Vnterthanen verehret wird / vnd gleichwol so jn der König an sich tregt / ohne verletzung der königlichen Maiestet / vnd Wirden / nicht verunehrt / noch abgerissen werden kan / Sondern dienet viel mehr dem Supplicanten zu dreierley: Erstlich / das er an der Person nicht jrre / vnd etwan einen Diener für den Herrn anspreche. Zum andern / das er sich der königlichen autoritet dabey erinnere / vnd nicht zweiffel / es werde bey dem abschied / der jm von diesem purpurato, welcher den amptsscepter in der Hande führet / vnd die königliche Kron auff dem Heupt tregt / gegeben werde / wol bleiben müssen / vnd von niemand können cassirt / noch vmbgestossen werden. Zum dritten / das er desto freudiger hinzu gehe / weil er den Scepter / vnd die Kron / sampt dem purpurmantel siehet / mit welchem allem der König zu anzeigung seines Regentenampts / vnd geneigten willens / jederman audientz / vnd gebürlichen rechtmessigen abscheid zu geben / bekleidet ist / das er nemlich auch den geringste̅ Supplicanten / wie elend / oder vnwirdig er geacht möchte werden / gleichwol vmb der Kron / das ist / vmb seines königlichen ampts willen / nicht hülfflos lassen sol / noch wolle. Also wird das angenomene menschliche fleisch Christi nicht für sich / als ein Creatur angebetet / sondern wir ruffen an den eingebornen Son Gottes / welcher vnser fleisch / Bein / vnd geblüth an sich tregt / vnd haben dreierley nütz dauon / wie folget: Erstlich / damit wir mit den vngleubigen Heiden / Jüden / oder Türcken (die ohne erkentnis des eingebornen
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Sons den Schöpffer der Welt / das ist / jrn eigen götzen / oder bild anruffen) des rechten Gottes nicht fehlen / denn er hat sich in vnserm fleisch offenbaret. 1. Tim. 3. Zum andern / damit wir an seiner Macht nicht zweiffeln dürffen / denn dieser ists / der nicht allein von natur einerley almechtige Krafft hat / mit dem Vater / vnd heiligem Geist / sondern dem auch der Vater / mit sieglung des heiligen Geistes / alle gewalt des menschlichen geschlechts Heil / vnd Seligkeit betreffend / volmechtiglich vbergeben / vnd mit eigner stimme vns befohlen / das wir diesen / vnd keinen andern hören sollen / welcher one jemands verhinderung seinem Wort / zusage / vnd drewunge Krafft geben wird / Psalm. 68. Darumb auch der Vater alles gericht dem Son auffgetragen / vnd wil von niemand geehret sein / der seinen lieben Son verachtet / Johann. 5. Mit allen aber den jenigen wil er ewiglich wol zu frieden sein / die den Namen seines eingebornen Sons in warhafftiger bekerung anruffen. Rom. 10. Joel. 2. Denn sonsten kein ander Name den Menschen gegeben ist / in welchem heil zu hoffen wer. Act. 4. Vnd das ist der Name / in welchem sich endlich alle Knie beugen werden / so wol der fromen / als der gottlosen / zur Ehre Gottes des Vaters. Phil. 2. Denn auch die verdampten endlich (aber mit ewigem schrecken / furcht / vnd zittern) erkennen werden / in welchen sie gestochen haben. Wie denn mit solcher Ehr vnser Heiland Jesus Christus albereit verkleret ist / vnd noch teglich durch die Predigt seines Euangelij verkleret wird. Welche er wol / ehe der Welt grund gelegt ward / warhafftig gehabt von
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Ewigkeit / vnd dieselbige niemals verlorn / jedoch vnsert halben / die wir jhn von Natur nicht dafür erkant / von feinem Vater gebeten / vnd in der zeit empfangen hat: verstehe / so fern jhn das menschliche geschlecht fur den einigen Mitler / durch das licht seiner gnaden erkent / vnd auffnimpt. Zum dritten / werden wir durch diß geheimnis auch des göttlichen willens gegen vns versichert / damit vnser vnwirdigkeit vns nicht zu rück treibe. Denn vmb der nahen blutuerwantschafft willen / dadurch sich der Son Gottes mit annemung vnser Natur / so genaw gegen vns in höchster freundschafft verbunden / haben wir ein freudigkeit jhn anzusprechen / vnd dürffen an der hülff / vnd erhörung nicht zweiffeln. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester / der nicht könne mitleiden haben mit vnser schwacheit / sondern der versucht ist allenthalben / gleich wie wir / doch ohn Sünde. Hebr. 4. So hat ja niemand jemals sein eigen fleisch / vnd blut gehasset / sondern er nehret es / vnd pfleget sein. Ephe. 5. Vnd eben darümb behelt auch das ewige Wort an sich / was es einmal worden ist / auff das wir nicht vff vnser vnwirdigkeit / sondern vff die verwantschafft sehen / die er mit vns auffgerichtet. Diss ist die warhafftige trostreiche Lehr von der rechten anruffung Jesu Christi / Gottes / vnd Mariae Son / in einer Person. Wie denn vnser gegenteil mit keiner schrifft / noch exempel der Schrifft diese erklerung wird tadeln / noch vmbstossen können. Ja / die gantze Christliche Litaney gibt wider sie zeugnis / dieweil wir nicht beten / oder sagen: Du Menscheit / oder / du fleisch Christi / erhöre vns:
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Sondern du Lamb Gottes / erhöre vns. Oder / wie im Euangelio stehet: Jesu lieber Meister / du Son Dauid / erbarm dich vnser. Vnd in der Litaney wird die vrsach der erhörung eben aus der verwantschafft mit vns / vnd aus dem heiligen ampt des Mitlers angezogen: Erhöre vns durch dein heilige Geburt / durch dein bitter Leiden / vnd todt / durch dein fröliche aufferstehung: etc. Darumb wer die menschliche Natur im Gebet von dem ewigen Wort / mit einigem gedancken trennet / oder mit demselbigen (wie beides von den Vbiquisten geschicht) vermenget / der verlewert zugleich die gewißheit / wer der rechte Gott sey / vnd mus zweiffeln nicht allein / Ob / sondern auch warümb jm zuhelffen sey. Denn er sonsten weder von dem vermögen / noch willen des / der jm helffen sol / gewis sein kan. Daraus denn freilich der Antitrinitarier abgötterey / vnd dergleichen götzenwerck gar leichtlich folget. Derwegen vnser gegenteil diese freundliche warnung nochmals in der furcht Gottes wol behertzigen / vnd nicht verachten / noch so leichtfertig in winde schlahen wolle. Was aber mehr zu diesem argument gehöret / mag der Christliche Leser in collatione catholicae, & orthodoxae Christianorum fidei cum disputatione habita VVitebergae, Anno 80. thesi 137. von dem 154. blat an / biß ins 160. nachsuchen: Alda mit gnugsamen gründen dargethan / vnd erwiesen wird / das zwischen Serueti so wol / als der newen Antitrinitarier Lesterungen / vnd der Vbiquisten Lehr / beides in sententia, vnd phrasibus gar wenig vnterscheids zuspüren. Wer nicht mutwillig jrren wil / der ist
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daselbst / vnd alhie gnugsam gewarnet. Denn vns diese Schrifft / one das / wider vnser zuuersicht / vnter den Henden wechset / das wir nothalben abbreche̅ / vnd den Leser vff andere erklerung weisen müssen. Wie wir denn auch für den sichersten Weg halten / das wir vnsern Glauben / Lehr / vnd bekentnis (so viel müglich) viel mehr mit anderer / der göttlichen Warheit / vnd demnach der Augspurgischen Confession / in rechtem schrifftmessigen verstand (als denn in angezogener Collation / vnsers einfaltigen verstandes / anders nicht zubefinden) von hertzen zugethanen / vnd verwanten Lehrern zeugnissen / denn mit vnsern eigen worten darthun / vnd beweisen. Was aber vnser gegenteil de datis Christo in tempore; von dem / das Christo in der zeit gegeben / alhie widerholet / ist droben in vnserm andern argument ausfürlich(Fol. Apol. Erf. 86. a.) erklert / vnd verantwortet. Denn sie die gantze Religion müsten vmbkeren / wenn sie jre falsche meinung / als könte Gott gar nichts gegeben werden / erhalten solten. Sintemal der HERR selbst befohlen / man sol Gott geben / was Gottes ist / Matth. 22. vnd der 68. Psalm sagt: gebt Gott die Macht (das ist / erkennet / vnd preiset mit Zungen / vnd Hertzen / das allein Gott almechtig ist) Seine Herrligkeit ist in Israel / vnd seine Macht in den Wolcken. Item / Lucae 17. zürnet Christus / das nicht mehr / ann der einige Samariter von den zehen aussetzigen (die er gesund gemacht / da er mit seinem Leib nicht bey jhnen gewest / viel weniger durch seine menschliche Natur jnen geholffen / sondern sie von sich geschickt hatte) wider vmbkerete / vnd GOTT (nicht aber seinem fleisch) die ehre gab. Denn Gott erkennen / vnd preisen / heisset eigentlich / sei
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nen für sich (auch ohne vnser erkentnis) stedt heiligen Namen noch mehr heiligen / vnd also Gott seine gebürliche Ehr geben / wie es die Schrifft selbst ausleget: Opffer Gott danck / vnd bezahle dem Höhesten deine gelübde: Vnd ruff mich an in der noth. Denn wer danck opffert / der preiset mich: Vnd das ist der Weg / das ich jhm zeige das Heil Gottes. Psalm. 50. Welchs denn aus keinem mangel bey Gott herfleusst / der freilich auch on vnser geben / vnd ehren / geehrt ist / vnd bleibt von ewigkeit zu ewigkeit. Der mangel aber ist in vns / welcher durch das Licht göttliches erkentnis / vnd Offenbarung / so vns Gott aus gnaden anzündet / vnd widerfaren lesset / ersetzet wird / das er als denn von vns seine gebürliche Ehr empfehet / wenn er vns mit dem gnadenlicht seines Worts durch seinen heiligen Geist zuuor erleuchtet. Diß ist die ewige / vnwidersprechliche Warheit in gemein von den heiligen Gottesdiensten / dadurch Gott seine Ehr / ohne derselbigen einigen mangel / oder dürfftigkeit / von seinem geschöpff / auch in der zeit gegeben wird. Was wir aber in sonderheit de datis Christo in tempore, nach dem vnterscheid seines göttlichen Wesens / vnd ampts / gleuben / halten / vnd leren / dasselbige ist keins wegs (wie vnser gegenteil alhie wider jhr eigen Gewissen / (Fol. Apol. Erf. 86. a.) vns schuld gibt) ein Arianische Lesterung. Sondern die Arianer / dauon Bischoff Leo meldet / theileten der Gottheit in Christo sönderliche Krafft / vnd stercke zu / die sie in der zeit empfangen haben solt / vnd verleugneten dadurch die ewige gleicheit / ja einigkeit am Wesen des Sons mit dem Vater. Welchs nichts anders im grunde gewesen /
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denn eben vnsers gegenteils gedicht / als könte die menschliche Natur in Christo mit gleicher almacht / Weisheit / vnd vnendlicher gegenwart begabt / vnd gezieret werden / durch die thetliche mitteilung / vnd empfahung aller / oder etlicher eigenschafften Gottes / ob sie gleich nicht wesentlich die Gottheit selbst würde. Das also nach des Bischoffs Leonis warnung / sich die Vbiquisten am allermeisten fürzusehen haben / damit sie nicht gar zugleich in der Eutychianer / vnd Arianer geselschafft gerathen. Vnd zwar / damit der Christliche Leser die Sach noch eigentlicher einneme / so ist ja bekant / vnd vnwidersprechlich / das die göttliche Maiestet / vnd herrligkeit des ewigen Worts / anders nach seinem Wesen / secundum Theologiam, da kein vnterscheid ist zwischen dem Vater / Sohn / vnd heiligem Geiste / vnd anders nach seinem ampt / secundum oeconomiam, wie die alten rechtgleubigen Kirchenlerer reden / betrachtet wird. Zu deme / wird das geben / vnd empfahen / auff vnterschiedene weis gebraucht / vnd verstanden / nach dem man entweder redet de gratia vnionis; oder de maiestate capitis, seu officij; oder de gratia habituali donorum, seu praerogatiuarum. Wenn nu der Spruch Leonis Episcopi recht angesehen wird / so bedarff man keiner glossa / sondern es erkleren sich die wort selbst / das er nemlich rede / vnd verstanden sein wolle de donis gratiae habitualis, das ist / von einer solchen erhöhung / nach welcher der verklerten Menscheit Christi ein newe Ehr / vnd gewalt / die sie zuuor nie gehabt hat / gegeben sey. Denn er leret / das man solchs / vnd dergleichen von dem göttlichen Wesen des ewigen Worts mit nichten sagen könne.
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Der Spruch Leonis lautet im Teutschen / wie folget: Es mögen vns die jenigen / so der Warheit (verstehe / von der ewigen Gottheit des Sons / vnd einigkeit seines Wesens mit dem Vater) widersprechen / dieses berichten: Nemlich / wenn der almechtige Vater / oder nach welcher Natur / Er seinen Son vber alles erhaben / oder welcher substantz / vnd Wesen Er alles vnterworffen habe? Denn der Gottheit / als dem Schöpffer / ist alzeit alles vnterworffen gewesen. Wenn nu der Gottheit eine gewalt zugelegt / oder jhr dieselbe nu erst vermehret / das ist / wenn derselben höhe noch mehr erhöhet worden ist: So were die Gottheit kleiner gewesen / denn der sie erhöhet hat / vnd hette nicht an sich gehabt die Reichthumb der göttlichen Natur / von welcher vberflus jr mangel hette müssen erstattet werden. Wer aber also daruon halten wolte / der were ein rechter gesell des Arij. Bißher Leo. Die lateinischen wort (ob jemand mehr lust zu denselbigen hette) sind diese: Dicant aduersarij Veritatis, quando omnipotens Pater, vel secundum quam naturam, Filium suum super omnia euexerit, vel cui substantiae cuncta subiecerit? Deitati enim, vt creatori, semper subiecta fuerunt. Huic si addita potestas, si exaltata sublimitas, minor erat prouehente, nec habebat diuitias eius naturae, cuius indiguit largitate. Sed talia sentientem, in societatem suam Arius rapit. Haec ille, tractans locum Ephes. 1. Dieweil denn die Herrschafft / vnd Maiestet der menschlichen Natur in Christo vber alle Creaturn / vnd die göttlichen wesentlichen eigenschafften / als da sind / die ewige / vnendliche / vnermesliche almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbgegenwertigkeit / etc. nicht einerley sind: So ist ja
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klar / das vnser gegenteil dißfals eine confusionem disparatorum begehet / das ist / die eigenschafften Gottes mit den Gaben der volkomenheit / so der angenomenen Menscheit gebüren / vermischet / Vnd demnach nicht wider vns / sondern wider sich selbst von der Arianischen geselschafft / der sie am nehesten verwant ist / prediget. Belangend den Spruch / das Gott Christi Heupt(Fol. Apol. Erf. 86. a.) sey. 1. Cor. 11. verstunden die Arianer denselbigen blos von dem göttlichen Wesen des Worts / welchs vnser Natur an sich genomen / vnd wolten hieraus beweisen / das die Gottheit des Worts eines grads nidriger were / als die Gottheit des ewigen Vaters. Welches der intention / vnd meinung des Apostels gantz / vnd gar widerstrebt / dieweil der Man daselbst / dahin die vergleichung mit Christo gericht ist / das Heupt des Weibes genent wird / nicht vmb vngleicheit der Natur (denn sie sind gleiches Wesens) sondern vmb des ampts / oder Ordnung willen. Derhalben wir diese der Arianer meinung / billig verwerffen / als eine gottslesterung. Denn der Vater / Son / vnd heiliger Geist ist der einige Gott / gleich in der Herrligkeit / gleich in ewiger Maiestet. Dagegen aber ist auch dieses war / dieweil das ewige Wort nicht allein nach seinem Wesen / welches er mit dem Vater / vnd heiligem Geist gemein / vnd gleich / ja einig hat / sondern auch nach seinem ampt / als ein gesanter / vnd Mitler / wie droben aus Nazianzeno erwiesen / betrachtet wird. Das Ampt aber ist dem / der es einem andern aufftregt / vnterworffen / vnd Christus verwaltet sein Ampt nach beiden Naturn: Derwegen in diesem verstand / ohne abbruch der göttlichen Dreyeinigkeit / recht gesagt wird /
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das Gott Christi Heupt sey nach beiden Naturn. Missio enim, & obedientia (sagt Cyrillus) non tollunt aequalitatem essentiae, aut potentiae, sed discernunt ordinem personarum, hoc est, missum â mittente. Vnd ist der Spruch des Apostels bekant / das Christus sein Reich endlich Gott / vnd dem Vater vberantworten werde: Vnd als denn wird auch der Son selbst vnterthan sein dem / der jhm alles vnterthan hat / auff das Gott sey alles in allem. 1. Cor. 15. Mit welchem fein vbereinstimmet / da Augustinus spricht: Christus, in quantum Deus, nos sibi cum Patre su biectos habet: in quantum Sacerdos (Est autem Sacerdos secundum vtranque naturam) nobiscum Patri subiectus est. lib. 1. de Trin. cap. 8. Das ist: So fern man Christum nach seiner Gottheit absolutè, oder blos betrachtet: sind jm / so wol als dem Vater / wir / vnd alle Creaturen / warhafftig / als dem Schöpffer vnterworffen. So fern er aber relatiuè, das ist / nach seinem hohen priesterlichen ampt / welchs er in / vnd nach beiden Naturn verwalt / vnd tregt / betrachtet wird / als der gesante: ist Er mit vns dem Vater vnterthan. Dieweil auch der Apostel an gemeltem Ort ferner bezeugt / das es alles Christo vnterthan sey / jedoch ausgenomen / der jhm alles vnterthan hat; vnd Athanasius Dialogo 1. de sancta Trinitate, auff die wort des HERrn dringet: Der Vater ist grösser / denn ich / Joan. 14. Daraus er recht schleusset: Maiorem credo Patrem Filio, non vt Deum Deo, sed vt Patrem Filio incarnato (seu, quod idem est, in carnem misso) Siquidem non dixit: Deus maior me est, sed Pater maior me est; &c. Vmb dieser
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trostreichen vrsach willen / ists keine Ketzerey / wenn wir mit der alten rechtgleubigen Kirchen sagen / vnd bekennen / das Christius seinem ampt nach (welchs er gutwillig mit sönderlicher reuerentz / vnd ehrerbietung gegen seinem ewigen Vater / als der Mitler / zu vnserm heil / vnd trost / auff sich genomen) kleiner sey / denn der / bey welchem er vmb vnser versönung bittet / ob er wol mit demselbigen einerley Natur / Maiestet / herrligkeit / vnd almacht in ewigkeit behelt. Sintemal auch ein Mensch bey seines gleichen für einen andern intercediren / oder bitten kan / ohne abbruch seines gleichmessigen gewalts / vnd ansehens. Wie denn solchs Basilius Magnus mit einem feinen gleichnis erkleret: Demus enim (inquit) duos REGES pares esse, ac potestatem eandem habere: praefectum verò quendam, vel ducem ambos offendisse. Horumque alterum, prius admittentem offendentis supplicationem, petere à regni socio, vti cum illo redeat in gratiam. Num putabimus hoc imminuere dignitatem petentis? Nequaquam. Bißher Basilius. Petri Lombardi Spruch / lib. 3. Distinct. 14. aus Ambrosio vber den Euangelisten Lucam / das die Person Christi / in quantum facta est hominis persona, in der zeit empfangen / was sie als die Person des Worts / von ewigkeit gehabt (welchen wir in vnser Apologia pag. 319. angezogen haben / die Regel damit zu erkleren / das der Son Mariae aus gnaden hab alles / was der Son Gottes(Fol. Apol. Erf. 87. b.) von Natur hat) wolten sie gern verwerffen / bringen aber nichts dawider auff / derwegen wirs auch dabey beruhen lassen.
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Denn schelten / vnd anmaulen / oder mit groben worten heraus faren / Es sey nit war / es sey erlogen : Item / Man könts / wenn man wolte / verantworten / etc. Ist noch vnbewiesen / vnd werden vnsere gründe das Licht wol dulden. Sie aber suchen ausflüchte / vnd schewen / ja verhindern die ördentliche erkentnis. Denn sie mit dicker finsternis / vnd brandmahlichten Gewissen behafftet sind. Bißher vom zwentzigsten argument.

Das ein vnd zwentzigste Anhaltische Argument.
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(XXI.) DAs ein vnd zwentzigste argument bedarff nicht weitleufftiger verantwortung. Denn es für sich selbst klar / vnd deutlich ist / das es beysammen nicht bestehen könne / da sie bekennen: die menschliche Natur Christi sey / weder abgesönderter / noch vereinigter weise / an / vnd für sich selbst almechtig / alwissend / allenthalben (vngeacht das sie dieses bisher mit aller macht zuuertheidingen sich bemühet / Es wolte denn D. Selnecker sein eigene wort nicht mehr kennen / da er Anno 72. wider Bezam vnter andern also geschrieben: Humana natura non ex se, non per se, non seorsim, non extra personam Christi, sed in Christo, atque adeò IN SESE etiam habet omnem potestatem, id est, diuinam planè, & aeternam, SIBI datam à Christo, & in Christo, potentiam in coelo, & in terra, G. vlt. b. H. 1. Item: H. 4. Habet IN SESE, etsi non per se, aut ex se, nec seorsim extra Christum, potentiam infinitam, & diuinam. &c. Also haben sie vor der zeit geleret /
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welchs sie jtzt verneinen) vnd streitten nichts desto weniger / die Menscheit Christi hab die Maiestet der göttlichen almacht / alwissenheit / vnd allenthalbgegenwertigkeit / nach art der persönlichen vereinigung / realiter, in der that empfangen. Das heisst ja / mit einer Hand geben / vnd mit der andern wider nemen / oder zugleich ja / vnd nein von einer Sachen reden. Solchs zu erkleren / beruffen wir vns nochmals auff den / in heiliger Schrifft wolgegründeten / vnd von der rechtgleubigen Kirchen zu allen zeiten beliebten Spruch Magistri sententiarum, lib. 3. Distinct. 14. Non est datum humanae Christi naturae, posse omnia facere, quae Deus facit, ne omnipotens, & per hoc Deus putaretur. Das ist: Es ist der menschlichen Natur Christi mit nichten gegeben / das sie alles zuthun vermöge / was Gott thut / auff das sie nicht für almechtig / vnd dadurch für Gott selbst gehalten werde. Vnser gegenteil aber lehrt das Widerspiel / nemlich wie die wort jrer newen Apologien fol. 86. lauten / das die(Fol. Apol. Erf. 86. a.) menschliche Natur Christi / vermöge der persönlichen vereinigung / vnd erhöhung / die göttliche almacht / vnd Maiestet dermassen in warheit bekomen / das sie nicht weniger / als die Gottheit selbst / alles schaffe / erhalt / vnd regiere / im Himel / vnd auff Erden. Dieweil denn hieraus folgen müste / das die menschliche Natur (wie sie denn sonst nicht leugnen) Gott selbst worden / vnd demnach für sich almechtig sey / welches bißher D. Brentij / vnd D. Jacobi Andreae einhellige meinung(Fol. Apol. Erf. 88. a.) gewesen / in massen jhre Bücher / disputation / vnd streitschrifften ausweisen: So vnterstehen sie sich doch / solches
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alhie zuuermenteln. Darumb sie wider vff jre gewönliche paralogismos gerathen / vnd erkleren sich / wie folget: Erstlich / per fallaciam secundum plures interrogationes; das Christi menschliche Natur nicht extra personam Verbi, noch per modum transfusionis die almechtige gewalt Gottes (darunter sie auch die alwissenheit / vnd allenthalbenheit verbergen) empfangen hab. Denn sonst man auch Cyrillum (jhrem fürgeben nach) straffen müste / des Spruch sie daselbst in jhrer Erfurdischen Apologien fol. 88. anziehen / der gantz / vnd gar für vns / vnd jrem gedicht öffentlich zu wider ist. So jhnen doch vberflüssig bekant / das wir von der abgesönderten Menscheit Christi / weil dieselbige nirgend zufinden / mit niemand streitten / wie auch die Frage nicht ist de modo, wie / oder auff was weise / sondern An sit, ob die Menscheit in Christo sey almechtig / alwissend / allenthalben. Zum andern / damit es bey jhren vnberichten Subscribenten ja nicht das ansehen gewinne / als hett es jnen an antwort / oder viel mehr an blossen worten / vnd vergeblicher behelffrede gemangelt / so ergreiffen sie ferner die petitionem principij, vnd ziehen zum beweis an / dauon noch der streit ist: das nemlich die angenomene menschliche Natur Christi solche almechtige gewalt (wie sie reden) nicht zwar an jrem eigen Wesen / wie sie nach demselbigen vnterschiedlich auch in ipsa vnione betrachtet wird / sondern von wegen / vnd nach art der persönlichen vereinigung / in der Person des Worts / oder des Sons Gottes selbst habe. Diß aber alles (vngeacht das es noch zur zeit weder erwiesen / noch ausgefüret) ist so voll schlipfferigen / vnd zweiffelhafftigen worten / dz jmer ein widersprechung / oder contradiction vff die andern dringet.
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Wenn sie es einfeltiglich dabey beruhen liessen / wie die Christliche Kirch gleubet / vnd leret / das die almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit ferner nicht von der Menscheit Christi könne / noch sol gesagt / vnd verstanden werden / denn so fern sich die gratia vnionis erstreckte: So müsten sie die propositiones abstractiuas fallen lassen / vnd jr gedicht de reali idiomatum co̅municatione facta humanitati assumtae gantz / vnd gar cassiren. Wie denn vff keinen andern weg der Friede in der Christenheit / die Religion betreffende / wider angericht / noch bestehen können wird. Dieweil sie aber die abstractiuas propositiones; Caro Christi est omnipotens, omniscia, vbique: Item, caro Christi est Deus; noch für vnd für trutziglich begeren zu defendiren / so wird jhnen billig die manchfeltige widerwertigkeit jrer eigen reden vnter augen gesetzt / wie folget: Zum ersten / die menschliche Natur in Christo sol die almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit nicht haben / wie sie vnterschiedentlich nach jhrem Wesen / sondern wie sie in der Person des Worts betrachtet wird. Was ist diß anders / denn ein öffentliche implicatio contradictionis; dadurch entweder verleugnet wird / das die Menscheit Christi nach jhrem Wesen von der ewigen Person des Worts angenomen sey / vnd demnach anders nicht / denn wesentlich in derselbigen persönlichen vereinigung betrachtet werde: Oder / sol diß bleiben (wie es anders nicht sein kan) so wird eben mit dieser jrer eigen erklerung das gedicht / darüber sie streitten / vmbgestossen. Zum andern / die menschliche Natur (geben sie für) hab solche göttliche gewalt nicht in / vnd für sich selbst / aber doch in der Person des Worts hab sie es selbst. Den̅ also spielen
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sie alhie fol. Apol. Erf. 88. mit listiger distinction / vnd versetzung (Fol. Apol. Erf. 88. b.) desselbigen wörtleins / Selbst / das der einfeltige Leser sol gedencken / sie lassen die göttliche eigenschafften nur bey der Person / die sie doch in der Person vff die angenomene Natur selbst ziehen. Zum dritten / wie hat aber solches alles die menschliche Natur / welche doch viel mehr / vermöge der persönlichen vereinigung / von dem ewigen Wort getragen / erhalten / vnd demnach gehabt wird? wie zugleich Theodoretus / vnd Vigilius bezeugen; das habere, vnd assumere, dem ewigen Wort: haberi autem, & assumi, der Menscheit Christi zustehe. Zum vierten / wie reimet sichs / das sie jhren / oder ja der jhrigen / vörigen Schrifften / darauff sie sich in jtziger Erfurdischen Apologien zum öfftermal beruffen / zu wider / nicht mehr zweierley almechtigkeit in Christo (wie sie hiebeuor geschwermet) nachgeben wollen? So sie doch in jhrer Dessawischen Refutationschrifft wider vnfer wolgemeintes bedencken vber die Praefation jhrer Concordiformul / pag. 70. mit dürren worten bekant / es sey ein vnterscheid non tantùm ratione principij, verùm etiam rei ipsius, zwischen der almechtigkeit / die Christus nach der Gottheit / vnd die er nach der Menscheit empfangen habe. Wie bestehet nu jhr fürgeben / das die göttliche / vnd menschliche Natur in Christo einerley almechtigkeit (aber auff vngleiche weise / beide gleichwol / eine so wol / als die andere / in der that / realiter) haben / so doch dieselbige vnter sich re ipsa, das ist / nicht allein nach der weis / anfang / oder zeit / sondern auch in der that selbst / realiter, vnterschieden sein sol? Kan auch ein ding realiter, in der that / einerley;
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vnd doch zugleich auch realiter, das ist / in der that / nicht einerley / sondern vnterschieden sein? Wer hat jemals vngereimpter fürgeben gehört? Noch sol man diesen hocherleuchten dreyen Lichtern teutscher Nation / die sich einer algemeinen reformation der alten Catholischen Lehr von Christo anmassen / nichts einreden. Das ist wol war / das der vnterscheid nach der weis eines dings / nicht drumb in der that selbst einen vnterscheid verursache. Als / der Vater / Son / vnd heiliger Geist haben in der that einerley Natur / Wesen / Krafft / vnd almacht: obs wol in der Person des Vaters vff ein andere weis / denn in der Person des Sons / vnd heiligen Geistes betrachtet wird. Aber wo der vnterscheid nicht allein in der weise eines dings / sondern auch in der that selbst ist / da kan die Sach nicht einerley bleiben. Dieweil denn vnser gegenteil klar von sich schreibt / das der vnterscheid zwischen der almechtigkeit / so vff jhre weis die Gottheit / vnd vff jre weis die Menscheit in Christo empfangen habe / nicht allein bestehe respectu principij, sed etiam rei; Das ist / vber den vrsprung / die Sach auch selbst betreffe: So folget vnwidersprechlich / das Christus / jrem fürgeben nach (vngeacht aller jhrer exception / vnd in sich selbst widerwertigen bedingungen) zweierley almechtigkeit / in der that vnterschieden / an sich habe. Derwegen dieselbige freilich in der that nicht zugleich einerley sein / noch bleiben kan. Wie wir alle vernünfftige Menschen hierüber zu Richter wol dulden / vnd leiden können. Zum fünfften / ziehen wir auch nicht vnbillig hieher / das sie bey dem vörigen argument / weis nicht was für
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Sophisterey / fol. Apol. Erf. 87. vns fürwerffen / die wir in anziehung des Spruchs Lutheri / aus seinem Buch vber die letzten wort Dauidis / sollen begangen haben: Daraus (Fol. Apol. Erf. 87. b.) freilich gnugsam zu spüren ist (wie jre wort daselbst lauten / die wir jnen hiemit billig in jhren eigen busen / dahin sie gehören / schieben / vnd jhrem vberzeugten Gewissen zu bedencken selbst heimstellen) qua fide, & religione sie diese gantze Sache führen. Denn das Christus sey persona missa, die der ewige Vater in vnser fleisch gesand hat / wird ja kein Christ leugnen dürffen. Das aber derselbigen Person in betrachtung nicht zwar jres ewigen wesens / sondern des Mitlerampts volmechtige gewalt / alles was zum menschlichen Heil dienet / oder von nöthen ist / zu verordnen / vnd zuuerwalten / vbergeben sey / kan ohne zerstörung aller Christgleubigen Hertzen trostes / Heil / vnd Seligkeit nicht widersprochen werden. Vnd also sind wir freilich / dem Son Gottes / als Gott in vnser fleisch gesand / zum ewigen Erbe / vnd Eigenthumb von seinem himlischen Vater / vnd nicht nur der angenomenen Menscheit / als einer Creaturn / geschenckt / vnd gegeben. Welchs / obs wol von ewigkeit beschlossen gewest / doch vor erfüllung der zeit nicht hat in der that wircklich volbracht werden können / sonsten müste das menschliche geschlecht auch von ewigkeit gewesen sein. Derwegen auch der ander Psalm / verheissungs weis / als nicht von einem gegenwertigen / sondern zukünfftigen ding redet / vnd weissaget: Heische von mir / so wil Ich DIR die Heiden zum Erbe geben / vnd der Welt Ende zum Eigenthumb.
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Sagt darzu / DIR (nicht / deinem fleisch) darumb kan das geben keins wegs nur von der menschlichen Natur verstanden werden. Dieweil auch die Regel heisst: quòd Res tunc dicatur fieri, & dari, cum in cipit patefieri, & manifestari. Das ist: Wenn ein ding offenbar / vnd erkant wird / so sagt man / das es geschehe / oder gegeben / vnd empfangen werde: So kan der Spruch Lutheri anders nicht erklert / noch verstanden werden (man wolle jhn denn wider die heilige Schrifft selbst verstehen) denn wie der Apostel sagt: Gott ist offenbaret im fleisch. 1. Tim. 3. Vnd dieweil Lutherus daselbst beides bezeugt / nemlich / das in der zeit der Mensch Christus empfangen hab / das er almechtig / vnd demnach zugleich Schöpffer Himels / vnd der Erden sey: So müste sonst (nach vnsers gege̅teils fürgebe̅) notwendig folgen / so der menschliche̅ Natur die almechtigkeit gebüret / dz sie zugleich auch die Schöpfferin sey aller ding / welchs gar wider den Glauben wer. Derwegen die Herrn Verfasser der Erfurdischen Apologien nimermehr werden erhalten können / das sie vnuerschempt(Fol. Apol. Erf. 86. a.) fürgeben / das auch die angenomene menschliche Natur / aus empfangener almechtigkeit (jhrem gedicht nach) alles im Himel / vnd auff Erden schaffe / erhalt / vnd regiere. Denn einmal war ist / vnd bleibts in ewigkeit / das sich die angenomene Menscheit in Christo selbst weder erschaffen hat / noch erhelt. Vnd wie allein Gott alle Creaturn im anfang erschaffen / souiel die vnterscheidene species, art / oder geschlecht derselben anlanget: Also ist es keiner Creaturn (auch der Menscheit in Christo nicht) sondern allein Gottes Werck / vnd almechtige Krafft / das noch
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teglich dieselbige species in den indiuiduis propagirt / vnd erhalten werden: Nemlich / das nicht allein Laub / vnd Grass aus der Erden / vnd Früchte auff den Baumen wachsen / sondern auch die Fisch im Meer sich gemehren / vnd Thier von Thieren / Viehe vom Viehe / Menschen von Menschen geborn werden. Denn wiewol solchs alles dem Reich Christi dienen soll / vnd vmb der Menschwerdung willen des ewigen Worts / bestehet / vnd erhalten wird (wie die Kirchen singet: Wer er nicht erstanden / So wer die Welt vergangen) So kan doch nicht mit warheit daraus geschlossen werden / das Christi fleisch dieser Ordnung / vnd propagation / oder fortpflantzung aller Creaturen Schöpfferin / oder erhalterin sey / sondern es mus bey dem Spruch Mose bleiben / Psalm. 90. Das es allein des Werck sey / der Gott ist von ewigkeit zu ewigkeit. Denn nicht das fleisch Christi / sondern du ewiger HERRE Gott bist es (spricht der Man Gottes daselbst) der du die Menschen lessest sterben / vnd sprichst / Kompt wider Menschenkinder. Diss mögen die Herrn Verfasser wol behertzigen. Wir haben aber in vnser Defension wider D. Johann Matthaeum der alten Schullehrer meinung ex fratre Antonio de Vercellis; der sich vff Bonauenturam berüffet / angezogen / welche viel richtiger ist / als der Vbiquisten Lehr / da sich nemlich die Scholastici Theologi also erkleren: Christus hab triplicem potestatem. Potestatem praesidendi, & potestatem impetrandi, secundum vtranque naturam, vt summus Rex, seu caput, & Sacerdos Ecclesiae. Potestatem denique efficiendi omnia, quae vult, in coelo, & in terra, vt Deus omnipotens, creator ac sustentator rerum omnium.
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Das ist / Als vnser ewiger König / oder Heupt /(1.) herschet Christus vber alles / nach beiden Naturn / jedoch herschet er nicht vber Gott / der jn gesand hat. 1. Cor. 15. Als ewiger Hoherpriester erlangt er vns alles / was(2.) wir bitten / vnd diß gehört jm auch nach beiden Naturn. Aber die Macht / oder Krafft der menschen Hertzen /(3.) vnd Nieren zu prüfen / alles zu schaffen / tragen / erhalten / vnd gegenwertig zu regieren / hat er allein nach seiner ewigen Gottheit. Darumb in diesem der menschlichen Natur die almechtigkeit nicht sol / noch kan zugeschrieben werden. Zum sechsten / Augustini Spruch in Epistola ad Dardanum, anlangende: Non est consequens, quod in Deo est, pariter vbique esse, vt Deus: Das ist: Es folget nicht / das das jenige / so in Gott ist / so wol als Gott / allenthalben sey: bringen sie ein vergebliche cauillation herfür(Fol. Apol. Erf. 88. b.) / vnd beweisen / das sie selbst mit lauter Sophisterey vmbgehen. Denn sie den Leser gern vberreden wolten / Augustinus verleugne / oder verwerffe daselbst nicht die allenthalbenheit des fleisches Christi / sondern lere nur / das nicht einerley weis der allenthalbenheit in Christo sey nach beiden Naturn. Komen also wider vff die petitionem principij, vnd ziehen zum beweiss an / das noch selbst beweisens bedarff / ja / das mit keinem bestendigem grunde in Ewigkeit bewiesen kan werden. Denn der Heuptstreit (wie nu offt gemelt) ist nicht de modo, sondern de quaestione, AN SIT statuenda naturae Christi assnmtae VBIQVITAS? So lange sie das nicht beweisen (wie jhnen denn aller beweiss dißfals in alle ewigkeit vnmüglich sein / vnd bleiben wird) so sind alle
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andere ausflüchte vmbsonst / vnd vergeblich. Ja / sie geben hiemit je lenger je mehr / nichts anders / denn jre böse Sach / vnd brandmahlichte Gewissen an tag / vnd widersprechen jnen selbst. Denn zu Quedlinburgk (wie auch in gegenwertiger jhrer Apologien / fol. 172.) sie sich gleich der general Vbiquitet geeussert / für welche sie doch alhie wider / mit jrem sonst von jhnen ausgemusterten Redelsfürer D. Jacob Andreae / in verkerung dieses Spruchs Augustini anfahen zu fechten. Denn diese gloss von der vngleichen weis der allenthalbenheit Christi nach beiden Naturn / sie von D. Jacobo Andreae entlehnet / der sie zwar von anfang dieses gedichts nicht also gefüret / sondern hernach allererst erfunden / vnd da er seine Licentiaten Anno 80. zu Wittembergk promouirt / mit gleicher meinung thesi 254. de persona Christi gesetzt hat. Mag derwegen der Christliche Leser in Collatione orthodoxae doctrinae, & Iacobiticae, vom 260. blat an / biß vffs 265. nochmals daselbst nachsuchen / was die rechte meinung Augustini sey. Vnter des lassen wir vnser gegenteil hierüber mit D. Heshusio zusammen / vnd wollen D. Heshusium seines Gewissens erinnert haben / ob jhm hierzu still zuschweigen / vnd die Kirchen Gottes / so viel an jm ist / in so grober verfürung stecken zu lassen / vnd nicht viel mehr zu warnen ampts halben gebühre. Sonderlich dieweil sein Name vnter den blinden Subscribenten / die für dem Richterstuel Jesu Christi anders nicht / denn wie in der Concordiformul begriffen / die Lehr von der allenthalbenheit der angenomenen menschlichen Natur (welchs gedicht doch ein
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öffentliche verfelschung der Warheit ist) zuuerantworten / mit Hertzen / Feder / vnd Munde sich verpflichtet haben / noch hafftet. Denn der Knecht / der des HERRN willen weis / vnd thut jn nicht / der wird duppel streich dauon bekomen. Dagegen wir den Christlichen Leser zu Augustino selbst remittiren / der sich an vnzehlichen Orten wider die newen Concordisten / sonderlich aber in angezogener 57. Epistel ad Dardanum, pag. 176. dermassen erklert / das aus seiner Lehr die Vbiquitet des fleischs Christi nimermehr wird bewiesen werden können. Denn er klar daselbst das gegenspiel bezeugt / das nemlich der Leib Christi sein Wesen gar verlieren müste / wenn er zugleich an vielen / oder allen Orten sein solte. Sondern gewis ist er daselbst (spricht Augustinus) nemlich im Himel / von dan̅en wir seiner widerkunfft teglich erwarten. Philipp. 3. Vnd erklert diesen Spruch (das nicht folge / was in Gott ist / das es darümb / so wol als Gott / allenthalben sey) mit vnserm eigen exempel. Denn wir alle in Gott sind / leben / vnd weben / Act. 17. Wir sind aber nicht drümb mit Gott allenthalben. So er aber nur von vnterschiedener weis solt geredt haben / würde solchs der Sachen gantz / vnd gar zu wider gewest sein / dieweil Augustinus daselbst Dardanum vff seine Frag vnterrichtet / das wiewol im tod / vnd grabe / Christi Leib / vnd Seel von einander geschieden / vnd nicht an einem Ort beysam̅en gewesen / viel weniger der Leib / mit dem Wort allenthalben / im Himel / auff Erden /
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vnter der Erden / in der Hell / vnd im Paradis zugleich hab sein können / das nichts desto weniger die persönliche vereinigung darumb nicht getrennet worden. Sintemal dieselbige des natürlichen menschlichen Leibs in Christo Substantz nicht auffhebet / viel weniger verhindert / das der Leib sein eigenschafft / disposition / Ordnung / stell / gestalt / vnd proportion der gliedmassen behalte / obwol die Gottheit Himel / vnd Erden erfüllet. Durch diese erklerung wird vnsers gegenteils falsche gloss deutlich widerlegt. Sönderlich wenn man bedencket / das Augustinus eben mit vns / zum beweiss anzeucht / dieweil die natürlichen eigenschafften / so wol der Menscheit / als der Gottheit in Christo / durch die persönliche vereinigung nicht auffgehoben / vermischt / noch zerstöret werden / so könne Christus anders nicht / denn allein nach seiner Gottheit / allenthalben sein. Denn sonst die Warheit der menschlichen Natur verleugnet / vnd zu nicht werden müste. Diese meinung bestettigt auch Petrus Lombardus lib. 3. sententiarum, Distinct. 22. cap. vlt. Damit aber gleichwol vnserm gegenteil vff diese nichtige ausflucht / vnd kahles fündlein DE MODO (da sie fürgeben / die Menscheit sey auff ein andere weis / denn die Gottheit allenthalben) auch aus dem Concordibuch geantwortet werde / So bitten wir / sie wollen bedencken / was sie daselbst geschrieben / das nemlich alles durch vnd durch / voll Christus sey / auch nach der Menscheit. Wie aber / oder auff was weise? Nicht (sagen sie) nach der ersten leiblichen begreifflichen weise / sondern nach der vbernatürlichen göttlichen weise. fol. Concord. 313. b.
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Heisst denn / vff göttliche weise allenthalben sein / nicht eben so viel / als wie Gott selbst allenthalben sein. Wenn alles voll Christus sein sol / auch nach der Menschheit / so mus ja die Menscheit so wol / als die Gottheit / repletiuè allenthalben sein / vnd mit seiner substantz alles erfüllen. Was ist aber diß anders / denn de modo gesagt? Denn also erklerets D. Brentius de pers. vnion. fol. 7. b. Vbicunque est Deitas Christi, ibi secum habet etiam humanitatem suam: idque non LOCALITER, sed REPLETIVE. Item, contra Bull. Anno 61. fol. 10. Cum manifestum, & confessum sit, quòd diuina substantia Christi omnia im pleat: fieri non potest, quin omnes sana, & Christiana mente praediti fateantur, humanam etiam SVBSTANTIAM Christi omnia IMPLERE. Item, in recognit. fol. 244. betewert er hoch / das Er / vnd die seinigen gleuben / vnd bekennen / das Christus mit seinem LEIBE alles vff eine himlische weise / vnd nach art der Rechten Gottes erfülle / vnd allenthalbgegenwertig sey / das / wenn auch ein Engel vom Himel ein anders predigte / So wolten sie solchs verfluchen / vnd sprechen: Anathema Maranatha. Haecille. Dieweil sie auch sonsten durchaus fürgeben / das Christi Menscheit allenthalben sey nach art der Rechten Gottes. Die Rechten Gottes aber ist die Gottheit selbst / wie reimpt sich denn zusam̅en / das die Menscheit allenthalben sein sol / da die Gottheit ist / nach art der Rechten Gottes / vnd nach art göttlicher Natur / vnd das sie doch allenthalben sey / nicht auff die weise / wie die Gottheit?
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Das heisst sich ja selbst öffentlich confutiren / vnd confundiren / das ist (vff gut teutsch) in die backen hawen / welchs wir vnserm gegenteil nicht gönnen / sondern wuntschen jhnen saniorem mentem. Zu deme bekennen sie zwar selbst / es sey ein vnerforschlich geheimnis / WIE Christus nach beiden Naturen allenthalbgegenwertig sey Dieweil denn die weise / auff welche beides die Gottheit / vnd auch die Menscheit allenthalbgegenwertig sein sol / vnerforschlich ist; Wer hat jhnen denn eben offenbahret / ob die Menscheit auff gleiche / oder auff andere weis / denn die Gottheit / allenthalben sey? Wer hat sie gelehret / solche weisen der Vbiquitet zu vnterscheiden? Denn das Christus alles thun könne / was er wil / vnd sonderlich was er in seinem Wort verheissen hat / daran ist kein zweiffel. Wir begeren aber Schrifft / wo er verheissen hab mit seinem fleisch allenthalben zu sein / vnd wer jhnen eben gesagt / das zweierley weise der allenthalbgegenwertigkeit sey / ein andere nemlich nach der Gottheit / ein andere nach der Menscheit Christi? Wiewol nu ferner antwort alhie nicht von nöten / so wolle doch der Christliche Leser zu mehrer sterckung der rechten meinung / solgende Sprüchlein Augustim erwegen. Denn also redet er Tractatu 30. in Ioan. Donec seculum finiatur, sursum est Dominus; sed tamen hîc nobiscum etiam est Veritas Dominus. Corpus enim Domini, in quo resurrexit, in vno loco esse oportet; Veritas autem eius vbique diffusa est. Et tract. 78. A quibus homo abscedebat, Deus non recedebat. Etenim idem ipse Christus & homo, & Deus.
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Ergo & ibat (hoc est, abscedebat) per id, quod homo erat: & manebat per id, quod Deus erat. Ibat per id, quod in vno loco erat: manebat per id, quod vbique erat. Item: Homo Christus, secundum corpus in loco est, de loco migrat, & cùm ad alium locum venerit, in eo loco, vnde venit, non est. Deus autem implet omnia, & vbique totus est, nec secundum spatia tenetur locis. Et tractatu 106. Christus iuit ad dexteram Patris, vnde venturus est ad iudicandum viuos, ac mortuos, praesentia corporali, secundum fidei regulam, sanamque doctrinam. Nam praesentia spirituali cum eis erat, vtique venturus, post ascensionem suam, & cum tota Ecclesia sua in hoc muudo, vsque ad consummationem seculi. Quos enim reliquit absentia corporali, seruaturus est cum Patre, praesentia spirituali. Item, de essentia Diuinitatis: Sicut eundem Dei Filium, & Redemtorem nostrum secundum Diuinitatem inuisibilem, incorporeum, & incircumscriptum, sicut & Patrem, & Spiritum sanctum, non credere, impium est: ita eundem Dei Filium, in homine assumto, visibilem, corporeum, atque localem post resurrectionem non credere, & profiteri, est prophanum. Idem lib. 22. de ciuitat. Dei: Christus vbique est tanquam Deus, & in loco aliquo coeli propter veri corporis modum; cui immortalitatem dedit, naturam non abstulit. Item, Epist. 3. Quantumcunque sit corpus, vel corpusculu̅, vt loci occupet spacium, eundemque sic impleat, vt in nulla eius parte sit totum, necesse est.
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Item, Epist. 146. Ego corpus Christi ita in coelo esse credo, vt erat in terra, cum ascenderet in coelum; & quemadmodum ipse Christus discipulis de resurrectione ipsius dubitantibus ait; Palpate, & videte; Spiritus carnem, & ossa non habet. Et lib. de Vnit. & Trinit. cap. 2. Per id, quod Deus est; aequalis Patri, & vbique praesens est, & in coelo totus, & in terra totus, & in nullo continetur loco. Per id, quod homo; & passus, & mortuus est, & resurrexit, & ascendit in coelum, sedetque ad dexteram Patris; & sic veniet ad iudican du̅ viuos & mortuos, quemadmodum est ire visus in coelum, in eadem forma carnis, & substantia; cui profecto immortalitatem dedit, naturam non abstulit. Item, Serm. 140. feria 2. Paschae; Ideo Dominus noster absentauit se corpore ab omni Ecclesia, & ascen dit in coelum, vt fides aedificetur. Haec ille. Was folget hieraus anders / denn das die Vbiquitet den Christlichen Glauben nicht erbawe / sondern viel mehr vmbstosse / vnd zerstöre? Aber diser / vnd dergleichen Sprüche werden drunten im 39. argument mehr folgen. Itzt wolle der Christliche Leser zum beschluss dieses 21. arguments / in der furcht Gottes / nur dieses noch bey sich selbst behertzigen / wie die Christliche Kirchen von jhrer festen Burgk aus dem 46. Psalm singet. Denn wie wir singen / also gleuben wir auch: Nemlich / Das Wort sie sollen lassen stahn / vnd kein danck darzu haben: ER (der HERR Zebaoth / vnser Herr JEsus CHR Istus) ist bey vns wol auff dem plan / Mit seinem Geist / vnd Gaben.
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Ob dieser Lehr / vnd bekentnis sollen wir lassen den Leib / Gut / Ehr / Kind / vnd Weib / etc. vff das vns der Himel bleibe. Wie kan aber hiemit bestehen / das die Vbiquisten in jrem Concordibuch fürgeben / Es sey alles / durch vnd durch / voll Christus / auch nach der Menscheit?

Das zwey vnd zwentzigste Anhaltische Argument.
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DIe zwey vnd zwentzigste erinnerung /(XXII.) gehet auff das wort / Essentialiter, oder wesentlich / damit sie in der Praefation jhrer Concordiformul /(Fol. Apol. Erf. 88. a.) wie auch alhie in der Erfurdischen Apologien spielen / vnd meinen / es sey der Sachen gnug geschehen / wenn sie sagen / die menschliche Natur in Christo sey so wol / als die göttliche / almechtig / alwissend / allenthalben / aber nicht wesentlich / wie die Gottheit / sondern persönlich. Aber wir antworten noch / wie zuuor / das solche erklerung / der Sachen selbst / gantz / vnd gar zu wider ist. Denn erstlich kan mit nichten geleugnet werden / das die menschliche Natur nicht etwas persönlich in Christo ist / sondern etwas wesentlich ist sie in der ewigen Person des Worts / darumb was in derselbigen persönlichen vereinigung der beiden Naturn in Christo von der menschlichen Natur / in abstracto, gesagt kan werden / das hat sie eigentlich an jrem Wesen. Sols jhr aber vmb der persönlichen vereinigung willen mitgeteilt werden / so kan es anders nicht / denn in concreto geschehen / nach der Regel communicationis idiomatu̅ also genant / dadurch beiderley Naturn
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eigenschafft von der Person gesagt werden / ob sie gleich nicht von derselbigen Natur / von derer eigenschafft geredet wird / den Namen tregt. Wie Fulgentius bezeugt / lib. 3. ad Thrasim. Vnus, idemque Christus est, qui, quod humanum est, habet Deus, sed in veritate humanae: Et quod diuinum est, habet homo, sed in veritate diuinae naturae. Daraus folgt kein participatio, seu communicatio omnipotentiae, omniscientiae, & omnipraesentię cum carne: wie die Vbiquisten dichten. Zum andern / kan auch jhre gloss / da sie fürgeben / nicht wesentlich / sondern persönlich sey die Menscheit in Christo almechtig / alwissend / allenthalben / darümb nicht bestehen. Denn vber das / das der Menscheit hiedurch / auff gut Nestorianisch / ein besondere hypostasis zugeschrieben / vnd also die einigkeit der Person getrennet wird / dieweil die wesentlichen eigenschafft der Gottheit in Christo sollen der angenomenen Menscheit / wiewol nicht wesentlich / jedoch persönlich / vnd in der that mitgeteilt werden: So wird zugleich hiemit (wie offt gemelt / vnd mit keinem bestendigen grund kan widerlegt werden) das geheimnis der Menschwerdung des eingebornen Sons / von den Vbiquisten mit den Sabellianern / vff die gantze Dreyfaltigleit / die dadurch verleugnet wird / gezogen. Sintemal dieselbigen eigenschafften / nach welchen der Vater / Son / vnd heiliger Geist das aller einigste Wesen sind / vff die erschaffene Natur in Christo gedeutet werden / welche sich doch keiner Creatur thetlicher weis mitteilen lassen. Zum dritten / was kan vngereimpters erdacht werden / denn das Christi Leib persönlich / vnd mit der that /
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aber nicht wesentlich allenthalben sey? Ist denn nu Christi Leib etwa realiter, mit der that / da sein Natur / Substantz / oder Wesen nicht ist? Was ist denn ein Cörper one cörperliche substantz / vnd Wesen? So mus ja / jhrer eigen erklerung nach / im heiligen Abentmal (vmb welches willen sie / wiewol felschlich / vnd one grund / fürgeben / das man dieses gedichts de reali idiomatum communicatione nicht entperen könne) der Leib Christi nicht wesentlich / vnd demnach nur ein Marcionitischer scheinleib sein. Welchs freilich der aller grewlichste Sacramentschwarm / vnd in der that nichts anders / denn ein Stenckfeldische geistlerey / das ist / ein endliche verleugnung zugleich des warhafftigen Wesens / vnd der warhafftigen gegenwertigkeit des wesentlichen Leibs / vnd bluts Christi im heiligen Nachtmal verursacht. Dawider billig alle Christen einreden / vnd warnen solten. Belangend die Rede: Quod diuinae naturae per essentiam est, id humanae naturae per accidens communicari; Das ist: Was die göttliche Natur nach dem Wesen hat / das werde der menschlichen Natur zufelliger weise mitgeteilet / etc. wissen sie wol / das wirs jhnen nicht auffgedichtet:(Fol. Apol. Erf. 89. a.) wie sie es denn auch wider jhren danck bekennen müssen / da sie es von sich schieben wollen / vnd es dem autori (welcher im anfang jr Heupt war / dem sie alle heuchelten / nu aber von jnen selbst ausgemustert / so bestendig ist jr Concordia) zu verantworten befehlen. Verneinen derwegen / vnd beiahen einerley wider sich selbst / vff einem blat. fol. Apol. Erfurd. 89. Darumb der verstendige Leser vrteilen mag / was von jnen zu halten. Denn was sie verbaliter, mit dem Munde verwerffen /
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das asseriren sie realiter, mit der that / wie aus den folgenden argumenten ferner zuerkennen sein wird.

Das drey vnd zwentzigste Anhaltische Argument.
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(XXIII.) DEnn zum drey vnd zwentzigsten sie vnaufflöslicher weis bestrickt sind / da wir also geschlossen / vnd noch schliessen: Ist die Menscheit in Christo almechtig / alwissend / allenthalben / so ist sie es entweder von natur / oder aus gnaden. Von natur ist sie es nicht / wie sie selbst bekennen / (Fol. Apol. Erf. 89. a.) denn sie ist es nicht wesentlich. Das sie es aus gnaden worden sey / geben sie zu / jedoch excipiren sie / das solchs nicht per accidens, das ist / zufelliger weis zuuerstehen. Welchs gleichwol hiebeuor / vnd sonderlich im anfang dieses streits / jhre Lehr vnd meinung gewesen / wie aus jhren eigen streitbüchern zuerweisen ist. Dieweil es denn nu personaliter zuuerstehen sein sol / so fragen wir jtzt nicht allein / wie im vorigen argument angehört / was denn die menschliche Natur in Christo persönlich sey / oder hab? sondern dieweil personalis vbiquitas naturae assumtae nicht sol sein essentialis, aut substantialis vbiquitas, so gebürt jhnen zu beweisen / was denn in Christo eigentlich persona, oder personale quiddam sey / oder heisse / das doch nicht sey quiddam subsistens, sonderlich wenn es sol sein realiter alteri naturae communicabile, seu participabile.
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Diese terminos verstehet nicht ein jeder Leser / sondern nur die jenigen / so studieret / vnd den rechten grund dieser hohen Lehr in den Schulen gelegt haben. Dieweil denn solchs vnser gegenteil mercket / so fahen sie alhie / an stadt der solution / an zu digrediren in locum(Fol. Apol. Erf. 89. a.) communem, dadurch sie (jhrer Flacianischen gewonheit nach) inuehiren / vnd lestern die freye Künste / sonderlich Dialecticam, ohne welche doch in keiner facultet etwas fruchtbarlichs kan gelert / noch erkleret werden. Vnd wolten gern / wenn sie dürfften / wie jhr vorfechter gethan / den Bawersglauben erheben / damit man one einiges nachfragen sich alles vberreden liesse / vnd also würden wir bald ein schreckliche barbarey in allen Stenden haben / wie dieses Volck mit verachtung der freyen Künst / vnd verwüstung der Schulen gantz trewlich bißher dahin gearbeitet. Damit wir aber in öffentlicher Sachen nicht viel wort machen / so mag es dabey beruhen / das sie sich alhie selbst am besten abmalen / dieweil sie wider die Dialecticam disputiren / vnd also dieselbige edle Kunst (der sie selbst am aller beschwerlichsten / sehr greifflich / vnd gröblich misbrauchen / vnd zu jrem eigen tande nicht entrathen können) gern aus der Theologia gar ausgemustert sehen wolten. Denn sie wol erfaren / das sie mit warheit in keinem öffentlichen gesprech sich schützen könten / wenn sie vor vnparteilichen Richtern Syllogisticè, kurtz / vnd rund / ohne ausschwebende weitleufftigkeit / aus Gottes Wort mit sich (wie billig) solten reden / oder handeln lassen. Bestehet derwegen auch dieses argument noch auff vnbeweglichem festen grunde / Das nemlich die almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit der menschlichen
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Natur in Christo (so sie ja zugelassen / vnd gegleubt sol werden) entweder sey etwas wesentlichs / oder etwas zufelligs. Vnd dieweil sie wider sich selbst beides verleugnen (da sie doch zuuor also gelert haben / das es etwas zufelligs sey / welchs sie jtzt stracks verneinen / daraus jhrer Lehr gewisheit / vnd bestendigkeit zu ermessen ist) so werden sie in ewigkeit nicht furüber können / sondern mit vns die Warheit / wider jren willen / vnd danck / bekennen müssen / das es nemlich nichts / denn ein vergeblich gedicht / vnd trawme sey. (Fol. Apol. Erf. 89. b.) Denn das sie aus dem Spruch Cyrilli; Vnigeniti Dei proprium corpus existens omnia humana transcendit, also schliessen; Ergo etiam arborem substantię Solchs heisset zu viel auff einen bissen genomen / dieweil mehr in consequente ist / denn in antecedente. Ja / es nicht allein wider Cyrillum / sondern auch wider den einhelligen confens aller rechtgleubigen ist. Sintemal obwol in dem / der Leib Christi alle menschliche Leibe / ja aller Creaturn / auch der Engeln Natur / vnaussprechlicher weis vbertrifft / das er mit dem ewigen Wort persönlich vereinigt / vnd mit der volkomenheit aller Gaben für sich selbst gezieret / darzu das edle Lösegeld worden ist / welchs der eingeborne Son Gottes für vnser Leben gegeben / vnd bezalet hat / wie auch dieselbige angenomene menschliche Natur in Christo des ewigen siegs / vnd triumphs vns zu gut teilhafftig worden / in welcher sich zugleich das ewige Wort / für vnd für / als das Heupt der gantzen Gemein erzeigt / vnd beweisst: So hört doch nichts desto weniger Leib / vnd Seel in Christo keines wegs auff / vns an Wesen / Natur / eigenschafften / vnd wirckungen gleich zu sein. Ist demnach / vnd bleibt die
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angenomene menschliche Natur ein Creatur / vnd vermag aus der Ordnung der wesentlichen Geschöpffen Gottes nimermehr ausgeschlossen werden / man wolte denn öffentlich den Manicheern zuspringen / welchen freilich hiemit ein guter eingang gemacht ist / da vnser gegenteil in jhrer Erfurdischen Apologien fol. 89. vnbesonnen heraus fehret / vnd den Leib Christi ex arbore substantiae (welchen sie schimpfflich Porphyrianam nennen) ausschleusset. Verleugnen hiemit den artickel der Schöpffung / darein die menschliche Natur in Christo freilich mit Leib / vnd Seel / Augen / Ohren / Henden / Füssen / vnd allen gliedmassen gehöret. Vnd stercken der alten / vnd newen Manicheer lesterung / quòd caro Christi diuersae sit à nostra speciei; Oder (wie die newen Licentiaten zu Wittembergk Anno 80. disputirt haben) quòd corpus Domini tota definitione à nobis differat: siue (vt ipsorum verba retineamus) quòd impiè negetur, nouam corporis Christi ponendam definitionem, quae corpori Christi peculiariter applicetur: thes. 228. Dauon abermal der Christliche Leser die Collationem orthodoxam auffsuchen mag / pag. 244. 245. Daraus denn vnwidersprechlich folgen müste: quòd peccatum sit substantia. Wie mit folgendem Syllogismo, welchen wir den Substantialisten zu gut setzen / weil doch jhr Lehr / ob sie wol articulo primo verbaliter verworffen / gleichwol articulo octauo formulae Concordiae realiter, vnd sönderlich alhie von den Herrn Verfassern der Apologien zu Erfurd per exclusionem carnis Christi ex arbore substantiae, vffs newe confirmirt / vnd bekrefftiget wird. So können derwegen die Substantialisten wider die
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Vbiquisten also argumentiren: Quicquid in nobis naturae Christi assumtae non est consubstantiale, peccatum est. Corpus, & anima in nobis naturae Christi assumtae non sunt consubstantialia. Ergo; corpus, & anima in nobis ipsissimum peccatum sunt. Der erste Spruch bestehet fest / denn Christus hat die Sünde nicht angenomen. Der ander Spruch / wiewol er nichtig ist / beruhet er doch eigentlich vff der hypothesi der Erfurdischen Apologien / welche den Leib Christi aus dem praedicamento substantiae, darein wir mit Leib / vnd Seel / als erschaffene Creaturen Gottes gehören / ausschleusst / vnd stracks vnter die transcendentia zehlet. Darümb folgt das Manicheische paradoxum vnwidersprechlich / das die Sünde der menschlichen Seeln / vnd Leibs Wesen selb selbst sey / wie die newen Manicheer (denn also intituliren sie einander) reden. Werden derwegen die Substantialisten von den Vbiquisten vnbillig verdampt. Vnd kömpt dem Manicheischen traum auch dieses in der Vbiquisten Lehr zu hilffe / das sie in jrer Refutationschrifft wider vnser bedencken / pag. 61. dem menschlichen Hertzen viererley form / oder modos essendi zugeschrieben / vnd wollen dasselbig geschwetz physicè verstanden haben. Vnter welchen der letzte modus, nemlich cor intelligens, eigentlich ad conuersionem gehöret / vnd demnach physicam noui cordis creationem, welchs nichts anders / denn die Flacianische klotzbuss ist / erfordert / vnd in die Kirchen einfüret. Wie wir in vnser Apologia pag. 277. vor der zeit trewlich gewarnet / vnd erinnert / welchs aber diesen Leuten wenig zu hertzen gehet.
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Es schleusset aber vnser gegenteil ex arbore substantiae nicht allein die menschliche Natur Christi aus / gleich als wer sie nicht vnsers Wesens: Dagegen doch in codice sacri Romani imperij (der heiligen Bibel jtzt zugeschweige̅) de summa Trinitate anders nicht / denn das der Saluator sey homousios aeterno Patri secundum Deitatem, & nobis secundum naturam assumtam, zu gleuben sancirt / vnd gebotten: Sondern Gott / vnd die Personen der heiligen vnzerteilten Dreyfaltigkeit / sollen auch weder essentia, noch subsistentia sein. Denn weil sie stracks / vnd simpliciter ex(Fol. Apol. Erf. 89. b.) arbore substantiae von jhnen excludiret werden / so können sie der keines sein / oder bleiben. Verleugnen also die bißher gebreuchliche / vnd in der Kirchen approbirte definitiones, oder beschreibung / beide Gottes / von dem man sagt: Deus est essentia; vnd der dreyen Personen in Gott / welche sind vnterschiedene hyphistamena, oder subsistentia. Gleich als were es wider den Christlichen Glauben / vnd müste notwendig folgen / dieweil Gott ist Ens entium, wie die Philosophi reden / Oder , wie die alten Kirchenlehrer bey den Griechen geredet: das man darumb dieselbige perfectissimam, & incompraehensibilem essentiam Dei nicht vber alle seine Geschöpffe erheben / vnd demnach in arbore substantiae die öberste dignitet / vnd Ehre / wie sonst im hohen artickel von der Schöpffung geschicht / welcher fürnemlich in praedicamento substantiae erkleret wird / dem Schöpffer / vnd Erhalter aller dinge nicht zuschreiben dürffe. Ja / es ist an diesem allem noch nicht gnug / sondern das mysterium vnionis duarum naturarum in Christo hypostaticae, sol auch in praedicamento nullo sein. So doch
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beide / Mysterium, vnd miraculum, gehören ad actiones Dei partim ordinarias, partim extraordinarias. Wie denn oeconomia Verbi incarnati respectu formae ein mirackel ist / respectu finis ein mysterium. Ob nu gleich aus der Vernunfft / ex regulis Dialecticis, aut physicis, dieses hohen wunderbaren geheimnis keine vrsach können angezeigt werden / so folgt darumb nicht / das Gottes Werck in praedicamento nullo sein. Wie auch diese scharffsinnige Theologen / denen die freyen Künste so hoch zu wider sind / das sie aus der Dialectica wider die Dialecticam syllogiziren / hiebey vernünfftig solten bedacht haben / das / wiewol die accidentia absoluta, als quantitas, vnd qualitas, in Gott nicht stadt haben / gleichwol jm accidentia relatiua von der Schrifft zugeschriebe̅ werde̅. Ob nu personalis vnio duarum naturarum in Christo nicht sey relatio, wie die assumtio naturae humanae in hypostasin Verbi ist actio quaedam totius Trinitatis terminata in solius Filij persona; Diß mügen sie mit Thoma, vff den sich D. Johan. Matthaeus / professor zu Wittembergk / sönderlich berüffet / vnd mit andern scholasticis Doctorib. ausfüren. Wir kön̅en jnen zugefallen nicht zugleich die principia Theologiae, vnd artium verwerffen: Sondern bleiben viel mehr bey der distinction Augustini inter opera Trinitatis ab extra, & intra. Dieweil denn incarnatio Filij ist opus Dei ab extra, so ists ein actio Dei assumentis naturam nostram in vnitatem secundae personae Trinitatis. Hieraus werden die Catechumeni wider vnser gegenteil (welchem wir solche grobheit nicht gönnen / das sie das axioma catholicu̅: Quicquid est in reru̅ natura, vel est substantia, vel accidens; aus der Theologia mit solche̅ trunckenem geschrey / als weren sie voll süsses mosts / on / ja wider
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alle vernunfft / sinn / vnd witz / ausmustern / vnd verwerffen) leichtlich schliessen / in quo praedicamento sit admirabile illud Verbi incarnati mysteriu̅. Vnd werde̅ freilich an vnser stadt den Herrn Verfassern der Erfurdischen Apologien antworten: Aduersus negantes principia, tanquam aduersus furiosos, non esse disputandum. Dieweil sie den̅ die Regel: Quicquid est in reru̅ natura, vel est substantia, vel accidens; welche wir in vnser Apologia pag. 324. in diesem 23. argument loco maioris, gleich als zum fundament gebraucht / nicht können vm̅stossen (den̅ es müste sonst die gantze Ordnung der Natur zerrüttet / vnd der artickel von der Schöpffung gantz / vnd gar vm̅gekeret werden) so lasst vns nu auch die andere propositio̅ / Minore̅(Fol. Apol. Erf. 90. a.) genant / betrachten / da sie fürgeben / das die realis communicatio idiomatum weder substantia, noch accidens sey. Das erste zwar / das sie kein substantz sey / bedarff vnsert halben nicht beweisens. Jedoch mögen sie alhie zusehen / wie sie sich dißfals mit den newen Licentiaten zu Witembergk vergleichen / welche in jhrer disputation Anno 80. de persona Christi, thes. 74. die communicationem idiomatu̅ definiren / quòd sit res verè existens. Denn hieraus eigentlich / vnd vnwidersprechlich folgen mus / dz solch jr gedicht / das sie realem communicationem idiomatum nen̅en / nicht allein in gemein ein substantz / sodnern dieser jhrer erklerung nach / substantia prima, das ist / quiddam in Christo indiuiduum, & singulare sey. Nach der Regel / welche durch keine sophisterey kan geschmehlert / noch vmbgestossen werden: Omne quod est, seu reuera existit; eo ipso, quòd est, seu reuera existit, singulare est. Dieweil denn communicatio idiomatum realis ist
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etwas / das in Christo vff die persönliche vereinigung der beiden Naturn / vnd aus demselbigen wundergeheimnis folget / vnd sol gleichwol sein res verè existens, das ist / Singularis, oder indiuidua, so mus es substantia prima sein / welchs in vernünfftigen Creaturn / wie die Menscheit Christi ist / eigentlich ein hypostasis, oder Person für sich / oder ein stücke / vnd theil der Person sein mus. Also wird (jrem gedicht nach) aus der persönlichen vereinigung beider Naturn in Christo / noch ein andere Person / Oder zum wenigsten / vber die zwo vnterschiedene Naturn / aus vnd in welchen Christus / vnd die an / oder in Christo sind / vnd bestehen (wie die alten orthodoxi geredet haben / ) noch etwas drittes / tanquam res verè existens, & realiter omnipotens, omnipraesens, atque omnisciens, vnwidersprechlich folgen. Welchs noch viel ein grösser monstrum opinionis ist / denn Nestorij schwarm jemals hat werden / noch sein können. Vff die Regel: Qualis est vnio, talis etiam est communicatio (welcher alhie von vnserm gegenteil abermal gedacht (Fol. Apol. Erf. 90. a.) wird) haben wir hiebeuor Nazianzeni / vnd Theodoreti erklerung angehört: Das sie nemlich weiter nicht / denn vffs concretum gehet. Daher Theodoretus sagt: Vnio facit communia nomina: Das ist (nach des Herrn Lutheri dolmetschung) wie die Naturn mit einander vereinigt sind / also verwechseln sich auch die Namen. Dieweil denn aus der Menscheit nicht die Gottheit / noch hergegen aus der Gottheit die Menscheit worden ist / so kan man auch keiner Naturn eigenschafft von der andern Natur / in abstracto praediciren / sondern sie gehören beiderseit einer Person zu / in welcher die vnterschiedene Naturn vereinigt sind.
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Sicut enim naturae vnitae sunt (spricht Nazianzenus) ita earun dem attributa permutantur. Dabey wirds wol bleiben. Im fall sie noch nicht zu frieden sein können / so mögen sie eben mit dieser Regel / die sie widersinnisch anziehen / vberwiesen werden / das sie (vngeacht / was sie bedingen / denn es sind doch lauter protestationes contrariae facto) communicationem idiomatum essentialem hiemit wider sich selbst beiahen / vnd setzen. Denn sie nicht in abrede sein können / das dieselbige vereinigung in Christo (welche respectu termini, in quo fit vnio, heisst / vnd ist personalis) von den alten orthodoxis, respectu concurrentium ad illum terminum vnionis personalis, etwan auch naturalis, essentialis, vnd substantialis genent wird. Wie wir in vnser Defension wider D. Johan Matthaeum augenscheinlich erwiesen. Mögen sich derwegen die Herrn Verfasser wol fürsehen / das sie nicht in den andern anathematismum Cyrilli impingiren / dieweil sie in jrer newen Apologien stracks das gegenspiel setzen / nemlich die persönliche vereinigung sey nicht substantialis, fol. 90. noch essentialis, fol. 91. Denn eben dieses hat die Christliche Kirchen an Nestorio verdampt / wie Theodorus Rhaetensis bezeugt / pag. 13. Da er also spricht: Rursum verò Ecclesia minimè probat, vt ex Pauli, & Theodori, & Nestorij sententia duas in Christo naturas simpliciter dicamus, sed duas naturas Essentialiter vnitas: qua adiectione omnem eum sensum, quo naturae dirimuntur, & quotcunque verè excellentem, & admirabilem hanc vnitionem disiungere aggrediuntur, repudiat: duasque naturas significat non modò essentialiter vnitas, sed etiam ea vnitione, quae vnicam hy
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postasin citra vllam diuulsionem, & confusionem efficit. Haec ille. Hieher gehört auch das dritte capitel / im dritten buch Damasceni de fide orthodoxa, von anfang biß zum ende. Da vnter andern diese schöne erklerung vnserm gegenteil öffentlich widerspricht: Substantialem dicimus vnionem, hoc est, veram, non secundum phantasiam, apparentiamque fallacem. Substantialem autem, non quòd ex duabus naturis vna perficiatur natura, sed quòd vnitae sint ad inuicem secundum veritatem, in vnam compositam Filij Dei hypostasin. Et earum substantialem differentiam astruimus saluari: nam creatum mansit creatum, & increatum increatum; & mortale manebat mortale, & immortale immortale; & circumscriptum circumscriptum, & incircumscriptum incircumscriptum; visibile visibile, & inuisibile inuisibile. Hoc autem miraculisclaret, illud iniurijs suabiacet. Bißher Damascenus. So vrteile nu der Christliche Leser / welchem Teil mehr beyfal zu geben / vns / die wirs mit Damasceno / vnd allen rechtgleubigen halten / oder dem gegenteil / von welchem Damasceni meinung dißfals gar verleugnet wird. Das aber zum andern dieselbige jhre communicatio idiomatum realis auch kein accidens, oder nicht accidentalis (Fol. Apol. Erf. 90. a.) sey / vnterstehen sie sich aus der Regel zubeweisen / quia in Deum non cadat accidens. Verschweigen vnter deß (wie vor gemelt) wissentlich / das zweierley accidentia sind / absoluta, vnd relatiua, wie man in Schulen redet: vnd das derselbige Spruch sich weiter nicht / denn vff die absoluta erstrecke. Derwegen der beweis alhie mangelhafftig / vnd nichtig befunden wird.
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Zu setzen aber / vnser gegenteil hab recht / das nemlich die vbiquitet / oder allenthalbenheit weder etwas wesentlichs / noch zufelliges in der menschlichen Natur Christi sey / bestehe auch weder zufelliger / noch wesentlicher weise / denn in diesem sind wir mit jnen einig. Dieweil denn vber diese beide / kein drittes gezeiget kan werden / dahin solche vbiquitet gehörte / so werden sie ja den schluss wider jren danck müssen stehen lassen / das es (wie sie selbst reden) ein blosses gedicht / vnd traum jhres(Fol. Apol. Erf. 90. b.) eigen gehirns sey / was sie von der vbiquitet der menschlichen Natur Christi fechten / oder dichten. Bleibt demnach diß Argument noch fest / vnd vnbeweglich.

Das vier vnd zwentzigste Anhaltische Argument.
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ALso ist jhnen vnmüglich / das vier vnd(XXIV.) zwentzigste Argument auffzulösen / geschweigen vmbzustossen / in massen sie es auch stilschweigend vbergehen / welchs wir demnach nicht vnbillig / als für bekant annemen. Es beruhet aber vff der vnwidersprechlichen Regel der ewigen vnwandelbaren göttlichen Ordnung / vnd Warheit / das man von einem ding nicht zugleich ja / vnd nein sagen könne. Darumb schliessen wir nochmals: Was eigen ist / das ist nicht gemein / vnd was gemein wird / das bleibt nicht eigen. Die almechtigkeit aber / alwissenheit / vnd allenthalbe̅heit /
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sind der ewigen göttlichen Natur wesentliche / vnwandelbare eigenschafften / one welche das göttliche Wesen nichts wer. Derhalben können sie der menschlichen Natur nicht (wie vnser gegenteil felschlich lehret) in der that mitgetheilt werden / sonst müste vnwidersprechlich folgen / das sie nicht der Gottheit eigenschafften blieben. Denn was in der that der menschlichen Natur in Christo / aus gnaden / oder geschencks weis sol mitgeteilt worden sein / obswol derselbigen wesentliche eigenschafft nicht wird / so höret es doch auff / der Gottheit eigen zu bleiben. Vnd ist hie nicht die Frag / ob proprium fieri, vnd communicari (wie sie fol. Apol. Erf. 79. phantasieren) ein ding sey? Denn das kan ein jeder vnterscheiden. (Wiewol ein Doctor aus der Vbiquisten schar / mit Namen VVolfgangus Peristerus, der sich inspectorem Dioecesis Landesbergianae in noua Marchia schreibt / vnter andern vielen vngereimpten opinionen / als da er fürgibt / wenn man von der almechtigkeit Christi redet / so sey gantz / vnd gar kein vnterscheid inter hominem, & humanitatem, quemadmodum nec inter Deum, spricht er / & diuinitatem. Item; In persona Christi, nullum prorsus abstractum concedendum esse, &c. Auch dieses Paradoxum vnlangst / durch öffentlichen Druck / in die Christenheit ausgestrewet / vnd spargiret hat: Diuina natura in Christo communicat, seu communia, ac PROPRIA sibi facit omnia idiomata, quae sunt humanitatis naturalia, siue propria: Et vicissim humanitati communicat sua idiomata, seu proprietates suae diuinae naturae, easque humanitati facit PROPRIAS. Item: communicatum esse, heisset bey jhm so viel / als in
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proprietatem datum esse. Vnd das sol der Concordiformul eigentliche meinung sein.) Sondern die Frage ist / Ob beysammen bestehen könne / Einer Natur wesentliche eigenschafft sein / vnd bleiben / vnd doch zugleich der andern Naturn in der that mitgetheilt / vnd zu gemeinem besitz / nutz / vnd gebrauch vbergeben werden? Man fragt auch nicht / Wie? Sondern / ob solchs geschehen könne? das An sit; solt man beweisen / so würde sich das Quomodo? hernach von sich selbst wol finden. Denn vnser grund ist / das Ja / vnd Nein / von einerley Sachen nicht bestehen könne. Dabey wirds wol bleiben. Wer aber wider die öffentliche Warheit fechten wil / den müssen wir Gottes Gericht erwarten lassen.

Das fünff vnd zwentzigste Anhaltische Argument.
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ZVm fünff vnd zwentzigsten / bemühen sie(XXV.) sich vber die massen sehr (aber gantz vnd gar vergeblich)(Fol. Apol. Erf. 90. b.) zu beweisen / das etwas anders sey physica, vnd etwas anders Realis communicatio idiomatum. Dagegen beruhet vnser grunde / das Realis, vnd physica communicatio idiomatum einerley sey / Ersilich vff vnsers gegenteils eigenen schrifften / darinn sie solches mit klaren deutlichen worten bekennen / vnd lehren / wie wir in vnser Apologia pag. 326. vnd pag. 328. augenscheinlich erwiesen. Dieweil sie denn solchs nicht verneinen können / vnd D. Selneckers wort mit sind angezogen / da er hiebeuor
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recht geschrieben / wenn man die communicationem idiomatum stracks für realem defendire / so werde dadurch die Eutychianische vermischung der Naturn eingefürt / der vnterscheid zwischen der persönlichen vereinigung / vnd daraus erfolgten communication der eigenschafften auffgehoben / vnd der Antitrinitarier lesterung von dem vergötterten Christo / vnd mit allen göttlichen eigenschassten gezierten Menschen gesterckt / vn̅ befürdert / etc. So hette jnen ja hierauff im Weinfass zu antworten gebüren wollen. Zum andern / vberweisen wir sie mit jhren eigen gleichnissen. Denn dieweil die göttlichen eigenschafften der menschlichen Natur in Christo also mitgetheilt werden sollen / wie Leib / vnd Seel im Menschen: Item / Fewer vnd Eisen in der Schmidässe / gemeinschafft mit einander haben / welche sie selbst ein natürliche communication nennen / so bedürffen sie ferner vberzeugens nicht / das realis, vnd physica idiomatum communicatio einerley sey. Zum dritten / haben wir sie albereit aus jhrer eigen Regel vberzeugt. Denn weil Cyrillus darauff Nestorio das anathema verkündigt / das er vnionem in Christo naturalem, seu physicam respectu concurrentium in eandem Verbi hypostasin verworffen / sie aber stracks / sine exceptione, vel limitatione darauff dringen: Qualis vnio, talis communicatio; So können sie nicht furüber / jre realem idiomatum communicationem auch physicam zu nennen / wo sie nicht wissentlich von Cyrillo als Nestorianische Ketzer / darumb das sie naturalem in Christo vnionem negiren / verdampt sein wollen. (Fol. Apol. Erf. 92. b.) Zum vierten / treiben sie selbst jr gespött / vnd gauckelwerck (denn also reden sie) mit dem wort Reale, vnd
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wolten andere gern bezichtigen / vnd verdechtig machen / als giengen sie mit teuscherey (wie sie auch zu diesem wort /(Fol. Apol. Erf. 92. a.) sonst den Spitzbuben bekant / vnd gebreuchlich / lust haben / vnd also reden) oder mit betrug vmb: So doch die praefation der Meintzischen Jesuiten disputation sie selbst mehr / denn einerley betrugs in dieser hochwichtigen Sach vberzeugt / welchs sie wissentlich vnuerantwort / vnd demnach für bekant vff sich lassen. Dazu was sie an jrem gegenteil carpiren / müssen sie selbst wider jhren danck recht sprechen / in dem sie approbiren / was in responsione ad quaestionem pueri de communicatione idiomatum, Anno 70. zu Witembergk gedruckt ist / das nemlich das wort Reale so fern(Fol. Apol. Erf. 92. b.) geduldet werden könte / wenn es opponirt werde ei, quod est fictum, imaginarium, vnd nur ein blosser Name / oder Titul / sine rei veritate. Dieweil sie denn hiemit zu frieden / so werden sie ja mit keinem wort beweisen können / das wir in diesem verstand realem idiomatum communicationem jemals verworffen. Vnd zweiffeln gar nicht / das wir newlich / in vnser Defension wider D. Johan Matthaeum / allen liebhabern der Warheit gnug gethan / da wir bald im eingang / vmb mehrer richtigkeit willen / die drey wörtlein / was da heisse Communicatio; item, reale; vnd verbale; weil sie nicht vff einerley weis gebraucht werden / deutlich erklert / vnd vnterscheidet haben: dahin wir nochmals / geliebter kürtze halben / den Christlichen Leser remittiren. Zu̅ fünfften / beken̅e̅ die Herrn Verfasser der Apologie̅ zu(Fol. Apol. Erf. 90. b.) Erffurd / mit hellen / deutliche̅ / klare̅ worten / dz inter verba, vnd Res (wie sie rede̅) kein mediu̅ sey. Wie kan den̅ inter verbale̅, vnd realem idiomatu̅ co̅municatione̅, noch ein media,
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oder tertia sein / nemlich / essentialis, seu naturalis, oder physica? Denn sie ja so vnuerstendig nicht sein / das hiemit von jhnen selbst / inter verba, & res, ein tertium, oder medium gesetzt werde. Dagegen jnen vnmüglich / die Regel vmbzustossen: Quod in rebus est , id est in verbis veritas: was in der Natur die Sach selbst ist / das ist in der Rede die Warheit. Veritas enim orationis, est congruentia verborum cum re ipsa: das ist / die Warheit in der rede ist / wenn wort / vnd that mit einander vbereintreffen. Darumb heisst es: Eatenus vera est oratio, quatenus res est vera: So fern ist die Rede war / so fern sich die Sach also verhelt / wie dauon geredet wird. Nam ab eo (spricht Aristoteles in Categorijs) quod res est, vel non est, oratio dicitur vera, vel falsa. . Wenn nu Reale das jenige heissen sol / welchs warhafftig geschicht / vnd in der that also ist / vnd kein blosser Name / Titul / noch gedicht ist / wie man sonsten zusagen pflegt / re vera, verè, oder wie Athanasius / vnd andere reden / , das ist / das nicht traum / oder phantasey / vel quiddam imaginarium, & fictum, , allein ein blosser / oder lediger Name / vnd Titul sey (wie sie an jtztgemeltem Ort jhrer Apologien (Fol. Apol. Erf. 90. b.) prechtig dauon zu reden wissen) so mus es ja auch Grammaticè, oder Dialecticè mit solcher form zu reden ausgesprochen werden / damit es der Sachen selbst nicht zu wider / vnd demnach blosse wort seyen. Dieweil denn die Vbiquisten von der menschlichen Natur Christi das reden / das sich in warheit / vnd mit der
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That zu derselbigen nicht reimet / als / das sie Gott sey (denn also wer sie kein Creatur) das sie alles im Himel / vnd auff Erden schaff / erhalt / vnd regiere (die sich doch selbst weder erschaffen hat / noch erhelt) Item / das der Leib Christi / wie er auff Erden raum geben / vnd genomen / vnd also wider komen wird / nicht in Gott sey (viel weniger würde er solcher gestalt des Sons Gottes eigener Leib sein / zu geschweigen / das der Herr der Ehren sich für vns hette können creutzigen lassen / noch als des Menschen Son das Gericht dermassen würde halten können) Item / das Christi leib im Abentmal anders nicht / denn wie der klang in der wande / oder das Licht / vnd gesicht in der Crystalln ist / gegenwertig sey (denn hiedurch die warhafftige / wesentliche / leibliche gegenwertigkeit / vnd niessung des waren Fronleichnams / vnd seines tewren rosenfarben Bluts gar in ein Schwenckfeldische Sacramentirische geistlerey verwandelt würde) Item / das es alles durch vnd durch / voll Christus sey / auch nach seiner Menscheit (denn hiedurch die gantze Historien von Christo in ein Marcionitische phantasey verkeret würde) vnd was dergleichen vngereimbter Reden mehr sind: So folgt ja vnwidersprechlich / das der Vbiquisten gedicht de reali idiomatum communicatione nichts mehr / denn blosse wort / vnd lehre Titul sind / die sich mit der that viel anders halten / vnd nicht vnbillig mit der Regel Cassiani refutirt werden: Non minoris erroris est, Domino nostro I. C. impropria addere, propria derogare. Quod enim non ita dicitur, vt est; etiamsi honor videatur, iniuria est, Das ist / Es ist gleich so wol jrthumb / Christo / was jm nicht gebürt / geben / als das jhm gebürt / nemen.
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Denn was anders von jhm geredet wird / als sichs in warheit verhelt / ist eine schmach Christi / obs jm schon für ein Ehr zugemessen wird. Zum Sechsten / die zwey argument betreffend / welche (Fol. Apol. Erf. 91. 92.) wir jhnen zu Hertzbergk haben opponirt / setzen sie alhie wol ein lange Predigt dawider / widerlegen aber so gar nichts / das sie auch vnser meinung wider jhren willen bestettigen.

SEQVVNTVR ARGVMENTA DVO, Hertzbergae Vbiquistis opposita. 23. Augusti. Sessione istius colloqui quinta, hoc est, antepenultima: post merid. Anno 1578.
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Es helt sich aber die Sach also / Nach dem sie vff vnsere Frage im colloquio zu Hertzbergk (was denn für ein vnterscheid sey zwischen der reali, vnd physica idiomatum communicatione, dieweil sie jene asserirten / diese aber verwürffen) nichts mehr zu antworten wusten / denn das gleichsfals in dem allerhöchsten Artickel der heiligen Dreyfaltigkeit die drey Personen wol realiter, aber nicht essentialiter vnterschieden weren: So haben wir aus diesem jrem eigen bericht / vnd gegebener antwort / tanquam ex hypothesi, diese zween Syllogismos damals ex tempore wider sie gesetzt / damit anzuzeigen / das sie wider sich selbst redeten / vnd eben mit dieser antwort zugleich den vnterscheid der beiden Naturn Christi in ein trennung der Person / vnd die enigkeit der Person in ein vermischung der Naturn verkereten / das ist / nicht allein Nestorij / sondern auch der Monophysiten lesterung in die Kirchen einfürten. Wir stellen aber dem verstendigen vnparteyschen Christlichen Leser nochmals das Vrteil aus Gottes wort frey anheim / ob wir recht / oder vnrecht geschlossen / wie folget.
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PRIMVM ARGVMENTVM Hertzbergense.
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Denn erstlich / ist bey allen rechtgleubigen vnwidersprechlich(Fol. Apol. Erf. 91. a.) war / vnd bekant / das diese zwey wörtlein (essentialiter, vnd realiter) wesentlich / vnd thetlich; im geheimnis der heiligen Dreyfaltigkeit / souiel zwar dieselbige allereinigste einigkeit der göttlichen Natur / sampt allen wesentlichen eigenschafften des Vaters / Sons / vnd heiligen Geists betrifft / keinen vnterschiedenen verstand in sich haben / sondern (wie die compendiaria fidei orthodoxae explicatio Anastasij Patriarchae Theopolitani, vnd Cyrilli Alexan drini lehret) Essentia, natura, item forma, sunt vna, & eadem res. Souiel aber die drey Personen in Gott anlanget / haben dieselbige zwey wörtlein / essentialiter, vnd realiter, das ist / wesentlich / vnd thetlich / nicht einerley / sondern jhren vnterschiedenen verstand / darum̅ das der Vater / Son / vnd heiliger Geist / wiewol sie keins wegs drey vnterschiedene Natur / oder Wesen / jedoch drey vnterschiedene Person sind. Dieweil denn in Christo nicht zwo vnterschiedene Person in einerley Natur / sondern viel mehr zwo Naturn in einer Person sind / so kan mit keinem grund bewiesen werden / das die göttliche Maiestet / almacht / alwissenheit / vnd allenthalbenheit des ewigen Worts sol der angenomenen Menscheit in der that / vnd doch nicht wesentlich mitgeteilt sein / sönderlich dieweil dieselbigen eigenschafft der ewigen Gottheit in der that von dem göttlichen Wesen mit nichten pflegen / noch vermögen vnterschieden zu werden. Können derwegen die Vbiquisten nicht furüber / ent
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weder mit vns / vnd allen rechtgleubigen / so wol realem, als physicam communicationem idiomatum zu verwerffen / oder wider die öffentliche Warheit zugleich mit einander alle beide zu asseriren / sönderlich dieweil sie selbst bekennen / das reale eben so viel heisse / als / ; welche erklerung freilich cuiuslibet rei naturam, & essentiam, eines jeden dings Natur / vnd Wesen / mit begreiffet / vnd mit nichten ausschleusset. Vnd also / wo fern sie auff jhrem gedicht verharren / werden sie endlich den Nestorianern so wol / als den Monophysiten vnwidersprechlich zuspringen müssen / dieweil aus der physica, das ist / reali idiomatum communicatione in Christo folget / nicht zwar aliud, & aliud, cum personae identitate; sondern viel mehr alius, & alius, cum identitate naturae, seu essentiae: das ist / der Naturn vermischung / vnd der Person trennung. (Fol. Apol. Erf. 91.) Vff diß argument antwort vnser gegenteil durch ein gantz bogen blat / welches Sum̅a / vnd Inhalt ist / concessio praemissarum, & negatio consequentiae rectè ex praemissis extructae. Den ersten / vnd andern Spruch können sie nicht straffen / sondern bestettigen sie viel mehr / vnd leugnen doch den schluss / der in ördentlicher consequentz daraus folget. Das mus Niemand thun (sagt D. Lutherus im buch von den Concilijs) denn gar ein vnuerstendiger / der kein Vernunfft hat / oder ein verzweiffelter Spötter. Das sie aber von der Dolmetschung / die vnser / ja (Fol. Apol. Erf. 91. b.) aller rechtgleubigen vnwidersprechliche meinung in maiore von dem vnterscheid der beiden wörtlein (essentialiter, vnd realiter) nicht gnugsam erreicht hat / ein gros zettergeschrey inseriren / gibt vns nichts zuschaffen / dieweil wir kein schuld
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daran haben / vnd die Sach an jhr selbst deutlich gnug ist. Sie solten aber auch dißfals / falsch gezeugnis wider jhren vnschuldigen Nechsten zuuerhüten / der erinnerung jrer Brüder / vnd getrewen Consorten zu Hall ingedenck gewesen sein / welche in jhrer Censur vff die Erfurdischen Apologien diesen vorwurff also verantworten: Desgleichen (sagen sie) wird (verstehe / folio Apol. Erf. 91.) der Anhaltiner argument gesetzt: vocabula (essentialiter, & realiter) differunt: &c. Da sol jhr geharnischter Dolmetscher geben haben / im geheimnis der Dreyeinigkeit sind die Personen wesentlich / vnd mit der that vnterschieden / dieweil sie einer Natur / oder eines Wesens sind. Es stimmen aber die erste / vnd andere edition dißfals nicht vberein / auch ist es besser gesetzt in der andern edition / als in der ersten. Derwegen könte dieses / was dem Dolmetscher zugemessen wird / vnsers erachtens wol aussen gelassen werden. Bißher jhre wort / daraus zusehen / das sich vnser gegenteil alhie mehr jre affection / denn die Warheit hat regieren lassen.

SECVNDVM ARGVMENTVM Hertzbergense.
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Zum andern / weil in gegenwertigem streit de communicatione idiomatum reali vff nichts anders / als vff das jenige / das sonsten in Christo wesentlich / vnd in der that vnterschieden ist / gesehen wird (denn man redet von der thetlichen mittheilung der göttlichen eigenschafften ins fleisch / nach welchen eigenschafften die Gottheit wesentlich / vnd in der that von der angenomenen Menscheit Christi / als die Schöpfferin vo̅ jrem geschöpffe vnterschie
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den ist) So kan ja nicht bestehen / das die beide Naturn in Christo wesentlich / vnd in der that / was die eigenschafften betrifft / von einander vnterschieden / vnd zugleich die menschliche Natur der göttlichen eigenschafft / obwol nicht wesentlich / jedoch in der that (realiter) teilhafftig worden sey. Sönderlich dieweil in dem geheimnis von der allerheiligsten Dreyeinigkeit Gottes / die realis distinctio personarum nicht gehet vff das jenige / das zugleich realiter, vnd essentialiter Gott Vater / Son / vnd heiliger Geist vnter sich gemein haben / Söndern viel mehr vff das jenige / nach welchem Vater / Sohn / vnd heiliger Geist / sind warhafftig / vnd in der that / alius, & alius; ob sie wol mit nichten sein / noch sein können aliud, & aliud. In Christo aber ist beides / realis distinctio, vnd realis communicatio vff einerley obiect der natürlichen göttlichen eigenschafften gericht / das nemlich / vermöge dieser opinion / die menschliche Natur / nach denselbigen göttlichen eigenschafften / als da sind almacht / alwissenheit / allenthalbenheit / glori / vnd Maiestet / zugleich von der Gottheit vnterschieden / vnd nicht vnterschieden sein sol. Nur das man es mit dieser nichtigen / vnd in sich selbst widerwertiger gloss / oder farb zu beschönen sich bemühet / nemlich / die distinctio idiomatum vtriusque naturae sey zugleich realis, vnd essentialis, thetlich / vnd wesentlich: die communicatio aber idiomatum, sey wol realis, jedoch nicht essentialis. Item / das one grund / vnd der Sachen selbst zuwider fürgegeben wird; die distinctio begreiffe beider Naturn idiomata; die communicatio aber / die in der that geschehe / sey nur vom fleisch Christi zuuerstehen / welchem die göttlichen eigenschafft widerfahren / vnd aus
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gnaden mitgeteilt worden; nicht aber der Gottheit die menschlichen eigenschafft. Das nu der letzte behelff nichts sey / ist daraus abzunemen / das die alten rechtgleubigen Lehrer diesen Canonem, oder Regel / so da heisst communicatio idiomatum, durchaus alternatiuè, vnd reciprocè (, wie Damascenus redet / lib. 4. cap. 19.) verstanden haben / so wol von der göttlichen / als von der menschlichen Natur. Denn wie der erschaffenen Naturn eigenschafft / Wirckung / vnd Leiden dem HERrn der ehren zugeschrieben werde̅ / also werden die göttliche Krafft / Herrligkeit / vnd Wirckungen dem Son Mariae zugeschrieben: per modum alternationis, wie es die alten genennet haben / nach der schönen auslegung Damasceni / lib. 3. cap. 4. welches gantze capitel hieher gehöret. Vnd sind beiderseit nicht blosse Titul / oder Namen / sondern ist die ewige Warheit / das der HERr der Ehren für vns gecreutziget / vnd der Son Mariae Himel / vnd Erden erschaffen hab. Denn Christus ist beides / Gott / vnd Mensch / in einer Person / obwol jenes nicht von der Gottheit / noch dieses von der Menscheit kan / oder sol verstanden werden. Der erste behelff aber ist nichts / denn ein vergebliche petitio principij, vnd mangelt jhrem fürgeben nur an beweis. Derwegen es bey vnserm argument / so wir jhnen zu Hertzbergk auch in diesem stücke opponirt haben / wol bleiben wird. Als nemlich / Contrariorum eadem est ratio:(Fol. Apol. Erf. 92. a.) wenn von widerwertigen / vnd sireittenden Sachen einerley wort gefüret werden / so haben dieselbigen einerley verstand / sonst wer kein widerwertigkeit / noch streit.
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So ist nu kunt / vnd offenbar bey allen vernünfftigen / vnd darff bey den rechtgleubigen keiner beweisung / das die wesentliche gemeinschafft / vnd der wesentliche vnterschied der natürlichen wesentlichen eigenschafften in Christo sind contraria, das ist / widerwertige ding / die beysammen in einerley Natur nicht bestehen / noch zugleich von derselbigen können mit warheit gesagt werden. Denn das hiesse ja / vnd nein von einerley Sachen reden / welchs der gantzen Ordnung der Natur / das ist / dem artickel von der Schöpffung / vnd demnach der vnwandelbaren Regel göttlicher Warheit zu wider ist. Dieweil denn der wesentliche vnterscheid der eigenschafften in Christo ist realis idiomatum distinctio, so mus auch physica idiomatum communicatio nichts anders sein / denn realis idiomatum communicatio. Vnd kan demnach diß so wenig / als jenes / vnd jenes so wenig / als dieses zugleich beysammen bestehen / sondern es bleiben die Naturn / eigenschafften / Willen / vnd Wirckungen in Christo realiter, vnd essentialiter vnterscheiden. Derwegen so wol realis, als essentialis, seu physica idiomatum communicatio aus der Kirchen Gottes ausgemustert werden mus / man wolle denn zugleich die einigkeit der Person Christi trennen / vnd den vnterscheid der Naturn auffheben: Dadurch ein endliche verleugnung des gantzen geheimnis von der Menschwerdung / oder offenbarung des Sons Gottes im fleisch (darauff alle Gottseligkeit gegründet ist. 1. Tim. 3.) eingefürt / vnd verursacht würde. Vnd thut zur Sachen gar nichts / das sie fürgeben / sie gebrauchen das wort Realis alhie nicht pro essentiali.
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Denn weder jhnen / noch vns gebürt / newe phrases zuerdencken / oder den worten newe vngebreuchliche bedeutunge̅ anzudichten / sondern ob der form der gesunden Reden sollen wir fest anhalten / damit nicht durch leichtfertige verenderung der Sprach / die Religion selbst / wie zu Babel / endlich gantz vnd gar verdunckelt / oder vermischt / vnd verwirret / ja wol zu grunde ausgetilget / vnd verloren werde. Derwegen auch von vns kein vnchristlich / viel weniger ein vnerbar stück (wie sie vns aus vnchristlichem hass(Fol. Apol. Erf. 92. a.) mit vnwarheit alhie schuld geben) begangen wird / das wir die Schefflein Jesu Christi für jhrer Sprach / vnd stimme / als frembd / vnd der stimme vnsers Ertzhirten vngemes / ja zuwider / nach ausweisung vnsers obligenden ampts trewlich warnen. Denn es heisst: Oues meae vocem MEAM audiunt. Ioan. 10. Item: Si non DIXERINT secundum legem hanc, non erit eis matutina lux. Iesaiae 8. So haben sie ja in jhrer vermeinten Refutationschrifft zu Dessaw / fol. 55. selbst aus gerechtem göttlichen Gericht wider sich mit Feder / vnd Munde bekennen müssen / das jre newe phrases von der thetlichen mitteilung der wesentlichen almechtigkeit / alwissenheit / allenthalbenheit des ewigen Worts in sein angenomen fleisch / weder in Gottes Wort / noch in den andern approbirten Schrifften / bey jhrer norma im Concordibuch vermeldet / zufinden seyen. Dieweil denn ohne diese newerung der Sprach / vnd Lehr / diß hohe geheimnis gleichwol kan erklert werden / dadurch auch von anfang der Welt alle rechtgleubigen / welche von der vbiquitet der Menscheit Christi nie kein wort gehört / ja an solche vngehewere Lehr nie gedacht haben /
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heilsam sind vnterricht / getröstet / vnd selig worden: So ist es ja an jhnen selbst ein gantz vnchristlich / ja ein vnerbar stücke / das sie wissentlich von der angenommenen / bewehrten / vhralten weis / vnd form von Christo zu reden / vnd predigen / abweichen / vnd sölche newe grillen / ohne / ja wider so wol des göttlichen Worts / als der alten rechtgleubigen Kirchen zeugnis / für Glaubens artickel canoniziren / vnd erhalten wollen. Bißher von den zweien Hertzbergischen Argumenten / an welchen sich newlich auch D. Johan Matthaeus / professor zu Witembergk / in seiner wüsten / vnd wider sich selbst lauffenden antwort / auff vnser wolgegründte Defension / die noch fest stehet / wie sie denn in ewigkeit wol bestehen wird / versuchet hat. Aber in warheit denselbigen so gar nichts benomen / noch abgebrochen / das er sie wider seinen willen / vnd danck / viel mehr befestigt / denn im geringsten widerleget. In massen auch sein gantzes buch nichts anders / denn ein bestettigung der Anhaltischen Lehr ist. Nur allein / das Er gantze plaustra conuiciorum, vnd viel nerrischer spotwort ausgegossen / damit er doch sich selbst / sampt seinen Consorten / viel mehr / denn vns verhönet / vnd dem vnberichten Leser ein Nasen drehen wil / gleich als hab er sich gar wol verantwortet. Vnter des aber spielet Er mit diesem grossen geheimnis / vnd behilfft sich mit Rotwelschen / vnuerstendlichen / oder ja zweiffelhafftigen Reden / vnd Cothurnis, dadurch Er verhofft beide Gott / vnd Menschen zu eludiren. Wie jm denn solches auch von den jenigen / denen er besser / als vns bekant / in offenem Druck vorgeworffen / das Er nemlich der ware̅ Religion niemals auffrichtig vnter augen
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gangen / sondern allezeit mit zweizüngigen Reden sich geflicket / vnd den Mantel nach dem Winde gerichtet. Darauff wir seine entschuldigung / die aber ohne zweiffel (ausgenomen schmach vnd lesterwort / darinn er ein Meister ist) schmal / vnd kalt wird sein / mit begier erwarten. Nach dem er aber jtzt nicht anders / denn wie er vor 17. Jaren in seinen bey vnser Defension zum beschluss gedruckten thesibus gelehrt / verstanden sein wil / so mus er entweder damals mit betrug sein vm̅gangen / oder betrengt jtzt die Leute / vnd redet wider sein eigen Gewissen / dieweil er an vns verdammet / was er an jme / vnd den seinen wil für recht erkant / vnd vertheidigt wissen. Welcher sein Geist auch sönderlich hieraus wol zu prüfen ist / dieweil er pag. 450. von sich / vnd seinen Collegen nicht gestehen wil / das sie etwas anders lehren / oder profitiren / denn wie sie es von den Herrn Praeceptoribus / Luthero / Philippo / vnd andern / aus Gottes Wort empfangen / so doch offenbar / das die Concordiformul nichts anders ist / denn Corporis doctrinae Philippi abrogatio, & totius Flacianismi (wie einer aus jhren fürnembsten Patronen selbst bekant) saluatio. Ja / D. Jacob Andreae hat hiebeuor das Corpus doctrinae Philippi (darauff man doch bißher in allen promotionibus, vnd ordinationibus, nach der heiligen Bibel / vnd dreyen Heuptsymboln / mediante iuramento, welchs nu gar vergessen / obligirt ist worden) von offener Cantzel / zu Wittenbergk / vffn ersten Sontag nach Trinitatis, Anno 79. als ein buch voll bubenstücke / oder viel mehr Schelmstücke / mit grosser lesterung trutziglich ausgeschrie
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hen / vnd verdam̅t / welchs der studirenden Jugend / vnd viele̅ andern fromen Hertzen in der Christlichen gemein daselbst so gar abschewlich anzuhören ist gewesen / das sie jhr misfallen vber solcher frecheit / vnd künheit / aus einem Christlichen eyffer mit grossem getümmel in der Kirchen dermassen eröffnet / das der Predicant nicht wenig darob bestürtzt worden / vnd als bald den H. Philippum / vff welchen er zuuor so grewlich gescholten / wider hat angefangen zu loben / als einen hohen Mann / welchen er für seinen Praeceptorem erkenne / hab auch viel von jhm gelernet / Ja (wie seine wort lauten) venerir / vnd ehre jhn auch in der gruben / da er ruhet / als einen woluerdienten Mann vmb Kirchen / vnd Schulen / etc. In massen dieselbige Schmachpredigt / damit sie damals hoch gepranget / vnd gleich triumphiret haben / durch den öffentlichen Druck zu Magdeburgk / vnd Dreßden ausgangen / vnd nicht vnbillig zum ewigen gedechtnis / vnd zeugnis wider der Vbiquisten leugnen / darauff sie sich nu begeben / verwaret wird. So rühmet ja / vber dieses alles D. Johan̅ Matthaeus selbst / pag. responsionis suae 14. das jhm von andern (suae farinae hominibus) grosser danck zugeschrieben / darumb das die Lehr de communicatione idiomatum zuuor nicht also zu Wittembergk sey erkleret worden. Wie kan sie denn des Herrn Philippi / in welches Corpore doctrinae (beförderst aber in seinem herrlichen buch Locorum communium, darauff sich auch der ausserwelte hochlöbliche Werckzeug Gottes / Fürst Georg zu Anhalt / Christmilder gedechtnis / in seiner schönen Weyhnachtpredigt von dem grossen geheimnis der Menschwerdung / des ewigen Worts / fol. 4. referirt) der Kern aus D. Luthers schrifften /
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vnd Predigten auffs deutlichste zusammen getragen / vnd begriffen ist / gemes sein? Oder / Warümb verdampt er andere / die sich auff nichts anders / denn auff die erkante / vnd bekante Warheit der rechten schrifftmessigen erklerung Herrn Lutheri / vnd Philippi jederzeit referiren? Ja / mit was Gewissen darff er die Anhaltischen Kirchendiener antasten / die wir vns doch fürnemlich auff die schöne erklerung dieses heutigen streits in refutatione Stancari, Anno 53. am tag Joannis des Teuffers / vffm Fürstlichen Hauss Dessa / vom Herrn Philippo mit eigner Hand beschrieben / vnd vbergeben / beruffen? welchs autographum noch in archiuis Anhaldinis, als ein praeclarum depositum doctrinae orthodoxae, cuius custos, & hospes est Princeps Ascaniae, verwaret wird / dabey wir auch / mit Gottes hilff / vnd im Namen Gottes / wider alle newerung / einfaltig zu beruhen / vnd verharren / entschlossen. Heisset das nicht , vnd vanitas; ja wol vanitas vanitatum, & mera putida vanitas; die Leute wollen bereden / man bleib bey der Herrn Praeceptorum Lutheri / vnd Philippi (die in bestendiger Christlicher Lieb / vnd einigkeit beysammen gelebt / niemals aber jemand zur subscription jrer Religion / oder bekentnis gedrungen / noch vmb wegerung der subscription veriagt haben) Lehr / vnd Concordi: So doch das Werck am hellen Mittag widerspricht? Warumb helffen sie nicht viel mehr zu einem freyen / öffentlichen / vnuerdächtigen national Synodo, nach welchem so wol von jnheimischen / als auslendischen so viel seufftzen / von so langer zeit hero / noch teglich ergehen / vnd freilich mit gutem Gewissen weder abgeschlagen / noch ge
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hindert werden kan? Wie sich denn vnser gegentheil (an dem es bißher allein gemangelt) hiezu vber die billigkeit (dieweil die protestierenden Religions verwanten hiebeuor / vnd allezeit wider die Papisten eben diese hinderung legitimae cognitionis fur die aller höchste vnbilligkeit angezogen) allermeist gegenwertigen der hochbetrübten Kirchen gantz erbermlichen zustand selbst / bewegen lassen solte. Vnd zwar vmb jres eigen Concordibuchs willen / welchem die Schmalkaldischen Artickel mit einuerleibet sind / da der Mann Gottes Lutherus in seiner Vorrede / fol. Concord. 135. diese hefftige eiueriche wort gebrauchet / dafür wir vns nicht wenig entsetzen / vnd da sie nicht durch die Concordiformul von vnserm gegenteil selbst canonizirt weren / gross bedencken haben würden / dieselbige an diesem Ort zu allegiren: Das nemlich Lutherus daselbst aus einem sehr hefftigen eiuer / die Bäpstischen öffentlich für der gantzen Welt ausrüfft / vnd schilt / als lichtflüchtigen / vn̅ tagschewende Schelmen / darümb das sie so jemerliche mühe haben / ein frey Christlich Concilium zu verziehen / vnd zuuerhindern / daran man wol mercke / das der Bapst lieber wolt die gantze Christenheit verlorn / vnd alle Seelen verdampt sehen / ehe er sich / oder die seinen wolt ein wenig reformiren / vnd seiner Tyranney ein mass setzen lassen. Ob sich nu der vbiquistische hauff (sonderlich die Redelsfürer) dieses alten Lutherischen segens bey verstendigen nicht auch teilhafftig machen / ja fast bey jren eigen Consorten in verdacht bringen / das sie mehr vber jhr gesuchte reputation / vnd eigen nutz / denn ob der algemeinen Kirchen heil / vnd einhellichem consens der Warheit eiuern / Solchs alles mag jhnen einmal jhr Gewissen / wens endlich auffwachen
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wird / selbst vnter augen sagen / vnd bezeugen. Denn es doch bey dem Sententz wol bleiben wird / welchen der HERR / der die Warheit selbst ist / ausgesprochen: Wer arges thut / der hasset das Licht / vnd kömpt nicht an das Licht / auff das seine Werck nicht gestrafft werden. Wer aber die Warheit thut / der kömpt an das Licht / das seine Werck offenbar werden / denn sie sind in Gott gethan. Johann. 3. Aber hieuon sey dem Christlichen Leser das Vrteil befohlen. Itzt wollen wir auffs kürtzeste anhören / was D. Johann Matthaeus vff mehrgedachte zwey argument antworte. Bey dem ersten carpirt er anfenglich Maiorem, welche doch nicht vnser / sondern vielmehr seiner Consorten ist / aus derer antwort / als ex hypothesi, wir zu Hertzbergk argumentirt haben: vnd also füret er / mit verwerffung Maioris, seine lumina Ecclesiae (wie er sie pag. 352. heuchlerischer / wo nicht hönischer weise nennet) selbst zur Schulen. Zum andern / formirt er Maiorem nach seinem gefallen / pag. 349. vnd spricht; Maior solte also lauten: Vbi essentiae est identitas, & personarum non essentiale, sed reale discrimen (sicut est in mysterio Trinitatis) ibi REALE, & ESSENTIALE differunt. Haec propositio (inquit) est catholica, & vera, ex qua certissima demonstratio extrui potest. Dieweil denn D. Johann Matthaeus so ein scharffsin̅iger Dialecticus ist / So lassen wir die Maiorem propositionem also / wie er sie jhm selbst zum vorteil formiret hat /
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bleiben / vnd zweiffeln nicht / der verstendige Leser (welcher freilieh auch vnsere Maiorem, so fern man sie mit gesunden augen ansihet / anders nicht / denn vff dieselbige meinung hat verstehen können) werde mit vns / vnd allen rechtgleubigen / diesem hochmutigen Goliath sein eigen Schwerd aus der Hande nemen / vnd also schliessen / per inuersionem; wie folget. Vbi Reale, & Essentiale differunt, ibi essentiae est identitas, & personarum non essentiale, sed reale discrimen; sicut est in mysterio Trinitatis. At in Christo Immanuele (secundum Vbiquistarum opinionem) Reale, & Essentiale differunt. Ergo, in Christo (secundum Vbiquistarum opinionem) est essentiae identitas, & personarum non quidem essentiale, sed tamen reale discrimen. Ac per consequens, D. Ioannes Matthaeus cum astipulatoribus suis essentialis simul Eutychianus, & realis Nestorianus est. Id quod erat demonstrandum. Quia ex Maiore illa, quae etiam ipso teste, nobisque vltrò concedentibus, catholica, & vera est, certissima haec demonstratio extruitur. Was hat er nu mit seiner Sophisterey wider die Anhalter erhalten? Freilich nichts mehr / denn eben das / was jm / vnd seinem anhang von der gantzen rechtgleubigen Kirchen mit bestendigem grunde schuld gegeben wird: nemlich / das er zugleich ein Eutychianer / vnd Nestorianer sey; vngeacht / das er nicht verstehen wil / wie zween vngleiche / ja widerwertige jrthumb aus einerley falscher hypothesi, oder meinunge herfliessen. Zum dritten / das er aber in seinem argument die Minorem also attexirt: Sed in persona secunda Trinitatis,
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quae est Iesus Christus Filius Dei, etsi non est naturarum identitas, manet tamen reale discrimen personae Filij ad Patrem, & Spiritum sanctum. Vnd wil daraus schliessen: Ergo, vocabula (Reale, & physicum) differunt in persona Christi, sicut in mysterio Trinitatis: Das ist erstlich an einem solchen hocherleuchten Doctor (wie er gern dafür gehalten / vnd vnter die lumina Ecclesiae gezelet sein wolt) ein schendliche verkerung der Heuptfragen / welchs man in Schulen nennet paralogismum secundum plures interrogationes. Denn die Frage nicht ist / de discrimine reali inter personam Patris, Filij, & Spiritus sancti; welchs wir mit allen rechtgleubigen / on seine erinnerung / gern erkennen / vnd bekennen. Sondern dieweil im geheimnis der heiligen Dreyfaltigkeit propter reale discrimen personarum, & identitatem essentiae, die zwey wörtlein (Essentiale, vnd Reale) nicht vff einerley weis können verstanden werden / so ist die Frage / ob denn in mysterio incarnationis, vbi identitas est non naturarum, sed personae, & diuersitas non personae, sed naturarum, nicht billig Essentiale, vnd Reale ein ding bedeuten / vnd demnach Realis idiomatum communicatio, so wol als Essentialis, naturalis, oder physica zugleich entweder asserirt / oder verworffen werden müssen? Das ist der status, dauon man nicht solt ausschweiffen. Sonst heissts: A disparatis nihil sequitur. Für eins. Zum andern / henget in dieser D. Johann Matthaei schlussrede gar nichts an einander / sondern folget vielmehr das gegenspiel. Siquidem ad iustam consecutionis ratione̅, in medio termino, qui in subiecto maioris no̅ est simplex, verùm bime̅bris, non alterius duntaxat, sed potius vtriusque
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partis veritas requiritur: Vt nimirum, sicut in mysterio Trinitatis, ita etiam in mysterio Verbi incarnati, locum habeat non solùm , verùm etiam . Aber dieser ding reimpt sich keins auff Christum / in welchem nicht zwo Person eine Natur / sondern zwo Naturn eine Person haben. Vnd ist also Minor nicht perfectè affirmatiua. Derhalben man in schola Philippica (wenn der Praeceptor noch leben solt) diesem vnzeitigen Doctor antworten würde: Erstlich / In prima figura non valet consequentia, si minor est negatiua. Zum andern / ab insufficienti enumeratione partium nihil sequitur. Ad veritatem enim copulatiuae propositionis requiritur omnium partium applicatio, & veritas. Nec valet consequentia à parte copulatiuae ad totam. Aber diß wollen wir den Herrn Philosophis zu Witembergk ferner auszufüren / vnd ex regulis consequentiarum dauon zu vrteiln / vbergeben / von welchen D. Johan Matthaeus forthin sein Dialecticam besser studieren mag / damit er mit seinem exempel nicht das Sprichwort bestettige: . Bleibt derwegen vnser erstes argument noch vnum̅gestossen / man wolte denn / zugefallen den Arianern (welchen D. Johann Matthaeus vorzeiten so nahe sol verwant gewesen sein / das er gar keinen bestendigen Syllogismum aus der gantzen Bibel wider sie hat machen / noch zu wegen bringen können) diß nachgeben; quòd in persona Iesu Christi aliquid sit realiter omnipotens, & omniscium, quod non sit essentialiter Deus. Dagegen wir festiglich / vnd bestendig gleuben / lehren /
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vnd folgenden Syllogismum durch Gottes gnad / wider alle Sophisten vertheidingen wollen: Quicquid est realiter omnipotens, omniscium, vbique; id etiam realiter, & essentialiter Deus est. Caro Christi no̅ est realiter, aut essentialiter Deus, sed est creatura. Ergo, nec realiter o̅nipotens, omniscia, vbique est. Diese wolgegründte / vnd vnwidersprechliche schlussreden / werden alle Sophisten / vnd Vbiquisten / so lang Sonn / vnd Mond leuchten / ja in alle ewigkeit wol vnwiderlegt bleiben lassen müssen. Dem andern Hertzbergischen argument thut D. Johan Matthaeus noch viel weniger. Denn weil er selbst bekent; proprietates vtriusque naturae communicari non quidem naturis inter se, verùm personae, in qua vnitae sunt: vnd das einer jede̅ Naturn eigenschafft von den eigenschafften der ander Natur zugleich realiter, vnd essentialiter, wesentlich / vnd in der that / vnterschieden sein / vnd bleiben / welche doch anders nicht / denn in der Person / nach welcher sie vereinigt sind / betrachtet werden: So kan ja nimermehr von jm / noch seinem anhang bewiesen / viel weniger erstritten / noch erhalten werden / das die menschliche Natur einerley almacht / Weisheit / vn̅ allgege̅wart mit der ewige̅ Gottheit in der Person des Worts zu gemeinem besitz / brauch / vn̅ Wirckung (wie er redet) bekomen / oder empfangen habe. Denn sonsten weren die beiden Naturn in einer Person zugleich wesentlich / vnd in der that von einander vnterschieden / vnd nicht vnterschieden. Wie sie aber wesentlich / vnd in der that beysammen / das ist / in einer Person vereiniget sind / also haben sie nicht allein realiter, in der that / sondern auch essentialiter,
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oder wesentlich / all jhre eigenschafft in einer Person beysammen / vnuermischt / vnd vngetrennet. Denn der vnterscheid macht keine scheidung / wie die vereinigung in Christo keine vermischung bringt. Darumb auch hieraus erweislich / das die zwey wörtlein (Reale, vnd physicum) in mysterio Verbi incarnati einerley bedeuten / vnd demnach Realis, vnd physica idiomatum communicatio (wie gemelt) entweder zugleich asserirt / oder verworffen sein müssen. Daraus denn der Christliche Leser vnsers vngestümmen / vnbesonnenen Antagonisten D. Johann Matthaei nichtiges fürwenden durchaus in all seinem andern geschwetze augenscheinlich zu ermessen hat. Denn in warheit aus seinem gantzen widerholten Tractat nichts anders zu spüren / denn das jm diese hohe Sach kein ernst sey / sondern er treibt aus beiden theilen heimlich sein gespött. Sintemal fast alle seine wort (welchs trewen Lerern nicht gebürt) auff schrauben gesetzt sind / die man so wol auff vnsere / als auff vnsers gege̅teils meinu̅g ziehe̅ / vn̅ verstehe̅ kan. Wie denn sönderlich alhie sein vberzeugtes brandmahlichtes Gewissen jn treibet / das er seinen Consorten zu wider / selbst klar heraus zum öfftermal / mit vns / vnd allen rechtgleubigen (die er doch den Vbiquisten zugefallen / welcher Brot er isset / wider sein Gewissen hilfft verketzern / vnd lestern) bekennen mus: in persona communia esse omnia, quae naturis per se consideratis, sunt propria. Item / da es der Erfurdischen Apologien fürnemlich vmb die abstractiuas propositiones zuthun ist (darob sich auch D. Heshusius aus seinem Bistumb hat müssen verjagen lassen) lehret er stracks das contrarium; nemlich (wie seine wort lauten pag. 365.) Non dicimus, in abstracto carnem
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Christi esse omnipotentem, omnipraesentem, &c. Immò illas abstractas formulas reijcimus, & damnamus: &c. Wiewol er nu mit nichten gestehen wil / das jemand aus den Subseribenten der Concordiformul die propositiones abstractiuas jemals vertheidingt (welchs sich doch selbst widerlegt) So nemen wir nichts desto weniger solchs für bekant an / vnd antworten mit Eusebio in historia Ecclesiastica lib. 4. cap. 17. Qui negat, quod est; sine dubio culpabile iudicat esse, quod negat. Dieweil er den̅ hiemit eben vnser Lehr wider das gedicht de reali idiomatum Deitatis co̅municatione facta carni, selbst bekrefftiget; Was hat er denn für vrsach / mit so vielen scheltworten / vnd Sectirischen Namen wider sein eigen Gewissen vns anzutasten? Sönderlich weil er vns auch in dem hohen geheimnis vom heiligen Abentmal / wider seinen danck mus zeugnis geben: quòd loquamur verbis Ecclesiae, & vtamur forma sanorum verborum; welche jm gleichwol (denn so hoch ehret er Gottes Wort) müssen heissen hoedorum pelliculae. pag. 499. Item / Er schreiet die jenigen für Sacramentirer aus / welche lehren / das man im heiligen Nachtmal bey den worten der stifftung fest bleiben / vnd nichts dazu thun / noch dauon nemen sol. pag. 551. Aber wir bleiben bey dem austrücklichen befehl Gottes / Deut. 4. Ir solt nichts dazu thun / das ich euch gebiete / vnd solt auch nichts dauon thun. Item: Prouerb. 30. Thue nichts zu seinen worten / das er dich nit straffe / vnd werdest lügenhafftig erfunden. Item: Apoc. 22. So jemand dazu setzet / so wird Gott zusetzen auff jhn die Plagen / vnd so jemand dauon thut / so wird Gott abthun sein theil vom buch des Lebens. etc.
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In summa; dieweil D. Johan Matthaeus die vbiquistische trewme von der almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbgegenwertigkeit des fleisches Christi wil helffen / nach all seinem vermögen / als ein gedingter Bileam / wider sein Gewissen / allein vmbs bauchs willen verkleistern / vnd bementeln / so masset er jhm selbst an die alwissenheit / wil sich für ein Hertzkündiger auffwerffen / vnd (so fern man dem Concordibuch nicht durchaus vnterschreibe / vnd recht gebe) mit keiner schrifftmessigen erklerunge zufrieden sein / wider den Spruch des Apostels: Mit dem Hertzen gleubt man zur Gerechtigkeit / mit dem Munde bekennet man zur Seligkeit. Rom. 10. Diß sind wir jm nicht schuldig einzureumen / sondern befehlen das vrteil dem allein gerechten Richter / vnd warhafftigen Hertzkündiger Jesu Christo. Aber hieuon auff dißmal / vnd an diesem Ort gnug. Wer bey dem hellen Mittagliecht mutwillig der Warheit zuwider / vnd blind sein wil / der sey jmer hin blind. Qui coecutit, coecutiat adhuc: Et qui sordidus est, sordescat adhuc. Apoc. 22. Sein schuld sey vff jhm.

Das sechs vnd zwentzigste Anhaltische Argument.
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(XXVI.) SO ist nu zum sechs vnd zwentzigsten offenbar / vnd zugleich durchs vörige argument augenscheinlich erwiesen / das es nicht allein der vnwandelbaren Regel göttlicher Warheit / vnd Ordnung / sondern auch dem gemeinen verstand aller vernünfftigen Menschen / ja allen natürlichen / göttlichen / vnd vblichen
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Rechten / vnd der algemeinen erfarung im gantzen menschlichen Geschlecht zu wider sey / das eines dings eigenschafft / dadurchs von einem andern mit der that vnterschieden wird / zugleich desselbigen eigen bleiben / vnd doch dem andern / von dem es hiedurch vnterschieden wird / in der that mitgetheilt / vnd also allen beiden gemein werden sol. Denn das hiesse zugleich ja / vnd nein / oder schwartz / vnd weis von einem dinge reden: Ja wider alle beschriebene / vnd natürliche Recht die vnterschiedung der graden / vnd Ordnung der Empter / sampt der eigenthümbligkeit der gütter / wie dieselbige im siebenden Gebot weislich von Gott selbst versehen / vnd bestettigt ist / auffheben / vnd ein viehische gemeinschafft aller ding im menschlichen leben / vff gut widerteufferisch anrichten / vnd alle Gerechtigkeit / so wol der vnterschiedenen Stenden in der weltlichen Policey / als in Handel / vnd Wandel / oder keuffen / vn̅ verkeuffe̅ (welchs alles vff dem vnterscheid stehet inter meum, & tuu̅, dz / was eigen ist / nicht für gemein / noch was gemein ist / für eigen gehalten werde) auff einmal vmbstossen. Dadurch die Regel des HERrn selbst fallen müste / Matth. 22. Gebt dem Keiser / was des Keisers ist / vnd Gott / was Gottes ist. So können auch vnser Antagonisten nichts bestendigs dawider auffbringen / sondern ergreiffen jhre petitionem(Fol. Apol. Erf. 92. b.) principij: Es sey ein anders / Realis distinctio naturarum, & essentialium proprietatum in persona Christi; vnd ein anders / Realis communicatio Maiestatis diuinae in persona Christi. Brauchen also die Sophisterey ex fallacia aequiuocationis, mit der prechtigen Rede / von der warhafftigen mittheilung der göttlichen Maiestet in der Person Christi: damit es der einfaltige hauff jhrer blinden
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Subscribenten nicht so leicht innen werde. Denn sie gedencken permutatis in speciem extremis zuentwischen. Wenn man aber die erklerunge von andern Orten jhrer Apologien nachsuchet / so ist communicatio realis Maiestatis diuinae, nichts anders / denn was sie sonst heissen realem communicationem essentialium Deitatis proprietatum, dz nemlich der menschlichen Natur in Christo gegeben / oder mitgetheilt seyen / attributa diuinitatis propria, göttliche / vnd vnendliche eigenschafften / oder göttliche Maiestet. Item / das die menschliche Natur in Christo (Fol. Apol. Erf. 3. b. 4. a 5. a. 6. b. 56. a. & passim pervniuersum librum.) zum besitz / possess / gemeinschafft / gebrauch / vnd vbung (wie jre newe phrases lauten) der göttlichen Maiestet / vnd eigenschafften also komen sey / das nu Christus nach beiden Naturn sey in der that almechtig / alwissend / allenthalben. Hieraus sihet ja ein jeder verstendiger / das contradictoriè opposita von einerley menschlichen Natur in Christo gesagt werden. Dieweil denn in Christo nicht mehr / denn einerley Maiestet der göttlichen almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit ist / welche der Gottheit wesentliche eigenschafft in ewigkeit bleibt (wie vnser Antagonisten alhie wider sich selbst bekennen müssen / das der warhafftige vnterscheid der Naturn / vnd wesentlichen eigenschafften in der Person Christi / in alle ewigkeit mus behalten werden) So kan ja solche der ewigen Gottheit in Christo eigene / ewige / vnd vnwandelbare Maiestet durch kein thetliche mitteilung vff die Menscheit gezogen / vnd derselbigen gemein werden. Man wolte denn die principia fidei, das ist / die bewerte gründe des gantzen Christlichen Glaubens wissentlich euertiren / vnd zu nichts machen.
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Das sie aber sonst fürwenden / Es bleibe gleichwol ein vnterscheid zwischen den Naturn / dieweil die almechtigkeit / alwissenheit / vn̅ allenthalbenheit / welchs der Gottheit wesentliche eigenschafften sind / der Menscheit in der that nur mitgetheilet / aber nicht jre eigenschafften zugleich werden / etc. Solchs ist nicht allein / aus oberzelten gründen nichts geredet / vnd an jhm selbst widerwertig / Sondern auch von D. Johann Matthaeo dermassen erklert / das man sihet / das sie entweder der Sach vnter sich selbst noch nicht einig sind / oder gebens alhie mit worten anders von sich / denn sie es im Hertzen meinen. Sintemal D. Johan Matthaeus vnter andern seinen vngereimpten paradoxis, auch dieses austrücklich setzet / paginis tractatus sui de vnione hypostatica 103. & 104 das assumtio carnis in vnitatem personae (welche anders nicht / denn per realem idiomatum communicationem declarirt werden könne / vnd müsse) ein solche participatio, oder mitteilung aller göttlichen eigenschafften sey / das dadurch die menschliche Natur zum besitz / oder possess der göttlichen Natur / welche numehr der menschlichen Natur eigen worden / erhaben sey: vt Verbi diuinitas sit propria facta carnis diuinitas. Ist denn die Gottheit selbst der menschlichen Natur eigen worden / wie solten nicht viel mehr zugleich die göttlichen eigenschafften auch derselbigen Menscheit eigen worden sein? Sönderlich dieweil diuina omnia (auch die ewigkeit / vnd vnleibligkeit nicht ausgenomen) sollen der menschlichen Natur in Christo / durch die thetliche participation, oder mittheilung / eigenthümblich zur gemeinen possess / gebrauch / vnd wirckung eingethan sein. Aber diß vngehewer portentum ist in vnser Defension ausfürlich widerlegt / dahin wir den Christlichen Leser nochmals wollen / vm̅ geliebter kürtz willen / remittiret haben.
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In massen wir auch hiebeuor (nemlich droben im beschluss vnsers 24. arguments) aus der Oration D. Wolfgangi Peristeri / den 8. Octobris / An̅o 83. zu Landesbergk / vor seiner gantzen Clerisey daselbst gehalten / vnd in diesem 84. Jar gedruckt (darinn er / vnter vielen andern vngereimpten puncten / gantz vnd gar kein abstractum in Christo concediret; Wie auch gleiche geschickligkeit D. VVolfgangus Harterus, Pfarrer / vnd professor Theologiae zu Leiptzigk von sich lauten lassen / in einem colloquio sagende: Abstractum humanae naturae non est in rerum natura) klar erwiesen haben / das communicari bey den Consorten der Vbiquisten nichts anders heisse / quàm in proprietatem dari. Item; quòd diuina natura (secundum istorum opinionem) humanitati non tantùm communicet sua idiomata, seu proprietates suae diuinae naturae; Verùm etiam humanitati easdem PROPRIAS efficiat. Denn also lehret D. Peristerus, in obgedachter Oration / folijs A 4. B. 1. 2. etc. Welche meinung er auch in seiner (nach ausweisung der inseription) ehegedruckten / denn gehaltener Predigt / vber das Euangelium des 12. Sontags nach Trinitatis / zur algemeinen form / oder fürbild der heilwertigen Lere von Christo (wie die wort daselbst in der Praefation A. 3. lauten) widerholet / vnd mit allem ernst (wiewol one grunde) zuuerfechten sich angemasset / da er vnter andern hierauff hefftig dringet / das wie Christus nach seiner göttlichen art / vnd Natur / oder Wesen warhafftiglich almechtig ist / also hab er solche seine EIGENE almacht seiner menschliche̅ Natur auch mitgetheilet / vnd gemein / ja EIGEN gegemacht / der gestalt / das numehr nicht allein die Gottheit
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Christi almechtig / alweise / alwissend / etc. / sey / vnd bleibe / sondern auch die Menscheit. Item / Es sol in Christo kein vnterscheid sein / zwischen den wörtlein Gott / oder göttliche Natur / oder die Gottheit Christi / wie auch der Mensch / oder die menschliche Natur / vnd die Menscheit Christi in diesem fall (seinem fürgeben nach) ein ding ist / vnd derselbige Mensch / oder die Menschheit / oder die menschliche Natur Christi (spricht er) hat warhafftig / in der that / vnd warheit / vnd zum ewigen EIGENTHVM / empfangen göttliche almacht / Weisheit / alwissenheit / Herrligkeit / Maiestet / vnd was dergleichen ist. B. vlt. Item / Es sol kein ander vnterscheid sein / den̅ nur allein / dz die Gottheit an jhr selbs / vnd vo̅ natur almechtig sey / die Menscheit aber nicht an jhr / noch von sich selbs / sondern von Gottes / oder der göttlichen Natur wegen / von der sie solche gewalt / vnd almacht in der Menschwerdung / vnd versönlichen vereinbarung von der Gottheit zu EIGEN empfangen hab / vnd in alle ewigkeit behalte. C. vlt. Item / die göttliche almacht / das ist / die geistliche Hand Gottes (wie er daselbst redet) vnd die menschliche Hand Christi / sollen wircken / vnd Wunder thun / nicht als zwo Hende / sondern als eine Hande: denn aus zweien vnterschiedlichen Henden / nemlich der geistlichen / vnd der menschlichen sey eine Hand worden. D. 1. Darumb das die Gottheit in / vnd durch seinen gantzen Leib ausgegossen / vnd hab alle seine gliedmassen der gestalt eingenomen / vnd jhr selbs dieselbigen vereinbaret / das sie auch solcher jhrer Menscheit / die Macht / vn̅ Krafft mitgeteilet / alles zuthun / vnd zuuerrichten / vnd auszufüren / was Gottes Son thut / oder wircket. E. 3.
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Welchs im grunde nichts anders / denn zugleich der Monophysiten / vnd Monotheleten schwarm ist / nur vff ein ander art der Sprach eingefürt. Darauff sich die newen Concordisten wol eines bessern vnter einander berathen / vnd vergleichen möchten: Denn Gott zu solcher verkerung dieses hohen trostreichen geheimnis nicht ewiglich stillschweigen wird. Vnd tragen wir keinen zweiffel / es werden vns alle frome Hertzen diese erinnerung wol zu gut halten / dieweil wir aus dringender noth nicht haben vmbgehen können / dieselbige mit einzubringen / vff das der Christliche Leser vrteile / ob nicht vnser gegenteil / so da fürgibt / sie halten communicari, vnd proprium fieri nicht für eins / mit sich selbst vneins / vnd der Sachen noch nicht gewis gnug sey. Sönderlich nach dem sich die Erfurdische Apologi so offt vff der jrigen fernere declaration berüffet: vnd freilich D. Peristerus mit seinen widerwertigen erklerungen wird von jhnen nicht weniger vnausgeschlossen sein wollen / als D. Balthazar Sartorius / professor Theologiae zu Jena (von dem man auch helt / das ers viel besser verstehe / vnd demnach in seinem Gewissen nicht wenig verwundet sey) welcher in seiner disputation de EVANGELIO 5. Octobr. Anno 1582. daselbst gehalten / vber die dreierley distincta genera communicationis idiomatum, die er nominatim, vnd expressè asserirt / thes. 46. auch der newen erklerung D. Johann Matthaei zu Witembergk (der nu anfehet die abstractiuas locutiones zuuerwerffen / vnd mit vns zu bekennen / das die communicatio idiomatum nicht geschehe inter naturas, sondern der Person Christi werden beiderley Naturn eigenschafft zugeschrieben) stracks zuwider disputirt; Verè, & realiter diuinae naturae
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Christi OMNIA illa attribui, quae humanae accidunt: Et rursus, humanae tribui OMNIA, quae diuinae sunt: thes. 48. Vnd diß nent er daselbst nicht allein communicationem, sondern auch participationem inter naturarum proprietates. Denn er imaginiret jm ein sönderliche (vns bißher vnerhörte) distinction / nicht zwar inter vnionem, & communicationem, sondern viel mehr inter vnionem, & naturarum communionem, atque idiomatum participationem, welche participatio idiomatum sol sein (wie er jhm sein eigene phrases formiret) realis illa inter naturarum proprietates communicatio: thes. 45. Ja eben darauff zehlet er auch inter dona (quae sic nominat) increata, diuinam maiestatem, gloriam, virtutem, & potentiam illam, quae solius diuinae naturae propria est, & nequaquam finita. Vnd wil mit aller macht erhalten / das auch der angenomenen menschlichen Natur solchs alles in der that gebühre. thes. 52. 53. Wie er denn ferner ex statu humiliationis dichtet maiestatis illius à momento conceptus carni Christi realiter communicatae occultationem; Darauff hernach glorificatio, vnd exaltatio erfolget / welche nichts anders sein sol / denn concessa plenissima eiusdem maiestatis iam ante carni à conceptu participatae, & hactenus occultatae, seu repressae vsurpatio, & ostensio: thes. 54. Welches alles D. Dauid Voigt in seiner widerruffspredigt am ersten Sontag des Aduents / Anno 80. zu Jena gethan / vnd daselbst gedruckt (darinn er seinem Gewissen / vnd vörigen Lehr gantz zuwider / sich durchaus vff gut Jacobitisch erkleret) gleichsfals nicht allein beiahet / sondern auch mit viele̅ (wiewol nichtigen) worten scherffet / dazu sich nicht schewet / dem ewigen Son Gottes öffentlich
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zu widersprechen. Denn da der HERR gesagt / Johann. 14. In meines Vaters Hause sind viel Wonungen: Item / Ich gehe hin / euch die stete zu bereiten: Item / Ich wil euch zu mir nemen / auff das jhr seid / wo ich bin / etc. So setzet D. Voigt trutziglich / ohne / ja wider alle Schrifft / Glauben / vnd Hoffnung der Christen / das contrarium; nemlich / im Himel sey kein Ort. C. 2. Wo bleibt denn der trost der heiligen Merterer? Si terra non capit, coelum nos recipiet. Haec isti. Vnd müssen bey der Vbiquisten zuhörern diese manchfeltige (wiewol vngleiche / vnd in sich selbst widerwertige) Paradoxa eitel Glaubensartickel sein / die sie doch nicht allezeit / ob sie gleich mit jhren eigenen worten vberwiesen werden / gestehen wollen / Sondern nach dem sie jhre gelegenheit ersehen / vnd Leute für sich haben / erkleren sie jhre vbiquistische / vnd Manicheische geheimnis / jtzt so / jtzt anders. Bleibt demnach auch diß vnser sechs vnd zwentzigste argument noch vnbeweglich. Wir lassen aber die Vbiquisten jhrer antilogien halben / da jmer einer dem andern in seinen dictatis, orationibus, disputationibus, vnd declarationibus widerspricht / selbst zusammen / vnd geben hieraus dem verstendigen Leser den grund / oder viel mehr vngrund jhrer newerdichten Scheinconcordien vernünfftig zuermessen.

Das sieben vnd zwentzigste Anhaltische Argument.
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DAs sieben vnd zwentzigste argument ist(XXVII.) albereit droben im zwentzigsten augenscheinlich erklert / vnd bewiesen. Denn dieweil vnser gegenteil (wie daselbst angezeigt / vnd der Christliche Leser / mehrer nachrichtu̅g halben / in die ausfürliche widerlegung der Witenbergische̅ disputatio̅ An̅o 80. gehalte̅ / welche widerlegu̅g Collatio sententiae catholice, & orthodoxae cum disputatione D. Iacobi Andreae, intituliret ist / remittirt worden) mit Serueto, vnd seinem anhang / den alten / vnd newen Antitrinitariern / beide in mehrer teils phrasibus, vnd erkleru̅ge̅ jrer bawfelligen gründe / sampt der verkerung vieler trostreichen Heuptsprüche der Schrifft / vnd Veter von der ewigen Gottheit des Sons / welche sie auff jhr vbelerdacht gedicht von der mitgetheilten Maiestet der angenomenen menschlichen Natur ziehen / vnd dergleichen daselbst nach der leng / vnd nottürfftiglich explicirten puncten / gar nahe verwant / jm auch weder Arius / noch Seruetus / so wenig als die newe Rott der Antitrinitarier diß commentum de reali naturae in Christo humanae omnipotentia, omniscientia, omnipraesentia, hette / noch würde zu wider sein lassen: So ist die Rechnung bald gemacht / das der Vbiquiste̅ Lehr jrer (der Arianer) lesterung wenig / oder gar nichts abbreche̅ / sondern vielmehr stercken / fürdern / vnd bekrefftigen wird. In massen wir / zu trewer Christlicher warnung / diß vnser 27. argument (welchs die Herrn Verfasser der Erfurdischen(Fol. Apol. Erf. 92. b. 93. a.) Apologien aus jhrem Weinfass nur ein wenig anbellen / aber sonst vngebissen lassen) nochmals alhie / als fest / vnd vnbeweglich (wie es denn in ewigkeit sampt allen andern / wol vnümbgestossen bleiben wird) widerholen / vnd erkleren / wie folget.
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Wenn der grund / daraus die Christliche Kirche bißher erwiesen / das Christus, Mariae Son / nicht allein warhafftiger natürlicher Mensch / vnsers fleisches / gebeins / vnd geblüts (wie daran / so lang er auff Erden gangen / weder Feinde / noch Freunde jemals gezweiffelt / vnd kein rechtgleubiger Christ / weder jtzt / noch in ewigkeit zweiffeln wird) sondern auch ewiger / natürlicher / wesentlicher Gott sey / mit dem Vater / vnd heiligem Geist / etc. Wenn dieses Glaubens gründe / vnd beweisung (sagen wir) geschwechet wird / so wird auch der Christliche Glaub selbst von der ewigen Gottheit des Sons geschwecht. Der grunde aber / vnd beweisung des Christlichen Glaubens in diesem artickel stehet / vnter andern / fürnemlich darauff / das Christus, Mariae Son / wiewol er nach seinem menschlichen Leib / ist endlich / vnd vmbschrieben (dazu im stand seiner nidrigkeit aller menschlichen schwachheit / ausgenomen die Sünde / vnterworffen gewesen) so ist er doch seiner Person nach / almechtig / alwissend / allenthalben / welchs allein dem ewigen Gott zugehöret. Darumb ist er vnwidersprechlich zugleich ewiger Gott / vnd hat sein Person nicht in der zeit angefangen / sondern ist eine aus der heiligen ewigen Dreyfaltigkeit. Sol man nu mit den Vbiquisten gleuben / das Christus auch nach seiner Menscheit / oder das auch die menschliche Natur Christi sey almechtig / alwissend / allenthalben: so wird ja derselbige jtzt erklerte grunde geschwecht / das die Arianer dawider werden excipiren können / Es folge nicht / das man schliesse / Christus ist almechtig / alwissend / allenthalben / derwegen ist er eines Wesens mit dem ewigen Vater.
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Denn (werden sie sagen) Ist doch (der Vbiquisten Lehr nach) die Menscheit in Christo auch almechtig / alwissend / allenthalben / vnd folgt gleichwol nicht / das sie eines Wesens mit dem Schöpffer sey / sondern sie ist / vnd bleibt ein Creatur / vber alle andere Creatur mit göttlicher eigenschafft / Herrligkeit / vnd Maiestet gezieret / vnd begabt. Wie nu die Vbiquisten den Arianern / vnd Antitrinitariern mit sattem grunde / vnd nicht vergeblichen wortpredigten begegnen wollen / mögen sie zusehen. Wir achten keinen Christen so alber / der nicht aus seinem Catechismo vrteilen könne / das diß vnser argument / zu trewer warnung alhie widerholet / vnwidersprechlich fest / vnd gewis bestehe. Denn der Vbiquisten ausflüchte / die sie alhie gebrauchen / durchaus nichtig / vnd wider sie selbst sind. Als(Fol. Apol. Erf. 93. a.) da sie sagen / Wo Christus nicht zuuor / vnd von ewigkeit almechtiger / ewiger Gott were / so hette er in der zeit seiner (jme persönlich / vnd vnzertrenlich vereinigten) menschlichen Natur / solche almechtige gewalt nicht können / noch vermögen mitzutheilen. Was ist das anders / denn das alte Lied / petitio principij genant? Sie sollen beweisen / das die menschliche Natur almechtig / alwissend / allenthalben sey / so ziehen sie dasselbig an / als wer es schon bewiesen / danon doch noch der streit ist. Vnd da wir vnter andern auch dieses wider sie zum vnwidersprechlichen beweis fürbringen / das sonsten die ewige Gottheit in Christo zweiffelhafftig gemacht würde / so wollen sie das gegenspiel (jedoch one erwehnung einiges grundes) dem Leser einreden: nemlich / wenn man mit jnen
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gleube / das die Menscheit Christi in der zeit almechtig / alwissend / vnd allenthalben zu sein angefangen hab / so folge / das Christus zuuor ewiger / almechtiger GOtt sey. Wie aber / vnd aus welchem grunde solches folge / können sie nicht anzeigen. Sind derwegen jre Predigten dißfals nichts / denn scopae dissolutae, welchs hieraus zusehen / wenn man jhren schluss / welchen sie (als in Schuln bekant ist) in forma Enthymematis fürbringen / in seine rechte Ordnung eines gantzen Syllogismi setzet / wie folget: Was der Menscheit Christi in der zeit gegeben ist worden / das hat / vnd ist Er als Gott von ewigkeit. Christus hat seiner angenommenen menschlichen Natur in der zeit die almechtigkeit gegeben. Drumb ist er von ewigkeit hero almechtiger GOTt. Antwort. Das Christus warhafftiger / ewiger / almechtiger Gott sey / ohne anfang / vnd ende / daran zweifeln wir gar nicht. Das aber solches aus den praemissis, oder beiden vorhergehenden Sprüchen recht geschlossen sey / vnd vnwidersprechlich folgen müsse / dauon ist die Frage. So warnen wir nu / aus trewem / sorgfeltigem / Christlichen Hertzen / das man die beweisung / vnd gründe dieses hohen artickels von der ewigen Gottheit vnsers Heilandes Jesu Christi besser in acht nemen wolle / damit nicht der Antitrinitarier lesterung thor / vnd thür / in die Kirchen Gottes mit gewalt sich einzudringen / auffgesperret werde. Denn sie hierauff bald antworten werden / weil denn die Menscheit Christi almechtig sey / so sey es nicht von nöthen / das man von der ewigen Gottheit des Menschen
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Christi sich zancke / Sondern (spricht Seruetus / von welchem alles geschmeis / vnd Teuffels Hoffgesinde der newen Antitrinitarier / oder Feinde der heiligen Dreyeinigkeit in Gott / herkömet) es ist gnug / das man wisse / das dieser Mensch / der aus der Jungfrawen geboren / sey Gott / weil jm / als der aller edelsten Creaturen Gottes / alle göttliche eigenschafft / almacht / alwissenheit / allenthalbenheit / anruffung / Ehr / Maiestet / vnd Herrligkeit in der that mitgetheilet sein. Vnd eben diesen wohn / vnd erklerung füren auch die Vbiquisten / wie in Collatione catholicae, & orthodoxae doctrinae cum disputatione Iacobitica, aus jhren eigenen schrifften erwiesen. Derwegen durch jhr angezogen argument die Antitrinitarier viel mehr gesterckt / als refutirt werden. Aus vrsachen / denn anfenglich Maiorem, den ersten Spruch belangende / ist derselbig gantz schwach / mangelhafftig / vnd schlipfferich / man wolte denn zugeben / das Christus / als Gott / von ewigkeit hab fleisch / blut / gebein / augen / Ohrn / Hende / Füsse / das ist / einen erschaffenen Leib / vnd Seel an sich gehabt. Denn diß alles hat er in der zeit seiner Menscheit / die er mit annemung erschaffen / vnd mit erschaffung angenomen hat / gegeben. Was aber für ein vnchristlicher Glaube hieraus folgen würde / lassen wir den Christlichen Leser vrteilen. Zum andern / ist der mitlerspruch (Minor genant) wider die gantze heilige Schrifft. Denn vber das / daß zwo almechtigkeit / oder zwo almechtige Naturn / ein
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ewige / vnd zeitliche / hieraus vnwidersprechlich folgen müsten (wie die Antitrinitarier solches wol verstehen / vnd derwegen mit dem gedicht de reali idiomatum Deitatis cum carne Christi participatione vberaus wol zu frieden sind) so könte auch der Spruch Christi nicht bestehen / da er bezeugt / jm sey (nicht seinem fleisch) vom Vater (nicht von jm selbst) alles in seine Hende vbergeben. Matth. 11. Joh. 17. Denn er vnterscheidet daselbst / nicht zwar das göttliche Wesen (nach welchem er mit dem Vater / vnd heiligem Geist / der einige Gott ist / vnd bleibt / hochgelobt von ewigkeit zu ewigkeit) sondern seine Person / als eines gesanten / von der Senderin. Diese Ordnung wird von den Vbiquisten alhie verleugnet. Wie sie aber mit keinem wort / noch grunde der heiligen göttlichen Schrifft in ewigkeit erweisen können / das die ewige / almechtige Gottheit des Sons jhrer angenomenen Menscheit hab gleiche almacht mitgeteilt: Also sind wir / one / ja wider schrifft jnen beyfal zu geben / nicht schuldig / viel weniger solches zu thun bedacht. Sondern erinnern viel mehr den Christlichen Lesern hiebey nochmals / das er wol bey sich behertzige / was aus diesem der Vbiquisten gedicht folge. Denn ob wir jnen solches gleich passieren liessen (wie wir Gewissens halben nicht thun können / sollen / noch wollen) das nemlich die Menscheit hab von der Gottheit in Christo / aus krafft der persönlichen vereinigung in der that / jedoch nicht von ewigkeit her / göttliche almacht / alwissenheit / vnd allenthalbenheit für sich empfangen: So würde doch hiedurch (wie nu offt erinnert) die Menschwerdung des Sons viel mehr zerstöret / als erkleret.
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Denn dieweil die Gebere / oder Mittheilerin aller solchen göttlichen eigenschafften / oder Gaben / ist (vermöge der Schrifft) die Person / naht zwar des Sons / sondern des ewigen Vaters / Math. 11. Vnd aber die persönliche vereinigung der göttlichen / vnd menschlichen Natur auff solcher thetlicher mitteilung / als vff der differentia specifica, oder quasi differentia specifica (wie D. Johan Matthaeus zu Witembegk schwermet) beruhen sol. Was würde denn anders daraus / denn eine Menschwerdung / nicht zwar des Sons / sondern des ewigen Vaters selbst / wie Sabellius / mit seinen Patripassianern geschwermet? Diß wolle der Christliche Leser nicht in winde schlahen / sondern vmb Gottes Ehrn / vmb Christlicher Warheit / vmb heisamen Friedes willen wol bey sich behertzigen / zu gemüt füren / vnd erwegen. Was nu vnser gegenteil alhie ferner mit anhenget /(Fol. Apol. Erf. 93. a.) vnd spricht: Lieber schleusst man nit also von einem Menschen / vnd schleusst recht? Dieses Menschen Leib lebet / vnd empfindet. Derwegen mus er eine lebendige Seele haben / etc. das nemen wir von jnen für ein schertz auff. Denn wir erstlich sie nicht so gar vergessen halten können / das sie hiebeuor (wiewol ohne grunde) hefftig gestritten / das communicatio idiomatum realis, vnd physica, nicht ein ding sey. So sie nu diß exempel ohne bedingung bloss wollen angenomen haben / sind sie hiemit schon wider sich selbst. Zu deme / wers viel zu grob / wenn solche grosse Lichter teutscher Nation (wie diese drey Menner in jrer Apologien / da sie die gantze Welt zu reformiren sich vnterstehen / gehalten sein wollen / vnd jhnen D. Johan Matthaeus da
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mit heuchelt / oder vieleicht jhr spottet / da er sie in seiner newen Responsion pag. 352 lumina Ecclesiae nennet) noch nicht solten wissen / das vis vegetatiua, sensitiua, vnd rationalis (wie wir sie hiebeuor in unser Apologien / pag. 275. gleichsfals zum freundlichsten einnert) sind im menschlichen Leib potentiae, & facultates on corporis propriè loquendo, sed animae. Denn die Seel hat im menschlichem Leib jre sönderliche Krafft / nachart / vnterscheid / vnd Ordnung der glieder / welche von der Seeln / als organa, oder Werckzeuge / zu vnterschiedenen Wirckungen / nach autstheilung des weisen Schöpffers / gibraucht werden. Wie nu mit warheit nicht kan geschlossen werden: Dieser Mensch ist vernünfftig / zehlet / argumentirt / gibt weisen Raht / etc. darümb ist sein Leib vernünfftig / zehlet / argumentirt / gibt weisen raht. Sondern diß wird hieraus viel mehr / als à proprio effection ad propriam causam geschlossen / das nemlich derselbige Mensch ein vernünfftige Seel in sich habe. Also von Christo schliessen wir recht / dieser Mensch vbet mirackel / welchs vnwidersprechliche Zeugnis () sind der göttlichen almechtigkeit. Denn niemand kan solche Werck thun / wie Christus thut. Johan. 3. Derwegen ist er nicht blosser Mensch / wie wir / sondern neben dem / das er menschliche Natur warhafftig an sich hat / vnd behelt / ist er auch zugleich warhafftiger / ewiger / almechtiger Gott. Vnser gegenteil aber schleusst vnrecht: Ergo, ist seiner Menscheit die göttliche almechtigkeit in der that mitgetheilt. Denn eben hieraus der schluss à proprio effectu ad propriam causam geschwecht würde.
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Aber wir lassen den weisen gelerten philosophis, vnd physicis diß argument à corpore sentiente ad animam ferner auszufüren befohlen sein. Vnd dancken Gott / das solche studia noch nicht gar in Teutschland verloschen sind: commendiren auch / vnd befehlen dieselbige der Christlichen studirenden Jugend mit allem fleiss / als einen sönderlichen hohen Schatz / zu vieler trostreichen Sprüch / vnd geheimnissen der Schnfft / richtiger erklerung hochnötig / vnd warnen sie vor den vngeschickten groben Bawersglauben / welchen vnser gegenteil jmer im Munde füret. Item / das sie sich auch jhr vngereimptes geschrey wider die freyen Künst nicht lassen jrre machen. Wie denn newlich zu Witembergk den 11. Decemb. Anno 83. in erklerung einer weissagung Danielis die Physici öffentlich als Thoren ausgeruffen worden / darumb das sie vnter andern / auch vom vnterscheid der Winden / darnach sich die Schiffleut vffm Mecr richten müssen / vernünfftig disputiren. Wir wollen jtzt nicht sagen (hat man damals pontificaliter gepredigt) ob 4. 8. 16. oder 32. Winde sein / wie die physici Thoren / etc. Das heisst ja der studierenden Jugend die freyen Künste / vnd edle Philosophiam an Gottes statt commendiren. Denn ob wol solche / vnd dergleichen disputationes, oder subtilitates physicae freylich vff die Cantzel nicht gehören / so dienet doch nirgend zu / das man nur / wo man kan / gelegenheit sucht / vnd ergreifft / vff die Studia Philosophica zu stechen / Aristotelem Nartistotelem zu nennen / vnd die Principia physica durch hönische vergleichu̅g mit einem Bierglass / oder Topffe öffentlich zuuerlachen: da
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durch freilich die Jugend (so ohne das / von Natur / vnd zwar jtziger zeit / je lenger / je mehr vor dem fleis / Sorg / vnd mühe / welche die freyen Künste / vnd Sprachen erfordern / ein abschew tregt) zu müssigang / vnd vppigkeit angereitzet / vnd zu einer grewlichen / hochschedlichen Barbarey / daraus endlicher verderblicher vntergang Kirchen / vnd Schulen / Land / vnd Leuten erfolgen mus / anlass / vnd vrsach gegeben wird. Diß aber ist auch der danck / das sich die gute Leut aus derselbigen / vnd andern löblichen faculteten haben erschrecken lassen / vnd der Subscription dieser abschewlichen Lehr teilhafftig gemacht. Darob wir zwar ein Christlich mitleiden gegen sie tragen / vnd in vnserm Gebet jhrer nicht vergessen. (Fol. Apol. Erf. 93. a.) Betreffende den Spruch Cyrilli / dessen alhie von den Herrn Verfassern gedacht wird / ist derselbig ein Kron der Warheit / von dem wir wol mit Luthero sagen können: tripudium cordis, & corona capitis nostri. Corpus enim Christi (spricht Cyrillus in Ioannem, lib. 4. cap. 19.) panis de coelo est, quia aeternam comedentibus vitam largitur. Magnum certè signum, Deitatis in hoc corpore naturam habitare; quoniam illa hinc donantur, quae certè omnem naturam excedunt. Das ist: Der Leib Christi ist das Brodt vom Himel / denn er gibt denen / so jn essen / das ewige Leben. Das ist fürwar ein gros Zeichen / das die Gottheit selbst in diesem Leibe (persönlich) wohnet. Denn durch diesen Leibe werden solche ding gegeben / welche weit alle Creaturn vbertreffen. In diesem Spruch Cyrilli ist alles auffs kürtzeste
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beysammen / was wider der Vbiquisten Lehr kan fürgebracht werden. Denn erstlich (spricht Cyrillus) der Leib Christi sey das Brodt vom Himel. Hieraus folgt vnwidersprechlich: Ergo, so tregt diesen Leib an sich derselbige / der vom Himel komen ist. Denn der Leib ist nicht für sich vom Himel komen / sondern aus der Mutter in die Welt geborn. Er heisst aber / vnd ist das rechte Himelbrot / denn er ist des eingebornen Sons Gottes / der vmb vns Menschen / vnd vmb vnser Seligkeit willen vom Himel hernider komen / vnd Mensch worden ist / eigener Leib. Wie nu die Appollinaristen vnrecht schliessen: Christi Leib ist das Brodt vom Himel; darümb ist Christi Leib vom Himel komen. Also schliessen auch die Vbiquisten vnrecht: In Christi Leib / oder Menscheit wohnet die almechtige göttliche Natur des eingebornen Sons Gottes persönlich; darumb ist der Leib / oder die Menscheit Christi almechtig / alwissend / allenthalben. Denn in einem ding wohnen / vnd dasselbige / was das einwohnende ist / selbst sein / oder werden / gibt keinen rechten / warhafftigen / vnd bestendigen schluss / weder aus der Vernunfft / noch Gottes Wort. Zum andern / da Cyrillus spricht: Corpus Christi panis de coelo est, quia aeternam comedentibus vitam largitur; argumentirt / vnd schleusst er mit vns / vnd allen rechtgleubigen / à proprio effectu ad propriam causam: wie folget. Was den niessenden das ewige Leben gibt / das mus ein Speis / oder Brodt vom Himel sein.
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Der Leib Christi gibt denen / so jhn essen / das ewige Leben. Derwegen ist er das Brodt vom Himel / vnd macht demnach lebendig / zwar nicht darümb / das er ein Leib ist (denn also ist er nicht vom Himel) sondern darümb / das er des eingebornen Sons Gottes / des ewigen Worts / so das wesentliche leben / das ist / Schöpffer / Widerbringer / vnd Erhalter alles Lebens ist / eigener Leib worden / vnd demnach das rechte lebendige Brodt vom Himel ist: verstehe / durch die persönliche vereinigung mit dem / der vom Himel komen ist. Denn wenn Christus nicht were das Leben wesentlich / so könt er weder das Leben genent werden / noch sein eigen fleisch / oder etwas anders in der that lebendig machen. Quod enim participatione, non natura vitam habet, non viuificat, sed mutuò aliunde vitam accipit. Nec creaturae licet dicere: Ego sum vita. Wie daselbst Cyrillus lib. eodem, cap. 18. nach der lenge / vnd deutlich hieuon redet. Aber diß argument dienet gar nichts für vnsers gegenteils opinion / welche auch von Cyrillo gantz / vnd gar abschreitet / vnd das contrarium schleusset. Nemlich / wie D. Kemnitzius felschlich argumentirt. Das ewige Leben geben / ist nicht einer erschaffenen Macht / sondern der göttlichen almacht Werck selber. Der Leib Christi gibt denen / so jn essen / das ewige Leben. Darümb ist dem Leib Christi göttliche almacht in der that mitgeteilt worden.
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Diesen wohn zu vertheidingen ist Cyrillo nie im traum fürkomen: Sondern er leret demselbigen stracks zuwider / das wenn sichs schon also hielte / wie die Vbiquisten fürgeben (welchs doch nicht ist / noch sein kan) so folgte doch die Krafft lebendig zumachen / nicht aus der mitgetheilten almechtigkeit des fleisches Christi / wo man nicht zuuor bewiese / das die Menscheit / oder das fleisch Christi selbst das Leben wesentlich / vnd also von natur / oder wesentlich almechtig worden: welchs gleichwol vnser gegentheil noch nicht sagen darff. Wunder aber ist es / das sie nicht alhie bedencken / wie jhr Lehr von jnen selbst widerleget wird / dieweil sie dem Leib Christi die krafft lebendig zumachen wider Cyrillum bald absprechen / bald zusprechen. Denn da Cyrillus / mit Christo / vnd allen rechtgleubigen leret: Wer den Leib Christi esse / der hab das ewige Leben / darumb das er der Leib des sey / der vom Himel komen ist / vnd in welchem das Leben selbst wohnet: So schreiben sie solches dem Leib für sich zu / vnd wollen doch nicht alle / die den Leib Christi (wie sie leren) warhafftig essen / des ewigen Lebens teilhafftig sein lassen. Müste demnach der Leib Christi für sich zugleich das Brodt zum Leben / vnd zum tode sein. Welchs sey ferne. Wir haben aber gleichwol nicht vmbgehen können / dieses vmb des vnberichten hauffens willen kürtzlich hiemit zu erkleren / welcher sonst von dem geschrey vnsers gegenteils gar eingenomen / vnd verfüret wird. In massen Cyrillus selbst hierüber klagt / libro eodem, cap. 18. Haec nos & cogitare (inquit) & scribere peruicacia vestra cogimur. Impellimur enim exquisitius ad vtilitatem legentium ista scribere.
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Zum dritten / nach dem Cyrillus erkleret hat / das der Leib Christi denen / die jn essen / nicht den todt / sondern das ewige Leben gebe / nemlich darumb / das er das Brodt vom Himel / das ist / des eingebornen Sons Gottes / welcher vns das Brot vom Himel worden ist / eigener Leib sey: Oder / wie er dazu setzt / das in diesem Leib die göttliche Natur selbst wohne. So bewehret er dieses alles / mit dem / welchs er nennet: Magnum signum, ein gros Zeichen / das sichs anders nicht verhalte. Quoniam illa (inquit) hinc donantur, quae certè omnem naturam excedunt: Denn hiedurch (spricht er) werden solche ding gegeben / welche weit alle (verstehe / erschaffene / denn die Schöpfferin hiemit nicht kan gemeinet sein) Naturn vbertreffen. Vbertrifft denn die Gab des ewigen Lebens aller Creaturn vermögen / vnd krafft / so kan sie ja nicht für sich dem Leib Christi zugeschrieben werden. Denn sonst das signum magnum, das ist / derselbige grosse beweis Cyrilli / das in diesem geheuss / oder Leib / vnd Tempel Christi die almechtige Gottheit des ewigen Worts persönlich / oder leibhafftig (wie der Apostel bezeugt) wohne / zu nicht werden müste. Sondern (wie sich Cyrillus selbst erklert) ditissima illa natura summas has diuitias largitur: Das ist; Die aller reicheste Natur / welche ist die ewige Gottheit selbst / gibt / vnd schenckt vns solche hohe Schetze. Darumb stehen eben in demselbigen capitel / kurtz zuuor diese wort: Hic enim effectus profectò demonstrabit, de coelo, id est, ex Deo esse hunc panem. Decet enim aeterna esse, quae ab aeterno donantur. Das ist: Diese krefftige Wirckung beweiset eigentlich / das diß Brodt vom
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Himel / das ist / von Gott sey. Denn es gebürt sich also / das es ewige Gaben sein / welche von dem ewigen Gott aus seiner eigenen Person geschenckt / vnd gegeben werden. Daher auch das ewige leben durch niessung dieses Brots / welchs des Sons Gottes eigener Leib ist / empfangen wird. So schliessen wir nu auch diß argument / vnd bitten den Christlichen Leser / er wolle den Spruch Cyrilli lib. eodem in Ioannem, cap. 18. jhm lassen befohlen sein / da er diese erklerung also beschleusst: Qui ergo immaculata Ecclesiae dogmata sequitur, fugiat ab istis, & ad simplicem veritatis pulcritudinem vias dirigat suas: & sicuti Patrem vitam esse naturaliter credit, sic Filium quoque vitam esse substantialiter non dubitet. Vt enim lumen de lumine est, sic & vita de vita. Et quemadmodum quae luce indigent, per Filium Pater illuminat, & sapientes per eum facit: sic quae vita egent, per Filium vt per vitam suam, quae ex ipso emanat, viuificat. Das ist: Wer der Kirchen vnbefleckte Lehr behalten wil / der sol die Ketzer faren lassen / vnd sich allein nach der schönen / lieblichen / einfaltigen Warheit richten. Vnd wie er gleubet / das der Vater das Leben wesentlich sey / also sol er nicht zweiffeln / das auch der Son das Leben wesentlich sey. Denn wie er das Licht vom Licht ist / also ist er auch das Leben von dem Leben. Vnd wie der Vater die jenigen / so des Lichts bedürffen / durch den Son erleuchtet / vnd durch den Son die Weisheit gibt / also die ding / so des Lebens nottürfftig sind / macht er durch den Son / als durch sein eigen Leben / welchs aus seiner ewigen Natur herfleusset / lebendig. Bißher Cyrillus.
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Das aber die Herrn Verfasser der Erfurdischen Apologien alhie ein newe Predigt / von der erhöhung Christi / allein nach seiner Menscheit / anhengen / vnd sagen (Fol. Apol. Erf. 93. a.) schimpfflich / die Regel Nazianzeni / vn̅ Basilij / darauff wir vns jeder zeit / mit allen rechtgleubigen beruffen: Nemlich / Quòd alia sit consideratio Filij ratione essentiae; alia ratione officij, seu missionis; wolle es (verstehe / in jren Köpffen) nicht ausmachen: Vnd sich auff den Spruch Athanasij (welchen wir in allen ehren halten / zur vbiquitet aber mit nichten dienstlich achten) beruffen; Quòd non altissimus, sed caro altissimi exaltetur: Item / Das alles / was Christo gegeben / nur von seiner Menscheit zuuerstehen sey / etc. Von diesem / vnd dergleichen ist droben albereit nottürfftiger / vnd ausfürlicher bericht geschehen: dadurch denn augenscheinlich erwiesen / das dieses alles wider vnsers gegenteils gedicht streite / vnd der Vbiquisten fürgeben durchaus (wie wir jnen solche jhre schöne phrases, vff gemeltes blats öberster linien / billig wider zu haus schicken) vergebliche / vnd nichtige theydungen seyen. Dabey wirs nochmals beruhen lassen / vnd dem Christlichen vnparteyischen Leser das vrteil nach der vnfeilbaren richtschnur des göttlichen Worts befehlen.

Das acht vnd zwentzigste Anhaltische Argument.
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(XXVIII. Fol. Apol. Erf. 93. b. 94. a.) DAs acht vnd zwentzigste argument / aus dem spruch / wider die anruffung der verstorbenen Heiligen / welchen Philippus Tom. 4. pag. 556. aus Luthero setzet / lassen sie gut sein. Sagen aber / es be
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neme jhrer Lehr nichts / das nemlich derselbige grewel von der anruffung der verstorbenen Heiligen / wo kein andere vrsach wer / nur vmb dieser einigen willen / die alzuwichtig ist / billig solte verworffen werden / das hiedurch die beweisung der ewigen Gottheit des Sons vertunckelt würde. Sintemal alle Propheten durch die anruffung / so dem Messiae gebührt / beweisen wollen / das er almechtig / vnd von Natur Gott sey. Wie kan aber diß mit der Vbiquisten meinung bestehen / das nemlich auch die angenomene menschliche Natur Christi almechtig / vnd aus derselbigen empfangenen Maiestet / wiewol nicht von Natur / jedoch in der that / Gott sey? Ist die almacht in Christo ein vnwidersprechlich zeugnis / das er warhafftiger ewiger natürlicher Gott sey / so kan die menschliche Natur nicht almechtig / noch Gott sein / wie jnen die Vbiquisten trewmen lassen. Denn sonst würde der Propheten argument von dem vnwidersprechlichen zeugnis der ewigen natürlichen Gottheit in Christo (wie Lutherus recht gesagt) vertunckelt / oder zwo almechtige Gottheit / ein zeitliche / vnd ewige / in Christo eingefüret. Hierauff beruhet das argument. Das sie aber von der Heuptfrage abschreiten / vnd in(Fol. Apol. Erf. 20. b. 94. b.) locum communem wider Danaeum digrediren / gibt vns nichts zuschaffen / haben auch die rechte meinung / wie fern Christi fleisch / oder warümb es anzubeten sey / albereit droben erklert. Da auch die Herrn Verfasser vff dieser meinung beruhen wolten / da sie aus Damasceno lib. 4. cap. 3. sich erkleren / vnd sagen: Das fleisch Christi mit dem Wort persönlich vereinigt / wird angebetet / da es sonsten / wenn du mit subtilen gedancken die angenomene menschliche
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Natur von der Gottheit abscheidest / nicht anzubeten ist. Da sie (sagen wir) hiebey wolten beruhen / so wer der Sachen / vnser einfalt nach / in diesem punct schon gerathen / vn̅ dürfften des zettergeschreys wider Danaeum nirgend zu. Das sie aber die warhafftige vrsach der anbetung des fleisches nicht allein vff die persönliche vereinigung / sondern auch auff jhre thetliche mitteilung der Maiestet / dadurch die Menscheit in Christo so wol / als die Gottheit / sol almechtig / alwissend / allenthalben / vnd ein Hertzkündigerin worden sein / gründen: ist nicht allein hieraus abzuneme̅ / das sie solch gedicht mit grossem trutz / noch jmer fort vn̅ fort beharlich vertheidingen / sondern auch alhie mit austrücklichen (Fol. Apol. Erf. 94. a.) worten aussagen: das die Ehre der anbetung / wie auch die almechtige gewalt / so zu der erhörung des Gebets gehöret / diesem Fleisch / oder angenomener menschlichen Natur des Sons Gottes / welche mit jhm persönlich / vnd vnzertrenlich vereiniget / alleine / vnd sonst keinem andern fleisch / vnd Menschen mehr / im Himel / oder auff Erden mitgeteilet sey. Mit welchen worten sie stracks (wider Damascenum / vnd alle rechtgleubigen / auff welcher zeugnis sie sich nur scheinweis beruffen) die menschliche Natur in Christo für ein Hertzkündigerin / vnd erhörerin / vnd demnach für ein erschaffene almechtige Göttin auffwerffen. Derwegen sie nicht mit einerley Gebet das ewige Wort im Fleisch / nach erforderung der persönlichen vereinigung / sondern duplici latria, mit vnterschiedener Ehr (die Gottheit / als von Natur almechtig; vnd die Menscheit / als der die almechtigkeit / vnd Krafft vnsere seufftzen zu erhören / in der that mitgetheilt sey) anruffen. Dadurch ob nicht zugleich
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Nestorij / vnd Eutychis abgötterey / so wol durch trennung der Person / als auch durch die vermischung der Naturn eingefüret werde / lassen wir abermal allen verstendigen / die sönderlich der beiden Concilien (Ephesini primi wider Nestorium / vnd Chalcedonensis wider Eutychen) decreta gelesen / vnd recht eingenomen / das vrteil befohlen sein. Vnsern Glauben aber / vnd Lehr in diesem punct betreffende (weil vns das gegenteil gern / wenn sie nur könten / in verdacht / vnd gefahr setzen wolt) erkleren wir nochmals rund / vnd deutlich: das wir nemlich Christum / GOTt / vnd Menschen anbeten / mit einerley Ehr: den gantzen Christum (denn von keinem halben Christo wissen wir) das Wort / das da fleisch worden ist. Wir zerstückeln / noch teilen Christum keins wegs im Gebet / als sey er halb Gott / vnd halb Mensche. Wir zerstrewen auch vnsere Hertzen nicht / das wir mit einigem gedancken die menschliche Natur von Christo vnserm Immanuel (zu welchem wir allein von hertzen grunde seufftzen / vnd schreihen) absöndern / oder vff ein ander weis die Gottheit / vff ein andere die Menscheit anruffen / noch vnterschiedene Gaben von der Gottheit / vnterschiedene von der Menscheit bitten solten: Sondern richten vnsere Hertzen gantz / vnd gar zu dieser Person / die Gott / vnd Mensch ist / in einer vnzertrenlichen / vnd vnuermischten Person. Summa / wir bleiben bey Augustino / welcher im 58. Sermon von den worten des HERRN also spricht: Dicunt haeretici, Filium non esse natura Dei Filium, sed creatum; quibus respondendum est; Si Filius non est Deus natus, sed creatura; nec colendus est omninò, nec vt
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Deus adorandus, dicente Apostolo: coluerunt, & seruierunt potiùs creaturae, quàm Creatori, Et ad Galatas; Sed tunc ignorantes, his, qui natura non sunt Dij, seruiebatis. Sed illi ad hoc replicabunt, & dicent: Quid est, quòd carnem eius, quam creaturam esse non negas, simul cum Diuinitate adoras, atque ei non minus, quàm Diuinitati deseruis? Ego Dominicam carnem, immò perfectam in Christo humanitatem, propterea adoro, quòd à Diuinitate suscepta, & Deitati vnita est, vt non ALIVM, atque ALIVM, sed vnum, eundemque Deum, & hominem Filium Dei confitear. Also lehret auch Athanasius: Qui Dominum in carne adoramus, non creaturam, sed creatorem corpore indutum adoramus; nec rei creatae citra Deum, qui creauit omnia, cultu inseruimus. Item, Cyrillus lib. de recta fide ad Theodos: Num igitur tanquam hominem adorabimus Emanuelem? Absit. Deliramentnm enim hoc esset, & deceptio, ac error. In hoc enim nihil differemus ab his, qui creaturam colunt vltra conditorem, & factorem. Hiemit stimmet auch das schöne Zeugnis Lutheri vberein / in seiner herrlichen auslegung der letzten wort Dauidis: da fol. 562. Tom. VViteb. Germ. 5. von der warhafftigen anbetung des Menschen Christi also geleret wird. Wenn wir den Menschen von Marien geborn anbeten / so beten wir nicht einen abgesönderten Menschen an / der für sich selbst / ohn Gott / vnd ausser Gott / eine sönderliche eigene Person sey / Sondern wir beten den einigen rechten Gott an / der mit dem Vater / vnd heiligem Geist / ein einiger Gott / vnd mit der Menscheit ein einige Person ist. Bißher Lutherus.
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Hiedurch wird abermal widerlegt / da die Coneordiformul fol. 302. ohne grund fürgibt / das der Leib Christi / wie er auff Erden leiblich gangen / do er raum gab / vnd nam / nach seiner grösse / also nicht in Gott gewesen sey. Was hetten denn die Hirten zu Bethlehem / Weisen aus Morgenland / blinden vor Jericho / der bekerte Schecher am Creutz / ja Thomas selbst / auch nach der Aufferstehung / angebetet? Müste es nicht ein abgesönderter blosser Mensch / ohne / vnd ausser Gott / das ist / ein Creatur / oder zum wenigsten nur ein gespenst gewesen sein? Diß möge̅ die Herrn Co̅cordiste̅ mit einander zu concilijren / vn̅ das crucifige (jrem geist nach) wider den HERrn / vnd seine gesalbten zu renouiren / vffs newe zu Berga vor Magdeburgk / oder im Weinfass zu Erfurd / bey der fetten Küchen / vnd frischem Keller / da es feine subtiles Spiritus gibt / einen Synodum, sex, vel trium virorum anstellen / damit sie vrsach bekommen / sich opiparè, & lautè (wie sich jhre Hochachtbarkeit selbst / weil sie doch nur Menschen zu gefallen / vnd jhrem bauch zu nutze dienen / nicht vnbillig wol werth achten / vnd befinden) tractiren zu lassen.

Das neun vnd zwentzigste Anhaltische Argument.
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WIe fein meisterlich aber vnterfangen sich(XXIX.) vnsere Antagonisten das neun vnd zwentzigste argument zu eludiren. Es ist ein grosser vnterscheid(Fol. Apol. Erf. 94. b.) (sagen sie) zwischen Christi Leib / vnd der heiligen Leiben. Denn allein Christi Leib / des Sons Gottes eigen Leib /
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vnd mit jm persönlich / vnd vnzertrenlich vereinigt ist. Desgleichen ist allein Christi Leib zur rechten Hand der Krafft / vnd Maiestet Gottes erhöhet / welche stücke von keines heiligen Leibe können gesagt werden. Bißher jre wort. Wer hat denn von den vnsern jemals geleugnet / das in gemelten / ja viel andern mehr puncten der Leib Christi nicht allein für vns / sondern auch für allen andern Creaturen seine vnaussprechliche praerogatiuen / vnd vorzüge habe / vnd vber alle nicht allein sichtbare / sondern auch vnsichtbare geschöpff Gottes / weit auch vber die Seraphin / Cherubin / Thronen / Herschafft / Fürstenthumb / Gewalt / Krefft / Ertzengel / vnd Engel erhoben sey? Solt aber hieraus folgen / das er darümb nicht / wie der andern Heiligen Leibe / in die Ordnung der sichtbaren / vnd empfindlichen substantzen / oder wesentlichen menschlicher Leiben gehörete? Oder / solt er darümb auffhören des Sons Gottes eigener Leib zu sein / wenn er auch in der Herrligkeit zur Rechten Gottes im Himel seine vnterschiedentliche / angeborne / geheiligte / vnd von den todten aufferweckte gliedmassen / in gebürlicher menschlicher statur / proportion / vnd gestalt an sich behielte / vnd demnach nicht zugleich an vielen / noch allen Orten (welchs allein der vnendlichen ewigen Gottheit / vnd keiner Creatur zugehöret) gegenwertig were? Wo bliebe denn der Spruch des HERRN? Fület / vnd sehet / denn ein Geist hat nicht fleisch / vnd bein / wie jhr sehet / das ich habe. Lucae 24. Dieweil denn diese wort (Gott lob / vnd danck) viel zu hell / vnd klar sind / denn das sie sich durch einige Sophisterey eludiren lassen / so bleibt auch diß argument noch fest / vnd vnbeweglich / welchs wir also widerholen.
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Vnser Heyland Jesus Christus betet embsiglich / Johan. 17. Vater / Ich wil / das / wo ich bin / auch die bey mir seyen / die du mir gegeben hast / das sie meine Herrligkeit sehen / die du mir gegeben hast. Ist nu der Leib Christi zugleich im Himel / in der Hell / vff Erden / in Wasser / Lufft / Fewer / vnd vberal / wie das Concordibuch / fol. 245. 302. vnd 313. fürgibt / vnd bey diesem argument / in der drey Theologen vbergebener Refutationschrifft / vor vnser Apologia gedruckt / pag. 74. vnd 75. hefftig (wiewol one grund) gestritten wird / das die Lehr von der allenthalbenheit der menschlichen Natur in Christo ein offenbarer / bestendiger / vnd vnbeweglicher Artickel vnsers Christlichen Glaubens sey / vnd wer denselbigen verwerffe / der begehe ein grewliche / vnd erschreckliche Gotteslesterung / etc. So mus aus dem Gebet Christi vnwidersprechlich folgen / das auch die Heiligen / so bald sie von diesem leben abgefordert werden / vberal / vnd demnach almechtig sein. Warümb solten sie denn (wenn sichs also verhielte) nicht auch billig angebetet werden? Darümb bestehet noch (wie wir aus den worten Lutheri trewlich gewarnet) das ob schon kein andere vrsach were / warümb man das gedicht von der vbiquitet mit allem ernst fliehen / vnd verwerffen solte / jedoch diese einige gros / vnd wichtig gnugsam were / dieweil sie den grunde von der Gottheit Christi vertunckelt. Wir wollen aber auch die antwort vnsers gegenteils vff diß argument erwegen. In jrer obgedachten Refutationschrifft gaben sie dem Gebet Christi ein solche gloss / gleich als begert der Heylande von seinem himlischen
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Vater / das wo seine Heiligen sein / Er vberal bey jhnen sein möchte. Aber es ist jhnen geantwortet / das Christus solchs nicht bitten dürffe / sondern er sey es / wegen seiner vnermeslichen / vnendlichen Gottheit / von Natur. Dahin auch der Spruch gehet: Ich bin bey euch allezeit / biß zum ende der Welt / Matth. 28. Daraus Damascenus lib. 4. cap. 19. des HERrn Christi ewige Gottheit beweiset. Darumb diese von jnen vbelerdachte gloss in warheit nichts anders ist / denn ein mutwillige verkerung desselbigen trostreichen heiligen Gebets vnsers Heilandes / welchen freuel Er freilich / als ein gerechter Gott / dem keines Menschen gedancken verborgen sein / von jnen fordern wird. Sie suchen aber jtzt in jhrer Erfurdischen Apologien (Fol. Apol. Erf. 94. b.) newe ausflüchte / vnd geben erstlich für / es folge gar nicht / das wo Christus mit seinem Leibe ist / die Heiligen mit jren Leiben auch sein müssen. Mit welcher antwort sie dem Gebet Christi abermals stracks widersprechen. Denn die Wort des HERRN sind klar / das er nemlich / als vnser ewiger Hoherpriester / vns alle / die wir an seinen Namen gleuben / bey seinem himlischen Vater verbittet / das wir (denn also legts der Apostel selbst aus) in jenem Leben bey jm sein mögen allezeit. 1. Thess. 4. Solte nu vnser Widersacher meinung gelten / so müste der HERR etwas vnmüglichs gebeten haben. Was würde aber für trost hieraus zu schöpffen sein / wenn die Christen an jenem tage mit schmertzen erfahren müsten / man hette jhnen wol hoffnung gemacht / bey jhrem Erlöser zu sein allezeit / aber solchs könt jnen nicht widerfaren? Die
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weil vnser gegenteil trutziglich fürgibt / es folge gar nicht / das wo Christus mit seinem Leibe ist / die Heiligen mit jrem Leibe auch sein müssen. Ja / wo bliebe vnter des die Apostolische betewrung / das vnser ewiger Hohepriester am tage seines fleisches Gebet / vnd flehen mit starckem geschrey / vnd threnen geopffert habe zu dem / der jhm von dem tod kunte aushelffen / vnd sey auch erhöret / darumb das er Gott in ehren hatte? Hebr. 5. Diß alles müste falsch sein / vnd würde also der Heyland (wie der Apostel von vns Menschen redet) nicht gewist haben / was er beten sollen / wie sichs gebührt. Wie solt er denn die Heiligen vertretten / nach dem das Gott gefellet? Rom. 8. Heisset das nicht / mit dürren worten der heiligen Schrifft widersprechen? Zum andern / sagen sie dem vörigen zuwider / der angezogene(Fol. Apol. Erf. 95. a.) Spruch aus dem Gebet Christi / Joan. 17. Gehe nicht weiter / denn so weit / nemlich (wie jhre wort daselbst lauten) das wie Christus im ewigen Leben mit seinem Leibe ist also auch die Heiligen mit jren Leiben bey jm / im ewigen Leben sein sollen. Mit welchen worten sie eigentlich jr vberzeugtes Gewissen an tag geben / dieweil sie wider jhren willen / vnd vorsatz vnser argument / welchs sie gern vmbstossen wolten / selbst müssen bekrefftigen. Denn ists jr ernste / das die Heiligen in jenem Leben den HERrn Christum mit seinem Leib allzeit bey sich haben werden / vnd das souiel die substantz des Leibs belanget / die Heiligen eben also mit jhren Leiben bey Christo im ewigen Leben sein werden / wie Christus mit seinem Leibe in
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dem ewigen Leben bey den Heiligen ist / etc. So kan mit keinem grunde geleugnet werden / das wie der Heiligen leibe nicht zugleich im Himel / vnd in der Helle / noch allenthalben sein werden / also auch Christi Leib nicht zugleich im Himel / vnd in der Helle / noch allenthalben sein könne. Oder / es müsten zugleich wie Christi / also auch der heiligen Leibe allenthalben / im Himel / vnd in der Helle sein / daraus abermal das alte Brentianische / vngehewre / grewliche gedicht folgen würde / das / dieweil Christi Leib / mit allen gleubigen / nach dieser Welt / ohne zweiffel / für vnd für im ewigen Leben / vnd gleichwol (wie die Vbiquisten jhnen trewmen lassen) zugleich im Himel / Hell / vnd vberal sein sol / das auch Himel / vnd Hell (dieser vngereimpten Lehr nach) souiel den Ort belanget / nicht vnterscheiden / sondern beide vberal beysammen / vnd also die Teuffel / sampt jren mituerdampten / im Himel so wol / als in der Helle / vnd die ausserwelten neben Christo / in der Hell so wol / als im Himel sein müsten / dafür billig alle frome Hertzen erschrecken. Das aber vnser Antagonisten mit solchen opinionen / vnd gedancken / aus Brentio geschöpffet / noch behafft seyen / ist hieraus abzunemen / das sie nicht austrücklich bekennen / noch sagen dürffen / Christus sey mit seinem Leib im Himel / sondern brauchen dafür diese art zu reden / welche sie nach jhrem vorteil deuten können: Er sey mit seinem Leibe im ewigen Leben. Denn es jnen nicht ein wil / das Christus mit seinem Leib also im Himel reumlicher weis / nach art / vnd eigenschafft eines natürlichen / warhafftigen / menschlichen Leibs sey / das er / ob ers wol könte / jedoch (vermöge der Schrifft /
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vnd Glaubensartickel) vor der Welt ende mit seinem Leib nicht wider hernider kome / viel weniger allenthalben sey (welchs allein Gott zugehört) sondern nach dem Spruch Augustini recht gegleubt werde: Donec seculum finiatur, sursum esse Dominum. Zu deme / können wir auch dieses / vmb des Christlichen Glaubens willen / vnsern Widersachern nicht gut sein lassen / das / wiewol sie sonst für vnd für den vnsern (aber Gott lob ohne grund) fürwerffen / als gebe man dem HERrn Christo nach seiner Menscheit nicht mehr Ehr / denn sonst einem Heiligen im ewigen Leben / alhie selbst in solchem groben jrthumb alzu greifflich sich betreffen lassen / da sie (dem vnterscheid zwischen Christo dem Heupt / vnd seinen gliedmassen gar zuwider) one einige bedingung fürgeben / das wie Christus / also auch die Heiligen im ewigen Leben sein sollen. So doch allein Christus mit seinem Leib also im Himel ist / das er nicht allein für sich / wie andere Heiligen / der ewigen Frewde sich ergetze / sondern vielmehr vns zu gut / welchen er aus seiner fülle ewiges Licht / Freud / vnd herrligkeit mitteilet: In massen auch Christi Leib allein / vnd nicht der Heiligen Leibe zu der Maiestet der Rechten Gottes erhöhet / von allen ausserwelten Engeln / vnd Menschen angebetet / vnd geehret wird. Solten derwegen die Herrn Verfasser der newen Apologien im Weinfass / vff solche hochwichtige Sachen billig mehr fleis / denn (leider) für augen ist / angewand haben. Belangend die Vbiquitet / daran sie nu selbst zu zweiffeln anfahen / vnd von D. Heshusio zu Quedlinburgk wol eingetrieben worden sind / ist bekant / das sie in jhrer vermeinten Refutation wider vnser bedencken (wie
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kurtz zuuor bey diesem argument angezogen) einen offenbaren / bestendigen / vnd vnbeweglichen artickel vnsers Christlichen Glaubens daraus gemacht / welcher ohne grewliche / vn̅ erschreckliche gotteslesteru̅g nicht kön̅e verleugnet werde̅. Das sie aber hiebeuor selbst (wie auch noch) schr widerwertige meinung dauon gehabt / ist in vnser Apologia pag. 338. mit jren eigen worten angezeigt. Itzt komen sie fast wider auff das schöne fündlein Chemnitij; Abundet quisque suo sensu. Denn von der algemeinen allenthalbenheit des Leibs Christi wollen sie nicht angesehen sein / das sie mit jemand zancken / vnd dichten eine vbiquitatem specialem, oder partialem, welchs ein öffentliche contradiction in adiecto in sich fasset. Denn was nicht vberal / sondern nur etwa allenthalben ist / das ist in warheit nicht allenthalben. Das sie aber Lutherum (welcher zu letzt / wie vnleugbar / die Regel vrgirt / Tom. 8. Ienensi, fol. 340. Man solt nichts von allenthalbenheit disputiren / denn hiedurch nur Stenckfelds geistlerey von der vergötterung des Leibs Christi gestercket / vnd demnach die ware gegenwart / sampt dem Leibe selbst / im heiligen Abentmal zu grund verleugnet würde) so liederlich hindan setzen / vnd mit dem gottlosen Cham den fromen Noah so gar entblössen / das sie jhm solch vngereimpt dogma, welchs sie doch selbst nicht mehr (Fol. Apol. Erf. 95. a.) so gar (wie im anfang) beiahen / noch auffrichtig / wie sie es heimlich im Hertzen haben / bekennen / vnd vertheidingen dürffen / biß in seine gruben zumessen / stehet jrem geist nicht vbel an: Wir aber wollen vns solcher jhrer vndanckbarkeit an dem tewren Werckzeuge Gottes nicht teilhafftig machen.
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Sie verleugnen aber vnter des / oder verkleistern die algemeine allenthalbenheit des Leibs Christi in allen Creaturen / Laub / Stein / Holtz / Grass / vnd (wie sie vnhöfflich(Fol. Apol. Erf. 171. b. 173. a.) reden) in allen vnsaubern Orten / wie sie wollen / oder zuthun vermögen: so stehet sie doch nicht allein in jren hiebeuor ausgangenen büchern / vnd ist zu Witembergk in der disputation / Anno 80. öffentlich (wiewol mit bösen / faulen / vnd losen gründen) asserirt worden / sondern wird auch in der Concordiformul / welche die arme Subscribenten am jüngsten gericht von wort zu wort / in rebus, & phrasibus, zu verantworten / sich an Aydes statt / mit Hand / Mund / vnd Hertzrn gantz vergessentlicher / schrecklicher weis / verpflichtet haben / an vnterschiedenen Orten deutlich / vnd klar bekrefftiget: dermassen / das auch fürgegeben wird / der Christliche Glaub müste falsch sein / wenn nicht alles durch vnd durch vol Christus fleisch sey / folio Concordiae 302. 313. Damit es aber nicht ein ansehen habe / als nöttigten wir vns zu vnserm gegenteil / so wollen wir dem Christlichen Leser zum besten / alhie die erinnerung der Mechelburgischen Theologen auff diesen punct von wort zu wort selbst für augen setzen / vnd daraus (wie einig diese Subscribenten sind) zu vrteilen befehlen. Die wort der Mechelburgischen Censur vber die Apologiam / von den dreyen Mennern zu Erfurd verfasset / lauten vnter andern / wie folget. Die Apologia sagt / das Christlich Concordibuch gehe eigentlich / vnd allein / vnd nicht weiter / denn auff die praesentiam totius Christi in Ecclesia, & Sacramentis. Item: das die generalis vbiquitas dem Concordibuch
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angedichtet werde. Nu ist ja diß im Concordibuch augenscheinlich / vnd derhalben vnleugbar / das die generalis vbiquitas corporis Christi; Das Christus auch nach seiner Menscheit / vnd mit seinem Leibe allenthalben sey / wo Gott ist / in etlichen vnterschiedenen Ortern austrücklich im Concordibuch gesetzt / vnd bestettiget wird. (1.) Als nemlich / fol. 313. fac. b. So mus folgen / das Christus auch nach der dritten vbernatürlichen weise / sey / vnd sein müge allenthalben / wo Gott ist / vnd alles durch vnd durch voll Christus sey / auch nach der Menscheit. (2.) Et ibidem; Wo du kanst sagen / Hie ist Gott: da mustu auch sagen / So ist Christus der Mensch auch da: vnd wo du einen Ort zeigen würdest / da Gott were / vnd nicht der Mensch / so were die Person schon zertrennet. (3.) Item: Nein Gesell / wo du mir die Gottheit hinsetzest / da mustu mir die Menscheit mit hinsetzen / sie lassen sich nicht söndern. (4.) Item: fol. 301. fac. b. wird aus Luthers grossem bekentnis ein langer locus abgeschriebe̅ / da vor diesen worten / (Meine gründe / darauff ich stehe in solchem stücke / seind diese) austrücklich diese proposition von Luther gesetzt wird / das er geschrieben / das der Leib Christi allenthalben sey. Solches erweiset er bald darauff mit folgenden vier gründen / die im Concordibuch erzelet / vnd in Luthers bekentnis austrücklich zur bestettigung generalis vbiquitatis gelegt verden. (5.) Item / fol. 302. Du must diß Wesen Christi / so er mit Gott eine Person ist / etc. so tieff / vnd nahe in alle Creaturn setzen / als Gott darinnen ist. Denn er ist eine vnzer
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trennete Person mit Gott: wo Gott ist / da mus er auch sein / oder vnser Glaub ist falsch / etc. Dieweil nu das Concordibuch so offt / vnd ausfürlich an etlichen vnterschiedlichen Orten die generalem vbiquitatem öffentlich bekennet / vnd vertheidinget / so würden ja die wort in der Apologia / das das Concordibuch eigentlich / vnd allein nicht weiter / denn auff die praesentiam Christi in Ecclesia, & Sacramentis gehe / vnd das dem Concordibuch die generalis vbiquitas angedichtet werde / müssen geendert / vnd ausgelassen werden / wo nicht die Apologia in einer öffentlichen vnwarheit sol ergriffen werden. Bißher jhrer eigen Rottgesellen wort / bey welcher zeugnis wir es auch bleiben lassen / vnd geben hieraus (wie gemelt) dem Christlichen Leser der Herrn Verfasser Spiritum vertiginis zuermessen. Wie sie denn zugleich hiemit jhr böse Gewissen vor der gantzen Welt an tag geben / vnd verrahten / dieweil sie einander selbst der falschen Lehr des Concordibuchs erinnern / vnd nichts desto weniger (vermöge der schrecklichen obligation) dasselbig biß für den Richterstul Jesu Christi / durchaus in allen syllaben / vnd sententzen / semptlich / vnd sönderlich zu vertheidingen / auff sich behalten. Gott gebs jhnen mit warer bekerung zu erkennen. Das nu ferner hieneben das neunte capitel der Erfurdischen Apologien (wie auch sonsten hin vnd wider) viel(Fol. Apol. Erf. 172. b. 173. a.) wort verderbt de indistante vnione duarum naturarum in Christo; hilfft jhrem gedicht / das Christi Leib allen Creaturen gegenwertig sey / gar nichts: Sondern wir bleiben auch dißfals bey der verantwortung der Mechelburgischen / das nemlich / ob wol zwischen Christi Leib drobe̅ im Himel /
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vnd zwischen vnsern hieniden auff Erden ein distantia loci sey / gleichwol darümb nicht folge / das auch zwischen der göttlichen / vnd menschlichen Natur ein solche distantia sey / noch die persönliche vereinigung in Christo hiedurch auffgehoben werde. Wie man denn bekennen mus / das im tode Christi / da sein Leib im grabe / sein Seel im Paradeis ist / dennoch die persönliche einigkeit darumb nicht getrennet / noch ein distans vnio hypostatica daraus worden sey. Es ist aber die wunderbare verwirrung / vnd abschewliche vngewisheit jhrer Lehr auch daraus zu prüfen / das sie im Concordibuch (wie angezeigt) durchaus streitten / wenn der Leib Christi nicht so wol allenthalben / in / vnd ausser allen Creaturen sey / als die Gottheit / so müsse vnser Glaub falsch / vnd die Person getrennet sein / vnd (Fol. Apol. Erf. 172. a.) doch in jrer Apologia diesem zuwider nicht zugeben wollen / das die substantz des Leibes / oder fleisches Christi allenthalben / oder in allen Creaturen sey. So mus ja hieraus folgen / das Christus nicht die substantz / sondern nur den schein eines Leibs nach seiner allenthalbenheit an sich trage. Vnd wer hieraus nicht erkennet / das die Vbiquisten mit den alten / vnd newen Manicheern leichen / der mus gar nichts / oder ja alzu wenig von dem Heuptgrunde vnser allein warhafftigen Christlichen Religion verstehen.

Das dreissigste Anhaltische Argument.
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IM dreissigsten argument geben sie sich(XXX.) fast gefangen. Denn sie mit keinem wort darauff antworten können / sondern stellen sich beschwert /(Fol. Apol. Erf. 95. a.) vnd eilen furüber. Derwegen wir den Christlichen Leser bitten / das er vnser Apologiam hieuon selbst auffschlahe / vnd mit fleis erwege / vom 340. blat an / biß vffs 345. Die Summa daruon helt sich auffs kürtzeste / wie folget: Sie wollen jrem gedicht also helffen / die menschliche Natur Christi sey almechtig / alwissend / allenthalben / aber nicht subiectiuè. Nu ist diese erklerung nicht allein dunckel / vnd zweiffelhafftig / darein sich der wenigste teil der armen verfürten Subscribenten / ja wol nicht einer wird richten können / sondern leuffet auch wider sich selbst. Denn weil ein jede Rede (wie in Schulen bekant) in sich fasset subiectum, praedicatum, vnd copulam: so sind ja diß locutiones abstractiuae, da die menschliche Natur den Ort des subiecti jnnen hat. So sie nu jnen selbst nicht widersprechen wollen / sondern darauff bleiben / das die Menscheit Christi nicht subiectiuè almechtig / alwissend / vnd allenthalben sey / so müssen sie mit vns / vnd allen rechtgleubigen dieselbige locutiones abstractiuas cassiren. Vnd also were bestendiger Friede zu hoffen. Wollen sie es aber ferner glossiren / vnd sagen: nicht subiectiuè, sondern personaliter, so stehet die Rede abermal auff schrauben / vnd gebührt sich in so hohen geheimnissen nicht also zu spielen. Denn wenn wirs schon vmb friedens willen also verstehen / vnd annemen wolten: Das fleisch Christi / das ist / die Person des ewigen Worts / welche fleisch worden ist / vnd vnser Natur hat an sich geno
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men / ist almechtig / alwissend / allenthalben: So wer es doch vnförmlich geredet / vnd würde vnserm gegenteil mit solcher auslegung gar nichts gedienet sein. Sol mans aber mit jhnen dahin verstehen / das wol das fleisch Christi seiner Natur halb nicht almechtig / alwissend / allenthalben sey / jedoch sey es solchs alles in der Person / vmb der vereinigung willen mit dem Wort / vnd von wegen der erhöhung zur rechten Gottes / etc. So antworten wir bestendig / vnd mit warhafftigem grunde / das weder per gratiam vnionis, noch exaltationis die eigenschafften des ewigen Worts von der angenomenen Menscheit anders / denn in concreto, das ist / in solcher form zu reden / das loco subiecti die Person / vnd nicht die Natur stehe / gesagt werde. Denn sonsten folgen müste / das Christi Menscheit ein andere art / oder Natur hette für sich / ein andere in der Person betrachtet: Da sie doch für sich ausserhalb der Person nichts ist / vnd in der Person mit nichten anders / denn nach jhrem Wesen / wesentlichen eigenschafften / vnd Wirckungen / an welchem allen sie vns gleich ist / betrachtet werden kan. Hierauff stehet / vnd beruhet diß gantz argument / wird auch wol fest bleiben wider alle Sophisten. Belangende abermal die Regel Nazianzeni: quòd alia sit consideratio Filij, respectu essentiae, alia respectu oeconomiae; (Das ist / Es hat ein andere meinung / wenn man vom göttlichen Wesen des ewigen Worts / absolutè, für sich redet / vnd ein andere / wenn man von seiner menschwerdung (Fol. Apol. Erf. 95. a.) / vnd ampt redet) stellen sich die Herrn Verfasser alhie gleich / als weren sie nicht dawider / vnd erkleren sich doch mit keiner richtigen syllaben / sondern verwerffen
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stracks / als Arianisch / wenn man aus der Schrifft die erklerung thut / das die amptsverwaltung / ohne abbruch des ewigen göttlichen Wesens / vnd almacht / der Person des Worts / vnd nicht nur seiner angenomenen Menscheit auffgetragen / vbergeben / vnd befohlen sey. Derwegen sie auch zu Hertzbergk die Regel Philippi (das in der Schrifft klarer vnterscheid müsse gehalten werden zwischen den Sprüchen / die eins teils von der Gottheit / so da sendet / eins teils von der Person / die gesand ist / reden) nicht leiden wolten / wie das Protocoll / dabey glaubwirdige Personen / als lebendige / vnuerwerffliche Zeugen / angezogen / vnd gegenwertig gewesen / augenscheinlich ausweiset. Vnd zwar die Herrn Verfasser geben alhie abermal jhr vberzeugtes Gewissen an tag / welchs sie auff diesen(Fol. Apol. Erf. 95. a. b.) punct nicht mehr hat antworten lassen / denn es gehe das Concordibuch nichts an / sondern stehe bey der jenigen / so dem Hertzbergischen colloquio beygewonet / bericht. Lassen vnter des den Leser vngewis / vnd im zweiffel / ob die Regel (Discernendum est inter Deitatem mittentem, & personam missam) anzunemen / oder zuuerweiffen sey. So doch D. Selnecker / vnd D. Chemnitius dabey gesessen / da nemlich zu Hertzbergk 23. Augusti / Anno 78. sessione quinta (hoc est, antepenultima) pomeridiana, von jhrem theil diese Rede gefallen: Si concederemus Regulam, quòd discernendum sit inter Deitatem mittentem, & personam missam; sequeretur, quòd Filius sit missus non tantùm à Patre, sed etiam à Spiritu sancto: quia vna vtriusque Deitas est. Darauff sich die vnsern erklert / wie es alle rechtgleubigen anders nicht halten: Decretum factum esse à Patre,
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sed consensum esse totius Trinitatis. Item, Mitti à Patre Filium volentem, & quidem non refragante, sed potius obsignante Spiritu sancto. Ps. 40. Dieweil aber das gegenteil darauff inferirt: Ergo duo sunt Filij, mittens, & missus; Ist jhnen von den vnsern die Regel Nazianzeni entgegen gesetzt worden / mit folgenden worten: Nequaquam duo sunt Filij, sed vnus est, manetque Filius, qui aliter consideratur ratione ESSENTIAE, aliter ratione oeconomiae, seu officij. Officium Redemtoris solus Filius sustinet, & quidem ab initio decreti promulgati in paradyso. Sed idem Filius ratione aeternae essentiae vnus est Deus cum Patre, & Spiritu sancto, à quibus ratione Deitatis, gloriae, & maiestatis indistinctus est, distinctus tamen hypostasi. Diß haben wir alhie mit den worten / wie sie damals gefallen / vnd von dem Notario trewlich auffgezeichnet sind / zu widerholen für nötig geacht / auff dz der Christliche Leser erken̅e / was vnser gegenteil von den angezogenen beide̅ Regeln halte / one welche doch viel sprüche in Gottes wort nicht könten recht / noch deutlich gnugsam erkleret worden. Dieweil sie aber alhie widerumb den Spruch des (Fol. Apol. Erf. 95. b.) Apostels (in Christo wohnet die gantze fülle der Gottheit leibhafftig / Coloss. 2.) mit einsprengen / daraus (wiewol one grund) zu beweisen / das Christus (wie sie reden) auch nach seiner angenomenen menschlichen Natur / von dem augenblick seiner empfengnis / göttliche maiestet / das ist / almacht / alwissenheit / vnd allenthalbenheit gehabt (denn also erklerts D. Johan Matthaeus, professor zu Witembergk / das der Leib Christi / von seiner empfengnis an / allenthalben sey) so bleiben wir (sie mügen süss / oder sawer dazu sehe̅)
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nochmals bey der festen / vnbeweglichen meinung aller rechtgleubigen / das nemlich aus demselbigen Spruch des Apostels nichts wenigers / denn ein solch vbiquistisch gedichte folge. Es sey denn / das sie zuuor die Jesuiten mit gutem grunde widerlegen / welcher dißfals richtige / vnd anderweit widerholte declaration vber denselbigen Spruch wir vnserm gegenteil aus der Meintzischen disputation de persona Christi aduersus Vbiquitarios, mit fleis zu ponderiren vnter augen setzen. Denn also lauten jre wort daselbst / capite 6. thesi 69. Apostolus affirmat, non in humanitate, sed in Christo inhabitare plenitudinem Diuinitatis; quod verissimum est, quia non tantùm, more Sanctorum ceterorum per gratiam consors factus fuit diuinae naturae, sed plenissimè, & perfectissimè homo ille est DEVS. Deinde ait (inhabitare plenitudinem) in Christo, quo Verbo no̅ solùm ipsarum inter se naturarum, ac , sed personalis quoque, si quis proprietatem eius perperam cum Nestorio vrgeat, communicatio non stabiliri, sed tolli potius videtur. Qui enim, Verbi causa, domum in habitat, & natura, & hypostasi à domo distinguitur. Postremò ait, plenitudinem diuinitatis fuisse in Christo; at isti in quarundam tantùm, non autem omnium diuinarum proprietatum co̅municatione, quibus plenitudo diuinitatis continetur, sua̅ colloca̅t. Habent autem verba Pauli clarissimam sententiam à S. Patribus saepè explicatam, plenitudinem Diuinitatis in Christo corporaliter habitasse; quia in eo non fuit Diuinitas, vt in ceteris Sanctis tantùm spiritualiter, aut vt olim in templis manufactis vmbraliter (nam in eodem capite, vt
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notauit in Ep. ad Dardanum Augustinus, vmbram futurorum corpori Christi opponit) sed , verè, & substantialiter; quia veram, naturalem, & substantialem communiter in vna persona, vel subsistentia cum carne Christi habuit vnionem; ex qua vnione consecutum est, vt & Filius Dei verè, & perfectè esset homo, & Christus homo verè, & perfectè esset Deus, eiusque corpus verè Dei corpus. Vnde facilè intelligitur, & cur plenitudo Diuinitatis, omnesque thesauri sapientiae, & scientiae in Christo fuerint, & cur fuerint corporaliter; illud quidem, quia cum Christus homo verè fuerit Deus, necesse est eum omnium quoque proprietatum diuinarum, quae à Diuinitate non separantur, participem fuisse: hoc verò, quia corpus humanum in suam personam verè assumsit. Bißher die Jesuiten zu Meintz. Ein gefaster trutz aber ist an den Vbiquisten zu spüren (Fol. Apol. Erf. 95. b.) / das sie alhie selbst bekennen / es sey jhnen nicht vnwissend / das die Veter mehres teils den Spruch Pauli Phil. 2. von der angenomenen Knechtsgestalt / also erklert haben / das sie formam Dei pro Diuinitate, & formam serui, pro humanitate genomen / in massen sie auch solche erklerung für vnstrefflich rühmen. Vnd faren nichts desto weniger fort / jhre erdichte Maiestet darein zu flechten / gleich als hab die Menscheit Christi beide Gottes / vnd Knechts gestalt an sich / vnd jene zwar durch diese / im stand seiner nidrigkeit / biß zur aufferstehung / hinderhalten. Dadurch nicht allein das gantze intent des Apostels am selbigen ort verkeret / sondern auch den aller grewlichsten Ketzern die thür vffs new in die Kirchen einzubrechen geöffnet wird.
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In massen die opinio Erasmi (welcher sich sonst vmb die freyen Künst / vnd Sprachen zum besten verdient hat) vber diesen Spruch so mangelhafftig befunden / das vnserm gegenteil nicht vnbewust / wie stadlich dieselbige von andern aus Gottes wort widerleget worden ist. Wollens aber vnsere Antagonisten ja dißfals (wie sie sich fast vernemen lassen) mit Erasmo halten / so werden sie die Arianische lesterung aus diesem Spruch des Apostels mit nichten widerlegen können: dieweil Erasmus austrücklich (aber mit vngrunde) fürgibt / dieser Spruch vermöge nichts wider die Arianer. Gleich als were das nicht ein herrliche bekrefftigung der ewigen Gottheit vnsers Heilandes / wider Arium / das der Apostel so embsig redet: Erstlich / Christus war () finge nicht an zu sein. 2. In Gottes gestalt / das ist / Wesen / oder Natur. Denn (wie Basilius sagt) Gottes gestalt / vnd Wesen kan nicht zweierley sein / dieweil Gott ist simplissimum ens, das aller eimgste Wesen. 3. Hielt ers für keinen raub / das ist / er wars von natur / ohne jemandes nachteil / auch nicht durch eigene anmassung. 4. Gott gleich / welchs beide wider Arium / vnd Sabellium gehet / vnd von der Menscheit Christi (weil sie nicht auffhöret ein Creatur zu sein) mit warheit nimermehr gesagt kan werden. 5. Dieses alles hat er sich geeussert / vnd ist Mensch worden. Das ist sein tieffe nidrigkeit / nicht des fleisches / sondern des Sons Gottes selbst im fleisch / welches er / als ein knechtische Natur der herrligkeit des Schöpffers vnter
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worffen / mit allen schwacheiten (ausgenomen die Sünde) warhafftig angenomen / vnd darinn nicht (wie er doch so wol nach / als vor der persönlichen vereinigung mit vnserm fleisch wol hett thun können) gepranget / oder nur sich göttlich geberdet / sondern vns als ein Knecht gedienet. Er selbst (wil der Apostel sagen) nicht die angenomene Menschheit / sondern der Son Gottes (welcher eines Wesens mit dem Vater) ist in die Welt komen / vns zu dienen / one abbruch seiner ewigen Gottheit / vnd gleicheit mit dem Vater. Denn das ampt schmehlert der keines / dieweil ein anders ist / von dem göttlichen Wesen des Sons / ein anders von seiner Menschwerdung / dazu die gantze oeconomey / vnd Amptsverwaltung vnser Seligkeit gehört / reden. Solchs alles wird alhie von den Vbiquisten disputirlich / vngewis / vnd zweiffelhafftig gemacht / so doch Lutherus selbst (vff welchen sie sich zum schein beruffen) in seiner Kirchpostill am Sontag Palmarum vber diesem Spruch nicht das geringste (so fern man die wort nicht mit gewalt anders deutet / denn der gantze inhalt mit sich bringet) vnser meinung zuwider / noch dem gegenteil zum besten redet / wie wir den verstendigen Leser aus dem gantzen context derselbigen schönen Predigt (welche alhie zu widerholen viel zu lang sein würde) selbst vrteilen lassen. So ist Hieronymi auslegung / darauff sich die Herrn Verfasser auch beruffen / kein gründlicher bestendiger beweiss / sondern nur eine anzeigung / vnd widerholung / wie andere diesen Spruch erkleren. Vnd ob er wol seine gedancken daneben anzeigt / patrociniren doch solche
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mit nichten der vbiquistischen Maiestet / sondern sind jhr viel mehr entgegen / wie vor gelerten leicht darzuthun wer. Wir können aber alhie nicht vmbgehen / dem Christlichen Leser zum besten / die schöne erklerung dieses Spruchs aus dem 78. tractatu Augustini vber Johannem kürtzlich zu erzehlen / wie folget: Per quod Filius non est aequalis Patri, per hoc iturus erat ad Patrem, à quo venturus est viuos & mortuos iudicaturus. Per illud autem, in quo aequalis est gignenti vnigenitus, nunquam recedit à Patre, sed cum illo est vbique totus pari diuinitate, quam nullus continet locus. Cum enim in forma Dei esset, sicut Apostolus loquitur, non rapinam arbitratus est, esse aequalem DEO. Quomodo enim rapina possit esse natura, quae non erat vsurpata, sed NATA? Semetipsum autem exinaniuit, formam serui accipiens. Non ergo amittens illam, sed accipiens istam, eo modo se exinaniens, quo hîc minor apparebat, quàm apud Patrem manebat. Forma quippe serui accessit, non forma Dei recessit: haec est assumta, non illa consumta. Propter hanc dicit: Pater maior me est. Propter illam vero: Ego, & Pater VNVM sumus. Hoc attendat Arianus, & hac attentione sit sanus, ne contentione sit vanus; aut, quod est peius, insanus. Haec enim est forma serui, in qua Dei Filius minor est, non Patre solo, sed etiam Spiritu sancto: neque id tantum, sed etiam se ipso, quia idem ipse in forma Dei maior est seipso. Item: Ipse ergo Christus Filius Dei, aequalis Patri in forma Dei, quia semetipsum exinaniuit non formam Dei amittens, sed formam serui accipiens: maior est & seipso, quia maior est forma Dei, quae amissa non est, quàm serui,
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quae accepta est. Quid itaque mirum, vel quid indignum, si secundum hanc formam serui loquens, ait Dei Filius: Pater maior me est? Et secundum Dei formam loquens, ait idem ipse Dei Filius: Ego, & Pater vnum sumus? Vnum sunt, secundum id, quod Deus erat Verbum: Et maior est Pater, secundum id, quod Verbum caro factum est. Et ibidem: Aequalis enim Patri Filius, per quem factus est homo: Vt minor esset Patre, factus est homo, quod nisi fieret, quid esset homo? Cum discipulis audiamus verba Doctoris, non cum alienis sequamur astutiam deceptoris. Agnoscamus geminam substantiam Christi; diuinam scilicet, qua aequalis est Patri; humanam, qua maior est Pater. Vtrunque autem simul, non duo, sed vnus est Christus: ne sit quaternitas, non trinitas DEVS. Sicut enim vnus est homo, anima rationalis, & caro: sic vnus est Christus, DEVS, & homo. Ac per hoc Christus est Deus, anima rationalis, & caro. Christum in his omnibus, Christum in singulis confitemur. Bißher Augustinus. Es wollen aber vnser Antagonisten alhie zum vberflus nochmals zum trewlichsten erinnert sein / das ehe sie an vns Ritter zu werden sich vnterstehen / jnen (wie wir sie nu zum öfftermal gebeten / vnd vermanet) zuuor die Jesuiten zu widerlegen gebühre / welche in diesem stück der Lehr warhafftig / vnd richtig erfunden werden. Wie sie denn vff das gedicht / das die Menscheit Christi von dem augenblick (wie die Vbiquisten fürgeben) seiner empfengnis an / die göttliche Maiestet gehabt / also antworten in disputatione Moguntinensi, cap. 5. thesi 66. Si humanitas ab ipso vtero ad
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summam Diuinitatis gloriam euecta est, cur B. Ioann es ausus est absolutè dicere? Nondum enim erat Spiritus datus, quia Iesus nondum erat glorificatus; cur Christus ipsa passione iam imminente petijt clarificari à Patre? cur Lucas scripsit? Oportuit Christum pati, & sic intrare in gloriam suam. Item: Si reipsa etiam in vita mortali humanitas Christi fuit omnipotens, omnium rerum conscia, gloriosa, immortalis, vbique; quomodo intelligi potest, eandem reipsa sine manifesta fictione, & simulatione, fuisse subiectam miserijs, & doloribus, ignorantiae, impotentiae, conclusam fuisse angustijs vteri, praesepis, sepulcri? nisi velint cum Manichaeis phantasticam aliquam carnem inuehere. Si enim caro Christi verè fuit gloriosa, & impassibilis, licet eam gloriam non declarârit; quomodo potuit esse simul obnoxia passioni? Et si in ipsa adeò morte maiestatem suam maximè ostendit obscuratione Solis, scissione saxorum, excitatione mortuorum, ruptione veli, quomodo omnium terribilium terribilissimae mortis capax esse potuit? Von dem Spruch aber Phil. 2. erkleren sie sich also: cap. eodem, thesi 68. Apostoli verba non illam habent sententiam, quam Vbiquitarij fingunt; Christum hominem, cum esset in forma Dei, se exinaniuisse, hoc est, Maiestatem beneficio vnionis hypostaticae acceptam occultasse, & cohibuisse, vilique, & seruili forma apparere voluisse; sed hanc, Christum cum esset in forma Dei, hoc est, secundum substantiam suam DEVS, formam serui, hoc est, naturam humanam assumsisse, quam nunquam, ne quidem in resurrectione, aut ascensione deposuerit. Sic enim veteres omnes locum hunc intellexerunt, conuenienter sanè
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verbis Apostoli. Nam primò formam Dei formae serui opponit, qua voce etiam Philosophi naturam rei, atque substantiam intelligunt. Deinde seipsum declarans, quid sit accipere formam serui, vt annotauit B. Fulg. mox addit, In similitudinem hominum factus, & habitu inuentus, vt homo. De seruili autem conditione, vt monuit Augustinus, accipiendum est, quod proximè sequitur: Humiliauit semetipsum, factus obediens vsque ad mortem. Certè B. Cyrillus Alexandrinus non semel expressè probat, Christum non posse dici alia ratione exinanitum, nisi quatenus factus est homo. Nam quomodo (inquit) exinanitum est, quod à Deo assumtum est; quomodo exinanitum est, quod ante non fuit plenum; quod ante non fuit liberum; quod non est effectum seruum? Et B. Fulg. Neque enim (inquit) aliud fuit illa summi Dei exinanitio, nisi formae seruilis, id est, humanae naturae susceptio. Vtraque enim in Christo est forma; quia vtraque & vera, & plena est in Christo substantia. Beatus verò Augustinus ex hoc vno loco firmissimam putauit confici regulam contra Arianos, vt in Scripturis de Christo alia de forma Dei, id est, diuinitate, alia de forma serui, id est, de humanitate intelligantur. Et alibi reprehendit Maximinum Arianorum Episcopum, quòd formam serui sublatam esse in resurrectione putauerit. Haec illi. Geliebts dem Christlichen Leser / so mag er ferner hieuon ein ansfürliche erklerung dieses Apostolische̅ Spruchs nachlesen / in Collatione fidei orthodoxae cum disputatione habita VVitebergae, anno 80. vom 205. blat anzufahen / biß vffs 223.
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In summa; Ist vnsers gegenteils gloss warhafftig / das nemlich die göttliche gestalt / Phil. 2. nicht sey das göttliche Wesen selbst / sondern die göttliche Maiestet / der menschlichen Natur mitgetheilt / Vnd das also die menschliche Natur zugleich habe Gottes / vnd Knechts gestalt / so wird sie ja dieselbige mitgeteilte Maiestet / als formam Dei, vnd demnach formaliter empfangen haben. Wo bleibt denn jhr widersinnische protestation / das die menschliche Natur in Christo almechtig / alwissend / vnd allenthalben sey / aber nicht formaliter; so sie doch solche Maiestet in warheit (jrem fürgeben nach) als formam Dei empfangen hat? Item / So das wort forma, nicht solt von der Natur selbst verstanden werden / so müste nicht allein in Gott etwas anders die Natur / vnd forma sein / vnd also blieb er nicht simplicissimum ens: Sondern man würde auch den Manichtern mit keinem bestendigen grund begegnen können / die aus der Menscheit Christi nur ein angenomene blosse gestalt eines Menschen dichteten. Das mag vnser gegenteil wol behertzigen.

Das ein vnd dreissigste Anhaltische Argument.
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DAs ein vnd dreissigste argument gehet(XXXI.) auff die Regel / darauff vnser gegenteil selbst (aber ohne rechte application) dringet / das nemlich die(Fol. Apol. Erf. 95. b.) Eigenschafften nicht weiter sich erstrecken / denn vff das jenige / dem sie eigentlich gehören. Proprietates non egrediuntur sua subiecta, quorum sunt proprietates.
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Diese Regul hat vnser gegenteil bißher also zu eludiren sich vnterstanden / das die göttliche eigenschafften nichts desto weniger in der Person bleiben / ob sie gleich der angenomenen Menscheit in der that mitgeteilt werden. Quia (inquiunt) humana natura Christi non est alter, sed altera. Thesi VViteb. 153. sectione prima. Aber darauff ist in Collatione fidei orthodoxae, & Iacobiticae, pag. 168. albereit von andern gnugsam geantwort / vnd wird solch gedicht auch von den Jesuiten zu Meintz / cap. 5. thes. 65. ausfürlich widerlegt / dahin wir den Christlichen Leser hiemit wollen remittiret haben. Jedoch kürtzlich vnser argument zu widerholen / helt sichs mit demselbigen also / wie folget. Dieweil in Christo zweierley eigenschafften zu betrachten sind (denn eins teils gehören zur beschreibung der beiden vnterschiedenen Naturn / nach welchen er entweder seinem himlischen Vater / vnd heiligem Geist / als warhafftiger Gott: oder vns / das ist / seinen Brüdern / als warhafftiger Mensch / doch ohn Sünde / gleich ist: Eins teils aber zur beschreibung seiner Person / nach welcher das ewige Wort vom Vater / vnd heiligen Geist vnterschieden ist) So mus vnwidersprechlich folgen / das weder die persönlichen / noch wesentlichen eigenschafften des ewigen Worts mit warheit auff die angenomene Menscheit können / noch sollen gedeutet / oder gezogen werden. Denn sonsten ex communicatione reali idiomatis personalis folgen würde / das die angenomene Menscheit so wol / als die Gottheit des Worts / aus des ewigen Vaters Natur / vnd Wesen geborn / vnd der glantz seiner ewigen Herrligkeit wer. Vnd also müsten vnwidersprechlich
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zween Söne sein. Aus thetlicher mitteilung aber der wesentlichen eigenschafften in das fleisch Christi / würde auffgehoben der vnterscheid zwischen der göttlichen / vnd menschlichen Natur / vnd das jenige / so vnwidersprechlich allein zur beschreibung der göttlichen Natur (nemlich almechtig / alwissend / allenthalben sein) gehört / auff die Menscheit gezogen / vnd demnach aus derselbigen etwas vnendlichs an krafft / Weisheit / vnd gegenwart gedicht / das also aus dieser meinung vnmüglich sein würde / den Christlichen Glauben zu erhalten / da nicht mehr denn von einem vnendlichen / almechtigen / vnd alwissenden Wesen geleret wird / sondern müsten nothwendig zwey infinita (ein ewiges / vnd erschaffenes) zugelassen werden. Ob nu hiedurch nicht zugleich das grosse geheimnis von der heiligen Dreyfaltigkeit / vnd warhafftigen menschwerdung des Sons Gottes labefactiret werde / lassen wir alle gottfürchtige verstendige Hertzen vrteilen: vnd keren vns nichts an vnsers gegenteils geschrey / die vns alhie abermal(Fol. Apol. Erf. 95. b.) (jren geist an tag zu geben) fürwerffen / es sey erlogen: Item / es seyen calumnien / lesterung / vnd dergleichen. Denn vnser beweis stehet für angen / vnd schewet keins wegs das Licht / sondern wir bitten vmb richtigen process / damit vnser gegenteil zur gebürlichen rechenschafft jhres Glaubens gehalten werde / vnd sich nicht zugleich für Kleger / vnd Richter anzumassen habe. Wie denn solches mit wenigem jhrem ruhm / mit vieler fromer / vnd gelerter Leute nachteil / schaden / vnd hertzenleid / mit Kirchen / vnd Schulen jemerlicher zerrüttunge / mit vieler einfeltigen Hertzen betrübu̅g / vnd der feinde des H. Euangelij frolocke̅ / vnd triumphiren / ein gute lange zeit anhero geschehen /
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welches der almechtige gerechte Gott zu seiner zeit wol recht richten wird. Psalm. 75. Das sie aber mit so gantz prechtigen worten fürgeben / vnd gleich hönisch fragen / wie sie die Person Christi auffheben solten / von welcher sie doch / vermöge (sagen sie) göttliches Worts / vnd des Christlichen Concordibuchs / bestendig lehren / das die angenomene menschliche Natur Christi / eben daher / vnd sonst nirgend anders her / almechtige Krafft / vnd gewalt empfangen habe / dieweil sie mit der ewigen Person des Sons Gottes vnzertrenlich vereiniget / vnd one dieselbe nicht einen augenblick bleiben / oder bestehen könte? Diß alles ist nichts / denn ein vergebliche petitio principij (welchs Lutherus heisset / incertum per incertum probare) dadurch sie jhrem gebrauch nach / das jenig zum beweis anziehen / dauon noch die Frage ist / ob sichs also halt / oder nicht? Denn sie zuuor aus Gottes wort / darauff sie sich ohne grund beruffen / mit klaren Sprüchen darthun / vnd beweisen solten / das die Menscheit Christi almechtig / alwissend / allenthalben / vnd wie sie sonst reden / Gott selbst sey. Dieweil sie aber (wie droben angezeigt) in jhrer vermeinten Refutationschrifft / pag. 55. wider vnser bedencken vber die Praefation der Concordiformul / endlich haben mit vberzeugtem Gewissen / wider jhr eigen fürgeben / bekennen müssen / das weder die heilige Schrifft / noch andere approbirte Bücher von jhnen selbst in der norma specificirt / vnd erzehlt / also reden / vnd der Son Gottes klar bezeugt / das von seinem Vater / vnd nicht von sich selbst / dazu nicht
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seiner Menscheit / sondern jhme / als dem gesanten vom Vater / alle gewalt gegeben sey: So verstehet der Christliche Leser / auch one fernere erinneru̅g / was dißfals vo̅ vnsers gegenteils nichtiger protestation zu halten / als die sich auff das göttliche Wort beruffen / darans jnen doch nicht allein mangelt / sondern es wird auch das widerspiel daraus erwiesen: das nemlich / so die persönliche vereinigung (jhrem fürgeben nach) darauff bestünde / das die Gottheit sey die geberin / die Menscheit aber die Nemerin / freilich nicht der Son / sondern der Vater selbst / nach der Sabellianer lesterung / müste Mensch worden sein. Ja / dieweil der Vater alles dem Son in seine Hende vbergeben hat / müst aus diesem vnsers gegenteils vngründe folgen / das sich der Vater mit dem Son persönlich vereinigt hette. Denn der Vater hat dem Son alle gewalt vbergeben / welche auch der Son vom Vater warhafftig / vnd in der that empfangen hat. Wolan / GOTt der HERR wird freilich solche grewliche lesterung / dazu vnser gegenteil nicht allein vrsach gibt / sondern albereit den grund gelegt hat / wol zu finden wissen. Belangend das argument / welchs sie alhie lateinisch /(Fol. Apol. Erf. 96. a.) vnd teutsch widerholen / aber mit keinem wort aufflösen / remittiren wir / vmb geliebter kürtze willen / den Christlichen Leser zu vnser Defension wider D. Johann Matthaeum / newlich in druck ausgangen. Vnd geben vnserm gegenteil vnter des zu bedencken / wie sie nicht vns / sondern den Jesuiten zu Meintz (welche auch in diesem stücke recht / vnd wol / vnd der heiligen göttlichen Schrifft gemes halten / vnd schreiben) antworten wollen / dieweil sie jnen eben diß argument / cap. 5. disputationis de persona Christi aduersus Vbi
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quitarios, thes. 62. mit deutlichen worten / die wir droben bey vnserm siebenzehenden argument / pag. 193. erzehlet haben / obijciren vnd fürhalten. Damit sie aber nicht dasselbige (jrer gewonheit nach) nur eludiren / vnd verlachen / oder fürgeben / es sey schon verantwortet: so setzen wir alhie nicht vnbillig die 63. thesin dazu / vnd begeren von jhnen / so fern sie jhrer Sache keine schewe tragen / das sie die Jesuiten mit gnugsamen gründen widerlegen. Als denn wirds vnsert halben kein noth haben / denn wir der Warheit jederzeit raum zu geben erböttigk sind. Folget derwegen / wie die Jesuiten ferner / beides D. Jacobo Andreae / vnd den Herrn Verfassern der Erfurdischen Apologien vff jre ausflüchte antworten. Denn also lauten daselbst ferner jre wort: Ad hanc probationem firmissimam nihil planè habent, quod probabiliter respondeant. (the. VViteb. 175.) Iacobus Andreas primam propositionem concedit, de sumtione tacet. Id tantùm annotat de proprietate aeternitatis; humanitatem quidem Christi ab aeterno non fuisse; (thes. 124. 125. Dan. 7.) potestatem tamen illi communicatam aeternam esse, & ab aeterno fuisse, secundum illud Danielis: Potestas eius potestas aeterna, quae non auferetur. At architecti Apol. Concord. Kirchnerus, Selneccerus, & Chemnitius, cernentes in hoc argumento esse digitum (Apolog. cap. 5. fol. 56. 60.) DEI, ingenuè fatentur, non omnes proprietates Diuinitatis humanitati esse communicatas, vt aeternitatem, infinitatem, & quod sit Spiritus; tùm quia diuina Scriptura has proprietates illi non attribuit; tùm quia sequeretur alioquin, humanitatem non in tempore, sed ab omni aeternitate à persona Verbi assumtam fuisse.
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Verùm haec responsio euidenter refellitur. Primò, quia, vt argumentatur Smidelinus, Apostolus perspicuè(the. VViteb. 175.) scripsit: In ipso inhabitat OMNIS plenitudo Diuinitatis corporaliter. Col. 2. At vbi aeternitas, Diuinitas, immaterialitas, aliaeque proprietates ante enumeratae absunt; ibi neque plenitudo, neque omnis plenitudo Diuinitatis esse potest; cum plena Diuinitas non sit, vbi vel vna eius desideratur proprietas. Secundo, quia S. Patres à communione idiomatum nullam Diuinitatis, humanitatisque Christi proprietatem remouerunt, sed omnes vtrique naturae in concreto, hoc est, personae vicissim attribuerunt, vt sicut Christus Filius Dei ratione vnionis hypostaticae verè, & propriè dicitur natus, passus, sepultus; sic Christus homo verè, & propriè dicatur creator coeli, & terrae, aeternus, infinitus, immortalis. Quòd autem aliquando sancti Patres propositiones quasdam eiusdem generis, vt Christus est creatura, est incorporeus, est materiae expers, admittere reformidarunt; eò factum est, quòd cum Arianorum, aliorumque haereticorum, & erroribus, & phrasibus conuenire viderentur. Itaque B. Hieronymus, & Augustinus, ne occasio esset deerrandi à veritate, ad certam regulam in Theologia loquendum esse monuerunt. Deinde primae propositionis probatio inuicta est omnium Theologorum confessione. Nam cum omnes proprietates, vel attributa Diuinitatis sint vnum, & idem realiter, & essentialiter cum Diuinitate: neque à sese, neque à Diuinitate ipsa vlla Dei potentia, etiam absoluta, separari possunt. Quare si Diuinitas realiter communicata est humanitati, & eius naturalis infinitas, aeternitas, atque id genus aliae communicatae erunt.
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Ad hanc rationem autores Apologiae respondent, Filio Dei, qui communicationem suae Maiestatis in scripturis (cap. 4. fol. 81. a.) sanctis manifestauit, probè exploratum esse, quemadmodum communicatio illa sine diuisione proprietatum diuinarum peracta sit, atque idcirco se ei nodum hunc dissoluendum relinquere. Haec illi. Vff diese der Jesuiten erklerung ist vnser gegenteil zu antworten schuldig. Wir zweiffeln aber nicht / sie werdens wol bleiben lassen. Denn die Warheit lesset sich nicht mit leren hülsen / vnd vergeblichen worten vnterdrücken / vnd ob wir wol die grobe jrthumb des Bapsihum̅s im wenigsten an den Jesuiten / noch andern Münchsorden billigen / noch entschuldigen: So ist doch offenbar / das in diesem Artickel sich Lutherus selbst (wie recht / anffrichtig / vnd billig geschieht / denn man ja allezeit / befürderst in so hochwichtigen Sachen / nicht auff die Personen / sondern vielmehr vff die Warheit an jr selber sehen sol) zu den Papisten bekant / vnd in allen angestelten colloquijs zwischen der Augspurgischen Confession verwanten / vnd genanten Catholicis bey diesem artickel kein streit fürgefallen. Ja dieweil auch der Religions fried hierauff gewidmet / vnd beruhet / so hat vnser gegenteil wol zuermessen / zu was newerung / vnd gefehrlicher weitleufftigkeit jhr vbelerdachte Vbiquitet mit der zeit (welchs doch Gott allergnedigst verhüten wolle) möchte vrsach geben. Betreffend den vnterscheid zwischen den Reden (caro Christi substantialiter, vel naturaliter, per se, in se, & secundum se vita est, vel viuifica. Et, caro Christi per coniunctionem (Fol. Apol. Erf. 97. a.) cum Verbo ad virtutem viuificandi conscendit; vnter welchen die erste falsch ist / die ander aber ist war) sind wir
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mit Cyrilli worten / vnd meinung / so wol als mit der determinatione Concilij Ephesini, de carne Christi viuifica, seu viuificatrice, als dem göttlichen Wort Johan. 6. gemes / durchaus zu frieden. Es werden aber vnser Widersacher weder aus Cyrillo / noch Gottes Wort in Ewigkeit beweisen / das man in der Kirchen Gottes mit warheit sagen könne / oder soll: Quòd caro Christi sit Deus, aut sit omnipotens, omniscia, & vbique. Derwegen wir diese Reden billig mit allen rechtgleubigen nicht allein fliehen / sondern als ketzerisch von hertzen grunde verwerffen. Das wir aber Lutheri grandiloquentiam recht auslegen / vnd nicht mit den Flacianische̅ Vbiquisten aus allen(Fol. Apol. Erf. 97. b.) seinen Reden oracula machen / das wird vns kein verstendiger können verdencken Sintemal keines Lehrers / weder alten / noch newen autoritas, oder ansehen / vnd Name so gros ist (wie auch Lutherus von jhm selbst so viel / vnd hoch nicht wil gehalten haben) das man alles stracks von jm für Glaubensartickel auffnemen / oder anbeten solt / sondern es sol vielmehr alles (wie die Apostel lehren / vnd befehlen) nach der Richtschnur göttliches worts geprüfet / vnd dem Christlichen Glauben gemes geredet / vnd ausgelegt werden. Damit vns aber nicht jemand vnbilliger weis in verdacht ziehe / als verkleinerte̅ wir hiemit D. Lutherum / welchen wir vieimehr / den̅ vnser gegenteil / als ein hocherleucht Werckzeug Gottes lieben / vnd ehren / so wolle der Christliche Leser alhie vnbeschwert sein / zu durchsehen / vnd recognisciren / was dißfals D. Heshusius selbst zu Quedlinburgk für ein erklerung / vnser meinung gantz gemes / eingewand / dabey wirs nochmals beruhen lassen / wie von wort zu wort folget.
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HESHVSII DE LVTHERO iudicium.
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Wir achten Lutherum für einen tewren Werckzeug Gottes / der den grund aus Gottes Wort gezeiget / vnd das seine Schrifften vieler grossen Scribenten bücher weit vorzuziehen sein. Aber es ist jme auch / wie andern H. Vetern / also gangen / das er incidenter, vnd zufellig / bißweilen etliche argument gebraucht / welche den stich nicht halten / wie im loco de vbiquitate vermeldet wird. Darzu hat er bisweilen solche phrases gebraucht / welche nicht allein die Widersacher jtziger zeit carpiren / sondern vieleicht etliche der vnsern aus vnuerstand jrgend also brauchen könten / das man also eigentlich reden solte / vnd von vorsichtigkeit / welche Gottes wort erfordert / keine vermanung zulassen möchten. Als / im streit de peccato originis sind viel aus misuerstand harter reden D. Lutheri / von vns abgewichen / vnd werden noch heutiges tages viel Leut durch die Manicheer verfüret / vnd durch die listigen allegaten aus Lutheri schrifften / in jrthumb erhalten. Anhaltini pag. 154. ziehen Musculi Reden an; Quòd caro, & Verbum sint vna essentia. Wenn er lebte / vnd man jn darumb zu rede setzte / würde er sich mit Lutheri loco de identica praedicatione vertheidingen / vnd also die Rede für recht ausgeben / vnd erhalten wollen. Nach dem auch Lutherus in der Hauspostill die annunciationis Mariae spricht: Vnser fleisch / vnd blut ist Gott / geben die Collectores wider die Anhaltischen für / als sey es recht gesagt: caro Christi est DEVS; welches doch Lutheri Rede gar nicht ehnlich ist / do sie doch selbst in
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diesem genere locutionum abstractiuas locutiones nicht zulassen / daraus man sihet / was ardor contentionis thut. Es ist aber ein anders / das D. Luth. offt in seinem schreiben gemeint hat / darinnen er vnstraffbar / vnd billig von vns verantwortet wird: ein anders aber / ob die phrases alle co̅modae sein / vnd also sollen probiret werde̅ / dz es communis licentia sein sol / ebe̅ also in Ecclesia audacter zu rede̅. Hierauff erzehlet D. Heshusius aus Luthero etliche Sprüch / ausgezogen zum nachdencken. Als / Luth: cap. 28. Genes. de scala lacob, inquit: Vtrunque igitur verum est, summa diuinitas est infima creatura, serua facta omnium hominum, immò ipsi Diabolo subiecta; Das wird nimmermehr / als propriè geredt / in der Kirchen zuuerantworten sein. Denn Lutherus redet in abstracto (das ist / durch ein solch wort / das nicht eigentlich die Person / sondern eine Natur der Person bezeichnet) vnd gibt der Gottheit (in abstracto genennet) was der menschlichen Natur eigen ist / da doch die Gottheit kein Creatur worden ist / ob schon Gott ist Mensch worden / vnd die Menscheit eine Creatur ist. Ob es nun schon Lutherus dahin nicht gemeinet / so ist doch solche Rede sehr gefehrlich / dahin sie mit worten sihet. Darumb halten wirs dafür / das alhie Luthero nicht jrthumb in der Lehr mag zugemessen werden. Seine phrasis aber sey incommoda, vnd soll autoritas Lutheri keine licentz machen / also in der Kirchen eigentlich zu reden / etc. Vnd bald vorm ende daselbst / stehen diese wort: Man kan ja Lutheri identicam praedicationem, in phrasibus zur imitatio̅ nicht proponire̅ / ob wir wol Lutheri intent / vnd end gern billigen. Also ists auch in andern mehr /
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vnd ist in alle̅ Schrifften der Veter ein grosser vnterscheid / zwischen dem / das zur Sach gehöret / vnd guten grund hat / vnd dem / was beyfellig dazu komen / vnd der Sachen nichts benimmet / wens schon beseits gesetzt wird. Wir ziehen vns aber hierin auff der Kirchen vrteil / drumb vns niemand verdencken wird / das wir vmb einen Synodum bitten. Bißher Heshusius. Das aber die Herrn Verfasser (vngeacht aller erinnerung / die wir in vnser Apologia dermassen mit Lutheri eigenen worten ausgefürt / das sie auch derselben vberdrüssig worden / vnd es ein lang geschwetz aus D. Luthers Hauspostillen schimpfflich nennen) nichts desto weniger jhren (Fol. Apol. Erf. 97. b.) newen Glaubensartickel / das Christi fleisch selbst Gott sey / aus Vigilio, vnd Nazianzeno beschönen wollen / darauff antworten wir mit den obgedachten Jesuiten zu Meintz (den̅ wir schemen vns nicht mit jnen die Warheit zu beken̅en / ob wirs wol sonst in andern stücken / da sie von derselbigen abweiche̅ / keins wegs mit jnen halten) cap. 4. the. 52. wie folget: Quòd verò quidam veteres carnem Christi Diuinitatis participem faciunt; nihil iuuat istorum realem , qua diuinitas det, humanitas accipiat. Nam è contrario & alij non verentur dicere, naturam diuma̅ esse incarnatam. Vnde sequitur, & carnem realiter esse communicatam Diuinitati, quod isti negant. Quam verò sententiam eiusmodi dicta habeant subiectam, Patres Quintae Synodi Constantinopolitanae, & alij contra Eutychianos (qui illis multò, quam Vbiquitarij, ingeniosius ad conflandam vnam in Christo naturam abuteba̅tur) apertè declarârunt. Nempe non eò dici, aut carnem Christi Deificatam, aut Diuinitatem incarnatam; quòd vel
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caro in diuinam, vel Diuinitas in humanam transierit naturam; sed quòd secundum hypostasin, vel subsistentia̅ caro Verbo, & Verbum carni realiter vnitum, & coniunctu̅ sit. Verè ergo caro Christi particeps facta est Deitatis; quia eo ipso, quòd à diuina Verbi persona assumta est, verè Dei caro facta est, & in vnam quasi Deitate̅, vt loquitur Epiphanius, reducta; qua Christus ex humanitate & Diuinitate verè & propriè co̅positus vnus est Deus; ac denique etiam maiestate Deitatis (vt habet Augustinus) glorificata, quia vna adoratione propter co̅munionem vnius personae cum Diuinitate adoratur. Quòd si annotationes Vbiquitarioru̅ sententijs Patru̅ no̅ dissimilib. appositas sequi vellemus; diceremus breuissimè, abstracta vocabula pro concretis saepe Patres vsurpauisse. Quòd verò Vigilius martyr dicit, carnem propter Verbum esse Deum; & Gregorius Nazianzenus , simul DEVM, vel Deo aequalem; ipsi Apologiae architecti concedunt,(Fol. Apol. Erf. 97. b.) phrases non esse vulgatas, & vsitatas, sanamque posse habere intelligentiam, quam tamen non assignant. Habent verò eandem intelligentiam cum sententia B. Ioannis: Et Verbum caro factu̅ est. In qua constat, voce carnis per Synecdochen totu̅ hominem intelligi, vt sensus sit; Filium Dei factu̅ esse homine̅, phrasi receptissima in diuinis Scripturis. Nam vt obseruauit B. Augustinus, quod Apostolus in Epist ad Roman scripserat; Ex operibus Legis non iustificabitur omnis caro: In Epistola ad Galatas sic expressit; Scientes aute̅, quod non iustificatur homo ex operibus Legis. Itaque caro DEVS esse dicitur, sicut Christus homo verè est DEVS; Quemadmodum apertè in dicat B. Vigilius, & B. Damascent, qui Greg. Nazianzeni sententiam citauit, commentarius, Haec illi.
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Das zwey vnd dreissigste Anhaltische Argument.
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(XXXII.) DAs zwey vnd dreissigste argument bleibt so lang bestehen / biß vnser gegenteil beweist / das die Menscheit Christi sey an / oder für sich etwas persönlichs / oder selbstendiges. Solchs aber ist allen Sophisten (Fol. Apol. Erf. 96. a.) zu beweisen vnmüglich / vnd albereit von vnserm gegenteil bekant / daß das idioma personale der angenomenen menschlichen Natur nicht könne mitgeteilt werden. Dieweil denn / jrer eigen declaration nach / die menschliche Natur Christi weder essentialiter, noch formaliter, noch subiectiuè, noch habitualiter, dazu auch (wie man in Schulen redet) weder per se, noch per accidens (dazwischen nach ausweisung des artickels von der Schöpffung / wie alle Vernunfft aus Gottes wort / vnd Ordnung anders nicht erkennen / noch vrteilen kan / gar kein drittes vermag erdacht zu werden) almechtig / alwissend / vnd allenthalben ist: So ist sie in warheit der keines / sondern bestehet der Vbiquisten Lehr auff lauter trewmen. (Fol. Apol. Erf. 98. a.) Vff diß argument antworten sie / die erzehlung der weise / nach wlecher ein ding etwas in sich hab / sey vnuolkomen. Denn der modus sey ausgelassen / das nemlich die angenomene menschliche Natur Christi die almechtige gewalt (wie sie daselbst reden) personaliter, das ist / von wegen / vnd nach art der persönlichen vereinigung habe. Vnd das sol heissen modus inusitatus, & quiddam inter substantiam, & accidens intermedium, seu tertium. Aber wir antworten mit allen rechtgleubigen / wie folget.
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Erstlich / hebt die persönliche vereinigung nicht auff die natürlichen eigenschafften der Menscheit / sondern wie das Concilium Chalcedonense weislich decernirt / erhelt sie dieselbigen viel genawer / volkomener / vnd gewieser / als sie jrgend an einem gemeinen Menschen sein könten. Zum andern / gehet der modus praedicationis inusitatę mit nichte̅ auff die locutiones abstractiuas; sondern nur vff die propositiones de Concreto. Denn die abstractiuae sind entweder regulares; als / wenn ich sage / Das fleisch Christi ist ein Creatur. Oder figuratae, als wenn Lutherus per Synecdochen sagt / vnser fleisch / vnd blut ist Gott. Denn da wird das abstractum pro concreto gesetzt / vnd heisst souiel / als der Mensch Christus / welcher fleisch / gebein / vnd geblüt von dem vnsern ist / der ist warhafftiger / ewiger Gott. Welchs denn also (wie sichs gebühret) ausgelegt / vnd erkleret / nicht mehr praedicatio figurata, viel weniger regularis, sondern inusitata ist / vnd genant wird. Den̅ ob sie wol nicht impropriè mus / noch soll verstanden / oder erklert werden / so hat sie doch jres gleichen nicht vnter allen Reden in dem gantzen Werck aller geschöpff / vnd Ordnung Gottes. Zum dritten / ist (wie gesagt) die Menscheit Christi für sich weder etwas personale: noch anders / denn nach jhren wesentlichen eigenschafften in der Person des ewigen Worts zu betrachten. Ja / ob sie auch gleich etwas persönlich / oder selbstendig wer / wie Nestorius geschwermet hat / so könte doch mit nichten erwiesen werden / das personaliter etwas sein / oder haben / sey ein tertium, oder intermedium inter substantiam, vnd accidens; sönderlich weil in defi
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nitione personae das genus ex praedicamento substantiae (denn es ist quiddam verè subsistens) genomen wird. Aber nach dem diese Schulwörter dem gemeinen Volck frembd / vnd den gelerten für sich die Sach bekant / wollen wir hieuon nicht mehr wort machen / damit wir nicht möchten angesehen werden / als wolten wir mit vnserm gegenteil bey dem hellen Mittaglicht / an der Sonnen glantz / vnd öffentlicher Warheit noch zweifel tragen. (Fol. Apol. Erf. 98. a. b.) Das sie aber also inferiren / vnd schliessen: Was darffs viel wort? Was Christus spricht / ist freilich warhafftig / was er auch saget / das gegeben sey / mus jhm warhafftig / vnd mit der that gegeben sein. Nu spricht er / das im alle gewalt im Himel / vnd auff Erden nach seiner angenomenen menschlichen Natur gegeben / oder mitgeteilt sey. Derwegen mus es freilich war sein / vnd mus sich auch mit der that also halten. Darauff antworten wir / das wir mit dem ersten Spruch / welcher maior propositio pflegt genent zu werde̅ / durchaus zu friede̅. Den̅ Christus / als die almechtige / ewige Warheit selbst / freilich nicht liegen / noch triegen kan. Jedoch sol jhm auch niemand seine wort mit zusatz / oder frembder gloss verkeren / sondern wie er sie geredt / vnd gemeint hat / bleiben lassen. Sonst impingirt man in die Regel Theodoreti; Verbum Dei stolidè intellectum, non est Verbum Dei. Das ist / Wenn man Gottes wort vnrecht / oder widersinnisch verstehet / so hört es auff Gottes wort zu sein. Denn Gottes wort ist allezeit heilig / vnd ist Warheit. Wen aber die Menschen jhre falsche gloss / oder meinung daran klecken / so ist dasselbig / so von aussen hinzu kömpt / falsch / vnheilig / vnd Lügen.
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Der ander Spruch aber (minor genant) hat nicht allein zugesatzte wort / sondern auch ein heimliche Vbiquistische gloss / deren sich keines zu dem Spruch Christi reimet. Denn erstlich sagt der HERR nicht / Meinem fleisch / sondern Mir / das ist / allein meiner Person / vnd sonst niemand / ist gegeben alle gewalt im Himel / vnd auff Erden. Denn allein die andere Person in der heiligen Dreyfaltigkeit hat das Mitlerampt auff sich genomen / aus befehl / vnd schluss des Vaters / von jm selbst / dem ewigen Son / freywillig verwilligt / vnd vom heiligen Geist einmütiglich versiegelt. Zum andern / Sagt der Son Gottes nicht / das jhm solches in der zeit gegeben / obs wol in der zeit offenbar worden / sondern der Apostel Ephes. 1. vnd Dauid im andern Psalm bezeugen / das es für der Welt grund geschehen sey. Zum dritten / ob wol der alten rechtgleubigen Kirchen / vnd Lutheri auslegung vber die letzten wort Dauidis vnuerwerfflich / das solchs alles nach der angenomenen menschlichen Natur zuuerstehen sey / so folgt doch der Vbiquisten gloss nicht / das darumb / was Christo gegeben / nur seiner Menscheit gegeben sey. Denn ein anders ists / von der blossen Menscheit / ein anders von der Person / die Mensch worden ist / vnd demnach nicht allein absolutè, nach jrem ewigen göttlichen Wesen / sondern auch relatiuè, nach der verwaltung dieses empfangenen Mitlerampts in vnserm angenomenen fleisch (wie droben in vnserm andern argument bey der Regel Nazianzeni ferner erklerung geschehen) betrachtet wird.
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Zum vierten / ists wider die gantze heilige Schrifft / das Gott / oder Christo nach der göttlichen Natur in der zeit nichts gegeben werde. Denn der ander Psalm / die erste Bitt im Vater vnser / der gantze Gottesdienst nach der ersten Tafel der zehen Gebot / die Klage des HERrn / Lucae 17. vber die neun vndanckbare / die nicht wider vmbkereten / vnd Gott die Ehre gaben / ja die Regel selbst / Matthaei 22. Gebt Gott / was Gottes ist / vnd die gantze Christliche Religion widerspricht diesem tand. Sintemal darumb Gottes wort gepredigt wird / das Gott erkant werde / vnd also sein gebürliche Ehr von Menschen empfahe. Nicht das es der ewigen Maiestet Gottes an Ehr / vnd Herrligkeit mangele / die er bey vns suchen müsse / sondern das wir des Lichts seiner Offenbarung bedürffen / dadurch sein Name / welcher heilig / vnd hehr ist von ewigkeit zu ewigkeit / öffentlich erkant / gefürcht / vnd gepreiset werde. Dahin auch die heiligen Engel bey der Geburt Christi zu Bethlehem vns weisen. Denn was heisset / Ehre sey Gott in der höhe / anders / denn Gott in seinem lieben Son erkennen / vnd jm allein das Lob der Weisheit / Gerechtigkeit / almacht / vnd Barmhertzigkeit zuschreiben? Also bittet auch der Son die verklerung vom Vater in der zeit seiner tieffen nidrigkeit / Johan̅. 17. auff das die Herrligkeit seiner ewigen Gottheit / die er vor der Welt grund gehabt / da noch kein Creatur erschaffen / viel weniger die menschliche Natur von jm angenomen war / erkant werde. Vnd diesen Namen / das er der eingeborne Son Gottes sey / hat er krefftiglich durch seinen sieg erwiesen / vnd also auch vnter seinen Feinden öffentlich bekomen / vnd erhalten / von welchen er zuuor / als ein fluch veracht / vnd erwürgt worden. Act. 3. Rom. 1. Phil. 2.
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Vber diß alles / so Gott nichts in der zeit gegeben kan werden / wo wird denn der Spruch des Apostels bleiben. 1. Cor. 15. welcher klar bezeugt / das der Son an jenem tage werde Gott / vnd dem Vater das Reich vbergeben? Welchen Augustinus mit der Regel erklert / das als denn(Lib. quaest. 83. q. 69.) ein ding gegeben heisse / wens erkant / vnd offenbar werde. Denn ob wol auch jtzt Christi Reich warhafftig ist Gottes / vnd des Vaters Reich / so ists doch bey alle̅ in der Welt dermassen nicht offenbar / Sondern man helts für ein menschlich fürneme̅ / oder angenomene̅ wohn. Dort aber an jenem tag / wenn alle Reich dieser Welt werden auffhören / vnd abgeschafft sein / wirds beide für Feinden / vnd Freunden erwiesen / vnd offenbar werden / das die Kirchen nicht von Menschen / sondern allein von Gott / dem sie auch endlich heimgefürt sol werden / gesamlet / vnd erhalten worden sey: Darob sich die verdampten ewiglich werden entsetzen / vnd fürchten müssen / die Ausserwelten aber sollen jhr ewige Freud daraus zu schöpffen haben. Auff welche weise auch Cyrillus lib. 8. cap. 15. in Ioannem mit deutlichen worten von der erklerung schreibet / wie folget: Clarificasse autem se nomen suum, & iterum clarificaturum Pater voce de coelo delapsa hîc denunciat: non quidem per nouae claritatis adeptionem, & quia ipsum Patris nomen claritudinem aduentitiam recipiat (est enim claritas paterni nominis, & excellentia eius, ac gloria immensa, atque infinita, neque incrementum, neque imminutionem in se admittere valens) sed huiusmodi glorificatio intelligenda est, quantum ad claritatis, ac eminentiae ipsius nominis sui ostensionem, declarationem, ac manifestationem. Haec ille. Similis huic locus est apud eundem auto
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rem, lib. 9. in Ioan: cap. 20. Item lib. 6. cap. 11. Item lib. 11. cap. 27. Endlich / dieweil denn vnser gegenteil nimermehr aus Gottes wort / noch einigem grund desselbigen / weder in phrasi, noch in sensu, das ist / im verstand nach jrer meinung so wenig / als im buchstaben erweisen kan / das die Schrifft jemals also geleret / wie sie schreien / vnd schreiben / das Christi fleisch selber Gott / almechtig / alwissend / vnd allenthalben sey: So werden sie alhie billig mit jhrem eigen Schwert geschlagen / das nemlich solche Reden / als der heiligen göttlichen Schrifft / beide in worten / vnd meinung vngemes / vnd zuwider / durchaus falsch / vnd derwegen verwerfflich seyen. Vnd also wird erfüllet die Klage des Propheten: Sie tünchen mit losem kalck / predigen lose teidung / weissagen Lügen / vnd sagen: So spricht der HERR Herr / so es doch der HERR nicht geredet hat. Ezech. 22. Belangend Lutheri Sprüche / derer alhie etliche von (Fol. Apol. Erf. 98. b. 99. 100.) den Herrn Verfassern zusammen getragen / sind vns dieselbigen im geringsten nicht / sondern vielmehr vnserm gegenteil selbst augenscheinlich zu wider / wie der Christliche Leser auch ohne vnser weitleufftigere erinnerung gar leicht wird verstehen können / so er diese von dem gegenteil erzelte sprüche / mit den jenigen / so in vnser Apologien / vom 204. blat anzufahen / biß vffs 214. aus Lutheri Heuptschrifften trewlich angezogen / vnd zur deutlichen erklerung vnsers Glaubens jederman für augen gestellet sind / mit gebürlichem fleis in der furcht Gottes conferiren / vnd ponderiren / das ist / ohne vorurteil / oder eingebilden falschen wohn / vergleichen / vnd erwegen wird. Ein schreckliche verblendung aber / oder vielmehr an
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gemaster muthwil ists / das vnser gegenteil sich nicht schemet / D. Luthero seine wort gantz widersinnisch zu erkleren / vnd gar in ein ander meinung zuuerkeren. Denn ja der Spruch vbers 14. cap. Johannis deutlich / vnd klar ist: Das nemlich der Mensch Christus almechtig sey / vnd alles thue / was wir bitten / aber nicht der menschlichen / sondern der göttlichen Natur halben: nicht das er von der Mutter geborn / sondern das er Gottes Son ist. Mit welchen worten Lutherus eben diß (das wir mit allen rechtgleubigen lere̅ / vnd beken̅en) vnd im grunde nichts anders saget / vn̅ bekrefftiget: das nemlich nicht die Menschheit in Christo / welche (wie Lutherus sonst redet) jr selbst am Creutz nicht helffen konte / sondern allein die Gottheit / so der Menscheit persönlich vereinigt ist / almechtig sey. Noch tretten diese Reformatores auff / vnd halten dafür / wir verstehen auch die Muttersprach nicht. Denn sie wöllen Lutheri wort glossiren / gleich als sey das die meinung(Fol. Apol. Erf. 98. b.) dieses deutlichen Spruchs: Christi fleisch ist wol almechtig / aber nicht von sich / sondern aus mitgeteilter göttlichen Maiestet vom Wort / mit dem vnser Natur persönlich vereinigt ist. Wer wil so alber sein / das er sich bereden lass / Lutherus hab diß in solchem Spruch wolle̅ sagen / da doch kein wort dahin lautet / sondern stracks das widerspiel ausgesprochen wird / das nemlich Christus alles / was wir bitten / zuthun vermöge / nicht aber nach der Natur / die mit vns / sondern die mit dem ewigen Vater verwant ist? Also helt sichs auch mit dem andern Spruch aus der Kirchpostill angezogen / da Lutherus schreibet: Christus sey voller gnade / vnd Weisheit gewesen /
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das er alles / was jhm fürkomen ist / hab vrteilen können / darumb das die Gottheit / die allein alle ding siehet / vnd weis / in jhm persönlich / vnd gegenwertig wohnet. Aus welchen worten vnser gegenteil nimermehr beweisen wird / das auch die menschliche Natur Christi almechtig / alwissend / vnd allenthalben sey: Sondern diß sind / vnd bleiben allein der ewigen Gottheit eigenschafften / welche keiner Creatur (auch der Menscheit Christi selbst nicht) gebüren. Summa / aus allen angezogenen Sprüchen Lutheri / so von den Herrn Verfassern der Erfurdischen Apologien bey diesem argument / fol. 99. vnd 100. in zweien bogen blettern erzelet / ist das geringste nicht zu befinden / das vnser Lehr zu wider sey / sondern wird viel mehr des gegenteils Vbiquistischem gedicht in allen denselbigen widersprochen. Vnd wolle der Christliche Leser sönderlich behertzigen / was D. Luther in der auslegung des 110. Psalms schreibt. Denn weil vnser gegenteil fürgibt / es werde in Christo nicht die Gottheit / sondern die Menscheit verklert / (wie sie denn vff solche meinung / stracks widersinnisch den schönen Spruch Johann. 17. anziehen / vnd deuten) So ist sich nicht vnbillig hoch zuuerwundern / mit was Gewissen (Fol. Apol. Erf. 100. a.) sie denn alhie die wort Lutheri / vber den Spruch / Setze dich zu meiner Rechten / allegiren dürffen / welche doch jhrem gedicht / beide nach dem buchstaben / vnd meinung zuwider sind / wie folget. Hiemit (spricht Lutherus) gibt er jhm die Gottheit nicht / sondern verkleret dieselbige / wie er warhafftiger ewiger Gott mit dem Vater ist / vnd nu auch mit der menschlichen Natur zu derselbigen herrligkeit erhaben / das man
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mus gleuben / vnd bekennen: Christus der Mensch sitzet zur Rechten Gottes / vnd hat gewalt vber die Engel / vnd ist nichts im Himel / vnd Erden / das nicht vnter jm sey / vnd heisst also warhafftiger Mensch / vnd warhafftiger Gott / zur Rechten des Vaters sitzend / HErr vber alle Creaturn / der da in göttlicher Maiestet / vnd doch auch in menschlicher Natur gewaltiglich vns regieret / als vnser HERr / vnd König in ewigkeit / das wir von / vnd durch jn alles haben / etc. Bißher Lutheri eigene wort / welche vnser / vnd aller rechtgleubigen einhellige / wolgegründete / vnwidersprechliche meinung / Lehr / vnd Glauben gewaltig befestigen / dabey wirs auch beruhen lassen / vnd also vnser Widersacher (als die des woluerdienten H. Lutheri Namen nur zum deckel jrer abschewlichen Lehr misbrauchen) abermal mit jrem eigen Schwerde schlahen. Betreffende die phrasin Cyrilli: secundum aliud, &(Fol. Apol. Erf. 100. b.) aliud; ist dieselbige von den Aposteln entlehnet / vnd verstehen die Kinder in Schulen / so nur jhren Donat gelernet / das alhie die praepositio secundum, ein particula distinctiua, oder nota subiecti, vnd nicht causalis sey. Denn dieweil von Christo widerwertige ding geredet werden / als das Leben selbst wesentlich sein / vnd doch sterben: Item / anbeten / vn̅ angebetet werden: oder (wie die Kirchen vff Weyhnachte̅ singt) Den der Erdkreis nie beschloss / der ligt in Marien Schos: Item / Es ward ein kleine Milch sein Speiss / der nie kein Vögelein hungern liess / vnd dergleichen: So wird mit dieser art zu reden / die da heisst: secundum aliud, & aliud, eigentlich der vnterscheid beider Naturn in Christo erkleret / das man nemlich dieselbige Sprüch zum teil
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nach der Gottheit / zum teil nach der Menscheit verstehen / mit nichten aber beiderley praedicata zugleich vff die Menscheit ziehen müsse / wie vnser gegenteil hieraus nur ein besöndere betrachtung des vrsprungs / woher die menschliche Natur almechtig / alwissend / vnd allenthalben / weil sie es von sich selbst nicht sein kan / worden sey / erzwingen wil: welchs doch weder die form der Reden (denn secundum aliud heisst alhie nicht ex alio) noch die Sach selbst leidet. Sintemal nicht allein die Schrifft also nicht geredet / wie es vnser gegenteil deutet / sondern es streitet auch wider die Historien. Denn sonst were der Leib Christi zugleich am Creutz gestorben / vnd nicht gestorben / im grab gelegen / vnd nicht gelegen / von toden aufferweckt / vnd nicht aufferweckt / gen Himel gefaren / vnd nicht gefaren / daselbst zur Rechten Gottes erhaben / vnd nicht erhaben / wie er auch / dieser falschen meinung nach / zum gericht wider komen / vnd nicht widerkomen würde. Welchs alles dem gantzen Christlichen Glauben zu wider ist. Aber weil hieuon in vnser Apologia / pag. 361. 362. 363. ausfürlich gehandelt / ists alhie one noth / mehr wort dauon zu machen. (Fol. Apol. Erf. 100. b. 101. a.) Das sich aber vnser gegenteil vff jhre vnterschiedene genera communicationis idiomatum berüfft / darauff haben wir albereit geantwortet / das solchs jr eigen gedicht sey / vnd keinen grunde weder in der Schrifft / noch alten rechtgleubigen Kirchenlerern habe / in massen sie auch selbst zu Dessaw in jhrer vbergebenen wüsten Refutationschrifft pag. 55. (wie nu offt gedacht) klar bekant / das sie die locutiones abstractiuas von des fleisches Christi almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit / weder aus Gottes wort /
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noch einiger bewerten / vnd approbirten Schrifft in norma erzelet / beweisen können. Derwegen sie mit diesen / vnd dergleichen nichtigen / vnd in sich selbst widerwertigen exceptionibus, vnd protestationibus nichts anders / denn jhr vberzeugtes Gewissen / vnd bawfellige Sach / dauon sie doch / der Warheit / ja Gott selbst / vnd seiner Kirchen zu ehren / nicht abtretten wollen / je mehr vnd mehr an tag geben / welchs wir dem almechtigen / gerechten / vnd warhafftigen Hertzkündigern / vnd Richtern Jesu Christo / welchen niemand in ewigkeit betriegen wird / allein befohlen sein lassen. Ob nu D. Luther (wie sie alhie jhres bedünckens / ein grosse wichtige Frag erheben) zu letzt abgelassen hab / die Vbiquitet(Fol. Apol. Erf. 101. b. 102. a.) zuuerfechten / ja auch andere dauor gewarnet / darff nicht viel beweisens. Denn seine Regel stehet öffentlich für augen / das man von der Vbiquitet nicht disputiren sol. Vnd mitten im streit / da er mehr ex hypothesi, denn assertiuè darauff kömpt / bricht er selbst wider ab / vnd nent es zufellige ding / die zur Heuptsachen nicht gehören. Tom. Ien. Germ. 3. fol. 496. So ist ja vnleugbar / ob gleich die Kirchpostill Anno 1521. ausgangen / das er nichts desto weniger / auch in seinen streitbüchern / dieselbige / als seiner besten bücher eins / dafür wirs auch billig halten / commendiret. Denn Tom. Ien. 3. Germ. fol. 381. heisst ers SEIN aller bestes buch / vnd fol. 382. SEIN liebstes buch. Dieweil denn aus der Kirchpostill die gedichte Vbiquitet / vnd was derselbigen anhenget / mit vielen herrlichen sprüchen / vnd zeugnissen / wie dieselbige in vnser Apologien / vber obgemelte örter / auch bey diesem argument / vnd sönderlich pag. 368. zum trewlichsten angezoge̅ sind / widerlegt wird: So wird ja
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billig dasselbige edle Buch den zufelligen vnerklerten puncten in den streitschrifften vorgezogen / vnd bleiben nichts desto weniger die wort der stifftung des heiligen Nachtmals noch fest stehen. Sonderlich dieweil Lutherus / als ein auffrichtiger Lehrer selbst bekennet / das er den Sachen ex feruore contentionis etwa zuuiel gethan. Welchs jm denn zu bekennen keine schand / sondern viel mehr ein Ehr ist / in welchem vnser gegenteil billig seinem exempel folgen solte. Denn also lauten sein eigene wort / die bey vns mehr gelten / weder aller vnser Widersacher Lesterungen: Quae sic ardens cogito, prae nimia sapientia stulta sunt, etiam me ipso iudice, post refrigeratum calorem inuentionis. Qualia sunt multa, quae in principio causae meae feruens scripsi. Das ist / Was ich so hitzig gedenck / das ist vor vbriger Weisheit nichts denn thorheit / wie ich denn solches selbs bekennen mus / nach dem meine hitzige gedancken gekület werden. Vnd ist dessen viel / so ich anfangs in meiner Sach hitzig geschrieben. Bißher Lutherus / in der Vorrede vber etliche lateinische Predigt / Anno 37. in druck ausgangen. Tom. Ien. 3. lat. fol. 523. Solten sich derwegen die Herrn Verfasser der Erfurdischen Apologien billig schemen / wenn sie nicht alle (Fol. Apol. Erf. 101. b.) schame abgelegt / das sie so scurriren / vnd mit groben / ehrlosen (wie sie reden) criminibus falsi vmb sich werffen. Aber wir schicken jnen jr vnhöffliche schertz / ja wol vnchristliche spottworte von so hohen Sachen wider zu hauss / da sie / nach der Juristen sprichwort / sagen: Esset vnum magnum verbum, si verum esset.
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Denn was darff es viel wort / weil die Sach an jhr selbst am tage ist? dazu der Juristen Codex de summa Trinitate, vnsern Glauben / vnd Lehr / wider der Vbiquisten / vnd Jacobiten trewme / durchaus bekrefftigt. Gott gebs vnsern Widersachern in der zeit der gnaden zu erkennen. Wir können vns aber alhie nicht gnugsam verwundern / das sie auch jrer fürnembsten Patronen nicht verschonen / sondern so schimpfflich von jnen schreiben. In massen sie sonsten von einem referiren / der / ob ers wol besser verstehet / jedoch sich mit diesem Sprichwort entschüldigen sol: Quid debet vnus multum dicere? Ob aber dem Gewissen hiemit gnug geschehe / mag der Christliche Leser aus dem 58. Psalm vrtheilen / da Gott durch den Königlichen Propheten Dauid solchen hohen Leuten also zuschreihen lesset: Seid jr denn stum̅ / das jr nicht reden wolt / was recht ist / vnd richten / was gleich ist / jr Menschen kinder? etc. Was könte auch von diesen hönischer geredet / oder gedacht werden / denn das D. Selnecker in seinem carmine für der oration D. Jacobi Andreae / welchen er daselbst per ludibrium, fortem supplantatorem nennet / Anno 76. nicht allein alle drey facultet / seditionis, conspirationis, vnd fraudis beschüldigt / Sondern auch öffentlich jhnen fürwirfft / Sie thuen alles PROPTER OFFAM? Turba prius (spricht er) sublimia spirans, Iam NOBIS subscribit; & hinc, atque inde vacillans Respicit huc illuc: seruet, facit OMNIA, vt OFFAM. Aber Gott wird solch gespött zu seiner zeit richten. Denn dieweil D. Selnecker gemerckt / das es offarij subscriptores weren / mit was Gewissen hat er denn sub tàm
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graui iuramento, damit die Concordiformul beschlossen wird / die subscription von jhnen annemen können? Hette er nicht viel mehr / mit seinen Herrn Assessoribus, den spruch Augustini bedencken sollen? Ille, qui hominem prouocat ad iurationem, & scit, eum falsum iuraturum esse, vincit homicidam. Quia homicida corpus occisurus est: Ille animam. Immò duas animas: & eius animam, quem iurare prouocauit; & SVAM. Oder / so er jhnen allerley conditiones, wie dauon gesagt wird / zugelassen: Warumb hat er denn / mit seinen adiuncten / jhnen hernach derselben keinerley gestendig sein / vnd bleiben wollen? Sol man in so hochwichtigen Sachen dermassen procediren / vnd spielen? (Fol. Apol. Erf. 102. a.) Von den Agnoëten / derer sie alhie auch erwehnen / ist in vnser Apologien ausfürlicher bericht geschehen / wie der guthertzige Leser daselbst vom 369. blat anzufahen / biß vffs 374. befinden wird. Das aber vnser gegenteil daran sich nicht wil settigen lassen / sondern stracks die ewige / wesentliche / göttliche alwissenheit / auch der menschlichen Natur Christi zuschreibt / gereicht eigentlich dahin / das sie Lutherum selbst (welchen sie bald zu jhrem vorteil biß in Himel erheben / bald in die tieffeste Helle / wo nicht mit worten / jedoch in der that / verdeckter weise / als bey diesem Orte zu sehen ist / versencken) mit vnter die Agnoeten ziehen müssen / in massen jhnen die Jesuiten zu Meintz / in offtgedachter disputation / cap. 6. thes. 73. sölchs albereit vorgeworffen / darauff jhnen nicht mit stillschweigen zu antworten gebühren wird. Denn soll der Spruch Marci 13. vnglossiret verstanden werden / wie Lutherus in der Kirchpostill lehret / so
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mus entweder der Vbiquisten alwissendes fleisch ein gedicht sein / oder Lutherus selbst für einen Agnoeten gehalten werden. Denn weil Lutherus der menschlichen Natur halben gar keine gloss leiden wil / so werden sie mit jhrer deuteley mit nichten bestehen / das die Menscheit Christi(Fol. Apol. Erf. 51. b.) zur zeit der nidrigkeit wol alles gewist / aber nicht hab offenbaren wollen. Denn solchs mit nichten von der Menschheit / sondern vielmehr von der Gottheit in Christo zuuerstehen wer / nach der erklerung Hilarij, welcher lib. 9. de Trinit. vber den Spruch des Apostels; In ipso omnes thesauri sapientiae, & scientiae absconditi sunt, also spricht: Insunt igitur, sed si professione extarent, non essent absconditi. Ita ergo ignorat diem iudicij. Vnd lib. 10. Professio nescitae diei, non est ignorationis infirmitas, sed tacendi dispensatio. Diß alles gehet auff die Gottheit / vnd mit nichten auff die Menscheit Christi. Darümb lassen wirs bey dem vrteil / vnd decision / oder erklerung Nazianzeni bleiben / welcher in widerlegung der Arianer in seinem andern Sermon vom Son Gottes / also spricht: Eccui igitur dubium esse potest, quin horam quidem, vt Deus, cognitam habeat: ignoret autem, vt homo? Nam apparens natura discernenda est ab inuisibili. Quapropter ignorantiam humanitati, non diuinitati adscribendam esse, piè, & religiosè sentimus. Das ist: Wer wil denn zweiffeln / das jme die stund / so fern er Gott ist / bekant / so fern er aber Mensch ist / vnbekant sey? den̅ man mus die sichtbare Natur von der vnsichtbaren vnterscheiden. Derwegen wir gottselig / vnd wol die vnwissenschafft der Menscheit / vnd nicht der Gottheit zuschreiben.
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Das aber vnser gegenteil so hoch darauff dringet / das (Fol. Apol. Erf. 51. b.) gleichwol Nicephorus (wiewols etliche nicht one vrsach für ein erratu̅ librarij achten) lib. 18. cap. 50. schreibe / die Agnoeten haben gelert / das das Wort / oder Son Gottes wol alles wisse / aber die menschliche Natur / so mit dem Wort persönlich vereinigt ist / wisse viel dings nicht / als die stunde des Jüngsten tags / etc. hette der mühe nicht bedürfft / weils der Vbiquisten Sach viel mehr hindert / als befürdert. Sintemal aus Theodoreto / vnd andern Scribenten am tage ist (wie wir denn in vnser Apologia pag. 372. aus Damasceno / vnd pag. 374. aus Nicephoro selbst / in erzehlung der Historien von den alten Ketzern / Jacobiten genandt / so jtzt wider jung werden / klar erwiesen haben) das nemlich die Eutychianer darumb sind Monophysiten genent worden / das sie aus der persönlichen vereinigung des ewigen Worts mit dem fleisch eine vermischung in eine Natur machten: Erstlich zwar der Gottheit ins fleisch / im stande der nidrigkeit (daher sie denn Spruch des Euangelisten: Verbum caro factum est, also auslegten; Verbum factum est carneum. Derwegen sie auch das leiden der Gottheit zuschrieben / wie zu vnsern zeiten die Patres Bergenses gleichfals gethan) vnd hernach widerumb des fleiches in die Gottheit. Denn im stand der erhöhung machten sie aus der verklerung des Menschen Christi ein lauter vergötterung der Menscheit. Ob sie nu wol scheins halben (wie diese Sect jmer die wort hat verendert / in welchem sie abermal vnserm Widerpart sehr gleich sein) dem ewigen Wort vor der vereinigung die alwissenheit zuschrieben: so verleugneten sie doch die alwissenheit Verbi incarnati, welchs sie nenten Verbum carneum.
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Hiemit stimmet vberein / das Isidorus lib. 8. Etymologi klar bezeugt / der Agnoeten jrthumb sey gewesen / das die Gottheit Christi nach der persönlichen vereinigung mit der Menscheit / etlich ding / als die stund des gerichts / nicht gewüst sol haben. Das aber etliche vnter jhnen (die Eunomio Eupsychiani / oder Eunomio Eutychiani genant / von dem Eupsychio / welcher lib. 7. Sozomeni, cap. 17. Eutychius heisst / vnd der Sect Eunomij zugethan gewesen) ex reali idiomatum communicatione, das ist / nicht vmb der ewigen Gottheit / sondern vmb der mitgetheilten / vnd empfangene̅ Maiestet willen (wie Nicephorus lib. 12. cap. 30. klar zuuerstehen gibt) auch die omniscientiam, oder alwissenheit / dem Verbo carneo (als einem gemachten / vnd mit himlischen vbernatürlichen Gaben gezierten Son Gottes) zugeschrieben / das geben auch die newen Antitrinitarier nach / vnd vergleichen sich mit vnsers gegenteils meinung durchaus / ob es wol die Vbiquisten mit worten so grob nicht von sich geben. Vnd also ist den Herrn Verfassern der Erfurdischen Apologien dieser behelff / oder ausflucht nicht allein genomen / sondern beweist auch / das sie der Eutychianer / oder Monophysiten lesterung / von welchen die Agnoeten / sampt den Jacobiten herkomen / vnd mit den Nestorianern / vnd Arianern wider die ewige Gottheit des Sons auslauffen / noch nicht recht nachgedacht. Denn sie vieleicht sonsten in solchen schwarm / darinn sie mit den alten / vnd newen Jacobiten biß vber die Ohren stecken / so weit sich nicht würden vertieffet haben. Gott gebs jhnen noch (weil sie auff dem Weg sind) zu erkennen: Auff das endlich
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dieser hochschedliche newe schwarm mit der alten Agnoeten Sect aus der Kirchen Gottes gantz vnd gar ausgerottet / vnd vergessen werde. Wie Nicephorus der Agnoeten Historiam fein beschleusst: Non longè pòst id malum rursum euanuisse, & haeresin eam ignorantiae profundo immersam esse. Das man nu ferner excipiren / oder fürwerffen möchte; ob denn nicht die Menscheit alles / was sie zuwissen beger / wissen könne? Darauff antworten wir mit gutem bedacht: Ob wir gleich diese Rede nicht fechten / noch verneinen / sondern in jrem rechten verstand gern zulassen / das nemlich die menschliche Natur in Christo mit solcher volkomenheit / auch für sich selbst / begabet / oder begnadet sey / das sie jederzeit / one einige hinderung / jres gefallens / wo / wie / vnd wenn sie wil / sein könne / darzu auch alles / was sie biger / zu thun / vnd zu wissen vermöge: So ist doch hieraus keins wegs zu schliessen / das sie drumb so wol / als die Gottheit selbst / almechtig / alwissend / vnd allenthalben sey. Sondern wie diß vnwidersprechlich war ist / vnd bleibt / das ob sie wol in warheit sein kan / wenn / wie / vnd wo sie es begert / jedoch sie nirgend anderswo / noch vff andere weis ist / den̅ wo fern / vnd wie sie sich mit klarer zusage der Schrifft zu sein versprochen: Also kan auch mit keinem grund der Warheit geleugnet werden / das ob sie wol alles / was sie wil / zu wissen / oder zuthun vermag / jedoch jhrer volkomenheit nach / also mit Weisheit / vnd tugenden begnadit ist / das sie das jenig / so jhr nicht gebührt / sondern Gott seiner Weisheit / vnd almacht allein hat für behalten / weder zu wissen / noch zu thun begert.
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Denn sonst wer sie an Weisheit / vnd tugend nicht volkomen: in massen Adam / vnd Eua / da sie Götter sein wolten / vnd sich wider Gottes Ordnung zu vergreiffen gelüsten liessen / auffhöreten weis / vnd from zu sein / sondern fielen in thorheit / vnd Sünde: welches alles von Christo weder gedacht / noch gesagt werden kan / oder sol. Derwegen auch der Apostel 1. Cor. 15. die vniuersalem, das Gott alles Christo dem Menschen vnter seine Füsse gethan / mit einer exception gleich restringirt / wie folget: Wenn aber die Schrifft / oder der Psalm saget / das es alles vnterthan sey / ists offenbar / das ausgenomen ist / der jm alles vnterthan hat. Vber diß kan auch mit nichten widersprochen / noch geleugnet werden: Nemlich / ob gleich der menschlichen Natur in Christo sterck / Weisheit / vnd freyheit zu thun / zu wissen / vnd zu sein / was / wenn / wie / vnd wo sie wil / so volkomen ist / das sie dißfals alle Creaturn / nicht allein die ausserwelten Menschen / als seine miteonsorten / vnd blutuerwanten / sondern auch die Engel / Ertzengel / vnd Thronen selbst / vnaussprechlicher weis vbertrifft (wie wir hiebey auch gern zugeben / vnd gleuben / das die Menscheit Christi jtzt in der herrligkeit / die zeit / stund / vnd minuten des letzten gerichts / vnd dergleichen alles wisse / welchs jhr im stand der nidrigkeit vmb vnsert willen verborgen war) So erreicht sie doch keins wegs darumb die volkomenheit des Schöpffers selbst. Vnd folget gleichwol nicht / das die volkomenheit der menschlichen Natur in Christo (eigentlich zu reden) sey quiddam medium, zwischen der göttlichen almacht / oder alwissenheit / vnd der Engeln / oder ausserwelten Menschen
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stercke / vnd Weisheit / wie vnser gegenteil fol. Apol. Erf. 73. am ende des dritten capitels / fürgibt. Denn also müste zwischen dem Schöpffer / vnd geschöpff ein drittes sein / welchs vnmüglich. Sondern wie die angenomene Natur in Christo an jrem Wesen / also auch an allen jren Gaben / praerogatiuen / vnd hoheiten ist / vnd bleibt sie (so wol als andere Creaturen) ein geschöpff / vnter Gott / vnd ist jhre volkomenheit / Maiestet / vnd herrligkeit / toto genere, nicht zwar von andern geschöpffen / sondern von dem Schöpffer (denn der Schöpffer / vnd das geschöpffe können einander in ewigkeit nicht exaequirt, oder gleich gemacht werden) vnterscheiden / ob sie wol donorum numero, & gradibus, das ist / an zahl / glantz / vnd Licht jhrer Gaben / alle andere Creaturen (so wol die Engel / als Menschen) weit vber vnsern verstand / vnd Vernunfft / von vns gantz vnbegreifflicher / vnd vnaussprechlicher weise / vbertrifft. Zu dem allen / wird auch billig alhie die beschreibung der almechtigkeit / vnd alwissenheit Gottes erwogen / welche (so wol als andere attributa DEI) seine wesentliche vnteilbare eigenschafften / ja Gott selbst sind / vnd begreiffen alles in sich / was da geschehen ist / oder jtzt geschicht / vnd noch geschehen sol. Denn diß alles betracht die göttliche alwissenheit in der that zugleich alle augenblick / viel gewisser / als wir das gegenwertige / so vns fürgebracht wird / mit gesunden augen anschawen / oder mit reinen gedancken betrachten können. Vnd nach seiner wesentlichen almacht hat Gott nicht allein alles / zu der zeit / da es jhm gefallen / gemacht / wie er gewolt / sondern erhelt auch die Ordnung seines geschöpffs / wie lang es jm wolgefelt / vnd hette mehr geschöpff herfür bringen können / oder auch diese gar vnterlassen mögen / nach seinem wolgefallen.
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Dagegen die menschliche Natur in Christo sich selbst weder erschaffen / noch von den todten aufferwecket hat / viel weniger tregt / vnd erhelt sie sich selbst / darumb ist sie nicht almechtig. Vnd ob sie gleich / als die gantz ohne Sünd / mangel / vnd fehl ist / mit keinem jrthumb behafft / noch einigem zweiffel vnterworffen / vnd demnach alles / was zu wissen von jhr erfordert werden kan / es sey gleich vergangen / gegenwertig / oder zukünfftig / one allen zweiffel vnterschiedlich bedenckt / versiehet / vnd weis / wie sie denn jrenthalben von niemand bedarff vnterrichtet zu werden / sondern der Geist des ewigen Worts / der in jhr ist / vnterrichtet sie alles (in massen auch im stande der nidrigkeit auff alle fragen / so fürgebracht werden / mit grosser verwunderung jedermans / beides der Feinde / vnd Freunde / von diesem Menschen richtige erklerung gefallen) So ists doch viel ein anders / alles (so wol das noch geschehen sol / als das vor lengst geschehen ist / oder jtzt geschicht) vngezweiffelt wissen / dauon man fraget (dahin denn Damascenus / vnd die Scholastici fürnemlich gesehen) vnd widerumb / viel ein anders (sagen wir) ist es / alle vergangene / gegenwertige / vnd zukünfftige ding / als weder zukünfftig / noch vergangen / sondern als jtzt gegenwertig / zugleich in der that anschawen / vnd zugleich alle zeit (actu ipso) für augen haben. Wie denn auch hiebeuor erkleret worden / das die volkomene Tugend / vnd Weisheit in Christi angenomener Natur / mit nichten das jenige zu forschen sich vnterstehet / was die heilige Dreyfaltigkeit jhrer Macht / vnd Weisheit allein fürbehalten. Das also die Herrn Verfasser der Erfurdischen Apologien / vnd die jhnen dißfals beyfal geben / in dem sie andere fur Agnoeten schelten / sich
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wol fürzusehen haben / das sie nicht am tieffesten in der Agnoeten jrthumb bestecken. In massen wir auch die jenigen zum freundlichste̅ wollen nochmals alhie gewarnet haben / welchen der almechtige die augen so fern geöffnet / das sie so wol / als wir (Gott lob) diese Reden (das fleisch Christi ist allenthalben / oder wie die Concordiformul fol. 313. vnbesonnen fürgibt / Es sey alles durch vnd durch vol Christus / auch nach der Menschheit / etc.) als falsch / vnd der Schrifft zu wider erkennen: vnd doch aus vnzeitigem / vnbedachtem eyfer / noch die andern beide propositiones, zum teil mit den Monotheliten / zum teil mit den Agnoeten / vnd Monophysiten / oder Eutychianern (denn diese alle einerley schwarm mit vnsern Vbiquisten gefüret) ohne grunde vertheidingen: das nemlich Christi Menscheit almechtig / vnd alwissend sey / etc. So sie doch von diesen so wenig Schrifft / als von jenen können fürbringen / vnd freilich die almacht / vnd alwissenheit sich vber die allenthalbenheit erstreckt / dazu alles vff der Arianer / vnd Antitrinitarier lesterung ausleufft / wie auch hiebeuor gnugsam dargethan / vnd erwiesen ist. Der Christliche Leser wolle zum beschluss dieses arguments den Spruch Bonauenturae jhm lassen befohlen sein / der also lautet: Quemadmodum impossibile est, vt anima Christi, quamuis vnita sit Verbo, sit, vbicunque est Verbum; alioqui esset immensa, & existentia ipsius aequaretur existentiae Verbi: Ita quoque impossibile est, vt intellectus animae Christi, simul omnia cognoscat ACTV, quae Verbum, quamuis ei personaliter vniatur. Haec ille, lib. 1. sentent. Distinct. 37. art. 2. q. 1.
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Das drey vnd dreissigste Anhaltische Argument.
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DAs drey vnd dreissigste argument / wolten(XXXIII.) sie gern vertuschen / wens jnen nicht so deutlich(Fol. Apol. Erf. 102. a.) für augen gesetzt wer. Jedoch haben wirs jnen / nicht als das vnser / sondern nur in gemein opponirt / damit wir von jhnen / was dem jenigen / so es vieleicht brauchen möchte / zu antworten wer / erfahren / vnd lernen möchten. Das argument lautet also. Sol etwas mit warheit von einem ding gesagt werden / so mus es auch dasselbig an sich haben / das von jm gesagt wird: es geschehe gleich wesentlicher / oder zufelliger weis. Denn die Regel ist fest / vnd vnwidersprechlich; Dici de aliquo, requirit inesse. Was bey einem ding gantz vnd gar nicht zu finden / das kan jhm auch nicht zugeschrieben werden. Nu bekent vnser gegenteil freywillig / das fleisch Christi hab die Maiestet der göttlichen almacht / alwissenheit / vnd allenthalbenheit / weder substantialiter, noch accidentaliter, in / oder an sich. Derwegen kan auch solche Maiestet von dem fleisch Christi mit warheit nicht gesagt werden / vnd sind demnach diese art zu reden dem vorbild der Schrifft vngemess / vnd der Sach selbst zu wider / das nemlich die menschliche Natur in Christo nicht weniger / als die Gottheit / sey almechtig / alwissend / allenthalben / ja Gott selber. Diß argument wird so wol / als die vörigen in ewigkeit fest bleiben. Jedoch wollen wir des gegenteils antwort hierauff erwegen.
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Erstlich komen sie ad petitionem principij, jhrer (Fol. Apol. Erf. 102. a.) gewonheit nach / vnd geben für / Es folge keins wegs / Christi angenomene menschliche Natur hat die almechtige gewalt nicht für / vnd an sich selbst / subiectiuè, formaliter, vel habitualiter. Ergo, So hat sie dieselbige gantz / vnd gar nicht. Denn sie habs persönlich. Aber diß ist schon im vorigen argument widerlegt. Wir verwundern vns aber nicht vnbillig / warumb sie nicht viel mehr / der gebühre nach / fein richtig vffs argument antworten / sondern das vorgehende in dieses ziehen / vnd vermischen. Dieweil sie aber hiebeuor deutlich bekant / die almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit seyen nicht in / oder an der angenomenen Menscheit / sondern in der Person; vnd aber die Menscheit für sich kein Person ist / noch hat: So folgt ja noch / wie zuuor / das nicht die Menscheit Christi / sondern der Mensch Christus / oder dieselbige ewige Person / welche in der fülle der zeit vnser fleisch / vnd blut an sich genomen hat / vnd Mensch worden ist / almechtig / alwissend / vnd allenthalben sey. Denn sie nicht allein Mensch / sondern auch warhafftiger / ewiger Gott ist / vnd bleibt / hochgelobt von ewigkeit zu ewigkeit. Das sie aber inter substantiam, vnd accidens ein drittes / (Fol. Apol. Erf. 89. 102. b.) oder mediu̅ dichten / ist viel zu grob / den̅ das es solchen grossen Theologen billig zugemessen / geschweigen von jhnen selbst fürgebracht werden solt / vnd stösset den gantzen artickel von der Schöpffung gar zu boden / wie bißher zum öfftermal deutlich erklert / vnd bewiesen ist. Belangend den vnterscheid zwischen der einwonung / vnd thetlicher mitteilung aller göttlichen eigenschafften mit
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dem fleisch Christi / welches des ewigen Worts eigener Tempel worden ist / sind alle Bücher der Vbiquisten voll beweisung / das sie es für eins halten: dieweil sie keinen andern grunde haben jhres gedichts von der almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit der menschlichen Natur Christi / denn das die gantze fülle der Gottheit in derselbigen leibhafftig wohne. Aber wir setzen jhrem traum bestendig entgegen / das hieraus auch folgen müste / das Christi fleisch vnerschaffen / vnendlich / vnd vo̅ ewigkeit her gewest sey / sintemal diese eigenschafften nicht weniger / als jene zur volkomenen Gottheit gehören. Zu dem / das die fülle der Gottheit nicht blos in der angenomenen menschlichen Natur wohne / sondern in derselbigen zugleich leuchte / mit / vnd durch dieselbige krefftig sey / vnd jre göttliche Werck / jedoch freywillig / ausrichte / solchs wird kein verstendiger Christ leugnen. Es folget aber mit nichten hieraus / das darumb die angenomene Menscheit selbst das Liecht der göttlichen Maiestet / oder für sich almechtig / alwissend / vnd allenthalben sey. Sondern viel mehr das Widerspiel folget / das nemlich in Christo ein anders sey das Liecht der Maiestet / almacht / alwissenheit / vnd allenthalbenheit / vnd ein anders / das angenomene fleisch / durch / in / vnd mit welchem in der persönlichen vereinigung solche Maiestet leuchtet / wie in den herrlichen mirackeln (die aus krafft nicht zwar der menschlichen / sondern vielmehr göttlichen Natur geschehen / obwol bißweilen die menschliche Natur jhre dienst dazu leistet) offenbaret / vnd erkant wird. Johan. 2. Wer nu solches leugnet / der vermischt die mensch
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werdung des ewigen Worts / mit der göttlichen einwohnung / vnd gegenwart bey andern Heiligen / in massen alhie (Fol. Apol. Erf. 102. b.) die Herrn Verfasser der Erfurdischen Apologien den vnterscheid fast allein aus der Wirckung nemen / so da nur in quantitate & qualitate bestehet / secundum plus & minus, das nemlich die Gottheit in Christo volkömlicher / denn in andern Heiligen leuchte / mit welcher erklerung auch Nestorius gar wol zu frieden hette sein können. Wollen alhie gesehweigen / das im Concordibuch (wie hiebeuor etlich mal erinnert worden) fol. 296. für aequipollentes, oder gleichstimmende Reden angezogen werden / Das Wort wohnet in vns / vnd in Christo wohnet die gantze fülle der Gottheit leibhafftig. Das sie aber die realem communicationem idiomatum für ein effectum, vnd consequens der persönlichen vereinigung (Fol. Apol. Erf. 103. a.) erkleren / ist erstlich der Concordiformul zu wider / welche fol. 302. deutlich aussagt / das die persönliche vereinigung darauff beruhe / das die menscheit so wol als die Gottheit in Christo sey vberal. Denn sonst müste (jrem fürgeben nach) vnser Glaub falsch sein. Derwegen auch daselbst gestritten wird / das Christi Leib in der gestalt / wie er auff Erden gangen / nicht in Gott gewesen. Zum andern / hat D. Johan̅ Matthaeus / professor zu Wittembergk / seinen zuhörern das gegenspiel öffentlich dictirt / vnd hernach in druck spargirt / das die realis communicatio idiomatum sey differentia specifica Vnionis hypostaticae, vnd wer dawider rede / der sey ein Sacramentirer. Nu verstehen auch die Kinder in Triuial schulen / das differentia specifica Vnionis hypostaticae, nicht könne zugleich derselbigen consequens, oder effectus sein.
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Zum dritten / hat das fleisch Christi solchen effectum seiner allenthalbenheit weder vor / noch in / oder nach seiner verklerung jemals erwiesen / sondern ist / vnd bleibt auch in der herrligkeit eines Wesens mit vns. Denn sonsten nicht gesagt könte werden / das vnser fleisch zur rechten Gottes erhaben. So aber ein anders an desselbigen stadt / das mit vns verwant ist / in solche herrligkeit auffgenomen / vnd versetzet wer / so hetten wir vns desselbigen am wenigsten weder zu frewen / noch zu trösten. Wird derwegen vnsers gegenteils gedicht billig verworffen. Belangende die abschewliche Rede / das die almechtigkeit des Sons Gottes in seiner menschlichen Natur nicht essentialiter, oder wesentlich sey (so doch solches keiner Creatur kan abgesprochen werden / nach dem alten vers: Enter, praesenter, Deus hîc, & vbique potenter) stehet dieselbige austrücklich in jhrer vermeinten Refutationschrifft wider vnser bedencken / für vnser Apologien gedruckt / pag. 83. In massen sie auch dieselbigen alhie nicht(Fol. Apol. Erf. 103. a.) leugnen / sondern allein mit einer newen gloss ferben / vnd entschuldigen. Aber wir lassens dem vnparteyischen Leser / vnd allen rechtgleubigen Christen zu vrteilen befohlen sein / ob nicht ein Arianische verleugnung der ewigen / wesentlichen Gottheit in Christo daraus folge / wenn man fürgibt / in Christo / oder in seiner angenomenen Menscheit sey / wohne / vn̅ leuchte die gantze fülle der Gottheit / aber nicht wesentlich. Wie kan denn der Son Mariae wesentlicher / ewiger / almechtiger Gott sein / wenn er die ewige / almechtige Gottheit nicht wesentlich an sich hat? Ja dieweil sie dazu setzen / die ewige almechtige Gottheit des Sons / sey / oder wohne /
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vnd werde in der that mitgetheilt seiner angenomenen menschlichen Natur / aber weder substantialiter, noch accidentaliter; vnd wöllen doch hieraus die persönliche vereinigung der Gottheit des ewigen Worts mit der angenomenen Menscheit beweisen: So verstehet ein jeder Catechumenus, der nur seinen Catechismum in acht hat / das sie hiemit in warheit / noch weniger / als die Arianer / Christo dem Son Mariae tribuiren / vnd zuschreiben: Dieweil aus diesem grewlichen gedicht der Vbiquisten folgen müste / das Christus weder substantialiter, noch accidentaliter Gott sey / für welcher Lesterunge Gott alle frome Hertzen ewiglich behüten wolle. Wir vermanen / ja bitten vnser Antagonisten / als für den augen Gottes / sie wollen vns diß für keine zunötigung misdeuten / sondern sich wol bedencken / obs nicht gleiches vrteil vff sich trage / solche abschewliche Lesterunge nach dem buchstaben aussprengen / vnd vertheidingen / oder den grund dazu legen? Freylich bedarff solches (das wir mit jhnen diß argument schliessen) bey verstendigen nicht viel wort / so wirds (Fol. Apol. Erf. 103. a.) auch des Menschen Son / welchem alles gericht gebühret / on allen zweiffel zu seiner zeit wol finden / vnd richten / ob sie es gleich jtzt nicht gleuben / oder achten / noch fülen. Denn zu seiner zeit (spricht der Son Gottes) wil ich recht richten. Psalm. 75.

Das vier vnd dreissigste Anhaltische Argument.
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DAs vier vnd dreissigst argument ist dem(XXXIIII.) Christlichen Leser zur notwendigen erinnerung / vnd warnung gericht / damit er sich von dem gegenteil nicht einnemen / noch verfüren lasse / weil sie vnter andern Sophistischen grieffen / auch mit dem wörtlein Dispensation / welchs die Griechischen Theologen oeconomiam genent / spielen. Denn wenn sie sonst nirgend kein ausflucht haben / jhr gedicht von der almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit der menschlichen Natur Christi zu beschönen: sagen sie / es sey ratione dispensationis, oder oeconomiae zu verstehen. Vnd hat D. Chemnitius in seinem buch de duabus naturis in Christo sein sönderlich Fest mit der Dispensation. Denn er viel anders redet de dispensatione Vnionis, quâm exinanitionis. Dispensatio Vnionis sol die Menschwerdung des ewigen Worts bedeuten / dadurch das angenomen fleisch / vom augenblick der empfengnis an / zur Maiestet der Rechten Gottes erhabe̅ / vnd die göttliche almacht / alwissenheit / allenthalbenheit / durch thetliche mitteilung / von der göttlichen Natur empfangen hab / zum gemeinen besitz / gebrauch / vnd vbung. Das aber dieselbige angenomene menschliche Natur solche von der Gottheit empfangene Maiestet im stand der nidrigkeit auff Erden (wie die Vbiquisten fürgeben) hinderhalten / das sol dispensatio exinanitionis heissen. Vnd nach dieser dispensation sol die menschliche Natur in Christo sich gestelt haben / als wisse sie die stund des Jüngsten tags nicht / denn sie hab es nicht wollen offenbaren.
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Item / Er dicht jhm selbst einen vnterscheid inter dispensationem (Kenitzius de duabus in Christo naturis. pag. 356. 513.) ordinariam, vnd extraordinariam; nach dieser sol der Leib Christi allenthalben sein / nach jener nicht. Vnd wenn Augustinus sagt / in Epistola 57. ad Dardanum: Du solt nicht zweiffeln / das der Mensch Christus Jesus jtzund daselbst sey / von dannen er komen wird. Item: gedencke / vnd behalt mit fleis diß Christliche bekentnis / das er aufferstanden ist von den todten / auffgefaren gen Himel / sitzet zur Rechten des Vaters / vnd wird nicht anders woher / denn von dannen komen / zu richten die lebendigen / vnd die todten / vnd wird also komen nach dem zeugnis der Engel wort / wie man jhn hat sehen gen Himel faren / das ist / eben in derselbigen gestalt / vnd Wesen des fleisches / welchem er zwar die vnsterbligkeit geben / aber seine Natur nicht genomen hat. Nach dieser Natur sol man nicht gedencken / das er allenthalben sey / denn man mus sich hüten / das wir nicht also die Gottheit dieses Menschen vertheidingen / das wir jm die Warheit des Leibs benemen: etc. Vnd da er anderswo spricht: nemlich Serm. 60. de verbis Domini: Semper quidem Diuinitate nobiscum est: Sed nisi corporaliter abiret â nobis Christus, semper eius corpus carnaliter videremus, & nunquam spiritualiter crederemus. Item, wenn Fulgentius schreibt: Christum localiter terram deseruisse; Christus hab / dem raum nach / die Welt verlassen. Diese / vnd dergleichen Sprüch in der heiligen Schrifft / vnd bey den alten Kirchenlerern / sollen alle secudum dispensationem ordinariam zuuerstehen sein / nach beschreibung des Leibs Christi / welche der HERR ge
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braucht / Lucae 24. da er spricht / Fület / vnd sehet / denn ein Geist hat nicht fleisch / vnd bein / wie jhr sehet / das ich hab. Vnd auff diese weis / wie Christus mit seinem Leib auff Erden raum geben / vnd genomen / sol sein Leib / nach aussag des Concordibuchs fol. 302. nicht in Gott (geschweigen / Gottes eigener Leib) gewesen sein. Aber bey der Kirchen / im heiligen Abentmal / vnd sonst vberal / sol die menschliche Natur Christi gegenwertig sein dispensatione extraordinaria. Daher auch die Erfurdische Apologia das heilige Nachtmal des HERRN vnter die mirackel zeugt / vnd gibt für / die Sacramenta seyen actiones Dei extraordinariae. So doch kaum etwas in Gottes wort deutlicher / richtiger / vnd sorgfeltiger verordnet / vnd gefasset ist / als die stifftung der hochwirdigen Sacramenten. Daher auch die Regel in gemein von allen Sacramenten / so wol des alten / als des newen Testaments / vnwidersprechlich war ist / vnd bleibt: Das kein Sacrament zu nennen sey / welchs nicht von Gott selbst verordnet / vnd also / wie es verordnet ist / gebraucht werde. Das sie aber vom heiligen Nachtmal fürgeben / es(Fol. Apol. Erf. 172. a.) sey nicht allein specialis, ein sonderliche (welchs wir auch sagen) sondern auch extraordinaria institutio; das ist ein öffentliche implicatio contradictionis, vnd oppositio in adiecto. Denn institutio, einsetzung / vnd ordinatio, Stifftung / oder verordnung / ist ein ding. Was aber extraordinariè geschicht / das kan (propriè, vnd eigentlich zu reden) kein institutio, einsetzung / Stifftung / noch verordnung genent werden. Dieweil denn vnser gegenteil mit dem wort
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Dispensation / sonst oeconomia genant / so mancherley betrug / vnd alfentzerey treibet / vnd hiedurch die angenomene menschliche Natur Christi gar zum gespenst macht / so hat es die vnuermeidliche notturfft erfordert / das wir jnen solches endecketen / wie in diesem argument geschicht / welchs also lautet. Was die Griechische Kirchenlerer bey dem geheimnis der persönlichen vereinigu̅g der göttlichen vnd menschlichen Naturn in Christo / oeconomiam (zu latein dispensationem) genent haben / das gehet eigentlich vff die Sendung des ewigen Sons Gottes in vnser fleisch / welchs ist die menschwerdung des Worts / vnd auff die endliche vrsach derselbigen sendung / welche ist die versünung / vnd widerbringung / oder erlösung des armen menschlichen geschlechts. Ob nu wol der angenomenen menschlichen Natur kein grössere Ehr widerfahren hette können / denn das sie nicht allein für sich / ohn alle Sünd / mängel / vnd fehl / dazu mit allerley gaben / die nur genent / oder gedacht werden können / weit vber alle Creaturen begnadet / sondern auch des ewigen Sons eigenes fleisch / blut / vnd Seele worden ist / in / mit / vnd durch welche des Teuffels / vnd der Sünden Reich zerstöret / vnd dem armen verdampten menschlilichen geschlecht / die Gerechtigkeit / so für Gott gilt / vnd ewiges Leben wider gebracht / die auch jtzt im Himel zur Rechten Gottes vber alles (Gott allein ausgenomen) herschet / vnd regieret / vnd mit dem Wort durch einerley Gebet / angeruffen / vnd geehret wird (denn wir nicht das Wort allein / oder blos betrachtet / sondern das Wort / welchs fleisch ist worden / anbeten / vnd ehren) So ist doch
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gewis / das weder die persönliche vereinigung / noch die verwaltung des Mitlerampts / vmb welches willen solche vereinigung der beiden Naturn in Christo geschehen ist / etwas dispensire / oder verursache / dadurch der vnterscheid der beiden Naturn in Christo verwirret / oder die verwantschafft seiner angenomenen Menscheit mit vnser Natur zweiffelhafftig gemacht werde. Solchs aber folgete vnwidersprechlich / wenn die menschliche Natur durch ein sönderliche dispensation / vmb der persönlichen vereinigung / oder erhöhung willen zur Rechten Gottes / die Ordnung / art / vnd eigenschafft seiner leiblichen gliedmassen nicht mehr an sich haben solte / sondern auff vnsichtbare vnbegreiffliche weis einer mitgeteilten göttlichen Maiestet / alles in allem worden wer. Im stand aber der nidrigkeit vff Erden sich nur / wie ein ander Mensch / geberdet / vnd derselbigen jrer empfangenen Maiestet / derer sie sich nu allererst volkomen gebrauche / geeussert hette. Denn solches alles würde vnser Heil / Freud / vnd trost / viel mehr zerstören / turbiren / vnd hindern / denn erbawen. Derwegen kan solche erdichte dispensation der menschlichen Natur keinen bestand haben. Sondern die oeconomia gehet auff die erbawung / vnd verwaltung des Reichs Christi auff Erden / dazu hat sich der Son Gottes von anfang selbst als den aller weisesten / vnd trewesten dispensatorem, oder oeconomum, vnd Haushalter bestellen / vnd freywillig vns zu gut senden lassen. In massen er auch aus solcher gewalt / als das Heupt der Kirchen / seine Diener im Predigampt oeconomos, als vnterhaushalter Gottes beruffen / vnd verordnet hat.
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Ob nu wol der Son Gottes seiner ewigen Natur halben / mit dem Vater / vnd heiligem Geist / ist / vnd bleibt der warhafftige / einige / lebendige Gott / gleich in der herrligkeit / gleich in ewiger Maiestet: So wird doch / wege̅ dieser oeconomey / das er vnser Heil verwaltet / als ein gesanter / vnd verordneter dispensator, oder oeconomus, viel von jm geredet / das für sich von jm / ausserhalb dieses ampts / sich nicht reimete. Das heisst nu oeconomi, oder dispensatione Vnionis, oder oeconomiae mysterio bey den alten von Christo geredet / vnd dahin gehen alle Sprüch von vnserm gegenteil / fol. Apol. Erf. 103. angezogen / daraus nichts wenigers zu erzwingen / denn das die Menscheit Christi sol dispensatione quadam almechtig / alwissend / oder allenthalben sein / welchs den alten Lerern nie in sinn komen / geschweigen das sie solches geschrieben / oder mit worten solten von sich geben haben / wie der Christliche Leser auch ohn vnser ferner erinnerung wol verstehet. Denn was dienet weniger zur beschönung der erdichten Vbiquitet / als die von vnserm gegenteil one verstand / vnd so wol dem buchstaben / als der meinung nach / jhrer (Fol. Apol. Erf. 103. a. b.) gloss stracks zu wider / daselbst erzehlten sehöne trostreichen Sprüche aus Nysseno / Basilio / Cyrillo / Chrysostomo? Sönderlich dieweil sich Gregorius Nyssenus / welcher Basilij Magni bruder gewesen / selbst austrücklich erklert / das er mysterij ineffabilem illam oeconomiam nichts anders heisse / denn die persönliche vereinigung / welche eben darumb in der Person bestehet / dauon sie auch den Namen hat / das durch solche Ehr / vnd Maiestet / der angenomenen Menscheit (so wol als der ewigen Gottheit) natürliche / vnd
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wesentliche eigenschafft vnuerrückt bleiben. Denn sonst wer es kein Vnio hypostatica, sondern Vnitas, seu identitas physica; dadurch das wunderbare gehejmnis derselbigen dispensation / das Gott vnd Mensch eine Person in Christo worden sein / zerstöret / vnd in ein lauter gespenst verwandelt würde. Zum andern / bezeugets die Sach / vnd ist am tage / dz die alten Scribente̅ / so offt sie die persönliche vereinigu̅g der beiden Naturn in Christo wider die Nestorianer / Eutychianer / vnd Monotheliten vertheidingen / fürnemlich / vnd allezeit diß beweisen / das in derselbigen wunderbaren vereinigung die eigenschafften beider Naturn / sönderlich der angenomenen Menscheit / nicht weniger / ja viel reiner erhalten werden / denn sie ausserhalb der vereinigung sein könten. Wie das decretum Concilij Chalcedonensis klar mit sich bringet. Solchs aber wird durch die dispensationem carnis maiestaticae, welche vnser gegenteil dichtet / gar auffgehoben. Hieher gehört der schöne Spruch Cyrilli. lib. 5. de Trin. Sic, quae de Christo dicuntur, intelligenda sunt, vt nec, quae Deitati conueniunt, humanitati ipsius tribuantur: nec quae humanitatis propria sunt, ad Deitatem ipsius detorqueantur. Item, Fulgentij; lib. de incarn: & gratia, cap 2. In Christo Dei Filio personam non diuidunt naturarum propria, nec Vnitas personae potest vtriusque naturae propria confundere, vel auferre. Zum dritten / Halten die Patres gleichen vmbwechsel der eigenschafften beider Naturn / wegen dieses hohen geheimnis der persönlichen vereinigung: aber anders nicht / denn in concreto, das ist / von der Person zu reden.
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Denn so die Person von der göttlichen Natur den Namen tregt / so werden jhr so wol die menschliche eigenschafft zugeschrieben / als die göttlichen / wenn sie von der menschlichen Natur genent wird. Vnd sind beide Reden war propter mysterium, seu oeconomiam Vnionis hypostaticae. Daher Theodoretus sagt Dial. 2. Cum de naturis loquimur, suum cuique tribuamus: cum autem de persona verba facimus, communicanda sunt naturarum propria. Item, Damascenus lib. 3. cap. 4. Cum de Diuinitate loquimur, non dicimus passibilem, aut creatam: nec humanitatem dicimus increatam, vel incircumscriptam. At cum de persona verba facimus, siue ab vtraque parte simul, siue ab altera denominetur, vtriusque naturae propria ei imponimus. Zum vierdten / leidet das mysterium dispensationis, seu oeconomiae mit nichten / das der menschlichen / noch göttlichen Natur widerwertige dinge zugeschrieben werden / als zugleich erschaffen / vnd nicht erschaffen / vmbschrieben / vnd nicht vmbschrieben / endlich / vnd vnendlich / sterblich / vnd vnsterblich / dem Leiden vnterworffen / vnd nicht vnterworffen sein / sondern der Person werden solche widerwertige ding zugeeignet / darumb das sie zwo vnterschiedene Naturn an sich hat. Zum fünfften / ist die Regel Basilij lib. 2. contra Eunomium deutlich / vnd klar / das ein anders sey von dem ewigen Wort theologicè, das ist / nach seinem ewigen Wesen / absolutè betracht: ein anders aber relatiuè, seu oeconomicè, als von einem gesanten reden / welcher mit vnserm fleisch vereinigt ist. Wie nu Theologiae sermo nicht gehet auff die Menscheit / also auch oeconomiae sermo erfordert
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nothwendig die Person / welche Gott ist / vnd in vnser fleisch sich hat senden lassen / vnd also die amptsuerwaltung vnsers Heils vff sich genomen. Dieselbige Person des gecreutzigten (sagt Petrus Act. 2.) hat GOTt zum HERRN / vnd Christ gemacht / das ist / verklert / vnd offenbahrt / oder wie daselbst folget / declarirt / das ist / nach auslegung des Apostels Pauli Rom. 1. krefftiglich erwiesen / das er der ewige Son Gottes / vnd der versprochene Messias / oder Christus / das ist / der Welt Heiland sey. Welcher auch / in betrachtung solcher oeconomiae, oder verwaltung / vnd widerbringung vnsers Heils / dazu er in die Welt gesand / vnd Mensch worden ist / alle gewalt vber Himel / vnd Erden (darans jm doch seiner ewigen Natur halben / nach welcher er eines Wesens mit dem Vater ist / von ewigkeit nie gemangelt) warhafftig empfangen hat: Wie Nyssenus ferner bezeugt / vnd von den Herrn Verfassern der Erfurdischen Apologien(Fol. Apol. Erf. 103. a.) (aber in einem andern / das ist / vnrechten verstand) angezogen ist. Wie könt er auch bitten / das seine Menscheit für sich / mit der Ehr / die er von anfang gehabt / verkleret(Fol. Apol. Erf. 103. b.) würde / so doch dieselbige sein angenomene Menscheit von anfang nicht gewest? Vnd Lutherus vber den 110. Psalm (wie hiebeuor vermeldet) selbst bezeugt / das die Gottheit in Christo verkleret werde / zwar nicht propter defectum, als hette sie jre Ehr ein zeitlang abgelegt / oder verlorn / sondern (wie abermal Basilius wider Eunomium lib. 4. recht sagt) secundum oeconomiam, seu dispensationem humanitatis. Darumb das durch die menschwerdung / vnd sönderlich im stand der nidrigkeit / die herrligkeit Gottes in Christo nicht alweg erkant wurde.
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Also war er wol allzeit Gott seinem himlischen Vater gleich / aber in der Nidrigkeit war solcher Name verborgen / welcher durch die verklerung offenbar / vnd demnach mysterio oeconomiae, seu dispensatione carnis, durch das endeckte geheimnis seiner menschwerdung / vor aller Welt jm gegeben worden / wie der Spruch Chrysostomi / welchen er in auslegung des 15. capitels der ersten Epistel an die Corinther nach gesundem verstand göttlicher Schrifft füret / auch klerlich ausweiset. Denn verkleren heisset Johann. 17. öffentlich bekant machen / wie der HERR eben dasselbig wort daselbst vers. 4. von seinem himlischen Vater braucht: Ich habe dich verkleret auff Erden / vnd was er damit meyne / legt er selber aus / vers. 6. Ich habe deinen Namen offenbaret den Menschen / die du mir von der Welt gegeben hast. So hat auch freilich (wie Cyrillus de recta fide ad Theodosium, vnd sonsten durchaus / mit der alten rechtgleubigen Kirchen einhelliglich / vnd tröstlich schreibt) das (Fol. Apol. Erf. 103. b.) ewige Wort sein Lebe̅ ins angenomene fleisch gesencket (wie sie alhie den Spruch verdeutschen / quòd vitam suam carni immisit) Jedoch anders nicht / denn wie sich Cyrillus selbst erkleret / ipsa per Vnionem dispensatione, das ist / durch die dispensation der vereinigung / welchs von den Scholasticis Theologis genent wird gratia Vnionis. Denn das fleisch Christi / nicht als blosses fleisch / für sich / sondern als des Sons Gottes eigenes fleisch / für der Welt Sünde zum Lösegeld dahin gegeben / machet lebendig: keins wegs aber ex opere operato, sondern im rechten Glauben genossen / dadurch wir seine gliedmassen werden / vnd also von seiner fülle / als des Heupts / oder wie die Reben von der
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edlen Wurtzel des warhafftigen lebendigmachenden Weinstocks / safft / vnd krafft zum leben / durch einerley Geistes wirckung / ziehen / vnd schöpffen. Johann. 1. 15. Was dienet aber solches zu der Vbiquitet der menschlichen Natur in Christo? von welcher der alten rechtgleubigen Kirchen nie getrewmet hat / wie solten sie denn ein solch vngereimpt gedicht (ja viel mehr gespenst) einer falschen Lehr / vnter dem wort oeconomiae, oder dispensation verborgen gehabt haben? Aber gnug bißher auch von diesem argument.

Das fünff vnd dreissigste Anhaltische Argument.
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AVff das fünff vnd dreissigste argument(XXXV.) antworten sie per fallaciam secundum plures interrogationes. Denn sie verwechseln die Heuptfrag / welchs bey den Sophisten heisset Translatio status causae, vnd von den jenigen gebraucht wird / denen das Liecht zu hell in die augen scheinet / das ist / die mit vberzeugtem Gewissen einer bösen Sach patrociniren. Die Frag / darumb es in diesem argument zuthun / ist mit nichten (wie vnser gegenteil alhie den statum causae(Fol. Apol. Erf. 103. b. 104. a.) felschlich / vnd zu seinem vorteil formiret) ob ein vnterscheid sey zwischen diesen Reden? die Gottheit / almacht / vnd das Leben selbst wesentlich / oder natürlich sein: Vnd / von wegen / oder nach art der persönlichen vereinigung göttliche gewalt / vnd lebendigmachende Krafft haben: Oder / mit dem Leben persönlich vereiniget / vnd zu der Krafft lebendig zu machen / vmb der persönlichen vereinigung
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willen / mit dem Wort erhaben sein. Denn wer wolt so grob sein / das er diese Reden / die wir semptlich im rechten (aber nicht Vbiquistischen) verstand vnterworffen lassen / aus Gottes wort nicht vnterscheiden könte? So wird ja vnser gegenteil nimermehr beweisen / das wir sie für aequipollentes, oder gleichstimmende angezogen haben solten. Sondern dauon ist die Frage / ob im geheimnis der heiligen Dreyfaltigkeit einerley sey / wenn wir sagen / Allein Gott ist almechtig: Item / Gott allein hat almechtige Krafft: vnd / Gott ist die almechtigkeit selbst? Sind diß gleichstimmende Reden (wie wir aus Gottes wort / aus den Symbolis / vnd alten Christlichen Lerern in vnser Apologia nach der lenge bewiesen) so kan von der angenomenen Menscheit Christi / one abtilgung jrer Natur / so wenig gesagt werden / das sie almechtig sey / oder die almechtige Krafft in der that habe / als das sie die almechtigkeit selbst sey. Hierauff hat vnser gegenteil in der eingewanten Refutationschrifft / vor vnser Apologia gedruckt / pag. 84. vnd 85. geantwort / das wenn ein Schüler in der Schul fürgeben / vnd bestreitten wolte / das realiter habere omnipotentiam, & esse omnipotentem, vel esse ipsam omnipotentiam, seyen aequipollentes propositiones; demselbigen ein guter schilling gehören würde. Denn die göttliche Natur sey die omnipotentia selbst / die menschliche aber habe sie / vnd sey habendo omnipotens. Dieweil denn in der Erfurdischen Apologten / fol. 104. von den Herrn Verfassern diese Frage vnberürt stehen bleibt / vn̅ durch verwechslung der Heuptsach vnser erkleru̅g
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mit stilschweigen iustificiret wird: So geben sie zwar / wider sich selbst / dem vnpartheyischen Leser das vrteil in die Hand / das nemlich der Tichter jhrer vermeinten Refutationschrifft / wenn jm der bard / darauff er sich Anno 78. zu Hertzbergk berieffe / nicht zu graw wer worden / ein gute correction vieleicht wol verdienet hette. Denn mit welchem Mass man misset / mit dem sol wider gemessen werden. Sönderlich dieweil der Prophet sagt: Etiam canicies sparsa est in eo, & tamen non animaduertit: Er hat auch grawe haar krieget / noch wil ers nicht mercken. Hoseae 7. Item Jesa. 65. Quoniam puer centum annorum morietur: et peccator centum annorum maledictus erit. Die Knaben von hundert jaren sollen sterben / vnd die Sünder von hundert jaren sollen verflucht sein. Aber wir lassen vns für vnser Person genügen / vnd dancken Gott / das wir dißfals durch jr eigen liechtschewende vberzeugtes Gewissen absoluirt / vnd rechtgesprochen werde̅. Wolle̅ nichts desto weniger jre newe Predigt / die sie alhie von dem lebendigmachenden fleisch Christi / one verstand(Fol. Apol. Er. 104. a. b.) / vn̅ jrer Lehr selbst zu wider / cu̅ cordis contradictione, nach der lenge widerholen / auffs kürtzeste vbersehen. Der Christliche Leser wolle sich nicht verdriessen lassen / das wir das lange geschwetz mit gleichem werth / die Warheit zu retten / vergelten müssen. Erstlich geben sie für / Nestorius würde gewonnen(Fol. Apol. Erf. 104. a.) Spiel gehabt haben / wenn sichs vnser Lehr gemess verhalten solte. Darauff geben wir diese richtige antwort / das eben vmb dieser vrsach willen Nestorius / als ein götzendiener (daher er auch genant) verdampt worden ist / das er diese aequipollentes, oder gleichstimmende
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Reden (nemlich / in der that ein mitgetheilte / oder realiter communicirte lebendigmachende Krafft haben / vnd wesentlich Gott / oder das Leben selbst sein) trennete / vnd mit vnserm gegenteil dem fleisch Christi ein besondere mitgeteilte / eingegossene / oder wie die Apologia fol. 103. b. redet / eingesenckte Krafft lebendig zu machen andichtete. Dawider Cyrillus / vnd die zwey hundert Veter vffm Concilio zu Epheso versamlet / einmütiglich geschlossen / wenn schon ein sölche participatio, oder communicatio realis, das ist / ein thetliche mitteilung der lebendigmachenden Krafft im fleisch zugelassen werden möchte / das gleichwol solchs viel zu wenig wer / dem menschlichen geschlecht das Leben wider zu bringen / sondern das gehöre allein demselbigen zu / der das Leben selbst wesentlich ist. Vnd bewiesen demnach aus der Schrifft / das Christi fleisch / nicht vmb einer empfangenen / eingesenckten / oder mitgeteilten Krafft / noch sönderlicher Maiestet / vnd erhöhung willen lebendig mache / sondern allein vmb der persönlichen vereinigung willen mit dem Wort / welchs das Leben wesentlich ist / vnd sein angenomen fleisch für vnser Leben in den todt gegeben / vnd also zur Speise des ewigen Lebens verordnet hat. Wie nu das fleisch Christi sich selbst vom todt nicht aufferwecket hat / also hats auch nicht die Krafft für sich empfangen / vom todt vns zum Leben zu erwecke̅. Sondern das Leben / des wir von Christi fleisch / als seine warhafftige giedmassen teilhafftig werden / ist ein vnleugbar effect / vnd zeugnis / das es nicht (wie Nestorius schwermet) eines blossen Menschen / sondern viel mehr des Menschen / der der eingeborne Son Gottes / vnd demnach das Leben selbst ist / eigen fleisch sey.
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Dagegen Nestorius fürgab / es bedürffte solches geheimnis nirgend zu / das man Gott vnd Mensch für ein Person hielte / sondern wer gnug / das man dem fleisch Christi sölche empfangene gnad der lebendigmachenden Krafft zuschriebe. Aber Cyrillus / vnd das gantze Ephesinum Concilium haben solchs gewaltig widerlegt / vnd erhalten / das vnser Leben / vnd Seligkeit nicht aus einer sönderlichen mitgeteilten Krafft / Maiestet / oder almacht des angenomenen fleisches Christi / sondern aus dem einigen verdienst / vnd Krafft des Mitlers / so vnser fleisch durch sein fleisch zum Leben thewer erkaufft / vnd erarndet hat / herfliesse. Dieweil denn vnser Widersacher mit Nestorio einerley vngründe füren / so gehören sie auch vnter einerley Anathema des Concilij Ephesini. Vnd entschüldigt sie nicht / das sie mit worten sich beruffen / sie haltens mit der Kirchen / welche lehret / das in Christo zwo Naturn persönlich vereinigt sind: Sondern sind souiel desto strefflicher / vnd gröber / das sie aus dem / daraus Nestorius / wie auch noch alle Antitrinitarier / wol verstunde / vnd verstehen / das kein persönliche vereinigung folge / dieselbige zu erhalten gedencken. Vnd ist nicht gnug / sich mit dem Munde auff die Concilia beruffen / vnd doch im grunde denselbigen zu wider sein. Denn es heisst vielmehr (wie Synodus Ephesina selbst bezeugt) Nequaquam sufficit, fidem voce duntaxat confiteri, nisi rectè quoque eam interpreteris. So mag nu der Christliche Leser die Sprüche aus Cyrillo / so vnser gegenteil alhie fol. Apol. Erfurd. 104.
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abermal vber einen hauffen schüttet / ponderiren / vnd erwegen. Denn er nirgend finden wird / daß das fleisch Christi durch ein sönderliche mitgeteilte / oder empfangene almechtige Krafft lebendig mache: sintemal dieses Nestorij meinung viel mehr würde gesterckt / als geschwechet / oder widerleget haben. Sondern durchaus dringet Cyrillus auff die persönliche vereinigung / vnd zeiget an / das Christi fleisch lebendig mache / kome daher: quia non SOLA esse in Christo intelligitur, sed habet Filium Dei sibi coniunctum, qui substantialiter vita est. Das ist / Nicht des fleisches Krafft ists / sondern des Sons Gottes / der in / mit / vnd durch das fleisch / one vermengung / vnd trennung wircket / vnd das Leben selbst wesentlich ist. So wird nu solche Krafft / vnd Ehr dem fleisch zugeschrieben / per gratiam Vnionis; mit nichten aber per realem idiomatum Deitatis cum carne communicationem, seu participationem. Denn Christi fleisch für sich (auch in derselbigen vereinigung betrachtet) ist / vnd bleibt ein Creatur / die selbst bedarff / das sie beym Leben erhalten werde / wie sie sich denn nicht selbst tregt / erhelt / noch lebendig macht. Aber dieweil sie in Christo das Lösegeld worden ist / dadurch wir vom tod zum Leben erkaufft sind / so macht auch das ewige Wort / vmb desselbigen willen / vnd durch dasselbige lebendig / alle seine gleubige gliedmassen. Das meinet Cyrillus / wenn er vnter andern sich also erklert / das man auff das geheimnis der menschwerdung sehen müsse. Denn Christi fleisch sey ein lebendigmachendes fleisch / nicht darümb / das es fleisch ist / oder heisst / sondern viel mehr darumb / das es des ewigen Worts / welches alle ding lebendig macht / eigenes fleisch ist / vnd
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nicht (wie andere Menschen) für sich ein selbstendige Person / sondern vom Son Gottes / in einigkeit seiner ewigen Person angenomen / vnd also vnzertrenlich / vnd vnzerstörlich im Wort erhalten werde. Welchs Nestorius zum hefftigsten widerfochten / vnd derwegen billig von dem Concilio verdampt worden ist. Dieweil denn die Frage alhie nicht ist / von der persönlichen vereinigung / sondern von der empfangenen mitgeteilten Krafft der göttlichen almacht dem fleisch Christi eingesencket: vnter welcherley beiden Reden / die erste (betreffende die persönliche vereinigu̅g) von Nestorio verworffen; die andere aber (de reali idiomatum Deitatis cum carne participatione) verfochten / vnd mit beiden Henden wer angenomen worden: So ists ein vergeblich gewesen / das(Fol. Apol. Erf. 104. b.) vnser gegenteil alhie mit so grossem pracht vns zu den 200. Vetern des Ephesini Concilij in einen Kampff weiset / so doch jhre abschewliche Lehr von der Vbiquitet / vnd erdichten almechtigkeit des fleisches Christi / nirgend ausfürlicher / denn in demselbigen Ephesino / wider Nestorium / vnd drauff erfolgten Chalcedonensi Concilio / wider Eutychen / wie die acta, vnd decreta beiderseit ausweisen / widerleget ist. Zum andern / was aber den Spruch Johann. 5. Er hat dem Son gegeben / das Leben zu haben in jm selber / etc. anlanget / darffs nicht viel glossirens / dieweil sich der text selbst ausleget. Denn die vörige wort / welche vnser gegenteil zum vorteil vbergehet / beweisen vnwidersprechlich / das es nicht von der menschlichen / sondern göttlichen Natur geredet sey. Aus vrsachen: Denn erstlich verstehen die Jüden selbst /
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das er hiemit anzeige / Gott sey sein Vater / vnd das er Gott gleich sey. Welchs vnser gegenteil von der Menschheit nicht wird gestehen / dieweil man zu beiden theilen (sie zwar mit blossen worten / wir aber mit allen rechtgleubigen in der that) die exaequation der beiden Naturn in Christo verwerffen. Vber dieses redet der HERR deutlich von der weise selbst. Denn (spricht er) wie der Vater das Leben hat in jhm selber: Also hat er dem Son (er sagt nicht / meinem fleisch) gegeben / das Leben zu haben in jm selber. Der Vater aber ist / vnd hat das Leben wesentlich / also auch der Son / als der eingeborne vom Vater. Denn er ist eines Wesens mit dem Vater / welchs mit nichten vom fleisch Christi kan in warheit gesagt / noch gedacht / oder verstanden werden. Zum dritten / Athanasij Spruch de suscepta humanitate contra Apolinarium, pag. 530. betreffend / solt vnser gegenteil bedacht haben / das die bücher in tertio & quarto Tomo operum Athanasij, vnter welchen auch dieses ist / supposititij, vnd frembde sind / derer Autor Athanasius eigentlich nicht gewesen ist. Zu deme / so stehet daselbst ein erklerung des Spruchs Marci 13. von der vnwissenheit des Jüngsten tags nach der Menscheit Christi / welche sie viel mehr in acht solten gehabt haben / dieweil sie dieselbige meinung an vns für ein jrthumb der Agnoeten verdammen. Dawider doch Athanasius auch sonsten / nemlich Serm. 4. contra Arianos, pag. 249. also schreibet: Cuiuis manifestum est, ignorationem ad carnem pertinere: ipsum autem Verbum,
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quatenus Verbum est, omnia antequam fiant, scientia praecognoscere. Vnd eben daselbst / am blat zuuor / erkleret Athanasius den Spruch Johann. 5. wie folget: Quòd autem illae voces (Datum est) & (traditum est) nusquam ostendant, illum aliquando non possedisse; licitum est ex simili dicto in vniuersum hoc ipsum prospicere. Ait enim Saluator: Quemadmodum Pater habet vitam in semetipso: ita quoque Filio dedit vitam habere in semetipso. Nam ex hac voce (DEDIT) indicat, sese Patrem non esse: ex isto autem dicto (ITA) Filij similitudinem, proprietatemque cum Patre significat. Si igitur aliquando fuisset, cum Pater non haberet: certum est, etiam fuisse, cum Filius non haberet. Vt enim PATER: ita quoque & Filius habet. Quòd si illud impium dictu est; PATREM non semper habuisse: PIVM autem illud; Patrem semper habuisse: quî quaeso non absurdum, dicente Filio; Vt Pater habet, ITA & Filium habere: istos dicere; non ITA ipsum habere, sed aliter? Sincerior igitur, ac maioris fidei sermo VERBI est, quo dicit, se ea accepisse, quae semper habet, quia à Patre habeat. Et Pater quidem à nemine: Filius autem à Patre habet. Vt enim, si ipsum iubar loquatur; OMNIA mihi donauit LVX, vt illustrarem: Et ex me ipso lucem non praebeo, sed vt LVX voluit. Ea si diceret, non indicaret, se lucem aliquando non habere, sed lucis se quiddam esse proprium, lucisque omnia sua esse. Ita id quoque multò magis in Filio intelligendum est. Nam OMNIA Pater dedit Filio: Et rursum, OMNIA Pater in Filio possidet: Filioque possidente, Pater vicissim ea retinet. Vt enim Filij diuinitas, Patris diuinitas est: ita Pater in Filio vniuersitati re
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rum prouidentia consulit. Horum igitur verborum istiusmodi intellectus est. Bißher vnsere meinung vber die Rede des HERRN (Denn wie der Vater das Leben hat in jm selber / Also hat er dem Sohn gegeben / das Leben zu haben in jhm selber) mit des heiligen Bischoffs Athanasij eigenen worten / auffs aller deutlichst / vnd lieblichst erkleret / dabey wir auch mit allen rechtgleubigen beruhen. Jedoch lassen wir auch dieses Spruchs Johann. 5. erklerung / wie sie in obgedachtem buch de suscepta humanitate stehet / in jrem werth / vnd sagen mit Basilio / lib. 1. contra Eunomium: Das die Veter offt in einfalt dahin geredet / nicht aus falscher meinung / welchs hernach von den Ketzern / wie alhie von den Vbiquisten geschicht / misbraucht sey worden. Es ist aber eigentlich diß die meinung / wie die menschliche Natur in Christo mit der ewigen almechtigen Gottheit des Worts vereinigt ist: also hat sie auch die almechtige Krafft lebendig zu machen / empfangen. Ihr ist aber nicht gegeben / das sie vmb der persönlichen verenigung willen die Gottheit / oder Gott selbst wer. Darumb ist jhr auch nicht gegeben / das sie das Leben in jr / als Gott selber / habe: sondern die Person / mit welcher sie persönlich vereinigt / hat / vnd ist das Leben in jhr selber / vom Vater durch die ewige Geburt / wesentlich / vnd als vom Vater in vnser fleisch gesant / durch sein verdienst / vnd Krafft / vns die Gerechtigkeit / vnd das ewige Leben wider zu bringen / vnd den todt / sampt dem Reich der Sünden / zu tilgen. Welchs alles durch die mirackel (die Christus / als des
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Vaters eigene Werck / vbete) bewiesen / vnd also der Welt / die den Sohn nicht kennete / noch für den warhafftigen Gott / vnd Messiam hielte / oder ehrete / offenbar worden ist. Zum vierten / können sie nicht leugnen / das die schöne liechte erklerung Athanasij / von dem / das da Christo geben / vnd empfahen heisse / Sermone 4. contra Arianos, pag. 247. eigentlich auff das ewige Wort / vnd demnach auff die ewige Gottheit selbst gehe / nach welcher der Son / oder das ewige Wort mit dem Vater eines Wesens ist. Dieweil denn die Regel; Quae possidet vt Deus, ea postulat vt Filius: Was Christus als Gott hat / das heischt er / als der Son / von Athanasio den Arianern entgegen gesetzt ist / so kan ja nicht alles heischen / fordern / vnd empfahen nur auff die Menscheit gericht sein. Wie können sie denn mit gutem Gewissen die jenigen(Fol. Apol. Erf. 105. a.) für Arianer schelten / vnd verdammen / welche eben das / so Athanasius lehret / gleuben / vnd halten? Sintemal ja hieraus offenbar / vnd erweislich / das geben / vnd nemen / oder empfahen / die Ordnung der Personen in der heiligen Dreyfaltigkeit vnterscheide / wider Sabellium. Jedoch der einigkeit des göttlichen Wesens / noch der gleicheit des Sons mit dem Vater / vnd heiligem Geist gar nichts beneme / wider Arium. Das aber sölche Sprüche entweder die Menschwerdung des ewigen Worts gar solten ausschliessen / oder das ja vmb derselbigen willen von der Menscheit Christi gleiche almacht / alwissenheit / allenthalbenheit / vnd Maiestet / wie vom ewigen Wort / solten praedicirt / vnd gesagt werden müssen: ist alles beides vnsers gegenteils nichtig fürgeben /
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dadurch jm Athanasius selbst widersprochen / vnd der Arianer lesterung viel mehr gesterckt / als widerlegt haben würde. Sönderlich dieweil der ander Psalm vff die menschwerdung / vnd einsalbung dieses newen Königs zu Zion austrücklich siehet / darinn auch das Erbe der Heiden demselbigen Mitler / der vns bey seinem himlischen Vater / ehe der Welt grund gelegt / ausgebeten hat / versprochen / vnd zugesagt wird. Zum fünfften lassen wir alle Christliche Hertzen / die jren Catechismum verstehen / vrteiln / ob nicht recht geschlossen / wenn wir also argumentiren. Die almechtigkeit gehört zum göttlichen Wesen selbst. Derwegen die wort im Symbolo: Ich gleube an einen almechtigen Gott / so viel heissen / als ich gleube / das nichts almechtig sey / denn der einige Gott. Dieweil denn so wol der Son / als der Vater / vnd heilige Geist / almechtig ist; so mus vnwidersprechlich folgen / das Vater / Son / vnd heiliger Geist / ob sie wol nicht einerley Person / jedoch ein einiges göttlich / ewig Wesen sind / gleich in der herrligkeit / gleich in der ewigen Maiestet. Es ist aber die menschliche Natur in Christo nicht eines Wesens mit dem Vater / Son / vnd heiligem Geist. Derwegen ist sie nicht Gott / viel weniger almechtig / alwissend / allenthalben. Denn solchs mit warheit von keiner Creatur / wie die angenomene Menscheit in Christo ist / vnd bleibt / gesagt / noch gegleubt werden kan. Sol sie aber almechtig sein / so mus sie auffhören ein Creatur zu sein: Vnd also würde das geheimnis der menschwerdung in zwo Person getrennet / vnd demnach in
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der heiligen Drefaltigkeit die vierte Person gedichtet / vnd eingefüret / vor welchem grewel vns Gott ewiglich behüten wolle. Amen. Zum sechsten / sihet man an den Herrn Verfassern alhie fol. Apol. 105. augenscheinlich / wie sie den affecten indulgiren / vnd viel mehr zur Sophisterey / als zur Warheit geneigt sind. Denn nach dem jhr refutationschrifft / pag. 84. (wie hiebeuor angezeigt) vnser argument spöttisch eludirte / vnd zur Schuldisciplin verwiese: Haben wir in vnser Apologia / pag. 386. nicht mehr darauff geantwort / denn das in Schulen die Knaben freilich ex doctrina postpraedicamentorum wol verstehen / daß das wort (Habere) vff mancherley weis gebraucht werde. Nam aliter haberi substantiam, aliter accidentia, aliter contenta, aliter vestitum. Aber (haben wir dazu gesetzt) wie reimbt sich diß zur almechtigkeit / alwissenheit / vnd allenthalbenheit des fleisches Christi / welche sind wesentliche eigenschafften Gottes? Bißher vnsere wort. Hierauff antworten nu diese drey hochgelarten Theologen(Fol. Apol. Erf. 105. a.) anders nichts / denn mit einem tollen trunckenem geschrey / aus jrem Weinfass / one einigen grunde: Man vnterstehe sich die hohen geheimnis von Christo / aus dem Aristotele zu vrteile̅ / bey welchem doch die norma iudicij nicht zu finden / etc. Lassen also den Heuptpunct / darauff sie billig antworten solten / abermal faren / vnd beweisen jren blinden eyfer wider die armen vnschuldigen Philosophos, vnd Dialecticos. Gleich als hetten wir fürgeben / man müste / oder solte von den mysterijs fidei, nicht aus Gottes wort / sondern ex regulis Aristotelicis, oder philosophicis vrtheilen. So
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doch das gegenspiel aus allen vnsern Schrifften zu erweisen / vnd zwar eben auff demselbigen blat vnser Apologien / beruffen wir vns auff den Spruch: Habent Mosen, & Prophetas, illos audiant. Luc. 16. Das sie aber jre Vbiquitet / vnd was derselbigen anhenget / weder aus Gottes wort / noch andern approbirten Schrifften / derer sie selbst in norma Concordiae gedacht / bescheinen können / beweisen nicht allein vnser vnbeweglichen gründe / der sie noch keinen soluiret / viel weniger vmbgestossen haben: sondern mit eigenem Mund / vnd feder haben sie es pag. 55. in jhrer refutationschrifft bekennen / vnd wider sich selbst (wie der Christliche Leser daselbst befinden wird) bezeugen müssen. Das wir jhnen freilich alhie viel billiger / denn sie vns / mit jhrem alten Sprichwort (wens (Fol. Apol. Erf. 106. a.) in so hochwichtigen Gewissens sachen damit ausgericht wer) begegnen könten; Auff eine öffentliche vnwarheit gehöre kein antwort. Aber wir lassen jhnen jhre höffligkeit zu gut komen / vnd wollen vns solches Bepstlichen gewalts / oder viel mehr freuels nicht anmassen / noch jhrer Sünden teilhafftig machen. Es wolle viel mehr der vnpartheyische Leser jr vberaus schön / vnd sinnreich argument erwegen / wie folget. Dialectica, vnd Philosophia sind nicht norma iudicij de mysterijs fidei. Darümb sind sie nichts nütze in der Kirchen / die heiligen Schrifft in jhren Sprachen recht zuuerstehen / noch andern in richtiger Ordnung fruchtbarlich fürzutragen / vnd zu erkleren. Sondern (wie der Apostel befiehlt) Taceat in Ecclesia Mulier, das ist / Philosophia. Denn sie sind beide generis foeminini. Das heisst ja der einreissenden
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barbarey wehren. In massen auch sonsten jhr (nu mehr aber von jhnen selbst ausgemusterter) Principal / D. Jacob Andreae im gebrauch hat / bey hohen fürnemen Personen / die Dialecticam einem Bawer / der ein fuder Holtz vffm Marck verkeuffen wil / vnd die Rhetoricam einem Landbetler / vffs hönischeste zuuergleichen. Zum siebenden / vff die argumenta Bonauenturae sagen(Fol. Apol. Erf. 105. b.) sie nicht mehr / denn das droben capite secundo albereit darauff geantwort sey worden / dahin sie den Christlichen Leser remittirt haben wöllen. Nach dem wir aber auffsuchen / finden wir gar nichts dauon: Ausgenomen / das sie fol. 44. hefftig wider Bonauenturam,(Fol. Apol. Erf. 44. b. 45. a.) Magistrum sententiarum, vnd aller Schullerer Theologia̅, die sie gantz vnd gar ausgemustert habe̅ wollen / donnern. So doch jr eigen Consort / D. Johann Matthaeus / Professor zu Wittembergk / seine auditores fürnemlich auff die Scholasticos Theologos füret / vnd sönderlich auff Thomam, an dem er sich (wie er in der Praefation vber seinen tractat de Vnione hypostatica schreibt) allein genügen lasse. So sagt der Apostel / man sol alles prüfen / aber allein das gute behalten. Dieweil denn calumnijren / lestern / holhippeln / viel ein anders ist / als beweisen / oder widerlegen / so stehen auch Bonauenturae argument noch fest / welche wir hiemit dem Christlichen Leser / in vnser Apologien / pag. 388. vnd 389. wider auffzuschlagen / vnd nach der Richtschnur göttliches worts zu vrteilen wollen befohlen haben. Vnd wissen freilich / das diese Sprüche der heiligen(Fol. Apol. Erf. 106. a.) Schrifft: Mir (Christo) ist aller gewalt gegeben im Himel / vnd auff Erden / Matth. 28. Item / der alte (Antiquus diern̅)
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gab jhm (dem Son des Menschen) gewalt / Ehr / vnd Reich / das jhm alle Völcker / Leute / vnd Zungen dienen solten. Seine gewalt ist ewig / die nicht vergehet / vnd sein Königreich hat kein ende. Dan. 7. Item / Ihme (Christo dem gecreutzigten / nicht seinem fleische) ist ein Name gegeben / der vber alle Namen ist / etc. Philip. 2. in alle ewigkeit wol fest / vnd bestendig sein / vnd bleiben werden / wenn der Vbiquisten / vnd aller Sophisten gloss / vnd zusätze (wie scharff / sinnreich / oder scheinbarlich sie auch jmer sein / oder geachtet werden mögen) wie der Rauch vom Winde zerstrewet / vnd also sampt jhren autoren / Patronen / vnd adhaerenten / mit ewigem hohn / vnd spott plötzlich vergehen werden. Denn es müssen doch zu letzt (wie der sechste Psalm drewet) alle Feinde Gottes / vnd verfelscher seines worts / zu schanden werden / vnd sehr erschrecken / Sich zu rück keren / vnd zu schanden werden plötzlich.

Das sechs vnd dreissigste Anhaltische Argument.
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(XXXVI.) AVff das sechs vnd dreissigste argument / das nemlich die exaequatio, vnd confusio naturarum keines wegs verhütet werden könne / wenn man die göttliche eigenschafft der menschlichen Natur zuschreibe / berichten (Fol. Apol. Erf. 106. a.) sie / es sey ein öffentliche vnwarheit / vnd demnach keiner antwort werth. Dieweil wir denn solche newe art zu disputieren / vnd argumenta zu soluiren / in vnser Dialectica nicht studiret / so
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müssen wir solches jhrem vbermessigen verstand zuschreiben / vnd achtens dafür / das sie nicht vergeblich / noch one vrsach im vörigen argument dermassen vff die Dialecticam gescholten haben / als die dem Widersacher viel bescheidener(Fol. Apol. Erf. 105. b.) lehret vnter augen gehen / damit die Warheit erklert / vnd der mangel der falschen Lehr entdecket werde. Aber vnser gegenteil / wie wir verstehen / helt solches für ein vnnötige weitleufftigkeit / vnd kan mit der Bawers Dialectica (Es sey nicht war / Es sey erlogen / ein öffentliche vnwarheit bedürff keiner antwort / etc.) der Sachen viel ehe rahten / vnd abhelffen. Vnd freilich / wo sie den nachdruck haben / faren sie mit dieser Dialectica sehr scharff. Denn sie soluiren nicht allein per modum arguendi mendacij, da sie die Leut vnvberwiesen lügenstraffen: sondern auch per carcerem, vnd exilium. Aber wir antworten mit Zacharia Barachiae Son / welchen die Jüden getödtet haben zwischen dem Tempel / vnd Altar / auff das (wie des HERRN letzte Busspredigt lautet) vber sie kome alle das gerechte Blut / das vergossen ist auff Erden / von dem Blut an des gerechten Abels / biß vff denselbigen / des alten / fromen / vnd woluerdienten Hohenpriesters Joiadae Son / der da sprach / als er gesteiniget wurde: Dominus videbit, & requiret: Der HERR wirds sehen / vnd suchen. 2. Paral. 24. Matthae. 23. Damit aber gleichwol nicht jemand gedencke / die Vbiquisten seyen an der exaequation der beiden Naturn in
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Christo so gar vnschuldig / wie sie mit worten scheinbarlich fürgeben / so wolle der Christliche Leser die nachfolgende Sprüche aus D. Kacobi Confutationschrifft / Anno 83. wider Gregorium de Valentia im druck ausgangen / kürtzlich nach der Richtschnur des göttlichen worts prüfen / vnd erwegen. Denn also lauten die wort daselbst / pag. 14. Propter Vnionem hominis cum Deo constanter affirmamus: HVMANAM naturam ad AEqualitatem gloriae, & potentiae cum diuino VERBO exaltatam esse, vt non modò iam potens sit, sed etiam OMNIPOTENS. Item, pag. 31. Etenim Patres omnes vno ore fatentur, Christum secundum humanitatem non modò ad AEQVALEM, sed EANDEM, hoc est, ipsius Deitatis propriam Maiestatem, exaltatam esse: cui cum omnia sint praesentia, quis, nisi INSANVS, negaret, per eandem Maiestatem, HVMANITATEM assumtam quoque OMNIA praesentia habere, & OMNIBVS praesentissimam esse? Item, pag. 70. Naturam humanam assumtam dicimus esse AEQVALIS gloriae, & maiestatis: immò, quod magis absurdum videtur, in EADEM GLORIA, quae Deus est ipse Filius DEI. Aber dergleichen Sprüche findet man hauffen weis in allen Vbiquistischen Schrifften / Disputationen / vnd Predigten: Was ists auch anders / denn ein exaequatio naturarum, wen die Concordiformul so wol / als die Erfurdischen Apologia / diese propositiones durchaus für Glaubensartickel wil approbirt wissen / das Christus nach beiden Naturn sey almechtig / alwissend / allenthalben? Wir lassen die Kirchen Gottes vrtheilen.
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Das sieben vnd dreissigste Anhaltische Argument.
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DAs sieben vnd dreissigste argument fleust(XXXVII.) aus dem negstvorhergehenden. Denn wie (nach aussage Theodoreti) ein anders ist / das da annimpt / vnd ein anders / das angenomen wird / nach welchen beiden doch nur ein Christus betrachtet wird: Also ist ein sehr grosser vnterscheid zwischen dem / das da hat / vnd dem / so gehabt wird / vnd wird gleichwol durch solche betrachtung die Person Christ nicht getrennet. Eben dieses hat Nazianzenus gemeinet / da er sagt: Hoc quide̅ deificat, illud verò deificatur. Denn in Christo sind zwo Naturn / die göttliche / vnd menschliche / vnter welchen jene (also zureden) vergöttet / diese aber vergöttet wird. Ob nu gleich durch die persönliche vereinigung / der göttlichen Natur in Christo nichts abgangen (die hiemit jre Lieb gegen das arme menschlich geschlecht bewiesen hat) der menschlichen Natur aber ist hiedurch die allerhöchste Ehr widerfaren: So mus doch vnser gegenteil alhie wider sich(Fol. Apol. Erf. 106. b.) selbst bekennen / daß das wort Deificatio, vergötterung / nicht so gar eigentlich / vnd wol geredet sey. Sondern dieweil es vo̅ den alte̅ Vetern / jrer art nach / das grosse gnade̅werck / das der Son Gottes Mensch ist worden / desto ansehelicher zumachen / also gebraucht / welchs hernach die Eutychianer (wie zu vnsern zeiten die Schwenckfelder / ja auch die Vbiquisten selbst) stracks dem blossen buchstaben nach / one gnugsame erklerung / für einen Glaubensarti
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ckel verstanden haben: so erkennen sie es nu zanck / vnd misuerstand zuuerhüten / für etwas vngelegener / vnd sagen: Es sey am aller besten / das man sich desselbigen worts / da von der angenomenen Menscheit vergötterung geredet wird / souiel müglich / enthalte. Derwegen wir diß nicht vnbillig für bekant annemen / vnd wird demnach der Vbiquisten newerdichter Glaubensartickel / da sie fürgeben / das fleisch Christi sey Gott selber (nicht aber die Gottheit selber / gleich als könte etwas Gott sein ohne die Gottheit) Item / es sey almechtig / alwissend / allenthalben / hiemit durch jr eigen zeugnis verworffen. Sonst wer es vnsert halben nicht von nöten / die alten rechtgleubigen Lerer in die Schul zu füren / sondern wir haltens einfeltig dafür / das solche / vnd dergleichen Sprüche wol können nach guter gelegenheit in dem verstand / wie sie von den Lerern selbst gemeint / gebraucht werden / nicht aber nach der alten vnd newen Eutychianer verkerung. Den̅ vnser gegenteil die art zu reden für vngelegen achtet / vnd lesset doch die falsche meinung / von jrer vbelerdachten Vbiquitet (dadurch die wolgemeinte / vnd für sich mit nichten vngelegene Sprüche der alten reinen Lerer / vngelegen worden) gar nicht fallen / sondern wil sie zum hefftigsten vertheidingt wissen. Wie nu Damascenus selbst bekennet / lib. 4. cap. 19. Das in diesen wörtlein (Incarnatio, vnd Deificatio; Item, humanatio, vnd Verbifactio, &c.) ein reciprocatio sey / welchs er nent considerationem seu Theoriam : Also erklerts der Scholiastes lib. 3. cap. 17. auffs aller deutlichste / mit folgendem Spruch / welchen der Christliche Leser wol erwegen wolle / sönderlich dieweil sichs im teut
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schen so bequem nicht aussprechen lesset. Die wort des Scholiastae, oder commentatoris lauten also: In Vnione illa dispensatoria, & Dei fuit humanatio, & carnis Deificatio: Quae duo solùm habent rationis discrimen, ob terminorum distinctionem, & diuersam designationem. Nam Dei humanationem dicentes, Deum hominem factum insinuamus: constituimusque Deum, vt primum huius diuinae operationis terminum, hominemque tanquam secundum: & exinanitionis motum explicamus, quo inclinauit Deus coelos, & descendit. Sed carnis Deificationem nominantes, carnem à Verbo assumtam denotamus: collocantes carnem, tanquam primum huius ineffabilis motionis terminum; Deum verò, vt secundum, & ad quod tendat huiusmodi motus, & altissimam sublimationem, glorificationemque exprimimus, qua imum ad summum est subuectum; quemadmodum in priore enunciatione summum ad imum den otabatur inclinatum. Das ist: In der vereinigung / vnd Offenbarung im fleisch / ist zugleich Gott Mensch worden / vnd das fleisch vergöttet worden: welche zwey ein ding sein / vnd werden allein von wegen vngleicheit der Reden von einander vnterschieden. Denn in dem wir die Menschwerdung Gottes nennen / zeigen wir an / das Gott Mensch worden / vnd stellen also Gott erstlich dar / das von jme diß göttlich Werck erstlich hergeflossen / vnd zum andern den Menschen / vnd geben hiemit zuuerstehen / mit was bewegung / oder neigung Gott sich gleich verkleinert / oder seiner hoheit geeussert / vnd gedemütiget hab / das er dazumal den Himel geneiget / vnd hernider gestiegen sey.
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Da wir aber des fleisches vergöttung nennen / geben wir zuuerstehen / daß das fleisch vom Wort auff / vnd angenomen sey. Stellen also das fleisch erstlich dar / daruon diese vnaussprechliche bewegung entstanden sey: Gott aber zum andern / dahin sich solche bewegung erstrecket hab / vnd zeigen also die höchste hoheit / vnd verklerung an / durch welche das nidrigste zum höchsten erhoben ist / gleich wie in der vörigen weis zu reden angedeutet wird / daß das höchste sich gar hernider gebogen hab. Et paulò pòst: Sicut sanctissimi Patres hanc propositionem recipiunt: Deus est factus homo; ob Verbi Dei humanationem: Ita & hanc, homo factus est Deus; ob carnis, naturaeque humanae (quae tota nomine carnis inrelligitur) Deificationem. Summoperè tamen expetunt rectam, & piam vtriusque propositionis intelligentiam: seclusa omni importunitate Sophistica, quae à diuinis, & arduis sensibus explicandis, eliminari prorsus debet, & reijci. Quis enim non iure stomachabitur, & indignè feret, ad hanc diuinam Aquilae Euangelicae propositionem; Verbum caro factum est (quam audientes reuereri debemus, & cum pietate, atque religione genua flectere, caput inclinare) Sophisticas adduci expositiones, & Sophismatum ineptias, ab omni disciplina explodendas? Das ist / Denn gleich wie die heiligen Veter diese weis zu reden annemen / Gott ist Mensch worden / von wegen der Menschwerdung des Worts / welches ist der ewige Sohn Gottes: Also nemen sie auch diese an / der Mensch ist Gott worden / von wegen des fleisches / vnd der menschlichen Natur (die durch das Wort / Fleisch / gantz vnd gar / vnd nit nur eines teils verstanden wird) vergöttung. Sie erfordern aber höchlich / das
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man beide Reden / Gottselig / vnd recht verstehe / hindan gesetzt alle vnbilliche / vnd vnleidliche Sophisterey / die von den göttlichen / vnd hohen geheimnissen gantz / vnd gar sol ausgestossen / vnd verworffen sein. Denn wer wolte nicht billig zornig sein / vnd wen solts nicht verdriessen / so diese göttliche Rede des Euangelischen Adlers / das Wort ist fleisch worden (welche wir mit aller ehrerbietung hören / gottseliglich vnsere Knie darfür biegen / vnd das Heupt neigen sollen) sophistisch ausgelegt wird / vnd also sophistisch / vnd grob / welches durchaus in keiner Lehr / vnd disciplin zu dulden? Bißher der Scholiastes Damasceni. Dieweil wir denn solchs alles in vnser Apologia / vom 391. blat anzufahen / biß vffs 401. gnugsam ausgefürt / vnd sich vnser gegenteil (wie gemelt) alhie selbst verrett / das es vngelegen / also ohne erklerung / stracks blos vff die vergötterung des fleisches Christi zu dringen: die angezogene Sprüche aber ex Damasceno, de carne Domini diuinis actionibus ditata; Item, de ferro ignito, vstiuam ignis actionem(Fol. Apol. Erf. 106. b. 107. a.) possidente, vnd was dergleichen mehr von den Herrn Verfassern der Erfurdischen Apologien bey diesem argument weitleufftig widerholet wird / sich alle selbst wider vnser gegenteil erkleren (Sintemal dabey stehet / das glüende Eisen brenne / nicht aber seinet halben / sondern wegen der vereinigung mit dem Fewer / in massen auch die bereicherung / oder locupletatio / nicht weniger / als die Deificatio, oder vergöttung des fleisches Christi / anders nicht / der Warheit gemes / verstanden werden kan / denn wie sich Damascenus selbst am besten erklert / secundum purissima̅ illam naturae assumtae cum Verbo vnitionem hypostaticam) so lassen wirs auch dabey beruhen: Sönderlich die
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weil die puritas, oder Reinigkeit derselbigen vereinigung sonst gar turbirt / vnd verdunckelt würde / wenn dadurch der Vbiquisten fürgeben nach / die Menscheit in Christo so wol / als die Gottheit / solt almechtig / alwissend / allenthalben / ja Gott selber worden sein. Dergleichen weder Reden / noch meinunge / aus den alten rechtgleubigen Vetern (so wenig als aus Gottes wort) von vnserm gegenteil in ewigkeit nicht erwiesen / noch erstritten werden können. Bestehet also auch dieses argument noch fest / vnd ist von vnserm gegenteil viel mehr bekrefftiget / denn widerlegt worden. Dauon wir dem Christlichen Leser zum besten / vnd den Herrn Verfassern vrsach zu geben / ampts halben der Sachen etwas fleissiger / als bißher von jhnen geschehen / nach zudencken / hiemit nochmals der Jesuiten erklerunge in der offterwehnten disputation zu Meintz publicirt / nicht zu verachten / sondern aus Gottes wort / wo sie mangelhafft / zu widerlegen / vnd allermeist vff die 52. proposition / cap. 4. dißfals gut acht zu geben / der gebühr nach wollen gebeten / vnd angehalten haben. Belangend den locum Basilij, dem vnsere Antagonisten (Fol. Apol. Erf. 107. b.) (wie jre höffliche wort alhie lauten) gern ein Nasen drehen wolten / als patrocinirt er jrem vbiquistischem gedicht / habe̅ wir in vnser Apologia / pag. 400. aus Theodoreto so wol / als aus Basilij eigenen worten / vnsere / ja aller rechtgleubigen Christen meinung gnugsam erwiesen / alhie zu widerholen vnnötig. Jedoch vmb mehrer richtigkeit / vnd erklerung willen / remittiren wir den Christlichen Leser abermal zu derselbigen Jesuitischen disputation / in welcher vnserm gegenteil auch dieser behelff genomen / wie cap. 6. thesib. 80. vnd 81. zu befinden. Wir wollen nur die letzte wort daraus
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anziehen / darinn erkleret wird / wie fern sich diese gleichnis vom fewrigen Eisen erstrecke: nemlich / wie folget. Fatendum est, à S. Patribus hanc similitudinem vsurpatam fuisse, propter duo, quae similiter se habere videntur in ferro ignito & carne Christi. Alterum est, quòd sicut ignis to