Transkription

Robber, Reiner: Odæ Brunoides In obitum & exequias Illustrimi Et Potentissimi Principis Ac Domini, Domini Julii, Ducis Brunsuicensis & Lunaeburgensis, etc. laudatissimae memoriae.
[Inhaltsverzeichnis]
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Eine Christliche Predigt / Gethan den 26. Septembris / als die Leich des Weyland Hochwürdigen Durchleuchtigen Hochgebornen Fürsten vnd Herrn / Herrn Julij Augusti / Hertzogen zu Braunschweig vnd Lüneburg / etc. Apten zu Michelnstein / Thumbprobsten des Stiffts S. Blasij zu Braunschweig / Anhero gen Wulffenbüttel gebracht / vnd in der Fürstlichen Schloßkirchen nieder gesetzt / Durch M. PETRVM Tuckermann / Hof-Prediger.
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Gedruckt zu Wulffenbüttel / durch Eliam Holwein / Fürstl. Braunsch. Buchdrucker vnd Formschn. Im Jahr 1617.
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Esa. 56. Cap.
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DEr Gerechte kömmet vmb / vnd niemand ist / der es zu Hertzen neme / vnd heilige Leute werden auffgerafft / vnd niemand achtet darauff / denn die Gerechten werden weggerafft für dem Vnglück / vnd die richtig für sich gewandelt haben / kommen zum Friede / vnd ruhen in jhren Kammern. WIr lesen beym Esaia im fünften / neunden vnd zehenden Cap: fünffmahl diese Wort: Noch lesset sein Zorn nicht abe / seine Hand ist noch außgereckt. Damit wird angezeiget / daß zu Esaiae zeiten Gott der HErr daß Judische Volck hart habe mit genommen / vnd sie noch ferner hart mit nemen wolle / den beide auff vorher gehendes vu̅ nachfolgendes Vnglück gesehen wirt. Vrsach wird hinzu gesetzt im 9. Cap: denn sie kehren sich nicht zu dem der sie schlecht / vnd fragen nichts nach dem HErrn
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Zebaoth / sie sein gar Fühlos vnd Gottloß / vnd leben in Tag hinein als wen̅ kein Gott im Himmel wehre / vnd daß Vnglück jhnen ohngefehr begegnete. dieses können wir gar wol auff vns ziehen / den̅ zugeschweigen deß Kriegswesens / Kranckheit vn̅ Tewrung / damit wir sein heimgesucht worden / so hat vber das Gott in seinem Zorn nun fünffmahl nach einander in̅erhalb vier Jahren seine Hand vber vns außgereckt / vnd den vralten hochlöblichen Stam̅ Braunschweig angegriffen / vn̅ erstlich Hertzog Heinrich Julium den Regirenden Herrn / zum andern Hertzog Heinrich Carln / zum dritten Hertzog Joachim Carln / zum vierden Hertzog Rudolphum / vnd jetzt zum fünfften Hertzog Julium Augustum Hochlöblicher Gedechtnuß hinweggenommen: wer hats verursacht? Wir alle damit / daß wir vns nicht zu dem gekehret / der vns geschlagen / vnd nichts gefragt nach dem HErrn Zebaoth. Derowegen werden wirs nicht anders machen / vnd dem HErrn vnsern Gott mit hertzlicher Bußfertigkeit / darzu ich einen jeden durch Gott vermahnet wil haben / begegnen / so befurchte ich / so wahr als Godt lebt / daß vbrige Füncklein werde vollens verleschen: dafür den Hochlöblichen Stam̅ vnd Land vnd Leute der Barmhertzige getrewe Gott biß an den Jüngsten Tag gnediglich behüten vnd bewahren wolle / vmb Jesus Christus seines lieben Sohns vnsers Seeligmachers Willen. AMEN.
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ANlangend aber de̅ Hochwürdigen / Durchleuchtigen / vnd Hochgebornen Fürsten vnd Herrn Hertzog Julium Augustum / dessen Leichnam wir jetzt an diesen Ort begleitet / so hat zwar Gott der HErr bey S. F. G. sehr wol gethan // daß er sie auß diesem bösen vnd mühseligen Leben zum ewigen Frieden abgefodert / aber zu vermuten ist / daß ein Vnglück drauff folgen / vnd Gottes Zorn noch nicht abelassen / vnd seine Hand weiter außgestreckt werde bleiben / denn wenn solche gerechte vnd heilige Leute / die für sich richtig vnd einfeltig wie die Kinder gewandelt / vmbkom̅en vnd sterben / so pflegt gewißlich ein Vngewitter fürhanden zusein / für welchen sie weggerafft werden / wie solches außdrucklich in verlesenen Worten von Gott selbst durch den Propheten Esaiam bezeuget vnd bekrefftiget wird. Wollen derowegen solchem Vnglück zubegegnen / vnnd Gott in seine außgestreckte Hände vnd Arme zufallen / diesen Spruch vns zum besten kürtzlich vnd einfeltig zuerkleren für vns nemen / vnd in 3. Stücken abhandeln: Erstlich anhören eine schöne Beschreibung frommer Leute. Zum andern reden von jhrem Vnglück in dieser Welt / vnd wie solches von Welt Kindern geachtet werde / was aber Gott damit andeute vnd meine. Zum dritten wollen wihr besehen jhr Glück / daß sie nach jhrem Tod zu gewarten haben. Hierzu verleyhe vns Gott der Vater die Gnade seines heiligen Geistes vmb JEsu CHristi seines lieben Sohns willen AMEN.
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Vom Ersten.
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FRommen vnd Gottsehligen Leuten werden in verlesenem Spruch drey schöne Namen vnd Ehretitel gegeben / denen wir in der furcht Gottes ein wenig müssen nachdencken. Anfenglich werden sie genant GERECHTEN. Diesen Ehren Titel hat von Natur kein Mensch / von Vater vnd Mutter geborn / denn so lesen wir im 14. Psalm: Es ist keiner der guts thut / oder gerecht sey / auch nicht einer. Vnd im 143. Psalm / Für dir ist kein lebendiger gerecht. Vnd Esai: 64. Cap. alle vnser Gerechtigkeit ist wie ein vnfletig Kleidt: vnd Rom: 3. da ist nicht der gerecht sey / auch nicht einer: Sonder fromme gottßfürchtige Leute führen diesen Ehrentitel / aus GOttes Gnaden von wegen des verdienstes JEsu Christi durch den Glauben / denn GOtt der Vater hat vns seinen Sohn mit seinem gehorsam vnd leiden vnd sterben zur Gerechtigkeit gemacht / dahin Paulus gehet / 1. Cor. 1. Christus ist vns gemacht von GOTT zur Gerechtigkeit: Vnd 2. Cor. 5. GOtt hat den / der von keiner Sündt wuste / für vns zur Sünde gemacht / auff das wir würden in jhm die Gerechtigkeit / die für GOtt gilt. Wer nun an Christum gleubet / dem wird desselben gehorsam vnd verdienst zur Gerechtigkeit zugerechnet: Röm. 10. Christus ist des Gesetzes ende / wer an den gleubet / der ist Gerecht. Auff die art wirt Abrabam für Gerecht gerühmet / Röm. 4. Abraham hat GOtt
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gegleubet / vnd das ist jhm zur gerechtigkeit gerechnet. Deßgleichen wird auch Abel auff die weise für Gerecht gehalten / Heb. 11. durch den glauben hat Abel GOtt ein grösser Opffer gethan / denn Kain / durch welchen er zeugnis vberkom̅en hat / daß er Gerecht sey. Vnd auff den schlag werden alle warhaffte Christen Gerecht gena̅d / Hab: 2. der Gerechte wird seines glauben leben. Lernen wir derwegen bey diesem ersten Ehrentitel frommer vnd gottseliger Leute / daß wir nicht Gerecht werden für GOtt / durch des gesetzes oder der wercke Gerechtigkeit / sondern allein durch die gerechtigkeit des Glaubens / zun Röm: 3. sie sind allzumahl Sünder / vnd mangeln des Ruhms / denn sie an Gott haben sollen / vn̅ werden ohn verdienst gerecht auß seiner gnade durch die Erlösung / so durch Christum JEsum geschehen ist / welchen GOtt hat für gestelt zu eine̅ Gnadenstuel / durch den glauben in seinem Blut / damit er die Gerechtigkeit / die für jhm gilt / darbiete / in dem / daß er Sünde vergibt / etc. Zun Gal: 2. wir wissen / daß der Mensch durch des gesetzes werck nicht Gerecht wird / sondern durch den glauben an JEsum Christ / so gleuben wir auch an Christum JEsum / auff das wir Gerecht werden durch den glauben an Christum / vnd nicht durch des gesetzes werck / denn durch des gesetzes werck wird kein Fleisch gerecht. Vnd Eph: 2. auß gnaden seid jhr Selig worden durch den glauben / vn̅ dasselbige nicht auß euch / Gottes gabe ist es / nicht auß de̅ wercke̅ / auff das sich nicht jema̅d rühme. durch diese gerechtigkeit können die gleubigen für Gott bestehen / vn̅
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haben fried mit jhm / Röm: 5. Nu wir den sind gerecht worden durch den glauben / so haben wir fried mit GOtt durch vnsern HErrn JEsum Christ. Derselben sollen sie sich von hertzen wieder alle jhre Vngerechtigkeit vnd Verdamnis trösten / vnnd erfrewen / vnd mit Esaia aus dem 61. Cap. sagen: Ich frewe mich im HErrn / vnd meine Seele ist frölich in meinem GOtt / denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils / vn̅ mit dem Rock der gerechtigkeit bekleidet. Vnnd hierauß können wir gnugsam abnehmen / daß der grobe jrrthumb der Papisten / die zu gleich in wercken die Gerechtigkeit / die für GOtt gilt / suchen / als verdam̅lich vnd dem thewren Verdienst Christi verkleinerlich / zu verwerffen. Das ist der Erste Ehrentitel der Frommmen. Der Ander ist / daß sie genandt werden / Heilige Leuthe. Dieses Ehrentitels kan sich auch mit warheit niemand von Natur rühmen / denn wir alle / wie wir von Vater vnnd Mutter gebohren werden / so wenig heilig vnd rein seyn / daß wir viel mehr vnheilig vnd vnrein erfunden werden: Da heist es mit vns allen / wie im 51. Psalm stehet / Sihe / ich bin auß Sündlichen Sahmen gezeuget / vnnd meine Mutter hat mich in Sünden empfangen: vnd Esaiae am 64. Wir seynd allesampt wie die Vnreinen. Vnd Hiob. 14. Capitel / Wer wil einen Reinen finden bey denen da keiner rein ist. Vnd im 15. Capitel / Was ist ein Mensch / daß der solt rein seyn / vnd daß er solt ge
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recht seyn / der vom Weibe gebohren ist / sihe / vnter seinen Heiligen ist keiner ohn tadel / vnd die Him̅el seynd nicht rein für jhm / wie viel mehr ein Mensch / der ein grewel vnd schnöde ist / der vnrecht seufft wie Wasser: sondern GOtt Vater / Sohn vnnd Heiligem Geist habens Fromme vnd Gottseelige Leuthe zu dancken / daß sie sich dieses Ehrentitels gebrauchen / vnd Wort vnd Sacrament seyn das Mittel / dardurch jhnen die Heiligung / im Glauben zugeeignet wird. Von Gott dem Vater sagt Christus Johan: 17. Heiliger Vater / heilige sie in deiner Warheit / dein wort ist die Warheit. Von Christo spricht Paulus 1. Cor: 1. GOtt hat jhn vns gemacht zur Heiligung: Vnd Eph: 5. Christus hat seine gemeine geliebet / vnd hat sich selbst für sie gegeben / anff das er sie heiliget / vnd hat sie gereiniget durch das Wasserbad im Wort. Christus aber vnnd der heilige Geist werden zusammen gesetzt / 1. Cor: 6. jhr seid abgewaschen / jhr seid geheiliget / jhr seid gerecht worden durch den nemen des HERRN JEsu / vnd durch den Geist vnsers GOTtes / denn Christus ist mit seinem verdienst der Heiligung / der heilige Geist aber macht vns derselben im Wort vnd Sacrament durch denn glauben Theilhafftig / Act: 15. GOtt reiniget oder heiliget jhre Hertzen durch den glauben. Lernen derwegen bey diesem andern Ehrentitel / woher eigentlich die rechte Heiligung / die für GOTT bestehet / komme / nemblich von GOTT selbst. Ist derwegen falsch vnd vnrecht der Calvini
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sten fürgebeu / daß die Kinder / die von heiligen Eltern geboren werden / die heiligung mit sich auß Mutter-Leibe bringen: Nein / die heiligen zeugen nicht Kinder nach dem Geist in heiligung / Sondern nach dem Fleisch in Sünden / Johan: 3. was vom Fleisch geboren wird / daß ist Fleisch: Vnd Fleisch vnd Blut können das Reich GOttes nicht ererben / 1. Cor: 15. Daher wir auch bekennen im 3. Artikel vnsers Christlichen glaubens: Ich gleube / daß ich nicht aus eigner vernunfft noch krafft an JEsum Christum meinen Herrn gleuben oder zu jhm kommen kan / sondern der heilige Geist hat mich durches Evangelium beruffen / mit seinen gaben Erleuchtet / Geheiliger / etc. Wo aber bey den heiligen oder geheiligten Leuten / wie auch bey den gerechten / solche heiligung vnd gerechtigkeit des glaubens ist / da befleissigen sie sich auch durch den heiligen Geist der heiligkeit vnd gerechtigkeit / die Gott erfoddert vnd haben wil: Im 3. Buch Mosis am 19. vnd 1. Pet: 1. jhr solt heilig seyn / denn ich bin heilig / der ewer GOtt. Lucae am 1. daß wir erlöset auß der hand vnser Feinde im dienenten an furcht vnser Lebenlang / in heiligkeit vnd gerechtigkeit / die jhm gefellig ist: Zun Röm: im 12. Cap. Ich ermane euch durch die barmhertzigkeit GOTTES / daß jhr ewre Leibe begebet zum Opffer / daß da lebendig / heilig vnd GOtt wolgefellig sey. 1. Thes: 4. daß ist der wille GOttes ewerer heiligung / daß jhr meidet die Hurerey / vnd ein jeglicher vnder euch wisse sein faß zubehalten in heili
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gung vn̅ ehren / nicht in der lust seuge / wie die Heyden / die von Gott nichts wissen. Denn Gott hat vnß nicht beruffen zur vnreinigkeit / sondern zur heiligu̅g. Derwegen man beym heiligen vnd gerechten Wandel / damit man in heiligkeit vnd gerechtigkeit GOtt dienet / leichtlich von der rechten gerechtigkeit vnd heiligung des glaubens vrteilen kan vn̅ Prüffen / welche die rechte gerechte vnd heiligen Leute seyn. In seiner Sprach klinge̅ die wort / welches gar kurtzlich zuberühren / also: Viri misericordiae: Män̅er oder Leute der Barmhertzigkeit / denn das wir geheiliget werden von GOtt in Christo durch Wort vnd Sacrament / geschicht nicht auß vnserm verdie̅st / sondern auß lauter barmhertzigkeit Gottes / werde̅ derwege̅ die heilige̅ oder geheiligte̅ billich Leute der barmhertzigkeit Gottes geheissen / vnd solche heilige Leute / vnd Männer der barmhertzigkeit Gottes folgen zur dancksagu̅g jhre̅ himlischen Vater / vn̅ werde̅ auch Män̅er oder Leute der barmhertzigkeit gege̅ den neheste̅ / daran Gott sonderlich lust hat / Oseae 6. vnd Mat: 9. ich habe wolgefalle̅ an Barmhertzigkeit vn̅ nicht am Opffer: Dar zu auch Christus vermanet Luc. 6. darumb seid barmhertzig / wie auch ewer Vater barmhertzig ist. Das ist der ander Ehrentitel frommer vnd grottselige Lente. Der dritte vnd letzte ist / daß sie genand werden richtige Wandeßleute / oder die richtig für sich gewandelt haben. Zum wandeln gehören Wege / derer sein fürnemblich zween / der eine ist Breit / vnnd jhr sindt viel die drauff
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wandeln / der ander ist schmal / vnd wenig ist jhr / die jhn finden / sagt Christus Matth 7. Cap. Der breite Weg begreiffet in sich alle Holtz / jrre vnd abwege des Teuffels / vnd wird im 1. Psalm der weg der Sünder genant / denn die Sünder / daß ist / alle gottlose Leute werden drauff in stricken des Teuffels truncken von jhm gefangen geführet zu seinem willen / 2. Tim: 2. Ja von natur sein alle Menschen auff dem wege / Esaiae 53. Cap. Wir gingen alle in der jrre wie Schaffe / vnnd ein jeglicher sahe auff seinen Weg: Vnd Fleisch vnd Blut stehet jmmer der sinn / wenn man schon zu recht gebracht / nach dem Wege / im 95. Psalm: Es sind Leute derer Hertz jmmer den jrreweg wil / vnd die meine wege nicht lernen wollen. Der schmale weg aber begreifft in sich GOttes rechte Wege. Da nennet sich nu Christus selbst einen Weg / Johan: 14. Ich bin der Weg die Warheit vnd das Leben / niemand kömmet zum Vater / den durch mich. Es wird auch GOttes Wort GOttes Weg genant / im 25. Psalm / denn es zeiget vns den rechten Weg zum ewigen leben / vnd ist ein Liecht vnd Leuchte vnser Füsse im 119. Psalm: Wie wir auch singen / mein Füssen ist dein heiligs Wort / ein brennende Lucerne / ein Liecht das mir den Weg weist fort / . Ja es wird auch der gottseligkeit / vnnd eines jeden beruff der nahme weg gegeben / im 128. Psalm: wol dem der den HErrn fürchtet / vnd auff seinen Wegen gehet. Vnnd im 91. Psalm: Er hat seinen Engeln befohlen vber dir / daß
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sie dich behüten auff alle deinen Wegen. Auff diesen Wegen GOttes sein nu die Frommen vnd Gottseligen / vnnd sein durch Christum drauff gebracht / von dem Holtz vnd Irreweg des Teuffels / 1. Pet: 2. Ihr waret wie die jrrende Schaffe / aber jhr seid nu bekehret zu dem Hirten vnd Bischoffe ewer Seelen. Vnnd diese Wege wandelen sie richtig für sich: Im Ebreischen heist es / gleich zu / recht gegen vber: Alß Ezech: 46. finden wir eben dasselbige Wörtlein / daß Volck im Landt / so für den HErrn kömmet auff die hohen Feste / vnd zum Thor gegen Mitternach hineingehet / anzubeten / daß sol durch das Thor gegen Mittag wieder heraußgehen: Die beyde Thor in dem Jerusalem / daß da beschrieben wird / daß Mitternächtische vnd Mittägische werden beschrieben / daß sie recht gegen einander vber sein sollen. Wer nu auff die hohen Feste zu dem Mitternächtischen eingangen / der hat zum Mittägischen recht zu mussen wieder hinauß gehen. So machens fromme vnd gottselige Leute in dem geistlichen Jerusalem / in der Kirchen / sie gehen zu dem Mitternächtischen Thor die heilige Tauffe oder Wort vnd Sacrament in der Kirche / vnd darauff gehen sie richtig im glauben nach dem Mittägischem Thor deß ewigen Lebens. Paulus braucht das Wörtlein zun Philip: am 3. Cap. Ich vergesse / was dahinden ist / vnnd strecke mich zu dem / daß da Fornen ist / vnnd jage nach dem fürgesteckten Ziel. Summa / daß ichs kurtz fasse / die gerechten vnd
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heiligen Leute machens nicht wie Lohts Weib / die hinder sich in die Welt sahe / vnnd jhr Hertz ans zeitliche hing / vnd drüber zur Saltzseule ward / Gen: 19. Sondern sie sehen für sich ins ewige Leben / vnnd sehnen sich nach jhrer Behausung / die vom Himmel ist / vnd sie verlangt / daß sie damit vberkleidet werden / 2. Cor: 5. Lernen derwegen bey diesem dritten Ehrentitel / weil wir in dieser Welt Wanderßleute / Pilgrim vnnd Frembdlinge sein / wie nicht allein hie vom Esaia / Sondern auch von Jacob Gen: 47. von David im 39. Psalm / vnd vom Petro 1. Cap. 2. bekandt wird / wie wir vns dann in vnser Pilgrimschafft vnd Reise verhalten sollen / damit wir des ewigen Vaterlandes nicht feilen / daran vnß allen zum höchsten gelegen ist. Wir sollen nicht die krümme / Irre / Holtzwege des Teuffels vnd der Gottlosen Welt wandeln / wie wir dafür gewarnet werden / im 1. Psalm / wol dem / der nicht wandelt im Raht der GOttlosen / nach trit auff den weg der Sünder: Vnd in Sprichwörten Salomonis am 1. Mein Kind / wenn dich die bösen Buben locken / so folge nicht / wandele den Weg nicht mit jhnen / wehre deinen Fuß für jhrem Pfad Denn dieser des Teuffels vnd der gottlosen Weg vergehet / im 1. Psalm / auff dem wege ist eitel Vnfal vnnd Hertzenleid / Röm: 3. vnd führet zum Verdamnis Matth: 7. Sondern wir sollen als Pilgrim vnd Bürger GOttes / im 39. Psalm / mit den gerechten vnd heiligen den
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schmalen Weg GOTtes Richtig für vns wandeln / vnd weder zur rechten noch zur lincken Weichen / im 5. Buch Mosis am 5. Cap: Nicht hinder vns sehen / vnd die Welt lieb haben / noch was in der Welt ist: 1. Johan: 2. Sondern jmmer für vns / vnd vnsern Wandel mit GOTT im Himmel haben / zun Phil: 3. Cap. Vnser wandel ist im Himmel: Wie Henoch Gen: 5. ein göttlich leben fürete / oder wie in seiner Sprach stehet / mit GOTT wandelte. Vnd damit man auff dem Wege bestendig bleibe / so ist ein fleissig gebet von nöten / daß man GOtt täglich anruffe / auß dem 25. Psalm / HErr zeige mir deine Wege / vnnd lehre mich deine Steige: Vnd auß dem 143. Psalm / dein guter Geist führe mich auff ebener Bahn: Vnd trete man ab von dem Wege / sol man fluchs wie ein verjrretes Schäfflein schreien / auß dem 119. Psalm / ich bin wie ein verjrret vnnd verloren Schaff / suche deinen Knecht: Bin ich getretten von der Bahn / laß mich O GOTT nicht fürbaß gahn / auff rechtem Weg mich leite / der dir gefall vnd ewig sey / mein gewissen / Leib vnd Seel dir frey / ewig stets sey bereitet. Dieser Weg ist nun GOTT lieb vnnd angenehm / der HERR kennet den Weg der Gerechten / im 1. Psalm: Vnd vnsere Seligkeit ist vns daran gelegen / denn er führet zum leben / Matth: 7. Derwegen wir wol richtig für vnß darauff Wandlen mögen / vnd vnsere sache fleissig in acht nemen. Daß ist der dritte vnd letzte Ehrentitel der Frommen vnd Gottseligen.
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Hie gedenckt nun ein frommes Hertz / ach Gott / köntestu es doch so machen vnd anstellen / daß du diese selige Ehrentitel der außerwehlten / heiligen vnd vielgeliebten GOttes möchtest in der that vnnd warheit füren vnd davon bringen? Darzu kan ein jeder / Gott lob vnd danck kommen. Ich wils mit drey oder vier worten andeuten / vnd damit das erste Stück beschliessen / sonsten würde es zu lang werden. Laß dir deine Sünde von grund des Hertzen leid sein vnd thu Buß / gleube an JEsum Christum / der vns von GOtt gemacht ist zur Weißheit / Gerechtigkeit / Heiligung vnd Erlösung / vnd beweise den glauben mit einem gerechten / heiligen vnnd richtigen gottseligen Leben vnnd Wandel / so bistu ein gerechter / heiliger vnnd richtiger Wanderßman vnd anßerwehleter GOTtes / vnnd darffst / so wahr alß GOtt lebt / an der Seligkeit nicht zweiffelen. Gnug vom Ersten,

Vom Andern.
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HIrauff folget das ander Stück / vom vnglück der Gerechten / heiligen / richtigen Wanderßleuten in dieser Welt / vnd wie solches die Welt Kinder achten / vnd was GOtt damit andeute vnd meine. Daß stück begreifft in sich 2. Vmbstende / die wir nach einander erwegen wollen. Erstlich stehet hie / der Gerechte kommet vmb / Perit / wird verloren. Diß sollen
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vnd müssen wir nicht verstehen vom verdamlichen vmbkommen / alß wen̅ die gerechten vnd heiligen verdampt würden: Das sey ferne / denn davon lesen wir viel anders / Johan: 3. Cap. Also hat GOTT die Welt geliebet / daß er seinen eingebornen Sohn gab / auff das alle / die an jhn gleuben / nicht verlohren werden oder vmbkommen / Sondern das ewige leben haben. Vnnd Johan: 10. meine Schaffe hören meine Stimme / vnd ich kenne sie / vnd sie folgen wir / vnd ich gebe jhnen das ewige Leben / vnd sie werden nimmermehr vmbkommen / vnnd niemand wird sie mir auß meiner Handt reissen: Sondern daß vmbkommen ist zuverstehen von grossem Creutz vnnd Vnglück / dem die Frommen vnd Gottseligen in diesem leben gemeinlich für andern müssen vnterworffen seyn / wie im 34. Psalm bekandt wird: Der gerechte muß viel leiden. Da bleibts aber nicht bey / sondern es wird hinzugesetzt / sie werden auff vnd weggerafft / daß ist / GOtt lest sie offt eines schnellen vnd plötzlichen Todts sterben / reisset jhnen das leben ab / damit es noch wol lenger hette wehren können / vnd greifft sie in Todtes nöten hart an / lest sie ein schweres vnd für Menschen augen / schreckliches ende nemen / daß man an jhrer Seligkeit zweiffeln vnd sie verlornen möchte achten / wenn man menschlich oder nach der vernunfft davon vrteilen wolte / wie im Buch der Weißheit am 3. Cap. dahin gedeutet wird: Für den vnverstendigen wird der Gerechten abscheidt für ein Pein gerechnet / vnd jhr hinfart für ein verderben oder vntergang.
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Diese erste Vmbstende gibt vns nützliche Erinnerungen: Anfenglich werden wir dabey erinnert / daß GOTT gerechte / heilige vnd richtige Wanderßleute / daß ist / die Frömbsten vnnd Gottseligsten nicht auff ein weich Küssen setze in diesem leben / vnd jhnen / wie man sagt / rosen zulache / sondern er nimbt sie hart mit / vnd lest sie grossem / vielem vnd schwerem Creutz vnterworffen seyn / in der Apostel geschicht am 14. Wir müssen durch viel trübsal in das reich GOTtes gehen. Das beklagt der gerechte Jacob im ersten Buch Mosis am 47. Cap. Die zeit meines lebens / sagt er / ist wenig vnd böß. Darvber winselt der heilige Assaph im 73. Psalm / ich bin geplagt täglich / spricht er / vnnd meine Straffe ist alle morgen da. Deßhalben seufftzet Hiob / der richtig für sich gewandelt hat / im 6. Cap. wenn man meinen jammer wäge / vnd mein leiden zusam̅en in eine Wage legte / so würde es schwerer seyn / denn Sand am Meer. Davon lesen wir auch merckliche wort zun Hebre: im 11. Cap. wie die Gerechten vnd Heiligen vmbkom̅en / vnd wie vbel es jhnen gangen: Etliche haben Spott vnd Geisseln erlitten / dazu bande vn̅ gefengnis / sie sind Gesteinget / Zuhackt / Zustochen / durchs Schwert getödtet / sie sind vmbhergegangen in Peltzen vnd Ziegenfellen / mit mangel / mit trübsal / mit vngemach / der die Welt nicht werd war / vnd sind im elendt gegangen / in der Wüsten / auff den Bergen / in den klüfften vnd löchern der Erden. Derwegen soll man solch Creutz der frommen nicht für ein
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Zornzeichen ansehen / sondern viel mehr für ein Gnadenzeichen / den̅ welchen der HErr lieb hat / denn züchtiget er / er steupt einen jeglichen Sohn / denn er auff nimbt / zun Hebre: im 12. Cap. vnd GOtt hats also verordnet / es sol / kan vnd muß nicht anders seyn / zun Röm: im 8. Cap. welche GOtt zuvor versehen hat / die hat er euch verordnet / daß sie gleich sein sollen dem Ebenbild seines Sohns. Tobiae am 12. weil du Gott lieb warest / so musts so seyn / ohn anfechtung mustestu nicht bleiben / auff das du bewert würdest. Darumb sollen alle gerechte̅ / heiligen vn̅ richtige Wanderßleute sich nur darzu schicken vnd gefast machen / wie Syrach im 2. Cap. erfoddert / Mein Kind wiltu Gottes diener seyn / so schicke dich zur anfechtunge / etc. Den̅ gleich wie das Golt durchs fewr / also werde̅ die / so Gott gefalle̅ / durchs Fewer der trübsal beweret. Darnach werden wir hirbey erinnert / wz von eine̅ schnelle̅ vn̅ plötzlichen todt zuhalten / daß ne̅lich derselbe nicht allezeit böse sey. Zwar der gottlosen schneller todt ist allezeit böß / im 73. Ps. du setzest sie auffs schlipfferige / vnd stürtzest sie zu boden. Wie werden sie so plötzlich zu nichte / sie gehen vnter vnd nemen ein ende mit schrecken. Im 49. Ps. sie sehen das Liecht nim̅ermehr / vn̅ fahren davon wie ein Vieh: Wie der schneller Todt nachfolge̅der Gottlosen / des Pharaonis Exod: 14. des Nabals / 1. Samuel 25. deß geitzhalses L: 12. deß Herodis / in der Apst: geschicht im 12. C: vnd anderer mehr außweiset: Aber dagege̅ ist der gerechte̅ / heilige̅ / vn̅ die für sich richtig gewa̅delt habe̅ / schneller vn̅ plötzlicher todt nicht böß / sondern gut /
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wie hie außdrücklich bezeuget wird / heilige Leut werden weggerafft / vnd sterben offt schnell vnnd plötzlich dahin / aber deßhalben werden sie nicht verdampt / sondern kommen zum frieden vnd werden selig / denn selig sind die Todten die im HERRn sterben (es geschehe schnell oder langsamb) in der Offenbahrnng Johannis im 14. Cap. Wie aus dem Exempel des frommen vnd gottseligen Jonathans / der heiligen vnd gottseliger Kinder Hiobs / vnd anderer gerechten Leute mehr / die schleunig drauff gangen / abzunemen ist. Derwegen sol man in plötzlichen fällen der Frommen hiran gedencken / vnd sich vber jhrem schnellen Todte keine böse noch schwermütige gedancken machen / vnnd auß jhrem vorher gehenden heiligen vnd gottseligen leben / dz sie gefüret haben / vrteile̅ / wie Augustinus schreibt: malâ mors putanda non est, quam bona vita praecessit, der Todt ist nicht für böß zuachten / für dem ein gut vnd gottselig Leben fürhergangen. Deßhalben bitten wir auch nicht schlecht in der Litaney / daß vnß GOTT für einem schnellen / Sondern für einem bösen schnellen Todt wolle behüten. Darumb wende ein jeder fleiß an / daß er allezeit dem HErrn lebe / so wird er auch gewiß / wenn er schon plötzlich davon muß / dem HErrn sterben / wie zun Röm: am 14. geschrieben stehet: Vnser keiner lebt im selber / vnd vnser keiner stirbt im selber / leben wir / so leben wir dem HERrn / sterben wir / so sterben wir dem HErrn / darumb wir leben oder sterben / so sind wir des HErrn.
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Zu letzt werden wir auch hierbey erinnert / was am Todt der Gerechten vnd heiligen zuthun. Es gehet fürwar so schlecht nicht ab / wie mancher meinet / Sondern GOtt greifft jhnen rechtschaffen in Haut vnd Haar / in Marck vnd Bein / in Hertz vnd Geist / in Leib vnd Seel / darvber sich schwere gedancken erregen / vnd ein schwer ende offt darauff folget. Das alles wird angedeutet mit dem wörtlein Vmbkommen vnd Wegraffen. Das sehen wir an Hiob / da der denn Todt für augen sahe / zappelte er / Es kam jhn grawen vnd schrecken an / vnd war jhm zu sinn / alß wehre jhm GOtt in einen grawsamen verwandelt / im 30. Cap. Wir sehens an dem frommen vnd gottseligen Hißkia / da der in seiner Kranckheit vom Tvdte angesprochen ward / da gings hart her / er sprach / ich muß zur Hellen Pforten fahren / ich muß nicht mehr sehen den HErrn / Ja den HERRn im Land der Lebendigen: GOTT zubrach jhm / wie er ferner bekennet / alle seine gebeine / wie ein Lewe: Er warff sich von einer seiten zur andern / winselt wie ein Kranch vnd Schwalbe / vnd girret wie eine Taube / vmb Trost wahr jhm sehr bang / Esaiae im 38. Cap. Wir sehens auch sonderlich an vnserm HERRN vnd Heyland JESV Christo / wie hart jhn sein himlischer Vater im hinwegraffen angegriffen / daß seine Seele betrübt worden biß in denn Todt / daß er gezittert vnd gezagt / daß er blutigen Schweiß geschwitzet / vnd in Todtes nöten geheulet vnd geklagt: Mein GOtt / mein GOtt /
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warumb hastu mich verlassen / Matth: 27. So hart helt vnd gehet es gemeinlich zu bey den aller Frömbsten. Das einem offt / wenn mans sihet vnd höret / die Haar darüber zu berg stehen Aber das ist kein böß / sondern ein gut zeichen / denn da ereuget sich der rechte geistliche Kampff / vnd das ist das rechte Medium vnd Mittel / zu welchem es den gottlosen nicht kommet / denn die sterben endweder dahin in excessu, in verdamlicher verzweiffelung wie Saul / Judas vnd dergleichen: Oder sie sterbe̅ in defectu, in tieffer sicherheit / fülen nichts von anfechtungen / erschrecken kaum ein augenblick für der Helle / Hiob im 21. Ca. alß wen̅ sie mit dem Todt einen bund / vnd mit der Hellen einen verstand gemacht / Esaiae im 28. Cap. wie der gottlose Agah der Amalehiter König / da jhn Samuel tödten / vnd in stücke zerhawen wolte / sich gar trotzig vnd frech darstellete / vnd in tieffster sickerheit sprach: Also muß man des Todtes bitterkeit vertreiben / 1. Sam: 15. derwegen man sich an der Gerechten vnd Heiligen schwerem ende nicht er gern noch stossen sol / sondern das sollen viel mehr vnsere Gedancken dabey seyn / thut das GOtt am grünen Holtz vnd lest die so ein schwer ende nemen / was wil am dürren vnnd den Gottlosen werden? Luc: 23. vnd so das Gericht GOTTes an den Gottseligen zu erst (vnd so schwer) anfengt / was wils für ein ende werden mit denen / die dem Evangelio GOttes nicht gleuben? Vnd so der Gerechten kaum erhalten wird / wo wil der Gottlose vnnd Sünder er
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scheinen? 1. Pet. 4. Sollen derwegen solche Leute nicht für die grösten Sünder halten / wie wir pflegen zuthun / sondern vns durch solch schnell vnd schwer ende der gerechten vnd heiligen zur Buß auffmuntern lassen / wie Christus vermanet / Luc: 13. da verkündige̅ jm etliche vo̅ den Galileern / welcher Blut Pilatus mit jhre̅ opffer vermischet hatte / drauff antwortet er jhne̅ vn̅ spricht: Meinet jhr / dz diese Galileer für alle̅ Galileern Sünder gewesen sind / dieweil sie das erlitten haben? Ich sage euch / Nein / sondern so jhr euch nicht bessert / werdet jhr alle auch so vmbkom̅en. Oder meinet jhr / dz die achtzehen / auff welche der Thurn in Siloha fiel / vnd erschlug sie / sein schuldig gewesen für allen Menschen / die zu Jerusalem wonen. Ich sage euch / Nein / sondern so jhr euch nicht bessert / werdet jhr alle auch also vmbkommen. Das ist die erste Vmbstende. Die ander ist / wenn also die Gerechte̅ vnd heiligen vmbkommen / vnd plötzlich hingerafft werden / wie solches von Welt Kindern geachtet werde / vnnd was GOtt damit andeute vnd meine. Die Welt Kinder betreffent / so wird von denselben alhie angezeiget / daß es niemandt vnder jhnen zu Hertzen nehme / noch darauff achte / oder wie in seiner Sprach stehet / niemand legt es auffs Hertz / vnd keiner von jhnen verstehets / daß ist / schlagens in den Wint / dencken dem ding nicht nach / lassen sich nach wol spöttischer Wort vernemen / vn̅ frewe̅ sich offt / daß sie solcher Leute sein loß worde̅: Gott aber anlangent / so ist derselbe viel anders
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gesinnet / der helt die gerechten vnd heiligen lieb / hoch vnd werd / vnnd hat sie alß einen sonderlichen grossen schatz vnd gabe der Welt gegeben / weil sie es aber nicht erkennen / so entzeucht er sie jhnen wieder / vnnd in dem er sie hin wegrafft / so rafft er sie hinweg fürm Vnglück / damit er die Welt von wegen jhrer vndanckbarkeit vnd Sünden gedenckt zustraffen / vnd deutet an / da er biß anhero vmb der gerechten willen mit dem Vnglück zurück gehalten / so wolle er hinfort nach der gottseligen Todt seine rach vnd straffe vber die Gottlosen ergehen lassen / vnd jhrer nicht lenger schonen. Bey dieser anderer Vmbstende / haben wir auch denckwirdige Erinnerungen in acht zunehmen. Die eine ist / daß der gerechten vnd heiligen Todt vnd Abgang eine grosse straff GOTTes von wegen der vndanckbarkeit der Welt sey. Das kan man rohen vnnd gottlosen Leuten nicht weiß machen / die gleuben des Contrarium vnd Gegenspiel / daß gerechte vnd heilige Leute viel mehr ein Fluch vnnd Fegopffer aller Welt seyn / 1. Cor: 4. vnnd wenn die alle hinweg wehren / so würde aller Fluch hin seyn / vnd die Welt von allem Vnglück gefeget seyn / vnd alle Lande in ehren stehen. In der meinung war die gantze rotte Korah / Dathen vnd Abiram / Num: 16. wenn nur Moses müchte hin seyn / so solte es kein noth mehr haben / so wolten sie gleiches Fusses ins gelobte Landt gehen. Der meinung war auch der König Ahab / vnd ließ sich bedüncken / Elias verwirrete gantz Israel / vnd von jhm oder
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seinenthalben kehme all vnglück ins Land / wehre der aus dem mittel gereumet / so wolte er mit Land vnnd Leuten Floriren / 1. Reg: 18. der meinung waren auch die Leute zu Christi vnd Apostel zeiten / wenn die erst hin wehren / würde jhnen hinfort kein Nagel zu nahe stehen / sondern würden eitel glück haben. Vnnd die Warheit zubekennen / so sein noch heutiges tages viel ruchlose vnd sichere Leute / derselben meinung / wie es jhre reden offt geben / wenn Pfaffen / vnnd andere fromme / redliche vnnd trewe Leute erst auß dem wege wehren / so wolten sie sich für glückselig achten / daß würde eine grosse gnade vnnd wolthat GOTTES seyn: Aber sie jrren vnd feilen weit / denn wenn GOtt gerechte / heilige / fromme / trewe Leute gibt vnd erhelt / daß ist eine grosse Gnade / lest er sie aber sterben vnnd nimbt sie hinweg / so ists eine grosse straff / wie GOtt mit solcher straff dem vndanckbaren Jerusalem drewet / Esai: im 3. Cap. siehe der HERR HERR Zebaoth wird von Jerusalem vnnd Juda nehmen allerley vorraht / denn vorraht des Brots vnnd allen vorraht des Wassers / starcke vnd Kriegßleute / Richter / Propheten / Warsager vnd Eltesten / Heuptleute vber Fünffzig / vnd ehrliche Leute / Rähte vnnd weise Werckleute / vnd kluge Redener. Vnd wil jhnen Jünglinge zu Fürsten geben / vnnd Kindische sollen vber sie Herschen / vnnd das Volck wird Schinderey treiben / einer vber den andern / vnd ein jeglicher vber seinen Nehesten / vnd der Junger wird stoltz sein wieder
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den Alten / vnd ein böser Mann wieder den Ehrlichen. Derwegen wenn man gerechte / heilige / fromme / also auch trewe vnd rechtschaffene Leute hat / sol mans mit danck gegen GOtt erkennen / sie lieb vnd werd halten / vnd bey sich bleiben vnd wohnen lassen / Psal. 101. Damit GOtt nicht straffe / vnd sie hinweg nehme. Die ander Erinnerung ist / daß auff heiliger / gerechter vnd frommer Leute Todt vnd Abschied nichts gewissers zu vermuhten als Vnglück / denn werden sie für dem Vnglück weggerafft / so muß ja das Vnglück darauff folgen. So lang sie leben / wenden sie mit jhrem gebet vnd heiligem leben viel Vnglücks ab / vnnd schonet GOtt vmb jhrentwillen offt Königreich vnd eines gantzen Volcks / alß vmb zehen gerechter willen / hatt GOtt fünff Königreich mit der straff vbersehen wollen / Gen. 18. vnd vmb des gerechten Mosis willen schonete GOtt / deß Judischen Volcks / welches er sonsten in seinem Zorn aufffressen vn̅ vertilgen wolte / Exod. 32. Daher die gerechte̅ / so lang sie leben / mit jhrem gebet ein Mawer wieder denn riß genant werden / im 106. Psalm. Wenn aber die Mawr dahinfelt / vnd die Gerechten sterben / so reist der riß weiter / vnd ist kein heilen mehr. Dessen haben wir ein Exempel am Samuel dem Gerechte̅ / so lang der lebte / blieb manch Vnglück zurück / den̅ er betete fleissig für das Volck vn̅ lehrete sie den guten vnd richtigen Weg / 1. Sam. 12. Cap. aber so bald der gestorben vnd weggerafft wahr / ist dz Vnglück zu allen Thoren / Thüren vnd Fenstern
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hineingeschlagen / vnd ist alles vber vnd vber gangen. Wir habens auch ein Exempel an dem Gerechten vnd Heiligen Jojada / so lang der lebte / gings dem Könige Joas vnd seinen Vnderthanen wol / aber da der starb vnd weggerafft ward / wehret es nur ein Jahr / da zog das Heer der Syrer herauff / vnd verheereten vnd verderbten alles: 2. Chron. 24. So ists auch zugangen mit der Stadt Jerusalem / so lang Christus vnnd die Apostel noch drin̅e̅ gewese̅ / hats kein noht gehabt: aber da die nach viertzig Jahren draus gewesen / ist sie gee̅gstet an allen örten / belegert / geschleifft / vnd kein Stein anff de̅ andern geblieben / L. 19. Diß solle̅ wir nu darzugebrauchen / weil im vorige̅ vn̅ jtzige̅ Jahr viel from̅e vn̅ heiliger Leute hohes vn̅ nidriges Sta̅des hinweggerafft sein worde̅ / daß wir vns die gewisse rechnung mache̅ / es müsse noch ein groß Vnglück dahinde̅ seyn / GOtt gebe es sey auch was es wolle / vnnd sonderlich weil zu dieser hinwegraffung der from̅en noch andere zeichen vnd wunder mehr kommen seyn. Sollen derwegen solchs nicht mit den Spöttern verlachen / sondern drauff achten / vnd zu hertzen nemen / auffm Hertzen sols vns liegen / wir sollens drauff legen / vns bessern / dra̅ kehren / buß thu̅ / vn̅ vns zu Gott schicke̅ / nach Gottes vermahnu̅g beym Prophete̅ Amos 4. C. weil ich dir de̅ also thu̅ wil / so schicke dich Israel / vn̅ begegne GOtt. Thun wir dasselbe / so wird Gott mit dem Vnglück innehalten / vnnd wirds jhn gerewen / wie zu Ninive auff die hertzliche Buß des Königs
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vnd aller seiner Vnterthanen geschehen: Welches auch GOTT selbst Jeremiae 18. verheisset / plötzlich rede ich wieder ein Volck vnnd Königreich / daß ichs außrotten / zerbrechen vnnd verderben wolle. Wo sichs aber bekehret von seiner Bößheit / da wieder ich rede / so sol mich auch rewen das Vnglück / daß ich jhm gedachte zu thun. Kehren wir vns aber nicht dran / vnd lassen weder mündliche der Prediger / nach augenscheinliche warnungen GOTTes bey vns gelten / so wird GOtt des Vnglücks siebenmahl mehr machen / wie im dritten Buch Mosis im 26. Cap. geschrieben stehet. Er wird vnfal / vnrath vnd vnglück vnder vns senden in allem / daß wir für die hand nemen zu thun / biß wir vertilget werden vnd vntergehen vmb vnsers bösen Wesens willen / wie GOtt drewet im 5. Buch Mosis am 28. Cap. Ja es wird die hand des HErrn wieder vns sein zum Vnglück / wohin wir nur hinauß wollen / wie wir im Buch der Richter im 3. Cap. lesen. Derwegen bitte ich vmb GOttes willen / wer ein hertz hat / der lege diese fälle der Gottseligen drauff / vnd laß es jhm kein schertz noch spott seyn / denn GOTT lest sich nicht spotten / zun Galat: am 6. Auch gnug vom Andern.

Vom Dritten.
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NV ist noch vbrig das Dritte vnd letzte Stück / daß wollen wir auch kürtzlich mitnehmen: Das
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beruhet darinnen / was der Gerechten / Heiligen vnd die richtig für sich Gewandelt haben / glück sey in vnnd nach dem Todte. Weil sie hie in diesem leben gemeinlich eitel Vnglück haben / so wil gleichwol GOTT nicht / daß das allezeit also bleiben sol / sondern es muß sich einmahl vmbkehren / denn GOTT wil nicht den Gerechten ewiglich in Vnruhe lassen. Da wendet sichs derwegen im Todt: Vnd wird hie ein zwiefaltig Glück namhafftig gemacht. Erstlich spricht der Prophet an GOttes stadt: Die Gerechten werden weggerafft für dem Vnglück. Das wort auff oder wegraffen stehet zweymahl in diesem Spruch / daß erstemahl wird eigentlich damit gesehen auff die schwerheit der Gottlosen Todt / davon im vorher gehenden stück bericht geschehen: Daß andermahl aber wird damit angedeutet das glück der gottseligen / daß sie im Todte erlangen / davon in diesem Stück zu handlen. Da rafft sie nu GOtt deßhalben weg / daß sie das zukünfftige grosse Vnglück nicht sehen noch außstehen dürffen. Im Ebreischen finden wir das wörtlein samlen oder zusammen binden / alß zum Exempel / wenn ein Ackerman in der Ernden vermercket / daß ein groß Vngewitter fürhanden / so samlet vnnd bindet er das beste in der eile zusammen / damit es ins schur / wie wir reden / vnd ins trocken bringe: Also wenn GOtt ein vngewitter oder vnglück vber die Menschen von wegen jhrer bößheit beschlossen hat / so samlet vnd bindet er auch gleich zusam̅en / die Gerechten vnd Gottselige̅ /
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er samlet vnd bindet sie ein in das bündlin der Lebendigen / damit sie des Vnglück nicht treffe / vnd sie es mit jhren augen nicht sehen / noch erleben dürffen: Im 1. Buch Samuel. 25. Cap. Die Seele meines Herrn wird eingebunde̅ sein in Bündlin der Lebendige̅ bey dem HErrn deinem GOtt. Wir finden auch das wörtlein raffen oder samle̅ in seiner Sprach im 1 Buch Mosis im 6. Cap. Da befielt GOtt dem Noah / weil er eine Sindflut wolle kom̅en lassen / vn̅ damit dz Erdreich vberschwem̅en / so sol er allerley Speise zu sich nemen vn̅ sie in den Kasten für sich vn̅ allerley Thier samlen: Solche Sindflut vom Wasser der Trübsal kom̅en noch heutiges tages offt vber Land vnd Leute / da samlet den̅ GOtt vorher in seinen Kasten die Gerechten / damit sie nicht vberschwemmet werden. So hat Gott gesamlet vn̅ fürm Vnglüch hinweggerafft Jerobeams from̅es Sönlein / 1 Reg. 14. dieser allein von Jerobea̅ wird zu grabe kom̅en / darumb das etwas guts gefunden ist für dem HErrn dem GOtt Israel im Hause Jerobeam. Das hat auch GOtt dem from̅en Josia zugesagt / 2. Reg. 22. Ich wil dich zn deinen Vätern samleu / daß du mit friede̅ in dein Grab versamlet werdest / vnd deine Augen nicht sehen alle das Vnglück / daß ich vber diese städte bringen wil. Dz ist nu ein gros glück der Gerechten vn̅ heilige̅ im Tode / dz sie für de̅ Vnglück hinweggerafft werden / welches man inder Sindflut / vn̅ in der zerstörung der Stadt Jerusalem hat erken̅en können / vn̅ noch auff den heutigen tag offt in grossem
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Vnglück erkennen kan / was für glückselige Leute die Todten seyn / die für dem Vnglück hinweggerafft seyn / vnd nichts davon wissen / für den Lebendigen / die es müssen außstehen / vnd an sich selbst vnd jhren Kindern vnnd Freunden erfahen. Derwegen wen heutiges tage der liebe GOtt die from̅en hinwegrafft / sollen sie jhm billig im Siegbette von hertzen dafür dancken / vn̅ nichts mehr / wünscheu vnd begehren / den̅ sie dadurch allem Vnglück auß dem wege kommen. Das ist ein Glück. Darnach spricht der Prophet Esaias an Gottes stadt / die Richtig für sich gewandelt haben kom̅en zum frieden / vn̅ ruhen in jhren Kam̅ern. Hie in dieser Welt kön̅ens die From̅en vnd Gottseligen zum bestendigen fried vnd ruhe nicht bringen: Der Mensch muß hie jmmer im Streit seyn / vnnd seine tage sind wie eines Taglöners Hiob 7. Inwendig ist furcht vnnd außwendig Streit / 2. Cor. 7. Zu solchem Vnfrieden vnd Vnruhe hilfft das Fleisch / daß wir an vns haben / denn das ist immer wieder den Geist / Gal. 5. vnnd macht vns manche Vnruhe / wie Paulus drüber klagt / Rom: 7. Ich sehe ein ander Gesetz in meinen Gliedern / daß da wiederstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte / vn̅ nim̅et mich gefangen in der Sünden Gesetz / welches in meinen Gliedern ist / ich elender Me̅sch / wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todts? Zu solchem Vnfrieden vnd Vnruhe hilfft auch die schnöde vn̅ böse Welt / die die Gerechten hasset / verfolget vn̅ jne̅
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alles hertzleid anthut / wie Christus bekennet Johan: 16. in der Welt habt jhr angst. Vnd abermahl: warlich / warlich ich sage euch / jhr werdet weinen vnd heulen / aber die Welt wird sich frewen / jhr aber werdet trawrig seyn. Es hilfft auch zu dem vnfrieden vnd vnruhe der Teuffel / der den Gottlosen wehe thut / Apoc: 12. sie begeret zu sichten / wie man den Weitzen sichtet / Luc: 22. vnd vmb sie her gehet / wie ein brüllender Lewe / vnd sie sucht zuverschlingen / 1. Pet: 5. mit dem sie jmmer zukempffen haben / Eph: 6. daß also recht vom heiligen Hiob gesagt wird / 14. Cap. Der Mensch vom Weibe geborn ist vol vnruhe. Solches vnfriedens vnnd vnruhe kommen die Gottseligen ab im Todte / denn die Seele kompt alß bald zu GOtt in den Himmel in ewigen frieden: Im Buch der Weißheit im 3. Cap. der gerechten Seelen sind in GOttes Handt / vnd keine Quale rüret sie an / etc. vnnd sie sind im Friede. So kam Lazari Seele zum friede im Todt / denn sie ward von den Engeln GOTTES in Abrahams Schoß getragen / Luc: 16. So kam auch des bußfertigen Schechers Seele zum friede im Todt / wie jhm Christus zusaget / Luc: 23. heute wirstu bey mir im Paradiß seyn. Der Leib aber kömpt zur ruhe in seiner Kammer. Apocal: 14. sie ruhen von jhrer arbeit: Esai: 26. gehe hin mein Volck in eine Kammer / vnnd schleuß die Thür nach dir zu / verbirge dich ein klein Augenblick / biß der Zorn fürvber gehe. Das die Gräber der Gleubigen vnd Gottseligen ruhe vnd
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Schlaffkammer genant werden / ist sehr tröstlich / vnd wird vns eins damit zuverstehen gegeben / daß der frommen Todt für GOtt kein Todt / sondern nur ein Schlaff sey / denn wie man in Schlaffkammern ruhet vnd schlefft / so schlaffen die Gottseligen nach dem Leibe in den Gräbern: Wie GOtt zum David sagt 2. Samuel 7. Wenn nu deine zeit hin ist / daß du mit deinen Vätern schlaffen ligst. Matth. 9. spricht Christus gleichfals / daß Mägdlein ist nicht Todt / sondern es schläfft. Vnnd Johan. 11. Lazarus vnser guter freund Schlefft: Vnd Act. 7. Stephanus nach dem er das gesagt / entschlieff er / daher ists auch kommen / daß die Kirchhöffe / da die Christen begraben werden / , dormitoria Schlaffhäuser genant werden. Derwegen weil der Todt ein Schlaff / die Kirchhöffe Schlaffhäusser / vnnd die Gräber schlaff vnnd ruhe kammern seyn / sollen wir vns für dem Todt vnd Grab nicht fürchten / auch wen̅ vns die vnsern absterben vnd entschlaffen / vnnd nach den ruhe Kammern getragen werden / nicht betrüben / denn haben wirs doch von hertzen gerne / wenn wir vns den gantzen tag müde gearbeitet vnd abgemattet haben / daß wir des abens mögen zur ruhe kommen / so gönnen wir auch vnsern Kindern vnnd guten Freunden / die in Kranckheiten nicht schlaffen können / gern den schlaff: Wie solten vnd wolten wir den̅ nicht damit zufrieden seyn / wenn wir oder die vnsern zur bestendigen ruhe vnnd schlaff im Tode zum grabe gebracht werden?
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Darnach wird vns auch damit / daß der Christen Gräber schlaff vnd ruhe Kammern genant werden / zuverstehen gegeben / daß sie werden wieder aufferstehen / den̅ wie man in schlaff vnd ruhe Kammern nicht liegen bleibt / sondern stehet des morgens wieder auff viel frischer vnd lustiger / alß man sich niedergelegt / also werden auch die Gerechten vnd Gottseligen in jhren schlaff vn̅ ruhe Kam̅ern / in Gräbern nicht bleibe̅ / sondern am jüngsten Tage wieder aufferstehen / Esai. 26. Cap. deine Todten werden Leben / vnd mit dem Leichnam aufferstehen. Wacht auff vnd rumet / die jhr liegt vnter der Erden / den̅ dein Taw ist ein Taw des grünen Feldes / aber dz Landt der Todten wirstu stürtzen: Daniel. 12. Viele so vnter der Erden schlaffen liegen / werden auffwachen. Das wird eine heilige Aufferstehu̅g seyn / den̅ hie wird es geseet verweßlich / vn̅ wird aufferstehen vnverweßlich / es wird geseet in vnehre / vnnd wird aufferstehen in Herrligkeit / es wird geseet in schwachheit / vnd wird aufferstehen in Krafft / es wird geseet ein natürlicher Leib / vnnd wird aufferstehen ein geistlicher Leib / 1. Cor. 15. de̅ verklerten leibe des Herrn Christi ehnlich Phil. 3. Da werde̅ die Gerechten alles leides reichlich ergetzet werden / vnd beken̅en müssen / daß dieser zeit leiden nicht werth sey / der herrligkeit die alß dan̅ an jhnen offenbaret wird Rom. 8. Das ist nu der höchste vnd beste Trost / dessen man sich von gantze̅ hertzen erfrewen sol in allem Vnglück / vnnd im Todt selber / wie Hiob thut 19. Cap. Ich weiß / daß mein
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Erlöser lebt / vnd er wird mich hernach auß der Erden auffwecken / vnnd werde darnach mit dieser meiner Haut vmbgeben werden / vnd werde in meinem Fleisch Gott sehen / denselben werde ich mir sehen / vnd meine Augen werden jhn schawen / vnd kein frembder. Auff denn Trost weiset vns auch der heilige Apostel Paulus 1. Thes. 4. nicht allein in vnserm / sondern auch der vnserigen Todt / vnd wil / weil der Todt nur ein Schlaff vnnd wir gewisse hoffnung der aufferstehung haben / daß wir nicht wie die Heyden sollen trawrig seyn / sondern vns wol zu frieden geben / vnd vns mit den worten vntereinander Trösten. Wer den Trost recht fasset vnnd in sein Hertze schleust / der kan mit fried vnnd frewd mit dem alten Simeon abdrücken / vnd getrost dahinfaren. Auch gnug vom dritten. Was wir nu jetzt in diesen dreyen Puncten auß dem verlesenen Spruch angehöret haben / daß wollen wir gar kürtzlich / damit wir der rechten Leichpredigt / die am Sontage (wils GOtt) geschehen sol / nicht das jhre nemen / auff Weyland den Hochwürdigen / Durchleuchtigen vnd Hochgebornen Fürsten vnnd Herrn / Hertzog Julium Augustum / hochlöblicher gedechtnis / dessen Leichnam da für vns stehet / zihen vnd applicieren. Erstlich haben wir gehöret / daß fromme vnd gottselige Leute drey schöne Namen vnd Ehrentitel füren / denn sie werden gerechte / heilige vnd richtige Wanderßleute genant / wer wolte dieselben diesem in GOtt verstorbenen Herrn entziehen?
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Denn ob wol S. F. G. nicht von natur gerecht / so haben sie doch an JEsum Christum gegleubet / vnd durch den glauben die rechte gerechtigkeit die für Gott gilt / erlangt / wie sie sich den̅ auch der gerechtigkeit im Leben beflissen / vnnd aus bösem hertzen keinem Kind vnrecht noch leid gethau. Deßgleichen da S. F. G. in Sünden empfangen vnd geboren / seyn sie durch wort vnd Sacrament im namen JEsu Christi vnd durch den Geist GOTtes geheiliget / auch ein heiliges leben gefüret / vnd GOtt in heiligkeit vnd gerechtigkeit gedienet vnnd jhr faß in heiligung vnd ehren behalten / nicht in der Lustseuche / wie die Heyden / die von Gott nichts wissen. Also kan man auch S. F. G. mit warheit zeugnis geben / daß sie richtig für sich gewandelt auff dem wege GOttes / in einfeltigkeit vnd gottseliger lauterkeit / wie Paulus redet 2. Cor. 1. vnnd solche schlechte vnnd einfeltige hertzen gefallen GOTT im Christenthumb vnnd glaubens sachen am besten / ja für allen andern wol / vnd sein GOttes eygne Leute / darumb Christus sagt Matth: 11. Ich preise dich Vater vnd HErrn Himmels vnd der Erden / daß du solches den Weisen vnnd Klugen verborgen vnnd den Vnmündigen geoffenbaret / etc. vnd Matth. 18. warlich ich sage euch / es sey denn / daß jhr euch vmbkehret / vnd werdet wie die Kinder / so werdet jhr nicht in dz Himmelreich kommen. Sein also nach dem ersten Stück S. F. G. einer von den rechten außerweleten / heiligen vnd vielgeliebten GOttes für gewiß zuhalten.
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Zum andern haben wir gehöret / daß die gerechten / heiligen vnd richtige Wanderßleute vmbkomme̅ / vielem Creutz müssen vnterworffen seyn / auch auffgerafft werden / plötzlich offt dahin sterben / vnnd ein schwer ende nemen / welches die Welt Kinder nicht zu hertzen nemen / damit aber GOtt andeutet / daß groß Vnglück fürhanden / vnnd er die Leute straffen wolle. So ist auch S. F. G. vmbkommen / vnnd hat viel Kranckheit vnd ander Vnglück müssen für lieb neme̅ / dadurch der liebe GOtt sie gezüchtiget / daß sie nicht sampt der gottlosen Welt verdampt würden: S. F. G. sein auch auffgerafft / vnd zeitig gestorben / da sie noch Alters halben lang leben können: Vnd wie berichtet wird / haben seine F. G. ein schwer ende genommen / wie auch S. F. G. Fraw Mutter sol gethan haben. Woran wir vns im geringsten nicht sollen oder dürffen ergern oder stossen / weil seiner F. G. Gottseligkeit vns wol bekant / sondern sollen viel mehr in vns schlagen / vnd gedencken / wie es vns Epicurern vnd Gottlosen dermal eins ergehen werde / vnd die gewisse rechnung machen / geschehe es hie nicht / so werde es dort ewig geschehen / wo wir nicht Busse thun / denn ist das geschehen am grünen Holtz / an dem frommen vnnd gottselichen Herrn vnd Hertzen / was wil am dürren werden? Wir aber die Welt Kinder solchs zu allen zeiten nicht geachtet noch zu hertzen genommen / so geschichts jtzo auch / aber ich besorge / nach dieser vnnd anderer from̅en Herren vnd Leute wegraffen / werde
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das vnglück nicht außbleiben. Derwegen mag es vns wol auffm Hertzen liegen / gedancken machen / vnd eine vermahnung seyn / dem Vnglück mit bußfertigkeit bey zeiten zubegegnen vnd furzukommen. Zu letzt haben wir gehöret / daß die Gerechten / Heiligen vnd richtige Wanderßleute zweyerley Glück in vnd nach dem Todt haben / eins werden sie fürm Vnglück hinweggerafft: Darnach kommen sie zum frieden vnd ruhen in jhren Kammern / darauß sie am jüngsten Tage nach dem Leibe werden zum ewigen Leben erwecket werden. Dieses zwiefachen Glücks sein auch S. F. G. allbereits theilhafftig worde̅ / für allem Vnglück sein sie durch den zeitlichen Todt hinweggerafft / vnd dürffen S. F. G. alle das Vnglück mit jhren Augen nicht sehen / dessen wir vnser Sünde halben noch müssen gewertig seyn. Auch sein S. F. G. zum bestendigen frieden kommen / nach der Seelen in der rechten Hand GOttes / nach dem Leibe aber ruhen sie in jhrer Kammer / vnd werden an jenem grossen Tage die stimme des Menschen Sohns hören vnd herfür gehen zum ewigen Leben. Das gönne vnd gebe vns auch GOtt Vater / Sohn vnd heiliger Geist / die heilige dreyfaltigkeit / hochgelobt in ewigkeit / Amen. ENDE.


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