Transkription

Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Vierdter Theil: Nebst einem vollständigen Register über alle Vier Theile.
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Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Bedancken und Erinnerungen über allerhand auserlesene Juristische Händel.
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Vierdter Theil. Nebst einem vollständigen Register über alle Vier Theile.
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Halle im Magdeburgischen, 1725. Zu finden in der Rengerischen Buchhandlung.
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Vorrede.
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ICh kan leicht vorher sehen, daß bey Lesung dieses vierdten Theils nicht wenigen lieb seyn werde, die in denen ersten dreyen Händeln referirte ausführliche Umstände der dabey vorgekommenen Gelegenheit, und der erfolgten Suiten zu lesen; aber auch viele mit mir deswegen nicht zufrieden seyn, andre auch mich gar für tollkühn achten dürfften, daß ich solche Dinge drucken liesse; wieder andere mich für faul ausschreyen möchten, daß ich meine schon bißher und zum theil offt gedruckte Schrifften in diese Juristische Händel mit einmischete, und also den Leser, der was neues erwartete, betröge, u. s. w. Ich verhoffe aber, es werden diese Praejudicia, wo nicht bey allen, doch bey denen meisten wieder wegfallen, wenn sie die ersten beyden Händel nur selbst ein wenig mit Bedacht werden haben durchlesen, indem ich daselbst an unterschiedenen Orten solche Umstände erwehnet, durch welche dergleichen Praejudicia gar leicht mögen beantwortet werden. Vorjetzo wegen des ersten Handels noch etwas zu gedencken, so ist es zwar an dem, daß mein daselbst befindliches Responsum alsobald zu W. und in eben der Druckerey und mit solchen Littern, wie das Responsum des andern Handels gedrucket worden; es ist aber doch nicht so be
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kannt worden, als das andere, weil man wenig Exemplare davon drucken lassen, auch Serenissimus dieselbe in seiner eigenen Verwahrung gehabt. Dahero es auch vielleicht geschehen, daß diejenige, die das andere Responsum angepacket, dieses erste, als welches ihnen nicht bekannt, unangetastet gelassen. Nachdem ich aber, als der erste Handel allbereit gedruckt war, bey dem Autore des neubestellten Agentens sonst etwas nachschlage, befinde ich unversehens, daß derselbe in der vierdten Depeche der andern Function num. 242. allbereit An. 1706. von diesen meinen Responso eine Abschrifft erhalten, und dasselbe zu widerlegen intendiret. Ob er nun wohl dieses nach seiner Gewohnheit mit guter Bescheidenheit gethan; so befinde ich doch deswegen nicht nöthig, seine Objectiones zu beantworten, weiln er 1. pag. 276. den Statum Controversiae geändert, und die von mir daselbst formirten zwey Fragen theils gantz anders, theils mit Zusetzung oder Aenderung der Umstände, nach seinen eigenen Gefallen proponiret, 2. von der Beantwortung der ersten Frage, wie ich selbige formiret, gäntzlich abstrahiret, und was ich in denen ersten 17. numeris deswegen gemeldet, übergehet und unbeantwortet läst; da doch vieles, so ich daselbst behaupten wollen, auf gewisse Maaß auch eine Vorbereitung der von mir formirten andern Frage und deren Beantwortung ist. 3. Weil er, was diese andere, aber von ihn auch sehr geänderte Frage betrifft, zwar dasjenige, was ich a numero 18. biß zum Ende gemeldet, beydrucken lassen, und auf jeden Numerum seine Antwort beygesetzet, aber mehrerntheils die gemeine gegenseitige Doctrin nur wiederhohlet, und vielfältige petitiones principii begehet, da doch viele darwider movirte Dubia ihre gehörige Replicas würden gefunden haben, wenn er die ersten 17. numeros meines Responsi mit hätte beydrucken lassen. 4. Weil er mir hin und wieder in seiner Beantwortung einen Sinn angedichtet, an den ich doch nicht gedacht habe; und der nunmehro aus dem, was ich anjetzo §. 4. p. 21. sequentibus hinzugesetzt, gäntzlich hinweg fället. Und damit ich nur einige wenige Exempel von dem, was ich bißhero erinnert, anführe; so praesupponiret er durchgehends, daß einer, der von der Lutherischen Religion zur Catholischen übertrete, nothwendig müste verdammet werden. Wovon doch die Haupt-Frage war, und welches gleichfalls zum voraus supponiret, daß man in der Catholischen
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Religion nicht seelig werden könne, dessen Gegentheil aber in Beantwortung der ersten Frage von mir sattsam gezeiget worden, auch der Autor selbst pag. 276. solches gestehet. Ich finde auch bey dieser petitione principii nichts, das der Autor zu Vertheydigung desselben angeführet, als daß er soviel zu verstehen giebt, wie er dafür halte, daß zwar ein gebohrner Catholicke wohl könne seelig werden, aber ein übertretender Lutheraner nicht, weil er ein Heuchler sey. Aber auch dieses Vorgeben ist eine neue petitio principii, und zeiget der Autor gnugsam, daß er keinen deutlichen Concept von dem, was eigentlich ein Heuchler sey, habe. Hiernechst dichtet er mir p. 279. einen falschen Sinn an, wenn er supponiret, als hätte ich die Religion als ein Etats-Mittel angesehen, item ich hätte einen solchen Menschen supponiret, der in seinen Gewissen überzeugt wäre, daß er in der geänderten Religion nicht seelig werden könne. Er irret pag. 281. sehr, wenn er den guten Nicodemum für einen falschen Heuchler hält, da doch der Heyland ihm dieses Laster nicht, wie dem gemeinen Hauffen der Pharisäer vorgerückt, auch die übrige Conduite des ehrlichen Nicodemi, davon der H. Johannes meldet, genugsam bezeuget, daß er nichts weniger als ein Pharisäischer Heuchler gewesen. Und gewiß diejenigen, die mit dem Aussatz der orthodoxen Ketzermacherey inficiret sind, haben vielmehr Ursach sich selbst zu prüffen, ob sie nicht selbst mit einer Pharisäischen Heucheley angestecket sind, ohnerachtet sie meynen, sie thäten GOtt einen Dienst daran. Solchergestalt fällt ex hactenus dictis auch von sich selbst weg, wenn der Autor p. 282. den Ubertritt zur Päbstlichen Religion deswegen für verdammlich hält, weil er contra conscientiam sündigte, ingleichen wenn er wider meinen 20. num. (pag. 17. dieses vierdten Theils) wiederum nur schlechtweg p. 284. contradiciret, es müsse allerdings das dictum: non sunt facienda mala, ut inde eveniat bonum, auf gegenwärtige Frage appliciret werden, weil die Aenderung der Religion sowohl contra conscientiam als das stehlen wäre, und also nicht pro adiaphoro gehalten werden könne, von welchen doch die von mir allegirten dicta redeten; item p. 289. wenn man Catholisch würde, verleugnete man Christum deswegen, weil die Papisten lehreten, haeretico non esse servandam fidem, und weil diese Religion denen hohen Häuptern nachtheilig sey, ja wohl gar selbige in Bann thue.
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Wenn er ferner p. 291. für gleichgültig hält, ob ein Lutheraner seine Religion abschwöre, oder ob er ohne Abschwörung zu der Catholischen trete, hat er wohl selbst gesehen, daß man dieses assertum vor einen defectum judicii ansehen möchte, und dannenhero diesen Mangel mit einen Pflästergen überkleiben wollen, wenn er darzu gesetzt, daß er durch das in der That geschehene übertreten nichts anders verstehe, als die erste Religion vor unrecht in seinen Hertzen erkennen, und in der That also derselben absagen, wobey er aber nicht gemercket, daß durch diesen von ihm privata autoritate formirten Verstand gäntzlich von der Frage abgegangen werde, indem ich ja deutlich genug von einer Person rede, die die erste Religion in ihren Hertzen nicht für unrecht erkennet. Dergleichen handgreifliche Sophisterey ist es auch, wenn er p. 295. mein assertum, daß Lutherus nie in Willens gehabt, sich von der Catholischen Kirche abzusondern, und eine getrennete Kirche zu stifften, wenn ihm der Pabst nicht aus der Catholischen Kirche gestossen hätte, dadurch widerlegen will, wenn er schreibet: Lutherus hätte sich ungerne von der Römischen Kirche wollen trennen lassen, wenn sie nur ihre Irrthümer hätte ablegen und sich nicht wider die Wahrheit auflehnen wollen: und doch abermahl absque judicio immediate darzu setzt: Da aber die Römische Kirche sich dessen weigerte, ihn darzu als ein Ketzer verfolgte und in den Bann that, wurde er gantz anderer Meynung. Und eben so ist es auch endlich damit beschaffen, wenn er p. 297. auf mein Gleichniß von zwey Medicis antwortet, ein Lutherischer Theologus wäre zu consideriren als ein Medicus, der seiner Curen versichert wäre, ein Papistischer aber als ein Medicus, der mit gefährlichen Medicinen umgehe: gleich als ob ein Catholischer sich nicht so wohl von der Richtigkeit seiner Curen versichere, und des Lutheraners Curen für gefährlich hielte; als der Lutheraner die seinigen. Aber genug hiervon. So ist mir auch noch ferner, nachdem dieser erste Handel allbereit gedrucket war, von einen guten Freunde eine dieses jetzige Jahr gedruckte Schrifft von 3. Bogen zugeschicket worden, in welcher der Editor, der sich Christianum Irenophilum nennet, 6. Beantwortungen derer zwey Fragen, wie sie andern vorgeleget worden, publiciret. Gleichwie ich nun dem Freunde, so mir selbige zugeschickt, für die Communication dieser Schrifft,
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und daß er mir zugleich die Autores von diesen 6. Bedencken melden wollen, gebührenden Danck abstatte. Also wird er hinwiederum in Durchlesung derer Responsorum, die ich diesen meinen ersten Handel beydrucken lassen, gar bald erkennen, daß man ihn die Responsa nicht gelieffert, wie sie von denen Autoribus, die er mir gemeldet, verfertiget worden, sonderlich das erste und dritte in seinen Abdruck. Jedoch ist mir recht lieb gewesen, das 6. Responsum zu lesen, welches seinen Bericht nach, ein sehr berühmter aber bereits auch verstorbener Politicus und Mathematicus gemacht haben soll, wiewohl es mir auch vorkommet, als wenn es nicht vvllkommen sey, indem weder ein rechter Eingang, noch Beschluß dabey zu finden: jedoch ist auch bekannt, daß besagter berühmter Mann gewohnet gewesen, auch in seinen andern Schrifften, aus allerhand Ursachen, seine Meynung nicht deutlich vorzustellen, und so zu reden nicht recht an der Klinge zu fechten; sondern dieselbe also einzurichten, daß man dieselben guten Theils errathen müssen. Weil denn die nunmehro publicirten vier Theile einen vollkommenen Band ausmachen, und ich von neuen verhindert werde, daß ich nicht versprechen kan, den fünfften Theil künfftige Oster-Messe zu publiciren; Als werde wohl das instehende halbe Jahr ein wenig pausiren. Ich werde mich aber dennoch befleißigen, geliebts GOtt, zwischen hier und Ostern, den allbereit ausgearbeiteten Anfang von dem Versuch der Historie des Streits zwischen der Obrigkeit und dem Priesterthum wegen des Kirchen-Rechts, dessen summarischen Inhalt in §. X. des andern Handels p. 193. seq. ich hier gemeldet, drucken zu lassen. Ich will mich auch bemühen, meine allbereit in summa entworffene und in der Vorrede des andern Theils zu communiciren versprochene Gedancken über den ersten Handel des andern Theils diesen Winter in Ordnung zu bringen, damit selbige so dann bey Publicirung des fünfften Theils, so GOtt will, erscheinen können, zumahln da ich nunmehro theils von hohen Patronen, theils von guten Freunden glaubwürdige Nachricht erhalten, wer eigentlich der wahrr Autor von demselben Bedencken wegen Verbesserung des Justitien-Wesens, item in welchen Jahre, und auf wessen Veranlassung selbiges geschrieben worden. Was aber meine auch zu Ende der Vorrede des andern Theils erwehnte, aber nicht versprochene Gedancken über das Braunschweigische Be
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dencken von Einrichtung des juris circa sacra betrifft, weiß ich nicht, ob dieselbe sobald zu Stande kommen möchten. Indessen hat besagtes Bedencken §. IIX. unter andern eines anno 1604. in der Stadt Braunschweig entstandenen Aufruhrs und Blutbades erwehnet, welches mehrentheils durch den damahligen Coadjutor M. Johann Kaufmann verursachet worden. Es hat zwar der Herr Rethmeyer in seiner Braunschweigischen Kirchen-Historie Part. IV. cap. 4. sich vorgenommen, die Umstände dieses Aufruhrs historice zu erzehlen, man wird aber ein viel grösseres Licht und eine gantz andere Einsicht in diese Historie bekommen, wenn man mit dieser allzupartheyischen Erzehlung conferiren will, was schon für 100. Jahren Hertzog Heinrich Julius in dem grossen Werck des ausführlichen wahrhafftigen Historischen Berichts in andern Haupt-Theile part. 3. cap. 6. p. 2318. biß p. 2532. von diesen Blutbade gemeldet, und durch die daselbst befindliche Documenta dargethan, und hernach anno 1608. in dem Examine Illustri über des Raths zu Braunschweig intitulirte kurtze Abfertigung &c. quaest. 19. p. 551. biß 568. daraus etwas kürtzer zusammen gefasset, und wiederhohlet, welches allerdings wohl meritirt, gelesen und gegen die Rethmeyerische Erzehlung gehalten zu werden. Nachdem auch damahln in dieser Sache unterschiedene Responsa Theologica eingehohlet worden, die der Herr Rethmeyer ebenmäßig beydrucken zu lassen Bedencken gehabt, und die Herr D. Joh. Philipp Odelem zu Braunschweig mir offeriret, ich aber solche laut meiner Vorrede über den dritten Theil der Juristischen Händel ihn selbst zu ediren gebethen; und er auch diese Edition nunmehro für etlichen Wochen, unter den Titel: Reliquiae Papo-Caesariae Romanae in disciplina Ecclesiastica apud Lutheranos in teutscher Sprache nebst seiner Vorrede herausgegeben; Als werden dieselbe nunmehro nicht alleine die Historie von offtgedachten Blut-Bade, sondern auch dasjenige, was in dieses vierdten Theils andern und dritten Handel wegen des Bindeschlüssels von mir erwehnet worden, in vielen Stücken erläutern, weswegen ich besagtes Werckgen dem unpartheyischen Leser hiermit bestens recommendire. Halle den 23. September 1721.
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Allerhand auserlesene Juristische Händel
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I. Handel. Ob ein Lutheraner, der Catholisch wird, die Seeligkeit verliehre.
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§. I.
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ES ist schon vor 15. Jahren ein Bedencken über(Gelegenheit und Praeliminar-Erinnerungen wegen dieses und folgenden Handels.) die Frage: wie weit ein Prediger gegen seinen Landes-Herren, welcher zugleich Summus Episcopus mit ist, sich des Bindeschlüssels bedienen könne; zu drey oder viermahlen zu Wolfenbüttel, anfänglich ohne, hernach aber mit Beysetzung meines Nahmens und des Orts gedruckt worden, wider welches hernach unterschiedene bittere auch grobe und hanbüchene Schrifften sind verfertiget worden, denen allen ich aber doch, so viel ich mich erinnere, gar nichts geantwortet, welches von etlichen sowohl Freunden als Feinden, die die hierbey zu wissen nöthige Umstände nicht gewust, mir sehr ungleich ausgedeutet werden wollen, wannenhero ich nicht unbillig mich befahre, daß, wenn ich dieselbe nicht noch bey meinen Leben meldete, nach meinen Todte die Nachkommen dieserwegen ein ungleiches Urtheil in vielen Stücken von mir fällen dörfften. Weswegen ich mich entschlossen theils zu meiner Vertheydigung, theils zur Unterweisung vieler curiösen Gemüther, wie auch zum Unterricht derer, die von denen hiebey vorkommenden Fragen für sich selbst keinen Schluß fassen können,
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in diesen und den folgenden Handel die Sache, wie alles zugegangen, ehrlich und aufrichtig, iedoch mit gehöriger Behutsamkeit zu erzehlen, und so dann dem Leser das Judicium davon nach seinen Gefallen zu überlassen. Daß ich dabey gehöriger Behutsamkeit gedacht, ist die Ursache, weil die Erzehlung dieser Sache nicht mich alleine und meine Adversarios angehet, sondern bey diesen Handel auch andre, zum theils sehr hohe Fürstliche Personen, theils aber vornehme und berühmte Theologi und Politici entweder ratione facti, oder ratione consilii mit interessiret sind. Derowegen will es sich wohl nicht schicken, daß ich wie öffters bey dem ersten Handel des dritten Theils geschehen, die hierbey sonst interessirten Personen mit Nahmen nenne, sondern ich werde dieses Temperaments mich bedienen, daß ich die Sache dergestalt vorstelle, daß eines Theils die Personen, so gerne hierbey verdeckt bleiben wolten, nicht Ursache haben möchten sich zu beschweren als wenn ich sie entdeckt hätte; andern Theils aber der begierige Leser hier und dar, wiewohl eine etwas ungewisse, aber doch nicht unnützliche Anzeige bekommen möge, vermöge welcher er dasjenige, was er von denen Personen etwa genauer zu wissen begehret, ohne sonderbahre Mühe erfahren könne. Denn Anfangs und zur Zeit des von mir ausgestelleten Bedenckens, wurden diese Sachen, wie in allen dergleichen vorkommenden Affairen zu geschehen pfleget, in geheim tractiret. Nunmehro aber sind sie, wie gleichfalls mit andern dergleichen Dingen es beschaffen ist, theils Reichskündig, theils Landkündig; theils vielen in dieser und jener Stadt noch lebenden Hof-Bedienten und Gelehrten bewust; ja es ist zu vermuthen, daß nach wenigen Zeiten nach Art und Beschaffenheit aller dergleichen Geschichte noch mehrere und auch mir itzo unbewuste Umstände werden entdeckt werden. (Praeliminar-Umstände des gegenwärtigen ersten Handels.) §. II. Die erste Occasion, die zu dem gedachten Responso Gelegenheit gegeben, hat so unterschiedene und viele Umstände die sich dabey befinden, daß ich vor rathsam halte, mit selbiger den gantzen gegenwärtigen ersten Handel anzufüllen, und alsdenn erst in folgenden Handel die Sache von Bindeschlüssel vorzunehmen. In Augusto Anno 1705. vertraute mir ein hoher und vornehmer Staats-Minister, daß ein auswärtiger Weltberühmter und mächtiger Reichs-Fürst seinen Theologis zwey Fragen (wie solche unten §. IX. und folgenden zum öfftern werden zu lesen seyn) vorgeleget, die dahin zieleten, ob Lutherische Personen, wenn sie Catholisch würden, könten seelig werden, und von jeden von ihnen seine Gedancken zu wissen begehret, und weil nun er der Staats-
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Minister jüngsthin Gelegenheit gehabt, mit Seiner Hochfürstlichen Durchlauchtigkeit selbst zu sprechen, so wäre unter andern auch ihm Commission gegeben worden, mich zu sondiren, ob ich nicht auch meine Gedancken hiervon schrifftlich eröffnen wolte; zumahlen da Seine eigene Politische Räthe mehrentheils besagte zwey Fragen bejaheten; obgleich einige mit selbigen entweder nicht einstimmeten, oder doch mit der Sprache nicht recht heraus wolten. Nachdem ich nun hierauf geantwortet, daß ich zwar schuldig wäre, S. Hochfürstlichen Durlauchtigkeit in allen billigen Sachen so viel in meinen Vermögen zu dienen; aber theils nicht wüste: ob ich mich dieses zu thun wegen etlicher Umstände unterstehen dürffte, theils aber auch anderer Umstände halber Bedencklichkeit hätte; Er der Staats-Minister aber mich versicherte, daß ich des ersten halben nichts zu befahren hätte; gabe ich diese Resolution von mir, daß ich zwar meine Gedancken überhaupt von denen zwey Fragen zu geben gesonnen sey, jedoch aber gern sähe, daß die in der andern Frage enthaltene special-Umstände von der Printzeßin, der Göttlichen Providenz u. s. w. ausgelassen werden möchten. Und als mir dieses eingewilliget wurde, und der Minister mir so dann die nachfolgende Frage: Ob iemand nach Anführung der Gründe, so in denen Christlichen Religionen angewiesen werden, von der Evangelisch-Lutherischen zur Catholischen, oder vice versa übertretend, dadurch die Seeligkeit verliehre? mit eigener Hand aufgesetzt, zuschickte, machte ich mich so bald darüber und verfertigte bey Endigung des Augusti mein Responsum, übergab ihm solches vorhero zur Perlustration, und ob er hierbey etwas zu erinnern hätte, (wie die Nota a. bey dem Anfang des Responsi diesen Umstand mit mehrern erleutern wird) überließ ihm auch, durch seine Bedienten das Responsum mundiren zu lassen, und ohne meine fernere Einmischung selbiges an gehörigen Ort zu überschicken; wie ich mir denn auch über dieses hierbey ausdunge, daß ich meinen Nahmen nicht unterschreiben, auch in der Ausarbeitung mich also aufführen dörffte, als ob ich ein Braunschweigischer Unterthaner oder Bedienter wäre (wie die Nota b. abermahls erwehnet) und daß endlich dieses mein Responsum nicht etwa in Druck publiciret werden möchte: in übrigen könte ich wohl leiden, daß mein Responsum denen Politicis und Theologis, die in dieser Sache gleichfalls ihre Meinungen gegeben, communiciret würde, jedoch bäte ich mir gleichfalls aus, daß ich auch von denen ihrigen Abschrifft bekäme.
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(Mein Responsum und dessen Inhalt.) §. III. Mein Responsum war unter dem Titul: Kurtze und einfältige Beantwortung der Frage: Ob jemand &c. (wie selbige nur itzo ausführlich erzehlet worden) folgender Gestalt eingerichtet, und um mehrerer Deutlichkeit willen in gewisse Numeros eingetheilet und mit Marginalibus versehen. (Resolution der Frage in zwey unterschiedene Fragen.) I. Die vorgelegte Frage hält eigentlich zwey unterschiedene Fragen in sich: 1) Ob ein Mensch in beyden Religionen (oder wenn die Frage von einen Lutheraner vorgeleget wird: Ob ein Mensch in der Catholischen Religion) könne seelig werden? 2) Ob auch derjenige seelig werden könne, der von einer Religion zur andern übergehet, sonderlich aber der von der Lutherischen Religion zur Catholischen tritt? (Erörterung derselben entweder nach denen Gründen des Christenthums oder nach denen Zeugnüssen der Lehrer. Die Catholischen wollen nicht zugeben, daß jemand in der Evangelischen Religion könne seelig werden. Und warum solches geschehe.) II. Beyde Fragen können erörtert werden entweder nach denen Gründen der Christlichen Religion, oder nach denen Zeugnüssen derer Lehrer von beyden Religionen. Es ist mir lieb, daß man in der Frage die Erörterung derselben nach der ersten Art von mir begehret. Denn was die andre Art betrifft, ist es denen so die Welt gesehen haben, zur Gnüge bekant, (In meinen ersten concept waren die itzo hier befindlichen Worte kürtzer und also gesetzt: Denn was die andre Art betrifft, ist es bekant, daß die Catholischen Lehrer durchaus nicht zugeben wollen, daß iemand in der Evangelischen Lehre, es sey die Lutherische, oder die Keformirte könne seelig werden. Nachdem ich aber die ersten Bogen davon dem oben erwehnten Etats-Minister zugeschickt, erhielte von selbigen ich folgende Erinnerung: P. P. Der gegebenen Erlaubnüß zu folgen nehme die Freyheit zu erinnern, ob nicht die Erörterung der Frage etwas verdeckter zu machen, weiln gleich Anfangs gesaget wird, daß die Catholische die Protestanten verdammen. Es muß allen Eltern sehr anstößig seyn, wo sie posito casu Kinder haben, so Kömisch gesinnet wären, von denenselben verdammet würden. Zwar wird bey dieser Art, von Catholischen Lehrern nur gemeldet, solte man solche in genere setzen, würde es fast das Ansehen gewinnen, daß indistincte die Lehre es mitbrächte, nennet man aber die Zeloten, oder die indiscrete alleine, so wird die Folgerey leidlich, nemlich daß die Kinder die Eltern nicht verdammen, weswegen auch bey Abschwehrung der Keligion, da Standes-Personen darzu kommen, die dispensatio bey den Kömisch-Catholischen so weit Platz gefunden, daß sie die Keligion, worans sie treten, zu verdammen nicht genöthiget werden; da sonsten nothwendig erfolgen müste, daß die übertretende Person schon zur Gnüge Catholisch erzogen oder unterwiesen wäre, oder aber, daß aus lauterem Interesse und Eitelkeit die Ubertretung geschehe. Ich habe auch mit vielen Kömischen Lehrern des Punckts der Verdamnüß halben gesprochen, welche, wenn sie der Protestanten Lehre eigentlich kennen, solche von aller Verdamnüß frey sprechen, diejenigen aber, so den traditionibus ihrer Lehrer allein folgen, wollen keine Seeligkeit einigen Protestanten beylegen. Ich kan versichern, daß in Franckreich millionen Zähren von Päbstlich-gesinneten, selbst Geistlichen vergossen worden, wie die persecution angegangen, denn wie viele ihrer Jansennitisch gesinnet, ist fast unglaublich. Dahero man gesehen, daß währender allergrösten Verfolgung viele Catholische die Hugenottische Keligion, ja selbst Priester, angenommen, und sich haben dragonisiren und vermauren lassen. Ob nun schon der Pabst den Jansenismum, welcher sonst bey Theils seiner Vorfahren geduldet worden, verdammet hat, qu. ob solches absque Concilio gelte? weilen dieses über den Pabst von vielen gehalten wird. Bitte die Erinnerungen nicht ungleich zu deuten, und so viel es thunlich den articulum zu moderiren, übrigens zu glauben, daß &c. D. d. 2. Sept. 1705. Wegen dieser Erinnerung nun habe ich mein responsum auf solche Weise geändert, wie es allhier gegenwärtig zu befinden.) daß was die Catholischen betrifft, zwar nicht alleine
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viele von denen Politicis, sondern auch von denen Geistlichen selbst, wenn sie unsre Lehre kennen und genaue Wissenschafft darvon eingezogen haben, so viel man aus ihren Discursen vernehmen kan uns nicht verdammen: daß man aber davon in denen gedruckten Schrifften Catholischer Scribenten nichts findet, noch daraus anführen kan, ist die Ursache, weil man gemeiniglich unzeitige Eyfferer aus ihnen erwehlet, die die zu drückenden Bücher censiren müssen, und also keine andre Sentiments leiden, als die da hinaus lauffen, daß niemand in der Evangelischen Lehre, es sey die Lutherische oder die Reformirte könne seelig werden. Wir wissen auch wohl, was die Ursach sey; die diese Leute hierzu antreibet. Nemlich ihr eigenes Interesse, Reichthum und Autorität, dem viel abgehen würde, wenn sie ihre Zuhörer glauben liessen, daß man ausser der Lehre, die sie dem Volck vorsagen, die Seeligkeit erlangen könne. III. Bey dieser Bewandnüß nun wäre es nicht zu verwundern,(Die Evangelischen Lehrer brauchen mehrere Bescheidenheit. Was mit Henrico IV. dem König in Franckreich paßiret.) wenn die Lehrer unserer Lutherischen und andrer Evangelischer Kirchen denen Catholischen Lehrern gleiches mit gleichen vergölten, und hinwiederum mit eben den Eyffer als jene, denen Catholischen die Seeligkeit absprächen. Aber sie haben sich schon vor langer Zeit viel vernünfftiger und bescheidener aufgeführet. Es ist bekant, daß Heinrich der vierdte König in Franckreich, der der Protestirenden Religion zugethan war, als er sahe, daß er das Königreich nicht wohl behaupten könte, wenn er nicht die Catholische Religion annähme; so wohl die Catholischen: ob er nicht bey der Evangelischen? als die Evangelischen Theologos gefragt: ob er nicht bey der Catholischen Religion könne seelig werden? Da denn jene mit Nein, diese aber mit Ja, die Frage beantwortet. Wiewohl man
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diese Bescheidenheit der Evangelischen Theologen sehr gemißbrauchet, indem die Catholischen den König daraus beredet, es sey der Evangelischen selbst eigenen Geständnüß nach sicherer, daß der König Catholisch würde, als daß er Evangelisch bliebe, weil die Catholische Religion der Seeligkeit halber beyder Partheyen Vota, die Evangelische aber nur eines auf ihrer Seite hätte. (Jedoch nicht alle, auch nicht allenthalben. Wie man sich hierbey zu verhalten habe.) IV. Jedoch sind unsere Theologi auch Menschen, die dann und wann durch dergleichen Begegnungen der Catholischen zu einen gleichen Eyffer wider die, so der Catholischen Religion zugethan sind, verfahren, und ihnen die Seeligkeit absprechen. Weshalben eine vernünfftige Person sich nicht alsofort daran zu stossen hat, wenn sie dergleichen Discurse von ihnen führen höret. Zumahlen bey etlichen auch andre menschliche Affecten hierbey mit zu würcken anfangen, und sie ja, nach Anleitung der heiligen Schrifft, selbst ihren Schatz in irdischen Gefässen tragen. Hierbey ist nichts bessers zu thun, als daß man bey dergleichen vorfallenden Discursen weder dieselben sich zu einen Haß gegen die, so sie fürbringen, noch zu einen übereilten Beyfall bringen lasse; sondern zuförderst die Sache nach denen Gründen des Christenthums examinire, und derjenigen, so da widersprechen, ihre Meinungen mit dem Mantel der Christlichen Liebe bedecke, sich aber dieselbe nicht irren lasse. (Welches auch in dieser Beantwortung geschehen soll. I) Beweiß aus könne seelig) V. Ich will in meiner Beantwortung nach Anleitung der mir vorgelegten Frage mich gleicher Methode bedienen, und nach den Gründen des Christenthums darthun, daß ein Mensch in der Catholischen Religion gar wohl könne seelig werden; wiewohl es mir auch doch hernach nicht an Beyfall Christlicher Lutherischer Theologen fehlen soll. den Gründen des Christenthums, daß ein Catholischer in seiner Religion wohl werden. (Die Catholischen haben in ihren Catechismo alle die Hauptstück der heiligen Christlichen Lehre, die die Lutheraner haben.) VI. Die Gründe des Christenthums sind nach denen Evangelischen Bekäntnissen die nach denen Regeln gesunder Vernunfft erklährte heilige Schrifften des alten und neuen Bundes, woraus die Hauptstücken nach denen heiligen zehen Geboten, dem Glauben, dem Vater Unser, und denen Sacramenten in dem Catechismo auch denen Einfältigen pflegen vorgetragen zu werden. Nun lehren aber die Catholischen in ihren Catechismo die H. zehen Gebot, die GOtt Mose auf den Berg Sinai gegeben. Sie lehren den Glauben nach den Apostolischen Glaubens-Bekäntnüß. Sie lehren das Vater Unser. Sie lehren das Sacrament der H. Tauffe, und des H. Abendmahls, und setzen in beyden Sacra
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menten zum Grunde die Worte unseres Heylandes in welchen er die H. Tauffe und das H. Abendmahl eingesetzet. VII. Sie bekennen sich nicht alleine zu dem Apostolischen Glaubens-Bekäntniß,(Die Catholischen bekennen sich zu dem Symbolo Apostolico, Nicaeno & Athanasiano wie wir, und verdammen mit uns die in denen 4. allgemeinen Conciliis verdam̅ten Ketzer-Worinnen sie von uns abgehen das sind nicht Grund-Articul des Christlichen Glaubens, sondern Neben-Articul.) sondern sie glauben auch das Nicänische Symbolum, und das Symbolum des heiligen Athanasii, das sich anfänget: Wer da will seelig werden, der muß für allen Dingen den Christlichen Glauben haben u. s. w. Sie setzen zum Grunde ihres Glaubens die vier ersten allgemeinen Concilia, das Nicaenische, das Constantinopolitanische, das Ephesinische, und Chalcedonische, und verdammen mit uns die Irrthümer der Ketzer, des Arrii, Macedonii, Nestorii und Eutychis. IIX. Es ist wahr, daß sie andre Lehren führen als wir, in etlichen Neben-Artickeln, als von der Anruffung der Heiligen, von guten Wercken, von Fegefeuer, von mehreren Sacramenten, als wir bekennen, ingleichen von der Auslegung der Worte Christi, die er bey der Einsetzung des Heil. Nachtmahls gebrauchet. Gleichwie aber unsere Lutherische Theologi dißfalls einen Unterschied zu machen pflegen, unter denen Grund-Artickeln des Christlichen Glaubens, und unter etlichen andern Neben-Artickeln, die zum Grunde eben nicht gehören, auch die Irrthümer den Grund nicht umstossen, wohin die itztbesagten Articul zu rechnen sind, in denen die Catholischen von unserer Lehre abgehen, wie solches der um unsere (Warum ich allhier, und folgends zu mehrern mahlen mich angestellet, als ob ich ein Braunschweigischer Unterthaner oder Bedienter wäre, davon ist schon oben §. II. Meldung geschehen.) Braunschweigische Kirchen hochverdiente Theologus D. Fridr. Ulrich Calixtus seel. in einen in lateinischer Sprache geschriebenen Tractat von Ketzereyen weitleufftig ausgeführet hat; Also weiset es die gesunde Vernunfft, daß man in Beurtheilung der Seeligkeit eines Catholischen Christen nicht so wohl auf solche Neben-Articul, als auf die Grund-Articul reflectiren müsse, von welchen schon §. 6. & 7. erwiesen ist, daß die Catholischen in selben mit uns einstimmen. IX. Ob auch wohl die Catholischen in diesen Neben-Articuln irren,(Absichten der Catholischen bey diesen Artickeln auf ein gutes Leben des abergläubi-) so ist es doch bekant, daß die Catholischen Lehrer sich meistentheils dieser Irrthümer bedienen, das abergläubische gemeine und guten Theils freche Volck dadurch in Zaum zu halten, und durch die Furcht für dem Fegefeuer ingleichen durch die Anruffung der Heiligen, und durch die Lehre von mehrern Sacramenten und guten Wercken für vielen Schand und Lastern zu verwahren und zu einen Christlichen Wandel anzutreiben. Und
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(schen Volcks und Verweisung auf das eintzige Verdienst Christi beym Absterben.) ist hingegen bey ihnen nichts ungewöhnliches, sondern auch von unsern Theologis vielfältig angemerckt worden, daß sie, wenn es zum Sterben kömmt, die ihrigen eintzig und allein auf das Verdienst unsers Heylandes JEsu Christi, als welches der Grund und Eckstein unsers Christlichen Glaubens ist, zu verweisen, und daß sie darauf sterben sollen, zu vermahnen pflegen. Wiewohl sie auch zuweilen in ihren Schrifften selbst die Leute auf das Verdienst Christi zu verweisen pflegen, worvon ein schöner locus aus einen Catholischen Regismundo Grim beym Dedekenno in Consiliis Titul. I. Sect. 3. n. 12. f. 71. angeführet ist. (Es mag ein Catholischer Christ von diesen Neben-Artickeln wohl eine andre Meinung im Hertzen hegen.) X. Zum wenigsten ist es einen Catholischen Christen nie verwehret, daß wenn er nur obige Grund-Artickel, die die Catholischen mit uns gemein haben, aufrichtig glaubet, er wegen der andern Neben-Artickel in seinen Hertzen eine Meinung führen könne, wie er wolle. Und weil ein Leye mit seiner eigenen Seeligkeit genung zu thun hat, und sich um andere zu bekümmern nicht nöthig findet; als darf er sich eben kein Gewissen drüber machen, wenn er mit diesen seinen Meinungen in der Stille bleiben muß, und sich grosser Gefahr zu besorgen hat, wenn er in einen unzeitigen Eyffer, andre zu bekehren, dazu er doch nicht beruffen ist, die andern in ihren Glauben irre machen wolte. (In dem Artickel von Abendmahl sind die Catholischen mit denen Lutherische in Grunde einig, und betrifft der Streit nur einen Reben-Artickel.) XI. Die Auslegung der Worte Christi bey Einsetzung des Heil. Abendmahls belangende, so glauben die Catholischen mit uns, daß der Gebrauch des heiligen Nachtmahls zu Vergebung unserer Sünden und zur Stärckung in wahren Glauben nöthig sey, und daß wir in demselben den wahren Leib und das wahre Blut JEsu Christi mündlich geniessen, welches abermahls der Grund des Christlichen Glaubens in diesen Artickul ist. Die Art und Weise, wie solches geschehe und zugehe, ist nach aller Christen Geständnüß ein Geheimnüß, das die Vernunfft zu begreiffen nicht fähig ist. Und wenn dannenhero die Catholischen lehren, es sey das Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi wesentlich verwandelt, die unserigen aber in Gegentheile mit bessern Grunde behaupten, daß das Brot und Wein nicht verwandelt sey, sondern daß wir, in, mit und unter dem Brot und Wein den wahren Leib und Blut mündlich geniessen, ist es offenbahr, daß sodann der Streit, so zwischen beyden Religionen ist, zu denen Neben-Artickuln gerechnet werden müsse, wegen welcher eine Parthey die andre, sonderlich die einfältige, zu verdammen keine Ursach hat. (Welches auch aus der, bey den) XII. Dieser Satz wird dadurch noch deutlicher behauptet, daß beyderseits Lehrer darinnen einig sind, es mache der Glaube von der Art u. Weise, wie es im Abendmahl zugehe, für sich keine̅ Menschen seelig, sondern
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es komme alles auf die würdige Geniessung an, dergestalt, daß, wenn sowohl(Religionen gemeinen Lehre von der würdigen Geniessung behauptet wird.) einer, der die Catholische, als einer der die Lutherische Auslegung glaubet, das heilige Nachtmahl unwürdig empfähet, er diese heilige Speise nicht zu seiner Seeligkeit, sondern zum Gericht und Verdammnüß geniesse. Hieraus folget nun offenbahr, daß in Gegentheil derjenige, so sich in wahren Glauben an das Verdienst Christi rechtschaffen vorbereitet, und einen würdigen Gast bey diesen gesegneten Tisch abgiebet, er sey nun Catholisch oder Lutherisch das H. Nachtmahl zu seiner Seeligkeit geniesse, ob gleich diese beyde von der Art und Weise, wie es zugehe, unterschiedene auch widrige, und, nach beyder Theile wechselsweisen Beschuldigung, irrige Gedancken hegen. XIII. Es verdienet hierbey wohl beobachtet zu werden, was(Ingleichen aus Lutheri Bekäntnüß von Abendmahl.) Lutherus selbst in grossen Bekäntniß von Abendmahl, da er von der Auslegung der Reformirten redet, schreibet (Im andern Wittenb. Theil am 216. Blat) Mein lieber HErr JEsu Christe, es hat sich der Hader über deinen Worten im Abendmahl erhoben. Etliche wollen daß Sie anders sollen verstanden werden, denn Sie lauten: Aber indem Sie mich nichts gewisses lehren, u. s. w. So bin ich blieben auf deinen Text wie die Worte lauten. Ist etwas finster drinne, so hastu es wollen finster haben: Denn du hast keine andre Erklärung darüber gegeben, noch zu geben befohlen, u. s. w. Wäre nun eine Finsternüß drinnen: so wirstu mir es wohl zu gute halten, daß ichs nicht treffe; wie du denen Aposteln zu gute hieltest, daß sie dich nicht verstunden in vielen Stücken; als da du von deinen Leiden und Aufferstehen verkündigtest, und Sie doch die Worte, wie Sie lauten, behielten, und nicht anderst machten, wie auch deine liebe Mutter nicht verstunde, da du zu Ihr sagtest: Ich muß seyn in dem das meines Vaters ist, und Sie doch ein fältiglich die Worte in Ihren Hertzen behielte, und nicht andre draus machte: Also bin ich auch in diesen deinen Worten blieben, das ist mein Leib, und habe mir keine andre draus machen wollen, noch machen lassen, sondern Dir befohlen und heimgestellt, ob etwas finster drinnen wäre, und Sie behalten, wie Sie lauten, sonderlich weil ich nicht finde, daß Sie NB. wieder einigen Artickel des Glaubens streben. Biß hieher Lutherus. Allwo er dreyerley zu verstehen giebt I. daß der Streit von der Auslegung der Worte Christi keineswegens die Glaubens-Artickel angehe, in Worten daß Sie
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wieder einigen Artickel des Glaubens streben. II. Daß ein jeder seiner Meynung gewiß seyn solle und der einfältige Glaube der beste sey, in Worten: So bin blieben u. s. w. III. Daß GOtt niemand verdamme, wenn er gleich aus Einfalt die Worte Christi oder der heiligen Schrift nicht recht verstehe, sondern irrig auslege in Worten: So wirst du mirs wohl zu gut halten, u. s. w. Und wie ohnedem die Meinung unserer Lutherischen Kirchen in dem Artickel von Abendmahl der Meinung der Catholischen näher kömmt als der Auslegung der Reformirten, in deren Ansehung Lutherus dieses geschrieben; Also kan man keine Ursache finden, warum ein Catholischer Christ sich nicht eben dieser Worte bedienen könne, die Lutherus gebraucht. Und solches um so viel desto mehr, weil keine einige von denen dreyen Partheyen die Worte Christi umzustossen trachtet, sondern alle dreye die Worte: Das ist mein Leib, (mein Blut) zum Grunde setzen, und alle dreye in Verstande etwas darzu setzen oder deutlicher zu sagen, etwas, so mit Worten nicht ausgedruckt ist, darunter verstehen; Die Catholischen: Das ist mein Leib (nach der Verwandelung) Wir Lutheraner: Das ist mein Leib (nach der leiblichen Gemeinschaft in, mit, und unter dem Brot) und endlich die Reformirten: Das ist mein Leib (nach der Geistlichen Gemeinschafft.) (II.) Zeugnüsse derer Protestirenden Theologen, daß die Catholischen seelig werden können: und mit was für Unterscheid dieselben anzusehen.) XIV. Derowegen ist auch nunmehro nicht zu verwundern, daß ob wohl, als obgedacht, unter denen Theologen der Protestirenden Religionen sich hier und dar welche gefunden, die ihren Eyffer wider das Pabstthum mit vollen Affecten sehen lassen, dennoch dieselben, und wenn sie auch in hefftigsten Affect gewesen, sich nie unterstanden, allen Catholischen die Seeligkeit abzusprechen, oder zu behaupten, daß man in der Catholischen Religion nicht seelig werden könne. So viel unsere Lutherische Kirche betrifft, ist bekant, wie, nachdem unsere Braunschweigischen Theologen sonderlich aber die um unsere Kirche wohl verdienten Männer die beyden Calixti, Vater und Sohn, sich aus Liebe zur Einigkeit bemühet, die Trennung der Christlichen Kirchen in Heil. Römischen Reich durch ihre vernünfftige und gottseelige Consilia zu heilen; etliche Theologi in Sachsen, die zu dem vortreflichen Georgio Calixto einen Privat-Haß trugen, aus Antrieb dieses ihres Hasses wider diese seine friedfertige Rathschläge in einen unzeitigen Eyffer entbrant, und die übrigen Theologos in Sachsen durch ihre Autorität wider den seeligen Mann aufgefrischet, auch dannenhero ihre Schrifften mit vieler Bitterkeit wider die Catholische Religions-Verwandte angefüllt. Nichts destoweniger aber werden auch diese bey ihren grösten Eyffer nicht alle
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Catholische verdammen; und ist dergestalt nur dieser Unterscheid unter denen Friedfertigen und eyffrenden Theologen, daß jene auch an der Catholischen Lehrer Seeligkeit nicht zweiflen; diese aber, ob sie wohl die Catholischen Lehrer verdammen, dennoch die Zuhörer von dieser Verdammung deutlich ausnehmen. Es meritiren beyderseits Zeugnisse wohl, daß sie hier, wie sie selbst lauten, angefühtet werden. XV. D. Georgii Calixti Worte aus seiner Betrachtung und Urtheil(Zeugnüsse D. Georgii Calixti.) von Colloquio so zu Tyoren gehalten werden sollen, sind folgende: Warum ich alle diejenigc, welche nach empfangener Tauffe einen GOtt Schöpfer Himmels und der Erden, Vater, Sohn und H. Geist ehren, und anbeten, und gläuben, daß der Sohn von einer Jungfrau gebohren und Mensch worden, habe uns durch sein Leiden und Sterben von Sünden und der Sünden Straffen erlöset, sey von den Todten auferstanden, gen Himmel gefahren, herrsche daselbst, und werde von dannen wiederkommen, die Todtenaufzuwecken, und alle Menschen zu richten; warum, sage ich, ich diese alle vor Reichsgenossen GOttes und Christi halte, ist anderswo von mir dargethan worden. Daß aber diejenigen also gläuben, welche heut zu Tage Papisten, Lutheraner und Caivinisten, (will mich anitzo dieser üblichen Nahmen gebrauchen,) genennet werden, ist bekannt, und ausser allen Streit. Draus folget, daß dieser Glaube die Seeligkeit ihnen zu erlangen genung sey, und daß sie, wenn sie nur nicht nach dem Fleisch sondern nach dem Geist wandeln, seelig werden. Ferner sagt er: Es scheinet, daß der Grund der Seeligkeit, so ferne er in den Glaubens-Artickeln zur Erleuchtung des menschlichen Verstandes gehöret, bey einen jeden Theil unter diesen dreyen unverletzt behalten sey. XVI. Ob nun wohl die Sächsischen Theologi in ihren consensu(Derer Sächstschen Theologen.) repetito fidei vere Lutheranae disfalls mit D. Calixto nicht einig sind, so haben sie sich doch folgender Gestalt erklähret Puncto primo & 2. in Consiliis Wittebergensibus fol. 928. seq. Wir bekennen und lehren, daß die Christliche Lutherische Kirche sey die wahre Kirche GOttes, darinnen das Evangelium recht gelehret und die Sacramenta recht ausgetheilet werden. Wir bekennen und lehren, daß unsere Meinung nicht sey, daß hiermit die Personen, so aus Einfalt irren, und die Wahrheit des Göttlichen Worts nicht lästern, vielweniger gantze Kirchen, in oder ausserhalb des
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Heil. Reichs Teutscher Nation gemeinet, sondern daß allein damit die falschen und verführerischen Lehren und derselben halßstarrige Lehrer und Lästerer (als der Papisten und Calvinisten) alleine verworffen werden. Eine gleiche Erklärung ist auch zu finden in denen Consiliis Dedekenni unter dem Titul von H. Predig-Amt num. 34. f. 863. in einem Lateinischen Judicio D. Friderici Balduini uber die Frage: Ob man diejenigen, die in der Religion nicht mit uns einig sind, verdammen könne: da er gleich falls unter denen Zuhörern, und Lehrern, einen Unterscheid macht, auch sich dißfalls auf die Formulam Concordiae selbst beziehet. Ein anderes Judicium der Theologischen Facultät zu Leipzig ist in eben denselbigen Consiliis Dedekenni p. 1089. unter den Titul von Religions-Streiten n. 2. zu lesen über die Frage: Ob man sich bey einer jeglichen Religion, der wahren Kirchen rühmen, und wann man nur erbarlich darinnen lebet, darinnen seelig werden könne: Sie schreiben also: So viel nun erstlich betrift, welche Religions-Verwandten die rechte wahre Kirche seyn, so ist unleugbar, daß den Unchristen, Jüden und Heyden, keinesweges dieser Titul könne zugeleget werden, alldieweil sie GOttes Wort nicht haben. u. s. w. Was aber der Christen Religion belanget, so haben zwar dieselbe alle GOttes Wort, aber eines Theils setzen hinzu ihre Traditiones und Menschen-Tand, oder verfälschen das mit ihren Aberwitze. Derhalben so kan von denselben nicht schlechter Dinge, sondern nur NB. etlicher massen gesagt werden, daß sie die wahre Kirche Christi sey, nemlich, so ferne sie noch den Mahlschatz ihres Bräutigams Christi JEsu behält, und durch dasjenige, was sie noch unverfälschet hat, Christo ihrem HErrn wieder gebähret. Ezech. 16. v. 20. Cap. 23. v. 7. und er sie nicht gäntzlich repudiiret und von sich stösset. Dannenhero auch unter ihnen und den Heydnischen Hauffen noch der Unterscheid ist, daß diese ausser der Kirchen GOttes seyn, jene aber zum Volcke GOttes und Ergäntzung der Catholischen oder allgemeinen Kirchen gehörig. Denn ob sie gleich GOttes Wort verfälschen, ja auch theils den Grund des Glaubens umstossen, so wird doch GOttes Wort noch in ihren Gemeinen gehandelt und angezogen, auch von etlichen standhafften Bekennern, so dann von andern einfältigen Christen, der rechte Verstand des Göttlichen Worts, welches nicht leer wiederkömmt, Es. 55. vers. 10. dargethan, und aufgenommen, und durch andrer
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rechtgläubigen Kirchen gesunde Schriften, welche ihnen zu lesen zukommen, vertheydiget: So ferne aber solche Kirchen von den Haupt-Artickeln und Grunde des Glaubens abweichen, seynd sie falsch und irrig, und gehet NB. mit allen, so solchem Irrthum beypflichten, nicht anders, als wenn Spreu und Hülsen mit und neben den edlen Weitzen in die Scheuren gesammlet wird. XVII. Absonderlich aber dienet denenjenigen, die in der mir vorgelegten(Des Märckischen Theologi D. Bergii.) Frage unterrichtet seyn wollen, zu lesen, was der berühmte Märckische Theologus D. Johann Bergius, in der Apostolischen Regul, wie man die Religions-Sachen recht richten solle, von dieser Materie im 10. und 12. Cap. geschrieben, davon das zehende die Frage abhandelt: Ob und wie ferne die Protestirende Kirchen befuget oder schuldig seyn, die genannten Römisch-Catholischen in ihrer Lehr und Gottesdienst zu richten, oder sich von ihnen abzusondern Das zwölfte aber beantwortet die Frage: Ob und wie ferne wir die Personen in Religions-Sachen richten oder verdammen mögen Und obwohl beyde Capitel verdienen gantz gelesen zu werden; so sind doch etliche Worte darinnen enthalten, die dasjenige, was oben behauptet worden, gar zu deutlich bekräfftigen, daß sie wohl verdienen hieher gesetzt zu werden. Aus dem 10. cap. p. 112. seqq. Es ist zuförderst wohl zu erwegen: wie ferne sich die Protestirenden Kirchen von der heutigen Römischen getrennet. Weil sie ja nicht in allen Stücken der Christlichen Lehre oder Gottesdienstes von einander abgetreten, sondern noch in vielen hohen und wichtigen Puncten, die man beyderseits aus dem Worte GOttes einhelliglich bekennet, vereiniget blieben. Denn man bekennet sich ja zu beyden Theilen zu dem gantzen allgemeinen Apostolischen Glaubens-Symbolo, darauf wir auch allerseits zu Christen getaufft werden. Man behält auch zu beyden Theilen die zehen Gebot und das Gebet des HErrn. u. s. w. Und wiewohl sie zu den H. Sacramenten, die der HErr selbst eingesetzt, viel andre menschliche Ceremonien hinzu gethan, so bekennen wir doch, daß sie die rechte Tauffe als das nötigste Sacrament so weit behalten, daß wir die von ihnen Getauffte, wie auch sie die unserigen nicht begehren umzutauffen. Uber das erkennen sie auch neben uns die gantze H. Schrifft Alten und Neuen Testaments für das ungezweifelte Wort GOttes, dessen Meinung auch noch in vielen heylsamen Lehren, ja ich darf sagen NB. in dem meisten zwischen uns und ihnen un
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streitig ist. Ja auch in den alten Kirchen-Symbolis der ersten und vornehmsten Concilien, die wir beyderseits vor schrifftmäßig erkennen, und in summa in allen denen Stücken ihrer Lehr und Gottes dienstes, die recht ungezweifelt Alt-Catholisch seyn, darinnen bleiben wir noch mit ihnen, wider alle andere irrige Sectir er vereiniget. Derhalben so können und begehren wir sie darinnen nicht zu richten, sondern müssen vielmehr aus solchen zu beyden Theilen ungezweifelten Gründen NB. von aller übrigen streitigen Lehre richten und urtheilen. Und wann wir nur alleine bey denselben ohne andern Gewissens-Zwang möchten gelassen und geduldet werden, so hätten wir auch nicht Ursache NB. uns von ihnen, oder sie von uns zu trennen und abzusondern. Wir würden auch in demselben gnugsam alles finden NB. was uns zur Seeligkeit heilsam und nöthig ist. u. s. w. Aus den 12. Cap. p. 139. sind diese Worte für andern merckwürdig. Was die Päbstl. anlanget: Gleich wie zweyerley Lehr und Gottes dienst unter ihnen geführet wird, nemlich eines Theils die recht Alt-Cathol. Apostol. Lehre, darin̅en sie mit uns, und wir mit ihnen übereinstim̅en; andern Theils die neue Päbstl. Lehre und Ceremonien, die sie in denen letztern Seculis ausser und wider Gottes Wort hinzu gethan; Also sind auch zweyerley Leute unter ihnen. Etliche die sich in ihren Christenthum alleine und ja vornemlich halten an den ungezweifelten allgemeinen Apost. Glauben, darauf sie neben uns getaufft seyn, also daß sie allein in JEsu Christo dem Gecreutzigten als ihren einigen Mittler und Heyland ihre Seeligkeit suchen; auch solchen ihren Glauben mit der That in Christlicher Liebe und gottseeligen Wandel erweisen. Welche demnach auch uns, die wir in solchen allgemeinen seeligmachenden Glauben, der durch die Liebe thätig ist, mit ihnen in Geist vereiniget seyn, nicht als Ketzer verdammen, vielweniger feindseeliger Weise verfolgen werden, es wäre dann aus lauter Unwissenheit weil sie von unserer Lehr und Glauben keinen rechten Bericht haben. Wie solten dann wir dieselben verdammen? Vielmehr haben wir Ursach, solche Catholischen für recht Evangel. Christen und nicht für Päbstliche zu halten, weil sie nicht auf eigen Verdienst und Gnugthuung oder auf andre Päbstliche Zusätze und Hülf-Mittel, sondern allein auf die lautere Gnade GOttes, und das theure Verdienst unsers HErrn JEsu Christi ihre Seeligkeit gründen. u. s. w. Und ob zwar solche Leute darneben auch etlichen irrigen Meynungen anhangen so können sie
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deßwegen doch nicht verdam̅et oder für Unevangelische geachtet werden, weil sie dennoch den eigentlichen Trost und Hoffnung ihrer Seeligkeit nicht auf solche irrige Lehren, nicht auf Verdienst und Anruffung der Heiligen, nicht auf Seel-Messen, nicht auf Ablaß, nicht auf Closter-Orden und anders dergleichen, sondern allein auf die lautere Gnade und Barmhertzigkeit Gottes in JEsu Christo dem Gecreutzigten gesetzet haben. Ob man auch einwenden wolte, daß sie dennoch zur Messe gehen, die wir für abgöttisch halten und demnach alle solche Leute als eitel Abgötter verdammen müssen. So mögen wir antworten, daß solche Leute zur Meß gehen, in der Einfalt ihres Hertzens, auf den alten einfältigen Glauben der Worte Christi im heil. Abendmahl, davon auch noch die heutigen Päbstlichen so weit mit uns einig seyn müssen, daß es sey sacrificium commemorativum, ein Gedächtniß des Opfers Christi am Creutz und die geistl. Speise unserer Seelen u. s. w. Ob auch schon in den Ceremonien der Messe von der ersten Einsetzung des HErrn Christi sehr abgewichen und viel menschliche, theils abergläubische, theils abgöttische darzu gethan; so können doch nicht bald alle diejenigen für verdammete Abgötter gehalten werden, die zu denen Zeiten und Orten, da man des HErren Nachtmahl nicht anders haben kan, den gemeinen Messen, um desjenigen willen, was noch an der Einsetzung des HErren darinnen übrig, in ihrer Einfalt zu dem Ende beywohnen, daß sie des Leibes und Blutes Christi zur Speise ihrer Seelen geniessen möchten; Gleichwie sie auch der H. Tauffe, ungeachtet der vielfältigen abergl. menschlichen Ceremonien, die man dazu gethan, zu Abwaschung ihrer Sünden gebrauchet: Welche auch, ob sie schon für dem geheiligten Brot und Wein niederknien, doch die eigentl. Anbetung und Vertrauen ihres Hertzens nicht auf Brot und Wein, sondern auf Christum selbst zur Rechten des Vaters im Him̅el richten: Des wegen sie noch viel weniger für Abgötterey zu halten, als da sie etwa für gemahlten oder geschnizten Crucifixen nied erknien den HErrn Christum in Him̅el dafür anzubeten. XIIX. Nachdem also bißhero zum voraus sattsam behauptet(Bey der II. Frage: Ob eine Lutherische Person ihrer Seeligkeit) worden, daß die Catholischen in ihrer Religion, wenn sie einfältig glauben, und Christlich leben, gar wohl können seelig werden; wird es auch nicht unschwer seyn, die andre Frage zu beantworten: Ob dann auch Z.E. eine Lutherische Person ihrer Seeligkeit verlustig werde, wenn sie zur
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(verlustig werde, wenn sie zu der Catholischen übertritt? Lieget alles an der Intention der Person so solches thut.) Catholischen übertrete? denn wenn der Grund einmahl geleget worden, daß man in beyden Religionen seelig werden könne, und daß also es keine Sünde sey, sich zur Catholischen Religion zu bekennen; geben sich die übrigen Umstände, diese Frage mit Nein zu beantworten, von sich selbsten an die Hand. Das gantze Moment kömmt auf den Endzweck an, den die Person hat, die von uns zu denen Catholischen übergehet. Geschiehet solches aus Heucheley, und verdammlichen Absehen auf Augen-Lust, Fleisches-Lust, und hoffärtiges Leben, oder wohl gar aus Begierde, der durch grobe Missethaten allbereit wohlverdienten Straffe zu entfliehen; so hat eine solche Person, daferne sie nicht wahre Buße thut, sich so wenig zu getrösten in der Catholischen Religion ihre Seeligkeit zu finden; Als einer zu hoffen hat, der von denen Catholischen zu uns übertrit, und bey seinen Ubertritt gleichmäßige Intention führet. Man kan in beyden Religionen verdammet werden, wenn man nur den Glauben in Gehirne, nicht aber in Hertzen hat, und wenn man durch ein unheiliges und unchristliches Leben und Wandel bezeiget, daß man den Nahmen eines Christen nur als eine Masque gebrauche. Also kan man auch in beyden Religionen seelig werden, wenn man bey dem Christlichen Apostolischen Glaubens-Bekäntnüß, das in beyden Religionen zum Grunde geleget wird, ein tugendsames und Christliches Leben führet, massen der Heyland selbst bekennet, daß nicht die HErr HErr sager das Himmelreich ererben sollen, sondern die den Willen thun des Vaters in Himmel; welches auch in der Catholischen Religion geschehen kan; wenn derjenige, so zu der Catholische Religion übergehet, eine gute und Christliche oder auch nur unschuldige Intention hat, warum er solches thut. (Unterschiedene Fälle, nach welchen auch diejenigen, so die Warheit der Evangelischen Religion erkennen, ohne Verletzung der Seeligkeit zu der Catholischen) XIX. Dergleichen unschuldige und gute Intentiones aber können vielerley seyn, und zwar so vielerley Arten in der Welt vorkommen können, andern oder sich selbst was gutes zu thun, darzu man durch das Recht der Natur oder Christlichen Liebe angetrieben wird. Dannenhero ist nicht alleine der eintzige Fall zu setzen, wenn eine Person die in unserer Religion gebohren und erzogen, aber nicht gründlich darinnen informiret worden, von Catholischen Lehrern dahin gebracht würde, daß sie die Catholische Lehre in allen als wahrhafft, und die unsere für irrig hielte; sondern es finden sich auch unterschiedene Umstände, nach welchen diejenigen, die von unserer Lutherischen Lehre wohl informiret sind, und die Lehre der Catholischen in denen Stücken, da sie mit uns nicht einig seyn, für irrig erkennen, wenn sie dem unerachtet zu denen Catholischen übergehen solten, nicht zu tadeln wären, als ob sie etwas unrechtes
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und unverdammliches gethan hätten. Also könte zum Exempel eine Lutherische(Religion übergehen können.) Privat-Person, wenn sie eine Catholische Person heyrathete, oder auch ohne Verheyrathung, bey Ubertretung zu der Catholischen Religion die Intention haben, ihrer Blösse und äussersten Dürfftigkeit damit zu statten zu kommen; durch das Vermögen des reichen Catholischen Ehegatten ihren armen Lutherischen Brüdern und Freunden in ihrer Noth beyzuspringen; armen nothleydenden Christen und Predigern dasselbige zuzuwenden; den Catholischen Ehegatten selbst, nach der Erinnerung Pauli 1. Cor. 7. zu heiligen und mit ihren guten Vorstellungen und Wandel seelig zu machen; ihren Vaterland ersprießliche Dienste zu leisten, oder es für Krieg und andrer Verfolgung zu bewahren. Bey Fürstlichen Personen können dergleichen Fälle und Umstände um so viel desto mehr vorkommen, ie mehrere Gelegenheit ihnen ihre Gewalt und Macht giebt andern Menschen zu schaden oder gutes zu thun. Und ist kein Zweiffel daß z. E. Heinricus IV. von dem bald Anfangs §. 3. Meldung geschehen, denen Protestirenden in Franckreich mehrere und nützlichere Dienste thun können, da er mit Changirung der Religion das Königreich mainteniret, als wenn er mit fernerer Widersetzlichkeit und Bleibung bey der protestirenden Religion dasselbige hätte quittiren müssen. XX. Wolte man auch gleich darwider einstreuen: Man müsse(Beweiß, daß der Einwurf, man müße nichts Böses thun, wenn gleich etwas Gutes draus erfolgen könne, sich hieher nicht schicke.) aber gleichwohl nichts Böses thun, wenn schon etwas Gutes draus erfolgen könne, denn sonst würde vergönnet seyn das Leder zu stehlen und die Schuhe um GOttes Willen hinzugeben; So ist doch aus Beantwortung der ersten Frage offenbahr daß dieser Einwurf auf gegenwärtigen Fall sich nicht schicke; Stehlen ist ohnstreitig unrecht und verdammlich: aber in der Catholischen Religion zu leben ist nichts verdammliches, wie oben bewiesen worden. Und was wolte man sich hiermit lange aufhalten und das Gewissen ohne Ursach ängstigen lassen. Ist nicht die Jüdische und Christliche Religion mehr von einander entfernet, als die Catholische und Lutherische? Wuste nicht Paulus dieses alles wohl? Verdammte er nicht selbst den Gewissens-Zwang, vermöge welches die Jüden die neuen Christen dahin halten wolten, daß sie sich müsten beschneiden lassen? Lehrte er nicht, man solte, wenn man bey einen Heyden zu Gaste wäre, kein Götzen-Opffer essen, wenn sich ein schwacher Bruder dran ärgerte? Rom. XIV. vers. 15. I. Corinth. 8. vers. 10. 11. und doch ließ er Timotheum beschneiden; er aß Götzen-Opffer, und lehrete auch, daß, der es ässe oder nicht ässe, darum nicht besser oder weniger seyn würde d. c. 8. v. 8. Ja er giebt in den Ursachen, die er desfalls anführet, uns eine schöne Lehre,
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wie man solches auf gegenwärtigen Fall zu appliciren habe: Den Jüden, sagt er, I. Cor. 9. v. 20. 21. 22. bin ich worden, als ein Jüde, auf daß ich die Jüden gewinne; denen die unter dem Gesetz sind (das waren die Jüden) bin ich worden als unter dem Gesetz (ich habe mich angestellet, als ob ich ein Jüde wäre) auf daß ich die, so unter dem Gesetz sind (das ist die Jüden) gewinne. Denen die ohne Gesetz sind (denen Heyden) bin ich als ohne Gesetz worden (ich habe mich bey ihnen angestellet, als ob ich kein Jude, sondern ein Heyde wäre) auf daß ich die so ohne Gesetz sind, gewinne: den Schwachen bin ich worden, als ein Schwacher, auf daß ich die Schwachen gewinne. Ich bin jederman allerley worden, auf daß ich allenthalben ja etliche seelig mache. Ist es hierinne nicht deutlich genung enthalten, daß ein Christ, als der gleichfalls nicht mehr unter dem Mosaischen Gesetz lebet, wenn er anders eine Christliche und gute Intention hat, die Catholischen zu gewinnen, auch denen Catholischen als ein Catholischer werden könne, und den Unterscheid der Religions-Ceremonien sich darvon nicht abhalten lassen, noch dieselben als ein unrechtes und verbotenes Mittel ansehen solle. (Daß man in Ubertretung zu denen Catholischen Christum nicht verläugne.) XXI. Solte aber sich noch ferner hierbey jemand ein Gewissen machen wollen aus dem Spruch unseres Heylandes Luc. XII. v. 8. 9. Wer mich bekennet für den Menschen, den wird auch des Menschen Sohn bekennen für den Engeln GOttes: wer mich aber verläugnet für den Menschen, der wird verläugnet werden für den Engeln GOttes, u. s. w. der kan dasselbige hinwiederum leichtlich befriedigen, wenn er erweget, daß dieser Spruch sich gleichfalls nicht auf gegenwärtigen Fall schicke. Denn weil, wie bey der ersten Frage angeführet worden, in der Catholischen Religion Christus und seine heilige Sacramenta anzutreffen sind, wie solte man sagen können, daß man Christum verläugne, wenn man zu der Catholischen Religion trete. Zugeschweigen daß die Verläugnung Christi und des Glaubens an ihm gantz in was anders, als in den euserlichen Ceremonien des Gottesdiensts, bestehe, wie es denn die heilige Schrifft neues Bundes selbst deutlich genung erklähret, wenn sie an unterschiedenen Orten lehret, daß dergleichen Verläugnung geschehe: Wenn man die Seinen, sonderlich seine Haußgenossen nicht versorget, I. Tim. V. v. 8. Wenn man in Ungedult wider das von GOtt aufgelegte Leiden murret, II. Tim. 2. v. 12. Wenn man geitzig, ruhmräthig, hoffärtig, den Eltern ungehorsam, und anckbar, wohllüstig, und sonst lasterhafft ist.
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1. Tim. 3. v. 2. 3. 4. 5. indem man hierdurch mit den Wercken GOtt verläugnet und damit GOtt zum Greuel wird Tit. I. v. 16. wenn man mit einem Wort gottlose ist und die Gnade Gottes auf Muthwillen ziehet. Jud. v. 4. Nun ist aber in der Catholischen Religion nichts enthalten, daß ein dergleichen gottloses Leben lehrete, oder zu selbigen antriebe. Derowegen muß man dieses überhaupt mercken, wenn etliche unnütze Eyfferer mit dem obigen und dergleichen andern mehr Sprüchen aus heiliger Göttlicher Schrifft, die von den Heyden und von Abfall zum Heydenthum reden; einfältige friedfertige Gewissen irre machen wollen, daß dieselben keinesweges auf die drey in heiligen Römischen Reich geduldete Religionen appliciret werden können; weil in keiner von denenselben Christus weder der Bekäntniß nach geläugnet, noch etwas gelehret wird, das zu der thätlichen Verläugnung Christi, das ist, zu einen unchristlichen Leben und Wandel Anlaß geben könte: wie solches in den Heydenthum beydes geschicht, als darinnen Christus mündlich verläugnet wird und auch zu allen Zeiten solche Dinge von ihren Göttern gelehret und geglaubet worden, dadurch die armen Heyden zu allen Schand und Lastern angetrieben, und die allbereit darinnen gesteckt, in denenselben mehr und mehr gestärcket worden, wie solches die heiligen Kirchen-Väter Tertullianus, Athenagoras, Arnobius, Lactantius, Augustinus, in ihren für die Christliche Religion oder wider die Heyden herausgegebenen Schrifften aufs deutlichste dargethan und erwiesen. XXII. So sind auch die Catholischen so bescheiden, daß wenn(Zumahlen wenn man die vorige Religion nicht abschweren und das H. Abendmahl hingegen in beyderley Gestalt geniessen darf.) sie sehen, daß jemand sonst nicht ungeneigt ist zu ihrer Religion zu treten, sie nicht von jeden eben verlangen, daß er seine vorige Religion abschweren solle, sondern zu frieden sind, wenn er in der That zu der ihrigen tritt, sich darinnen als ein andrer Catholischer Christ im äusserlichen aufführet, und durch unnöthiges disputiren und streiten keine Irrungen zu erwecken sich angelegen seyn lässet. Wie sie dann auch zum öfftern denenjenigen, die in ihrer Religion leben wollen, und sich daran gestossen, daß man denen Leyen in der Communion den Kelch entziehet, darinnen gefugt, daß man dispensiret und ihnen das heilige Nachtmahl unter beyderley Gestalt zu reichen vergönnet. XXIII. Wiewohl auch, und wenn schon eine dergleichen Dispensation((Wiewohl sich auch ein Christe kein Gewissen zu machen) nicht erfolgte, sich dennoch ein Christe hierüber kein Gewissen zu machen Ursach hätte: Indem auch bey uns Evangelischen gelehret wird, daß derjenige, so das Abendmahl auch gar nicht habhafft werden kan, an seiner
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(hätte wenn ihm gleich das Nachtmahl nur unter einer Gestalt gereichet würde.)) Seelen Seeligkeit nicht zu zweiflen hat, wenn nur die Schuld nicht an ihm lieget, daß er dasselbige verachtet, und da man es ihm zu reichen bereit ist, dennoch nicht annehmen will. In dergleichen Fällen aber, wo die Schuld nicht an demjenigen liegt, der das heilige Abendmahl gerne hätte, und kan es doch gar nicht (oder nicht anders als nur in einerley Gestalt) erlangen, pflegen unsere Evangelische Lehrer die angefochtenen Personen mit dem dicto Augustini zu trösten, Crede & manducasti. Wenn du gläubest, so ist es so gut als wenn du das heilige Nachtmahl genossen hättest. (Sintemahl Lutherus selbsten sich nie von der Catholische̅ Kirche würde getrennet haben, wenn man ihn nicht mit Gewalt davon gestossen hätte.) XXIV. Solte aber einen, aus obspecificirten guten Absichten zu denen Catholischen übertretenden Christen die Abschwerung seiner Religion nachgelassen und der Gebrauch des heiligen Nachtmahls zugelassen werden, so hätte er sich destoweniger in seinem Gewissen zu beunruhigen Ursach, je mehr er in Betrachtung zöge, was oben §. 17. aus D. Bergio angeführet worden, daß wenn wir bey dem allgemeinen Christlichen Glauben ohne Gewissens-Zwang möchten gelassen werden, wir Evangelische nicht Ursache hätten uns von denen Catholischen zu trennen. Und zwar so kömmt dieser Betrachtung billig als ein wichtiger Grund zu statten, daß unser seeliger Lutherus nie in Willens gehabt, sich von der Catholischen Kirchen abzusondern, und eine neue Kirche zu stifften, als er wider den Ablaß zu disputiren angefangen; sondern mit Worten und Wercken sattsam bezeuget, daß er alles versucht, was zu Verhinderung einer Trennung und Absonderung nur dienlich gewesen; wenn man ihn und die Seinigen nur dulden wollen, und nicht an Catholischer Seiten ausgestossen und excommuniciret hätte. Wie solches noch unlängst der seel. Herr D. Spener in Rettung der Evangelischen Kirchen wider M. Graben cap. 2. §. 78. biß 89. p. 154. sq. stattlich ausgeführet, und sind sonderlich die Worte Lutheri aus einem Briefe, den er an den Pabst geschrieben, merckwürdig: Nun allerheiligster Vater, ich bezeuge für GOtt und allen seinen Creaturen, daß ich nie Willens gewest, noch heutiges Tages bin, daß ich mir mit Ernst hätte fürgesetzt, der Römischen Kirchen und Euer Heiligkeit auf einerley Weise anzugreiffen, oder mit irgend einer List etwas abzubrechen. Ja ich bekenne frey, daß dieser Kirchen-Gewalt über alles sey, und ihr nichts weder im Himmel noch auf Erden könne fürgezogen werden, denn allein JEsus Christus der HErr über alles. Dero halben wolle Euer Heiligkeit bösen falschen Lästermäulern nicht Glauben geben, die von Luthero anders sagen, oder ihm auflegen, u. s. w. Zu
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dem will ich durch eine öffentliche Schrift den Pöbel vermahnen, daraus sie verstehen und bewegt werden, die Römische Kirche mit Ernst zu ehren, und der unnützen Plauderer Thum-Kühnheit ihr nicht zumessen, auch meiner Schärffe nicht folgen, u. s. w. Da nun unser seeliger Lutherus gerne in der Catholischen Kirche blieben wäre, wenn man ihn nicht mit Gewalt daraus verstossen hätte: Wie solte ein Lutheraner Ursach haben, an seiner Seeligkeit zu zweiffeln, wenn man ihn mit dergleichen Indulgenz, davon obgemeldet worden, in die Catholische Kirche wieder aufnimmt. XXV. Man darf sich aber hierbey nicht wundern, daß ich zu(Warum bey Beantwortung dieser Frage kein Theologisches Zeugnüß angeführet worden, auch denen Herren Theologis nicht zuzumuthen sey dieselbe zu bejahen.) Bestärckung meiner Antwort auf die andre Frage nicht auch Zeugnüsse andrer gelehrter Männer, wie bey der ersten Frage, anführe. Denn ob wohl unter denen Politicis viele sind, die auch diese Wahrheit erkennen, so haben doch dieselben keine Gelegenheit darvon zu schreiben. Von denen Herren Theologis aber glaube ich auch gewiß, daß ihrer nicht wenig seyn, die die Wahrheit dieser Beantwortung auch gleichfalls erkennen und nichts darwider zu sagen haben. Daß sie aber davon schreiben solten, ist ihnen wahrhafftig von klugen Leuten nicht zuzumuthen. Man bilde sich ein, daß an einem Ort zwey Medici wären, die aus unterschiedenen und theils widrigen Principiis curireten, und beyderseits gute Euren thäten. Es ist kein Zweiffel, daß sie, wenn sie vernünfftig seyn, in Privat-Discursen von einander alles gute reden werden. Wer wolte aber einen von ihnen zumuthen, daß er in Schrifften, und zwar mit Rationibus, auf die Frage: Ob der Patiente, der sich bißhero von ihm curiren lassen, und sich bey dessen Curen nicht übel befunden, nunmehro wenn er von ihme ab- und zu dem andern träte, auch mit Grunde eine baldige Genesung zu hoffen hätte? mit Ja antworten solle. Es sind viel Dinge in der Welt, die an sich selbsten gut oder indifferent seyn, die sich aber doch nicht für jederman schicken, daß sie von ihnen vertheidiget werden. Und ist dannenhero genung, daß aus der Decision der ersten Frage bißhero deutlich dargethan worden, aus was Ursachen ein Lutherischer Christ, der aus guten Absichten zur Catholischen Religion übertritt, an seiner Seelen Seeligkeit nicht zu zweiffeln habe. §. IV. Ehe ich noch weiter gehe, anzumercken, was ferner nach(Nöthige Anmerckungen von einer andern) diesen verfertigten Responso in facto erfolget, will sehr nöthig seyn, diese kurtze Erinnerung zu thun, daß man aus dieser meiner Beantwortung der mir damahls fürgelegten Frage bey Leibe mir nicht imputiren möchte; als wenn ich den Ubergang von der Lutherischen zur Catholischen Religion,
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(Frage, ob dergleichen Ubergang zu rathen.) er möge nun von Privat-Personen oder von Hohen Fürstlichen Personen, so wohl männliches als weibliches Geschlechts geschehen, gerathen und approbiret hätte, oder vor indifferent hielte. Denn das ist eine gantz andere Frage, indem unzehlich viel Dinge seyn, die dem Menschen nicht an der Seeligkeit zu hindern aber deswegen doch nicht eben zu preisen und für andern zu recommendiren, oder indistincte allen Menschen zu rathen sind; Als z. E. Tage-Löhner Arbeit, Betteln, Hungern, Schul-Arbeit, Schulfüchserey, Universitäts-Collegia halten, Jagen, Reiten, Fechten, Springen, Tantzen, Ball spielen, Kauffmannschafft treiben, die Bet-Stunden besuchen, Autores Satyricos oder Polemicos & maxime Calovianos, oder Mysticos & Böhmysticos lesen und dergleichen unzehlig mehr. Ich glaube nicht, daß einer der diese Dinge thut dadurch die Seeligkeit verliehre; aber deshalben rathe ich es keinen, daß er eines von diesen Dingen thue, ich mißrathe es ihm auch nicht, daß er es unterlasse. Also wird man mir nicht übel nehmen, daß ich keinen Lutheraner rathe Catholisch zu werden, ja ich rathe auch nach meinem wenigen Verstand keinem Catholischen, daß er Lutherisch werden solle. Aber auch diese Assertion muß mir nicht, wie insgemein von denen Pedantisch-Gelehrten zu geschehen pflegt, anderwerts verdrehet werden; als wenn ich diejenigen tadelte, die von der Lutherischen Religion zur Catholischen, oder von der Catholischen sich zur Lutherischen gewendet, oder sich darzu wenden oder ihre Religion sonst changiren wolten. Alle Consilia und Rathschläge gründen sich auf viele veränderliche, oder nicht bey allen Menschen sich auf gleiche Weise befindliche Umstände; und mag dannenhero ein Gelehrter in solchen Fällen wohl anderer Meinung von eines andern Thun und Lassen, ob er es vor nützlich und wohl gethan halte, seyn, ohne daß er deshalb den, so es thut, tadele oder verachte: eben wie ein Rath nicht Ursache hat den andern, der in seinem Voto nicht seiner, sondern einer gantz andern Meynung ist, als seinen Feind oder Widerwärtigen anzusehen. Daß aber leider! unter denen Gelehrten diese beyderley bißher angemerckte Confusiones fast überall noch herrschen, ist nicht denen so genannten Politicis oder Hofleuten zuzuschreiben, sondern denen uhralten Schulfüchsereyen, nicht etwa der niedrigen, sondern der hohen Schulen und Universitäten. Und damit nicht jemand meynen möge, als stichelte ich hiermit auf die drey andern Facultäten, will ich mich offenhertzig erklähren, daß ich denenselben hiemit lediglich überlasse, daß sie selbst in ihren Busen greiffen und fühlen, ob sie noch dergleichen Unarten an sich haben; (denn meines Erachtens sind dieselbe sehr handgreiflich) von
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meiner Facultät aber scheue ich nicht zu bekennen, daß dieselben von dem Jure Canonico, und dessen unzeitigen Admiratoribus herrühren. §. V. Und obwohl die Application dieser Anmerckungen auf die(Absonderlich Privat-Personen und Gelehrten.) Frage von Veränderung der Religionen, und meine Meinung von derselben, einen eigenen Tractat erforderte, will ich doch allhier so kurtz als möglich ist meine Gedancken offenhertzig entdecken, damit man mich nicht beschuldige, als hätte ich in diesen Stücken gefährliche Lehren, und wolte mit der Sprache nicht heraus. Betrachte ich anfänglich eine Privat Person, und unter denenselben in specie einen Gelehrten oder Juristen; so ist es wohl an dem, er kan durch diese Changirung, es sey nun von und zu was für einer Religion es wolle, Reichthum und Ehre erlangen, (denn wollüstiger Dinge halber geschehen dergleichen Veränderungen wohl sehr selten.) Aber er kan auch gar leichte in Verachtung und Armuth dadurch gerathen. Diejenigen von derer Religion er abtritt, sehen ihn an, und ruffen ihn aus, als einen Apostatam; und die zu derer Religion er übertritt, geben ihn zwar in Anfang gute Wort, und thun grosse Versprechungen, aber wenn er einmahl übergetreten ist, muß er zum öfftern auf gantz sclavische Weise nach der etwa des Orts herrschender Clerisey ihrer Pfeiffe tantzen / und darf nicht einmahl drüber muxen, damit ihn nicht jederman auslache. Es ist wohl an dem, daß diese Anmerckung nicht universel sey, sondern sich hier und dar Exempel finden, da solches nicht geschehen. Aber es ist genung, daß diese Exempel rar seyn, und gleichwie das Römische Recht lehret, quod de iis, quae semel aut bis fiunt, non fiant leges, aut non fieri debeant, also ist ausgemacht, daß man die politischen Rathschläge gleichergestalt nach dem, was mehrentheils zu geschehen pfleget, einzurichten hat. Hat aber ein Gelehrter einmahl diesen Fehler begangen, und ist übergetreten, und es ergehet ihn hernach nicht nach Wunsch, so muß er sich ja wohl hüten, daß er nicht noch eine grössere Thorheit begehe, und von der neu angenommenen Religion wieder zu der alten trete, die er einmahl verlassen hat, wenn man ihm auch gleich noch so grosse Versprechen thäte, sondern er dencke alle Augenblick an den bekanten Vers: Fistula dulce canit, volucrem dum decipit auceps. Wer noch einige Scrupel über diese Anmerckung bey sich befindet, der kan so gut seyn, und den Lebens-Lauf des bekannten und berühmten Marci Antonii de Dominis ein paar Tage wohl und reiflich überlegen und betrachten.
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(Oder Fürstlichen Regenten.) §. VI. Was Fürsten und Regenten betrifft, so habe ich bey derselben Ubertretung von einer Religion zur andern diese Dubia. Sind sie Catholisch; so reissen sie sich zwar durch ihre Changirung, das unerträgliche Päbstische Joch von Halse; es ist aber eine andere Frage, die ein jeder unpartheyischer Leser selbst beantworten mag, ob sie bey dieser Changirung nicht unter das Joch der ohne Pabst das Kirchen-Regiment exercirenden Clerisey fallen dörfften, und also gewärtig seyn müssen, daß sie nicht etwan eines Bauren oder Handwerckmanns-Sohn, der das Volck auf seiner Seite hat, und einen Gern-Past agiret, viel ärger und gröber (jedoch alles unter den Schein der Beförderung Göttlicher Ehre und seines independirenden geistlichen Amts) tractiren werde, als nimmermehr ein nur ein wenig gescheider Pabst) der doch an sich gleichfalls zu Rom und in Italien ein ansehnlicher und gewaltiger Fürst ist) einen Catholischen weltlichen Fürsten zuthun sich leichtlich unterstanden. Vielmehr, wenn ein solcher Catholischer Fürst und Regent sonsten mit Klugheit und Weißheit von GOtt begabet ist, auch sonsten in Macht, Autorität und Ansehen stehet, und die Münche (in lata acceptione, ut etiam comprehendantur Domini Jesuitae) nicht über sich herrschen läßt, sondern mit gleich-gesinneten Catholischen Ministern versehen ist, so hat er sich nicht leichte zu besorgen, daß ihm der Pabst und seine Geistliche Leibgarde schaden, oder einen Eingrif in sein Regiment thun werde. Was einen Evangelischen Fürsten belangt, so mag es wohl seyn, daß er irraisonabler Weise von einigen seines Cleri tractiret werden kan; und also unter dem Vorwand, daß wenn er ja vexiret seyn, er sich doch lieber von einen in gantz Europa so hoch venerirten Pabst, als von einen geringen und sonst ohne des Volcks Beystand ohnmächtigen Clerico vexiren lassen wolte, eine Reitzung bey sich befindet, sich zur Catholischen Religion zu begeben; aber er wird bald vermögend seyn, diese Reitzung zu unterdrücken, wenn er bedenckt, daß er (zumahlen itzo, da hin und wieder die gesunde und vernünfftige Lehre von dem Recht Evangelischer Fürsten in Kirchen-Sachen unter denen Protestirenden bekanter wird, und mehr und mehr Eingang findet,) viel geschickter seyn werde sein Ansehen und Regiment durch behutsame, aber hertzhaffte Consilia in der protestirenden Kirche wider den etwan sich blicken lassenden, aber noch nicht eingewurtzelten Clericalischen Dominat nachdrücklich zu behaupten, als wenn er sich zu einer Religion begeben wolte, in welcher der Päbstliche Dominat viel zu feste eingewurtzelt ist, als daß er denselben zu heben vermögend seyn solle. Gesetzt auch, er liesse sich
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durch etliche Exempel bereden, daß zum wenigsten so lange er lebte ihn der Pabst und sein Anhang seinen Willen lassen und nicht sclavisch tractiren werde; so hat er doch auch zu bedencken, ob wohl vernünfftiger Weise zu hoffen sey, daß nach seinen Todte das Päbstische Joch nicht seine Successores, oder doch zum wenigsten das arme Land und die Unterthanen betreffen werde. §. VII. Was drittens Fürstliche Personen weibliches Geschlechts(Oder Fürstliche Printzessinnen.) betrifft, und zwar die sich an Fürsten von anderer Religion zu verheyrathen gesonnen sind, da dürfften wohl die bisherigen Anmerckungen nicht zulänglich seyn, sondern es würden wohl noch andere Umstände dabey beobachtet werden müssen. Wenn beyde Religionen in dem Lande, das der Fürste beherrschet, ohne dem toleriret werden, und in schwange gehen, zumahlen wo die von der Religion des Regenten dissentirende Unterthanen die gröste oder doch eine grosse Parthey ausmachen, da würde sich wohl schwerlich eine Ursache finden, warum man der Fürstin rathen solte, ihre Religion zu verlassen, und die Religion ihres Fürstlichen Gemahls anzunehmen, vielmehr dörfften sich viele Gelegenheiten ereignen, daß wenn auch die Fürstin bey ihrer Religion verbleibet, die einmahl an selbigen Ort eingeführte mutua tolerantia dieser beyden unterschiedenen Religionen immer mehr und mehr befestiget und ein gutes Vornehmen zwischen der Geistlichkeit beyderseits Religionen gestifftet werden könte: daferne aber die Religion des Fürsten in seinen Landen die Religion, in welcher die Fürstin erzogen, unterzudrücken gewohnet wäre, ist leichte zu begreiffen, daß alsdenn die Braut, wenn man ihr gleich nicht zumuthete, zu der dominirenden Religion überzutreten, nebst ihrer Geistlichkeit grosse Verfolgung und Unglück sich zu befahren haben würde, wenn sie nicht zu der Religion des Fürsten überträte, und also würde sie auch in diesen Stück klüger handeln, wenn sie, daferne sie ja auf der Heyrath bestünde, sich bey Zeiten zu des Regenten Religion bequemte. §. IIX. Dieses sind so meine einfältige Gedancken von denen vornehmsten(Praeliminar-Erinnerungen von denen folgenden Theologischen Responsis.) Fällen die Religions-Enderung betreffend, deswegen ich aber mit niemand zu zancken gesonnen bin, sondern das bekante Sprich-Wort beobachten werde: De gustibus non esse disputandum. Wiederum auf das oben gemeldete Responsum zu kommen, wurde selbiges nicht alleine von S. Hochfürstl. Durchlauchtigkeit gnädigst aufgenommen, sondern ich erhielt auch Copeyen von denen Responsis die gar unterschiedene und berühmte Theologi unserer Kirchen in dieser Sache gegeben hatten. Und ob wohl etliche davon mit mir in keinen Stücken einig waren, ich auch
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besage dessen, was ich zu Ende meines Responsi angeführet hatte, mich keines einigen versahe, der die vorgelegte Fragen, sonderlich aber die letzte, hätte bejahen sollen; so befande ich doch über Vermuthen, daß etliche unter denenselben, und zwar die stärckste Parthey in Vertheydigung der Meynung, die ich auch behauptet, mir vorgegangen, unerachtet sie weder von mir noch ich von ihnen gewust. Weil nun mein Responsum schon damahls zu W. wiewohl ohne Beysetzung meines Nahmens zwar mandatu Serenissimi aber doch, wie ich berichtet worden, auf Einrathen etlicher von denen Herren Theologis, die eben das defendiret, meiner oben gemeldeten Deprecation unerachtet gedruckt worden; Als wird es ihnen verhoffentlich auch nicht zuwider seyn, daß ich dem curieusen Leser allhier auch die ihrigen mittheile, zumahlen da einige davon; (als man ihnen falsche und erdichtete Responsa andichtete, und unter Beysetzung ihres Nahmens drucken liesse) in ihrer Vertheydigung bezeiget, daß sie wohl könten geschehen lassen, daß ihre ächte Responsa publiciret würden. Denen andren, die disfalls von uns dissentiret, wird es ohnedem nicht zuwider, sondern vielmehr lieb seyn, daß der Leser auch von ihren Responsis Nachricht bekomme. Damit ich aber auch in diesen Stück keiner Parthey verdrießlich falle, will ich mich dieser Behutsamkeit bedienen, daß ich allhier die Nahmen und Officia derer Herren Autorum absque praejudicio eruditionis & ordinis nach Ordnung des A. B. C. und zwar in Ansehen ihrer Zunahmen, auch nur mit denen Anfangs-Buchstaben specificire, hernach aber ihre Responsa selbst nach Ordnung der Zeit, wenn sie selbige verfertiget, ohne einige fernere Andeutung derer Herren Autorum dem Leser mittheile, und dessen Judicio und Fleiß überlasse die Herren Autores, von welchen ohnedem der gröste Theil bereits verstorben ist, zu errathen oder an gehörigen Orte zu erforschen. Es sind zusammen zehen Responsa, die Herren Autores davon sind folgende. 1) C. H. B. S. G. G. 2) C. C. S. Z. 3) I. F. P. H. 4) H. V. D. H. P. H. 5) I. B. N. P. H. 6) A. R. P. L. 7) I. H. S. P. H. 8) A. S. 9) F. W. P. H. 10) C. T. W. P. H. (Das erste Theologische Responsum.) §. IX. Das erste Responsum (so viel nunmehro die Ordnung der Zeit nach betrifft) war datiret d. 8. Augusti 1705. und war in selbigen die erste Frage mit Unterscheid, die andre aber schlechterdings negative beantwortet. Der Herr Autor hatte in übrigen die Gabe eines deutlichen und angenehmen styli nicht, wie das nunmehro folgende Responsum selbst zeigen wird. (Beantwortung der) Auf die mir den 8. hujus gnädigster Verordnung gemäß communicirte Anfragungen soll in unterthänigster Andienung dem im geringen
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Maaß mir beywohnenden Begriff nach unverhalten. Und zwar da (1)(ersten Frage mit Unterscheid.) gefraget wird: Ob nicht ein jeder Mensch es lebe derselbe bey denen Lutherischen oder bey denen Catholischen wann er Christum nach dem geoffenbahrten Wort, für das Mittel der Seeligkeit hält, dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den wahren Glauben ergreiffet, und ihn appliciret, das ewige Leben erlange? So erachte in unterthänigster Unmaßgeblichkeit, daß freylich der inwendige Glaubens-Ergriff des H. Verdienstes Christi den Menschen für GOttes Gericht rechtfertige; Doch solchergestalt, daß sothaner Ergriff mit der Thätlichkeit des Glaubens aus und in Christo vergesellschaftet seyn müsse. Zuförderst will das Christliche Religions-und Glaubens-Wesen, wie nach Fügung Göttlicher Providence in menschlichen Societäten und Christlichen Gemeinden, so nach denen Satzungen GOttes und CHristi auch in äusserlichen unbefleckten Wesen und Gottesdiensten sich geführet wissen. Dahin denn ohnzweiffentlich mit gehöret die reineste (so viel in dieser Unvollkommenheit müglich ist) und unbefleckteste Kirche, darinn man seinem GOtt den unbefleckten heiligen Dienst hier auf Erden, biß man zu der Gesellschafft der vollkommenen Geister in der triumphirenden Kirche hinan komme, halte. Da ist nun zwar kein Zweiffel, der gütige GOtt werde mit denen Heerden und derer armen Schaaffen, die auf keine andere Weyde geführet sind, väterliche Gedult tragen; solten aber diejenigen Lämmer, welche er in seinen Busen getragen, dieselbe zu den frischen Wassern und grünen Auen des Lebens geführet, vorsetziglich auf die Moräste oder dürre Hayden lauffen, da hätte es wohl eine andere Aussicht. Die Catholische Kirche demnach betreffend, so kan nicht geläugnet werden, daß der Eckstein Zions und der Grund der Seeligkeit darinn nicht gantz aufgehoben sey: Doch ists offenbahr, daß auf diesen Grundstein viel Heu und Stoppeln aufgebauet; das Feuer aber wirds verzehren, und wo man ein Gebäude von Perlen und Edelgesteinen haben kan, wer wolte des andern? Immittelst ist das ohne Zweiffel, GOTT dulte Heu und Stoppeln an Gebäuden, die nicht anderst aus Mangel und Schwachheit erbauet, jedennoch, wie solte er ihm gefallen lassen, daß man die Perlen, die er mit göttlicher Sorgfalt an sein heiliges Gebäude gesetzet, ausreiste und Stoppeln an ihre Stelle setzte? Oder auch, wer wolte aus einen Fürstlichen saubern Pallast in eine unrendliche Bauer-Hütte ziehen? Und wann dieses in himmlischen Sachen geschehen würde, dürffte es zweiffels frey dem heiligen reinen GOtt nicht sonderlich gefallen. Diesemnach ermesse, meinem geringen Begriff nach, nicht irraisonable zu
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seyn, einen fleißigen Unterscheid zu machen, unter denen Leuten, welche denen Catholischen Communionen einverleibet seyn. Sind sie darinn erzogen und haben keine bessere Information gehabt, so hoffe zu der überschwenglichen Barmhertzigkeit GOttes, sie werde, wenn solche Leute anders sich an das Heyl der Welt im Glauben, Christlichen Wandel und Buße halten, die übrige Fehler übersehen. Zweifle hingegen gar sehr, ob ein Christen-Mensch, der in der Evangelischen Religion erzogen, und die Fehler der Catholischen Kirche eingesehen, jedennoch vorsetzlich aus dem reinen Schooß seiner Mutter in die befleckte Arme einer widrigen Gemeinde fället, für GOtt entschuldiget seyn könne. Und von solcher Consideration würde auch nicht eximiret seyn können, ein gebohrner Catholicke, welcher entweder aus Reisen in Evangelischen Ländern, oder durch andere Occasionen, der gütigen Hand GOttes zu einem höhern Licht aus der Finsternüß des Pabstthums eluctiret seyn würde. Diesemnach würde auf erstgesetzte Frage zu antworten seyn, daß zwar diejenige, so wohl bey Lutherischen als Catholischen, die Christum für ihren Heyland erkennen, und andey ein gottseeliges Leben in Christlicher Einfalt, ohne Einsehung derer Papistischen Irrungen führen, das ewige Leben erlangen; diejenigen hingegen, welche unter denen Catholischen Christum nach dem geoffenbahrten Worte, als das eintzige Mittel der Seeligkeit halten und erkennen, jedennoch die wider solches Erkäntnüß lauffende Irrsalen nebst andern gefährlichen abusen vermittelst Zugesellung zu gemeinen Catholischen Hauffen mitmachen, oder wenigstens simulando approbiren, daß sothane Leute wider ihre Conscience zum wenigsten hypocritisch und scandalens handeln, auch folglich, weiln der Glaube durch die aufrichtige ungefälschte Liebe gegen GOtt und den Nächsten thätig seyn muß, dem Schiffbruch der Seele gefährlich nahe treten. (Verneinung dër andern Frage.) Obgesetzten Gründen nach würde auf die andere Anfrage: Ob dann nicht eine Lutherische Printzeßin, welcher eine Heyrath mit einem Catholischen König, unter der Condition, daß sie sich zu selbiger Religion begebe, proponiret worden, sich dazu salvâ aternâ salute resolviren können und zwar um so viel mehr, wann darbey die Göttliche Providence zu spühren, und mithin die Wohlfarth des gemeinen Wesens und ihres eigenen Hauses befördert werden kann zu unterthänigster Antwort angefüget werden müssen: Daß es allerdings an dem, daß die Wohlfarth des gemeinen Wesens auch eigenen hohen Hauses in hohe Consideration zu ziehen, zuförderst da die Göttliche Providence dabey zu spühren; jedennoch alldieweiln
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hierunter aeterna salus, wie gar Christ-Fürstlich conditioniret wird, angeführten Rationibus nach, nicht nur an Seiten höchstgemeldter Luther. Princessen, utpote in sinn Evangelicae Ecclesiae natae, educatae meliusque adeo informatae, sondern auch dero hohen theuresten Posterité, als welche, posito casu, nothwendig denen Catholischer Kirchen führenden Maximes nach in deroselben gefährliche Verfehlungen verfallen müste, versiret, diesemnächst sothane Religions-Veränderung eine grosse Beäugung in Evangelischer Kirche zum gefährlichen Nachfall, auch wohl zu Unterdrückung Evangelischer Gemeinden, causiren dürffte, also möchte es anscheinen, es dürffte so gestallte Verehligung in tieffste Gewissens-Consideration gezogen werden müssen. Was übrigens der klügste unter denen Königen, der sonst Gott-erleuchtete Salomon ihm und seinem Hause dadurch, daß er von ausländischen Weibern (& sic & in simili passu) sein Hertz lassen neigen fremden Göttern nach, nebst dem Tempel, zu bauen Chames und Moloch eine Höhe, für einen Unfall auf seine Königliche Posterité gebracht, nicht minder was bis auf den heutigen Tag für eine Fatalité auf gewisse Familien stehe, diesemnechst was die Changirung der Religion eines Reformirten Printzens um der irrdischen Crone willen gethan, in Fortpflantzung Catholischen Eyffers auf die Cron-Erben mit Unterdrückung derer anders gesinneten, liegt ex sacra & profana Historia zu hellem Tage, da denn wohl zu vermuthen, die Verantwortung sothaner bedencklichen Consequencen, dürffte hauptsächlich auf die Autores und Consultores ankommen. Ich habe dieses, weiln in mediis occupationibus officii begriffen, rudi plane Minerva zu unterthänigster baldigster Expedirung deproperiren müssen, mich beziehend auf beygehendes geringfügiges Responsum auf Anfrage eines vornehmen Ministri in simili casu, in unterthänigster Bitte, alles in Gnaden aufzunehmen. §. X. Das andere Responsum war den 13. Augusti datirt. (Das andere Theologische Responsum.) Die Behutsamkeit und Einschränckungen, derer sich der Herr Autor bey Beantwortung der andern Frage bedienet, setzen eines Theils einen unpartheyischen Leser in Zweiffel, ob dieselbe nicht vielmehr in der That vor eine Verneinung, als Bejahung der Frage zu halten sey; anders Theils aber bekräfftigen sie dasjenige, was ich in meinen Responso zu Ende desselben angeführet, (warum einen Lutherischen auch sonst bescheidenen Theologo nicht wohl zuzumuthen sey, daß er diese Frage bejahe,) welches zugleich auch den Herrn Autorem entschuldiget, warum er
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seine Meynung wegen der andern Frage nicht so offenhertzig, als wegen der ersten, von sich gesagt. Das Responsum lautet also: (Vortrag der zweyen Fragen.) Als es unsern Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn gnädigst beliebet, von mir zu begehren, meine in göttlichen und in andern öffentlichen Schrifften gegründete Gedancken solchermassen von einigen Fragen auszufertigen, wie ich dieselben jederzeit zu verantworten mir getrauete; so habe bald unter Anruffung des allerhöchsten GOttes, solche vorgelegte zwei folgende Fragen, als viel es meine übrige nothwendige Amts-Geschäffte damahls leiden wollen, zu erwegen fürgenommen, deren erste also lautet: Ob nicht ein jeder Mensch, es lebe derselbe bey den Lutherischen oder Catholischen, wenn er Christum nach den geoffenbahrren Worten für das Mittel der Seeligkeit hält, dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den wahren Glauben ergreifft und ihm appliciret, das ewige Leben erlange? Die zweyte Frage aber folgender massen entworffen war: Ob denn nicht eine Lutherische Printzeßin, welcher eine Heyrath mit einem Catholischen Könige unter der Condition, daß sie sich zu selbiger Religion begebe, proponiret worden, sich darzu salvâ aeternâ salute resolviren könne, und zwar um so mehr, wenn dabey die Göttliche Providenz zu spühren, und mithin die Wohlfarth des gemeinen Wesens und ihres eigenen Hauses befördert werden kan? Welche Fragen solchergestalt abgefasset zu seyn scheinen, daß wo die eine bejahet und festgestellet werde, die andere daher auch als wahr und festgestellet folgen solle. (Warum es scheine daß die erste zu verneinen sey.) Nun ists an dem, daß zwar viele in der Lutherischen Kirche derer Catholischen Lehr-Sätze also angesehen haben, als wenn einer bey der Catholischen Religion unmöglich Christum nach dem geoffenbahrten Worte GOttes für das eintzige Mittel der Seeligkeit halten könne, indem sie die Verdienste der Heiligen, und dergleichen, dem Verdienste Christi beyzufügen sich nicht entblöden, nach welcher angestellten scharffen Censur dann die erste Frage an sich umsonst seyn würde, wie es umsonst wäre, von dem Socinianismo zu fragen: Ob man Christum bey ihnen noch jetzo für unsern Fürsprecher halten könne, oder derselbe bey ihnen dafür gehalten werden möge, indem man weiß, daß solches mit ihren Lehr-Sätz-n nicht bestehen kan. (Die Bejahung dersel-) Jedennoch muß man gleichwohl für dem allsehenden GOtt, der da laut des achten Geboths nicht will, daß wir unsern Nechsten und dessen
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Worte übelhandeln gestehen, daß vorangeregte Censur gar zu hart sey, (ben, und derer Beweiß aus klaren Worten Catholischer Lehrer.) ja man muß vielmehr bekennen, daß in der Catholischen Kirche allerdings Christus nach dem geoffenbarten Worte für das eintzige Mittel der Seeligkeit gelehret werde, auch darinn dafür gehalten und geglaubet werden könne, wie auch noch in diesem 1705ten Jahre Fr. Dionys. Werlensis Provinciae Colonienfis Cappucinus, in seinem Buche unter dem Titul: Der eintzige Mittler zwischen GOtt und den Menschen, der Mensch Christus JEsus, solches rechtschaffen ausgeführet, und noch einige Jahre vorhero in seinen Catholischen Ehren-Retter 1698. mit einer grossen Menge Zeugnüssen 50. unterschiedlicher Catholischer Scribenten befestiget hat, unter welchen des Alphonsi Tostati eines gelehrten Spanischen Bischoffs Worte: Durch niemand, denn nur allein durch Christum und dessen Blut kan man ins Himmelreich kommen, fast gäntzlich mit denen Worten erster Frage übereinstimmen; die ihnen vorgeworffene Vorbitte, oder wie man zu reden pfleget, Ehre der Heiligen aber, wo sie zum Nachtheil Christi zu geschehen ihnen beygemessen wird, eine angedichtete Blame sey, massen es mit derselben eine gantz andere Bewandnüß hat, und die Heiligen dem Verdienste Christi von ihnen gar nicht an die Seite gesetzet werden. Wie Fr. Dion. Werlens. in seinen erst angeführten Tractat p. 13. §. 14. lehret, wenn er schreibet: Daß nur allein Christus unmittelbar und durch sich selber bey dem allerhöchsten GOtt für uns bitte und spräche etc. Und §. 15. Daß alle Engel und Heiligen, gleichwie sie GOtt nicht durch sich selber gefallen, uns nicht de condigno verdienet haben, oder verdienen können, also auch mit nichten durch sich selber und durch ihre eigene Verdienste, sondern nur allein durch Christum und dessen theure Verdienste für uns bitten und erhöret werden. Wenn nun dieses fest gesetzet ist, daß bey den Catholischen nach dem geoffenbarten Worte Christus für das eintzige Mittel der Seeligkeit gehalten werde, und bey ihnen gehalten werden könne, wie sie es ja selbsten aus Heil. Schrifft und zwar aus der I. Tim. II. 5. Joh. II. 12. Esai. LIII. behaupten, so wolte daher auch folgen, daß die erste Frage mit Ja zu beantworten, daß nemlich ein jeder bey den Catholischen, wenn er Christum nach dem geoffenbahrten Wort GOttes für das Mittel der Seeligkeit hält, dessen Verdienste und Gerechtigkeit durch den wahren Glauben ergreiffet, und darinnen beständig biß an sein Ende verharret, das ewige Leben erlange. Joh. III. 16. Cap. XVII. 3. Act. X. 43. Wo aber die folgende und 2te Frage daher deduciret und beiahet wer
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den(Bey der an-) (dern Frage Einwurff wegen des dritten Artickels.) soll, müssen noch erst (jetzo nicht zu gedencken, daß ob wohl der Glaube an Christum der Haupt-Grund unserer Seeligkeit sey, wir dannoch nicht weniger an die übrige Glaubens-Lehren auch des 3ten Articuls, als an diesen verbunden seyn, wovon aber Bellarminus vormahls selbst angezeiget, daß in dreyen Glaubens-Lehren des dritten Articuls als von der Christlichen Kirche, Gemeine der Heiligen, und Vergebung der Sünden unsere und die Catholische Kirche einander contradicirten) vorhero noch zwey Umstände wohl zu Gemüthe gezogen, und was dabey sich ereignet, abgelehnet werden. (Dabey in acht zu nehmende Cautel, wegen des Abendmahls.) Der erste Umstand ist, weiln nach der 2. Thess. 3, 2. der Glaube nicht jedermanns Ding, und nicht bloß in einem menschlichen Gedancken bestehen muß, wie solches Lutherus aus dem Joh. I, 13. in seiner Vorrede über die Epistel an die Römer, und auch in seinem Commentario über das 8. Cap. Genes. wie auch in einer Predigt 1573. zu Wittenberg gehalten, vortreflich ausführet, sondern eine göttliche Krafft und Licht ist, welches in eines bußfertigen Hertzen entzündet wird, welches dann dieses mit sich führet, daß man einen Greuel habe, an dem, was GOtt mißfällig ist, und nach der Lehre Esaiae 1. mit der That und Warheit solches abzulegen oder zu fliehen geflissen sey, wo aber ein solcher Sinn sich nicht findet, man sich nach Act. 7. zum Glauben untüchtig machen könne, ob gleich sonst laut Actor. 17. GOtt jedermann fürhält den Glauben, und Christus laut Joh. 1. gerne alle Menschen erleuchten will, und aber bey der Catholischen Lehre noch einiges sich ereignet, welches GOtt sehr mißfällig und dahero abzuthun sehr nöthig, dessen sich aber würcklich theilhafftig zu machen höchst Seelen-schädlich ist, unter welches die Austheilung des H. Abendmahls unter einerley Gestalt wohl zu rechnen seyn würde, massen dasselbe schlechterdings nach den Worten der Einsetzung Christi unter beyderley Gestalt zu nehmen ist; Als hätte eine solche Princesse, wo sie zur Catholischen Religion sich begeben wolte, ihr die Geniessung des H. Abendmahls sub utraque zu praeserviren, welches denn wohl zu erhalten seyn wird, indem es bey den Catholischen wohl mehrern schon zugestanden ist, und der Bischoff von Tina unter Päbstlicher Vollmacht vormahls allen zustehen wolte; Da denn inzwischen einer Dame der würckliche Genuß solcher beyderley Gestalten, unter welchen es der HERR eingesetzt hat, genug seyn mag, und hingegen denen Doctoribus es auszumachen, überzulassen hätte: Ob aus Nothwendigkeit der Einsetzung Christi, oder Dispensation des Pabsts solches geschehen müsse.
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Der andre Umstand ist dieser, daß, obwohl einer, der in der Catholischen(Ingleichen wegen Besuchung der Messe.) Religion lebet und erzogen worden, mit vorgesetzter ersten Frage, in dem er aus Furcht oder andern Ursachen zu uns nicht übertreten kan, sein Gewissen beruhigen möchte, es jedennoch einen Lutherischen, der da weiß, daß unsere Evangelische Kirche in vielen Stücken reiner ist, als die Catholische, sehr bedencklich fallen muß, von einer reinern zu einer unreinern Kirche sich zu begeben, die Messe aber noch Unreinigkeiten mit sich führet, ob sie gleich in der Wahrheit nicht so greulich auszuruffen, wie es von einigen der unserigen geschehen ist, wenn sie deswegen, als wann man Catholischer Seiten von derselben einen Wahn des Verdienstes hätte, und dieselbe ausgäbe, daß darinn der Leib und Blut Christi solchermassen dem himmlischen Vater aufs neue aufgeopffert würde, daß es ein iterirtes Sühn-Opffer sey, und also zur Schmach des Versöhn-Opffers Christi gereiche, ein gotteslästerliches Meß-Opfer nennen, da doch ja dero einer ausdrücklich gestehet; Es sey ferne vom Glauben, daß das Meß-Opffer solchermassen versöhnlich sey, wie das Opffer Christi am Creutz, denn dieses sey alleine verdienstlich zur Sünden-Vergebung und Gnaden-Erlangung, das Meß-Opffer aber sey nur ein Instrumentum, dadurch gleichwie durch die Sacramenta und Glauben Christi Verdienst unser werde. Und P. Gottfried Sittarz S. I. in seinem Tridentinischen Glaubens-Bekäntnüß p. 156. schreibet: Wir erkennen ein eintziges Versöhnungs-Opffer am Creutz, und dasselbe über und über genugsam für das Heyl der gantzen Welt. Ebr. 9. & 10. Das Meß-Opffer aber halten wir nur allein als eine von Christo Matth. 26. befohlene Erinnerung und Application des Creutz-Opffers, dadurch gleichwie durch andere Sacramenten, wie auch durch den Glauben, Hofnung, Liebe etc. der Werth des am Creutz vergossenen Blutes uns zu Theil wird. Wenn aber gleichwohl noch ein und andre grobe Schlacken, e. g. daß es den Verstorbenen zu statten komme, noch mit unterlauffen, als hätte eine von unserer zu der Catholischen Religion zu übergehende Printzeßin, wenn bloß aus solcher Absicht Messe gelesen würde, sich derselben zu entziehen, sonsten aber denenselben nur als Beth-Stunden, darinn die eigene und allgemeine Noth dem gütigen GOtt vorzutragen beyzuwohnen, welches moderate Catholische derselben auch werden zustehen müssen, wo es ihre ernstliche Meynung ist, wenn sie schreiben: Daß, was im Meß-Opffer von Vorbitte geschehe per modum Suffragii ausgerichtet werde. Wie dann auch überall dahin zu sorgen wäre, da von einem moderaten(Und überhaupt wegen Bey-) Theologo die Lehren und Meynungen Römischer Kirchen der
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(bringung der Catholischen, und Verschwerung der Lutherischen Religion.) Printzeßin nicht nur beygebracht, sondern auch davon ein Aufsatz gemachet werde, welchen ein moderater Theologus Lutherischen Religion sehen dörffte, massen die Erfahrung zeiget, wie fast unerträglich die Schmeichler des Päbstlichen Stuhls oder sonst unerfahrne Leute die Lehr-Sätze Catholischer Religion zu proponiren pflegen. Wenn auch einer Evangelischen Printzeßin sehr hart seyn würde, en general die Lutherische Religion und die so derselben zugethan sind, und zugethan gewesen, abzuschweren, wäre zu Conservirung dero Gewissen, dahin die Sache zu disponiren, daß dieselbe mit der Abschwerung verschonet bliebe und absolutionem ab haeresi zu begehren nicht genöthiget würde. (Nöthige Prüfung der vorgeschützten Göttlichen Providenz und zu publicirende Declaration zu Hebung alles Aergernüsses.) Betreffend die zu Motiven in der zweyten Frage angeführte Anmerckungen 1) wann dabey die Göttliche Providence zu spühren, so wird schon sonder Zweiffel bald Anfangs dabey geforschet worden seyn, ob nicht etwa auch eine Prüfung darunter verborgen, massen manchmahl der allweise GOtt dieses oder jenes zur Prüfung meynet, was wir bloßhin seiner Providence, wodurch er uns zu was gewisses leiten wolle, ausdeuten, wie solches an denjenigen, was zwischen den Gibeoniten und Josua geschehen, zu ersehen ist. 2) Daß die Wohlfarth des gemeinen Wesens und eigenen Hauses dadurch befördert werde; so ist insonderheit dieses letztere um nach ein und andern Römischen Ceremonien sich zu bequemen, wohl vor dem schon in dergleichen Absichten in Consideration gezogen, wann aber darinn mit der Bedingung von gewissenhafften Theologis gerathen worden, daß doch das daher zu vermuthende Aergernüß durch eine Declaration oder dergleichen, so viel möglich, abgelehnet würde; so würde noch so viel mehr in diesem Casu es wohl die Nothdurfft erfordern, weiln die meisten unter unsern Lehrern so wohl für sich selbst ein gar zu übles Concept von der Römisch-Catholischen Lehre ihnen machen, als auch ihren Gemeinden beybringen, daß zu Ablehnung eines zu befürchtenden Aergernüsses, dessen sonst sowohl die Printzeßin als andere hohe Personen, die mit dieser Sache umgehen, eine Ursach werden möchten, ein und andere Declaration, oder dergleichen denen Unterthanen und unsern Glaubens-Genossen durch den Druck oder sonsten fürgeleget und bekannt gemachet werde, wodurch zu effectuiren wäre, daß weder diese Bekäntnüß zur Catholischen Religion gar zu greulich angesehen, weder auch hierdurch solchen Exempel indifferent nachzufolgen, niemand Anlaß gegeben werde. (Sehr eingeschränckte Beja-) Welcher Umstände Consideration, wie auch andere Vorsichtigkeiten, die denen, so um diese Affaire genauere Kundschafft haben, sich
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unter Göttlicher Direction sattsam praesentiren werden, absonderlich, weilen(hung der andern Frage.) viele Controversien zwischen vorbenannten beyden Religionen auf einen Wortstreit auslauffen, oder sonst nach Erleiterung der streitenden Quaestionen in sich selbst verschwinden, der eigentliche wahre Glaubens-Grund in beyderley Kirchen feste stehet, dieser Sachen, als ferne der doch getreue GOtt mir dieselbe einsehen lassen, ein solches Ansehen geben möge: daß salvâ aeternâ salute eine Lutherische Printzeßin zu der proponirten Heyrath mit Annehmung der Catholischen Religion sich resolviren könne. §. XI. Das dritte, vierte und fünffte Responsum waren zwar nicht(Das dritte Responsum.) datiret; Aber der Freund der auf gnädigsten Befehl mir selbige zuschickte, versicherte mich, daß selbige entweder noch in Augusto 1705. oder in Anfang des Septembris eingeschickt worden. Und zwar soviel das dritte betrifft, werden sich diejenigen, denen der Herr Autor desselbigen bekannt ist, nun nicht verwundern, daß er in Bejahung der andern Frage etwas treuster gewesen, als der Herr Autor des andern Responsi, weil er wegen unterschiedener Auslegungen allerhand Oerter der H. Schrifft die so genannten Herren Orthodoxen schon einige Jahr her auf dem Halse gehabt, und absonderlich mit dem Herrn Autore des ersten Theologischen Responsi in streitigen Schrifft-Wechsel gerathen war, und also sich nicht eben für einen neuen Streit sehr zu fürchten Ursach hatte. Kurtze Antwort auf zwey fürgelegte Fragen, 1) ob nicht ein jeder(Die zwey Fragen.) Mensch, es lebe derselbe in der Lutherischen oder Catholischen Religion, wenn er JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit hält, dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ergreifft und ihm appliciret, die ewige Seeligkeit erlange? 2) Ob denn nicht eine Lutherische Printzeßin, wenn derselben eine Heyrath mit einem Catholischen Printzen, unter der Condition, daß sie zu dessen Religion trete, angetragen würde, sich ohne Verlust ihrer Seeligkeit darzu resolviren könne, bevorab, wenn aus denen dabey sich ereignenden Umständen die Göttl. Providence zu spühren? Obgleich dieser Zeiten mißlich, Gedancken von der Religion jemanden(Bejahung der ersten.) zu communiciren, weil die Vermessenheit zu lästern und Verwegenheit zu Sclaven der Schul-Meynungen zu machen mehr als jemahls Freyheit genommen; Dennoch weil die H. Schrifft in aller Händen, ist jedes Gewissen ungefesselt, zu sehen und zu begreiffen, was dieselbe vom Wege zum Leben sage. Nachdem also alle Schrifften Neuen Testaments den Weg zur Seeligkeit in solcher Kürtze und Einfalt mit allen Nachdruck fassen, daß aus Christi und aller Apostel Mund und Feder es heisset: Busse thun und dem Evangelio glauben, vom Bösen ablas
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sen, oder Gutes thun und an Christum glauben, oder in eben dem Verstande, Glauben, Lieben und Hoffen: glauben, daß um Christi willen unsere Sünde vergeben werden sollen, GOtt und den Nächsten lieben, und das gnädigst zugesagte ewige Leben getrost abwarten; als ist solcher kurtze und vollkommene Inhalt der Kern und Marck des gantzen Christenthums. Wer selbiges von Hertzen fasset, auch münd- und thätlich bekennet, sey Lutherisch oder Catholisch, ist GOtt angenehm, und des ewigen Lebens theilhafftig. Nachdem so dann der Fürwitz der Menschen absonderlich Gelehrten in allerhand Religionen durch die Menge der Zeit und Musse tausenderley Neben-Fragen auf die Bahn gebracht, auch so gar, um Unordnungen zu verhüten, vielfältige Neben-Lehren fürgeschrieben, sind alle solche Fragen, Sätze und Gewohnheiten nicht anders als veränderliche Neben-Sachen anzusehen, welche sich nach Orten, Zeiten und Begebnüssen, nach der Weißheit der Fürsteher und Regenten ändern lassen, weil die Einfalt der Leute unter der Menge des Volcks mit Ordnung und Ceremonien nothwendig will geleitet und zum Guten gebracht werden. Können derohalben alle solche Ubungen und Gewohnheiten gehalten, verwandelt, oder abgethan werden, wie es die Nothdurfft der Zeit und Besserung der Leute beym Gebrauch uud Mißbrauch, in welcher Religion es wolle, erfordert, weil sie der Seeligkeit an sich nichts abnoch zutragen. Welcherley Zu- oder Neben-Satz von Lehr- und Ceremonien in allerhand Religionen Christlichen Nahmens überflüßig zu finden, wie niemand verständiger und gescheider in Abrede seyn kan. Dannenhero an dem Exempel Christi und der Apostel selbst zu sehen, wie sie den euserlichen Gottesdienst so gar der Juden ihrer Zeiten als ein Neben-Werck mit observiret, ob sie gleich den Verderb und Mißbrauch vor Augen sahen, gnug, daß ihr Hertz gut, und im Gebrauch der hergebrachten Ceremonien sie aufrichtige Intention hatten. Sie giengen in den Jüdischen Tempel, sie beteten darinn, sie opfferten darinn, so lange sie darinn geduldet worden. Das Leben und Wandel der Juden tadelten sie, und suchten es zu bessern, übrige Ceremonien liessen sie, ausser den Mißbrauch, paßiren. So ist bekandt und unläugbar, wie fast alle Patres, von derer meisten man gleichwohl die Seeligkeit vermuthet, ausser, daß sie in dem obigen Grund des Glaubens einig, eine grosse Anzahl Neben-Fragen, Lehren, Ceremonien gehabt und gehalten, mit welchen deren Zuhörer, als mit ihren Bischöffen, in gleicher Hofnung der Seeligkeit alles beybehalten. Würde unmenschlich zu gedencken seyn, keine Seelen würden in so viel hundert Jahren, Zeit solcher Väter und
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Bischöffe, seyn seelig worden, welche ausser dem eigentlichen Grund des Glaubens so viel und manniche aus Juden und Heyden hergehohlte Ceremonien und Neben-Lehren gesühret. Welcherley, als Schatten am Leibe, oder Mackel an der Sonnen, an denen, deren Hertz aufrichtig, GOtt übersiehet. Absonderlich weil jederley Art der Religion, von Ceremonien und Lehre, seyn welche wollen, ausser dem einfältigen Grunde, welcher beständig, immer zum Mißbrauch durch die Länge der Zeit ausschlägt, daß keine Religion den Mißbrauch von sich ablehnen kan. Welchem dann Beyfall giebt bekanntes altes auch hiesiger Landen Lehrer merckliches Gutachten, daß, wer aufrichtig nach dem Apostolischen Symbolo seinen Glauben richte, sey in welcher Religion es wolle, wohl fahre. Aus welchem allen die Beantwortung der ersten Frage zur Gnüge erhellet, daß ohne Beysorge, ein jeder Mensch, er lebe unter Lutherischer oder Catholischer Religion, wenn er JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit hält; dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ergreifft und ihm appliciret, die ewige Seeligkeit erlange. Welches so dann ferner die andere Frage ohnschwer erleutert,(Auch ungekünstelte und deutliche Bejahung der andern.) daß eine Lutherische Printzeßin, bey gemeldten Umständen nach abgesehener Göttlicher Providenz in eine angetragene Heyrath mit einem Catholischen Printzen, ohne Verlust ihrer Seeligkeit unter Veränderung des Religion Nahmens, gar wohl consentiren könne. Weil schon im vorigen dargethan, daß, ausgesetzt der vielen Neben- und Schul-Fragen, wann der Grund des Glaubens beybehalten werde, in jeder Religions-Forme GOtt die Seinigen zur Seeligkeit bringe, nun aber Unchristlich zu läugnen, daß die Catholische nicht Christen seyn, also den Grund der Seeligkeit Christum nicht hätten. Weil sie dann eben den Grund haben, Buße und Glauben an Christum, oder Glaube, Liebe und Hoffnung, so kan das Stoppelwerck der Schul-Fragen, Schul-Sätze und Ceremonien, welches auf allen Seiten in allen Religionen jedes nach seiner Art herrschet, die Göttliche Providenz nicht hemmen, noch eine solche Vermählung hindern, weil absonderlich eine solche Printzeßin wegen der Schul-Sätze sich nicht zu bekümmern hat, und an den einfältigen kurtzen Grund des Glaubens, der Liebe und Hoffnung sich getrost halten kan. Vielmehr würde ohnbedächtlich, will nicht sagen, ohnchristlich seyn, GOttes heiligen und verborgenen Rath, welchen er durch solche angezeigte Wege hinkünfftig nach vielen Jahren, zu allgemeinen Wohlseyn vieler Länder und Reiche, auch gantz Europa Ruh und Flor nach seiner ewigen Weisheit auszuführen entschlossen, durch
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den Schein unnöthiger Schul-Fragen, darauf GOtt nicht siehet, hintertreiben, und, zu unwiederbringlichen Schaden, aufheben und zernichten. Hingegen möchte in aller Demuth und Attention GOttes von fern gezeigte Regierung und für die Nachwelt treueste Vorsorge, sorgfältigst zu befordern und zu begleiten seyn. Weil bewust, wie eine weise und bedachtsame Printzeßin viel tausend Gutes durch Glimpf bey einem grossen Herrn zu unsäglich grossen Heyl offtmahls geschafft. Deshalben nicht mit unser Vernunfft vielweniger dem Maaß der Schul-Lehre GOttes Augen und Hände zu binden, seine göttliche und heilige Providenz zu zertrennen. Welcher, nach seiner unerforschlichen unendlichen Weisheit, wissen wird, einer solchen Printzeßin, welche er zu solchem Printzen führet, Hertz und Gemüth zu lencken, daß sie, des Grundes des Glaubens gewiß, durch übriges Ceremoniel von GOtt nicht abgehe, auch, so irgend einst was anhängen möchte, nach seiner unermeßlichen Güte, an solcher theuren Seele, so sie GOtt fürchtet und liebet, Väterlich zu übersehen, wie er in Wahrheit an allen Gläubigen, seyn wo sie wollen in aller Religion unsäglich vieles, so wohl an Lehr als Leben, übersehen und Väterlich zu gut halten muß. (Das vierte Responsum.) §. XII. Das vierte Responsum bejahete beyde vorgelegte Fragen, und ob schon bey Beantwortung der andern einige Monita mit eingeflossen, so bezeuget doch die übrige Schreibart, daß der Herr Autor für denen Dissentientibus sich eben nicht gefürchtet. (Bejahung der ersten Frage.) Als Ihro Hochfürstliche Durchlauchtigkeit unser gnädigster Fürst und Herr gnädigst befohlen, daß über beyde nachgesetzte Fragen ein jedes Membrum Facultatis seine Meynung besonders abfassen, und dem Decano zustellen solle, habe solchem gnädigsten Befehl zu unterthänigster Folge auch ich, nach andächtigem Gebet zu GOtt, diese Frage in der Furcht GOttes erwogen, und ist bey der ersten Frage: Ob nicht ein jeder Mensch, es lebe derselbe in der Lutherischen oder Catholischen Religion, wenn er JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit hält, dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ergreifft, und ihme appliciret, die ewige Seeligkeit erlange? Meine in GOttes Wort gegründete Meynung diese: Daß ein jeder Mensch, es lebe derselbe in der Lutherischen oder Catholischen Religion, wann er eintzig und allein auf das vollgültige Verdienst JEsu Christi in fester Zuversicht baut und vertraut, das ist, Christi Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ergreiffet und ihme appliciret, auch in solchen Glauben biß ans Ende beharret,
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die ewige Seeligkeit erlange. Denn 1) versichert uns dessen unser Heuland, wenn er bey dem Evangelisten Joh. am VI. 47. spricht: Warlich, warlich ich sage euch, wer an mich gläubet, der hat das ewige Leben. 2) Ist ein jeder Mensch, der den rechten und durch die Liebe thätigen Glauben in seinen Hertzen hat, durch solchen Glauben ein Kind GOttes, nach der Lehre des Apostels Pauli Gal. III. 26. Ist er nun ein Kind GOttes, so ist er auch ein Erbe und Mit-Erbe JEsu Christi. 3) Sind alle Menschen, die den wahren und durch die Liebe thätigen Glauben haben, so lange sie den Glauben an JEsum Christum behalten, durch solchen Glauben in Christo JEsu; an denen aber die da sind in Christo JEsu, ist nichts, das sie verdamme. Wie uns dessen abermahl der H. Paulus versichert Rom. VIII. 1. 4) Haben alle Menschen, die Christi Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ergreiffen, und ihnen appliciren, sie seyn an welchem Ort, oder unter welcher streitenden Parthey sie wollen, durch den Glauben das geistliche Leben und Wesen eines wahren Gliedes an dem Leibe JEsu Christi, und sind also durch den Glauben wahre und geistlich lebende Glieder des Leibes Christi. 5) Da sich auch gleich bey der Religion, darinn sie leben, einige Irrthümer und Mißbräuche finden, sind doch diejenigen, davon die aufgegebene Frage und darauf gerichtete Antwort redet, von Haupt- und solchen Irrthümern befreyet, die den Grund des Glaubens umstossen, und da sie aus Mangel besserer Information und aus Unwissenheit andern Irrthümern beypflichten, sind dieselben für Mängel und Gebrechen, aber an ihnen keine Sünde wider das Gewissen, dadurch ein solcher Mensch aus der Gnade GOttes gesetzet, und von der ewigen Seeligkeit ausgeschlossen würde. Bey der andern Frage: Ob denn nicht eine Lutherische(Ingleichen der andern.) Printzeßin, wenn derselben eine Heyrath mit einem Catholischen Printzen, unter der Condition, daß sie zu dessen Religion trete, angetragen würde, sich ohne Verlust ihrer Seeligkeit darzu resolviren könne, bevorab, wenn aus den sich dabey ereignenden Umständen die Göttliche Providenz zu verspühren? Gehet meine in GOttes Wort gleichfalls gegründete Meynung dahin, daß eine solche Printzeßin zufoderst den Grund der ewigen Seeligkeit von andern Religions-Fragen wohl zu unterscheiden wisse, damit sie die wahre Glaubens-Lehre in denen Stücken, die allen Menschen zur Seeligkeit nöthig, rein, lauter und unverfälscht bewahre, und sich daran biß an das Ende ihres Lebens mit einfältigen Hertzen halte. Als nun auch unter
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der Catholischen Religion, durch die Gnade GOttes, noch allemahl einige erhalten worden, und noch jetzo erhalten werden, welche, ob sie wohl in öffentlicher Ubung von Irrthümern, Mängel und Gebrechen nicht befreyet, doch aber die rechte Glaubens-Lehre behalten, und seelig worden; wie nicht nur Georg. Calixtus contra Buscherum, und an andern Orten, ingleichen Joh. Musaeus in tractatu de Ecclesia, in seiner Vertheydigung wider Keddium, auch andere Lutherische Lehrer weitläufftig ausgeführet, sondern auch Lutherus selbst gestehet, so kan man auch nicht allen und jeden, die zu solcher Religion treten, bloßhin und ohne allen Unterscheid die ewige Seeligkeit absprechen. Es haben aber solche Personen sich wohl in acht zu nehmen, daß sie bey der Einfältigkeit des Glaubens bleiben, und keinen einigen Irrthum wider besser Wissen und Gewissen beypflichten, denn solches wäre eine Sünde wider das Gewissen, und könnte ohne Brandmahl ihres Gewissens und augenscheinliche Gefahr der Seeligkeit nicht geschehen; weil eine jede Sünde wider das Gewissen den Sünder, so lange er darinn beharret, aus dem Stande der Gnaden setzet, und ausschliesset von der Hoffnung, die ewige Seeligkeit zu erlangen. Als auch aus denen sich ereignenden Umständen die Göttliche Providenz zu verspühren, wird eine Lutherische Printzeßin destomehr Ursach finden, ihr Gewissen wohl zu untersuchen, wie weit solches so wohl wegen der Göttlichen Wahrheit, als derselben entgegen stehenden Irrthümern überzeuget. (Das fünfte Responsum.) §. XIII. Das fünffte Responsum bejahete zwar gleichfalls beyde Fragen, setzte aber doch um mehrerer Deutlichkeit willen bey Beantwortung der andern Frage einige Erinnerungen oder Bedingungen bey, und sonderlich diese, daß diese Bejahung der andern Frage nicht auf alle und jede Glieder unserer Kirchen zu extendiren wäre. (Bejahung der ersten Frage.) Auf die zwey gnädigst vorgelegte Fragen antworte ich in der Furcht GOttes, und tiesster Unterthänigkeit, und zwar auf die erste mit Ja: denn gleichwie Lutherus im grossen Catechismo in Erklärung des andern Articuls des Apostolischen Glaubens-Bekäntnüsses §. Aber diese einzele Stücke, saget: Auch stehet das gantze Evangelium, so wir predigen, darauf, daß man diesen Artickul wohl fasse, als an dem all unser Heyl und Seeligkeit liegt; Also schreibet der fromme und nunmehro bey GOtt ruhende Abt zu Huysburg in praefat. in compendium. Veronianum gar recht und in Wahrheit also: Credit & credidit, docet & docuit semper Ecclesia Catholica, neminem sunquam ab origine mundi salvatum esse, aut salvatum iri, quam per unum
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illum mediatorem Dei & hominum, hominem Jesum Christum, nec esse aliud nomen sub coelo datum hominibus, in quo oporteat nos salvari, Act. 4. 2. canitque de eo Ecclesia universa in Nativitate Domini: Testatur hoc praesens dies, currens per anni circulum, quod solus e sinu Patris mundi salus advenerit. Qui solus, inquit concilium Tridentinum sess. 25. de Invocat. Sanctor. noster redemtor & salvator est. vid. Philanton. P. Dionysii Wert. p. 88. & p. 108. Welchem können beygefüget werden, ejusdem P. Dionysii eintziger Mittler zwischen GOtt und den Menschen, item via pacis, und Catholischer Ehren-Retter, wie anch Catechismus Romanus (Editus Parisiis 1568.) p. 18. und Catechismus D. Petri Canisii, der so wohl absonderlich zum öfftern gedruckt worden, als in der Mayntzischen Agenda de Anno 1599. sich befindet, und pro libro quasi symbolico gehalten wird. Wer nun JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit hält, und dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ergreifft, und auf sich appliciret, das ist, nach den Hauptstücken der Christlichen Religion einfältig glaubt, Christlich lebet, andächtig betet, und bußfertig die Absolution und das heilige Abendmahl empfängt, der hat, wie ihr und unser Catechismus lehret, die Mittel der Seeligkeit, und kan also durch GOttes Gnade bey ihnen so wohl als bey uns seelig werden. Und das besagte gründet sich auf diesen Satz oder Thesin, daß der Grund des Glaubens von den Catholischen unverrückt und unzerstört gelassen werde, wie solches der weyland berühmte und von Calovio unter die reinen Lehrer unserer Kirchen gerechnete Theologus zu Altdorff, Professor J. C. Dürrius in seinen Send-Schreiben an den damahligen Pro-Cancellarium Universitatis Altorffinae und vördersten Consulenten der Nürnbergischen Republique, welches in Joh. Fabricii consideratione controversiarum p. 463. am ersten gedruckt worden, gründlich und weitläufftig ausgeführet hat; woraus ich dann diesen Schluß mache, und halte dafür, daß er unwiedersprechlich seyn und bleiben werde: In welcher Kirche man kan seelig werden, dieselbe muß nothwendig den Grund des Glaubens behalten, Ratio: Weil die allergeringste Verletzung des Grundes des Glaubens an der Seeligkeit hindert. Nun aber in der Catholischen Kirchen kan man seelig werden, Praefat. in Formul. Concord. §. Ad condemnationes. J. Saubert. in Epit. Exam. Philippi Melanchth. p. 98. Joach. Hildebrand in Theol. dogmat. 841. Ergo. Auf die andere Frage antworte ich mit Ja, wann die Printzeßin(Auch der andern, jedoch unter) 1) so weit informiret ist, daß die Streitigkeiten, die zwischen uns und
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(fünf Bedingungen.) den Catholischen sind, nicht den Grund des Glaubens und der Seeligkeit, sondern Neben-Dinge betreffen. 2) Sich in solche Streitigkeiten nicht einläst, und die Dissentirende derowegen nicht verdammet, sondern bey der heilsamen Einfalt des kleinen Catechismi bleibet. 3) Bey gemachtem Unterscheid der Christlichen Lehre, die zur Seeligkeit nöthig, und der Streit-Fragen, die zur Seeligkeit nicht nöthig sind, erweget und gedencket, daß sie nicht abfalle von Christo, sondern von einer particulairen Christlichen Kirche zu einer andern particulairen Christlichen Kirche trete, und nicht weniger dorten, als hier, Christo dienen könne, wie dann unsere seelige Vorfahren in der Vorrede über die Augspurgische Confession §. 1. von sich, als den Protestanten, und Catholischen sagen: wir alle sind und streiten unter einem Christo. 4) Nach der Mariage mit dem Catholischen Printzen nicht selbst strebt, sondern dieselbe ihr angetragen wird, und sie also daraus GOttes Providenz und heilige Schickung erkennet, und sich in dessen Willen, als des HErrn Magd, demüthig ergiebt. 5) Insonderheit sich keine Scruples machet, wenn sie etwan nicht gleich im Anfange der Vermählung die Communion unter beyderley Gestalt von dem Römischen Stuhl erhält, sondern gedencket, daß nicht sie daran Schuld habe, und diejenige, welche mit bußfertigen Hertzen im wahren Glauben zum Tisch des HErrn gehen, ob sie schon nur das geseegnete Brodt, gleichwohl das gantze Sacrament, und also Christi Leib und Blut, Krafft der Einsetzung des HErrn, empfangen und geniessen. D. Joachim Hildebrand in Theol. dogmat. p. 839. Confess. Wurtemb. c. de Eucharistia §. quod autem ad Eucharistiae usum attinet. Wiewohl zu hoffen, daß sie die Dispensation der Empfahung unter beyderley Gestalt erlangen könne. Concil. Trid. sess. 21. in Append. can. 4. de Commun. sub utraque specie p. 206. Sarpius in Histor. Concil. Trident. 939. Cotonus in Institut. Catholica 691. Marcellus in sap. pacif. 184. Wallenburchii Tom. II. p. 37. August. Gilbon de Burgo 306. Pencini nel Paragone dogmatico cap. 25. p. 539. Wenn sie die Conditiones erfüllet, welche im Concilio Tridentino verfasset, und hernach absonderlich im Druck gebracht, und beym Chemnitio in Exam. Concilii Trident. P. II. p. 332. und Georg. Calixto in Append. ad Cassandri Dialogum de Commun. sub utraque specie pag. 40. zu lesen sind. Gleicherweise wird ihr auch die Freyheit, die H. Schrifft in ihrer Mutter- oder einer andern Sprache, nach einer in der Römischen Kirchen passirlichen Edition, zu lesen, wenn es nach der
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in dem Concil. Trident. vorgeschriebenen Art gesuchet wird, leichtlich gegegeben werden. Doch was hier gesaget worden in Respect einer Printzeßin, und(Nebst noch einer angehängten Erinnerung.) in Absicht auf die ausgedruckte wichtige Umstände, dasselbe ist keinesweges zu ziehen auf andere, oder gar alle und jede Glieder unserer der Augspurgischen Confession zugethanen Kirche, gleich als wenn einem jeden deswegen solte frey stehen von uns zu den Catholischen zu treten: Denn sind die Personen und die Umstände ungleich, so ist auch ein ander Urtheil darüber zu fassen. Es ist aber zu wünschen, daß (Besage der Worte der Augspurgischen Confession §. 1.) wie wir alle unter einem Christo sind und streiten, also auch alle in einer Gemeinschafft, Kirche und Einigkeit leben mögen. Dis verleyhe GOTT der himmlische Vater, durch JEsum Christum den Friedens-Fürsten, in Krafft des H. Geistes, Amen! §. XIV. Das sechste Responsum war datirt H. d. 17. Sept.(Das sechste Responsum.) 1705. und beantwortete die erste Frage mit Unterscheid, daß zwar ein Lutherischer aber keinesweges ein Catholischer in seiner Religion seelig werden könne; woraus von sich selbst folget, daß nach dieser Beantwortung auch die andre Frage schlechterdings von dem Autore verneinet werden müssen. Beyde Fragen handeln von der ewigen Seeligkeit und ihrer Erlangung.(Gegeneinanderhaltung der zwey Fragen.) Die erste siehet auf die Mittel derselben, die andere auf ein Werck, ob solches die Erlangung hindere? Die erste will wissen, ob es genug sey, an JEsum Christum glauben? Die andere, ob die Verlassung der Evangelischen Lehre und Kirche mit den wahren Glauben an JEsum Christum bestehe, und ohne Verlust der Seeligkeit geschehen könne? Die erste fordert eine gantz genaue Unterscheidung (Distinction) und behutsame Einschränckung, (Limitation) der andern kan man durch eine gerade Antwort ein Genüge thun. Damit auf die erste in unterthänigstem Gehorsam aus GOttes(Acht zu Beantwortung der ersten Frage vorauszusetzende Lehr-Stücke.) Wort nach bestem Wissen und Gewissen von mir geantwortet werde, so setze ich anfänglich etliche Lehr-Stücke, die in der H. Schrifft ausdrücklich stehen, von uns allen angenommen und geglaubet werden. Wenn man solche in der Furcht GOttes nechst andächtigem Gebethe erweget, wird man bald sehen, wie die Antwort beschaffen seyn müsse. 1) GOtt allein ist es, der uns wiedergebähret oder bekehret, gerecht und seelig machet, Jer. 31. v. 18. Rom. 8. v. 33. 2. Tim. 4. v. 8. 2) Die Mittel, durch welche uns GOtt wiedergebähret, oder bekehret, gerecht und seelig ma
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chet, heissen die Mittel der Seeligkeit und rühren allein von GOtt her 1. Cor. 1. v. 21. 3) Diese Mittel der Seeligkeit sind das Göttliche Wort. Jacob. 1. v. 2. die heiligen Gnaden-Siegel (Sacramenta) Marc. 16. v. 16. 1. Joh. 5. v. 6. 8. der Glaube an JEsum Christum den HErrn Joh. 3. v. 16. Rom. 3. v. 28. die Gnade GOttes Eph. 2. v. 8. und das Verdienst JEsu Christi unsers HErrn Act. 4. v. 12. 4) Diese Mittel der Seeligkeit müssen von einem jeden, welcher gerecht und seelig werden will, nach dem Willen GOttes, durch dessen gnädige Würckung angenommen, und gebrauchet werden. 2. Cor. 6. v. 14. 15. Gal. 1. v. 6. 7. c. 3. v. 1. 2. 3. c. 5. v. 7. 8. 9. 10. 2. Tim. 1. v. 13. 14. 5) Diese Mittel der ewigen Seeligkeit sind vollkömmlich zulänglich, und nothwendig zur ewigen Seeligkeit. Joh. 5. v. 24. cap. 12. v. 48. 50. 2. Tim. 3. v. 16. 17. 6) Zu diesen Mitteln der Seeligkeit darf nichts gesetzet, nichts von ihnen weggenommen, nichts an ihnen geändert werden. Gal. 1. v. 8. 9. Matth. 18. v. 8. 9. 7) Diese Mittel der Seeligkeit müssen nicht nur sonderlich, sondern auch öffentlich gebrauchet werden. Joh. 12. v. 42. 43. Act. 13. v. 4. 6. v. 30. 31. 32. 8) Diese Mittel der Seeligkeit sind öffentlich zu bekennen. Rom. 10. v. 4. Matth. 10. v. 32. 33. (Applicitung derselben auf die erste Frage.) Hierauf ist bey der ersten Frage, welche also lautet: Ob nicht ein jeder Mensch, es lebe derselbe in der Lutherischen oder Catholischen Religion, wenn er JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit hält, dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ergreifft, und ihm appliciret, die ewige Seeligkeit erlange? Wohl zu behertzigen, daß zwar JEsus Christus allerdings unser Erlöser und Mittel der Seeligkeit sey, und die, so sein Verdienst und Gerechtigkeit durch den Glauben ergreiffen und ihnen appliciren, die ewige Seeligkeit erlangen; aber dabey wohl zugesehen werden müsse, ob sie, indem sie sich des Glaubens rühmen, und vor gläubig halten, den rechten Glauben haben, JEsum Christum den HErrn nach GOttes Willen und durch rechten Glauben ergreiffen und ihnen appliciren. Denn es meynen ja leyder! viele, sie halten JEsum Christum vor das Mittel der Seeligkeit, sie ergreiffen und appliciren ihnen dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben, und werden also die ewige Seeligkeit erlangen; da sie doch ohne Glauben sind, und nichts weniger thun, als JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit halten, sein Verdienst und Gerechtigkeit ergreiffen, und ihnen appliciren. Dieses ist leicht zu erkennen, wenn man erweget, daß der rechte Glaube nicht nur JEsum Christum ergreiffet, und ihn dem Menschen,
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in welchen er ist, appliciret oder zueignet, sondern auch durch die Liebe so wohl gegen GOtt als gegen den Nechsten nach Vermögen und aufrichtig in allen Dingen den Willen GOttes thut, insonderheit welches zu diesen Würckungen des Glaubens von GOtt in seinem Wort ausdrücklich erfodert wird, die Mittel der Seeligkeit nach GOttes Willen sonderlich und öffentlich gebrauchet, dieselben vor die einigen wahren und göttlichen Mittel der Seeligkeit hält, und die, so dieselben durch Zusatz, Abnahme oder Zerstümmelung und Verdrehung ändern, verwirfft und meidet. Diese Würckungen des Glaubens sind also geartet und vereiniget, daß keine ohne die andere ist. Wo die Ergreiffung und Zueignung JEsu Christi ist, da ist auch die thätige Ubung durch Liebe und andere Tugenden gegen GOtt und den Nechsten, die Bekäntnüß der Mittel der Seeligkeit, der sonderliche und öffentliche Gebrauch derselben, die Verwerffung und Vermeidung derer, die sie durch Zusatz, Abnahme, Verdrehung oder Zerstümmelung verändern. Hinwiederum wo die thätige Ubung des Glaubens durch die Liebe und andere Tugenden gegen GOtt und dem Nechsten, die Bekäntnüß der Mittel der Seeligkeit, der sonderliche und öffentliche Gebrauch derselben, die Verwerffung und Vermeidung derer, die sie durch Zusatz, Abnahme, Verdrehung oder Zerstümmelung verändern, ist und gefunden wird, da ist auch die wahre Ergreiffung und Zueignung JEsu Christi, und also verhält sichs im Gegentheil wo eins nicht ist, da ist das andre nicht. Wenn nun ein Mensch durch den Glauben an JEsum Christum die ewige Seeligkeit erlangen will, so muß er alle diese Würckungen des Glaubens an JEsum Christum haben, das ist, er muß JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit halten, dessen Verdienst und Gehorsam ergreiffen, und ihm zueignen, er muß GOtt und seinen Nechsten lieben, die Mittel der Seeligkeit bekennen, gebrauchen, und die Verkehrer derselben verwerffen, und meiden. Er erlanget zwar allein darum, dieweil er an JEsum Christum glaubet, das ist, dessen Gerechtigkeit und Verdienst ergreiffet, und ihm zueignet, die ewige Seeligkeit, denn Christus allein hat uns erlöset und mit dem Vater versöhnet, jedoch wenn er nicht zugleich die thätige Ubung durch die Liebe und Tugenden hat, und insonderheit die Mittel der Seeligkeit nicht bekennet, nicht nach der Göttlichen Einsetzung gebrauchet, noch sich von den Verkehrern derselben absondert, vielmehr zu ihnen wendet, so hat er, (ob er gleich meynet und saget, er habe den Glauben, er halte Christum vor das Mittel der Seeligkeit, er ergreiffe dessen Verdienst und Gerechtigkeit, und rechne ihm solche zu,) doch weder
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Glauben noch Verdienst und Gerechtigkeit JEsu Christi, sondern es ist Heucheley mit ihm, ja er hindert sich durch seine falsche Einbildung selbst, bringet sich um die ewige Seeligkeit, und fähret, ach GOtt verhüte es! in die ewige Schmertzen. Sintemahl er wider GOtt und dessen heilige Ordnung gesündiget, das Göttliche Wort verachtrt, den falschen Propheten anhänget, ein anders und verkehrtes Evangelium hat, und wider sein Gewissen handelt. Solte ein solcher seelig werden und leben? Nein er wird nicht seelig werden, er wird nicht leben. Wo kein Glaube ist, da ist JEsus nicht, wo JEsus nicht ist, da ist die ewige Seeligkeit nicht. (Und was in Ansehung derselben für ein grosser Unterscheid zwischen denen Lutheranern und Catholischen sey.) In Betrachtung dessen ist zwischen einem Lutheraner und einem Papisten, oder sogenanten Catholischen, ein grosser Unterscheid. Ein Lutheraner, der JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit hält, dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ergreifft, und ihm appliciret, erlanget die ewige Seeligkeit. Denn er hat die andern Würckungen des Glaubens, allermassen er zugleich die einigen, wahren, reinen und Göttlichen Mittel der ewigen Seeligkeit bekennet, dieselben sonderlich und öffentlich nach dem Willen GOttes gebrauchet, diejenigen, die die Mittel der Seeligkeit durch Zusatz, Abnahme, Verdrehung oder Zerstümmelung ändern, verwirfft und vermeidet, und sich also nicht selbst hindert. Er wird zwar alleine durch die gläubige Ergreiffung und Zueignung JEsu Christi gerecht, aber durch die thätige Ubung des Glaubens, durch die Liebe und Tugenden, insonderheit durch die Bekäntnüß der Mittel der Seeligkeit durch den öffentlichen Gebrauch, durch die Verwerffung und Vermeidung derer, die die Mittel der Seeligkeit verkehren, zeiget er, daß er sich nicht an der Seeligkeit hindere, daß er nach Vermögen den Willen GOttes thue, daß er den wahren Glauben an JEsum Christum habe, daß die geschehene Ergreiffung und Zueignung JEsu Christi eine wahre und gläubige Ergreiffung und Zueignung sey, und man von ihr nach und aus GOttes Worte versichert sey, und sagen könne, daß er nach GOttes Willen gläube, lebe und durch den Glauber seelig zu werden, in wahrem Gehorsam suche und sich bemühe. Dieses geschiehet von dem Papisten nicht, denn er hat die Mittel der Seeligkeit nicht reine, sondern die er hat, sind verändert, verfälscht, verdrehet und zerstümmelt. Er gebrauchet sie nicht nach GOttes Willen, sondern nach den Menschen-Satzungen, vor welchen GOtt einen Greuel hat; und kan nicht sagen, daß er den rechten Glauben habe, durch solchen die Gerechtigkeit JEsu ergreiffe, und ihm zueigne, viel weniger kan er sagen, daß er die ewige Seeligkeit erlange. Wo aber
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der rechte Glaube nicht ist, wo die Gerechtigkeit JEsu nicht ergriffen, noch appliciret wird, da wird die Seeligkeit nicht erlanget. Daher ist meine unterthänigste wahrhafftige und in GOttes(Beantwortung der ersten Frage, daß zwar ein Lutheraner, aber keinesweges ein Catholischer seelig werden könne.) Wort gegründete Antwort auf die erste Frage, daß zwar ein in Lutherischer Religion lebender, wenn er JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit hält, dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ergreifft und ihm appliciret, die ewige Seeligkeit erlange, ein anderer in so genannter Catholischer Religion lebender aber, ob er gleich JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit hält, dessen Verdienst und Gerechtigkeit seinen Gedancken nach ergreifft, und ihm appliciret, doch die ewige Seeligkeit nicht erlanget, denn er setzet, wie schon ist gemeldet worden, die guten Wercke zu dem Verdienst JEsu, und will nicht durch JEsum allein, sondern durch seine eigne Wercke und JEsu Verdienst zugleich gerecht und seelig seyn, hat ein zerstümmelt?Abendmahl, und lässet ihm das Blut JEsu zu dessen Verachtung mit seiner Einwilligung entziehen, hält sich an die Menschen-Satzungen, und klaget das Wort GOttes der Unvollkommenheit an, wodurch er zeiget, daß er weder Christum JEsum noch den Glauben an ihm habe. Es gehet ihm wie den Galatern, welche die Wercke des Gesetzes zu dem Verdienst JEsu thaten, und indem sie JEsum für das Mittel der Seeligkeit hielten, dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ihrer Meynung nach ergriffen, ihnen applicirten, gerecht werden wolten, deswegen von Paulo gar harte Worte in 1. Cap. v. 6. 7. 8. c. 3. v. 1. c. 5. v. 4. hören musten. Die andere Frage ist: Ob dann nicht eine Lutherische Printzeßin,(Verneinung der andern Frage, nebst Anführung sieben unterschiedener Ursachen.) wenn derselben eine Heyrath mit einem Catholischen Printzen, unter Condition, daß sie zu dessen Religion trete, angetragen würde, sich ohne Verlust ihrer Seeligkeit dazu resolviren könne, bevorab, wenn aus denen dabey sich ereignenden Umständen die Göttliche Providenz zu spühren? Auf diese gebe ich zur unterthänigsten und in GOttes Wort gegründeten Antwort, daß höchstgedachte Printzeßin darzu, nemlich, daß sie zu des Catholischen Printzen Religion trete, ohne Verlust ihrer Seeligkeit sich nicht resolviren könne. Die Ursachen, die mich zu diesen Schlusse treiben, sind mancherley, a.) Ist die Papistische oder so genannte Catholische Religion in vielen Lehr-Sätzen gerade wider die H. Schrifft, das ist, wider GOtt, und also falsch, wie aus den libris Symbolicis und Corpore Julio doctrinae zu sehen ist. Was allhier etliche einwenden, es komme die Papistische Religion mit der Evangelischen in fundamento fidei überein, und sey daher mit
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der heiligen Schrifft so wohl als die Evangelische einstimmig, solches haben sie noch nicht erwiesen, werden es auch nimmermehr erweisen können. Die Papisten selbst gestehen, daß wir Evangelische nnd sie in fundamento fidei unterschieden, und wieder einander seynd. Wer kan sich aber von der Religion, die auf GOttes Wort gegründet, und die rechte ist, zu der, welche wider GOttes Wort und falsch ist, ohne Verlust seiner Seeligkeit wenden? b.) Ist wohl zu erwegen, daß diese Printzeßin in ihrer Lutherischen Lehre getreulich unterrichtet worden? und dieselbe wohl gefasset, auch in ihren Hertzen überzeuget ist, daß die Papistische Religion in GOttes Wort nicht gegründet, sondern wider dieselbe sey, und der Mensch, so sich zu solcher wendet, sich vom Lichte zur Fürsternüß, von Christo zu Belial, von der Wahrheit zur Falschheit wende. Würde sie sich nun resolviren, zu der Catholischen Religion zu treten, so würde sie wider ihr erleuchtetes und jetzo gutes Gewissen es thun, und ein anders gläuben, GOTT dem HErrn anders dienen, auf eine andere Art, als GOTT geordnet, und ihr Gewissen saget, die ewige Seeligkeit erlangen wollen; welche Sünde je grösser seyn würde, wie mehr ihr wohlgegründetes Gewissen dawider reden und seyn würde. c.) Wird sie sich hierdurch, wenn sie wider ihr Gewissen abtritt, und sündiget, um den wahren Glauben an JEsum Christum und um den Heil. Geist bringen: wo aber der Heil. Geist ausgewichen ist, da schwebet man im Stande des Zorns, und verliehret die ewige Seeligkeit. d.) Will unser Heyland, daß wir das Geistliche und Ewige dem Leiblichen und Zeitlichen vorziehen und bey denselben verbleiben sollen. Es ist zu überlegen, was er beym Matth. 10. v. 33. 37. 38. 39. Luc. 14. v. 26. Joh. 12. v. 25. hievon redet. Solte nun um dieser Vermählung willen diese Evangelische Printzeßin sich zur Catholischen Religion resolviren, so ziehet sie das Zeitliche und Leibliche dem Ewigen und Geistlichen vor, zum wenigsten scheinet es, als thue sie es, und wird daher leiden müssen, daß solches von ihr geredet und geurtheilet werde. e.) Ist bekannt, daß der Widerwärtige, von welchem Paulus an die Thess. 2. Epist. c. 2. v. 3. 4. 5. 6. 7. etc. und das Thier, von welchem Johannes in seiner Offenbahrung handelt, der Pabst sey, wie durch unsere Lehre zur Gnüge bisher erwiesen worden, der Pabst aber ist das Haupt der Papistischen Kirche, und wer in in solcher ist, muß vor ihn, sein Thun und Greuel bethen, ihn, sein Thun und seine Greuel lieben, ihn, sein Thun und seine Greuel ehren. Tritt nun jemand von der Evangelischen Kirchen ab, und begiebet sich zu der Papistischen, so tritt er zu dem, der der wi
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derwärtige GOttes, und das verdammte Thier ist; er betet vor dem, der der Widerwärtige wider GOtt, und das böse Thier ist, und will, daß das sündliche und verhaste Verfahren desselben geseegnet sey, und wohl von statten gehe; er liebet den, der GOtt zuwider ist, und das Thier, und stehet bey ihm wider GOtt, er ehret denselbigen Widerwärtigen und das Thier, ist ihm unterthan und folget ihm, welches GOtt dem HErrn nicht gefallen kan. f.) Hat diese Lutherische Printzessin bißher in der Kirche aus den öffentlichen Gebete nicht allein GOTT dem HErrn mit gedancket, daß er sein heilig Wort und den reinen Gottesdienst erhalten, sondern auch mit gebetet, daß den Rotten und Aergernüssen gewehret, insonderheit, daß er das Durchlauchtige Hauß bey der erkannten und bekannten Wahrheit des H. Evangelii in Gnaden erhalten und beschirmen wolle. Dieses Danck- und Bitt- Gebet ist ihr von Hertzen gangen, tritt sie hingegen ab von der Evangelischen Religion, und wendet sich zu der Catholischen, so widerruffet sie dadurch dasselbe, oder scheinet es zu widerruffen, dieweil sie sich zu einem solchen Hauffen wendet, welcher unsern Gottesdienst verdammet, unser Gebet verlachet, und die Erklährung des Göttlichen Worts vor keine erkannte und bekannte Wahrheit des H. Evangelii, sondern vor Irrthum und Menschen-Gedancken hält. g.) Endlich wird in der Frage der Göttlichen Providenz gedacht, daß es schiene, wenn man die sich hervorthuende Umstände erweget, es sey dem allmächtigen GOtt solche Heyrath und der daher rührende Abtritt von der Lutherischen Religion zur Papistischen nicht zuwider. Wobey erinnert wird, daß diese Umstände den Schluß nicht deutlich zu erkennen geben. Sie kommen entweder mit GOttes Wort überein, oder kommen nicht damit überein. Kommen sie damit überein, so werden sie deutlich an die Hand geben, daß diese Vermählung der Printzeßin an ihrer Seele werde schädlich seyn. Denn die Providenz GOttes ist nicht wider sein Wort. Kommen sie nicht überein, so sind sie vor eine Verführung zu halten, dadurch GOtt zulässet, daß der Glaube geprüffet werde, und man sich selbst erkennen solle, daß dadurch das Hertz auf den geistlichen Kampf-Platz geführet und zu erkennen gegeben wird, wie sichs im Kampffe werde halten? Ob es bey dem Tauff-Bunde werde bleiben und JEsu zu Ehren das Geistliche und Ewige, dem Zeitlichen und Leiblichen vorziehen wolle. Wohl dem, der hier aushält! wohl dem, der hier bestehet! dieser kan mit Paulo sagen: Ich habe einen guten Kampff gekämpffet, ich habe Glauben gehalten, ich habe den Lauff vollendet, hinfort ist mir beygeleget die Crone der
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Gerechtigkeit, welche mir der HErr an jenem Tag, der gerechte Richter, geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. 2. Tim. 4. v. 7. 8. (Beschluß dieses Responsi durch ein Gebet.) O gnädiger GOtt, der du uns durch Christum, deinen lieben Sohn erlöset, und durch den Heiligen Geist zu deinen Erben in Himmel beruffen, und wiedergebohren hast, erfülle die Hertzen, welche dieses wichtige Werck angehet, und die es unter Händen haben, mit Weisheit, Liebe und kindlicher Furcht gegen dich, daß sie nach deinen heiligen Willen schliessen und wählen, und niemand sich dabey versündige, sondern deine Ehre gesuchet werde, und die Durchlauchtigste Printzeßin samt den gantzen Hochfürstlichen Hause jedes zu deiner und seiner Zeit, wenn sie alt und Lebens satt sind, nach vielen Jahren, wie sie jetzo in der Einigkeit des Glaubens beysammen sind, wiederum zusammen kommen, und die ewige Seeligkeit erlangen mögen! Amen. Dieses was hieher und aufgesetzet, und auf die vorhergegangene Fragen in unterthänigsten Gehorsam geantwortet worden ist, kommet mit dem wahren und reinen Worte GOttes überein. (Das siebende Responsum.) §. XV. Das siebende Responsum war datirt H. den 20. Septembr 1705. und beantwortete die erste Frage mit Unterscheid, daß zwar ein in der Catholischen Religion lebender seelig werden könne, wenn er denen Catholischen Irrthümern ex ignorantia invincibili anhange, nicht aber wenn seine ignorantia vincibilis sey. Die andre Frage verneinte es schlechterdings. (Bey der ersten Frage wird ein Unterscheid gemacht unter denen, die de nen Catholischen Irrthümern ex ignorantia in vincibili & vincibili anhangen.) Es haben Eure Hochfürstliche Durchlauchtigkeit unserer Theologischen Facultät zwey Fragen gnädigst vorgetragen, mit dem gnädigsten Befehl, daß ein jeder unter uns seine gegründete Meynung absonders abfassen, und dem Decano verschlossen zustellen solle. Welchem gnädigsten Befehl zu unterthänigster Folge habe auch ich solche Fragen in der Furcht des HErrn und nach der von GOtt mir dargereichten Gnade erwogen. Was nun die erste Frage: Ob nicht ein jeder Mensch, es lebe derselbe in der Lutherischen oder Catholischen Religion, wenn er JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit hält, dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ergreiffet, und ihm appliciret, die ewige Seeligkeit erlange? Betrifft, so ist freylich ein wahrer Glaube, der das Verdienst und Gerechtigkeit JEsu Christi ergreiffet und ihm dergestalt zueignet, daß ein Mensch mit dem Apostel aus glaubiger Zuversicht sagen könne: Der Sohn GOttes hat mich geliebet, und sich selbst für mich
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(in den Todt) dargegeben, Gal. 2, 20. (Und: Christus ist kommen in die Welt, die Sünder, unter welchen ich der fürnehmste bin, seelig zu machen: mir ist Barmhertzigkeit wiederfahren, und: Christus JEsus hat an mir erzeiget alle Gedult zum Exempel denen, die an ihn gläuben zum ewigen Leben, 1. Tim. 1, 15. 16.) an Seiten des Menschen das einige Mittel zur Seeligkeit: Denn es ist kein anderer Nahme denen Menschen gegeben, darinn sie sollen seelig werden, als in dem Nahmen JEsu, Actor. 4, 12. durch einen solchen Glauben wird der Mensch für GOTT gerecht, Actor. 13. v. 39. Rom. 3. v. 26. 28. c. 4. v. 5. 17. 24. 25. c. 5. v. 1. c. 10. v. 4. 6. 10. Gal. 2. v. 16. cap. 2. v. 6. ja ein Kind GOttes, Gal. 2. v. 26. und also ein Erbe der Seeligkeit, Joh. 3. v. 16. 17. Actor. 10. v. 43 c. 15. v. 11. Rom. 8. v. 17. Ephes. 2. v. 8. 1. Petr. 1. v. 9. Conf. Luc. 8. v. 12. Es begreifft aber der Glaube an Christum alle dasjenige in sich, was in dem Symbolo Apostolico, wie solches von der Christlichen Kirche in ihren Confessionibus verstanden worden, enthalten ist. Weil nun kein Zweiffel ist, es werden einige in der Römischen Kirche seyn, die einen solchen Glauben, wie er in dem Apostolischen Glaubens-Bekäntnüß verfasset ist, an Christum den eingebohrnen Sohn vom Vater in ihren Hertzen behalten, an den Grund des Glaubens hangen, sich auch derer Irrthümer, die in der Römisch-Catholischen Kirche im Schwange gehen, und welche in derselben dem Grunde des Glaubens beygefüget werden, entweder wider ihr besser Wissen und Gewissen, nicht theilhafftig machen, oder da sie darein verfallen wären, solches ex insuperabili & invincibili ignorantia, quae saltem ex parte talis sit, geschehen wäre, hätte man die gute Hoffnung, der HErr werde ihnen Barmhertzigkeit wiederfahren lassen, weil sie es unwissend thun, und dahero seine Gnade an ihnen desto reicher seyn lassen. 1. Tim. 1. v. 13. 14. Gestalt denn auch der HErr JEsus seinen himmlischen Vater für seine Feinde gebeten, daß er ihnen ihre Sünde vergeben möchte, weil sie nicht wüsten, was sie thäten, Luc. 23. v. 34. Actor. 3. v. 17. hingegen hat derjenige, qui in Ecclesia Pontificia non ex ignorantia invincibili einen errorem heget, sondern dessen error & ignorantia etiam in hoc subjecto vincibilis ist, einer solchen Gelindigkeit und AEquität bey GOTT sich nicht zu getrösten, ignorantia enim vincibilis, praesertim si sit juris, non excusat, sed facit, ut hujusmodi error & factum ad spontaneum magis accedat. Da es denn heisset, der Knecht, der seines Herrn Willen weiß, und thut nicht nach seinen Willen, wird viel Streiche leiden müssen, Luc. 12. v. 47. und wem
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viel gegeben ist, bey dem wird man viel suchen, und wem viel befohlen ist, von dem wird man viel fodern, ibid. v. 48. (Und die andre Frage schlechterdings mit Nein beantwortet.) Bey der andern Frage: Ob denn nicht eine Lutherische Printzeßin, wenn derselben eine Heyrath mit einem Catholischen Printzen, unter der Condition, daß sie zu dessen Religion trete, angetragen würde, sich ohne Verlust ihrer Seeligkeit dazu resolviren könne, bevorab, wenn aus denen dabey sich ereignenden Umständen die Göttliche Providenz zu sehen? Ist wohl zu distinguiren, inter Ecclesiam essentialiter & accidentaliter veram & puram. Ecclesia vera ex verae Ecclesiae notis agnoscitur. Ecclesia pura est, quae nullum errorem, ne non fundamentalem quidem, fidei fundamento addit. Quae vero Ecclesia sive unum sive plures errores fidei fundamento superaddit, est impura. Et hujus impuritatis dantur gradus, pro multitudine eorum, quae fidei fundamento per modum stipularum 1. Corinth. III. 12. superadduntur. Atque sic Ecclesia impura nunc magis impura est, nunc minus. Wenn man nun die sogenannte Evangelische Kirche und deren Religion gegen die Römisch-Catholische Kirche und deren Religion hält, so findet sich, daß Religio Lutherana, si non per omnia pura, jedennoch multo purior sey, als die Römisch-Catholische, allermassen unter denen Christlichen Religionen keine mehr irriges dem fundamento fidei hinzusetzet, als eben diese. Wenn nun gefraget wird: 1) Ob eine Lutherische Printzeßin mit reinen und guten Gewissen zu der Römisch-Catholischen Religion treten könne? 2) Ob dieselbe sothane Printzeßin in Absicht einer mit einem Catholischen Printzen zu treffenden Heyrath solch Changement ihrer Religion mit reinem und gutem Gewissen unternehmen könne? So wird nothwendig dahin müssen geschlossen werden, daß man mit reinem und gutem Gewissen von der sogenannten Lutherischen oder Evangelischen Religion tanquam a puriori zu der Päbstischen Rel igion nicht treten könne, nicht als wenn in der Päbstischen Religion der Grund des Glaubens nicht mehr zu finden, und also gantz aufgehoben wäre, einfolglich in derselben kein Mensch seelig werde, sondern weil die Päbstische Religion dem Grunde des Glaubens viel Menschen-Satzungen und irrige Lehren beygefüget, als da ist e. g. invocatio sanctorum, welche sie zwar nur compellationem nennen, in ihren Büchern aber dergestalt beschreiben, daß sie einer GOTT allein zukommenden Anruffung nicht ungleich ist: adoratio hostiae consecratae tam in missa, quam extra eandem; meritum bonorum operum de condigno,
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communio sub una, welche die Pontificii rigide exigiren, oder da sie jemanden die communionem sub utraque verstatten solten, solches nichts anderst, als sub durissimis conditionibus zulassen, und dergleichen mehr, welche irrige Dinge derjenige, der zum Pabstthum tritt, wider sein besser Wissen und Gewissen annehmen, denenselben beypflichten, auch sothane Dinge wider sein Gewissen in praxi exerciren muß. Nun muß ja ein rechtschaffener Christe sich üben, nicht nur den wahren Glauben, sondern auch nebst dem Glauben ein reines und gutes Gewissen zu behalten, daß er keine Wunde in dasselbe schlage, noch ein Brandmahl darein bekomme. 1. Tim. 1. v. 2. Allermassen diejenigen, welche sothanes gute Gewissen hintansetzen, auch am Glauben Schiffbruch leiden, 1. Tim. 1. v. 19. Ja es hat ein Christe sich zu üben, daß er habe ein unverletztes Gewissen allenthalben beyde gegen GOtt und den Menschen. Actor. 24. v. 16. und ihn also sein eigen Hertz nicht verdamme, 1. Joh. 3. v. 21. sondern vielmehr sein Ruhm sey, das Zeugnüß seines guten Gewissens. 2. Cor. 1. v. 13. Wer nun von der Lutherischen Religion zu der Päbstlichen übertritt, und die Errores annimmt, auch nach denselben einher gehet, handelt wider sein besser Wissen und Gewissen, und begehet also eine Todt-Sünde; allermassen quicquid conscientia, praesertim recta, jubet vel prohibet, id sub ratione legis divinae jubet, vel prohibet. Qui igitur contra conscientiam agit, ille hoc agit, ut Deum offendat, atque ita non potest non gratia divina excidere. Hujusmodi igitur hominem propriae cogitationes (propria conscientia) accusant atque damnant. Rom. 2. v. 15. Und ob man gleich sich nur eusserlich anstellen wolte, als wenn man dergleichen Irrthümer annehme, da man doch dieselbe im Hertzen improbiret, so würde nichts destoweniger solche Simulatio zu einem Aergernüß gedeyhen; Dannhauer ad Decal. pag. 397. wofür demnach ein Christe sich wohl fürzusehen hat. Ob nun gleich zu solchem Changement der Religion eine ansehnliche Heyrath, und durch dieselbe so wohl für diese hohe Printzeßin, als dero gantzes hohe Hauß eine sonderbahre hoffende Fortun Anlaß geben möchte, bevor ab da auch sothaner Heyrath aus denen dabey sich ereignenden Umständen die Göttliche Providenz sich möchte blicken lassen. So ist doch ein gutes und freudiges Gewissen und die Gnade bey GOtt allen Zeitlichen und Irrdischen vorzuziehen; allermassen auch der Apostel alle das Zeitliche für gering ja für nichts achtet, nur daß er Christum gewinne und Theil an demselben habe auch behalte. Phil. 3. v. 8. Und da die übrigen Apostel zu Christo sprachen: Siehe wir haben alles verlassen, und sind dir nachgefolget, was
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wird nns dafür? Bekamen sie zur Antwort: Wer verlässet Häuser oder Bruder, oder Schwester, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kind, oder Aecker um meines Nahmens willen, der wird es hundertfältig nehmen, und das ewige Leben ererben. Matth. 19. v. 27. 28. 29. Und der HERR spricht: Wer Vater und Mutter mehr liebet, denn mich, der ist mein nicht werth, kan auch mein Jünger nicht seyn. Matth. 10. v. 37. Luc. 14. v. 26. Es seyn auch offtmahlen diejenigen Dinge, welche sonst der Göttlichen Providenz Anzeigungen zu seyn pflegen, als eine Prüf- und Bewährung anzusehen, ob auch das Hertz das Zeitliche dem Ewigen wolle vorziehen. Denn der HErr prüffet die Gerechten, Psalm. 10, 6. und ihr Hertz, Psalm. 17. 3. Prov. 17, 3. 1. Thess. 2, 4. er prüffet und versuchet sie, Psalm. 26, 2. daß er ihr Hertz, und wie sie es meynen, erfahre, Psalm. 139, 23. bey welchem Zustande GOtt inständig anzuruffen, daß er uns durch seinen H. Geist in alle Wahrheit leiten, Joh. 17, 3. und darinnen heiligen, Joh. 17, 17. dabey beständig erhalten, auch die da stehen, nicht fallen lassen wolle. (Beschluß und angehengter Wunsch.) Der Höchste lasse alle in diesem Casu vorfallende Deliberationes zu seines Göttlichen Nahmens Ehre, und zu derer Interessenten Gloire, zeitlicher und ewiger Wohlfarth ausschlagen und gedeyhen, um des Verdienstes Christi willen. Gleichwie ich nun meine Meynung wegen derer gnädigst vorgelegten zweyen Fragen nach meinen Pflichten und Christlichen Gewissen, unterthänigst geöffnet habe, also zweifle ich nicht, es werde dieselbe von Ew. Hochfürstlich Durchlauchtigkeit gnädigst aufgenommen werden. Dieselbe Göttlicher Obhut zu allem Hochfürstlichen Wohlergehen, langen Leben, und fernerer glücklicher Regierung unterthänigst empfehlende verharre Zeit Lebens etc. (Unvorgreifliches Gutachten.) §. XVI. Vorstehende beyde Responsa, nemlich das sechste und siebende waren dem Herrn Autori des fünfften Responsi gegeben worden, sein Gutachten darüber zu eröffnen, der dann auch solches folgender massen gethan hatte, daß er bey einen jeden, so wohl bey der ersten als andern Frage kürtzlich vorstellete, was nach seiner Meynung von denen Herren Autoribus entweder unbewiesen als wahrhafftig wäre bejahet und also damit eine petitio principii begangen worden, oder was denen Catholischen von ihnen ohne Grund, und fälschlich imputiret würde. (Uber das sechste Responsum) Unvorgreifliches Gutachten auf D. W. Rationes bey der ersten Frage: Daß die Catholische Religion keinen rechten Glauben habe, und die Mittel der Seeligkeit nicht rein habe, son
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dern dieselbe verändere, verfälsche, verdrehe und verstümmelt,(bey der ersten Frage.) ist zu probiren, und also eine petitio principii. Denn wenn sie den kleinen Catechismum mit uns gemein haben, und die Mittel der Seeligkeit darinnen begriffen sind, wie nicht zu läugnen, so erhellet daraus das Widerspiel, so viel das Fundament des Glaubens betrifft. In specie aber, setzen sie die guten Wercke nicht zu den Verdienst Christi, als wenn sie demselben gleichgültig wären. Denn das Concil. Trident. sagt ausdrücklich, daß die guten Wercke, so aus den Glauben fliessen, sich in den unendlichen Verdienst Christi gründen, dergestalt, daß wenn Christi Verdienst nicht wäre, die guten Wercke kein Verdienst haben könnten. Es ist auch nicht so, daß sie nicht durch JEsum allein, sondern durch ihre eigene Wercke und das Verdienst Christi zugleich gerecht und seelig werden wollen. Denn was die Rechtfertigung anlanget ist zu distinguiren inter justificationem primam & secundam: Zu jener erfordern sie keine gute Wercke, sondern glauben, daß sie geschehe durch die mit dem Glauben ergriffene Zureichung des Verdienstes Christi, zu dieser aber erfordern sie die guten Wercke, weil sie dafür halten, der Mensch, der da wolle gerechtfertiget werden von seinen Sünden, müsse nicht allein den Glauben, sondern auch einen würcklich thätigen Glauben haben. Und wir bekennen auch, daß der Glaube, in dessen Ansehung der Mensch gerechtfertiget wird, nicht ein todter, sondern ein lebendiger Glaube seyn müsse; Es laufft aber endlich auf eine Subtilität hinaus, darüber sich die Gelehrten in den Schulen zancken mögen, zur Seeligkeit hilfft dieser Streit nicht, und kommen die Catholicken in der Haupt-Lehre der Rechtfertigung mit uns überein, wie Calixtus und andere gar wohl angemercket haben. Was aber die Seeligkeit betrifft, so wollen sie nicht durch eigene Wercke und das Verdienst Christi zugleich, dieselbe erlangen, sondern allein durch das Verdienst Christi, wie dann die Sterbende auf dasselbe gewiesen werden, und jederzeit gewiesen worden sind. Sie reden auch nicht von ihren eigenen Wercken, wenn sie den Wercken ein Verdienst Christi zuschreiben, gleich als wann dieselbe durch natürliche Kräffte und ohne Gnade GOttes und dem Heiligen Geist geschehen könnten, sondern sie reden von solchen Wercken, die durch GOttes Gnade und Krafft des Heil. Geistes geschehen, und Früchte des Glaubens sind, und was sie ihnen vom Verdienst zulegen, dadurch wollen sie die Gnade GOttes und Christi Verdienst nicht verringern, sondern vielmehr erhöhen, preisen und verherrlichen, weil das Verdienst der Wercke aus sol
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cher Quelle hervorquillet. Wir werffen ihnen zwar vor, daß sie ein zerstümmelt Abendmahl hätten, sie aber können dis nicht begreiffen, und gleichwie sie erkennen, daß Christus das Abendmahl unter beyderley Gestalt eingesetzet, also meynen sie, daß sie gleichwohl mit dem geseegneten Brodt, Christi Leib und Blut, weil Christi Leib nicht ein todter Leib, sondern ein beseelter Leib ist, empfahen und solches bekennen auch einige der unserigen, und insonderheit die Würtembergische Bekäntnüß, und bleibet der Endzweck des heiligen Abendmahls bey ihnen sowohl, als bey uns unverruckt, daß sie nemlich das heilige Abendmahl zum Gedächtnüß des bittern Leidens und Sterbens JEsu Christi empfahen. Sie halten sich nicht an Menschen-Satzungen, sondern an Göttliche und Apostolische Satzungen, wenn sie lehren, daß die Traditiones der Heil. Schrifft müssen gleich gehalten werden: denn sie verstehen solches von Christi und der Apostel-Lehren, die nicht beschrieben sind. Und daß dieses nicht unrecht seye, müssen die Unsrige bekennen mit Mart. Chemnitio, und fragt sichs hernach, ob dis oder jenes eine divina oder apostolica sey? Es klaget auch die Römische Kirche das Wort GOttes keiner Unvollkommenheit an, sondern bekennet mit uns, daß es vollkommen sey zum Glauben und Christlichen Wandel, wie bey denen Herren Walenburgiis zu sehen. (Und bey der andern Frage.) Bey der andern Frage 1.) ist noch in quaestione, ob die Catholischen mit den Evangelischen im Grunde des Glaubens nicht übereinkommen. Sie haben ja mit uns einerley Catechismum, wenn wir vom kleinen Catechismo reden. 2.) Nachdem der Unterrichter ist, nachdem ist auch der Unterricht; wenn andrer Leute Meynung ungleich vorgetragen wird, so kan es gar leichtlich das Ansehen haben, als streite es wider das Wort GOttes, zum Exempel dessen kan man nehmen die Lehre vom Verdienst der Wercke, wovon oben geredet worden. Denn wie die Unverständige dieselbe vortragen, streitet sie in alle Wege wider GOttes Wort, aber nicht, wenn sie nach der Wahrheit proponiret wird, denn sonst würde die Apologia der Augspurgischen Confession, die auch vom Verdienst der Wercke redet, und dasselbe bejahet, gleichfalls wider GOttes Wort streiten. 3.) Es isi sehr hart geredet, von Christo zu Belial treten, wenn eine hohe Person aus sonderbahren wichtigen Ursachen von einer particulairen Christlichen Kirche zur andern schreitet, weil ja in der Römischen Kirche Christus nicht verjaget, oder verläugnet, sondern als der einige Heyland den Leuten vorgestellet und recommendiret wird. 4.) Wird zugegeben, wenn
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sie wider ihr Gewissen hinüber gienge. Bey den Geistlichen und Ewigen kan auch wohl ein Respect auf das Zeitliche, so fern GOttes Ehre und des Nechsten Wohlfarth dadurch nicht beleidiget wird, gesetzet werden. 5.) Daß der Pabst der Anti-Christ, und das Thier in der Offenbahrung seye, darzu gehöret ein grosser Beweiß. Es sind dis noch verborgene Sachen. Unterdessen ists am besten, daß ein jeder durch wahren Christlichen Wandel sich selbst vor dem Anti-Christ bewahre. 6.) Die Aergernüß sind gegebene oder genommene, kluge und gottesfürchtige ärgern sich nicht leichtlich, sondern wissen alles zum besten zu kehren. Und das Durchlauchtige Haus wird doch bey der erkannten und bekannten Wahrheit des Evangelii bleiben. GOtt sey gedanckt, daß wir das Evangelium von der Gnadenreichen Vergebung der Sünden, so den Bußfertigen und Gläubigen wiederfähret, mit den andern 2. Christlichen Religionen gemein haben. Auf D. N. Rationes bey der ersten Frage. Es fraget sich ob dasjenige,(Uber das siebende Responsum bey der ersten Frage.) was sie besser wissen können, und sollen, den Grund des Glaubens betreffe, oder nicht. Betrifft es nicht den Grund des Glaubens, wie der Autor selbst gestehet, so kan es ja nicht hindern, daß man nicht vermittelst der Haupt-Stücke des Glaubens, durch GOttes Gnade dort, wie hier, seelig werde. Auf die andere Frage. Von den irrigen Lehren, um solche(Bey der andern Frage.) recht zu erkennen, ob sie also beschaffen seyen, wie man sie insgemein unter uns vorgiebt, muß man lesen den Catechismum Romanum, des Bischoffs de Meaux l’ Exposition de la Doctrine de l’ Eglise Catholique, und andere, insonderheit auch das Concilium Tridentinum selbst. Da wird sichs finden, daß invocatio sanctorum nicht anders sey, als nuda compellatio oder petitio intercessionis, auch nicht einmahl gebothen seye: daß nicht hostia oder species panis, sondern Christus von ihnen adoriret werde. Daß das Concilium Tridentinum gar nicht rede de merito bonorum operum de condigno, sondern bloß de merito operum verè tali. Ein anders aber ist verum, ein anders condignum. Dieses läugnen die Scotisten, deren viel 1000. sind in der Römischen Kirchen, und also können wirs mit ihnen auch läugnen. Communio sub una ist etwas: aber kan ein Mensch seelig werden, der gar nicht das Abendmahl gebrauchet, im übrigen aber recht glaubet und Christlich lebet, so kan auch derjenige seelig werden, der die communionem sub una empfängt, und es nicht ändern kan. Und daß sie wider ihr besser Wissen und Gewissen handeln würde, ist auch in quae
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stione, und muß probiret werden, wird aber nicht probiret werden können. (Das achte Theologische Responsum.) §. XVIII. Das achte Responsum war datirt H. d. 21. Septembr. 1705. in welchen der sonst berühmte und gelehrte Herr Autor ohne Einmischung einiger Scholastischen und Methaphysischen Terminorum seine Meynung über die vorgelegten zwey Fragen, auch ohne andern Aufhebens, kurtz und deutlich eröfnet, und die erste Frage ohne Bedingung bejahet, bey Bejahung der andern aber vier Bedingungen voraus gesetzt, und nachhero diese Bejahung durch fünf gleichfalls kurtze und deutliche Rationes decidendi oder Argumenta beweisen wollen; auch zu Ende noch einige kurtze Ampliationes hinzugesetzt. (Bejahung der ersten Frage ohne Bedingung.) Auf die beyden gnädigst vorgelegte Fragen sind meine unterthänigste Antworten ohne weitläufftiges pro und contra disputiren, wie folget: 1) Ob nicht ein jeder Mensch, es lebe derselbe in der Lutherischen oder Catholischen Religion, wenn er JEsum Christum für das Mittel der Seeligkeit hält, dessen Verdienst und Gerechtigkeit durch den rechten Glauben ergreiffet und ihme appliciret, die ewige Seeligkeit erlange: Diese Frage kan nicht anderst, als mit Ja beantwortet werden, weil GOtt seinen Sohn JEsum Christum als das eintzige Mittel denen Menschen zur Seeligkeit gegeben und gesetzet, auch auf Seiten der Menschen nichts anders verlanget, als den rechten Glauben, dessen Vollkommenheit darinnen bestehet, daß Christi Verdienst und Gerechtigkeit ergriffen, und den Menschen appliciret werde. Wer nun das von GOtt gesetzte Mittel in seinem Hertzen dafür hält, demselben nichts entgegen, oder an die Seite setzet, sondern dieses allein mit rechten Glauben ergreiffet und sich appliciret, auch biß an sein Ende auf solche Weise, nebenst einen Christlichen Wandel, behält, dem kan die ewige Seeligkeit nicht abgesprochen werden, er lebe gleich in der Lutherischen oder Catholischen Religion. Denn beyde Kirchen (ob sie gleich in schismate stehen,) sind Glieder der allgemeinen Kirche, ausser welcher kein Heyl noch Seeligkeit ordentlich zu gewarten, haben kein ander von GOtt gesetztes Mittel zur Seeligkeit, als Christum, und setzen auch ob Seiten der Menschen nichts anders, als die mit wahren Glauben geschehene Ergreiffung und Applicirung des Verdienstes und Gerechtigkeit JEsu Christi. Wo nun gleiche Mittel zur Seeligkeit, und gleiche Anwendung derselben, da ist auch gleiche Seeligkeit zu erlangen.
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2) Ob dann nicht eine Lutherische Printzeßin, wenn(Wie auch der andern, aber unter vier Bedingungen.) deroselben eine Heyrath mit einem Catholischen Printzen, unter der Condition, daß sie zu dessen Religion trete, angetragen würde, sich ohne Verlust ihrer Seeligkeit dazu resolviren könne, bevorab, wenn aus denen dabey sich ereignenden Umständen die Göttliche Providenz zu spühren: Auf diese Frage ist zu antworten, daß wenn eine Lutherische Printzeßin 1) die heilsame Erkänntnüß hat von denen nothwendigen Stücken des Christenthums; 2) sich völlig unterrichten lässet, daß in beyden Religionen diese nothwendige Stücke einerley seyn, die andern Lehren aber, so in der Catholischen Religion sich finden möchten, gar nicht zu denen nothwendigen Stücken des Christenthums gehören, und über das eine moderate und vernünfftige Erklärung admittiren; 3) niemahlen nichts wissentlich anzunehmen gedencket, so denen nothwendigen Stücken des Christenthums zuwider ist, und 4) dabey durch GOttes Beystand biß an ihr Ende zu bleiben sich entschliesset: So kan sie sich ohne Verlust ihrer Seeligkeit zu einer Heyrath unter obiger Condition resolviren. Denn sie gehet 1) von einer Particulair-Kirchen zu der andern, welche die nothwendige Stücke des Christenthums mit der andern gemein hat, wie solches von vielen allbereits zur Gnüge ausgeführet. 2) Hält sie JEsum Christum auch in selbiger Kirchen vor das eintzige Mittel der Seeligkeit. 3) Kan und muß sie auch, nach dieser Kirchen Vorschrifft, Christi Verdienst und Gerechtigkeit mit wahrem Glauben ergreiffen und sich appliciren. 4) Darf sie andere Lehren derselbigen Kirchen nicht glauben, als ob sie zur Seeligkeit nothwendig wären. 5) Kommt noch darzu, daß sonderliche Umstände sich ereignen, daraus die Göttliche Providenz sowohl de praesenti als auch de futuro zu spühren, allermassen dadurch der Kirchen und dem Vaterlande viel Gutes zu hoffen stünde. Weil nun bey diesen allen sich nichts findet, daß den Verlust der Seeligkeit könnte zu wegen bringen, sondern vielmehr alle Mittel zur Seeligkeit zu gelangen beybehalten werden, so bleibt es dabey, daß eine Evangelische Printzeßin zu einer solchen Heyrath sich wohl resolviren könne. Solte endlich neben der Verschonung einer öffentlichen und solennen Abschwerung, die Communion sub utraque vor eine solche Printzeßin, wie sie andern allbereit gegönnet, zu erhalten seyn, so würde dero Gemüth noch weniger auch in das künfftige anstößig und zweiffelhafftig können gemachet werden, zugeschweigen daß unsere Kirche solche Concession als etwas grosses ansehen könnte.
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(Das neunte Responsum, nebst etlichen nöthigen Anmerckungen von selbigen,) §. XIIX. So kurtz nun das achte Responfum ist, desto länger ist nunmehro das neunte, welches mir erst nach Erhaltung der vorstehenden Responsorum communiciret wurde, als wenn es erst nach diesen eingelauffen wäre. Wenn ich aber meine Gedancken drüber sagen soll, so wolte ich vielmehr dafür halten, daß es wo nicht das erste, doch eines mit von denen ersten gewesen sey, und daß eben deswegen der Herr Autor bey Ausstellung desselbigen sich so grosser Weitläufftigkeit als einer nöthigen Behutsamkeit bedienet. So bestärcket mich auch dieser Umstand in dieser meiner Vermuthung, weil dem Herrn Autori nur eine Frage vorgeleget worden, da doch bey allen denen andern Responsis zwey Fragen zu befinden waren, unter welchen die in dem gegenwärtigen Responso beantwortete Frage die andre war; es ist auch der bey denen andern Responsis befindliche Umstand von der sonderbahren Göttlichen Providenz bey der andern Frage, in der dem gegenwärtigen Responso vorgesetzten Frage nicht zu befinden, und demnach nicht unwahrscheinlich, daß eben von diesen Responso hernach Gelegenheit genommen worden aus einer Frage zwey zu machen, und dieselben etwas umständlicher zu formiren. (Jedoch wird diese Vermuthung wieder etwas zweiffelhafft durch dasjenige was der Autor beym Anfang der Beantwortung der dritten Special-Frage erinnert.) Was das Responsum selbst betrifft, so hat der Herr Autor dabey folgende Behutsamkeit gebraucht. Zuförderst erinnert er zum Voraus, daß man bey Beantwortung der Frage sich für zweyerley Extremis hüten müsse, nemlich daß man eines Theils in Theologischen Streitigkeiten sich nicht zu hefftig und zu hitzig, andern Theils aber auch nicht gar zu laulich und zu gelinde aufführen müsse; hernach setzte er gleichfalls noch 18. Theses zum Voraus, als gewisse Grundsätze, vermittelst welcher man die zweyerley unterschiedene Bedeutungen der Kirche, nicht weniger die Eintheilungen der Kirche in eine sichtbare und unsichtbahre, wahre und falsche, reine und unreine, allgemeine und absonderliche Kirche wohl verstehen und begreiffen, und sich disfalls für aller Confusion hüten müsse. Nachhero resolvirt er die ihm vorgelegte eine in fünff unterschiedene Fragen und beantwortet dieselben auch unterschiedlich. Bey der 1. will er behaupten daß die ietzige Römische Kirche nicht mehr das Apocalyptische Babel und ein Reich des Anti-Christs sey, weil nemlich nach der Weissagung in der Offenbahrung Johannis c. 16. vers. 19. durch den Westphälischen Friede aus der grossen Stadt Babel drey Theile (nemlich die Catholische, Lutherische und Reformirte Religion) worden, und also Babel gefallen, auch nach dem 18. Capitel das
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gantze Babel als ein Felsen ins Meer gestürtzt und unsichtbar gemacht worden. Bey der 2. Frage will er behaupten daß die heutige Römische Kirche den Glaubens-Grund gantz behalte. Die 3. Frage von der Seeligkeit derjenigen, die in einer falschen Kirche sterben, setzt er etliche Distinctionen zum Voraus, nach welchen er die Frage theils bejahet, theils verneinet. Die 4. Frage von den Ubertritt einer Protestirenden Printzeßin bejahet er unter gewissen Bedingungen und antwortet zugleich auf die Einwürffe, wie er dann auch bey der 5. Frage acht neue Bedingungen vorträgt, unter welchen dieser Ubertritt geschehen könne, auch denenselben zum Beschluß noch etliche Erinnerungen anhänget. Gleichwie ich nun von diesen allen das Untheil dem unpartheyischen Leser überlasse; also habe ich meines wenigen Orts dabey nur noch dieses wenige melden wollen, daß ich gerne gestehe, daß des Herrn Autoris Beantwortung der ersten Frage den Horizont meines Verstandes gar sehr übersteige, und ich diese sonderbahre und unvermuthete Auslegung der Offenbahrung Johannis gantz nicht begreiffe. Und obschon der Herr Autor zu Behauptung dieses seines Satzes einen förmlichen Syllogismum vorgebracht; so kan ich doch nicht läugnen, daß ich bey demselben so wohl was propositionem majorem und minorem, als auch was die conclusion selbst betrifft, und daß bey selbiger der status controversiae mercklich mutiret worden, gar vieles zu erinnern hätte, wenn mein gegenwärtiges Vorhaben zuliesse selbiges hier weiter auszuführen. Zugeschweigen, daß ich mich nicht unbillig befahre, daß der Herr Autor durch die Beantwortung dieser ersten Frage so wohl bey denen Protestirenden als bey denen Catholischen (aus vielen Ursachen die ich dem Nachdencken des Lesers überlasse) wenig Danck verdienen dörffte. Dem sey aber nun wie ihm wolle, so will ich die vermuthlich erweckte Begierde des Lesers das Responsum selbst zu lesen nicht länger auffhalten. In Betrachtung der vielerley Motiven, die auf beyden Seiten(Nöthige Behutsamkeit, damit man bey Beantwortung der Frage nicht in zwey gefährliche Extrema verfalle.) vorfallen über die Frage: Ob einer Durchlauchtigen Evangelischen Printzeßin ein Transitus oder Ubertritt zur Römischen Kirchen wegen einer Vermählung mit einem Catholischen Könige ohn Gefahr ihrer Seeligkeit erlaubet sey: So muß bekennen, daß es eine hochwichtige und zum Theil gefährliche Frage sey, und auf welche in der Furcht des HErrn zu antworten, man alle Affecten, sowohl auf der einen Seiten Hitze, Zorn, Eyffer und alle praeconceptas opiniones, als auf der andern Seite alle Furcht und Kleinmüthigkeit, oder auch verhoffende hohe Menschen Gunst und Gnade gantz und gar bey
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Seite setzen müsse. Denn, wie bekannt, so stehen viele von den Theologis unserer Kirchen in der Meynung, daß man noch heut zu Tag die Religions-Streitigkeiten eben so hefftig und hitzig tractiren müsse, als zu den Zeiten Lutheri, und auch nach dessen Tod fast ein gantz Seculum geschehen, da die Evangelische Religion nicht allein die eyfrigste Contradictiones von der Römischen Kirchen, sondern auch die gröste Leib und Lebens-Gefahr und den fast vermeidlichen Zwang zum Rückfall zu besorgen hatte. Alleine nachdem durch den bekannten Friedens-Schluß im vorigen Seculo alle diese Momenta und Motiva Formalia gehoben, so werden moderate Theologi unserer Kirche nicht finden, wie man weiter Ursach haben solte mit solchen hefftigen Invectiven und höchst erbitterten und vergälleten Expressionen wider die Römisch-Catholische Kirche (die man vielmehr mit Sanfftmuth und Bescheidenheit an sich zu ziehen billig nachsinnen müste) zu verfahren, absonderlich da, wie hernach erwiesen werden soll, weder die itzig Römisch-Catholische Kirche das Apocalyptische Babel, noch der Pabst ein Anti-Christ weiter kan genennet werden. Dannenhero auch wohl zu wünschen gewesen wäre, daß bey oberwehnten damahligen Friedens-Schluß die hefftigsten Expressiones, so in unsern Libris Symbolicis enthalten, (und auf welche Expressiones, nicht aber allein auf die Lehren, viel von unsern Theologis geschworen zu haben ihnen einbilden) einiger massen mit Vorwissen der Evangelischen Theologorum zum Theil wären corrigiret worden. Solche obbenahmte Theologi, wie sie jetzo beschrieben, sind bey der Antwort auf diese Frage gar zu hitzig, und gewiß hitziger, als Lutherus selbst seyn würde, so er jetzo noch im Leben wäre. Die andere Art derer Theologorum, so diesen entgegen gesetzet werden, sind gar zu gelinde und weich, halten die Combinationes der Religionen, ja gar den Transitum von einer Religion zur andern, so gar leicht und geringe, daß man fast daraus schliessen möchte, daß solches aus Menschlicher Furcht oder aus Respect und Absehen auf Gnade und Huld der Hohen in der Welt lediglich geschehe. Man hat ja das klare göttliche Wort vor Augen, und siehet ein jedweder, der nicht gar blind seyn will, was nach dem Buchstaben desselben vor ein Unterscheid sey unter allen, auch in specie unter denen im Römischen Reich verstatteten 3. Religionen. Dahero ich der Meynung bin, daß man in Beantwortung der Frage mediâ viâ gehen müsse, und daß man in allem nach besten Wissen und Gewissen verfahre, und dabey so wenig auf Menschen-Gunst sehe, als mehr man dabey GOtt anzuruffen hat: Erhalte unser Hertz bey dem einigen, daß wir deinen
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Nahmen fürchten, ja heiliger Vater heilige uns in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Diesemnach so achtet man, bey vorgelegter Frage höchstnöthig zu(Hochstnöthige Praesupposita von unterschiedener Bedeutung der Kirche, ingleichen von der sichtbaren und unsichtbaren wahren und falschen Kirche etc.) seyn, einige Grund-Sätze darauf man sich zu beziehen, vorher aus heiliger Schrifft zu befestigen. I.) Ecclesia ist ein Wort, dessen Bedeutung man in einer Definition nicht vorstellen kan, sondern wo man vernehmlich reden will, muß man vorgängig und vorerst 2. Definitiones setzen. (1.) Ecclesia ist das Häuflein derer, die in rechten lebendigen Glauben mit Christo ihren Haupt vereiniget sind. (2.) Ecclesia ist eine Versammlung, darinn man aus GOttes Wort den Weg zur Seeligkeit lehret, und Sacramenta austheilet. II.) Daß nun keine Irrung in der Rede entstehe, indem man von der Ecclesia nach der ersten Bedeutung viel anders zu sprechen hat, als nach der andern, so bedinge zuförderst, daß ich heissen werde die Ecclesiam nach der ersten Definition die Gemeine des HErrn, sonst die Gemeine der Heiligen. Nach der andern aber die Kirche des HErrn, sonst die sichtbare Versammlung. III.) Die Gemeine des HErrn vergleicht der H. Geist .) mit einem Bau, daran Christus der Eckstein ist. Eph. 2. 1. Pet. 2. .) Mit einem Leibe und dessen gesammten Gliedern, deren Haupt Christus. .) Mit dem Reben, die in ihren Weinstock Christo hangen, Joh. 15. .) Mit einer Braut, die dem HErrn, als ihren Bräutigam, vertrauet ist. Eph. 5. .) Mit einem Schaf-Stall, darinnen alle Schafe die Stimme des Hirten JEsu Christi erkennen und derselben folgen, eines fremden Stimme aber nicht kennen. Joh. 10. IV.) Die Gemeine des HErrn hat etliche Eigenschafften die der Kirche nach der ersten Definition nicht zukommen. .) Man kan ausser ihr nicht seelig werden. Non habet Deum in coelis Patrem, qui non habet Ecclesiam in terris matrem. .) Sie ist gantz ohne Flecken und Runtzeln, und wird Christo als eine reine Jungfrau zugeführet. Ephes. 5. vers. 27. .) Sie kan nicht vom Glauben abfallen, oder in einen Irrthum gerathen, der den Grund des Glaubens umstösset, auch kan keine zur Seeligkeit nöthige Lehre in ihr untergehen. .) Diese ists, die im Symbolo heisset: Una sancta Catholica. Mehr als eine findet sich nicht in der gantzen Welt, darum hat man auch nicht nöthig, sie durch gewisse Notas von andern abzukennen. .) Sie begreifft mit in sich alle rechtgetauffte Kinder, die sich nicht verführen lassen, ja auch alle, die im Glauben an Christum schon gestorben sind, daher man diese allein in militantem & triumphantem distinguiren kan. .) Es ist nicht möglich, daß ein Jahr hingehe, so lange Menschen leben,
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darinn diese Gemeine könne aufhören, und keine Glieder mehr behalten, die Pforten der Höllen sollen sie nicht überwältigen. Math. 16. Alle diese Dinge werden von den Jesuiten auf die Kirche nach der andern Definition, sonderlich auf die Römische Kirche gezogen, daraus man denn wunderliche Consequentien machet, die keinen Grund haben. V.) Die Gemeine des HErrn ist bisweilen sichtbar, sonderlich zur Zeit der Märtyrer, und allenthalben, wo die Christen durch ungeheuchelte und beständige heilige Wercke ihren Glauben darthun. Ob nun gleich der grosse Schein der Andacht in den Heuchlern dieses ungewis machet, so finden sich doch viele Proben, die ein Heuchler nicht aushält; also das rechte Christen sich daran einander wohl erkennen mögen. Paulus merckte es ihnen bald ab, ob sie das Ihrige suchten, oder das was Christi ist. Phil. 2. v. 21. VI.) Sie ist aber unsichtbar .) partialiter, weil viel Gläubige vorhanden, die man nicht davor ansiehet, und von denen es heisset: der HErr kennet die Seinen. 2. Tim. 2. .) Bißweilen auch totaliter, als wenn (1.) alle Zeugen Christi verjaget sind, und die Welt darüber triumphiret Apocal. 11. v. 10. (2.) Wenn GOttes Wort theuer wird, und man die Bibel unter die Banck stecket, 1. Sam. 3. v. 1. (3.) Wenn Elias von den 7000. Heiligen niemand kennet. Rom. 11. v. 4. VII.) Es ist die Gemeine des HErrn nicht ohne allen Fehlern, obschon kein Sauerteig mit ihr vermenget, oder grobe Sünden-Mackel und Flecken sich bey ihr befinden. Denn .) der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Matth. 26. .) Die 5. klugen Jungfrauen werden auch schläffrig und schlummern ein. Matth. 25. .) Zu Christi Zeiten war die Gemeine mehr unter den Schwachen, die des Artztes bedurfften, als unter den Starcken. Marc. 2. v. 17. .) Die Erfahrung giebts, daß viele Glieder schläffrig sind zum Gebet und langsam GOttes Wort zu lernen. IIX.) Wenn die Gemeine des HErrn ihre rechte Weyde haben soll, muß sie nicht nur durch tägliche Buße immerfort sich von solchen Fehlern reinigen, sondern auch sich zu einer sichtbaren Kirche sammlen. .) Rom. 10. v. 14. erfordert Paulus zum Glauben das angehörte Wort und die beruffenen Prediger, die man sonst nirgends findet, als in der sichtbahren Versammlung. .) In diesen alleine sind die Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer, an welche Christus die Glieder seines Leibes gewiesen hat. Eph. 4. v. 11. 12. .) Dieses sind die Haußhalter über GOttes Geheimnüsse 1. Cor. 4. v. 1. ohne welche die Glieder Christi kein Leben haben. Joh. 6. .) In der sichtbaren Versammlung ist die Menschen-Fischerey angelegt, die uns in Christi Reich bringet. Marc. 1. vers. 1. Luc. 5. vers. 10. IX.) Diese Grün
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de aber können nicht weiter, als auf den ordentlichen Weg extendiret werden. Denn man hat Exempel, daß auch Glieder der Gemeine sich zu keiner sichtbaren Versammlung gehalten, wenn sie wichtige Verhinderung gehabt, als .) Der verkauffte Joseph in Egypten, .) die fromme Naëmi in Buch Ruth. c. 1. .) David unter den Philistern. .) Sadrach, Mesach und Abednego, Dan. 3. Solche Glieder muß man denn ansehen, als ob sie in Exilio lebten. X.) Die Kirche aber des HErren wird verglichen .) mit einem Hause darinn man Gefässe zu Ehren und zu Unehren, 2. Tim. 2. .) mit einem Netze, darinn man gute und böse Fische gefangen, Matth. 13. v. 47. .) mit einem Acker, darauf Unkraut unter den Weitzen wächset, ibid. v. 24. .) oder da das Land hie und da zutreten, steinig und voll Dornen ist, Luc. 8. .) mit einer Tennen, darauf Weitzen und Spreu ist zusammen getroschen. Matth. 3. v. 12. XI.) Man theilt die Kirche in veram & falsam, jene ist pura oder impura, diese ist positive oder privative falsa. .) Falsa, die etwas unrechtes lehret, welches dem Glauben zuwider, oder mit den Sacramenten recht umgehet. .) Impura, die im Glaubens-Grund nichts umstösset, aber wichtige Irrthümer, die GOtt sehr zuwider sind, aufbringet. .) Vera & pura, die keinen Irrthum heget, der an der Seeligkeit leicht hindern kan, ob sie gleich sonst wohl ihre Fehler hat. .) Positive falsa, die den Glaubens-Grund vollständig behält, aber durch einen Zusatz wichtige Puncta davon wieder verdunckelt. .) Privative falsa, die gar etwas abschaffen will, von dem was zum Glaubens-Grund gehöret, und solches offenbahr leugnet und lästert. XII.) Diese Kirche des HErrn muß eigentlich sichtbar seyn, und wo sie es nicht ist, so ist sie gar untergangen. Sonst könnte Christus nicht sagen: Sage es der Gemeine, das ist, der Kirche. Matth. 18. v. 17. Hie bemühen sich die Römisch-gesinnete zu behaupten, daß auch die Gemeine nach der ersten Definition, welche nicht untergehen kan, immer im sichtbaren Stande bleibe, dagegen wir aus dem, was Thess. 5. & 6. erwiesen, behaupten, .) daß die Gemeine des HErrn heilig bleibe, wenn schon gar keine Eoclesia vera unter den sichtbaren Versammlungen übrig wäre. .) Daß sie bleiben könne, wenn schon alle sichtbare Versammlungen untergiengen. Denn was in der 8ten Thesi dagegen erwiesen, extendiret sich nicht auf die causas necessitatis. .) Daß die Gemeine des HErrn an dem Orte, da die sichtbare Versammlung impura, aber doch vera ist, nicht Ursache habe, eine andere Versammlnng und sichtbare Kirche zu suchen, es wäre denn daß es ohne Aergernüß und Anstoß sich gar wohl
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fügte, eine bessere zu finden. .) Daß sie auch in Ecclesia positive falsa, wenn es die Noth erfodert, sich könne weyden, und durch deren Ministerium im Leibe Christi erbauen lassen. XIII.) Die Beneficia, so der sichtbaren Versammlung anvertrauet worden, sind .) ein sonderlicher Nachdruck des Wortes, so darinnen geprediget wird, daß es nicht leer kan wieder kommen, Esai. 58. v. 11. .) Eigene Gaben der Kirchen-Diener mit reichlichem göttlichen Seegen zu trösten, ermahnen, warnen, unterrichten, etc. welche durch Hand-Auflegung der Prediger fortgepflantzet werden. 1. Tim. 5. v. 22. .) Der Bind- und Löse-Schlüssel Joh. 20. v. 23. .) Die Sacramenta des HErrn. 1. Cor. 3. v. 1. .) Daß fromme Christen in den Gebeth der gantzen Gemeine eingeschlossen sind, Act. 12. v. 5. .) Die Handreichung der Glieder Christi mit ihren geistlichen Gaben einander zu erbauen, 1. Cor. 12. v. 12. Denn so wohl die sichtbare Versammlung, als auch die Gemeine nach der ersten Definition werden in H. Schrifft mit den Gliedern eines Leibes verglichen; doch die Gemeine auf eine viel nähere Art, als die Kirche, diese aber auf eine eclatantere Weise als jene. Nach der einen Art hat Christus so viel Leiber als wahre Kirchen sind, die nicht einander sich subordiniren; nach der andern eigentlichen Art aber nur einen Leib. Nach jener kennen die Glieder einander; nach dieser Art aber ist die Kindschafft meist verborgen. .) Der Beystand, den man schwachen Gliedern schuldig ist, als daß Verarmete nicht ohne Speise, Tranck und Kleider gelassen werden, den Fehlenden mit sanfftmüthigen Geist aufzuhelffen, der Krancken zu pflegen und sie zu erquicken, dieser und dergleichen Dinge muß ein jeder entbehren, der ein Glied der Gemeine Christi seyn will, und sich zu keiner sichtbaren Kirche hält. Wer aber ohne dringende Noth sich von diesen Beneficiis sondert, ist nicht einmahl werth, daß er sich unter die Gemeine Christi rechne, und ist untüchtig desselben Glied zu heissen. XIV.) Eine Ecclesia privative falsa darf sich diese Beneficia nicht anmassen; dergleichen war zu Christi Zeiten die Samaritanische, davon hieß es Joh. 4. Ihr wisset nicht, was ihr anbetet. Wer sich zu ihrem Coetu bekennet, der ziehet an fremden Joch mit den Ungläubigen. 1. Cor. 6. Also muß man privative falsas Ecclesias wohl abzukennen wissen, damit man sich von ihnen sondere. .) Dieses sind die, welche einen nöthigen Glaubens-Punct ausmustern, und dem widersprechen, als wenn Cerinthus saget: Christus sey nicht der wahre GOtt; denn auch .) die unter die nöthige Glaubens-Puncte eine Lehre setzen, so den Grund des Glaubens niederreisset, als wenn jemand schon alle Glau
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bens-Puncte behielte, und in seinem Catechismo daneben setzte, es seye auch zur Seeligkeit nöthig, den Mahometh anzubethen. So wäre die Kirche, die es mit ihm hielte, auch privative falsa, denn er hätte das erste und andere Gebot, so auch ein nöthiger Punct ist, der gantzen Glaubens-Lehre gantz verkehret. .) Wenn die Römische Kirche es unumgänglich zur Seeligkeit erfordern wolte, die Heiligen anzubethen, so würde sie auch privative falsa. XV.) Positive falsa ist eine Kirche, wenn sie von den Puncten, die in der Glaubens-Lehre zur Seeligkeit nöthig sind, keines ausmustert, wie schon droben erinnert, und doch unnütze und vergebliche Lehren untermenget. .) Im 1. Cor. 3. v. 13. bauen einige auf den rechten Glaubens-Grund solche Lehren, die im Feuer der Anfechtung und der Läuterung des Heiligen Geistes ausbrennen, und über welche die irrig unterrichteten Schaden leiden. .) Es kan seyn, daß sie gar in den Catechismum unnütze Dinge setzen, als zum Exempel, die Läutung der getaufften Glocken verjage den Teuffel. .) Oder daß sie auch Dinge hineinsetzen, die den Glaubens-Grund ruiniren, (als daß man solle die Heiligen in Nöthen anruffen) wenn nur zur Erhaltung des Glaubens-Grundes einige Moderation gebrauchet wird, als (1.) daß diese Anruffung gar keine Anbetung seyn solte, sondern eine solche Ersuchung, wie wir Lebenden offt einander sagen, er möge vor uns beten, wie auch Paulus selbst gethan. Rom. 15. v. 30. (2.) Daß die Anruffung vor nützlich, daraus aber nicht für nothwendig zur Seeligkeit ausge geben werde. (3.) Daß das Niederknien vor einen Heiligen nicht and ers als eine eusserliche Ehrbezeugung und Reverence, bey Anruffung des wahren GOttes aber ein Zeichen der innerlichen Anbetung sey. Obschon die Entschuldigungen so viel nicht ausmachen, daß die Lehre vor GOtt nicht solte sündlich seyn, so vermögen sie doch so viel, daß sie einem, der in seiner Einfalt bey diese Lehre gebracht ist, und sonsten im Grunde des Glaubens alles, was zur Seeligkeit nöthig, gefasset, solchen Glaubens-Grund nicht wieder aus der Seelen reissen, wie sonst geschehen würde, wenn er sich unterrichten liesse, dasjenige heilig zu achten, was sein Gewissen offenbahr wider das erste Geboth befindet, daß man neben GOtt müste andere Götter haben und anbeten. .) Wenn auch Dinge in den Catechismum gesetzet würden, die den Grund der Glaubens-Lehre umwerffen können, aber nicht anders, als durch eine weitgesuchte Consequence, die von Einfältigen so gleich nicht begriffen wird, so wird wiederum die Ecclesia nur positive falsa, aber nicht privative. Denn es ist genung den Grund des Glaubens zu behalten, wenn alles, was dazu gehöret, in den
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Catechismum gesetzet wird, und nichts darzu kommt, welches denselben hernach umstosse, vornehmlicher Weise. Geschicht es unvernehmlich durch einige Consequentien, als wenn jemand lehren wolte, Christo hätten keine Wunden wehe gethan, so muß man hoffen, das Haupt-Bekänntnüß der Lehre werde festere Wurtzeln schlagen, als einige Consequentien, die aus falschen Neben-Lehren einschleichen möchten. Durch den Grund des Glaubens verstehen wir itzo die Lehre von allen 5. Haupt-Stücken des Catechismi, die 10. Gebot nicht ausgeschlossen. Denn obschon der Glaube selbst nur ein Haupt-Stück ist, so ist doch die Lehre vom Glauben so beschaffen, daß sie sich durch alle Haupt-Stücke erstrecket. Catechismum nennen wir aber itzo kürtzlich ein jedes Büchlein, darinn man alle Lehren, die man zur Seeligkeit nöthig achtet, verfasset hat, und alle übrige Theologische Lehren davon abgesondert, daß sonst nichts darinn stehe, als was nöthig ist zur Seeligkeit zu wissen. So heist denn eine Lehre in den Catechismum setzen nichts anders, als dieselbe zur Seeligkeit nöthig ausgeben. XVI.) Eine Ecclesia die zwar allerley unrichtige Dinge öffentlich lehret, aber doch den Catechismum damit nicht verkehret, sondern denselben im Stande läßt, wie er seyn muß, die bleibet Ecclesia vera. .) Sind ihre Irrthümer von geringer Wichtigkeit, so kan sie auch pura heissen, denn eine perfecta pura findet sich wohl an keinem Orte. Als wenn eine Eeclesia etwan lehrete, daß noch itzt bisweilen gute Engel abfielen, oder daß Maria nach Christi Geburth einem Mann ehlich beygewohnet, sonst aber in allen den Catechismum unverkehrt liesse. .) Sind es Irrthümer die etwas mehr auf sich haben, so machen sie Ecclesiam impuram, als wenn eine Ecclesia lehrete, Maria hätte keine Erb-Sünde gehabt, oder die Kinder der Heyden, die vor dem Gebrauch der Vernunfft abgeschieden, würden ordentlicher Weise ohne Christo doch seelig, oder ihnen könnte ohne Tauffe, extra Ecclesiam, Christi Erlösung zu gute kommen. Dieses würde geben Ecclesias impuras. XVII.) Endlich theilt man die Kirche des HErrn in universalem & particularem. Die universalis ist ein Begriff aller Particular-Kirchen, in welchen die Glaubens-Lehre von allen 5. Haupt-Stücken des gantzen Catechismi also verbleibet, daß sie ein jedweder einfältiger Christ daraus vollständig fassen kan, so viel ihn zu seiner Seeligkeit nöthig ist, zu wissen. Dieselbe ist dannenhero fast immer zum Theil vera zum Theil falsa, zum Theil pura oder impura, die privative falsa aber gehöret gar nicht drunter, dergleichen zu unsern Zeiten ist die Socinianische Ecclesia, weil kein fundamentum fidei drinn bleibet. Unter denen Particularibus aber sind et
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liche verae, falsae, purae oder impurae. Die sich nun rühmen will, daß sie pura und vera sey, muß folgende Eigenschafften an sich haben, vornehmlich aber die 2. ersten drunter nothwendig behaupten können, daß sie (1.) GOttes Wort rein und lauter lehre, (2.) die Sacramenta nach Christi Einsetzung recht austheile, und denn folgends (3.) ihr Creutz gedultig über sich nehme. (4.) Andre nicht mit der Force, sondern mit der Sanfftmuth und heiligen Exempeln an sich locke. (5.) Mit Bescheidenheit annehme, was andre, die von ihr abstimmen, auf sie zu sprechen haben, und den scandalis tam datis quam acceptis nach Möglichkeit abhelffe. Welche drey letztern wir doch nicht Eigenschafften proprie loquendo nennen wollen. XIIX.) Alle Ecclesiae, die zur Universali gehören, behalten die Th. 13. angeführte Beneficia, sie mögen seyn verae oder falsae, purae oder impurae. Wir wollen zwar die Ecclesias impuras und positive falsas ihrer schweren Verantwortung nicht entheben, die sie vor GOtt haben, der verkehrten Wahrheit halber. Dessen ungeachtet können wir ihnen dasjenige Recht nicht absprechen, welche ihnen die H. Schrifft annoch beyleget, daß solche Kirchen wahre Glieder der Gemeine Christi zeugen können. .) Auf Mosis Stuhl sitzen die Schrifftgelehrten und Pharisäer Matth. 23. v. 2. seq. .) Die Würckung des Göttl. Worts und der Sacramenten hat ihre Krafft nicht von denen, die es vortragen, oder austheilen, sondern von dem, der sie hat darzu eingesetzet, daß sie zur Seeligkeit würcken sollen. .) Wenn man Holtz, Heu, Stoppeln und andere Dinge auf den rechten Glaubens-Grund bauet, welche die Leuterung durch das geistliche Feuer der Versuchung nicht aushalten, wird doch derselbe seelig, in welchen die Stoppeln ausgebrant sind. 1. Cor. 3. Ergo kan ihn die Kirche, darinn solch Unkraut mit aufgangen, seelig machen, weil sie den Grund behalten hat. .) Durch die falsche Kirche unter Ahab wurden 7000. rechte Glieder der Gemeine GOttes erzeuget und geweydet. Rom. 11. v. 4. .) Die rechten Schafe Christi kennen (per gustum spiritus S. in einer innerlichen unbegreiflichen Prüfung) was die rechte Weyde ist, und welche die Stimme des rechten Hirten sey oder nicht. Joh. 10. Und solches ohne einigen Enthusiasmum, bloß durch eine rührende Krafft, die der reine Saame des Worts erweiset, indem die Spreu in ihnen nicht hafften will. Aus bisher erwiesenen Fundamenten ist nun die Prüffung der(Eintheilung der Haupt-Frage in 5. besondere Fragen. 1)) auf beyden Seiten vorfallenden Motiven anzustellen, über den vorgelegten Casum vom Ubertritt einer Durchlauchtigen Person zur Römischen Kirchen. Welche, damit sie in richtiger Ordnung beleuchtet werden,
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(Ob die Römische Kirche annoch Babel und Anti-Christisch sey, welche verneinet wird, mit Erklärung der Offenbahrung Johannis durch den Münsterischen Frieden.) muß man das gantze Werck in unterschiedliche Fragen theilen, deren jede besonders zu erörtern, unter denen ist die erste Frage: Ob die jetzige Römische Kirche annoch sey das apocalyptische Babel, und ein Reich des Antichrists? Die Negativa davon wird durch diesen Schluß behauptet: Wenn aus der grossen Stadt drey Theile werden, so geschicht der letzte Fall Babels. Dieses ist geschehen im Westphälischen Frieden. Ergo. Major stehet so deutlich Apoc. 16. v. 19. daß kein Vernünfftiger mehr Beweiß begehren kan. Minor ist klar, weil in dem Münsterischen Frieden drey Religionen, so vormahls unter Babel stunden, sich gesondert, und gantz Europa nach denselben sich eingetheilet hat. Obs. 1. Man leugnet nicht, daß schon vorher 3. Religionen gewesen, aber man weiß auch, mit was hefftigen Feindseeligkeiten, Verketzerungen und Verfolgungen es geschehen, da Babel immer vermeynete, wieder zum vollkommenen vorigen Stande zu kommen, und die Protestanten dessen sehr in Sorgen stehen musten, wie oben gemeldet. Obs. 2. So wurden auch in dem Passauischen Vertrag die Reformirten nicht mit eingeschlossen, und also keine 3. Religionen bewilliget, wie ausdrücklich der Prophet haben will. Ja den Lutheranern wurden schon alle Transactiones umgestossen, und annuliret. So hat Europa zwar nach dieser Theilung lange gerungen, aber vor besagter Zeit es darzu nicht bringen können. Obs. 3. Im andern Fall wird das gantze Babel als ein Felsen ins Meer gestürtzet, und unsichtbar gemachet. Apoc. 18. Ergo was in Römischer Kirche nachher geblieben, kan zu dem Babel weiter nicht gerechnet werden. Obs. 4. Es sind aber in ihr vergangen nachfolgende Antichristische Characteres. ) Die Erhebung des Pabsts über alle Obrigkeitliche Gewalt. Denn die grossen Flatterien und Tituls, so ihm die Jesuiten noch beylegen, importiren in der That nichts. Prophetische Gesichter sehen auf etwas reales. ) Die praetendirte Submissiones von hohen Häuptern, davon nach Carolo V. und Francisco I. keine rechte Exempel vorhanden. ) Die angemaßte Gewalt, Souveraine Potentaten durch den Bann-Donner von Land und Leuten zu verjagen, als da war die geweihete Rose und dergleichen, in grosse Obligation zu setzen. Man würde es vor eine ungeräumte Prostitution achten, wenn der jetzige Clemens dergleichen versuchen solte. Vielmehr muß er alle seine politische Klugheit hervorsuchen, daß er nur bey den Potentaten, die über die Beherrschung des Spanischen Reichs disputiren, in Credit bleiben und deren Ungnade nicht auf sich laden möge. ) Viel andere fast herbe Praetensiones an hocherwehnte Sou
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veraine Regenten, als 1) da Carolus V. wie beym Sleidano zu lesen, von ihm die Einwilligung hohlen müssen, das Kayserthum anzunehmen. 2) Daß dieselben mit grossen Depensen und Geschencken zu Rom oder sonst in Italien erscheinen müssen, die Crönung vom Pabst zu hohlen, welche doch nur zu dem Ende erdacht ist, eine eingebildete Submission daraus zu erzwingen, wie in dem Exempel Coelestini mit dem Kayser Henrico VI. zu ersehen. 3) Die praetendirten juramenta fidelitatis bey Inaugurirung der Souverainen Häupter. Denn obschon Muretus etliche mahl im Nahmen derselben dem Pabst die Ceremonien prächtig genug in seinen Orationibus gemacht, so ist doch solches nur vor die lange Weile, und es kan Durchlauchtigen Helden gleich viel thun, mit was vor Expressionen ein Italiäner dem andern flattiret. .) Die angemassete Gewalt über alle Christliche Gemeinen, wovon itzt kaum Umbra übrig. .) Die herrlichen Maniern, die Simoney noch zehen mahl ärger als Simon Magus durch die feilgebothene Indulgentien, und andere nach Apostolischer Tax verhandelte Gnaden zu exerciren. Obs. 5. Daraus folget: .) Daß man vor Lutheri Reformation auch in Römischer Kirche GOtt höher zu preisen habe, als die meisten sich einbilden können. Die Römische Kirche ist dadurch vom Anti-Christ gesäubert; das Kind der Boßheit ist gantz durch den Geist des Mundes Christi umbracht, 2. Thess. 2. v. 8. hohe Häupter und die gesamte Kirche von dessen Tyranney und unerträglichen Joch erlöset. Alle Reiche sind Christi worden. Apoc. 12. v. 1. .) Daß man Ursach hat, viel moderater und bescheidener von Römischer Kirche zu reden, als vor dem Münsterischen Frieden, wie droben gemeldet, unerachtet des noch bleibenden Eyffers etlicher Theologen. Genug daß solche Ubernehmungen von den Politicis bißher nicht in solche Consideration gezogen worden, als ob sie capable wären die einmahl getroffene Einigkeit zu choquiren. .) Wie vorhin Römische Bischöffe gewesen, ehe der Anti-Christ denselben Sitz erlangete, (von welcher Zeit Baronius selbst schreibet, quod immania monstra sedem B. Petri occuparint) also kan auch nach solcher Zeit Rom wohl ein sedes Episcopalis bleiben. Obs. 6. Doch folget nicht, daß die Römische Kirche dadurch orthodoxa geworden, sie kan vielleicht an einigen Orten und in gewissen Absichten itzo des desperaten Concilii Tridentini wegen magis schismatica und positive impura seyn, als vor Luthero, da viele Impuritäten sich durch die Suspiria derer unter dem Babylonischen Joch seuffzenden ausgesäubert haben.
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(Beantwortung der 2. Frage, daß die Römische Kirche den Glaubens-Grund gantz behalte.) Andere Frage: Ob Ecclesia Romana das fundamentum fidei gantz behalten: Obs. 1. Ob es schon ist eine Ecclesia positive falsa, wie aus dem vielen unreinen Zusatz zu ersehen, welcher dem rechten Glauben in der That manchen Eingriff thut, so ist doch oben ad Thes. XV. schon erwiesen, welcher gestalt die von Römischen Lehren beygefügte Moderamina (obschon an völliger Conciliation mit dem Glaubens-Grunde noch ein grosses fehlet) so viel zu wege bringen, daß der bey ihnen völlig behaltenen Grund-Lehre nichts entgehet, oder aus dem Hertzen derer, die aus Einfalt solchen Zusatz mit annehmen, so leicht entrissen wird. Obs. 2. Daß sie aber die Grund-Lehre des Catechismi in der That behalten, erweiset sich. ) Weil in unserm kleinen Catechismo nichts stehet, welches nicht von verständigen Römisch-Catholischen recht geheissen wird, ja gar unser Catechismus von Luthero aus dem Pastthum mit heraus gebracht ist. ) Weil auch Menzeri Manuale Catholicum eine Zeitlang unter ihnen ist in usu gewesen, und grossen Applausum gefunden, bis man erfahren, wer der Autor. ) Augustana Confessio setzt im Epilogo der 21. Articul, daß in denselben unsre Lehre nicht abgehe von dem Glauben Römischer Kirche, so weit derselbe in öffentlichen Schrifften kund worden, sondern daß nur der Streit sey über die 7. hernach specificirte Abusus. ) Weil die meisien unserer Gesänge, das Paradieß-Gärtlein Johann Arnds, und viel andere geistreiche Bücher von rechtschaffenen Papisten nicht verworffen, sondern vielmehr sothane Gesänge auch in ihren Kirchen gesungen werden. ) Weil viel Prediger unter ihnen die Streit-Fragen und Legenden wenig auf die Cantzel bringen, und manche Predigten halten, wodurch auch Lutherischen Zuhörern das Hertz gerühret, und sehr geistreich erbauet wird. Und aus solchen ihren Predigten kan gar wohl ein Corpus verae doctrinae gesammlet werden, daß nichts zurück bleibe, was man zur Seeligkeit wissen muß. ) Weil Bellarminus selbst gezeiget, und die itzige Praxis es bestätiget, daß im Pabstthum die Sterbende nicht im Vertrauen auf ihre Wercke, sondern allein auf Christi Verdienst erinnert werden abzuscheiden, aus welchem D. Seb. Schmidius in seinem überzeugten Pabstthum erweiset, daß die besten Papisten an ihrem Ende gut Lutherisch sterben, wie auch der Ausgang an vielen Verfolgern Lutheri, als Carolo V. Henrico Juniore, Georgio Saxone (der den Seinigen in Todes-Nöthen diese Lehre ernstlich eingeprediget hat, in der Meynung, man müste es nur den Sterbenden vorsagen) und andern genugsam erwiesen hat. ) Von allen diesen ist mit Verwunderung nachzulesen Ger
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hardi confessio catholica, welcher Autor in allen Articuln, auch so gar in den Streit-Fragen gnugsame und deutliche testimonia veritatis mitten aus den Päbstischen Büchern öffentlich darleget. .) Endlich so wollen gern die itzigen Papisten fast in allen streitigen Articuln den statum controversiae viel anders formiren, als beym Bellarmino und Becano zu finden. Sie suchen in allen die moderatesten Expressionen, wovon man itzt gantze Bücher, die von ihrer Seite herauskommen, nachlesen mag. Mentem nostram, sagte einsmahl ein gewisser Pater, in plerisque non recte percipitis, ut habeatis, contra quod facilius disputetis. Was aber von solchen nähern Explicationen zu halten sey, ist schon droben Obs. 1. über dieser Frage vor Augen gestellet. Obs. 3. Aus diesem allen ziehet man abermahl nachfolgende wichtige Consequentien. .) Daß GOTT durch das Wort, so von einem Römischen Lehrer von tüchtiger Dexterität geprediget wird, mit seinem Geiste kräfftig sey, und vielleicht offtmahl durchdringender und mächtiger, als bey andern würcke, damit die zwischen lauffende Stoppeln ausgebrannt werden, und nur das Silber und Gold zum Trost der Seelen übrig bleibe. Man erweiset es 1.) aus dem Dicto Matth. 23. v. 2. seq. Auf Mosis Stuhl sitzen sie. Was sie euch sagen, (nehmlich aus dem Mose) das ihr halten sollet, das haltet. 2.) Paulus freuet sich darüber und ist gerne zufrieden, auch mit denen die Christum predigen aus Zanck und nicht lauter. Phil. 1. v. 14. seq. .) Daß auch die andern Beneficia der sichtbaren Versammlung in Römischer Kirche verbleiben, die Thesi XIII. erzehlet sind. Den vollen Beweiß dieser Consequence kan man schon droben finden Thesi XIIX. Es hindert hieran nicht, daß die Römische Kirche sich durch heßliche Abusus verdorben hat. Der Menschen Unglaube kan GOttes Glauben nicht aufheben. Rom. 3. v. 3. .) Also subsumiret man aus der Thesi XIII. daß die von ihren Geistlichen verrichtete Tauffe und gesprochene Absolution eine volle Krafft habe, daß man die von ihnen zu uns tretende Prediger nicht noch einmahl ordiniren, so wenig als ihre Kinder noch einmahl tauffen müsse. Sie verrichteten aber diese Dinge nicht aus einer vom Pabst dependirenden Macht, sondern als Ministri Ecclesiae universalis. Es hindert nichts, daß man sagen wolte, wenn dem so wäre, so würden die Anathemata der Römischen Kirchen uns treffen, denn 1.) der Binde-Schlüssel ist nicht gegeben, gantze Gemeinen, sondern eintzele Personen, wenn es nöthig ist, damit zu binden, kan also dieser Mißbrauch nichts schaden denen, die von solchen Bann getroffen werden, denn der Schlüssel hat weiter keine Krafft, als so fern man
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ihn recht braucht. 2.) Der Binde-Schlüssel ist keinem Lehrer weiter gegeben, als über dieselben, derer Seelen ihm anvertrauet sind, oder an welchen er sein Amt zu verrichten hat. Er dienet auch subsidio seines Amtes und nicht, daß er ihn auch sonst zu einigen andern Interesse brauchen dörffte. 3.) So wie der Löse-Schlüssel denen nicht hilfft, die nicht capable sind, ihn im Glauben anzunehmen; also hafftet auch der Binde-Schlüssel nicht an denen, die nicht durch Trotz, Frevel, verstockte Hertzen, Verachtung und Bespottung des Worts und der treuen Vermahnung, sich dessen bedürfftig zu machen. .) Es folget auch, daß diejenigen, bey denen im Pabstthum GOttes Wort besagter massen würcket, daß sie den vollen Glaubens-Grund daraus schöpffen, vid. lit. .) auch dabey seelig werden, wo sie den Glauben beständig eingewurtzelt behalten. Rationes sind .) weil schon aus dem Paulo und andern erwiesen, daß in solchen Kirchen immer etliche seelig werden. Thesi XIIX. . & . . weil proxime obs. 3. .) erwiesen, daß GOttes Wort seine Würckung in der Römischen Kirche habe. Diese Würckung aber ist ein unvergänglicher Saame 1. Petr. 1. v. 23. der ewig bleibet, und also diejenigen, die ihn behalten, ewiglich zu GOttes Kindern gebieret. Jac. 1. v. 18. Eine Pflantze, die unsere Seele kan seelig machen. ibid. v. 21. Ein Wasser-Brunnen, der ins ewige Leben quillet. Joh. 4. v. 14. .) Wer dieses Wort höret und gläubig draus wird, dem ist die Seeligkeit zu geschworen. Joh. 5. v. 24. .) Auch mitten in den verführten Kirchen dräuet Christus denen, die die Tieffe des Satans nicht erkannt haben, keine andre Last; und obschon conscientia erronea vor GOtt nicht simpliciter entschuldiget, so ist sie doch nicht capable den Glauben, der durchs Wort gegeben worden, wieder zu nehmen, welches nur geschiehet durch opera contra conscientiam, vielmehr verliehren sich die Schulden, so conscientia erronea auf uns ladet, in der Macht des Glaubens. Also ist es viel leichter, daß in einer verführten Kirchen, in welcher noch der Glauben aus GOttes Wort kan gefasset werden, zur Seeligkeit kommen dieselbe, welche per conscientiam erroneam ihre Abusus mitmachen, als diejenigen, so conscientiam erroneam nicht haben, und sich doch der Abusuum nicht enthalten. (Die 3. Frage von der Seeligkeit derjenigen, die in einer falschen) Dritte Frage: Ob ein jeder Mensch, welcher im wahren Glauben Christum als das einige Mittel seiner Seeligkeit ergreifft, auch in einer falschen Kirchen könne seelig werden: Dis ist die Meynung der ersten von Durchlauchtigster Hand vorgelegten Frage, auf welche nach vorigen Gründen nunmehr leicht distincte
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kan geantwortet werden. Obs. 1. Ist die Ecclesia privative falsa und irrig(Kirche sterben, wird unter allerhand distinctionen theils bejahet, theils verneinet.) im Fundamento selbst, so kan keiner den Glauben behalten, der sich zu ihr bekennet, und also auch nicht seelig darinn werden, es wäre denn, daß er nicht gewust hätte, um die Unrichtigkeiten derselben, wie vornemlich Thesi XIV. erwiesen. Obs. 2. Ist sie positive falsa, und man hat ex conscientia erronea theil an ihren Abusibus, so ist am Ende nächster Frage erwiesen, daß die, in welche der Glaube wahrhafftig eingewurtzelt, durch eine solche Impurität (die ihnen anklebet, weil sie meynen, daß es GOtt so erfodere) ihre Seeligkeit nicht verlieren. Doch kan der Abusus so groß seyn, daß ihn auch conscientia erronea nicht entschuldiget. Also war es ein Unglaube, da Paulus die Christen ex conscientia erronea verfolgte, und wäre er nicht erleuchtet, so wäre er drinn verdammet. In so grossen Abusibus nun verlieret sich der Glaube, denn da könnte man leicht conscientiam erroneam besser examiniren, wenn man nur seinen eigenen Hertzen Gehör giebt, und den Eyffer fahren lassen wolte. Obs. 3. Ist aber keine conscientia erronea vorhanden, sondern die Rede ist von einer Person, welche gnugsam in den irrigen Lehr-Puncten derselben Kirchen weiß, was die rechte Wahrheit ist, (oder, welches auf eines hinaus laufft, offenbare Gelegenheit hat gehabt, es füglich zu lernen) ein solcher muß nothwendig von der verirrten Kirchen abtreten, sie mag seyn positive oder privative falsa, wo er indessen, da er in diesem Coetu lebet, nicht das Kleinod des Glaubens verliehren will. Obs. 4. Diese Abtretung aber ist zweyerley, eine euserliche, da man sich von aller Gemeinschafft wegbegiebet, und eine innerliche, da man in übrigen Stücken bey einer irrigen Gemeine bleibet, und nur in denen Sachen, darinn man ihren Irrthum erkennet, sich von ihnen absondert. Obs. 5. Die euserliche Abtretung wird nicht einmahl erfodert in einem Coetu, welcher die beneficia Fcclesiae universalis behält, wie die Römische Kirche ist; es wäre denn, daß sie uns in Römischer Clerisey nicht gestatten wolten, die innerliche Abtretung zu üben. Obs. 6. Von einer Ecclesia, die nicht mehr die Thesi XIII. erzehlte Beneficia behält, als da ist die Socinianische, muß man auch eusserlich abtreten, wiewohl auch hierinn Dispensation statt haben kan, wenn sich so bald kein füglicher Weg findet, in einem Coetum zu kommen, da man solche Beneficia geniessen kan. Solche Leute sind, wie oben gemeldet, als im Exilio. Daß aber die eusserliche Abtretung nicht unumgänglich erfordert werde, ist aus folgenden Exempeln zu ersehen. .) Die Samariter, so Joh. IV. bekehret wurden, hat Christus nicht genöthiget zur Jüdischen Kirche zu treten. .)
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Die 7000. zu Eliä Zeiten sind nicht eusserlich von ihrer corrupta Ecclefia abgetreten. .) Nicodemus und andere Fromme sind unter denen Pharisäern geblieben. .) Der Syrer, Naeman ließ es beym innerlichen Abtritt von der heydnischen Kirchen bewenden, welches Elisa approbirte. 2. Reg. 5. v. 17. .) Christus selbst hat sich von der Jüdischen sehr verdorbenen Kirchen nicht separiret, sondern ihre Feste mit gehalten. Obs. 7. Hie objiciret man: So hätte Lutherus sich auch nicht separiren sollen von der Römischen Kirchen, ob sie schon verdorben. Resp. Man gönnete Luthero nicht den innerlichen Abtritt von solchen Verderbnüssen zu üben, und andere darauf zu weisen, sondern man hat ihn mit Gewalt aus der Brüderschafft stossen wollen; drum muste er in einem neuen Coetu die Jura Ecclesiae universalis, die sie ihm nicht nehmen kunnten, fortfahren zu üben, wie sich denn um eben folcher Ursach willen die Apostel von der Jüdischen Kirche sonderten. Actor. 13. v. 46. Obs. 8. Daher ist klar, daß einer in Romana Ecclesia bleiben kan, wenn ihm nicht verwehret wird, die innerliche Abtretung von allen Irrthümern, die er an derselben erkennet. Obs. 9. Zu dieser Abtretung ists nicht genug, daß man einen innerlichen Dissensum habe, und eusserlich im Werck alles irrige mit mache, diß wäre eine Heucheley. Man muß sich in der That und mit Ernst enthalten der Dinge, die man vor unheilig erkennet, wie Naeman, ob er gleich seinem Könige beym Götzen-Dienst aufwartete, dennoch selbst sich darzu nicht bringen ließ, den Götzen anzubethen. Obs. 10. In denen die den Glauben fassen aus dem Wort, und die Tieffe des Satans nicht erkennen, geschicht die Abtretung incognito, indem der H. Geist machet, daß nur die reine Lehre recht bey ihnen hafftet, die unnützen Stoppeln aber wenig ans Hertz kommen. (Die 4 Frage von Ubertritt einer Protestirenden Printzessin wird unter etlichen Bedingungen bejahet, und auf die Einwürffe geantworet.) Vierte Frage: Ob eine Durchlauchtige Printzeßin, so der Protestantischen Religion zugethan, wegen Vermählung mit einem Catholischen Könige zur Römischen Kirche übertreten könne: Obs. 1. Wenn ein solcher Ubertritt damit gemeynet wird, da man alles will mitmachen, was man im Gewissen für unrecht hält, so ist keine Ursache so wichtig, daß sie könnte affirmativam suadiren. Sie sind alle abzuweisen, nicht anders, als wenn der Satan sagte: Dis alles will ich dir geben, etc. Obs. 2. Aber wir handeln von dem Ubergang einer Person, die im festen Glauben ihren JEsum gefaßt hat, und beständig biß an ihr seeliges Ende fassen und behalten will, und also nichts wissentlich zu begehen gedenckt, daß ihr die Zuversicht dieses Glaubens
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rauben könnte. Obs. 3. So ist nun zwar das sicherste, den Fuß aus der Römisch-Cathonschen Kirche wegzulassen, in Betrachtung der vielen und schweren Versuchungen und Anfechtungen, welche bey solchem Eintritt und hernach immer mehr und mehr erfolgen dürfften, welche alle zu überwinden ein im Glauben an Christum durch die Krafft des Geistes tief gegründetes standhafftestes Hertz erfodern. Obs. 4. Jedennoch aber, wenn hochgedachte Printzeßin tüchtig genug, gegen alle solche Anfälle gegründet und ausgerüstet wäre, möchte auf diesem Fall endlich zu decidiren seyn, daß wohl Ursachen von solcher Wichtigkeit sich finden können, welche diesen Tranfitum nicht gar unzuläßig machen dürfften, sonderlich wenn eine Göttliche Direction da ist, die zum sonderlichen Aufnehmen der wahren Kirchen und des Vaterlandes menschlichen Ansehen nach hinaus schlagen könnte, also hat .) David aus Göttlicher Direction sich unter die Philister, Nami unter die Moabiter und andere Heiligen sonst wohin unter die Abgöttischen zu Zeiten wohl sich begeben, wobey auch grosse Seelen-Gefahr gewesen. .) Die Königin Esther hat auf Göttliche Direction noch ein mehrers mit dem abgöttischen Ahasvero gewaget, ja vorerst gar als Concubine sich gebrauchen lassen, nicht wissende, ob GOtt sie einmahl zur Crone befördern würde. .) Und diefelben Exempel betreffen noch gefährlichere und dubiesere Casus, da der Zeit die Kirche GOttes an einen gewissen Ort gebunden war, da man jetzo an allen Orten GOtt kan im Geist und in der Wahrheit anbethen. Man objiciret: die Personen so zum Exempel angeführet, haben sich nicht dürffen zur fremder Lehre bekennen. Resp. Auch in unsern Casu wird die übertretende Printzeßin ihr kein fremdes Glaubens-Bekänntnüß aufdringen lassen, sondern nur anzeigen, daß ihr itziger Glaube nicht abstimme von dem Bekänntnüß, so in dem Catechismo der uhralten Catholischen Kirchen enthalten ist. Ihr Bekänntnüß muß nur bloß auf dieser Kirchen uhralte Catholische und Apostolische Lehre, wie sie noch in Catholischen Büchern vorhanden ist, restringiret werden, mit nichten aber auf die streitigen Abusus, und also von Hertzen glauben und bekennen, daß sie noch wie vor NB. in der Gemeine des HErrn oder in der Gemeinschafft der Heiligen Obs. 2. n. 2. unverrückt verbleibe; wird aber etwas verdächtiges mit in das Bekänntnüß eingerücket, davon müssen gefodert werden die moderatesten Erklärungen, die in der 2. Frage obs. 2. lit. . erwehnet. Man objiciret: (2.) Einer solle sich ohne Noth nicht in Gefahr der Seelen begeben. Resp. 1. dieses leugnet man gar nicht, und kan freylich die übertretende Printzeßin, daferne sie nicht in der allerhei
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ligsten Vorsichtigkeit unter andächtigem Gebet sich befindet, in der Römisch-Catholischen Kirche auf mancherley Art und Weise in Gefahr der Seelen lauffen. Allein es kan auch die Sache von solcher Wichtigkeit seyn, daß man in deren Unterlassung sich gleichfalls ein Gewissen zu machen hätte, und eine solche Göttliche Führung, wenn man sie recht ansiehet, aequipolliret sie der necessitati. Resp 2. Die Gefahr der Seelen ist auch in unserer Kirchen groß genug. Allein je mehr sie vor Augen schwebt, wie gewiß in Spanien, je vielmehr wird man auch ermuntert werden, dagegen zu beten, und mit fleißiger Ubung Göttlichen Worts sich zu verwahren. Man objiciret (3.) Ihro Durchlaucht haben angelobet und sich öffentlich verpflichtet, bey der Evangelischen Wahrheit zu bleiben. Resp. Behüte GOtt, daß ihr nie in Sinn kommen möge, nur einen Punct derselben fahren zu lassen, wenn es mit den nöthigen Requisitis, die in nächster Frage vorzulegen, nur zum Stande kommt, so wird sie wohl ein Membrum der uhralten Catholischen Kirchen und der Gemeinschafft der Heiligen, als eine Evangelische Christin bleiben. Objectio 4. die Römische Kirche verflucht und verketzert die Lutheraner. Resp. Das ist ein blinder Eyffer etlicher hitzigen Köpffe. Und was können uns ihre Anathemata schaden? wir wollen desto fleißiger für sie beten. (Bey der 5. Frage werden acht Bedingungen gesetzt, unter welchen dieser Ubertrit geschehen könne, nebst einen Anhang etlicher Erinnerungen.) Fünffte Frage: Was für Conditiones bey solchem Ubertritt erfodert werden: Obs. 1. Die Durchlauchtigste Person hat vor allen Dingen sich zu hüten, daß NB. sie sich zu keiner Abschwerung bringen lasse, derselben Religion, darinn sie stehet. Sie würde auf gewisse Masse auch die Religion mit abschweren, dazu sie tritt, weil einerley Glaubens-Gründe in der Gemeinschafft der Heiligen in beyden, und alles was in unsern kleinern Catechismo stehet, auch bey ihnen gilt. Obs. 2. Sie müste auch NB. nothwendigst dahin sehen, daß communio sub utraque specie beybehalten werde. Ferdinandus I. und Albertus Bavarus haben darinn Dispensation erlanget vor gantze Nationen, so wäre ja solches vor eine eintzele Person noch leichter auszuwircken, wie auch Dux Hannov. laudatiss. Joh. Fried. vor sich erhalten, sonderlich da man itzo keinen morosum senem zum Pabst hat, sondern einen, der sich mehr als zu wohl in die Zeit schicken kan, und bey dem itzt noch mehr auszurichten stünde, jeweniger sein Interesse leidet, des Catholischen Königs Ungunst auf sich zu laden. Obs. 3. Wegen des Scandali, so noch ein ziemlicher wichtiger Punct ist, so daraus zu besorgen, so müste solches durch ein von denen Herren Politicis zu ersinnendes Moyen
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öffentlich und absonderlich dem gemeinen Mann, der so gar leicht sich ärgern mag, vorgestellet werden, was vor ein importanter Unterscheid es sey, daß man hier sagen müsse: Duo cum faciunt idem, non est idem. Wiewohl doch auch solche scandala magis accepta quam data, indem billig der gemeine Mann nicht sogleich zufahren und richten solte über Dinge, davon er die Ursachen nicht penetrirte. Obs. 4. Auch müste vor allen Dingen die Printzeßin im Gewissen feste seyn, daß ihr dieser Ubertritt an der Seeligkeit nicht schade, massen der Gerechte seines Glaubens leben muß. Obs. 5. Es müste Ihro Durchlaucht unverwehret bleiben, mit verständigen und moderaten Theologis unsrer Kirchen Correspondence zu halten, und in vorfallenden Dubiis sie zu consuliren. Obs. 6. Hochgedachte Durchlauchtige Person müsten, wie auch ohnedem geschiehet, noch mehr als andere praepariret werden, aus geistreichen Schrifften und Liedern unsrer Theologorum die im Pabstthum nicht verworffen sind, ihre eigene Andacht zu erbauen, die Kern und Macht-Sprüche heiliger Schrifft durch fleißige Preces und Meditationes in die vivam praxin zu bringen, auch die vornehmsten des Heiligen Geistes Lehr-Sprüche im Gedächtnüß haben. Wenn sie nehmlich solche Praxin mit etlichen Sprüchen versucht, wird die Maasse des Geistes so zunehmen, daß ihr ein Licht nach dem andern aufgehen muß, und sie den Mangel eines Evangelischen Predigers schon vor sich ersetzen könne. Obs. 7. Daneben müste auch ihr die Vergönstigung, wie schon viel andern geschehen, gelassen werden, die heilige Schrifft in ihrer Mutter-Sprache zu lesen. Obs. 8. Auch müste bey ihrem Beicht-Bater bedinget werden, sie mit Streit-Fragen zu verschonen, und nur an die Catechismus-Milch zu gewöhnen. Zum Exempel, die Anruffung der Heiligen, weil man sie im Pabstthum gar nicht nothwendig achtet, müste er nicht urgiren gegen eine hohe Person, die drüber nichts anders als Scrupulos und Anfechtung empfinden könnte. Obs. 9. Im übrigen so gefährlich auch ietzo das Werck anzusehen, so herrlich kan vielleicht GOtt, der durch seine so allerwunderbareste Fügung diese hohe Alliance aufs Tapet gebracht, es mit der Zeit durch diese kluge, und im Glauben so herrlich fundirte Printzeßin dahin bringen, daß die sich itzt an ihrem Ubertritt ärgern, hernach noch wohl GOtt destomehr preisen müssen vor das Gute, das er durch dero hohe Person der Kirchen zum besten ausgerichtet. Und dergleichen Seegen würde hernach die beste Versicherung seyn, daß GOtt an ihrem Ubertritt kein Mißfallen hätte, sondern selbst das Werck dem Evangelio zur Aufnahme also fügen wollen.
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Welches denn wider alle Anfechtung ihr zur Vormauer dienen, und in Freudigkeit des Glaubens dagegen aufrichten würde. Wenn sie nehmlich durch heiligen Wandel entweder ohne Wort oder mit süsser Einflössung Evangelischen Trostes dero hohes Gemahl mit der Zeit gewinnen, und ihm ein solches geneigtes Hertz zur Wahrheit machen könnte, als wohl ehe Oesterreichische Helden Ferdinandus I. Maximilianus II. und Rudolphus II. geheget, ja selbst Carolus V. in seiner letzen Einsamkeit. .) Wenn sie als eine kluge und Glaubens-volle Esther, daß die Spanische Inquisition nachgerade mit Manier zu lindern, wo nicht gar abzustellen, trachten möchte. Doch würde sie wissen in der Klugheit der Gerechten vornehmlich zuzusehen, daß alles zu der Zeit gewaget werde, da es sich am besten schicken will, nichts mit der Force zu verderben, doch auch nicht so bald zu desperiren, wenn es nicht gleich gelingen will, sondern alles GOtt desto fleißiger zu befehlen. Sed haec tandem huc non spectant ex instituto. (Das zehende Responsum.) §. XIX. Nachdem also einige Theologische Responsa eingelauffen waren, die über Vermuthen die beyden vorgelegten Fragen nach Verlangen beantwortet hatten, wolte man es auch versuchen, ob man ein dergleichen Responsum auch von einen auswärtigen Theologo erhalten könte. Da man aber sahe, daß bey dem ersten Versuch dasselbe nicht klappen wolte, und wegen des zu gleicher Zeit entstandenen neuen Lermens, davon in dem künfftigen Handel ein mehrers wird zu sagen seyn, man für nöthiger hielte, desselben wegen neue Responsa einzuhohlen, so bemühete man sich nicht mehr um dergleichen besorget zu seyn. Dieses zehende Responsum nun beantwortete zwar die erste Frage, daß, obschon nicht alle, doch viel Papisten seelig würden; aber die andere Frage, um die es an meisten zu thun war, verneinete es schlechterdings. In übrigen gleichwie dieses Responsum sich sonst wegen seiner Deutlichkeit und Kürtze auch grossen Ruhms des Herrn Autoris recommendiret; also ist darbey noch dieses zu mercken, daß die in selbiges eingerückte 20. Zahlen nicht von dem Herrn Autore des Responsi herrühren, sondern selbige von einem andern aus gewissen Ursachen hinzugesetzt worden. (Die erste Frage wird zwar wegen der Seeligkeit vieler, aber nicht aller Papi-) Was die zwey vorgelegten Fragen belanget, sind dieselben wohl werth, daß sie fleißiger untersucht werden, als mit wenigen Worten nicht geschehen kan. Meine Meynung aber ist von der ersten: Viele unter denen Papisten werden durch den wahren und lebendigen Glauben an Christum seelig, wie Lutherus selbst gelehret hat. Aber dieses kan (1.) nicht durchgehends von allen denen gesaget werden, die Glieder der Römischen
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Kirchen sind, und den abergläubigen Lehren und Satzungen, ingleichen(sten mit Ja beantwortet.) (2.) der abgöttischen Verehrung Beyfall geben, und (3.) die Evangelische Wahrheit verwerffen, und bestreiten. Unter andern ist wider sie, was geschrieben stehet. (4.) Matth. 5, 19. Darnach ist ein Unterschied zu machen unter denen, die in der Römischen Kirchen gebohren und erzogen sind, und vielleicht ohne ihre Schuld (5.) ein grösser Licht des Glaubens sich nicht haben schaffen können, und den andern die mit einem grössern Licht des Evangelii erleuchtet, (6.) das Geheimnüß der Päbstlichen Boßheit schon erkannt haben. Diese wenn sie (7.) zu einer sehr verderbten Kirche übergehen, (8.) gerathen in Seelen-Gefahr: denn sie (9.) thun eben, als die, welche in ein mit Pest angestecktes Hauß gehen, in Hoffnung, daß sie werden gesund bleiben, weil die Pest nicht alle Inwohner hat angestecket, oder aufgerieben. Auf die andre Frage antworte ich mit Nein, denn ich praesupponire(Aber die andre Frage schlechterdings verneinet.) und setze zuvoraus: a.) Die Römische Kirche sey (10.) das geistliche Babel, Apoc. 13, 18. wie auch (11.) die alten Papisten nicht leugnen, b.) es sey in derselben (12.) offenbarer abgöttischer Gottesdienst, als in Italien, Spanien und Portugall. c.) Die Lehre (13.) vom Glauben, der da rechtfertiget, und vom Heil. Abendmahl in das Meß-Opffer verändert, und das (14.) Heil. Abendmahl zerstümmelt, d.) das Haupt derselben Kirche sey der Anti-Christ, (15.) welches (16.) D. Georg. Calixtus zeiget. (17.) Wenn diese und andre sehr grobe, in der Lehr und Ubung vorlauffende Irrthume praesupponiret werden, so halte ich davor, es könne eine in der Evangelischen Lehre unterrichtete Printzeßin mit guten Gewissen und ohne Gefahr der Seeligkeit zur Römischen Kirche nicht übertreten. Was von den Merckmahlen sonderbarer Göttlicher Providenz allegiret wird, ist (18.) noch zweiffelhafftig: denn durch dieselbe wird nicht befördert, (19.) was seinen geoffenbarten Wort und dem ihm gebührenden Gottesdienst zuwider ist, und verbothen. Die Leute (20.) legen offt die Gelegenheiten, die zu ihren Nutzen und Hoheit dienen, für Göttliche und vom Himmel geschickte Gelegenheiten aus. §. XX. Nemlich es wurde dieses zehende Responsum dem Autori(Anmerckungen über selbiges.) des fünfften Responsi übergeben und ihm angedeutet, daß er seine Gedancken darüber eröfnen solte: gleichwie nun aus dem fünfften Responso zu sehen, daß er von dem Autore des zehenden Responsi gar sehr dissentirte; also hielte er vor nöthig, seine Erinnerungen wider dieses zehende Responsum, und zum theil Beantwortungen der darinnen angeführten Rationum in zwantzig kurtze Anmerckungen zu fassen, und damit er
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nicht allemahl nöthig hätte die Worte des zehenden Responsi, auf welche diese seine Beantwortungen gerichtet waren, zu wiederhohlen, diese Zahlen auch dem zehenden Responso an gehörigen Orte einzuverleiben, welcher dannenhero von dem Leser, ehe er die Beantwortung oder Erinnerung lieset, vorhero muß überlesen und conferiret werden. (Kurtze Beantwortung der im vorigen Responso gemachten Dubiorum.) 1) Es kan auch nicht von allen der Unsrigen gesagt werden, daß sie seelig werden. Und komme solches nicht von der Lehre her, sondern gemeiniglich daher, daß die Leute der guten und heilsamen Lehre nicht gemäß leben. Werden nun einige unter den Papisten, wie der Autor gestehet, seelig, so müssen sie eine heilsame und seeligmachende Lehre haben, und die andern, so nicht seelig werden, haben solches nicht der Lehre der Römischen Kirche, sondern ihren Unglauben oder gottlosen und unbußfertigen Leben zuzuschreiben. 2) Die abgöttische Verehrung in der Römischen Kirche ist noch nicht erwiesen. Es wird der Autor damit auf die Verehrung der Heiligen und Anbetung des Sacraments zielen, aber es sind fromme und geschickte Lehrer so wohl unserer als der Reformirten Kirche, die sie von einer eigentlichen und wahren Abgötterey absolviren. 3) Welche unter denen Catholischen die Evangelische Wahrheit, deren kurtzer Begriff im kleinen Catechismo verfertiget ist, verwerffen und bestreiten, und damit ohne Busse fortfahren biß an ihr Ende, die werden billig verdammet; und die es bey uns thun, werden auch darüber Kinder der Höllen. Aber was hat die Lehre mit dem zu thun? diese giebt solche Gottlosigkeit nicht an die Hand. 4) Der Spruch Matth. 5. v. 19. lautet also: Wer nur eines von diesen kleinesten Geboten auflöset und lehret die Leute also, der wird der kleineste heissen im Himmelreich. Der Verstand dieses Spruches ist dieser, wie in der Weimarischen Bibel zu sehen: Wer eines von den vermeinten geringsten Geboten GOttes durch seine Ubertretung nicht hält, und andre lehret, daß sie auch solche kleinere Gebote zu halten nicht schuldig seyn, der werde, als ein Widersacher des Gesetzes, aus dem Himmel und von der ewigen Seeligkeit ausgeschlossen bleiben. Aber wenn man nun die Application machet auf die Catholische, wie wird man bestehen? Wie wird man beweisen, daß sie lehren, man soll einige von den Geboten GOttes nicht halten? Lutherus setzet zwar in der Glossa: Also thut der Papisten Hauff; sagen, diese Gebot Christi seyen nicht Gebot, sondern Räthe; aber dieses läst sich auch nicht so bloß und platt hin sagen, sondern ist genauer zu untersuchen: und wenn dieses geschiehet, müssen die unsrige selbst
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gestehen, daß die Lehre von den Consiliis evangelicis nicht unrecht seye. Vid. Dr. Fabricii Consid. Var. Controvers. pag. 445. 5.) Das Licht des Evangelii oder des Glaubens ist nicht grösser bey uns, als bey den Catholischen, dieweil wir mit ihnen ein Glaubens-Bekäntnüß haben, nehmlich das Apostolische; aber ein grösser Licht haben wir durch GOttes Gnade in Unterscheidung der Neben-Sachen, welche die Römische Kirche nach und nach beygefüget hat. 6.) Was man das Geheimnüs der Päbstlichen Boßheit nennen mag, das ist vielmehr in curia Romana als Ecclesia Romana zu finden, und bestehet in Vergrösserung der Päbstlichen Autorität und Gewalt. Aber damit haben die Kinder der Römischen Kirchen nichts zu thun, sondern sie halten sich an ihren Catechismum, und lernen daraus, wie sie glauben, leben, beten, hoffen und GOttes Wohlthaten, durch Christum erzeuget, sich zueignen und geniessen sollen: gleichwie es die Unterthanen nicht angehet, und sie an ihren Christenthum nicht gehindert werden, wenn an einem oder andern Hofe unverantwortliche Staats-Streiche, die Macht und Gewalt des Monarchen oder Regenten zu vergrössern, geführet werden. 7. 8.) Wer zu einer in der Substanz verderbten und der heilsamen Lehre beraubten Kirche, als wie die Heydnische und Jüdische ist, übergehet, geräth freylich in Seelen Gefahr; item derjenige, der wider sein Gewissen zur Päbstlichen übergehet, das ist, der dafür hält, es sey nicht recht, und doch dawider thut: aber dis stehet noch zu beweisen, ob auch von demjenigen dergleichen zu halten, der von streitigen Lehr-Puncten besser informiret ist, und erkennet, daß dieselbe den Grund des Glaubens nicht umstossen, auch sich versichert, daß er hierunter GOttes Finger spühre, und viel Gutes daselbst zu schaffen hoffet, und sich vornimmt. 9.) Wenn dieses Gleichnüß von einen mit der Pest angesteckten Hause solte angehen, so müste der Catholischen Lehre an und für sich selbst verdammlich seyn. Ist sie aber also beschaffen, wie kommts, daß gleichwohl viele unter ihnen, wie der Autor oben bekennet, seelig werden. 10.) Man muß nicht praesupponiren, sondern probiren, und fein kräfftig und unwidersprechlich probiren, daß die Römische Kirche seye das Geistliche Babel. Apoc. 13, 18. Es ist wohl darinnen ein geistlich Babel in Ansehung derjenigen, die ärgerlich und unchristlich leben, aber dergleichen finden sich auch in andern Christlichen Kirchen, auch in der Unsrigen; es sind auch Unordnungen und Mißbräuche darinnen; aber es wird über dergleichen Dinge auch in andern Kirchen geprediget, geschrieben und geklaget. Die Kirchen-Väter wenn sie auf die Erklärung besagten Spruchs kommen,
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sagen nichts von der Römischen Kirche; und stehet zu untersuchen, ob nicht vielmehr das Judenthum, so sich dem HErrn Christo und seiner heiligen Lehre widersetzte, zu verstehen sey. 11.) Die alten Papisten haben diesen Spruch appliciret auf das ärgerliche Leben ihrer vielen in der Römischen Kirchen, aber nicht auf die Lehre derselben, so fern sie in der H. Schrifft verfasset, und im Catechismo, als einem kurtzen Begriff, vorgetragen ist. 12.) Besiehe die 2.) Anmerckung. Also muß man auch dieses nicht praesupponiren, sondern probiren. 13.) Die Catholischen erfodern sowohl als wir den Glauben zur Rechtfertigung und Loßzehlung von den Sünden: und schreibet D. AEgid. Hunnius in praefat. ad Quaest. & Respons. de Ecclesia: Articulus de justificatione sub Papatu integer servatus est. Tom. 1. p. 1254. 14.) Hierinn hat zwar die Päbstliche Geistlichkeit geirret und irret noch; aber was können die andern Glieder der Römischen Kirche davor? Unterdessen bleiben doch bey ihnen die Worte der Einsetzung, und können sie den Nutzen haben des H. Abendmahls, daß sie es gebrauchen zu Stärckung ihres Glaubens, zur Besserung ihres Lebens und zum Gedächtnüß des bittren Leidens und Sterbens JEsu Christi. 15.) Daß der Pabst der Anti-Christ sey, ist wahr, ist auch nicht wahr, wie D. Fabricius ausgeführet, pag. 574. Amoenitat. Theolog. Ein jeder, der Christo mit der Lehre oder mit dem Leben widerstrebet, ist ein Anti-Christ, das ist ein Widersacher Christi. Was bekümmern wir uns um andre? Lasset uns in unsern eigenen Busen greiffen und uns selbst prüffen. 16.) D. Calixtus giebt es zu, von gottlosen Päbsten, aber nicht von allen Päbsten. Er nimmt aus den damahls regierenden löblichen Pabst Urbanum IIX. und andre seines gleichen. 17.) Diese Praesupposita sind noch nicht richtig, sondern bedürffen eines guten Beweises. 18.) Die Ehen werden im Himmel gemacht, nach dem alten Sprichwort; kommt nun der Antrag ohngefehr, so schreibe man es nicht unbillig der Göttlichen Providenz zu, und ist nicht nöthig darüber zu zweiflen. 19.) Es muß erstlich bewiesen werden, daß dieses dem geoffenbarten Wort GOttes, und dem ihm gebührenden Dienst zuwider sey. 20.) Offt, aber nicht allemahl. Und wann solches offt geschicht, ergo auch hier? dieses ist auch noch zu beweisen. (Summarischer Inhalt eines Spenerischen) §. XXI. Gleichwie es aber insgemein zu geschehen pfleget, daß wo die Theologi unter sich nicht einig sind, eine jede Parthie gar leichte bey Hofe sowohl einige von denen Fürstlichen Personen, als von denen Hof-Ministris und Bedienten, so wohl männlichen als weiblichen Geschlechts zu Vertheydigern, Verfechtern und Anhängern bekömmt, und also die
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widerwärtigen capita Ecclesiastica nach dem Stylo der Canonisten auch(Bedenckens über eine an ihn ergangene gleichmässige Frage.) widriger brachiorum secularium sich bedienen. Also gienge es auch hier. Weil nun der Herr D. Spener schon Anno 1702. in dem vierten Theil seiner Theologischen gedruckten Bedencken Artic. 3. Sect. 6. pag. 351. seq. eine gleicherweise an ihn gethane Frage an einen hohen Ort: Wann in die Catholische Kirche geheyrathet werden solte, und unfehlbar ein Abfall von unserer Religion geschehen müste, ob noch Hofnung der Seeligkeit vor dieselbe Person übrig sey: Mit Nein beantwortet hatte; als schickten diejenigen, die sich unterstunden, wider den damahligen Durchlauchtigsten Herrn Quaerentem sich gar eines so genannten Binde-Schlüssels zu bedienen, (davon bey folgenden Handel mehrere Umstände vorkommmen werden) einer andern Fürstlichen Person, von der ihnen bewust war, daß sie auf des nunmehro seeligen Speners Schrifften viel zu halten pflegte, dieses gedruckte Bedencken zu, und vermeynten dadurch dieselbe gäntzlich auf ihre Seite zu bringen, und von dem Durchlauchtigsten Herrn Quaerente abspenstig zu machen. Dieweil aber diese Spenerische Bedencken allbereit in sehr vielen Händen sind, und der curiöse Leser derselben gar leichtlich habhafft werden kan; als wird es nicht nöthig seyn, dasselbige ausführlich allhier mit beydrucken zu lassen, sondern ich will nur anitzo den kurtzen Inhalt des Spenerischen Bedenckens, jedoch bona fide, hieher setzen. Anfänglich, weil Spenero die Frage wie fie kurtz vorher gemeldet worden, etwas dunckel schiene, und er solcher gestalt für bedencklich hielte dieselbe so platterdings mit Nein zu beantworten, formirte er dieselbe auf folgende Weise: Ob ein dergleichen Abfall eine wahrhafftig verdammliche Sünde sey, dadurch sich eine solche Person ihrer Seeligkeit in solchen Stande verlustig mache? Welche Frage er so dann mit Ja (und folglich in der That die Frage wie sie an ihn abgegangen und dem Bedencken vorhergesetzt ist, mit Nein) beantwortete. Zu Behauptung dieser seiner Bejahung führete er folgende sieben Gründe an. 1.) Wäre dergleichen Umtritt zu der Päbstlichen Religion eine offenbahre Verleugnung Christi und seiner erkannten Wahrheit, davon unser Heyland ein hartes aber gewißlich wahrhafftes Urtheil Matth. X. v. 32. 33. und Lucae IX. v. 26. ingleichen Marc. IIX. v. 38. gesprochen. Zumahlen da vornehmlich die Wahrheit des Artickels von der Rechtfertigung von der Papistischen Religion sehr gekräncket werde. &c. 2.) Sey es eine solche Sünde, welche bey denenjenigen, die vorhin in ihrer wahren Evangelischen Religion gründlich unterrichtet wären, offenbahr wider das Ge
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wissen gehe, welcherley Art Sünden insgemein den Verlust Göttlicher Gnade mit sich brächten. 3.) Könne man bey Untersuchung der Ursache, warum eine dergleichen Heyrath geschehen möchte, keine andre finden, als die Liebe zur Ehre dieser Welt, und weltlichen Hoheit, und müste man also den Spruch wohl bedencken: Was hülffe es dem Menschen, wo er die gantze Welt gewinne, und nähme doch Schaden an seiner Seele, oder was kan der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse: 4) Weil dadurch das bey der ersten Zulassung zu der heiligen Communion und Confirmation gewöhnlich gethane Versprechen und Gelübde gebrochen würde; daß man nehmlich bey der einmahl erkannten und bekannten Wahrheit, und bey der wahren Evangelischen Kirchen verharren, und sich davon durchaus nichts abwendig machen lassen wolle. 5.) Weil dadurch nicht allein manche schwache unter uns und einer solchen Person nahe Anverwandte, sondern auch die Papisten selbst sehr geärgert, und diese letzten damit nicht nur in ihren Irrthum gestärcket würden, sondern auch dadurch Anlaß bekämen andre zum Abfall zu verleiten. 6.) Weil es mit dem Abfall zu der Päbstischen Kirchen grössere und mehrere Gefahr habe, als zu einigen andern irrigen Religionen, indem darinne der Mensch der Sünden 2. Thessal. 2. anzutreffen sey; weil darinnen Abgötterey getrieben würde; weil dero gantze Verfassung und Regiment einmahl das GOtt dem HErrn so höchstverhaßte Babel sey. Offenb. Joh. cap. XVII. v. 9. 18. &c. Und obwohl einige zu weilen vor ihren Abfall capitulirten, dieses oder jenes nicht zu glauben, und auch damit angenommen würden, so stäcke doch darunter nichts als Betrug, und wäre sothane Ausnahme nichts als ein leeres Spiegelfechten, die Leute damit zu fangen, weil doch insgemein bey der gewöhnlichen professione fidei, die Römische Kirche für eine Mutter und Meisterin aller andern Kirchen, der Pabst für Christi Statthalter erkennet, die Lehre des Tridentinischen Concilii angenommen, und alle demselben widrige Lehre als Irrthum und Ketzerey verdammt, verworffen, und verflucht werden müsten, &c. Ob schon sonsten GOtt seinen Saamen in Pabstthum noch übrig habe, und GOtt darinnen viele einfältige kräfftiglich erhalte; ja auch eine und andre Gelehrte, als einen Brand aus dem Feuer errette, und durch einige rechtschaffene Seelen mitten im Pabstthum bey andern etwas Gutes pflantze, damit nicht gar alles in demselben wie Sodoma und Gomorra würde, welches geschehen müste, wo alle rechtschaffene Seelen, davon ausgiengen, &c. 7.) Weil es nunmehro ohne das je länger je gefährlicher werde, in der Römischen Kirche
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zu seyn. Wobey abermahls erinnert wird, daß es nach der Offenbahrung Johannis 1. Capit. unwidersprechlich sey, daß dem Römischen Babel ein schreckliches Gericht vorstehe, etc. §. XXII. Damit nun durch dieses Spenerische Bedencken die(Eines andern Theologi Gutachten über das Spenerische Bedencken.) andre Parthey nicht irre gemacht werden möchte, wurde dem Autori des oben §. X. angeführten andern Theologischen Responsi gnädigst aufgetragen, in der Furcht GOttes und Liebe die Gründe des Spenerischen Bedenckens zu erwegen, und seine Gedancken davon zu eröffnen; der dann auch solches mit geziemender Bescheidenheit dergestalt verrichtete, daß er sich zu erweisen angelegen seyn liesse, wie der Spenerische Haupt-Satz des ersten Arguments, als wenn durch den Ubertritt zur Römischen Kirche Christus verleugnet würde, sehr zweiffelhafft sey, insonderheit was ihre Lehre von der Rechtfertigung, und von guten Wercken, ingleichen von den Päbstlichen Indulgentien beträffe, bey welcher Gelegenheit er auch zugleich seine Meynung entdeckte, was bey dem Evangelisten Luca in 9. Capitel dadurch, wenn man sich der Wort Christi schäme, verstanden würde. So dann beantwortete er gleichfalls das andre Argument von der Sünde wider das Gewissen, und in specie die Einwürffe, von Betrug und Spiegelfechten der Römischen Kirchen, von der neuen Glaubens-Bekänntnüß der übertretenden, und von der Göttlichen Beybehaltung etlicher in der Römischen Kirchen auferzogenen Seelen, damit durch selbige etwas Gutes gestifftet würde, (die der seelige Spener bey seinen 6. Argument angeführet hatte,) und fassete endlich seine übrige Beantwortungen des dritten Arguments von der Liebe zur Ehre der Welt, ingleichen des vierten, von der Gelübt bey der Confirmation, des fünfften, von Aergernüß, des sechsten von grösserer Gefahr bey der Römischen Religion, item von Babel und Anti-Christ, und endlich des siebenden, daß es heute bey der Römischen Kirche noch gefährlicher aussehe, desto kürtzer: wie solches alles aus dem folgenden Gutachten selbst mit mehrern abzunehmen ist. Ob zwar wohl die Veneration und Hochachtung, die ich billig(Vorbedingung des Autoris, Zweiffelhafftigkeit des Spenerischen Haupt-Satzes.) für solche theure Lehrer unsrer Evangelischen Kirche trage, welche dero lebendigen Glauben rechtschaffen thätig zu erweisen, so wohl in dero Schrifften als selbst führenden Wandel ihnen höchst haben angelegen seyn lassen, mich zurück halten solte, dero heilige und gottseelige in Schriften abgefassete Gedancken zu examiniren, absonderlich da sie schon längst auch den Nahmen grundgelehrter Leute ihnen zuwege gebracht haben, und dannenhero des Herrn D. Speners seel. Bedencken, (dessen
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Schrifften Zeit währenden meinem Amt ich sonderlich hoch zu achten Ursach gefunden) zu beurtheilen in einer so wichtigen Sache, wie jetzo von mir erheischet wird, mich gar nicht unternehmen solte, so habe dennoch eines theils durch dessen sehr gepriesene Demuth, vermöge welcher er gar nicht gewolt, daß man auf seine Worte und Particulier-Meynung schweren solte, andern Theils durch die Liebe, damit ich den jetzo Anfragenden verbunden bin, mich ziemlich bewegen lassen, nach Göttlicher Schrifft und nach der in der Sache selbst gegründeten Wahrheit vorberührten Herrn D. Speners Gründe, damit er zu behaupten meynet, daß eine Verehligung in die Catholische Kirche mit Annehmung derselben Religion ein Abfall von der Christlichen Religion und eine verdammliche Sünde sey, vermittelst Göttlicher Gnade zu beleuchten. Worinn ich denn von der gelahrten Welt desto ehender Dispensation zu erlangen hoffe, jemehr es glaublich scheinet, daß der Herr Spener ohne die Sache zu umschräncken, diese harte Sentenz zu sprechen, durch eine solche Hypothesin bewogen worden, die er zwar bey ihm fest gestellet, dennoch aber unter den Theologen noch sehr disputiret wird, wie es in den folgenden mit mehrern wird angeführet werden. (Nehmlich beym 1. Argument, daß durch den Ubertritt Christus verleugnet werde.) Damit denn nun ordentlich angezeiget werden möge, von was Wichtigkeit dessen Gründe seyn, will ich bey der von ihm gemachten Ordnung bleiben, und einen jeglichen von ihm angeführten Grund etwas eigentlicher untersuchen, da denn dessen erstes Argument, womit er solchen Zutritt zu der Catholischen Religion schlechterdings eine Tod-Sünde zu seyn behaupten will, dieser ist, weiln, wie er schreibet, in dergleichen Umtritt zu der Päbstlichen Religion eine offenbahre Verleugnung Christi und seiner erkannten Wahrheit ist, welches zu beweisen, die Worte Christi Matth. 10. v. 32. 33. angeführet werden: Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater, wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen für meinem himmlischen Vater. Wenn man auf eine disputirliche Art die Sache vorzunehmen hätte, wüste man wohl, wie verfahren werden müste, weiln aber nur Discurs-weiß davon geredet werden soll, ist stracks Anfangs zu bemercken, daß dieser Spruch: Wer mich bekennet &c. sich auf solchen Fall nicht appliciren lasse, auch darauf nicht gedeutet werden könne, wie es denn auch ja Herr Spener mit nicht dem geringsten Wort beweiset, daß bey der Ubertretung zu der Catho
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lischen Religion ein Abfall von dem Christenthum oder eine Verleugnung Christi geschehe. Denn ob er wohl schreibet, daß der Articul von der Rechtfertigung(Und insonderheit in der Lehre von der Rechtfertigung.) in der Papistischen Religion sehr gekräncket werde, so wissen wir doch, daß unser Seits ihnen hierinn viel imputiret werde, welches sie aber nicht gestehen wollen. Das meiste, welches man den Römischen Schuld giebt, als wenn sie darinn den Articul von der Rechtfertigung kräncken, kommt auf diese drey Punckten an: 1) als wenn die Rechtfertigung nicht in einer gläubigen Ergreiffung Christi und seines theuresten Verdienstes, sondern in einer Eingiessung gratiae habitualis bestünde. 2) Daß demnach die gute Wercke bey der Rechtfertigung mit in Consideration gezogen würden. 3.) Daß auch durch Päbstliche Indulgentien Vergebung der Sünden erlanget werden könne. Denn was wegen der Gewißheit der Vergebung der Sünden und Rechtfertigung über die wahrhafftig Bußfertige bißhero disputiret worden, ist so beschaffen, daß, wo man nur einer des andern Erklärung hören will, man wohl darinnen ruhig seyn kan. Nun aber gestehen ja verschiedene Catholische, wie auch unser Gerhardus in seiner confessione catholica angeführet, daß was das 1) betrifft, den Gläubigen Christi Gerechtigkeit und Gehorsam zugerechnet werde, und also die wesentliche Art der Rechtfertigung nicht bestehe in einer infusione gratiae justificantis, und wie wir zu reden pflegen, sanctificantis, sondern allein in der Gerechtigkeit Christi, welche denen Bußfertigen zugerechnet wird, und um deswillen die Sünden vergeben werden. Wie denn auch Dionysius Werlensis in Via pacis p. 374. §. 15. deswegen sich dieser Worte vernehmen lässet: Es betriegen sich die Protestanten, wenn sie den Catholischen beymessen, als wenn sie dafür hielten, daß um einer inwohnenden Gerechtigkeit, Reue und Liebe, und nicht um Christi willen wir gerecht würden, und Vergebung der Sünden erhielten Massen ja Cardinalis Hosius Concilii Tridentini Praeses folgendes Bekänntnüß thut: Dieses ist allein Christo zuzuschreiben, Christus ist allein, welcher die Sünde tilget, der allein eine Genugthuung für unsre Sünde ist. Und die Walenburgici schreiben, daß keiner unter den Catholischen sey, welcher eine andere verdienstliche Ursache der Sünden Vergebung erkenne, als nur allein Christum. Wenn aber das Concilium Tridentinum Sess. V I. Can. 9. leugnet, daß der Ungerechte allein durch den Glauben gerecht werde, so geschiehet nur solches in dem Verstande, unter welchen gemey
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net wird, als wenn nichts anders, nehmlich keine Neue, kein neuer Vorsatz erfodert werde. (In specie von guten Wercken.) Betreffend das 2) als wenn die guten Wercke bey der Rechtfertigung in Consideration gezogen und der Mensch durch die Wercke gerecht würde, so wissen ja die Catholische nicht genugsam dagegen zu protestiren, wenn ihnen beygemessen wird, als wenn sie auch durch gute Wercke gerecht und seelig würden, wie denn solches von der Römischen Kirche abzulehnen, vorangezogener Dionysius Werlensis in seiner Viapacis aus allen Ordens-Leuthen etzliche, wie auch aus der gemeinen Catholischen Kirchen verschiedene, ja zu allen Uberfluß einige Gottfeelige Frauens-Leuthe anführet, die das verdienstliche der Werck zur Rechtfertigung verwerffen, und schreibet anbey ferner ausdrücklich p. 305. in fine; daß das Pharisäische Vertrauen auf gute Wercke ein verdammlicher Irrthum sey. Diese gantze Lehre, und was davon die Papisten halten, wird mehr erleutert werden, wenn ich anführe Michaels, eines vormahligen Weyhe-Bischoffs zu Mentz Worte, die er in seinen Cathechismus-Predigten 1542. zu Mentz drucken lassen: Es wäre eine grosse Abgötterey wo ein Mensch sich selbst in solcher Pelagianischer Hoffarth erhübe, daß er dafür hielte, seine eigene Frömmigkeit und gute Wercke möchten ihn seelig machen, und hielte es ein Werck seiner Kräffte und nicht göttlicher Gnade, fromm seyn und Seeligkeit erlangen, so doch alle Schrifft das Wiederspiel lehret, und die Wahrheit, daß uns GOttes Gnade und Barmhertzigkeit durch Christum seelig mache und nicht unsere Gerechtigkeit Rom. 3. Tit. 3. 1. Joh. 2. GOtt ist nicht ungerecht, daß er guter Wercke vergessen könne, doch so verdienen unsere Wercke keinen Ruhm, sondern wir müssen alle solche Belohnung lassen GOttes Gnade und Gutthat seyn, und von uns selbst nicht höher rühmen, denn Luc. 17. wir sind unnütze Knechte. Zwar pfleget man den Indicem expurgator. Roman. wie auch Indicem expurgatorium Hispan. zu allegiren, und auf dieselbe sich zu beruffen, daß gleichwohl darinnen befohlen worden, daß man aus den Fragen, die man an die Sterbende habe zu thun pflegen, wie auch è sacerdotali Romano dieses habe wegthun müssen: Glaubestu, daß du nicht aus eigenen Verdienst der Wercke &c. seelig werdest. Denn hieraus sey gnugsam zu sehen, daß man das einige Verdienst der Wercke nicht mehr von der Rechtfertigung ausschliessen, sondern mit hinzu ziehen wollen. Allein man muß nicht aus allen Worten und Ver
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ordnungen einem stracks consequentias affingiren, sondern erst gleichwohl dero Erklärung hören, warum solches geschehen sey, nehmlich es sey, wie Dionysius Werlensis in Via pacis c. 1. Art. 3. §. 5. p. 50. anzeiget, nicht deswegen geschehen, daß man glauben wollte, daß der Mensch aus eigenen Kräfften und Verdiensten ohne die Krafft und Verdienste Christi seelig werde, sondern nur zu einer cautela und Vorsichtigkeit, damit nicht ein Unwissender darüber dahin verfiele zu glauben, daß die guten Wercke gar nicht nöthig zur Seeligkeit, auch gar kein Verdienst hätten, sondern er zur Seeligkeit praedefliniret, und also auf keinerley Weise vordammet werden könne. Das 3.) aber, als wenn durch Päbstliche indulgentien Vergebung(Ingleichen von Päbstlichen. Indulgentien.) der Sünden zu erlangen sey, ist so beschaffen, daß zwar Päbstlicher Seite deßfalls wohl zu einer Zeit ein Mißbrauch vorgangen, so gar, daß auch zu Bonifacii IX. Zeiten deshalber der Bind- und Löse-Schlüssel gar nicht geachtet, und auch dieses Mißbrauchs halber Luthero zu reformiren Gelegenheit gegeben wurde. Allein es ist doch solches der gantzen Römischen Kirchen eben so wenig zu imputiren, als unserer Evangelischen Kirche zu imputiren ist, wenn ein Ober- oder Generalissimus Superintendens aus Geitz und andrer übler conduite in seiner Gemeine etwas duldet, oder in einer gantzen provinz deshalber conniviret, und viel böses deswegen einreisset. Wenn dechalben in dem Tridentinischen Concilio ausdrücklich angezeiget worden, daß indulgentien nichts anders seyn, als die Macht und Gewalt, die Christus der Kirchen und insonderheit dem Predig-Amt gegeben, Sünde nicht allein quoad culpam & poenam aeternam, sondern auch der zeitlichen Straffe nach zu erlassen und zu behalten, welches auch in unsern Kirchen gelehret wird: ferner auch Catholischer Seiten zugestanden wird, daß der modus, indulgentien auszutheilen, ad disciplinam gehöre, nicht aber dadurch eine Rechtfertigung geschehe, sondern dem Gerechtfertigten nur verliehen werde: So ist ja dahero genugsam zu ersehen, daß eine eigentliche Rechtfertigung durch indulgentien nicht gesuchet werde. Unterdessen wäre doch zu wünschen, daß man es Römischer Seite wieder auf die alte Gewohnheit der alten Kirchen in diesen Stück kommen, die neuerlichen Meynungen aber von einen Kirchen-Schatz schwinden, und von deren application auf die Verstorbene abliesse, so würde alle disputation in diesem Fall leicht können gehoben werden.
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(Schluß, daß in dem Ubertritt kein Abfall von Christo sey.) Wann demnach nun inzwischen die Rechtfertigung eines armen Sünders für GOtt durch das eintzige Verdienst Christi bey der Römischen Kirche in salvo bleibet, welches ja der Haupt-Grund des Christenthums ist, so ist dahero klar und offenbar, daß aller und jeder Ubertritt zur Catholischen Religion, wo man dabey in acht nimmt, was in acht zu nehmen in einigen reiflichen Uberlegungen angezeiget worden, kein Abfall und keine Verleugnung Christi sey, und also der Spruch Christi Matth. 10. darauff nicht könne gedeutet werden, wie denn auch der context selber zeiget, daß er auf die ziele, die Christi Lehre und der Apostel Predigten gar nicht wollten annehmen, welches ja überhaupt, wie Herr Spener selbst gestehen muß, von der Catholischen Kirche nicht kan gesaget werden. (Was bey dem Luca heisse, sich der Worte Christi schämen.) Zwar will Herr D. Spener durch das 9. Cap. Lucae erklären, was vor ein verleugnen Matth. 10. verstanden werde, und daher deduciren, daß das Verleugnen insonderheit auf Christi Worte gehe, und solcher Meynung nach, alle die Christum verleugnen, welche, ob sie schon seinem Wort nicht feind sind, dennoch solches nicht so viel wehrt achten, daß man um desselbigen Willen einiges Ungemach leide, oder einen zeitlichen Vortheil aus der Acht lasse. Allein wo wir das vorhergehende bey dem Matth. 10. ansehen, so erkläret es sich von selbsten, was für ein verleugnen verstanden werde, nehmlich ein solch verleugnen, da man Christum für den Mittler unserer Seeligkeit nicht achten will, welches aber, wie schon oben deduciret, von den Catholischen nicht gesaget werden kan, sondern nur zu hart bißhero ihnen imputiret worden ist, oh sie wohl biß heute kräfftig dawieder protestiren. Sollte aber Herr D. Spener, damit die controvers, die wegen der göttlichen Schrifft, dero Autorität, Vollkommenheit und Deutlichkeit, wie auch deren Freyheit zu lesen, zwischen ihnen und uns geführet wird, anstechen wollen, so ist das eine solche Sache, welche durch eine redliche explication und Aenderung dessen, was man einseitig sich angemasset, mit GOttes Hülff auszumachen stehet, und einer Dame, welcher lectio & scrutatio scripturae überlassen wird, nicht hinderlich seyn kan; und wenn dann dieselbe bey der Bekänntnüß zu der Catholischen Religion bleibet bey einerley Glauben, den sie vorher gehabt, auch das weltliche interesse nicht lässet ihren primarium scopum oder vornehmsten Zweck seyn, sondern göttliche direction, darinn forschet, erkennet und folget, so kan solches, da sie in gremio der allgemeinen Kirche bleibet, der Römischen Mißbräuche sich nicht theilhafftig
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machet, auch dieselbe nicht approbiret, bey ihr kein Abfall von der Religion und Verleugnung Christi und seiner Worte seyn, und dabey vorgehen, oder dero Zutritt also genennet werden, eben so wenig als Herr D. Spener ihm selbst oder einem Prediger einen Abfall oder Verleugnung Christi und seiner Worte imputiren wird, obgleich in den Verfall der Evangelischen Kirche, worzu wir uns bekennen, sich solche Dinge finden, die ein Priester dulden muß, welche sonst den Grund des Glaubens und der H. Sacramenten gar hefftig berühren, wenn nehmlich von so mannichen Prediger der Glaube so krafftloß zur Heiligung geprediget, und die Sacramente so liederlich denen Leuthen zu ihren opere operato hingereichet werden, ja von manchen noch sorgfältigen Prediger zu seiner grossen Beänstigung hingereichet werden müssen. Der 2. Grund, welchen der seelige Herr D. Spener anführet, ist(Beantwortung des 2. arguments von der Sünde wieder das Gewissen.) dieser, daß die Bekänntnüs zu der Catholischen Religion, wo man vorher in unserer Lehre gründlich unterrichtet ist, eine Sünde wieder das Gewissen sey, welcherley Sünde insgemein den Verlust göttlicher Gnade nach sich ziehe. Welcher Grund zwar in solchen Fall an einer zu denen Catholischen übergehenden Person seine Krafft erhielte, wenn sie im geringsten von dem, was eigentliche und insonderheit nothwendige Glaubens-Lehren sind, sie auch als solche vorher erkannt hat, abwiche, oder etwas, was solchen wahren Glaubens-Grund umstösset oder schwächet, annähme. Wann uns aber ja genugsam bekannt, in was consideration die Lehre von der infallibilität des Pabsts bey denen grossen Herrn sey, diejenige Prinzeßin auch, welche mit ihrer Heyrath an einen Catholischen Herrn zu solcher Religion übergehet, den Grund dero vorher gefasseten Glaubens-Lehren beständig bewahret, unsere Evangelische Lehre und deren Bekenner nicht als ketzerisch abschwehret, das heilige Abendmahl unter beyderley Gestalt behält, und was noch von Schlacken bey der Messe sich finden möchte, sich nicht theilhafftig machet; so kan auch derselben dieser Grund nicht treffen, und sie einer Sünde wieder das Gewissen in diesem Stücke nicht beschuldiget werden. Es wendet zwar der Herr D. Spener gegen solchen Vorbehalt(Und der Spenerischen Einwürffe a.) von Betrug.) und Vorsichtigkeit bey Annehmung der Catholischen Religion ein, daß, wenn man ja Catholischer Seiten in solchen Fällen dispensirte, es doch nur ein Betrug und Spiegelfechten sey, die Leute damit zu fangen, und man nichts anders damit wolle, als auf eine Zeit lang einiges an einem
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erdulden. Allein da man in bürgerlichen Contracten denen Catholischen gleichwohl noch trauet, deucht mich, daß man in einem getroffenen Vergleich, der die Seele angehet, ihnen nicht alle Treue absprechen solle, wie es denn ja ohnedem der Christlichen Liebe entgegen ist, auf den Nächsten zu argwohnen, da er noch biß dato dazu keine Gelegenheit giebet. (b.) Von der neuen Glaubens-Bekänntnüsse.) Es scheinet aber, es habe auch hiergegen Herr D. Spener einzuwenden, daß man ohne Grund solches nicht argwohne, massen, was in denen dispensationibus gegeben, solches in der allgemeinen professione fidei wieder genommen werde. Ich antworte aber hierauf aus einigen concessis des Herrn D. Speners selbsten, wenn er in einem andern Bedencken dieses 7. Cap. seiner theologischen Brieffe Art. 1. sect. 32. p. 151. also schreibet: Ich weiß, daß viele Leuthe in ihrer Römischen Communion der Wahrheit gemäße Gedancken haben, und zuweiln ohngescheut sich heraus lassen, und darauf ein Exempel anführet, daß ein großer Pater Generalis einer berühmten Societät in Rom einen Lutherischen Doctorem beym Abschied embarassirt und gesagt, daß er von allen denen, welche von Hertzen an Christum gläubten, und ihm mit Ernst dieneten, die Hoffnung der Seeligkeit habe, und also auch ihn in der Seeligkeit zu sehen hoffe. Von welcherley moderaten Leuthen bey den Catholischen seeliger Herr D. Spener in unsern vorhabenden seinen Bedencken pag. 361. schreibet, daß, wenn sie gleich von ihrer Kirche nicht ausgiengen, und noch einige Irrthümer nicht kenneten, so bewahre doch GOtt dero Seele, daß es ihnen nicht schaden möge, woraus folgendergestalt gegen Herrn D. Spenern mit allem Fug geantwortet werden mag, können unter denen Catholischen, die zu ihrer allgemeinen professionem fidei sich auch bekennen, doch einige seyn, die dem ohngeachtet doch andere Christliche Gedancken führen, und für sich Reservata haben, die etwa mit den eusserlichen Worten solcher Profession nicht überein kommen, und man auch sonst am Päbstlichen Hoffe nicht dulden möchte, warum kan denn auch nicht eine zu ihnen übergehende Printzeßin gewisse Reservata haben. (c.) Von gebohrnen Catholicken.) Spricht Herr D. Spener, ja GOtt hat dorten Ursache, solche Leuthe unter dem Pabstthum zu behalten, daß sie noch einiges gutesstifften? Ey warum will man dann in diesem Fall solches Gute der Direction GOttes abschneiden, da vielleicht durch eine Printzeßin, die in der Evangelischen Kirchen erzogen, an solchen fernen Orte zum wenigsten die
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Gemüther tractabler gemachet werden möchten, uns zu ertragen, ja dieselbe gar noch wohl einige grobe Schlacken abzulegen durch göttliche Gnade Gelegenheit geben könnte. Der 3. Grund ist, daß man zeitliche Hoheit und Ehre, die(Antwort auf das 3. Argument von der Liebe zur Ehre der Welt.) bey solchen Verehligungen die Ursachen wären, nicht solte mit Gefahr des Verlustes eines unwiederbringlichen Guten kauffen. Es ist aber schon in dem vorhergehenden auch damit in unserm Casu dieser Grund umgeworffen, weil man in dieser Bekenntnüß zur Catholischen Religion nichts von wahrhafftigen Glauben vergiebet oder verlässet, auch zu keinen falschen Dingen, so den Glaubens-Grund kräncken, sich bekennet. Ob aber in hoc casu die weltliche Hoheit die vornehmste Absicht sey, will zum wenigsten daher nicht hoffen, weiln man sich mehrmahlen erkläret, man wolle es der Direction GOttes überlassen, dessen Spuhren man hierinn schon vielfältig gesehen habe. Würden aber zeitliche Absichten in unsern Casu die meisten Bewegungen seyn, so müste ich selber gestehen, daß es um die Seele ein gefährliches Ansehen gewinnen würde. Der 4. Grund ist von der Zusage und Gelübde unserer(Auf das 4. Argument von den Gelübde bey der Confirmation.) Kinder, so bey dero Confirmation geschiehet, hergenommen. Weil aber aus unsern Kirchen-Ordnungen bekannt, daß bey der Confinmation nichts anders zugesaget werde, als was in der Tauffe die Tauff-Zeugen in des Kindes Nahmen schon zugesaget haben, solches aber auch bey der Tauffe der Catholischen gleichfalls versprochen wird, nehmlich Glauben und gut Gewissen zu bewahren, dem Teuffel aber und seinen Wercken abzusagen, so erhellet ja daraus, daß durch die Begebung zur Catholischen Religion observatis observandis, in welcher eben das zugesaget und angelobet wird, was unsere Kinder bey dero Confirmation angeloben und zusagen, nichts wider solchen Verspruch gehandelt werde. Zum fünfften Grund machet der seelige Herr D. Spener das Aergernüß, (Auf das 5. von Aergernüß.) das aus sothaner Annehmung der Catholischen Religion entstehen möchte, welches denn auch allerdings in Consideration zu ziehen ist. Weil aber in denen gegebenen Bedencken, was unsern Casum betrifft, dargegen Verfassung gemachet worden; als wird, wofern man solches beobachtet, auch dieser Grund von selbsten hinfallen. Und obwohl in demjenigen, was zum 6. Grunde angeführet worden, (Auf das 6. von grösserer Gefahr bey der Catholischen) vielerley weitläufftig herbey gezogen ist, so soll doch allem Ansehen nach vis argumenti darinn bestehen, daß es bey der Catholischen
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(Religion, ingleichen von Babel und Anti-Christ.) Religion mehr Gefahr habe, als bey andern. Ob es nun zwar an der Gefahr darinn nicht mangeln möchte, so finden wir doch unter unsern Evangelischen Lehrern verschiedene, welche die Reformirte Religion noch viel gefährlicher angesehen, massen nicht allein D. Hoë anno 1620. von Dreßden ausdrücklich geschrieben: daß wohl 99. Punckte wären, darinn die Reformirten mit den Türcken und Arrianern übereinstimmeten, sondern auch nach ihm ein Prediger in Meissen sich öffentlich vernehmen lassen, daß 200. greuliche Ketzereyen die Reformirte zu beschuldigen wären. Woraus denn zum wenigsten dieses zu ersehen, daß solcheriey Gedancken gegen eine Religion in vielen Dingen wohl mehr von denen Imputationen und von denen wieder eine Religion aus vorgefasten Meynungen entsprossenen Wiedersinn als aus der Sache selbst herrühre, sonderlich aber übernimmt Herr D. Spener allhier, zu urgiren, daß der Pabst sey der 2. Thess. 2. geweissagete und beschriebene Anti-Christ, welche Meynung allem Ansehen nach auch der gantze Grund des abgefasseten Responsi ist. Allein, da er nicht sattsam genug erweiset, daß Babylon die Römische Kirche und der Anti-Christ der Pabst selbst sey, die Patres und sehr viel andre Doctores hingegen einen gantz andern Sinn hier demonstriren, als kan dieses kein fester Grund seyn, und seine Thesin nicht sattsam erweisen. (Auf das 7. daß es heute noch gefährlicher in der Römischen Kirche aussehe.) Womit auch zugleich der 7. Grund hinfällt, als wovon die wahre Meynung noch erst recht gründlich muß deduciret werden, obwohl nicht zu leugnen ist, daß vor dem einige Päbste sich nicht anders als Anti-Christen erwiesen, wie auch wohl mancher Ober- oder Generalissimus Superintendens unter uns sich nicht viel besser erweiset. Coccejus, welcher sonst damit umgehet, daß er den Römischen Pabst den Anti-Christ zu seyn beweise, darf doch nicht insgemein die Römische Babylon nennen, sondern schreibet in seinem Tractat de Ecclesia & Babylone §. 94. welcher in seinem Tom. 7. zu finden, vielmehr also: Ich nenne nicht schlechterdings die Römische Kirche Babylon, sondern alle Bischöffe, alle Priester und Doctores, welche die Wahrheit der Gerechtigkeit GOttes und des Reichs Christi nicht lehren, wie man denn ja vielfältig auch auf unsern Cantzeln höret, daß aller gottlose Hauffe auch unter den Lutherischen Babylon genennet werde. (Beschluß.) Man hätte zwar hier Gelegenheit, die Materie von Babylon und Anti-Christo weitläufftiger auszuführen, weil aber das vorhergehende schon über Vermuthen in viele Blätter angewachsen, will solches auf eine andere Zeit verschieben, massen bey gegenwärtiger Erweisung, daß
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Herrn D. Speners vorhabendes Bedencken nicht bündig genug behauptet sey, die angeführte Argumenta auch denselben keine Krafft geben, uns jetzo auch genug seyn kan, angezeiget zu haben, daß Herrn Speners Asserta: die Römische Kirche und Pabst sey in ihrer Succession Babylon und der Anti-Christ, nicht bewiesen habe, hingegen aber man viel andere Doctores anführen könne, welche von dieser Materia einen gantz andern Sinn behaupten. Hoffe inzwischen, daß dasjenige, was allhie bey seeligen Herrn D. Speners angeführten Gründen angemercket worden, von solcher Deutlichkeit sey, woher genugsam zu schliessen, daß mit denselben noch nicht bewiesen worden, daß eine limitirte Bekänntnüß zu der Catholischen Kirche eine verdammliche Sünde sey. §. XXIII. Ehe ich diesen Handel beschliesse und zum folgenden(Einwurff, daß dieser erste Handel nicht Juristisch sondern Theologisch sey.) schreite, dünckt mir nöthig zu seyn, auf einen Einwurff zu antworten, den ich deutlich vorher sehen kan, daß mir denselbigen meine Widerwärtige entweder heimlich oder öffentlich machen dörfften. Was will daraus werden? werden sie sagen, daß Thomasius offenbahr Theologische Controversien, die von der ewigen Seeligkeit handeln, vor Juristische Händel ausgiebet, und in diesen Theile voransetzt; auch sein in der Frage von Erlangung der ewigen Seeligkeit oder Gefahr dieselbe zu verliehren, ertheiltes Bedencken anitzo publiciret, als wenn es unter die Juristischen Händel gehöre, u. s. w. Hier werden nun dergleichen Herren Opponenten nicht übel nehmen; daß weil unter denenselben noch viele seyn dörfften, die entweder wissentlich oder unwissentlich von denen groben Reliquiis des politischen Pabstthums eingenommen, und die ihren gesuchten Dominat wiederstehende Juristen und Politicos als gottlose und gefährliche Leute nicht nur bey dem gemeinen Mann, sondern auch an Höfen bey denen Regenten selbst anzugeben gewohnet sind; ich anfänglich denenselben nach ihren Meriten und aus ihren so hochgehaltenen Papentzenden Principiis antworte; hernach aber will ich denen von ihnen verführten sonst guthertzigen und vernünfftigen Gemüthern auch durch vernünfftige und bescheidene Ursachen und Erklährungen genug thun. §. XXIV. Ich will anfänglich zu der ersten Classe meiner nicht(Beantwortung desselben aus Lancelotto, daß die Doctores juris) gar zu guten Gönner zum wenigsten das Vertrauen haben, daß weil sie ja zum Grunde ihrer Objection den aus den Pabstthum herrührenden Unterscheid der vier Universitäts Facultäten legen; sie mir auch erlauben werden, daß ich mich wider sie auch derselben bediene, und zu meiner Vertheydigung vorbringe, daß weil ich nicht alleine zum Doctore Juris utriusque creiret worden und alle uhralte jura & privilegia Doctorum
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(Canonici so wohl Theologi als Juristen seyn.) juris utriusque bekommen; sondern auch itzo absonderlich Professor juris Canonici bin, mir eo ipso als Doctori & Professori juris Canonici so wohl als denen Theologis zu stehe, über Fragen, die die ewige Seeligkeit betreffen, Responsa zu ertheilen. Denn nach denen Principiis der Canonisten, in welchen ihnen auch die Theologi in Pabstthum anitzo nicht wiedersprechen, hat zwar das Jus civile zum Endzweck die zeitliche Ruhe in diesen Leben; aber das Canonische Recht hat eine viel viel edlere Absicht, denn es trachtet nach der Ruhe eines Menschen, so ferne er ein Christe ist und nach der ewigen Seeligkeit ringet, und macht uns zu Himmels Bürgern und zu GOttes Freunden, gleich wie geschrieben stehet: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünfftige suchen wir. (Hebr. XIII. 14.) Das Päbstische Recht begreifft dannenhero aller andren Rechte ihre Endzwecke in sich, aber dergestalt, daß es nichts destoweniger den Verlust der ewigen Seeligkeit nicht verhenget. Derowegen eignet sich das Canonische Recht alles dasjenige billig zu, was so wohl zu eines jedweden Menschen ewiger Seeligkeit gehöret, als was zur Glückseeligkeit der streitenden Kirche erfordert wird. Und ob wohl hievon die heilige Theologie auch etwas und zwar gar vieles bekommen hat, so folget doch daraus keinesweges, daß alles dieses dem Canonischen Recht nicht eigenthümlich zugehören solte. Denn es gehöret zwar denen Theologis über diese Dinge zu speculiren und drüber zu disputiren; aber die Entscheidung aller dieser disputirten Streitigkeiten gehöret für die Väter und Autores des Canonischen Rechts, nemlich die Römischen Päbste und die heiligen Concilia. Derowegen kan keiner ein ächter Doctor und Professor des Canonischen Rechts seyn, der nicht sowohl die Theologie als das bürgerliche Recht wohl verstehet. Denn bald steigt ein Doctor juris Canonici als ein anderer Moses mit dem Theologo auf den Berg, und betrachtet daselbst des Herrn und lebendigen GOttes Ehre: bald steigt er mit dem Juristen wieder herab in das Lager, und sorget für die zeitliche Wohlfahrt des Volcks u. s. w. Der Leser muß nicht gedencken daß ich bey Vorbringung dieser Dinge Spötterey oder Schertz treibe, sondern alles das, was ich bißhero angeführet, sind des berühmten Canonisten Lancelotti eigene Worte, die in seinen Discurs de comparationc juris Pontificii & Caesarei p. m. 1054. 1058. und 1064. alle zu befinden. So sind auch Desselii erotemata juris Canonici bekannt genung, in deren Anhang alsbald zu lesen ist, daß das Jus Canonicum die Beförderung der ewigen Seeligkeit zu seinen Endzweck habe. Ja es dörffte mir endlich, und wenn man
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des Lancelotti Autorität nicht etwa passiren lassen wolte, auch an Lutherischen und zwar sehr berühmten Juristen nicht mangeln, die da behaupten wollen, daß auch das Jus Civile die ewige Seeligkeit zum Endzweck habe, und ich also nach derer ihrer Meynung sowohl tanquam Doctor Juris Civilis als Juris Canonici Responsa über Fragen, die die ewige Seeligkeit angehen, zu ertheilen, und selbige unter denen Juristischen Händeln zu publiciren befugt sey. (Siehe Titii Probe des Geistlichen Rechts lib. 1. c. 2. §. 10. p. 27.) Zum wenigsten werden doch Lutherische Theologi mit denen Juristen nicht härter verfahren, als die Römischen Theologi, die doch sonst gewiß sehr vigilant auf ihren Sprenckel sind, und sich von keiner andern Facultät gerne einen Eingriff thun lassen. §. XXV. Ich muß aber ehe ich noch weiter gehe, nun auch fürbringen, (Neuer Einwurff aus dem Hostiensi, daß die Theologi vortrefliche Rosse, die Legisten aber Esel, und die Canonisten Maul-Esel wären.) was etwa meine Gegenpart wider den Discurs des vorigen §. repliciren möchte. Sie werden vielleicht sagen, daß ich zu selbigen Anlaß genommen aus Lesung dessen, was bey dem Autore Differentiarum juris Civilis & Canonici (der bey Schilters Institutionibus Juris Canonici angedruckt ist) und zwar in dessen Thesi I. §. 7. circa finem zu besinden: ich hätte aber das Beste ausgelassen, was eben daselbst aus dem Hostiensi angeführet worden, daß ein Canoniste mit einem Maul-Esel zu vergleichen sey: denn gleichwie dieser ein Mischmasch von einen Pferd und Esel sey; also sey auch ein Canoniste ein Mischmasch von einen Theologo und Legisten oder Juristen. Und hieraus wäre leicht zu begreiffen, warum ich mit dem Phantasten den Lancelotto alleine aufgezogen kommen, der ein Schulfuchs und Pedante gewesen, auch wie bekant, als selbst ein Canonist, und Autor Institutionum Juris Canonici in propria causa kein Zeugnüß ablegen könne: Hostiensis hingegen wäre ein kluger Politicus und Cardinal, ja in beyderley Rechten so berühmt gewesen, daß man ihm (wie Pancirollus de claris legum interpretibus angemerckt) gar Juris utriusque Monarcham genennet. Aber dieses berühmten Römischen Scribentens Passage hätte mir nicht angestanden, weil er nicht undeutlich darinnen die Juristen als Esel, und die Canonisten als Maul-Esel tractiret hätte. Man dörffe also ihrer Seits anders nichts thun, als daß man, wenn ich mit meinen Dicentes aus dem vorigen §. fertig wäre, ohne sich deswegen mit mir weiter einzulassen, nur die besagte Passage des Hostiensis vorläse, und nach gemachten tieffen Reverenz mit einer lächlenden Mine mir den Rücken zukehrete.
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(Welcher gleichfalls bescheiden abgewiesen wird.) §. XXVI. Meine Widerpart siehet, daß ich offenhertzig mit ihnen handele, und in Vorbringung ihrer Replic meiner in geringsten nicht geschonet; aber nun folget auch meine gleichfalls offenhertzige Duplic. 1.) Ist es wahr, ich habe aus Lesung besagtes Autoris differentiarum juris Civilis & Canonici Gelegenheit genommen die Meynung des Lancelotti etwas weitläufftiger und umständlicher zu proponiren, und den dabey stehenden Locum des Hostiensis mit Fleiß ausgelassen, aber nicht sowohl um der Juristen, als derer Evangelischen Herren Theologorum willen. 2.) Denn in der That oder in der Haupt-Assertion selbst ist er mit Lancelotto einig, daß ein Canoniste beydes ein Theologus und Juriste zugleich seyn müsse, und er also so wohl Theologica tractiren könne als ein Theologus, (welches auch über dieses ein reformirter Theologus Samuel Maresius erkennet, indem er Th. 24. dissert. de Jure Canonico gar deutlich bejahet, daß das Studium des Canonischen Rechts mehr Theologisch als Juristisch sey.) Ja Hostiensis ist selber ein Canonist, sowohl als ein Legiste gewesen. Nur das Gleichnüß ist etwas plump, welche Plumpheit aber nicht so wohl dem Hostiensi, als denen damahligen Theologis zuzuschreiben, ob ich wohl den Hostiensem nicht bey der Hand habe, auch die Sache nicht tanti ist, daß ich ihn deshalben bey andern borgen solle. 3.) Jedoch kömmt mir die Sache also nicht unwahrscheinlich für: Es ist aus der Historie bekant, daß in zwölfften Seculo anfänglich nur zwey Facultäten auf Universitäten waren, die Theologische und Philosophische: gegen die Mitte dieses Seculi kamen die Legisten auf und fiengen an aus den Justinianeischen Recht die Kayserlichen Jura wider den Pabst, dem die Theologi anhiengen, zu vertheydigen, und bekamen deswegen von denen Kaysern eine eigene Facultät und grosse Privilegia. Wiewohl nun diese Vertheydigung der Kayserlichen Rechte nach dem Elend der damahligen Zeiten schlecht genung war, (dergestalt, daß auch die denen Legisten bald von dem Pabst entgegen gesetzte Canonisten binnen wenigen Zeiten ein Hertz und eine Seele und in Doctores Juris utriusque verwandelt wurden,) so verdroß doch dieses die damahligen des Pabsts Parthey (wiewohl eben so ungeschickt) haltenden Theologos, und gleichwie sie ohnedem gewohnet waren, alle Leyen, (inclusive Könige, Fürsten und ihre Bedienten) für Idioten und wohl gar für Hunde zu halten; also ist auch nicht zu verwundern, daß sie die Legisten für Esel ausgescholten; sich aber ich weiß nicht unter was für Gründen mit Pferden verglichen. Ob nun wohl die Canonisten anfänglich so wohl als die Theologi des Pabsts Parthey gehalten,
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so ist doch leicht zu vermuthen, daß es denen Theologis nicht gefallen, daß der Pabst sie nicht für sufficient gehalten, denen Legisten zu begegnen, sondern die Canonisten als eine neue Facultät eingesetzt, und daß sie dannenhero diesen dann und wann vorgeworffen, daß sie nur Juristen wären, und sich also in Theologische Händel nicht mischen solten, der Hostiensis aber der mitten in 13. seculo floriret, da die Canonisten und Legisten sich zu vereinigen angefangen, aus einen sinnreichen Schertz sie mit diesen Gleichnüß von Maul-Esel kurtz und gut abweisen wollen. Daß ich mich aber 4.) in vorigen Paragrapho dieses Gleichnüsses nicht bedienet, ist deswegen geschehen, weil ich meine Gegen-Parthey nicht schimpffen wollen, wenn ich sie mit Pferden vergliche. Denn gleichwie ich sie für so bescheiden halte, daß sie uns Juristen weder mit Maul-Thieren noch Eseln vergleichen werden; also wolte ich auch gleichergestalt diese Grobheit nicht begehen, daß ich Evangelische Theologos, sie mögen nun sonsten von menschlichen Schwachheiten nicht befreyet seyn, wie sie wolten, mit unvernünfftigen Pferden vergleichen solte; vielmehr halte ich gäntzlich dafür, daß wir darinnen einig sind, was David sagt: Seyd nicht wie Roß und Mäuler (vielweniger wie Esel) die nicht verständig sind. u. s. w. §. XXVII. Ich wende mich dannenhero zu der andern Classe guthertziger(Noch eine andre vernünfftige Antwort auf den ersten Einwurff.) und vernünfftiger Gemüther (vide supra §. XXIII. in fine) und antworte denenselben mit Beyseit-setzung aller Reliquien des politischen Pabstthums: daß freylich auf Universitäten bey denen Protestirenden der Theologischen Facultät die Auslegung der zur Seeligkeit gehörigen Glaubens-Artickel aus heiliger Schrifft hauptsächlich und für andern Facultäten auf der Catheder zustehe; dieweil aber doch noch viele Reliquien des Pabstthums auch auf unsern Universitäten, in unsern Consistoriis und geistlichen Gerichten verhanden, die insgemein unter dem Praetext der Beförderung der Ehre GOttes und der Menschen Seeligkeit nach dem Exempel des politischen Pabstthums pflegen verdeckt zu werden, so ist zwar allen redlichen Theologis Danck zu sagen, wenn sie diese Larven entdecken; aber weil es offte sich zuträgt, daß solches nicht geschiehet, oder, daß die Theologi in diesen Stücke nicht einig sind; so kan man auch protestirenden Juristen nicht verwehren, daß sie in solchen Streitigkeiten von der Seeligkeit und vorgewendeten Ehre GOttes, als Juristen ihre Responsa ertheilen, und in geistlichen Gerichten ihre freyen vota geben, und nicht als blosse Jaherren derer Theologorum da sitzen, und dannenhero sich um das Studium der ächten vernünfftigen und friedfer
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tigen Theologie bekümmern, wovon Herr D. Pertsch in seinem Tractat von Recht der Beichtstühle und zwar in dem Vorbericht von der Juristen Studio in der Theologie, ausführlich gehandelt. (Siehe auch oben in ersten Theil den XIX. Handel §. 4. seq. p. 211. seq.) zu geschweigen daß allbereit oben §. IIX. ingleichen §. I. erinnert worden, daß mein Responsum ohne meinen Willen und wider mein Bitten publiciret worden, und daß dieser Handel mit dem folgenden andern Handel (der unstreitig für uns Juristen mit gehöret) gar sehr verknüpfft und verbunden sey, weswegen ich auch nunmehro ohne ferneren Auffenthalt mich zu demselben wende.

II. Handel. Von Laster der beleidigten hohen Obrigkeit, wenn Evangelische Priester derselben die Absolution und das Abendmahl zu versagen sich unterfangen.
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§. I.
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(Warum das Responsum über diesen Handel bißher nicht völlig in Druk publiciret worden.) OBwohl das zu diesen Handel gehörige, und allbereit zu vielen mahlen gedruckte Responsum, wie allbereit oben gedacht, einen andern Titul führet, nemlich eines Bedenckens über die Frage wie weit ein Prediger gegen seinen Landes-Herren, welcher zugleich summus Episcopus mit ist, sich des Bindeschlüssels bedienen könne; so habe ich doch vor nöthig erachtet, den Titel dieses Handels ein wenig deutlicher einzurichten, und dabey zu erinnern, daß das bißher gedruckte Responsum nicht complet und vollkommen sey, indem mir damahls zwey unterschiedene, aber doch mit einander verknüpffte Fragen vorgeleget, und deswegen eine ausführliche species facti nebst unterschiedenen Beylagen zugeschickt worden, auf welche beyde ich auch zugleich in einen Responso geantwortet. Nachdem aber dem Durchlauchtigsten Herrn Quaerenten wegen vieler Ursachen, (davon etwan in folgenden Handel etwas mehrers zu gedencken seyn dörffte) nicht rathsam schiene, damahln auch die von mir geschehene Beantwortung der andern Frage, vielweniger die speciem facti nebst denen Beylagen mit beydrücken zu lassen:
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diese Ursachen aber nunmehro nicht in Wege liegen, als will ich hiermit beydes die speciem facti als das gantze Responsum dem geneigten Leser vor Augen stellen. §. II. Nachdem von so unterschiedenen Orten über die in ersten(Vorleufftige Erinnerung wegen der bey diesen Handel verborgenen Intriguen.) Handel vorgetragenen Fragen Responsa waren eingehohlet worden, und bey denenselben die Meynungen sehr unterschiedlich und widrig gefallen waren, konte es nicht fehlen, es musten daraus einige Weiterungen entstehen, zumahlen so wohl Politici als Theologi (andere höhere Personen zu geschweigen) wegen des Zwecks obiger Fragen uneinig waren, und die eine Parthey denselben zu fördern, die andre aber solchen auf alle Weise zu hindern sich angelegen seyn liesse. Gleichwie aber es an allen Orten (so wohl bey Protestirenden als Catholischen, so wohl ausser dem Hoffe in kleinen und grossen Städten und Dörffern, als bey Hoffe, so wohl bey Ungelehrten als Gelehrten) es zu geschehen pfleget, daß die schlauen und listigen hinter der Scene verborgen bleiben und sich mere passive verhalten, und indessen an ihre statt andre Einfältige, und zwar mit eingebildeter Weißheit begabte, aber dabey mit wenig judicio versehene Menschen unter ihrer geheimen Direction agiren lassen; also geschahe es auch damahls. Weßhalb noch in eben denselben 1705. Jahr und zwar in Monath October und gegen dessen Ende mir die Erzehlung etlicher der vornehmsten Umbstände von dieser intrigue, oder eine species facti nebst angehengten zweyen Fragen zugeschickt und ein Responsum darüber zu geben gnädigst begehret wurde. Nachdem an einen Catholischen Hoffe unter andern teutschen Printzeßinnen, (Ausführliche Umbstände derselben nebst angehengten zwey Fragen.) welche zu der Heyrath mit dem König in S. in Vorschlag kommen, auch besondere Reflexion auf die Printzeßin E. S. gemacht worden, und man solches dero Herrn Groß-Vatern Durchlauchtigkeit kund gethan, daneben aber sondiret, ob gedachte Printzeßin bey erfolgender Heyrath sich denen Römisch-Catholischen sacris conformiren, und höchstgedacht des Herrn Hertzogen Durchlauchtigkeit hierunter nicht zu wider seyn wollten, weiln ohne dergleichen Religions-Veränderung die Heyrath ihren Fortgang nicht würde erreichen können, indem es wieder die politischen Maximen des Hoffes lieffe, daß die aus selbigen gebohrne Printzen sich an andere als der Catholischen Religion zugethane Printzessinnen verheyratheten; so haben des Herrn Hertzogs Durchlauchtigkeit, weiln sie in ihren Gewissen persuadiret, daß dergleichen Aenderung der Religion an sich selbst nicht böse, dieselbe auch darinn so vielmehr confirmiret worden, als ihro wissend gewesen, das verschiedene andere grosse
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Herren, so theils der Evangelisch Lutherischen, theils der Reformirten Religion zugethan, dergleichen Heyrath vor ihre resp. Kinder oder niecen gar emsig negotiiret, auch was die Aenderung der Religion betrifft, darinn keine difficultät würden gemachet haben, überdieß auch in verschiedenen deshalb von Lutherischen Theologis gemachten Responsis Beyfall gefunden, der Printzeßn, wie auch dero Fürstlichen Eltern von allen oberzehlten part geben, und nachdem sie bey denenselben eben keine repugnance gefunden, der Sache in so weit ihren Lauff gelassen, daß sie ihres hohen Orts derselben keine Hinderung geben wollen, zumahl da sie davor halten müssen, daß, da diese Heyrath ihro zu einer Zeit proponiret worden, da so viel grosse Herren von beyderseits Evangelischen Religionen selbige wiewohl vergebens ambiret, GOtt, als dessen Wege wunderbar, sich derselben etwan gebrauchen möchte, um ihro eine zeithero durch viele Fatalitäten gedrucktes Hauß wiederum empor zu bringen, es sich auch wohl fügen könnte, daß dieses mit der Zeit ein Mittel sey, wodurch die in denen O. Landen der Evangelischen Religion wegen gedruckte Unterthanen einsten eine mehrere Gewissens Freyheit erlangen könnten. Weiln aber diese Heyrath so fort nicht zum Schluß kommen, sondern annoch auf der Ungewißheit beruhet, so haben des Herrn Hertzogs Durchlauchtigkeit nöthig befunden, die gantze Sache zu menagiren, welches auch in soweit reusfiret, daß ungeachtet verschiedene am Hoffe davon Nachricht erlanget, selbige es dennoch geheim gehalten, und sich nicht getrauet, es weiter public zu machen; als aber der Hoff-Prediger und Hoff-Caplan davon Nachricht erhalten, haben sie nicht allein die Printzeßin gar eyffrig zu sprechen gesucht, sondern auch in ihren Predigten scharff gegen die Catholischen loß gezogen, was die Veränderung der Religion vor eine böse Sache sey, und wie übel diejenigen thäten, so andre dazu persuadirten, weitleufftig vorgestellet, dieser letztern consilia mit Ahitophels Rathschlägen verglichen, und ob sie wohl endlich noch so viel Bescheidenheit gehabt, daß sie des Hertzogs, der Printzessin, und anderer hohen Interessenten Nahmen nicht genennet, so haben sie doch die Sache dergestalt deutlich beschrieben, daß nicht allein diejenigen, so von der vorseyenden Heyrath Wissenschafft gehabt, leicht gemercket, wer darunter gemeynet, sondern auch andern, so noch nichts davon gewust, supçon und Anlaß zu weiterer Nachforschung gegeben, und nachdem gedachte Predigten continuiret, die Sache gegen das Absehen in wenig Zeit public gemachet worden. Als nun des Herrn Hertzogs Durchlauchtigkeit leicht urtheilen können, daß der Hoff-Predi
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ger bey erfolgter entrevüe mit der Printzeßin, die zwischen denen Catholischen und Lutherischen waltende Controversen vornehmen, und Ihro dieselben vorlegen würde, Ihro aber bewust, daß gedachter Hoff-Prediger kein sonderlich talent habe, dergleichen schwere Sachen dergestalt zu expliciren, daß eine Dame von so zarten Alter selbige begreiffen könne, sondern sich etwann zu solchen Ende einiger terminorum aus der Metaphysique (als deren er sich in seinen Predigten zum öfftern bedienet, und dadurch manche klare Sache obscur machet) gebrauchen möchte, und dadurch die Printzeßin nur confundiren würde, so haben Seine Durchlauchtigkeit gedachten beyden Predigern, indem sie gleichsam mit Gewalt die Printzeßin sprechen wollen, sagen lassen: daß sie diese Aenderung der Religion, wenn sie noch ihren Fortgang erreichen solte, vor keine böse Sache an sich selbst hielten, auch hierunter den Beyfall verschiedener Theologorum vor sich hätten, und fänden demnach Seine Durchlauchtigkeit aus diesen und andern bewegenden Ursachen nicht rathsam, sie mit der Printzeßin reden zu lassen, und möchten sie dannenhero dieselbige nicht irre machen, wiedrigenfalls sie andere ihnen unbeliebige Verordnungen würden veranstalten müssen. Hierauf haben gedachte Prediger Seiner Hochfürstlichen Durchl. beygehendes Schreiben sub N. 1. durch einen ihrer Bedienten zu geschicket, woraus Ihro Durchlauchtigkeit mit Verwunderung ersehen, daß nicht alleine viele Facta darinnen praemittiret, so der Wahrheit nicht gemäß seyn, sondern auch in fine annectiret gewesen, daß gedachte Prediger Communication der obenangezogenen Responsorum verlanget, um selbige zu examiniren, und darnach sich so denn in ihren Amts-Verrichtungen als Predigen, absolviren und communiciren, zu verhalten. Seine Durchlauchtigkeit haben ihnen durch eben selbigen Bedienten, welcher Ihro das itzt angezogene Scriptum überlieffert, sogleich bedeuten lassen, auch damit selbiger es nicht etwann unrecht einnehmen möchte, mit eigener Hand pro adjuvanda memoria aufgezeichnet: daß es 1) nicht practicable sey, daß sie die Printzeßin sprechen könten, 2) sey es noch zur Zeit zu früh, ihnen die in Händen habende Consilia Theologorum zu communiciren, doch sollte ihnen das vom seeligen F. U. Calixto in simili casu aufgesetzte Responsum geschicket werden, wie auch geschehen laut Anlage N. 2. 3.) Haben Seine Durchlauchtigkeit eine Explication von denen Predigern verlanget, was sie unter denen in ihrer Schrifft oben angezogenen Worten wegen des Binde-Schlüssels eigentlich verstünden. Man hätte nun geglaubet, daß hieran die Prediger Anlaß nehmen solten, ihre Con
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duite inskünfftige etwas genauer zu überlegen, und sich bey der Sache dergestalt zu betragen, damit sie des gegen ihren Landes-Herrn schuldigen Respects nicht vergessen, noch auch dessen Jura, so ihm als summo Episcopo (wovor sie ihm in der Beylage N. 1. selbst erkennen müssen) zuständig, in Zweiffel ziehen solten; allein wie wenig man in der von denen Predigern geschöpfsten guten Hoffnung reussiret, zeiget ihr an Serenissimum anderweit abgelassenes Schreiben sub N. 3. Gleichwie nun Seine Durchlauchtigkeit diese Treustigkeit nicht wenig befremdet vorkommen, und sie billig Bedencken gehabt, ihnen Predigern zu verstatten, auswärtiger Theologorum, welche sie nach ihren Belieben choisiren wollen, consilia einzuhohlen, wie sie sich gegen Seiner Durchlauchtigkeit höchste Person selbst des Binde-Schlüssels gebrauchen sollten, da sie doch dieselbe vor ihren summum Episcopum erkennen, und sich also billig auch erinnern sollen, daß sie den Binde-Schlüssel, als einen Theil des Juris Episcopalis von höchstgedacht Seiner Durchlauchtigkeit gehabt, und ohne Dero oder des von Ihro geordneten Consistorii Bewilligung, desselbigen sich auch gegen keinen particulier eigenmächtig gebrauchen sollen, so haben sie in dero Conseil anliegende Resolution N. 4. abfassen und selbige denen Predigern auslieffern lassen, welchen zwar sonderlich ein und andere darinn enthaltene und dero Conduite angehende Expressiones nicht gefallen, und dahero selbige zu ändern verlanget, als man aber dabey Bedencken gehabt, so haben auch sie sich damit begnügen müssen. Nun haben zwar Zeit diesen offtgemeldte Prediger nichts weiter schrifftliches eingeben, alleines gehet kaum eine Predigt vorbey, da sie nicht entweder diese Sache berühren, oder des Herrn Hertzogs Durchlauchtigkeit per indirectum anzapffen, welches wenn es gleich den ungestandenen Fall erlaubet wäre, sie die Prediger dennoch darinn eine unzuläßige Conduite führen, daß sie dergleichen Dinge itzo auf die Cantzel bringen, da sie doch wissen, daß höchstgedacht Seine Durchlauchtigkeit in S. sich befindet, und also vergewissert sind, daß dieselbe in die Kirchen, wo sie predigen, nicht kommt, und also vorhero wissen daß auch ihre Predigten en egard Seiner Durchlauchtigkeit den etwa von ihnen darunter gesuchten Zweck nicht erhalten mögen, sondern nur die übrigen Zuhörer, als welche doch diese Sache nichts touchiret, unruhig machen; ja es gewinnet das Ansehen, als wenn auch andere Prediger im Lande von ihnen hierinn ein Exempel nehmen wollten: es ist demnach die Frage: 1.) Wie weit ein Prediger gegen seinen Landes-Herrn, welcher zugleich summus Episcopus mit ist, sich
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des Binde-Schlüssels gebrauchen könne und dürffe? 2.) Wie und welchergestalt des Herrn Hertzogs Durchlauchtigkeit als ein Christlicher Regente gegen seinen Hof-Prediger und Hof-Caplan zu verfahren befugt, zumahl wenn selbige ihre bißhero geführte Conduite continuiren solten? §. III. Nachdem sich auch die vorstehende species facti auf vier(Erste Beylage zu voriger specie facti.) Beylagen bezogen, als folgen dieselben nunmehro, und bestand die erste in einen sehr scheinheiligen Schreiben das vorhergemeldete zwey Prediger sub dato 1. Sept. 1705. Serenissimo überschickten, und welches von Anfang zu Ende, unter den Praetext der göttlichen Ehre und der Seelen Heyl zu befördern mit starcken Reliquien des politischen Pabstthums angefüllet, wiewohl die Autores desselben in so weit in etwas zu entschuldigen waren, weil sie es aus ihren Consiliis Wittebergensibus, Dedekenni. und dergleichen, oder von ihren Professoribus Academicis nicht anders gelernet hatten. Von denen, die in Ew. Hochfürstlichen Durchl. hohen Nahmen(Scheinheiliger aber mit Brocken des politischen Pabstthums angefüllter Brieff der beyden Prediger.) mit uns wegen der, der Durchlauchtigsten Printzeßin proponirter Heyrath mit einem Römisch-Catholischen Könige, und der dahey conditionirter Religions-Ender- und Verleugnung handlen und reden müssen, haben wir, wie mit unterthänigsten Respect, also auch mit grosser Betrübnüß unserer Seelen verstanden, daß Ew. Hochfürstl. Durchlauchtigkeit von verschiedenen vornehmen Theologis darinn Beyfall haben sollen, daß sich höchst vorgemeldte Printzeßin um sothaner Heyrath willen salva conscientia & salute aeterna zu der Römischen Religion wohl begeben könne, und daß wir Prediger und Seelensorger darwider unser Amt an die liebe Printzeßin nicht thun sollen noch können, indem uns aller access zu derselben gewehret, und angedeutet ist, wir solten sie nicht irre machen, so lieb uns wäre schärffere Verordnungen zu vermeiden, und als wir uns hierinn nicht finden könnten, dieweil wir die theure Seele nicht irre zu machen, sondern, da sie irre gemacht seyn möchte, Amt- und Gewissens-mäßig suchen im Glauben zu stärcken, wormit wir nicht wie Ubelthäter einige Straffe, sondern als treue Diener völlige Approbation und Assistenz, wie von allen Liebhabern der Wahrheit, also besonders von unserer Evangelischen Obrigkeit meritiren: und demnach des dem Allerhöchsten und nechst ihm Ew. Hochfürstlicher Durchl. schuldigen auch theuer beschwornen Gehorsams eingedenck, diese Seele zu retten trachteten, und uns dazu bey denen nechsten hohen Angehörigen, hey welchen sich mehr hochgedachter Printzeßin
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Durchlaucht aufhalten, unterthäniglich anmeldeten, sind wir zum Theil abgewiesen, zum Theil mit der Antwort abgefertiget etc. Ew. Hoch fürstliche Durchl. als Groß-Herr-Vater hätten alle Macht alleine, und wolten alle besorgete Sünde und Verantwortung auf sich nehmen. Welches alles wir mit jenem Knechte Luc. 14, 21. unsern Herrn, der uns gesandt hat, mit betrübten Hertzen und thränenden Augen geklaget, und ihn um des Willen, der alle unsere Sünde auf sich genommen, gebethen haben, daß er solche in GOttes Wort nicht gegründete, noch von den Aposteln bey Bekehrung der Völcker, wohl aber von Römischen Meß-Priestern und Missionarien frequentirte Praxin und Methode die Protestanten zu ihrer Religion zu bereden, weder Ew. Hochfürstlichen Durchl. noch andern, die etwa auf solchen Trieb-Sand fremder Verantwortunge und menschlicher Meynung bauen möchten, zurechnen, sondern gnädiglich verzeihen, und sie auf den Grund der Apostel und Propheten, da JEsus Christus der Eckstein ist, befestigen wolle! Denn so Petrus die Christen nicht so sehr auf seine Erfahrunge, Offenbar- und Erscheinunge auf dem H. Berge, sondern vielmehr auf das beschriebene Prophetische Wort gebauet hat, sagend: Wir haben ein fester (firmiorem sermonem) Prophetisches Wort, und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, 2. Pet. 1, 9. vielweniger mag man auf jemandes Opinion und Verantwortung, und, wie man sagt, auf eines andern Füssen sicher und feste stehen; da man nicht wissen kan, ob der, wenn gleich dem Scheine nach, heiligster und weisester Theologus werde seelig oder verdammet werden. Daß aber Evangelische und zwar verschiedene vornehme Theologi diese Opinion hegen, es könne eine in Evangelischer Wahrheit aus GOttes Wort gründlich unterrichtete und vor 1 1 / 2 Jahren unter dem Gebet und Anruffung GOttes nach beweglichst abgelegten öffentlichen Glaubens-Bekänntnüß mit vielen Thränen darinne confirmirte Printzeßin ex causis secularibus, salva conscientia aeternaque salute davon zu dem aus GOttes Wort irrig erkannt- und bekannten Pabstthum abtreten, das befremdet uns so vielmehr, als weniger uns noch zur Zeit ein einiger (wollen nicht sagen, vornehmer) Theologus unserer Kirchen, wie moderat er auch mag gerühmet werden, in scriptis bekannt ist, der so sentiret. Nicht zu gedencken, daß wir durch GOttes Gnade in unserer Evangelischen Lutherischen Kirche dergleichen Exempel von einer also abgefallenen Printzeßin, so viel uns wissend ist, nicht haben, und ob wir schon ein und das andere hätten, würde dem Gewissen damit nicht gerathen, weil alle Exempel den Reguln unterworffen sind, und also in moralibus keine
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Regel machen; doch würde es diesen Abfall, den GOtt verhüten wolle, exaggeriren, als der bey uns sine exemplo ist, und wie wir es in GOttes Wort an Nadab, Abihu, Usa, u. a. m. finden, daß das erste Sünden-Exempel in einer gewissen Sünden-Art offt vor andern exemplariter bestraffet ist, dahero desto mehr Unseegens und Straffe zu fürchten ist, daß dergleichen Theologi und Suasores grössere Schuld und Sünde haben würden. Weil wir aber, gnädigster Fürst und Herr, unsere Seele und Gewissen dabey mit GOit zu retten gedencken, und unsern theuer beschwornen Pflichten nach, nichts dessen zu unterlassen, was mit Vermahnen, bitten, flehen, und warnen, mit straffen und binden unsers hohen, göttlichen und von GOTT allein dependirenden Amtes ist: So gelanget an Ew. Hochfürstliche Durchl. als unsern wie von Gnade und Recht hochberühmten, also auch von dem Eyffer für die Lauterkeit der Evangelischen Lehre aus dero Glaubens-Bekänntnüß und Edict weltbekannten gnädigsten Fürsten und Herrn und SUMMUM EPISCOPUM derjenigen Kirchen, die von Babel ausgegangen sind, unsere durch GOtt weh- und demüthigste Bitte, 1.) Uns als Diener Christi und Haußhalter über GOttes Geheimnüsse in dieser hochangelegenen Lehr-Heyls-Religions- und Gewissens-Sache zu hören, daß GOtt Ew. Durchl. auch höre! Dero hohe Obrigkeitliche Gnaden-Hand, Schutz und Beystand unserm Amte und der Sache, so GOttes ist, nicht zu versagen, noch uns zu wehren, das von unserer Heerde und Hut getrennte Schäflein zu suchen und auf die rechte Weyde zu führen, auch 2.) der obgedachten verschiedenen vornehmen Theologorum Responsa uns gnädigst zu communiciren, auf daß mit Conferirung ihrer singulairen Opinion mit der gemeinen Lehre unsrer Kirche und Kirchen-Lehrer, und Untersuchung beyderseits gebrauchten Argumenten, die Wahrheit, die wir allemahl zu weichen und zu folgen erböthig, und schuldig sind, destomehr befördert und befestiget, GOttes Ehre und das Heyl der Seelen, als der einige Zweck der wahren Christen, erreichet werde: auch wir wissen mögen, wie wir, nachdem selbige Responsa gegründet oder nicht seyn werden, in unsern Amts-Verrichtungen, als predigen, absolviren, communiciren, uns zu halten haben, wie es Ew. Hochfürstlichen Durchl. samt übrigen hohen Interessirten, auch uns unwürdigen Dienern GOttes vor diesem unser aller HErrn, vor der reinern Kirchen, im Gewissen und in der letzten Todes-Stunde unverweißlich ist. Ew. Hochfürstliche Durchl. versichern wir vor dem Richter aller Welt, daß
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wir so treu wir ihm, dem Allerhöchsten, mit seiner Hülffe zu verbleiben und seine Wahrheit biß in den Tod zu vertheidigen gedencken, so getreu auch Ew. Hochfürstlichen Durchl. als unserm gnädigsten Landes-Vater und Herrn ohne Heucheley in göttlicher Wahrheit und unterthänigster Devotion entschlossen sind zu beharren und zu sterben etc. (Andre Beylage.) §. IV. Die andre Beylage ware eine kurtze Beantwortung auf zehen Fragen, die alle darauf abzieleten: ob man in der Catholischen Religion, sonderlich wenn man dahin ab oder übertrete seelig werden könte, die der kurtz vorher verstorbene D. Friedrich Ulrich Calixtus solte verfertiget haben, welche man zweiffels ohne deswegen denen beyden Predigern communicirte, damit dieselbe nicht Gelegenheit nehmen solten, durch Communication eines Responsi, das in dieser Sache andre damahls noch lebende Theologi gegeben, denselben auf den Hals zu fallen und sie bey andern zu diffamiren. (F. U. Calixti Beantwortung 10. Fragen, von der Seeligkeit in der Catholischen Religion.) 1.) Quaestio. Ob die Römisch-Catholische Kirche eine wahre Christliche Kirche sey, und man darinn seelig werden könne Rs. affirmative ad utrumque quaestionis membrum. Die hierinn gezehlende Evangelische Theologi werden in der Beylage sub Lit. A. allegiret (aber diese Beylage ist nicht mehr vorhanden) daß die Römisch-Catholische Kirche eine wahre Christliche Kirche sey, in welcher man könne seelig werden, solches haben auch einige Evangelische Theologi erkannt und bekannt. Als nehmlich der seelige D. Georg Calixtus in Respons. ad Celsiss. Hassiae Landgravium Ernestum, und D. Henr. Höpfner ein Sächsischer auf der Universität Leipzig herühmter Theologus. Und wenn die Römische-Catholische Kirche in der That und Wahrheit keine wahre Kirche solte gewesen seyn, so müste nothwendig daraus folgen, daß in vielen Seculis vor den Zeiten der Reformation keine wahre Christliche Kirche in der gantzen werthen Christenheit gewesen wäre. 2.) Ob die Römisch-Catholische Kirche ein Theil der Catholischen oder allgemeinen Kirche seye Rs. affirmative, diese affirmatio aber fliesset aus der Antwort auf die erste Frage: denn so ferne die Römisch-Catholische Kirche eine wahre Christliche Kirche ist, darinn man seelig werden kan, so muß sie ohnfehlbar universalis oder Catholicae Ecclesiae pars seyn, quia extra hanc Ecclesiam nulla est salus. 3.) Ob die Irrthümer der Römisch-Catholischen Kirche den Grund des Glaubens umstossen Rs. negative. Rationes negandi yide sub Lit. C. (diese Beylage ist auch nicht vorhanden) die Ab
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lehnung der Beschuldigung, daß die in die Römische Kirche eingeschlichene Jerthümer den Grund der Seeligkeit umstossen, gründet sich auf vorhergesetzte Fundamenta und substernirte Hypotheses. Denn wenn sie eine wahre Christliche Kirche ist, so müssen derselben Errores den Grund des Glaubens nicht umstossen, weil sie sonst keine rechte Christliche Kirche bleiben würde. Denn obschon eine wahre Christliche Kirche nicht alle Irrthümer excludiret, so excludiret sie dennoch die Irrthümer, welche der Beschaffenheit, daß sie den Grund des Glaubens und die anhangende Seeligkeit sollten umstossen. 4.) Ob die in der Römisch-Catholischen Kirche Sterbende auf das Verdienst ihrer eigenen Wercke, oder auf das Verdienst Christi verwiesen werden Resp. Allhier findet sich ein mercklicher Unterscheid inter doctrinam & praxin, wenn man auf das erste reflectiret, so wäre negative zu antworten, in praxi aber findet sichs gantz anders, und die insgemein so beschaffen, daß man in deren Absicht die negativam in eine affirmativam verwandlen muß. 5.) Ob man Wallfahrten gehen, Fasttäge halten, sich mit dem Creutz zeichnen, das Weyhwasser nehmen, und andere dergleichen bey ihnen übliche Ceremonien verrichten könne Resp. distincte: wenn sie pur indifferent, die man thun oder lassen könne, gehalten werden; so schaden sie der Seeligkeit nicht, höchstschädlich aber sind sie, wenn solchen Ceremonien vis meriti, daß die Seeligkeit damit zu verdienen stehe, solle tribuiret und zugeeignet werden. 6.) Ob die Priester der Römisch-Catholischen Kirche einen Beichtenden recht absolviren Resp. Ja. Die Pontisicii statuiren, daß die Priester potestate judiciali, die unsrige, daß sie potestate ministeriali absolviren. Aus jenem folget, daß sie als judices, von den Sünden der Menschen weder ein Judicium fällen, noch proportionirte Satisfactiones canonicas injungiren könten, wenn die Sünden mit allen ihren circumstantien ihnen nicht solten kund gethan werden. 7.) Ob eine Evangelische Printzeßin aus hochwichtigen und der gantzen Christenheit zum Vortheil kom̅enden Ursachen sich mit einem Römisch-Catholischen Herrn auf diese Weise ehelich versprechen könne, daß sie von ihrer zu seiner Religion, weil sonst die Mariage nicht geschehen könnte, tretten wolle Rs. Hierauf kan man nicht gleich mit ja oder nein antworten, denn es ist nicht zu rathen, daß ein der Evangelischen Religion zugethanes Haupt von einer reinern Kirche zu einer unreinern schlechterdinge treten sollte. Es
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könnten aber die ins Mittel gestellte hochwichtige und der gantzen Christenheit zu Vortheil kommende Ursachen, einem solchen Rathgeber endlich zu statten kommen, allermassen alle actiones humanae oder alles menschliche Beginnen und Unternehmen in Dei gloriam & proximi commodum dirigiret werden müssen; nun gereichet auch dasjenige, wodurch des Nechsten Wohlfahrt befördert wird, zu GOttes Ehre. Wäre man dann versichert, die von einer hohen Person geschehene Annehmung des Römisch-Catholischen Glaubens, nicht zu eines, sondern viel millionen Menschen, ja der gantzen Christenheit Vortheil und Nutzen gereichen würde, so könnte die Christliche Intention ein so grosses Heyl zu stifften und zu befördern, einen solchen Consulenten von aller Blame retten, und er selbst sein Gewissen dadurch befreyen, daß GOttes Ehre unfehlbar befördert werde, wenn durch den Verlust eines so precieusen Kleinods aus der Crone der Evangelischen Kirche, eben diese Kirche einen fürtrefflichen Schutz und Schirm wieder bißherige harte Proceduren gewinnen würde; bevorab, wenn man der sichern Hoffnung leben sollte, daß durch ein solches extraordinaires Mittel eine Bahn zur Christlichen Toleranz der Evangelischen Kirche im gantzen H. Römischen-Ungarischen- und mehrern Reichen könte geleget werden. 8.) Ob sie nicht an ihrer Seeligkeit periclitire, wenn sie eine Religion annimmt, die sie nicht für wahr hält Rs. sie periclitiret nicht, falls sie nicht wieder besser Wissen und Gewissen dasjenige, was sie für wahr hält, als unwahr schilt, und die Wahrheit geflissen verbirgt, und derselben widerspricht. 9.) Ob die in der Römischen Kirche das Abendmahl zu Trost ihrer Seelen, und zu dem Ende, um deswillen es eingesetzet worden, empfangen, indem sie den gesegneten Kelch nicht empfangen, noch durch die Dispensation des Pabsts empfangen können Rs. affirmative. Denn der Endzweck und die Würckung des H. Abendmahls ist die Erinnerung oder Erneuerung des Gedächtnüsses und dann die Zueignung des Leidens und Sterbens Christi zu Stärckung unsers Glaubens. Dieser keines wird durch die Beraubung des Kelchs aufgehoben, sondern bleiben beyde in ihren vigor und Stand, weil nicht durch die Niessung des Kelchs sondern durch den Glauben wir den Verdienst des Leidens und Sterbens Christi uns appliciren. Vide lit. H. (aber diese Beylage ist auch nicht vorhanden.) 10.) Ob eine zur Römisch-Catholischen Religion tretende hohe Person das Glaubens-Bekänntnüß derselben Kirche
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thun und beschweren könne, indem sie sich solchergestalt erklären muß, die Ohren-Beicht, das Feg-Feuer, die Anruffung der Heiligen, 7. Sacramenten, die Infallibilität des Römischen Pabsts etc. zu gläuben Rs. Eine andere Bewandnüß hat es mit dem Glauben, eine andere mit der Praxi, oder Ausübung, der Glaube ist vor Menschen Augen verborgen, was man aber practiciret oder thut, solches ist anderer Menschen Wissenschafft und Urtheil unterworffen; die Ohren-Beicht und Erzehlung aller Sünden ist zwar zur Seeligkeit nicht nöthig, doch auch nicht schädlich. Und ist unter den Papisten die gemeine Sage, daß man den Pfaffen ein mehrers nicht, als er wissen soll, sagen müste. Das Feg-Feuer hält sich indifferenter, wer es gläubt, leidet an der Seeligkeit so wenig Schaden, als der, welcher es nicht gläubet. Die Anruffung der Heiligen ist zwar vergeblich, jedennoch lieget darunter keine Idololatrie verborgen, wenn sie nur nicht um etwas, welches GOtt allein geben kan, angeruffen werden. Der Streit von der Zahl der Sacramenten laufft auf einen Wort-Streit hinaus. Die Infallibilität des Pabsts ist wohl eines von denen Dingen, welche im Pabstthum hervorleuchten; allein ich habe ihrer viel in Italien gekannt, welche dieselbe nicht glaubten. §. V. Die beyden Prediger hatten obige andre Beylage, und die(Dritte Beylage.) eigenhändige Hochfürstliche Resolution nicht so bald erhalten, so wurden sie noch muthiger und vermeyneten, man fange an, sich etwas für sie zu fürchten; also brachen sie nun alsbald in einen neuen Schreiben sub dato 4. Septembris 1705. aus, in welchen sie denn ihre Intention eröffneten, die bißhero in unserer Lutherischen Kirchen leider überbliebene plumpe und handgreifliche Reliquien des politischen Pabstthums unter den so genannten Binde-Schlüssel an ihren Fürsten auszuüben, zuförderst aber, um denen Unverständigen eine blaue Dunst vorzumachen, den Beyfall vieler andern ihnen gleichenden Gern-Päbste, (davon damahls noch alles allenthalben voll gribbelte und wibbelte) vorher einzuhohlen. Ew. Hochfürstliche Durchlauchtigkeit auf unser unterthänigstes(Anderer Brieff der beyden Prediger, darinnen sie more Papizante, mit der) zweyfaches Petitum den 2. Septembr. mit eigener Hand abgefassete Resolution ist uns folgendes als gestriges Tages worden, daraus wir mit unterthänigstem Respect ablesend vernommen, daß uns quoad 1) der betrübte Bescheid werde gegeben: Es sey solch unser Begehren (die Printzeßin zu sprechen, und mit GOttes Wort zu stärcken) impracticable. Ob wir nun zwar unsers geringen Orts nicht finden können, wie und warum das impracticable sey, was weder naturaliter noch vielweni
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ger (Thüre ins Haus fallen.) moraliter unmöglich sondern vielmehr heilig, gerecht und hochnöthig ist, nehmlich ein von unser Heerde verirretes Schäflein suchen, so müssen wir es doch, weil wir wider die äuserliche Macht und Gewalt nichts mehr können, als seuffzen und bethen, GOtt in Christlicher Gedult anheimstellen, und ihn bitten, daß Er Ew. Durchl. die schwere Sünde zu erkennen gebe. Quoad 2) wird uns zur Resolution ertheilet: Es sey solches (daß uns die Responsa der vornehmen Theologorum communiciret werden) noch zur Zeit zu früh; doch könne uns des seeligen Calixti Gutachten communiciret werden, der ein berühmter, Christlicher und gewissenhaffter Theologus gewesen, und gar sanfftmüthige Gedancken hiervon gefähret. Wir dancken für die gnädigste Communication dieses Calixtinischen Responfi unterthänigst, bedauren aber dabey, daß wir die übrigen gar nicht, dieses des Calixti Responsum aber nicht gantz, sondern verstücket zu sehen bekommen, da alle Beylagen fehlen, darinn die Probationes, Limitationes, Restrictiones, Conditiones & Observationes, daran am meisten gelegen ist, enthalten sind. In dem uns gnädigst communicirten sind keine gewissen vergnügende Argumenta, keine Allegata aus denen Confessionibus Ecclesiasticis, noch auch aus der heiligen Schrifft, und dergleichen hieher gehörende Fundamenta, sondern Privat-Meynungen und blosse Dicentes einiger Italiäner, welche die Infallibilität des Pabsts nicht glauben, und derer, die da sagen, man müsse dem Pfaffen in der Ohren-Beichte nicht mehr offenbahren, als sie wissen solten: welches wohl ein profanes Gemüth zu Tage leget, aber keinen bündigen Schluß und Einfluß auf die Frage giebt: Ob ein Evangelischer mit gutem Gewissen Päbstisch werden könne, und was er in der Päbstischen Kirche gläuben und thun müsse? wozu warlich mehr gehöret, als eines und des andern privat-Meynung, daß wir nicht sagen, der Welschen Atheisten Spötterey, welche eines so wenig gläuben, als das andere. Die übrigen Rationes sind so beschaffen, daß man, wenn dieses Responsum aus dem Winckel der bißherigen Verborgenheit dereinst möchte ans Licht geführet werden, kaum glauben wird, daß es eines so berühmten Christlichen und Gewissenhafften Theologi Werck sey, welches wir in kurtzen, ob GOtt will, gründlich darthun, und Calixtum ex Calixto, aliisque Calixto nec scientia nec conscientia inferioribus Theologis verlegen wollen. Vorleuffig beziehen wir uns auf das, von der Frau A. Hochfürstlichen Durchlauchtigkeit noch habendes Responsum des seeligen Speneri, der ein recht Grund
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gelehrter, frommer, moderater, und Gewissenhaffter Theologus gewesen, und mit so grossem Eyffer als Sanfftmuth den Abfall einer hohen Person zum Pabstthum um einer Heyrath willen, als eine verdammliche Sünde, ja aller Sünde und Greuel im Pabstthum Ursache wiederrathen, und dabey die Schrifft und andere Gründe also angeführet hat, daß Ew. Hochfürstliche Durchlauchtigkeit bey Vergleichung des Calixtinischen mit dem Spenerischen Responso gewißlich dieses viel besser mit GOttes Wort und sonst gegründet, einfolglich gewissenhaffter finden werden. D. Calixtus selbst lehret viel anders in denen durch den öffentlichen Druck publicirten Schrifften, als dieses schrifftliche Responsum will, das seinen Nahmen führet. Er hat anno 1658. seines seeligen Vaters Orationes von dem Römischen Pabst, daß der der Anti-Christ sey, drucken lassen, da Vater und Sohn darinne eines sind: man solle die Leuthe vermahnen, daß sie sich (dieß sind Worte des Sohnes Frid. Ulrici in der Praefation) dem Pabst nicht unterwürffig machen, und die ihm unterworffen sind, sollen sein Joch abwerffen, und (wie des Vaters Georgii von seinem Sohn approbirte Worte lauten) daß keiner, der Christum lieb hat, unter dem Anti-Christ seyn, noch einige Religions-Gemeinschafft mit dem Pabst haben könne, sondern falls er als ein Maul-Christ nicht bloß mit dem Munde Christum bekennen, und verdammet werden wolle, müsse er lieber an das Ende der Welt gehen, als ichtswas in Glaubens-Sachen mit ihm gemein haben. Item in append. 2. ad Ernestum Landgravium p. m. 57. seq. giebt er zwar zu, daß die Römische Kirche in so weit ein Theil der wahren allgemeinen Kirche sey, als einige darinn gebohrne und erzogene um ihrer unüberwindlichster Unwissenheit willen per meram ignorantiam, quam excutere nequeunt, nach dem Zustand der Leute, Zeiten und Oerter vor GOtt Gnade finden mögen; wem es aber besser wissend sey, der könne solchen irrigen Wesen ohne Verletzung des Gewissens und ohne Verlust der Gnade GOttes nicht beypflichten. Ew. Hochfürstlichen Durchlauchtigkeit hochvernünfftiger Dijudicatur überlassen wir unterthäniglich, wie dieß gedruckte mit dem geschriebenen Calixtinischen Consilio überein komme? und welches von beyden, ob das im öffentlichen Druck so viele Jahre bekannt gewesenes von der Kirchen vor bekannt angenommenes und wohl bewehrtes, oder das ans Licht noch zur Zeit nicht getrettene, noch mit einigen erheblichen und trifftigen Gründen beglaubetes, non pro mundi gloria similive regula transeunte, sed pro conscientia & salute aeterna salvanda das sicherste, und von dem, dem sein Heyl und
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Christenthum ein Ernst ist, zu praeferiren sey? und ob es nicht, nach den Calixtinischen Principiis selbst vor unrecht und schwere Sünde zu halten, wenn man sein Kind aus der reinen in eine unreine Kirche gehen lässet, obgleich diese eine Christliche Kirche ist? sintemahl sie nicht eine wahre Kirche ist, (der Schul-Wörter, da es heisset, sie sey zwar entitative aber nicht moraliter vera Ecclefia, enthalten wir uns mit Fleiß) in Ansehung der falschen Lehre des Pabsts, Cleri und aller derer, die dem Römischen Pabst und Clero in dem, was sie irrig erkennen, anhangen, wie die thun, die zu der Römischen Kirchen von uns um Ehre und zeitlicher Dinge willen übergehen, quia per fidem in esse membrorum Ecclesiae constituimur, so können die welche vom Glauben abtretten, und anhangen den verführischen Geistern, zur wahren Kirchen, die wir im dritten Haupt-Articul bekennen, nicht gerechnet werden, sondern die Römische Kirche ist eine wahre Kirche in Ansehung 1.) der getaufften Kinder 2.) der Märtyrer und Zeugen der Wahrheit vor denen blutigen Inquisitions und dergleichen (nicht von den sanfftmüthigen Geist Christi sondern von den grausamen Lügen- und Mord-Geist) dirigirten Gerichten, 3.) in Ansehung der Einfältigen, die es nicht besser wissen, auch keine Gelegenheit haben hinter dem Betrug und Irrthum zu kommen, 4.) derer die im verborgenen die Päbstische Greuel befeufftzen, doch nicht Muths genug haben, Blut und Gut daran zu wagen, und obwohl diese vor dem Creutz Christi fliehen, welches auch eine Art der Verleugnung Christi ist, wie Paulus lehret, wenn er das Dulden und Verleugnen einander entgegen setzet 2. Tim. 2, 12. dulden wir, so werden wir mit herrschen, verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; so möchte doch noch manchem, wie dem verleugnenden Petro, Barmhertzigkeit wiederfahren. Obgleich nicht zu leugnen ist, daß die 2. letzten Classen, wie nicht ohne Hoffnung, also auch nicht ohne Gefahr ihrer Seeligkeit seyn. Aber welche Hoffnung bleibet denen, die, nachdem sie einmahl erleuchtet sind, muthwillens abfallen? so wir muthwillig sündigen, nachdem wir die Erkänntnüß der Wahrheit empfangen haben, haben wir förder kein ander Opffer mehr vor die Sünde Hebr. 10, 26. Wie kan sich darauf, daß noch einige in der Römischen Kirche erzogene seelig werden, in derer Ansehung diese Kirche für eine wahre Kirche gehalten wird, einer von uns vermessen, die Gefahr lieben, GOtt versuchen, die Kirche ärgern, und eine wahrhafftige Abgötterey begehen, indem er GOtt und sein Wort nicht über alles, sondern die Welt und Lügen über jene liebet.
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Alldieweil wir nun gnädigster Fürst und Herr, dem, was wir also aus GOttes Wort überzeuget sind, auch lehren und predigen, ipso facto nicht contradiciren können, noch bey Verlust unserer Seeligkeit dürffen, und noch zur Zeit in dem elenden und recht als aus dem Stegreiff abgefasseten Responso ein anderes nicht gefunden haben: so werden Ew. Hochfürstliche Durchlauchtigkeit nach Dero hocherleuchtetem Verstande gnädigst erkennen, daß wir bey Administration des H. Abendmahls uns fremder Sünde nicht theilhafftig machen können, sondern vielmehr gnädigst zu frieden seyn, (damit wir um so viel mehr vor der Welt von dem Verdacht eines unzeitigen Eyffers und Eigensinnes vor GOtt aber vom bösen Gewissen uns befreyen mögen) daß wir diese hochwichtige das Heyl so vieler Seelen concernirende Sache etwa folgendergestalt mit einigen Theologischen Facultäten und Collegiis communiciren: Ob Constantinus, ein Evangelischer Landes-Herr, könne würdiglich communiciren, non obstante praxi & opinione ista, nach welcher er haben will, daß seine Neptis um einer Heyrath willen, von der aus GOttes Wort gründlich erkannter und vor 1 3/4. Jahren bey solenner Confirmation unter und mit Anruffung des Nahmen GOttes beweglichst bekannter Wahrheit, zu der Römischen Kirche übertretten soll, dawider er weder schrifftmäßige Remonstrationes der Lehrer, noch ihr und der b. E. Bitten und Thränen achtet, sondern vielmehr sagt, er wolle alle von jenen besorgte Sünde und Verantwortung auf sich nehmen. 2.) Wie sich des Constantini Prediger sonderlich bey der Communion und Absolution auch öffentlichen Elenchi halber zu verhalten haben welches Ew. Durchlauchtigkeit zu gnädigst verlangter Explication, das, was wir von dem Binde-Schlüssel gedacht, nicht verhalten sollen, GOtt von Hertzen bittende, daß er sich über Ew. Durchlauchtigkeit die liebe Printzeße und uns, die wir inter sacrum & saxum stecken, und dieß leiden müssen, damit wir jenes, so viel an uns ist, retten, in Gnaden erbarmen, seine Hand von uns nicht abziehen, noch uns verlassen wolle, sondern unsere Hertzen neigen zu ihm, daß wir wandeln in allen seinen Wegen. Die wir also beharren &c. §. VI. Aber die guten Herrn machten damit ihre Sache nur(Die vierte und letzte Beylage.) schlimmer. Weil des Serenissimi Gnade und Güte männiglich bekant war, meineten sie, sie wolten einen Ludovicum Pium, der sich von
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der Clerisey auf dem Maul trumpen liesse, oder einen Henricum Sanctum, der sich bereden ließ, der Teuffel wäre in Jägers Gestalt aus seiner Gemahlin Kammer herausgangen, an ihrer Durchl. finden. Sie wurden aber nicht wenig bestürtzt, als sie so unvermuthet folgendes den 10. Septemb. 1705. datirtes Rescript erhielten. Und ist wohl leichtlich zu vermuthen, daß ihnen dieses nicht alleine eben so empfindlich war, als wenn ungezogene Kinder unversehens von ihren Herrn Praeceptor auf die Finger geklopfft werden, sondern auch daß sie leicht vorher sehen konten, daß es hierbey nicht bleiben dörffte. Das Rescript lautete also: (Rescript das denen Predigern ihren Unfug vor Augen legt.) Der Durchlauchtigste Fürst und Herr, etc. etc. haben nicht ohne Befremdung ersehen, was bey ihnen dero Hoff-Prediger und Hoff-Caplan in einer gewissen, untern 4ten hujus eingelangten mit verschiedenen taxativen und dem Ihro schuldigen Respect zuwiederlauffenden expressionen angefülleten Schrifft vorstellen wollen; gleichwie nun höchstgedacht Ihro Durchl. denenselben zuförderst ihren Unfug hierdurch ernstlich verweisen lassen, und so viel den Inhalt sothaner Schrifft betrifft, keinesweges gestatten können, daß über die darinn aufgeführte Frage, bevorab bey denen mit eingemischten unerfindlichen Umständen, auswärtiger Theologorum judicium eingehohlet werde; also lassen sie denenselben bey Vermeidung Dero Ungnad und anderer unbeliebiger Verordnung hiermit anbefehlen, sich dessen gäntzlich zu enthalten, und über die erwehnte Frage zu Ihrer Durchl. Verunglimpffung und Verkleinerung sich in keine Communication oder Schrifft-Wechselung mit jemanden einzulassen, gestalt dann Ihre Durchl, nachdemmahlen sie wahrgenommen, daß die bemeldte Prediger ihnen dabey einen Zweiffel in ihren Gewissen machen, sie auf etwas, so sie nach selbigem unverantwortlich zu seyn vermeynen, keinesweges zu ziehen gemeynet seyn, auch solchemnach wegen Erwehlung eines andern Confessionarii nechstens Ihre Entschliessung fassen werden, und es also der Erörterung sothaner Frage zu Beruhigung mehrgemeldter Prediger ihrer Conscienz nicht bedürffen wird; wobey sie dann dieselbe hierdurch ferner erinnnern lassen, auch bey ihren Predigten (um so vielmehr, da die zu dieser Vorstellung Anlaß gegebene Sache noch zur Zeit auf der Ungewißheit beruhet, Ihro Durchlaucht auch vorhin allschon declariret, daß ob sie zwar der göttlichen Schickung darunter ihren Lauff lassen, Ihres Orts aber dieselbe nicht befördern würden) gehörige Moderation zu gebrauchen, und so wenig dadurch, als durch weitere schrifftliche Vorstellung Ihre Durchl. zu beunruhigen, mit der ernstlichen Bedeutung, daß,
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wofern sie vermeynen solten, sich hierinn nicht überwinden zu können, Ihre Durchl. wiewohl mit dero Leidwesen sich werden gemüßiget befinden, auch was deroselben Bedienung und Amt bey der Fürstlichen Hof-Capelle betrifft, auf eine Veränderung bedacht zu seyn, welches sie also denenselben hiemit zur Resolution ertheilen lassen wollen. Uhrkundlich etc. Unter Ihro Durchl. eigenhändigen Unterschrifft und beygedruckten Fürstlichen Geheimden Cantzley-Secrets. §. VII. Ich machte mich nach Erhaltung der speciei Facti alsbald(Mein ausführliches Responsum.) darüber, und verfertigte bey meiner ordentlichen Arbeit zwischen den 1. und 14. Novembris folgendes Responsum, welches nicht alleine darinnen von dem damahls gedruckten Responso differiret, daß, wie schon oben §. 1. gemeldet, das völlige Responsum auf alle beyde Fragen und der darzu gehörige Eingang darinnen enthalten, sondern auch, daß andere Passagen (wann z. E. etliche allegirte Autores daselbst vergessen, oder durch Auslassung etlicher Zeilen der Sensus ware undeutlich gemachet worden) allhier emendiret zu befinden, wie der Leser alsbald sehen wird, wenn er in dem damahls gedruckten Responso z. E. p. 3. 4. 144. und 164. circa finem mit gegenwärtigen Responso zusammen zuhalten belieben wird. Und weil im übrigen bey dem damahls gedruckten Responso keine summarische Marginalia zu befinden, sondern nur in genere wo die rationes dubitandi & decidendi, ingleichen die responsiones ad rationes dubitandi anfiengen, bemercket ware; als habe auch diesen Mangel allhier suppliret, und kurtze Summarien durch und durch am Rand beydrucken lassen, damit der Leser in einer kurtzen Zeit den Inhalt des gantzen, nach Beschaffenheit der Sache ziemlich weitläufftigen Responsi, zum Voraus lesen und verstehen möge. Als mir eine species Facti nebst Beylagen sub n. 1. 2. 3. 4. und(Eingang.) zweyen unterschiedenen Fragen zugesendet, und mein rechtliches Bedencken hierüber begehret worden; demnach erachte ich nach fleißiger Uberlegung und Erwegung aller in der Specie Facti und deren Beylagen angeführten Umständen folgende Beantwortung, denen Regeln gesunder Vernunfft, auch GOttes Wort und denen Gründen darauf das unschätzbahre Kleinod des Juris circa sacra Protestirender Fürsten und Stände gegründet ist, augenscheinlich und handgreiflich gemäß zu seyn. Die erste Frage ist: Wie weit ein Prediger gegen seinen Landes-Herren,(Die 1. Frage. Zweifel für das Recht des Binde-Schlüssels.) welcher zugleich summus Episcopus mit ist, sich des Binde-Schlüssels bedienen könne Hier will es nun bald Anfangs das Anesehen gewinnen, als ob ein Prediger befugt sey auch gegen seinen Landes-
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Herrn, ohnerachtet derselbe zugleich summus Episcopus ist, des Binde-Schlüssels, nach dem Trieb seines Gewissens sich zu bedienen, absonderlich aber in solchen Fällen, da derselbe etwas begehet, das zum Praejudiz der wahren Evangelischen Lutherischen Religion gereichet, und dem Padstthum favorisiret, und zwar aus folgenden Ursachen. ((1.) Weil das Geistliche Amt der Prediger von GOtt allein.) Denn 1) führen die Prediger nicht ohne Ursach in ihren Schreiben (in der Beylage N. 1.) an, daß ihr in vermahnen, bitten, flehen, warnen, straffen und binden bestehendes Amt ein hohes, Göttliches, und von GOtt allein dependirendes Amt sey, sintemahl diese Lehre fast durchgehends von denen Evangelischen Lehrern beyderley Protestirender Religion, so wohl Theologis als Juristen angenommen und gelehret wird, daß das Predig-Amt von Christo selbsten unmittelbahr eingesetzt sey das Wort GOttes zu predigen, die heiligen Sacramenta zu administriren und das Amt der Schlüssel sich zu bedienen, in welchen Amt und dessen Gebrauch sie die Prediger alleine von ihren Haupt Christo und von keinen (Nicht aber von weltlicher Obrigkeit dependiret.) Menschen auch nicht von weltlicher Obrigkeit dependireten und also auch die weltliche Obrigkeit ihnen in dem Gebrauch dieses ihres Amts nichts zu befehlen hätte, sondern wie die Apostel vermögend gewesen aus dem Befehl Christi das Wort GOttes und das heilige Evangelium auch wider der weltlichen Obrigkeit willen zu lehren und auszubreiten, also hätten auch heut zu Tage die Diener des Worts vermöge derselben unmittelbaren Einsetzung des H. Predig-Amts, insgesamt, und der Geringe sowohl als der Fürnehme, Macht, ja sie wären solches in ihren Gewissen zu thun verbunden, nach der ihnen von Christo fürgeschriebenen Regel ihr Amt zu verrichten, und sich dißfalls an den Befehl der Menschen, wenn er ihren Amt Einhält thun wolte, nicht zu kehren, noch ihre Gewissen (Sondern diese intuitu potestatis internae nur pro brachio seculari zu achten wäre.) binden zu lassen. Es wäre zwar die weltliche Obrigkeit befugt ihr Obrigkeitliches Amt auch in Beschützung der ersten Taffel auszuüben, aber solches gienge nicht weiter als nur die wahre Lehre zu beschützen, und dasjenige was treue Lehrer und Prediger in ihren Synodis oder Conventen die Religion betreffend geschlossen hätten zu exequiren und diesen Schlüssen beyzustehen nicht aber selbige zu corrigiren, oder ihnen zu widerstehen. Hierzu hätte sich bald Anfangs der löbliche Kayser Constantinus Magnus bequemet, indem er gegen die Geistlichen sich ausdrücklich erkläret, daß ihme in euserlichen Dingen nur das Bischöffliche Amt zukomme, in der Kirche aber gebührete es nur denen Herren Geistlichen alleine. Ob auch wohl die Protestirenden Fürsten vorgäben, daß ihnen Vermöge des Religions-Friedens und Friedens-Schlüsse, das Jus E
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piscopale zustehe, so stehe doch erstlich dahin, ob solches wahr sey; und wenn es wahr seyn solle, stehe es dahin, ob es recht sey; und wann es recht seyn solle, wäre es nicht anders als cum distinctione inter potestatem externam & internam, wie dieselbe itzo erklähret worden zu verstehen, oder aber auf diese Weise, daß denen Protestirenden Fürsten von dem Jure Episcopali zwar jura jurisdictionis & legis Dioecesanae ac dignitatis Episcopalis zustünden, aber nicht jura ordinis, indem es auch offenbahr, daß die protestirende Fürsten deßhalb auch weder Predigten noch die Sacramenta administrireten, noch das Amt der Schlüssel exercireten. Derowegen wären treue Lehrer und Prediger zwar der weltlichen Obrigkeit unterworffen was ihre Güter, ihren Leib und Person anlangete, aber in Betreffung ihres Amts, dörfften sie niemand als GOtt Rede und Rechenschafft geben. Consilia Theologica Wittebergensia Part. 2. f. 129. seq. Dedekenni Consilia Theologica Part. 1. f. 663. item fol. 822. item fol. 851. b. Part. 2. f. 1. Carpz. Jurisp. Eccles. lib. 1. def. 1. n. 13. item defin. 4. Mich. Havemannus de Jure Episcopali tit. 3. & 4. qui plures pro ea sententia ibi citat ICtos. Gisb. Voetius Polit. Eccles. Part. 1. lib. 1. Tract. 2. potissimum c. 1. n. 4. p. 122. seq. c. 2. n. 4. p. 131. cap. 3. p. 149. usque ad p. 182. Johannes Broun in Confutatione Libertino Erastianae sententiae Lamberti Velthusii de ministerio, regimine, & disciplina Ecclesiastica. Unter diesen itzo angeführten Scribenten meritiren sonderlich etliche(Nach dem Zeugnüß der Theolog. Facultät zu Wittenberg.) Oerter, daß sie zu Bekräfftigung dieser ersten rationis dubitandi etwas deutlicher angeführet werden, damit desto heller erscheine, daß ich denen Autoribus in dem kurtzen Extract und Begriff derselben nichts angedichtet. Also schreibet nun die Theologische Facultät zu Wittenberg anno 1638. in Consil. Wittenb. d. Part. 2. f. 129. seq. Es kan von keinen rechten verständigen Christen geleugnet werden, daß regnum Politicum und dieser Welt unterschieden sey a regno Christi in his terris, hoc est ab Ecclesia, daß auch Christus das Haupt seiner Kirchen dieselben unterschiedlich zu führen und zu regieren und durchaus nicht zu confundiren haben wolle. &c. Sintemahl gleichwie Christus, die Aposteln und Doctores primitiva Ecclesiae der weltlichen Obrigkeit nicht haben wollen vorgreiffen; also haben sie auch gewolt, daß man dem Kayser und weltlicher Obrigkeit nicht geben soll, was GOttes ist, und seiner Kirchen zugehöret &c. Also will auch GOtt der HErr, die weltliche Obrigkeit und Personen sollen den Geistlichen ihr Amt nicht eingreif
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fen als Saul &c. Usia, &c. und Usa &c. gethan. &c. Also kan auch gantz nicht probiret werden wenn in unserer Reformirren Evangelischen Kirchen, da wir das Päbstische Joch von uns geworffen, Magistratus Politicus wolte similem tyrannidem üben und was der gantzen Kirche gehöret, allein zu sich reissen, die Jura, quae sunt totius Ecclesiae, und caetera Membra Ecclesiae, und fürnemlich die geistliches Standes, ausschliessen. Nun aber ist das Jus Episcopale, wie der Nahme mit sich bringt, Jus Ecclesiasticum, als das so genennet wird, von dem, was eigentlich zu der Kirchen gehört. Denn ja alleine Ecclesia ut talis und nicht Respublica mundana, ut ab Ecclesia distincta est, habet Episcopos. Uber das auch alles, was ad Jus Episcopale gehöret, oder dahin motis controversiis muß gezogen und daraus decidiret werden, seyn res Ecclesiae, als die Bischöffe und Prediger zu erwehlen, zu vociren, zu confirmiren, auf dieselbe fleißige Aufsicht haben, ob sie in ihren Amt fleißig oder unfleißig sind, ob sie GOttes Wortrein lehren, und die hochwürdigen Sacramenta nach Christi Einsetzung recht administriren, ob sie ein gottseeliges oder ärgerliches Leben führen, davon nach GOttes Wort judiciren, dem straffwürdigen poenam dictiren, ab officio suspendiren, oder garremoviren, und andre an ihre statt ordnen und setzen. Es gehöret auch darzu die gantze disciplina Ecclesiastica welche aber nicht reipublicae mundanae, sondern alleine Ecclesiae verae tertia nota gehalten wird &c. Wenn nun dem also ist, als ist es unmöglich, daß das Jus. Episcopale henge, oder per suam naturam hengen könne an dem Jure Politico & territorii, denn es ja gantz ein ander Recht, von diesen abgesondert, also gar, daß es auch ohne dasselbe bestehen und exerciret werden könne. Ja sprichstu, es ist aber nunmehro durch den Religion-Frieden also geordnet in unsern Kirchen. Erstlich ist die Frage ob dem also sey. Es befindet sich gleichwohl nicht weder in Passauischen Vertrage, noch in dem Religion-Frieden, darnach wenn es auch gleich also geschehen wäre, fragt sichs weiter obs recht sey und ob es Magistratus Christianus mit guten Gewissen acceptiren könne oder solle. (Ingleichen Matthaei Judicis.) Auf gleichen Schlag raisoniret das Responsum Matthaei Judicis so beym Dedekenno dicta Parte I. sub titulo von heiligen Predig-Amt num. 24. f. 821. seq. zu finden ist. Die Kirchen Diener sind mit ihren Haab und Gütern, euserlichen weltlichen Handlungen
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auch ihren Leib und Leben der Obrigkeit unterworffen, und werden von derselben, wenn sie sich wohl halten, belohnet, thun sie aber böses, gestrafft. Aber über ihr Gewissen, Glauben, Lehre und Bekäntnüß, auch ihres Beruffs Verrichtungen lassen sie der Obrigkeit keine Gewalt, und sich nicht vorschreiben, was und wie sie in ihren Amt handeln sollen, sondern sehen allein auf GOtt, der über die Gewissen herrschet, und wie es mit austheilen der Sacramenten, und dem Kirchen-Regiment solle gehalten werden, in seinem ausgedruckten Worte befohlen. Hingegen ist die weltliche Obrigkeit mit ihren Gewissen und Seelen dem Predig-Amt unterworffen, und ist schuldig, von demselben GOttes Wort zu hören und anzunehmen, sich den Kirchen Satzungen zu unterwerffen, die Sacramenta von ihnen zu empfahen, ein gottseelig Leben zu führen, andern mit guten Exempel für zu gehen und Aergernüß zu verhüten. Nicht weniger auch Christo Platz zu geben, der Kirchen Ausbreitung zu befördern und Nachtheil zu hindern. Zum dritten wird auch nicht unangenehm seyn aus eben diesen(Und Tilemanni Heshusii.) Dedekenno d. l. num. 29. f. 851. folgende Worte aus einem Judicio Tilemanni Heshusii anzuführen. Man weiß aus GOttes Wort, daß sich die Herrschafft und Gewalt der weltlichen Regenten noch keines Menschen so weit nicht strecke, daß er möge seines Verstands und Gefallens das Predigamt, so alleine von Christo JEsu gestifftet, einziehen, einspannen, und auch erweitern. Denn der Sohn GOttes gestehet keinen Regenten einiges Gebots oder Verbots in seinen geistlichen Reiche etc. Denn da Christus sagt: Gebet dem Kayser, was des Kaysers ist, und GOtte was GOttes ist, verbeut er dem Kayser und allen Regenten, daß sie dem lieben GOtte in sein geistlich Reich als in eine fremde Herrschafft keinen Eingriff thun sollen, sondern das gehen lassen, wie es GOtt verordnet etc. Gnade GOtt dem armen HErrn Christo, wenn die Juristen, deren sich wenig um GOttes Wort bekümmern, und Hofleute, die offte ihren Catechismum nicht gelernet haben, sollen Decreta und Beschlüsse machen, wie man die Sünde straffen, falsche Lehre widerlegen, die reine Wahrheit erklähren, und die armen Sünder gen Himmel führen und weisen solle. Vielmehr haben wir Prediger den Befehl von GOtt, daß wir das Amt des Evangelii nach
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GOttes Wortführen, und keinen Menschen weder hohes noch niedern Standes ansehen sollen etc. ((II) Absonderlich was das Straf-Amt der Prediger betrifft.) Da nun das Predigamt der weltlichen Obrigkeit in Ansehen ihres Predigamts überhaupt nicht unterworffen ist nach der Meynung die bißhero angeführet worden, so folget auch (II) von sich selbst aus solcher hypothesi, daß absonderlich so viel das Strafamt betrifft, solches eintzig und alleine dem Ministerio und dessen Gewissen zu überlassen sey, und sich die weltliche Obrigkeit nicht drein zu mischen noch den Predigern dißfalls etwas einzureden habe, zumahl da in diesen Strafamteben das Kirchen Regiment hauptsächlich bestehet, dessen sich das Predigamt, wie nur vorher gemeldet, für der weltlichen Obrigkeit anmasset. Dannenhero sagt Matthaeus Judex an oben angezogenen Orte beym Dedekenno d. P. I. f. 821. Der Kirchen-Diener Beruff ist etc. darnach die Sünden und Sündiger straffen, verdammen, und so es die Nothdurfft erfordert, auch mit Mund und der Feder excommuniciren, nicht alleine so wider die erste Tafel sündigen, sondern auch die Ubertretter der andern Taffel. Von diesen allen haben die Kirchen-Diener Gottes ausdrücklichen Befehl, und dürffen nicht warten noch acht geben auf einiges Menschen, er sey Obrigkeit oder Unterthan, Geheiß oder Ansehen &c. Massen denn aus diesen Fundament besagter Matthaeus Judex d. l. N. 25. & 26. a fol. 821. biß 827. in zweyen Responsis ausführlich deduciret, daß die Herrschafft eines Orts mit guten Gewissen denen Gelehrten sonderlich aber denen Theologen nicht verbieten könne in ihren Lande ohne ihr Gutheissen oder Censur ihre Schrifften drucken zu lassen, indem die Inspection über die Buchdruckereyen zu dem Richter-Amt über die Lehre gehöre, welche Christus seiner Kirchen anbefohlen habe, und sich also die Obrigkeit derselben nicht allein anmassen könne, sondern da sie solches thäte, wider das siebende Gebot, du solt nicht stehlen, sich schwerlich versündigte, und zum Kirchen-Diebe würde, wider ihr Amt handelte, den Unterscheid des geistlichen und weltlichen Standes auffhübe, indem GOtt denen Kirchen-Lehrern nie befohlen hätte, nichts zu lehren oder zu publiciren, es sey denn von der Obrigkeit approbiret worden, ja vielmehr die Propheten und Apostel denen Satzungen der weltlichen Obrigkeit zuwider die Wahrheit öffentlich gelehret und geprediget hätten. Dannenhero sey offenbahr, daß die Politici, die sich unterstünden, denen Predigern den Druck ohne ihre vorhergehende Censur zu verbieten, ein neues weltliches Pabstthum einführeten, und eine greuliche Tyranney über der Chri
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sten Freyheit ausübeten, zum Praejudiz der wahren Religion, und zum Nachtheil der Kirchen und der lieben Posterität, in ein fremdes Amt griffen, auch zeitliche, geistliche und ewige Straffe sich auf den Halß ladeten; ja es wären auch nicht einmahl die Buchdrucker schuldig, dergleichen Befehlen solcher Tyrannen zu gehorchen, weil sie vermöge ihres Tauff-Bundes GOtt dem HErrn mit Eydes-Pflicht verpflichtet wären, daß sie wolten nach ihren eusersten Vermögen die Ehre GOttes befördern und die göttliche Wahrheit ausbreiten helffen, von welcher Pflicht sich die Buchdrucker weder durch solche gottlose Edicta und Tyrannische Herren, noch auch von Teuffel selbst, nicht könten loßmachen lassen, massen denn die Obrigkeiten mit dergleichen Edictis sich nicht als Diener GOttes, sondern als Diener des leidigen Teuffels aufführten. Und wenn auch gleich die Buchdrucker, da sie dergleichen Befehlen nicht gehorcheten, an Leib und Gut deshalben gestrafft werden solten, so solten sie doch bereit seyn dieses alles viel lieber auszustehen, und die weltliche Obrigkeit zu erzürnen, als daß sie denen Edictis gehorcheten, und solchergestalt sich GOtt den HErrn zum Feinde macheten und dessen schwere Straffen sich über den Halß zögen: zumahl da die Widersetzlichkeit wider der Obrigkeit Befehl nicht für einen Ungehorsam, sondern nur für einen untadelhafften Gebrauch geistlicher Freyheit zu halten wäre. Aus eben diesen Fundament haben Johannes Gerhardus, Leonhardus Hutterus, Tilemannus Heshusius, Abraham Taurerus, und etliche andre Churfürstliche Sächsische allesamt aber orthodoxe Lutherische und mehrentheils sehr berühmte Theologi beym Dedekenno d. Part. I. Consil. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. a fol. 827. biß 862. in denen daselbst befindlichen Responsis ausgeführet, daß das Predig-Amt nicht schuldig sey, durch Obrigkeitliche Befehle sich den Mund stopffen zu lassen, daß sie nicht nach dem Befehl GOttes in ihren Predigten wider die Papisten, Calvinisten und andre irrige Lehrer auf das schärfste mit ihren Straff-Amt sondern fein säuberlich und ohne dieselben auf der Cantzel mit ihren rechten wohlverdienten Nahmen zu nennen, verfahren solten, welche Loca insgesamt zu excerpiren allhier zu weitläufftig fallen wolte, zumahl sie insgesamt wohl meritiren nebst denen vorigen, woraus man einige Excerpta verfertiget von jedermann mit guten Bedacht gantz und gar gelesen zu werden, und daraus zu erkennen, wie eyfrig diese vornehme Leute sich angelassen seyn lassen die Autorität des H. Predig-Amts zu vertheydigen, und denen Fürsten und Politicis, die ihnen hierinnen auch nur in geringsten und so zu sagen einen
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Haarbreit Abbruch oder Eingriff thun wollen, den Text rechtschaffen und allenthalben mit Allegirung der heiligen Schrifft zu lesen und ihnen die Hölle heiß zu machen. Wie denn für andren gar schön zu lesen ist das 29. Responsum, allwo D. Tilemannus Heshusius weitläufftig ausgeführet, daß ob wohl damahlen auf einen Creyß-Tage zu Lüneburg von denen Fürsten und Ständen des Niedersächsischen Creysses verglichen worden durch ein Mandat denen Predigern den Gebrauch des Elenchi wider die Reformirten zu untersagen; dennoch dieser Creyß-Schluß, als der wider die Regul des göttlichen Worts sey, nicht zu attendiren wäre, weil man bey Abfassung desselbigen nur allein Juristen und Hof-Räthe, nicht aber, als wohl geschehen sollen, erfahrne treue Lehrer und Theologos gebrauchet hätte. Zugeschweigen derer Schrifften die Anno 1666. als die bekannten Edicta wegen des Elenchi nominalis zu Berlin publiciret worden von der Theologischen Facultät zu Wittenberg durch D. Abraham Calovium, und zu derer Vertheydigung von andern verfertitiget worden. ((III) Und insonderheit in Gebrauch des Binde-Schlüssels.) Zum (III) ist es ferner augenscheinlich und handgreiflich, daß wenn das Predig-Amt erstlich in ihren Amt überhaupt, und hernach auch in genere in ihren Straf-Amt keineswegen der weltlichen Obrigkeit Befehle zu respectiren schuldig ist, sondern dißfalls alleine von Christo dependiret, und keine Dependenz der weltlichen Obrigkeit zugestehet, es auch nothwendig in Gebrauch des Binde-Schlüssels, nemlich der Excommunication, und Ausschliessung von Abendmahl, als welche ohnstreitig ein nothwendig Stücke des H. Predig-Amts, und insonderheit des Straf-Amts ist, eben so independent von der weltlichen Obrigkeit und deren Befehlen seyn müste. Und dieses um so viel destomehr, da die heilige Schrifft deutlich lehret, daß der Binde-Schlüssel von unsern Heyland Christo beym Matthaeo cap. 16. v. 19. Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch in Himmel gebunden seyn, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch in Himmel loß seyn. Und beym Johanne c. 20. v. 23. Welchen ihr die Sünde erlasset denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten, eingesetzet, und dessen Verwaltung nicht denen Bischöffen alleine sondern allen treuen Lehrern und Predigern, wenn sie auf für der Welt noch so verächtlich und niedrig angesehen seyn als ein höchstnöthiges Stück ihres geistlichen Amts anvertrauet worden. Dedekenn. Consil. Theol. Part. I. f. 890. Zieglerus de Episcopis libro 3. cap. 10. §. 10. Idem ad Institutiones Lancelotti, lib. 4. tit. 13. §. 16. p. 1031. Idem de
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Superint. c. 17. §. 8. Samuel Stryke in notis ad Brunnemanni Jus Ecclesiasticum p. 243. dergestalt daß dieses Amt der Schlüssel nnd dessen Würckung eben so kräfftig ist als wenn solches von Christo selbst exerciret und getrieben würde, und also die Prediger, wenn sie dasselbige brauchen, nicht nur die Vergebung der Sünden und deren Behaltung denen Beichtenden bußfertigen oder unbußfertigen Sündern ankündigen, sondern auch den Binde- und Löse-Schlüssel wahrhafftig und würcklich appliciren Ziegl. de Episc. d. l. 3. c. 10. §. 8. 9. der Binde-Schlüssel auch deshalben desto nöthiger ist, damit derselbe diejenigen Laster bestraffen möge, die sonsten von der weltlichen Obrigkeit nicht pflegen bestraffet, sondern ihnen allenthalben durch die Finger gesehen zu werden. Brunnem. Jur. Eccles. lib. 1. c. 6. membr. 9. §. 2. Es hat schon der seelige Lutherus Tom. 8. Witteberg. in Joel. p. 404. gelehret, daß so ein Pfarrer weiß, daß die Sünde öffentlich Stadt oder Landrüchtig ist, er schuldig sey, daß er solche Leute zum Sacrament des wahren Leibes und Blutes nicht lasse. Brunnem. d. l. §. 3. Und ob wohl Evangelische Fürsten und Consistoria die Jurisdictionem Episcopalem haben und exerciren, so bleibet doch durch dieselbe der Binde-Schlüssel des Predig-Amts billig ungekränckt, weil er ad jura ordinis nicht aber ad ea quae sunt jurisdictionis zu referiren ist. Brunnem. d. l. §. 5. 6. Stryke in annot. p. 243. Ziegl. ad Lancel. p. 360. Es geschiehet auch dem Juri Episcopali und der weltlichen Obrigkeit durch die Excommunicationes und Kirchen-Censuren kein Praejudiz, indem dieselbe bey denen Evangelischen nur auf den innerlichen Menschen gehen, nicht aber den euserlichen Menschen weder an Leibe noch an Ehre und Guth und andern Juribus angreiffen, wie etwan sonst bey denen Papisten zu geschehen pfleget. Gisb. Voet. Polit. Eccles. P. 1. l. 1. Tr. 2. c. 3. p. 163. Dannenhero wenn ein Prediger weiß oder gewiß glaubet, daß einer unwürdig sey, und dennoch von der weltlichen Obrigkeit oder dem Consistorio ihm anbefohlen wird denselben zum Abendmahl zu lassen, von dem er doch weiß daß er in dem Vorsatz zusündigen beharre, und also der Prediger zwischen Thür und Angel steckt, daß er sich eines Theils befürchten muß, er werde das H. Sacrament verunreinigen, wenn er solchen Befehle gehorche, andern Theils aber sich zu befahren hat, wenn er solches nicht thue, daß er als ein ungehorsamer und hartnäckigter Mensch werde bestrafft werden, so ist er doch schuldig, sich eher von seinem Amte absetzen zu lassen, als dem Befehl zu gehorchen, inmassen den auch der H. Chrysostomus in gleichen Fall sich verlauten lassen, er wolle viel lieber tausendmahl sterben, als einen solchen unwürdigen Men
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schen das H. Abendmahl reichen. Brunnem. d. l. l. 2. c. 3. §. 12. Stryke in notis ad Brunnem. d. p. 243. ((IV.) Auch wider Könige und Fürsten.) Da nun (IV.) denen Predigern der Binde-Schlüssel gegeben ist, daß sie denselben ohne Ansehen der Person wider alle ihre Zuhörer, die da unwürdig sind, zur heiligen Communion zu gelassen zu werden, zu gebrauchen, auch in ihren Gewissen solches wegen des göttlichen Befehls zu thun verbunden sind, und aber Könige und Fürsten ja alle weltliche Obrigkeit sich des Beichtstuhls so wohl als die Unterthanen bedienet, auch ohnstreitig unter diejenige mit gehören, die der Seelen Sorge des Predig-Amts anvertrauet sind, so will auch nunmehro von sich selbst folgen, daß Könige und Fürsten, so wohl als andre Sünder der Kirchen Disciplin unterworffen sind, wie denn auch alsbald in der alten Christlichen Kirchen die allerhöchsten Häupter, die keine Oberbotmäßigkeit einiges Mensehen auf dieser Welt über sich erkennet, ihr Haupt und Nacken unter dieses heilige Joch gebeuget, und sich demselben williglich unterworffen, massen denn aus der Kirchen-Historie bekant, was dißfalls der H. Ambrosius mit dem grossen Kayser Theodosio vorgenommen. Brunnem. d. l. 1. c. 6. membro 9. §. 2. Voetius de Polit. Eccles. Part. 3. lib. 4. Tract. 2. c. 4. probl. 9. p. 851. & Tract. 3. c. 3. p. 907. (Wo nicht mit dem grossen,) Zwar sind nicht alle der harten Meynung beygethan, daß die Könige und Fürsten mit den grossen Kirchen-Bann oder excommunicatione majore beleget werden können. Stryke ad Brunnem. p. 242. wie etwan Voetius auch dieses d. Part. 3. lib. 4. Tr. 2. c. 4. probl. 9. mit unterschiedenen Rationibus zu behaupten sich unterstanden, der auch anderswo ausdrücklich bejahet, daß wenn die Könige und Fürsten oder andre weltliche Obrigkeit die Schlüsse der Kirchen und Synodorum nicht approbiren, und vermittelst ihrer weltlichen Macht dieselbe nicht bekräfftigen und exequiren wolten, sie alsdenn mit guten Fug von der Kirchen zu Apostatis oder Abtrünnigen erklähret, für Feinde der Religion gehalten, und als die Heyden und Zöllner geachtet werden könnten, wie es ehedessen auch mit denen Kaysern Juliano, Valente, Constante, und andern Arrianern also gehalten worden. Voetius d. l. Part. 1. l. 1. Tract. 2. c. 3. (Doch zum wenigsten mit dem kleinen Kirchen-Bann.) p. 163. Jedennoch aber sind unsere Theologi und JCti, die diese Frage ausdrücklich berühret haben, darinnen einstimmig, daß die excommunicatio minor oder die Ausschliessung von heiligen Abendmahl und Versagung der Absolution von denen Predigern auch gegen Könige und Fürsten gar wohl könne ausgeübet werden. Hülsem. de corrept. Fraterna p. 302. Dannhauer Theol. Conscient. Part. 2. Spec. Dial. 3. p. 113 1. seq.
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Ziegl. ad Lancell. lib. 4. tit. 13. §. 1. p. 1015. Idem de Episc. lib. 3. c. 11. §. 72. p. 621. Grotius de jure summ. potest. circa sacra c. 9. §. 18. Daß aber (V.) absonderlich in dem Falle, wenn ein Fürst etwas((V) Zumahl wenn der Fürst dem Pabstthum favorisiret.) begehet, das zum Praejudiz der wahren Lutherischen Religion gereichet und dem Pabstthum favorisiret, ein Prediger mit diesen kleinern Kirchen-Bann wider ihn verfahren könne, ist daraus nicht unschwer zu behaupten; daß das Pabstthum eine der greulichsten Ketzereyen ist und der Pabst von unsern Lehrern vor den Anti-Christ gehalten wird. Da nun sonsten ordentlich niemand mit den Kirchen-Bann beleget werden kan, der nicht unter des Bischoffs Dioeces oder des Predigers Parochie ist, so ist doch eine Ausnahme zu machen von denen Ketzern, als welche von allen Predigern auch ausser ihren Dioeces und Parochie excommuniciret werden mögen, zumahlen wenn diejenigen, denen der Bann hauptsächlich zukömmt, ihnen durch die Finger sehen und ihr Amt nicht gebührend verrichten. Hülsem. de corrept. Fraterna a p. 255. ad p. 259. Und ob wohl (VI.) auch unsere Theologen selbst rathen daß sich((VI.) Jedoch wenn es füglich geschehen kan.) Prediger hüten sollen, damit sie nicht mit unzeitigen Eyffer durch den Bann ansehnlicher Leute, absonderlich aber der Könige und Fürsten, der Kirche selbst mehr Schaden zu fügen als Vortheil bringen; so geben sie doch deutlich zu verstehen daß diese Erinnerung nicht de regulis justitiae oder von dem, was Prediger zu thun befugt seyn, handele, als wovon in der vorgelegten Frage eigentlich gehandelt wird, sondern de regulis prudentiae, oder was sich füglich und geschicklich thun und practiciren lasse. Hülsemann. d. l. a p. 274. ad p. 308. Diesen allen aber ungeachtet halte ich dafür in der gesunden Vernunfft(Ein Prediger kan seinen Fürsten nicht von Gebrauch des Heil. Abendmahls ausschliessen.) und heiligen Schrifft gegründet zu seyn, daß kein Evangelischer Prediger befugt sey, einen Evangelischen Fürsten, geschweige denn seinen eigenen Fürsten dessen Unterthan er ist, von dem Gebrauch des heiligen Abendmahls auszuschliessen und ihn die Absolution zu versagen, und zwar dieses aus folgenden trifftigen Ursachen. Denn (1.) ist ausgemacht und gantz deutlich zu erweisen, daß der so genannte Kirchen-Bann oder Excommunication entweder eine pur lautere weltliche und bürgerliche Straffe((1.) Weil der Kirchen-Bann mehr eine weltliche als geistliche Bestrafung ist.) sey, oder doch zum wenigsten mit einer weltlichen und bürgerlichen Straffe, zumahl in solchen Staaten, die aus lauter Christen bestehen, dergestalt verknüfft sey, daß die geistliche Bestraffung von der mitverknüpfften weltlichen Straffe nicht mag abgesondert werden, und ihre Würckungen für sich haben ohne die weltliche Bestraffung mit zu wür
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cken. (Ursprung und Beschaffenheit dieser Strafe bey denen Heyden.) Denn der Kirchen-Bann ist eine uhralte und so wohl bey denen Heyden und Jüden vor und nach dem entstandenen Christenthum übliche Straffe. Von denen Druyden oder von denen Priestern der alten Gallorum hat schon Julius Caesar lib. 6. de Bello Gallico angemercket, daß, wenn entweder eintzele Personen oder das Volck ihren Schlüssen nicht gehorchen wollen, sie solches in den Kirchen-Bann gethan hätten, und dieses bey ihnen eine der aller schweresten Straffe gewesen wäre, indem die Gebanneten für die ärgsten Atheisten und Bösewichte wären gehalten worden; mit welchen kein Mensche umbgegangen wäre, sondern für ihnen und für ihrer Anrede geflohen hätte, damit sie nicht von ihnen angesteckt würden und Ungelegenheit sich über den Halß zögen; ja es wäre solchen ausgebannten kein Recht wiederfahren, sondern wären Rechtloß geachtet auch zu keinen Ehren-Aemtern gelassen worden. Steph. Forcatulus in Feudorum jura cap. 10. §. 14. Seldenus de Synedriis Ebraeorum lib. 1. c. 10. p. 285. Was von denen Gebräuchen der Griechen und Römer und andrer heydnischen Völcker hieher kan angeführet werden, hat besagter Seldenus d. l. p. 274. seq. mit Fleiß zusammen getragen und deduciret. (Bey den Jüden vor und zeitwährender Babylonischen Gefängnüß.) Die Jüden betreffend, sind zwar etliche Gelehrte der Meynung gewesen, daß der bey ihnen gebräuchliche Kirchen-Bann eine durch Mosen auf GOttes Befehl eingesetzte Straffe gewesen sey, Krafft welcher die Ausgebanneten unter andern auch aus dem Tempel gestossen und ihnen den Gottesdienst zu besuchen nicht zugelassen worden. Es hat aber vorgerühmter Seldenus d. l. de Synedriis Ebraeorum lib. 1. cap. 7. juncto cap. 11. & 12. mit grosser Arbeit und Judicio bewiesen, daß dieser Jüdische Kirchen-Bann nicht älter sey als die Babylonische Gefängnüß, (p. 97. 98.) und dannenhero weder aus GOttes Befehl (p. 83. j. c. 11. & 12.) noch von Mose gestifftet, sondern aus dieser Gelegenheit entsprungen sey, (p. 99.) weil die Jüden in der Babylonischen Gefängnüß keine Jurisdiction über die Ihrigen exerciren dürffen, sondern unter Babylonischen Heydnischen Richtern gestanden; hätten sie sich unter einander vereiniget und verglichen, ihr Volck desto besser in Zaum zu halten, und ihren Aeltesten und Vorstehern einige Autorität zu conserviren, daß der Kirchen-Bann bey ihnen an statt der mangelnden Jurisdiction eingeführet werden solte. Weil nun dieses gantze Werck auf Pactis und Vereinigung beruhet, und die Ausgebanneten der Straffe des Bannes sich gutwillig unterworffen, und also vielmahls bey denen Heydnischen Richtern darüber geklaget, hätten auch die Heyden, als der Jüden damahlige Obrigkeit, ihnen durch die Fin
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ger gesehen, und diesen Kirchen-Bann gedultet. Nach der Babylonischen(Und ferner nach derselben.) Gefängnüß, (p. 100.) hätten die Jüden zwar diesen Kirchen-Bann nicht mehr von nöthen gehabt, indem sie nach erhaltener Freyheit nebst dem exercitio andrer Regalien auch das Regale Jurisdictionis & puniendi invitos wider bekommen; es wäre aber nichts desto minder derselbe als eine allbereit eingewurtzelte Gewohnheit gleichfalls beybehalten worden, und sey dieser Kirchen-Bann nicht darinnen bestanden, daß für andern die Priester die übrigen Jüden damit beleget hätten, oder (p. 128. 131. seq.) daß die Ausgebanneten wären aus dem Tempel und von Gottesdienst gestossen worden, sondern es hätte aus gewissen von ihm specisicirten Ursachen theils ein Mensch sich selbst, theils sowohl Privat-Personen als das Jüdische Consistorium andre Sünder in Bann thun können, und sey dieser Bann fürnemlich zweyerley Arten gewesen, der kleinere und grosse. (p. 74.) Bey jenen wäre der Ausgebannete nur für infam gehalten worden, dergestalt daß ihm keiner von seiner Gemeine oder Kirche ausser sein Weib und Kinder binnen 4. Ellen zu nahe kommen und bey ihm sitzen dörffen. Wenn nun (p. 77.) der Ausgebannete sich bekehret und bey denen, bey welchen es gestanden ihm von den Kirchen-Bann zu absolviren binnen 30. Tagen die Absolution gesucht hätte, wäre er von dieser infamia befreyet, und in seinen vorigen Stand wieder gesetzet worden; wenn aber solches nicht geschehen, wäre der vorige kleinere Bann nochmahls widerhohlet, und noch 30. Tage auf seine Bekehrung gewartet worden. Wenn er aber noch ferner halßstarrig blieben, und sich nicht accommodiren und Besserung versprechen wollen, wäre man zum grossen Kirchen-Bann geschritten und hätte unter Trompeten-Schall, auch mit andern Solennitäten ihn dergestalt excommuniciret, daß er von aller Menschen Umbgang ausgeschlossen (ausser daß man etliche verordnet, die ihm Speiß und Tranck wiewohl sehr kümmerlich gereichet hätten) auch nach Gelegenheit der Umstände sein Vermögen ihm weggenommen und zum Gottesdienst gewiedmet worden, daß dannenhero dieser grössere Bann in vielen Stücken der interdictioni aquae & ignis der Römer nicht ungleich gewesen. (p. 78.) Wie nun auch bey diesen grössern Bann das Absehen gewesen, die Halsstarrigen zahm zu machen, und sie zur Busse anzutreiben, daß sie sich accommodiren und die Absolution (von welcher Seldenus p. 120. seq. handelt) suchen sollen; also hätte man dieser Intention desto besseren Nachdruck zu geben auch eingeführet, daß diejenigen, so in den kleinen und grossen Bann ohne Absolution verstorben, nicht solten betrauret noch ehrlicher Weise begraben,
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sondern ein Steinhauffen, oder ein grosser Stein zur Schande ihnen auf ihr Grab geleget werden. (Bey denen Christen.) Wie nun aus diesen allen erhellet, daß sowohl der grosse als kleine Bann bey denen Jüden keine Geistliche und den innerlichen Menschen angehende Straffe gewesen, so wenig als der Heydnischen Römer ihre aquae & ignis interdictio, oder die bey allen Völckern gebräuchliche notae infamiam inurentes. Conf. Pufend. de habitu relig §. 27. auch die von Seldeno de Jure Naturae & Gentium secund. disc. Hebr. lib. 4. c. 8. specificirte 24. Ursachen, weshalb man in Kirchen-Bann gethan werden kunte, sattsam anzeigen, daß wegen bürgerlicher Händel in gemeinen Leben und Wandel, und die Autorität ihrer Rabbinen und Aeltesten zu erhalten die Verbannung vorgenommen worden; also ist nunmehro anch das Wesen des Christlichen Kirchen-Banns desto leichter zu verstehen, zumahl da die Christen ihren Kirchen-Bann so viel den ersten Ursprung betrifft nirgends anders her haben als von den Jüden. Dieses aber desto besser zu begreiffen ist es nöthig, daß man den Zustand des Christlichen Kirchen-Banns auf dreyerley Weise betrachte; was es nemlich mit demselben erstlich unter Christo und denen Aposteln, zum andern nach der Apostel Todte biß auf die Zeiten des Kaysers Constantini, und drittens von dieses Kaysers Zeiten an für eine Gestalt mit dem Christlichen Banne gehabt. (Und zwar bey diesen letzten erstlich zu denen Zeiten Christi, und der Apostel.) Erstlich was die Zeiten Christi und seiner Apostel betrifft, so ist zu praesupponiren, daß wie Christus nicht gekommen ist das Jüdische Gesetze aufzuheben sondern vielmehr zu erfüllen, auch weder er noch seine Apostel befohlen daß die ersten Christen sich von denen Jüden und Jüdischen Ceremonien absondenn solten, sondern vielmehr Christus und die Apostel selbst, jedoch nicht mehr aus Zwang und Jochs weise die Jüdischen Ceremonien beobachtet und gebrauchet; also auch nach CHristi Himmelfahrt solchergestalt continuiret worden, zumahlen da in denen ersten 7. Jahren nach der Himmelfahrt sich niemand als Jüden oder Proselyten zu der Christlichen Religion bekennet und in derselben aufgenommen, auch damahlen die Christen insgemein noch nicht mit ihren eigenen Christen Nahmen sondern mit dem gemeinen Nahmen der Jüden genennet, diese Jüden aber in ungläubige, und Gläubige zum Unterschied eingetheilet worden. Da nun in der gantzen heiligen Schrifft nicht zu finden, daß Christns oder seine Apostel wegen des Jüdischen Bannes etwas neues verordnet hätten; gleichwohl aber so wohl aus denen Episteln Pauli als sonsten aus der Kirchen-Historie erhellet, daß die ersten Chri
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sten unter denen Aposteln, ja auch die Apostel selbst entweder des Kirchen-Bannes sich bedienet, oder doch davon als von einer gewöhnlichen Sache geredet, so ist daraus genugsam abzusehen, daß dieser Kirchen-Bann derer ersten Christen, es sey nun der grosse oder der kleine, kein andrer Bann als der vorhererzehlte Jüdische Bann sey, auch keine andre qualitäten und Beschaffenheiten habe als der Jüdische Bann gehabt, nemlich daß er weder die Verbanneten von dem Gottesdienst und Gebrauch des H. Abendmahls ausgeschlossen habe, (wie solches fürnehmlich aus dem Exempel Judä zu sehen, der bey dem Gebrauch des H. Nachtmahls gewesen) noch auch das Verbannen denen Aposteln oder Bischöffen und Kirchen-Vorstehern alleine zukommen sey. Gleichergestalt ist auch was die Absolution von dem Banne betrifft es bey denen vorherigen Jüdischen Gebräuchen unverruckt geblieben. Als auch nachhero die Heyden durch Paulum mit grössern Hauffen zum Christenthum bekehret worden, hat man nichts destoweniger continuiret, die unter diesen Christen zu denen man getretten, noch üblichen Ceremonien jedoch unter mehrerer Freyheit als vor Christi Zukunfft mit zu machen, und wird nirgends gelesen, daß auch von der Zeit an, so lange die Apostel gelebet in der Materie von Bann und der dahin gehörigen Absolution auch nur das geringste geändert worden, daß eine Alteration in den vorigen Jüdischen Bann, oder einen mercklichen Unterscheid unter jenen und dem Christlichen Bann zu verursachen oder zu würcken fähig gewesen. Wie dieses alles abermahls von Seldeno de Synedriis d. lib. 1. cap. 8. integro & cap. 13. p. 340. seq. item a p. 349. ad p. 366. nach allen hier kürtzlich bemerckten Umständen weitläufftiger ausgeführet und augenscheinlich bewiesen worden. Ferner was den Zustand der Christen, nach dem Absterben der(Und zum andern von dar biß zu denen Zeiten des Kaysers Constantini.) Apostel biß zu denen Zeiten des Kaysers Constantini anlanget, ist vorhero zu mercken, daß weil zu selbiger Zeit der Tempel zu Jerusalem, darinnen bißhero so wohl die unter der Juden Nahmen annoch begriffenen Christen, als auch die unglaubigen Juden zusammen kommen waren, von Tito zerstöret worden, und der unglaubigen Juden Haß wider die Christen, auch dieser wider jene, aus vielen Ursachen täglich mehr und mehr zu genommen, zumahlen da bey denen Verfolgungen der Christen zuweilen denen unglaubigen Juden ihr Gottesdienst und Gebräuche ungekränckt gelassen worden, und hiernächst die Jüden die Christen vieler schandbaren Laster fälschlich beschuldigten; es anders nicht ablauffen können, als daß die zwischen denen Juden und Christen bißherige Gemeinschafft der Rechte, Sitten und Gebräuche sich immer
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mehr und mehr verringert, und folglich auch die biß dahin, auch unter denen Christen, üblich gewesene Jüdische Excommunication unterschiedene Alterationes, so wohl was die Personen, die andre in Bann thaten, als die Art und Weise des Bannes selbst, und die Absolution von dem Bann betrifft. Und wiewohl man die eigentliche Zeit, da diese Alterationes vorgangen, nicht melden kan, so hat sich doch solches fürnehmlich zu denen Zeiten Irenaei, Tertulliani und Origenis geäussert: denn anfänglich hat man angefangen, denen Excommunicirten auch die heilige Versammlungen und den Gebrauch des Abendmahls zu untersagen, und die Concepte von dem grossen und kleinen Bann, dergestalt zu ändern, daß wenn man jemand bloß von denen GOttes-Häusern und Gebrauch des Nachtmahls ausschlosse, so wurde dieses der kleine Bann genennet; bey dem größern aber wurde ihn überdieses auch alle Gemeinschafft mit andern Christen verboten, und die Leute durch gewisse Formuln dem Satan übergeben, und zwar nicht alleine wegen schandbarer Laster, sondern auch wenn man in andern Dingen, es sey, was es wolle, den Befehl der Kirchen Vorsteher nicht respectirte, und hierinnen sich hartnäckigt erwiese. Und weil die Christen unter denen Heyden sich keiner weltlichen Jurisdiction offenbahr anmassen durfften, und doch gleichwohl diesen Bann unter sich selbst wie ehe dessen die Jüden in der Bahylonischen Gefängnüß durch eigene Verpflichtungen an statt der weltlichen Todesstraffe gebrauchten, fiengen sie an den Kirchenbann zum Unterscheid der Todesstraffe gladium spiritualem zu nennen, welche Benennung denn mit der capitis diminutione maxima & media der Römer, die mors civilis genennet wurde, ziemlich überein kame, wie denn auch die Würckungen von beyden grosse Verwandschafft mit einander hatten. Hiernechst fingen auch die Vorsteher der Kirchen um selbige Zeiten an sich des Verbannens alleine anzumassen, und schlossen die andern, die sonst bey denen Jüden zugelassen waren, davon aus. Man finge auch an, der Sache ein grösseres Ansehen und Nachdruck zu geben, die übrigen Christen zu bereden, als wenn der Bann von GOtt in alten Testament wäre anbefohlen, und von Christo und denen Aposteln in Neuen Testament solches Gebot wäre erneuret worden, unerachtet gar deutlich dargethan werden kan, daß man, als unten in der Beantwortung auf die Rationes dubitandi soll deutlicher angemerckt werden, die Dicta der heiligen Schrifft mercklich verdrehet, und kan durch viele unwiderlegliche Argumenta remonstriret werden, daß auch viele heilige und fromme Leute selber Zeit dafür ge
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halten und behauptet, daß diese Veränderungen der bißher üblichen Excommunication eben so wohl für ein Menschen-Werck zu achten sey, als die vorige Excommunication gewesen. Endlich machte man auch bey der Absolution, die bißher nach der alten Art des Bannes keinen, der sich zu ändern und bessern versprochen, versaget ward, neue Difficultäten, und mit vielen damahls ersonnenen Graden der Busse denen Verbanneten das Leben blutsauer, wodurch aber diese Verbannung wegen der vielfältigen dabey von neuen mit unterlauffenden Beschimpffungen derer Verbanneten die Würckungen einer wahrhafftigen weltlichen Straffe immer mehr und mehr bekam. Seldeuus d. loco cap. 9. integro & cap. 13. p. 144. seq. Da nun endlich unter der Regierung Constantini Magni die(Drittens von denen Zeiten an des Kaysers Constantini, sonderlich schon in vierten und fünfften Seculo.) Christen anfiengen von ihren Verfolgungen befreyet zu werden, und den Kayser selbst zum Rückenhalter bekamen, ist leichtlich zu erachten daß der Kirchen-Bann wie wir denselben bißhero beschrieben, auch selbst zu dem höchsten Gipffel seiner Gewalt und Macht gestiegen: wiewohl, als leichtlich zu erachten, dieses nicht auf einmahl, sondern von Seculo zu Seculo nach und nach geschehen. Kürtzlich und nach Anleitung gegenwärtigen Responsi nur summarisch von der Sache zu reden, bestand die Aufnahme und das Wachsthum des Kirchen-Banns darinnen. Erstlich häufften sich die Solennitäten bey dem Kirchen-Bann. An statt daß die Jüden mit Trompeten-Schall die Verbannung thaten, fieng man an bey denen Christen (Seldenus c. 10. p. 212.) solches bey angezündeten Lichten und Lampen und bey Läutung der Glocken zu thun: man brauchte so wohl bey dem grossen als kleinen Bann sich gewisser Formuln, (p. 210.) die mehrentheils so pralericht und gotteslästerlich eingerichtet waren, als wenn die Clerisey nach ihren Gutdüncken GOtt selbst und die heiligen Engel in ihrer Bothmäßigkeit hätten und ihnen befehlen könten, was sie nur wolten, und zwar dieses alles mit Anziehung zermarterter und radebrechter Sprüche aus heiliger Schrifft, durch welche die Clerisey das arme Volck von kleinesten biß zum grösten bereden wolte, auch würcklich beredete, daß ihnen unter den Schein einer geistlichen Gewalt die Macht gegeben sey, auf weltliche Weise en souverain und dergestalt zu tyrannisiren, daß kein Mensche darwieder muxen dörffte. Man fieng schon in vierten und fünfften Seculo an auch Kayserliche und Königliche Personen als den Kayser Arcadium und seine Gemahlin Eudoxiam zu excommuniciren, (p. 211.) auch die Todten nicht zu verschonen, (p. 215. seq.) man thate Mäuse, Ratten, Heuschrecken, Raupen, Elstern und andre Vögel,
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auch unbeseelte Dinge, als geschriebene Bücher, in Bann. Man fieng an (p. 216. seq.) damit man nebst der so genannten geistlichen auch alle weltliche Gewalt unter desto heiligern Schein an sich ziehen möchte, den Kirchen-Bann auch in denen allerdings und unstreitig weltlichen Händeln zu brauchen. Man verwahrte die praetendirten Jura der Clerisey mit grossen Eyffer, daß ja kein weltlicher zugelassen würde (p. 218. seq.) die Straffe des Kirchen-Bannes auszuüben, sondern dieses geistliche Schwert, das das weltliche schon ziemlich stumpff gemachet hatte, allein in den Händen der Clerisey bliebe. Und daß man auch von dieser als Haupt erkennet würde, massete sich der Pabst das Souveraine recht an, in Sachen des Kirchen-Bannes nach seinen Gefallen zu verfahren, nachdem vorher in 5ten Seculo (p. 219.) sich auch nur ein schlechter Münch unterstanden hatte, Kayser Theodosium den jüngern mit erwünschten Success in Bann zu thun, mehrentheils aber das Bann-Recht hernach als das edelste Stücke jurisdictionis Ecclesiasticae betrachtet wurde. Und wenn man gleich (p. 220. seq.) aus denenselben Zeiten genungsame Leges und andere Documenta anführen kan, daß die Excommunicationes auch durch weltliche, als Kayser und Könige, geschehen sey; so pfleget man doch dergleichen Documenta dergestalt auszulegen, daß dieses alles von der weltlichen Obrigkeit bloß als Executoribus geschehen, die denen Schlüsseln der Clerisey dadurch nur hülfliche Hand geboten hätten. Man schriebe dem Kirchen-Bann, der, als obgedacht, seinen Ursprung nach nichts als eine weltliche Straffe war, immer mehr und mehr Würckungen einer weltlichen Straffe zu, dergestalt daß man ihn auch der Todes-Straffe gleich achtete. (p. 222.) Augustinus Quaest. 39. super Deuteron. Hoc nunc agit, inquit, in Ecclesia Excommunicatio, quod agebat tunc (tempore legis Mosaicae) interfectio. Dannenhero ware leicht zu behaupten, daß weil mit dem Todt alle Jura aufhören, also auch der verbannete Mensch alle seine Rechte und Gerechtigkeiten verlöhre, da denn hernach (p. 223.) die Conclusion von sich selbst folgete, daß auch die verbanneten Könige und Kayser so gut als Abgesetzete anzusehen wären. Und wurde also die praetendirte geistliche Bestraffung, die nach dem Vorgeben der Herren Geistlichen nur geistliche Würckungen nach sich ziehen solte, in der That zu einen Abgrund gemacht, der alle weltliche Rechte der Christen und alle menschliche Actiones wegfrasse, und verschlunge. Damit aber sowohl Herr als Knecht verblendet wurde (p. 225.) den hierunter steckenden augenscheinlichen Betrug nicht zu sehen, loge man ihnen viel von falschen und erdichteten Wundern vor, indem man die Leute beredere als ob der
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Cörper eines in den Kirchen-Bann gestorbenen Menschens nicht eher hätte verbrennen können, als biß er von dem Clero die Absolution erhalten hätte. Seldenus d. l. c. 10. qui hactenus dicta latius probat & demonstrat, oder als ob von einen in Bann gethanen auch die Hunde kein Stücke Fleisch ässen, wie man von Ludovico Bavaro fabuliret. Histor. Bilder-Saal. dritt. Theil p. 639. Wie nun aus dieser biß anhero erzehlten Historie von Ursprung(Auch Päbstische Scribenten haben erkant, daß unter dem Kirchen-Bann eine weltliche Straffe versteckt sey.) und Fortgang des Kirchen-Banns sattsam erhellet, daß derselbige in der That eine weltliche, obwohl unter der Larve eines geistlichen Nahmens versteckte Straffe zu allen Zeiten gewesen; also haben auch die Päbstischen Scribenten keine Scheu getragen zugestehen, daß das Amt der Schlüssel oder der Kirchen-Bann in Ansehen GOttes nichts hülffe, sondern bloß seine Würckung thäte in Ansehen der Menschen. Apol. Aug. Confess. tit. de poenitentia p. 164. Ziegl. ad Lancel. lib. 4. tit. 12. §. ult. p. 1013. Es ist auch dahero nach denen Canonischen Rechte Excommunicatio sowohl major & minor und die Absolution von dem Bann von ihnen nicht ad jura ordinis, sondern Jurisdictionis propriae referiret worden. Lancelott. lib. 1. instit. tit. 9. §. 9. Ziegl. ad eund. lib. 2. tit. 5. §. 10. p. 358. Und pflegen auch Lutherische ICti dasselbige nicht zu verneinen: Brunnem. Jur. Eccles. l. 1. c. 6. memby. 12. §. 4. obwohl andre solches nicht gestehen wollen, sondern einen Unterscheid unter der grössern und kleinern Excommunication zu machen pflegen, und die erste zwar für eine weltliche Straffe passiren lassen, die andre aber, das ist die schlechte Abhaltung von Abendmahl, für jura ordinis und ein pures geistliches Werck(Irrthum der Smalcaldischen Artickel, daß nur der grosse nicht aber der kleine Kirchen-Bann eine weltliche Straffe sey.) ausgeben, worzu sie zweiffels ohne durch die Lehre derer, so die Articulos Smalcaldicos verfertiget, verleitet worden, indem daselbst art. 9. Artic. Smalcald. p. 333. folgende Thesis gelesen wird. Wir halten dafür, daß der grosse Kirchen-Bann, wie ihn der Pabst nennet eine pur lautere bürgerliche Straffe sey. Der andre aber, den der Pabst den kleinen Bann nennet, ist der wahre Christliche Bann, welcher die offenbahren und hartnäckigten Sünder nicht zum Abendmahl und Communion der Kirchen zulässet, biß sie sich bessern und die Laster meiden. Und sollen die Kirchen Diener diese geistliche Straffe und Bann mit den weltlichen nicht vermischen. Ob nun wohl in diesen Worten nicht undeutlich asseriret wird daß die Versagung der Absolution und Ausschliessung von Abendmahl für keine weltliche Straffe zu achten, so hätte man doch, wenn man sich das Praejudicium menschlicher Autorität nicht allzugeschwinde hätte ein
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nehmen lassen, gar bald sehen können daß man ohne Verletzung des Respects, den man sonsten denen Autoribus Articulorum Smalcaldicorum sich schuldig zu seyn erachtet, dieses Assertum unter die menschlichen Fehler gantz füglich rechnen können. (Welcher durch neun kurtze und deutliche Rationes bewiesen wird.) Denn 1.) hatten die Autores damahls nich so viel subsidia Historiae Ecclesiasticae, die wahre Beschaffenheit derer Kirchen-Sachen einzusehen, als hernach immer mehr und mehr zum Vorschein kommen; 2.) ist bekannt daß aus eben dieser Ursache man kurtz vorher in Apologia Augustanae Confessionis ad artic. de Poenitentia p. 167. den Sauerteig der Scholastischen Schul-Lehrer als ob die Absolution ein eigentlich so genanntes Sacrament wäre, unter die ungesäuerten guten Lehren gemischet hatte, da man doch hernach in beyden Catechismis diesen Irrthum Georg. Calixtus de praecipuis Christ. relig. capit. disp. 8. th. 31. Johann. Ad. Scherzer System. Theol. loco 13. p. 10. (der zwar nicht eben unter die Haupt Irrthümer zu rechnen ist, daß man deßwegen ein Gezäncke anfangen solte, Calixtus d. l. th. 30. Corpus Julium tit. von Sacramenten in gemein circa finem) wieder ausgelassen und verbessert. 3.) Nennen die Autores Articulorum Smalcaldicorum, Artic. Smalcald. tit. de potestate & jurisdictione Episcoporum ab initio p. 152. & p. 354. versic. Constat Jurisdictionem illam die Macht die Leute von Abendmahl abzuhalten, die sie für keine weltliche Bestraffung halten wollen, gar vielmahl eine Jurisdiction, und contradistinguiren sie also gantz offenbahr denen rebus ordinis seu vere spiritualibus, dafür sie doch an ersten Orte die Excommunicationem minorem ausgeben wollen, und ist sonderlich notabel, daß sie von der Macht, die Leute von Abendmahl abzuhalten, (die sie daselbst begehren, daß man sie allen Kirchen-Dienern einreumen solle,) kurtz vorher setzen, daß es eine Tyranney sey, daß die geistlichen in Pabstthum nach ihren Gefallen und ohne Gerichts-Proceß die Leute verdammet und excommuniciret, oder von Abendmahl abgehalten hätten. (denn hievon reden antecedentia & consequentia) Ist es nun um die kleinere Excommunication also bewand, so ist es ein weltlich Ding, denn wahrhafftig geistliche Dinge und der Gerichts-Proceß sind zwey Dinge die sich in eine Classe nicht combiniren lassen. Ja es haben die Autores Articulorum Smalcaldicorum nicht anders von dem Kirchen-Banne als de re jurisdictionis reden können, nachdem vorher die Augspurgische Confessio selbst (Aug. Confess. de potestate Eccles. vers. Cum igitur de jurisdictione Episcoporum. p. 39.) dieses Amt der Schlüssel mit deutlichen Worten ad res jurisdictionis referirt hatte. 4.) Disputiren
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eben die Autores Articulorum Smalcaldicorum an einen andern Ort gar schön wider die Lehre der Papisten von der Gnugthuung und Ablaß, und gebrauchen sich unter andern dieser Worte. Man hat die Lehre von Ablaß übel verstanden wenn man vorgegeben, daß dadurch die Seelen aus dem Feg-Feuer liberiret werden sollen. Denn das Amt der Schlüssel erstreckt nur seine Gewalt auf Erden zu binden und zu lösen. Artic. Smalcald. tit. de Confessione & Satisfact. p. 199. Denn wenn dieses Argument was schliessen soll, so muß auch drauß folgen, daß die Absolution nicht von der Hölle befreye, und folglich der Binde-Schlüssel auch nicht den Himmel zu, die Hölle aber aufschliesse, sondern nur auf Erden als eine weltliche Straffe, die es auch nichts anders ist, operire. 5.) Haben sich auch die Lutherischen Theologi, die doch eminenter & tales heissen wollen, in diesen Lehr-Punct wenig an die Autorität der Articulorum Smalcaldicorum gekehret sondern & verbis & factis demselbigen vielfältig widersprochen. Facultas Theologica Rostochiensis beym Dedekenno in Consil. Theol. P. I. tit. von Heil. Predig-Amt n. 17. f. 892. approbirte eine von einem Consistorio geschehene Excommunicationem majorem und improbirt die Appellation des Excommunicirten an die weltliche Obrigkeit, und folglich müssen sie auch nothwendig dafür gehalten haben, daß diese excommunicatio major keine pur lautere weltliche Straffe sey contra assertionem Articulorum Smalcaldicorum. Die Theologische Facultät zu Wittenberg in Consil. Witteb. Part. 2. von Kirchen- und Ministerial-Sachen f. 6. wünschet, daß der grosse Kirchen-Bann wieder eingeführet werde, und nennet die kleinere Excommunication mit deutlichen Worten Umbram einen Schatten excommunicationis majoris. Woraus abermahls offenbar, daß sie wider die Lehre der Articulorum Smalcaldicorum den grössern Kirchen-Bann für keine mercivilem poenam, der für die Kirchen-Diener nicht gehöre, gehalten haben. Da nun denenjenigen, die doch die Articulos Smalcaldicos für einen librum Symbolicum halten, und darauf geschworen haben, freystehet von denenselben und zwar in einer Lehre, da die Articuli Smalcaldici handgreiflich Raison haben, abzuweichen; so werden JCti und Politici, zumahl wenn selbige auf die Articulos Smalcaldicos als einen Librum Symbolicum nie geschworen haben, vielmehr befugt seyn, in einer Sache, darinnen Articuli Smalcaldici geirret haben, von ihnen modeste zu dissentiren, nemlich in den Punct daß der kleinere Bann keine weltliche Straffe seyn solle. 6.) Haben Wittebergenses in so weit
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recht, daß excommunicatio minor nur umbra excommunicationis majoris sey. Da aber die excommunicatio major als der Cörper, ut recte Articuli Smalcaldici asserunt, was weltliches ist, muß nothwendig der Schatten oder die Reliquien darvon auch was weltliches seyn. Denn von weltlichen Dingen kan man nicht sagen, daß sie einen geistlichen Schatten oder Reliquias haben. 7.) Die Excommunication überhaupt so ferne sie a majore & minore abstrahiret est exclusio a communione oder eine Ausschliessung von Abendmahl. Lancelott. Inst. Jur. Canon. lib. 4. tit. 12. §. ult. Denn es ist oben ausgeführet worden und sonsten ex historia Ecclesiastiaa offenbar, daß auch diejenigen, so man mit den grossen Kirchen-Bann belegt, von Abendmahl ausgeschlossen werden, obgleich derselbe über dieses noch weiter gehet. Wenn nun der grosse Kirchen Bann gantz und gar secundum Articulos Smalcaldicos poena mere civilis ist, so muß auch die Ausschliessung von Abendmahl, die bey der kleinen Excommunication übrig bleibet, eine weltliche Straffe seyn. Denn sonsten hätte der grosse Kirchen-Bann nicht poena mere civilis, sondern ex poena civili (in Ansehung der gäntzlichen Ausstossung aus der Gemeine) & spirituali, (in Ansehung der Ausschliessung von Abendmahl) mixta müssen genennet werden. 8.) Ob wohl der grosse Kirchen-Bann vor dem zum öfftern ohne Vorhergehung des kleinern gebraucht worden, so ist doch der kleinere Bann ordentlich als ein Mittel gebraucht worden, den unbußfertigen Sünder hernach mit dem grössern Kirchen-Bann zu bestraffen. Seldenus de Synedriis lib. 1. c. 7. p. 77. & 78. Bellarminus adv. Barclaium c. 7. Paparum mos est Principes primum paterne corripere. Deinde per censuram Ecolesiasticam sacramentorum communione privare. Deinde subditos eorum a juramento fidelitatis absolvere eosque regia dignitate privare. Petrus Molinaeus de poenitentia lib. 8. c. 31, Nun ist aber bekant, quod finis fit norma mediorum, und wenn also der grosse Bann als finis eine pur weltliche Straffe ist, so muß auch der kleinere als medium ad finem eine weltliche Straffe seyn. Wiederum sublato fine tolluntur media. Fället nun der grosse Bann tanquam finis nach der Lehre articulorum Smalcaldicorum dergestalt weg, daß sich Kirchen-Diener desselben als einer weltlichen Straffe nicht bedienen sollen, so können sie auch den kleinern als ein medium nicht ferner brauchen. 9.) So weisen auch endlich die Attributa und Eigenschafften des kleinern Banns, die die JCti, (so sich per articulos Smalcaldicos verleiten lassen, denselben pro poena spirituali zu achten,) einmüthig demselben zueignen, und von denen wir in folgenden Argumenten abson
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derlich handeln werden, gantz offenbahr, daß die Ausschliessung von Abendmahl eine weltliche Straffe seyn müsse, wie bey jeden derselben soll gezeiget werden. Voritzo wird es genung seyn daß wir diesen ersten Haupt-Grund beschliessen. Denn wenn die Ausschliessung von Abendmahl eine pur lautere weltliche Straffe ist, wie solches bißhero demonstriret worden, so folget für sich selbst, daß treue Evangelische Lehrer und Prediger ihre vorgesetzte Landes-Herren und hohe Obrigkeiten, deren Unterthanen sie sind, von Abendmahl nicht ausschliessen können. Es ist dannenhero nicht nöthig mehr Worte davon zu machen, weil bisher unter uns noch keiner noch so unverschämt gewesen, der behaupten wollen, als ob die weltlichen Straffen für das Predigt-Amt gehöreten; oder als ob Evangelische Prediger der weltlichen Obrigkeit nicht unterthan wären; oder endlich, als ob die Unterthanen ihre hohe Landes-Obrigkeit in weltliche Straffe zu ziehen befugt wären. Solte aber jemand annoch so unverschämt seyn, daß er dergleichen Dinge bejahen wolte, der wäre nur schlecht hin auf die Augspurgische Confession zu weisen, als worinnen klar enthalten ist, daß die Kirchen-Gewalt in ein fremd Amt nicht eindringen, die Reiche der Welt nicht vergeben, der Obrigkeit Gesetze nicht abschaffen, den schuldigen Gehorsam nicht aufheben, weltliche Gerichte keinesweges hindern, der Obrigkeit keine Gesetze vorschreiben solle u. s. w. Aug. Conf. de potest. Eccles. p. 38. Zum II. haben auch mitten in Pabstthum weltliche Obrigkeit((II) Weltliche Regenten haben auch mitten in Pabstthum denen Geistlichen die Ausschliessung von Abendmahl nach ihren Gefallen zu thun verboten.) als Könige und Fürsten der Clerisey nicht nur wegen des grössern, sondern auch wegen des kleinern Banns oder der Ausschliessung des Abendmahls zum öfftern einhalt gethan, bey Straffe ihnen verboten, daß sie ohne ihren Consens und Confirmation niemand von Abendmahl ausschliessen solten, sie haben die von der Clerisey ausgeschlossenen ohne und wieder der Geistlichen willen von Banne absolviret. Der Kayser Justinianus hat ausdrücklich allen Bischöffen und Priestern verboten daß sie niemand von heiligen Abendmahl ausschliessen solten ehe und bevor die Ursachen warum solches geschehen könne, genungsam wären untersuchet und bewiesen worden, und wenn sich einer unterstünde wider dieses Verbot einen Menschen zu excommuniciren, solte der Priester selbst excommuniciret werden, daß er rechtmäßig diejenige Straffe leide, mit der er einen andern unrechtmäßiger Weise belegen wollen. Novell. 123. cap. 11. Anno 835. haben die Fränckischen Stände auf dem Reichs-Tage geschlossen, daß es bey denen weltlichen Fürsten stehen solle, über die Excommunication zu urtheilen, wenn auch schon die Bischöffe sich widersetzen sol
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ten Goldastus Constit. Imper. Tom. I. f. 188. wie dann ein gleiches unter dem Kayser Carolo Calvo geschlossen worden. Idem Tom. 3. fol. 272. Ziegl. de Episcopis lib. 2. c. 11. §. 22. seq. p. 596. seq. Seldenus de Synedriis lib. 1. c. 10. p. 243. seq. und hat Seldenus daselbst mehrere Exempel und Constitutiones angeführet, daß es der Gebrauch mitten in Pabstthum gewesen, (p. 245. seq.) wenn der König einen Excommunicirten an seine Tafel genommen, daß derselbe von dem Clero auch müssen wieder zum Abendmahl gelassen werden, und daß also diese Solennität so viel gegolten, als wenn er von denen Priestern wäre absolvirt worden; ingleichen (p. 248.) daß in Franckreich kein Königlicher Bedienter ohne des Königs oder Groß-Hofmeisters Consens hätte in Bann gethan werden dörffen, dergleichen er auch (p. 249. 250.) von Spanien, Venedig, Ungarn und Engelland beweiset, daß es daselbst (p. 251. seq.) allenthalben also gehalten worden. Denn der Mißbrauch des Kirchen-Bannes wäre so groß worden, daß die weltliche Obrigkeit unmüglich länger darzu stille schweigen konte, weil die Clerisey mit grossen Aergernüß des gantzen Volcks die Leute auch um die geringsten Ursachen willen in Bann that, theils wenn sie die Clerisey nicht gnung respectirten, theils wenn sie auch nur in weltlichen Dingen das geringste begiengen. Zum Exempel, wenn einer eine Ziege oder Schaf gestohlen oder todtgeschlagen hatte. Petr. Blefens. epist. 73. Ziegl. de Episc. d. c. 11. §. 27. Ja man hatte gar in einen Concilio Anno 588. unter andern wichtigen Kirchen-Sachen auch folgenden Schluß gemacht, daß wenn ein Weltlicher und Geistlicher einander zu Pferde begegneten, solte jener diesen mit Hut abziehen freundlich grüssen, und ein Poßhändgen geben. Wenn aber der Geistliche zu Fuße gienge, und der Weltliche ritte, solte dieser gleich von Pferde absteigen, und seine gebührende Schuldigkeit mit aufrichtiger Liebe dem Geistlichen erweisen, und solte derjenige, der diesen aus den Antrieb des Heiligen Geistes verfasseten Schluß überträte, von Abendmahl ausgeschlossen und mit dem Kirchen-Bann beleget werden. Concil. Matiscon. 2. can. 15. apud Caranzam in summa p. 373. Wie nun aus diesen allen zugleich das erste Argument bekräfftiget wird, daß die weltliche Obrigkeit die Ausschliessung von Abendmahl nicht als eine geistliche, sondern als eine weltliche Straffe angesehen, also folget von selbst daraus, daß vielweniger die Bischöffe oder Priester die Könige selbst von dem Abendmahl auszuschliessen befugt gewesen. Quod ad jus illud circa Excommunicationem attinet, an Reges ipsi ita ejusdem legibus soluti habiti, ut alios quoscunque excommunicatos
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in absolutorum statum per in sui gratiam aut mensam admissionem legitime satis redigerent, ipsis interea alias adeo Excommunicationi obnoxiis, ut inde nec se absolvere possent? Qui horum alterum tunc sentiebat, ut is alterum item crederet, fatis concoquere quidem nequeo. Seldenus d. c. 10. p. 248. Grotius de imper. sum. potest. circ. sacra c. 9. §. 20. & 22. Zum III. wiederum auf die Jura der Protestirenden und Evangelischen((III) Und die protestirenden Fürsten haben jederzeit wider den Mißbrauch des Kirchen-Bannes denen Predigern Gesetze vorgeschrieben und ihnen dißfalls Einhalt gethan.) Fürsten in specie zu kommen, so ist allenthalben bekannt, daß auch diesen nicht mehr als billig von denen Protestirenden Scribenten, zum wenigsten von denen Politicis, das Recht zugeschrieben wird, daß sie über die Kirchendiener, wenn sie ihr Amt mißbrauchen, die Inspection und Bestraffung haben, auch absonderlich wegen des Kirchen-Banns, Kirchen-Ordnungen machen und ihnen Einhalt thun, auch sie deßhalb bestraffen können, wie dann auch allenthalben dergleichen Ordnungen vorhanden und noch täglich in vollen Schwange sind. Woraus dann abermahls folget, daß der Kirchen-Bann nicht als eine geistliche Straffe sondern als eine weltliche anzusehen sey auch Protestirende Fürsten von niemand damit beleget werden können. Zum wenigsten connectiret dieses besser als wenn Reinking. de Regim. Sec. & Eccles. lib. 3. class. 2. cap. 2. n. 31. zwar deutlich schreibet, qnod ad Principum Evangelicorum curam, propter jus Episcopale & jurisdictionem ordinariam pertineat, ne Ecclesiastici potestate excommunicandi abutantur & perperam hanc poenam usurpent; aber dennoch hernach ibid. n. 38. da er vorher gar recht behauptet, daß die Protestirenden Fürsten allerdings ohne die höchste Zerrüttung des gemeinen Wesens nicht könten excommuniciret werden, sich erbärmlich zermartert, wie er diesen wahren Lehr-Satz mit dem gemeinen Irrthum von der Geistlichkeit des Kirchen-Banns zusammen hengen möge. Es kömmet viel gescheider heraus, was Ziegler raisonniret, obgleich dann und wann der offtgedachte alte Irrthum sich mit anhenget. Male, inquit, in notis ad Lancel. lib. 4. tit. 13. §. 16. p. 1031. ad solum statum Ecclefiasticum restringitur judicium excommunicationis, cum ad totam Ecclesiam iftud pertineat, nec ullo modo praeteriri debeat consensus Domini territorialis. Etsi enim Laicus excommunicare proprie non possit, principi tamen competit externa potestas, uti circa religionem, ita etiam circa censuram & disciplinam Ecclesiasticam, ut adeo sine Principis autoritate fieri excommunicatio hodie non deceat. Noch merckwürdiger ist, was er von dieser Materie anderwerts anführet. Non
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uti clavem absolventem ipse unus adhibere debet pastor Ecclesiae, ita etiam clavem ligantem adhibere debet ipse unus, sicubi incorrigibilis aliquis fuerit ex suis parochianis. Habet quidem unus quisque pastorum & ministrorum Ecclesiae hanc potestatem, ut ligare possit & retinere peccata, sed illa potestas non est ab eo solo propria autoritate exercenda &c. Sunt inter ministros Ecclesiae nonnulli tam protervi, ut potestate clavium in vindictam utantur, sic ubi a Parochiano uno vel altero levi aliqua injuria affecti vel damnum in re familiari passi fuerint. Protinus tum insurgunt illi, & vel ex suggestu mirum in modum & sine modo paratragoediantur, multisque suos, quos sibi fingunt nonnunquam, adversarios, persequuntur execrationibus, vel etiam, ubi sua confessi fuerint illi, aut confiteri adhuc velint, peccata, non dimittunt tantum sine absolutione, sine solatio, sed etiam diras iis dicunt & damnationem aeternam annunciant. Ziegl. de Superint. c. 17. §. 10. & 11. Etsi vero Pastores in tali casu ad Superintendentem suum amandenter &c. Superintendens tamen nec ipse quidem potestatem habet arcendi aliquem ab usu sacramentorum &c. Hac ratione fibula injecta fuit infrunitae pastorum licentiae, qui clavium potestate abutuntur & propter res temporales miseris peccatoribus absolutionem saepenumero denegant ibid. §. 16. & 17. Das letzte und daß auch nicht einmahl denen Superintendenten zu stehe nach eigenen Gutdüncken jemand von dem Abendmahl auszuschliessen, noch solches denen Pfarrern die unter ihnen sind, zu vergönnen, führet er gantz weitläufftig eod. tract. cap. 18. integro aus, ja er bemerckt gantz wohl, daß auch die Consistoria in dergleichen Fällen sich nicht übereilen sollen, und meldet d. c. 18. §. 16. & 17. quod excommunicatio comitantes plerumque habeat poenas civiles, quas vel augere vel minuere, vel moderari est summae civilis potestatis &c. Et haec est ratio, quod excommunicandi exercitium sibi vindicaverit Princeps & inter reservata sua retulerit, neque commune esse voluerit Consistoriis. Adde Conring. ad Lamp. Part. 1. §. 27. Unter denen Sächsischen Constitutionibus, die Ziegler an besagten Orten häufig anführet, sind folgende die merckwürdigsten. Denn also ist in der Constitution von beyden Consistoriis n. 10. §. fin. zu lesen. Desgleichen sollen auch die Consistorialen selbst keines weges Macht haben, den Bann wider jemand zu erkennen, noch darvon zu absolviren, sondern dißfalls des Synodi bey unsern Ober-Consistorio Erkäntnüß erwarten und desselben Be
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fehlig und Verordnung jederzeit gehorsamlich mit Execution des Bannes oder Absolvirung von demselben nachkommen und solchen nichts zuwider vornehmen. Noch merckwürdiger aber ist folgende Constitution in Erledigung der Landes-Gravaminum tit. Consistorial-Sachen n. 20. Wenn aber vermöge der Generalien weder dem Superintendenten noch andern Priestern zukommt, vor sich und nach ihren eigenen Gütdüncken die Pfarr-Kinder von der heiligen Tauffe, Absolution und Abendmahl abzuhalten, sondern vielmehr bey verspürten Sünden und Lastern (nicht aber in ihren Privat-Sachen) die darinnen vorgeschriebene gradus admonitionum zu gebrauchen, und so dann die Sache auf unserer verordneten Consistorien Ausspruch lediglich zustellen; so ist unser ernster Wille und Meynung, daß keiner von den Geistlichen bey Verlust seines Dienstes oder andern hohen Straffe, ohne gehaltene Verhör und aus unsren Consistorien erfolgten Erkäntnüssen, eines seiner Pfarr-Kinder von der Tauffe, Beichtstuhl und Abendmahl stossen, und, da sich einer, eines widrigen anmasset, der gesetzten Straffe erwarten solle. So hat auch Pufendorffius de habitu relig. ad rcmp. §. 45. in fine dieses Argument sehr wohl bestätiget. Quia porro, spricht er, etiam Doctores officium suum negligenter, aut prave obire, adeoque dissidia & offendicula contra doctrinam a Christo traditam gignere queunt, Rom. XVI. 17. summorum imperantium est constituere, qui in Doctores Ecclesiae inspectionem habeant, eosque, si a limine aberraverint, corrigant, aut coërceant. Etsi, cum isti quoque inspectores sint homines a peccatis non exemti, curandum sit, ne istorum potestas nimis sit libera, sed ut & ipsi a reddendis rationibus non sint immunes & coram Principe & Consistorio in cum finem constituto conveniri queant, si & ipsi limites officii migrasse & ministro cuipiam injuriam fecisse arguantur. Ista omnia cum ad bonum ordinem in Ecclesia faciant, & vero a nemine commodius procurari queant, quem a summis imperantibus, manifestum est, principes ut primaria membra Ecclesiae istarum sibi rerum curam recte vindicare. Absonderlich aber derer Braunschweigischen Kirchen-Ordnungen nicht zu vergessen, so ist in der Anno 1569. zu Wolffenbüttel publicirten Kirchen-Ordnung sub Titulo: Censur oder Disciplin der Kirchen p. 247. seq. gleichfalls ausdrücklich constituiret, und anbefohlen, damit bey der Excommunication nichts unordetztliches auch
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nicht privato judicio, sondern alles besserlich und erbaulich gehandelwerde, daß darinnen folgende Ordnung gehalten werden solte: nemlich, daß nach vorher gegangener Privat Vermahnung des Pfarrers, dieser solches dem Special-Superintendenten berichten, solche beyde nebst zweyen Kirch-Vätern die ärgerliche Person beschicken solten. Und wenn auch dieses nicht helffen wolte, solten diese vier letztern solches alles dem General-Superindententen schrifftlich fürbringen, derselbe folgends die Handlung an das Consistorium gelangen lassen; und daselbst solte erstlich, nach gnungsam vorhergegangener Erkäntnüß und daselbst ausführlicher beschriebenen Proceß die lasterhaffte Person excommuniciret und von Gebrauch des heiligen Nachtmahls ausgeschlossen werden. Und ist auf diese vorgeschriebene Ordnung von denen Predigern in Hertzogthum Braunschweig desto mehr zu reflectiren, weil dieselbe nicht nur von Hertzog Heinrich Julio, und zwar unter andern auf Veranlassung, daß die Prediger mit der Kirchen-Disciplin und Auflegung der öffentlichen Busse allerley Ungleichheit und Unrichtigkeit fürgenommen, und zum Theil nach ihren eigenen Wohlgefallen bißweilen auch um ihrer Privat-Sachen und Irrungen willen, so sie oder ihre Angehörige mit den Leuten gehabt, dieselbe von der heil. Tauffe, Absolution und Nachtmahl Christi abgewiesen, auch öffentlich von der Cantzel, nicht mit der Schrifft, sondern Ehrenrührigen Schmähe-Worten nahmhafftig und auf das ärgste ausgemacht, und nach ihren eigenen Gutdüncken mit der öffentlichen Busse beleget, anno 1593. wieder verneuert, sondern auch diese Constitution von Hertzog Augusto Anno 1651. der zu Wolffenbüttel gedruckten Cantzley-Ordnung angehenget worden. Siehe Hertzogs Augusti zu Braunschw. Cantzley-Ordnung p. 769. seq. Fürstl. Ausschreiben wegen Handhabung der Fürstl. Kirchen-Ordnung und verordneten Consistorii. ((IV) Und zwar dieses alles von Rechtswegen.) Gleichwie aber die Ausschliessung von Abendmahl wenn sie zu dem geistlichen von GOtt und Christo anbefohlnen Amt der Prediger gehörete, welch es sie auch wider die Fürsten selbst zu exerciren befugt wären, von der weltlichen Obrigkeit nach der vorher erzehleten Weise durch weltliche Ordnungen und Gesetze nicht hätte also beschnitten und eingeschräncket werden können, also würde auch IV. dieselbe noch vielweniger durch die weltliche Christliche und Evangelische hohe Landes-Obrigkeit können oder dörffen abgeschafft werden, indem bey denen Evangelischen ausgemacht, daß die Könige und Fürsten keine göttliche Ordnung und Befehl
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so alle Menschen oder auch alle Christen angehet abschaffen können, oder sich auch solches zu thun jemahls unterstanden hätten. Nun hat aber Pufendorffius(Nach der Lehre Pufendorffii.) diese Abschaffung, derer Möglichkeit und Nutzbarkeit dergestalt dargethan, daß es an besten seyn wird, wenn seine Worte selbsten hergesetzet werden, zumahl sie hiernechst die bißherigen Argumenta zugleich bekräfftigen. Quae causa fuerit, sagt er, de habitu relig. §. 47. ut Christiani primitus disciplinam aliquam sancirent, ob licentiam morum & laxitatem legum civilium inter ethnicos, quo ab hisce morum sanctimonia distinguerentur, supra expositum est. Ea causa, postquam universae civitates ipsis cum Principibus sacra Christiana sunt amplexae, hactenus expiravit, quod non amplius ista morum sanctimonia ad pudorem ethnicis incutiendum faceret, cum hisce exterminatis jam omnes cives ad parem morum puritatem contenderent. Enim vero cum post conversionem totius civitatis haudquaquam cura sanctimoniae remissior esse debeat, jam quaestio surgit: Utrum praestiterit, disciplinam Ecclesiasticam relinquere eo, quo antea fuit, loco; an vero non nihil candem alterare, postquam summi imperantes Ecclesiae accesserunt? ubi posterius utique adserendum videtur, quod non solum illa disciplina tali modo aut per tales exercita, non sit pars essentialis & perpetua Christianismi, sed pro tempore introducta ob vitiosas civitatis leges, moresque; sed &, quia ista facile in abusum trahi, & in genus aliquod imperii invalescere potest, non sine insigni summorum imperantium praejudicio. Quod prohibere uti summis imperantibus jus est, velut convulsioni civitatis ansam praebiturum; ita per eosdem sanctitati morum alia via consuli potest, suppletis legibus civilibus, ac vitiosis ad tribunal pertractis. Neque enim apparet, quare contaminati mores non aeque emendari, peccatoresque pudore suffundi poenis civilibus, quam castigatione Ecclesiastica queant, scandalumque publice datum aeque per illas quam hanc aboleri. Quodsi aliquis dicat, magis profici ad sanctimoniam morum per disciplinam Ecclesiasticam, quam poenas civiles; nam per illam emendari animum, has sustineri posse persistentibus animi sordibus; ei reponimus, hunc effectum non semper (es wäre nicht zu viel gewesen, wenn er gleich gesagt hätte: nunquam) obtineri a disciplina Ecclesiastica, cum & hac quis defungi queat haud correcta animi labe, aut obfirmata in impudentiam fronte. Et in quibusvis delictis, quae poenis fori humani obnoxia sunt, expiatio in foro divino per me
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dieinam quaerenda est verbo divino praescriptam, cui ab hoc disciplina Ecclesiastica haudquaquam annumeratur. Non enim ideo peccata remittuntur, quia quis disciplinam Ecclefiasticam subiit, sed quia animum per sanguinem Christe fide adplicitum emendavit. Quodsi tamen expedire videatur, certum genus vitii castigationi Ecclesiasticae subjici, optimum erit, id definiri a judice civili, talemque hominem ab hoc ad ministros Ecclesiae remitti ad castigationem recipiendam. Ut omnino penes Christianos Principes sit definire, quaenam delicta poenis civilibus, quaenam castigationi Ecclesiasticae subjicienda sint; & circa haec quoque sibi sententiam reservare, quem gradum castigationis Ecclesiasticae delinquens fubire debeat; ministris Ecclesiae executionem demandare. Atque isthoc praecipue circa bannum observandum est, ut nempe ejus infligendi potestas non relinquatur arbitrio ministrorum Ecclesiae, sed ut ad hocce nonnisi de sententia summorum imperantium procedi queat. Nam in civitate meris Christianis constante eundem fere illud effectum cum capitis diminutione habet, ac hominem inter Christianos infamem, atque intestabilem efficit, eoque & ad conditionem civilem effectus suos porrigit, de qua statuere in civitate penes neminem, quam summos imperantes, salvo quidem horum imperio, esse potest. Die letzten Worte Pufendorffii sind sonderlich wohl zu mercken, weil sie zugleich die Ursache anzeigen, worum auch der kleinere Kirchen-Bann für eine weltliche Straffe gehalten werden müsse, indem ja nicht zuläugnen, daß auch diejenigen denen die Absolution versaget wird, und die bloß von Abendmahl ausgeschlossen werden, an einen Ort wo lauter Christen wohnen von denen übrigen insgesamt als unehrlich angesehen werden. Wannenhero es dann nicht nur eine unzuläßliche That seyn sondern auch eine hohe Bestraffung meritiren würde, wenn ein Evangelicher Prediger seinen Landes-Herren, obwohl vergebens, dennoch so viel an ihn ist, durch Ausschliessung von dem Abendmahl unehrlich zu machen sich unterstehen wolte. Damit aber hierbey des Seel. und um Ausbreitung der Wahrheit höchst meritirten Barons von Pufendorff etwa noch hier und dar sich befindliche Feinde nicht excipiren möchten, daß dessen Zeugnüß in rebus Ecclesiasticis nicht passiret werden könne, sondern man in diesen Fällen rechte Orthodoxos (Und des Lutherischen Theologi D.) zu rathe ziehen müsse, so kan auch zu Beweisung dieses 4ten Arguments der Beyfall eines unstreitig orthodoxen und um den Seel Lutherum so wohl als die gantze Lutherische Kirche wohl verdienten Theo
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logi D. Johannis Matthesii angezogen werden, zumahl solches die Herren(Johannis Matthesii.) Theologi Wittebergenses, die sonsten nimmer würden zugelassen haben, daß etwas dem Predigamt nachthelliges ihren operi wäre inseriret worden, für würdig geachtet, daß sie es denen Consiliis Wittebergensibus Parte 1. num. 13. f. 885. seq. mit einverleiben lassen. Denn da wohlgedachter D. Matthesius vorher zwar supponiret, daß es gut wäre, wenn die Kirchen-Zucht zu erhalten der Kirchen-Bann wieder eingesetzet, und von den Päbstischen Mißbrauch gesäubert würde, (zu welchen Mißbrauch auch der Mißbrauch der Evangelischen Prediger gehöret, davon beym vorigen dritten Argument breitere Meldung geschehen) so sey es doch in diesen thörichten und rasenden Alter der tollen und vollen Welt nicht zu hoffen, ja auch nicht zu rathen, es diene und nutze uns auch nichts &c. Wenn Gottsfürchtige, fromme, Christliche Obrigkeit öffentliche kennliche Ubelthäter und Buben nicht litte, Gottes Lästerer an den Pranger stellete, und sie also in ihren Amte fortführen und unseumig wären, so thue es so viel als der Bann. Mit der ersten Kirche habe es eine gantz andre Meinung gehabt, denn da wäre heydnische Obrigkeit gewesen, die denen Kirchen keine disciplin hätte erhalten helffen, ja da wären viel öffentliche Sünden begangen worden, die man nicht gestraffet hätte, als Hurerey Abgötterey u. s. w. derhalben weil die Christliche Kirche des Weltlichen Schwerts und politischer Macht und Gewalt ermangelt und keinen Rückenhalter gehabt, wäre es von nöthen gewesen, den Bann zu brauchen, auf daß also das böse gestrafft und eine erbare Kirchen Zucht und disciplin mögen erhalten werden. Die weil aber unsere Obrigkeit nun mit in der Kirchen, und darzu Christlich wäre, könne sie die Prediger des Bannes überheben, wenn sie sich ihres Amts fleißig annähmen u. s. w. Dieser locus Matthesii kömt cum doctrina Puffendorffii so genau überein, als wenn dieser denselben in dem oben excerpirten Orte für Augen gehabt hätte, ja er nutzet uns auch abermahls darzu daß wir unser erstes haupt Argument damit beweisen, nemlich daß der Kirchen-Bann quoad originem nicht juris divini, sondern von denen ersten Christen aus Noth an statt einer weltlichen Straffe gebraucht worden. Denn Matthesius sagt ja deutlich genung, quod Excommunicatio sit Poena Politica subsidiaria. Ist sie nun aber subsidiaria, so kan sie auch die weltliche Obrigkeit, wenn sie dieses subsidii nicht benöthiget ist, wieder abschaffen. Kan sie
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aber den Kirchen-Bann gar abschaffen, so würde es absurd seyn zu statuiren, daß die weltliche hohe Obrigkeit mit demselben beleget werden könne. ((V) Wannenhero auch bey denen Protestirenden von denen ausaffecten oder sonst unrechtmäßig (auch mit consens des Consistorii) in Bann gethanen an die weltliche Obrigkeit appelliret wird.) Es fliesset auch hiernächst V. aus dem, was allbereit beym dritten argument de Jure Principum inspiciendi acta Ecclesiae, eaque ordinandi & corrigendi in genere angeführet worden, ein neuer special medius terminus daraus man die Unförmlichkeit schliessen kan der wieder die hohe Landes-Obrigkeit vorgenommenen oder auch nur angedroheten Ausschliessung von heiligen Nachtmahl. Denn weil es per supra dicta gar leicht geschehen kan, daß ein armer unschuldiger Mensch aus privat affecten von Beichtstuhl weggewiesen, ihm die absolution versaget, und er also per consequentiam von Gebrauch des Abendmahls ausgeschlossen, und für der gantzen Gemeine beschimpffet wird, hingegen auch ebenmäßig gar offte sich zu träget, daß wenn er sich darüber bey andern beschweret, dieselben entweder aus Partheylichkeit oder Menschen Furcht ihn nicht helffen wollen, als erfordert es der Ruhestand des gemeinen Wesens, und das Amt Christlicher Regenten, arme unschuldige zu beschützen, daß dißfalls die Sache gerichtlich erörtert werde, mithin aber in diesen judiciis eine Ordnung vorhanden sey, damit man, wenn einer sich auch von judice graviret befindet, an einen höhern appelliren könne. Wie nun bekant daß im Pabstthum die appellationes von dem untern Clero ad Episcopos, von Episcopis ad Archiepiscopos, von dar endlich an Pabst in dergleichen Fällen gegangen; also ist es offenbahr, daß bey Protestirenden Ständen die höchste provocation an das regierende weltliche Oberhaupt geschehen müsse, welches auch der kluge und gelahrte Englische König Jacobus wohl angemerckt. Grotius de Jure summarum potestatum circa sacra cap. 9. §. 24. Diese provocation aber würde umsonst und vergebens seyn, wenn die weltliche hohe Obrigkeit nicht Macht hätte den unschuldigen nachdrücklich in Schutz zu nehmen, und die geschehene Ausschliessung zu annulliren, auch die Boßheit des, so sein Amt gemißbraucht zu bestraffen. Carpz. Jurispr. Eccl. lib. 3. def. 107. Nun würde aber warhafftig die hohe Landes-Obrigkeit bey denen Evangelischen übel dran seyn, wenn sie selbst von denen Predigern könte von der Communion ausgeschlossen werden. Denn wohin sollte sie provociren, da in der Republique kein höherer ist? Ja sie würde solchergestalt elender dran seyn als der geringste von ihren Unterthanen, welches auch nur zu gedencken absurd wäre, indem solchergestalt bey denen Evangelischen alles unter und über würde geworffen werden, cum tamen Evangelium non aboleat nec turbet
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politias. Und ist um so vielmehr zu verwundern, daß Evangelische Lehrer, sie mögen nun Theologi oder JCti heissen, sich nicht entsehen, den Satz, daß auch Könige und Fürstenvon Abendmahl ausgeschlossen werden könten, so kühne in öffentliche Schrifften zu setzen, und auf Universitäten solche Irrthümer als Evangelische Wahrheiten denen Studenten beyzubringen, da doch schon vor langer Zeit unter den Pabstthum die Frantzösischen vindices juris Regii aus diesen Principio geschlossen haben, daß hohe Obrigkeiten in Betracht dieser ihrer Jurisdiction mit Kirchen-Censuren keines weges beleget werden könnten. Grotius d. l. §. 26. Damit man auch hierbey nicht etwann einwerffen möchte, daß in diesen Argumento zuförderst darauf gesehen werden müsse, was an Evangelisch-Lutherischen Orten in Gebrauch sey; so kömmt demselben hauptsächlich zu statten, daß in Chur-Sachsen auch von denen Consistoriis an die weltliche Regierungen die Appellationes pflegen gerichtet zu werden, und ob gleich das Ober-Consistorium zu Dreßden, weil es zugleich das Amt eines Ober-Kirchen-Raths praesentiret, in diesen Ansehen keiner Appellation unterworffen, so ist doch kein Zweiffel, es weiset es auch die tägliche Praxis, daß wenn unschuldige Leute auch von dem Ober-Consistorio zu Dreßden graviret werden, sie sich an das Geheimde Raths-Collegium per modum supplicationis, (die in effectu so viel ist, als wenn dahin appelliret würde) wenden können, auch von daraus an das Ober-Confistorium gebührende Weisungen und Correctiones abgehen. Sächsische Kirchen-Ordnung tit. von Ober-Consistorio §. es soll aber doch Carpz. Jurispr. Eccl. lib. 1. def. 12. Titius in der Probe des geistl. Rechts lib. 1. c. 6. §. 81. & 86. Ferner so zeiget auch VI. die Natur und Eigenschafften des Kirchen-Banns, ((VI) Weil die Protestirenden Fürsten Jura Episcopalia haben, und kein Clericus seinen Bischoff mit dem Kirchen-Bann belegen kau.) daß man weder mit den kleinern noch grössern Excommunication wider Könige und Fürsten verfahren könne. Es muß allerdings auch in der Kirchen eine Ordnung seyn, damit alle Confusion als welche allen menschlichen Gesellschafften zuwider ist, und sie ruiniret, vermieden werde. Es kan ein Geistlicher keinen höhern Geistlichen der über ihn ist, weder mit dem kleinen noch grossen Kirchen-Bann belegen, ja er darff nicht einmahl alle Leyen von Abendmahl ausschliessen, sondern nur diejenigen, die seine Parochianen oder eingepfarrete, oder wie sie reden, subditi in illa Ecclesia sind, geschweige denn daß er einen Bischoff, noch vielweniger aber seinen ihn vorgesetzten Bischoff, als der alle Clericos in seiner Dioeces unter seiner Jurisdiction hat. Ziegl. de Epis. III. 25. von Abendmahl auszuschliessen sich unterfangen sollte. De
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rowegen hat man nicht alleine in Pabstthum zu allen Zeiten drüber geeiffert, wenn ein Geistlicher dergleichen Excess begangen, sondern es nehmen auch die Lehrer unserer Kirchen so wohl Theologi als JCti diese Hypothesin einmüthig an. can. nullus C, 9. qu. 2. Hincmarus Remensis Epist. cap. 3. Hülsemannus de Correptione fraterna §. 18. pag. 242. seq. ubi notanter dicit, per usurpationem potestatis quamcunque, sive ordinis dicatur, sive jurisdictionis, in non subditum omnium schismatum & haeresium prima semina jacta esse, & latius taxat factum Epiphanii contra Johannem Chrysostomum, ex hoc fundamento, Ziegl. ad Lancell. II. V. 10. p. 358. 360. Idem de Episcop. l. 3. c. 11. §. 29. 35. 36. 37. & c. 25. integr. Nun ist aber offenbahr, daß durch die Grund-Gesetze des Heil. Römischen Reichs die Protestirenden Stände alle Jurisdictionem Episcopalem erhalten haben, auch dieselbe hernach ihren Consistoriis solche mittheilen, oder vielmehr durch ihre Consistorial-Räthe dieselbe exerciren lassen, unter diesen Consistoriis aber alle Prediger ihrer Lande als subditi zustehen und von ihrem Thun und Lassen, auch so viel ihre functionem ordinis betrifft, Rede und Antwort zu geben schuldig sind. Heinric. Gebhardi de potestate sive Regimine Ecclesiastico n. 219. apud Fritsch. in Jure Eccles. p. 145. Michael Havemannus de jurc Episcop. tit. 4. §. 4. Ibid. p. 342. Dannenhero auch vernünfftige Doctores schon öfters behauptet, daß Evangelische Fürsten auf gewisse Masse und in gebührendem Verstande, könten das Haupt ihrer Kirche genennet werden. Conring. de autor. & offic. Magistr. civil. circa sacra th. 136. Ibid. p. 297. Dn. de Rhez de Jure circa sacra c. 3. n. 3. p. 58. Ja daß mit Fug und Recht von ihnen gesagt werden könne, sie wären Pabst in ihren Territorio. Dn. de Rhez d. l. c. 5. n. 18. p. 91. Stryke dissert. integra de jure Papali principum (Auch der Fürst kein Parochianus, sondern der Hof-Prediger eigentlich sein Hauß-Prediger ist.) protestantium. Und möchte man hiernächst wohl fragen von welchen Prediger denn ein Evangelischer Fürste nach dieser Hypothesi solte vom Abendmahl abgehalten werden. Gewiß von Stadt und Dorff-Priestern nicht, denn sie pflegen ohne dem nicht daselbst das H. Nachtmahl zu gebrauchen. Wie wolte aber der Schloß-oder Hof-Prediger darzu kommen, daß er sich die Macht heraus nehmen solte, seinen Fürsten als einen Parochianen zu excommuniciren, da er doch keine Parochie hat, weil die Schloß-Kirche nichts anders als Ecclesia domestica principis oder des Fürsten Hauß-Kirche ist, welche die ministri principis, die sonst in Ansehung ihrer Wohnungen in der Stadt anderswo eingepfarret sind, nur als Diener des Fürstlichen Hauses besuchen, und sich auch in eben diesen regard derer Sacramenten daselbst bedienen, dannenhero auch in Theologia
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Systematica dergleichen Hoff-Kirchen pflegen Ecclesiae incompletae genemet zu werden. Voëtius Polit. Eccles. Part I. Tract. 1. l. 1. c. 5. p. 76. Da nun ein Hoff Prediger so unverschämt seyn solte, daß er gegen seinen Fürsten den Binde-Schlüssel brauchen oder denselben nur damit betrohen wolte, würde solches eben so unverschämt ja nach unförmlicher herauskommen, als wenn ein armer Praeceptor, den ein ehrlicher Bürger angenommen hätte, ihm und seinen Kindern und Gesinde die Postille zu lesen oder auch aus seinen eigenen Kopffe die Evangelia zu erklähren sich eines Straff-Amts gegen diesen ehrlichen Mann, der ihn alle Augenblick die Schippe geben könte, und dem er seine subsistenz zudancken hätte, unterfangen, ihn hoffmeistern, reprimendiren, und von seinen Weib und Kindern bey Lesung der Postille absondern wollte; gesetzt auch daß dieser Praeceptor (wie es nicht eben unmöglich ist) zu dieser function wäre ordiniret worden. Wolte nun etwann jemand hierbey einwenden, daß dieser Satz,((VII) Noch weniger kan ein Evangelischer Fürst von H. Abendmahl ausgeschlossen werden, wenn er gleich in faveur der Päbstischen Religion etwas begienge.) von der Unbefugnüß des Predig-Amts ihre Principes zu excommuniciren, zwar quoad regulam ihre Richtigkeit habe, aber doch, wie insgemein alle Reguln, ihre exceptiones leide, und sonderlich eine Ausnahme davon gemacht werden müsse, wenn ein Evangelischer Fürst etwas begehe, das der Päbstischen Religion favorisire, und daraus der Lutherischen Religion ein grosses praejudicium zu wachsen könne, so wäre doch VII. auch hierauff leichtlich zu antworten; 1) daß diese exceptio mit nichts bewiesen werden könne, und es eben so absurd sey, an diese exception zu gedencken, als wenn man deliberiren wolte, ob ein Mensch den die eine Hand abgehauen wäre, doch nicht in gewissen Fällen damit zugreiffen könte. Was aber etwann oben ex numero V. rationum dubitandi zu colorirung dieser exception angeführet werden könte, darauf soll schon unten gebührend geantwortet werden. 2) Da nun diejenigen, so sich auff diese exception beruffen dörfften, dieselbe zu beweisen unvermögend sind, darff es uns eben nicht zugemuthet werden das Gegentheil zu beweisen, indem es genug ist, daß wir die bißher ad nauseam usque demonstrirte Regul für uns haben. 3) Es kan aber dennoch zum Uberfluß gar leichte gezeiget werden, daß Evangelische Prediger sich auch sub hoc praetextu, und zwar noch weniger, als wegen andrer Ursachen, des Binde-Schlüssels contra Principem anmassen können. Denn ob es wohl an dem ist, daß der Zwiespalt und die Uneinigkeit zwischen denen Teutschen Reichs-Ständen fast eintzig und alleine denen unterschiedenen Religionen auch in denen Reichs-
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Gesetzen pfleget zugeschrieben zu werden. R. I. de anno 1516. §. Und erstlich R. I. de anno 1541. pr. ibi: den beschwerlichen Zwiespalt und Mißverstand so verschiedner Jahren in den H. R. R. teutscher Nation, unser heiligen Christlichen Religion halber fürgefallen ist, voraus unter gemeinen Ständen des H. Reichs allerhand Mißtrauen und ander Unwille erfolgt seyn mag R. I. de anno 1544. §. Und dieweil aber ibi: Bedencken auch, was schweres Mißtrauen, Trennung und Wiederwillen solche Spaltung bißhero verursachet. R. I. de anno 1548. §. Und nach dem wir ibi: daß solcher Zwiespalt eine gewisse Wurtzel und Haupt Ursach ist alles Ubels, Unglücks, und Unfalls teutscher Nation &c. R. I. de anno 1555. §. Und als. und es dannenhero scheinen möchte, als ob Evangelische Lehrer auff alle Art und Weise zu wachen befugt wären, und alle Mittel zu brauchen und vorzusuchen hätten, damit die Papistische Religion an denen Orten da die Evangelische Religion alleine floriret, keinen Fuß bekommen, oder sonst der Lutherischen Religion etwas zum praejudiz gereichen könte; so ist doch dergleichen consequenz gantz unzulänglich, und würden Evangelische Prediger, (denen man sonsten ihr Amt die reine Evangelische Lehre mit gebührender Bescheidenheit und Sanfftmuth nach dem Geist Christi (dessen, und nicht des Geistes Eliä Kinder sie seyn sollen) vorzutragen gantz nicht disputirlich machen will), dadurch nur ihre allotrioepiscopiam und Begierde in ein frembd Amt einzugreiffen zu verstehen geben. Denn es kömt ja auch Principibus cura religionis zu. Alle Mittel nun, die nach einer weltlichen Gewalt nur schmecken, als wie per hactenus demonstrata der Kirchen-Bann unstreitig ist, gehören der weltlichen Obrigkeit zu, denen Predigern aber bleibt das bitten, flehen, vermahnen, auch straffen (aber ein ohngewaltsames und freundliches straffen, nach dem dicto: der Gerechte straffe mich freundlich) nur alleine übrig. Zumahlen da der Zwiespalt und Uneinigkeit der unterschiedenen Religions Verwandten, nicht der unterschiedenen Religion selbst, auch nicht der weltlichen Obrigkeit und Politicis, (wie dieses beydes durch das Exempel des Holländischen Staats klar und handgreifflichen erwiesen wird) sondern denenjenigen in allen Religionen zuzuschreiben ist, über die ein berühmter und gottseeliger JCtus mit folgenden Worten klagt. Quamvis huic pestifero ac infanabili discordiae malo babylonico multas per pacificationes obviam itum fuerit, animi tamen exacerbati proh dolor! nondum quiescunt, & mutua odia nondum sublata sunt, quin potius per acerbas con
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flictationes & lochomachias scholasticas hactenus crevere, apud eos maxime, qui magnis suorum viribus niti videntur. Quae res sane, si efficacissimum remedium non accipit, non potest non ruinam Reipublicae nostrae ad incitas redactae referre. Ahasv. Fritsch in Annot. ad Anton. Fabr. de relig. regend. p. 309. So erfordern auch nun schon von langer Zeit(Indem diese Außschliessung wieder die Reichs-Gesetze wäre.) her die Reichs-Gesetze, daß in dem H. Römischen Reich die Papistische oder Catholische, Lutherische und Reformirte gleich gedultet, Rel. Friede de ann. 1555. verb. doch sollen alle andre. Instrum. pacis Westphal. artic. 7. v. ult. und ohne daß eine Parthey die andre mit Ketzerischen Nahmen und sonsten beschimpffe, ihnen gleiches Recht in H. R. Reich zu stehe und gelassen werde, auch niemand, er sey wer er wolle, Geistlicher oder Weltlicher, wieder diese Reichs-Gesetze, weder mit disputiren, schreiben, rathen, lehren und predigen, es geschehe solches heimlich oder öffentlich, sich vergreiffen, dieselbe anfechten, in Zweiffel ziehen, oder solche Lehrsätze die dem Sinne derselben zuwider sind, daraus herzuleiten, sich unterstehen solle. d. Instrum. pac. artic. 5. §. utriusque religionis 50. Dannenhero ist dergleichen unzeitigen Zeloten sehr zu recommendiren, daß sie die Worte eines andern vortreflichen JCti wohl erwegen und zu Hertzen fassen. Cogitent Theologi, num rerum suarum satagant, qui a religione (aut ab intentione in causis religionis: nam est par ratio) Domini territorii diversi, eandem non raro gravioribus, quam par erat, verbis, proscindere, haereticae nomine efferre, vel damnare non verentur. Et hinc non raro contingit. ut Dominus, quem commotum reddidere Theologi, vel exercitium religionis ipsis adimat, aut, si mitius quandoque agat, ministrum ad talia pronum juste ab officio removeat. Non impedit, quod vulgo jactant, quod conscientiis laquei non sint injiciendi. Qualis enim est laqueus, si secundum leges vivere jubearis. Nec secundo obstat, quod pacta cum subditis sint servanda, quibus in territoriis plerorumque Statuum imperii hoc est annexum, quod sacra eorum illibata esse debeant, quia non sacris per has leges modus dicitur, sed tantum, ut secundum leges cultus instituatur, & verbum Dei doceatur, praecipitur. Damnare vero eos, vel haereticos dicere, qui in Imperio Romano-Germanico jus sacrorum habent, legibus publicis omnino abominabile habetur. Non inconcinne itaque omnes Status Imperii illis, qui a Concionibus in territoriis suis sunt futuri, praescribere possunt, imo tenentur, juxta dictum §. utriusque 50. ne in
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vehantur in dissentientes & in Imperio religionis intuitu receptos. Dn. (Auch die Ketzermacherey eine von denen gröbsten Brocken des politischen Pabstthums ist.) de Rhez de jure princ. circa sacra cap. 4. n. 7. p. 76. Derowegen, wenn man Evangelischen Predigern nur dieses einräumen würde, daß sie um Religions-Sachen oder Ketzerey willen die hohe Landes-Obrigkeit excommuniciren könte, würde das völlige Pabstthum unter uns einreissen, denn dadurch hat der Pabst seine Thranney am meisten befestiget, daß er erstlich dem Volck weiß gemacht, die Ketzerey sey das allerschändlichste Laster, und ärger als der Teuffel selbst, indem man noch niemahln den Teuffel einen Ketzer gescholten; und nach dieser persuasion vermittelst der Päbstischen oder Spanischen Inquisition viel tausend arme unschuldige Seelen zum Feuer verdammt, und jämmerlich verbrennen lassen; auch unter dem praetext der Ketzerey Könige und Fürsten excommuniciret hat. Denn da er einmahl das arme Volck durch den Popantz der Ketzerey hatte zu fürchten gemacht, war er hernach capable alle ehrliche Leute unter diesen praetext zu verfolgen, indem auch dieses für eine Ketzerey gehalten wurde, wenn man sich nur des juris Regii annehmen und behaupten wolte, daß der Pabst die Könige nicht in Bann thun könte, oder auch nur sonst in geringsten nach des Pabsts und seiner Clerisey Pfeiffe zu tantzen sich wegerte. Petrus Molinaeus de poenitentia lib. 8. cap. 29. ubi rem plurimis exemplis demonstrat. So werden auch von denen Orthodoxesten und eyffrigsten Lehrern selbst nicht alle Papisten mit ihrer Religion für so arge und greuliche Ketzer gehalten, daß man ihrenthalben so ein Lermen in der Kirche mit excommuniciren und dergleichen wüten machen solte. (Dieses wird mit einen merckwürdigen casu erläutert bey welchen die Theologi Wittebergenses den Unfug dergleichen Ketzermacherey erkennet.) Es ist der casus sehr merckwürdig, der sich anno 1561. zu Bautzen zugetragen, daselbst hatte ein Catholischer Closter-Vogt, der in der Päbstischen Religion erzogen und gebohren war, sonst aber die Lutherischen Kirchen besuchte, auch daselbst zum öfftern zu Gevattern gestanden, seinem Eheweib nicht verstatten wollen, daß sie das Nachtmahl unter beyderley Gestalt nehmen solte, und sie drüber ohne Empfang des Abendmahls sterben lassen, wie er denn selbst beständig das Abendmahl unter einerley Gestalt in einen Catholischen Kloster gebrauchte. Die serhalben hatten ihn die Evangelische Prediger zu Bautzen von ihrer Kirche, daß er daselbst nicht mehr Predigt hören noch zu Gevattern stehen solte, excommuniciret, der Klostervogt aber hatte dieses, wie billich, als eine weltliche Befchimpffung angenommen, und es dahin gebracht, daß denen Evangelischen Predigern so lange ihre accidentia, die
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sie aus dem Kloster zufordern hatten, abgeschnitten seyn solten, biß sie den Klostervogt restituiret, und ihre excommunication wieder aufgehoben hätten. Dieser Fall, als er der Theologischen Facultät zu Wittenberg fürgetragen worden, hätte man vermeinen sollen, sie würden der Zeloten Fürnehmen justificiren, zumahl es gleichwohl ein schreckliches praejudiz der Lutherischen Religion zu seyn schiene, daß dieser Catholischer Mann seine Evangelische Frau an den Gebrauch des heil. Nachtmahls gehindert, und sie gleichsam zur Catholischen durch Brauchung des Nachtmahls sub una überzutretten hätte zwingen wollen, auch sie so dahin sterben lassen. Alleine Domini Wittebergenses waren gantz andrer Meinung: Sie antworten ausdrücklich, daß die Evangelischen Prediger mit Unverstand geeyffert, und zum Nachtheil der Lutherischen Gemein und Kirchen verfahren hätten. Ja sie gehen noch weiter, und halten dafür, daß dieser Papiste, weil er sich erklähret daß er in dem Haupt-Articul Christlicher Religion zu den Symbolis, Apostolico, Nicaeno und Athanasio sich bekenne, (wie denn solches alle Papisten thun) und sonderlich in Articulo Justificationis mit unserer Kirchenlehre als in fundamento einig sey, (worinnen auch sehr viel Papisten heut zu Tage mit uns einig seyn, wie anderwärts ausgeführet worden,) als wolten sie das übrige von seiner päbstischen Religion für Heu und Stoppeln halten, (daß er nemlich in so vielen Jahren nicht dahin gebracht werden können, daß er verstünde, wie die alten Patres Ecclesiae nicht mit denen Papisten, sondern mit uns und der Augspurgischen Confession einig wären, und daß der Articul de Sacramento sub una allen denen alten Patribus neu und unbekant sey,) welches alles der Probe des Feuers der Anfechtung überlassen, nicht aber als solche Sachen angesehen werden müsten, darüber Evangelische Prediger dergestalt zu eyffern Ursache hätten. Confil. Witteb. Part. 2. tit. von Lehr- und Straffamt fol. 101. seq. Es wird hoffentlich nicht unangenehm seyn, daß man bey Beschluß derer rationum decidendi diesen casum ein wenig ausführlicher angeführet, weil er mit dem casu, wegen welches diese erste Frage formiret worden, viele Gemeinschafft zu haben scheinet, und viele gute Lehren von jenen Fall auff den gegenwärtigen appliciret werden mögen. Nunmehro aber wird auf die obangeführten rationes dubitandi(Beantwortung der obigen-Zweiffel und was hierbey ü-) leicht zu antworten seyn, wenn nur dieses hauptsächlich in acht genommen wird, weil die Autores daraus man dieselben rationes genommen, guten Theils gewohnet sind, und gleichsam pro fundamentali
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(berhaupt zu beobachten.) & systematica arte halten alles unter einander zu werffen, und wie etwan die Leguleji und Rabulae mit dem Corpore juris umgehen, die dicta scripturae mit greulicher Marter auf falsche und gefährliche Lehren zu appliciren, auch falscher und sophistischer consequenzen, wenn nur dieselben von andern, die in Autorität sind, einmahl canonisiret worden, sich allenthalben zu bedienen, und als Glaubens-Articul darüber zu halten; daß man die untereinander geworffene Dinge kürtzlich separire, die zermarterten loca scripturae deutlich andeute, die sophistischen consequenzen handgreiflich weise, und alsdenn dem Leser überlasse, was er mit der also entlarfften und entblösseten unvernünfftigen, ja dem Pabstthum nunmehro gleichsehenden Autorität machen wolle. (Auf den (I) Zweiffel.) Wenn man nun den nervum der I. Rationis dubitandi ein wenig genauer erwegt, wird sich befinden, daß diese hauptsächlich darauff hinaus lauffe, das Amt derer Prediger sey ein Amt, das von der weltlichen Obrigkeit in geringsten nicht dependire, daß diese ihnen darinnen was fürzuschreiben solte Macht haben, sondern es dependire von GOtt alleine, weil es Christus unmittelbar eingesetzt habe. Und pflegt dann hierbey zum öfftern in dieser und andern dergleichen controversen aus der heiligen Schrifft angeführet zu werden, was dieselbe von der Macht der Propheten und Apostel lehret, das übrige nimmt man aus denen Exempeln der ersten Christlichen Kirchen, die man fein weit, und zum wenigsten bis auf die Zeiten der ersten 5. Seculorum auszudehnen pfleget, und hält sich dabey an längsten auff, weil man daselbst viel materie antrifft, damit man denen unverständigen einen Dunst für die Augen (1) Auß der unmittelbaren Einsetzung des Predig-Amts von Christo folget keines weges, daß solches nicht auch von Christlicher Obrigkeit dependire. Welches schon von) machen könne. Nun sey es ferne, daß man dem Predigamt disputirlich machen wolte, daß es nicht von Christo unmittelbar sey eingesetzet worden. Alleine dieses kan man in geringsten nicht absehen, wie hieraus folgen wolle, daß das Predigamt deßhalb gantz independent sey, und daß ihm in Gebrauch desselben kein Einhalt von Christlicher Obrigkeit geschehen könne. Denn Anfangs (1) ist gar keine connexion zwischen beyden propositionibus, und hat solches schon zu seiner Zeit Grotius de jure summarum potestatum circa sacra c. 4. §. 1. gar schön ausgeführet: Quod non summae potestates sed Christus ipse Pastorale munus instituit, quod functionis suae regulas, quantum quidem ad ipsam muneris quasi substantiam attinet, a Christo accipiunt, non a summis Potestatibus, & quod eatenus Pastores non sunt summarum Potestatum sed Christi Vicarii: Haec omnia de jure Imperii nihil deminuere alia
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rum rerum exemplis apparebit. Potestas parentum in liberos, maritorum(Grotio handgreifflich bewiesen worden.) in conjuges, non ab ullo humano instituto primitus, sed ab ipso Deo originem & jus suum accepit. Et tamen summis Imperiis hanc quoque subjici, quanquam illis ipsis imperiis antiquiorem, quis negaverit? Medica quoque functio a Deo est, autore naturae, ut pastoralis a Deo autore Gratiae, & regulas exequendi muneris sui praecipuas a natura atque experientia accipit medicus non a summis Potestatibus, neque vice summae Potestatis fungitur, cum medicinam facit. Et tamen non impediunt haeo omnia, quo minus Medica functio subsit summarum potestatum imperio. De Agricultura, de Mercatura, de caeteris artificiis atque opificiis eadem est ratio. Quin & is, qui pro tribunali jus dicit, quanquam a summa potestate munus suum acceperit, ejusque vices obeat, non tamen omnes judicandi regulas a summa Potestate accipit. Nam Deus ei praecipit, abstinere a donis eapiendis, nihil per gratiam, nihil odio facere, sublevare pupillos, & reliquam alienae opis egentium turbam, multaque alia ejusmodi. Ita ut vel hinc cuivis appareat, quam sit contra vim imperii imbecille argumentum, quod a divina mandatorum praescriptione ducitur. Quod vero Pastores non tenentur parere summis potestatibus vetantibus a Deo jussa, aut vetita jubentibus. in eo quoque nihil est singulare- Nam privato cuivis tantundem est juris, non in sacris modo sed in aliis quoque rebus. Quin & Judex, qui judicandi partes a summa potestate mandatas accepit, ab eadem jussus contra aequum & bonum judicare, non tenetur obedire, imo tenetur non obedire. Quae manifestum est, non eo venire, quod aut privatus, aut judex subjectus non sit summis potestatibus, (id enim, nisi amens, nemo dixerit) sed quia & summae potestates & ipsi Judices ac privati Deo subjacent: pugnantibus antem imperiis necesse est, ejus Imperium praeferre, qui superior sit altero. Errant igitur graviter, qui, ut hic paria discriminant, discriminata confundant, actiones scilicet atque perpessiones. Agere contra legem Dei, aut quae ex lege Dei agenda sunt, omittere, nec pastori, nec Judici, nec privato licet, neque in sacris, neque in profanis rebus. Pati vero illata mala, sacrae sive profanae legis obtentu licet & privato, & Judici, & Pastori, imo eatenus etiam necesse est pati, ut non liceat aut per vim resistere, aut quicquam extra ea, quae Deus diserte imperat, contra humanum imperium facere.
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(2) Zumahl da unsere Prediger ihr Amt unmittelbar von der weltlichen Obrigkeit als Unterthanen erlangen.) 2.) Ob schon aus diesen Loco Grotii zur Gnüge erhellet, daß wenn auch gleich unsere heutigen Prediger ihren Beruff unmittelbar von GOtt hätten, wie ehe dessen die Apostel, dennoch die praetendirte Independenz von weltlicher Obrigkeit daraus nicht würde behauptet werden können; So verliehret doch ihr Schein-Argument noch mehr von seiner eingebildeten Krafft, wenn man erweget, daß derer heutigen Prediger Vocation zwar ursprünglich und in Ansehung der Einsetzung des Predig-Amts divina, aber respectu des unmittelbahren Beruffs menschlich sey, indem sie von Menschen zu einer gewissen Gemeine vociret, confirmiret, angewiesen und endlich auch ordiniret, auch durch diese Actus zugleich mit zu Unterthanen der weltlichen Obrigkeit angenommen werden, wenn sie vorhero dergleichen nicht gewesen. Und ob wohl bekannt, daß viel Theologi in der Lutherischen Kirchen, so dieses gemerckt, daß die Päbstliche Schul-Lehr de vocatione immediata divina Cleri hodierni gerne die Studenten und das Volck bereden wollen; auch diesen Irrthum destomehr Krafft zu geben der weltlichen Obrigkeit gleichfalls mit der Meinung, quod Deus sit causa non solum originaria sed & immediata majestatis, geschmeichelt. Hect. Gothofr. Massii interesse Princip. circa relig. Evangel. nebst denen dahero entstandenen Streitschreifften. So haben sich doch endlich zu unsern Zeiten auch die sonst sehr eyffrigen und unstreitig orthodox gewesenen Theologi, dieser absurden Meinung geschämet, und so wohl bey der Wahl weltlicher Obrigkeit, als bey der Wahl der Prediger, die wehlenden Menschen pro causa mediata passiren lassen. Joh. Ad. Scherzer System. Theol. Loc. XXV. de Ecclesia §. 13. n. 2. & loco XXVI. de Magistratu Politico in Definitione et §. 10. (Auch 3) die weltliche Obrigkeit ebenmäßig von GOtt unmittelbar eingesetzet ist.) 3.) Wenn aus der unmittelbahren göttlichen Einsetzung des Predig-Amts einige Independenz von weltlicher Obrigkeit nothwendig zu schliessen wäre, würde dieses Argument wider die, so solches brauchen, selbst beweisen, daß auch die Prediger keine Macht hätten die weltliche Obrigkeit mit ihren geistlichen Bestraffungen zu belegen. Denn sie lehren ja selbst einmüthig, daß die weltliche Obrigkeit unmittelbar von GOtt eingesetzet sey. Scherzer d. l. 26. §. 9. & Systematici passim in loco de Magistratu Politico. Wenn nun der Stand, der von GOtt eingesetzet ist, keinem andern Stand unterworffen ist, und sich von demselben in seinem Thun und Lassen darf einreden lassen, so darf auch das Predig-Amt der weltlichen Obrigkeit nicht einreden. Da sie nun das Letzte nicht wollen zugeben, müssen sie nothwendig selbst erkennen, daß der Grund, auf den sie dergleichen Schlüsse bauen, nichts tauge.
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4) Ist ja offenbahr, daß, wenn die weltliche Obrigkeit denen(4) Aus der gegen seitigen Meinung wird das gemeine Wesen zwey köpffigt.) Predigern in denen Sachen so ihres Amts sind, nichts einreden darff, in einen gemeinen Wesen nothwendig zwey Status independentes seyn müsten, mithin aber daraus ein zweyköpffigtes unförmliches Wesen entstehen würde. Denn es glaubet ja jederman und weiß es auch, daß die Prediger Menschen sind und also ihr Amt mißbrauchen können. Wenn nun die weltliche Obrigkeit sie darinnen nicht bestraffen darff, sondern, wenn sie solches verneinen (wie denn ordentlich kein Mensche will unrecht gethan haben) ihnen ihren Willen lassen muß, so muß nothwendig das Predig-Amt ein Stand seyn das seinen eigenen Kopff hat, oder gar ist. Wiewohl diese absurdität noch nicht die gröste ist, sondern es(5) Und die Obrigkeit unter die Füsse des Predig-Amts getretten.) fliesset 5.) noch eine grössere aus dieser independenz. Denn sie wollen, daß die weltliche Obrigkeit ihnen, wenn sie bey dem Gebrauch ihres Amts nach ihren Gewissen thun, nichts einreden solle; und doch wollen sie, daß die Obrigkeit mit ihren Gewissen dem Predig-Amt soll unterworffen seyn, und daß das Predig-Amt soll Macht haben, der Obrigkeit, wenn sie das Obrigkeitliche Amt mißbraucht, einzureden und sie mit der schimpflichen Außschliessung von Abendmahl zu bestraffen. Dadurch wird aber die weltliche Obrigkeit in der That mit Füssen getreten, und dem Predig Amt gäntzlich unterworffen, indem kein regale ist, bey dessen exercitio ein ehrsüchtiger Prediger nicht leicht was zu tadeln finden, und durch Mißbrauch der heiligen Schrifft mit der weltlichen Obrigkeit deßwegen eine querelle anfangen, auch leichtlich einen Anhang von seines gleichen, die ihm beystehen, finden kan, die entweder den Fürsten aus Furcht des Bannes zwingen, daß er sein Regiment nach ihren Kopffe führen muß, oder aber er muß gewärtig seyn, daß solche herrschsüchtige Leute unter der Larve eines göttlichen Eyffers ihn auf den Cantzeln beschimpffen, oder wohl gar die Land-Stände, samt dem gemeinen Volck wider ihn rege machen. Und wie bey denen Protestirenden seit der Reformation leider(6) Die praetendirte independenz des Predig-Amts von der weitlichen Obrigkeit ist der formale Character des Pabstthums. Wie solches) mehr als zu viel betrübte exempel dieses bekräfftigen; also haben schon berühmte gelehrte Männer 6) angemercket, daß diese praetendirte independenz des Predig-Amts von der weltlichen Obrigkeit der formale Character des Pabstthums sey, und daß die Fürsten, die darinnen dem Clero durch die Finger gesehen, das Pabstthum mit ihren eigenen Händen haben bauen heissen. Dieses hat sonderlich ein berühmter und bekanter Christlicher Theologus, der seinen Namen unter dem Namen Jani Alexandri Ferrarii verborgen in einen so genannten Euclide Catholico gleichsam mathematicè demonstriret, daß alle Glaubens-Artickul des
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(Janus Alexander Ferrarius,) Pabstthums aus einer einigen definition und einem axiomate herfliessen. Die definitio ist: Ecclesia est imperium spirituale, sed visibile, quo homines fidem ab uno visibili capite, Pontifice scilicet Romano (in unsern Pabstthum muß dieses Wort geändert und an dessen Statt gesetzet werden: ab infinitis spiritualibus sed visibilibus capitibus: indem man auch dem geringsten Dorffprediger potestatem giebt, den kleinen Kirchen-Bann zu brauchen, dadurch aber unser Zustand noch elender und confuser wird) praescriptam prositentur, conformemque ei (nach unserer Zeloten hypothesi eis) obedientiam praestant. Das axioma lautet also: Quicquid ad Ecclesiae hujus (id est ad autoritatis & potestatis Ecclesiasticae) defensionem atque amplificationem facit, id omne & solum censeri debet verum esse, pium & sanctum. Und wie er hernach gantz artig beweiset, daß alle übrige Artickel des Pabstthums aus dieser definition und axiomate als aus einen centro ausfliessen; also lehret er damit, daß Fürsten das Pabstthum nicht hauptsächlich in denen Artickeln, darüber Theologi mit einander streiten, sondern in dem Haupt-Artickel de capite Ecclesiae vel de Magistratu Politico (Ingleichen Hugo Grotius,) suchen müssen. Hiernächst beschreibet Grotius de jure summarum potestatum cap. 9. §. 20. gar schöne den Schaden, der daraus entstanden, daß die Fürsten sich dem Banne gutwillig unterworffen, und zugleich die Ursachen, mit welchen man die armen Fürsten darzu beredet. An expediat, sagt er, ut Rex hanc in se Jurisdictionem (spiritualem) patiatur exerceri, disputari solet. Qui expedire judicant, hac regum submissione multum roboris atque auctoritatis ajunt accedere Ecclesiasticae disciplinae. Verum est. Neque enim frustra dictum: Quales in Republica Principes sunt, tales solent esse cives, & blandissime juberi exemplo. Sed contra affertur: Stare rempublicam autoritate regentis, &, ut Aristoteles dixit, ex comtemtu multas oriri Statuum dissolutiones. Certe, si quid illis credimus, qui res Henrici Imperatoris memoriae tradidere, calamitatis primordium illi fuit, quod cum lacrymabili afflictione publice, nudis pedibus, in laneis vestibus, hyeme praeter solitum aspera, apud Canusium spectaculum Angelorum factus (Und andre viele Gelehrte Männer ausführlich dargethan.) & hominum, Hildebrandi ludibrium triduo pertulit. Was gleichergestalt dem Ludovico Pio es geschadet, daß er sich von der Clerisey prostituiren lassen, ist aus der historie seines Lebens bekant. Wer ein mehrers von dieser materie nemlich von dem unter dieser der Zeloten Lehre verborgenen Pabstthum lesen will, der wird überflüßig davon finden bey denen Gelehrten, und um die weltliche
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Obrigkeit wohlverdienten Scribenten, die schon für langer Zeit in eigenen deßwegen verfertigten Schrifften das unter dieser hypothesi versteckte Pabstthum deutlich entlarffet oder entkleidet haben. Johannes Utenbogardus in tractatu de Jure supremi magistratus in Ecclesiasticis. Hugo Grotius in Pietate ordinum & in de Imperio summarum potestatum circa sacra. Episcopius in dissertationc de jure Magistratus circa sacra. Casp. Barlaeus in declamatione in Ministros & in alio scripto cui titulus: Bogermannus Nic. Vedelius de Episcopatu Constantini Magni. Anonymus in Grallis seu vere puerili cothurno sapientiae, quo se jactat apud imperitos Gvilielmus Apollonius, in centonibus, quos edidit de jure majestatis circa sacra contra libellum Vedelii de Episc. Const. M. Et in alio simili. cui titulus: Grallator furens de novo in scenam productus. Gerhardus Johannes Vossius in dissertatione Epistolica de jure majestatis circa sacra. Ludovicus Molinaeus in Paraenesi ad aedificatores imperii in imperio in qua defenduntur jura Magistratus adversus Mosen Amyraldum & caeteros vindices potestatis Ecclesiasticae. Idem sub nomine Ludiomaei Colvini in Papa Ultrajectino seu Mysterio iniquitatis reducto a Gisberto Voëtio, in opere Politiae Ecclesiasticae. Idem in Jugulo causae, seu nova, unica, compendiaria & una propemodum periodo comprehensa ratione, per quam totus doctrinarum Romanensium complexus, de quibus lis est inter Protesbantes & Pontificios, & una Papa & ejus imperium funditus evertuntur. Edoardus Stillingfleet in Frenico. Plures alios vide citatos a Gisberto Voëtio de Politia Eccles. Part. 1. p. 124. seq. Part. 3. lib. 4. Tract. 1. c. 11. 12. 13. p. 817. seq. & tract. 4. cap. 1. in fine ubi etiam horum adversarii citantur. Adde Thomam Erastum in explicatione gravissimae quaestionis, utrum excommunicatio, quatenus religionem intelligentes & amplexantes a sacramentorum usu propter admissum facinus arcet, mandato nitatur divino, an excogitata sit ab hominibus. Item Lambertum Velthusium in tractatu de Idololatria & superstitione & apologiis eidem subjunctis. Es hat zwar die Gegenpartey der Zeloten sich sehr bemühet, diese(Wie und warum diese Autores von der Gegenparthey untergedruckt worden.) Autores und ihre Scripta mehrentheils niederzudrücken, oder als Ketzerisch verdächtig zumachen, hingegen die ihrigen allenthalben zu preisen und auszubreiten, wie ihnen dann auch solches aus vielen politischen Ursachen, die hier auszuführen unzeitig ist, geglückt, dergestalt, daß die defensores der Obrigkeit theils von der Obrigkeit selbst verfolgt worden, theils aber die allegirten herrlichen Scripta sehr rar und in wenig bibli
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othequen (Nebst einen vernünfftigen Gegenvorschlag.) zu finden sind; iedoch sind sie noch nicht gar verlohren gangen, und würde ein Christlicher Fürst ein löbliches und rühmliches Werck verrichten, wenn er nach dem Vorgang des Goldasti, der die pro vindicandis Juribus Majestatis contra sacerdotium in dicksten Pabstthum herausgegebenen Scripta colligirt, und in dreyen tomis in Folio sub titulo: Monarchia Imperii ediret, diese oballegirten Schrifften, und so dergleichen noch mehr zu bekommen wären, zusammen suchen, und conjunctim herausgeben liesse: auch dabey einen gelehrten Mann aufftrüge eine etwas außführliche historiam controversiae inter Imperium & sacerdotium zu verfertigen, und darinnen insonderheit die Ursachen zu bemercken, warum so wohl ehedessen in Pabstthum als auch nach der Reformation die Autores, welche die jura der hohen Obrigkeit wieder die Clerisey defendiret, unglücklich gewesen, und entweder der irritirten Clerisey von der weltlichen Obrigkeit gleichsam zum Raube überlassen, oder wohl gar von den Königen und Fürsten selbst verfolget worden, dergestalt daß nicht zu verwundern, wenn die weltliche Obrigkeit nunmehro wenig Gelehrte mehr antreffen kan, die ihre jura zu defendiren entweder vermögend sind, oder sich solches zu thun grosse Lust haben. (Erinnerung wegen übler application der Sprüche heiliger Schrifft.) Nachdem also die ex institutione divina ministerii übelhergeleitete independenz desselben ihre Abfertigung bekommen, ist bey dieser ratione prima (ja auch bey denen folgenden) noch diese sophisterey zu mercken, daß die herrschsüchtigen und independent seyn wollenden Prediger, wenn sie von ihrem Amt handeln, gemeiniglich solche dicta aus der heiligen Schrifft anzuführen pflegen, die von Propheten und Aposteln reden, und sich öffters zur Sache wie eine Faust auf ein Auge schicken, indem ja offenbahr, und die Theologi in ihren Systematibus selbst einräumen, daß das Ossicium Apostolicum und officium ministrorum hodiernorum gar vielfältig, sonderlich aber darinnen differire, daß jenes immediatum, extraordinarium (dergleichen auch von dem Propheten Amt gesagt werden muß) & cum amplitudine & obligatione ad omnes gentes eundi item cum libera potestate a Christo indulta conjunctum, dieses aber mediatum, ordinarium & ad certam dioecesin cum potestate a legibus humanis moderata restrictum sey: Scherzer. System. Theol. loc. 25. §. 12. Daß dannenhero nothwendig die meisten dicta die von Propheten und Aposteln handeln sine aperto vitio argumentationis a diversis, auf die Prediger nicht appliciret werden können. Derowegen ist nun ja offenbahr, daß ob wohl zugegeben wird, es hätten die Apostel Macht gehabt das Evangelium allenthalben auch
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wieder den Willen weltlicher Obrigkeit zu predigen, dennoch dieses ihrer vocationi immediatae, & potestati extraordinariae ac amplissimae zuzuschreiben sey, und also keinesweges auf unsere Prediger könne appliciret werden. Endlich was die vielen Exempla aus der Kirchen-Historie anlangt,(Und unnützer allegirung der exempel aus der Kirchen-Historie.) mit welchen man die Lehre von der independenz des ministerii auszuschmücken pfleget, so haben zwar dieselben vor diesen etwas ja sehr viel gegolten, da man lauter partheyische Kirchen-Historien hatte, auch die armen Juristen beredet wurden, daß in denen ersten 500. Jahren nach Christi Geburt in der Kirche alles vortreflich herrlich und rein gewesen, und die Kirch-Väter selbiger Zeiten denen Aposteln und Evangelisten gleiche Männer gewesen. Nachdem aber eine geraume Zeit her durch allerhand gelehrte Scripta dieser für eine unstreitge Warheit gehaltene Irrthum zweiffelhafft gemacht, auch endlich durch Arnolds Bericht von ersten Christen, item die Ketzer-Historie, das wahre mysterium iniquitatis gantz entlarvet und entblöset worden, daß nun alle Leyen wissen oder doch leichte wissen können, wie das Pabstthum alsbald nach der Apostel Zeiten eingerissen, und unter Constantino schon Mannbar worden; so wollen die alten dicentes und exempel heut zu Tage bey vernünfftigen Leuten nicht mehr anschlagen, sondern man beantwortet dieselbe mit zweyen Worten: non exemplis judicandum sed legibus. Dieweil also die erste Ratio dubitandi mit sattsamen Gründen(Kurtze Beantwortung des (II) Zweiffels durch Umkehrung des daraus gemachten Schlusses.) abgelemet worden, ist nun bey der II. Ratione dubitandi nicht nöthig sich weitleufftig auffzuhalten, indem dieselbige eintzig und alleine auf die erste rationem dubitandi gegründet ist. Man kehret vielmehr das Argument nunmehr um, und schliesset in Gegentheil, daß gleichwie das Ministerium Ecclesiasticum in allen functionibus seines Amts nicht independens, sondern der hohen Landes-Obrigkeit per latius deducta in ratione decidendi 2. 3. & 4. & in responsione ad rationem 1. dubitandi Ordnungen und Bestraffung bey allen dißfalls vorfallenden Mißbräuchen unterworffen ist; also es auch ebener massen in specie mit dem Straffamt also beschaffen seyn müsse, und dienen nunmehro die bey der(Nebst Erinnerung wegen der grossen bißherigen Gedult Evangelischer Fürsten.) ratione dubitandi secunda angeführten loca Theologorum zu nichts mehr, als daß man sich über die grosse Gedult der Evangelischen Fürsten und ihrer Ministrorum nicht gnungsam verwundern kan, daß sie solche gefährliche und ihren höchsten Regalibus höchst praejudicirliche principia so lange Zeit in die öffentliche Welt hinein schreiben, und durch den Druck propaliren lassen, auch hierdurch Gelegenheit und Anlaß gegeben, daß so viel tausend junge unwissende Gemüther auf Universitäten damit
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eingenommen, mithin aber ehr- und zancksüchtige Prediger in ihren ungerechten Vorhaben gesteiffet worden. Massen denn nicht leichte ein casus erdacht werden kan, da sich nicht dergleichen Leute auf die Consilia Wittebergensia, oder des Dedekenni seine compilation gegründet, und darauff als der Bock auf seine Hörner verlassen haben. (Antwort auf den (III) Zweiffel. Dessen Praesuppositum wegen des von Christo eingesetzten Binde-Schlüssels und Juris excommunicandi ist nicht richtig. Wie solches bereits schon andre ausgeführet als Petrus Molinaeus, Apologia August. Conf. Georg. Calixtus &c.) Ob nun aber wohl auch hiermit zugleich die III. ratio dubitandi gäntzlich hinweg fället, weil selbige ebenmäßig eine conclusion ist, die aus denen beyden ersten hergeleitet worden; so sind doch auch über dieses hierbey noch einige Anmerckungen zu machen, indem das darinnen enthaltene praesuppositum, als ob der Binde-Schlüssel und das jus excommunicandi von Christo anbefohlen und eingesetzet worden, auch solchergestalt juris divini sey, nicht richtig ist. Denn gleichwie das Gegentheil allbereit in ratione decidendi prima hauptsächlich, wie nicht weniger in denen folgenden rationibus decidendi hin und wieder demonstriret worden; Also kan nunmehro auf die daselbst vorgebrachte rationes pro sententia contraria leichtlich geanwortet werden. Es hat allbereit anno 1652. Petrus Molinaeus zu Sedan in Frauckreich einen sehr nützlichen tractat de Poenitentia & Clavibus publiciret, da er ausführlich von dieser Materia handelt, und daraus nur etwas weniges soll angeführet werden. Er supponiret anfänglich d. tractatu de poenitentia lib. 3. cap. 10. 11. 12. 13. daß zwar die Königliche Gewalt von GOtt eingesetzet, aber die Beichte und derer Siegel, wie die Schuhl-Lehrer reden, von Menschen erfunden sey, und beweiset das letzte so wohl aus vielen Oertern der heiligen Schrifft, als auch aus dem Jure Canonico, er antwortet auch auf die dicta Matthaei cap. 3. v. 2. & 6. item Actorum XIX. v. 18. item Jocobi cap. 5. v. 16. und weiset gantz deutlich, daß daselbst von keinen Beichtstuhl gehandelt werde. Es dienet zu dessen Erleuterung nicht wenig, was die Apologia Augustanae confessionis ad articulum de confessione & satisfactione ab initio p. 181. geschrieben: Adversarii nostri (in probanda confessione sacramentali) mirifica metamorphosi transformant dicta scripturae in quaslibet sententias. Und bald darauf: Fortassis & Jacobum citabit aliquis: Confitemini vicissim delicta. Sed hic non loquitur de confessione facerdotibus facienda, sed in genere de reconciliatione fratrum inter se. Jubet enim mutuam esse confessionem. Ferner erkläret Molinaeus d. l. lib. 4. c. 2. die Meinung der Papisten, von der richterlichen Gewalt der Priester, die Sünde zu vergeben, und widerleget selbe ibid. c. 3. mit vielen Gründen
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heiliger Schrifft auch andern rationibus, daraus er zugleich erweisen will, daß die Prediger, wenn sie sich der Vergebung der Sünden anmasseten, sich über GOtt erhüben, ibid. c. 4. deme beygefüget werden kan, was der seel. Georg. Calixtus Disp. 8. de variis Christianae doctrina capitibus n. 9. seq. fast auf gleiche intention colligiret, daß nemlich die Prediger nicht mehr thäten, als die Vergebung der Sünden ankündigten, wie wohl Molinaeus ibid. c. 8. & lib. 8. cap. 2. das dictum Christi: welchen ihr die Sünde erlasset etc. gar nicht von der Vergebung der Sünden oder derer Ankündigung verstanden haben will. Hiernächst führet er d. l. 4. c. 9. & 10. testimonia der Päbstler selbst, als Lombardi, Cornelii Jansenii, Hadriani VI. Papae, item der alten Kirchen-Väter, Irenaei, Novatiani, Cypriani, Clementis Alexandrini, Hilarii, Theodoreti, Basilii Magni, Ambrosii, Chrysostomi, Augustini, zu Behauptung seiner Meinung an, und beschließt mit folgenden nachdrücklichen Worten d. cap. 10. p. 182. Fuisset olim res horrenda, & prodigio propior, fi Episcopus aut Presbyter dixisset peccatori poenitenti. Absolvo te a tuis peccatis. Cohorruissent Christiani, ut ad rem nefandam & impiam. Post peractam Canonicam poenitentiam peccatores reconciliabantur Ecclesiae, per preces Episcopi & populi, & per impositionem manuum Episcopi, & ad communionem Ecclesiae admittebantur. Nec Episcopus dabat poenitenti absolutionem, nec ei remittebat peccata. Nec post hanc reconciliationem irrogabat ei poenas satisfactorias corporeas aut pecuniarias. Nec peccator reconciliatus dabat Confessario stipem in mercedem remissionis peccatorum. Nec diu est, ex quo haec corruptela invasit Ecclesiam Romanam. Nam in Bibliotheca patrum habemus officium Romanum, quale usitatum erat tempore Caroli Magni & Ludovici Pii, ubi habemus formulam verborum, per quae peccator reconciliabatur Ecclesiae. Deus dimittat tibi omnia peccata, & te liberet ab omni malo. Precatio est, non vero sententia judicis. In folgenden capite 13. libri 4. p. 191. rechnet er unter die unreinen Lehren des Concilii Tridentini auch folgenden Artickel. Des Priesters Worte, wenn er die Sünde vergiebet, sind nicht anders anzunehmen als die Worte Christi, da er zu dem Gichtbrüchtigen sprach, sey getrost mein Sohn, dir sind deine Sünde vergeben, und führet deshalb unterschiedene Ursachen an. Er zeiget gantz deutlich, daß das Sacrament der Busse die fürnehmste Stütze des Pabstthums sey lib. 4. c. 3. n. 28. mit folgenden Worten. Non debet esse Sacerdotum & Papae in tuendo hoc sacramen
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to magna autoritas. Inde enim ipsis questus & maximum emolumentum, nec aliud est certius aucupium. Hoc sacramentum est praecipuum fundamentum Imperii papalis & autoritatis facerdotum. Hic adversarii litigant non tam pro aris, quam pro focis. Per hoc sacramentum sacerdotes pernorunt arcana & labes familiarum. Per hoc sacramentum Papa insultat capitibus Regum & nobilissimarum personarum. Quorum peccata postquam innotuerunt Papae, indicit eis poenas & mulctas pecuniarias, per quas Regia Majestas proculcatur & ad pedes Papae abjicitur. Ein gleiches schreibet er von der excommunication lib. 8. cap. 19. p. 555. Excommunicatio praecipuum est firmamentum Pontificalis imperii temporalis Hoc telum formidabile est populis & regibus. Ad fragorem hujus fulminis urbes, regiones, Principes jam ab aliquot seculis contremiscunt. Per excommunicationes Papa factus est Rex Regum & coronas Imperatorum & Regum subjecit suae Monarchiae temporali, & dominia usurpavit in omnia bona terrena &c. wie er denn diese materie in denen folgenden Capiteln dieses 8. Buchs ferner ausführet. Confer similem locum Ziegleri de Episcopis lib. 3. cap. 11. §. 67. p. 619. Et alium adhuc notabiliorem sed prolixiorem, quam ut hic exscribi queat, in Ludovici Molinaei Papa Ultrajectino p. 4. sequent. (Beantwortung auf die von Gegentheil allegirten Oerter der heiligen Schrifft, aus Seldeno.) Ferner, wie Johannes Seldenus in seinen Buch de Synedriis gantz augenscheinlich gewiesen, daß der Binde-Schlüssel ein bloßes Menschen Werck sey, und wir desselben Meinung in ratione prima decidendi summarisch vorgestellet haben; Also hat er auch auf die dicta der Heil. Schrifft, die man insgemein zu Behauptung dessen Göttlichen Ursprungs, anführet, sehr ausführlich geantwortet. d. lib. 1. cap. 8. p. 148. seq. & cap. 9. p. 187. seq. Das fürnehmste hiervon nur zu berühren so antwortet er auf die dicta: Einen ketzerischen Menschen meide. etc. Mit demselben solt ihr auch nicht essen etc. Cibum cum ejusmodi non capere, non commisceri, uti & haereticum vitare, & id genus alia in N. Testamento monita, non magis mihi videntur Excommunicationem, quo trahi saepius solent, innuere aut spectare, quam in veteri: Beatus vir, qui non abiit in consilio impiorum &c. aut: Non sedi cum concilio vanitatis, & cum iniqua gerentibus non introibo &c. & id genus compluria. Neque enim in his neque in illis quid continetur, quo Status personae alicujus, ut in excommunicatione per separationem mutandus, sed tantum peculiaris vitae institutio seu consilium illi, qui sic non commisceretur, cibum non sume
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ret, haereticum vitaret, in concilio ejusmodi non sederet, nec sic introiret. Auf die Historie von Blutschänder aus der Epistel an die Corithier antwortet er, daß zwar die letzten Worte des Capitels, Auferte malum illum a vobis, thut den bösen Menschen von euch, auf die Excominunication gezogen werden könten, wenn nur nicht in denen ältesten Exemplarien an statt das Neutrum zulesen wäre, und also so viel bedeutete; leget ab das Böse. Die Ubergebung des Satans, mit der Paulus den Blutschänder beleget, beweiset er eine wundersame geistliche Würckung gewesen zu seyn, daß sie also nicht auf die gemelne Jüdische Excommunication könne gezogen werden, sondern zu der wunderthätigen Krafft der Apostel gehöre. Er beweiset ferner aus dem Zustand der damahligen Jüdischen Excommunication, daß secundum regulas bonae interpretationis durch die Schlüssel des Himmelreichs, die Christus Petro zu geben verspricht, man möge nun das Binden und Lösen auslegen wie man wolte, der Kirchen-Bann, oder etwas das dem ähnlich sey, keines weges könne verstanden werden; ja es wäre auch solche Auslegung dem Gleichnüß, das von denen Schlüsseln hergenommen worden zu wider. Denn man verschlösse zwar denen die draussen sind die Thüre mit denen Schlüsseln, oder verschlösse die drinnen sind, daß sie nicht heraus könten, aber man brauchte die Schlüssel nicht als ein Instrument, andre Leute aus der Thüre hinaus zu stossen; (Claves esse instrumenta exclusionis & retentionis, non expulsionis) Und weil die Jüden damahls weder den Gebrauch noch die Macht gehabt, die Heyden und Zöllner zu excommuniciren, auch die Heyden secundum naturam excommunicationis, vermöge welches die Gliedmassen der Jüdischen Kirchen allein der Excommunication wären unterworffen gewesen, kein Objectum excommunicationis debitum gewesen wären; Als könte ein Blinder greiffen, daß wenn Christus sagte: man solte den, der die Gemeine nicht hören wolte, für einen Heyden und Zöllner halten, es ohnmöglich den Verstand haben könte, der ihm in Pabstthum angedichtet worden, als ob es so viel heisse man solte ihn in Kirchen-Bann thun. Endlich beweiset er auch ex antiquitatibus Judaicis auf das allerherrlichste, das Binden und Lösen, man möge es auch nun auslegen wie man wolle, in heiliger Schrifft niemahlen den Kirchen-Bann bedeuten könne. Wie nun alles dasjenige, was Seldenus von denen Auslegungen besagter Oerter heiliger Schrifft anmercket und ausführet, nicht aus subtilen Speculationen hergenommen ist, sondern so zu reden ex sensu communi herfliesset, und man sich dannenhero bil
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lig lich wundern müssen, wie doch die Gelehrten auch unter denen Protestirenden so lange Zeit sich die Papistischen Erklärungen haben können verblenden lassen, auch nach so klahrer Weisung des Betrugs sich so viele finden, die diese Papistische Auslegungen noch defendiren wollen, wenn man nicht wüste, daß das Interesse und der Eigennutz allen Menschen die Augen des gesunden Verstandes zu verblenden pflegte, daß sie wahrhafftig dasjenige nicht sehen, was doch alle unpartheyische Menschen erkennen; (Johanne Lightfoot.) Also hat gleichfalls ein Unpartheyischer anderer sehr gelehrter Mann Johannes Lightfoot in horis hebraicis super Evangelistas eben dasjenige, was Seldenus intendiret, über die vorangezogenen Oerter, die aus denen Evangelisten genommen sind, ex antiquitatibus Judaicis durch viele Beweise dargethan. Sonderlich aber gehöret hieher, was er ad Matth. c. 16. v. 19. p. 382. & ad Joh. cap. 20. vers. 23. p. 1142. seq. über das Binden und Lösen, item die Sünde erlassen und behalten, für Auslegung macht. Ligare & solvere est agenda prohibere & permittere. Potestas ligandi & solvendi erat circa articulos legis, altera Joh. 20. v. 23. est circa peccata hominum. Illa circa doctrinas, haec circa personas, i. e. potestas terrendi rebelles morte aut plaga aliqua corporali & potestas tradendi Satanae, qua nequaquam significatur excommunicatio, (Johanne Benedicto Carpzovio wider Scherzern.) sed divina quaedam & miraculosa potestas. Ob nun wohl andere als Scherzer System. Theol. loco 25. pag. 695. dem Lightfoot und Seldeno contradiciren und diese Auslegungen nicht wollen gelten lassen; so ist es doch an blossen contradiciren nicht gelegen, zu mahlen nachdem ein sehr berühmter Leipziger Theologus D. Johannes Benedictus Carpzovius des Lightfooti Werck mit einer herrlichen Vorrede recommendiret; allwo der lange Locus besagter Vorrede oder Epistolae dedicatoriae a versic. supprimant, quantum possunt &c. ad verba: nugator ipse sit omnium maximus eben auf diese Contradiction des D. Scherzers zielet, wie noch vielen in Leipzig wird bekand seyn, die da wissen, was damahlen vorgegangen. Nehmlich es hatte D. Scherzer in dem Systemate Theologico, als es zur selben Zeit noch in MSC. ware, von der Meynung des Lightfoots gesagt, es wären nugae: Hierübereyfferte sich Carpzovius, der kurtz vorher dieselbe Meynung auch dem Volcke in der Predigt recommendiret hatte, daß er in citirten Loco dergestalt wider Scherzerum loßzog und ihn, Lightfooten zu revangiren, wiederum nugatorem maximum nennete. Inzwischen ist doch besagter Locus, als der viel vernünfftige Sachen in sich hält, denenjenigen, die noch denen alten Praejudiciis anhängen, sehr zu recommendiren.
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Ob auch wohl ein neuerer Scribent, Joh. Barthold. Nimeyer in(Anmerckungen über Nimeyers Tractat von der Kirchen-Disciplin.) tractatu de disciplina Ecclesiastica den gemeinen Irrthum zu defendiren, auch die bißher erzehlten Explicationes zu refutiren sich unterstanden, so sind doch bey selbigen nur lauter Contradictiones oder Petitiones Principii, oder Mutationes Status controversiae an statt gegründeter und vernünfftiger Rationum anzutreffen. Denn 1) da er dissert. 1. §. 12. & 13. des Seldeni Auslegung von Binden und Lösen refutiven will, vergißt er die rationes Seldeni aufrichtig anzuführen und zu beantworten, und hält sich nur an etliche neben Umstände, die Limborch Theol. Christ. lib. 7. c. 18. §. 26. dieser Explication mit angehängt hatte, und die an sich selbst dem Grund der wahren Auslegung weder etwas geben noch nehmen. Ferner gestehet er 2) ead. disp. 1. §. 17. p. 13. daß aus dem Dicto: Haltet ihn vor einen Heyden und Zöllner, aus oben erzehlter Ursache directo keine Excommunication bewiesen werden könne; was er aber darbey ibid. & disp. 2. §. 19. p. 50. de probatione indirecta anhänget, ist als eine mera petitio principii, oder auf das glimpflichste zu reden als ein argumentum tantum illustrans, non probans anzusehen. 3) Hat er d. exerc. 1. passim, maxime v. §. 39. p. 27. seq. vieles de clave errante eingemischt nemlich wenn der Prediger unschuldige Leute in der Beichte bände, und die Ubelthäter lösete- Wo aber dieser clavis errans in der heiligen Schrifft oder gesunder Vernunfft gegründet sey hat er nirgends gewiesen, wird auch solches nimmer thun können, weil clavis errans nicht so gut als ein Dietrich oder Diebsschlüssel, sondern ein untüchtiger nichtstaugender Schlüssel ist, und mag dannenhero der Autor zusehen, wie er solches gegen das heilige Predig-Amt sich zu verantworten getraue, daß er dieselben mit so einen untüchtigen & in cerebro otiosorum hominum verfertigten Schlüssel beschencket. 4) Hält er zwar das Anathema Concilii Tridentini wider diejenigen die da fürgäben, daß die Absolution in der Beichte kein Actus judicalus sey d. disp. 1. §. 47. p. 32. gantz recht mit unsern Theologis für verwegen; nichts destoweniger aber schreiber er dem Evangelischen Binde-Schlüssel disp. 2. §. 6. p. 41. vim & potestatem in foro Ecclesiae externo zu. Ob nun aber potestas fori externi sine actu judiciali concipiret werden könne, und er also in der That nicht papentze, lasse ich einen jeden vernünfftigen Juristen beurtheilen, zumahl da er alsbald §. 7. p. 42. mit dürren Worten sagt, quod ligatio & solutio in foro externo exerceatur potentia jurisdictionis und bald §. 9. p. 43. gestehet, quod appellatio jurisdictionis in Ecclesia nonnihil recentior sit (das heist auf gut Deutsch, es ist diese Juris
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dictio in Pastthum auffkommen) neque eandem primis seculis (Ecclesiae Apostolicae) fuisse usurpatam, mithin aber die Articulos Smalcaldicos die er in kurtz vorhergehenden §. 8. angezogen hatte, per indirectum reprimendiret. 5.) Gestehet er d. disp. 2. §. 33. p. 59. daß die Jüden in der Babylonischen Gefängnüß die segregation, (das ist, die excommunication mit Haut und Haar) erdacht hätten, und stößt damit alles, was er in seinen tractat de origine divina clavis ligantis gelehret hatte, auf einmahl wieder über den Hauffen. 6) Will er zwar d. disp. 2. §. 72. & seq. p. 89. seq. die obgedachte Meinung, daß die Ubergebung des Sünders an den Satan eine Wunderkrafft der Apostel bedeute, refutiren, es sind aber nur schlechte contradictiones und petitiones principii, was er darwieder auffbringet. 7) Bemühet er sich sehr disp. 4. §. 67. seq. p. 187. seq. die weltliche Obrigkeit zu bereden daß sie dem Predig. Amt den grössern Kirchen-Bann wieder einreumen solten. Nachdem er aber wohl gemerckt, daß ihn die Meinung Lutheri in wege stehe, da er in artic. Smalcald. tit. de Excommunic. außdrücklich geschrieben, quod major excommunicatio, quam Papa ita nominat, mere civilis poena sit, non pertinens ad ministros Ecclesiae, so bemühet er sich den Sinn Lutheri zu verdrehen, als wenn er nur von Päbstischen Mißbrauch rede, gleich als ob Lutherus an statt der Worte quam Papa ibi nominat, gesagt hätte, qua Papa vel Pontificii hactenus usi sunt. Welche Verdrehung ob sie einen Evangelischen Theologo anstehe ich billig eines ieden vernünfftigen Menschen Urtheil überlasse, zumahl da er selbst gestehet, daß dieser grössere Bann, wie er auch bey uns gebräuchlich ist, eine Bürgerliche Straffe sey. Und möchte ich wohl wissen, was er dann durch denn grössern Kirchen-Bann verstehe, oder wie derselbe außsehe, den man wieder einführen solle. Denn der grosse Kirchen-Bann ist in diesen Ansehen nicht sündlich, weil er eine weltliche Straffe ist, denn sonst könten ihn auch Evangelische Fürsten nicht brauchen, sondern weil das Predig-Amt sich desselben bedienen, und also in das Amt der weltlichen Obrigkeit greiffen will. (Auf was Masse das Pabstthum zwey unterschiedene Dinge vermischt.) Bey dieser Bewandnüß aber ist nun ferner nöthig zu erinnern, daß alle diese bißher erzehlte Unförmligkeiten daher enstanden, weil das Pabstthum, und mit ihm diejenigen, die der weltlichen Obrigkeit unter dem Schein geistlicher Dinge nach dem Schwerd greiffen, zwey sehr unterschiedene Dinge mit einander vermischet haben. Nemlich die Versagung der Absolution, und die Ausschliessung von Abendmahl. Jenes ist cessatio actus, dieses actus positivus; jenes zwinget niemand, sondern
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es gründet sich auf eigene Freyheit, und will nur nicht gezwungen seyn, dieses aber will andre Leute binden und zwingen. Wenn die Beichte von Christo eingesetzt wäre, möchten die Prediger sich wohl damit entschuldigen, daß sie ja keiner Gewalt sich anmasseten, wenn sie einen nicht absolvireten, sondern nur dasjenige nicht thäten, was sie nach ihren Gewissen nicht thun könten, und wenn auch ihr conscientia erronea seyn solte, solte man sich doch ihrer erbarmen und nicht in sie dringen, daß sie wider ihr Gewissen handelten. Dieweil aber der Beichtstuhl als vorher gezeiget worden, in der Kirche wegen guter Ordnung von Menschen erfunden ist, und dabey hergebracht, daß es sich nicht schicke, einen unabsolvirten zur Beichte zu lassen, hat das Pabstthum dadurch Gelegenheit genommen, einen eben durch die Versagung der Absolution von Abendmahl zu stossen, und actum positivum cum negativo zu cumuliren, auch so dann den praetext des Gewissens zum öfftern zum Deckel der Boßheit zu gebrauchen, und aus der Versagung der Beichte einen Binde-Schlüssel und actum jurisdictionis sich zu schmieden. Man kan aber bald erkennen, ob ein Prediger ex conscientia etiam(Ken̅zeichen eines aus Schwachheit irrenden Predigers,) errante jemand die Absolution versaget, ohne sich eines Zwanges anzumassen, der wird bescheidentliche Vorstellung bey seiner Obrigkeit thun, warum er solches nicht thun könne, er wird bitten und flehen, man solle ihn nicht nöthigen, wider sein Gewissen etwas zu thun, er wird sich erklähren, daß er denen Befehlen der Obrigkeit nicht widerstreben wolle, weil er aber wegen seines Gewissens solches nicht thun könne, wird er demüthig bitten, ihn lieber honeste zu dimittiren u. s. w. Ist er aber(Und einestrotzigen Gern-Pabsts.) von denen Principiis des Pabstthums eingenommen, so setzet er alle Bescheidenheit gegen die Obrigkeit beyseit, er fraget dieselbe nicht, was zu thun sey, sondern er trotzet auf sein Amt und Binde Schlüssel, er fängt ab executione an, er trotzet, daß er sich lieber 1000mahl wolle absetzen lassen, als der Obrigkeit Befehlen gehorchen, er macht auff der Cantzel das Volck wieder die Obrigkeit rege, und schilt auff die Obrigkeitlichen Befehle und Verordnungen, sonderlich aber wenn man ihn seines Amts erlassen will: oder wenn er ja es so grob nicht macht, so sucht er doch mit ausgekünstelten Seuffzen und Klagen, und dabey gemißbrauchten Oertern der heiligen Schrifft das Volck wieder die Herrschafft zu erregen, welches, wie es hämischer als das erste ist, also ist es auch desto gefährlicher, und straffwürdiger.
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(Daß der (VI) Zweiffel keiner fernern Beantwortung brauche.) Die IV. Ratio dubitandi, als die eigentlich von der Excommunication grosser Herren selbst handelt, braucht nunmehro keines weitern Widerlegens, nachdem man in rationibus decidendi sattsam bewiesen, daß die weltliche Obrigkeit weder mit den grössern noch kleinern Kirchen-Bann belegt werden könne: Und weil die 4. Ratio dubitandi auf die drey vorhergehenden sich stützet, als fället sie nunmehro, nachdem diese 3. Stützen ruiniret worden, von sich selbst über den Hauffen. (Das Exempel des Käysers Theodosii ist die Hauptstütze der Päbste.) Das Exempel des Käysers Theodosii muß sich von denen Gern-Päbsten sehr leiden und herhalten, denn es ist nicht leicht ein einiger, auch noch so geringer, der einen Pabst in Leibe hat, der nicht damit aufgezogen käme, und dieses Exempel grossen Herren recommendirte, daß sie fein dem Käyser Theodosio nachfolgen, und sich von denen lieben Herren solten excommuniciren lassen. Wenn aber ein verständiger Mensch dieses Compliment lieset, gemahnet es ihn nicht anders, als wenn er den Pabst selbst und zwar ein recht Original von eiuem Pabste den Sixtum V. vor sich hätte, der mit eben dergleichen Compliment dem König in Franckreich Henrico III. das Gewissen rühren wolte: Theodosius Imperator Augustus, spricht er in einer an die Cardinäle gehaltenen Oration wider den König in Franckreich Henricum III. ob caedem Thessalonicensium a sancto Ambrosio Mediolanensi ab Ecclesiae liminibus repulsus & exclusus fuit, & ille humiliter obedivit, & Theodosius quidem non erat vilis persona vel plebeja, sed vir magnus & insignis, & erat clarissimus imperator, qui multas de tyrannide victorias, sed divinitus paratas reportaverat, de quo & Claudianus tamen, etsi gentilis, cecinit;
O nimium dilecte Deo, cui militat aether, Et conjurati veniunt ad classica venti. Erat Theodosius Imperator Universi orbis, non unius vel alterius regni, veluti Rex Franciae; sed obtinebat universum Imperium, & omnia illius regna talia habebat. Habebat enim & Galliam, seu Franciam, & Hispaniam, Hungariam, Dalmatiam, Graeciam, Asiam cum tot Regnis & Provinciis, Syriam, AEgyptum, & Africam, itaque non unius regni Rex erat, sed multa tenebat regna, & imperia, & nihilominus lachrymis & magno dolore animi facinus & peccatum suum confessus, poenitentiam a S. Ambrosio suscepit, & ingenti cum humilitate peregit, paratissimum se exhibens ad mandatum non Papae, sed Archi-Episcopi tantum, ac ita in Ecclesia & ad sacramenta admissus fuit, &c. Quo factum est, ut Deus illi deinde semper assisteret, & faveret, ac praeterea, cum
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ipsi succederent & filii & nepotes, Imperatores Augustus relinqueret. Si igitur ad mandatum Episcopi non vilis aut humilis aliqua persona, sed tantus Imperator humillime paruit & obedivit, poenitentiam suscepit, implevitque, quanto magis & alii id Reges sacere debent. Gregorio Leti nella vita di Sisto V. Parte II. Libro V. pag. 371. Sind nun das Compliment dieses Pabsts und das Compliment der heutigen Theologen von Theodosio nicht einander so ähnlich als ein Ey den andern wohl zu seyn pfleget, und solten grosse Herren nun nicht einmahl mercken was darhinter stecket? Gewiß, hätte Theodosius den Ambrosium fein in Arrest nehmen lassen, und mit harter Bestraffung seiner unverschämten Frechheit seine Autorität besser mainteniret, so hätten hernach die Päbste nicht so leichte böse Exempel von diesen kühnen Vornehmen genommen, und wären viel Zerrüttungen des Staats nachgeblieben. Der sonst dem Ambrosio ziemlich zugethane(Falsche Beschuldigungen des Theodosii wiederleget aus Melanchtone.) Philippus Melanchton, ob er schon diese excommunication piam severitatem nennet in Chron. Carionis lib. 3. de Theodosio, entschuldiget doch an eben den Orte den Theodosium wegen der That, deßhalb ihn Ambrofius excommuniciret hatte, mit sehr nachdrücklichen und nachdencklichen Worten, und refutiret diejenigen, die da falsche Ursachen angeben, des Ambrosii Fredel desto eher damit zu beschönen. Denn man gibt insgemein vor, Theodosius habe deßhalb so viel von dem Volck zu Thessalonica umbringen lassen, weil sie liederliche Schmähe-Worte wieder ihn ausgegossen, oder eine ihm oder seiner Gemahlin aufgerichtete Ehrenseule niedergerissen hätten, welches doch ungegründet ist. Ein Fuhrmann der zu denen Circensischen Spielen gebraucht wurde, hatte einen jungen Menschen geraubet, feine unflätige Lust an ihn zu büssen. Diesen hatte der Käyserliche Obriste lassen gefangen nehmen. Das Volck aber suchte die Loßlassung dieses Bösewichts, und als der Obriste nicht drein geheelen wolte, fieng das Volck einen Tumult an, darinnen nicht allein der Obriste, sondern auch etliche andre Obrigkeitliche Personen umgebracht, gesteinigt, und zu grossen Despect der Käyserlichen Autorität und gemeiner Zucht dero todte Cörper mit vieler Beschimpffung durch die Stadt geschleppet wurden. Nun war hier eine dreyfache Mißhandlung fürhanden: 1) daß sie so ein Bubenstück des Fuhrmanns nicht hatten wollen straffen lassen; 2) daß sie dieser schändlichen That zu Behuff einen Tumult angefangen; 3) daß sie so viele vornehme Kayserliche Bediente so jämmerlich ermordet. Da nun wegen solcher wichtigen Ursachen der Kayser in rechtmäßigen Zorn entbrant ware, muß
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man nicht meinen, daß er als ein Tyranne gesündiget habe, sagt Philippus d. l. die um keiner oder geringer Ursachen willen grosse Grausamkeit ausüben, obschon in modo verstossen war. Denn bey grossen Leuten, wie Theodosius war, entbrennet der Eyffer die Ubelthaten zu straffen sehr hefftig. (Was von Ambrosii Facto zu halten.) Das Factum Ambrosii selbst betreffend, hat ein vornehmer Theologus und itzo Professor primarius zu Leipzig D. Adam Rechenberg Volum Dissert. Historico-Politic. Part. 2. Dissert. 10. die hauptsächlich de excommunicatione Theodosii handelt §. 17. gar herrlich ausgeführet, daß Ambrosius mit dieser excommunication wieder seine Gebühr gehandelt, weil es denen Priestern nicht zustehe, sich über die Könige und Fürsten, deren Unterthanen sie sind, zu Richtern aufzuwerffen, und sie als (Woher die Unserigen die Gegentheilige Meynung zu vertheydigen verfallen.) wenn sie ihre Unterthanen wären zu bestraffen, oder zu discipliniren. Daß aber endlich bey der 4ten ratione dubitandi consensus variorum Dd. de excommunicatione minore erga Principes ex hypothesi Evangelicorum exercenda angeführet worden, ist nicht zu verwundern, theils weil es propter deficiens studium antiquitatis Ecclesiasticae nicht wohl anders seyn können, theils weil die Scribenten gewohnet seyn, immer einer den andern auszuschreiben. Quoad verba (Hülsemanns Ansehen und Eigenschafften.) diserta ist wohl der in ratione dubitandi 4. allegirte Hülseman der erste, der die Sache so hin geschrieben, auf diesen beziehet sich hernach Danhauer; auf beyde Stryke, (auch Ziegler und andre) und auf alle drey der oben citirte neuere Scribente D. Niemeyer de disciplina Ecclesiastica disp. 2. §. 30. (wie wohl dieser auch auf die gantz Papistische Sentenz des Gisberti Voëtii, die allbereit oben in dicta ratione dubitandi quarta beschrieben worden, auch auf den Papisten Du Pin sich beruffet.) Was aber D. Hülseman für einen Feuergeist gehabt, davon weiß die Braunschweigische Kirche intuitu controversiae Calixtinae gnung zu sagen. Es ist zwar unter denen Scribenten, die das jus excommunicandi principes excommunicatione minore statuiren, auch Grotius mit gezehlet worden in dicta ratione dubitandi 4. wenn man aber Grotii locum eigentlich ansiehet, so redet er nicht de excommunicatione minore, sondern de simplici negatione absolutionis, unter welcher und unter der exclusione a coena ein grosser Unterschied ist, wie oben in responsione ad rationem dubitandi tertiam deutlich gezeiget worden. (Kurtze Beantwortung des (V)) Die V. Ratio dubitandi, daß nemlich Evangelische Prediger sonderlich in diesen Fall Principes excommuniciren könten, wenn es das Interesse religionis Evangelicae beträffe, und etwann zum Vortheil
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des Pabstthums a Principe was verhänget würde, findet ihre refutation in dem was oben in ratione decidendi 7. ausführlich gelehret worden, daß es also hier keines ferneren erinnerns bedarff, zumahl da des dabey allegirten Hülsemanni Lehre de excommunicatione extra Parochiam in nichts als pure Päbstischen doctrinis gegründet ist. Und eben dieses ist auch(Und (VI) Zweiffels.) quoad rationem dubitandi VI. zu bemercken. Denn was der dabey allegirte Hülsemann abermahls lehret, daß man zwar Principes de jure excommuniciren könne, aber dabey ratione facti caute verfahren und, wenn Gefahr fürhanden, etwas nachgeben müsse, das lehren auch alle Papisten, und ist diese cautel billich inter cauteles Jesuiticas zu rechnen. Bey dieser Bewandnüß nun ist bey dieser ersten Frage nichts mehr übrig, als daß man dieselbe nunmehro in GOttes Nahmen beschliesse, und zu Abhandlung der andern Frage schreite. Die andre Frage ist: Wie und welchergestalt des Herrn(Die II. Frage.) Hertzogs Durchl. als ein Christlicher Regente gegen seinen Hof-Prediger und Hoff-Cappellan zu verfahren befugt, zumahl wenn selbige ihre bißherige Conduite continuiren solten? Diese Frage desto(Summarische Vorstellung von der Prediger bißherigen Conduite.) deutlicher zu beantworten, muß erstlich, aus der specie facti kürtzlich vor Augen gestellet werden, worinnen ihre bißherige conduite bestanden. 1) Haben beyde die Printzeßin eyffrigst zu sprechen gesucht, u. in ihren Predigten scharff gegen die Catholischen loß gezogen, was die Veränderung der Religion vor eine böse Sache sey, und wie übel diejenige thäten, so andre darzu persuadirten, weitläufftig vorgestellt, und dieser letztern Consilia mit Ahitophels Rathschlägen verglichen. 2) Haben sie zwar die Fürstlichen Personen dabey nicht genennet, aber doch die Sache dergestallt getrieben, daß die, so um die Geheimnüß gewust, leicht mercken können, wer drunter gemeinet sey, andre aber dem Geheimnüß nachzuforschen durch die continuirung dergleichen Predigten Verdacht und Anlaß bekommen, dasselbige zu erforschen. 3) Als S. Hochfürstl. Durchl. ihnen schrifftliche, iedoch glimpfliche, und zum Uberfluß mit sehr vernünfftigen rationibus angefüllete Andeutung thun lassen, von dieser gleichsam forcirter Besuchung der Princeßin abzustehen, haben sie in der Schrifft sub. n. 1. die von Seiner Hochfürstl. Durchl. gebrauchte phrasin, die Princeßin nicht irre zu macheu scoptice und hönisch beantwortet, 4) viele in facto ungegründete, und S. Hochfürstl. Durchl. höchst touchirende Umstände der Sache angedichtet. 5) S. Hochfürstl. Durchl. beschuldiget, als ob sie eine in GOttes Wort nicht gegründete noch von den Aposteln bey Bekehrung der Völcker, wohl aber von Römi
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schen Meß-Priestern und Missionariis frequentirte praxin und methode, die Protestanten zu ihrer Religion zu bereden, brauchten. 6) Sie mit Nadab, Abihu, Usa u. s. w. verglichen. 7.) Sich eines von GOtt allein dependirenden Amts gerühmt, und sich solches zugeschrieben. 8) Communication derer responsorum, die S. Hochfürstl Durchl. für sich zu haben gemeldet, begehret, damit sie dieselbe examiniren, und prüffen könten, wie weit sie sich in dieser Sache mit Predigen, absolviren und communiciren zu verhalten hätten. 9) Ferner in dem andern Schreiben sub n. 3. S. Hochfürstl. Durchl. einer schweren Sünde beschuldiget, als die da äusserlich Macht und Gewalt an ihnen brauchten. daß sie das von ihrer Herrde verirrete Schäflein nicht suchen dürfften. 10) Das ihnen a Serenissimo communicirte responsum Calixtinum per omnia praedicamenta durchgezogen, und cum Serenissimo darüber zu disputiren sich unterfangen. 11) Und S. Hochfürstl. Durchl. zu gemuthet, zufrieden zu seyn, daß sie mit einigen Theologischen Facultäten und Collegiis communicirten, und sich über der admission S. Hochfürstl. Durchl. ad S. Coenam auch wegen des öffentlichen Elenchi belehren liessen. 12) Nach der ex Senatu sanctiori ihnen darauff gegebenen Weisung fortgefahren diese Sache zu berühren, und S. Hochfl. Durchl. per indirectum anzuzapffen, damit die Zuhörer unruhig zu machen, und andern Predigern dadurch böse Exempel zu geben. (Unreine Quellen aus welchen die Schein-Ursachen diese Conduite zu vertheydigen, herzunehmen.) Nun ist hierbey anfänglich kein Zweiffel daß, wie man allbereit aus denen Beylagen sub n. 1. & 3. selbst siehet, die beyden Prediger sich persuadiren, auch ohnstreitig werden andere persuadiren wollen, daß sie in dieser bösen Sache noch recht überley haben, und anstatt, daß sie sich einer Straffe würdig achten solten, wenn ihnen selbst diese Frage solte vorgeleget werden, vielmehr S. Hochfürstl. Durchl. für höchst straffwürdig erkennen würden, auch gar leichtlich von andern Theologischen Facultäten oder Collegiis darinnen dörfften Beyfall finden. Denn wie diese Leute und die ihres gleichen sind, mehr in denen Consiliis Wittebergensibus & Dedekenni, als in den reinen und lauteren Wort GOttes studiren, und auch die Gottlosesten und absurdesten Meinungen, die sie in jenen häufig finden, wenn sie nur das von dem Seel. Luthero vorlängst geprophezeyte Affter-Pabstthum stercken, viel höher achten, als Unsers Heylandes Christi und seiner heiligen Apostel Lehre; Also werden sie darinnen wohl tausend absurde und unchristliche, dabey aber mit verfälscheten Sprüchen der heiligen Schrifft und dem Schein eines gottseeligen Eyffers angefürnißte rationes finden, ihre böse Sache damit zu
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beschönen, dergestalt daß es einem vernünfftigen und unpartheyischen JCto schwer fället, dieselbe eben genau zu errathen. Gleichwohl aber ist kein Zweiffel, sondern sehr vermuthlich, daß sie über die bey der ersten Frage allbereit angezogene und widerlegte Rationes dubitandi sich etwann auch der folgenden bedienen dörfften. I. Wird ihnen der Locus Hülsemanni vortreflich anstehen, da((1) Die von Hülsemanno angeführten Sprüche der heiligen Schrifft.) er de corrept. Fraterna §. 17. n. 353. p. 331. also schreibet. Multo minus adigi poterit (Pastor) ad Palinodiam ob Elenchum vel Epanorthosin individui unius vel alterius, si existant illa crimina & vera sunt, a quibus Pastor etiam publice unam vel plures denominat & flagellat. Deinde si post adhibitos gradus illud facit. Non magis inquam injuriarum conveniri poterit, quam Jesaias, qui Principes & cives suos facit fures & socios furum Jes. 1. Frivolum enim est, Epanorthoses hasce nominales & personales ad facta Heroica restringere, & communi Pastorum officio Elenchtico in Theoricis, Epanorthotico in moralibus vitiis hanc facultatem derogare. Quum nimis apertum & manifestum sit Apostoli praeceptum 1. Tim. V. Peccantes coram omnibus argue, ut caeteri timeant, & exempla de nominetenus excommunicatis nimis sint luculenta. Legantur Chrysostomi invectivae in Gainam, in Eatropium, ejusque Commentarii in illud: argue Tit. 1. 13. & in II. Cor. XIII, 10. Ne utar potestate mea . Ubi adverbium hoc non solum de excommunicatione sive praecisione a coetu, sed de praecedanea quoque distincta & nominali correctione singulorum exponit, idque exemplis Nathanis nominetenus corripientis Davidem, Eliae, nominetenus Achabum, Jeremiae & Johannis Baptistae publice & de nomine castigantium Jechoniam, Sal um, Zedekiam, & Herodem Reges demonstrat &c. II. Kömmt ihnen hauptsächlich((II) Eben desselben rares Brocardicum.) das Brocardicum zu statten, das besaater Hülsemann d. l. n. 75. p. 339. ad marginem drücken lassen. De correptione ex cathedra non praesumitur dotus, quia fit in loco judicii. III. Werden sie auch freylich((III) Sehr notabler Ort aus dem Dedekenno.) sich auf ihren Dedekennum Part. 1. fol. 897. num. 27. beruffen: Ob das Straff-Amt gegen die Obrigkeit sey ein Crimen laesae majestatis? Mit nichten. Höre mein lieber Christ, und bedencke es fein bey dir selbst. Ists nicht eine grosse Majestät die dich strafft, nemlich GOtt der heilige Geist. Deine Prediger oder dein Seelsorger, der dich strafft, ist zwar für der Welt in armer elender sündiger Mensch, und geringschätzige Person. A
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ber derselbe ists nicht, der dich Principaliter, insonderheit und eigentlich für seine Person strafft, sondern der H. Geist ists, der dich straffet, der mit dir durch deinen Prediger redet. Der Prediger thut nichts mehr dazu, denn daß er dem Heil. Geiste seine Zunge, Hand und Mund leihet, wenn er dir GOttes Wort prediget, und die H. Sacramenta reichet, der H. Geist aber ists, der das Wort redet und führet. Bedencke, ob du elender Mensch nicht ein crimen laesae majestatis divinae committirest, und dich an der hohen göttlichen Majestät GOttes des H. Geistes vergreiffest, wenn du so aufgeblasen, stoltz und vermessen bist, und des H. Geistes Straffe nicht leiden willst. Zu deme, wenn die Prediger die Obrigkeit straffen, so verwerffen und verdammen sie nicht das Amt der Obrigkeit an ihm selbst, sondern sie straffen die Sünde an der Obrigkeit, und den Mißbrauch des Amts. (Dreyfache Beantwortung des (I) Zweiffels.) Wann dann nicht undienlich seyn wird diesen Schein Rationibus für allen Dingen abzuhelffen, so ist auf die I. leichtlich zu antworten: 1) Daß die Exempel der Propheten und Apostel auf Papistische Weise auf das Amt unserer heutigen Prediger appliciret werden, per latius dicta in responsione ad quaestionis primae rationem dubitandi primam. 2) Ist das Dictum des Apostels: peceantes coram omnibus argue von Hülsemannen gantz unrecht appliciret worden, als ob der Apostel befohlen hätte, daß man die Sünder öffentlich prostituiren solte. Denn ob wohl unser seel. Lutherus selbst darinnen gefehlet, wenn er den Ort des Apostels übersetzet: Die da sündigen, straffe für allen, so hat doch Hülsemann dieses nicht aus Unwissenheit sondern wieder sein besseres Wissen und Gewissen gethan, indem er in eben dem Tractat §. 12. n. 272. p. 128. seq. sich selbst widerleget, wenn er schreibet: Publieum peccatum, quod Pastoraliter arguendum est, ipse sie descripsit Apostolus 1. Tim. V, 20. Peccantes coram omnibus argue. Etsi non nesciam, illud coram omnibus a quibusdam referri ad solum praedicatum: argue coram omnibus. Sed versus antecedens ostendit, subjectum propositionis non posse de occultis delictis intelligi. Und also muß es verdeutscht werden: Die da für allen oder öffentlich sündigen, die bestraffe. Nehmlich gebührend, und nicht mit öffentlicher Beschimpffung. Die fälsche Erklährung gründet sich auf Papistische Principia wie denn die Papisten auch einen andern Locum des Alten Testaments Levitici 19. v. 17. also verfälschet haben. Vulgata
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quidem in illo Levitici habet: Publice argue eum. Sed nec in origine, nec in versione aliqua alia vetustiori respondet ibi publice &c. Et irrepsisse non dubito hic publice ex eo, quod ante tempus vulgatae versionis opinio inoleverat de jurisdictione, quam Ecclesiasticam nuncupant, legitima, eaque, ut jure Evangelico fundata, qua publice in jus vocando peccatores citra commonitionum temperamenta praescripta eos pudore suffundentes coarguebant. Seldenus de Synedriis p. 194. 3) Setzen wir billig des Hülsemanns loco einen schönen locum ex Hugone Grotio de imperio sum. potest. circa sacra c. 9.(Sonderlich ex Hugone Grotio) §. 19. p. 127. seq. entgegen, zumahl da daraus erhellet, wie unförmlich Hülsemann das Exempel Rathans und Johannis des Täuffers angezogen. Wir wollen nur das vornehmste daraus excerpiren. Injuriam faciunt Evangelio, qui Clavium nomen tribunitiis concionibus obtendunt, & summarum Potestatum facta ambiguae interpretationis, aut parum, aut certe aliis minus nota (schicket sich überaus schöne auf gegenwärtige Frage) quanta possunt acerbitate traducunt palam, idque apud plebem, quam talibus factis mederi nec jus nec fas est, cum interim more humani ingenii, sponte infensa potentibus pessima de iis libenter audiat & facile credat. Unde necessarium est, seditiones sequi, aut, quod seditionis proximum est, contemptum summi Imperii. Neque enim frustra a sapientissimo Scriptore Tacito dictum, ambiguos de Principe sermones, quaeque alia turbamenta vulgi. Atqui multum distant. Evangelii praedicatio & clavium usus. Praedicatio Evangelii cum ad omnes fiat, ita attemperanda est, ut omnibus prosit, satisque habet, de personis silere, de vitiis loqui. Pessimus est mos, suggestum in scenam vertere, & dulcissimam Evangelii vocem in comoediam veterem. Ipsi veteres Romani rem indignam putarunt, si quis crimen audiret eo loco, quo refellendi copia non fuit, ut nos docet Gicero. Sed praecipue summarum potestatum, magistratuumque non vitam tantum, sed & famam Deus sacrosanctam, & suae legis edicto quasi asylo quodam munitam esse voluit. Quid enim aliud illud sibi vult: Principi populi ne maledicito. Exod. 22. 28. &c. Non omittendus hic Toletani concilii Canon: Sed & hoc pro pestilentiosis hominum moribus salubri deliberatione censemus, ne quis in Principem maledicta congerat. Scriptum est enim a Legislatore: Principi populi tui ne maledicito: Quod si quis fecerit, excommunicatione Ecclesiastica plectatur &c. Gravissime peccarat Saul, & Samuel
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iram divinam Prophetica severitate ei denunciaverat: rogatus tamen a Saule, ut coram Senioribus populi & Israële honore ipsum afficeret, atque adeo ipsum assectaretur, non recusat. Davidem adulterii & homicidii reum non apud populum accusat Nathan, sed ipsum accedit. Quod a Baptista quoque in monendo Herode observatum credi par est &c. (Des (II) der Lehr-Stuhl ist kein Richter-Stuhl.) Was die II. Rationem dubitandi betrifft, kan man sich nicht genung verwundern, quo pudore Hülsemann das so hinschreiben können, daß er die Cantzel, wenn sie bey dergleichen Schmähung nach dem itzigen Loco Hugonis Grotii zu einem Theatro in einer Comoedie verbotener Weise gemacht wird, pro loco judicii will ausgeben, die doch niemahls, und wenn auch GOttes Wort lauter und rein darauf geprediget wird, ein Richter-Stuhl sondern ein Lehr-Stuhl ist. Und dienen solche Dinge zu nichts mehr, als daß man sich nur verräth, was man so gerne seyn wolte, und was der Pabst mit dergleichen Brocardicis sich zuwege gebracht hat. Zugeschweigen, daß dieses Brocardicum durch nichts anders von ihm erwiesen wird, als daß er einen Locum aus dem bekanten Juristen Covarruvia anführet, in welchen dieser davon handelt, wenn jemand von andern etwas schimpfliches in loco judicii gesagt hätte, daß man so dann animum injuriandi nicht so leichtlich praesumiren könne. Wie nun aus diesen Loco gemeltes Brocardicum könne geschlossen werden, wird wohl niemand vernünfftiges finden können. (Des (III) Anmerckung vieler darinnen verborgenen elenden Sophistereyen.) Bey der III. Ratione dubitandi ist zwar kein Zweiffel, daß der H Geist die Zunge und den Mund eines treuen Lehrers und Predigers auch wenn er sein Straff-Amt recht übet, als Instrumenta brauche. Gleichwie aber die daselbst formirte Frage de crimine laesae majestatis den Mißbrauch des Straff-Amts praesupponiret; Also kan von diesen Fall nicht ohne offenbahre GOttes-Lästerung gesaget werden; daß GOtt der heilige Geist diesen Mißbrauch selbst begehe, und des Predigers Mund und Zunge als Instrumenta darzu gebrauche. Die letzte Ausflucht, daß der Prediger nicht daß Amt der Obrigkeit, sondern den Mißbrauch desselbigen bestraffe, ist sehr elend ausgesonnen. Jedoch kan die weltliche Obrigkeit hierbey nicht besser thun, als daß sie sich der gemeinen Rechts-Regel: quod quisque juris in alium statuerit, ut ipse eodem jure utatur bedienen, und wenn sie einen solchen Injurianten bestrafft, und er gleichwohl sein heiliges Amt vorzuschützen sich unterstehet, gleichfalls ihm die Antwort, und zwar mit bessern Fug widerfahren läßt: Man bestraffe sein Amt nicht, sondern den Mißbrauch desselbigen.
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Nachdem dieses also zum Voraus erinnert worden, kan man(Daß die Prediger exemplarisch bestrafft zu werden verdienet.) nun ex principiis juris auf die vorgelegte Frage nicht ohnschwer antworten, daß die zwey Prediger quaestionis an S. Hochfürstlichen Durchlauchtigkeit sich schwerlich versündiget, und deßwegen mit einer exemplarischen Straffe (sonderlich, wenn sie mit diesen Unfug continuiren solten) angesehen werden können. Denn I. ist es eine hatte injurie, daß sie ihren Landes Herren, den sie selbst in ihren Schreiben n. 1. für((I) Weil sie ihren Landes Herren unterschiedlich in Worten beschimpfft.) ihren wie von Gnade und Recht hochberühmten, also auch von den Eyffer für die Lauterkeit der Evangelischen Lehre aus Dero Glaubensbekentnüß und Edict weltbekanten Gnädigsten Fürsten und Herrn, und summum Episcopum derjenigen Kirchen, die von Babel außgegangen ist, erkennen, in ihren Predigten mit Ahitophel, in dem Schreiben aber mit Nadab, Abihu, und Usa verglichen, auch dem facto viele falsche und S. Durchl. höchst touchirende Umstände angedichtet, und selbige beschuldiget, daß sie unrechte Gewalt an ihnen, auch die praxin der Römischen Meß-Priester und Missionarien die Leute zu bekehren brauchten. Zum II. kömt es ihnen nicht zu, daß sie sich in geheime Sachen und arcana((II) Weil sie arcana domus propalirt.) domus gemischet, dieselben auf der Cantzel propaliret, oder doch andre denenselben nachzuforschen grosse Anlaß gegeben, sondern sie haben hiermit gleichfalls nicht wenig pecciret, in ein fremdes Amt gegriffen, und schwere Straffe verdienet. Zum III. ist es auch ein nicht geringes((III) Weil sie unter nichtigen Praetex jura patriae potestatis angegriffen.) Verbrechen; daß S. Hochfürstl. Durchl. sie in Dero und Dero Hochfürstl. Herrn Sohns Durchl. hohes jus patriae potestatis unter dem nichtigen Schein, ein ihrer Weyde anvertrautes irriges Schäflein zu suchen, einen Eingriff gethan, und der Princeßin Durchl. gleichsam par force sprechen wollen. Da sie sich doch hätten bescheiden sollen, daß das Gleichnüß von dem ihrer Weyde anvertraueten Schäflein sich für sie gantz nicht schicke, indem, als bey Abhandlung der ersten Frage in ratione decidendi 6. gezeiget worden, weder S. Hochfürstl. Durchl. noch Dero Hochfürstl. Kinder pro parochianis (von denen man sonst diese Redens-Art braucht) zu halten; und sie kein andres und weiteres Recht zu diesen Schäflein haben, als so viel ihnen darüber von S. Hochfürstl. Durchl. eingeräumet ist, die selbiges, nach befinden, allezeit ändern und limitiren kan. Hingegen aber ist das jus patriae potestatis vielmehr ein solches Recht, welches S. Hochfürstl. Durchl. von niemand als GOtt verliehen worden.
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((IV) Weil sie durch ihre praerendirte independenz die hohe Obrigkeit beleydiget, und darinnen fortgefahren.) Zum IV. ist die gerühmte independenz, und daß sie vorgeben, es dependire ihr Amt alleine von GOtt, und sie sich dadurch der Bothmäßigkeit und Gehorsam, den sie S. Hochfürstl. Durchl. auch in Ansehen des Amts selbsten schuldig sind, entziehen wollen, eine Mißhandlung wieder die hohe Obrigkeit, zumahlen da dieselbe dadurch vergrössert wird, daß sie, die Prediger, durch ihre conduite deutlich genung gewiesen, daß dieses ihr Vorgeben nicht nur in blossen Worten oder einer ruhmräthigen jactanz bestehe; sondern daß sie auch in der That bißhero gezeiget, wie sie nicht gesonnen sind S. Hochfürstl. Durchl. Befehlen in so genannten Amts-Sachen ferner zu gehorchen, sondern unter dem praetext dieses ihres independent gerühmten Amts alles nach ihren Gefallen thun, ja ein ihnen nimmer zu kommendes Amt an S. Hochfürstl. Durchl. höchsten Person selbst mit Dero nicht geringen Beschimpfung außüben wollen, inmassen sie weder der Gnädigsten Weisung, die S. Hochfürstl. Durchl. selbst ihnen gethan, noch der Weisung Dero hochpreißlichen Geheimten Raths Collegii Gehöre gegeben, sondern vielmehr die gegebenen resolutiones, und das denenselben aus Gnaden beygelegte responsum, scoptice durchgezogen und durchhechelt, und mit S. Hochfürstl. Durchl. darüber zu disputiren sich unterfangen, und nach wie vor in ihren stachlichten Predigten mit grossen Aergernüß des Volcks auch dadurch verursachter Auffwigelung andrer fortzufahren, welches höchststraffbare Begünstigungen seyn, die nicht nur in GOttes Worte, daß man den Fürsten seines Volcks nicht fluchen oder ihn beschimpffen solle, außdrücklich verbothen, sondern auch durch allgemeine Teutsche Rechte und Reichs-Abschiede absonderlich denen Predigern solches untersaget worden R. Absch. de anno 1530. §. Wir haben, verbis. Die Prediger sollen sich mit ihren Predigen unsern Abschied gemäß halten, und fürnehmlich in ihren Predigen vermeiden und unterlassen, was zu Bewegung des gemeinen Mannes wieder die Obrigkeit, oder die Christen Menschen in Irrungen führen, oder gegen einander zu verhetzen dienen oder Ursache geben möchte. Und insonderheit sollen sie sich der redmassen, so etliche bißanhero zu thun sich nicht geschämet; daß man das Evangelium und das heilige Wort GOttes verdrucken und vertilgen wolle, enthalten; nicht nach eigenen Willen, Nutzen, Neid, Hoffart oder zu Verführung der unverständigen gemeinen Leyen predigen, und was disputirliche Sachen, sich dasselbige zu predigen, und zu lehren, darzu stumpfirens, schmähens und lästerns sich enthalten
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sollen. Welcher Locus deßwegen etwas ausführlicher allegiret worden, weil er sich überaus wohl zu dem in gegenwärtiger Frage proponirten Casu schicket, gleichsam als wenn er darzu in specie gemacht wäre. V. Da denen 2. Predigern wohl bewust seyn sollen, was wegen((V) Weil sie Serenissimum nicht undeutlich bedrohet von Abendmahl auszuschliessen.) des Mißbrauchs der Kirchen-Disciplin auch gegen arme und geringe Leute in denen Braunschweigischen Kirchen-Ordnungen und Edictis (die oben ratione decidendi 3. quaest. 1. breiteren Inhalts angeführet worden) denen Predigern ernstlich anbefohlen sey; auch, wenn sie nur ihre Bibel fleißiger lesen, oder den Sensum communem lieber, als etliche aufrührische Bücher consuliren wollen, leichtlich hätten mit Händen greiffen können, daß die Lehre de licentia excommunicandi Principes eine der vornehmsten Lehren sey, darauff sich der von ihnen so offt ausgeschriene Anti-Christ als auf eine seiner mächtigsten Stützen gründet, und die zu nichts als Aufruhr, Unruhe und Aergernüß anzurichten geschickt ist; haben sie sich nichts destoweniger ihren Hochmuth sich verleiten lassen, daß sie in denen Beylagen sub n. 1. & 3. zu zweyen unterschiedenen mahlen ihren von Gnad und Recht so hochberühmten, und weltbekanten gnädigsten Fürsten und summum Episcopum mit den Kirchen-Bann und Ausschliessung von Abendmahl mit sehr deutlichen Expressionen zu bedrohen sich unterfangen, auch dergestalt sich erklähret, und solche Expressiones gebraucht, daraus ein jedweder vernünfftiger Mensch unstreitig schliessen können, daß sie die Absolution Sr. Hochfürstl. Durchl. gewiß versagen und also so viel an ihnen bereit seyn würden, diese Bedrohung in der That auszuüben, mithin aber, nach ihrer eigenen Art zu schreiben, eine in GOttes Wort nicht gegründete noch von Aposteln bey Bekehrung der Völcker, wohl aber von Römischen Meß-Priestern und Missionariis frequentirte Praxin und Methode die Leute zu bekehren einführen wollen. Und wenn sie ja die Rationes die bey Abhandlung der ersten Quaestion vorkommen nicht hätten bedencken wollen, sondern auch allenfalls denen Predigern zustünde, auf gewisse weise ihre Ober-Herren zu excommuniciren, quod tamen absurdissimum esse satis fuit demonstratum; so hätten sie doch bedencken sollen, daß auch nach der Natur der Excommunication dergleichen fälschlich praesupponirte Licenz, auf gegenwärtigen Fall nicht könne appliciret werden, indem zur Excommunication solche Delicta erfordert werden, die offenbahr seyn, oder durch vorhergegangene rechtmäßige gerichtliche Untersuchung wahr zu seyn befunden worden, dergestalt daß ad excommunicationem nicht genug ist, wenn der Prediger gleich für sich etwas gewiß weiß, wenn nicht
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auch die Sache der Gemeine bekant ist. Brunnem. Jur. Eccles. lib. 1. c. VI. memb. 4. §. 10. Carpz. Jurispr. Eccles. l. 2. def. 284. 285. Ziegl. de Episc. l. 3. c. 11. §. 45. p. 608. Nun aber ist in gegenwärtigen Fall das Factum an sich selbst 1.) nicht gewiß, immassen sie viel falsche Umstände angedichtet, 2.) so ferne es eingeräumet wird, ist es keine Mißhandlung, indem deßhalb S. Hochfürstl. Durchl. vieler gelehrten Evangelischen Männer, so wohl Theologorum als JCtorum responsa in Händen haben; zum wenigsten macht dieser Beyfall 3.) das Factum zweiffelhafft und also beschaffen, daß es die Prediger nicht pro notorie injusto ausgeben können, ob sie gleich mit ihren praeconceptis opinionibus dasselbige dafür halten. 4.) Ist es auch ein Factum arcanum ac paucis cognitum. Derowegen gehören die zwey Prediger unter die Classe dererjenigen über die Grotius in dem in responsione ad rationem dubitandi primam excerpirten Loco klaget, quod summarum potestatum facta ambiguae interpretationis aut parum, aut certe aliis minus nota, quanta possint acerbitate apud plebem palam traducant. Oder wenn ihnen Grotius etwann nicht orthodox genung seyn solte, so können sie sich in dem schönen Loco des seel. Chemnitii bespiegeln. Verbi ministri, inprimis autem illi, qui ferventioris sunt ingenii, saepenumero hac in parte peccant. Si quis auditorum apud ipsos de peccato deferatur, protinus in suggestum convolant, & nulla praeeunte privata admonitione, licet delinquentem non nominent, sic tamen verbis depingunt, ut ab omnibus digitis monstrari, ac dici possit, hic est. Aut, si quis ipsos offendit, atque postea ad confessionem accedit, indignis modis ab ipsis accipitur, & saepenumero ob caprinam lanam ab absolutione & communione arcetur, nullo praeeunte arbitrorum judicio, nulla superiorum cognitione. Tales pastores olim Deo gravem reddituri sunt rationem. Neque enim ipsi Domini sunt sacramentorum sed ministri, & claves regni coelorum tam lingans, quam solvens ita sunt ipsis concreditae, non, ut pro suo arbitrio iis abutantur, sed ut juxta praescriptum Christi fingulas eas applicent. Martin. Chemnitius Harmon. Evang. cap. 92. pag. 1745. ((VI) Und dißfalls selbigen fremden Theologis als Richtern unterwerffen wollen.) VI. Hätten sich die Prediger bescheiden sollen, daß weil ihnen vermöge der oben angeführten Braunschweigischen Kirchen-Ordnungen oblieget, bey vorhabender Excommunicirung eines Privati solches nicht für sich zu thun, sondern an die Superiores und das Consistorium deßhalber zu berichten und derer Verordnung gewärtig zu seyn, diese Behutsamkeit desto mehr von nöthen gewesen wäre, da die Sache ihren
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Landes-Fürsten selbst angehet. Hätten sie gemeinet, daß sie mit guten Gewissen zu der Sache nicht stille schweigen könten, warum haben sie nicht bey dem Consistorio Rath gesucht? Warum haben sie alles nach ihren eigenen Kopffe gethan? Ja endlich wie können sie verantworten, daß sie sich unterstanden S. Hochfürstl. Durchl. Theologische Facultäten und Collegia disfalls zu Richtern fürzuschlagen, und solchergestalt dem papistischen Clero nachzuahmen, der eben dadurch der weltlichen Bothmässigkeit sich entzogen, weil er ein eigenes Caput extra Rempublicam agnosciret? Man mercket zwar wohl daß die zwey Prediger in ihren andern Schreiben, da sie genöthiget gewesen zu sagen, was sie durch den Gebrauch des Bindeschlüssels in ersten Schreiben verstünden, ihre böse Sache zu beschönen gemeldet, sie hätten gemeinet, sich nur bey Theologischen Facultäten informiren zu lassen, ob sie den Bindeschlüssel zu brauchen hätten. Aber wie ohne dem alle Umstände weisen, daß sie schon beschlossen S. Hochsürstl. Durchl. nicht zu absolviren, und dieses nur ein blosser Praetext gewesen, unter welchen sie die Sache mit zweydeutiger Antwort aufhalten, in der That aber ihren Zweck erhalten können; also haben sie durch diese Beschönigung ihre Sache nicht besser sondern schlimmer gemacht, weil der höchsten Autorität eines Fürsten nicht weher geschehen kan, als, wenn Unterthanen, denen er etwas befielet, ihm unter diesen Praetext den Gehorsam versagen, daß sie andre erst consuliren wolten, ob sie zu gehorchen schuldig wären. VII. Wie nun dieses alles böse und ärgerliche Thaten seyn;((VII) Welches alles als bißher unerhört nach ihren eigenen Ausspruch mit scharffer Straffe beleget zu werden verdienet.) Also hat S. Hochfürstl. Durchl. solche billig dergestalt anzusehen, damit durch unterlassene Anthung derselben nicht übel ärger werde, und nicht nur ihnen selbst, sondern auch allen Evangelischen Potenzen ein unwiederbringlicher Schaden an ihren höchsten regali circa sacra zu wachsen möge. Denn wie der Schade, so aus solchen Nachsehen zu entstehen pfleget ex Grotio de imperio summar. potest. circa sacra cap. 9. §. 20. allbereit oben ad quaest. 1. in respons. ad rat. dub. primam mit mehrerern Umständen dargethan worden; Also ist hierbey nicht zu vergessen, daß der Princeps schuldig ist, ohnerachtet der Sophistereyen, damit Hülsemann diese wahre Meynung bestreitet de corrept. fraterna p. 324. seq. n. 339. seq. denen Privat-Personen, welche in ihren Predigten von denen Predigern geschmähet worden, den processum injuriarum zu öffnen, auch die schmähende Prediger deshalb zu bestraffen und dem Klagenden Satisfaction zu schaffen, Carpz. Jurispr. Consist. lib. 3. def. 98. Joh. Georg. Simon peculiari hac de re disputatione; solchergestalt aber derselbe krafft seines
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Amts noch vielmehr dahin zu sehen verbunden ist, daß durch dergleichen aufrührische und S. Höchste Person beschimpfliche Predigten kein Tumult und Aufstand in dem gemeinen Wesen erreget werde; Carpz. d. l. 3. def. 102. Und hat nach der zwey Prediger eigenen Ausspruch bey gegenwärtigen casu Serenissimus princeps mehr auf Handhabung der Gerechtigkeit als auf Erweisung der Barmhertzigkeit zu reflectiren, indem sie in ihren Schreiben sub n. 1. melden, daß die delicta, quae sine exemplo sunt, enormitatem criminis exaggerirten, und man aus GOttes Wort und denen Exempeln an Nadab, Abihu, Usa, u. s. w. zu lernen habe, daß das erste Sünden-Exempel auch für andern exemplariter zu bestraffen sey. Nun ist aber ihre Begünstigung, und daß sie sich Serenissimo dergestalt ohne Ursach widersetzt, und ihn mit der Excommunication, so viel an ihnen gewesen, belegen wollen, das erste Sünden-Exempel unter Protestirenden Fürsten, indem man sonsten seit der Reformation nicht gehöret, daß sich ein Lutherischer Prediger unterstanden hätte, dergleichen Frevel vorzunehmen, und haben sie also mit diesen Worten, mit welchen sie Seine Hochfürstliche Durchlauchtigkeit zu beschimpffen bedacht, sich selbst das Urtheil gesprochen. ((IIX) Beantwortung der pro mitigatione poenae etwa vorzubringenden Ursachen.) IIX. Zwar möchte dieses eintzige für sie angeführet werden dörffen, daß die armen Leute nicht so wohl dolo als ignorantia und zwar invincibili gesündiget hätten, indem sie von Jugend auf nichts anders als die Lehren de jure excommunicandi principes iisque in rebus ad officium Pastorum pertinentibus obedientiam denegandi, in ihren Hülsemanno, Dedekenno Consiliis Wittebergensibus nicht anders gelernet, auch vielleicht von ihren Praeceptoribus vivis nicht anders gehöret, und daß nach dem bekannten Juristischen brocardico, etiam fatua causa excuset a dolo; zugeschweigen daß sie auch Prediger und also in honorem ministerii mit schimpflicher Straffe zu verschonen wären, ne plebs contemtui habeat Pastores Ecclesiae, si videat eos ut Laicos puniri secundum communem Dd. opinionem, zumahlen da ohne dem in Kayserlichen Rechten versehen wäre; daß grosse Herren auch die Schmähungen ihrer Unterthanen, wie viel mehr aber der Prediger in keine Consideration zu ziehen hätten. Si namque maledictum ex levitate processerit, contemnendum, si ex insania, miseratione dignissimum, si ab injuria, remittendum est sive condonandum l. un. C. si quis Imp. maledix. Carpzov. Pr. Crim. P. I. p. 41. n. 114. seq. Alleine gleichwie noch in Zweiffel stehet, ob der canon de excusatione doli nicht inter brocardica fatua zu rechnen sey; und ob
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die beyden Prediger sich solcher lahmen und fatuarum causarum excusandi zu bedienen, sich nicht selbst schämen möchten, inmassen ihnen ja bekant, daß sie sich für Leute achten, die da tüchtig seyn, andren, den Weg zur himmlischen Weißheit, und zugleich, wie sie sich für allen Verführern und Abwegen hüten sollen, zu weisen, und also gar unförmlich seyn würde, wenn sie sich damit entschuldigen wolten, daß sie von andren verführet worden, zumahlen da sie a Serenissimo und dessen hochpreißlichen Geheimbden Raths-Collegio genugsam ihres Irrweges erinnert worden; Also ist wohl zu bedencken, daß eben der praetendirte honor ministerii und die dahin reflectirende Gelindheit der Bestraffung ein Papistischer Staats-Streich ist, und zwar einer von denen vornehmsten, indem der Pabst damit zuwege gebracht, daß die Clerici, wenn sie auch die grösten Bubenstücken begangen, mit einer gar gelinden Straffe angesehen, da hingegen die Leyen, wenn sie auch nur einen Clericum krum angesehen, mit denen allerhärtesten und grausamsten Straffen sind beleget worden: dahero ist es billig unter die Reliquien des Pabstthums zu rechnen, daß, da das ministerium in abstracto nirgends existiret, sondern ein ens merae cogitationis ist; denen ministris Ecclesiae aber realiter existentibus samt und sonders es vielmehr lieb und angenehm seyn, und sie dazu helffen solten, daß, wenn jemand aus ihnen etwas verbräche, er desto schärffer gestrafft würde, denn da würde jederman erkennen, daß sie nach der Lehre Pauli (die sie sonst mit unrecht, als bey der ersten Frage gezeiget worden, auf die Excommunication deuten wollen:) bereit wären, die unter den Schutz ihres Ordens sich verbergen wollende Missethäter mit einen Christlichen Eyffer von sich zu thun 1. Cor. V. v. ult. nicht aber sich durch dergleichen sub praetextu honoris ministerialis ersonnene Räncke frembder Sünden theilhafftig zu machen. Alleine es meritiret dieses eine weitläufftigere Deduction, als vor itzo der Scopus gegenwärtigen Responsi zuläßt. Das Jus Justinianeum de eo qui principi maledixerit, schickt sich auf gegenwärtigen Casum deßwegen nicht, weil der Text nur de verbis ore prolatis zu verstehen, nicht aber de injuria scripta, als bey welcher ein grösserer Vorsatz und animus magis deliberatus praesupponiret wird, und pflegen in diesen Fall eine tapffere Geld-Busse oder Gefängnüß-Straffe, oder auch wohl nach Gelegenheit der Umstände fustigatio & quidem gravior denen Laicis zuerkannt zu werden. Carpz. c. l. d. n. 121. 122. In übrigen aber dörfte das Jus Justinianeum denen beyden Predigern ziemlich schwer fallen, wenn nach dessen Verordnung in Novell. 123. c. 11. sie mit dem grössern
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Kirchen-Bann beleget werden solten, zumahlen das Jus Canonicum und der oben in responsione ad rationem dubitandi 1. hujus quaestionis secundae & ibi ex scripto loco Grotii excerpirte Canon Concilii Tholosani eben diese Straffe denenjenigen, die die weltliche hohe Obrigkeit schmähen, dictiret. ((IX) Schluß, daß Serenissimus befugt sey, die 2. Prediger entweder mit Gefängnüß oder Landes-Verweisung zu bestraffen.) IX. Ob auch wohl sonsten bey Ausfertigung derer Responsorum Juridicorum hauptsächlich dahin zu sehen, was in praxi bräuchlich ist, indem die Responsa nicht ex regulis prudentiae Legislatoriae sondern Judicialis abgefasset, und jura recepta ad casus propositos appliciret werden sollen, wenn gleich die recipirten Jura einer Emendation von nöthen hätten; unter denen Protestirenden aber durchgehends annoch ex reliquiis Papatus übrig blieben, und als etwas sonderlich kluges behalten worden, daß die Prediger zu Ehren des H. Ministerii nicht so wie die Weltlichen zu bestraffen wären, sondern mit gelinderer Bestraffung angesehen werden müsten, dannenhero dann die Absetzung auch in denen gröbern Mißhandlungen fast für die gröste Straffe gehalten, auch bey Erkäntnüß derselben nachdrücklich pfleget erinnert zu werden, daß man ja zu derselben nicht schreite wenn die Sache nicht vorher genau untersuchet, auch der Delinquens vorhero eine Erinnerung und Warnung a superioribus bekommen hätte, sonst aber in andern Fällen könte man die Prediger nur mit einer Geld-Busse und leidlichen Priester-Gehorsam, Suspension, oder Translocation bestraffen, Carpz. Jurispr. Eccles. lib. 3. def. 109. usque ad d. 118. Stryke ad Brunnem. lib. 2. c. 19. §. 3. p. 754. So ist doch in gegenwärtigen Fall auch zu betrachten, daß man allhier mit keiner Unter-Obrigkeit zu thun hat, die ad leges humanas gebunden ist, sondern daß ein Fürst des Reichs der cum superioritate Territoriali alle Regalia hat, auch zugleich die Gewalt habe ad statuendum exemplum die Delinquenten mit einer sonst ohngewöhnlichen Straffe zubelegen. §. 6. Inst. de J. N. G. & C. Derohalben ist nun leichte bey dieser Frage der Schluß zu machen, daß S. Hochfürstl. Durchl. wohl befugt sey, wegen der obspecificirten Begünstigung Dero Hof-Prediger und Hof-Capellan nach ihren Gefallen (zumahl da sie die ersten seyn, die ihren Landes-Fürsten in Bann thun wollen) auch schärffer als sonst gewöhnlich mit langer Gefängniß oder Landes-Verweisung zu bestraffen. ((X) Oder dieselbe abzusetzen.) X. Daferne aber S. Hochfürstl. Durchl. gesonnen sind nach deren bißhero gewöhnlichen Bestraffungen sich zu richten, sind sie wohl befugt beyde zu removiren und abzusetzen, zumahlen da die Admonitiones theils schon testante specie facti vorhergegangen; theils auch was von derer
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selben Nothwendigkeit die Dd. zu erinnern pflegen, solche Verbrechen betrifft, da der Prediger sich nur an denen Zuhörern, nicht aber an Principe selbst versündiget. Stryke d. l. XI. Daferne aber endlich S. Hochfürstl. Durchl. auch bey der((XI) Oder mit einer Geldbusse zu bestraffen und zu translociren,) gewöhnlichen Straffe einen Mittelweg treffen, und propter exemplum statuendum die Sache nicht gar ungeahntet hingehen lassen, dabey aber aus weltbekanter und angebohrner Mildigkeit denen zwey Predigern Gnade für Recht widerfahren lassen wolten, wären dieselbe wohl befugt, beyden Predigern eine ziemliche Geld-Busse nach ihren Vermögen zu dictiren, und sie auf eine Poenitenz-Pfarre zu translociren, ob dieses vielleicht ein Mitiel seyn möchte, daß sie in sich giengen, die Thorheit ihres Hochmuths, der sie itzo unter der Larve des Eyffers für GOttes Ehre plaget, erkenneten und wahrhaffte Busse thäten, welches ihnen der Verfasser dieses Responsi von Hertzen will angewünschet haben. §. IIX. Von diesen Responso nun, fielen, wie von allen dergleichen(Allerhand Urtheile von diesen Responso. Erzehlung etlicher die gar favorable geschienen.) alte verborgene Wahrheiten entdeckenden Schrifften, unterschiedene Iudicia pro & contra. Serenissimus quaerens hatte solches mit grosser Attention durchlesen, und bey denen angeführten Rationibus dubitandi mercklichen Verdruß bezeiget, und sich dabey gar sehr gewundert, daß vormahls grosse Herren nebst ihren Ministris denen unruhigen Theologis so viel nachgegeben, daß sie solch Zeug in den Tag hinein schreiben dürffen; Es hatte Ihrer Durchl. aber dabey sonderlich gefallen, daß ich originem excommunicationis minoris, und wie es damit in denen ersten Seculis gehalten worden, deduciret, und hatte dabey gesagt, es wäre eben, wenn sie in dem Responso läsen, als wenn sie sich eine Passage aus Arnolds Ketzer-Historie vorlesen liessen. Man hatte auch dieses mein Responsum auf Begehren dem Herrn Autori des 5. Theologischen bey vorigen Handel §. 13. referirten Responsi nach H. zu lesen geschickt; der dann in einen Schreiben von 20. Sept. gebeten hatte, weil er von dem Responso wegen vieler Verhinderungen nicht mehr als zwey Lagen lesen können, daß er dasselbe bis auf die nächste Post behalten dürffe: Besagte zwey Lagen hätten ein grosses Vergnügen bey ihn erweckt, indem der Autor denen, die nicht über das Volck herrschen solten, aber doch über dasselbige, ja gar über die Herren selbst herrschen wolten, so nachdrücklich und ungescheuet aufgetrumpffet hätte. Bey Zurücksendung des Responsi den 24. Nov. 1705. schriebe derselbe abermahls, daß er selbiges mit grossen Vergnügen und nicht ohne Nutzen gelesen, und wäre es gut, wenn es an dem Ort, wo der Autor wäre,
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gedruckt würde, damit er es selbst corrigiren könnte: Es solte sich auch keiner, als er selbst besser zur Ausarbeitung der von ihm (allhier p. 164.) gewünschten Beschreibung Historiae controversiae inter Imperium & sacerdotium schicken, denn ihm wären diese Streiche am besten bekannt, und weil er die Scripta hätte, welche zur Vertheydigung der hohen Obrigkeitlichen Autorität dieneten, und die er (allhier p. 163.) gerne möchte zusammen gedruckt wissen, so könte er solches gleichfalls verrichten, oder anordnen, und würde es an hohen Häuptern, deren Ehr und Ansehen dadurch erhalten und befördert werde, nicht mangeln, zum Verlag eine Beyhülffe zu thun: Dieses wurde mir durch einen Minister, der dieser gantzen Sache halber mit mir correspondiren muste, nunmehr aber verstorben ist, zugeschrieben, und dabey von selbigen Erwehnung gethan, daß es schade wäre, daß dieses so wohl ausgearbeitete Responsum nicht gedruckt werden solte, so viel nemlich primam quaestionem anlangete, damit mehrere davon profitiren könten. (Derer eigentlicher Sensus mysticus.) §. IX. Ich verstand diese Complimente wohl was sie nach dem gewöhnlichen Hoff-Stilo sagen wolten. Den einen Punct betreffend, war es so viel gesagt, daß es eine penible und verdrießliche auch gefährliche Arbeit wäre, die historiam controversiae inter imperium & sacerdotium aufzusetzen, und daß dazu sich nicht leichte weder ein Politicus noch Theologus gebrauchen lassen werde, sondern daß ich mich selbst darüber machen und die Autores die die Jura Principum in Ecclesiasticis gebührend defendirt, zusammen drücken lassen möchte; aber daß sich nicht leicht ein Verleger in Teutschland dazu finden würde, auch schwerlich zu hoffen wäre, daß dieses Werck dadurch befördert werden solte, wenn man an grosser Herren Höffen erst eine Beyhülffe zum Verlag ausbetteln wolte. Den andern Punct anbelangend, ware es so viel gesagt, daß gleichwie man mein in vorigen Handel verfertigtes Responsum meiner Deprecation unerachtet hatte drücken lassen; also auch das gegenwärtige Responsum, so viel die erste Frage betrifft, ehe ich es mich versehen würde, werde gedruckt werden; wenn ich aber disponiret werden könte, daß ich es selbst allhier drücken liese, würde es desto besser für alle diejenigen seyn, die bey dem Inhalt des Responsi ein Interesse hätten, für mich aber desto schlimmer seyn, indem die Gegenpart alsdann mir ohnstreitig auf den Hals fallen, und also ich genöthiget werden würde, rechtschaffen zu kämpffen und zu fechten, sie aber bey diesen allen hinter der Scene in verborgenen würden zusehen, und sich mere passive verhalten können.
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§. X. Gleichwie ich mir nun das Compliment wegen des ersten(Kurtzer Inhalt des Anfangs von einen Versuch der Historie des Streits zwischen der Obrigkeit und dem Priesterthum wegen des Kirchen-Rechts.) Puncts von der historie der controvers inter Imperium & sacerdotium leichte vorher propheceyet hatte; Also urgirte ich auch dieselbe nicht weiter, sondern setzte mir selbst vor, zu gelegener Zeit dieselbe vor die Hand zu nehmen, und solche etwan in lectionibus publicis zu tractiren, wie ich mich denn auch für ein paar Jahren darüber gemacht, und in denen Sommer-Lectionibus eine dergleichen Historie entworffen und erklähret, auch zwar mit denen vornehmsten und mühesamsten Puncten zu Stande kommen, aber doch das gantze Werck nicht völlig absolviren können. Es bestehet dasjenige, was ich davon entworffen in 12. Capiteln. Das 1. handelt von einen warhafftigen und deutlichen concept einer gesunden und vollkommenen Republique, nemlich in Einigkeit der Gemüther und Abwendung, daß die Republique nicht zweyköpfigt werde. Das 2. Capitel handelt von der Quelle des falschen concepts und dessen Fortgange: wie der Ursprung des falschen concepts schon in ersten und andern Seculo bey denen Patribus, denen Philosophis und Rabbinen, oder bey Heyden, Juden und Christen gesucht werden müsse. Z. E. was die Ehe, den Ursprung der Republiquen bey denen Patriarchen, die Eintheilung der Mosaischen Gesetze, die Vermischung der Jüdischen Theocratie mit dem Zustand Christlicher Republiquen, der Propheten mit den Kirchen-Dienern, des Geists Eliä und Christi, beträffe u. s. w. Das 3. Capitel entwirfft die falschen Hauptlehren der Christlichen Clerisey, durch welche selbe in denen ersten acht Seculis sich den Weg gebahnet, denen Königen und Fürsten zum Häupten zu wachsen, und wie ihre Macht von Seculo zu Seculo zugenommen. In dem vierten Capitel werden unterschiedliche nöthige Erinnerungen von dem eigentlichen Statu controversiae, und von dem Ursprung dieser Streitigkeit gethan, z. E. von dem grossen Unterscheid zwischen der Kirchen-Freyheit, und der Einigkeit des Regiments und Priesterthums: von denen dreyen Hauptstuffen des politischen Pabstthums, von Verdrehung vieler Wörter und Einführung anderer vielfältigen dem gemeinen Wesen schädlicher Irrthümer durch das Canonische Recht; von dem gemeinen Irrthum, daß der Ursprung des Streits zwischen dem Regiment und Priesterthum gemeiniglich erst von Zeiten Kayser Heinrichs des 4. an gerechnet werde. Worauf dann das 5. Capitel den wahren Ursprung und Fortgang dieses Streits bis auf die Zeiten Caroli Magni kürtzlich vorstellet, in Entwerffung unterschiedner Haupt-Irrthümer, die der Kayser Constantinus Magnus in der praxi des Kirchen-Rechts begangen, und wie in 4. biß 5. Seculo die Bischöfliche Jurisdiction mercklich zugenommen,
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auch daraus des Kayf. Theodosii excommunication entsprossen, ingleichen die Ketzermachereyen und die Mißbräuche der excommunicationen durch die Kirchväter Hieronymum, Augustinum und Chrysostimum fortgepflantzet worden; ingleichen daß der wahre Ursprung des Streis zwischen denen Kaysern und der Clerisey und des denen Kaysern aufgedrungenen Religions-Eydes zu Zeiten des Kaysers Anastasii zu suchen, ingleichen von dieses Kaysers excommunication und seltzamen Todes Art, und daß unter demselben die falsche Lehre, als ob das Kirchen-Recht eine Geistliche Sache sey, befestiget, und hernach von Kayser Justiniano viel dem Käyserlichen Kirchen-Recht höchst praejudicirliche Dinge in das Corpus Juris einverleibet worden, und wie hernach in 7. und 8. Seculo der Streit zwischen dem Regiment und Priesterthum, oder vielmehr zwischen dem Sacerdotio & Sacerdotio zugenommen. Das 6. Capitel handelt von dem Zustand des Königlichen Kirchen-Rechts in 9. und 10. Seculo: Wie die Ungezogenheit der Bischöffe schon unter denen Merovingis in Franckreich angefangen, und was hernach Pipinus und Carolus Magnus zum praejudiz des Obrigkeitlichen Kirchen-Rechts begangen; wie dieser Letzte die Bischöfliche Macht und Gewalt durch öffentliche Gesetze befestiget, und ihre Ehre und Reichthum über die Gebühr erhoben, auch endlich ein Diener der Clerisey und ihrer Ketzermachereyen geworden. Warum man unter seinen Sohn dem Ludovico Pio und dessen Nachfolgern keinen fernern Gebrauch des Obrigkeitlichen Kirchen-Rechts suchen noch finden könne, auch wie die wahre Lehre von diesen Kirchen-Recht in 10. Seculo nicht wieder empor kommen mögen, zumahl da die Käyser und Könige die Vertheydiger ihrer Rechte entweder selbst gestrafft, oder doch der Clerisey zum Raube überlassen; wobey deutlich gewiesen wird, daß diejenigen sich sehr verirren, die sich und andern einbilden wollen, als ob die drey Ottones das Obrigkeitliche Kirchen-Recht vortreflich vertheydiget hätten. Was das 11. Seculum betrifft, wird in 7. Capitel vorgestellet, daß Gesselius irre, wenn er behaupten will, daß Kayser Heinrich der dritte der letzte gewesen sey, der die Obrigkeitliche Macht wieder die Römischen Päbste ungekräncket erhalten habe; Ferner wird daselbst von dem Concilio unter diesen Käyser wieder die Simoniacos gehandelt, und wie der Käyser unter den Schein einer Kirchen-Busse von der Clerisey jämmerlich sey zerpeitschet worden; Was für Händel zu Rom wegen der electionum Simoniacarum vorgangen; item von denen unnützen Zänckereyen der Scholastischen Theologie, und von dem Ursprung der Spaltung zwischen der Morgen- und Abend-Ländischen Kirche; Ferner, daß die wahre Ursache des Streits Henrici
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IV. mit dem Pabst die rebellion der ansehnlichsten teutschen Bischöffe gewesen sey; nebst andern neuen Erfindungen, als z. E. der cruciaten, des so genanten criminis Simoniaci, durch welche das Käyserl. Kirchen Recht geschwächt worden, dergestalt daß es solchergestalt unmöglich gewesen, daß die Käyser die Wahl der Römischen Päbste behalten können; und daß hievon die Haupt-Ursache nicht so wohl den Päbsten als etlichen Teutschen Bischöffen zu zuschreiben sey, obschon die Käyser hierdurch nicht so viel als die Teutsche Clerisey selbst verlohren; nebst angehengten Urtheil von des Petri Damiani, und Waltrami Schrifften bey dem Goldasto. Das 8. Capitel stellet den Zustand des Häyserl. Kirchen-Rechts in 12. und 13. Seculo vor. Nemlich wie aus vielen Ursachen in 12. Seculo die Macht der Clerisey gewachsen, und die Käyserliche Macht geschwächet worden: Was von des Bernhardi scriptis bey dem Goldasto zu halten sey: Von Politischen Ketzern, z. E. denen Arnoldisten, und wie die Käyser selbst die Vertheydiger ihrer Rechte verfolgen helffen: Wie die Clericalische tyranney in 13. Seculo zugenommen; Was von denen Vertheydigern der Käyserlichen Rechte, so Spanheim anführet, zu halten, absonderlich von der Epistel Petri Cassiodori, und der Frantzösischen Sanctione Pragmatica; Von denen Episteln des Pabst Innocentii III; Von Rudolphi de Columna tractat de translatione Imperii. Das 9. Capitel handelt von 14. Seculo; Wie in selben die Obrigkeitlichen Kirchen-Rechte in Franckreich unter Philippo Pulchro, in Teutschland unter Henrico VII. und in Engeland unter Eduardo secundo ferner abgenommen; und daß der Käyser Ludovicus Bavarus wenig oder nichts tüchtiges zu Befestigung derselben vorgenommen, und man solchergestalt billich Ursache habe, Kayser Carln den IV. und seinen Sohn Wenzeslaum zu entschuldigen, daß sie alles gehen lassen, wie es gegangen; Von denen falschen auf denen Academien herrschenden Grundlehren, die die Vertheydiger der Käyserlichen Rechte als warhafftig supponiret; nemlich von der geistlichen Macht der Clerisey und der weltlichen Macht der Könige; welche in denen extracten der Schrifften der Autorum dieses Seculi, die Goldastus colligirt, nemlich AEgidii de Roma, Johannis de Parisiis, Marsilii Patavini, Gvilhelmi Occami, Michaelis Caesenatis, Johannis de Gauduno, Richardi Archi-Episcopi Armachani, Rogerii Chonoe Nili Archi Episcopi Thessalonicensis, Rudolphi Prellaei, Philothei Achillini, Magistri Jordani, Francisci Petrarchae, und anderer kürtzlich jedoch deutlich angewiesen werden. Das 10. Capitel beschreibet den armseeli
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gen Zustand des Königlichen Kirchen-Rechts in 15. Seculo; Wie nemlich zwar ihrer viele gewünscht, daß diesen Elend von denen Käysern durch Concilia abgeholffen würde, aber daß kluge Leute vorher gesehen, daß dieser Wunsch vergebens sey, theils wegen der damahls herrschenden absurden Academischen Lehren, theils wegen der grossen superstition der Politicorum, und daß dannenhero der Käyser Rupertus, der diesen Rath die Clerisey zu emendiren nicht gefolget, viel klüger gehandelt habe, als seine beyden Nachfolger Sigismuudus und Fridericus III. unter welchen das Costnitzische und Baselische concilium gehalten worden, massen dann nach vorhergesetzten kurtzen Anmerckungen von dem elenden Außgang des Concilii zu Pisa, und von der ungemeinen Unverschamheit der daselbst versamleten Väter, etwas ausführlicher dargethan wird, was für erbärmliche Thorheiten auf diesen beyden Conciliis vorgenommen worden, und daß die Patres in dem Concilio zu Costnitz die weltliche Obrigkeit nicht als Häupter, sondern als blosse Arme oder Brachia Secularia angesehen, und daß die Bekehrung und Ausbesserung der Clerisey dadurch mehr gehindert als verbessert, auch durch selbige dem weltlichen Kirchen-Recht von neuen geschadet worden; ingleichen daß der Haupt-Zweck der Clerisey in diesen Seculo gewesen, das Volck in denen allerunvernünfftigsten Aberglauben zu stärcken, und selbiges nicht anders als unverständige Rosse und Maulthiere zu regieren; worbey zugleich gewiesen wird, daß in diesen Seculo in Franckreich weder durch Ludovici IX. noch Caroli IX. sanctiones pragmaticas die Königliche Kirchen-Rechte, sondern vielmehr die Macht der Clerisey befestiget worden. Das 11. Capitel betrachtet die in diesen 15. Seculo publicirten Scripta, die von Goldasto und andern ausgegeben werden, als wenn durch selbige das Obrigkeitliche Kirchen-Recht vertheidiget worden wäre, nemlich Johannis Hussi, Barlaami, Johannis Gersonis, Antonii de Rosellis, Gregorii de Heimburg, Wesselii Gröningensis, Theodorica a Niem, Pauli Angli, AEneae Sylvii, Jacobi de Paradiso, Pici Mirandulae und andere, und zeiget kürtzlich, daß durch selbige nichts weniger als solches geschehen. In dem 12. Capitel ist zwar ein Anfang von dem Zustand in 16. Seculo gemacht, und darinnen sonderlich wieder Richerium vorgestellet worden, daß weder das Concilium Lateranense noch des Königs in Franckreich Francisci concordata mit dem Pabst die Königliche Macht in Kirchen-Sachen wieder empor gebracht, sondern ihr vielmehr Schaden zu gefüget, ich habe es aber wegen der vorher nicht vermutheten so vielen Schwürigkeiten
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damahlen nicht weiter bringen können, sondern es hierbey lassen müssen. §. XI. Wegen des Abdrucks meines responsi über die erste Frage(Die Publication des Bedenckens, unerachtet der mit Anführung vieler Ursachen geschehenen deprecirung.) sahe ich zwar wohl vorher, daß meine Abmahnung, dasselbige nicht zu thun, bey denen die darzu gerathen wenig Eingang finden würde; und daß ich es meines Orts endlich geschehen lassen müste, zumahlen ich darinnen nach meinen Gewissen versichert war, daß ich in selbigen nichts unrechtes oder unvernünfftiges gesetzet und behauptet hatte, auch daß darinnen nichts enthalten wäre, welches der heil. göttlichen Schrifft, wenn nur selbige vernünfftig und nicht Pharisäisch oder Rabbinisch ausgeleget wird, zuwieder seyn solle. Aber ich konte doch auch zugleich leicht begreiffen, daß weil die reliquiae Papatus biß dahin auch in denen Protestirenden Kirchen gar sehr geherrschet hatten, und durch die Consilia Wittenbergensia, Dedekenni und andere dergleichen Schrifften fast überall waren befestiget worden, auch viele Theologi und JCti solche Schrifften GOttes Worte, (zwar nicht mit Worten, aber doch in der That) gleich achteten; es unfehlbar geschehen würde, daß die Eyfferer mir auf dem Halß fahren und Schmäheschrifften wieder mich drücken lassen würden. Wenn ich nun dieselben beantwortete, würde ich dadurch bey partheyischen Lesern doch keine Erkäntnüß erwecken, noch mir dadurch Friede schaffen: indem so dann das Wespen-Nest vielmehr rege gemacht, und ich bald hie von diesen, bald da von einen andern würde angepackt werden, und unter dieser legion nothwendig unterliegen müssen. Beantwortete ich aber dieselbe nicht, würde es nicht alleine heissen, ich getrauete mir nicht meine Irrthümer zu defendiren, und wäre von meinen Adversariis in ein Boxhorn gejagt worden; sondern es würden auch diejenige, die solches zu publiciren angegeben, auch etwa gelobet hätten, keine Ehre mit solcher publication einlegen, weil man ihnen so dann besagte Gegenschrifften öffters vor die Augen legen und sie fragen würde, wenn dann dieselbigen würden beantwortet werden. Dieweil ich mir aber aus bald zu meldenden Ursachen feste vorgenommen hatte, denen wieder das responsum etwa zu publicirenden Schrifften nicht zu antworten; Als berichtete ich dieses beyzeiten an den Freund, mit dem ich dieser Sache halber correspondirte, und vermeinte dadurch die publication desselbigen zu hindern; Aber ich bekam nichts destoweniger, ehe ich es mich versahe, ein exemplar von dem Abdruck zugeschicket, und dabey die Entschuldigung, daß es mir keinen Verdruß machen würde, weil ja mein Nahme nicht wäre dabey gesetzet worden.
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Ich antwortete aber, daß diese praecaution mir wenig helffen würde, zumahlen ich versichert wäre, daß nach dem damahligen Zustande bey Hoffe es kein Geheimnüß seyn könte, daß ich Autor von dem Responso sey, und mir dannenhero indifferent würde gewesen seyn, wenn gleich mein Nahme wäre dabey gesetzt worden; Wie dann auch nachmahls diejenigen, die das responsum zu drucken gerathen hatten, nicht säumeten, bey der andern und folgenden Auflagen desselben meinen Nahmen vorsetzen zu lassen. (Die erste wieder das Bedencken publicite Schmäheschrifft eines sich selbst verrathenden Anonymi.) §. XII. Was ich nun vermuthet und vorhergefehen hatte, wurde gar bald ins Werck gesetzt. Denn kurtz darauf Anno 1706. kame eine Schmähe-Schrifft an das Licht, derer Titel zwar scheinheilig genung war: Kurtze in der heil. Schrifft und denen Evangelischen Kirchen-Symbolis begründete Antwort auf das in letzterer Braunschweigischer Winter-Messe durch den Druck publicirte Bedencken über die Frage: Wie weit ein Prediger etc. aber die Schrifft selbst war durch und durch mit bitteren und pharisäischen Schmähungen angefüllet: denn bald sagte der Autor p. 9. die Türcken wären nicht so unverschämt und verkehrt, als der Autor des Bedenckens, bald schrieb er p. 12. 13. man könne denjenigen, der so frech der Evangelischen Lutherischen Kirche ins Angesicht wiederspräche, und gleichwohl denen andern beyden der Römisch-Catholischen und Reformirten sich nicht conformirte, dißfalls für keinen Lutherischen, noch auch vor einen Reformirten oder Römisch-Catholischen halten, sondern er möge sich zu seinen von ihm allegirten und gerühmten, von der gantzen Kirchen aber und von allen in Römischen Reich geduldeten Theilen derselben verworffenen Thoma Erasto verfügen und ein vierdtes ausmachen, derer Thomasianer oder Erastianer. Und wenn der Autor ein offenbahrer Feind unserer Evangelischen Kirche wäre, möchte es weniger ungereimt und schädlich seyn, als daß er, wie es scheine, für ein Mitglied der Evangelischen Kirche wolle gehalten seyn. Bald beschuldigte er mich p. 39. ich schnaubete wie ein anderer Saul mit Morden und Dräuen wieder die Jünger des Herren. Bald schwatzte er von Atheisten und Atheistischen principiis p. 45. & p. 92. Bald nennete er mich p. 71. einen Calumnianten der Evangelischen Prediger; Bald p. 83. einen Prediger-Feind u. s. w. Der Hauptzweck dieser Schrifft gienge dahin, daß der Autor behaupten wolte: der Ge
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brauch des Binde-Schlüssels sey keine weltliche Straffe; und da dieses seiner Meinung nach geschehen, bemühete er sich, meine Rationes decidendi, oder wie er sie nennet Scheingründe zu wiederlegen, und die Unerhebligkeit meiner Responsionum ad rationes dubitandi vorzustellen. Der Autor hatte sich zwar nicht genennet, aber es wiese es die gantze Schreibarth, daß es niemand anders als einer und zwar der vornehmste von denen beyden Predigern, die diesen Papentzenden Handel angefangen hatten, gewesen. § XIII. Und mit diesen Manne mich recht einzulassen, funde ich(Warum dieselbe nicht beantwortet worden. Etliche Specimina von den elenden Zustand dieser Schrifft.) mich über die Hauptursache, wegen welcher ich mir vorgenommen hatte, damahls keinen der mein Responsum anfechten würde, zu antworten, (davon in folgenden §. 19. ein mehreres) noch viel absonderliche raisons, daß ich leicht vermuthen konnte, es würde mir keiner, der nur ein wenig vernünfftig wäre, solches verdencken, denn der arme Mann hatte sich in dieser Antwort so sophistisch und miserable bezeiget, daß ich gewiß versichert war, es würde ein iedweder, auch nur ein wenig unpartheyischer Leser mit Händen greiffen, daß der Autor darinnen recht als ein Trunckener und von einem Ort zum andern taumelnder Mensch sich durch und durch aufgeführet, ob er wohl durchgehends syllogistice zu disputiren und seine Wissenschafft in der Zanckkunst, ingleichen in der orthodoxen heiligen Metaphysic seines gleichen Liebhabern derselben hatte zu verstehen geben wollen, daß ich dannenhero in demjenigen bestärcket wurde, was oben §. 2. p. 105. in der Specie facti von ihm angeführet ist, daß er der terminorum Metaphysicorum sich zum öfftern in seinen Predigten bedienet, und dadurch manche klare Sache obscur gemacht. Ich will dannenhero nur etliche wenige specimina aus seiner Antwort excerpiren, damit der Leser sehen könne, daß ich nicht aus Affecten wieder den Autorem allhier gefchrieben. §. XIV. (I) Der Beweiß den er in 1. Cap. führet, daß der Bindeschlüssel((I) Miserabler Beweiß, daß der Bindeschlüssel keine weltliche Straffe sey.) keine weltliche Straffe sey, sind nichts als merae petitiones principii und die in meinen Bedencken schon hin und wieder wiederleget waren. Das Haupt-Argument ist folgendes p. 4. Was der liebste Heyland dem Himmelreich zueignet, das gehöret denen weltlichen Reichen nicht zu: Denn die Dinge die him̅lisch und die weltlich sind, lassen sich (mit dem Autore zu reden) in eine Classe nicht combiniren. Nun eigenet aber der Heyland den Bindeschlüssel dem Himmelreich zu Matth. 19, 16. Darum gehöret er nicht den weltlichen Reichen einfolglich ist es keine weltliche Straffe: Denn was nicht weltlich
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ist, kan auch keine weltliche Straffe seyn. Wer mein Responsum gelesen hat, wird darinnen gar vieles finden, was ich daraus nehmen können, den Autorem zu überzeigen, daß er genuinum statum controversiae mutirt, und den Binde-Schlüssel der heil. Schrifft mit dem Papistischen Dietrich vermischt hätte, und daß es mir dannenhero, wenn ich auch syllogistice dem Autori hätte antworten wollen, an responsionibus formalibus so wohl ad Majorem als Minorem und zwar auf Lutherische Art per distinguo, applico, limito gantz nicht würde gemangelt haben; ja daß, wann ich meine alte dialectische Gauckeltasche hätte vorsuchen wollen, selbige mir die schönste Gelegenheit würde an die Hand gegeben haben, dem Autori folgende Nuß aufzuknacken, wieder vorzulegen. Wer dasjenige, was der liebe Heyland zu dem heiligen Petro absonderlich gesagt, auf die heutigen Evangelischen Prediger (die doch so bescheiden sind, daß sie sich nicht wie der Pabst pro successoribus Petri ausgeben,) oder doch zum wenigsten auf sich appliciret; der hat noch mehr als einen Gern-Pabst in Leibe, und den müssen weltliche Fürsten als einen ungemeinen Anti-Christ consideriren, und sich äuserst vor ihn hüten. Atqui der Autor &c. Ergo u. s. w. ((II) Falsche und erdichtete Anführungen der Worte aus meinen Bedencken.) §. XV. (II.) Was die Beantwortungen auf meine rationes decidendi und die replicas auf meine Wiederlegung der rationum dubitandi betrifft, wird der Leseser befinden daß er meine Worte nicht ordentlich und aufrichtig angeführet, sondern (nach seinen Stylo p. 35.) hier und dar herumgewühlet, um etwas zufinden, darwieder er sein unzeitiges Gewäsche anbringen könte. Er allegiret zwar öffters bey Anführung meiner Worte die paginas aus meinen gedruckten Bedencken; Aber zum öfftern führet er selbige an, ohne zu melden wo sie zubefinden: Wo dieses letzte geschehen, darff sich der Leser gewiß versichern, daß er es deßwegen gethan, weil die Verfälschung oder sonst verstümmelte Anführung meiner Worte gar zu mercklich und handgreiflich gewesen wäre, die er daselbst begangen; Aber er hat auch solche Streiche gar öffters an denen Orten, wo er die paginas citiret, vorgenommen; und sich doch dabey eingebildet, daß hoc non obstante ihn iederman für einen Jünger des HErrn, dafür er sich zum öfftern in dem Scartecgen ausgiebt, werde passiren lassen. Nur ein paar Exempel anzuführen, so verfälscht er gleich bey Anfang des 2. Capitels p. 13. mein p. 63. des Bedenckens befindliche Worte: Denn da ich geschrieben hatte, man hätte damahls als die Articuli Smalcaldici geschrieben worden, nicht so viel subsidia historiae Ecclesiasticae die wahre Beschaffenheit der Kirchen-
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Sachen einzusehen gehabt, als hernach immer mehr und mehr zum Vorschein kommen; verdrehet er meine Worte und setzet hin, ich hätte geschrieben, man hätte damahls die Subsidia &c. nicht gehabt, damit er desto bessere Gelegenheit haben könte, wider mich das hundertste in das tausende zu mengen und hin zu schreiben. Und damit ihn der Leser nicht bald Anfangs auf den fahlen Pferde ertappen möge, hat er bey diesen Worten keine Paginam allegirt. Aber das andere Exempel ist noch safftiger da er p. 43. aus der pag. 105. meines Bedenckens etliche daselbst befindliche Worte zwar cum allegatione paginae ansühret, aber alsbald etwas salsches anflicket, wenn er als wenn es meine fernere Worte daselbst wären, also continuiret: item als könne man sich nicht genung verwundern über die grosse Gedult der Evangelischen Fürsten und ihrer Ministrorum, daß sie solche gefährliche und ihren höchsten Regalibus höchst praejudicirliche Principia so lange Zeit in die Welt hinein schreiben, und durch den Druck propaliren lassen; auch hierdurch Gelegenheit und Anlaß gegeben, daß so viel tausend junge, unwissende Gemüther auf Universitäten damit eingenommen, mithin aber Ehr-und zancksüchtige Prediger in ihren ungerechten Vorhaben gesteiffetworden, massen denn nicht leicht ein Casus erdacht werden könne, da sich nicht dergleichen Leute auf die Consilia Wittenbergensia oder des Dedekenni seine Compilation gegründet, und darauf als der Bock auf seine Hörner verlassen hätten: Da doch diese Wort gar nicht in besagter pag. 105. sondern weit hinden p. 152. 153. zu befinden, und den guten Herrn verdriessen mochte, daß auch dergleichen Sentiment, laut dem was ich oben §. 8. angeführet, a Serenissimo und deroselben Staatsministris, nach Lesung und Erwegung meines Responsi etwa mochte seyn geführet worden. Gewiß, wenn ich solche Streiche gemacht und mich doch dabey für einen Jünger des HErrn ausgegeben hätte, würde ich mich nicht haben müssen verdriessen lassen, wenn mich so dann der Autor mit dem Stief-Jünger des Herrn, nemlich mit dem Verräther Judas verglichen hätte. §. XVI. (III) Daß ich auch dem Leser ein Exempel gebe, wie((III) Unvernünfftig angebrachte Methaphysische Grillen.) ungeschickt der Autor seine Methaphysische Grillen wider mich angebracht habe, so betrachte er nur folgendes. Ich hatte p. 107. meines Bedenckens gesetzt, es zeige es die Natur und Eigenschafft des Kirchen-Banns, daß man weder mit der kleinern noch grössern Excommunication wider Könige und Fürsten verfahren könne, indem in der Kirche
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um der Ordnung willen ein Geistlicher keinen höhern Geistlichen, auch nicht einmahl seine eingepfarrte Leyen mit dem Bann belegen könne, geschweige denn daß er seinen vorgesetzten Bischoff von Abendmahl auszuschliessen sich unterfangen solte: u. s. w. Was replicirt nun unser vortreflicher Methaphysicus hier wieder? Er sagt sehr dreiste p. 46. Hie redet der Autor ungeräumt, wenn er das Argument von der FORMA und Beschaffenheit des Kirchen-Bannes, welche darinnen bestehet, daß einer als ein faul Glied von dem geistlichen Leibe abgeschnitten wird, nehmen will, und dabey auf das OBIECTUM und andre Dinge verfällt, welche die NATUR dieser Handlung nicht ausmachen: Aber ein jeder, der nur prima elementa der heiligen Methaphysic gehöret hat, siehet gar deutlich, daß der arme Socius seine Methaphysic nicht recht gelernet, indem ein grosser Unterscheid zwischen der Natur und Form, zwischen den Eigenschafften und Beschaffenheiten eines Dinges ist, und daß derjenige sehr ungereimt denjenigen der von dem ersten redet beschuldige, daß er ungereimt die Form und das Objectum eines Dinges vermischet. Was wolte der Autor demjenigen antworten, dem er etwa eine gute Lehre gegeben; Er solle sich für der Heucheley hüten, weil nach derselben Natur und Eigenschafften sie den Menschen verführte, daß er nicht alleine gegen sich selbst, sondern auch gegen alle Menschen, absonderlich aber gegen die Gewaltigen an Hoffe, und fürnemlich diejenigen, so weiblichen Geschlechts wären, heuchelte, etc. wenn dieser an statt daß er ihn für die gute Lehre dancken solte; ihn anführe wie die - - - den Bettelsack: Er der Autor rede sehr ungereimt, weil er die Methaphysic nicht verstünde, sondern die Form und das Objectum der Heucheley so unverantwortlich confundirt hätte, welches noch von keinen Jünger des HErrn geschehen wäre? etc. ((IV) Entlarvter Pharisäischer Hochmuth.) §. XVII. (IV) Damit es ferner nicht an einen Exempel des Pharisäischen Hochmuths mangele, mit welchen der Autor sich hin und wieder in dieser seiner Schrifft prostituiret, so ist selbiges sonderlich p. 47. und seq. zu finden. Ich hatte in Bedencken p. 112. gesagt, daß wenn ein Hoff-Prediger so unverschämt seyn solte, daß er seinen Fürsten nur mit den Bindeschlüssel bedrohen wolte, würde solches eben so unverschämt, ja noch unförmlicher heraus kommen, als wenn ein armer Praeceptor, den ein ehrlicher Bürger angenommen hätte, ihm und seinen Kindern und Gesinde die Postille zu lesen, oder auch aus seinen eigenen Kopffe die Evangelia zu erklähren, sich eines Straff-Amts gegen diesen ehrli
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chen Mann der ihm alle Augenblick die Schippe geben könte, und dem er seine Subsistenz zu daneken hätte, unterfangen, ihn hofmeistern, reprimendiren, und von seinen Weib und Kindern bey Lesung der Postille absondern wolte, gesetzt auch, daß dieser Praeceptor (wie es nicht eben unmöglich wäre,) zu dieser Function wäre ordiniret worden. u. s. w. Ob nun wohl nach den Regeln der gesunden Vernunfft bekant, daß die Gleichnüsse nicht extra tertium comparationis extendiret werden dürfften, auch mein Gegner vermuthlich in diesen Ansehen die Vergleichung eines Fürsten mit einen ehrlichen Bürger passiren lässet, ja gar nicht undeutlich p. 52. zu verstehen giebt, ich hätte besser gethan, wenn ich an statt des ehrlichen Bürgers einen gottlosen Mann gesetzt hätte; so wütet er doch p. 47. seq. in etlichen Blättern auf das erbärmlichste, daß ich mich unterstanden hätte, ihn als einen Hof-Prediger mit einen armen Praeceptor der von dem ehrlichen Mann seine Subsistenz hätte zu vergleichen, und gleichsam ein Crimen laesae Majestatis Concionatoris Aulici zu begehen, und wirfft daselbst bald mit Lese-Bengeln, bald mit Küchen-Jungen um sich, da ich doch jederzeit mich würde entsehen haben, einen Hoff-Prediger mit Lese-Bengeln und Küchen-Jungen zu vergleichen: Wer wolte sich nun enthalten können, daß er bey Lesung dieser Worte sich über den Pharisäischen Hochmuth des armen Mannes nicht erbarmete? und noch mehr Mittleyden mit demselben hätte, da er sich wider alle Principia juris Ecclesiastici non Papizantis aus eben den Hochmuth unterstanden, seinen Fürsten p. 50. nicht undeutlich unter die Eingepfarrten oder Parochianos zu rechnen. §. XIIX. (V) Endlich will ich noch ein Exempel von des Mannes((V) Gantz unvernünfftig angebrachte Distinction unter Straffe und Artzney.) Unwissenheit in der Morale und Politic mit kurtzen vorstellen. Ich hatte p. 135. seq. meines Bedenckens gesetzt. Wenn aus der unmittelbahren göttlichen Einsetzung des Predig-Amts einige Independenz von weltlicher Obrigkeit nothwendig zu schliessen wäre, würde dieses Argument wider die, so solches brauchen, selbst beweisen, daß auch die Prediger keine Macht hätten, die weltliche Obrigkeit mit ihren geistlichen Bestraffungen zu belegen; Denn sie lehreten ja selbst einmüthig, daß die weltliche Obrigkeit unmittelbahr von GOtt eingesetzet sey. etc. Diesen meinen Schluß bemühet sich nun der Autor p. 59. seq. weitläufftig zu wiederlegen, jedoch dienet voritzo zu meinen Zweck nur seine erste Antwort, wenn er d. p. 59. also schreibet: Concedo totum argumentum. Der Bindeschlüssel ist eine Artzeney und keine eigentliche Straffe, weniger eine weltliche Straffe, man mag es heissen Consilium
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theologicum, suspensionem, excommunicationem minorem, oder Binden, so ist es allewege auf des Menschen Seeligkeit angesehen, wie die Versagung der Geneß-Mittel bey böser Diaet des Patienten nicht eine Straffe sondern liebreiche Vorsorge vor die Gesundheit des Krancken, und ein Hülffmittel zur Besserung ist. u. s. w. Nun will ich zwar eben nicht weitläufftig urgiren, daß der Autor sehr ungereimt den Bindeschlüssel in der einen Zeile bald für eine Artzeney, bald in der andern für eine Versagung der Artzeney und in der dritten wiederum die Versagung der Artzeney, für eine Artzeney und Hülffsmittel ausgiebt; sondern ich will nur bey dem bleiben, daß er die eigentlichen Straffen, und die moralischen Artzeneyen einander entgegen gesetzt. Hat denn der arme Mann nie gehöret, daß in moralibus & politicis alle eigentliche Straffen moralische Artzeneyen seyn sollen, und deßhalben auch poenae medicinales genennet werden? Ich glaube ja, wenn er nur an das Exempel eines Praeceptoris, der seinen ungezogenen Lesebengeln, (daß ich mich seiner Red-Art bediene) einen Schilling giebt, gedacht hätte; würde er erkant haben, daß zwar ein Schilling eine eigentliche Straffe sey, unerachtet der Praeceptor dabey intendirt oder doch intendiren soll, daß dieser Schilling zugleich eine moralische Artzney und ein Hülffsmittel zu des Knaben Besserung seyn solle, und ihn deßhalben vermahnet, er solle künfftig dergleichen Dinge, worum er gestrafft worden, nicht mehr thun. (Haupt-Ursache, worum ich mir vorgenommen, denen die wider das Bedencken geschrieben, damahls nicht zu antworten.) §. XIX. Wer hätte mir nun wohl zumuthen wollen, daß ich damahls mit Ausmistung dieses Augiae stabuli hätte die edle Zeit verderben sollen, indem die gantze Schrifft die in 6. Bogen und 94. Paginis bestand, mit dergleichen armseeligen Dingen angefüllet war. Jedoch wenn sie auch nicht so unvernünfftig und Affecten voll concipiret worden wäre, so bestand doch die Ursache meines damahligen Vorsatzes, mich damahls mit niemand wegen Vertheydigung dieses Bedenckens in Schrifften einzulassen, hauptsächlich darinnen, weil ich wohl erkannte, daß alle meine Gegner auf denen Universitäten, viel grobe Reliquien des Politischen Pabstthums zum Grunde ihrer Wissenschafft bona fide geleget hatten, und sich feste beredeten, daß nemlich die Lehren der Canonisten von geistlichen Personen, von geistlichen Dingen, von geistlichen Gerichten, von geistlichen Proceß-Sachen, von geistlichen Lastern, von geistlichen Straffen, nicht alleine in der gesunden Vernunfft sondern auch in heiliger Schrifft sich gründeten, unerachtet sie gantz unvernünfftig, und die Auslegung der Canonisten der heiligen Schrifft gantz
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zu wider ware, auch die Canonisten dabey nichts anders intendiret hatten, als mit diesen ihren Grundsatzungen der weltlichen Obrigkeit ihre Regalia zu rauben, und selbige zu blossen brachiis secularibus zu machen. Ehe nun dieses Geheimnüß klar und deutlich entdeckt wäre, glaubte ich gantz vergebens und umsonst zu seyn, mit denen Gegnern wegen der daraus hergeleiteten Schlüsse oder Conclusionum zu streiten. Derowegen war ich schon damahls bedacht, wie ich etwa nach göttlichen Willen dermahleins diese sechs Grundseulen des Politischen Pabstthums, nach dem Vermögen das GOtt verleyhen würde, (auch mit Hülffe anderer gelehrter Männer, die vor mir in dieser Intention hin und wieder in Erkäntnüß dieser und jener Päbstischen Reliquien waren vorgegangen) über den Hauffen schmeissen möchte; Welches ich auch hernach als ich Professor juris Canonici worden, in meinen Notis variorum ad Lancelottum gethan, und dadurch, vielen jungen Leuten Gelegenheit gegeben dieser Wahrheit weiter nachzudencken, und dieselbe weitläufftiger auszuführen, wie dann z. E. ein ungeanter Autor, der sich unter dem Nahmen Davidis Mansueti de S. Germanis verborgen, Anno 1717. in einen Prodromo Commentationis Academicae de Abusu Brachii secularis in foris Protestantium, und in eben selbigen Jahre der Herr Consistorial-Rath Reinhard zu Dreßden, in seinen Meditationibus de Jure Principum Germaniae, cumprimis Saxoniae, circa sacra ante tempora Reformationis exercito, und endlich vor weniger Zeit Herr D. Pertsch in seinen lateinischen Tractat von Laster der Simonie, und in zweyen Teutschen, von Recht der Beicht-Stühle, und von Recht des Kirchen-Bannes, solches zur gnüge gethan. §. XX. Und eben dieses ware auch die Haupt-Ursache, worum ich mich(Sebast. Edzardi neue Schrifft wider das Bedencken, Etliche Specimina von den straf baren Injurien die Edzardi in dieser infamen Schrifft wider ehr-) mit dem Hamburgischen Professore Sebastiano Edzardi nicht eingelassen, als dieser in folgenden 1707. Jahre eine andere Schrifft publicirte, deren Titul war: Vertheydigung der Christlichen Lehre von Bindeschlüssel wider das unchristliche Bedencken D. Christiani Thomasii, nebst einen gründlichen Beweiß, daß der Abfall zum Pabstthum die ewige Verdamnüß nach sich ziehe. Zu geschweigen daß diese Schrifft durch und durch das armselige Geschmiere seines Vorgängers nur wiederhohlete, oder es noch unvernünfftiger und gröber machte, als jener. Denn da jener seine Affecten allenthalben hatte blicken lassen, wütete und tobete Edzardi als ein rasender oder würcklich besessener Mensch; und stieß die grausamsten Injurien und offenbahren Lügen wider mich aus: davon ich nur etliche wenige Loca als Specimina anführen will.
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(liche Leute ausgestossen.) Alsbald p. 1. fängt er den §. 2. also an. Der wegen seiner Epicurischen und Atheistischen Schwermerey so sehr beruffene Christianus Thomasius hat neulicher Zeit den Evangelischen Potentaten auch einen Fuchsschwantz verkauffen wollen. Gegen das Ende des 9. §. p. 28. setzet er; Derowegen sind Thomasius nnd alle diejenigen, welche den Binde-Schlüssel gegen souveraine Herrn nicht exerciret haben wollen, offenbahre Antinomer und Gesetz-Stürmer, weit ärger als die Gemeine Antinomer gewesen. Der Locus §. 11. p. 32. ist noch safftiger. Das wird auch wohl zum wenigsten eine Neben-Ursache seyn, (nemlich: damit der Atheisterey Thür und Thor geöffnet werde) daß Thomasius mit seinen unchristlichen Bedencken herfür gebrochen. Denn obgleich dieser böse Mensch den Nahmen eines Atheisten nicht haben will, so finden sich doch in seinen Schrifften solche Hypotheses, aus denen man sein Atheistisch Gemüthe leichtlich abnehmen kan. Wie er sein Gelächter mit dem ewigen Leben treibt, ist in der Impietate sortis Fanaticae observ. 14. Sonnen-klar gezeiget worden. Und hat noch in nächstverwichenen Jahr 1705. ein rechtschaffener frommer und gelehrter Mann über Thomasii Atheistisches Gifft also geseufzet:
Ein längst verlohrner Sohn, der alles Gut verprasset, Was an Religion an Ehr, und Nahmen ist, Der hasset was man liebt, und liebet was man hasset, Der Hohn für Wasser säufft, und Spott für Träbern frißt, Lacht alle Lehren aus, dreht und verkehrt die Bibel, Ist wohl ein Ismael und rechtes Kirchen-Ubel.
Gespenster glaubt er nicht, auch keinen Bund der Hexen! Welch Atheistisch Gifft, das er hierunter hegt! Er ist ein Höllen-Huhn, das itzo erst will käcksen, Biß daß es nach und nach die Eyer hingelegt, Den Sadducäer Geist von neuen auszubrüten, Ach dafür woll uns doch der liebe GOtt behüten. In 16. §. p. 66. fähret er fort: Es geschiehet daran gar recht und billig, wann die Obrigkeit ärgerliche, schädliche und verführische Bücher verbietet, und wäre zu wünschen, daß auch Thomasii nichtswürdiges liederliches Geschmier, samt andern Atheistischen und Pietistischen Schand-Chartequen nirgends zu fin
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den wären. Er entsahe sich auch nicht, einen berühmten Theologum, den ich in meinen Bedencken, da ich von des Ambrosii excommunication des Käysers Theodosii gehandelt, citirt hatte, mit eben so groben Schmähe-Worten als mich zu tractiren, als von welchen er §. 24. p. 137. schreibet: Was der Leipziger Novatus von Ambrosii excommunication halte, oder nicht halte, daran lieget gar wenig: und möchte es ihm vielleicht zu seiner Seelen Heyl ersprießlich seyn, wenn man ihn in Leipzig so lange aus dem Beichtstuhl und von heiligen Abendmahl abhielte, bis er seine Pietistische und Terministische Schwermereyen erkennet und bereuet. Ob nun wohl dergleichen öffentliche Beschimpffungen nach allen Rechten empfindliche Leibes-Straffe meritireten; so begnüget sich doch ein Christliches Gemüth, das sich bemühet, die Mittelstrasse zwischen der Ruchlosigkeit und Scheinheiligkeit zu beobachten, daß es seinen Lästerern von Hertzen vergiebet, und da ohne dem dieselben bey der gantzen vernünfftigen Welt durch ihre infame Schreibart sich ipso jure selbst infamiren, sich daran genung seyn lässet, und achtet es sich vielmehr für eine Ehre, von solchen Edzardischen Gemüthern geschändet zu seyn; ja es würde es für eine injurie aufnehmen, wenn ein solcher Edzardi sich unterfangen solte, es zu loben und zu rühmen. Und eben dieses auch von mir zu bezeigen, habe ich obbesagte Schmähungen des Edzardi völlig hieher drücken lassen, damit, wenn etwa die Edzardische Schmähe-Schrifft verlohren gehen solte, die posterität daraus erkennen möge, was für ein Zustand damahls in der guten Stadt Hamburg gewesen, und daß man solche infame injurianten als Professores darinnen dulden müssen, weil sie sich auf den Pöbel, und ihres gleichen aufrührige Demagogos verlassen. Daferne aber einem unpartheyischen Leser eine Begierde ankommen solte zu lesen, was von dieses Edzardi infamen Schreibart in gantzen Reich gehalten worden, der kan nur z. E. des neubestellten Agenten erste fonction p. 832. seq. und in der andern function p. 253. seq. item 814. seq. auffschlagen. Denn was itzo mit ihm passirt, ist ohne dem iedermann aus denen Zeitungen bekant. §. XXI. Und wenn auch gleich von etlichen unpartheyischen Gemüthern(Etliche Anmerckungen von D. Pertschens, Thomae E-) damals nicht ohne Ursache gewünschet worden, daß mein Bedencken wegen des Bindeschlüssels wieder die neuen Einwürffe dieser beyden adversariorum in einen und andern Puncte etwas deutlicher erleutert worden wäre; so wird es doch itzo nicht mehr nöthig seyn, theils weil alle diese puncte, die etwan damahlen eine mehrere Erklährung und
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(rasti, Ludoici Molinaei, und Johannis Seldeni hieher gehörigen Schrifften.) Unterricht von nöthen gehabt hätten, nunmehro in denen besagten Notis verhoffentlich überflüßig erklähret seyn, und man nur in indice unter denen hieher gehörigen Titeln deßwegen aufschlagen und die daselbst angeführten Loca mit gehöriger Attention durchlesen kan; theils weil Herr D. Pertsch in seiner ausführlichen Abhandelung von Recht des Kirchen-Banns durchgehends dasjenige, was ich in diesen meinen Bedencken kurtz zusammen gefast, ausführlicher erklähret, und mit nöthigen Anmerckungen auch Allegatis anderer Gelehrten mit gehörigen Fleiß und Arbeit auch guten Judicio illustriret hat, wie solches aus dem kurtzen Inhalt der 13. Capiteln seines gantzen Wercks in etwas abzunehmen ist. Denn er handelt daselbst (1) von Ursprung des Kirchen-Banns; (2) Von dem Bann der Christen zu der Apostel Zeiten; (3) Von dem Bann, der nachmahls unter den Christen eingeführet worden; (4) Von dem Bann da Christliche Obrigkeit gewesen. (5) Wer in den Bann gethan werden könne; (6) Wer in den Bann thun und wie die Verbannung geschehe; (7) Von dem Bann wider Könige, Fürsten, und Landes-Herren; (8) Von der Würckung des Bannes; (9) Wie man den Bann aufschieben, und davon loß kommen könne; (10) Von denen Interdictis (11) Von dem Bann unter denen Protestirenden; (12) Was von dem Bann eigentlich zuhalten sey; und endlich (13) von dem Recht der weltlichen Obrigkeit bey dem Kirchen-Bann. Absonderlich aber hat er in 7. cap. §. 6. seq. p. 233. seq. sich angelegen seyn lassen Edzardi seine Meynung vorzustellen, und die Meinige wieder ihn und seine Schmähung zu defendiren, hernach aber §. 10. ad finem p. 241. seq. seine Repliquen wieder meine Einwürffe zu wiederlegen. Dieweil auch der erste Autor sich hauptsächlich vorgenommen hatte, zu beweisen, daß der Bann keine weltliche Straffe, sondern eine Artzney sey, kan man zu desto mehrerer Erleuterung dessen, was ich allbereit oben §. 14. & 18. deßwegen angemercket, dasjenige beyfügen, was Hr. D. Pertsch hievon in 12. Capitel §. 8. seq. p. 367. seq. ferner gemeldet hat, zumahl aus dessen gantzen Wercke erhellet, daß ihm das Scriptum des Anonymi nicht bekannt gewesen, und daß dieser die irrige Meynung von dem Unterscheid der Straffe und der Artzeney etlichen auch sonst berühmten JCtis abgeborget habe, wiewohl ich wündschete, daß er §. 9. lit. d. p. 370. etwas deutlicher den Ort angezeiget hätte, wo der sonst vortrefliche JCtus Zieglerus diese ungegründete Distinction unter einer Straffe, und einer Artzeney gelehret und approbiret habe. Hiernechst weil des Thomae Erasti und Ludovici Molinaei Schrifften sehr rar sind, und der Ano
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nymus daher Gelegenheit genommen, von Thomasianern und Erastianern als Ketzern zu sprechen (vide supra §. 12) wird nicht undienlich seyn, dasjenige zu lesen, was Hr. D. Pertsch von Erasto in 11. Capitel §. 3. & 4. p. 337. seq. und von Ludovico Molinaeo §. 5. p. 343. seq. meldet, dem aber noch zu mehrerer Erleiterung beygefüget werden kan, was ich von diesen beyden und ihren Schrifften in notis ad Huberum de jure Civitatis p. 166. biß 172. und p. 211. biß 216. mit mehrern Umständen gemeldet. Endlich ist auch der berühmte Engeländer Seldenus nicht zu vergessen, indem dieser einer von denen ersten gewesen, der in seinen gelehrten Werck de Synedriis Hebraeorum ausfürlich gewiesen, daß der Bann iederzeit nichts weniger als eine geistliche Straffe gewesen sey; und hat dannehero Hr. D. Pertsch wohl gethan, daß er zu Behauptung seines Vorhabens den Seldenum in seinen gantzen Tractat hin und wieder zum öfftern allegiret, wie aus dem andern Register der Autorum sub voce Seldenus zu sehen ist. Dieweil er aber doch in 11. Capitel §. 6. nota a) p. 346. sehr wohl erinnert, daß Seldenus den Mangel gehabt, daß er diese seine Meinung und Lehren von dem Kirchen-Bann nicht mit mehrerer Deutligkeit und Ordnung fürgetragen, und ich aus eben dieser Ursache mich beflissen, in besagten Notis ad Huberum p. 217. biß 220. diese Undeutligkeit und Unordnung, so viel mir damahls möglich gewesen, in eine deutlichere Ordnung zu bringen, und die dahin gehörigen loca Seldeni allezeit an gebührenden Orte zu allegiren, so dörffte auch ein Unpartheyischer Leser von der Meinung des Seldeni ein grösseres Licht bekommen, wenn er die besagten Excerpta mit einiger attention durchzugehen belieben wird.

III. Handel. Kluge Behutsamkeit Evangel. Fürsten in Bestraffung derer durch die Papentzenden Lehren der Universitäten eingenommenen, obschon gröblich sich vergehenden Prediger.
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§. I.
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GLeichwie die Menschen insgemein so geartet sind, daß fast ein jeder(Praeliminar-Ursachen warum) der aus allzugrosser selbst Liebe sich beredet, daß er in allen seinen Thun und Lassen Recht überley habe, und ihm von andern
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(Evangelische Fürsten dergleichen Behutsamkeit benöthiget sind.) Unrecht geschehe; Also ist auch in denen Republiquen, sie mögen nun von einer Regiments forme seyn, wie sie wollen, gar gewöhnlich, daß nicht nur die Regenten über die Unterthanen, sondern auch diese über jene sich öffters beklagen, und daß von denen Unterthanen der Adeliche, Bürger- und Bauerstand in stets währender aemulation leben; absonderlich aber, was die Monarchische Republiquen betrifft, daß Könige, Fürsten und Herren es ihren Unterthanen selten recht machen können, und sich dannenhero wohl in acht zunehmen haben, damit sie diesen alle occasionen zu revoltiren benehmen mögen. Denn ob wohl dergleichen revoltirungen ordentlich vor Laster und Crimina laesae Majestatis (sive eminenter ita dicta, sive analoga) pflegen gehalten zu werden, und dannenhero die Furcht für harter Bestraffung die Unterthanen zu mehrern mahlen von Empörungen billich abhalten solte; so wird doch diese Furcht zum öfftern verringert, weil unterschiedene Anmerckungen dabey vorzukommen pflegen, vermöge welcher sich so dann die Unterthanen von dem imputirten Laster beleydigter Majestät zu befreyen suchen; als wenn z. E. der Staat nicht absolut Monarchisch, sondern gemischt ist, oder wenn bey Antretung des Regiments die Könige und Fürsten mit ihren Unterthanen gewisse special pacta treffen, und sie hernach von diesen beschuldiget werden, daß sie dieselben nicht gehalten, und also die Unterthanen wohl befugt wären, ihre durch solche Pacta erlangete Rechte auch mit Gewalt zu vertheydigen. Absonderlich aber pfleget bey dergleichen Wiederwärtigkeit die Religion als eine Rechtfertigung der innerlichen Unruhen gebraucht zu werden, zu mahlen da nach denen Regeln gesunder Vernunfft unstreitig ist, daß der Obrigkeit nicht zustehe, die Unterthanen vermittelst eines Gewissen-Zwangs zur Religion zu zwingen, wenn nur dieser Gewissens-Zwang vernünfftig ausgeleget, und das Wort Religion nicht gemißbraucht, und zum Deckel der Boßheit unterleget wird. Ob nun wohl dieser Mißbrauch ursprünglich aus dem Päbstischen oder Canonischen Recht herzuleiten, so ist doch auch nicht zu leugnen, daß viele reliquien dieses Mißbrauchs noch hin und wieder unter uns verblieben, und in denen Wittenbergischen und von Dedekenno gesamleten Consiliis Theologicis hier und dar welche zu finden, in welchen dieser Mißbrauch anzutreffen, und die Obrigkeiten, wenn sie ihre unstreitige jura circa sacra exerciren wollen, nicht undeutlich bedrohet werden, daß wenn sie diese ihre jura ausüben würden, alsdann die Stände dieses nicht leiden sondern als einen Gewissens-Zwang aufnehmen würden. Weßwegen es auch Serenissimo nicht zu verdencken war, daß er bey dem in vorigen casu erzehlten Handel behutsam verfuhr.
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§. II. Und ob ich wohl selbst in der mir zugeschickten specie facti(Meine eigene deßhalb bey vorigen Handel geschehene Erinnerungen.) war befraget worden, was Seine Hochfürstliche Durchlauchtigkeit vermöge ihres juris circa sacra zu thun befugt wäre; ich auch mein Responsum nach dieser Frage eingerichtet, und bey Beantwortung derselben Num. 8. p. 188. gemeldet hatte; daß die beyden wiederspenstige Prediger de jure keine Mitigation der wohlverdienten Bestraffung praetendiren könten; so unterliese ich doch nicht gegen Dero damahls noch lebenden nunmehro aber verstorbenen Etatsminister, bey Uberschickung des Responsi, die mehr gedachte Anmerckung zu erinnern, und dabey zu melden, daß, wenn gleich die beyden Prediger (die durch die offtgedachte Responsa Theologica verleitet worden ihre ungeziemte Thaten zu begehen,) dieses zwar nicht pro ignorantia invincibili ausgeben und sich damit entschuldigen könten, so wäre doch gleichfalls denen Protestirenden Fürsten in etwas zu imputiren, daß sie bißhero gedultet, und darzu stille geschwiegen, daß so viele Jahre her solche Papistische Brocken auf ihren Universitäten öffentlich wären gelehret, und von denen ihnen unterthänigen Bücher-Censoribus, in öffentlichen Schrifften auszubreiten, wäre zugelassen worden; und daß dannenhero diese Betrachtung nicht gäntzlich aus der Acht zu lassen wäre, wenn die Frage entstünde, ob die Straffe nach der Strenge der allgemeinen Rechte exequiret, oder Gnade für Recht ergehen solte. §. III. Gleichwie aber Seiner Hochfürstl. Durchlauchtigkeit(Suite der vorigen Handels.) Gemüthe ohnedem mehr zur Güte als Schärffe geneigt ware, also wird nunmehro die Suite dieses Handels, und was nach der an mich überschickten specie facti und ergangenen zwey Fragen in dieser Sache weiter erfolget von Dero Gütigkeit, und wie die beyden Prediger dieselbe gemißbraucht, mit mehrern zeigen, zumahl, da dieselben, was darinnen ferner fürgegangen, selbst in einer specie facti aufgesetzt, und ich mich selbiger aufrichtig bedienen werde, ausser daß ich einen und anderen Umstand, so in derselben verschwiegen oder nicht so deutlich und ausführlich beschrieben worden, aus denenjenigen Piecen, so mir von meinen damahligen Correspondenten communiciret worden, gleichfalls unpartheyisch zu suppliren, auch hier und dar meine unmaßgebliche Gedancken mit unterzumischen mir vorbehalte. §. IV. Der Prediger species facti kömmt mit der allbereit bey(Supplementi etlicher zur specie facti des) vorigen Handel §. 2. befindlichen specie facti überein, ausser daß sie noch ferner melden, wie den 4. Augusti 1705. Serenissimus durch einen vornehmen Staats-Minister denen beyden Predigern gleichfalls
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(vorigen Handels gehörigen Umständen.) die zwey Fragen, über welche bey dem ersten Handel allbereit anderer Theologorum ihre Responsa communiciret worden, zur Beantwortung zustellen lassen; und daß sie dieselbe dergestalt beantwortet hätten, daß sie die erste Frage positis ponendis bejahet, die andre aber verneinet: Indessen wäre die Princeßin mit einer nahen Anverwandtin verreiset, damit sie desto mehr von der Prediger Anspruch gesichert wäre; es hätte sich aber der Hoff-Prediger einen Brieff in beweglichen Terminis an sie zu bringen bemühet, und ihr denselben den 11. Augusti da sie auf der Rückreise begriffen gewesen, zugeschickt, der aber von der Anverwandtin intercipiret und Serenissimo eingehändiget worden. Weil nun der Hoff-Prediger gesehen, daß er mit diesen primo admonitionis gradu nichts ausgerichtet, hätte er seinen Collegen, den Hoff-Diaconum zum Gehülffen requiriret, die sich dann beyde, den andern Gradum zu versuchen den 12. Augusti bey beyden unterthänigst anmelden lassen, es wäre ihnen aber abgeschlagen und heraus gesaget worden, daß sie beyde schon ausgekleidet wären, und wolten sie es denen Predigern schon wissen lassen, wenn es ihnen würde gelegen seyn, und sie wiederkommen solten; darauf wäre der Hoff-Diaconus nach Hause gangen, und in willens gewesen sein Responsum über die zwey Fragen an der Princeßin Hochfürstliche nahe Anverwandtin zu schicken: Weil ihm aber eben D. Speneri Responsum Pari. IV. seiner Bedencken in die Hände gefallen, und er sich erinnert, wie hoch Selbige dieses seeligen Theologi ungefärbte Gottesfurcht, Gelahrsamkeit, Theologische Prudence, und Moderation gerühmet, hätte er an statt seines eigenen Responsi ihr dieses zugeschicket, welches sie auch biß Laurentii Messe bey sich behalten. (Wodurch dasjenige erleutert wird, was allbereit oben in ersten Handel §. 21. 22. p. 84. seq. wegen dieses Spenerischen Responsi gemeldet, und angeführet worden.) Biß hieher gehen die Supplementa der in vorigen andern Handel allbereit erzehlten speciei facti. Folget nun was noch nachdem an die beyden Prediger ergangenen ernstlichen Befehl, von 10. Sept. der §. 6. des andern Handels p. 117. seq. in der 4. Beylage zu befinden, erfolget. (Neue Widerspänstigkeit der Prediger und Ver-) §. V. Nemlich es liessen die beyden Prediger an 17. September 1705. ein Antwort-Schreiben wie sie es nennen, an das Geheimde Raths-Collegium abgehen, und bathen, es möchte dieses sie die Prediger mit unverdienten Reprochen verschonen, und ihnen ihren Unfug zeigen. Sie bekamen aber an 25. September zur Antwort: Es wäre das Geheimbde Raths-Collegium weder gehalten, noch gemeinet, sich mit de
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nen Predigern in Disputation über eine resolution einzulassen, die ihre(stossung der angetragenen Gnade.) Durchlauchtigkeit selbst unterschrieben, und mit dem Geheimbten Siegel bestätiget hätte. An 28. October schickten ihre Durchlauchtigkeit einen Dero Bedienten an beyde Prediger separatim, mit dem Antrage, da sie sich beyde ein Gewissen machten zu bevorstehender Communion, so möchten sie doch ihrer Durchlauchtigkeit rathen, wie es am besten anzufangen, oder selbst ein Temperament vorschlagen. An statt aber daß die beyden Prediger dieses ungemeine, und mehr als zu gnädige Begehren Serenissimi mit unterthänigsten Danck hätten erkennen, oder mit gehöriger submission und Prudenz wieder beantworten sollen; so verfielen sie dem unerachtet doch wieder in ihre vorige Unbescheidenheit, indem der Hoff-Prediger dem Abgeordneten mündlich antwortete; er könte bey dieser Sache keinen andern Rath geben, als er allbereit in seinen Schreiben (das in vorigen Handel als die dritte Beylage der speciei facti §. 5. p. 113. seq. zu lesen ist) gethan hätte: Der Hoff-Diaconus aber schrieb in einen Billet an den Abgeordneten: Er wüste anders nicht zu rathen, als daß Ihre Durchlauchtigkeit die in Händen habende responsa affirmativa & negativa gegen einander hielten, und die darinnen angeführten fundamenta unter andächtigen Gebet erwegten, so würde dann der GOtt der Wahrheit deroselben schon die Warheit zu erkennen geben: So aber wegen allzutieffhafftender vorgefasten Meinung Princeps sich noch nicht völlig überzeugt halten solte, hätte selbiger solches mit unpartheyischen Theologis zu communiciren, und die Communion lieber eine Zeitlang zu differiren, als derselben mit zweiffelhafften und irrigen Gewissen zu gebrauchen. §. VI. Nun kan ich zwar nicht gewiß versichern, ob allhier die(Etliche Anmerckungen und Erläuterungen darüber.) species facti von dem, was denen Predigern auf Serenissimi Befehl angesaget worden, alle nöthige Umstände erzehlet, sondern ich solte vielmehr meinen, daß der Sensus des Vortrags dieser gewesen, daß weil sie sich ein Gewissen machten, Principi, der gesonnen wäre mit ehesten der Communion sich zu bedienen, dieselbe zureichen; und aber Princeps so viel möglich ihrer hierbey gerne verschonen, und auf das glimpflichste und gnädigste mit ihnen verfahren wolte; als möchten sie selbst ein Mittel vorschlagen, damit ein solch temperament getroffen werden möchte, daß eines theils S. Durchlauchtigkeit an der Communion nicht gehindert, andern theils aber auch ihrer geschonet werden könne, daß Serenissimus nicht bewogen würde, die sonst bereit angedeutete intention (vide supra p. 117.) an ihnen zu exequiren; Dem sey aber nun wie ihm
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wolle, so zeiget doch die von denen beyden Predigern gegebene Antwort, daß sie diese unverdiente Gnaden-Bezeigung, da es noch Zeit war, nicht angenommen, sondern vielmehr durch ihre Antwort von sich gestossen, und Se. Durchlauchtigkeit dadurch nothwendig mehr und mehr wider sie irritiret. Es würde aber doch dieses alles verhoffentlich nicht geschehen seyn, wenn die Prediger sich nicht auf eine nachdrückliche Assistenz in dem Lehr-Wehr- und Nehrstande versehen hätten, davon die mir nicht unbekanten Particular-Umstände zu entdecken theils nicht eben nöthig, theils auch sonst aus vielen Ursachen bedencklich ist. (Was bey Erwehlung eines andern Beicht-Vaters vorgegangen.) §. VII. Diese Zuversicht stärckte sie in ihren Vorhaben dergestalt, daß sie den 25. October in ihren Predigten wieder ziemlich fcharffe und nachdenckliche Worte gebraucht, wiewohl dieselben doch so eingerichtet gewesen, daß diejenigen, so vorhin nicht von der Sache gewust, nicht eben so deutlich mercken können, worauf sie gezielet. Ja sie wurden noch zu mehrerer Hartnäckigkeit angereitzet, als sie erfuhren, daß, da einer von der Fürstlichen Familie auf einem seiner Landgüter communiciren wollen, der dasige Prediger, es sey nun aus Einfalt, oder aus Furcht, oder aus Dedekennischer Orthodoxie, dieses zu thun difficultiret, ja daß ein anderer Prediger, bey welchen Serenissimus selbst gleichsam ad interim confitiren wollen, gleichfalls zuvorher gewisse Pacta aufzurichten praetendiret. Aber sie machten damit nur Ubel ärger, und forcirten gleichsam S. Hochfürstl. Durchlauchtigkeit, daß sie den Abt S. zu sich kommen liessen, und ihm anzeigten, daß sie in der Schloß-Kirchen nebst ihren Fürstlichen Kindern bey ihm consitiren wolten, daferne er nicht darüber einen Scrupel hätte; nachdem nun dieser sich dazu gutwillig erklähret, und nur verlanget, daß deßhalb aus dem Consistorio ein Rescript an ihn ergehen möchte, so ist solches so bald den 28. October bewerckstelliget und selbiges dem Abt insinuiret worden. Das Rescript lautet also: Nach dem wir aus bewegenden Ursachen gnädigst resolviret, euch zu unsern Beicht-Vater zu erwehlen; und uns deßfalls nechst künftigen Sonnabends und Son̅tags, auch ferner, so offt wir es nöthig finden werden, eures Amts zu bedienen; so haben wir euch solches hiemit gnädigst eröffnen wollen, und habt ihr euch zu solchem Ende in unserer Schloß-Capelle zu gewöhnlicher Zeit anzufinden, auch gefast zu halten, daß ihr Sonntags, wenn wir communiciren, die Meß-Predigt verrichtet, und die Sacra ferner administriret, und kön̅et ihr einen derer ordinirten Collegiaten aus dem Kloster Riddagshausen mit euch
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bringen der euch vor dem Altar, bey Austheilung des hochwürdigen Sacraments assistiren möge. Ihr vollbringet hieran unsern gnädigsten Willen; und wir feynde etc. Es hat auch Serenissimus am 1. November den Hoff-Prediger seines geführten Beicht-Vater Amts erlassen, und so wohl ihm als dem Hoff-Capellan, von dem an den Abt ergangenen Consistorial Rescript Copey geschickt, auch ihnen beyden bedeuten lassen, daß sie an den Sonntage, da Serenissimus mit seiner Familie communiciren würde, nicht in die Schloß-Kirchen kommen, und auch des Sonnabends vorher, in ansehen der übrigen Gemeine, sich des Beichtstuhls enthalten solten, worauf der Hoff-Prediger wieder sagen lassen, er wünschte, daß das heilige Werck, so wohl denen Administrirenden als Communicirenden zu ihrer Seelen Heyl und Seeligkeit gereichen möchte, wie dann auch den Sonntag drauf in der Schloß-Kirche der Actus Communionis öffentlich verrichtet worden, und dabey der Apt Vormittags, ein Conventual von R. Nachmittags geprediget, auch diese beyde, die übrigen Sacra administriret. §. IIX. Was nun zu thun? es ware freylich nicht rathsam,(Dem die beyden Prediger einen sehr anzüglichen locum ex Dedekenno zu schicken.) daß sich die beyden Prediger dem jussui Principis directo wiedersetzten, also machte sich der Hoff-Prediger an den Confessionarium, schickte noch vor der Communion demselben Dedekenni Consilia zu, und zeichnete darinnen etliche vorhergehende und nachfolgende Responsa, sonderlich aber einen locum, durch welchen er ihn überzeugen wolte, daß ein Prediger eine grosse Sünde begehe, wenn er eines andern Predigers Beichtkind ohne vorhergehende Rückfrage annähme, zumahl wenn dieser das Beichtkind aus Ursachen nicht zur Communion lassen wolte. Es ist dieses Responsum in dem ersten Theil der Consiliorum Dedekenni p. 775. seq. der Jenischen Edition 1671. Num. 12. zu befinden, und hat selbiges D. Simon Pauli an 6. Aprilis 1588. aufgesetzet, und meritiret selbiges wohl, daß ein curieuser Leser es mit Bedacht durchlese und erwege; denn er wird befinden, daß darinnen so viel anzügliche und injurieuse Worte, so wohl wieder das Beichtkind als den neuen Beichtvater, auch andre Papentzende reliquien enthalten, daß man sich über die grosse Blindheit und Kühnheit des Hoffpredigers nicht genugsam würde verwundern können, wenn man nicht bedächte, daß damahlen die allermeisten Lutherischen Theologi und Juristen die Consilia Dedekenni & similia der heiligen Schrifft non QVATENVS sed QVIA gleichgehalten hätten. Dieweil aber der neue Beichtvater entweder in die
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sen Punct anderer Meinung war, oder bedachte, daß das Responsum von eingepfarrten Beichtkindern, nicht aber von denen Landes-Fürsten redete; als schickte er dieses Buch alsbald wieder zurücke, und ließ dem Hoffprediger zur Antwort melden, er hätte die Sache allbereit genau überleget, und finde bey itzigen casu kein Bedencken, er hätte auch des Dedekenni Consilia bereits für 40. Jahren gelesen, daß dannenhero der Hoffprediger gar wohl der Mühe überhoben seyn können, ihm selbige zuzuschicken. Der berühmte Leibnitz war auch zu selbiger Zeit des Orts gewesen, und hatte gegen einen guten Freund erwehnet, es würde zu Hanover einem Prediger übel bekommen, wenn er sich unterfangen solte, auch nur einem eingepfarreten Pfarrkinde absque praescitu & jussu Consistorii den Beichtstuhl und die Absolution zu versagen. (Und in einer Schrift mit ihnen zu zancken aber vergeblich ausfordern.) §. IX. Nichts destoweniger wolten die beyden Prediger den neuen Confessionarium so geschwinde nicht ex lite lassen, sondern nachdem dieser den ersten actum dieses seines neuen Amts verrichtet hatte, schrieben sie an 6. November 1705. folgenden Brieff: P. P. Die dem Herrn Abt Communicirte und bey den Dedekenno befindliche Responsa von Absolvir- und Communicirung fremder Beicht- und Pfarrkinder sind mit so guten und schrifftmäßigen Gründen verwahret, daß uns wundert, daß er sagen lassen, er hätte solches schon vor 40. Jahren gewust, und gleichwohl demselben zuwieder gehandelt, und wie man vermeint, sich selbst in hoc puncto gerechtfertiget, uns aber beschuldiget hat. Wenn nun entweder er oder wir irren, keiner aber in Irrthum beharren muß: So bitten wir dienstlich, er wolle uns die Brüderliche Liebe erweisen, und, da er einige trifftigere Gründe, als die sind, die er mit uns und wir mit ihm von unsern Theologen aus GOttes Wort gelernet haben, in contrarium zu haben vermeinen solte, selbige uns großgünstig communiciren, als die wir bereit sind, der Warheit, wenn sie auf seiner Seite ist zu weichen, oder bey derselben, wie wir sie aus GOttes Wort und unserer Theologen Schrifften gefasset haben, mit GOttes Hülffe zustehen und zu beharren. Wie nun dis unser Verlangen und Verfahren billig und Christlich ist, also versehen wir uns gleichmäßiger Antwort und beharren nebst Empfehlung unser aller und der gantzen Evangelischen Kirchen in den starcken Gnaden Schutz GOttes unsers Hochgel. Hrn. Abts und resp. Hrn. Collegen willig
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ster Diener und Vorbitter etc. Der Apt war gleich selbiges Tages an der Taffel bey S. Durchl. zu S. und empfing diesen Brief mitten unter dem Essen. Nach vollendeter Taffel zeigte er selbigen Serenissimo, welcher ihm befahl, daß er denen beyden Predigern solte wissen lassen, welchergestalt S. Durchl. ihm expresse verbothen, daß er sich mit ihnen in keine Schrifft-Wechselung einlassen solte, welches dieser auch alsbald bewerckstelligte. §. X. An den folgenden Sonntag als den 8. November und den(Neuer Unfug derselben, in ihren Predigten.) 22. Sonntag post Trinitatis wurde denen beyden Predigern das Predigen nebst andern Verrichtungen wieder erlaubet. An statt daß sie nun in Predigten sich hätten behutsam und vernünfftig aufführen sollen, hatte ihnen der Verlust der Beicht-Pfennige alle Scham benommen, dergestalt, daß der Hof-Prediger in der Vormittags, und der Capellan in der Nachmittags-Predigt, sich beyde öffentlich über die grausamen Verfolgungen beklagten, so sie itzo leiden müsten, welche der Gemeine wohl bekant seyn würden: Es solte aber die Gemeine nicht glauben, daß sie hier als Ubelthäter stünden, oder daß sie als Allotrio-Episcopi andern ins Amt gefallen wären. Der Hof-Prediger führte über dieses das Exempel von König Joas an, der ein gottseeliger König gewesen wäre, so lange der Hohepriester Jojada gelebt hätte etc. Alles dieses stellete er so erbärmlich vor, daß wie es in dergleichen Fällen gemeiniglich zu geschehen pfleget, viel Weibes-Personen von dem gemeinen Volck ihre heissen Zähren vergossen. §. XI. Ob nun wohl dieses alles dergestalt beschaffen war, daß(Und Widersetzlichkeit, wider des Serenissimi Verordnung.) S. Durchl. nicht zu verdencken gewesen wären, wenn sie alsbald mit der Schärffe wider die Prediger verfahren hätte, so war doch Dero Gedult auch hiebey so groß, daß sie nur resolvirten, den folgenden Sonntag drauf, als den 15. November oder den 23. Sonntag nach Trinitatis in der Schloß-Kirche die Predigt zu hören, und verordneten darauff, daß zwey Conventualen aus R. denselben Sonntag predigen solten, liessen aber drey Tage zuvor dem Hoff-Prediger und Hoff-Capellan zu wissen thun, daß sie nicht möchten auf die Predigt studiren, weil sie deßhalb schon Verordnung gethan, die dann nichts anders antworteten, als daß es schon gut wäre. Als aber des Sonntags der eine Conventual in die Sacristey kame, fande er die beyden Prediger drinnen, und da er ihnen vermeldete, wie er die Collecte absingen solte, antworteten diese, daß ihnen davon nichts wäre gemeldet, sondern ihnen nur angesaget worden, daß zwey Conventualen desselbigen Tages zu
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predigen beordert wären, fragten auch den Conventualen, ob es Serenissimus selbst befohlen? Da nun dieser meldete, es sey ihm zwar solches nicht immediate a Principe befohlen, es hätte ihm aber der Apt auf Serenissimi Befehl solches zu thun geheissen, antworteten jene, daß sie nicht gewohnet wären, auf dem Schlosse von Apte Befehle anzunehmen, und würden sie nicht zugeben, daß er, der Conventual vor dem Altar absänge, weil dieses sonst eine species suspensionis vel remotionis, wovon sie nichts wüsten, seyn möchte. Da aber diesen unerachtet, der Conventual fortgehen und absingen wolte, lief der Capellan vor ihm zur Thür hinaus und sunge ab, der Hof-Prediger aber stellete sich vor die Thür. (Kluge Moderation desselbigen, und denen Predigern gethane gnädige Vorschläge.) §. XII. Ob nun wohl auch diese neue Widersetzlichkeit Serenissimum hätte antreiben können, beyde Prediger biß zu Austrag der Sache alsbald zu suspendiren; so war doch auch noch damahls dessen Langmuth so groß, daß er sich theils die Intercessiones etlicher Personen für die hartnäckigten Prediger, theils die Remonstrationes etlicher auch nunmehro verstorbenen Minister, als wenn die Suspension eine Species poenae wäre, die man ihnen nicht eher als biß sie vorher genungsam gehöret worden (ob gleich ihre Widersetzlichkeit notorisch war) auflegen könte, bewegen liesse, nur anzubefehlen, daß den folgenden Sonntag als den 22. November zwey andere predigen solten, und denen beyden Predigern anzudeuten, daß sie selbigen Sonntag weder predigen noch die Collecte absingen solten. Die von ihren heimlichen Patronis allbereit instruirete Prediger übergaben den Tag drauff als den 23. November eine Supplique, in welcher sie baten, Serenissimus möchte ihnen gnädigst erlauben, daß sie ihr Amt selbst verrichten möchten, und nicht in allen, wie bißher geschehen, ab executione contra nec auditos, nec convictos verfahren, und als S. Durchl. über dieses Petitum etliche seiner Ministrorum, die er vor heimliche Patronos der Prediger hielte, a part vernahm, hat der eine sich nicht gescheuet, offenbahr vor die Prediger sich zu declariren, und zu sagen, daß S. Durchl. dieselben bey ihren Bedienungen lassen, und was etwa vorgegangen aus Generosität pardoniren müste; der andre aber hatte sich nur in so weit herausgelassen, man müste sie zum wenigsten hören und ihnen den Weg Rechtens eröffnen, auch nicht ab executione aut poena suspensionis anfangen. Andre aber, die von des Dedekenni Consiliis so nicht eingenommen waren, und die die Fürstlichen jura circa sacra ohne Vorurtheil der Päbstischen Rechte etwas tieffer einsahen, schlugen Principi fol
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gendes temperament für. Es wurden nemlich die beyden Prediger den 24. November für das geheime Raths-Collegium gefordert, und daselbst mündlich angezeiget, daß ihnen bekant seyn würde, was zeithero passiret. Nun wäre zwar Serenissimus gesonnen, daß, wenn sie auf ihren Begehren verharren würden, auch den gerinsten Schein einer Ungerechtigkeit bey seinen Unterthanen zu meiden, sie zu hören, und deßhalb eine Commission an zu ordnen: Nachdem aber ihr Unfug offenbahr und keine weitläufftige Untersuchung bedürffe, auch S. Durchlauchtigkeit feste beschlossen hätten, sich ihrer Dienste ferner nicht zu bedienen, indem sie mit ihren bißherigen Verfahren dieselbe dergestalt geärgert, daß alles Vertrauen, so selbige vorher gegen sie gehabt, erloschen wäre, auch man kein vernünfftig Mittel sähe, wie solches, (die Sache möge auch lauffen, wie sie wolte) wieder in vorigen Stand zu bringen wäre, sie sich auch babey versichern könten, daß man ihnen keine muthwillige und unvernünfftige Aufhaltung der Justitz verstatten, sondern die Sache kurtz und gut außmachen würde. Dannenhero möchten sie wohl bedencken, ob es nicht vor sie selbst rathsamer sey, daß sie diejenigen Diensie im Lande, worzu Ihre Durchlauchtigkeit etwa zu disponiren seyn möchten, daß sie ihnen selbige accordirten, gutwillig acceptirten, als den Weg Rechtens erwehlten, indem sie wahrscheinlich bey demselben ihren Zweck nicht erreichen würden. Wannenhero sie dißfals ihre resolution von sich geben solten. §. XIII. So wenig nun die beyden Prediger sich dieser ungemein(Dieser ihre confusion, und gebetene auch erhaltene Frist.) klugen und zwar sehr Gnädigen aber doch in ihren Kram nicht dienenden Proposition versehen hatten; so confus wurden sie auch bey derselben Vortrag. Sie wolten sich zwar entschuldigen, daß sie ja Serenissimo administrationem Sacrae Coenae nicht simpliciter denegiret sondern nur verlanget hätten, daß ihnen erlaubet seyn möchte, zu Beruhigung ihres eigenen Gewissens ein und des andern Collegii Theologici Consilium über die Sache einzuholen, und hofften dannenhero, daß Ihre Durchlauchtigkeit überzeiget werden solte: daß sie in der Haupt-Sache geirret hätten, und sich so dann das Vertrauen zu ihnen schon gäntzlich wiederfinden würde; Aber auf die ihnen vorgeschlagene Wahl, und begehrte Erklährung über dieselbe wolten sie sich ex tempore nicht einlassen, sondern baten deßwegen einige Tage Bedenckzeit, die ihnen auch gar Gnädig bewilliget wurde.
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(Etliche differente Umstände, derer sie in ihrer Erzehlung erwehnen.) §. XIV. Ich habe bißher dasjenige was in Consilio Sanctiori vorgegangen, nach referirung des damahls mit mir correspondirenden Ministri erzehlet: Dieweil aber die von denen Predigern aufgesetzte species facti vermuthlich in nicht weniger Personen ihren Händen ist, und selbige in einen und andern Umständen die Sache anders zubeschreiben scheinet; als will ich auch solches hierbey unpartheyisch melden. Sie schreiben, daß den 8. Nov. als den 22. post Trinit. ihnen das Predigen nebst andern Verrichtungen wieder erlaubet, den folgenden 23. und 24. post Trinit. aber durch den Gerichts-Pedellen das erste wieder verboten und andre auffgestellet worden, dergestallt, daß sie sich genöthiget befunden, sich dieser wegen in einer Schrifft den 23. November zu beklagen und zu bitten, man möchte ihnen ihr Amt selbst zu verrichten Gnädigst erlauben, und nicht in allen contra nec auditos nec convictos verfahren: Sie wären aber an statt der Erhöhrung den 24. Nov. für den Geheimbden-Rath gefordert, ihnen daselbst die Cantzel auff ewig verboten, und ihnen zwey Wege vorgeschlagen worden, entweder anderweitige honorable Beförderungen anzunehmen, oder es wolten Ihre Durchl. ein geistlich Gericht, convociren und daselbst ihre Sache untersuchen lassen; wiewohl sie zu dem ersten modo in Gnaden geneigter wären. Als nun die Prediger sich über dergleichen illegalen Verfahren billich beklagt hätten, nemlich daß man den Proceß ab executione anfieng, sie in ihren Amt so schimpffte und bestraffte, da sie doch nicht einmahl wüsten, noch ihnen gezeiget worden, was sie begangen hätten, hätten sie doch keine andre resolution bekommen können, als daß Ihre Durchlauchtigkeit es also befohlen, indeß so solten sie auf die vorgelegten zwey Wege antworten, welches sie auch den 30. Novembris schrifftlich gethan. etc. (Unmaßgebliche Gedancken darüber.) §. XV. Nun weiset dasjenige, was oben §. 10. 11. angeführet worden, daß die Prediger viele Umbstände, die an den 8. 15. und 22. Novembris vorgegangen, ausgelassen, weil sie wohl sahen, daß selbige bey dem Leser keine ihnen favorable Gedancken erregen dürfften. Was aber ihre relation von dem, was den 24. November passiret, anlanget, so wird ein jeder leicht begreiffen können, daß ihnen damahls, nicht so gleich positive die Cantzel auf ewig verboten worden, weil dergleichen einen Effer bezeigendes Verbot, mit dem angehengten und vielmehr aus Gnaden herfliessenden Vorschlag der zweyen Wege gar nicht connectiret. Ob schon nicht zu leugnen, daß die ihnen gethane pro. position per indirectum ihnen andeutete, daß wohl nichts anders er
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folgen dörffte. So ist auch das erste membrum des Vorschlags, daß sie anderweitig honor able Beförderung anzunehmen erwehlen solten, wohl mit Fleiß dunckel und zweydeutig von ihnen referiret worden; indem damahls noch nicht resolviret war, sie ausser Landes zu dimittiren, und ob wohl die nach dem vorigen paragrapho 12. dißfalls mit auf das tapet gebrachte dimission den concept mit einschlosse, daß sie salvo honore der Prediger geschehen solte; so begreifft doch ein ieder leichte, daß die vorgeschlagene translocation vielmehr per indirectum mit dem Titul einer Poenitenz-Pfarre, als mit dem praedicat einer anderweitigen honorablen Beförderung beleget werden könte. Endlich kan ich mir nicht einbilden, daß die armen Leute in eine so gar grosse ungehobelte rusticität verfallen seyn solten, vor dem gesamten Geheimbden Raths-Collegio von illegalitäten, und andern dergleichen groben Dingen zu schwatzen, ich kan auch nicht glauben, daß wenn solches geschehen wäre, nicht zum wenigsten die beyden Prediger solten mit Arrest seyn beleget worden. Jedoch sind dieses meine unmaßgebliche Gedancken, und stehet dem Leser frey, zu glauben, was er will. §. XVI. Vielleicht wird etwas zu dem Urtheil, ob der Prediger(Der Prediger schriftliche Antwort auf die gethanen Vorschläge.) ihr Aufsatz unpartheyisch und aufrichtig verfertiget worden, contribuiren, wenn man dasjenige, was sie von ihrer den 25. Novemb. geschehenen Antwort melden, gegen ihre gantze Schrifft halten wird. Sie melden daß derselben Einhalt darinnen bestanden, daß sie ante omnia restitutionem in integrum gebethen, alsdann wolten sie sich auf die gethanen Vorschläge gewissens vergnüglich erklähren. Aus diesen Worten wird iedermann meinen, daß sie in dem Schreiben noch keine Erklährung auf die gethanen Vorschläge gethan: wenn man aber das Schreiben selbst betrachtet, wird man darinnen finden, daß sie zwar solches nicht deutlich und gleich zu gethan, aber doch indirecte nicht undeutlich das letzte und eine Proceßmäßige Hörung gewehlet. Das Schreiben lautet folgender massen. Als Ew. Excell. uns am nechst vergangenen Dienstage die Sperrung der Cantzel andeuteten, (nachdem selbige schon 2. Sonntage vorher uns verboten gewesen) und zweyerley Wege vorstelleten, entweder anderweite honorable Beförderung anzunehmen, oder vermittelst Untersuchung der Sache (darinn wir gleichwohl nicht anders, als wie Evangelische Prediger unsern theuer beschwohrnen Pflichten gemäß wieder das einreissende Pabstthum und Aergernüs uns bezeiget, und darob viele Angst und Leyden biß auf diese Stund
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gehabt haben) von einem formirenden geistlichen Gerichte Urtheil und Recht zu erwarten; haben wir darauf in der Furcht des HErrn, und mit Anruffung seines Nahmens die Sache erwogen, und befunden, daß (wo dem Recht und Gewissen soll nachgegangen werden) noch zur Zeit dieser keines von uns erwehlet werden könne: Allermassen es einer fernern Untersuchung, und eines von uns armen Predigern mit einem mächtigen Fürsten und Herrn zu führenden Processes nicht brauchet, so ferne wir von unsern Hoff-Predig-Amt rechtmäßig solten entsetzet seyn; da wir aber unrechtmäßiger Weise entsetzet sind, wie mögen wir uns denn (biß lange wir unser Predig-Amt und rechtmäßigen Beruff de jure noch haben) auf eine noch zur Zeit nicht wissende anderweite Vocation oder Beförderung determiniren? dannenhero ist unsere nochmahlige wie unterthänigst demüthigste, also gerechteste Bitte, daß wir zuvor in integrum restituiret werden, weil ja bekanten Rechtens ist, quod ejectis & spoliatis, antequam ad causam vocentur, omnia sint redintegranda, ita ut ante restitutionem ejectus vel spoliatus non cogatur respondere. Gausa 3. q. 1. c. 1. seq. & in fine, Lancell. Instit. Jur. Can. l. 3. tit. 10. 2) Weil auch Göttlichen und menschlichen Rechten gemäß ist, daß niemand (nahmentlich kein Prediger 1. Tim. V. 19.) verdammet und bestraffet werde, ehe er überzeuget, vielmehr gehöret ist, Joh. 7. 51. Act. 25. 16. 3.) daß man den Process wieder Lehrer und Prediger wegen ihres Straff- und Predig-Amts willen nicht befugt sey ab executione anzufahen, und was der Ursachen mehr seyn, welche besage des Anschlusses sub A. & B. von Christlichen JCtis und Theologis dißfalls angeführet werden. Solten nun diese jura (wie ja billich ist) auch uns zu statten kommen, und wir quoad restitutionem in integrum gnädigst erhöret werden, könte und würde, ob GOtt will, eine Gewissen-vergnügliche Erklährung erfolgen. Wir bitten hierbey unterthäniglich, daß alles, was in dieser wichtigen Gewissens-Sache je vorgestellet ist, und wir ietzo und inskünfftige münd- oder schrifftlich noch ferner vorzutragen genothdränget werden, so, wie es gemeynet ist, angenommen und gedeutet werden möge, als die wir keines Menschen, am allerwenigsten unserer hohen Obrigkeit (GOtt weiß es) Verunglimpffung, sondern lediglich die Ehre GOttes, das Beste seiner Evangelischen Kirche, und vieler auch unserer eigenen Seelen-Seeligkeit (so viel uns durch GOttes Gnade möglich ist) zu suchen gemeinet sind, feyerlichst protestirende gegen alle wiedrige interpretationes, und Deutung. Wir beharren in unterthänigster Erwartung gnädiger und gerechter restitution (dazu Ew. Excellences bey S. Hochfürstl.
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Durchl. unserm gnädigsten Fürsten uud Herrn, Dero besten Wissen und Gewissen nach zu cooperiren gehorsamst gebeten werden) und nebst Empfehlung GOttes zu Abwendung alles Unheils von gnädigster Herrschafft und dem gantzen Lande etc. §. XVII. Die beyden Beylagen sub A. & B. begreiffen nichts als(Zwey Beylagen mit Papentzenden Allegatis.) Loca Autorum und Allegata. Die sub litera A. hatte folgende. Brunnem. de Jur. Eccles. lib. 2. c. 19. §. 5. & 6. prohibitionem suggesti habet pro specie suspensionis de qua inter alia ita judicat: Si consul a consulatu non est suspendendus durante inquisitione vel accusatione, cur ministri Christi deterioris debent esse conditionis. Strykius ad h. l. Sola accusatio vel inculpatio si ad suspensionem ab officio fufficeret, unicuique pro calumniantium libidine immineret suspensio, unde non male monuit Nic. Papa Can. sciscitant 5. in fine causa 15. qu. 8. quando dicit: priusquam audias, ne judicaveris quenquam &c. Ubi etiam, quod taliter suspenso a tali sententia appellare fas sit, adducit Mev. part. 1. D. 191. n. 7. Carpz. lib. 1. Jurispr. Eccles. def. 70. n. 4. Quis non videt interdictionem vel prohibitionem sug gesti importare suspensionem pastoris ab officio, si non ipsam depositionem vel remotionem. Quod autem magistratus solus non habeat potestatem removendi ministrum Ecclesiae autoritate B. Luth. Tom. 8. Jen. germ. fol. 107. & seq. contra illos fulminantis, qui sibi hanc potestatem arrogant, asserit & probat Fritschius Tract. 3. Jur. Eccl. Tit. 12. ex Avemanno. Titulus hujus Epist. Lutheri est: Daß ein Seelsorger, so GOttes Wort rein lehret, und ein ehrbar unsträflich Leben führet, darum seines Amtes nicht soll entsetzet werden, wenn etliche Gewaltige einen Gram auf ihn werffen, daß er öffentliche Laster, doch insgemein, wie er von Amts wegen schuldig, hart straffet. Da er unter andern diese Worte führet: Ihr seyd nicht Herren über das Predig-Amt und Pfarrherren, habt sie nicht gestifftet, sondern alleine GOttes Sohn, und wie sie ferner über die massen hart lauten. Item: Es leidet kein Hauß-Vater, daß man ihm seine unschuldige Diener wieder seinen Willen entsetzet, und ihm in seiner Haußhaltung einen andern an seine statt ordnete. Ja es leidet kein Hirten-Jung ein krumm Wort von einen fremden Herrn. Aber GOttes Diener, der soll und muß jedermans Höddel seyn, und alles von jederman leiden, dagegen man nichts von ihm auch nicht GOttes Wort selbsten leiden will. So urtheilet er auch davon Tom. V. Jen. germ. fol.
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327. in der treuen Vermahnung an einen Pfarrhern, daß er zu unbilligen Absetzen eines Predigers nicht stillschweigen, noch zu eines andern Eindringen an seine Statt willigen soll; woselbst er gar hart redet. Theologi Witteberg. p. 2. Cons. p. m. 93. 191. 194. Gesetzt, daß sie die Jura Episcopalia hätten, so hätten sie doch in der Sache, indem sie dieselbe selbst betrifft, ihre eigene Richter nicht seyn sollen. Es hätten die Puncta müssen erörtert werden, eure Antwort gebührend angeführet, und ihr einiger Calumnien müssen ordentlich überführet werden, und alsdenn NB. andere erst darüber zu erkennen gehabt, ob ihr damit die Uhrlaubung verdienet. Wie man aber in propria causa judiciret, auch euch nicht einige Puncta specifice vorgehalten, vielweniger euch darübe vernommen, und de facto zugefahren, Euch die Cantzel verbothen, kan solches anders nicht, denn ein verdächtiges unbilliges procediren geachtet werden. So kan ohne dies niemand nach seinen eigenen Willen mit Lehrern und Predigern verfahren, und sie von ihrem Dienste ohne sattsame Ursache, vielweniger wegen heimliches Hasses, oder daß man ihre Straf-Predigten nicht vertragen kan, absetzen, weil sie dieses Amt nicht von Menschen, sondern von GOtt haben, und da sie GOtt in seinem Worte nicht verdammet, da sie wider GOttes Wort nicht gelehret, noch wider seine Gesetz ärgerlich gelebet, so kan man sie auch nicht verdammen. Theol. Rostoch. ap. Dedek. Vol. 1. conf. f. m. 724. und andere fol. 851. 853. 1035. die unter andern schreiben: Daß es irrig und falsch sey, daß man sagt, Obrigkeit hat Macht zu beruffen, darum hat sie auch Macht zu enturlauben. So doch Obrigkeit nur die Prediger abzusetzen hat, welche falscher Lehre oder ärgerlichen Lebens überzeuget sind. Woselbst auch einige schreckliche Exempel der Straffe derer angeführet sind, so dawider gethan. In nova Appendice hor. Cons. werden p. 519. seq. 540. mehr Theologi allegiret, die alle hiermit einig, daß sie mit dem Caus. 2. q. 1. c. 18. allegirten Augustino sagen: Quis sibi utrumque audeat assumere, ut cuiquam ipse sit & accusator & judex, und daß die gemeine weltlichen Rechte vermögen, quod ab executione processus inchoandus non sit leg. un. C. de prohib. sequest. pec. V. oportet enim, und daß die Suspensio bey denen Predigern eine solche Straffe sey, die auf grobe ärgerliche und unverantwortliche Sünde folget, welche an einen Pa
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store nicht kan verübet werden, ehe und bevor die causa von dem gesammten Consistorio oder Presbyterio cognosciret, verhöret und decidiret worden. etc. etc. Die andre sub B. brachte andre allegata auf die Bahn. Cap. Praeceptum caus. 2. q. 2. ex Zepherino. Praeceptum est in antiquis statutis, ejectos atque suis rebus exspoliatos Ecclesias proprias recipere, & demum, si quis eos juste accusare voluerit, aequo periculo facere, judices esse decernendos Episcopos recta sapientes & in Ecclesiam convenientes, ubi testes essent singulorum, qui oppressi videbantur, nec prius eos respondere, quam omnia sua eis & Ecclesiis eorum legibus integerrime restituantur. C. in scripturis caus. & qu. iisdem ex Eusebio. In scripturis vestris reperimus quosdam Episcopis vestris in partibus a propriis ovibus accusatos, aliquos videlicet ex suspicione & aliquos ex certa ratione Et idcirco quosdam suis rebus esse exspoliatos, quosdam vero a propria sede depulsos, quos sciatis, nec ad Synodum comprovincialem nec ad generalem posse convocari, nec in aliquo judicari, antequam cuncta, quae eis ablata sunt, legibus potestati eorum redintegrentur. D. Gerh. loc. de Minist. Eccles. sect. 16. §. 174. Quemadmodum vocatio ministrorum ad totam Ecclesiam, ita quoque remotio pertinet, ideo probari nequit illorum pseudo-Politicorum opinio, qui ad jura regalia magistratus remotionem ministrorum pertinere censent, ita ut pro lubitu possint mutare Ecclesiastica ministeria, & prioribus ministris loco motis vel in exilium pulsis, alios substituere, quod Lutherus appellat. Tom. 6. germ. Jem fol. 376. Et ex libello Jenae 1602. edito, cujus tit. von Beruff und Enturlaubung der Prediger, wie fern die weltliche Obrigkeit Macht habe, dieselbe ihres Amtes zu entsetzen, nöthiger Bericht aus GOttes Wort und fürtreflicher Lehrer Bedencken, als D. Lutheri, Philippi, der Theologorum zu Leipzig D. Brentii, D. Mörlini, D. Heshusii, D. Sim. Pauli, D. Mart. Chemn. Ministerii Gryphsw. & vicinarum Ecclesiarum in Pomerania &c. allegat dictus Gerhardus haec verba: Vicissim quemadmodum legitima vocatio debet fieri juxta leges divinitus praescriptas, ita quoque legitima ministri remotio. Ut enim jus vocandi principaliter ad solum Deum pertinet, etiam in mediata vocatione, ita quoque jus removendi, etiam in mediata remotione. 1. Sam. 2. v. 30. Loquens locutus sum de ministerio tuo, ut ministrares in conspectu meo usque in sempiternum, nunc autem absit hoc me, dicit Dominus. Et Ose 4. v. 6. Quia tu scientiam repulisti & oblitus es legis Dei tui, repellam ego te, ne sacerdotio fungaris mihi. Ut autem vocatio, ita quoque remotio sit
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per media, videlicet per legitimum Ecclesiae judicium divinae voluntati conformandum. Divina voluntas haec est, quod minister Ecclesiae debeat verbum Dei sincere docere, & inculpatae vitae exemplo auditoribus praeire. Ergo quando minister Ecclesiae vel in haeresin incidit, vel enormibus delictis scandalum praebet, ac facit, ut nomen Dei blasphemetur, tunc Ecclesia habet potestatem removendi. Vid. etiam D. Danh. in lib. consc. aperto p. 1. p. 917. seq. Dunte in decis. cas. consc. cap. 17. sect. 2. quaest. 18. Wenn nun die Obrigkeit oder das Volck in einer Stadt zufähret, und ihren Prediger absetzet, thut es ungütlich und wieder GOttes Wort, denn es stehet allen dreyen Ständen zu. Und wenn sie gleich erhebliche Ursachen hätten, ihn abzusetzen, so muß man doch darinne ordentlich verfahren, nach S. Pauli Geboth keine Klage aufnehmen, ausser zweyer oder dreyer Zeugen Munde, muß auch nicht zu gleich in eigener Sache part und Richter seyn. Und ist derohalben vonnöthen, daß ein Lehrer vor der weltlichen Obrigkeit und dem Volck verklaget werde, und die Sache von einem wahrhafftigen Bischoff (oder Superitendenten) oder zu gleich von vielen verhöret werde. Und ziemet sich nicht Klägern, daß sie Beklagten aus eigner habender Gewalt entsetzen. (Einige Anmerckungen über dieselben.) §. XIIX. Man siehet aus obiger Schrifft und denen Beylagen, daß bey denen Predigern die aus denen bißherigen reliquiis Pseudopoliticis von jugend auf eingesogene praejudicia bey ihnen so tieffe Wurtzel gefasset hatten, daß sie allerdings sich beredeten, sie thäten GOtt einen Dienst daran, daß sie dieselbe auf das äuserste vertheidigten, und wurden die arme Leute dadurch noch mehr sicher gemacht, da sie sahen, daß ihre geheimen Patroni ihnen mit denen attestatis berühmter Juristen und schönen textibus Juris Canonici unter die Arme griffen. Denn obwohl der seelige Lutherus das Jus Canonicum zu Wittenberg cum summa solennitate verbrannt hatte, so hielten sie doch für ungereimt zu seyn, die ihnen suppedidirten loca ex Jure Canonico weg zu lassen, weil sie vermeineten, daß ihnen dieselben vortreflich zu statten kämen. Ob aber ihre Patroni auffrichtig an ihnen gehandelt und die loca ex JCtis bona fide excerpitet hatten, will ich itzo eben nicht untersuchen. Zum wenigsten ist das gewiß, daß der in der Beylage sub A. excerpirte locus ex Carpzovii Jurispr. Eccles. lib. 1. def. 70. sehr hämisch und mala fide excerpiret ist, weil Carpzovius daselbst gantz
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deutlich von Patronis redet, qui jura Episcopalia non habent, und sich dabey erklähret, daß sein Assertum auf den Episecopum nicht extendiret werden solte, indem dieser allerdings das Jus ex gravi causa destituendi hätte; wannenhero dieser Locus auf gegenwärtigen casum gantz nicht appliciret werden konte. Daß man aber die Prediger beredet hatte, in ihrer Antwort sich der exceptionis spolii zu bedienen, das war wohl ein sehr plumper und Rabulistischer Streich, durch welchen der Prediger Sache unmöglich verbessert werden konte, sondern nothwendig verschlimmert, und straffbarer gemacht wurde, wie aus folgenden mit mehrern erhellen wird. §. XIX. Da nun der Karren von ihnen so weit in Koth geführet(Nöthige Behutsamkeit wegen zweyer Dubiorum, der Prediger Coërcirung bes treffend.) wurde, daß kein ander Mittel ad defendenda jura Principis circa sacra übrig war, als daß ein Exempel an ihnen statuiret würde, wenn auch gleich Serenissimus nicht nach dem strengen Recht mit ihnen verführe, so kamen doch in Ansehen der dabey zu gebrauchenden Behutsamkeit neue Dubia vor, die auf beyden Seiten Rationes für sich zu haben schienen. Denn 1) war die Frage, ob sie translociret, oder ausser Landes dimittiret werden solten. Das erste Mittel schiene deßwegen am sichersten zu seyn, daß sie so dann unter Fürstlicher Bothmäßigkeit blieben, und man ihren pruritum distamandi mit Nachdruck Einhalt würde thun können. Das andere aber schiene deßhalben in Consideration zu ziehen zu seyn; weil die Prediger, wenn sie gleich ausser Landes wären, dennoch viel Ursachen würden zu überlegen haben, die sie von schrifftlichen Diffamationen abhalten möchten: die mündlichen aber wären ausser Landes nicht so gefährlich, als wenn dieselbigen im Lande ausgestreuet, und durch ihre heimliche Patronos secundiret würden. 2) Ob Serenissimus schuldig wäre ihnen eine Untersuchung der Sache zu concediren, oder ob selbige nicht alsbald ihres bißherigen Dienstes erlassen werden könten. Das erste Mittel recommendirte sich dadurch, damit der ihnen anhangenden Parthey alle Gelegenheit benommen würde, ferner zu weheklagen, daß man Prediger ohngehört bestrafft hätte. Das andere aber hatte diese Rationes für sich, daß ihre Begünstigungen keine Untersuchung brauchten, indem man sie aus ihren eigenhändigen Schrifften derselben convinciren konte, und weil Principes Imperii gemeiniglich in allen Bestallungen ihrer so wohl geistlichen als weltlichen Bedienten entweder sich expresse reservirten, daß wenn einer oder der andre dererselben ihnen nicht länger anständig seyn solle, sie alsdann ohne Allegirung einiger Ursachen selbige ihrer Dienste erlassen könten, oder
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doch dieser Reservatio ihnen in denen Bestallungen tacite reserviret bleiben müste, in Ansehen auch denen Bedienten auf ihrer Seite frey bliebe, auf solche masse ihre Dimission zu suchen. Dannenhero wurde endlich dieses Temperament getroffen, daß zwar denen Predigern eine Untersuchung der Sache vergönnet, aber dabey in acht genommen werden solte, daß alle protractio administrationis justitiae vermieden bliebe. (Verordnung einer Commission wegen der Prediger Unfug.) §. XX. Derowegen wurden 12. Personen zu dieser extraordinairen Commission verordnet, nemlich 6. Politici und 6. Theologi, und ergienge an selbige folgendes Rescript, den 6. Decemb. 1705. Von GOttes Gnaden Wir etc. Uhrkunden hiermit und fügen zu wissen, als wir aus erheblichen uns darzu treibenden Ursachen resolviret, zu Untersuchung des einige zeithero von unsern Hoff-Prediger und Hoff-Capelan unternommenen Verfahrens ein sörmliches Judicium Ecclesiasticum zu veranlassen, zu dem Ende auch zwölff Deputirte ernennet haben. So geben wir denenselben aus Landes-Fürstlicher und Ober-Bischöflicher Autorität und Gewalt, nebst Erlassung, so viel diese Sache betrifft, derjenigen Pflichten, womit sie uns verwandt seyn, Krafft dieses völlige Macht und Freyheit, daß sie sich mit dem ehesten auf unserer Consistorial-Stuben zusammen thun, eine speciem facti mit allen Umständen aus denen vorhandenen Brieffen und Nachrichtungen formiren, ernannte beyde Prediger citiren, selbige darüber ohne Zulassung weitläufftiger Schrifften mit ihrer mündlichen Verantwortung und Exculpation genugsam hören, so dann die Sache in allen ihren Circumstantien nach denen beschriebenen geist- und weltlichen Rechten, vornehmlich aber nach denen in unserer Kirchen-Ordnung aller und jeden Predigern gegebenen Gesetzen, und ob und welchergestalt obgedachte Prediger ihr Amt so wohl circa rem ipsam als circa modum agendi mißbrauchet, mit Fleiß und Attention examiniren, und darauf nach dieser Sachen in allen deren Umständen befundenen Bewandnüß ein Conclusum, wie nehmlich mehrerwehnte Prediger wegen ihres Verfahrens von Rechts wegen anzusehen, per majora ausfinden, und dasselbe in vim sententiae unter eigenhändigen Subscriptionen und Unsern Fürstlichen Consistorial-Siegel publiciren mögen und sollen. etc. (Hierzu nöthige Excerpta ex Actis.) §. XXI. An 8. December, da die Herren Deputati ihre erste Zusammenkunfft hielten, wurde daselbst zuforderst beschlossen, daß die beyden Prediger citiret werden solten auf den 11. Decembr. zu erscheinen, indessen aber wurde von denen übrigen einem derer Herren Deputatorum aufgetragen, aus denen bißher ergangenen Actis eine kurtze spe
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ciem facti aufzusetzen, und die vornehmsten Momenta daraus zu excerpiren, und selbige dem Herrn Praesidi noch selbigen Tages einzuhändigen. Wie ungern nun dieser ehrliche Mann an diese Commission gegangen, und wie behutsam er dabey verfahren, zeiget sein beykommender noch am 8. December concipirter Aufsatz. Nachdem Serenissimus zu Untersuchung des eine zeithero von dero Hof-Prediger und Hof-Caplan unternommenen Verfahrens ein förmliches Judicium Ecclesiasticum veranlasset, hierzu unter andern auf mich mit reflectiret, obgedachtes geistliche Gericht aber bey der heutiges Tages zu erst gehaltenen Session resolviret, aus denen hißhero ergangenen Actis eine speciem facti extrahiren zu lassen, so hätte ich wohl wünschen mögen, daß, indem ich niemahln die Ambition gehabt, ein Membrum des Consistorii zu werden, meines gnädigsten Herrn Durchl. mich von dieser Commission, da eigentlich die Sache ihrer Natur nach vor das Consistorium gehöret, hätten gnädigst dispensiren, und die übrigen Herren Mit-Commissarii als meine hochgeneigtesten Patroni mit der aufgetragenen Arbeit mich gütigst verschonen mögen, weil ich aber in keinen von beyden Sachen zu reussiren vermocht, so habe ich aus denen mir zugestellten Actis dasjenige nach Anleitung Serenissimi gnädigsten Rescripts vom 6. dieses extrahiret, worinn ich vermeyne, daß die gedachten Prediger ihr Amt so wohl circa rem ipsam, als circa modum agendi gemißbrauchet, und worauf in sententionando zu reflectiren seyn wird. 1) Findet sich, daß die Prediger in dem Serenissimo zugeschickten Briefe vom 1. Sept. a. c. S. Durchl. beschuldiget, als ob sie eine in GOttes Wort nicht gegründete, noch von den Aposteln bey Bekehrung der Völcker, wohl aber von Römischen Meß-Priestern nnd Missionariis frequentirte Praxin und Methode die Protestanten zu ihrer Religion zu bereden, brauchten. 2) Appliciren sie auf S. Durchl. das Exempel von Nadab, Abihu, Usa, u. s. w. 3) Praetendiren sie, daß ihr Amt von GOtt alleine sey. 4) Haben die beede Prediger in eben selben Schreiben Communication derer Responsorum, die S. Durchl. für sich zu haben gemeldet, begehret, damit sie dieselbe examiniren könten, wie weit sie sich in der bekannten vorhabenden Sache mit predigen, absolviren und communiciren zu verhalten hätten. 5) In dem bey den Actis befindlichen Schreiben, welches die beeden Prediger den 4. Sept. a. c. an meines gnädigsten Herrn Durchl. abgelassen imputiren sie deroselben, daß sie äusserliche Macht und Gewalt an ihnen gebraucht, daß sie das von ihrer Heerde verirrete Schäflein nicht suchen
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dürfften. 6) Praetendiren die Prediger in eben diesen Schreiben, daß Ihro Durchl. zustehen möchten, daß sie mit einigen Theologischen Facultäten und Collegiis communiciren, und sich über der Admission Ihro Durchl. ad S. Coenam auch wegen des öffentlichen Elenchi belehren lassen möchten. 7) Zu welchem Ende sie denn die erste Fragen folgendergestalt eingerichtet: Ob Constantinus, ein Evangelischer Landes-Herr könne würdiglich communiciren, non obstante praxi & opinione ista, nach welcher er haben will, daß seine Neptis um einer Heyrath willen von der aus GOttes Wort gründlich erkannten und vor ein und dreyviertel Jahren bey solenner Confirmation unter und mit Anruffung des Nahmens GOttes beweglichst bekannter Wahrheit zu der Römischen Kirchen übertreten soll, dawieder er weder schrifftmäßige Remonstrationes der Lehrer achtet, sondern vielmehr saget, er wolle alle von jenen besorgte Sünde und Verantwortung auf sich nehmen. Woraus dann erhellet, daß beede Prediger S. Durchl. einer verübten Gewalt in Glaubens-Sachen beygemessen, und ihro zumuthen dörffen, daß sie als Summus Episcopus auswärtiger Theologorum judicio ihre Actiones unterwerffen sollen. 8) Als ihro Durchl. den Herrn Abt zu ihren Confessionario erwehlet, haben die Prediger den Dedekennum dem Herrn Abt zu geschicket, darinn den sub num. 5. befindlichen Locum gezeichnet, und selbigen also auf ihro Durcht. appliciret. 9) Wie der Herr Abt sich mit denen Predigern darüber zu communiciren Bedencken getragen, haben sie in einen Schreiben an denselben von 6. Nov. a. c. ihm imputiret, daß er sich gerechtfertiget, dadurch sie denn genugsam gezeiget, daß sie die geschehene Verordnung wegen der Communion, so durch den Herrn Abt verrichtet worden, improbiret, und sich also gegen ihren summum Episcopum abermahls aufgelehnet. 10) Wie nun endlich ihro Durchl. als Dero die Jura Papalia in ihren Landen ohnstreitig zustehen, und sie von Administrirung derselbigen niemand, als GOtt dem Obersten-Richter allein Rechenschafft zu geben schuldig sind, aus bewegenden Ursachen, sonderlich aber wegen der von denen beeden Predigern zum öfftern in ihren Predigten gebrauchten anzüglichen Expressionen, 2. Sonntage nach einander, andere vor dieselben in der Schloß-Kirchen predigen lassen, so haben sie nicht alleine, in nachdrücklichen Terminis sich beschweret, sondern es haben auch 11) beede Prediger, als Ihro Durchl. durch die Herren Geheimde Räthe ihnen anzeigen lassen, daß sie sich der Cantzel biß auf weitere Anzeige enthalten möchten, ein anderweites Schreiben unter den 28. Nov. abgehen lassen,
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darinnen verlanget, daß man ihnen das Predigen wieder verstatten, und sie in solchergestalt in integrum restituiren möchte, weilen nach denen gemeinen Rechts-Regeln spoliatus ante omnia müsse restituiret werden, woraus denn klar erhellet, daß gedachte Prediger sich pro spoliatis halten, und daraus nothwendig folgen muß, daß sie Serenissimi wegen Untersagung der Cantzel gemachte Verordnung als ein spolium, Ihro Durchl. aber, der doch ihr summus Episcopus, pro spoliatore ausehen. 12.) In der bey selbigen Schreiben befindlichen Beylage sub lit. A. & B. sind verschiedene passagen aus dem Jure Canonico so wohl, als aus andern Dd. allegiret, welche nicht allein incongrue von denen beeden Predigern angeführet worden, sondern es ist auch aus etlichen allerdings zuschliessen, daß gedachte Prediger Ihro Durchl. das völlige exercitium jurium papalium in ihrem Lande, welches Ihro doch per. §. 48. art. V. Inst. Pac. Westph. zustehet, streitig machen wollen. Dieses ist nun dasjenige, welches ich aus denen mir gegebenen Actis extrahiret habe, und worauf ich der Meynung bin, daß in Abfassung der Sentenz hauptsächlich zu reflectiren seyn werde. Es sind zwar noch zwey puncta übrig, wovon man in denen Actis auch einige Nachricht findet, und welche von nicht geringer Wichtigkeit seyn, als die obenangeführten, nehmlich die eine Zeitheto von denen Predigern geführte conduite in ihren Predigten, als auch da sie Ihro Durchl. von Gebrauch des Abendmahls abgehalten; weiln aber diese Puncte accurat zu überlegen, zuförderst nöthig seyn will, daß eine exacte Untersuchung deshalb angestellet werde, so hab ich nicht examiniren können, wie weit die Prediger darinn so wohl circa rem ipsam als circa modum agendi ihr Amt gemißbrauchet. Ich überlasse immittelst denen Herren Mit-Commissariis, als meinen resp. hochgeneigten Patronen, Gönnern und Freunden, dero bekannten hohen dexterität nach, diese facti speciem mit Fleiß zu erwegen, selbige mit denen mir zugestellten und hiebeygehenden Actis zu conferiren, auch dero eigenen Gefallen nach davon zu retranchiren, und hinzu zusetzen, was sie nöthig erachten; Ja es würde mir eine besondere faveur geschehen, wenn jemand derer Herren Con-Commissarien sich die Mühe geben, und selbst eine speciem facti entwerfen wolte, da ich denn versichere, daß ich mit allem plaisir die meinige gerne zurücknehmen würde. Bey ieden excerpirten Umständen derer anstößigen factorum hatte der Herr Concipient die numeros actorum allegiret, woraus er die 12. notablesten puncte excerpiret, die ich aber zu allegiren, vor unnöthig gehalten, weil allbereit in vorigen davon
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genungsame Nachricht ertheilet worden, als von dem puncto 1. 2. 3. und 4. in andern Handel §. 3. p. 107. Von dem puncto 5. 6. 7. eben daselbst in 5. paragrapho p. 113. Von dem 8. puncto in diesem Handel p. 8. Von 9. puncto in §. 9. Von 10. in §. 11. 12. und endlich von 11. und 12. puncto in §. 16. (Neun gravamina potiora wieder die Prediger.) §. XXII. Der Herr Praeses Commissionis communicirte verstehende speciem facti denen Herren Commissariis, und verfertigte aus denenselben und denen Actis folgende gravamina potiora, darüber die Prediger vernommen werden solten. I. Daß Ihro Durchl. von ihnen beschuldiget worden, als wolten dieselben ihre Neptem, die Prinzeßin zur Römisch-Catholischen Religion zwingen, eben wie die Römischen Missionarii die Protestanten gezwungen; Und daß dieselbe keine schrifftmäßige remonstration der Lehrer etc. achtet. Da doch Ihre Durchl. zu verschiedenen mahlen declariren lassen, daß sie die Heyrath (worzu doch noch zur Zeit wenig apparence) der göttlichen direction überlassen, derselben auch nicht wiederstreben, sondern allenfalls die Sache zu der Prinzeßin freywilligen Entschliessung stellen wolten. II. Daß die Prediger Ihre Durchl. eines solchen Irrthums im Glauben beschuldigen, wodurch sie sich zum Gebrauch des heiligen Abendmahls ohnfähig gemachet, und dero Behuff die bey dem Dedekenno befindliche quaestion: Ob derjenige, welcher im Irrthum des Glaubens steckete, und deswegen vom Beichtstuhl und heil. Abendmahl abgewiesen worden, sich zu einem andern confessionario wenden, und von demselben angenommen werden könte, auf Ihro Durchl. appliciret. Da doch Ihre Durchl. mit andern Theologis und Politicis nur dieser Meynung wären, daß die Pontificii mit denen Augspurgischen Confessions-Verwandten einerley Grund des Glaubens hätten, und dahero derjenige, welcher in der Römischen Kirche einfältig glaubte und Christlich lebte, darinnen wohl könte seelig werden. III. Daß die Prediger sich nicht entsehen, darum Ihro Durchl. von der Beicht und heil. Abendmahl de facto abzuhalten, und. IV. Solche ihre enixam intentionem banni minoris um so mehr dadurch bestätiget, daß sie den von Ihro Durchl. anderweit erwehlten Confessionarium von solcher Verrichtung, als von einer verdammlichen Sünde, so wohl schrifftlich, als auch durch Zusendung eines Buches zu dehortiren getrachtet. V. Daß sie
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hierinn mit Violirung der Kirchen-Ordnung und ohne vorher des geordneten Consistorii Meynung einzuhohlen, ohngebührlich verfahren, und wider ihren Landes-Fürsten dasjenige verübet, was wider den geringsten Unterthanen ohne Vorbewust und Verordnungen der Superintendenten oder des Consistorii nicht vorzunehmen ist. VI. Daß sie so wohl durch dieses Verfahren, als daß sie die Comparation mit Nadab, Abihu, und Usa gebrauchet, ihren Landes-Fürsten, welchen sie doch für dem Volcke zu ehren und hoch zu achten schuldig, zu öffentlicher Verachtung exponiret, und die Unterthanen in ihrer Devotion irre gemachet. VII. Daß die Prediger, nachdem ihre Durchl. sie bedeuten lassen, daß bey jetzigen Zustand der Sachen die Schloß-Predigten pro tempore durch andere versehen werden solten, solches für ein Spolium und Ihre Durchl. pro spoliatore halten wollen. VIII. Daß die Prediger bey sothanen ihren Verfahren gar nicht erwogen, daß Ihre Durchl. das absolute Oberhaupt der Evangelischen Kirchen in Dero Fürstenthum und Landen seye, davon sie ihre Dependenz und äusserlichen Beruff haben, und daß Ihro Durchl. ob sie zwar das Straff-Amt des H. Geistes erkennen, dennoch aber dieser Prediger vermeinten Bann gar nicht unterworffen. IX. Daß dannenhero bey so gestalter Bewandnüß sie, die Prediger, an Ihrer Durchl. Landes-Fürst- und Ober-Bischöflichen Amt und höchsten Respect sich strafbarlich vergriffen, und zu nicht geringen Aergernüß Anlaß gegeben haben. §. XXIII. Den 11. Decemb. kamen die 12. Herren Commissarii(Bey Eröfnung der Commission geschehene Proposition.) in der Consistorial-Stube zusammen, und that der Herr Praeses folgende Proposition an selbige: Es würden dieselbe die speciem facti, der beyden Hoff-Prediger Sache betreffend, gesehen haben: Weil aber in derselben verschiedene Momenta sich befänden, welche probationem per testes erforderten, Ihre Durchl. aber keine Weitläufftigkeit und Auffenthalt bey dieser Sache verstatten wolten, so hätte man die potiora capita lassen aus der specie facti ziehen, und weil dieselben allermeist mit der beyden Prediger ihren eigenhändigen Brieffen zu verificiren wären, so würde dadurch, und wenn die Untersuchung alleine darauff gerichtet würde, viel Zeit gewonnen, und diese summarische Untersuchung auf das kürtzeste können expediret, auch die Prediger über die Gravamina potiora (die zugleich verlesen wurden) vernommen werden, und weil man leicht vorher sehen könte, daß sie sich wohl nicht in continenti drauff
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würden mündlich vernehmen lassen, sondern daß sie spatium deliberandi bitten würden, als dürffte wohl nöthig seyn, daß man ihnen selbige verstattete, aber dabey eine kurtze Frist setzete. (Conduite und merckwürdige Cautelen der Prediger für der Commission.) §. XXIV. Als nun die andere Commissarii bey diesen Vortrag nichts weiter zu erinnern hatten, wurden die beyden Prediger hinein gefordert, da denn der Hoff-Prediger bald Anfangs seine Christliche und Apostolische Demuth dadurch bezeigen wolte, daß er mit stachlichten Reden sich beschwerete, daß man einen Stuhl für ihn nur vor die Taffel, und nicht an dieselbige gesetzet hätte. Da aber von dem Herren Praeside diese Thorheit kurtz und vernünfftig abgelehnet, und auch ihnen in einer kurtzen Proposition die Absicht dieser Commission eröffnet wie nicht weniger die 9. Gravamina potiora vorgelesen wurden, antworteten die Prediger: Sie wolten verhoffen, daß ihnen die 9. Puncta zu ihrer Verantwortung würden communiciret werden, und weil ihnen doch in der Geheimen Raths-Stube jüngsten wäre gesagt worden, daß ihnen alle Beneficia juris verstattet seyn solten, so müsten sie (1) berichten, daß, falls sie in diesem Judicio Ecclesiastico einige Worte und Expressiones gebrauchen würden, die etwan von einem und andern ihnen möchten, als injurieus oder sonst übel gemeinet, ausgedeutet werden, sie sich so fort anfangs darwider feyerlichst verwahrten, und vor GOtt bezeugten, daß mit allen und jeden nichts anders als veritas & causa justitiae abgezielet und intendiret würde, wie sie denn auch gleichfalls bäthen, daß wenn sie, als die des Rechtens nicht völlig erfahren, auch in einen solchen Processu itzo befangen wären, da sie schwerlich eines Advocaten oder Consulenten würden habhafft werden können, einige favores juris praeteriren solten, dieselbigen ihnen als Predigern ex officio möchten suppliret und ersetzet werden. (2) Daß sie quod hanc causam nicht als einiger Menschen Knechte, sondern als Christi Diener, denen auch die Höchsten in der Welt, quoad officia Spiritus sancti zu folgen Krafft göttlichen Worts verbunden wären, angesehen, und judiciret werden möchten, wie sie denn vor dieses mahl Weitläufftigkeit zu vermeiden, unsere Theologos und Casuisten nicht anziehen, sondern brevitatis studio alleine den Christlichen Politicum von Seckendorff in seinen Fürsten Staat Part. II. cap. 11. §. 8. & cap. 13. §. 1. allegiren wolten, woselbst er ausdrücklich statuirte, daß das Predig-Amt, wie es in der Lehre des Worts GOttes und Austheilung der heiligen Sacramente bestünde, ein Werck sey, so nicht von weltlicher Obrigkeit, sondern von GOtt allein geordnet, und dannenhero die Kir
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chen-Diener als GOttes-Diener, und in solchen ihren Hauptwerck der menschlichen Bothmäßigkeit von rechtswegen nicht unterworffen wären, ob sie gleich darüber leyden müsten, und sich dawieder als Geduldige nicht setzen könten. (3) Weil sie auch in diesen ihren Hoch-Obrigkeitlich angeordneten Judicio Ecclesiastico einige fänden, wieder welche sie ihre in Rechten gegründete exceptiones hätten, und denn ihrer Durchl. gnädigste intention, wie die Worte lauteten, ohn zweiffel seyn würden, auch in diesen Stück sie nach gemeinen geistlichen und weltlichen Rechten zu judiciren; so würde vor der Hand wieder einige salva eorum existimatione excipiret, weil dieselbe als partiales, ja als zum Theil ihre adversarios sich in dieser Religions und Gewissens Sache allbereit bezeiget hätten, theils mit solchen Responsis, dergleichen weder sie, noch alle diejenige, welche sie dieserwegen befraget hätten, bey einigen unserer Evangelischen Theologorum, so viel derer in öffentlichen Druck bekant wären, finden, und daß jene mit diesen überein kämen, sehen können, sondern es solten ihrer Adversariorum Responsa so wohl denenselbigen, als unsern libris symbolicis (worauf sie doch ihren Pflichten gemäß, ihre Lehr und Predigten fundiret hätten) ex diametro, wie ihnen gesagt worden, zu wieder seyn, wie sie denn selbige, ob sie schon darum angehalten hätten, noch nie zu Gesichte bekommen können: theils aber hätten sie sich ipso facto als ihre adversarios bezeuget, nicht allein was die Hochfürstliche Communion beträffe (wobey ich zwar meines Orts nicht weiß, ob sie die Wegnehmung des sancti denarii, oder, daß der Abt Serenissimum zum Abendmahl admittiret hatte, oder beydes verstehen) sondern auch was andre casus concernirte, unter welchen (um geliebter Kürtze willen) nur ietzo dieser von dem Abt anzuführen wäre, daß wie einsten der N. N. Gärtner, der Römisch Catholischer Religion gewesen, von ihm dem Herrn Abt besuchet worden, und er demselben so fort das heilige Abendmahl unter der Bedingung gegeben, daß derselbe Mensch dem unerachtet, wenn er gesund würde, bey seiner Catholischen Religion bleiben möchte, da dann die Sache so fort an Seine Hochfürstl. Durchl. von einigen Römischen Catholischen gebracht, und unterthänigst gebeten worden, daß weil dieser Gärtner das Abendmahl von dem Pater zu Dorstedt verlangte, S. Durchl. darinnen gnädigst consentiren möchten, welches er der Hoff-Prediger aber vor seine Wenigkeit damals, da er eben die Gnade gehabt, bey Ihrer Durchl. zu seyn, depreciret, daß nemlich dem Pater solches nicht möchte verstattet werden, weil sonst in der Stadt bey den Evangeli
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schen Christen ein groß Argerniß entstehen würde; wie er dann auch darauf mit gnädigster Erlaubnüß, und mit Zuziehung seines gegenwärtigen Collegen sofort zu demselben Patienten gangen, um ihn bey der Evangelischen Religion zu erhalten, der aber ihnen und vielen andern das vorgesagt: der Abt hätte ihm versprochen, er solte Catholisch bleiben, welches denn eine Praxis wäre, darinnen, der sie hätte, für ihren Antagonisten und Wiedersprecher gehalten werden müste. (4) Was sonst das Gerüchte von einen und andern beglaubigte, daß derselbe sie allbereit in publico Ecclesiae coetu als Ubelthäter und Ubertretter der Kirchen-Ordnung zum voraus condemnirt, und etwa diese oder dergleichen Worte gebraucht hätte: die Leute hätten wider die Kirchen-Ordnung gehandelt. Man müste es sich zwar nicht befremden lassen, wenn einem Prediger Hosianna, nachgehends aber das Crucifige zugeruffen würde; aber'man müste auch zu dem Crucifige keine Ursach geben, und da man bey andern sich Raths erholen solte, nicht hinein plumpen, daß man sich hernach nicht hinter den Ohren kratzte, oder, wie es sonst solte gelautet haben, nicht mit blutigen Köpffen davon gienge; so wären sie zwar nicht gesonnen, bey ihrer guten, Gewissen, und gerechten Sache, sich in so weit daran zu kehren, daß sie iemand dieser wegen mit Führung des Beweises actioniren oder besprechen wolten, sondern sie wolten nur, weil ein und das andre, was sie angeführet, von ihnen selbst nicht würde können geleugnet werden, erinnern daß sich mehr und mehr finden dörffte, das vor dieses mahl auch billich zu hören seyn würde, und bäten also, daß ihrer viere von denen Theologis und einer von denen Politicis a votando abstrahiren möchten, als wieder welche sie das juramentum perhorrescentiae in so wichtigen, ihre fam nicht allein, sondern auch das gantze Evangelische Predig Amt und Kirche concernirenden Sachen, abzugelegen erböthig wären. Sie bäthen auch (5) daß da Einhalts des Gnädigsten Commissarii nach denen bekanten Rechten und dasiger observanz gemäß, mit ihnen verfahren werden solte, auch dißfalls demselbigen nachgelebet werden möchte, daß, wenn sie ihre Verantwortung gethan, die Sache auf eine unpartheyische und von ihnen nicht eximirte Universität, und Theologische Facultät geschicket würde, weil diese controyers pro materia mere Theologica zu halten wäre. (6) Et ultimo, daß sie auch ante omnia, als hactenus non auditi, nec convicti, nach allen, wie sie nicht anders wüsten, geist- und weltlichen Rechten, möchten restituiret werden, wie sie denn hiermit
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schlüßlich gantz demüthigst durch GOtt und Christum gebeten haben wolten, dieser Religions und Gewissens Sache sich also anzunehmen, und bey Ihrer Durchl. solche Christliche Vorstellung zu thun, wie es ihnen, die ihre Richter seyn würden, allerseits vor GOtt, in Gewissen, und vor der Christlichen Evangelischen Kirchen, unverweißlich und rühmlich seyn möchte. Da nun der Hoff-Prediger dieses vorgebracht hatte, fing der Caplan an zufragen, was doch diese Sache für einen Zweck eventualiter haben solte, wenn sie ihre gerechte Sache würden justificiret haben, auch da der Praeses antwortete, daß diese Frage noch zu frühzeitig wäre, und würde sich solches, wenn sie erst geantwortet, schon geben; mit seinen dubio folgender gestalt continuirte, er vernähme ja, daß ihre Dienste bereits so gut als vergeben seyn solten, also würde es ja seinen effect, wenn sie unschuldig befunden worden (i. e. wie ichs verstehe, wenn gleich die Acten an die von ihnen nicht eximirten Theologischen Facultäten wären verschickt worden,) nicht haben können. Worauf dann auch der Abt demjenigen was der Hoff-Prediger wegen des Römisch-Catholischen Gärtners ihm vorgerückt, wiedersprochen, und die Prediger so dann ihren Abtritt genommen. §. XXV. Nachdem solches geschehen, trug der Herr Praeses vor, (Was ferner bey der Commission passiret.) daß man gehöret, was die beyden Prediger bereits weitläufftig recessiret hätten, und würde nun wohl nöthig seyn, daß sie ihre Antwort über die Gravamina kürtzlich und schrifftlich ad acta gäben, denn sonst würden sie es zu weitläufftig machen, und würde nur ein Scandalum geben. Da auch dieses von allen Herren Commissariis beliebet wurde, that der Herr Praeses denen wieder eingeruffenen Predigern diesen Vortrag: Es wäre, wie sie selbsten gesehen, alles fleißig ad protocollum genommen worden, man möchte aber wünschen, daß sie sich mehr der Kürtze befliessen hätten. Weil nun das mündliche recessiren zu weitläufftig fallen würde, so möchten sie doch von solchen allotriis und zu weitläufftigen Historien künfftig abstrahiren. Man wolle ihnen die gravamina hiermit schrifftlich communiciren, und möchten sie ihre Antwort ie eher ie lieber schrifftlich darüber abfassen. Worauf der Hoff-Prediger antwortete: Sie wolten ihre schrifftliche Antwort, iedoch salvis protestationibus praecedentibus einbringen, und bäthen nochmahlen, daß man zuvor ihren exceptionibus abhelffen möchte. Inzwischen wolten sie pro informatione dieses Collegii ihre Antwort, so viel möglich, kürtzlich abfassen, und bäthen nochmahls sich diese Sache auf das beste lassen recommendirt zu seyn. Den aber der Herr Praeses nochmahls erinnerte, daß sie ihre Antwort so bald möglich, verrichteten, sonst,
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wenn sie sich dessen weigerten, und vorerst wegen ihrer praeliminar exception gesprochen haben wolten, würden die Herren Commissarii genöthiget werden, selbiges an Ihre Durchl. zu referiren. Nach der Prediger Abtritt bathe der Politicus, wieder den dieselbe protestirt hatten, den Herrn Praesidem und die andern, daß sie bey Ihrer Durchl. es möchten helffen in die Wege richten, daß er künfftig mit dieser Commission verschonet werden möchte, massen er so fort anfangs selbige depreciret, aber wieder seinen Willen hätte übernehmen müssen. Deßgleichen thäte nauch die vier Herren Geistlichen, wieder welche excipiret werden wollen, darauf der Herr Praeses erwehnete, wie er zweiffelte, daß Ihre Durchl. diejenigen, die sie hierzu einmahl erwehlet, dieserhalb dimittiren würden. Er selbst und wohl die übrigen alle wären auch gerne damit verschonet gewesen, und würde wohl keiner darnach groß Verlangen getragen haben. (Conferirung der bißher erzehlten Umstände, mit der gegentheiligen specie facti.) §. XXVI. Was ich bißher von dieser Commission gemeldet, habe ich aus dem darüber gehaltenen protocoll gezogen, welches der Herr Praeses mir damahlen jussu Serenissimi zuschickte. Daß nun darinnen nichts registriret worden, was nicht auf seiten der Prediger würcklich vorgegangen, wird durch die von ihnen selbst verfertigte speciem facti zimlich erläutert, als in welcher sie selbst folgendes setzen: Als die Prediger in termino erschienen, wurden ihnen 9. gravamina vorgeleget, und auff den 14. zu beantworten extradiret. Worauff die Prediger etliche exceptiones fürbrachten. (1) Sie nicht als blosse Unterthanen der weltlichen Obrigkeit, sondern vornemlich als Knechte GOttes, und ihr Amt als GOttes Amt anzusehen, auch selbst auf nichts, als GOttes Ehre und Wahrheit der reinen Evangelischen Kirchen zu reflectiren. (2) Restitutionem in integrum, sintemahl sie nach allen Rechten sich nicht eher einzulassen schuldig wären. (3) Weil sie des Processes unerfahren, ihnen nichts, quod forsan contra modum processus, zu imputiren, vielmehr ex officio judiciali zu suppliren, so ihnen ein beneficium juris irgends wo könte zu statten kommen. (4) Ihren Worten keine übele und andere Deutung, als sie intendirten, zu geben, mit Bezeigung für GOtt, daß sie nichts animo injuriandi vorbringen wolten. (5) Wenn die Sache ad sententionandum reiff wäre, selbige tanquam rem mere Theologicam an eine nicht excipirte Theologische Facultät zuschicken. (6) Daß a notando möchten praecludiret werden, und sie solenniter protestireten wieder einige dieses geistlichen Collegii, nemlich wieder den Abt. S. wieder F. und noch zwey
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andre Theologos, und einen Politicum, welche sich theils durch ihre widrige Responsa, theils durch andre passionirte gegebene Sentiments sehr partialisch gemacht, daß sie kein Bedencken hätten wider selbige das Juramentum perhorrescentiae abzuschweren. §. XXVII. Wenn man nun besagtes Protocoll gegen diese ihre(Anmerckung wegen der Allotriorum, und dem wahren Ursprung artis Rabulisticae.) eigene speciem facti hält, kan man dem Herren Praesidi eben nicht verdencken, daß er die Prediger vermahnet, künfftig von dergleichen Allotriis zu abstiniren; wiewohl dieses Wort den Hof-Capellan über die massen ärgerte, dergestalt, daß, da er kurtz darauf am Chiragra danieder lag, die meisten die Kranckheit diesen Aergernüß zu schrieben. Der berühmte Ziegler hat sonst viel de arte rabulistica geschrieben, davon ich in notis ad Lancelottum einen kurtzen Extract gemacht, aber ich weiß doch nicht, ob er diese Anmerckung recht ansgeführet, woher die erste Rabulisterey entstanden. Denn ob wohl kein Zweiffel ist, daß dieses Vitium denen Pseudo JCtis pfleget zugeschrieben zu werden, so fürchte ich doch, daß, was in specie das Rabulistische Geschmiere und Aufhaltung mit impertinentibus rebus, belanget, vielleicht ursprünglich der Philosophiae & Theologiae Scholasticae möge zu zuschreiben seyn, und hernach von diesen auf die Canonisten, von dar auf die Legisten, und endlich auf die Practicos in Foro fortgepflantzet worden. Indessen wundert mich, daß, da die Canonisten alles zu rebus Spiritualibus machen, auch von delictis Spiritualibus viel zu disputiren pflegen; Sie nicht auch in jure Canonico von Stultitiis Spiritualibus, als z. E. der arte rabulistica viel Redens machen, dazu ihnen doch Erasmi Encomium Moriae trefliche Locos hätte suppeditiren können, ja damit das gantze Jus Canonicum durch und durch angefüllet ist. Bey dieser Bewandnüß aber muß man die beyden Prediger in etwas wegen der ihnen vorgeworffenen Allotriorum excusiren, weil sie dergleichen nicht allein in denen Theologischen Consiliis zu lesen gewohnet waren, sondern auch, weil sie sich bey Vertheydigung ihrer Händel gar fleißig des Juris Canonici bedienten, wie allbereit oben §. XVI. gedacht worden, und aus folgenden noch weiter erhellen wird. §. XXIIX. Die von denen Predigern auffgesetzte Species facti(Ingleichen wegen des was die gegentheilige Species facti referiret.) erzehlet die Continuation dieser Affaire folgendergestalt: daß bald nach gehaltener Session beyde Prediger zu dem Praeside deputationis gegangen, mit Bitte, er wolle ihnen doch nicht, wie es in judicio das Ansehen gewinnen wollen, (es scheint, daß sie hier die vorgeworffene Allotria verstehen, und sie dieselbe noch nicht verdauen können,) dasjenige
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Ubel deuten, was sie zu Behuf ihrer Nothdurfft unumgänglich vorbringen müsten; sie hätten auch von selbigen die Versicherung empfangen, es solte ihnen alle Justiz wiederfahren, und solten in diesen Judicio deputato keine Nullitäten gemacht werden, sie möchten nur auf die gesetzte Zeit ihre Verantwortung auf die Gravamina einbringen. Nun will ich wohl glauben, daß der Herr Praeses dasjenige, so allhier von Wiederfahrung der Justiz und von Vermeydung der Nullitäten gemeldet worden, gesagt haben möchte, aber ich halte dabey gäntzlich dafür, daß er an statt der Verantwortung, des Worts Beantwortung sich bedienet, indem der Zweck der Gravaminum dahin gienge, auch dieselben also eingerichtet waren, daß sie die Prediger auf selbige zuförderst categorisch antworten solten, ob sie das in jeden Gravamine enthaltene Factum geständig wären oder nicht, und dabey ihrem Gebrauch nach keine Allotria einbringen, auch nicht ihre Facta zu vertheydigen bemühet seyn solten, ob ihnen gleich dadurch nicht abgeschnitten wäre, dasjenige, das etwann hier und dar zu ihrer Entschuldigung dienen möchte, kurtz und vernünfftig mit beyzubringen etc. Daß aber der Herr Praeses hierbey gedacht haben solte, wie der Hof-Prediger in seiner specie facti erwähnet, daß die excipirten Membra auch künfftig praecludiret werden solten, kan ich mir gantz nicht einbilden, theils weil solches zu versprechen in des Herren Praesidis Arbitrio nicht stunde, theils weil er auch bey männiglich für einen klugen Mann gehalten wurde, von dem dergleichen Antwort nicht zu praesumiren; theils weil dieser Umstand in der von dem Hof-Caplan aufgesetzten specie facti nicht zu befinden ist. Ob aber in übrigen die Prediger die übrigen Erinnerungen des Herren Praesidis wegen Einrichtung ihrer Beantwortung in acht genommen oder nicht, wird nunmehro ihr Scriptum selbst zeigen. (Antwort der Prediger.) §. XXIX. Diese übergaben sie auf die gesetzte Zeit nemlich den 14. Decembris Mittags um 11. Uhr, und kan daraus ihr Naturell sehr deutlich und handgreiflich erkant werden. Wie uns Salvis tamen per omnia exceptionibus nostris ad protocollum dictatis & legitimis petitis, den 11. Dec. die Gravamina zu unserer Verantwortung übergeben sind, so haben wir selbe in dem angesetzten Termino dieses 14. ejusd. einbringen und folgendergestalt Puncts weise beantworten sollen. (Auf das erste Gravamon von Vergleichung Serenissimi) Quoad I. Als wir etc. Und darauf ihre Durchl. von sothaner Ubernehmung der Sünden unter der Ration dehortirten, daß solches in Religions-Sachen nicht denen Aposteln, sondern denen Römischen Meß-Priestern gewöhnlich, als welche die Protestanten zu ihrer Reli
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gion damit zu bereden pflegen, daß sie alle Verantwortung auf sich(mit denen Römischen Missionariis.) nehmen, liesse es Ihro Durchl. auch in den folgenden 2. Sept. uns gegebenen gnädigsten Antworts-Schreiben dabey, und schrieben mit eigener hohen Hand, sie hielten es für keine Sünde, ihr Kind aus einer Christlichen Kirche in die andere gehen zu lassen, daß wir völlig und darinnen gestärcket sind, daß wir diesen Umstand bey der Frage: ob Ihro Durchl. stante ipsa opinione & praxi das heilige Abendmahl würdig geniessen würden, ausdrücken müssen, wie denn, wenn wir bedeutet wären, daß Ihro Durchl. dieser Meynung gar nicht gewesen, oder nicht mehr wären, wir GOtt dem Allerhöchsten mit Freuden würden gedancket, und solchen Umstand gerne zurück gelassen haben. So unrecht aber als dieses Wort bereden, daraus in diesen Gravamine zwingen gemachet ist, eben so unglücklich etc. Da Ihro Durchl. declariren lassen, daß sie die Heyrath der göttlichen Direction überlassen, und zu der Prinzeßin freywilliger Entschliessung stellen wollten: haben wir unsere Responsa und Dehortationes nicht auf selbige Heyrath, sondern auf den derselbigen anhängigen Abgang und Ubergang von der reinen zu der unreinen Kirchen gerichtet, und Inhalts der uns vorgelegten zwey Fragen, nach Erheischung unsers Amts, Gewissens und Eydes gezeiget, daß eine in Evangelischer Wahrheit wieder alle Päbstische Irrthümer vortreflich informirte, und ohnlängst solenniter mit Anruffung des Nahmens GOttes unter vielen Thränen confirmirte Prinzeßin, die Wahrheit mit den Irrthümern salva salute aeterna um eine Heyrath, ja aller Welt willen nicht verwechseln könne. Und so jemand der dißfalls einige leib- oder geistliche Macht und Autorität hat, anders reden oder hierzu schweigen würde, wäre er causa moralis solches Abfalls, davon Paulus sagt Rom. I, 32. quod faciens & consentiens eadem poena sint digni. Wider welches Unheil nachdem uns Ihro Durchl. gar scharff verboten, die Prinzeßin nicht zu sprechen, etc. Wir mit Bitten und Flehen, und gründlichen Remonstrationen vigiliret, und als Christliche Seelen-Wächter, von deren Hand GOtt das durch sie verwahrlosete Blut fodern will, Ezech. 33. uns bey allem dem, daß uns in diesen und andern Gravaminibus zur Sünde gemachet worden, aufgeführet haben. Ad 2) Nachdem wir den 10. Sept. die Resolution erhalten, daß(Auf das audere Gravamen, von der Beschuldigung, daß Serenissi-) Ihro Durchl. uns nicht auf etwas zu ziehen gedächten, das wir vermeynten wider unser Gewissen zu seyn, sondern unsers Gewissens zu schonen, dero Entschliessung wegen Erwehlung eines andern Beicht-Vaters ehester Zeit fassen wolten, hätten wir wohl gehoffet, es würde der darzu erwehlte
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(mus sich zum Gebrauch des H. Abendmahls unfähig gemacht, und von der Applicirung des responsi bey dem Dedekenno auf Ihre Durchl.) Abt mit uns, oder wenigstens dem bis daherigen Confessionario in einem so wichtigen Gewissens-Negotio sich Christ-brüderlich besprochen, ja ex sua (quanquam erronea) hypothesi, da er meinet, daß wir es hätten dem Consistorio anzeigen müssen, demselben Consistorio, ohne dessen Vorbewust und Verordnung kein Prediger eines andern Beicht-Kind, quacunque etiam de causa, annehmen darff, wissend gemacht haben, bevorab da nicht allein Ihro Durchl. die von selbst von unsern Amt dißfalls sich zu enthalten resolvirten, sondern auch andere Hoch-Fürstliche Personen von ihm angenommen sind. Da man aber sahe, daß er nostratium responsa Theologica entweder nicht wissen, oder nicht achten, und etwa andere bessere Gründe in contrarium haben müste, die wir ja gerne und ambabus würden angenommen haben, als die wir auch grosser Herren Gnade, nach der Gnade GOttes und einen guten Gewissen für ein grosses Glück halten, so ist ihm der Dedekennus und aus demfelben nicht nur in diesem Gravamine berührte, sondern auch andere die übrige Fürstliche Communicanten angehende Fragen communiciret, da zu unserer schlechter Erbauung keine andere Antwort, als diese folgete, er hätte solches schon vor 40. Jahren gewust, da wir nun über 8. Tage in einen Billet um die brüderliche Liebe bathen, uns eines bessern, wo er könnte und wüste, zu bedeuten, wir wolten gerne, daß das an einer Seiten nothwendig hafftende Unrecht erkennet, und der Wahrheit statt gegeben würde, war keine andere, als diese Antwort: es wäre von Ihro Durchl. befohlen, uns nichts zu antworten. Weil aber die beym Dedekenno befindliche Responsa und Fundamenta unser Gewissen noch beständig überzeugen, und dawieder nichts erhebliches vorkommen ist, so müsten wir freylich dafür halten, daß selbige wie andere, also auch einen Fürstlichen Confessionarium angehen, weil daselbst nicht allein von den Irrthümern in der Lehre, sondern auch von Sünden im Leben die Rede ist, welcherley Irrthum und Sünde beyde in dem Abfall zum Pabstthum zusammen kommen, und ist gantz unstreitig, daß wie es eine schwere Sünde ist, von dem HErrn Christo zu dem Anti-Christ (mit dem Corpore Julio und andern Theologis laut Beylage sub lit. E. zu reden) (Apologia Aug. Conf. in Corpore Julio p. 420. Sie (Pontificii) richten öffentlich Anti-Christische Lehre und Reich an. Denn das Reich Anti-Christi ist eigentlich solch neu GOttes-Dienst durch Menschen ertichtet. Daniel im andern Cap. mahlet das Reich Anti-Christi also ab, daß er anzeiget, daß solcher neuer GOttes-Dienst von Menschen erfunden, werde die Politia und das rechte Wesen des Anti-Christischen Reichs seyn &c. Et pag. 529. Es bleibet in der Welt solche Abgötterey so lange der Anti-Christ regieret und bleibet; Denn wie in Israel ein falscher Gottes-Dienst ward angeordnet mit Baal, also hat der Anti-Christ in der Kirchen auch einen falschen Gottes-Dienst aus dem Nachtniahl Christi gemachet, und doch wie GOtt unter Israel und Juda dennoch seine Kirche, das ist, etliche Heilige behalten hat, also hat GOtt seine Kirche, das ist, etliche Heilige untern Pabstthum dennoch erhalten, daß die Christliche Kirche nicht gantz untergangen ist. Wiewohl nun der Anti-Christ mit seinem falschen Gottes-Dienst zum Theil bleiben wird, biß daß Christus der HErr öffentlich kommen und richten wird, so sollen doch alle Christen verwarnet seyn, sich zu hüten für solche Abgötterey. In artic. Smalc. vid. pag. 581. 586. 587. 628. &c. Quicunque amat Christum, cum Anti-Christo, Papa, societatem nullam contrahat, contractam ocyus solvat, & ultra Sauromatas & Indos se proripiat potius &c. G. Calixtus in Orat. de Papa Anti-Christo &c.) zu gehen, also auch der
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eine Todt-Sünd begehe, welcher solcher Sünde nicht, da er kan, steuret, sondern vielmehr denen wehret, die das Amt des heiligen Geistes führen, und eine Seele in der Lehre Christi wieder die Antichristischen Irrthümer stärcken wollen, welches wir, wo wir das denen gedräuete Wehe, welche Licht Finsternüs und vice versa nennen, nicht auf uns laden wollen, für eine recht grosse Sünde halten müssen; Und obgleich Ihre Durchl. mit einigen Politicis und Theologis der Meynung seyn, daß die Pontificii mit denen Augspurgischen Confessions-Verwandten einerley Glaubens-Grund haben, so haben doch alle, die auch dieser Meynung sind, dafür gehalten, daß dem ungeachtet, ohne Verlust der Seeligkeit niemand den geringsten Papistischen Irrthum, wenn gleich unter tausend Bedingungen, besage Beylage sub lit. C. N. 1. beypflichten könne (D. Georgius Calixtus im 2. Appendice ad Landgr. Hass. p. 143. Ob wir gleich die Päbstische Kirche des Nahmens der Kirche nicht gar berauben, so sagen und erkennen wir doch, daß sie von vielen Aberglauben, Mißbräuchen und Befleckungen fast überschwemmet, von der Apostolischen Kirche weit abgetretten, und gewaltig verunreiniget sey. Woraus denn weiter folget, daß niemand, der es begreiffet und verstehet, oder es zu begreiffen und zu verstehen Gelegenheit hat, mit verwahreten Gewissen und ohne Beleidigung GOttes des Stiffters und Schützers der Reinigkeit von der reinen Kirchen zu dieser unreinen Päbstlichen sich bekennen könne. D. Spen. in 4. Theil der geistlichen Bedencken Art. 3. Sect. 6. beantwortet die Frage: Ob bey dem Abfall einer Hohen Person von unserer zur Catholischen Kirchen derselben nach GOttes Wort noch einige Hoffnung der Seeligkeit übrig bleibe mit Rein; und beweisets aus GOttes Wort mit unumstößlichen Gründen. Unser corpus doctrinae thut desgleichen, da es das Pabstthum erkennet für das Reich des Auti-Christs, eine Kirche, die solche Irrthümer heget, die den Grund des Glaubens umstoffen, das gantze Evangelium unterdrücken etc. Worauff wir Eydlich verpflichtet, nicht anders zu lehren, welches auch in dem anno 92. publicirten Edict sub finem bey harter Straffe anbefohlen, NB. alle Glaubens-Lehre nach Anweisung desselben so heimlich als öffentlich zr. lehren. D. Frid. Ulr. Calixtus Disp. de adorat. hostiae §. 75. Faciamus persuasum esse aliquem, & credere omnia, quae apud Fontificios traduntur, satis recte se habere, in uno tamen usque adeo magni ponderis & momenti haesitet, atque de ejus veritate dubitet. Quamdiu ille dubitaverit, tamdiu illaesa conscientia illud probare, vel a Religione, in qua natus & educatus fuerit, transire non potest ad illam, ad quam non patet aditus, nec admittitur prius, quam professus fuerit, se hoc quoque dogma, de cujus veritate ambigit, ut verum & in scriptura fundatum amplecti & probare. Neque enim licet cum mille exceptionibus esse Pontificium. Omnes potius aliunde transeuntes ad eos fidei professionem facere jubentur, & quidem juxta ductum Concilii Tridentini, quod cuncta iniquitatis mysteria continet. Quotquot igitur Concilium Tridentinum subscriptione sua probant, probare tenentur omnia in universum improba figmenta, quae illud in sinu fovet, ne minimo quidem excepto. Quod qui illaesa conscientia facturos sibi pollicentur, oppido falluntur, imo exitium sibi struunt. Womit alle Evangelische Lutherische Theologi, so viel durch Schrifften bekant sind, völlig eins und leicht viele Stellen könten angeführet werden, wo uns nicht die anbefohlene Kürtze abhielte.) und bleibet es (besage Beylage sub. lit. F.) eine
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schwere und verdammliche Sünde, wenn man einer falschen Religion beypflichtet, und sagt, daß man dabey seine Seeligkeit finden könne; (Jean de Espagne in den Anmerckungen über den Glauben cap. 4. Ob es genug sey, daß man darum einer Religion zugethan sey, wenn man sagt, daß man daselbst seine Seeligkeit finden könne? Wenn eine Religion in Streit gezogen wird, so ist die gantze Frage, welche die meiste thun, nur bloß und allein, ob man darinnen nicht könne seelig werden? Sie achten nicht, ob gleich in ihrer Religion einige falsche Lehren seyn, wenn sie nur, sagen sie, ihre Seeligkeit dabey schaffen können. Nun will ich jetzo nicht sagen, ob sie in ihren vorgefasten Wahn wohl gegründet seyn, indem sie vermeynen, daß sie können seelig werden in einer falschen Religion, von der sie wissen, daß falsche Lehren darinnen enthalten seyn. Aber den Fall gesetzt, daß ein solches Verbrechen die Seeligkeit nicht hindere, so will doch gewiß die Ehre und Liebe, die wir dem Urheber unsers Heyls und Seeligkeit schuldig sind, solche nicht leiden, als welcher einen Abscheu hat an allem dem, was in Sachen, so seinen Dienst betreffen, falsch erfunden wird. Es ist eine erschreckliche Verachtung GOttes und eine graufame Undanckbarkeit, wenn man damit wohl zu frieden ist, daß GOtt verunehret werde, nicht allein von andern, sondern auch von uns selbst, daferne wir nur dabey seelig werden; Zu dem, ist denn kein andrer Weg zum Himmel zu gelangen? und da mir GOtt die Wahrheit, die zur Seeligkeit leitet, zeiget, warum solt ich denn vielmehr begehren seelig zu werden, in der Bekäntnüß der Lügen, da ich doch dazu gelangen kan, in der Erkäntnüs der Wahrheit? Wenn man die Wahrheit darum nicht annehmen will, weil man die Seeligkeit eben sowohl in der Lügen zu finden vermeynet, so ist solches alleine genug, den Menschen der Seeligkeit unfähig zu machen.) Aber wir dieses Orts finden in dem von allen unsern Theologen be
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schwornen Corpore Julio, daß der dissensus inter Pontificios & Protestantes fundamentalis sey, laut Beylage sub lit. G. (Apolog. A. C. in corpore Julio p. 326. viele articul bey unsern Wiedersachern (denen Pabisten) stossen den rechten Grund nieder, das Erkäntnüs Christi und den Glauben, denn sie verwerffen und verdammen, den hohen grösten Articul, da wir sagen, daß wir alleine durch den Glauben ohne alle Wercke, Vergebung der Sünden durch Christum erlangen; Pag. 376. Eine solche schädliche Lehre führen die Wiedersacher, nehmlich eine solche Lehre, dadurch das gantze Evangelium wird weg gethan, Christus unterdrücket, die Leuthe in Hertzeleyd und Quaal der Gewissen, endlich, wenn Anfechtung kommen, in Verzweiffelung geführet. Pag. 416. Das heisset öffentlich mit des Teuffels Lehre das Evangelium unterdrücken; Denn die H. Schrifft und Paulus nennen solche Satzungen denn erst rechte Teuffels Lehren, wenn man sie dafür rühmet, daß sie sollen dienen, dadurch Vergebung der Sünden zu erlangen, da sind sie stracks wieder Christum, wieder das Evangelium, wie Feuer und Wasser wieder einander sind. Vid. quoque pag. 420 &c.) Woraus dieser Schluß zu machen: welche Kirche solche Lehre hat, die den rechten Grund niederstösset, das gantze Evangelium und Christum unterdrucket, eine solche Teuffels Lehre, die stracks wieder Christum und das Evangelium ist, wie Feuer und Wasser wieder einander seyn etc. Dieselbe Kirche hat Grundstürzende Irrthümer. Nun hat die Römische Kirche besage des Corporis Julii l. c. solche Lehre. E. hat sie Grundstürtzende Irrthümer. Hier muß nothwendig ex duobus contradictoriis eines falsch und unrecht seyn, entweder ihro Durchl. Verordnung und der nach selbiger von allen Theologen geleistete Eyd auf diese Lehre, daß die Römische Kirche verdammliche Irrthümer habe, oder die Meynung und praxis, daß man zu solcher Kirchen ex causis secularibus wohl gehen könne. Wir als redliche Theologi, die nach der Rede des D. Lutheri nicht Mum Mum spielen und Brey im Maule haben sollen, können nicht anders sagen, als daß das erste recht, und das letzte unrecht sey; denn so das letzte recht, wäre es ein entsetzlicher Mißbrauch des göttlichen Nahmens, die Candidatos auf alle in corpore Julio befindliche Glaubens-Lehren zu beeydigen, daß weil sie solches dem Worte GOttes gemäß finden, auch noch solchen Corpore in allen lehren wollen, welches stante hac hypothesi
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nichts anders wäre, als alle Prediger im Lande beeydigen zu lehren wieder GOttes Wort. (Auf das dritte und vierte gravamen, daß sie Ihre Durchl. von der Beicht und Abendmahl de facto abgehalten, und ihre intentionem banni minoris durch das, was sie mit dem neuen Confessionario vorgenommen, bestätiget hätten.) Ad 3. & 4. daß wir proprio ausu & judicio Ihro Durchl. excommunieiret, und enixam intentionem banni minoris gehabt haben solten, findet sich auch darinn viel anders, da wir geschrieben: Ihro Durchl. würde zu frieden seyn, zu beyderseits Gewissens verhoffentlich Beruhigung, daß wir mit einigen Theologischen Facultäten und Collegiis die Sache sub peregrino schemate communicireten: ob Ihro Durchl. würdig communiciren würden, und wie die Prediger sich zu verhalten? das heisset ja consilium Theologicum und nicht excommunicatio oder bannus. Da aber solches nicht angenommen, sondern geantwortet wurde, es brauchte der Erörterung dieser Frage nicht, weil man unsers Gewissens schonen, und unsers Amts sich enthalten wolte, haben wir Gehorsam erwiesen. Es will zwar die intentio minoris banni daher scheinbar gemachet werden, daß wir den anderweit erwehleten Confessionarium schrifftlich und durch Zuschickung eines Buchs von seiner Verrichtung als einer verdammlichen Sünde dehortiret haben sollen. Allein wie könten wir ihn schrifftlich von seiner Verrichtung, die er am Sonnabend und Sonntag gehabt, den folgenden Freytag dehortiren? Man siehet wohl, daß dieß Schreiben, wie auch die Sendung des Dedekenni nach dem klaren Buchstaben unseres Schreibens zu dem Ende geschehen, daß das an einer Seiten nothwendig hafftende Unrecht, und die Wahrheit erkant werde, und ist gewißlich unseres Orts noch, wie damahls gewesen, enixa intentio non banni sed veritatis & salutis animarum, biß auf den Bann und excommunication ist die Sache nicht kommen, biß lange wir in gradibus admonitionis stunden, und daselbst Inhalts mehrhöchstgedachter Hochfürstlicher Resolution abbrechen müssen. Wir beziehen uns hier auch auf die Beylage sub lit. D. n. 3.(D. Frid. UIr. Calíxtus Disp. de confessione & absolutione §. 102. Ad minorem excommunicationem videtur referri posse in Ecclesiis nostris receptus & nostratibus verbi Divini ministris frequentatus mos, indignos ad participationem Eucharistiae non admittendi, sed ad tempus, donec resipiscant & emendentur, arcendi. In horum facile descenderemus sententiam, nisi ei verae & proprie sic dictae excommunicationis essentiale requisitum repugnaret. Haec enim si non Episcopi totiusque Ecclesiae vel Episcopum & Ecclesiam repraesentantis judicii, sed NB. Privato unius hominis committatur arbitrio, non est legitima vera & proprie sic dicta excommunicatio. Mos autem iste, indignos arcendi privato unius hominis arbitrio, dum committatur, sequitur, morem illum
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arcendi indignos non esse legitimam excommunicationem, si hoc, non potest idem esse, quod excommunicatio minor, siquidem illa est legitima, vera ac proprie sic dicta excommunicatio, quae non nisi circumstantia & gradu differt a majore. Mallem igitur morem privato unius arbitrio arcendi indignos suspensionem ad tempus vocare. Et §. 103. Discrepat actus suspendendi a minore excommunicatione etiam in eo, quod excommunicatio etiam minor publice & solenniter fiat, suspendendi actus privatim. Item §. 105. vocat hac censura notatos abstentos cum Cypriano, & pergit: Debet etiam ipsa illa abstentio, quam arbitrio verbi ministri etiam apud nos committi diximus, NB. suaderi potius, quam imperari: debent talia remedia manu prudentis de salute abstenti solliciti Medici applicata, consilium potius quam decretoriam sententiam sapere. Quis vero ita suadentem, ita amice abstentos monentem & adhortantem excommunicasse eos dixerit. Hugo Grotius de imp. sum. potest. circa sacra cap. 9. §. 8. p. m. 119. seq. Quo jure igitur pastor homini manifeste flagitioso annunciat, alienissimum esse ipsum a divina gratia, eodem jure eidem baptismus non exhibet, quippe signum remissionis peccatorum; aut si baptizatus est, Eucharistiam ut signum communionis cum Christo. Non est enim ei signum applicandum, cui res signata non convenit, nec danda margarita porcis, sed ut in Ecclesiis proclamari a Diacono solebat . Imo non tantum contra veritatem, sed & contra charitatem esset, , sacrae Coenae participem facere. . In his ergo cum pastor suum duntaxat actum suspendat, non in actus alienos jus ullum dominii exerceat, apparet, haec ipsa ad libertatis usum non ad jurisdictionis exercitium pertinere. Simile in medico afpicitur, qui Hydropico adfidens aquam poscenti nocituram porrigere recusat. Aut in viro gravi, qui profligatae vitae hominem dedignatur salutare: & in his, qui lepra aut alio contaminante morbo infectos defugiunt. Et hi quidem actus pastorum sunt proprii, ad eos veniamus, quos cum Ecclesia habent communes. Jer. Taylor. in Ductore dubitantium p. 5. c. IV. Reg. V. §. 10. Wenn ein Fürst ärgerlich und böse sey, ob ihm das H. Abendmahl von einem Prediger oder Bischoff zu versagen? Da ist nun kein Zweiffel, daß ein Bischoff solches thun könne, sondern daß er es auch in gewissen Fällen thun müsse. Nolite fanctum dare canibus, saget-Christus. Allein dies ist nicht ein Werck der Jurisdiction, Bestraffung oder Zwanges; sondern der Liebe gegen dem Fürsten und der Pflicht des Bischoffs. Es ist eben, als wenn ein Medicus einem Wassersüchtigen abschlägt, zu trincken zugeben; er mag es immerhin nehmen, wenn er muthwillig sterben will, wenn ihm aber der andere in Uberreichung dessen seinen Dienst versaget, so ist er liebreich und freundlich, nicht aber will er über ihn herrschen, und ihm unrecht thun Denn was durch ein göttlich Recht in der Kirchen ist, kan so wohl auf dem, der auf dem Throne, als auf dem, der auf den Misthauffen sitzet, applicitet werden. Doch aber muß die Verweigerung allein durch Vermahnung und Vergewisserung, durch Furcht und Evangelische Ankündigung, durch Erinnerung seiner Unfähigkeit zu communiciren, und der Gefahr, wenn ers thäte, geschehen. Diesem stimmen gleichfalls bey Voëtius Polit. Eccles. Tr. 2. c. 3. p. 845. Dedek. Cons. Tom. I. L. de Coena Sect. 7. num. 1. seq. Bald. lib. 4. c. 9. 1. In Pastorali Lutheri Mencelli p. 291. Facultas Wittebergensis & Lipsiensis, welche anbefohlner Kürtze wegen nicht hersetzen wollen.)
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(Auf das fünffte Gravamen, daß sie hierdurch die Kirchen-Ordnung ungebührlich violiret.) Ad 5) die Kirchen-Ordnungen haben wir nicht violiret, weil (1) in derselben von dem Verhalten eines Predigers in casu quaestionis nichts determiniret ist, sondern biß in den andern Theil (der aber nie zum Vorschein kommen) besage cap. 19. §. 8. verspahret, dahero wir uns in hoc passu an GOttes Wort und unserer Theologorum und JCtorum consiliis lediglich halten müssen, welcher etliche sub lit. C. n. 2. und lit. H. allegiret seyn;(D. Joh. Ger h. loco de peccat. c. 18. §. 89. De participatione peccatorum alienorum, fundamenta hujus doctrinae extant 1. Tim. 5. v. 22. ne communices peccatis alienis. Eph. 5. v. 7. nolite fieri participes eorum, vers. 11. nolite communicare operibus infructuosis tenebrarum, sed redarguite. Rom. I. vers. ult. Qui talia non solum faciunt, sed etiam facientibus consentiunt. (Da die Approbation fremder Sünden als ein sonderlicher schwerer Gradus der Ubertretung angeführet wird) 2. Joh. V, 11. Qui dicit seductoribus ave, communicat operibus eorum malignis. (Ave ist der Liebes-Kuß, dadurch die Gläubigen bezeugeten, die Einigkeit des Glaubens und die Gemeinschafft der Kirchen) Apoc. 18. v. 4. Exite ab ea (Roma, quae re est Babylon in mysterio) populus meus, ne participes sitis delictorum ejus, quod fit vel committendo, cum peccati alieni vel autores sumus, vel adjutores, idque vel consensu & approbatione, cum ea, quae ab aliis fiunt, approbamus suffragio Act. 8. v. 1. (2) Vel consilio, cum mali perpetrandi autores sumus, ac consultatores 2. Sam. 16. v. 23. (3) Vel jussione & mandato Ex. 1. v. 16. (4) Vel excusatione ac defensione. Es. 5. v. 20. (5) Vel quacunque criminis ac commodi participatione. Omittendo, cum officium nostrum, quo peccata reprehendi ac puniri debent, aut negligimus, quod fit intempestivo silentio conniventia. &c. Nun folget lit. ist nicht, wenn Prediger der Obrigkeit Sünde straffen, sondern wenn sie das Kayserliche Pabstthum exerciren, denen Predigern die Cantzel verbieten, sie enturlauben &c. Prediger haben den General-Befehl, alle ihre Pfarr-Kinder, hoch und niedrige, ihres Amts zu erinnern, zu regieren mit dem Bind- und Löse-Schlüssel, da ist kein Unterscheid zwischen Herrn und Knecht, man findet keine Limitation, daß man allein der privat- und gemeinen Leuthe Sünde straffen solte, und nicht der vornehmen, sondern der göttliche Befehl lautet ingemein &c. Pag. 169. Man sagt: Die Ehre der Obrigkeit wird dadurch verkleinert und verringert bey den Unterthanen, und wird damit wohl Ursache gegeben zum Aufruhr. Pf. Das sind alle Politische Feigen-Blätter, consilia humana & carnalia wider GOttes Wort &c. Die Personen und die Güter der Diener GOttes sind unter der Obrigkeit, aber in Betrachtung ihres Amtes erkennen sie keinen Herrn ohne Christum, dessen Legaten sie sind 2. Cor. 5, 20. und den H Geist, dessen Amt sie führen. Seckend. Fürstenstaat 2. Th. C. XI. §. 7. Denen verordneten Kirchen-Dienern kömmt zu, das Amt der Schlüssel mit Ertheilung der Zurückbehaltung der H. Absolution Capit. 13. §. 1. Die Kirchen-Diener sind als GOttes-Diener, und in solchem ihren Hauptwercke der Menschen Bothmäßigkeit nicht unterworffen &c. Balduin. l. 4. cas. consc. cap. 12. cas. 13. Reges subditi sunt Episcopis in spiritualibus, Episcopi Regibus in temporalibus. Sub Episcoporum autem nomine intelliguntur, omnes clerici. Cap. 7. cas. 2. §. 4. seq. Ubi inter alia: Magistratus non est praescribere ministris Ecclesiae, quid docere, quid refutare, quando loqui, quando facere debeant; nam ut Ambrosius ad Imperatorem Theodosium dixit lib. 5. Epist. 29. Neque imperiale est, libertatem docendi denegare, neque sacerdotale, quid sentias, non docere. Georg. Konig in cas. consc. p. 744. seq. Hoc perpetuo sibi constat, nihil cum bona conscientia posse imponi, quod ab altero bona cum conscientia non possit suscipi, in quibus imperatori nullam obedientiam debemus, in illis etiam inobedientiae non possumus accusari, quia prohibet major potestas, nempe divina, quam etiam imperatori in omnibus praeferre debemus: comminatur enim transgessoribus non carcerem aut amissionem tantum temporalis vitae, sed ipsam gehennam & amissionem vitae aeternae. p. 825. dicit, quod Principes sint oves in templo, sed in palatio pastores. p. 788. Des Herrn Lutheri Spruch ist der Chur-Fürstlichen General-Kirchen-Ordnung einverleibet: Es unehren das Sacramente nicht allein, die es unwürdig nehmen, sondern die es auch unwürdig geben. Es ist zu mercken das Exempel Chrysostomi, welcher da sagte: Er wolte sich lieber mit glüenden Zangen zerreissen lassen, als unwürdig zu communiciren Strykius ad Brunnem. lib. 1. c. 6. m. 9. §. 2. dicit, quod si princeps monitis & precibus ministrorum Ecclesiae acquiescere nolit, si suo potius officio cedere, quam saucia conscientia eidem praeesse debeant &c.) (2) giebet auch unsere Kirchen-
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Ordnung allen und jeden Predigern die Macht c. 25. §. 5. da die Worte zu einen jeglichen ordinirten Prediger also lauten: Auf diese eure Zusage wollen wir euch an Gottesstatt nach uhralten Christlichen Gebrauch das heil. Predig-Amt befehlen, und euch Macht gegeben haben, GOttes Wort rein und lauter zu predigen, die heil. Sacramente zu administriren, auch Sünde zu lösen und NB. zu binden; wie ihr solches dermahleins NB. an den grossen und gestrengen Gerichts-Tage JEsu Christi zu verantworten getrauet, da solche Verrichtungen allen und jeden Predigern Krafft ihrer Vocation und Ordination committiret werden, die mere pastoralia und keiner menschlichen Macht und Autorität unterworffen sind, qualia sunt praedicatio verbi divini, legitima sacramentorum administratio, & potestas utriusque clavis, und wäre das Binden sowohl als das Lösen nicht dem Judicio des Predigers quoad administrationem & exercitium überlassen, so käme es
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nicht auf seine, sondern der Obrigkeit Verantwortung an, es kommt aber auf des ordinirten Predigers Verantwortung, dem gesagt ist, ihr solt lösen und binden, wie ihr es an den grossen und gestrengen Gerichts-Tage JEsu Christi euch zu verantworten getrauet. (3) Was cap. 22. unserer Kirchen-Ordnung stehet, handelt in rubro & nigro von solchen Sünden, welche der Kirchen-Busse unterworffen, wie dann auch daselbst die Abweisung NB. von der Tauff und Abendmahl zusammen stehen, daher selbiges Cap. von niemand, der Ihro Durchl. in solchen Stande zu seyn nicht judiciret, wider uns nicht mag gebrauchet werden; Aber (4) posito nequaquam concesso, man könnte etwas unter einigen Schein und Ausdehnung aus selbigen 22. cap. auf den quaestionirten Casum ziehen, so wird man doch finden, daß was sub finem §. 2. stehet, von uns nicht aus der acht gelassen sey, denn wie wir in denen ersten gradibus admonitionis stunden, und um Erlaubnüß, an einige Theologische Collegia (wovon die Consistoria nicht ausgeschlossen sind) die zwey Fragen vor des hohen Communicanten und der Prediger Verhalten gelangen zu lassen, unterthänigst baten; funden wir, was wir vor und unter dem Gebrauch itztbesagter Graduum wohlerwogen hatten, daß Ihro Durchl. ungnädig nehmen möchten, wenn sie vor dero Consistorium von uns gleichsam verklaget würden, bevorab da sie uns sagen lassen, sie wolten, daß man die Sache geheim hielte; daß wir ja ohne expresse gnädigste Erlaubnüß in ein öffentliches Judicium nicht schreiben dürfften: was wir nicht ex ignorantia multo minus ex malitia, sondern mit gutem Vorbedacht dißfalls unterlassen haben, das sagen wir, funden wir, als wir um Erlaubnüß baten, mit einigen Facultäten und Collegiis zu communiciren, nemlich Ihro Durchl. mißfallen, indem sie uns die Resolution gaben, wir solten zu dero Verunglimpffung und Verkleinerung mit niemande communiciren, weil es der Erörterung dieser Frage nicht bedürffte: So daß, wenn wir es dem Consistorio vorgetragen hätten, so hätten wir entweder damit gesündiget, daß wir die ersten Gradus admonitionis nicht gebrauchet, oder daß wir, da wir sie gebrauchten, und weiter gehen wolten, (so uns aber verboten wurde) wieder solch Verbot gehandelt, wie können wir denn nun, da wir gehörige Behutsam- und Vorsichtigkeit gebrauchet, Sünder seyn? Also (5) gesetzet, die Kirchen-Ordnung gebe in den quaestionirten Casu deutliche Masse als sie nicht thut, so war doch derselben durch eine speciale Verordnung, Resolutiion, und Verboth hic & nunc derogiret. Daß bey diesem Gravamine gesaget ist, es würde wider den geringsten Unterthanen ohne Vorbewust und Verordnung des Consistorii also nicht verfahren, findet sich
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nach der gemeinen Lehre unserer Theologen in praxi gantz anders, da clavis ligans & suspensio ohne Vorbewust des Consistorii gebrauchet, vielmehr, wie von uns geschehen, ein Consilium Theologicum dem Communicaturo, bey dem man die Communion bedencklich findet, suppeditiret und derselbe ersuchet wird, des Confessionarii Gewissens zu verschonen; Daß wir dessen, was härter ist, nicht gedencken, als daß, vor kurtzer Zeit die hiesige N. weil sie mit ihrem Manne eine unfriedliche Ehe besitzet, von ihren Beicht-Vater, ohne Vorbewust des Consistorii, vor welchen doch die Sache rechtshängig und unentschieden ist, so gar in der Kirchen von Beicht-Stuhl abgewiesen ist, so doch der Mann admittiret seyn soll. Ad 6) Wenn der Herr Referent die in unserer Schrifft von 1. Sept.(Auf das sechste gravamen, von der comparation zwischen ihrer Durchl. und Nadab, A ihu. Usa, &c.) gebrauchte Worte besser eingesehen hätte, würde er uns nicht beschuldiget haben, daß wir die comparation von Nadab, Abihu und Usu auf Ihro Durchl. gemachet hätten; als die dahin gehen, weil der Abfall der Princessin (den GOtt verhüten wolle!) in unserer Evangelischen Kirche, so viel uns wissend, sine exemplo ist, und sie darinn die erste seyn würde, so besorgte man daher destomehr Unseegens und Straffe, weil man finde, daß die ersten Exempel in einer gewissen Sünden Art mercklig gestraffet, wie an Nadab und Abihu, Usa und andern zu sehen, welche in einer gewissen, ob schon für Menschen geringe scheinender Sünden Art die ersten gewesen und mercklich gestraffet sind. Haben wir denn nun Ihro Durchl. mit Nadab, Abihu und Usa verglichen? in welchen tertio comparationis? Man ist dieses Orts wohl übel dran, wenn bey Anführung eines Biblischen Spruchs oder Exempels solche applicatores sich finden, und ihre application dem Prediger imputiret, und als ein grosses Verbrechen angerechnet wird, so gar, daß in diesen gravamine uns schuld gegeben wird, wir hätten mit dieser comparation des Nadabs &c. unsern Landes-Fürsten zur öffentlichen Verachtung exponiret, und die Unterthanen in ihrer devotion irre gemacht. Du gerechter GOtt, wenn ein solches Befchuldigen genug ist, so können wir bey unserer gerechtesten Sache unmöglich unschuldig bleiben; Die Schrifften sind ja verschlossen in Serenissuni Cabinet geschicket, und versireten wir damahls in terminis privatae admonitionis, woher kan denn NB. offentliche Verachtung kommen? den Nathan kan man ja nicht beschuldigen (wir bitten, nicht abermahl extra tertium eine ungütige interpretation zu machen) daß er seinen König der öffentlichen Verachtung exponiret, und die Unterthanen irre gemachet, als er zu ihm sagte, du bist der Mann des Todes. Wir sagen mit Grunde der Wahrheit, wir, unsere Worte und Schrifften machen niemand in seiner devotion irre, und ist die Sache durch ungütige Deu
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tunge unserer Schrifften und Worte, und die darauff conta nos nec convictos nec auditos erfolgte execution fast aller Orten bekant worden, derer gedruckten und unter die Leute ausgekommenen Streit-Schrifften, und verschiedener Theologischer Gutachten nicht zu gedencken. Wir werden, wie wir allezeit gethan, noch ferner mit der Hülffe des Allerhöchsten, wo und so lange uns GOtt bey dem Prediger-Amt haben will, mit allem Fleiß uns bemühen, daß die Unterthanen, so unsere Zuhörer sind, zuförderst bey der devotion gegen GOtt in Meidung aller falschen, bevorab Anti-Christischen Lehre und alles gottlosen Wesens, diesen nechst in der devotion gegen die ihnen von GOtt vorgesetzten Obrigkeit, in Annehmung, Abtragung, Erduldung und Verrichtung des, was dem Leib, Güter und alles, womit sie nach GOttes Wort und Willen unter menschlicher Ordnung sind, angehet, Christlich und gewissenhafft erhalten werden. (Auf das siebende gravamen wegen der opponiten exceptionis spolii.) Ad 7) Da wir auch, nachdem uns die Cantzel nicht ad tempus sondern simpliciter verboten, und gesaget war, Ihro Durchl. könten uns nicht wieder auf die Cantzel lassen, das beneficium juris ergriffen, und restitutionem, ehe und bevor uns der angedreuete process formiret wurde, demüthigst baten, da haben wir, um den Grund solcher Bitte zu zeigen, die Conones und jura angeführet, welche wollen, quod exspoliati & ejecti, oder wie man sie sonst nennet, ante omnia & quoad omnia müssen restituiret werden, antequam ad causam vocati sint. Nun hatten wir wohl nicht gedacht, daß solche unschuldige in foro & jure übliche Wörter uns zur Sünde und dahin solten gedeutet werden, als hielten wir Ihro Durchl. vor einen Spoliatorem und Räuber. Wir haben die Worte also verstanden, uns auch also von feinen Juristen e. g. Joh. Calvino in lexico jurid. voce spoliare, sagen lassen, es heisse hier spoliatus so viel, als einer der seines Rechts, Amts etc. entsetzet ist, wie von Ihrer Durchl. wir armen Prediger unsers Amts, und dessen, was darinn das potius ist, davon wir denominiret werden unstreitig entsetzet sind. Wenn es eine solche schlimme Deutung haben soll, als in diesem gravamine gemachet ist, mögen es die Jura und Juristen, Carpzov, Ziegler, Lancellotus, Brunnem. Stryk. Schilter &c. und nicht wir verantworten, wir können sie nicht anders allegiren, als sie beschrieben sind, und sind darinn wohl entschuldiget; als die wir das argument a casibus & conjugatis nicht unser machen, weiln wir in der Schule gelernet, daß selbiges offt gar stumpff sey, als wenn man schliessen wolte, die Menschen werden von GOtt dieser oder jener Gnade, dieses oder jenes Amtes, ihres Lebens oder Güther beraubet, Ergo, ist GOtt ein Räuber. Behüte uns GOtt für solchen consequentien!
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Ad 8) Ob wir wohl unserer unterthänigsten devotion gemäß, mit(Auf das achte Gravamen, wegen Wiedersetzlichkeit wieder das Oberhaupt der Kirchen in dem Fürstenthum.) unsern Güthern, Personen, Leib und Leben unter Ihro Durchl. Gewalt und jurisdiction uns zu seyn erkennen, und in allen, was nicht wieder GOtt, das Amt des Heil. Geistes (welches wir nicht nur Krafft des äusserlichen Beruffs, von den vornehmsten Obrigkeitlichen, sondern auch übrigen Kirchen-Ständen und der gantzen Kirchen haben) und wieder unser aus GOttes Wort unterrichtetes Gewissen ist, unsere schuldigste Unterthänigkeit und Gehorsam erkennen, und dem göttlichen charactern und hohen Stand, Macht und Gewalt, so Ihro Durchl. von Gottes Gnaden haben, mit unterthänigsten respect veneriren, so getrauen wir uns doch, so ferne das, was man redet, reden soll, als GOttes Wort, mit dem Herrn Referenten nicht zu behaupten, daß Ihro Durchl. das höchste und absolute Oberhaupt der Kirchen dieser Lande sey; als welcher Titul Christo JEsu allein gegeben wird, der das höchste und absolute Oberhaupt, wie der Universal-also auch der Particular-Kirchen: und weiß die heilige Schrifft so wenig, als unsere Theologische Schulen von einigen sichtbaren, sondern nur von einigen unsichtbaren geistlichen absoluten und höchsten Oberhaupt, von welchen die Glieder seines geistlichen Leibes den Einfluß der Gnaden und geistlichen Gaben empfangen. Ihro Durchl. hat GOtt als seines Reiches Amtmann, Nutritorem Ecclesiae & custodem utriusque tabulae geordnet: Ein solcher grosser Herr aber ist doch bey der Absolution, Communion, und allen göttlichen Kirchen-Ordnungen und Heils Gütern JEsu Christi, als ein anderer Gläubiger, wie geringer condition er seyn mag, vid. Beylage sub lit. H.(Diese ist allbereit oben ad punctum 5. mit angeführet und beygedruckt worden.) und also in casu quaestionis, wie ein anderer Communicante zu consideriren, da es heisset, hier ist kein Knecht noch Freyer, sie sind alle einer in Christo JEsu, und Jacobi 2. v. 1. seq. Haltet es nicht dafür, lieben Brüder, daß der Glauben an JEsum Christum Ansehen der Person leide etc. Ihro Durchl. werden gewiß selbst erkennen, daß sie unter dem geraden Scepter des Reiches Christi, unter der von Christo JEsu selbst geordneten Macht des Predigamts, des Binde- und Löse-Schlüssels, und also von dero Seel-Sorgern, die es treulich mit ihrer Seeligkeit meinen, für unwürdigen Gebrauch des heil. Abendmahls so wohl als dero Unterthanen zu warnen, und zu bewahren seyn, und da wir dieses gethan, so haben wir wieder Ihro Durchl. Oberbischöfliches Amt und hohen Respect keines weges handeln können, weil wir dißfalls nichts nicht als Diener einiges Menschen, sondern Christi
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und GOttes und als Haußhalter über seine Geheimnüs zu halten sind 1. Cor. 4. vid. Beylage sub lit. H. Was hier abermahl von den Bann repetiret wird, ist schon beantwortet, und wird aus dieser Schrifft und denen Beylagen sich ausfindig machen; daß und was für ein Unterscheid zwischen Binden und Bann thun sey. (Auf das Neunte gravamen wegen des aus vorigen deducirten strafbaren Verbrechens, und gegebenen Aergernüsses.) Ad 9) Da in nechstvorhergehenden das erste membrum dieses gravaminis allbereit beantwortet, setzet man dem andern von dem uns vermeyntlich imputirten Aergernüs des heiligen Bernhardi Worte billich entgegen in Cant. 2. Cum corripiuntur vitia, & inde scandalum oritur, ipse sibi scandali causa est, qui fecit, quod argui debeat, non ille, qui arguit, & S. Chrysostomus ostendit pluribus Homiliis in 1. Tim. p. m. 510. non a correptione sed ejus omissione oriri scandalum. Wie nun aus obigen ein unpartheyischer zur Genüge erkennen wird, daß wir nichts wieder die Pflicht, damit wir zuförderst als Prediger GOtt dem HErrn, dem nechst der hohen Obrigkeit als Unterthanen und Diener verwandt sind, gehandelt haben. Also wollen wir nochmahln um alles das, was den 11. Dec. allbereits gebeten und ad protocollum recessiret ist, wie es am kräfftigsten und bündigsten geschehen mag, gebethen und nobile Illustrissimi Judicii officium imploriret haben, die wir verharren etc. (Erinnerung wegen der opponirten exceptionis Spolii.) §. XXX. Nun überlasse ich billich dem unpartheyischen Leser was er von dieser Antwort der Prediger zu judiciren gemeinet sey. Und will meines Orts nur noch dieses erinnern, warum ich hin und wieder etliche Worte, sonderlich bald Anfangs, ausgelassen und mit einem etc. bezeichnet, weil nehmlch darinnen etlicher Personen nahmentlich gedacht worden, die ich wegen vieler Ursachen zu melden Bedencken getragen, auch ohne dem derer Benennung zur Hauptsache wenig oder nichts beyträget. (Gedancken über des Salomons Absetzung des Abjathars.) Hiernächst wird mir doch erlaubet seyn, meine wenige Gedancken wegen der Beantwortung des 7. gravaminis von der opponirten exceptione spolii kurtz und unmaßgeblich zu entdecken. Ich wolte was drum geben, daß die Prediger das Gleichniß oder die instanz mit unsern HErrn GOtt weggelassen und nicht mit so grosser Scheinheiligkeit vorgebracht hätten, indem es sich gantz und gar nicht hieher reumet, es wäre denn, daß sie behaupten wollen, daß ein Mensch dem allerhöchsten GOtt exceptionem spolii zu opponiren befugt sey, welche Gotteslästerung ich ihnen doch nicht zutraue. Ich halte in übrigen meines Orts dafür, daß die von ihnen in gegenwärtigen casu opponirte exceptio spolii eins von denen grösten Verbrechen sey, das sie in dieser affaire begangen. Aus dem jure Canonico mit ihnen zu disputiren, achte ich
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gantz unnöthig zu seyn, sondern ich wünschte, daß, da sie ohnedem sonsten gewohnet gewesen, ihrer Sache aus denen Exempeln der Jüdischen Republique ein Färbgen anzustreichen; sie das Jus Canonicum hätten fahren lassen, und vielmehr auf das Exempel des Abjathars einige Reflexion gemacht hätten. Zu diesen sprach der König Salomon: Er solte auf seinen Acker gehen, denn er sey ein Mann des Todes, und verstieß also den Abjathar, daß er nicht muste Priester des HErren seyn. 1. Reg. II, 26. 27. Es war ein grosses Glück für den König Salomon, daß damahls kein Jus Canonicum bey denen Jüden im Gebrauch war, und ich glaube, es würde Abjathar ein grosses von seinen Vermögen darum gegeben haben, wenn er das Jus Canonicum, den Dedekennum, die Consilia Wittenbergensia, den Dunte, Taylor, absonderlich aber des Königs Casus conscientiae bey der Hand gehabt, und daraus dem König Salomon hätte opponiren können, daß er wider einen Priester neque auditum, neque convictum nicht ab executione anfangen könnte, daß ihm exceptio Spolii zu statten käme, daß er ihm zulassen müste, seine Nothdurfft schrifftlich & cum allegatis legum & Doctorum einzubringen, und daß, wenn er genungsam gehöret worden, die Acta an eine unpartheyische und von ihm nicht eximirte Theologische Facultät verschicket werden müsten, weil es eine Materia pure Theologica wäre &c. Ich überlasse hierbey denenjenigen Theologis, die da statuiren, daß damahls zu Abel eine mit 4. Facultäten besetzte Universität floriret hätte, die Sorge, wie sie einen einfältigen Leyen das Dubium zu benehmen sich getrauen, wie es doch immermehr möglich gewesen, daß Abjathar nicht zum wenigsten von dem König Salomo praetendiret, daß er erst von der Theologischen Facultät zu Abel ein Responsum über seine Person einhohlen lassen solte. u. d. g. Zum wenigsten giebt dieses ein sonderbahres Nachdencken, daß, da der sonst sehr scharffsinnige Schuppius in seinen Regenten-Spiegel nicht leicht eine Gelegenheit unterlässet, der Priester ihre Jura zu vertheydigen, und der Obrigkeit ihre Pflicht einzuschärffen, er dennoch in seinen Anmerckungen über besagtes andre Capitel des ersten Buchs der Könige dieser Absetzung des Abjathars nicht mit einem Worte erwehnet, sondern dieselbe mit einem gäntzlichen Stillschweigen übergangen habe. §. XXXI. Ich muß mich aber wieder zu der von denen Predigern(Ungleiche Relation von dem denen Predigern hierauf) aufgesetzten specie facti wenden, zumahlen da selbige von ihnen an viele ihnen gleichgesinnete Freunde geschickt worden, und also vermuthlich noch in vieler Menschen Händen ist. Sie beklagen sich darknnen, daß der Herr Praeses ihre Schrifft zu sich genommen, selbige extrajudicialiter erbrochen, durchlesen, und nachdem er sie einem andern Ministro deputato überrei
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chet, (zugeschickten Decreto remotionis.) sie auch denen übrigen Herren Assessoribus zuschicken, sey er geschwinde ad Serenissimum nach S. gefahren, allwo der neue Confessionarius auch gewesen, und da wäre noch selbigen Tages denen beyden Predigern, durch den Gerichts-Pedellen ein Decretum remotionis zu S. datiret, insinuiret worden, ehe noch jemand von denen übrigen Herren Deputatis der Prediger Defensions-Schrifft gelesen, wielweniger sein Votum darüber gegeben hätte. Nach der Remotion aber und nach der Introduction der neuen Prediger und also erst post festum, wären dennoch die Acta und Rescripta an alle Membra judicii Ecclesiastici, auch an die Excipirten ergangen, ihre Vota über die vorher unerhört, und unüberführt und dennoch abgesetzte Hof-Prediger, einzuschicken. (Als welches nur ein Decretum dimissionis war.) §. XXXII. Nun ist kein Zweiffel, daß diese Relation bey vielen auch sonst unpartheyischen Lesern allerhand nachtheilige Gedancken erwecket habe; Aber gleich wie es sonst heisset, quod minima facti circumstantia jus variet; Also werden auch verhoffentlich alle dergleichen Gedancken wegfallen, wenn ich den wahren Inhalt des Fürstl. Decreti, wie mir dasselbige von meinen damahligen Herrn Correspondenten eröffnet worden, kürtzlich beysetze. Nemlich, daß, weil ihre Fürstl. Durchl. nöthig befunden, bey ihrer Schloß-Capelle einige Veränderung zu treffen, so hätten sie ihnen solches hiemit notificiren, und ihnen ihre Dimission ertheilen wollen. So viel aber ihr bißheriges übeles Verfahren beträffe, würde das hiezu verordnete geistliche Gerichte fernere Verfügung thun. Denn die Dimission derer Prediger war S. Durchl. auch ohne rechtliche Erkäntnüß zu thun ohnedem befugt, und darzu war auch die angeordnete Commission nicht destinirt per dicta §. XIX. & XX. Eine andre und von der vorigen gantz unterschiedene Frage aber war, wie die Prediger wegen ihres bißherigen üblen Verfahrens anzusehen wären, und diese gehörete eigentlich für die Commission, und konte also auch nach der Dimission der Prediger von selbiger decidiret werden. (Ungleiche Relation von der Predigt des bisherigen Confessionarii.) §. XXXIII. Eben so ist es auch mit der Einsetzung der neuen Prediger beschaffen. Die gegenseitige facti species beschreibet solche abermahls sehr partheyisch. Nemlich es wären den folgenden Sonntag drauf zwey neue Hof-Diaconi von offterwehnten Abt der Schloß-Gemeine vorgestellet worden, und wäre dessen Introductions-Sermon voller ärgerlichen Expressionen wider die vorigen Prediger, und voller Unwahrheit und dem Straf-Amt des H. Geistes höchst nachtheiligen Hypothesibus angefüllet gewesen, nur dadurch diese illegale (wie sie schreiben) remotion vor der dadurch höchstgeärgerten Hof-Gemeine zu justificiren. Weil aber diese Feigenblätter
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die allzuöffentliche Blösse nicht decken wollen, sondern jederman in der Stadt über diesen unerhörten Modum procedendi wie nicht weniger über seine Unbeständigkeit erschrocken, indem sein vor zweyen Jahren in seinen Predigten geführter Jahrgang contra Papatum mit seinen nunmehrigen Responso & hypothesibus gantz nicht überein stimmet; So sey er in seiner Kirchen auf den drauf folgenden Neuen Jahrs-Tag wieder aufgetreten, und hätte das bisher passirte mit grosser Bemühung defendiret, beyde vorige Hof-Prediger beschuldiget, daß sie hätten Rebellion anrichten, und die Unterthanen in ihrer Devotion irre machen wollen; dadurch wären sie nun ein Fluch und Scheusaal der Stadt, des Landes und der gantzen Welt worden. Darauf hätte er auch die Pastores an denen übrigen Kirchen acerrime perstringiret, daß dieselbe wider ihn und diese Sache bißhero mit Unverstand ja Gotteslästerlich geeyffert hätten, da doch vielmehr er der Abt von denen Predigten des Pastoris zu S. Trinitatis nahmentlich und Gotteslästerlich geredet hätte. In Summa Er habe so hefftig und unchristlich excedirt, daß auch Princeps deßhalb bewogen worden, dergleichen ferneres Unternehmen durch eine scharffe Verordnung sub dato d. 4. Januarii 1706. Inhalt zu thun. §. XXXIV. Nun will ich zwar den Abt keinesweges in allen(Gegen welche eine anderwärtige Relation vorgestellet wird, so wohl von dessen gehaltener Predigt.) seinem Thun und Lassen vertheydigen; noch die von seinen Predigten angeführte Umstände insgesammt verneinen: Daß aber die zwey dimittirten Prediger dieselbe ihren Gebrauch nach nicht alle gemeldet, und die Excesse derer Leute von ihrer Parthey verschwiegen, wird nunmehro dasjenige zeigen, was mir damahls von meinen Herrn Correspondenten gemeldet worden. Daß den 20. December Serenissimus in der Schloß-Kirche zwey neue Diaconos durch den Abt introduciren lassen, welcher dieselben bey der Introduction treflich vermahnet und angewiesen, wie sie sich in ihrem Amte verhalten solten: nemlich daß sie müsten ihr Amt nach der heiligen Schrifft und der Kirchen-Ordnung verrichten, wieder selbige nichts begehen, die Gradus admonitionis fleißig in acht nehmen, allenfalls dem Consistorio die Sache vermelden, und nicht nach ihren eigenen Kopffe verfahren. Es meinte wohl mancher, er könne frey und ohne Bedencken dasjenige thun, was Moses, Christus, die Propheten und Apostel gethan hätten; Allein das gienge nicht an; denn die Propheten und Apostel hätten vocationem DEI immediatam gehabt, sie aber nicht. Und was würde daraus werden, wenn man die Sünder mit der Peitsche aus der
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Kirche jagen wolte, wie Christus gethan, oder eine Tauffe einführen, wie Johannes, oder einen Sünder gleich tödten und durchstechen, wie Moses und Paulus gethan? Darum hiesse es, facta heroica non esse imitanda, sed admiranda: ferner hätten sie die neuen Prediger Serenissimum als ihren Obristen Bischoff zu veneriren, und den ihm schuldigen Respect zu geben, damit ihnen nicht widerfahren dürffte, was vor wenig Tagen geschehen. Er müsse aber auch hierbey nomine & jussu Serenissimi tanquam Summi Episcopi anzeigen, daß selbe nicht gemeinet, Ihnen ihr Straf-Amt zu nehmen, zu verringern, oder zu verwehren, gegen die papistische und andere irrige Religionen zu predigen, vielweniger befugt seyn solten, denen Leuten Polster unter zu legen: Sondern sie könten und solten ihr Straf-Amt gebührend brauchen, es müste aber geschehen cum prudentia justorum, oder in der Klugheit der Gerechten. In übrigen aber mochte der Abt wohl freylich auf die Ungezogenheit und Ungeschlachtheit auch Scheinheiligkeit vieler Geistlichen geredet haben, weil mir zugleich berichtet wurde, daß wenn ein Politicus sich unterstehen wolte, dergleichen verdrießliche Wahrheiten zu sagen, er vermuthlich, wo nicht gar für einen Atheisten, jedoch für einen formalen Ketzer nach denen Principiis Consiliorum Dedekenni &c. würde ausgeruffen werden. (Als auch von der Predigt seines Adersarii.) §. XXXV. Was ferner von dem Abt und dessen Excessen gegen andre Priester §. 33. aus der specie facti gemeldet worden, bekömmt gleichfalls ein gantz ander Ansehen, wenn man auch der andern Parthey Excesse dagegen hält, mit denen es, so viel das vornehmste betrifft, diese Bewandnüß hat. Ein gewisser Prediger, der mit dem Hof-Prediger nahe befreundet war, hatte am andern Weyhnachts Feyertage occasione des Evangelii von Stephano geprediget, man steinige zwar an ihren Ort die Prediger nicht; allein man jage sie ungehört, und ungeurtheilt davon. Er wisse zwar wohl, daß dieses was er sage vielen nicht recht seyn werde, und daß er deßhalb vor das Consistorium würde gefordert werden; Aber sein Gewissen (zumahlen da selbiges sich versichert hielte, daß es sich auff geheime Brachia secularia verlassen könnte) obligire ihn, es zu sagen. Eben derselbe hatte in der Predigt gesagt: Wenn er gleich das gantze Jahr das wahre Lutherthum und falsche Pabstthum (wie der Abt gethan) seinen Zuhörern vorpredigte, und hernach auf ein andermahl sagte, daß seine Zuhörer auf gewisse Bedingungen könten Catholisch werden, so hätten sie seinen ersten Predigten nicht zu glauben. Da nun dem Abt dieses sehr nahe gangen, ist er
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in 14. Tagen drauff auf die Cantzrl kommen, hat sich sehr beklaget, daß man ihm Schuld gäbe, als wolte er Catholisch werden, wie denn solches obgedachter Prediger, (den er mit Nahmen genennet,) in einer offentlichen Predigt gesaget hätte, hat darauf seine confessionem fidei her recitiret, und sehr beweglich dabey geweinet. Der andre hatte drauf des Nachmittags in seiner Kirche contra gesagt. Seine Zuhörer möchten sich nicht dran kehren, wenn gleich einer oder der andre bey dem, was er vorgäbe, bitterlich weinete. Das wären öffters Crocodils Thränen. An ihren Früchten müste man sie erkennen: Welches denn freylich Serenissimum veranlasset, daß er allen und jeden Predigern andeuten lassen, daß keiner gegen den andern sich anzüglich erzeigen solle, oder er solle so fort ab officio suspendirt und dann cassiret werden. Welches Decret wie es an sich selbst höchst vernünfftig und dergestalt billig ist, daß auch der Prediger ihre species facti besage §. 33. in fine nichts dabey zu erinnern gefunden; Also mag nunmehro ein unpartheyischer Leser urtheilen, welche Parthey eigentlich zu Abfassung desselbigen Ursache gegeben. §. XXXVI. Wie diese Sache endlich abgelauffen, davon kan(Ende dieses Handels.) ich keine völlige Nachricht geben, sondern nur dieses berichten, daß Seine Durchl. bey Anfang des 1706. Jahrs denen 12. Membris der offtgedachten Commission andeuten lassen, daß Sie Ihre Vota in der beyden dimittirten Prediger Sache mit ehesten einschicken solten, welches dann bey einem und dem andern ein nachdencklich Achselzucken verursacht, wie wohl mir ein guter Freund dabey berichtet, er glaube festiglich, daß denen beyden Predigern wegen ihres Unfugs deßfalls nichts weiter wiederfahren dürffte. Nun finde ich zwar in meiner damahligen Correspondentz, daß die beyden Prediger auff den 23. Februarii ad audiendam sententiam wären citiret worden; wie aber dieselbige gelautet, kan ich nicht melden, weil meine schrifftliche Correspondentz wegen dieser Sache nicht ferner continuiret worden, auch die species facti der beyden Prediger biß dahin sich nicht erstrecket. Was mir aber für mündliche Nachricht davon ertheilet wurde, kan ich gleichfalls nicht berichten, indem ich dieselbe nicht aufnotiret, und längst vergessen. So viel weiß ich mich wohl zu entsinnen, daß beyde dimittirten Prediger, und wo mir recht ist, auch der dritte, dessen in §. praeced. gedacht worden, kurtz darauff anderwärtige Vocationes ausser Landes erhalten. Anjetzo dürfften wohl wenig von denen bey
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dieser Affaire interessirten Haupt Personen, wie auch von denen deputirten Herren Commissariis mehr am Leben seyn. (Erläuterung dieses Handels durch unterschiedene andere Responsa.) §. XXXVII. Dieses eintzige will ich noch zum Beschluß dieses Handels anmercken, daß gleich wie daraus gnungsam abzunehmen, was massen Anno 1705. so wohl Theologi als Politici noch von denen in denen offt allegirten Consiliis Theologicis propagirten reliquien des politischen Pabstthums und juris Canonici eingenommen waren; Also Zeithero dieselbe bey denen Lutherischen Facultäten nach und nach immer mehr und mehr abzunehmen pflegen. Denn da für etlichen Jahren der Onolzbachische General-Superintendens und Ober-Hoffprediger durch eben solche Papentzende Principia sich verleiten lassen, der gnädigen Erlassung von seinen Beicht-Vater Amt sich zuwieder setzen, trotziger weise die Ursachen derselben zu begehren, und auf eine aus fremden Theologis bestehende Commission zu dringen; ist er dadurch immer weiter und weiter verführet worden, daß er sich selbst muthwilliger weise in das gröste Elend gestürtzt, wie solches die in vorigen Jahr deßhalb publicirte gründliche Nachricht mit mehrern-besagt, in welcher zugleich zu befinden, daß nicht allein Unsere, sondern auch die Jenische so wohl Theologische als Juristische Facultät, ingleichen die Helmstädtische Theologische Facultät nach Anleitung des in besagter Nachricht p. 14. seq. befindlichen Registers mit mehrern ausgeführet, daß ein Evangelischer Lutherischer Reichs-Fürst seinen Beicht-Vater eigenen Gefallens mit oder ohne Anzeigung derer Ursachen ändern könne, dabey zugleich mit deduciret worden, daß deßfalls zwischen einen Evangelischen Reichs-Fürsten, und gemeinen Parochiano ein grosser Unterscheid zu machen sey; ingleichen was so wohl ein Evangelischer Reichs-Fürst als der unter seiner Jurisdiction stehende Geistliche bey des letztern Remotion zu beobachten habe? item welcher massen einen Geistlichen zukomme das Straff-Amt zu üben, und wie weit die weltliche Obrigkeit hierinnen Einhalt thun könne? Ferner: wie weit der weltlichen Obrigkeit Jurisdiction über die Diener des göttlichen Worts, so wohl, wenn sie einer Gemeine vorgestellet, als in der Obrigkeit special Diensten sind, sich erstrecke? Wie weit die Praesumtio pro probitate Ministrorum Ecclesiae reiche? Ja wie ferne die Handlungen der Apostel sich auf die heutigen Kirchendiener appliciren lassen? und endlich: Wie weit die Beschimpffung, so denen Kirchendienern wiederfähret, die Ehre GOttes verletze? Wenn nun ja wegen des, was in dem andern und dritten Handel bißhero angeführet worden, bey ei
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nen und den andern noch etwa einige dubia übrig bleiben solten, zweiffle ich nicht, es werden selbige durch die d. p. 14. & 15. allegirten loca zimlich gehoben, und besagte bißherige assertiones mercklich erleutert werden.

IV. Handel. Etliche Fragen wegen eines Codicills.
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§. I.
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DIe bißherigen drey ersten Händel sind etwas weitläufftig gerathen,(Voranmerckung.) und erfordern dannenhero eine Abwechselung mit kürtzern. Es fällt mir hierbey gleich ein Responsum unter die Hände, da ich albereit Anno 1693. über drey Fragen einen Codicill betreffend consuliret worden. Denn ob ich gleich zu keiner Arbeit von Natur weniger Belieben trage als zu allegationibus legum & Dd. oder zu mühsamer Weise zusammen gesuchten, oder quasi per pennae vomitum hingeschmierten rationibus; so würde ich doch davon keinen Mangel gehabt haben, auch extra Facultäten Arbeit genung zu bekommen; wann ich solches nicht bey zeiten depreciret hätte, oder noch deprecirte. (Conf. des II. Theils III. Handel §. 6. p. 116.) Es ist zwar ein ehrliches Stücke Geld bey denen Responsis privatis zu verdienen. Aber was Geld? Das Geld bleibt in der Welt. Und es ist keinen gelehrten Mann kein grösserer Verdruß, als wenn er eine Arbeit thun muß, davon er nach seinen Naturell einen Eckel hat. Sed haec transeant. Das Responsum davon ich schreibe war von mir in October Anno 1693. allhier in Halle verfertiget worden, und weils eben keine weitleufftige oder verwirrete Umstände betrifft, will ich selbiges ohne fernern Umgang und Beschluß hieher setzen. §. II. Als mir des Weyland Hochgebohrnen Herrn Haro Burchard(Das Responsum selbst.) Freyherrn zu Gödens etc. letzter Wille in einen geschriebenen Testament und dabey befindlichen Codicill nebst dreyen unterschiedenen Fragen, zugesendet und meine rechtliche Meinung darüber begehret worden, demnach spreche ich nach fleißiger Verlesung und Erwegung desselben vor recht. Hat Hochgedachter Herr Baron zu Gödens Anno 1682. ein( Species facti. ) solenne Testament in Gegenwart acht Zeugen zu Embden in Ostfrieß
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land verfertiget und darinnen unter andern alle seine Mobilia und Moventia seiner Frau Schwester Frauen Julianen Catharinen, verwittibten Freyfrauen von Büren, doch dergestalt legiret, daß Sie dieselbe nur Zeit ihres Wittwenstandes und Lebens, aufs beste nutzen, nach ihrer Verheyrathung oder Todt aber auf die Besitzer der Herrschafft Gödens etc. als perpetuum fideicommissum transferiren, auch kein Besitzer dieser Mobilien die Sachen quae servando servari possunt, alieniren solle, zu dem Ende Er denn auch anbefohlen, daß alsobald nach seinen Absterben drey gleichlautende förmliche Inventaria aufgerichtet, und davon eines dem einen Herrn Bruder Frantz Heinrich, das andre der Frau von Büren selbst, das dritte der andren Frau Schwester Frauen Hedwig Orianen verheyratheten Frey-Frau von Knyphausen eingehändiget werden solte. Hat ferner der Herr Testator Anno 1686. in Hamburg auf obgedachtes Testaments Rücken von aussen folgendes Codocill zwar eigenhändig aber ohne Zeugen geschrieben und unterschrieben, worinnen er verordnet: daß, ob er wohl in dem Testament von allen seinen Mobilien und Moventien auf gewisse Weise und Masse disponiret, er dennoch aus erheblichen Ursachen alle seine bey seinen tödtlichen Abgang verhandene Barschafften, Mobilien und Moventien erwehnter Frau von Büren Erb- und Eigenthümlich ohne limitation oder restitution legiret und vermachet haben wolle; jedoch obgedachte seine Frau Schwester ersuchende, und vermöge ihm jeder Zeit zugetragenen Affection inständig bittende, solche Barschafften Mobilien und Moventien hinwiederum an den künfftigen Successoren, absonderlich aber an seines Herrn Bruders Frantz Heinrich ältesten Sohn zu verlassen, massen er gar nicht zweiffele, es werde sein obgedachter Herr Bruder und die Seinigen sie, seine Frau Schwester, dergestalt begegnen, daß sie solches zu thun Ursache habe. Und solle dieses dergestalt bündig und kräfftig seyn, als wenn es von Wort zu Wort obgesetzten seinem Testament inseriret wäre. (I. Frage von der Gültigkeit des Codicills.) Weßhalb zu erst diese Frage entstehet? Ob das in dorso testamenti geschriebene Codicill absque signatura Testium de jure bestehen könne oder nicht: Ob nun wohl wieder dieses Codicill angeführet werden möchte, daß zu einen jeden letzten Willen zum wenigsten fünff Zeugen erfordert werden, l. ult. §. ult. C. de Codicill. und die Doctores einhellig diese disposition auch de codicillis verstehen, wannenhero dem ersten Ansehen nach obberührtes Codicill als zu recht unbeständig in Ermangelung der Zeugen scheinen möchte. Dieweil aber
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dennoch auch die Doctores darinnen einig, daß zweyerley Codicillen seyn, ab intestato, & testamento confirmati. Dd. communiter ad Instit. Pand. & C. de Codicillis & corum Jure, und bewehrter Rechtslehrer Meynung nach die Dispositio l. ult. §. ult. C. de Codicillis nur de Codicillis ab intestato factis zu verstehen ist, nicht aber de Codicillis testamento confirmatis, ut quibus sustinendis sufficit ipsius testamenti sollennitas arg. l. 77. de hered. instit. l. 10. de condit. instit. Vinnius in notis ad §. ult. Instit. de Codicillis & tales Codicilli vires capiunt ex testamento ab eoque pendent l. 3. §. ult. l. 7. pr. & §. 1. ff. de jure Codicill. und diese Meynung auch so weit in der gesunden Vernunfft gegründet ist, weil bey denen Codicillis ab intestato zum öfftern ein Testator einen Aufsatz eigenhändig verfertiget, aber solchen hernach zu vollziehen anstehet, und man also nach seinen Todt, wenn nicht die solennitas der Zeugen dabey in acht genommen worden, nicht wissen mag, ob solches sein neuster Wille gewesen sey oder nicht, welches alles in denen Codicillis testamento confirmatis nicht zu befahren, obgedachter des Herrn Barons von Gödens Codicill aber allerdings pro Codicillo testamento confirmato gehalten werden muß, in Betracht er selbiges in testamenti dorso geschrieben, und also gleichsam zum parte testamenti gemacht, auch diese Art derjenigen nicht ungleich ist, wenn bey denen Römern etwas in, ima cera geschrieben worden, de quo modo vide §. 3. & ibi Dd. Inst. de pupill. substit. hiernächst der Herr Baron in dem Testament selbsten §. 12. in fine verbis: mit Vorbehalt des hiervon an einen oder andern von mir nachgehends vermachten Legaten, Ususfructus und Verordnungen ad pias causas, die künfftigen Codicillos ausdrücklich confirmiret hat, dergleichen Confirmation denen Rechten gemäß per l. 6. §. 2. l. 8. in pr. de Jure Codicill. l. ult. de fideicom. libert. So ist auch obgedachtes Codicill ohnerachtet kein Zeuge dasselbe unterschrieben, allerdings vor zu recht beständig erhalten. Auf die andre Frage: Ob die Frey-Frau von Büren ein Inventarium(II. Frage: Von Edirung eines Inventarii.) dessen, was sie von ihren verstorbenen Herrn Bruder in besagten Codicill bekommen, zu ediren schuldig sey oder nicht: spreche ich vor Recht. Ob wohl der Herr Testator in dem Testament verordnet, daß nach seinem Todte von seinen der Frau von Büren vermachten Mobilien ein dreyfaches Inventarium aufgerichtet werden solte, auch dieses in dem Codicill mit ausdrücklichen Worten ihr nicht erlassen, vielmehr daselbst angehenget, daß in übrigen dem Testa
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ment nichts derogiret sondern er alles vest und unverbrüchlich observiret und executiret haben wolle; Dieweil aber dennoch besagte Verordnung de consectione inventarii mit ausdrücklichen Worten in favorem derer geschehen, denen die Frau von Büren nach ihren Tode oder Verheyrathung diese mobilia per fideicommissum restituiren sollen, dieses Onus fideicommissi aber in dem Codicill durch die Worte: eigenthümlich, ohne Limitation oder Restitution, offenbahrlich aufgehoben worden; auch obschon in dem Codicill die Frau legataria gebeten worden, besagte Mobilia dem Herrn Baron Frantz Henrich und dessen Herrn Sohn zu überlassen, und dergleichen Worte sonst Zweiffels frey ad verba sideicommissi zu referiren wären, dennoch nicht alleine das vorhergehende, daß er ihr die Mobilien ohne Restitution legire, als auch, daß er verhoffe man werde sich gegen sie so verhalten, daß sie NB. solches zu thun Ursache habe, gar deutlich bezeugen, daß der Seelige Herr Testator sie anders nicht als verba simplicis commendationis gebrauchen wollen, und dergleichen zu thun in keinen Rechten irgends verboten ist, bey dieser Bewandnüß aber die in Codicill angehengte Clausul de valore reliquorum in testamento hieher nicht gezogen werden mag, zumahl nunmehro niemand weiter einen Anspruch und Interesse an diese Mobilia hat, & exceptio tua non interest opponi potest cuilibet agenti, ferner da etwan, der Herr Paron Frantz Heinrich von Gödens oder dessen Herr Sohn dieses Inventarium von der Frau von Bürens fordern wolten, sich dieselbe nicht unbillig zu befahren haben würden, daß sie dadurch der Frau von Büren solchergestalt begegneten, daß die Condition der Recommendation unter welche der Herr Testator sie recommendiret, wegfiele; So erscheinet daraus allenthalben so viel: daß die Frey-Frau von Büren ein Inventarium dessen was sie in dem Codicill erhalten zu ediren nicht schuldig sey. (III. Frage: Ob von dem Legato testiret werden könne?) Auf die dritte und letzte Frage. Ob und wie weit die Frau von Büren von diesem Legato inter fratrem & sororem und derer beyden liberis & sic inter heredes ab intestato testiren könne? spreche ich vor Recht. Obgleich wenn das Testament durch das Codicill nicht geändert worden, solches in diesen Fall klare masse giebt, wer die Mobilia nach ihren Todte haben solle; auch wenn die dem Codicill beygefügte Recommendation pro fideicommisso zu achten wäre, gleichergestalt aus demselben diese Frage beantwortet werden müste: Dieweil aber
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dennoch, als bey der andern Frage gemeldet, die Mobilia in dem Codicill ihr pure und ohne einig fideicommiss legiret worden; und in dergleichen Fällen, einem Legatario frey stehet de rebus legatis so wohl inter vivos als per ultimam voluntatem zu disponiren. So mag auch die Frey-Frau von Büren nach Belieben mit denen durch das Codicill erhaltenen Mobilien schalten und walten, dieselbe bey Leben verschencken und verkauffen, auch in ultima voluntate solche an ihre Anverwandte oder Fremde und extraneos vermachen; Sie wolte denn aus Liebe denen in Codicillo recommendirten Personen hierinnen einen Vorzug gönnen, oder wären sonst andere pacta familiae vorhanden, die ihr dißfalls was hierinnen zu thun wäre, auf andere Weise vorschrieben. Alles von Rechts wegen. Zu Uhrkund mit Unterschrifft meines Nahmens und Unterdruckung meines gewöhnlichen Petschaffts bekräfftiget.

V. Handel. Fünf Fragen über ein Fideicommiss.
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§. I.
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DIe Partheyen, die Responsa einhohlen wollen, thun meines Erachtens(Vor-Erinnerung.) viel klüger, wenn sie kurtze nnd deutliche Rationes begehren, als wenn sie selbige mit vielen Allegatis und anderen unnöthigen Weitläufftigkeiten spicken lassen. Solchergestalt wurde von mir in Anfang des 1694. Jahres in Februario begehret, ein kurtzes Responsum über fünf Fragen zu urtheilen: Ja die Quaerentes hatten auch dergleichen bey dem Seeligen Herrn Geheimden Rath Stryken gethan, wie ich von ihm nachhero erfahren. Und wird dannenhero dem Leser nicht verdrießlich seyn, wenn ich beyde Responsa hier beyfüge. Und ob wohl das Responsum Strykianum etliche Tage eher als das Meinige verfertiget worden, so erfodert doch die Deutlichkeit, daß ich das Meinige zu erst communicire, weil in dem Strykiano gar keine Species Facti praemittiret ist. §. II. Als mir fünf unterschiedene Fragen nebst etlichen Beylagen(Mein Responsum.) zugesendet, und meine rechtliche Meynung darauf kürtzlich zu thun begehret worden; Demnach erachte ich darauf vor Recht. Hat Johann Eide Faust in einem Testament seiner Tochter Sohn Johann Fausten
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zum Erben eingesetzet, und wenn derselbe ohne eheliche Leibes-Erben versterben solte, ihme seines, des Testatoris, Bruders Anverwandten substituiret. (Species facti.) Hat besagter Johann Faust nebst seinen Vormündern nach des Testatoris Tode sich mit denen übrigen Erben in gewissen Puncten verglichen, und fordern nunmehro nach besagtes Johann Fausts Todte die ihme substituirten dessen Erbschafft von dessen hinterlassenen Halb-Bruder, welcher aber diese geschehene Substitution impugniret, oder, da dieselbige ja in vim fideicommissi resolviret werden solte, Johann Fausts materna & paterna & ex haereditate aviae percepta atque post mortem testatoris de novo acquisita von der Erbschafft zu separiren, auch von der übrigen massa duplicem quartam praetendiren, (I. Frage.) und entstehet dannenhero die erste Frage: Ob Johann Eide Fausts Testament nicht auf ein Fideicommissum gezogen werden könne: Auf welche allerdings mit Ja zu antworten, weil in dem Testament §. und dieses soll also etc. die Clausula codicillaris ausdrücklich (II. Frage.) enthalten. Auf die II. Frage: Ob Johann Faust quartam Trebellianicam deduciren könne: erachte ich vor Recht. Ob wohl wieder ihn angeführet wird, daß er kein beständiges Inventarium gehabt, auch solches aus dem Anfang des Vergleichs ausdrücklich verstanden worden, über dieses auch er die Erbschafft gezwungen restituiret. Dieweil aber dennoch dieses letzte gar keine Rationem dubitandi machen kan; so viel aber das erste betrifft, wohl zu consideriren, daß im besagten Vergleich von des Testatoris Bruder dem Heredi Johann Fausten und dessen Vormündern dieser Neglectus mit erlassen worden; anderer Umstände, und absonderlich desjenigen, daß zuforderst dahin zusehen, ob nicht an dem Loco quaestionis per juratam specificationem der Defectus neglecti Inventarii suppliret zu werden pflege, anitzo zugeschweigen; So möchte auch Johann Faustens Trebellianicam zu deduciren (III. Frage.) allerdings befuget seyn. Auf die III. Frage: Ob denn, wenn pars adversa Trebellianicam zöge, nicht zuförderst von der gantzen massa bonorum die 51. Jück, so bereits der fideicommissarius Krafft des Vergleichs in Händen hat; wie nicht weniger die 51. Jück, so perpetuirlich der studirenden Jugend beygeleget werden, welches aus dem Contract gleichfalls erhellet, abzuziehen wären: erachte ich vor Recht: Daß die Frage allerdings zu bejahen, weil von denen Legatis ad pias causas so wenig als von demjenigen, was pro parte haereditatis restituendae nicht geachtet werden kan, keine Tre
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bellianica abzuziehen. Auf die IV. Frage: Ob pars adversa, als(IV. Frage.) Johann Faustens halb Bruder ultra Trebellianicam auch dotem, ja gar duplicem quartam praetendiren könne: erachtet ich vor Recht: Ob wohl angeführet wird, daß dieser Halb-Bruder den Testatorem Johann Eide Faust nicht mit einem Bluts-Tropffen angehe; Dieweil aber dennoch Johann Faust also des Testatoris ex filia nepos das Jus detractionis duplicis quartae gehabt, ingleichen aus dem Testament, §. und ob wohl meine instituirten Erben etc. zu sehen, daß der Testator Johann Fausts Mutter ihren dotem mit seiner Verlassenschafft vermischet, solchergestalt aber Johann Faust in casu restitutionis macht gehabt, die bona materna von der Großväterlichen Verlassenschafft zu separiren, so hat er auch ratione utriusque dieses sein Recht auf seinen(V. Frage.) Halb-Bruder jure haereditario transferiret. Auf die V. und letzte Frage: Quando dies cedat, ob, wenn pars adversa quartam ziehe, denn nicht vorhero die Schulden müsten abgezogen werden, als welche Johann Faust, laut Contracts über sich zu bezahlen genommen: erachte ich vor Recht, daß dieselbe mit Ja zu beantworten, weil keine quarta deduciret werden kan, ehe man die Schulden davon abgezogen. Halle 6. Februarii 1694. §. III. Das Responsum des Herrn Strykii lautete also:(Responsum Strykii.) Demnach über solgende 5. Fragen, als 1. Ob Johann Eide Faustens Testament nicht könne auf ein fideicommissum gezogen werden? 2. Ob haeres Trebellianicam deduciren könne (1) da er kein beständiges Inventarium gemachet, (2) quia coactus restituit? 3. Gesetzt, daß pars adversa Trebellianicam zöge, ob denn nicht zu förderst abzuziehen von der gantzen Massa bonorum die 51. Jück, so der fideicommissarius bereits in Händen hat, so auch die 51. Jück, so perpetuirlich der studirenden Jugend beygeleget worden, wie aus dem Contract erhellet? 4. Ob pars adversa, als nun des haeredis defuncti (qui erat testatoris ex filia nepos) sein Halb-Bruder, der den Testatorem nicht mit einem Bluts-Troffen berühret, ultra Trebellianicam, dotem, ja gar duplicem quartam praetendiren könne? 5. Quando dies cedat, daß ob schon pars adversa quartam ziehe, ob denn nicht vorhero die Schulden müssen abgezogen werden, als welche haeres laut Contracts über sich zu bezahlen genommen? Meine Rechtliche Meinung mit wenig Worten zuertheilen verlanget worden, so berichte hiermit auf die 1. Frage, daß
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das Testament und die darinnen geschehene substitutio allerdings propter annexam clausulam codicillarem als ein fideicommissum bestehen könne. Auf die 2. Frage vermelde: Daß ob non confectum Inventarium juxta communiorem Dd. sententiam die Trebellianica verlohren werde; jedoch weil der institutus haeres annoch in minorennitate verstorben, und das quadriennium petendae restitutionis noch nicht vorbey, wird dessen nachgelassenen Erben ex persona defuncti die restitutio in integrum zustatten kommen müssen. Die andere Ration aber, so bey dieser Frage angeführet, quia coactus restituit, ist in Rechtten nicht gegründet, als daselbst nicht die coacta restitutio, sondern die coacta haereditatis aditio die amissionem Trebellianicae mit sich führet. Die 3. Frage betreffend ist zwar, so viel dasjenige belanget, was ad Studia vermachet, ausser Zweiffel, daß davon keine Trebellianica abgezogen werden könne, weil es ein Legatum ad pias causas ist; was aber die übrigen 51. Jück, welche der fideicommissarius bereits in Händen hat, betrifft, scheinet zwar, daß, weil solche aus der Erbschafft herrühren, darauf in computanda quarta Trebellianica reflectiret werden müsse; Weil aber dennoch der haeres fideicommissarius diese 51. Jück per modum transactionis, & ita titulo oneroso per actum inter vivos an sich gebracht; so können solche Aecker pro parte haereditatis restituen. dae ferner nicht geachtet werden, sondern die Trebellianica ist von denen übrigen Gütern allererst zu deduciren. Auf die 4. Frage bin ich der Meinung, daß obgleich der Halb-Bruder respectu Testatoris pro extraneo zuachten, weil er aber dennoch des verstorbenen haeres ab intestato ist, und gleich wohl der defunctus fideicommisso gravatus facultatem detrahendi duplicem quartam denen in Foro üblichen Rechten nach allerdings gehabt, so hat der Defunctus solches jus detrahendi duplicem quartam auf solchen seinen Halb-Bruder transferiret, dotem aber absonderlich zu fordern ist in Rechten nirgends gegründet. Die 5. betreffend ist an sich gewiß, quod dies legitimae cedat a tempore mortis avi, dies vero Trebellianicae a tempore purificati fideicommissi, nemlich bey Absterben des Instituirten Erben. Sonsten aber kan weder legitima, noch Trebellianica gerechnet werden, bevor die hinterlassenen Schulden von der Massa haereditaria abgezogen. Halle den 1. Febr. 1694.
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§. IV. Es wird unter obigen beyden Responsis keine grosse Differentz(Etliche Neben Erinnerungen.) vorkommen, ausser, daß in responso ad quaestionem 2. nicht einerley ratio decidendi gebraucht worden, und daß in quaest. 4. ratione dotis ich anderer Meinung gewesen. Davon die Beurtheilung dem Leser überlassen wird. Sonst ist noch dieses ratione methodi zu erinnern, daß ich nach Art derer Collegiorum Lipsiensium bey jeder Frage auch alsbald die dahin gehörige Antwort angehängt. Mein Seeliger Herr Antecessor aber war gewohnet die Fragen alle nach einander vorher zusammen zusetzen, und nachhero erst die Beantwortung einer jeden Frage anzufügen. Nun ist zwar methodus arbitraria, und ich halte nicht viel davon, wenn man ratione methodi mit andern streitete, jedoch glaube ich auch, daß bey der ersten Methode es dem Leser viel leichter ist, den Sinn und Meinung des Responsi zu begreiffen.

VI. Handel. Grobe Brocken des politischen Pabstthums unter Evangelischen Predigern in puncto der Ketzermacherey.
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§. I.
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VOn den groben Brocken des politischen Pabstthums in unseren(Vor-Erinnerung.) Kirchen überhaupt ist schon oben in andern Handel ein mehrers erinnert worden. Was die Ketzermacherey in specie betrifft, wurden Anno 1698. in dergleichen casibus zwey Responsa von mir verlanget das eine betraff M. Johann George Bösen Diaconum zu Sorau, den der Senior des Ministerii in der Herrschafft Sorau mit Gewalt zum Ketzer machen wolte, welches Responsum ich auch in Monat December desselben Jahrs verfertiget, und ist selbiges nebst andern zu des M. Bösens affaire gehörigen Responsis und Schrifften schon anno 1700. in der Rengerischen Buchhandlung publiciret worden. Das andere war schon vorher in April besagten Jahrs auf Bitte Herrn Schillings eines damahligen Studiosi Theologiae aus Pöseneck ertheilet, und weil dasselbige meines Wissens noch nicht gedruckt worden, will ich selbiges hier mittheilen, zumahlen da dassel
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be einen casum von einer so brutalen Ketzermacherey betrifft; daß wenn GOtt die Evangelische Kirche wieder die bißherigen Nachstellungen biß auf unsere Posterität ferner beschützt, und derselben, wie bißher geschehen, die Erkäntnüß des politischen Pabstthums, immer mehr und mehr wird zu erkennen geben, besagte unsere Posterität sich kaum wird einbilden können, wie es doch damahlen nur möglich gewesen sey, daß unter, ich will nicht sagen, gottseelig seyn wollenden, sondern nur unter vernünfftigen, und zwar gelehrt vernünfftigen Lutheranern solche unvernünfftige Dinge unter dem Schein des Christenthums und Beförderung Göttlicher Ehre vorgenommen worden. (Das Responsum selbst.) §. II. Ich will mich mit Erzehlung der hierbey vorkommenden Umstände zum voraus nicht länger aufhalten, zumahl da selbige aus der der ersten Frage praemittirten facti specie genungsam mögen abgenommen werden, auch sonsten das nunmehro folgende Responsum selbst an sich ziemlich ausführlich noch hier und dar derselben gedencket. (Eingang.) Als derselbe mir eine weitläufftige Speciem Facti und Apologie, wie auch verschiedene Extracte aus denen wieder dessen Vater, Johann Nicolaus Schillingen, einen Bortenwircker zu Pöseneck, und dessen Bruder Johann George Schillingen, einen Bortenwircker Gesellen, so wohl vor dem Rath zu besagten Pöseneck, als auch dem Herren Superintendenten zu Saalfeld, ingleichen dem Consistorio zu Altenburg, und denen darnächst aus demselben und sonst verordneten Commissariis ergangenen Actis und 4. unterschiedenen Fragen zugeschicket, und sich des Rechten darüber zu belehren gebethen, demnach erachte ich Christianus Thomasius, beyder Rechten Doctor, Chur-Brandenburgischer Rath und Professor Juris Ordinarius auf Chur-Brandenburgischer Friedrichs Universität zu Halle nach fleißiger Verlesung und Erwegung derselben denen Rechten gemäß und zwar anfänglich auf die erste Frage zu erkennen seyn. (Erzehlung der Geschicht.) Ist der itzige Professor Linguarum Orientalium und Pastor bey der Glauchischen Gemeinde, Herr M. August Hermann Francke, A. 1690. von Erffurth aus nach Rudolstadt und Saalfeld gereiset, und da er in die nächst dabey gelegene Stadt Pöseneck gekommen, ist er alda bey dessen Vater, Johann Nicolaus Schillingen, abgetreten und über Nacht geblieben, indessen aber die Zeit mit Christlichen Gesprächen, und gottseeliger Erbauung zugebracht, es hat auch derselbe, damit er allen Argwohn vermeiden möchte, den Herrn Adjunctum zu ermeldetem Pößneck in seinem eigenen Hause besuchet, der Herr Diaconus aber ist zu ihm
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in dessen Vaters Behausung gekommen und hat sich mit ihm allda unterredet, worauf gedachter Herr M. Francke so gleich folgenden Tages wiederum nach Erffurth zurück gereiset. Hat der Herr Adjunctus zu Pößneck solchen des Herrn M. Francken beschehenen Zuspruch an das Fürstl. Sächs. gesamte Consistorium zu Altenburg berichtet, und um Information gebethen, wie er sich verhalten solle, wenn etwa ersagter Herr M. Francke wiederum nacher Pößneck kommen möchte, worauf so fort dessen Vater in bemeldetes Consistorium citiret und als er erschienen, wegen dieses Zuspruchs, ingleichen wegen M. Franckens seiner Person und Lehre scharff befraget worden. Ist dessen Vater nach der Zeit mit desselben Schwestern einige mahle in den Weyhnachts- und Pfingst-Feyertagen nach Erffurth, auch hiernächst nach Halle gereiset, und an beyden Orthen denen in öffentlicher Gemeinde von Herrn D. Breithaupten, Professore Theologiae auf hiesiger Universität zu Halle, und Herrn Professor Francken gehaltenen Predigten und Catechisationibus beygewohnet, welches die Herren Prediger zu Pößneck sehr übel aufgenommen, und ob gleich dessen Vater, Bruder und Schwestern nicht minder auch dem Gottesdienst zu Pößneck, wenn sie daheime gewesen nach wie vor eine zeitlang beygewohnet, und sich zur Beichte und Abendmahl gehalten, haben es doch besagte Herren Prediger dahin gebracht, daß durch ihr continuirliches Anlauffen, das Hochfürstl. Sächs. Consistorium zu Altenburg endlich einen Bericht an Ihro Hochfürstl. Durchl. zu Saalfeldt abgestattet, und durch speciöse Vorstellung grosser Religions-Gefahr, besagte Ihro Hochfürstl. Durchl. dergestalt eingenommen, daß selbe dem gedachten Consistorio befohlen, die Sache zu untersuchen, worauf das Consistorium auch gewisse Commissarios deputiret, und durch dieselbe eine formale Inquisition, zu welcher bereits vorhero von dem Rath zu Pößneck, durch Abhörung unterschiedlicher Zeugen der Anfang gemachet gewesen, wider dessen Vater und Bruder, wie auch noch einige andere Personen wegen Verdachts irriger Lehre anstellen lassen; welche Commission denn auch würcklich ihren Fortgang gewonnen und es will derselbe anfänglich berichtet seyn: Ob dessen Vater und(I. Frage. Ob die That Inquisitions würdig.) Bruder mit solchen beständigen und zulänglichen Indiciis wegen verdächtiger Lehre und Glaubens graviret gewesen, daß eine Inquisition oder andere Commissarische Untersuchung wider sie de jurc statt gehabt, und angestellet werden können: Ob nun wohl der Rechts-Lehrer Meynung dahin gehet, daß, wei
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len nicht möglich ist eine allgemeine Regel vorzuschreiben, nach welcher an allen und jeden Delictis die Indicia abgemessen werden könnten, ob sie ad inquisitionem hinlänglich seyn, oder nicht, dannenhero solches dem Arbitrio judicis zu überlassen sey, ut is pro ratione circumstantiarum, criminis qualitate & personarum delinquentium sorte ac conditione aestimet atque definiat, quaenam indicia ad specialem inquisitionem sint sufficientia, Prosp. Farinac. Prax. Crim. lib. 1. (Beschuldigungen der Denuncirten.) tit. 1. qu. 1. n. 45. und aber in gegenwärtigen Fall nach derer Herren Prediger zu Pößneck vielfältigen Berichten an das Hochfürstl. Altenburgische Consistorium, so in denen ergangenen Consistorial - Acten befindlich, dessen Vater und Bruder nicht nur mit dergleichen Leuthen, so wegen der Religion verdächtig, vielfältig umgegangen, sie beherberget und hernach das Geleit aus der Stadt gegeben, sondern auch unterschiedliche Bürger aus der Stadt an sich gehänget, mit denselben und öffters dazu gekommenen Fremden zusammen gekommen, verdächtige Conventicula, sonderlich des Abends und bis in die späte Nacht gehalten, und dabey das Ministerium und den öffentlichen Gottesdienst zu Pößneck, nebst der Beichte und Abendmahl, verachtet haben sollen, daß also besagte Herren Prediger nicht ohne Ursach befürchtet zu haben scheinen, es möchte aus dergleichen Wesen, ihren Querelen nach, eine Haeresis, sehisma oder doch zum wenigsten grosse Turbae in der Kirchen entstehen, dergestalt, daß in kurtzem weder Obrigkeit auf dem Regenten-Stuel, noch sie, die Prediger, auf den Cantzeln sicher seyn würden; wozu kommt, daß dessen Vater, ob ihm gleich von dem Hochfürstl. Consistorio zu Altenburg alles Ernstes untersaget worden, sich Herrn M. Franckens biß zu Ausführung seiner Unschuld gäntzlich zu enthalten, derselbe dennoch solches Verboths unerachtet nach Erfurth und hernach auch nach Halle gezogen, sich zu Herr M. Francken gehalten, ihn predigen gehöret und darnächst gegen jedermann sehr gerühmet, da doch oftbesagter Herr M. Francke nach dem gemeinen Geschrey wegen irriger Lehre sehr verdächtig gewesen wäre, auch deshalb von Erffurth fortgeschaffet worden, quibus omnibus concurrentibus es das Ansehen gewinnet, daß gnugsame Indicia verhanden gewesen, weshalb eine Commission ad inquirendum ex arbitrio Judicis veranlasset werden können, cum per vulgata ex consortio cum suspectis & de heterodoxia inculpatis familiari aliquis ipse quoque se suspectum de heterodoxia reddat, in fernerer Betrachtung, daß da auf Commission des
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Hochfürstl. Altenburgischen Consistorii der Rath zu Pößneck per modum inquisitionis generalis einige Zeugen summariter abgehöret, Test. 7. Wilhelm Klopfleisch deponiret, daß dessen Vater gegen ihn, den Zeugen, ausdrücklich gesaget, er wäre ein Pietist, auch die andern Zeugen ihm darinnen adminiculiret, daß sie de rumore & sama communi, daß nemlich dessen Vater ein Pietist wäre, ausgesaget, woraus es scheinet, quod ex hisce Testium depositionibus de corpore delicti, quod hic heterodoxia aliqua praetenditur, satis constiterit, & propterea judex legitime ad inquisitionem ipsam specialem procedere potuerit, bey welcher Special-Inquisition denn so wohl dessen Vater als Bruder beyderseits ad Art. 24. gestanden, daß sie Jacob Böhmens Buch, der Weg zu Christo genannt, gelesen, und dadurch sich dem Ansehen nach noch weit mehr verdächtig gemacht, indem Jaeob Böhme mit seinen Schrifften von vielen Lutherischen Theologen als ein Heterodoxus verworffen worden, consequenter derjenige, der selne Schrifften mit Hochhaltung lieset, nach der Herrn Prediger zu Pößneck Meynung, dafür gehalten wird, daß er sich seiner Irrthümer mit theilhafftig mache. Dennoch aber und dieweil bey Anstellung eines jeden Special-Inquisition-Processes(Handgreislicher Beweiß, daß alhier keine Missethat vorhanden.) vor allen Dingen erfordert wird, daß ein Crimen verhanden und bereits ausgeübet sey, um welches Willen solche Special-Inquisition soll vorgenommen werden, angesehen sonsten die Inquisition wider eine ertichtete Chimaeram gerichtet wird, und folgends dieselbe ipso jure null und nichtig ist, weßhalb in der peinlichen Hals-Gerichts-Ordnung Art. 6. erfordert wird, daß derjenige, so von der Obrigkeit soll angenommen werden, durch gemeinen Leumuth einer Ubelthat berüchtiget, oder durch andere glaubwürdige Anzeigunge deshalb verdächtig und argwöhnig sey, & primum Requisitum inquisitionis legitime formandae est apparentia delicti, ut de ipso facto, an scilicet quispiam delictum commiserit, ante omnia constet, Jul. Clar. lib. 5. sentent. §. ult. quaest. 4. in pr. & quaest. 5. Nic. Reusner lib. 1. Decis. 24. n. 12. dergleichen Crimen aber allhier in totis Actis nicht zu erfinden, indem eines theils von mir anderswo ausgeführet worden, daß die so genannte Ketzerey und heterodoxie für kein Laster zu achten, weshalben nach GOttes Wort oder auch gesunder Vernunfft eine Inquisition angestellet werden könne; anderes theils aber (und weil dieses Responsum vielleicht denen unter Händen kommen möchte, die an besagter Wahrheit keinen Geschmack finden dörfften;) gesetzt auch
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daß haeresis ein crimen inquisitione dignum sey, dennoch aus denen Acten so viel erhellet, daß dessen Vater anfänglich bloß darum vor das Consistorium zu Altenburg gestellet worden, weil Herr M. Francke bey demselben abgetreten und übernachtet, auch nachdem dessen Vater, auf die vorgelegte gantz ungewöhnliche Fragen: Was besagter Herr M. Francke bey ihme gewolt und gemacht, item, was Er vor Discourse geführet, und ob Er nicht gesaget; daß man bey zugestossenem Hauß-Creutze nicht traurig seyn solle, etc. gerade, als wenn dieses was heterodoxes und ketzerisches wäre, geantwortet, v. Art. Consist. f. 97. besagtes Consistorium demselben seinem Vater in einem an den Rath zu Pößneck am 10ten Mart. 1691. und Act. Senat. fol. 6. befindlichen Rescripto das Gezeugniß geben müssen, daß aus seiner Antwort nichts verdächtiges abzunehmen gewesen, item in dem so genannten Acten mäßigen Bericht vom 10ten Oct. 93. es hätte sich bey dessen Vater, Bruder und andern kein Haupt-Irrthum befunden, dergleichen Zeugnüß auch der Diaconus zu Pößneck selbst, Herr Biedermann, welcher sonsten einer von den Denuncianten mit ist, vor dessen Vater in Actis Superintendentis f. 182. abgeleget, da Er diese sonderliche Worte gegen dem Herrn Superintendenten zu Saalfeld geführet: Wenn Er bey seinem Gewissen und Pflichten sagen und bezeugen solte, müste er gestehen, daß Johann Nicolaus Schilling, der Bortenwircker rein und richtig in der Lehre, und gottseelig im Leben und Wandel sich befinde, nur wolte Er in etlichen adiaphoris (als z. E. Tantzen, Spielen, Schertzen, etc.) gar zu singular seyn, item, Er sehe und mercke nicht die geringste irrige Lehre an dem Schilling, dem Bortenwircker, er wäre aber halsstarrig, ja der Herr Adjunctus, so doch zum allerersten die Sache ans Consistorium gebracht, bekennet in Act. Consist. f. 78. Er wisse den Bortenwircker noch zur Zeit nicht anders, als in der Lehre und Christenthum vor rein zu schätzen, wozu komt das herrliche Testimonium ermeldeten Herren Superintendentis in Act. Superint. f. 39. & 40. allwo Er referiret, daß der ermeldete Herr Adjunctus zu Pößneck zwar den Bortenwircker als ein verirretes Schaaf, das auf unrechten Wege gienge, ja als einen von dem Turbae in Religione zu besorgen, angäbe, jedoch aber hinzu thut, es wäre aus des Bortenwirckers Bekänntniß klärlich zu sehen, daß der Herr Adjunctus unrechte Meynung habe, und fürchte, was nicht zu fürchten sey, allwo Er noch ferner diesen Wunsch: O wenn
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Wie viel solcher Schismaticorum hätten, wie wenig würde die weltliche Obrigkeit zu straffen haben, wie freudig wolten Wir Prediger Unser Amt verrichten, etc. hinzusetzet, aus welchem allen und noch andern, so ex Actis könte angezogen werden, zur Gnüge erscheinet, daß ipsis judicibus & ipsis denunciantibus, Adjuncto, Diacono Pösneccensi confitentibus bey dessen Vater keine heterodoxie, folglich auch kein Crimen, ob quod ad inquisitionem properare potuisset Judex, zu finden gewesen, zumahlen da derselbe laut des Herrn Adjuncti eigenen Schreiben Act. Consist. p. 179. sich zu der Lutherischen Religion von Hertzen bekennet hat: hiernächst dessen Vater nicht graviren können, daß Er, ob ihn gleich das Consistorium davon abgemahnet, dennoch mit Herren M. Francken umgegangen, nacher Erffurth und Halle gereiset und seine Predigten bey öffentlicher Versammlung gehöret, auch wohl privatim ihm zugesprochen, angesehen besagter Herr M. Francke in einem öffentlichen Lehr-Amt bey einer Lutherischen Gemeinde in Erffurth und bey Halle gestanden, zu deren Seelsorge Er, nachdem Er aus Leipzig nebst andern die Frömmigkeit inculcirenden Leuten wegen vieler Verfolgung weggezogen, beruffen worden, wodurch man gnugsam bezeuget hat, daß ihme, Herrn M. Francken keine heterodoxie jemahls in Leipzig oder sonst anderswo erwiesen, und also so wenig die Herren Prediger zu Pößneck, als auch das Hochfürstl. Consistorium denselben mit bestande Rechtens beschuldigen können, daß Er irriger Lehre wegen verdächtig wäre, oder Schwärmereyen ausgebreitet hätte, zumahlen da derselbe bey seiner Anwesenheit zu Pößneck mit beyden Herren Predigern gesprochen, und der Herr Adjunctus f. 77. Act. Consist. bekennet, daß ihm Herr M. Franckens Discours wohlgefallen, auch der Herr Adjunctus f. 75. gestehet, Er habe keine Schwermerey von ihm vermercken können, weil Er die media salutis nicht annulliret, sondern Wort, Predigamt, Sacramenta und Absolution in ihrer von GOtt habenden Krafft erkand, hiernächst der Herr Superintendens in Actis Superint. f. 3. Herr M. Francken für einen wahren Lehrer und Diener GOttes erkand, welches zwar, wie auch das gute Gezeugniß, so besagter Herr Superintendens dessen Vater vorangeführter massen gegeben, das Consistorium in ihrem Acten mäßigen Bericht nicht billigen, sondern viel lieber um des willen den Herrn Superintendenten auch wohl zugleich mit suspect machen wollen, aber dadurch eben der Concipient solches Berichts gar zu deutlich seine Partheylichkeit, gegen die Herren
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Prediger und Abgewogenheit gegen dessen Vater, Bruder und übrige verdächtig gemachte Leuthe an den Tag gegeben, da im Gegentheil Ihro Hochfürstl. Durchl. zu Sachsen-Saalfeld selbst in Dero Rescript an das Consistorium zu Altenburg vom 14ten Dec. 92. in Act. Consist. f. 301. seqq. Herrn M. Francken und andern, so man gern als Irrige bey der Kirchen schwartz machen wolle, das Gezeugnüß gegeben, daß Ihro Hochfürstl. Durchl. die mit dem so beruffenen Pietismo angeschuldigte Lehrer bis auf die Stunde in der Evangelisch-Lutherischen Kirchen unsträflich lehren uud leben sähen, und ob gleich besagter Herr M. Francke hernach zu Erfurth seines Dienstes erlassen worden, dennoch darauf noch bey weiten nicht folget, daß Er irrig in der Lehre gewesen, bevorab da Er so fort darauf von Sr. Churfürl. Durchl. zu Brandenburg auf hiesiger Universität zum Professore ordinario, auch bey der Lutherischen Gemeinde zu Glaucha alhie vor Halle zum öffentlichen Lehrer bestellet worden, Er auch in solchen functionibus biß diese Stunde annoch rühmlichst stehet, andere verdächtige Leuthe aber die Herren Prediger zu Pößneck anzugeben, und warum sie verdächtig wären zu erweisen nicht vermocht, indem wieder diejenige, so sie ausser den Seinigen angegeben, eben nur derselbe Argwohn ist, weil Sie nemlich mit Herrn M. Francken umgegangen: ferner dessen Vater und Bruder deshalb nicht in inquisition gezogen werden können, daß dessen Vater sich des einen Zeugen Aussage nach für einen Pietisten ausgegeben, auch die übrigen Zeugen deponiret, daß das gemeine Gerücht wäre, ob seyen die Seinigen dem Pietisino ergeben, sintemahl daraus noch lange kein crimen, in quod inquiri posset, erfolget, alldieweilen bereits mehr, als zu viel bekannt, daß durch das Wort Pietist und Pietisinus, nicht eine gewisse Art einer Ketzerey oder heterodoxie angezeiget, sondern dasselbe gebraucht wird, diejenigen unter den Lutheranern, so ihnen ihr Christenthum einen rechten Ernst seyn lassen wollen, damit auszuhönen, und sie sarcastice damit, quasi minime pii essent, zubelegen, dahero es denn gar wohl zu glauben, was der Herr Diaconus zu Pößneck in einem Schreiben an den Herrn Superintendenten zu Saalfeld Act. Consist. f. 74. meldet, daß Er die definitionem formalem des Pietismi damahlen noch nicht gewust, wiewohl zugleich daraus sein vergalletes Gemüthe gnugsam zuersehen, daß Er nicht gewust, was Pietismus, und folglich auch nicht, was Pietisten wären, und Er dennoch nach der Zeugen Assage in Actis Commis
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sor. fol. 12. etliche mahl wider die Pietisten geprediget, und also wieder dasjenige, so Er doch nicht gewust, was es seye, mit grossem Ungrunde geeiffert, wiewohl auch dessen Vater in bemeldeten Actis Commiss. fol. 74. ad Art. 9. eydlich ausgesaget, daß ihm dergleichen Worte: Er seye ein Pietist, niemahlen in Sinn gekommen, vielweniger Er dieselbe gegen den angeführten Zeugen geredet habe: So viel aber die angegebene Conventicula anlanget, der Herr Adjunctus zu Pößneck, als der principal Urheber dieser gantzen Sache, in seinem am 8ten Aug. und 8ten Sept. 1692. an das Altenburgische Consistorium abgelassenen Schreiben davon nichts weiter melden kan, als daß in denselbigen die verdächtig gehaltene Leuthe mit einander in der Bibel läsen, sängen, auf die Knie fielen und mit einander betheten, welches ja warhafftig, wenn es sich auch alles nach des ersagten Herrn Adjuncti Bericht verhalten, so wenig eine Ketzerey, als ein indicium einer Ketzerey seyn kan, wenn sonst die Herren Prediger zu Pößneck sich nicht offenbahr verdächtig machen wollen, daß Sie nach Art der jetzigen Papisten in Franckreich wieder diejenigen Leuthe, so ihr Gebet mit einander zu GOtt verrichten durch Gefängniß, Bannisirung aus dem Lande, ja endlich gar durch Feuer und Schwerd, als wider Ketzer und Ungläubige gerne verfahren wolten, wenn Sie nur dörfften, wobey annoch eines theils bey dem Schreiben von 8. Sept. zu mercken, daß die zween frembde Persohnen, so zu Schillings conventiculis gekommen seyn sollen, des Herrn Superintendenten zu Saalfeld Söhne gewesen, anders theils aber besagter Herr Adjunctus sein Vorgeben de Conventiculis in dem Schreiben vom 8ten Aug. durch die damahls angefügte Beylage sub A. sehr schlecht erwiesen, indem in solcher Beylage nichts mehr attestiret worden, als daß bey dessen Vater ein fremder Mann in einem schwartzen Rock, welcher wie ein Schulmeister ausgesehen, am Tische gesessen, ingleichen auch ein Leinweber, so man den Pietisten nenne, der Bortenwircker aber (dessen Vater) in der Stuben hin- und hergegangen, und nichts gesagt habe, woraus zu sehen, daß denen Herren Predigern zu Pößneck alle Leuthe, Sie mögen seyn gewesen, wer sie gewolt, wenn Sie zu dessen Vater eingetreten, so gleich verdächtig geworden, auch wenn etwa 2. oder drey Leuthe zu sammen gekommen, solches ihnen so fort verdächtige Conventicula heissen müssen, wobey ferner wohl zu beobachten, daß nachdem die Commission und Inquisition durch eydliche Abhörung unterschiedlicher Zeugen auch ge
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nauer Examinirung dessen Vaters und Bruders bereits zu Ende gebracht gewesen, dennoch auch damahlen die Herren Consistoriales in ihrem so genandten Acten mäßigen Bericht vom 10ten Octobr. 93. von diesen so gefährlich ausgeschrienen Conventiculis nichts weiter zu melden gewust, als daß dessen Vater mit den Seinigen, wozu zuweilen auch einige Nachtbahrn und Frembde gekommen, in denselben die Heilige Schrifft gelefen, Sprüche zur Betrachtung daraus vorgenommen, gesungen und gebethet, wobey zwar abermahl der Herr Concipient des Berichts, wiewohl zu höchster Prostitution der Evangelischen Religion und zu Kränckung der durch selbe erlangten Christlichen Freyheit, zuschreiben sich nicht entblödet, daß dessen Vater und die Seinigen sich durch solche Ubungen verdächtig gemachet, und daß dieses eine neue und bishero in der Lutherischen Kirchen ungewöhnliche Art, sich mit einander in der Gottseeligkeit zu üben, gewesen, daraus allerley Aergernis, Verdacht, Zanck und Unruhe in der Kirchen GOttes erfolget, & paulo post: es seye diese Art in der Gottseeligkeit sich zu üben von keiner Nothwendigkeit und von GOtt nicht befohlen, ja, wenn es gleich recht wäre, so wäre es doch nicht nützlich und diene der Kirchen GOttes nicht zum Frieden und zur Besserung, welches gewiß solche assertiones sind, die so leicht jemand Männern, die zu Judicibus Ecclesiasticis inter Evangelicos gesetzet seyn, nicht zutrauen würde, wenn sie nicht von Wort zu Wort in angezogenen derer Herren Consistorialium Altenburgensium Bericht zu lesen wären: Uber dieses wegen der von denen Herren Ministerialibus zu Pößneck angegebenen Verachtung des Ministerii, öffentlichen GOttes-Dienstes, Beicht und Abendmahls zu mercken ist, daß dessen Vater und Bruder solche Verachtung niemahlen von sich spüren lassen, sondern auch nachhero, da Herr Prof. Francke bey ihnen und sie hinwieder zu Erffurt gewesen, dennoch jederzeit dem öffentlichen Gottesdienste (Allerhand Unfug der denuncirenden Ketzermacher.) beygewohnet, auch sich zur Beicht und Abendmahl eingefunden, biß endlich die Herren Prediger nicht länger an sich zu halten vermocht, sondern nachdem sie erstlich privatim, weiß nicht zu welcher Irrthümer und Sünden Erkäntnis die Seinigen zwingen, diese aber ihnen darinn nicht nach ihrem Willen folgen wollen, auch hernach in öffentlichen Kirchen-Versamlungen ihren Zorn und Haß wieder dieselbe ausgeschüttet, laut der Zeugen Aussage Act. Commiss. fol. 12. wieder die Pietisten und Neulinge scharff geprediget, und die Seinigen dergestalt beschrieben, daß je
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dermann solches auf sie gedacht, v. in specie Test. 2. ad Art. 3. cit. loc. dahero es denn ferner geschehen, daß die Seinigen ein Hohn und Gelächter der gantzen Pößneckischen Gemeinde geworden, auch bey solchen Umständen wenig Erbauung und Trost aus der Herren Ministerialien Predigten zu holen gewust, und da auch endlich bemeldete Herren Ministerialen, so offt dessen Vater und Bruder sich zur Beichte eingefunden, mit allerhand wunderlichen ungewöhnlichen Fragen an sie gesetzt, und ihnen Dinge zugemuthet, so sie salva conscientia einzugehen nicht vermocht, daß sie nemlich ihre Fehler, (welche bloß darinn bestanden, daß sie mit Herrn Prof. Francken bekannt geworden, und hernach in der Gottseeligkeit sich zu üben angefangen) erkennen solten, ja gar dessen Vater, da er einsmahls schon im Beichtstuhl gesessen, von Quackern vorgesaget, es dahero geschehen, daß dessen Vater und Bruder endlich wider ihren Willen gezwungen worden, nicht allein nicht mehr bey den Herrn Ministerialen zu Pößneck sich zur Beichte einzufinden, sondern auch denenselben zu Rettung ihrer Unschuld die Wahrheit unter die Augen zu sagen, aus welchem allen aber noch lange nicht folget, daß dessen Vater und Bruder das Heil. Ministerium, öffentlichen Gottesdienst, Beicht und Abendmahl verachtet, weilen sie ja an andern Lutherischen Orten dem öffentlichen Gottesdienst beygewohnet, sich zur Veicht und Abendmahl eingefunden, auch fromme rechtschaffene Prediger sehr lieb und werth gehalten, folglich nicht das Ministerium verworffen, sondern nur zu denen Herren Pößneckischen Ministerialibus ihrer schlecht bezeigten Gewogenheit wegen kein Vertrauen haben, folglich auch weder dem Pößneckischen Gottesdienst, weil die Herren Ministeriales stets wider sie geprediget, beywohnen, noch von ihnen die Absolution und Mittheilung des Abendmahls begehren können, welches alles sie sonst in hohem Werth gehalten und andächtig veneriret, dannenhero aus diesen Umständen und denen gesamten Acten vielmehr deutlich zu spüren, daß der Herren Prediger zu Pößneck grosse und vielfältige querelen nur bloß dahin angesehen gewesen, wie sie durch Hülffe des Brachii secularis ihre Autorität und Herrschafft über die Gewissen ihrer Zuhörer rechtschaffen befestigen möchten, welche Autorität leicht einen nicht geringen Anstoß leiden könte, wenn die Zuhörer selbst sich in GOttes Worte zu üben, und auch auf ihrer Prediger Leben und Wandel Achtung zu geben anfangen wolten, daß sie ingleichen das grosse Geschrey von verborgenen Gifft, besorgenden Haeresibus, Schismatibus und Turbis so wohl in dem Regier-als als auch in dem Lehr-Stand
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nur bloß zu dem Ende erfunden, daß ihre Blösse, die Sie dessen ohnerachtet dennoch so gar sehr durch und durch in der gantzen Sache gezeiget, nicht offenbahr werden möchte: endlich so viel Jacob Böhmens Schrifften anlanget, dessen Vater und Bruder davon nichts mehr, als das eintzige Buch, der Weg zu Christo genannt, gelesen zu haben eydlich erhalten, überdem Jacob Böhme von frommen und bescheidenen Lutherischen Theologis pro heterodoxo nicht gehalten wird, auch daraus, wenn jemand Seine Schrifften gleich gelesen hat und dieselbe dennoch als ketzerisch nicht verwerffen noch verdammen will, kein Indicium heterodoxiae aut haereseos hergenommen werden kan, wie dann, als vor e