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Das Theatrum Europaeum – eine umwelthistorische Quelle?
Martin Knoll

1. Einleitung
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Im ersten Band des Theatrum Europaeum wird die Belagerung Frankentals durch spanische Truppen im September und Oktober 1621 (Abb. 1) u.a. mit folgenden Worten beschrieben:

Abbildung
Abb. 1: Spanische Belagerung von Frankental 1621, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 1, 1662 [Tafel nach S. 538, II].

„Hierauff haben sich die Spanische bey Studernheimb in den Wald begeben/ weil sie daselbsten die Menge an Holtz zu den Battereyen vnd sonsten gehabt/ und sie hinder den Bäumen vnnd Gesträuch etwas Sicherung gefunden: Auch dem Don Cordua sonderlich verkundschafftet gewesen/ daß der Wall gegen dem Wald am nidrigsten vnnd schwächsten were. Nachdem er nun alle Gelegenheit wol erlernet/ hat er Anordnung gemacht/ die Bäch der Statt abzugraben/ damit sie dem Läger im Wald nicht schaden möchten. […] Den 10. Octob. fieng es hefftig an zuregnen/ welches den Belägerten wol zu statten kam/ aber den Spanischen sehr hinderlich war. Dann weil diese auff einer Seithen/ da es zimblich Morasticht/ nun aber ein Zeithero/ wegen deß truckenen Wetters/ außgetrucknet war/ ihre Trenschen je länger je näher zu der Statt zuführen sich bearbeitet/ sind sie hierdurch verhindert/ und die sie schon verfertiget/ mit Wasser angefüllet worden. Den 11. Octobr. wurffen die Spanische abermal Fewerkugeln zu Tag vnd Nacht/ den folgenden Tag aber hielten sie still/ dahero die Belägerten die Muthmassung hatten/ sie würden eines von den Ravelin und den Wall darbey vndergraben und zersprengen/ deßwegen sie angefangen entgegen zu miniren; es befande sich aber daß nicht wol zu miniren/ dann es bald viel Wasserquellen gab.“ (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 600)

Was wird hier beschrieben? – Theatrum Belli, ein Kriegs-Schauplatz im „Zeitalter des Wassers“ (Guillerme). Der französische Historiker André Guillerme hat bereits 1983 eine Pionierstudie zur urbanen Umweltgeschichte Nordfrankreichs in der Vormoderne vorgelegt, der er genau diesen Titel – „Le temps de l’eau“ – gab, d.h. die Rolle von Wasserläufen und Wasser erschien ihm so zentral für die vormoderne Stadt, dass sie für seine Monografie namengebend wurde.

Der referierte Bericht des Theatrum Europaeum dokumentiert in Text und Bild sorgfältig kriegsrelevante lokale Umweltfaktoren wie die Wald-Offenland-Verteilung, die Qualität der Untergründe und den Witterungsverlauf. Er verweist damit auf den Umstand, dass die Geschichte von Kriegen nicht ohne die Berücksichtigung der physischen Umwelt, des Wetters und des Klimas geschrieben werden kann. Dies sei nicht als Geodeterminismus missverstanden. Bereits Londoner Gazetten des 17. und 18. Jahrhunderts dokumentierten präzise, wenn 2000 Kilometer südöstlich auf dem Balkan während der Türkenkriege Kampagnen durch Hochwasser ins Stocken gerieten oder das Zufrieren der Donau Truppenbewegungen erleichterte oder erschwerte (Winiwarter 2010). Wir sprechen hier von historischer ‚Umwelt’ (zur Problematik von Begriff und Gegenstand siehe Herrmann, S. 13-20 und Winiwarter 1994) und gleichermaßen von deren historischer Wahrnehmung. Nicht zuletzt kann der obige Bericht aus Frankental als Mosaiksteinchen eingefügt werden in die Untersuchung eines Sujets, das noch weitestgehend den Status eines Desiderats besitzt: die Umweltgeschichte des Krieges von den verbrannten Weinbergen des mittelalterlichen Erfurt bis zu den buchstäblich aufwühlenden Schlachten des ersten Weltkriegs oder zum Einsatz von Agent Orange (siehe Closmann).

Ich könnte die zentrale Frage meines Beitrages – „Ist das Theatrum Europaeum eine umwelthistorische Quelle?“ – kurz beantworten: Ja, wie beinahe alle historischen Quellen kann es durch eine entsprechend perspektivierte Re-Lektüre nutzbar gemacht werden. Mein Beitrag versucht aber eine etwas längere, differenziertere Antwort. Dabei will ich zunächst das noch immer weniger durch disziplinäre Institutionalisierung als durch seinen Gegenstand abgesteckte Forschungsfeld der Umweltgeschichte skizzieren. Innerhalb dessen will ich einen von der Praxistheorie Theodore Schatzkis inspirierten Zugang zur Umweltgeschichte erörtern, der mir auch für das Studium frühneuzeitlicher Publizistik geeignet erscheint. Auf das Theatrum Europaeum gewendet will ich einen bereits publizierten Zugriff umwelthistorischer Forschung auf dieses Quellenkorpus vorstellen und zusammen mit weiteren möglichen Verwendungskontexten diskutieren. Zuletzt will ich stichprobenartig und in Anwendung der von mir umrissenen wahrnehmungsgeschichtlichen Perspektive die Thematisierung sozio-naturaler Schauplätze im Theatrum Europaeum analysieren und so das ‚Reden und Schweigen’ dieser Quelle über ‚Natur’ vor dem Hintergrund gattungstypischer narrativer Strukturen und medialer Strategien evaluieren. Ich beschränke mich bei der Auswahl meiner Beispiele weitgehend auf Stoffe, die sowohl textuell als auch grafisch repräsentiert sind, weil ich an den funktionalen Bezügen verschiedener eingesetzter Medien interessiert bin (dazu auch Crivellari/Sandl; Emich; Glauser/Kiening und Tschopp). Ferner entstammen die Stichproben weitgehend den ersten vier Bänden des Theatrum Europaeum, also inhaltlich der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

2. Was ist und was beobachtet Umweltgeschichte (im Theatrum Europaeum)?
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Umweltgeschichte beobachtet die historische Entwicklung des Verhältnisses zwischen Gesellschaft und Umwelt oder – allgemeiner – zwischen Mensch und Natur oder – in den Worten von William Beinart und Peter Coates – zwischen Mensch und dem Rest der Natur (zit. nach Winiwarter/Knoll, S. 14; siehe auch Arndt). Die Wiener Umwelthistorikerin Verena Winiwarter unterstreicht die Relevanz zweier thematischer Dimensionen von Umweltgeschichte: „Eine materielle Geschichte auf der Basis von historischem, aber auch archäologischem und anderem (naturwissenschaftlichen) Material, und die Geschichte der Wahrnehmung von (Um-)Welt als einer Voraussetzung menschlicher Handlungen.“ (Winiwarter, S. 5) Umweltgeschichte ist eines der Forschungsfelder, in denen sich jenseits wissenschaftspolitischer und antragsrhetorischer Postulate tatsächlich ‚große’ Interdisziplinarität abspielt, sind hier doch die Geschichtswissenschaften im engeren Sinne genauso involviert wie Geografie, Paläoökologie und andere. Je nach Ausrichtung gibt es Anknüpfungspunkte zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, zur Sozial-Ökologie, zur Kulturgeschichte, zur Kunstgeschichte, zur Wissenschaftsgeschichte und den Literaturwissenschaften. Eine der Diskussionen der Formationsphase der Szene, die Frage nach der Notwendigkeit einer nicht-anthropozentrischen oder anthropozentrischen Perspektive der Umweltgeschichte scheint zugunsten der Letzteren entschieden. Weitgehend Konsens ist, dass sowohl der Einfluss der physischen Umwelt auf die Entwicklung von Gesellschaften, als auch die Transformation der Erde durch menschliche Aktivität und schließlich die Wahrnehmung dieser vielfältigen Bezüge durch den Menschen Teile des Forschungsgegenstandes sind.

Noch ungelöst ist das perspektivische Problem der Grenzziehung zwischen Kultur/Gesellschaft auf der einen und Natur/Umwelt auf der anderen Seite, einer Dichotomie, die in der westlichen Philosophie und Wissenschaftsgeschichte prominenten Rang und alte Wurzeln besitzt (stellvertretend Gerber und Fischer-Kowalski/Weisz; jüngst diskursive frühneuzeitliche Natur/Kultur-Grenzen vermessend: Zwierlein). Der Technikphilosoph Theodore Schatzki hat das epistemologische Fortbestehen dieser Dichotomie kritisiert und 2003 in einer umwelthistorischen Sondernummer der Zeitschrift History and Theory einen alternativen, praxistheoretisch inspirierten Zugang zur Umweltgeschichte vorgeschlagen (Schatzki). Dieser Vorschlag wurde von den Umwelthistorikern Verena Winiwarter und Martin Schmid aufgegriffen, die Umweltgeschichte als Beobachtung sozio-naturaler Schauplätze konzipieren (Winiwarter/Schmid). Jegliche menschliche Geschichte äußert sich demnach im Zusammenwirken menschlicher Praktiken und biophysischer Arrangements. Dieses Zusammenwirken konstituiert sozio-naturale Schauplätze. Umweltgeschichte beobachtet die Transformation sozio-naturaler Schauplätze und damit die historische Entwicklung der Verknüpfungen menschlicher Praktiken und biophysischer Arrangements. In der Bandbreite menschlicher Praktiken sind Perzeptionen für eine solche Untersuchung nicht weniger wichtig als aktives menschliches Einwirken auf biophysische Arrangements, leiten sich doch aus Perzeptionen und Repräsentationen oft genug die Programme ab, denen die Einwirkungen gehorchen. Daher steigt in der Umweltgeschichte das Interesse an Umweltwahrnehmung und an der Identifikation und Analyse geeigneter Quellentypen.

3. Weite (Schlacht-)Felder: Theatrum Europaeum und Landschaftsgeschichte
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Auch das Theatrum Europaeum steht bereits im Fokus umwelthistorischer Interessenahme, wenngleich bislang nicht unter Einsatz des eben vorgestellten analytischen Instrumentariums. Ein am geografischen Institut der Prager Karlsuniversität angesiedeltes Projekt widmete sich den Schlachtdarstellungen böhmischer Kriegsschauplätze im Theatrum Europaeum und verband mit deren Analyse u.a. den Anspruch, historische Landschaftszustände rekonstruieren zu können. Die Ausführungen Vaclav Matoušeks und Tereza Blažkovás zum Potenzial der ikonografischen Schlachtrepräsentationen lassen zwar die Sensibilität der Autoren für die Medialität und Konstruktivität der Quelle erkennen. Die Bilder versetzen, so Matoušek und Blažková, die Gegenwartsforschung in die Lage „to understand general aspects of the depiction of space and time in European culture in the first half of the 17th century.“ (Matoušek/Blažková, S. 52; dort auch Fig. 2 und 3) Die Autoren versuchen die von ihnen als analytisch und kombinatorisch charakterisierte Methode der Landschaftsdarstellung zu rekonstruieren (ebd., S. 58f.; dort auch Fig. 8). Auch lassen beide keinen Zweifel daran, dass man für die eigenen historisch-geografischen Fragestellungen der methodischen Zuarbeit der Kunstgeschichte bedürfe:

„There is a special way how art history contributes to studies of iconographic sources. The particular importance of this branch is in the methods to interpret period practice and norms of depicting and understanding landscapes and historical events. To put it simply, the methods of art history ‚translate‘ the pictures of the 17th century, the mentality of the Early Modern Period to the cultural norms of the 21st century.“ (ebd., S. 53)

Dennoch erscheint mir spätestens dann, wenn die Schlachtdarstellungen zu Bausteinen der Rekonstruktion historischen Landschaftswandels mit vergleichsweise präzisier Datierung von Veränderungen in der Bewuchsform oder der Wald-Offenland-Verteilung gemacht werden, Vorsicht angebracht (ebd., S. 59f.; dort auch Fig. 9 und 10). Vielleicht müsste hier die in der Kunstgeschichte gleichermaßen traditions- wie ertragreiche Auseinandersetzung um Realismus vs. Konstruktivismus in der Stadt- und Landschaftsdarstellung (in Auswahl Alpers; Fuss 2004; Michalsky 2007) intensiver aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Gerade die jüngere Forschung zur Stadtikonografie hat zeigen können, dass dem spannungsreichen Verhältnis von Topografie und Topik (Behringer) weder mit einem naiven ‚Glauben’ an die Vedute noch mit einem radikalen Konstruktivismus beizukommen ist. Sergiusz Michalski etwa macht in der neuzeitlichen Geschichte der Stadtansichten „einen andauernden Kampf zwischen den zunehmend zur Verfügung stehenden realistischen Darstellungsweisen und din diesem Genre besonders ausgeprägten Neigung zur Typisierung und Schematisierung“ aus und stellt zuspitzend fest: „Bei der notwendigen Absage an eine sich ausschließlich an den Kriterien des sogenannten Realismus (was immer das heißen mag) orientierende Sicht – dieses Kriterium versagt ja auch im Fall der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts – sollte man jedoch auch das andere Extrem meiden.“ (Michalski 1999, S. 55) Der später in diesem Beitrag von mir noch vorzustellende umwelt- bzw. wahrnehmungsgeschichtliche Ansatz soll helfen, die angesprochene, im Grunde ahistorische dichotomische Sicht auf frühneuzeitliche Stadt- und Landschaftsbeschreibung zu operationalisieren.

4. Das Theatrum Europaeum als Quelle für die Historische Klimatologie?
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Ein wichtiges umwelthistorisches Forschungsgebiet mit stärker rekonstruktiven Interessen ist die historische Klimatologie. In stetig wachsenden Datenbanken ergänzen einander hier naturwissenschaftlich und historisch-philologisch ermittelte Daten und Proxy-Daten zur Wetter- und Klimarekonstruktion (Pfister; zu Quellen und Quellenkritik in der historischen Klimatologie auch Glaser, S. 13-53 und Mauelshagen, S. 36-59). Ihrer Einbettung in prodigiöse Narrative entkleidet qualifizieren zahlreiche taggenaue Angaben zu Witterungsextremen oder längerfristigen Wetterlagen das Theatrum Europaeum zum wichtigen Informationsträger, der es ermöglicht parallele administrative oder chronistische Überlieferung zu verifizieren oder falsifizieren. So erfahren wir etwa im ersten Band des Theatrum Europaeum (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 505) von verschiedenen Sommerunwettern des Jahres 1620: In und um Kassel habe sich am 3. Juni „deß Morgends zwischen zwo vnnd drey Uhren ein grausamer Sturmbwind mit erschröcklichem Donnern vnd Blitzen erhaben/ daß man nicht anders vermeynt/ dann der jüngste Tag sey vorhanden/ vnd werde alles in einen Hauffen brechen: Die grosse Kiesel so gefallen/ haben nicht allein Fenster auß/ sondern das Getrayd im Feld/ und die Schaaff in Pferchen erschlagen/ darbey dann auch die Bäume nit geringen Schaden erlitten/ in dem das Obs mit den Aesten davon geschmissen worden.“ Ein ähnlich gravierendes Unwetter zwischen Augsburg und Donauwörth am 7. Juni habe „auff zwo Meilen das Getrayd/ vnd etlich hundert stück Viehe erschlagen vnnd ersäuffet“. Die Hagelkörner hätten die Größe von Hühner- und Gänseeiern erreicht und sogar Fische in der Donau erschlagen.

Für den Jahresbeginn 1621 wird detailliert eine Kältewelle in ihren Auswirkungen für Kriegführung, Schifffahrt und Landwirtschaft dokumentiert. Verschiedene zeitweise gefrorene Gewässer werden dabei namentlich erwähnt:

„Dergleichen Einfäll haben die Vngarn zu vnterschiedlichen malen gethan: darzu ihnen dann viel geholffen die grosse Kälte/ so baldt nach Anfang deß Newen Jahrs eingefallen/ vnnd einen gantzen Monat geweret/ dardurch alle Wasser vnd Flüß zugefroren/ daß sie allenthalben wo sie gewolt/ hinkommen können. Durch diese Kälte seynd auch sonsten in gantz Europa alle Ströme/ auch vnter andern die Suder See auff zwölff vnd mehr Meilen vberfroren/ also da man sonst mit grossen Schiffen gefahren/ hat man nachmahlen die Schlitten gebrauchet. Im Außgang der Maaß/ nicht weit von Briel hat das Eyß ein Schiff mit fünffzig Schottländischen Soldaten/ auch sonsten in andern Einfahrten mehr Schiff/ so nicht einländen können/ ergriffen: vnd weil niemandt solchen (ob sie wol Fewerzeichen gegeben) zu Hülff kommen können/ haben sie stecken bleiben/ vnnd das Volck darob mehrertheils ihr Leben jämmerlich enden müssen. Es ist auch durch die grosse Kälte vnd Eyßfrost der Venetianer Schifffahrt/ so in langer Zeit nicht erhöret/ eine Zeit lang gesperret worden: doch hat man an der Saat/ Bäum vnd Weinstocken kein sonderlichen Schaden gespüret.“ (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 531)

Wie gesagt: Diese Berichte stehen in einem prodigiös argumentierenden narrativen Kontext, in dem auch monströse Missgeburten von Tier- und Mensch verhandelt werden (zum engen funktionalen Text-Bild-Bezug siehe auch die Grafik), in dem eingehend eine Drachenerscheinung im Himmel über Hamburg erörtert wird, und in dem am 19. Mai 1620 Starkregen in der kaiserlichen (!) Residenzstadt Wien schwefelgelbe Rückstände hinterlässt (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 505). Während für dieselbe Stadt über Wochen hinweg blutrotes Wasser in den Stadtgräben berichtet wird, erfährt man von der Region um Gran (Ungarn), es habe dort Honig geregnet. Derlei Grenzbereiche von Witterung und Wunder dienen der moralisierenden Erklärung politisch-sozialer Zeitläufte. Sie bedürfen der besonderen quellenkritischen Aufmerksamkeit, stellen den Wert derartiger Textpassagen für die historische Klimatologie aber nicht grundsätzlich in Frage.

5. Die Repräsentation sozio-naturaler Schauplätze im Theatrum Europaeum
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Für meinen eigenen Zugang zum Theatrum Europaeum gibt es zwei Voraussetzungen: Erstens, ich komme von der Topografieforschung, d.h. ich untersuche die Umweltwahrnehmung in historisch-topografischer Literatur der Frühen Neuzeit und damit auch in den Merianschen Topografien (Knoll 2009, S. 154-157). Zweitens: meine wahrnehmungsgeschichtliche Perspektive baut auf dem Konzept der sozio-naturalen Schauplätze auf (Knoll 2010, S. 114-116). Umweltgeschichte beobachtet sozio-naturale Schauplätze, also Knotenpunkte des Zusammenwirkens menschlicher Praktiken und biophysischer Arrangements, in ihrer historischen Entwicklung (Winiwarter/Schmid, S. 161). Bezugnehmend auf Bruno Latours Forderung nach einer Überwindung der konzeptionellen Unterscheidung zwischen Natur und Gesellschaft hatte Theodore Schatzki gefordert, beide Entitäten müssten so gedacht werden, dass sie gleichermaßen sozial wie natural sein könnten (Schatzki, S. 88). Zur Umsetzung dieses Anspruches schlug er eine auf Praktiken zentrierte historische Sozialontologie vor:

„According to this ontology, social life inherently transpires as part of nexuses of human practices and material arrangements. Practices, such as those of science, politics, religion, building construction, and cooking, are open, spatial-temporal manifolds of activity that are carried on by multiple individuals. ‚Material arrangements‘ are arrangements of humans, artifacts, organisms, and things (where artifacts and things are distinguished, roughly, by whether human activity does or does not intentionally or significantly effect them). Practices and arrangements are bound together into nexuses in various ways. […] Saying that social life inherently transpires as part of nexuses of practice and materiality means that all human coexistence takes place as a feature of, or by way of, such nexuses.“ (Schatzki, S. 84).

Wenn Umweltgeschichte im o.g. Sinne Verena Winiwarters und Martin Schmids als Beobachtung sozio-naturaler Schauplätze verstanden wird, kann eine wahrnehmungsgeschichtliche Perspektive in der Umweltgeschichte als Beobachtung der Beobachtung sozio-naturaler Schauplätze durch die historischen Protagonisten konzipiert werden. Umweltwahrnehmung wird greifbar in der Beschreibung sozio-naturaler Schauplätze. Anders als dies neurohistorische Ansätze tun, beschränke ich die Reichweite meiner Analyse auf die publizistischen Produkte historischer Wahrnehmung(en). Daraus leitet sich meine Definition von Umweltwahrnehmung ab: Ich untersuche historische Umweltwahrnehmung als die Repräsentation sozio-naturaler Schauplätze in historischen Quellen.

Im Falle des Theatrum Europaeum haben wir es mit einem frühneuzeitlichen Medienverbund von grafischer, textueller und kartografischer Beschreibung zu tun, der in seiner historischen Funktionalität und Medialität ebenso zu hinterfragen ist wie in seiner zeitgenössischen Kontextualisierung. Das Werk vereint konstruktive, stereotype und rezeptionssteuernde Elemente und Sinnstiftungsangebote. D.h. Text und Bild der Quelle repräsentieren nicht nur Wahrnehmungen, sie generieren sie (Tschopp). Sylvia S. Tschopp mahnt zu recht, man dürfe „eine Quelle nicht nur als Dokument eines spezifischen Aneignungsmodus historischer Ereignisse“ lesen, sondern müsse „zugleich die vielfältigen Praktiken, die sich mit deren zeitgenössischer Rezeption verbinden, in den Blick“ nehmen (Tschopp, S. 76f.). Im Theatrum Europaeum wird Umweltwahrnehmung v.a. in drei Kontexten greifbar: 1. in der Kriegsberichterstattung, 2. in der Stadttopografie und 3. im Bericht über Anomalien und Extremereignisse.

5.1. Kriegsberichterstattung
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Im Falle der Kriegsberichterstattung ist es durchaus funktional erklärlich, wenn nicht militärische Praktiken und Arrangements eines Schauplatzes weitgehend ausblendet werden. So etwa im Vogelschauplan der Schwedischen Lager um Nürnberg 1632 (Abb. 2).

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Abb. 2: Schwedische Lager um Nürnberg 1632, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 2, 1646 [Tafel nach S. 654].
Hier interessiert offensichtlich die Struktur der Heerlager, nicht die Stadt oder die sie umgebende Landschaft. Lediglich eine reduzierte Hydrografie ist inszeniert. In Abhängigkeit von der den jeweiligen Faktoren zugebilligten Relevanz können Beschreibungen hier sehr unterschiedliche Gewichtungen vornehmen. Der Vogelschauplan von der Schwedischen Schanze an der Weichselmündung 1626 (Abb. 3)
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Abb. 3: Schwedische Weichselschanze 1626, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 1, 1662 [Tafel nach S. 964].
expliziert in Grafik und Legende sehr deutlich die Entwaldung des Schussfeldes auf der Landseite der Schanze. Die zweite in der Grafik angelegte kartografische Ebene, eine regionale Überblickskarte kleineren Maßstabs, visualisiert die im Text kolportierte Kriegshandlung, in der u.a. die blockierte Holzzufuhr Danzigs eine Rolle spielt (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 1076-1077). Es wird dabei von einem gescheiterten polnischen Versuch berichtet, die schwedische Seeblockade Danzigs mittels Holztransportschiffen zu durchbrechen, die militärischen Besatzungen als Tarnung dienen sollten. Der Bedeutung der Aspekte Wald und Holz im vormodernen Krieg entspricht ihre Rolle in der thematischen Symmetrie der Beschreibung sozio-naturaler Schauplätze in Text und Bild des Theatrum Europaeum. Kriegsbedingte Waldschäden werden etwa in der rechten Bildhälfte der „Delineation deß Treffens an dem Lech“ zwischen den Heeren Schwedens und Bayerns 1632 in Szene gesetzt (TE, 1. Aufl., Bd. 2, 1633, Illustration [unpag./Einlegeblatt nach S. 524]). Von „‚lieblich‘ gebrochenen Baumstümpfen“ (Fuss 2004, S. 210), wie sie Ulrike Valeria Fuss an anderer Stelle als Elemente Merianscher Landschaftsstandardisierung ausmacht, kann hier wohl nicht die Rede sein, wohl aber von einer standardisierten Inszenierung von Landschaft mit thematischer Rückbindung an die verhandelten Praktiken und Arrangements.

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Abb. 4: Belagerung Benfeld 1632, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 2, 1646 [Tafel nach S. 758].
Dass die Beschreibung der schwedischen Belagerung und Einnahme von Benfeld 1632 (Abb. 4) einen vor allem hydrografisch verfassten Schauplatz zeichnet, ist nicht zufällig, wird doch im Text unterstrichen, dass die Veränderung der komplexen hydraulischen Arrangements entscheidende Bedeutung für die Kriegführung besaß. Das Aufstauen eines Flusslaufes trennte die Stadt von der Wasserzufuhr und verhinderte an anderer Stelle durch Überflutung von Land das Eingreifen von Entsatztruppen:

„Den 15. haben die Belägerte/ in dem bedeckten Weg gearbeitet/ welches die Schwedische vermeynt ein Contra Approche zu seyn. Die haben darauff die Linia gegen der Statt continuiret. In selbiger Nacht haben die Belägerte durch das alte Wasser 2. Compagnien zu Fuß eingebracht. So bald der Herr Feldmarschalck solches vernommen/ hat er auff der andern Seiten der Statt für die Tragoner eine Schantz wie auch ein Ravelin vor der Mühlen anfangen lassen. Den 16. ist in der Linia gegen die Statt eine Corps de garde verfertigt/ vnd die Linia getheilt worden/ ein Theil gegen die Peinte gericht/ die Höhe zu gewinnen/ das ander Theil gegen das Feld/ vmb auff die Pforten vnd Brücken zu spielen. Den 17. ist die Linia auff der lincken Hand abermal gebrochen vnd gegen die Statt continuirt/ auch die Lini auff der Rechten fortgeführet/ vnd damals als in 50. Granaten eingespielt worden. Weil die Schwedische auch gesehen/ daß das Wasser/ etwas abzuleiten sey/ vnd daß die Belägerte durch den Wald obbesagt Volck eingebracht/ vnd vielleicht solches mehr geschehen/ oder doch alle Kundschafft bekommen möchten/ haben Ihr Exc. gut befunden/ das Wasser bey Huttenheim auffzustaren vnd abzuleiten/ derwegen gegen das alte Wasser solches mit einem Damm gezwungen/ davon das Wasser vber die Wiesen gestiegen/ vnd bey der Zollschantz wider in den Strom kommen: Davon dann nicht allein der Graben seichter/ vnd der Strom an der Vorstatt trucken gewesen/ sondern auch verhindert/ daß keine Kundschafft der Orten einkommen können/ viel weniger Volck zum Entsatz […].“ (TE, 1. Aufl., Bd. 2, 1633, S. 637)

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Abb. 5: Rheinübergang der Schweden bei Oppenheim 1631, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 2, 1646 [Tafel nach 492 I].
„[…] Den 10. Dieses [Oktobers] ist die Galleria vmb drey Gebündt continuirt vnd das Reißwerck biß auff ein Ruthen vom Stacket gebracht/ wie auch der Damm zu Huttenheim/ so etwas durchgebrochen gewesen/ wider reparirt worden/ daß gantz kein Wasser mehr auff die Statt kommen.“ (TE, 1. Aufl., Bd. 2, 1633, S. 638)

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Abb. 6: Truppenaufmarsch am Lech Mai 1648, aus: TE, 2. Aufl., Bd. 6, 1663, Tafel 39 nach S. 504.
Ganz allgemein entwerfen Beschreibungen von Gefechtssituationen an Flussläufen mitunter (Abb. 5: Rheinübergang der Schweden bei Oppenheim, 1631 und Abb. 6: Truppenaufmarsch am Lech, Mai 1648) sehr präzise (karto-)grafische Repräsentationen lokaler Hydrografien, wenngleich hier die Ästhetisierung von Landschaft und die Inszenierung von Statik nicht immer der fluvialen Dynamik vormoderner Flüsse gerecht werden.

5.2. Stadttopografie
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Die Thematisierung von Städten im Theatrum Europaeum zeichnet sich dadurch aus, dass der Bericht historisch-politischer Denkwürdigkeiten oft buchstäblich ‚verortet’ wird, d.h. dass eine von den konkret beschriebenen Ereignissen inhaltlich unabhängige topografische Beschreibung von Städten gegeben wird.

Besonders eindrücklich illustriert dies der Eintrag zu einem Stadtbrand in Innsbruck am 11. April 1620. Eine kurze Meldung handelt den Brand in nur zwei Sätzen ab. Am 11. April sei „zu Inßbruck ein grosse Feuersbrunst entstanden/ welche an Clöstern/ Ertzhertzogischen Gebäwen vnnd andern Häusern vberauß grossen Schaden gethan/ also daß selbiger 200000. Cronen geschätzet worden. Wie solches angangen/ hat man kein eygentliche Nachrichtung haben können.“ (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 504)

Recht unvermittelt folgt dieser Notiz eine detaillierte und idealisierende topografische Beschreibung von Stadt und Grafschaft. Innsbruck sei eine „gar herrliche vnnd ziehrliche Statt in der Graffschafft Tyrol an der Inn gelegen/ ist das Hauptgericht vnnd Parlament der gantzen Graffschafft/ dahin in allen spaltigen Sachen appelliret wird/ alda haben deß Landes Fürsten ihren Hoffläger vnnd Fürstlichen Sitz. Dann der Boden vmb die Statt ist vber die maß geschlacht vnnd fruchtbar/ an allerley Getrayd/ Baumbfrucht vnd Weinwachß/ an lustigen Wiesen/ Vieweyden vnnd Brunnquellen/ so gibt es auch in den Büschen vnnd auff den Felden viel Weydwercks/ insonderheit hats viel Gembsen vnd ander Wildprät. Vnnd weil diese Graffschaft zwischen Bayern und Italien vber die hohe Alpen sich erstrecket/ hat sie vberauß hohe Bühel und Berg/ auff etlichen Orthen mit Weinreben/ auff etlichen mit Büschen besetzet; sind hin vnd wider so hoch daß sie kein Mensch ersteigen kan/ vnnd man allezeit durch das gantze Jahr sie mit Schnee bedecket findet.“ Im Übrigen sei die Grafschaft reich an Erz und Metall. Die Häuser in der Stadt selbst seien „von schönen gehawenen Steinen/ so kostbarlich vnnd künstlich erbawet/ daß es zuverwundern.“(TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 504 und 505)

Diese Beschreibung orientiert sich thematisch und formal an einem tradierten topografischen bzw. landeskundlichen Schema (Stagl, S. 84-90 und Friedrich, S. 84-86) und steht überdies in der Tradition des Städtelobs, das ein dem landeskundlichen Schema nah verwandtes Themenraster vorgibt (Arnold; zur Beschreibung westfälischer Städte im Theatrum Europaeum Jakob, S. 79-81). Auch hier werden urbane Praktiken und biophysische Arrangements inszeniert, wobei das benannte Schema und im weitesten Sinne politische Programme die thematische Symmetrie des Schauplatzes in der Repräsentation mitbestimmen. So kommt es etwa im Falle Venedigs 1618 dazu, dass neben der quasi aktuellen Berichterstattung über die Aufdeckung einer groß angelegten Verschwörung und das Grassieren einer bislang „unbekandte[n] beschwerliche[n] Schwachheit“ (TE, Aufl. 1, Bd. 1, 1635, S. 29) eine genaue topografische Beschreibung der Stadt und ihrer amphibischen Situation steht. Die Stadt liege „in dem innersten Recessu oder Winckel deß Adriatischen Meers/ auff die sechszig kleine Insulen in sich begreiffende: sie ist zwar mit keinen Mawern oder Wällen vmbgeben/ aber doch gleichwol durch die Gelegenheit deß Orts sehr wol bewahret: Dann sie ist mit deß Adriatischen Meers (das zwischen der Statt vnd dem Land eindringet) Seen vmbgeben: Sintemahl vom Lande her/ weil ein tieff Meer/ fünff Welsche Meilen breit/ darzwischen ligt/ vnd von dem Meer her/ weil der Boden deß Meers vnsicher und gar nidrig/ vnd allein den Innwohnern auß Erfahrung bekandt/ ist den Feinden solchen Orth zu beschädigen gar vnbequem. Ihr Vmbkreyß begreifft in sich 8. Italiänische Meilen: wirdt hin vnd wider durch viel Canäl zertheilet/ fast in allen Gassen von dem Meer durchlauffen. Hat vber dieselbe Canäl bey 450. steinerne und hültzerne Brücken. Die Stadt ist mit herrlichen/ schönen vnd kostbaren Pallästen vnd Gebäwen/ mehr als keine Statt in Italia/ ja wol in gantz Europa/ erfüllet vnd gezieret/ also daß sich vber derselben Köstlichkeit zum höchsten ist zuverwundern. […]“. (TE, Aufl. 1, Bd. 1, 1635, S. 29-30)

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Abb. 7: Vogelschau Venedig, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635 [Tafel nach S. 28].
Die Vogelschau (Abb. 7) rückt diese maritim-amphibische Verfasstheit des Schauplatzes in den Mittelpunkt der Darstellung und steht wie der Text weniger im Dienst einer quasi realistischen Beschreibung als im Dienst der Pflege eines identitäts- und legitimitätsstiftenden „Umweltmythos“ (Mathieu, S. 11). Die Inselrepublik hatte umfassende Wasserbauprojekte nicht nur dazu eingesetzt, die landwirtschaftliche Produktivität ihrer terraferma zu steigern. Maßgeblicher Teil der Herrschaftsideologie und der juristischen Legitimation der Seemacht war seit je die insulare Verfasstheit gewesen, aus der etwa der Jurist Thomas Diplovatatius (1468-1541) folgerte: „[…] Sequitur quod domini Veneti qui edificaverunt in mari habent libertam precisam et sine alicuius licentia et requisitione, etiam imperatoris, potuerunt edificare et sunt exempti ab omni solemnitate legum.“ (Zit. nach Mathieu, S. 214) Genau diese insulare Verfasstheit war aber durch Verlandung im Mündungsbereich der Flüsse Brenta, Piave und Sile bedroht. Christian Mathieu zeigt, dass im 16. und 17. Jahrhundert im Zuge der „separazione delle lagune dalla terraferma“ mit der Umleitung der genannten Flüsse umfassende Veränderungen regionaler Arrangements unternommen wurden, um die ideologisch und politisch so zentrale Insularität zu erhalten. Mathieus Studie dokumentiert auch, dass die Repräsentation dieses ideologisch-politischen Topos in der Chronistik, der Guidenliteratur, in der Stadtikonografie – angefangen bei der berühmten Vedute Jacopo de Barbaris 1500 – und durch erstere drei Gattungen vermittelt in der Reiseliteratur glückte (Mathieu, S. 169-222). Auch die Vedute und der oben zitierte Text im Theatrum Europaeum machen hier keine Ausnahme. Es ist vom tiefen Meer zwischen Festland und Venedig die Rede, nicht von der Prekarität der Verlandung. Nicht immer stehen im Theatrum Europaeum die Beschreibung kriegerischer Handlungen und die dazugehörigen Grafiken in direktem funktionalem Bezug zueinander. Im Falle der schwedischen Einnahme von Erfurt 1631 ist eine Vogelschau beigegeben (Abb. 8: „Erphordia“/„Erdfurt“), die keine Kriegshandlungen thematisiert, die aber vor allem die Hydrografie des Schauplatzes detailliert ins Bild setzt, detaillierter übrigens als der sehr ähnliche Stich in der Merian-Topografie von Sachsen und Thüringen (Abb. 9) (TE, 1. Aufl., Bd. 2, 1633, S. 431-432).

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Abb. 8: „Erphordia“/„Erdfurt“ 1631, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 2, 1633 [Tafel/Tafel nach S. 430].

Ein besonders direkter rhetorisch-narrativer Bezug besteht dagegen zwischen der Beschreibung der schwedischen Einnahme des oberschwäbischen Reichsstädtchens Leutkirch im April 1632 auf der einen und der Inszenierung des sozio-naturalen Schauplatzes in Merians Stich „AMPLISS. ET PRUDENTISS. DDn. SENATOR. LEUTKIRCH. FAVTOR […]“ auf der anderen Seite. Dies mutet zunächst insofern kurios an, als der Stich, der Leutkirch in Merians Topographia Sveviae repräsentiert (Merian/Zeiller, S. 117-119), im zweiten Band des Theatrum Europaeum weder im Wolfenbütteler Exemplar der Erstauflage 1633 noch im Augsburger Exemplar der zweiten Auflage 1646 zu finden ist. Wenn Wüthrich ihn dennoch dem zweiten Band des Theatrum zuordnet (Wüthrich, S. 75f.), dann legen inhaltliche Gründe die Korrektheit oder zumindest Plausibilität dieser Zuordnung nahe.

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Abb. 9: Vogelschau Erfurt, aus: Matthaeus Merian und Martin Zeiller: Topographia Superioris Saxoniae. Frankfurt a.M. 1650, S. 81.
In der Grafik, einer perspektivisch nicht einheitlichen Vogelschau, nimmt die Stadt nur einen geringen Anteil des Gesamtbildes ein. Der Umgebung wird dagegen quantitativ wie qualitativ breite Aufmerksamkeit zuteil. Der Schauplatz zeichnet sich durch eine äußerst detaillierte Thematisierung materieller Arrangements aus. Dies beginnt mit den Gebäuden und Befestigungsanlagen der Stadt, reicht über die lokalen Höhenzüge und Gewässer sowie die zahlreich erfassten Straßen und Wege und führt hin zu verschiedenen wirtschaftlich relevanten Arrangements extra muros wie den Bleichfeldern, einem Stammholzlager in einem See, Mühlen und verschieden Formen landwirtschaftlicher Nutzflächen. Diese Arrangements verweisen ihrerseits auf Praktiken ihrer Nutzung.

Warum erhält der hier beschriebene Schauplatz einen derart komplexen Zuschnitt? Der Text-Bild-Zusammenhang in der Topographia Sveviae vermag diesen nicht zu erklären. Der u.a. auf die Zuarbeit des katholischen Leutkircher Stadtpfarrers Michael Maucher zurückgehende Text spricht zwar auch die Lage (die „lustige Gelegenheit“), den fruchtbaren Ackerbau und den für die Stadt wertvollen Waldreichtum an (Merian/Zeiller, S. 118f.). Im Fokus der Beschreibung stehen aber Kirchenbauten, die Kirchenverwaltung der bikonfessionellen Stadt und jüngere konfessionelle Entwicklungen. Im Theatrum Europaeum sieht dies anders aus. Und in der hier diskutierten Grafik geben zwei motivische Marker wichtige Hinweise: Zum einen sind dies die Staffagefiguren. Es gibt praktisch keine Bauern, Reisenden oder Stadtbewohner o.ä., die bestimmte Praktiken inszenieren. Mit Ausnahme eines Fuhrmannes im linken Bildhintergrund und zweier in den Bleichinen arbeitender Zivilpersonen bevölkern ausschließlich Militärs die Darstellung. Und diese treffen nicht – wie in so vielen Grafiken des Theatrum Europaeum – im Verband großer Heerhaufen und im Rahmen einer komplexen Schlachtordnung aufeinander, sondern es werden eher Szenen gezeigt, die an Häuserkampf erinnern. Den zweiten Hinweis gibt die Legende, die sehr genau ausweist, welche der dargestellten Straßen welche Destination besitzt.

Beide Marker funktionieren als rhetorische Anker, die das in der Grafik Gezeigte mit der Schilderung der schwedischen Einnahme Leutkirchs im Theatrum-Text verknüpfen (TE, 1. Aufl., Bd. 2, 1633, S. 527). Im Text werden das schwedische Anrücken aus Memmingen, die Umzingelung der Stadt, Verhandlungen und Scharmützel mit dem in der Stadt liegenden, rund 130 Reiter starken Ossischen Leibregiment und die letztliche Einnahme geschildert. Dieser militärische Handlungskontext des Theatrum Europaeum, nicht aber der historisch-topografische Beschreibungszusammenhang der Topographia Sveviae erklärt die besonders detaillierte Inszenierung des Schauplatzes in der Grafik.

Diese Grafik steht damit auch für den von Ulrike V. Fuss festgestellten funktionalen Wandel der Stadt- und Landschaftsikonografie im Werk Matthäus Merians. Fuss sieht im zweiten Band des Theatrum Europaeum 1633 erste topografische Abbildungen Merians, die im Zeichen systematischer Bildberichterstattung funktional über traditionelle topografische Abbildung hinausgehen (Fuss 2000, S. 143). Landschaften, meist die Vogelschau auf das Umland einer vom Krieg betroffenen Stadt, dienen dabei als Bildraum, um strategische Szenarien zu veranschaulichen, in deren Rahmen Kriegshandlungen szenisch berichtet werden. Im Rahmen der ikonografischen Kriegsberichterstattung, so Fuss, habe das (Stadt-)Landschaftsbild eine historische Dokumentationsfunktion erhalten, die später in den Topographien zur Leitidee der Serie werden sollte (ebd., S. 156).

5.3. Anomalien, Extremereignisse
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Selbstverständlich prägte die zeitgenössisch starke Neigung, Anomalien und Extremereignisse wie Unwetter, Hochwasser, Erdbeben, Seuchen, aber auch spektakuläre Missgeburten prodigiös bzw. straftheologisch zu deuten, auch die Rhetorik des Theatrum Europaeum. Oft genug wird eine Reihe solcher vermeintlichen Prodigien konstruiert, die dann in Zusammenhang mit einer bestimmten politischen Konstellation gebracht wird. Anna Schreurs hat auf diese Praxis im Theatrum Europaeum bereits hingewiesen (Schreurs, S. 320-322). Auch im Falle eines 1618 gesichteten Kometen ist eine solche narrative Einbettung klar erkennbar. Grafisch an prominenter Stelle inszeniert, im Nachthimmel über dem Heidelberger Schloss (dem Schloss des nachmalig gescheiterten ‚Winterkönigs’ Friedrich V. von der Pfalz!) (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 119), wird die Kometenerscheinung argumentativ ausdrücklich mit den verheerenden Zeitläuften in Verbindung gebracht: „Vnter den Zerrüttungen/ welche nicht allein allbereit in Böhmen in vollem Schwang gangen/ sondern sich auch anderswo ziemlich blicken liessen/ ist ein schröcklicher Comet Stern mit einem sehr langen brennenden Schwantz am Himmel erschienen/ vnd fast in gantz Europa mit sonderlichem Schrecken gesehen worden.“ (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 116) Die Erscheinung wird nach beiden Kalendern datiert und genau in Sternbildern lokalisiert. Die Prodigiendeutung („Diese schröckliche Fackel hat der Allmächtige Gott für einen Bußprediger an die hohe Cantzel deß Himmels gestellt/ damit die Menschen sehen möchten/ wie Er sie wegen der Sünde zu straffen/ vnd seine Zorn-Ruthen vber sie ergehen zulassen beschlossen/ auff daß dardurch männiglichen vor Schaden gewarnet/ vnd bey Zeiten noch in der Gnaden von Sünden abzustehen/ vnd zu der Göttlichen Barmhertzigkeit zufliehen angemahnet würde.“ (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 117f.)) leitet über zur Auflistung bereits eingetretener Kriegstroubeln, Todesfälle und u.a. auch verschiedener Stadtbrände (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 118).

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Abb. 10: Erscheinung eines Wassermannes auf hoher See bei Dänemark, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 321.
Wie soll nun eine umwelthistorische Analyse mit derlei magischem Inventar sozio-naturaler Schauplätze umgehen? Soll sie von Geschichten wie der vermeintlichen Begegnung dänischer Reichsräte mit einem Wassermann während einer Überfahrt von Norwegen nach Dänemark im Dezember 1619 (Abb. 10) ganz die Finger lassen? Diese Geschichte steht ebenfalls in einer Reihe mit Todesfällen, Anomalien und Extremen und bietet eine moralisch-theologische Deutung passend zum berichteten Zeitkontext, hier unter besonderer Betonung der Begrenztheit menschlicher Erkenntnis angesichts der Geheimnisse der göttlichen Schöpfung (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 319-321).

In maritimen Gefilden zwischen Norwegen und Dänemark, wo sich zwei königlich dänische Reichsräte an Bord eines Kriegsschiffes auf der Heimreise nach Kopenhagen befinden, sichten diese unter Wasser eine menschenähnliche Gestalt, die kornährenähnliche Bündel trägt und die sich mittels eines Köders (Schinken an der Ankerkette) fangen lässt. Wehrlos auf dem Schiffsboden liegend mahnt das Wesen die Staunenden mit den Worten: „Ja wann du es so wohl wüstest/ als ich es weiß/ dann wurdest du erst sagen/ daß es ein wunderbahrer GOTT were/ daß auch vielmehr wunderliche Creaturen im Wasser/ vnnd vnder der Erden/ dann oben auff der Erden gefunden werden. Vnnd so jhr mich nicht zur Stund werdet wider ins Wasser setzen/ soll weder Schiff noch Gut von euch zu Landt kommen“ (TE, 1. Aufl. 1, Bd. 1, 1635, S. 320).

Der Geschichte folgen Berichte über Stürme auf See, Unwetter, Sturmflut, Hochwasser der Niederländischen Binnengewässer und für das Folgejahr über wochenlangen Regen im Juni und Juli mit Hochwasser v.a. in Meißen und Thüringen sowie Schäden an Wein und Getreide. Die Verbindung von moralisch-emblematischer Weltsicht und vermeintlich realistischer Beschreibung von Praktiken und Arrangements darf nicht abschrecken, denn sie ist konstitutiv für Gattung und Zeit und sie kann operationalisiert werden.

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Abb. 11: Wunderbrunnen von Hornhausen 1646, in: TE, 2. Aufl., Bd. 5, 1651, Tafel 45 nach S. 1076.
Die grafische Repräsentation der tumultuarischen Zustände am Wunderbrunnen zu Hornhausen im Bistum Halberstadt 1646 (Abb. 11) macht dies vordergründig schwer, bei näherem Hinsehen bergen Text und Bild doch ein sehr aussagekräftiges Portrait der zeittypischen Praktiken und Arrangements, die einen Heilbrunnen respektive ein Heilbad ausmachten. Der mehrseitige Text informiert über die Geschichte der Entdeckung, unternimmt eine theologische Deutung, bringt aber auch eine umfangreiche physikalisch-chemische Beschreibung des Wassers, zu behandelnde Krankheitsbilder und Gegenanzeigen.

An dieser Stelle lohnt es sich, den Diskussionsbeitrag Ute Lotz-Heumanns zu Säkularität und Sakralität frühneuzeitlicher Heilwasser- und -brunnendiskurse einzubeziehen. Lotz-Heumann hat sich, ähnlich dem vorliegenden Beitrag, wenngleich stärker systemtheoretisch orientiert, zum Ziel gesetzt, Materialität und Textualität als ein nicht dichotomisch verfasstes Beziehungsgefüge zu untersuchen (Lotz-Heumann, S. 278f.). Sie identifiziert in der frühneuzeitlichen Literatur über Heilwasser und -brunnen drei Diskursgemeinschaften: Der balneologisch-medizinische Diskurs habe sich bereits im 16. Jahrhundert argumentativ weitgehend säkularisiert und sei auch im Zeichen der Konfessionalisierung nur teilweise resakralisiert worden (ebd., S. 286-290). Der lutherische Wunderbrunnendiskurs nehme eine im Gegensatz zu den Prodigien positive Konnotation der hydrologischen Phänomene als Geschenke Gottes an den Menschen vor (ebd., S. 298). Er grenze sich scharf vom medizinisch-balneologischen Diskurs ab und stehe dem Wissenschaftsoptimismus der ebenfalls protestantisch geprägten Physikotheologie fern (ebd., S. 327). Der katholische Wallfahrts- und Heilquellendiskurs stelle meist das Wirken eines Heiligen in den Mittelpunkt, die Rolle des Wassers sei sekundär (ebd., S. 305-309). Man kann von der Inszenierung einer Wallfahrt mit angeschlossenem Brunnen sprechen. Der katholische Heilquellendiskurs bemühe sich anders als der lutherische, der die Temporalität und tendenzielle Prekarität der Phänomene unterstreiche, „um Verstetigung und ‚Solidität‘ der die Wallfahrt umgebenden materiellen Kultur und religiösen Praktiken“ (ebd., S. 307f.).

Die Ikonografie des Theatrum Europaeum zum Wunderbrunnen von Hornhausen 1646 visualisiert der Einschätzung Lotz-Heumanns zufolge drei zentrale Aspekte des lutherischen Wunderbrunnendiskurses: „erstens die Verbürgung der wunderbaren Heilkraft des Wassers durch die schiere Menge der heilungssuchenden Menschen; zweitens die Bedeutung des Gebets für die lutherische Repräsentation von Wunderbrunnen (der Pfarrer, der das öffentliche Brunnengebet spricht, befindet sich zusammen mit dem Schulmeister und den Schülern in einem Holzanbau vor dem Steinturm in der hinteren linken Bildmitte); sowie drittens die durch Zelte, Wagen und behelfsmäßig gebaute Hütten visualisierte Temporalität, um nicht zu sagen ‚Prekarität‘ der lutherischen Wunderbrunnen, was auf die Unsicherheit der Gnade Gottes verweist.“ (ebd., S. 305)

Die von Lotz-Heumann betonte klare Grenzziehung zwischen lutherischem Wunderbrunnendiskurs und medizinisch-balneologischem Diskurs lässt sich freilich im Falle des Textes im Theatrum Europaeum nicht so eindeutig nachweisen. Zwar kolportiert der Text das wundersame Auftreten der Quelle: Sie sei in dem schwer vom Krieg gezeichneten Dorf unweit Magdeburgs von spielenden Kindern aufgefunden worden, deren eines, ein Schäferskind, sie als möglichen Gesundbrunnen identifiziert habe (TE, 2. Aufl., Bd. 5, 1651, S. 1079-1080). Die Wundertätigkeit wird wie im Stich durch die schiere Masse der Heilsuchenden und Geheilten autorisiert. Auch nimmt der Text eine zeichenhafte Deutung im Sinne eines göttlichen Gnadenerweises angesichts der beginnenden Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück vor:

„Bey oberwehnten heylsamen Friedenshandlungen wird sich nicht vngleich fügen/ wann wir dieses Orths die grosse Thaten Gottes/ welche/ bey Eröffnung eines auch sehr heylsamen/ wundersamben vnnd kräfftigen Heilbrunnens/ so in einem Dorff/ Nahmens Hornhausen/ im Stifft Halberstatt/ sich häuffig mitten vnter gegenwärtigen langwührigen/ blutigen/ vnd hefftigen/ fast Universal/ vnnd durchgehenden Kriegs Empörungen sehen/ vnd in der That zu vieler gebrechlich: vnd schwacher Menschen Nutz/ Besserung vnd Wolfahrt verspüren lassen/ erzehlen vnd preisen. Darab man wol sicherlich deß Allerhöchsten Schöpffers Güte vnd Barmhertzigkeit/ zufürderst/ nebenst diesem auch ein omen subsecuturae pacis, das ist/ gleichsamb einen Vorbotten/ vnnd Bedeutung deß nachfolgenden werthen Friedens deducirn/ vnd schliessen möchte.“ (TE, 2. Aufl., Bd. 5, 1651, S. 1079)

Und doch befindet sich im Text eine Brücke vom theologisch-sakralen Diskurs zum medizinisch-balneologischen und zurück. Der Text listet nicht nur akkurat Indikationen aber auch Kontraindikationen des Brunnenwassers auf (Lotichius 1651, S. 1081). Der theologischen wird eine medizinisch-wissenschaftliche Beglaubigung zur Seite gestellt. Auf Begehren hoher fürstlicher Personen seien Medici, v.a. der Universität Helmstedt, zugezogen worden, die die Mineralität des Wassers untersuchten und die ihm attestierten, von „merntheils Schwefflig vnd Saltzig“„Gehallt vnd Essentz“ zu sein (TE, 2. Aufl., Bd. 5, 1651, S. 1081). Wieder andere Experten hätten in dem Wasser sieben Metalle und fast alle Mineralien nachgewiesen, die auch im Menschen vorkämen – ein klarer Hinweis auf göttliches Gnadenwerk:

„Nichts desto minderst wurden andere erfahrne/ vnnd eben wolgeschickte Männer/ vnnd Physici gefunden/ welche dieses Wasser eingesetzt/ dessen Gehallt auffs beste probirt/ vnnd darbey erlernet: Daß nemblich solches Wasser die sieben folgende Metallen/ als Quecksilber/ Gold/ Silber/ Kupffer/ Eysen/ Zinn und Bley/ darnebenst alle Mineralien/ als Salpeter/ Schweffel/ Saltz/ Alaun/ Antimonium/ Vitriol/ Arsenic/ Perlen/ Corallen/ vnnd andere mehr/ auch von Edelgesteinen: Summatim/ alles was sich in der kleinen Welt/ nemblich dem Menschen/ befindet/ führen thäte. Dahero vnfehlbarlich zu vrtheilen/ daß dieses Wasser ein vbernatürliches Gnadenwerck deß Allerhöchsten seye.“ (ebd.) Einmal mehr zeichnet sich die Beschreibung eines sozio-naturalen Schauplatzes durch ihre rhetorische Mehrdimensionalität aus. Die Beschreibung von Praktiken und Arrangements ist moralisch-emblematisch kontextualisiert.

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Abb. 12: Bergsturz Plurs 1618, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 1, 1662 [Tafel nach S. 96], auch: TE, Bd. 1, 1635, [Tafel nach S. 114].
Auch im Falle des Bergsturzes von Plurs 1618 (Abb. 12), über den hier mit Hinweis auf den Beitrag von Jörn Münkner nicht viele Worte zu verlieren sind, scheint mir diese Mehrdimensionalität im Prinzip zu gelten. Eine formelhafte straftheologische Deutung rahmt die Hergangsschilderung einleitend wie abschließend: Einleitend wird das Graubündener Dorf vor der Katastrophe als ein mit „sehr schönen Kirchen/ vielen herrlichen Pallästen/ vnd köstlichen Gebäwen vnd Häusern“ gezierter Flecken geschildert, in dem die Einwohner „gleich in einem Irdischen Paradeiß“, aber auch „in allerhandt Wollüsten“ gelebt hätten, „Deren vnversehener Vndergang vns ein Exempel deß grausamen Zorns Gottes vber die Sünde vor Augen stellet/ daß wir wissen sollen/ wo wir nicht wahre Buß thun werden/ es vns nicht besser ergehen/ sondern eben solche/ oder aber ein andere dergleichen Straffe vber vns ergehen solle/ wie Christus selbsten Luc. am 13. Cap. solches dröwet.“ (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 114)

Der derart eröffnete straftheologische Handlungsrahmen wird am Ende des Textes mit der Geschichte vom Auffinden eines hebräisch beschrifteten Steins mit prodigiöser Botschaft in den Trümmern abgeschlossen:

„Etliche schreiben/ man habe einen Stein gefunden/ in welchen ein Hebraische Schrifft eingehawen gewesen/ die Do. Theon. Huber von Lucern also verteuscht: So spricht der HERR: Ist mein Wort nicht wie ein Fewer/ vnd wie ein Pickel/ der Felsen zerschlägt: Fliehet hinweg von Babylon/ rette ein jeder sein Leben/ niemandt schweig zu ihren Sünden/ dann die Straff deß HERREN wirdt wider kommen/ vnd wirdt ihnen vergelten ihre Boßheit.“ (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 115)

Innerhalb dieses Rahmens ist in der journalistisch-detailliert daherkommenden Schilderung der Ereignisse sehr konkret von Praktiken und Arrangements des Schauplatzes die Rede. Dies reicht von der auslösenden Wirkung starker Regenfälle bis zum Aufstau des Flusses Meyra durch die Schuttmassen. Besonders präzise in Bezug auf landwirtschaftliche Praktiken und korrespondierende biophysische Arrangements wirkt ein Versäumnishinweis, der auch als moralische Diskreditierung der Bewohner gelesen werden kann: Die örtliche Bevölkerung habe den vom Berg Conto kommenden Schlamm und Geröll zunächst nicht als Warnung wahrgenommen. Denn derlei sei nach Regenfällen nicht unüblich gewesen, weil oberhalb der Weinberge das Wasser, „so von den Wiesen auff dem Berg geflossen/ nicht fleissig durch Canäl herab geleytet worden.“ (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 114) D.h. die Anlage und Pflege solcher Arrangements wurde vernachlässigt, war aber Teil des landwirtschaftlichen Wissens.

6. Fazit
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Ausgehend von einer Skizze des interdisziplinären Forschungsgebiets Umweltgeschichte evaluierte der vorliegende Beitrag den umwelthistorischen Quellenwert des Theatrum Europaeum. Die grundsätzliche umwelthistorische Relevanz der Quelle steht – bei aller Notwendigkeit, die spezifische Medialität des Theatrum, gattungs- und zeitspezifische Narrative, rhetorische Strategien und rezeptionssteuernde Elemente quellenkritisch zu berücksichtigen – außer Frage. Zunächst wurde ein Projekt mit Hauptaugenmerk auf der Rekonstruktion historischer Landschaftszustände diskutiert, in dessen Rahmen die Ikonografie böhmischer Schlachtfelder im Theatrum Europaeum bereits zur Analyse gelangte. Aufgrund der großen Zahl und breiten geografischen Streuung der im Theatrum dokumentierten Wetter- und Klimadaten erscheint das Werk auch für ein anderes Forschungsgebiet mit primär rekonstruierendem Interesse, die Historische Klimatologie, attraktiv.

Kern des Beitrages war aber eine Sondierung des Theatrum Europaeum aus einer Perspektive heraus, die an einer kulturgeschichtlich informierten Untersuchung historischer Umweltwahrnehmung interessiert ist. Ziel ist es dabei, die traditionsreiche kunsthistorische Realismus-Konstruktivismus-Debatte ebenso zu überwinden wie eine dichotomische Konzeption von Natur/Umwelt vs. Kultur/Gesellschaft bzw. von Materialität vs. Diskurs. Für diese Zielsetzung und inspiriert durch die Praxistheorie Theodore Schatzkis wird eine umwelthistorische Analyse des Theatrum Europaeum als Repräsentation „sozio-naturaler Schauplätze“ (Winiwarter/Schmid) vorgeschlagen, die als Verknüpfungen menschlicher Praktiken und biophysischer Arrangements gedacht werden können. Das Theatrum Europaeum inszeniert sozio-naturale Schauplätze vor allem im Kontext der Kriegsberichterstattung, der Stadttopografie und in der Berichterstattung über Anomalien und Extremereignisse. In allen drei Kontexten wurden daher stichprobenartige Analysen unternommen.

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Abb. 13: Thomas Cole: The Oxbow, Connecticut River near Northampton, 1836.
Schließen möchte ich mit einer vermeintlich banalen, auf die nordamerikanische Landschaftsmalerei Emanuel Leutzes und Thomas Coles (Abb. 13: The Oxbow, 1836) im 19. Jahrhundert gewendeten Mahnung des Umwelthistorikers William Cronon. Er geht davon aus, dass „we are likely to misread the painting’s environmental record if we fail to consider the larger narrative trajectory in which its author embedded it.“ (Cronon, S. 44). Wer diesen so einfachen Hinweis beherzigt, für den ist auch der frühneuzeitliche Medienverbund des Theatrum Europaeum eine lohnende umwelthistorische Quelle.

7. Bibliographische Nachweise und Forschungsliteratur
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7.1. Quellen
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  • Matthaeus Merian: Theatrum Europaeum. 21 Bde., Frankfurt a.M. 1633-1738 (ausführliches Siglenverzeichnis). [opac]
  • Matthaeus Merian der Ältere, Martin Zeiller: Topographia Sveviae: Das ist Beschreib- und Aigentliche Abcontrafeitung der fürnembsten Stätt und Plätz in Ober- und Nider Schwaben, Hertzogthum Würtenberg, Marggraffschaft Baden und andern zu dem Hochlöbl. Schwabischen Craiße gehörigen Landtschafften und Orten. Frankfurt a.M. 1643 [ND Braunschweig 2005] [opac]

7.2. Forschungsliteratur
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  • Svetlana Alpers: Kunst als Beschreibung: Holländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Köln 1985. [opac]
  • Melanie Arndt: Umweltgeschichte, Version 1.0, in: Docupedia Zeitgeschichte 2010.
  • Klaus Arnold: Städtelob und Stadtbeschreibung im späteren Mittelalter und in der frühen Neuzeit, in: Peter Johanek (Hg.): Städtische Geschichtsschreibung im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit. Köln 2000, S. 247-268. [gbv]
  • Wolfgang Behringer: Topographie und Topik. Das Bild der europäischen Stadt und ihrer Umwelt, in: Dieter Schott, Michael Toyka-Seid (Hg.): Die europäische Stadt und ihre Umwelt. Darmstadt 2008, S. 123-144. [opac]
  • Charles Edwin Closmann (Hg.): War and the environment. Military destruction in the modern age. Texas 2009. [gbv]
  • Fabio Crivellari, Marcus Sandl: Die Medialität der Geschichte. Forschungsstand und Perspektiven einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Geschichts- und Medienwissenschaften, in: Historische Zeitschrift 277 (2003), S. 619-654. [gbv]
  • William Cronon: Telling Tales on Canvas. Landscapes of Frontier Change, in: Jules David Prown (Hg.): Discovered lands, invented pasts: Transforming visions of the American West. New Haven [u.a.] 1992, S. 37-87. [gbv]
  • Birgit Emich: Bildlichkeit und Intermedialität in der Frühen Neuzeit. Eine interdisziplinäre Spurensuche, in: Zeitschrift für historische Forschung 35.1 (2008), S. 31-56. [opac]
  • Marina Fischer-Kowalski, Helga Weisz: Society as Hybrid between Material and Symbolic Realms. Toward a Theoretical Framework of Society-Nature Interaction, in: Advances in Human Ecology 8 (1999), S. 215-251. [gbv]
  • Markus Friedrich: Chorographica als Wissenskompilationen. Probleme und Charakteristika, in: Frank Büttner (Hg.): Sammeln, Ordnen, Veranschaulichen. Zur Wissenskompilatorik in der Frühen Neuzeit. Münster 2003, S. 83-111. [opac]
  • Ulrike Valeria Fuss: Matthaeus Merian der Ältere. Von der lieblichen Landschaft zum Kriegsschauplatz – Landschaft als Kulisse des 30jährigen Krieges. Frankfurt a.M. 2000. [opac]
  • Ulrike Valeria Fuss: Landschaftsspezifische Charakteristika in den Stadtansichten der Frühen Neuzeit, in: Holger Th. Gräf, Katrin Keller (Hg.): Städtelandschaft. Städte im regionalen Kontext in Spätmittelalter und Früher Neuzeit = Réseau urbain = Urban network. Köln 2004, S. 199-217. [opac]
  • Judith Gerber: Beyond dualism. The social construction of nature and the natural and social cosnstruction of human beings, in: Progress in Human Geography 21.1 (1997), S. 1-17. [gbv]
  • Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas. 1000 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen. Darmstadt 2001. [opac]
  • Jürg Glauser, Christian Kiening: Einleitung, in: Jürg Glauser, Christian Kiening (Hg.): Text- Bild- Karte. Kartographien der Vormoderne. 1. Aufl. Freiburg 2007, S. 11-35. [opac]
  • André E. Guillerme: The age of water. The urban environment in the North of France, A.D. 300-1800. Texas 1988. [gbv]
  • Bernd Herrmann: Umweltgeschichte wozu? Zur gesellschaftlichen Relevanz einer jungen Disziplin, in: Patrick Masius, Ole Sparenberg, Jana Sprenger (Hg.): Umweltgeschichte und Umweltzukunft. Zur gesellschaftlichen Relevanz einer jungen Disziplin. Göttingen 2009, S. 13-50. [gbv]
  • Hans-Joachim Jakob: Topographia Westphalicae. Grimmelshausens Westfalen in Landschaftsdarstellungen der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in: Peter Heßelmann (Hg.): Grimmelshausen und Simplicissimus in Westfalen. Bern 2006, S. 75-92. [opac]
  • Martin Knoll: ‚Sauber, lustig, wohlerbaut’ in einer ‚angenehmen Ebene’. Abgrenzung und Integration zwischen Siedlung und naturaler Umwelt in der topografischen Literatur der Frühen Neuzeit, in: Lars Kreye, Carsten Stühring, Tanja Zwingelberg (Hg.): Natur als Grenzerfahrung. Europäische Perspektiven der Mensch-Natur-Beziehung in Mittelalter und Neuzeit. Ressourcennutzung, Entdeckungen, Naturkatastrophen. Göttingen 2009, S. 151-171. [gbv]
  • Martin Knoll: Fließende Grenzen: Zur Rolle von Flüssen bei der Repräsentation historisch-topografischer Räume der Frühen Neuzeit, in: Christine Roll, Frank Pohle, Matthias Myrczek (Hg.): Grenzen und Grenzüberschreitungen. Bilanz und Perspektiven der Frühneuzeitforschung. Köln 2010, S. 109-129. [opac]
  • Ute Lotz-Heumann: Repräsentationen von Heilwassern und -quellen in der Frühen Neuzeit. Badeorte, lutherische Wunderquellen und katholische Wallfahrten, in: Matthias Pohlig, Ute Lotz-Heumann, Vera Isaiasz [et. al.] (Hg.): Säkularisierungen in der Frühen Neuzeit. Methodische Probleme und empirische Fallstudien. Berlin 2008, S. 207-330. [opac]
  • Christian Mathieu: Inselstadt Venedig. Umweltgeschichte eines Mythos in der Frühen Neuzeit. Köln. [opac]
  • Václav Matoušek, Tereza Blažková (2008): Picture and reality. Studies of the modern landscape in vedute of the Thirty Years' War's battlefields in Bohemia, in: Péter Szabó, Radim Hédl (Hg.): Human Nature. Studies in Historical Ecology ? Environmental History. Brno 2008, S. 52-61
  • Franz Mauelshagen: Klimageschichte der Neuzeit: 1500-1900. Darmstadt 2010. [opac]
  • Sergiusz Michalski: Vom himmlischen Jerusalem bis zu den Veduten des 18. Jahrhunderts. Symbolik und Darstellungsparadigmen der Stadtprofilansichten, in: Wolfgang Behringer, Bernd Roeck (Hg.): Das Bild der Stadt in der Neuzeit: 1400-1800. München 1999, S. 46-55. [opac]
  • Tanja Michalsky: Medien der Beschreibung. Zum Verhältnis von Kartographie, Topographie und Landschaftsmalerei in der Frühen Neuzeit, in: Jürg Glauser, Christian Kiening (Hg.): Text – Bild – Karte. Kartographien der Vormoderne. 1. Aufl. Freiburg 2007, S. 319-349. [opac]
  • Christian Pfister: Wetternachhersage. 500 Jahre Klimavariationen und Naturkatastrophen (1496-1995). Bern [u.a.] 1999. [gbv]
  • Theodore R. Schatzki: Nature and technology in history, in: History and Theory – Theme Issue 42 (2003), S. 82-93. [opac]
  • Anna Schreurs: Der Vesuvausbruch von 1631, ein Spektakel auf der Weltbühne Europa. Anmerkungen zu Joachim von Sandrarts Beitrag zum Theatrum Europaeum von Matthäus Merian, in: Oswald Bauer, Ariane Koller, Flemming Schock, methaphorik.de (Hg.): Dimensionen der Theatrum-Metapher in der frühen Neuzeit: Ordnung und Repräsentation von Wissen. Hannover 2008, S. 305-340, zugleich in: metaphorik.de 14 (2008). [opac]
  • Justin Stagl: Eine Geschichte der Neugier. Die Kunst des Reisens 1550-1800. Wien [u.a.] 2002. [opac]
  • Silvia S. Tschopp: Das Unsichtbare begreifen. Die Rekonstruktion historischer Wahrnehmungsmodi als methodische Herausforderung der Kulturgeschichte, in: Historische Zeitschrift 280 (2005), S. 39-81. [gbv]
  • Verena Winiwarter: Umwelt-en. Begrifflichkeit und Problembewußtsein, in: Gerhard Jaritz, Verena Winiwarter (Hg.): Umweltbewältigung. Die historische Perspektive. Bielefeld 1994, S. 130-159 [gbv]
  • Verena Winiwarter: Was ist Umweltgeschichte? Wien 1998. [gbv]
  • Verena Winiwarter: Die Donau als Kriegsschauplatz in der englischen Presse des 17. und 18. Jahrhunderts. Vortrag auf dem Deutschen Historikertag, 29.09.2010.
  • Verena Winiwarter, Martin Knoll: Umweltgeschichte. Eine Einführung. Köln u.a. 2007. [opac]
  • Verena Winiwarter, Martin Schmid: Umweltgeschichte als Untersuchung sozionaturaler Schauplätze? Ein Versuch, Johannes Colers 'Oeconomia' umwelthistorisch zu interpretieren, in: Thomas Knopf (Hg.): Umweltverhalten in Geschichte und Gegenwart. Vergleichende Ansätze. Tübingen 2008, S. 158-173. [gbv]
  • Lucas Heinrich Wüthrich: Das druckgraphische Werk von Matthaeus Merian d. Ä. Bd. 4. Die grossen Buchpublikationen II: Die Topographien. Vorläufer, Topographie von Deutschland, Frankreich, Rom, Italien, Windhaag. Nachträge zu den Handzeichnungen und zum druckgraphischen Werk Bände 1-3. Hamburg 1996. [opac]
  • Cornel Zwierlein: Natur/Kultur-Grenzen und die Frühe Neuzeit. Transcodierung von Natur, Klimatheorie und biokulturelle Grenzen, in: Christine Roll, Frank Pohle, Matthias Myrczek (Hg.): Grenzen und Grenzüberschreitungen. Bilanz und Perspektiven der Frühneuzeitforschung. Köln 2010, S. 25-49. [gbv]

7.3. Abbildungsnachweise
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  • Abb. 1: Spanische Belagerung von Frankental 1621, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 1, 1662 [Tafel nach S. 538, II].
  • Abb. 2: Schwedische Lager um Nürnberg 1632, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 2, 1646 [Tafel nach S. 654].
  • Abb. 3: Schwedische Weichselschanze 1626, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 1, 1662 [Tafel nach S. 964].
  • Abb. 4: Belagerung Benfeld 1632, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 2, 1646 [Tafel nach S. 758].
  • Abb. 5: Rheinübergang der Schweden bei Oppenheim 1631, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 2, 1646 [Tafel nach 492 I].
  • Abb. 6: Truppenaufmarsch am Lech Mai 1648, aus: TE, 2. Aufl., Bd. 6, 1663, Tafel 39 nach S. 504.
  • Abb. 7: Vogelschau Venedig, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635 [Tafel nach S. 28].
  • Abb. 8: „Erphordia“/„Erdfurt“ 1631, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 2, 1633 [Tafel/Tafel nach S. 430].
  • Abb. 9: Vogelschau Erfurt, aus: Matthaeus Merian und Martin Zeiller: Topographia Superioris Saxoniae. Frankfurt a.M. 1650, S. 81.
  • Abb. 10: Erscheinung eines Wassermannes auf hoher See bei Dänemark, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, S. 321.
  • Abb. 11: Wunderbrunnen von Hornhausen 1646, in: TE, 2. Aufl., Bd. 5, 1651, Tafel 45 nach S. 1076.
  • Abb. 12: Bergsturz Plurs 1618, aus: TE, 3. Aufl., Bd. 1, 1662 [Tafel nach S. 96], auch: TE, Bd. 1, 1635, [Tafel nach S. 114].
  • Abb. 13: Thomas Cole: The Oxbow, Connecticut River near Northampton, 1836.
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