Einführung

Elias Ashmole: Theatrum Chemicum Britannicum
Stefan Laube

1. Titel
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Theatrum Chemicum Britannicum. Containing Severall Poeticall Pieces of our Famous English Philosophers, who have written the Hermetique Mysteries in their owne Ancient Language. Faithfully Collected into one Volume, with Annotations thereon, By Elias Ashmole, Esq. Qui est Mercuriophilus Anglicus. The First Part. London, Printed by J. Grismond for Nath: Brooke, at the Angel in Cornhill. MDCLII. London: Nathaniel Brooke, 1652. - Titelseite (Kupfertafel), 486 pag. S., zahlreiche Ill. (Kupfertafeln), 12°.

2. Verfasser
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Elias Ashmole (23. Mai 1617-18. oder 19. Mai 1692 in South Lambeth bei London) ist eine prominente Figur aus dem England des 17. Jahrhunderts. Er stammte aus bescheidenen Verhältnissen und stieg zu einem bekannten Wissenschaftler, Rechtsanwalt, Alchemisten, Astrologen und Antiquar auf, wobei ihm eine Serie vorteilhafter Heiraten die nötige materielle Unabhängigkeit verschaffte. Das Spektrum seiner Interessen war weit gespannt, es reichte von Jurisprudenz und Geschichte über Archäologie, Heraldik und Numismatik bis zu Mathematik, Astronomie, Medizin, Chemie, Naturgeschichte und Botanik. Ashmole verstand es, sich auf diesen disparaten Feldern als Autorität zu Wort zu melden. „He was the greatest virtuoso and curioso that ever known or read of in England before his time.“ (Josten 1968, unpag.), so die begeisterten Worte seines Sammlerkollegen Anthony Wood (1632-1695). Insbesondere war Ashmole ein leidenschaftlicher Sammler und Antiquar mit einer ausgeprägten Baconschen Neigung zur Naturkunde. Die Universität von Oxford verlieh ihm den Doktorgrad in Medizin.

Von Elias Ashmole ist einiges bekannt, nicht zuletzt weil autobiographische Notizen, die er sich zu astrologischem Zwecken zusammenstellte, überliefert sind. Im Jahr 1646 beteiligte er sich mit dem Astrologen William Lilly (1602-1681), dem Arzt Thomas Wharton (1614-1673), dem Mathematiker William Oughtred (1574-1660) und anderen am Austausch wissenschaftlicher Erkenntnis. Aus Ashmoles Tagebüchern ist bekannt, dass er am 16. Oktober 1646 Mitglied einer Freimaurerloge in Warrington (Lancashire) wurde; er wird neben Robert Moray (1609-1673) als einer der ersten spekulativen Maurer bezeichnet.

Ashmoles Werke zur Alchemie fördern wertvolles Material für Philosophie- und Wissenschaftshistoriker zu Tage. 1650 hatte Ashmole in London unter dem Pseudonym James Hasolle (Anagramm von Elias Ashmole) sein erstes Buch über Alchemie publiziert. Es trägt den Titel Fasciculus Chemicus und enthält vorbildliche Übertragungen aus dem Lateinischen aus dem gleichnamigen Werk von Arthur Dee (1579-1651) sowie aus Arcanum Hermeticae Philosophiae (Paris, 1623) von Jean d’Espagnet (1564-1637).

Es ist bekannt, dass Ashmole von William Backhouse (1593-1662), der in Swallowfield bei Reading ein aus Raritäten und Erfindungen bestehendes Kabinett besaß, in die Geheimnisse der Alchemie eingeweiht wurde. Ashmole nannte ihn „Father Backhouse“, nachdem er von ihm als sein spiritueller Sohn adoptiert worden war. Als Ashmole 1651 die Prolegomena seines Theatrum Chemicum Britannicum zu schreiben begann, konnte er das Wissen, dass er als Schüler von Backhouse verinnerlicht hatte, einfließen lassen. Backhouse trug zu Ashmoles Theatrum Chemicum Britannicum unter dem Titel The Magistery ein Poem bei, das er 1633 geschrieben hatte. Unterzeichnet ist es nur mit seinen Initialen. Er ist wahrscheinlich einer von den zahlreichen „worthy and intimate friends“, die Ashmole mit Originalmanuskripten und authentischen Abschriften versorgten, damit sie in seinem Theatrum Chemicum Britannicum veröffentlicht würden, ohne dass sie dabei namentlich genannt zu werden wünschten. Zudem wird Ashmole von dem Bestand alchemistischer Manuskripte in der Bodleian Library in Oxford profitiert haben. Seine letzte Abhandlung zur Alchemie mit dem Titel The Way to Bliss wurde 1658 veröffentlicht. Danach schwindet sein Interesse an dieser Materie. Von jetzt an verschaffte sich Ashmole gegenüber seinen Verpflichtungen als Anwalt durch das Sammeln von Artefakten und Naturobjekten einen Ausgleich. Nachdem als überzeugter Royalist seine juristische Karriere im englischen Bürgerkrieg abrupt geendet war, konnte er nach der Restauration der Monarchie im Jahr 1660 wieder öffentliche Ämter bekleiden. Unter Karl II. (1630-1685) wurde er Windsor Herald und Chief Comptroller of the Excise. Um 1682 stiftete er der Universität von Oxford seine umfangreiche Sammlung von historischen Dokumenten und Raritäten, welche zu einem großen Teil von den königlichen Gärtnern John Tradescant – Vater (1570-1638) und Sohn (1608-1662) – stammte. Diese Sammlung ist im noch heute bestehenden Ashmolean Museum ausgestellt, einem der ersten Museen, das einer Universität angeschlossen und öffentlich zugänglich war.

Elias Ashmole war „a man of paradoxes“ (Hunter, S. 1). Lebhaft interessierte er sich für wissenschaftliche Entdeckungen und begrüßte neue experimentelle Methoden, gerade in den kryptischen Feldern von Astrologie und Alchemie. „Mysteries Incommunicable to any but the Adepti, and those that have been Devoted even from their Cradles to serve and wait at this Altar“ (Prolegomena, unpag. [S. 9]) waren für ihn Bestandteil einer rational verfassten Wissenschaft. Seine optimistische Einstellung zur künftigen Entwicklung der Naturwissenschaften verband sich mit seiner Überzeugung, dass wissenschaftlicher Fortschritt durch astrologisches und alchemistisches Wissen stimuliert werden könne. In seinem Theatrum Chemicum Britannicum beklagt er sich darüber, dass Astrologie durch dilettantische Praxis in Verruf geraten sei (S. 453). Das Gründungsmitglied der Royal Society soll als Amulett drei Spinnen ständig bei sich getragen haben, um sich vor Sumpffieber zu schützen (Thomas, S. 224). Im September begann Ashmole, seine Träume schriftlich zu fixieren; Traumberichte, die auch Carl Gustav Jung (1875-1961) beurteilen sollte (Josten 1966, Bd. 1, S. 29).

3. Publikation
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3.1. Erstdruck
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Die Abhandlung erschien 1652 erstmals in London bei Nathaniel Brooke in Cornhill.


Standorte des Erstdrucks

3.2. Weitere Ausgaben
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3.2.1. Neueditionen
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Mit einer Einführung von Allen G. Debus. New York, London: Johnson Reprint Corporation 1967.

Mit einer Einführung von Curt Hermann Josten. Hildesheim: Georg Olms Verlag 1968.

Teilreprint: The Ordinall of Alchimy. By Thomas Norton by Bristoll. Being a facsimile reproduction from Theatrum Chemicum Britannicum with annotations by Elias Ashmole. With Introduction by E. J. Holmyard. London: Edward Arnold 1928.

3.2.2. Mikroform-Ausgabe
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Ann Arbor (Mich.): University Microfilms International 1977 (Thomason Tracts; 100:E.653[1]).

3.2.3. Digitale Ausgaben
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4. Inhalt
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Bei dieser Abhandlung handelt es sich um eine Anthologie poetischer Traktate zur Alchemie. Die Leistung des Autors besteht darin, dass er Abhandlungen veröffentlichte, die zuvor als privat aufbewahrte Manuskripte kaum zugänglich waren. Sowohl die Prolegomena als auch die ausführlichen Anmerkungen (S. 437-486) bezeugen Ashmoles Horizontweite, wobei sein Enthusiasmus für die Alchemie nie so weit ging, sein kritisches Gespür für die Aufdeckung historischer Fakten zu verdunkeln. Ashmole wandelt in seiner Abhandlung auf dem schmalen Grat zwischen Arkanum und Transparenz, Verbergen und Offenlegung: „I must professe I know enough to hold my Tongue, but not enough to Speake; and the lesse Reall then Miracolous Fruits I have found in my diligent enquiry into these Arcana, lead me on to such degrees of Admiration, they command Silence, and force me to lose my Tongue.“ (Prolegomena., unpag., [S. 5f.]) Wie das Jahrzehnte zuvor bei Lazarus Zetzner in Straßburg anonym erschienene Theatrum Chemicum (1613-1622) verknüpft auch Ashmole die verschiedenen hermetisch-arkanen Zugänge zur Natur durch die Metapher des Theatrum, die sich aus Überblick und Transparenz speist. Überzeugt von der inneren Einheit allen Wissens, verknüpft Ashmole die physische mit der spirituellen Welt. In den „Prolegomena“ lobt er den wahren Philosophen, der die Weisheit mehr liebe als das Gold. Das eigentliche Thema der Alchemie ist unverstellte, zum Kern vordringende Naturerkenntnis. Die Natur muss man nach Ashmole erforschen, um etwas über die verborgenen Kräfte zu erfahren, damit auf diese Weise fundierter Gott gepriesen werden könne. Gewissenhafte Studien und eindringliche Meditationen über alte alchemistische Traktate könnten ewige Wahrheiten aufdecken, die uns näher zu Gott bringen. Dieser Glaube an eine aufzudeckende, allumfassende Urwahrheit aus der fernen Vergangenheit war von den Schriften inspiriert, die Hermes Trismegistos zugeschrieben werden.

Gegenüber der alchemistischen Kernfrage, wie man zum Stein der Weisen gelangen könne, nahm Ashmole eine eher abwartende Haltung ein. Wenn er auch die Umwandlung von Metallen zu Gold mit Hilfe des Lapis philosophicum für eine unbestrittene Tatsache hielt, warnte er zugleich davor, dies zum wichtigsten Ziel alchemistischer Tätigkeit zu erheben. Weitaus bedeutender sei es, durch eine Manipulation der Natur Krankheiten zu überwinden und Kontakt mit der spirituellen Ebene aufzunehmen. Neben dem Lapis philosophicum zeigte Ashmole auch Interesse für andere Steine rein magischer Wirkung, wie den Lapis anglicus, mit dessen Hilfe man sein Leben verlängern, Geister herbeizitieren, ohne Zeitverlust weit entfernte Gegenden erreichen oder hellsehen könne. Ashmole veröffentlichte sein Theatrum Chemicum Britannicum unter seinem Namen mit dem Zusatz Qui est Mercuriophilus Anglicus, er betrachtete sich also als eine Verkörperung der Einflüsse, die dem Planeten Merkur zugeschrieben wurden und damit als eine Person, die prädestiniert zum Adepten sei. Wenn sich Ashmole auch zweifellos für einen Adepten hielt, war er doch realistisch genug, seine Kompetenz nicht zu überschätzen. Er hatte keineswegs eine praktische Anweisung der alchemistischen Kunst im Sinn. Ashmole verstand sich eher als ein Sammler alchemistischer Abhandlungen und weniger als jemand, der die Alchemie tatsächlich praktizierte.

Auf der Titelseite ist von The First Part die Rede. In seinen „Prolegomena“ kündigt Ashmole seine Absicht an, einen zweiten Band zu veröffentlichen, in dem er Prosatexte in den Mittelpunkt stellen wollte. Zudem fordert er darin die Besitzer unveröffentlichter englischer alchemistischer Manuskripte auf, mit ihm in Verbindung zu treten. Dieser Band sollte aber nie erscheinen. Im Vorwort von The Way to Bliss (1658), seiner dritten und letzten alchemistischen Abhandlung, erklärt Ashmole das mit seinen Verpflichtungen als Jurist.

Der Band umfasst 40 Texte, die zeitlich von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zum zweiseitigen Magistery von W.B. [William Backhouse] im Jahre 1633 reichen. Ashmole unternimmt keinen Versuch, die Texte chronologisch zu ordnen und sprachlich zu bereinigen, so dass der Leser sich immer wieder umstellen muss, vom mittelalterlichen Englisch zu den Sprachgepflogenheiten in der Renaissance und umgekehrt. Am Ende fügt Ashmole ein Glossar bei, in dem archaische Termini kurz übersetzt werden. Viel Platz räumt der Herausgeber den beiden berühmten englischen Alchemisten Thomas Norton (1433-1513) und George Ripley (1415?-1490) ein. Im „Proheme“ (S. 6-11) von Nortens „Ordinall“ (S. 1-106) steht, ein Adept müsse diesen Text mindestens zwanzigmal verständig lesen. Alchemistische Texte zeichnen sich eben dadurch aus, dass sie ihre Inhalte äußerst verschlüsselt preisgeben. Ihr Stil ist ebenso mystisch wie allegorisch. Kaum minder einflussreich in seiner Wirkung war Sir George Ripleys „Compound of Alchemy“ (S. 107-193). Ashmole sah in Ripley einen authentischen Adepten. So habe derselbe 1471 alle seine früheren Schriften mit der Begründung vernichtet, erst jetzt zur definitiven Erkenntnis des wahren Steins der Weisen gelangt zu sein (S. 455-459). In Ashmoles Kompendium sind folgende Texte enthalten:

5. Bildgehalt
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Die Signatur „Ro: Vaughan. Sculp“ auf vielen Kupferstichen belegt, dass sie von Robert Vaughan (1600-1664) stammen. Insbesondere der längste Text im Buch, Nortons „Ordinall of Alchimy“, zieren Kupferstiche dieses viel beschäftigten Kupferstechers aus Wales. Sie gelten als die frühsten Reproduktionen von Miniaturen mittelalterlicher Handschriften (Josten 1968, unpag.). Von Bedeutung sind zum Beispiel die Stiche auf den gegenüberliegenden Seiten von 13, 45 und 50. Das erste Bild zeigt architektonisch eingefasst eine zentrale Szene zwischen Adept und Meister: die alchemistische Adoption. Auf der zweiten Illustration sind auf einer Balustrade im Obergeschoss die bedeutendsten Alchemisten der Vergangenheit – Geber, Arnold von Villanova, Rhazes und Hermes Tresmegistosrs> – dargestellt, während sich im Untergeschoss der alchemistische Nachwuchs in Experimenten versucht. Gegenüber S. 50 ist das Laboratorium eines Alchemisten dargestellt. Während dieser gerade über die Mysterien der Natur nachdenkt, vollziehen seine beiden Assistenten manuelle Operationen. Eine Waage unter einen Glassturz verweist auf quantitative alchemistische Experimente. Von den übrigen Stichen, die Vaughan beigesteuert hat, fällt besonders die allegorische Repräsentation des Universums auf, bestehend aus dem Schöpfer, dem Himmel, der Erde und der Hölle gegenüber S. 211 (Debus, S. XVIII, Anm. 64). In seiner Komposition erinnert sie an christliche Darstellungen des Jüngsten Gerichts. Auch astrologische Diagramme sind Gegenstand der Abbildungen (gegenüber S. 90, S. 479, ausklappbar gegenüber S. 117). Kleinere Abbildungen zeigen ein schlangenartiges zweiköpfiges Ungeheuer (S. 212), deren ineinander verschlungene lange Hälse die duale Einheit der Prinzipien versinnbildlichen sollen, wobei ein Drachenkopf zum weiblichen Mond, der andere zur männlichen Sonne weist. Dieses ambivalente Wesen wird als „Schlange aus Arabien“ auf Georgs Ripley zurückgeführt und ist auf S. 379 nochmals dargestellt. Zahlreiche Bilder werden durch Schriftbänder als eine Art Sprechblase näher erläutert. Alle Kupfertafeln sind durch eine friesartige Bordüre eingefasst, auf der Pflanzen und Tiere dargestellt sind.

6. Kontext und Klassifizierung
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Ashmoles 1652 veröffentlichtes Theatrum Chemicum Britannicum ist eine Sammlung alchemistischer Gedichte in englischer Sprache. Dies Anthologie fügt sich ein in die Reihe anderer Kompendien alchemistischer Quellen, wie das am Ende sechsbändige, bei Lazarus Zetzner in Straßburg gedruckte Theatrum Chemicum (1659-1661, zuerst in 3 Bänden 1602), die von Johann Jacob Manget (1652-1742) herausgegebene Bibliotheca Chemica Curiosa (2 Bde., Genf 1702) oder das Musaeum Hermeticum Reformatum et Amplificatum (Frankfurt/Main 1678) bzw. das von Friedrich Roth-Scholtz (1687-1736) kompilierte Deutsche Theatrum Chemicum (3 Bde., Nürnberg 1728, 1730, 1732). Ashmoles Kompendium erscheint vom Titel her wie eine Ergänzung zum ausführlicheren kontinentalen Theatrum Chemicum bei Zetzner mit dem Ziel, den englischen Beitrag auf diesem Gebiet zu verdeutlichen.

Der Blick ins Innere von Materialien fungiert seit jeher als Motor von Imagination und Erkenntnisdrang, gerade in einer Zeit, als sich der Mensch im Mittelpunkt eines neoplatonisch gefärbten Kosmos wähnte. Gegenüber den Abschirmungsstrategien der wissenschaftshistorischen Forschung des 19. und 20. Jahrhunderts, die den Gegensatz von einer rückwärtsgewandten Alchemie und einer modernen, fortschreitenden Wissenschaft herausstellte, vermitteln jüngere Forschungen ein differenzierteres Bild (Greyerz, Webster). Isaac Newton (1642-1727) ist nur das prominenteste Beispiel für einen Naturwissenschaftler, der sich zugleich als Alchemist verstand. Das alchemistische Weltverständnis war ebenso experimentell wie spekulativ. Im Rückblick scheint sich im alchemistischen Zugang ein notwendiges Übergangsstadium zu konstituieren, das einen direkten und unverstellten Kontakt zu den Dingen anstrebt, woraus sich später die empirisch, induktiv voranschreitende moderne Wissenschaft entfalten konnte.

Kopp bezeichnet in seinem Handbuch zur Geschichte der Alchemie Ashmoles Abhandlung als ein Theatrum„in particularistischer Weise“ (S. 342), da es nur Schriften britischer Alchemisten beinhalte. Ashmole nimmt in der Tat ausschließlich britische Schriften auf, betont aber nicht ohne nationalem Stolz, dass er damit ein pars pro toto schaffen würde, denn: „no Nation hath written more, or better“ (Prolegomena., unpag. [S. 2]). Die Werke englischer Alchemisten seien so berühmt, dass ausländische Scholaren extra nach England reisten, um die Schriften vor Ort zu studieren. Tatsächlich verfügte England über exzeptionelle Autoritäten auf dem Feld der Alchemie. Eine der ersten Übersetzungen eines alchemistischen Textes ins Lateinische wurde in Spanien von dem Engländer Robert of Chester geleistet (1144). Ein Jahrhundert später sprach Roger Bacon (1214/20-1292) von der Alchemie als eine der wichtigsten Wissenschaften (Debus, S. XVIII).

7. Rezeption
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Das Theatrum Chemicum Britannicum ist deswegen entstanden, weil sein Autor davon ausgeht, dass die Werke englischer Alchemisten in England viel zu wenig bekannt seien; eine Folge der Glaubenskämpfe übrigens. Alchemistisches Wissen blühte im Mittelalter auch in England vor allem in Klöstern, dortige Quellenfunde wurden nicht selten sogleich als „papistisch“ und „teuflisch“ denunziert und einer eingehenden Auseinandersetzung nicht für würdig befunden (Debus, S. XXXII).

Den Lektürewünschen interessierter Laien kam er nicht nur durch die Sammlung von seltenen handschriftlichen Texten, sondern vor allem durch seine Annotationen sowie durch die Erstellung eines Glossars entgegen. Ashmoles Werk wurde naturgemäß in alchemistischen Kreisen hoch geschätzt. Auch Isaac Newton studierte das Werk lebhaft und verbrachte viel Zeit, den Stein der Weisen zu suchen, wie er in der Prolegomena von Asmoles Theatrum beschrieben ist.

Ashmoles Hingabe an die Studien der Natur als Mittel spiritueller Erleuchtung musste zahlreiche Zeitgenossen ansprechen. Keith Thomas hat darauf hingewiesen, dass in England in keiner Zeitspanne so viele Bücher über Alchemie erschienen sind, wie zwischen 1650 und 1680 (S. 270). Eine Renaissance um die Lebensleistung Ashmoles vollzog sich Mitte des 20. Jahrhunderts, als es dem Wissenschaftshistoriker und deutsch-britischen Juristen Curt Hermann Josten (1912-1994) gelang, den Code, in dem der berühmte britische Antiquar und Gelehrte Tagebücher und persönlichen Aufzeichnungen verschlüsselt hatte, aufzudecken. Nach jahrelanger Dechiffrierungs- und Edierungsarbeit konnte das Gesamtwerk Ashmoles 196 in fünf Bänden erscheinen (Oxford University Press).

8. Bibliographische Nachweise und Forschungsliteratur
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