|| [a 2r:] Den Ehrwürdigen, würdigen, hoch- vnd Wolgelehrten Herrn Profes-
sorn, Theologen, Superintendenten, Pastorn vnd Dienern der Kirchen vnnd
Schůlen in Sachsen Wünschen Die Professores, Theologen, Superintenden-
ten, Pastorn vnnd Diener der Kirchen vnd Schůlen im Hertzogthumb Wür-
(5)temberg etc. Gnad, Frid in Christo vnd bestendige einigkeit in der reinen,
einmal erkannten vnnd bekannten warheit Gttlichs Worts.
Ehrwürdige, würdige, hoch- vnd Wolgelehrte, sonders liebe Herrn vnd Bruͤ-
der, ewer „widerholte, christliche, einhellige, gemeine Confession vnd er-
klrung, wie in den Schsischen Kirchen vermg der heiligen Schrifft vnd
(10)Augspurgischen Confession nach der alten Grundfeste1 D. Lutheri wider die
Sacramentierer von dem || [a 2v:] heiligen Abendtmal deß Herren, von der per-
snlichen vereinigung beeder Naturen in Christo, von seiner Himmelfart vnd
sitzen zur Rechten Gottes gelehret würdt, jetzund repetirt vnd publicirt zum
Bericht, Warnung vnnd widerlegung von wegen ettlicher newen, euch
(15)genachparten Theologen außgesprengten Buͤchern, darinnen sie der Sacra-
mentierer Sprach, Lehr, meinung vnd Grundfeste in die Kirchen der Augs-
purgischen Confession vnder einem frembden schein sich vnderstehen einzu-
schieben“,2 haben wir empfangen vnd gelesen vnd dancken zuuorderst dem
Allmechtigen Gott vnd Vatter vnsers Herren Jesu Christi von Hertzen, das er
(20)jme zů disen letsten zeitten in der jmerlichen zerrittung seiner Kirchen noch
ettlich vnd darzů nicht wenig reine trewe Lehrer seines Worts erhalten, wl-
che einhellig vnd bestendig bey der einmal durch D. Luthern seligen als den
ausserwlten Werckzeug Gottes widerumb an das Liecht gebrachten warheit
Gttlichs Worts, rechten Glauben vnd Bekanntnuß von den hochwirdigen
(25)Sacramenten vest vnnd steiff verharren, inmassen3 jetztgemelte ewere repe-
tirte vnnd publicirte || [a 3r:] vnd von souil namhafften Schůlen vnnd Kirchen
vnderschribne einhellige Confession vnnd Erklrung lautter außweiset, in
wlcher nichts dunckel, nichts verschlagen, nichts auff schrauffen gesetzt4 –
wie zů vnsern zeiten die heimliche Zwinglianer pflegen zu reden vnnd zu
(30)schreiben, die jren Vnglauben, den sie im Hertzen haben, weder mit dem
Mund noch mit der Federn nach der zeit offentlich bekennen derffen –, son-
der fein rund, lautter, hell vnd klar auff gůt Lutherisch, wie deß heiligen
Geists art ist, die einfltig bestendig Christlich Lehr von oberzelten hohen
Articuln vnser Christlichen Religion vnd Glaubens dargethon vnd erklret,
(35)mit heiliger Gttlicher Schrifft, der lieben Vtter vnnd alten Kirchenlehrer
einhelligen Zeugnussen bestetiget, daß wer lust vnnd liebe hat, die einfeltig
Warheit zu erkennen, billich weitter nicht forschen noch fragen solt.
Wir bedancken vns auch gegen Euch von wegen vnser5 vnd vnser Kirchen
gantz freündtlich vnd bruͤderlich, nachdem euch beides, durch offentliche
Schrifft vnd mündtlichen Bericht vnser vnnd vnserer Kirchen vnschuld wol
bekannt, daß jr wider die beschwerliche, lsterliche, vn- || [a 3v:] gegründte vnd
(5)vnerfündtliche Aufflagen, darmit ettliche ewer Nachpaurn6 newe Theologena
vnsere Kirchen vnnd vns vor der gantzen Christenheit so viler grewlicher,
erschrockenlicher vnd flschlich vns auffgedichter jrrthumben halben offent-
lich außgerůffen, vns so freündtlich, bruͤderlich vnd Christlich endtschuldiget
haben, sonderlich aber den thewren Mann Gottes vnnd getrewen Diener
(10)Christi weyland Herrn Johann Brentzen seligen, vnsern lieben Vatter vnd
Praeceptorn, wlcher vmb die Kirchen Gottes so wol vor vilen andern ver-
dienet vnnd gleichwol erst nach seinem seligen absterben mit sollichen
grewlichen Ketzereien – wiewol gantz vnbillich7 vnd Gottlob vnschuldig –
beschweretb worden, deren keiner jhne bey seinem Leben einicher recht-
(15)schaffner Lehrer der Augspurgischen Confession zůgethon jemals verdacht
noch vil weniger beschuldigt hat. Dann obwol vnder ettlichen Theologen
Namen ein Schrifft doch nicht getruckt wider ermelten8 Brentzenc hin vnd
wider heimlich eingeschoben,9 jedoch als sie derwegen ernstlich angeredt
worden, sich zů ermelter Schrifft nicht bekennen wllen vnnd also den
(20)thewren Mann erst || [a 4r:] nach seinem Todt offentlich angegriffen,10 den sie
im Leben nicht hetten frich ansehen derffen, wlchem Doctor Luther
seliger ein sollich herrlich Zeugnuß gegeben, das er die Gaben deß heiligen
Geists in erklrung der heiligen Schrifft disem Mann verlihen nicht gnůgsam
rhuͤmen knden.11 Jn dessen Fůßstapffen der Herr Brentz seliger getretten
(25)vnnd die reine Lehr von deß Herren Abendtmal eben auß dem grund
ritterlich vertheidiget, den Doctor Luther seliger wider der Zwinglianer
Jrrthumb gelegt vnnd allein der vrsach durch seine, Doctor Luthers vermein-
te Discipeln, die newen Theologen, die es billich nicht thůn sollen, so
vnfreundtlich empfangen vnd gehandelt worden, wlche der offentlichen
Zwinglianer mit einem wort nicht gedencken, derselben auch nicht allein mit
(5)Stillschweigen verschonen, sonder auch jren vermeinten Grund vnd verkerte,
falsche, ktzerische außlegung der Articul vnsers Christlichen glaubens
bestehtigen, dargegen Doctor Luthers erklrung vnnd gegengesetzten Grund
offentlich vnd ohne schewe als ein grewliche vnnd Gotslsterliche Ktzerey
verdammen vnd allen Zorn || [a 4v:] vber den vnschuldigen, abgestorbnen
(10)Brentium vnd seine getrewe Mitgehülffen außstossen. Vnnd wllen demnach
in keinen Zweiffel setzen, sollich ewer warhafftig Zeugnuß von dem Herrn
Brentzen seligen vnd vns werde bey allen frommen, gůthertzigen vnnd
auffrichtigen Christen vil ein grsser ansehen haben, wlche mit deß Herrn
Brentzen seligen offentlichen, christlichen Schrifften vbereinstimmet, denn
(15)der newen Theologen vngegründte Lsterung vnnd Calumnien, so weder
auff jne noch vil weniger auff seine Lehr, die er von anfang biß in sein
Grůben hinein einhellig, bestendig vnd vnuerendert von disem Articul
gefuͤret (inmassen seine Schrifften außweisen), nimmermehr mgen erwisen
werden.
(20)Wiewol wir nun als solliche ewere vilgedachte Christliche Confession vnd
Declaration offentlich außgangen, gntzlich dafür gehalten, das es vnntig
zů vnser selbst vnnd vnser Kirchen entschuldigung, dise Schrifft, so wir all-
bereit vnnd vorlangst zů widerlegung sollicher beschwerlichen Calumnien
verfasset, dem Christlichen Leser durch den Truck mitzutheilen. Jedoch,
(25)nachdem nicht allein jr in ermelter ewer || [b 1r:] repetirten Confession12 sol-
lichs von vns erfordert, sonder auch hin vnnd wider durch der Schwbischen
vnnd Oberlndischen Kirchendiener, vnser freundtliche liebe Bruͤder, so
Gottlob mit vns in allen Articuln vnser Christlichen Religion Augspurgischer
Confession einig, wir vilfltig mündtlich, schrifftlich erinnert, gebetten vnd
(30)ernstlich vermanet worden, das wir vmb der ehr Christi vnnd seiner Kirchen
willen der warheit zum Zeugnuß auff vns vnnd vnsern Kirchen dise be-
schwrliche, so viler namhaffter, grober, erschrockenlichen, verdampter Ket-
zereyen beschuldigung, als namlich der Arrianer, Sabellianer, Samosatener,
Martioniten, Eutychianer, Nestorianer, Monotheliten, Seruetianer, Schwenck-
(35)feldianer etc. nicht wllen ligen lassen, haben wir sollichs lenger nicht ver-
waigern noch einstellen sollen.
Darmit aber der Christlich Leser vnnd meniglich13 sehen vnd im Werck spü-
ren vnd greiffen mge, das es nicht vmb vnser eigen ehr zu thůn, noch ettwas
auß fleischlicher affection, menschlicher Rachgirigkeit oder liebe zu zancken
(40)durch vns vorgenommen, haben wir gleicher gestalt sollichs auch allein Con-
-
fessionsweiß || [b 1v:] verrichten vnd vns mit den Personen, so vns ohn alle
vrsach vnuerschuldt vnd vnuerdienet so beschwerlich angegriffen, nicht ein-
legen, sonder allein der Gttlichen warheit vnd der sachen selbst annemen
wllen, darumb es dann auch der Kirchen Gottes fürnemlich zu thůn vnd, da
(5)derselben geholffen, die Personen zů seiner zeit jren bescheid auch finden
werden, vnd setzen demnach in keinen Zweifel, da die hohe Oberkeit der ort
vnd enden, auß wlchem diß laidig new Ergernuß wider alle vilflltige,
freündtliche, gebürliche, gesůchte Mittel, bruͤderliche erinnerung, ernstliche
vermanung, bitt vnd flehen endtstanden, deß Grunds der warheit bericht
(10)vnnd in erfahrung bringen, wlcher gestalt ettliche derselben Theologen im
finstern mausen14 vnd mit den offentlichen Zwinglianern vnder der Decken
ligen, sie werde die gebürende weg an die hand nemen, darmit daselbsten die
Kirchen vnnd Schůlen widerumb purgiert,15 das schdlich Ergernuß abge-
schaffen vnnd Christliche Einigkeit mit den genachparten Kirchen nach der
(15)alten Grundfeste D. Luthers vnder den Lehrern gepflantzet vnnd bestendig
erhalten werden mge. || [b 2r:] Wie wir dann auch gentzlich verhoffen vnd
zum gůtten theil wissen, das daselbsten noch vil reiner rechtgeschaffner Leh-
rer befunden, wlche ab ettlicher wenigen, deß Zwinglischen Jrrthumms ver-
dchtigen Theologen handlungen gar kein gefallen haben, sonder darüber
(20)seufftzen vnnd sich nicht allein zů den Lehrschrifften – wie die heimliche
Zwinglianer der ortten offentlich thůn –, sonder auch vnd fürnemlich in di-
sem handel zů den Streittschrifften D. Luthers mit Hertzen vnnd Mund be-
kennen, in wlchen Doctor Luther solliche Lehr gleich anfangs, nachdem
sich die Zwispalt durch die Zwinglianer erhebt vnd hernach in seinen Lehr-
(25)schrifften, Predigen vnd freundtlichen Gesprchen biß an sein ende einhellig,
gleichfrmig, bestendig vnd vnuerendert gefiert vnd mit grossem ernst vnnd
eyffer getriben hat, inmassen seine vilflltige, ernstliche vermanungen vnd
warnungen außweisen, so zum theil diser vnser Schrifft an seinem ort einuer-
leibt sind. Wie dann auch kein fürnemer Lehrer Augspurgischer Confession,
(30)so mit D. Luthern gelebt oder nach seinem absterben wider die Zwinglianer
geschriben, einichen mangel oder Bedencken an gedachten D. Lu- || [b 2v:]
thers Streitschrifften gehabt, die es denn vnuermeldet vnd vnangezeigt nicht
gelassen, da solliche verdampte, grewliche Ketzerey darhinder gesteckt, wl-
che den abgestorbnen D. Luther vnd D. Brentzen seligen vnd vns erst von
(35)ettlichen newen Theologen zůgemessen werden.
Dise vnser widerholte Erklrung, ob wir sie wol allein den Kirchen zur erin-
nerung, Lehr, Trost vnd Warnung geschriben, so auß lautter einfalt in jrem
Glauben durch die heimliche Zwinglianer bald mchten jrr gemacht werden,
haben wir doch darumb besonders Euch, vnsern lieben Herren vnd Mittbruͤ-
(40)dern, zůschreiben wllen, auff das die gantz Kirch Gottes ein offentlich
Zeugnuß hette, das wir mit ewer Lehr, Glauben vnd Bekantnuß wie in allen
also auch in disen Articul vnser Christlichen Confession einig, wie denn
auch jr hinwiderumb gegen vnsern Kirchen, derselben Lehr, Glauben vnd
Bekantnuß Euch gantz Christlich vnd einhellig erklret, vnd wir nicht weni-
(5)ger als jr wol gesinnet weren, souil an vns vnnd mit gůttem gewissen gesche-
hen kndte, alle weitleuffige Disputation abzuschneiden d wol geneigt,d wl-
che nicht wir verursachet oder erst angefangen, sonder || [b 3r:] wie D. Luther
seliger beklagt, durch die Zwinglianer erreget, die vns mit Gwalt wider vn-
sern Willen darein gefiert haben, sunst wlten wir vns an der einfalt vnsers
(10)glaubens wol haben geniegen lassen. Wie vns dann deßhalben vnser Kirchen
vnd meniglich, der vmb vnd bey vns ist vnd vnsere predigen hret, gern
Zeugnuß geben werden, das wir vnsere Zůhrer nicht auff hohe, spitzige, vn-
notwendige fragen, sonder auff die einfeltige wort deß Testaments Christi
weisen vnd vermanen, das sie dieselbige einfeltig glauben, nicht darinn mit
(15)der Vernunfft griblen noch sie anderst verstehn dann wie sie lautten. Das wir
aber wider die Zwinglianer auß den Articuln vnsers Christlichen Glaubens
biß daher disputirt, ist darumb geschehen, weil die Zwinglianer fürgeben,
vnser Glaub vnd Bekanntnuß von der warhafftigen gegenwertigkeit deß
Leibs vnnd Blůts Christi im H. Abendtmal, wie D. Luther vnnd wir biß daher
(20)getriben, knde nicht e neben dem Articul von der Himmelfart Christi beste-
hene, haben wir D. Luthers Exempel nach, wie dann er vor vns außfierlich
gethon, nothalben antworten vnd || [b 3v:] durch grundtliche erklrung anzei-
gen muͤssen, das vnser einfeltiger Glaub vnd Bekanntnuß vom H. Abendtmal
wider kein Articul vnsers Christlichen Glaubens seie.
(25)Nachdem nun D. Luther sollichs gwaltig erwisen vnnd darbey angezeigt, das
gedachte Articul des Glaubens der warhafftigen gegenwertigkeit deß Leibs
vnd Blůts Christi nicht allein nicht vmbstosse, sonder dieselbige vilmehr
bestetigen, wie sollichs in erklrung der Articul von der personlichen verei-
nigung beider Naturen in Christo vnnd deß sitzen zur Rechten der Maiestet
(30)vnd Krafft Gottes vnwidersprechlich dargethon. Dagegen aber auff die
Zwinglianer klarlich erwisen, das sie den rechten Verstand vilgedachter Arti-
cul vnsers Christlichen Glaubens verkeren vnd den Arrianern wie auch an-
dern Ketzern den Weg beraitten, springen sie widerumb hinder sich vnd ge-
ben vnuerschambt für, solliche Articul deß Glaubens gehren gantz vnnd gar
(35)nicht zum handel von deß Herrn Abendtmal, sollen auch nicht darein gezo-
gen werden, vnnd schreien vber vns, es seie nicht mehr vmb die warhafftige
gegenwertigkeit deß Leibs vnd Blůts Christi, sonder allein || [b 4r:] vmb die
vbiquitet zu thůn, ob der Leib Christi leiblicher weise mit der Gottheit in alle
ort außgespannen, wlche allein von jnen erdichte vbiquitet doch wir zumal
ye vnd allwegen verworffen vnd verdampt haben, wie alle vnser Schrifften
außweisen.
Darzů jnen die heimliche Zwinglianer helffen, die noch der zeit sich nicht
offentlich zů jrem Jrrthumb von deß Herren Abendtmal auß forcht der Herr-
(5)schafft derffen bekennen, denselben aber auch nicht, wie sich gebüret, fein
rund verwerffen vnd verdammen, sonder die Leut so lang auffhalten, biß sie
ohne schew herauß fahren16 vnd bekennen derffen, was sie im Hertzen lang
verborgen haben, mittler zeit aber in erklrung der Articul vnsers Christli-
chen Glaubens von der Person Christi, seiner Himmelfahrt vnd sitzen zur
(10)Rechten Gottes sich so grob in jrer vermeinten Grundtfeste vernemen lassen,
das sief dardurch beweget vnd der vrsach in ewer widerholten Confession
recht vnd wol geschriben, wlcher der Zwinglianer meinung von oberzelten
Articuln, namlich von der personlichen vereinigung beider Naturen in Chris-
to, von seiner Himmelfart vnd sitzen zur Rechten Gottes billiche, darauff || [b 4v:]
(15) die Zwinglianer den grund jres Jrrthumms vom H. Abendtmal gesetzt
vnd wider Doctor Luther auff das hefftigest gestritten, dargegen aber D. Lu-
thers erklrung wider die Zwinglianer, in seinen Predigten vnd g Streitschriff-
ten verfasset,g widerspreche, das derselbig nimmermehr von deß Herren
Abendtmal recht glauben knde. Derhalben, wie wir mit allen denen einig
(20)sind vnd durch Gottes Gnad auch bleiben wllen, wlche bey den einfeltigen
worten deß Testaments Christi verharren vnd dieselbige einfeltig verstehn
wie sie lautten, also knden vnd wissen wir hinwiderumb mit denjenigen,
solang sie auff jrer meinung verharren, vns nimmermehr zu vergleichen,17
die wol mit worten fürgeben, sie bleiben auch bey den einfeltigen worten
(25)Christi, gleichwol aber darneben der Zwinglianer vermeinten Grund billi-
chen, darauff sie jren Jrrthumb gesetzt vnnd darauß gestritten, das ein Christ
nicht bey dem einfeltigen Verstand der wort deß Testaments Christi bleiben
vnnd demnach dieselbige nicht wie sie lautten, sonder anderst verstehn solle,
vnd widersprechen, ja verdammen Doctor Luthers Gegengrund als ein Gotts-
(30)lsterung, darmit er der Zwinglianer || [c 1r:] vermeinten Grund vmbgestossen
hat, mit wlchem sie gnůgsam zů verstehn geben, das sie vom einfeltigen
verstand der worten Christi abgewichen vnnd der Zwinglianer verdampten
Jrrthumb mit Hertzen zugethon seien.
Das aber der vrsach Frid vnd Christenliche einigkeit an vns nicht erwinde,18
(35)die wir von hertzen gern alle vrsach verner trennung abschneiden vnd den
weg zur Christlichen vnd Gottgefelligen einigkeit beraitten wolten, wlche
da sie Gottgefellig vnd bestendig sein soll, nicht auff dunckele, zweifelhaffti-
-
ge vnd zweizüngige Wort, sonder auff ein runde, helle, deutliche erklrung
gestelt sein můß, so haben wir, darmit der mangel keinswegs an vns erschei-
ne, in diser Schrifft vns sonderlich beflissen, alle Wort, Puncten vnd Articul
deutlich vnd außfierlich erklren wllen – daher ettlich vrsach genommen,
(5)D. Luthers vnd vnser Lehr von der Maiestet deß Menschen Christi, wlche
ist deß H. Geists lehre, wider vnsern willen also vnguͤtlich zu verkehren –,
darmit so vil an vns ist, bey denen, so lust vnd liebe zů der warheit haben,
einicher mißuerstand in den worten verner nicht gefunden, sonder meniglich
wol vnd eigendtlich vernemen mge, was vnser Lehr, Glauben vnd Be- || [c 1v:]
(10)kantnuß seie, vnd das wir deren verdampten Ketzereien keinen zůgethon,
so vns vnuerschuldter weise zůgelegt, sonder dieselbige mit Mund vnd Hert-
zen verdammen, auch nichts news auß vnserm Kopff erdichtet, sonder die
reine einfeltig Lehr vnserer Kirchen wie allwegen vnuerendert getriben wi-
der die Zwinglianer auß bestendigem Grund Gottes Worts, wie getrewen
(15)Lehrern zůstehet, verantwortet, inmassen durch D. Luther seligen vnd nach
jme durch D. Brentium vnd andere vil fürnemmer Lehrer vnserer Kirchen
Augspurgischer Confession beschehen, wie derselben einhellige offentliche
zeugnuß diser vnser Bekanntnuß vnd erklrung zuende angehengt außwei-
sen, wlche wir auch der vrsachen in sollicher anzal setzen wllen, darmit
(20)wir ettlicher lesterungen begegnen, die ohn alles auffhren, doch ohne Grund
schreien, das besonders in disem Articul wie auch in andern vnser Augspurg.
Confession Puncten mehr kein Kirchendiener mit dem andern einig seie, vnd
setzen in kein zweifel, da dise vnser widerholte erklerung den andern Kir-
chen zůkommen, sie werden gleicher gestalt auch ewer, der Schsischen Kir-
(25)chen Exempel nach jren Christlichen Consens offentlichen bezeugen.
|| [c 2r:] Wir hoffen auch nicht weniger, nachdem nunmehr durch Gottes Gnad
die Göttlich warheit vnsers erachtens in diser vnser Schrifft deuttlich erklrt
vnnd gleich zum augenschein erwisen, das durch die Lehr von der warhaffti-
gen gegenwertigkeit deß Leibs vnnd Blůts Christi im H. Abendtmal, wie
(30)dieselbig biß daher in ewern vnnd vnsern Kirchen einhellig getriben vnd
gehalten, weder der Person Christi nach derselben beeden Gttlichen vnd
menschlichen Natur wie auch jeder eigenschafften nichts abgebrochen, die
Articul deß Glaubens in jrem einfeltigen, rechten, eigendtlichen verstand
vnuerruckt vnd vnuermengt bleiben, darzů wir auch die weise sollicher
(35)warhafftigen gegenwertigkeit seines Leibs vnd Blůts im H. Abendtmal nicht
erforschen noch vil weniger darüber streitten, sonder meniglich auff den
einfeltigen Glauben vnd Wort deß Testaments Christi weisen, wie sie denn
auch allein mit glauben angesehen vnd gefasset sein wllen vnd sich der
gantz handel allein an der menschlichen Vernunfft vnd jrem blinden verstand
(40)stosset, die sich doch in keinem Articul mit vnserm Christlichen Glauben
vergleichet, sonder in desselben gehorsam wider jren willen můß gefangen
werden.
Es sollen durch dise vnser einfltige erklrung der H. Schrifft, der || [c 2v:] lie-
ben Vtter Concilien vnd viler namhaffter Kirchen Augspurg. Confession
einhellig zeugnuß nit allein vil gůthertziger rechtglaubiger Christen in jrem
einfeltigen Glauben gesterckt werden, die in den worten Christi mit jrer Ver-
(5)nunfft nicht fürwitzig grüblen, sonder dieselbig einfeltig verstehn wie sie
lautten vnd nicht zweifeln, der solliche wort geredt, weil er zur Rechten der
Allmechtigen Krafft vnnd Maiestet Gottes gesetzt, vermg es auch zu thůn,
sonder es sollen auch durch Gottes gnad noch ettliche verfierte widerge-
bracht werden, das sie Gott die ehr geben vnd gleicher gestalt auch wie wir
(10)bey den einfeltigen worten deß Testaments Christi bleiben vnd alle flaisch-
liche vnd der blinden Vernunfft jrdische gedancken fallen lassen, mit wl-
chen das Gewissen nimmermehr zufriden gestelt werden kan. Die andern
aber, so in den gedancken jrer Vernunfft ertruncken vnd von dem Leib
Christi hher nicht glauben wllen, denn sie mit jrer Vernunfft begreifen
(15)knnen, muͤssen wir fahren lassen vnnd die Sach Christo beuelhen, dessen
sie eigen ist, der würdt sie auch wol wissen außzufieren. Demselben zur
Rechten der Maiestet vnnd Krafft Gottes seines Allmechtigen Vatters, euch
vnd ewer Kirchen sampt vns allen in sein gwaltigen vnd gndigen Schutz
vnd Schirm beuolhen.
|| [1:] Es sagt Dauid im Psalmen: „Jch halt frid, aber wann ich rede, so fahen
sie krieg an.“19 Diß hat auch Doctor Luther selig sampt seinen trewen mitge-
hülffen gleich im anfang des widergeoffenbarten Euangelij erfaren: Dann
nachdem der Allmchtig Gott durch jne als ein außerwlten Werckzeug den
(5)grewel der Bpstischen Meß geoffenbaret vnd von derselbigen die Leut auff
die einfeltige20 stifftung vnd rechten brauch des hochwürdigen Sacraments
des Leibs vnnd Blůts Christi gebracht, die einhellig darüber gehalten vnd
nach einfltigem verstandt der wort der einsatzung Christi geglaubt, daß
namlich im heiligen Abentmal, wlches ein Bandh des Christenlichen fridens
(10)sein solt, der Leib vnnd Blůt Christi warhafftig vnd wesentlich mit dem
gesegneten Brot vnd Wein gegenwertig sey, außgetheilt vnd empfangen
werden, nicht allein von den würdigen vnnd rechtglaubigen, sonder auch von
den vnwürdigen vnd vnglaubigen heuchlern, den würdigen zum trost vnd
stercke des Glaubens, den vnwürdigen aber zum Gericht vnd Straff zeitlich,
(15)da sie Bůß würcken, oder ewig, da sie in jrer vnbůßfertigkeit verharren, wie
dann von der Apostelzeit an die recht Kirch nühmals anderst von disem
geheimnuß vnnd heiligen Sacrament geglaubt noch gehalten, hat Zwinglius
ein newen Krieg mit Doctor Luther seligen angefangen vnd sich diser
warhaff- || [2:] tigen Lehr vnd einfltigen Christlichen Bekanntnus widersetzt
(20)vnd fürgeben, das solcher einfltiger verstandt der wort Christi im heiligen
Abendtmal neben den Articuln vnsers Christlichen glaubens von persnli-
cher vereinigung beeder naturen in Christo, von seiner Himmelfart vnnd sit-
zen zur rechten Gottes, nicht bestehn mge. Dann weil der Son Gottes ein
warhafftigen Leib auß dem fleisch vnnd blůt der hochgelobten Jungckfrawen
(25)Maria an sich genommen, der auch in der personlichen vereinigung ein war-
hafftiger Leib seye vnd bleibe, allerdings vnserm Leib in seinem Wesen
vnnd desselben wesenlichen eigenschafften gleich, die er nimmermehr
ablege, so knne sein Leib zů einer zeit nicht mehr dann in einem ort sein.
Derhalben nachdem er mit demselben Leib gehn Himmel gefaren vnd zur
(30)Rechten Gottes, die seinem fürgeben nach ein gewisser ort im Himmel sey,
gesetzt so knd er auch zugleich mit demselben seinem Leib nit auff Erden
bey dem heiligen Abendtmal sein. Darauß dann volge, daß man auch nicht
bey dem einfltigen verstandt der worten Christi bleiben künde, daß man sie
nmblichen verstehn solte wie sie lautten, sonder muͤssen dieselben anders
(35)nach anleittung der Sacramenten des alten Testaments verstehn, in wlchen
Christus der Herr nach seiner menschlichen Natur dem volck Jsrael allein
fürgebildet worden, daß also die Wort Christi „das ist mein i Leib“ souili
heissen sollen als: || [3:] „dz Brot bedeut mein Leib, der Wein bedeut mein
Blůt“ oder „ist ein figur vnd zeichen meines Leibs vnd Blůts.“21
Wider solch fürgeben Zwingels vnnd aller, die jm anhangen, hat Doctor Lu-
ther sich nicht weniger als wider die Bpstische, abgttische Messe vnnd
(5)transsubstantiation mit grossem ernst vnd eyffer gesetzt vnnd durch gründt-
liche erklrung vorerzelter Articuln vnsers Christenlichen glaubens von der
personlichen vereinigung beeder Natur in Christo, von seiner Himmelfart
vnd sitzen zur Rechten j Gottes erwiesen,j daß es nicht widereinander sey, das
Christus leib zumal im Himmel nach weiß der verklrten Leib vnnd zumal
(10)auch warhafftig im heiligen Abendtmal nach art der rechten Gottes gegen-
würtig sey. Dann in der Person Christi muͤsse man die menschliche Natur
anderst ansehen dann sonst eines andern menschen, dieweil sein menschlich
Natur mit dem Son Gottes ein Person worden vnd dergestalt vber alle Crea-
turen erhcht seye, daß wa der Son Gottes seye, da seye er nicht ohn sein
(15)angenomne menschliche Natur, sonder habe sie bey sich personlich gegen-
wertig vnd seye also Christus nicht allein im Himmel Gott vnd Mensch vnd
auff Erden allein Gott vnnd nicht auch Mensch, sonder zumal in einer Person
Gott vnd Mensch im Himmel vnnd auff Erden. Dann die Person mge durch
kein ort getrennet werden. Darumb er auff Erden zů Nicodemo gesagt: „ Nie-
(20)mandt fehrt gehn Himmel dann der von Himmel kommen ist, || [4:] des men-
schen Son, der im Himmel ist.“24 Deßgleichen muͤsse auch sein Himmelfart
anderst betrachtet werden dann eines andern heiligen Menschen. Dann er sey
also gehn Himmel gefahren, das ist, er habe diser jrdischen beywonung also
vrlaub geben25 vnnd dergestalt die Welt verlassen, daß er sich gesetzt hab
(25)zur Rechten Gottes, wlche nicht sey ein gewiß ort im Himmel, sonder
anderst nichts dann die Allmchtig Maiestet vnd Krafft Gottes, die Himmel
vnd Erden erfült, nach wlcher er nicht auff ein Jrdische, raumliche, natürli-
che, fleischliche, sonder vbernatürliche, himmelische weiß gegenwürtig alles
im Himmel vnd auff Erden auch als ein Mensch mit Gott dem Vatter regiere.
(30)Derohalben vns dise Articul des Glaubens so gar nicht von dem einfltigen
verstandt der worten Christi im heiligen Abendtmal abfieren, das wir sie
anderst verstehn solten dann wie sie lautten, daß sie vilmehr vns auch dersel-
ben einfltigen verstand vnd glauben bestehtigen. Der vrsach er auch her-
nach in seiner grossen Bekanntnus vom heiligen Abendtmal dise Articul vn-
sers Christlichen Glauben seine Gründe nennet, darauff er in diser Sach
(5)bestehe, darumb das sie jm den Grund dises seines glaubens vom heiligen
Sacrament bestehtigen, wlcher auff den einfeltigen Wortten des Herren
Christi „Das ist mein Leib“ etc. gegründet. Deren wort einfltigen verstand
er mit disen Articuln als mit den Pfeylen der warheit bestehtiget vnd erhalten
hat, daß die || [5:] warhafftige gegenwart des Leibs vnnd Blůts Christi im
(10)heiligen Abentmal vnnd dise Articul nicht widereinander seyen vnnd
demnach auch nicht widereinander seye, daß Christus mit seinem Leib
zumal im Himmel zur Rechten Gottes vnd auff Erden im heiligen Abentmal
gegenwürtig seye.
Disen Grund vnd einfltige Lehr als zů vnser zeit nach absterben D. Luthers
(15)seligen weylandt der Ehrwürdig vnnd Hochgelert Herr Johann Brentius auch
seliger gedechtnus nicht weniger alß Doctor Luther mit grossem ernst vnd
eyffer sampt seinen getrewen Mitgehülffen einhellig getriben, den waren
Schatz zu erhalten, wlchen Christus der Herr seiner Kirchen in disem heili-
gen Sacrament hinderlassen, haben nicht allein bey seinem leben die Zwing-
(20)lianer, sonder auch nach seinem seligen absterben etlich andere mehr, so es
billich nicht thůn, sonder vilmehr jhn D. Luthers Fůßstapffen tretten vnd wi-
der der Zwinglianer Jrrthumb streitten solten, ein newen Krieg angefangen
vnd jme deßhalben vnd vnder seinem namen den Kirchen diser Landen
grewliche Opiniones vnnd alte verdampte Ketzereyen der Marcioniter, Sa-
(25)mosatener, Sabellianer, Arrianer, Nestorianer, Euthychianer, Monotheliten,
Schwenckfelder, Serueti27 vnd dergleichen zůgemessen.
Wiewol wir vns nun solcher beschwerlichen Aufflagen halben vor Gott vnnd
seiner Kirchen billich zu beklagen vnnd widerumb mit gebürendem ernst vns
erzeigen kündten, jedoch weil wir || [6:] in keinen zweifel setzen, dann das
(30)gedachter Herr Brentz seliger bey allen frommen Christen vorermelter grew-
licher Jrrthumb vnd Ketzereyen halber in seinen Schrifften wol entschuldigt
vnd die Kirch Gottes anderst nicht dann allein die einfeltig warheit begert zu
wissen, wlche durch vbermssig geznckh entlich verloren werden mcht,
so haben wir in betrachtung, daß noch gůthertzige Leut von disem Handel
(35)vnnd disputation nicht gnůgsamen bericht mchten haben, zů ableinung vnd
widerlegung solcher beschwerlichen aufflagen allein vnser Kirchen einflti-
ge Lehr vnnd Bekanntnus von disem Handel28 bestendig widerholen, grundt-
-
lich erklren vnd mit hellen zeugnussen der heiligen Schrifft alts vnnd news
Testaments, den dreyen Symbolis29 der heiligen Vtter vnd Concilien auch
der Kirchen Augspurgischen Confession einhelligen Consens vnnd zeugnus-
sen erweisen vnnd darthonk wllen, darauß meniglich zu vernemen, das wey-
(5)landt durch den Herren Brentzen seligen vnd vns, so wir vermg Gottes
Worts mit jme gehalten vnnd noch thůn, nichts newes noch jrrigs eingefiertl
oder vnserm Christenlichen glauben zuwider in die Kirch Gottes eingeliffert,
sonder bey dem Grund bestendig vnd einhellig verharren, denm Doctor Lu-
ther selig auß Gottes Wort wider die Zwinglianer ye vnd allwegen gefuͤrt vnd
(10)mit den Articuln vnsers Christenlichen glaubens grundtlicher warhafftiger
erklrung besttiget hat. Bitten derwegen den Christlichen Leser, er wlle
ab30 dises widerholung vnser Christenlichen Be- || [7:] kanntnus vnd grundtli-
cher erklrung, darzů vns der Kirchen eusserste notturfft getrungen, kein
verdruß tragen. Dann wie der Apostel Paulus von sich selbs schreibt, also
(15)verdreust31 auch vns nit, jmmer einerley zu schreiben, vnd macht den Leser
dester gewisser.32 Darmit wir aber den Christlichen Leser nicht auffhalten,
weil es fürnemlich vmb die Person Christi des Herren vnd seiner rechten er-
kanntnus zu thůn ist, darinnen daß ewig leben stehet, ist hieruon diß vnser
einhelliger Glaub vnd Bekanntnus:
(20)Bekanntnus von der Person Christi vnd warhafftiger gegenwertigkeit
seines Leibs vnd
Blůts im heiligen Abendtmal.
Wir Glauben,
lehrn vnd Bekennen vermg Gottes Wort, der Prophetischen (20)Bekanntnus von der Person Christi vnd warhafftiger gegenwertigkeit
seines Leibs vnd Blůts im heiligen Abendtmal.
vnd Apostolischen Schrifften, das Christus Jesus, vnser Herr vnd einiger
Heilandt, seye warhafftiger ewiger Allmchtiger Gott, von Gott dem Vatter
(25)von ewigkeit vnaußsprechlicher weiß geborn, eines einigen ewigen Gttli-
chen Wesens, Maiestet, Gewalt vnd Herrligkeit mit dem Vatter, auch ein
warhafftiger Mensch von Leib vnd Seel von dem heiligen Geist empfangen
vnd auß der Hochgelobten Jungkfrawen Maria geborn, der sein menschlich
Natur nicht mit sich von Himmel gebracht, sonder auß der Substantz, Natur
(30) || [8:] vnnd Wesen der heiligen Jungkfrawen Maria Abrahams vnd Dauids Sa-
men geheiliget, ohne Sünd an sich genommen, nach wlcher er vnser war-
hafftiger Brůder vnd wir Fleisch von seinem Fleisch vnd Bein von seinem
Bein seind.
Wir glauben, lehren vnd bekennen auch, daß der Son Gottes die menschlich
Natur also in einigkeit seiner Person angenommen vnd mit jm vereiniget,
daß die Gttlich vnd menschlich Natur nicht miteinander vermischt noch
eine in die ander verwandelt worden seye, sonder daß bede Natur die Gtt-
(5)lich vnd Menschlich bleyben vnd jede Natur jhre wesenliche eigenschafften
in alle ewigkeit auch in diser personlichen vereinigung behalten. Demnach
glauben, lehren vnnd bekennen wir auch klar vnd deutlich, darmit jederman
vns wol verstehe, daß die menschlich Natur in Christo weder an jrem Wesen
noch an desselben wesendtlichen eigenschafften der Gttlichen Natur exae-
(10)quiert oder gleich worden seye, sonder bleib die vngleichheit der Gttlichen
vnnd menschlichen Natur vnd derselben eigenschafften für vnd für, das
Christus nach der Gttlichen Natur dem Vatter in dem Gttlichen Wesen
gleich, nach der menschlichen Natur aber weniger dann der Vatter vnnd vns
Menschen ausserhalb der Sünd gleich seye.
(15)Wir glauben, lehrn vnnd bekennen auch vngezweiffelt, daß der Son Gottes
nicht dergestalt die menschlich Natur angenommen, daß er derselben || [9:]
nicht mehr dann allein den blossen Namen seiner Gttlichen Maiestet mitge-
teilt habe, sonder daß solchs realiter, das ist mit der that vnnd warheit, ge-
schehen seye, darumb deß Menschen Son, das ist Christus nach seiner
(20)menschlichen Natur, zur Gerechten der Maiestet vnnd Krafft Gottes gesetzt
vnd hher denn der Himmel worden ist.34 Wir glauben, lehren vnnd beken-
nen auch, daß die menschlich Natur in Christo solche Maiestet nicht für sich
selbst, vom Wesen vnd der Person deß Sons Gottes abgesondert vnd derge-
stalt in sich selbst habe. Denn die menschlich Natur Christi ist nicht für sich
(25)selbst ein Person, sonder wie die menschlich Natur bestehet in der Person
deß Sons Gottes, von dem sie in einigkeit seiner Person angenommen ist,
also würdt auch derselben solche Maiestet allein in der Person vnnd nicht
ausserhalb deß Sons Gottes zůgeschriben. Derhalben wie wir ausserhalb sol-
cher personlichen vereinigung der menschlichen Natur für sich selbs kein
(30)Person, Maiestet noch Gtliche Krafft zůschreiben knnen, daß sie in vnd
für sich selbst habe – Denn sie ist nit also erschaffen, daß sie für sich selbst
wie ein anderer Mensch ein Person sein solle, würt auch nimmermehr und
niergendt ausserhalb der Person deß Sons Gottes funden –, also glauben, leh-
ren vnd bekennen wir auch, daß in der personlichen vereinigung die mensch-
(35)lich Natur Christi solche Maiestet nicht in vnd für sich selbst, von der Gtt-
lichen Maiestet abgesundert, sonder mit dem Son Gottes vmb einigkeit der
Person willen vnd von || [10:] wegen der personlichen vereinigung gemein
habe, dieweil in der personlichen vereinigung beide Natur in Christo nicht
ein solche Gemeinschafft miteinander haben, daß die Gttlich Natur von jrer
(40)Maiestet der menschlichen Natur mehr nicht dann nur den Namen mittheilen
solte, sonder dieweil ein warhafftige gemeinschafft der Naturen ist ja die al-
-
lerhchste gemeinschafft, so kein Mensch begreiffen kan, das nammlich der
Son Gottes nicht allein in derselben ist wie in allen Creaturen noch darinnen
wohnet wie in den lieben heiligen Engeln vnd seligen Menschen, sonder die
gantz vlle der Gottheit leibhafftig in derselben wohnet35 vnd mit jr ein Per-
(5)son ist, wlchs der hchst Grad der gemeinschafft Gottes mit der Creaturen
ist. Derohalben glauben wir, weil die menschlich Natur mit dem Son Gottes
ein Person ist, so seie auch mit der that vnnd warheit die Maiestet deß Sons
Gottes der angenommen menschlichen Natur mitgetheilet, vmb wlcher
gemeinschafft willen S. Paulus geschriben: „Wa sie es erkennt, hetten sie
(10)den herren der herrligkeit nicht gecreutziget.“36 Denn es ist nicht die bloß
menschlich Natur für vns gestorben, die für sich selbs kein Person was, son-
der der Son Gottes hat für vns gelitten, vnnd mit Gottes blůt seind wir erlßt
worden.37 Da aber kein warhafftige gemeinschafft ist, sonder werden allein
die Namen der Naturen in Christo gewchßlet vnnd leihet ein Natur der an-
(15)dern allein jren blossen Namen, vnd das ohne die || [11:] warhafftige gemein-
schafft, wlche in der that vnd warheit geschicht, so hette vns nicht der Son
Gottes warhafftig erlset vnnd were auch die menschlich Natur nicht war-
hafftig in der Person deß Sons Gottes zů der Rechten der Allmchtigen Ma-
iestet vnnd Krafft Gottes erhhet worden, sonder es weren nur eittel Wort,
(20)im grund aber vnd in der warheit gar nichts.
Wir glauben, lehren vnd bekennen auch, das solche Gemeinschafft sey ge-
schehen in der empfengknus Christi, als der Son Gottes im Leib der reinen
Jungkfrawen Mariae die menschlich Natur ohne Sünd durch die krafft vnnd
würckung deß heiligen Geistsn in einigkeit seiner Person an sich genommen
(25)hat. Dann die menschlich Natur Christi ist niehmalen für sich selbs ausser-
halb diser personlichen vereinigung gewesen, sonder da sie angefangen et-
was zu werden, ist sie deß Sons Gottes eigne menschliche Natur gewesen.
Darumb Maria, die hochgelobt Jungkfraw, nicht ein blossen Menschen, son-
der den Son Gottes empfangen vnd geborn hat, der in jrem Leib menschlich
(30)Natur durch krafft vnnd würckung deß H. Geists an sich genommen hat vnnd
der vrsachen auch ein Můtter Gottes ist vnd recht genennt würdt. Wiewol
nun Christus also in Můtterleib vnnd gleich in vnd nach seiner menschlichen
geburt solche Maiestet nach seiner menschlichen Natur persnlich gehabt,
hat er sich doch selbst ernidriget vnd derselben sich geeussert vnnd nicht all-
(35)wegen gebraucht, sonder hat Knechtsgestalt angenommen || [12:] vnd ward
gleichwie ein anderer Mensch vnd an Geberden als ein Mensch erfunden,
ernidriget sich selbs, biß er daß Werck vnser erlsung volbracht, da er die
Knechtsgestalt gar von sich gelegt vnnd die menschlich Natur behalten vnnd
in derselben zů der Rechten der Krafft vnd Maiestet Gottes vllig eingesetzt
worden ist.38 Vmb solcher ernidrigung willen glauben wir, das Christus nach
seiner menschlichen Natur wie ein ander Kind ano verstandt vnd Weißheit
hab, nicht zum schein, sonder warhafftig vnnd mit der that zůgenommen,
(5)wie er auch nicht zum schein, sonder warhafftig vnnd mit der that gelitten
hat vnd gestorben ist. Dann ob er wol im Leiden vnd Sterben warhafftiger
Gott ist gewesen, so hat doch die Gottheit hinder sich gehalten, dieweil der
Son Gottes in menschlicher Natur dermassen, wie S. Paulus zeuget, sich auß-
gelehret hat,39 daß er dem Todt nicht mit gewalt widerstanden, wlches er
(10)doch wol hette thůn künden, sonder denselben freywillig in der angenomnen
menschlichen Natur hat leiden wllen.
Nachdem er aber nun in sein Herrligkeit durch sein Leiden nach der mensch-
lichen Natur ist eingangen, – die er nach der Gotheit nuͤhep verlassen vnd
personlich in Můtterleib gehabt, deren er sich doch ein zeitlang als ein
(15)Mensch vmb vnsers heils vnd erlsung willen freywillig geeussert hat, ob er
wol vmb der personlichen vereinigung willen schon in der gestalt Gottes als
deß Menschen Son von sei- || [13:] ner entpfengknus vnnd geburt an gewesen –
da hat er die Maiestet der gestalt Gottes, in wlcher er auch im standt der
nidrigung was, erst in der menschlichen Natur vllig gebraucht, das jetzun-
(20)der vnnd in alle ewigkeit der Son Gottes weder im Himmel noch auff Erden
nichts ohne sein menschliche Natur handelt, sonder in, durch vnnd mit der-
selben q alles regieret,q wie Christus nach seiner menschlichen Natur saget:
„Mir ist geben aller Gewalt im Himmel vnd auff Erden.“40 Auß disem Grund
glauben, lehren vnd bekennen wir auch, das allein diser Mensch Christus
(25)vnd sonst kein Engel noch Mensch im Himmel anzuruͤffen seye, wlcher vns
zugesagt hat, wa zwen oder drey in seinem Namen versamlet seind, wll er
mitten vnder jnen sein.41 Dieweil aber der vnderscheid zwischen beyden Na-
turen in Christo auch in der Glori vnd Maiestet bleybt, so lehren wir auch
mit fleiß den vnderscheid, wann wir von seiner gegenwertigkeit nach beiden
(30)Naturen im Himmel vnd auff Erden reden. Dann weil die Gttlich Natur ein
vnendtlich Wesen ist, das Himmel vnnd Erden wesendtlich erfült, die
menschlich Natur aber nach jrem Wesen nicht vnendtlich, sonder ausserhalb
der Sünd im Wesen vns Menschen gleich ist vnnd bleybt in ewigkeit, so kan
auch die menschlich Natur nit dergestalt im Himmel vnnd auff Erden gegen-
(35)wertig sein wie sein Gttlich Natur, sonder erstreckt sich die weise solcher
seiner gegenwertigkeit || [14:] nach seiner Menschheit so weit als die person-
lich vereinigung vnd das sitzen zur rechten Gottes sich erstreckt.
Die personlich vereinigung aber deß Sons Gottes mit der angenomnen
menschlichen Natur erstreckt sich nicht so weit, daß die menschlich Natur in
(5)jrem Wesen für sich selbst oder in derselben wesentlichen eigenschafften der
Gttlichen Natur sey gleich worden, wlches ein verdampter Eutichianischer
vnd Schwenckfeldischer Jrrthumb ist.42 Dann die menschlich Natur ist vnnd
bleybt nach jrem Wesen vnd derselben wesenlichen eigenschafften ein Crea-
tur vnnd ein endtlich Wesen, auch in der Glori vnnd Maiestet zur rechten
(10)Gottes in der Person deß Sons Gottes gesetzt, sonder die Personlich vereini-
gung vnd die Maiestet deß sitzen zur Rechten der Krafft Gottes nach der
menschlichen Natur vermag souil, daß die angenomne menschliche Natur in
Christo ist personlich in dise Maiestet eingesetzt, nicht daß sie allein den Na-
men vnnd kein warhafftige gemeinschafft in der that vnd warheit mit dersel-
(15)ben habe, sonder dieselbige dergestalt mit dem Son Gottes gemein hat, daß
sie mit Gott ein Person ist vnd der Son Gottes alles durch vnnd mit der an-
genomnen menschheit im Himmel vnd auff Erden vnd also der gantz Chris-
tus Gott vnd Mensch verrichtet. Daher dann Christus nach seiner mensch-
lichen Natur nicht auff die weiß, wie die Gotheit allenthalben gegenwertig
(20)ist, sonder von der Gemein- || [15:] schafft, so auß der personlichen vereinigung
baider Naturen volget, ein besondere hohe weise seiner gegenwertigkeit hat,
nach wlcher er allen Creaturen vnd sonderlich sein gleubigen vermg seiner
verheissung, wa zween oder drey in seinem Namen versamlet,43 vnnd auff
ein besondere weiß mit seinem Leib vnd Blůt im hochwürdigen Sacrament
(25)warhafftig vnnd wesentlich gegenwertig ist.44
Vmb wlcher gegenwertigkeit willen er nicht bedarff, daß er von Himmel
auff- vnd niderfahre, wie ettlich dolle45 Papisten von jme gehalten vnnd ge-
schriben: Sobald die gestalt deß Brots mit den Zeenen zerbissen werde, so-
bald fahre der leib Christi wider gehn Himmel.46 Deßgleichen bedarff err
(30)auch zů der warhafftigen gegenwertigkeit seines Leibs vnnd Blůts im heili-
gen Abendtmal der Papisten abgttischen vnd zauberischen Transsubstantia-
tion, das ist der verwandlung deß Brots vnnd Weins in dem Leib vnnd Blůt
Christi, gar nichts, die wider der heiligen Schrifft zeugnus vnd der heiligen
Vtter einhellige Lehr durch die Papisten in die Kirchen Gottes ohnlangß
(35)eingefuͤrt worden. Dann Sanct Paulus zeuget klrlich, das Brot bleybes Brot:
„Das Brot, daß wir brechen“, schreibt er, „ist das nit ein Gemeinschafft deß
Leibs Christi?“47 vnnd abermals: „wer vnwürdig isset von disem Brot“48 etc.,
vnd würdt demnach der Leib Christi nicht erst auß dem Brot gemacht, son-
der es bedarff nur deß worts Christi, da er einmal gestifftet vnnd verord-
|| [16:] net hat, daß er vns sein Leib, den er für vns gegeben, der auß der Sub-
(5)stantz, Natur vnd Wesen der hochgelobten Jungkfraw Mariae in einigkeit der
Person von dem Son Gottes angenommen vnd jetzt zur Rechten der Krafft
vnd Maiestet seines Vatters gesetzt hat, mit dem Brot, das gebrochen würdt,
geben wlle, darumb es Sant Paulus ein Gemeinschafft nennet deß leibs
Christi. Was aber das für ein gegenwertigkeit seines Leibs vnnd Blůts im
(10)heiligen Abendtmal seye, die vns die wort Christi beschreiben, „Das ist mein
Leib, der für euch gegeben würdt“, daß mag mit den eusserlichen Sinnen vnd
der vernunfft nicht begriffen werden, sonder es fassets vnd begreiffts allein
der Glaub im wort. Allein knnen wir sagen, daß es nicht raumlicher, natür-
licher weiß geschehe, sonder auff ein himmelische, vbernatürliche, Gttliche
(15)vnd menschlicher vernunfft vnerforschlicher weiß zůgehe, da wir vernunfft,
Augen vnd alle Sinn zůschliessen vnd mit Glauben allein auff dise wort se-
hen sollen, da Christus sagt: „Nemet, esset, das ist mein Leib, der für euch
gegeben würdt“50 vnnd glauben, daß er vns eben denselbigen Leib gebe, den
er für vns in Todt gegeben hat, vnnd Speise vns damit zum ewigen Leben
(20)vnnd gebe vns eben das Blůt, daß er für vns vergossen hat. Dann er hat nicht
zwen oder zweyerley Leib, sonder ein Leib, da dann der groß vnderscheidt
der gegenwertigkeit Christi im alten vnnd newen Testament sonderlich wol
zů mercken ist. || [17:] Dann in dem newen Testament bey dem gebrauch dises
Sacraments warhafftig erfüllet würdt, daß51 im alten Testament dem
(25)Jüdischen volck ist fürgebildet worden, da Moses Klber vnd Bocksblůt mit
Wasser vnnd Purpurwollen vnd Jsopen52 genommen vnd besprengt das Bůch
vnd alles Volck vnd sprach: „Das ist das Blůt deß Testaments, daß Gott euch
gebotten hat.“53 Was nun daß Klber- vnnd Bocksblůt bedeutet hat, daß
haben wir jetzt im newen Testament, da der Herr Christus sagt: „Das ist
(30)mein Blůt deß newen Testaments“,54 wches keinswegs von derDeutteley55
kan noch soll verstanden werden. Dann Christus hat alle Jüdische bedeuttung
auffgehaben, die abwesende ding bedeutten solten, der Schatt ist vergangen,
der Leib ist jetzt vorhanden, namlich daß warhafftig wesendtlich blůt
Christi,56 mit wlchem wir auch warhafftig vnnd mit der that im brauch dises
Sacraments besprengt werden, nicht in bedeutnus vnnd zeichens weise,
sonder mit der that vnd warheit, das ist ohnwidersprechlich waar. So ist auch
der vnderschidt zwischen der allgemeinen personlichen gegenwart Christi
(5)nach seiner menschheit vnnd der außspendung oder außtheilung seines war-
hafftigen gegenwertigen Leibs vnd Blůts im heiligen Abendtmal wol zů mer-
cken, wlche vns seine wort beschreiben, da er sagt: „Das ist mein Leib, der
für euch gegeben würdt.“57 , da auch Christus der Herr würcket, daß er aus-
serhalb dem heiligen Abendtmal vnnd desselben ge- || [18:] rechten gebrauch
(10)nicht thůt, wlches die Kirchenlehrer „Sacramentliche gegenwertigkeit“ ge-
nennet haben, da Christus sein Leib vnd Blůt mit Brot vnnd Wein außtheilt,
wlches er ausserhalb dem rechten gebrauch dises Sacraments dergestalt
nicht thůt. Der vrsach es auch für ein sonder groß Geheimnus in der Kirchen
ye vnnd allweg gehalten vnnd mit aller ehrerbiettung gehandlet vnnd emp-
(15)fangen worden ist. Das aber solche Lehr nicht erst von vns erdacht vnd auff
die Ban gebracht seye, zuuor aber in vnsern Kirchen nicht erhrt, wie vns
von ettlichen vnguͤtlich zůgemessen würdt, wllen wir deß thewren Mans
Gottes Doctor Luthers seligen zeugnussen nicht allein auß den Streit- sonder
auch den Lehrschrifften, darunder wir kein vnderschidt wissen, erzlen, der
(20)vns vor der gantzen Kirchen wider die Aufflag58 newer vnd zuuor vnerhrter
Lehr oder verdampter Ketzerey gnůgsam entschuldigen soll. Dann also
lautten seine wort:
Lutherus im Bůch
„Das dise wort ‚das ist mein Leib‘ noch feststehn“,
fol. 138. fa.
1.
fol. 138. fa. 1.
(25)„Nun laßt vns mit jnen, den Schwermern, reden. Sie bekennen, daß Christus
seye zur rechten hand Gottes, vnd darmit wllen sie gewonnen haben, daß er
nicht sey im Abendtmal. || [19:] Das ist freylich daß grewlich Schwerdt deß
Risen Goliath, darauff sie bochen. Wie aber, wann wir euch eben dasselbig
Schwert nemen vnd schliegen euch damit den Kopff ab vnd beweiseten eben
(30)mit dem Spruch, daß Christus Leib muͤsse im Abendtmal sein, damit jr wolt
beweisen, er muͤsse nicht da sein. Wolt jrs nicht für ein rechts Dauidsthtlin
halten? Wolan, sehet vnnd hret vns zů! Christus Leib ist zur rechten Gottes,
das ist bekannt. Die rechte Gottes aber ist an allen enden, wie jr muͤssen be-
kennen auß vnsern vorigen vberweisungen. So ist sie gewißlich auch im Brot
(35)vnnd Wein vber tisch. Dau nun die recht hand Gottes ist, dav můß Christus
Leib vnd Blůt sein. Dann die rechte Gottes ist nicht zu theilen in vil Stuck,
sonder ein einigs, einfeltigs Wesen. So sagt auch der Articul nicht, daß
Christus an einem theil als einem kleinen Finger oder Nagel der rechten Got-
tes, sonder schlechts zur rechten Gottes sey, daß wa vnd was Gottes rechte
(5)ist vnd heist, da ist Christus, deß Menschen Son. Daß will auch Christus, so
offt er im Euangelio bekennet, daß jm alles sey vbergeben vom Vatter vnd
alles vnder seine Fůß gethon, Psal. 8. Das ist, er ist zur rechten Gottes, wl-
ches ist nicht anderst, dann daß er auch als ein Mensch vber alle
ding ist, alle ding vnder sich hat vnd darüber regiert. Darumb můß er auch nahe darbey,
(10)drinnen vnd darumb sein, alles in Hnden haben etc. Dann nach der Gottheit
ist im nichts vbergeben noch || [20:] vnder die Fůß gethon, so ers zuuor alles
gemacht vnd erhelt. Sitzen aber zur Rechten ist souil als Regieren vnnd
Macht haben vber alles. Soll er Macht haben vnd Regieren, můß er freylich
auch da sein gegenwertig vnd wesendtlich durch die rechte hand Gottes, die
(15)allendthalben ist.“59
Lutherus in der grossen bekandtnus vom Abendtmal.
Fol. 191, fa. 1.
„Nun er, Christus, aber ein solch Mensch ist, der vbernatürlich mit Gott ein Person ist, vnnd ausser disem Menschen kein Gott ist, so můß volgen, daß er
auch nach der dritten, vbernatürlichen weiß seye vnd sein mag allenthalben,
(20)wa Gott ist, vnd alles durch vnd durch voll Christus sey auch nach der
Menschheit, nicht nach der ersten leiblichen, begreifflichen weise, sonder
nach der vbernatürlichen Gttlichen weise. Dann y hie můstu seheny vnd sa-
gen: Christus nach der Gottheit, wa er ist, da ist er ein natürliche Gttliche
Person vnnd ist auch natürlich vnd personlich daselbsten, wie das wol bewei-
(25)set sein empfengknus in Můtterleib. Dann solt er Gottes Son sein, so muͤßt er
natürlich vnd personlich in Můtterleib sein vnd Mensch werden. Jst er nun
natürlich vnd personlich, wa er ist, so můß er daselbst auch Mensch sein.
Dann es seindt nicht zwo zertrente Personen, sonder ein einige Person. Wa
sie ist, da ist sie die einig vnzer- || [21:] trente Person, vnd wa du kanst sagen:
(30)‚Hie ist Gott‘, da můstu auch sagen: ‚so ist Christus der Mensch auch da‘,
vnnd wa du ein ort zeigen würdest, da Gott were vnd nicht der Mensch, so
were die Person schon zertrent, weil ich alßdann mit der warheit knt sagen:
‚hie ist Gott, der nicht Mensch ist vnd noch nuͤhe Mensch wardt‘. Mir aber
deß Gottes nicht. Dann hierauß wolte volgen, daß raum vnnd stett die zwo
Naturen voneinander snderten vnd die Person zertrenneten, so doch der
Todt vnnd alle Teuffel sie nicht kündten trennen noch voneinander reissen,
vnd es solt mir ein schlechter Christus bleiben, der nicht mehr dann an einem
(5)einzelen ort zugleich ein Gttlich vnnd menschliche Person were vnnd an
allen andren orten muͤste er allein ein blosser abgesnderter Gott vnd Gtt-
liche Person sein ohn menschheit. Nein, gesell, wa du mir Gott hinsetzest, da
můstu mir die Menschheit mit hinsetzen. Sie lassen sich nicht sndern vnd
voneinander trennen. Es ist ein Person worden vnnd scheidet die Menschheit
(10)nicht von sich wie maister Hans sein Rock außzeucht vnd von sich legt,
wann er schlaffen geht.“60
Vnnd im selben Bůch, fol. 193, fa. 1.
„Zum dritten: Die Gttliche, himmelische weiß, da er mit Gott ein Person ist, nach wlcher freylich alle Creaturen jmez gar vil durchleuffiger vnnd gegen-
(15)wertiger sein muͤssen dann sie seind nach der || [22:] andern weise. Dann so er
nach derselben andern weise kan also sein in vnd bey den Creaturen, daß sie
jn nicht fühlen, ruͤren, messen noch begreiffen, wieuil mehr würdt er nach
diser hohen dritten weiß in allen Creaturen wunderlicher sein, daß sie jne
nicht messen noch begreiffen, sonder vilmehr, daß er sie für sich hat gegen-
(20)wertig, misset vnd begreifft. Dann du můst diß Wesen Christi, so er mit Gott
ein Person ist, gar weit ausser den Creaturen setzen, so weit, als Gott draus-
sen ist, widerumb so tieff vnnd nahe jn alle Creaturen setzen, als Gott drin-
nen ist. Dann er ist ein vnzertrente Person mit Gott. Wa Gott ist, da můß er
auch sein, oder vnser Glaub ist falsch.“61
Lutherus im andern theil wider die himmelische Propheten.
Von dem
Sacrament, fol.
57, fa. 1.
„Summa: Der dolle Geist geht mit den Kindergedancken vmb, als fare Chris-Sacrament, fol. 57, fa. 1.
tus auff vnd nider, verstehet auch nicht Christus Reich, wie er ist an allen
(5)orten vnd, wie Paulus spricht, erfüllet alles, Ephes. 4“62
Auß den Lehrschrifften.
Lutherus in der haußpostill in der andern Predig des Pfingstags.
|| [23:] „Nachdem Christus von den todten aufferstanden vnd gehn Himmel gefaren, würdt er offendtlich gepredigt vnd außgerůffen als ein Allmchtiger
(10)Gott, der ewig Gewalt hat vnnd ein Herr ist vber alles auch nach seiner
menschlichen geburt.“63 etc.
Jdem in einer Sermon vom Sacrament wider die Schwermgeister
Anno 26 außgangen.
„Wir glauben, das Jhesus Christus nach der Menschheit sey gesetzt vber alle Anno 26 außgangen.
(15)Natur vnd alles erfülle, wie Paulus zun Ephes. am 4. sagt. Ist also nit allein
nach der Gottheit, sonder auch nach der Menschheit ein Herr aller ding, hat
alles in der hand vnd ist vberal gegenwürtig.“64
Lutherus in der außlegung vber das 17. Capittel Iohannis
Tom. Jhen. 6, folio 189.
Tom. Jhen. 6, folio 189.
(20)„Hie hebt sich aber an die Frage, weil Christus sagt, er komme zum Vatter,
so můß er in der Welt bleiben. Dann wir glauben ja also, das die Propheten
recht gesagt haben, das Gott an allen orten sey vnd Himmel vnd Erden er-
fülle, wie offt im Psalmen steht, als Psalm 139, das er baides, im Himmel
vnd abgrunde der Hllen, daheimen sey, vnd Sant Paulus Act. 17 .spricht: ‚er
(25)ist nicht fern || [24:] von einem jetlichen vnder vns. Dann in jm leben, weben
vnd sein wir‘65 also, daß er allenthalben, wa man jn sůcht vnnd anruͤffet, ge-
genwertig ist vnd laßt sich finden, wie er auch wol beweiset hat dem volck
Jsrael, da er das roth Meer theilet vnd jnen sein trucknen weg durchhin ma-
chete, jre Feind aber allesampt darinnen ertrencket etc. Wie spricht er dann
hie, daß er nicht mehr in der Welt seye, vnnd machet ein geplrr für die au-
gen,66 als fuͤhre er fern hinweg, daß wir jne nicht mehr künden bey vns ha-
ben. Anwort: Daruon pflegt man zweyerley weiß zureden, einmal Schwer-
merisch, daß er so hinuff gefaren sey vnd droben im Himmel sitze als in
(5)einem Schwalbennest, gauckelt also mit den Gedancken nach den Augen
vnd gesicht, wlches nur an einem ort auff einmal hoffet67 vnd nicht
zugleich gaffetaa gehn Himmel vnd auff Erden sehen kann, alß muͤsse er auch
also an einem ort gefangen vnd vmbzircklet sein, dz er dieweil nicht
anderstwa sein mge, wllen darnach nach jrem sehen vnd Gedancken auß
(10)disem ort oder dergleichen sprüchen folgen, Christus knne nicht mit seinem
Leib vnnd Blůt allenthalben im Sacrament sein. Wir aber antworten nach der
Schrifft vnnd sagen: ‚Jn der Welt sein‘ heißt, in disem eusserlichen,
sündtlichen, empfindtlichen Wesen sein, das ist in dem Leben, daß die Welt
braucht vnnd lebet, wlches heißt ein natürlich leben, darinnen man essen,
(15)trincken, schlaffen, arbeitten, Hauß vnd Hoff haben vnd summa der Welt
brauchen můß vnd alle notturfft dises lebens. || [25:] Widerumb heissen die
nicht mehr in der Welt, die von dem allem, wie jetzt erzelt, entzogen vnnd
gescheiden seindt, daß sie nicht dürffen68 essen, trincken, stehn, gehn vnd
kurtz keiner natürlichen leiblichen wercken leben, wlches hat der Prophet
(20)Esaias am 53. mit seinen worten geredt, da ers heißt ‚von dem Land der
lebendigen weggerissen‘ oder, wie wir sagen, von disem Leben abgeschnit-
ten, nicht daß er allerdings auß der Welt gescheiden vnnd nimmer bey vns
sey, sonder daß er sein nicht darff pflegen wie ein Mensch seines zeitlichen
lebens vnnd seiner notturfft. Darumb ists eittel allfentzerey69 vnnd lose
(25)teidung70 mit jren Gedancken, wann sie traumen, auß der Welt zum Vatter
faren sey auß Himmel vnd Erden weggefaren an ein sonder ort. Sonsten
muͤste der Teuffel allein in der Welt regieren, das Gott kein raum hette vnd
Christus weder im Sacrament noch in der Tauff, ja nach jrer folge auch nicht
in der glaůbigen hertzen kndte sein.
(30)So ists nun vil ein ander ding, in der Creatur sein, das ist an dem ort, da die
Creatur ist, vnnd in der Welt sein. ‚Sie seind in der Welt‘, sagt er, das ist, sie
leben wie man in der Welt lebt, brauchen deß Leibs werck, der fünff Sinne,
aller Element, ohn wlche diß weltlich Wesen vnnd Leibs leben nicht kan
erhalten werden. ‚Ich aber gehe dauon‘, das ist, ich verzeihe vnd entziehe
(35)mich alles leiblichen Wesens, essens vnnd trinckens, wircken vnd leidens
vnd aller eusserlichen Gesellschaft. Darumb bleib darbey, das Christus,
wann er || [26:] mit seinem Leib vnd Blůt im Sacrament vnnd mit seinem heili-
gen Geist vnd gantzen Gttlichen Wesen in der Tauff ist, so ist er nicht in
der Welt. Dann er geht, steht, wandelt, redet nicht vnd treibt kein Werck, so
auff Erden geschicht. Sonst knde der Text nicht stehn, so da volget ‚vnd ich
(5)komme.‘ Dann sag mir, wa ist der Vatter? Freylich nicht droben im Schwal-
bennest. Kombt aber er zum Vatter, so můß er vberal sein, da der Vatter ist.
Nun ist der Vatter allenthalben in vnnd ausser Himmel vnnd Erden vnnd al-
len Creaturen, daß man jne an kein sonderlich ort binden oder hefften kan,
wie die Stern am Himmel gehafftet seind. Dann wir muͤssen glauben vnnd
(10)sagen, daß er bey vns sey, wo wir jn anrůffen im Kercker, im Wasser, Fewr
vnnd allen nten. Aber disen Text muͤssen vnsere Schwermer nicht hren
noch sehen, sonder vberhin fladern vnd nur ein Stuck herauß zwacken, daß
sie für sich dehnen knnen. Aber dauon ist anderstwa genůg gehandelt wor-
den“71 etc.
„Sic Christus quoque extra locum est contra illos, qui captiuant Christum
loco, ac cum tamen vbique sit.c Neque enim verbum Dei segregatur a carne.
Vbi Deus est, ad ibi et caro Christi est.d Sed Deus est vbique. Ergo et Christus
quoque vbique est.“ Das ist: „Also ist Christus auch nicht mit eim ge- || [27:]
(20)wissen ort vmbfangen wider diejhenigen, wlche Christum in ein gewiß ort
einschliessen, ae so er doch allenthalbene gegenwertig ist. Dann das Wort Got-
tes würdt nicht gescheiden von dem Fleisch. Wa gott ist, da ist auch das
fleisch Christi. Gott aber ist allenthalben. Derhalben so ist Christus auch
allenthalben.“72
„Was der Mensch hie thůt, leidet vnd redet, daß thůt, leidet vnnd redet Gott
vnnd was Gott thůt vnd redet, daß thůt vnd redet der Mensch, wlcher ist
einerley Son Gottes vnnd Mariae in einer vnzertrenten Person vnd zwo vn-
derschidlichen Naturen.“73
Jbidem folio 147.
„Darneben ist der Son gleichwol auch ein Menschenkind, das ist ein rechter (5)Mensch vnd Dauids Son, dem solche ewige Gewalt gegeben würdt.“74
Jbidem.
„Was kan heissen zů meiner Rechten sitzen anders dann Gott gleich sitzen, das ist in Gottes ewigem Reich sitzen. Dann er sitzt jm nicht zun haupten,
noch zu fůssen, weder hher noch nidriger, son- || [28:] der zur Rechten im
(10)gleich, daß der Himmel eben so wol sein Stůl vnnd die Erd sein fůßbanck ist,
wie er spricht Matthaei vltimo etc.: ‚Mir ist geben aller Gewalt im Himmel
vnd auff Erden‘ vnnd Marci vltimo: ‚Er ist auffgenommen gehn Himmel vnd
sitzt zur rechten handt Gottes.‘“75
Vnnd hernach folio 153.
(15)„Dann die menschheit Christi ist nicht ein schlecht zaichen oder ledige Ge-
stalt, gleichwie die Taube auch nicht ein ledige Gestalt oder Bild, sonder die
menschheit, darinnen Gottes Son vnderschidlich offenbaret würdt, ist voll
vnnd mit Gott in ein Person vereiniget, die ewig sitzen würd zur rechten Got-
tes, wie droben Dauid verheissen ist.“76
(20)Wie nun Lutherus dise Lehr von der Maiestet des menschen Christi in seinen
streitschrifften wider die Zwinglianer mit grossem eyffer vnd bestendigkeit
getriben vnd erhalten vnd sonsten in seinen lehrschrifften auff der Cantzel
vnd in der Schůl fleissig jederzeit zů fürfallender gelegenheit der gemein
Gottes deuttlich fürgetragen, also hat er ebenmssiger gestalt auch vber
Tisch vnnd freundtlichen gesprechen von disem handel geredt wie auß nach-
uolgenden worten zu sehen:
Lutherus in Tischreden Aurifabri folio 76.
(5) || [29:] „Christus spricht Matth. 18: ‚Wa zwen oder drey versamlet sein in mei-
nem Namen, da bin ich mitten vnder jnen.‘ In disem Spruch redet er gewiß
von seiner personlichen gegenwertigkeit, daß in diser Person, die Christus ist
vnd haißt, an allen enden vnd orten auch sein můß zůgleich Mensch vnnd
Gott oder beide Naturen zusamen, vnzertrennet, allenthalben vnnd in der
(10)warheit gegenwertig, erhre, schaffe vnd würcke alles in allem, wie der ach-
te Psalm sagt: ‚Du hast im alles vnder seine Fuͤß gethon‘, also wa ein Natur
ist, da můß auch die ander sein vnd kan keine von der andern in ewigkeit
nimmermehr abgesündert noch gescheiden werden.“77
Jbidem folio 87.
(15)„Als einer Doctor Luthern fragte, was für vnderscheid were zwischen der
Aufferstehung vnnd Himmelfart Christi, sagt er: ‚Christus würdt durch die
Aufferstehung gesetzt zum Herren vber alles auch nach der Menschheit, wie
im achten Psalmen gschriben stehet, vnd der Herr Christus sagt selber nach
der aufferstehung: ‚Mir ist gegeben aller Gewalt im Himmel vnnd auff Er-
(20)den‘, wiewol nach der Gottheit ist ers von ewigkeit gewesen, durch die Him-
melfart aber empfacht er die Herrschafft vnnd Regierung vber alles. Das ist
der vnderscheidt, als daß ich dises ein gleichnus gebe: Ein junger Printz, K-
nig oder Fürst ist ein Erb vnd Herr aller Land vnd Leutt seines Herrn || [30:]
Vatters, jhm würdt aber nicht gestattet, daß er Hersche oder Regiere biß zů
(25)seiner zeit. Gehn himmel faren vnd zur Rechten deß Allmchtigen Vatters
sitzen heißt Gott gleich sein, in gleicher Maiestet vnnd Gewalt, die da heißt
ein Gttliche Gewalt, sitzen vnd vber alles Herrschen.‘“78
Jbidem folio. 167.
„Warumb disputiern sie darwider vnnd sagen, daß Christus nur nach der Gottheit sey allenthalben? Also hat hieruon der Zwingel geschriben. Wann
ich von Gott dencke, so denck ich also, als sey Gottheit vnnd Menschheit al-
(5)lenthalben gegenwertig. Vrsach: Christus, Gott vnd Mensch, ist ein Person.
Wa ich nun gott will finden, so sůch ich jn in der menschheit Christi.“79
Darauß zu sehen, wlcher gestalt Doctor Luther nicht allein zu bestetigung
deß einfltigen verstandts der wort der einsatzung deß Nachtmals Christi di-
(10)se Articul gebraucht, sonder wie er auch in dise disputation von der Person
Christi anfangs wider die Zwingler gerhaten, weil auß falscher deuttung der-
selben Articul die Sacramentierer sich vnderston, den einfltigen verstandt
der einsatzung des Testaments Christi vmbzustossen. Da er denn widerumb
den rechten verstandt der gemelten Articuln vnsers glaubens dargethon, die
(15)Zwingler also mit jrem eignen Schwert geschlagen vnd auß vilgedachten Ar-
ticuln gewaltig || [31:] erwisen, das die gegenwart deß leibs Christi im heiligen
Abendtmal vermg der wort der einsatzung vnnd die Articul deß glaubens
von der Person Christi, seiner Himmelfart vnnd sitzen zur gerechten Gottes
nicht widereinander seyen, sonder eins das ander bestehtige vnd nachmals
(20)widerumb jederman auff die einfltige wort der einsatzung deß Abendtmals
Christi gewisen vnnd vermant, das man darbey bleiben vnnd mit solcher ver-
kerung der Articul deß glaubens sich nicht daruon abtreiben lasse, wie auch
wir gesinnet vnnd menigklich gleicher gestalt dahin gewisen. Der vrsach
auch wir vnder andern vber den rechten verstandt diser Articuln vnsers
(25)Christlichen glaubens halten. Dann wa von denselben Articuln der Zwing-
lisch verstandt vnnd jre verkerte außlegung angenommen vnd für recht ge-
halten, die warhafftige gegenwertigkeit deß Leibs vnd Blůts Christi im hei-
ligen Abendtmal verleugnet vnnd demnach vom heiligen Abendtmal Christi
diejhenigen nimmermehr recht glauben vnd halten knnen, wlche dise ver-
(30)kerte Zwinglische außlegung der Articuln vnsers glaubens von der Person
Christi vnd seinem sitzen zur rechten Gottes billichen vnd recht heissen.
Dann wie kann der jmmermehr glauben, daß der Leib Christi im heiligen
Abendtmal warhafftig gegenwertig seye, wlcher setzt vnnd helt, daß ver-
mg jres Zwinglischen verstandts darumb, daß Christus mit seinem Leib
(35)gehn Himmel gefaren vnd daselbst zur rechten Gottes an ein ort ge- || [32:]
setzt, er auff keinerley weiß noch weg mit demselben seinem Leib bey vns
auff Erden sein knde, wie solchs vnsere liebe Herren vnd Mitbruͤder in den
niderschsischen Kirchen in jrer Christenlichen widerholten Confession vnd
erklrung80 recht vnnd wol gemeldet vnnd mit vns wie wir mit jnen in disem
wie auch allen andern Articuln der Lehr vnser Christenlichen religion durch-
auß einig seyen. Derwegen denn auch nicht vnbillich zu verwundern, weil
Doctor Luther nicht weniger in den Lehrschrifften als in den Streitschrifften
(5)solchen Grund getriben vnnd auß demselbigen vor dem Zwinglischen jrr-
thumb trewlich biß in sein grůben verwarnet vnnd sollichs niehmals wider-
růffen, wlches er ohn zweiffel gethon het, da jn sein gewissen desselben
erinnert vnnd er ein anders in Gottes wort gefunden het. Das aber ettlich der
Kirchen zwen Luther, ein andern in den Lehrschrifften vnnd ein andern mit
(10)den Streittschrifften, fürstellen dürffen, als solt nmlich Doctor Luther seli-
ger wol mit grsserm ernst vnd eyffer wider die Zwingler vnd jhren ver-
dampten Jrrthumb nheraf in den Streittschrifften gestritten, aber sein mei-
nung auff ein solchen faulen falschen Grund gesetzt, den er hernacher in den
Lehrschrifften gantz vnnd gar wider vmgestossen, verworffen vnnd ver-
(15)dampt habe, daß ist vns gantz frembd zu hren.
Dann einmal ist D. Luther nicht weniger in der Lehr als in den Streitt-
schrifften ernst gewe- || [33:] sen, sonderlich, wann er von dem Zwinglischen
Geist vnd seiner Lehr gewarnet hat, als der wol gesehen, was diß für ein
Geist seye, der es nicht allein bey disen Articuln bleiben lassen, sonder an-
(20)dere vnnd noch mehr schreckliche Jrrthumb in die Kirchen Gottes einfuͤhren
vnd die Hauptarticuln vnsers Christenlichen glaubens verkeren werde. Dann
also lautten seine Wort:
Weyssagung D. Luthers vom Geist der Zwinglianer, was er sůche vnd
anrichten werde. Tomo
3 Ihenensi Germ. fol. 337.
anrichten werde. Tomo 3 Ihenensi Germ. fol. 337.
(25)„Er würdts aber darbey nicht lassen bleiben vnd fahet am geringsten an mit
den Sacramenten, wiewol er bereit in demselbigen Stuck die schrifft schier
in zehen lcher vnnd außflucht zerrissen hat, daß ich niehe schandtlicher
Ketzerey gelesen habe, die jm anfahen vnder sich selbs souil kpffe, souil
rotten vnd vneinigkeit haben, ob sie gleich in der Hauptsache, Christum zu
(30)verfolgen, eintrchtig sindt. Er würdt aber fortfaren vnnd mehr Articul an-
greiffen, wie er schon funckhet mit den Augen, das die Tauff, Erbsünd,
Christus nichts seye. Da würdt widerumb ein gerümppel in der schrifft
werden.“81
Eodem Tomo, folio 349.
|| [34:] „Sonderlich aber die Lesterwort malen sein Hertz wol, da er vnsern Gott heißt ein gebacken Gott, den Brotern Gott, den Flaischern Gott vnd das
vber die massen vil. Wer solt doch hie nicht greiffen, was sie im hertzen ge-
(5)dencken? Wann sie schrifft bewegt, so wurden sie wol solche zotten82 lassen
vnd mit schrifften vmbgehn. Es ist der Groll vnnd Eckel natürlicher ver-
nunfft, der will vnd mag dises Articuls nicht. Darumb speyet er vnd kcket83
also darwider vnd will darnach sich in die schrifft huͤllen, daß man jn nicht
kennen soll. Es soll kein Articul sein, wann ich der vernunfft Eckel wolt vol-
(10)gen. Jch wolt eben solche speierey vnnd kckerey darüber treiben, auff daß
die Lsterer nicht gedencken, das es eittel heiliges geistes kunst seye solch
gespey. Ich will von Gott sagen: Wazů ists nutz, daß er Mensch seye? Wa-
rumb betten jhne die Apostel nicht an im Abendtmal? Wie reumet sich,84 das
solche Maiestet sich leßt Creutzigen von bsen Bůben? O deß ah flaischern
(15)Gotts! Oh deß todten Gottes! vnd so fort an. Meine Schwermer aber bereitten
mit solchem Eckel die Ban, das man schier würdt Christum, Gott vnd alles
miteinander laugnen, wie sie dann schon zum theil anfahen, gar nichts zu
glauben. Dann sie tretten auff der vernunfft dunckel,85 der soll sie wol recht
anfhren.“86
(20)Eodem Tomo 3, folio 376.
„Der Teuffel bereit aber durch dise Schwermer || [35:] die Ban andern Ket-(20)Eodem Tomo 3, folio 376.
zern, die kommen werden vnd sagen, daß Christus nicht seye, weder flaisch
noch Gottheit habe, wie es geschach im anfang der Christenheit. Bewegt vnd
bekeret sie nur das Stuͤcklin nicht vnd hilfft es die andern nicht, daß sie sich
(25)für jnen huͤtten, jren Teuffel mercken vnnd scheuhen, so ist kein rath mehr
da, sie wllen verlorn sein, aber ohn mein schuld: ‚Jr blůt sey auff jrem
kopff!‘ Jch hab sie gewarnet gnůg.“87
Eodem Tomo folio 378.
„Sie werden auch nicht ehe ablassen von solchem Müntzerischen geist, biß sie auch ein vnglück anrichten wie der Müntzer. Denn weil sie eben densel-
bigen geist haben, ist zu besorgen, sie werden eben dieselbige Frucht brin-
(5)gen. Wie der Bawm ist, so tregt er frucht.“88
Eodem Tomo folio 478.
„Jch besorg aber, der Teuffel sůche ein anders hierinnen, – denn wer ist vnder vns vor dem Teuffel sicher? – nmlich, weil er weißt,ai daß Christus ein
Sacrament in der schrifft heist, als Timoth. 3, so wlle er dahinauß, das auch
(10)figurliche wort sollen sein, wenn man sagt: ‚Christus ist Gott vnnd Mensch‘
etc. Dann er můß waß im Sinn haben. Er alfentzt nicht vmbsonst89 also.“90 || [36:] Jn der kirchen Postill in der außlegung deß Euangelij Dominica Iudica.
„Vnd wievil ist der auch, die mit dem Mund sagen, daß Gott Mensch seye
vnnd doch ohn Geist im hertzen sind, die zur zeit deß treffens beweisen wer-
(15)den, daß sie es auch nicht ernstlich gemeinet haben.“91
Diß alles haben wir darumb erzlen wllen, auff das alle fromme Christen
sehen mgen, wlcher gestalt ettliche vns vnbillicher weiß vnd mit vngrund
zůmessen, als solten wir vns vnderstanden haben, durch ein solchen Grund
(20)die gegenwertigkeit deß Leibsaj vnd Blůts Christi im heiligen Abendtmal zu
erhalten, der bißher in den Kirchen Augspurgischer Confession wie auch in
der gantzen allgemeinen Christenheit vnbekant vnnd zuuor vnerhrt gewesen
seye. Da wir denn mit Doctor Luthers zeugknussen beides auß seinem Streit-
vnnd Lehrschrifften das widerspil klrlich erwisen haben vnnd hernach an
(25)seinem ort auch mit der lieben Vtter Concilien vnnd anderer kirchen Augs-
purgischer Confession zeugknuß weitter darthůn wllen.
|| [37:] Zeugknuß der heiligen Schrifft von der vereinigung beider
Naturen in Christo vnd
andern Articuln, so derselben anhengig seind.
Damit aber nit jemandt gedencken mchte,
als solten wir vnsern Glauben Naturen in Christo vnd andern Articuln, so derselben anhengig seind.
auff D. Luthern seligen in disem Handel gesetzt haben, der ein Mensch ge-
(5)wesen vnd sowol als ein anderer Mensch hette jrren knden, so wllen wir
vber das, so Doctor Luther in seinen gründen auß heiliger Gttlicher Schrifft
eingebracht, ettliche klare, helle vnd vnwidersprechliche zeugknuß der hei-
ligen Schrifft alts vnnd news Testaments anzeigen, darauff vnser Glaub von
Christo vnd gar nicht auff Doctor Luthers Person oder ansehen gegründet ist:
(10)Der erst Spruch steht geschriben im 110. Psalmen, da Dauid im Geist also
sagt: „Der Herr sprach zů meinem Herren: ‚Setze dich zů meiner Rechten,
biß ich deine Feind zum schemel deiner fuͤß lege.‘“92 Dise wort seind vom
Messia, Dauids Son, das ist von Christo nach seiner menschlichen Natur ge-
redt, die er soll annemen in einigkeit seiner Person vnnd in derselben zur
(15)rechten Gottes gesetzt werden. Dann nach der Gttlichen Natur ist er die
rechte Gottes, das ist warhafftiger, ewiger, wesentlicher Gott selbst mit dem
Vatter vnnd heiligem Geist, aber nach der menschlichen Natur ist er || [38:]
nicht die rechte Gottes, sonder zů der rechten Gottes gesetzt worden. Dise
rechte Gottes ist nicht ein besonder ort in dem Himmel neben dem Vatter für
(20)andere stuͤle erhhet, darauff die heilgen sitzen sollen, sonder es ist anderst
nichts dann die Allmchtige onendtliche Krafft vnd Maiestet Gottes, die
Himmel vnnd Erden erfüllet, wie geschriben stehet: „Die Rechte des Herrn
ist erhhet, die Rechte des Herrn behelt den Sige“,93 Psalm 118, in wlche
der Messias, daß ist Christus nach seiner menschlichen Natur, mit der that
(25)vnd warheit eingesetzt ist vnd gegenwertig alles im Himmel vnd auff Erden
nicht allein als ewiger Allmchtiger Gott, sonder auch als Mensch, der war-
hafftig Messias, regiert vnd verwaltet.
Mit disem stimmet vberein, daß dem Propheten Daniel im gesicht geoffenba-
ret ist, da er also schreibt: „Jch sahe in disem Gesicht des nachts, vnd sihe, es
(30)kam einer in deß himmels Wolcken wie eins Menschen Son biß zů dem alten
vnnd ward für denselben gebracht. Der gab jm Gewalt, Ehr vnnd Reich, daß
jme alle Vlcker, Leut vnnd Zungen dienen solten. Sein Gewalt ist ewig, der
nicht vergeht, vnd sein Knigreich hat kein end.“94 Dises ist auch von dem
Messia nach seiner menschlichen Natur geredt. Dann nach der Gttlichen
(35)Natur hat er von ewigkeit den Allmchtigen Gewalt jhme angeborn, den er
jetzt als deß menschen Son empfangen hat. Dann was Dauid nennet „zur
Rechten deß Her- || [39:] ren sich setzen“ das nennet hie Daniel „ewige Gewalt,
Ehr vnnd Reich empfahen“, die deß Menschen Son durch die vereinigung
menschlicher Natur mit dem Son Gottes warhafftig empfangen, daß er zur
rechten Gottes vber alle Vlcker vnd Zungen warhafftig vnd mit der that
auch als deß Menschen Son regieren soll.
Noch klrer würdt solchs im 8. Psalmen angezeigt, da Dauid also sagt: „Du
haßt jn lassen ein kleine zeit von Gott verlassen sein, aber mit ehren vnd
(5)schmuck würstu jn Krnen. Du würst jn zum Herren machen vber deiner
Hndt werck. Alles hastu vnder seine Fuͤß gethon.“95 Diß ist auch von Chris-
to nach seiner menschlichen Natur geredt. Dann als Gott ist jm von ewigkeit
alles vnderworffen gewesen, daß jm in der zeit als einem Menschen jetzt
auch vnderworffen ist. Wie aber solches geschehen seye, daß er alles gegen-
(10)wertig Regiere vnnd jm alles vnder seine Fuͤß gethon seye, sagt die Epistel
zun Heb.: „Das sehen wir noch nicht, aber wir glaubens, weil er zur Rechten
der Allmchtigen Krafft vnd Maiestet Gottes gesetzt ist“,96 wlches anderst
nichts heisset dann mit Gott in gleicher Maiestet Gewalt vnd Herrligkeit al-
les im Himmel vnd auff Erden regieren. Mit disen Zeugnussen stimmen
(15)vberein alle Sprüch deß alten Testaments, so von der Maiestet deß Messiae
reden vnd ak bezeugen, daß er sollk ein Allmchtige Gttliche Maiestet vnnd in
derselbigen seiner menschlichen Natur Maiestet werck || [40:] der Allmchtig-
keit – als dem Teuffel den kopff zertretten, Sünd vergeben, lebendig machen,
gericht halten etc. – uͤben vnd volbringen: Genes. 3: „Deß Weibs Sameal
(20)würdt der Schlangen den kopff zertretten“,97 Genes. 22: „Jm samen Abrahe“,
wlcher ist Christus, „werden alle vlcker der Erden gesegnet“,98 Psalm. 2:
„Jch hab meinen Knig eingesetzt auff meinem heilgen berg Zion. Jch will
von einer solchen weyß predigen, daß der Herr zů mir gesagt hat: ‚Du bist
mein Son. Heut hab ich dich gezeuget. Haische von mir, ich will dir die hai-
(25)den zum Erb geben vnd der Welt end zum Eigenthumb“,99 Psal. 45: „Du lie-
best Gerechtigkeit vnd hassest Gottloß wesen. Darumb hat dich, o Gott, dein
Gott gesalbet mit freudenle mehr dann deine gesellen.“100
Wlche Sprüch allzumal bezeugen, nachdem der Messias solch groß ding
außrichten soll, als namlich der Schlangen, dem Teuffel, den kopff zertretten
(30)vnnd allen vlckern den Segen widerbringen, die gantze Welt regieren vnnd
alles in seiner hand vnnd Gewalt haben, so můß Gott nicht in jhme wohnen,
wie er in andern heiligen Menschen wohnt, sonder mehr mit Gott vereiniget,
das ist mit Gott ein Person sein, der solche Werck ohne dise menschliche
Natur nicht verrichten werde, wie auch die menschlich Natur für sich selbst
(35)ohne die Krafft vnnd Allmchtigkeit deß Sons Gottes solches keinswegs ver-
-
mchte. Wie nun von diser Maiestet deß Messiae die Propheten weyssagen,
also bezeugen die heiligen Apostel vnd Euangelisten einhellig, das es alles
|| [41:] in Christo Jesu dem Son Mariae seye erfült worden. Dann also redet
Christus vnser Herr von sich selber: „Jr haisset mich Herr vnd Meister vnd
(5)sagt recht daran. Dann ich bins auch.“101 Vnd was er für ein Herr sey, zeigt
Johannes kurtz daruor mit disen worten an: „Da Jesus wuste, daß jm der Vat-
ter alles in seine H(nd gegeben hette“102 , wlches Christus Matthei. 28 mit
andern worten erklret, da er sagt: „Mir ist gegeben aller Gewalt im Himmel
vnd auff Erden“,103 wlches anderst nicht ist dann ein Allmchtiger Gwalt,
(10)wlchen nicht die Gottheit also für sich gehabt, dz sie der angenomnen
menschlichen Natur nichts dann allein den Tittel vnnd Namen desselben,
aber mit der that vnd warheit nichts mitgetheilet hette, sonder solcher All-
mchtiger Gewalt ist personlich auch Christo nach der menschlichen Natur
mitgetheilet, wie droben genůgsam erklrt vnd angezeigt worden.
(15)Wlches Sanct Paulus in der Epistel an die Epheser mit nachuolgenden wor-
ten erklrt, da er also von Christo schreibet: „Gott hat jn von todten auffer-
weckt vnd gesetzt zů seiner Rechte im Himmel vber alle Fürstenthumb, Ge-
walt, Macht, Herrschafft vnd alles, was genennt mag werden nicht allein inam
diser Welt, sonder auch in der zůkünfftigen, vnnd hat alle ding vnder seine
(20)Fuͤß gethon vnd hat jn gesetzt zum haupt der Gemeine vber alles, wlche da
ist sein Leib, namlich die fülle deß, der alles in allem erfüllet.“104 Hie redet
Sanct Paulus von Christo nicht nach || [42:] seiner Gottheit, sonder nach seiner
menschlichen Natur, der von todten erweckt ist. Deß Menschen Son, der ist
zur Rechten der Maiestet vnnd Krfften Gottes gesetzt, vnd wie Doctor Lu-
(25)ther in disem ort am Rand verzeichnet: „Jst Christus ein solch Haupt seiner
Kirchen, daß er gleichwol vber alles Herr ist vnd würcket alle Werck in allen
Creaturen, darumb ist sein alle Creatur voll.“105
Sonderlich aber ist der Spruch Sanct Pauli an die Colosser Cap. 2 gantz herr-
lich, den er zum andernmal erholet. „Es ist“, spricht er, „das wolgefallen
(30)gewesen, daß in jme alle fülle wohnen solte“106 vnd abermals: „denn in jme
wohnet die gantze fülle der Gottheit leibhafftig.“107 Dann obwol Gott an kei-
nem ort ist, da er nicht sein gantze fülle bey sich hette, die er selbst ist, vnd
also nach seinem Wesen in allem ist vnd auff ein andere weiß in den lieben
Engeln vnnd heiligen Menschen wohnet, jedoch wohnet die fülle der Gott-
-
heit in keinem Menschen leibhafftig denn allein jn dem Menschen Christo,
wlcher auch darumb der allerhchst genennt würdt.108 Dann in jme seind
Gott vnnd Mensch ein Person, vnnd ist die angenomne menschliche Natur
deß Sons Gottes eigen, in wlcher, mit wlcher vnnd durch wlche er alle
(5)Werck seiner Allmchtigkeit würcket vnd von derselben nicht abgesündert,
sonder mit jr gemein hat, nicht natürlich, dergestalt er allein mit dem Vatter
vnd heiligen Geist seine Werck gemein hat, sonder personlich, darumb das
die angenomne menschliche Natur mit jme ein Person ist. || [43:] Von diser
Maiestet redet er auch zů den Ephesern am 4. Cap.: „Der hinundergefaren
(10)ist, das ist derselbig, der auffgefaren ist vber alle Himmel, auff daß er alles
erfüllet“,109 wlches auch von Christo nach seiner menschlichen Natur vnd
vmb derselben willen von jme gesagt. Dann nach der Gottheit fehret er we-
der vnder sich noch vber sich, der es alles zů aller zeit gegenwertig vnnd vn-
wandelbar erfüllet. Nach der menschlichen Natur aber ist er vber alle Him-
(15)mel gefaren, daß er nicht mehr jrrdischer weiß, sonder auff ein himmelische
Gttliche weiß alles erfüllet vnnd zugleich gegenwertig seye.
Jn disem verstandt seind alle Sprüch deß newen Testaments von Christo,
dem Herren, gesetzt: Matthaei am 26.: „Jch sage euch: Von nun an würdts
geschehen, daß jr sehen werdt deß Menschen Son sitzen zur Rechten der
(20)Krafft“,110 Joan. 1: „Das wort ist fleisch worden vnd wohnt vnder vns, vnd
wir sahen seine Herrligkeit als deß eingebornen Sons vom Vatter voller
Gnad vnnd Warheit. Von seiner fülle haben wir alle empfangen Gnad vmb
Gnad. Dann das Gesetz ist durch Mosen gegeben, die Gnad vnd Warheit
durch Christum worden“,111 Actor. 2: „Nun er“, Christus, „durch die
(25)gerechte Gottes erhhet ist vnnd empfangen hat die verheissung deß heiligen
Geists vom Vatter, hat er außgossen, daß jr sehet vnd hret. Denn Dauid ist
nicht gehn Himmel gefahren. Er spricht aber: ‚Der Herr hat gesagt zů
meinem Herrn: ‚Setze dich zů meiner Rechten, biß daß ich deine Feindt leg
|| [44:] zum schemel deiner Fieß.‘ So wiß nun das gantz Hauß Jsrael, daß Gott
(30)disen Jesum, den jr gecreutziget haben, zů einem Herrn vnnd Christ gemacht
hat.“112 Das alles von Christo nach seiner menschlichen Natur gesagt ist.
Dann nach der Gttlichen Natur er von ewigkeit ein Herr gewesen ist, wie
auch Basilius sagt: Homilia de fide: „Nam accipere commune est et ad
creaturam pertinet,an habere autem ex natura proprium est geniti.“ Das ist:
(35)„Etwas empfangen ist ein gemein ding vnnd gehrt der Creatur zů, aber
sollichs haben auß seiner Natur, dz ist ein eigenschafft deß gebornen“113
Sons Gottes. Also auch Actor. 10: „Gott hat Jesum von Nazareth gesalbet
mit dem heiligen Geist vnd Krafft vnd hat vns gebotten zů Predigen allem
Volck vnd zeugen, daß er ist verordnet von Gott ein Richter der lebendigen
vnnd todten“,114 Apoca. 5: „Das Lamb, das erwürget ist, ist würdig zu nemen
(5)krafft vnd reichthumb vnd weißheit vnd stercke vnd ehr vnd preiß vnd lob.
Vnnd alle Creatur, die im Himmel ist vnd auff Erden vnd vnder der Erden
vnd im Meer vnd alles, was darinnen ist, hret ich sagen zů dem, der auff
dem Stůl saß vnnd zů dem Lamb: ‚Lob vnd Ehr vnd Preiß, Gewalt von
ewigkeit zů ewigkeit.‘“115 Daher auch Christo nicht als einem Pur lauttern
(10)Menschen, sonder der mit dem Son Gottes nach seiner menschlichen Natur
ein Person ist, die erlsung deß gantzen menschlichen Geschlechts vnd
Gerechtigkeit vor Gott vnd versnung deß Vatters zůgeschriben würdt: 1.
Pet. 1: „Wisset, daß jhr || [45:] nicht mit vergenglichem Silber oder Gold
erlset seind, sonder mit dem thewren Blůt Christi als eines vnschuldigen
(15)vnd vnbefleckten Lambs“,116 Act. 20: „Gott hat sein Gemeine durch sein
eigen Blůt erworben“,117 Col. 1: „Durch Christum haben wir die erlsung,
durch sein Blůt die vergebung der Sünden“,118 Rom. 3: „Wlchen Gott für-
gestelt zů einem gnadenstůl in seinem Blůt.“119
Sonderlich aber ist mit fleiß zu mercken der Spruch S. Pauli an die Philip-
(20)pern Cap. 2, da Sanct Paulus also schreibet: „Ein jegklicher sey gesinnet wie
Jesus Christus auch was, wlcher, ob er wol in Gttlicher gestalt war, hielt
ers nicht für ein raub, Gott gleich zu sein, sonder eussert sich selbs vnnd nam
Knechtsgestalt an, ward gleichwie ein anderer Mensch vnd an geberden als
ein Mensch erfunden, ernidriget sich selber vnd ward gehorsam biß zum todt, ja zum
(25)todt am Creutz. Darumb hat jn auch Gott erhhet vnnd hat jm
einen Namen geben, der vber alle Namen ist, das in dem Namen Jesu sich
biegen sollen alle knie, die im Himmel vnd auff Erden vnnd vnder der Erden
seind, vnd alle Zungen bekennen sollen, das Jesus Christus der Herr seye,
zur ehre Gottes deß Vatters.“120 Diser Spruch geht eigentlich auff Christum
(30)nach seiner menscheit, da man bey der eigentlichen Meinung S. Pauli blei-
ben will. Dann Sanct Paulus vermanet an disem ort die Philipper zů allen
Christenlichen Tugenden, sonderlich aber zur Demůth, daß wir nichts thon
sollen durch eittele ehr, sonder durch Demůth sollen || [#46:] wir vndereinander
einer den andern hher achten dann sich selbs, vnd stellet jhnen Christum
zum Exempel der demůt für, der daß Haupt der Kirchen ist, bey dem sie ler-
-
nen sollen nicht stoltzieren oder prangen, sonder von hertzen sich
demuͤtigen.
„Dann ob er wol in der gestalt Gottes war“:121 Der Mensch, sagt Sanct
Paulus, war in der gestalt Gottes, das ist, sein menschlich Natur war mit Gott
(5)personlich vereiniget vnd solcher Gestalt erhhet, dergleichen keiner Creatur
weder im Himmel noch auff Erden widerfahren ist, das namlich Christus
nach seiner Menschheit hat leibhafftig gehabt, das Gottes Son nach seinem
Gttlichen wesen ist. Dann Christus als Gottes Son ist nicht in der gestalt
Gottes, dieweil ein anders ist die gestalt Gottes vnd ein anders in der gestalt
(10)Gottes sein, sonder er ist der warhafftig ewig Gott selbs, ausserhalb wlchem
kein Gott ist, aber nach seiner menschlichen Natur ist er in der gestalt
Gottes, das ist sein menschlich Natur ist mit dem Son Gottes ein Person vnnd
hat personlich mit dem Son Gottes all sein Maiestet, Krafft vnnd Herrligkeit
gemein vnd das nicht bloß mit dem Tittel oder Namen,122 sonder mit der that
(15)vnnd warheit.123 Darumb Sanct Paulus ferner schreibt, er habs für kein raub
geachtet, Gott gleich sein,124 wlches clarlich bezeuget, daß er von Christo
rede nach der menschlichen Natur, wie er solches alles empfangen, daß er als
Gott von ewigkeit gewesen.
Mit diser Maiestet vnd Gestalt, die er nach || [47:] der Gottheit gewesen vnd
(20)als ein Mensch in derselben gewesen, hette er, der Mensch Christus, das ist
Christus als ein Mensch oder in seiner menschlichen Natur, wol vor den
leutten Prangen vnnd sich erzeigen knden, wie er warhafftig ist geweßt in
der hchsten Maiestet. Aber er hat es nicht thon oder, wie sanct Paulus redet,
nicht für ein raub halten wllen, der es weder heimlich noch mit gewalt ge-
(25)raubet oder sich dessen angemasset, wie der Sathan vnd vnsere ersten Eltern
sich vnderstanden haben, Gott gleich zu sein.125 Dann er solliche gestalt
Gottes als der warhafftige Son Gottes von ewigkeit gewesen vnnd demnach
nicht rauben derffen, mit wlchem die angenomne menschliche Natur ein
Person worden ist, sonder vmb vnser heils willen vnnd zů vnser erlsung
(30)sich demuͤhtiget, auff daß er vns von vnserm fahl erledigte,126 darein wir
durch die Hoffart vnser ersten Elter gerahten sein. Was hat dann der Mensch
Christus gethon, der in Můtterleib ist ein Herr gewesen vnd ein solcher Herr,
dergleichen kein Creatur im Himmel noch auff Erden was? Denn er was
ewiger, natürlicher, allmchtiger Gott vnd als ein Mensch in der gestalt
(35)Gottes. Diser Mensch oder Christus nach seiner menschlichen Natur hat sich
selbst geeussert.127 Jm Griechischen Text steht ein wort, ἐκένωσε, er hat sich
selbs außgelhrt.128 Diß Wort kan keinswegs recht vnnd eigendtlich von der
Gottheit Christi oder von dem Gttlichen Wesen für sich selbst
verstan- || [48:] den werden. Dann die Gottheit kan sich selbst nicht außlhren
auff keinerley weiß noch weg, die in jrem Wesen in alle ewigkeit
(5)vnwandelbar ist vnd bleibt, wie geschriben steht: „Gott ist nicht wie ein
Menschenkind“,129 der sich verwandle, sonder es ist von Christo zu verstehn
nach seiner menschlichen Natur, nach wlcher er sich nicht zum schein,130
sonder warhafftig vnnd mit der that außgelhrt hat, das ist sich nicht als ein
Gott gestellet oder, wie Doctor Luther schreibet, als ein Gott geberdet,
(10)sonder eines Knechts gestalt an sich genommen, das ist wie Sanct Paulus
sich selbst erklret: „Er wardt gleichwie ein anderer Mensch vnd an
gebrden als ein Mensch erfunden.“131 Dann da sahe man die gestalt Gottes
nicht jederzeit, darinn er doch waß, beides in seiner empfengknuß vnnd
geburt, wie auch nach seiner geburt an seinen geberden, der sich mit seinen
(15)geberden wol hette anderst stellen knnen vnd sich auch gestelt hette,
nmlich als Gott, da er hette sein Gttliche gestalt alwegen erzeigen wllen,
in wlcher er warhafftig als Mensch in der that gewesen vnd sie warhafftig
gehabt hat. Derhalben, so ligt Christus in der krippen vnd weißt nach seiner
menschheit eben so wenig als ein anders Kind, nimbt darnach zů an
(20)weyßheit vnd verstandt, nicht zum schein vor den leuten, sonder mit der that
vnd warheit. Dann ob er wol voller weyßheit ist, weil alle Schtz der
weyßheit vnnd deß erkenntnuß in jhm verborgen ligen, so hat er || [49:] sich
doch in der Knechtsgestalt also außgelrt, daß sie sich in jhme nicht erzeigen
sollen, biß es jm als dem ewigen Son Gottes vnd seim Vatter jederzeit
(25)gefllig gewesen ist. Vnd also hat Christus nach seiner menschlichen Natur
nicht zů allen zeiten alles gewußt, alles gehrt, alles gesehen, wie Doctor
Luther recht geschriben hat.132
Dise Demůth, ernidrigung oder außl(hren der gestalt Gottes hat sich sonder-
lich in seinem leiden vnd sterben erzeigt vnd das nicht zum schein, sonder
(30)mit der that vnd warheit. Dann da Christus in der Wuͤstin mit dem hunger
versůcht wardt, ist es nicht ein schawhandel, sonder ein ernst gewesen. Es
hungert jn warhafftig, hat kein Brot, solt auch damals keins auß den steinen
machen,133 der hernach mit fünff Gerstenbrot etlich tausend Menschen
gespeißt hat.134 Dann er wardt vom Geist in die Wuͤste gefuͤhrt, nicht daß er
(35)daselbsten solt auß steinen Brot machen, sonder daß er hunger leide vnnd
sich seiner Gttlichen Allmchtigkeit eussere, die wol hette knnen Brot
machen, die sich selbst weder verwandlet noch außgelhrt, aber in disem
Menschen auff dißmal nicht hat erzeigen vnnd wunderbarlich Brot machen
wllen. Also ist sein Seel betriebt biß in Todt,135 sein Schweiß ist wie
Blůtstropffen,136 er schreyt: „Mein Gott, mein Gott, warumb hastu mich
(5)verlassen“.137 Christus, der Gott vnnd Mensch ist, vnnd der Mensch, der in
der gestalt Gottes war, der schreiet || [50:] also, dem ist ernst, den haben die
schrecken der Hll warhafftig vnnd nicht zum schein, sonder mit der that
vmbfangen. Ernst ist es vnnd kein scheinhandel. Vnd würdt also im leiden
die Person Christi nit getrennet, sonder im leiden ist vnd bleibt er
(10)warhafftiger Gott vnd Mensch, vnd endert sich die gestalt Gottes gar nicht,
aber der nach seiner menschlichen Natur in derselben angenomnen gestalt
Gottes war, der endert sich in derselben Natur vnd verleurt doch die gestalt
Gottes nicht, sonder eussert sich allein derselben, so lang biß er das Werck
vnser erlsung volbringt, vnd das ist, das S. Paulus schreibet: „Er ernidriget
(15)sich selbs vnnd wardt gehorsam biß zum todt, ja zum todt am creutz.“138 Wie
es aber nicht ein schein, sonder that vnnd warheit gewesen, daß diser
Mensch oder Christus nach seiner menschheit sich außgelhrt vnnd seiner
Gttlichen gestalt geeussert, die er nach seiner menschlichen Natur vnnd
derselbigen Wesen nach nicht war, sonder dieselbige allein personlich
(20)gehabt vnd also in derselben gestalt als ein Mensch war, dessen menschlich
Natur mit der Gttlichen Natur personlich vereiniget was, also ist es auch
kein Scheinhandel, sonder ernst, that vnnd warheit gewesen, daß Sanct
Paulus weitter schreibet: „Darumb hat in Gott auch erhhet vnnd hat jhme
ein Namen gegeben, der vber alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich
(25)biegen sollen alle die knuͤ, die im Himmel vnnd auff Erden vnd vnder der
Erden seind, vnd alle Zun- || [51:] gen bekennen sollen, daß Jhesus Christus der
Herr seye zur ehr Gottes deß Vatters.“139 Dann dise Erh- hung ist anders
nichts, dann daß Christus die Knechtsgestalt gantz vnd gar von sich gelegt
habe, darinnen er vns gedienet hat zů vnser Erlsung, wlche Knechtsgestalt
(30)nicht, wie D. Luther recht erklrt, sein menschliche Natur gewesen ist.140
Dann da es heissen solt die menschlich Natur vnd jhr Wesen, so muͤßte
Christus eintweder jetzt zur rechten Gottes noch ein Knecht sein vnnd
heissen oder kein menschliche Natur mehr an sich haben. Nun zeüget aber
die heilig Schrifft, daß Christus nach der Himmelfart zum Herrn gemacht
(35)sey, dem seine Feind zů seinen fuͤssen ligen, Acto. 2, Psal. 110,141 der doch
ein warhafftiger Mensch gewesen vnnd in alle ewigkeit bleibt. Darumb můß
hie Knechtsgestalt nicht daß Wesen menschlicher Natur, sonder etwas in der
menschlichen Natur deß Menschen sein, der sich ernidriget hat, wie zuuor
gnugsam angezeigt ist.
Dann Christus würdt vns hie nicht nach seiner Gottheit, sonder nach seiner
(5)menschlichen Natur fürgestelt zů einem Exempel vnd fürbild einer rechten,
warhafftigen vnd ernstlichen Demůt, die er dem Vatter biß in sein Tod erwi-
sen hat. Darumb ist ein anders der Mensch Christus oder Christus nach sei-
ner menschlichen Natur vnd ein anders die Knechtsgestalt, die der Mensch
an sich genommen hat, wlcher von sich selbst zeuget, daß er ein Herr sey
(10)vnangesehen, daß er die || [52:] Knechtsgestalt noch damals am Halß getragen
vnd eins Knechts arbeit gethon het. Denn also schreibt Johannes: „Vnnd
nach dem Abendtmal, da Jhesus wußte, daß im der Vatter alles in seine Hnd
gegeben, leget er seine Kleider ab vnnd nam ein Schurtz vnd vmbgürtet sich.
Darnach goß er wasser in ein Beckhin, hůb an, den Juͤngern die fuͤß zu w-
(15)schen vnnd trücknet sie mit dem Schurtz, damit er vmbgürtet war, vnnd da er
die fuͤß gewschen hette, nam er seine Kleider vnd satzt sich wider nider vnd
sprach abermals zů jhnen: ‚Wisset jhr, waß ich euch gethon habe? Jhr heisset
mich Meister vnd Herr vnd sagen recht daran, dann ich bins auch.“142 Hie
bezeugt Christus beides, daß er ein Herr sey auch im standt seiner ernidri-
(20)gung vnnd nicht ein schlechter143 Herr, sonder dem der Vatter alles in seine
Hnd schon gegeben hat vnd nicht erst geben würdt, nmlich dem Menschen
Jesu von Nazareth – dann nach der Gottheit hat er alles von ewigkeit gehabt
mit dem Vatter –, das ist nicht allein ein Großmchtiger, sonder ein All-
mchtiger Herr, nmlich der alles in seinen Hnden hat vnd gleichwol in der
(25)gestalt deß Knechts wandlet, Knechtsarbeit thůt, die sonst jme als eim Herrn
nicht zůgehren. Da nun Christus dise Knechtsgestalt gantz vnnd gar hinge-
legt, da zeugetao die heilig Schrifft, daß er nach seiner menschlichen Natur
sey erhhet worden, das ist volkommenlich eingesetzt in die Maiestet Gottes
vnnd regierung deß Himmels || [53:] vnd der Erden, wlcher Maiestet er sich
(30)vor seinem leiden vnd sterben als ein Mensch oder nach seiner menschlichen
Natur nicht allzeit vnnd dergestalt wie nach seiner Aufferstehung vnderfan-
gen hat, sonder gesagt: „Deß Menschen Sone ist nicht kommen, daß man
jhm diene, sonder daß er diene“144 etc., vnangesehen, daß er in seiner emp-
fengknus vor seiner geburt ein solchen Namen gehabt, daß jhm nach seiner
(35)Aufferstehung kein hherer Nam hat knnen gegeben werden,145 da der En-
gel zů Maria sagt: „Daß von dir geboren würdt, würdt Gottes Son genennt
werden.“146 Darumb auch Elisabeth zů Maria sagt: „Waher kompt mir das,
daß die Můtter meines Herren zů mir kompt?“147 So ist nun Christus in Můt-
terleib vnd von Můtterleib an ein Herr, aber seiner Herrschafft hat er sich als
ein Mensch noch nicht vllig wllen gebrauchen, ehe dann er daß mensch-
(5)lich Geschlecht erlset hett, vmb dessen willen můst er eines Knechts gestalt
anziehen vnnd in derselben Knechtsgestalt thůn vnnd leiden alles, was wir
schuldig waren vnd verdient hetten. Sobald er aber solches verrichtet, so
würdt er eingesetzt in die volmchtige, ja Allmchtige Regierung nicht mit
blossen Titteln vnnd Namen, sonder mit der that vnd warheit.
(10)Damit aber nicht jemandt von vns gedencken mcht, als hetten wir gedach-
ten Spruch Sanct Pauli nach vnserm kopff vnd gůtgeduncken außgelegt, wl-
len wir Doctor Luthers wort hieher setzen, mit wchen er denselben in der
Kirchen- || [54:] postill außgelegt hat. Dann also lautten seine wort: „Dise wort:
‚Gttlich gestalt‘ werden nicht einerley weiß gehandelt. Etlich meinen, Pau-
(15)lus wlle dardurch verstehn das Gttliche Wesen vnd Natur in Christo also,
daß Christus warer Gott geweßt vnd hab doch sich herunder gelassen. Wie-
wol nun das war ist, daß Christus warer Gott ist, so redet doch Sanct Paulus
hie nicht von seinem Gttlichen himmelischen Wesen. Dann eben dasselbig
wortlin μορφή oder ‚forma‘ braucht er auch hernach. Dann er spricht, Chris-
(20)tus habe Knechtsgestalt an sich genommen. Daselbs kan jhe Knechtsgestalt
nicht heissen ein Wesen eines natürlichen Knechts, der von art ein knechti-
sche Natur an sich habe. Weil Christus nicht von art, sonder auß gůttem wil-
len vnd gnaden vnser Knecht worden ist, darumb kan auch Gttliche gestalt
hiemit eben heissen sein Gtlich Wesen. Denn daß Gttlich Wesen kan nie-
(25)mandt sehen, aber die Gttliche gestalt sehe man. Wolan wir wllen Teutsch
daruon reden vnd Sanct Pauln hell an tag bringen: ‚Gestalt Gottes‘ heisset
daher, daß sich einer stellet als ein Gott vnnd auch also geberdet oder sich
der Gottheit annimpt vnd vnderwindet,148 wlches geschicht nicht heimlich
bey sich allein, sonder gegen andere, die derselbigen geberd oder gestalt
(30)gewar werden. Darumb kündt man es nicht deutlicher reden dann auff dise
weise: ‚der geberdet Gttlich‘ oder ‚stellet sich als ein Gott, wann er sich
beweiset vnd also redet vnd thůt daß Gott zůgehrt oder wol ansteht.‘ || [55:]
Also auch Knechtsgestalt ist, das sich einer stellet vnd geberdet wie ein
Knecht gegen anderen. Daß es auch deutlicher were geredt: ‚Morphi tu
(35)dulu‘, ‚knechtische geberden‘ oder ‚der geberdet Knechtisch‘, das ist er
stellet sich also, das wer jhn ansicht, der můß jhn für ein Knecht halten. Auß
wlchem ist klar, das an disem ort nicht würdt geredt vom Gttlichen wesen
oder Knechtischen wesen eusserlich, sonder von den geberden vnd erzeigen
deß Wesens. Dann wie gesagt ist: Das Wesen ist heimlich, aber zeigen
geschicht offentlich, vnd daß Wesen ist ettwas, aber daß geberden thůt etwas
oder ist eine That.“149 Hactenus Lutherus.
Wie nun Doctor Luther die Gestalt Gottes recht vnd eigentlich erklrt, also
(5)hat er auch deutlich angezeugt, nach wlcher Natur zu verstehn seye, daß
Sanct Paulus hie schreibet von der nidrigung vnnd erhhung Christi, nmlich
nicht nach der Gttlichen, sonder nach der menschlichen Natur. Denn also
lautten seine Wort: „Vnd entlich alles, was von Christi ernidrigung vnnd er-
hhung gesagt ist, soll dem Menschen zugelegt werden. Dann Gttlich Natur
(10)mag weder ernidriget noch erhcht werden.“150 Damit aber nicht jemand
sagen mchte, Luther habe geschriben „den Menschen“, aber nicht „der
Menschheit“, setzt Doctor Luther gleich hernach: „hat er sich gesetzt zur
Rechten der Maiestet Gottes in der hhe. Das ist nach der menschlichen Na-
tur gesagt“151 vnnd gleich hernach: „also ists auch war, das Gottes Son sitzt
(15)zů der Rechten hand der Maiestet, wiewol daß allein || [56:] nach der Mensch-
heit geschicht. Dann nach der Gottheit ist er auch selbs die einige Maiestet
mit dem Vattter, zů wlches rechten Hand er sitzet.“152 Auß wlcher erkl-
rung der Christlich leser auch zu vernemen, wlcher gestalt D. Luther die
wort Sanct Pauli in jhrem rechten, eigentlichen verstandt erklret, daß er hie-
(20)mit den alten Lehrern gar nichts abgebrochen, wlche auß disem Spruch
Sanct Pauli, wie auch andern allen, so von der Maiestet deß Menschen Chris-
ti reden, die ewige Gotheit Christi wider die Ketzer recht erwisen haben.
Dann were Christus der Herr nicht der ewig, wesenlich, natürlich Son Got-
tes, so künde er nach seiner menschlichen Natur in der gestalt Gottes nicht
(25)gewesen sein, daruon hie S. Paulus redet, nach wlcher er doch nicht geber-
det noch sich vor den Leutten gestellet hat als ein Gott, sonder Knechtsge-
stalt getragen vnd in den wercken erwisen, biß er zur rechten Gottes nach
seiner Aufferstehung erhhet, das ist in die vllige administration Himmels
vnd der Erden nach der menschlichen Natur eingesetzt, vnnd solche
(30)Knechtsgestalt gantz vnd gar abgelegt hat.
Also erklren die zween Sprüch Sanct Pauli einander gar eigendtlich. Da er
an die Colosser geschriben hat: „Jn Christo wonet die vlle der Gottheit leib-
hafftig“153 vnnd „Christus ward in der gestalt Gottes“,154 dardurch die ge-
meinschafft anzuzeigen, so durch die personlich vereinigung beider Naturen
(35)Christi volget. Dann eben darumb ist Christus nach seiner menschlichen
Natur in der gestalt Gottes, || [57:] dieweil alle vlle der Gottheit in jm Leib-
hafftig wohnet, wlches nicht kan allein ein gemeinschafft der Namen heis-
sen, sonder es ist ein warhafftige (realis) gemeinschafft Gottes mit der ange-
nommen menschlichen Natur, oder die Apostel vnnd Propheten werden als
(5)falsche zeugen erfunden, die nur von vergebenlichen Titeln vnd Namen re-
deten vnd nicht von der Maiestet, die mit der That dem Son Dauidt nach dem
fleisch ware mitgetheilt worden. Von disem Geheimnuß redet auch Johannes
der Teüffer, da er spricht: „Gott gibt den Geist nicht nach der maß. Der Vat-
ter hat den Son lieb vnnd hat jhm alles in seine Hnd gegeben“,155 dann die
(10)personlich vereinigung beeder Naturen, der Gttlichen vnd der menschli-
chen, ob sie wol allein in der Person deß Sons Gottes geschehen ist, so ist sie
doch nicht nur deß Sons, sonder zumal der gantzen heiligen Dreyfaltigkeit,
Gottes deß Vatters, deß Sons vnnd deß heiligen Geists Werck. Dann durch
die würckung deß heiligen Geists ist die empfengknuß Christi im Leib der
(15)Jungkfrawen Marien geschehen, da dann Christus nach seiner menschlichen
Natur den Geist nicht mit der maß, sonder die gantze vlle der Gottheit hat
empfangen, die leibhafftig in jm wohnet.156
Auß disen hellen, klaren vnnd vnwidersprechlichen zeugknussen der heili-
gen Schrifft ist offenbar, daß Doctor Luther vnd die wir jm nachuolgen kein
(20)newe noch in Gottes Wort vngegründte Lehr von der Person Christi vnd sei-
ner Maiestet || [58:] nach der menschheit in die Kirchen Gottes eingefuͤrt, son-
der eben das geglaubt, gelehrt vnd geschriben, das zuuor die lieben Prophe-
ten vnd heilige Apostel gelehrt vnd geschriben haben, daruon sonderlich der
72. Psalm singt: „Gott, gib dein Gericht dem Knig vnd dein Gerechtigkeit
(25)deß Knigs Sone. Man würdt dich frchten, so lang die Sunn vnd der Mon
weret, von Kind zů Kindskinden“157 etc. Wlches an Christo erfüllet ist, von
dem Joannis am 5. geschriben steht: „Der Vatter richtet niemandts, sonder
hat alles Gericht dem Son gegeben“ vnd abermals: „Wie der Vatter das Le-
ben hat in jm selber, also hat ers dem Son geben, daß Leben zu haben in jm
(30)selber vnd das Gericht zu halten, darumb daß er deß Menschen Son ist.“158
Allein diser vnd kein anderer Mensch kan sagen: „Jch bin bey euch zů aller
zeit biß an das ende der Welt“,159 darzů er keins auff- noch abfarens bedarff,
sonder alle ding gegenwertig hat vnnd auch allen gegenwertig ist nicht auff
ein leibliche, jrrdische, raumliche weise, wlche allein in diß vergengklich
(35)leben gehrt, sonder auff ein himmelische vnd menschlicher vernunfft ver-
borgne weiß, vmb wlcher willen er sagt: „Wa zween oder drey in meinem
Namen versammlet seind, bin ich“, deß Menschen Son, „mitten vnder
jhnen.“160 Die Person ist da, der gantz Christus, Gott vnd Mensch personlich,
vnd sollicher gestalt nicht gegenwertiger im Himmel als hie vnden auff Er-
den, deß Menschen Son, der im Himmel ist, spricht Christus.161 Da dann das
wort „Himmel“ nicht heißt ein hoher ort, sonder die hochheit || [59:] der Gtt-
(5)lichen Natur vnd Maiestet Gottes, in wlcher Christus nach seiner Menscheit
durch die personlich vereinigung beder Naturen in Gott so hoch erhebt ist,
daß er auch in seiner Glori nicht hat weitter künden erhcht werden. Dann
kein Creatur hher kan gesetzt werden, dann daß sie mit Gott ein Person
würdt. Dergestalt auch S. Paulus zeuget, daß Christus vber alle Himmel ge-
(10)faren sey, auff daß er alles erfüllet,162 nicht leiblicher, natürlicher oder raum-
licher weiß, sonder, wie Doctor Luther schreibt, nach art Gttlicher Rechten,
wlches vil ein hhere Gegenwart ist dann die grob, leibliche, natürliche,
raumliche Gegenwart, von deren allein die Zwinglianer reden vnd sonst kei-
ne wissen wllen, gleich als wann Gott nicht mehr dann ein weiß der Gegen-
(15)wart hette.163
Auß diser kurtzen erzelung der zeugnuß der heiligen Schrifft alts vnd news
Testaments, wlche in andern vnsern Schrifften weitleuffiger gehandelt vnd
erklrt,164 hat der Christlich Leser zu vernemen, das vnser Glaub vnd Be-
kanntnuß von der Maiestet deß Menschen Christi zur Rechten der Maiestet
(20)vnd Krafft Gottes kein Menschlich Gedicht, sonder die vnwidersprechlich
warheit Gottes sey, die auch in Gottes Wort gegründet vnd vermg desselbi-
gen nimmermehr vmbgestossen werden mag.
Wie nun dise Christliche vnd heilsame Lehr in der Propheten vnnd Apostel
(25)Schrifften gegründet, also ist sie auch in der gantzen Allgemeinen, heiligen,
Christlichen kirchen ye vnd allwegen durch Gottes gnad erhalten worden,
inmassen vnser einfeltiger Christlicher Glaub klarlich außweißt, da wir also
bekennen: „Jch glaub in Jesum Christum, seinen eingebornen Son, vnsern
Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geist, geborn auß Maria der
(30)Jungkfrawen, gelitten vnder Pontio Pilato, gecreütziget, gestorben vnnd be-
graben, abgefaren zů der Hlle, am dritten tag wider aufferstanden von tod-
ten, auffgefaren gehn Himmel, sitzet zur Rechten Gottes deß Allmchtigen
Vatters, von dannen er widerkommen würdt zů Richten die Lebendigen vnd
die Todten.“166 Vnnd ist diß der einfltig verstandt vnsers Glaubens vnnd
Bekanntnuß von Christo: „Jch Glaub“, das ist: Jch halte vest vnd gewiß vnnd
setze all mein vertrawen in Christum, wlcher zumal Gottes vnd deß Men-
schen Son, vom Vatter von ewigkeit vnaußsprechlicher weiß geboren vnd
(5)von Maria der Jungkfrawen in der zeit von Gott bestimpt geborn, ein einiger
Christus, nicht ein anderer deß Menschen, ein anderer Gottes Son, wlcher
vmb vnser Sünden willen sich seiner Gttlichen Maiestet als ein Mensch
geeussert, der in sei- || [61:] ner empfengknus vnd geburt in der gestalt Gottes
gewesen, in dem die fülle der Gottheit leibhafftig gewohnet hat. Dann er ist
(10)auch der ewig, wesenlich vnd natürlich Son Gottes. Diser Christus, Gott vnd
Mensch, hat warhafftig gelitten vnder Pontio Pilato, ist gecreutziget, gestor-
ben vnd begraben. Es hat nicht allein die Menschheit gelitten – dann sie ist
für sich selber kein Person jemals gewesen –, sonder Christus, die Person,
hat gelitten, ja der Son Gottes. Er hat aber gelitten in vnnd nach der mensch-
(15)lichen Natur, vnd seind wir also mit Gottes Blůt erlßt worden.167
Diser Christus ist auch nach seiner menschlichen Natur wider von todten
erweckt worden vnd gehn Himmel gefarn, nicht die menschlich Natur für
sich selbs oder allein ohne die Gottheit – dann sie ist für sich selbs kein Per-
son, sonder die Person Christus, doch nach der menschlichen Natur – ist
(20)gehn Himmel gefaren. Eben der Christus, der nach der menschlichen Natur
gelitten, gestorben, begraben, von todten erstanden, gehn Himmel gefarn, der
ist auch nach derselben Natur gesetzt zur Rechten Gottes deß Allmchtigen,
das ist: Er ist nach seiner menschlichen Natur eingesetzt in die Allmchtige
Maiestet vnnd Krafft Gottes, das jetzt nicht der Son Gottes allein ausserhalb
(25)vnnd ohne die angenomne Menschheit, sonder Christus, das ist Gottes Son,
regiert auch durch vnnd mit der erhchten menschlichen Natur alles gegen-
wertig im Himmel vnd auff Erden in gleicher Maiestet, Gwalt || [62:] vnnd
Herrligkeit mit Gott dem Vatter, wlchen Christum Gott vnd Mensch alle
rechtglaubigen in allen jren nten anrůffen vnnd seiner verheissung nach
(30)nicht zweifflen, daß er an allen enden vnd orten bey jhnen sey biß an das end
der Welt – der gantz Christus, nicht sein Gottheit allein, sonder Christus,
Gott vnd Mensch personlich vngetrent vnd vnzertheilt, gantz vnser Mittbrů-
der, getrewer Mittler vnd Fürsprech vor dem Vatter, der auch als ein Mensch
gesetzt ist zů einem Richter vber die lebendigen vnd die todten vnd also ein
(35)hertzenkundiger worden, der all vnser not weißt, sihet vnd hrt, darmit vnd
darbey ist, vnnd weil er als ein Mensch versůcht vnd vnser ellend erfaren,
mit vns ein mitleiden hat, trstet vnd außhilfft.168
Diß ist vngezweyfelt aller einfeltigen Christen einfeltiger Glaub, wlche in
jren Gedancken von Christo vnnd seiner gegenwertigkeit in allen jren nten
(40)nicht gedencken noch vil weniger nach jrer vernunfft von den eigenschafften
menschlicher Natur disputiern, daß sie vmb derselben willen allein mit sei-
ner blossen Gottheit reden solten, sonder all jr Gedancken, anrůffen vnnd
Trost ist gantz vnd gar auff vnnd zů deß Menschen Son gerichtet, das ist zů
dem gantzen Christo, der als ein Mensch jhnen verwandt, jr Haupt, jr
(5)Fleisch, jr Blůt, jr Brůder ist, der jr noth erfaren hat als ein Mensch, weißt,
behertziget, hilfft, trstet vnnd darauß erretten kan, zů dem sie frlich vnnd
mit frewdigkeit als zů dem Gnadenstůl tretten drffen, die sich sonst ab der
blossen Gottheit als einem || [63:] verzerenden Fewr169 endtsetzen vnnd sich
abschrecken liessen.
(10)Bey sollicher einfltigen erklrung hat auch der Christlich leser zu mercken,
das durch dise Lehr von der Maiestet deß Menschen Christi oder Christi
nach seiner menschlichen Natur die vnderschidne Articul vnsers einfltigen
Christlichen Glaubens, nmlich von der menschwerdung, himmelfart vnd
sitzen zur Rechten Gottes, keinswegs vermischet noch vil weniger verkert
(15)oder verflscht, sonder ein jeder in seim rechten eigentlichen vnd warhaffti-
gen verstndt erhalten werden. Dann wie dise drey Articul drey vnder-
schidne Articul seyen, also glauben, lehren vnnd bekennen wir auch, das in
denselben vnderschidne ding von Christo begriffen vnd angezeigt werden.
Also würdt im Articul von der menschwerdung Christi angezeigt vnd ge-
(20)glaubt, daß der Son Gottes, wlcher ist die Rechte Gottes selber, im Leib der
hochgelobten Jungkfrawen Maria hab in einigkeit seiner Person die mensch-
liche Natur an sich genommen, doch also, das er sich seiner Gttlichen Ma-
iestet nicht alßbald gebraucht, sonder sich derselben biß auff den tag seiner
aufferstehung geeussert, ob er sie wol zun zeitten besunders in seinen wun-
(25)derwercken ettlichermassen sehen lassen vnd also erzeigt hat. Jm Articul der
Himmelfart aber würdt angezeigt, das er alle Schwachheit dises jrdischen
lebens von sich gelegt vnd also der jrdischen, natürlichen vnd sichtbarlichen
beiwohnung vhrlaub ge- || [64:] ben vnd nach seinem verklrten Leib auß diser
Welt gegangen sey vnd sie solcher gstalt verlassen habe. Jm Articul aber
(30)vom Sitzen zur Rechten Gottes würdt angezeigt, das Christus, nachdem er
im standt der Knechtsgestalt daß Werck vnser erlsung volbracht, darinnen
er sich nicht zum Schein, sonder mit der that vnd warheit seiner Maiestet
geeussert, hab er solche Knechtsgestalt gantz vnd gar hingelegt vnd nach
hinlegung derselben in die vllige Regierung deß Himmel, der Erden vnd al-
(35)ler Creaturen eingesetzt worden, das von derselben zeit an der Son Gottes
nicht ohn die menschlich Natur Himmel vnd Erden regiere, wie er zuuor ge-
thon hat, ehe er ist Mensch worden oder Knechtsgestalt hingelegt, sonder
Christus regiert jetzt, das ist Gott vnd Mensch, nmlich der Son Gottes durch
jhn vnnd mit der angenomnen menschlichen Natur, nach wlcher der Son
Gottes zur Rechten der Maiestet vnd krafft Gottes gesetzt ist, der nach seiner
Gttlichen Natur die Rechte Gottes selbs ist.
Das also der gantz Christus, Gott vnd Mensch, gegenwertig alles im Himmel
vnd auff Erden in seinen Hnden hat, regiert vnd verwaltet nach seinem wol-
(5)gefallen, vnd das natürlich vnnd personlich als Gottes Son, welcher natürli-
cher, vnendtlicher Gott vnd die ander Person in der heiligen Dreyfaltigkeit
ist, aber als deß Menschen Son nicht natürlich, das ist nicht nach art der ei-
genschafften menschlicher Natur – denn seiner || [65:] menschlichen Natur
nach bleibt er auch in der Maiestet ein warhafftiger Mensch –, sonder per-
(10)sonlich, das ist dergestalt, wie sein menschliche Natur in einigkeit der Person
deß Sons Gottes auffgenommen vnd für sich selbs kein Person ist, dardurch
jm ein solche weiß der Gegenwart vnnd Regierung mitgetheilt, die vil hher,
besser vnnd krefftiger ist dann die jrdisch, natürlich vnnd raumlich Gegen-
wart, der seinen Jünger nicht allein den heiligen Geist gesandt, sonder jnen
(15)auch zůgesagt hat, er selbs, deß Menschen Son, der Christus, gantz vnd vn-
zertrent, wlle bey jnen sein alle zeit biß an das end der Welt.170 Wie es nun
vnderschidlich ding sein vnd bleiben: menschlich Natur in einigkeit der Per-
son annemen vnnd sich doch ein zeitlang der Maiestet eussern, jtem: in die-
selbige Maiestet vllig eingesetzt werden vnnd sie allenthalben gebrauchen,
(20)jtem: menschliche schwachheit ablegen vnd glorificiert oder herrlich wer-
den, also ist vnnd bleibt auch der vnderschid diser dreien Articuln vnsers
Christlichen Glaubens von der menschwerdung, himmelfart vnd sitzen zur
Rechten Gottes, in wlchen die oberzelte vnderschidne werck Gottes begrif-
fen seind. Derhalben vns vnguͤttlich vnd mit vngrund zůgemessen würdt, als
(25)solten wir durch dise Lehr die vnderschidne Articul vnsers Christlichen
Glaubens nicht allein vermischen, sonder auch in dieselbige schrckliche
jrrthumb vnnd verfelschung einfuͤhren, dardurch der vnderschid der Gttli-
chen vnnd menschlichen Natur zůgrund auffgehaben || [66:] vnnd die mensch-
liche Natur gentzlich verleugnet werde. Dann, wie klrlich angezeigt, so
(30)behalten wir den rechten vnderscheid vnd eigendtlichen, warhafftigen ver-
stand oberzelter Articul vnd zeigen auch der histori nach vnderschidlich an,
was Christo nach seiner menschlichen Natur vermg jedes Articuls zů oder
abgangen seye, dardurch sein menschlich Natur nicht auffgehaben, sonder in
jhrem Wesen gebliben, aber nach derselben Christus warhafftig vnd mit der
(35)that erhcht oder ernidriget worden. Dann in seiner empfengknus die
menschlich Natur also erhhet worden, dergleichen keiner Creatur im Him-
mel noch auff Erden widerfaren, da sie mit dem Son Gottes, der die Rechte
Gottes ist, ein Person worden ist. Herwiderumb in seinem Leiden vnd Ster-
ben ist sie dermassen ernidrigt, daß Christus nach der menschheit ein kleine
(40)zeit von Gott verlassen vnd, wie die Epistel zun Hebreern sagt, der Engeln
gemangelt171 vnnd – vnangesehen, daß im Leiden vnnd Todt die personlich
vereinigung der Gttlichen vnd menschlichen Natur nicht auffgelßt – Chris-
tus nach seiner menschlichen Natur ruͤffet: „Mein Gott, mein Gott, warumb
hastu mich verlassen?“172 Hernach aber in der Aufferstehung widerumb er-
(5)hcht, nicht allein zur Himmelischen Glori vnnd Herrligkeit wie ander Heili-
gen, sonder wie er nach der menschlichen Natur in der empfengnus mit dem
Son Gottes ein Person worden, daß er sich || [67:] jetzt erst zur Rechten Gottes
gesetzt, das ist seiner Maiestet, die jm in Můtterleib gegeben, erst vllig ge-
braucht vnd auch als ein Mensch zur Rechten Gottes Himmel vnd Erden re-
(10)giert. Darauß auch zu sehen, mit was vngrund der verdampten Martioniter
Ketzerey vns vnnd vnsern Kirchen zugemessen worden. Dann der Ketzer
Martion173 hat gelehrt, das der Son Gottes nicht warhafftige menschliche
Natur hab an sich genommen, sonder nur ein gleichnus derselben, vnnd also
auch nicht warhafftig gelitten noch gestorben, sonder es sey alles allein zum
(15)schein geschehen, wlches wir als ein verdampten Jrrthumb verwerffen vnd
verdammen, da wir bekennen, daß der Son Gottes warhafftig deß Weibs
Samen, den Samen Abraham, auß der Substantz, Natur vnd Wesen der
Jungkfrawen Marien an sich genommen, hab warhafftig darinnen gelitten
vnnd vns von vnsern Sünden erlßt, nach wlcher er zur Rechten der Maies-
(20)tet vnnd Krafft Gottes gesetzt ist, wie vnser einfeltiger Christlicher Glaub
außweißt.174 Gleicher gestalt würdt sich auch vnser vnschuld in dem offenbarlich befin-
den, das vns weitter zůgemessen würdt, als solten wir vom Himmel vnd der
Hll gantz new Gedicht einfuͤhren vnnd nichts dann lautter Allegorias darauß
(25)machen, das ist dieselbige gantz vnd gar verleugnen.175 Dann das gewißlich
ein Himmel vnnd ein ewigs seligs Leben vnd Wesen seye, haben wir nieh-
mals gezweiffelt, sonder fleissig in vnsern Schrifften vnd Predigen getriben.
|| [68:] Was es aber vnnd wa es sey, das hat vns noch niemandts zeigen kn-
den, dieweil Esaias vnd S. Paulus bezeugen, daß in keins Menschen Hertzen
(30)kommen, keins Menschen Aug gesehen, kein Ohr gehrt, was Gott denen,
die jn lieben, bereittet habe.176 Dann die heilig Schrifft zeugt, daß dise er-
schaffne, sichtbare Himmel vnd Erden vergehn: „Himmel vnd Erden“,
spricht Christus, „werden vergehn, aber meine Wort werden nit vergehn.“177
Esaias schreibt: „Die Sunn soll nicht mehr deß tags dir scheinen vnd der
glantz deß Mons soll dir nicht leuchten, sonder der Herr würdt dein ewigs
Liecht sein“,178 das ist, das Sanct Paulus schreibt: „Gott würdt alles in allem
sein.“179 „Der Himmel vnd Erd werden durch sein Wort gespart“, schreibt
Sanct Petrus, „daß sie zum Fewr behalten werden biß an den Tag deß Ge-
(5)richts“180 vnd abermals Esaias: „Sihe, ich will ein newen Himmel vnd ein
newe Erden schaffen, daß man der vorigen nicht mehr gedencken würdt.“181
Also auch, das von den verdampten in der Hlle gesagt würdt, „jhr Wurm
würdt nicht sterben vnnd jhr Fewr würdt nicht verleschen“,182 ist die ewig
vnfelbar warheit, daran kein Mensch zweifflen sol. Was es aber sein werde,
(10)das wissen wir nicht, aber es werden es die Gottlosen vnd alle verdampten
wol erfahren. Wie wir nun nicht zweifflen, sonder vestigklich glauben, ob
wir es wol nicht verstehn, auch nicht daruon reden knnen, wie es an im
selbs ist, das die abgestorbne, ausserwlte Christen warhafftige, aber doch
geistliche Leib haben werden, also zwei- || [69:] flen wir auch nicht, daß sie in
(15)dem newen Himmel sein werden, daruon die Schrifft redt. Diß ist die einhel-
lig bestendig Lehr vom Himmel vnnd der Hll, so in vnsern Kirchen biß
daher einhellig vnd bestendigklich ist getriben worden. Darumb wir dem
Christlichen leser zů bedencken vnnd zu ermesesn geben, was diß für ein
Geist sey, der vnuerschuldter weiß solche grobe, greiffliche vnwarheit wider
(20)reine Lehrer der Kirchen außgiessen darff, als solten wir auß dem Himmel
vnnd der Hll nur Allegorias machen, das ist im grundt gar nichts daruon
halten.
Daß wir aber der Zwinglianer grobe flaischliche Gedancken nicht billichen
noch recht heissen knnen, die jhnen anders nichts dann ein jrrdisch wesen
(25)dichten, dem Alcoranischen vnd Mahometischen Himmel nicht vngleich,183
sol vns niemandt verdencken. Sonderlich da sie schreiben, daß der Son Got-
tes auß dem leiblichen Himmel, der jrer meinung nach ein gewiß ort vnd
Gottes, des Himmelischen Vatters, Burg oder Hoffhaltung sein soll, sey auff
Erden gesandt vnd von dannen in denselben Himmel, nachdem er mensch-
(30)lich Natur angenommen, wider auffgenommen, daß er daselbsten mit Glori
vnd Herrligkeit gekrndt werde, wlches nichts dann ein kündischer184 Ge-
danck ist von dem Gttlichen Wesen deß Vatters vnnd der sendung seines
Sons, der nicht von eim ort in das ander nach seiner Gttlichen Natur ist ge-
schickt, wie er auch nicht mit der Gttlichen Natur nach der mensch- || [70:]
(35)werdung von eim ort zů dem andern gefahren, sonder sollichs alles von we-
gen der menschlichen Natur jme würt zůgeschriben, wie daroben gnugsam
ist erklrt worden. Derwegen leügnen wir keinswegs, sonder glauben vnd
bekennen mit Hertzen vnnd Mund, das wir nach der aufferstehung deß
Fleischs jrgendt sein werden, es seye ja, wa es wlle. Was es aber sein werd,
das wissen wir nicht, vnd sollen auch in diß Geistlich Himmelisch Wesen
(5)vnsere jrrdische fleischliche Gedancken nicht bringen. Dann wir weder reden
noch gedencken knden, was es sein werde einmal nichts jrrdisch, sonder
alles Himmelisch vnd vnaußsprechlich.
Diß sey gnůg auff dißmal auß vnserm einfeltigen Christlichen Kinderglau-
ben zur bestetigung vnser Lehr von der Maiestet deß allenthalben nach der
(10)Menschheit regierenden Christi vnnd zů widerlegung der vngegründten vnnd
beschwerlichen Aufflag, als solt Doctor Luther seeliger oder wir durch die
Lehr von der Maiestet deß Menschen Christi die Articul vnsers Christlichen
Glaubens vermischet vnd verfelschet vnnd beides von dem Himmel vnd der
Hll nichts halten. Dise einfeltige Bekanntnus von dem Herren Christo in
(15)allgemeinem Christlichen Kinderglauben begriffen hat der heilig lehrer
Athanasius auch in seim Symbolo beschriben, wlchs, dieweil es kurtz vnnd
ein gantz herrliche bekanntnus ist vnsers Christlichens Glaubens, wllen wir
es hieher gantz setzen, vnd lauttet zů teutsch also:
(20)„Wer da will selig werden, der můß vor allen dingen den rechten Christli-
chen Glauben haben. Wer denselben nicht gantz rein helt, der würdt ohn
zweiffel ewigklich verlorn sein. Diß ist aber der recht Christlich Glaub, daß
wir ein einigen Gott in drey Personen vnnd drey Personen in einiger Gottheit
ehren vnd nicht die Personen ineinander mengen noch das Gttlich Wesen
(25)zertrennen. Ein andere Person ist der Vatter, ein andere der Son, ein andere
der heilig Geist. Aber der Vatter vnd Son vnd heilig Geist ist ein einiger
Gott, gleich in der Herrligkeit, gleich in ewiger Maiestet. Wlcherley der
Vatter ist, solcherley ist der Son, solcherley ist auch der heilig Geist. Der
Vatter ist nicht geschaffen, der Son ist nicht geschaffen, der heilig Geist ist
(30)nicht geschaffen. Der Vatter ist vnmeßlich, der Son ist vnmeßlich, der heilig
Geist ist vnmeßlich. Der Vatter ist Ewig, der Son ist Ewig, der heilig Geist
ist Ewig, vnnd seind doch nicht drey Ewige, sonder es ist ein Ewiger, gleich-
wie auch nicht drey vngeschaffne, noch drey || [72:] vnmeßliche, sonder es ist
ein vngeschaffner vnnd ein vnmeßlicher. Also auch der Vatter ist Allmech-
(35)tig, der Son ist Allmechtig, der heilig Geist ist Allmechtig, vnd seind doch
nicht drey Allmechtigen, sonder es ist ein Allmechtiger. Also der Vatter ist
Gott, der Son ist Gott, der heilig Geist ist Gott, vnnd seind doch nicht drey
Gtter, sonder es ist ein Gott. Also der Vatter ist der Herr, der Son ist der
Herr, der heilig Geist ist der Herr, vnd seind doch nicht drey Herren, sonder
(40)es ist ein Herr. Dann gleichwie wir muͤssen nach Christlicher warheit ein
jegkliche Person für sich Gott vnd Herrn bekennen, also knnen wir im
Christlichen Glauben nicht drey Gtter oder drey Herren nennen. Der Vatter
ist von niemandt weder gemacht noch geschaffen noch geborn. Der Son ist
allein vom Vatter, nicht gemacht noch geschaffen, sonder geborn. Der heilig
Geist ist vom Vatter vnd Son nicht gemacht, nicht geschaffen, nicht geborn,
(5)sonder außgehendt. So ist nun ein Vatter, nicht drey Vtter, ein Son, nicht
drey Sn, ein heiliger Geist, nicht drey heilige Geister, || [73:] vnd vnder disen
drey Personen ist keine die erste, keine die letste, keine die grste, keine die
kleineste, sonder alle drey Personen seind miteinander gleich ewig groß, auff
das also, wie gesagt ist, drey Personen in einer Gottheit vnnd ein Gott in drey
(10)Personen geert werde. Wer nun wil selig werden, der můß also von drey Per-
sonen in Gott halten.
Es ist aber auch not zur ewigen Seligkeit, daß man trewlich Glaube, daß Je-
sus Christus, vnser Herr, sey warhafftiger Mensch. So ist nun diß der rechte
Glaub, so wir glauben vnnd bekennen, daß vnser Herr Jesus Christus, Gottes
(15)Son, Gott vnd Mensch ist. Gott ist er auß deß Vatters Natur vor der Welt
geborn, Mensch ist er auß der Můtter Natur in der Welt geboren. Ein vol-
komner Gott, ein volkomner Mensch mit vernünfftiger Seelen vnnd mensch-
lichen Leibe. Gleich ist er dem Vatter nach der Gottheit, kleiner ist er nach
der Menschheit dann der Vatter, vnd wiewol er Gott vnd Mensch ist, so ist er
(20)doch nicht zwen, sonder ein Christus. Einer, nicht daß die Gottheit in die
Menschheit verwandelt sey, sonder daß die Gottheit hat die Menschheit an
sich genommen, || [74:] ja einer ist er, nicht das die zwo Natur vermengt seind,
sonder das er ein einige Person ist. Dann gleich wie Leib vnd Seel ein
Mensch ist, so ist Gott vnd Mensch ein Christus, wlcher gelitten hat vmb
(25)vnser Seligkeit willen, zur Hllen gefaren, am dritten tag Aufferstanden von
den Todten, auffgefaren gehn Himmel, sitzet zur Rechten Gottes deß All-
mchtigen Vatters, von dannen er kommen würdt zů Richten die Lebendigen
vnd die Todten, vnd zů seiner Zůkunfft muͤssen alle Menschen Aufferstehn
mit jren eignen Leiben vnnd muͤssen rechenschafft geben, was sie gethon
(30)haben, vnd wlche gůtes gethon haben, werden jns ewig Leben gehn, wlche
aber bses gethon haben, jns ewige Fewr. Das ist der rechte Christliche
Glaub. Wer denselben nicht fest vnd trewlich glaubt, der kan nicht selig wer-
den.“185
Hie gebraucht der heilig Athanasius ein feine, verstendtliche gleichnus, dar-
(35)mit er vns diß geheimnus ettlichermassen erklrt, da er also gesetzet hat:
„Gleichwie die vernünfftige Seel vnd der Leib ein Mensch seind, also seind
Gott vnd Mensch ein Christus“,186 wlche gleichnus nicht allein von Athana-
sio, sonder auch von dem heiligen Cyrillo, Iustino, Augustino vnd andern
Kirchenlehrern mehr alt vnd new ist gebraucht worden.187 || [75:] Dann ob sie
sich wol nicht durchauß in allem vergleicht, darumb es auch nichts dann ein
gleichnus ist, darmit man ettlichermassen diß geheimnus in Christo erklren
wllen, jedoch schickt sie sich sonders fein vnd wol in dem, darzů es die
(5)Vtter vnd Kirchenlehrer fürnemlich angezogen haben, namlich wlcher
gestalt der Son Gottes die eigenschafft seiner Gttlichen Natur mit der verei-
nigten Menschlichen Natur ohne alle vermischung derselben wie auch der
Naturen selbst gemein habe, wlche er in einigkeit seiner Person angenom-
men hat: Dann wie ein jeder Mensch nicht zwen Menschen, sonder ein eini-
(10)ger Mensch, wiewol auß zweien vngleichen Naturen, Leib vnnd Seel, zů-
samengesetzt vnnd erschaffen ist, also ist Christus nicht zwen, sonder nur ein
einiger Christus, vnangesehen, das in der Person Christi zwo vngleiche Natu-
ren, die Menschlich vnnd Gttlich, zusamenkommen vnd miteinander verei-
nigt werden. Dergleichen wie die Seel deß Menschen vnnd sein Leib ein je-
(15)des sein vnderschiden Wesen, auch ein jedes sein eigenschafft hat vnnd
behelt, so lang der Mensch lebt, vnd keins in das ander verwandlet noch mit
dem andern vermischt würdt – der Leib bleibt ein Leib vnd würdt in die Seel
nimmer verwandlet vnd herwiderumm: die Seel bleibt die Seel vnd würdt in
den Leib nimmer verwandlet –, dergleichen geschicht auch mit beider Natu-
(20)ren, deß Leibs vnd der Seelen eigenschafften, das deß Leibs eigenschafften
nimmemehr der Seelen ei- || [76:] genschafften, auch der Seelen eigenschafften
nimmermehr deß Leibs eigenschafften werden. Also finden sich auch in der
Person Christi beide Natur, die Gttlich vnnd die Menschlich, da ein jede jr
vnderscheiden Wesen hat vnnd behelt, vnd würdt kein Natur mit der andern
(25)vermischt noch in die ander verwandelt. Dann weder die Gottheit in die
Menschheit noch die Menschheit in die Gottheit verwandelt würdt, deßglei-
chen behelt auch ein jede Natur jre eigenschafften, vnd bleiben nmlich
zwischen beiden Naturen volgende grosse vnderschiden:
Erstlich ist die Gttliche Natur in Christo von ewigkeit vnd hat kein anfang.
(30)Dann der Son Gottes hat nicht mit der Welt, auch nicht ein zeitlang vor der
Welt angefangen, sonder ist von ewigkeit vnaussprechlicher weiß vom Vat-
ter geboren, die Menschliche Natur aber in Christo hat ein anfang, namblich,
da sie vor 1572 jarn in dem Leib der Jungkfrawen Maria empfangen vnnd
vor jetztgemelter zeit nicht gewesen ist, vnd so grosse vnderschid zwischen
(35)dem Ewigen vnd zeitlichen, die doch kein Proportion oder vergleichung ha-
ben,188 so grosse vnderschid ist auch zwischen der Gttlichen vnd Mensch-
lichen Natur in Christo. Fürs ander: die Gttliche Natur in Christo ist der
Schpffer selbst. Dann durch diß Ewig Wort deß Vatters ist alles gemacht,
was gemacht ist, die Menschlich Natur aber ist ein geschpff Gottes, durch
würckung deß heiligen Geists im Leib || [77:] der Jungkfrawen Maria auß jrem
Fleisch vnnd Blůt erschaffen. So grosser vnderschid nun ist zwischen dem
(5)Schpffer aller ding vnd zwischen dem Geschpff oder Creaturen, so groß
vnderschid ist vnd bleibt zwischen der Gttlichen vnd Menschlichen Natur
in Christo. Ferner: Die Gottheit in Christo ist ein Geist vnd hat in jhrer Natur
weder Fleisch noch gebein, wie Christus Joan. 20 sagt,189 die menschlich Na-
tur aber ist ein leibhafftige Creatur, an deren nicht allein die Seel, sonder
(10)auch Fleisch vnd Bein ist allen andern Menschen – allein die Sünd außge-
nommen – gleich. So grosser vnderschid nun zwischen eim Geist vnd zwi-
schen eim Menschen ist, so grosser vnderschid ist zwischen beeden Naturen
in Christo. Weitter: Die Gttlich Natur in Christo ist nicht allein Allmchtig,
weise etc., sonder sie ist die Allmchtigkeit vnnd die Weißheit selbs, die
(15)menschliche Natur aber, ob sie wol auß Krafft der Gttlichen Natur, mit de-
ren sie personlich vereinigt, allmchtig vnd Allweiß würdt, so ist vnd würdt
sie doch die Allmchtigkeit vnd Allweißheit nicht in jhrm Wesen selbs, wie
die Gottheit die Allmchtigkeit vnd Weißheit selbs ist, vnd so grosser vnder-
scheid ist zwischen eim Allmchtigen Menschen vnnd zwischen der All-
(20)mchtigkeit selbs, so grosser vnderscheid ist vnd bleibt zwischen der Gtt-
lichen vnd menschlichen Natur in Christo. Jtem was die menschliche Natur
hat, das hat sie nicht von jr selbs, sonder hats von der Gttli- || [78:] chen Natur,
mit deren sie vereinigt, empfangen. Die Gttliche Natur aber hat von der
menschlichen Natur nichts empfangen, sonder hat derselbigen jre Krafft ge-
(25)geben vnd mitgetheilt, doch also, das sie hiemit dieselbige nicht verloren. So
grosser vnderscheid nun ist zwischen dem, der da gibt vnd mittheilt, vnd
zwischen dem, das empfacht190 vnd dem ettwas mitgetheilt würt, so grosser
vnderscheid ist zwischen der Gttlichen vnd menschlichen Natur. Die
Gottheit in Christo ist ein vnendtlichs Wesen in jrer Natur vnd in jr selbs vnd
(30)hat nie knnen oder mgen vmbschriben werden, die menschliche Natur in
Christo aber ist an jr selbs nicht ein vnendtlich Wesen, sonder hat
vmbschriben werden mgen. Wie nun ein vnermeßlicher vnderscheid ist
zwischen eim vnendtlichen Wesen vnd einer endtlichen Creatur, also ist
auch ein vnermeßlicher vnderschid zwischen Gttlicher vnnd menschlicher
(35)Natur in der Person Christi. Letstlich: Die Gttliche Natur ist an jr selbs
vnwandelbar, hat in jrem Wesen nicht bedrfft essens, trinckens, schlaffens,
kan nicht leiden oder sterben, hat nicht knnen ernidrigt oder erhcht
werden, die menschliche Natur aber in Christo hat in disem zergenglichen
Leben sollen essen, trincken, schlaffen, leiden vnnd sterben vnnd also
(40)ernidrigt, volgendts zů gebürender zeit zur hchsten Herrligkeit erhaben werden, wlches alles der Gttlichen Natur in Christo nicht kan zugelegt
werden. Derwegen: So grosser vnderschid zwischen eim vnwandelbaren
Wesen vnnd zwischen einem || [79:] wandelbaren Geschpff ist, so grosser
vnderschid ist vnd bleibt zwischen der Gttlichen vnd Menschlichen Natur
(5)in Christo.
Wir wllen aber in erklrung von deß Menschen Seel vnnd Leib fürfaren:
Wie die Seel mit dem Leib vereinigt ist, das sie all jr Werck mit dem Leib
gemein hat vnnd durch den Leib vnnd mit dem Leib alles verrichtet – dann
durch die Augen vnnd mit den Augen sihet die Seel, durch vnd mit den
(10)Ohren hrt die Seel, durch vnnd mit der Nasen reucht die Seel, durch vnd
mit der Zungen kostet die Seel, durch vnd mit allen Glidmassen deß Leibs
empfindet die Seel, durch vnd mit den Hnden greifft die Seel, durch vnd
mit den Fuͤssen wandelt die Seel, also zum verstandt gebraucht die Seel auch
das Haupt vnnd der Sinnen, vnd da dieselbige verletzt, souil zum verstandt
(15)dienstlich, der Mensch wol ein vernünfftige Seel jrer Natur vnnd Wesen
nach behelt, die aber jr Krafft vnd Würckung nicht gebrauchen noch erzei-
gen kan, vnnd würdt doch durch dise physicam communicationem, das ist
durch die natürlich gemeinschafft, die Leib vnd Seel miteinander haben, we-
der der Leib in die Seel noch die Seel in den Leib verwandelt, noch die Natu-
(20)ren miteinander vermischt noch einander exaequiert, das ist einander gleich
gemacht, sonder ein jedes behelt sein Wesen vnnd eigenschafften, vmb wl-
cher vnderscheid willen der Naturen vnnd jren eigenschafften die werck deß
Menschen auff ein andere weiß dem Leib vnnd auff ein andere weiß der
|| [80:] Seel zůgeschriben werden. Dann die Seel sicht durch das Aug vnnd
(25)durch das Aug auß krefften der Seelen –, also hat auch der Son Gottes mit
der angenomnen menschlichen Natur alle Werck seiner Allmchtigkeit war-
hafftig vnnd mit der That personlich gemein, daß der Son Gottes im Himmel
vnd auff Erden nichts thůt ohn seine angenomne menschliche Natur, sonder
mit derselbigen alle seine Werck gemein hat vnd durch sie verrichtet. Der-
(30)gestalt der Son Gottes nichts weißt nach seinem Gttlichen Wesen, das er
nicht auch nach seiner menschlicher Natur jetzt wisse, auch nichts thůt seiner
Gttlichen Werck, da nicht auch die menschliche Natur mit im handel seye.
Dann es ist nicht mehr dann ein Christus vnnd nicht zwen Christus.aq Hie ist
aber der vnderschid auch wol zu mercken. Dann die Seel deß Menschen jre
(35)Krefften ohne den Leib vnd desselben Glidmassen nicht erzeigt noch wür-
cket, solang sie im Leib ist vnnd solcher gestalt ar der Leibr nicht allein von
der Seel krafft empfacht, sonder auch der Seel Werckzeug ist, daß sie jr
Werck verrichtet, wlches sie ohn den Leib, da deß Menschen Glidmassen
verletzt, nicht thůt. Mit der Person Christi aber hat es vil ein andere mei-
-
nung:191 Dann wie der Son Gottes von Ewigkeit her ein volkomne Person
gewesen ist, ehe er die Menschlich Natur an sich genommen hat, also hat er
auch zů den Wercken seiner Allmechtigkeit keiner Engelischen oder
Menschli- || [81:] chen Natur bedrfft, sonder ohn dieselbig solche seine Werck
(5)mit dem Vatter vnnd heiligen Geist verrichtet.
Darumb ist das der vnderschid zwischen der personlichen vereinigung beider
Natur in Christo vnnd der natürlichen vereinigung vnnd gemeinschafft Leibs
vnnd der Seelen im Menschen, das Leib vnd Seel zugleich Creaturen seind,
von Gott in der zeit erschaffen, die Gttlich vnd Menschlich Natur aber nicht
(10)zugleich vnerschaffen oder zůmal geschaffen, sonder die Menschlich Natur
allein ist ein Geschpff, in der fülle der zeit erschaffen vnd zuuor nicht ge-
wesen, die Gttlich Natur aber ist gar nicht erschaffen, sonder von ewigkeit
gewesen vnnd der Ewig Schpffer selber, durch wlche auch alle Creaturen
erschaffen vnd die von der zeit der Schpffung an gewürckt, regiert, vil ge-
(15)thon vnd außgericht, ohne die Menschlich Natur, ja da dieselbige noch nicht
war, wie auch die Gttlich Natur derselbigen damals vnnd zů der erschaf-
fung nicht bedrffte, also hat auch die Menschlich Natur dem Son Gottes
nichts geben, dardurch er stercker oder schwecher wer worden dann er zuuor
gewesen ist, ehe er sie angenommen hat, sonder daß er ein Mensch worden
(20)ist, dardurch ist der menschlichen Natur ein solche Maiestet widerfaren, die
sie in jrer Natur vnd Wesen für sich selbst nicht ist oder hat, dergleichen kei-
ner Creaturen widerfaren nicht allein an Gaben, damit er in seiner mensch-
lichen Natur für sich selbs für andern Heiligen geziert, sonder || [82:] an der
personlichen Maiestet, das Gottes Son hinfüro ohn die Menschlich Natur
(25)nach seiner Himmelfart kein werck seiner Allmechtigkeit verrichtet, sonder
durch vnd mit derselbigen alles würcket, in wlcher alle fülle der Gottheit
leibhafftig wohnet,192 dergestalt Christus nach seiner menschlichen Natur die
Allmechtige Gwalt empfangen vnd personlich Allmechtig, nicht mit worten
oder lhren Titteln, sonder mit der that vnnd warheit worden ist, vnd ist doch
(30)solliches nicht ein physica communicatio wie zwischen Leib vnd Seel, son-
der vil ein hher Geheimnus, daruon der Apostel geschriben: „Magnum pie-
tatis mysterium: Deus manifestatus est in carne“, 1. Tim. 3, das ist: „ Kundt-
lich groß ist das Gottselig Geheimnus: Gott ist geoffenbart im Fleisch.“193
Derhalben thůt der Mensch Christus auß Gttlicher Krafft alle wunder, daß
(35)er die Krancken gesundt, die Todten lebendig macht, nicht die Gottheit ohne
die Menschheit, wie zuuor, ehe der Son Gottes ist Mensch worden, sonder
mit der angenomnen menschlichen Natur, das ist der gantz Christus, Gott
vnd Mensch.
Was dann die Gegenwertigkeit Christi belangt in allen Enden vnnd Orten, da
(40)ist auch zwischen andern Menschen vnd dem Menschen Christo ein grosser
vnderscheid. Dann Christus nicht ein Mensch ist wie sanct Peter oder sonst
ein Mensch, nmlich das sein menschlich Natur für sich selbs ein Person,
wie sanct Peter ein Person ist von Leib vnd Seel, in wlchen Leib vnd Seel
|| [83:] natürlich miteinander vereinigt, für sich selbs ohne personliche vereini-
(5)gung mit Gott ein Person seindt. Jn Christo aber ist nicht ein Natürlich, son-
der ein Personlich vereinigung der Gttlichen vnd Menschen Natur, da die
Gttlich ist ein ewig vnd vnendtlich Wesen, wlches auch nach seiner Gtt-
lichen natürlichen eigenschafften vnnd vnendtlichem Wesen Himmel vnnd
Erden wesenlich erfüllet. Die menschliche Natur aber in Christo ist kein
(10)ewig, vnendtlich Wesen, sonder ein erschaffne Creatur Gottes, da die Zeit
erfült ward194 von dem Son Gottes angenommen, die nach jrem Wesen endt-
lich ist vnd bleibt vnnd derhalben auff keinerley weiß vnd weg dergestalt
jrem eignen Wesen nach wie Gott vnd für sich selbs an allen Orten gegen-
wertig sein kan wie die Gttlich Natur wesendtlich vnd auß jr selbs oder für
(15)sich selbs gegenwertig ist vnnd allen Creaturen gewesen, ehe sie die mensch-
lich Natur angenommen. Wie aber der Son Gottes nicht raumlich, sonder
personlich die menschlich Natur an sich genommen vnd mit derselben ein
vngetrente Person worden, also hat er sie auch nit allenthalben raumlich,
sonder personlich bey sich, die durch kein ort von jm abgesündert werden
(20)kan, as dergestalt er den auchs im ersten Abendtmal sein Leib, mit wlchem er
raumlicher weiß zů Tisch gesessen, nit raumlicher weiß mit dem Brot seinen
Jüngern außgetheilt hat. Denn sein menschlich Natur ist nicht an ein ort in
der Person deß Sons Gottes, sonder in sein Per || [84:] son angenommen, wl-
che jn, ausser vnd vber alle ort ist, das der Christlich leser also verstehn
(25)wlle.195
Dem Son Gottes seindt nicht dergestalt die Creaturen gegenwertig wie vns
Menschen. Dann vns seindt sie nahe oder fern, nachdem das ort ist, darinnen
ein jede Creatur jr Wesen hat, vnd da ein Mensch dieselbig gegenwertig ha-
ben wil, můß er darzů gehn oder im dieselbige zůfuͤren oder -tragenat lassen.
(30)Als wenn sanct Paulus sein Titum oder Timotheum bey sich hat haben wl-
len, hat er eintweder zů jm oder er zů Paulo zů Wasser vnnd Landt reisen
muͤssen, vnd da er sein Mantel vnnd Bergament habenau wllen,196 můß er
erst vber vil Meil wegs darnach schicken. Gott aber, wa er ist, hat er alles
bey sich gegenwertig vnd erhelt es auch, ja in jm seindt alle ding, wie sanct
Paulus zeuget: „Er ist nicht ferne von einem jegklichen vnder vns. Dann in
jm leben, weben vnd seind wir“197 vnd abermals: „Auß jm, durch jn vnd in
jm seind alle ding“.198 Nicht raumlich wie stro im sack, dann wie die alten
(5)gesagt: „Deus est ita in omni loco, vt sit super et extra omnem locum“,199 das
ist, Gott seie also an allen orten, daß er ausser vnnd vber alle ort sey, sonder
auff die weiß seiner Gttlichen Allmchtigkeit, mit wlcher er sie gegenwer-
tig erhelt, also ist Gott mit sanct Petro, Paulo vnd andern Aposteln, da einer
zů Jherusalem, der ander zů Rom oder im Meer, darff auch keinem nachzie-
(10)hen noch jne zů sich durch den Engel Gabriel fordern,av sonder hat sie allzu-
mal bey sich, das || [85:] Petrus vnd Paulus vnd andere Apostel wol für jre Per-
sonen sehr weit voneinander seindt, aber Gott hat sie allernechst jme
beyeinander, weil bey Gott kein ort, sonder Gott ausser vnd vber alle ort ist
vnd jme alle gegenwertig seindt vnd vil gegenwertiger dann Petrus vnd
(15)Paulus, da sie zů Antiochia oder zů Jherusalem beyeinander gewesen seindt,
ja vil neher dann jederaw jm selbs gewesen ist.
Dieweil dann vnwidersprechlich war ist, das Gott, wa er ist, alle Creatur
vnnd also auch alle Menschen warhafftig auß gehrter vrsachen vnd zeug-
nussen der heiligen Geschrifft bey sich gegenwertig hat, solt er nicht vilmehr
(20)die menschlich Natur bey sich haben, die er in einigkeit seiner Person ange-
nommen, dergestalt er sich mit keiner Creatur weder im Himmel noch auff
Erden vereinigt hat, die auch weder Todt, Grab noch Hll scheiden mgen.
Daraus dann volgt, daß Christus nach seiner Menschheit personlich, das ist
auß krafft der personlichen vereinigung, mit dem Son Gottes allen Creaturen
(25)gegenwertig seie, darzů jr gar nicht vonnten, das sie raumlicher weiß allent-
halben seie, wlches auch seiner Menschlichen Natur vnd derselben eigen-
schafften zůwider, sonder weil sie mit dem Son Gottes personlich vereinigt
ist, dem alle Creaturen ausser vnd vber alle ortax gegenwertig seind, vnnd er
jnen gegenwertig ist, darff Christus nach seiner menschlichen Natur nicht
(30)von eim ort in das ander gehn, sůchen vnnd forschen, || [86:] was gehandelt
werde, sonderay hat es in der Person des Sons Gottes alles warhafftig gegen-
wertig, mit dem sie ein Person worden vnnd sein Gttlich Maiestet mit jm
von wegen diser vereinigung gemein hat.
Darumb, wann man von der personlichen Gegenwart Christi nach seiner
(35)menschlichen Natur redet, můß man alle ort auß den augen setzen vnnd nir-
-
gendt von, dann allein von der Person deß Sons Gottes vnd seiner Maiestet
gedencken, die in kein ort auß- oder eingeschlossen ist, inmassen D. Luther
schreibt in seiner grossen Bekanntnuß To. 2 Vuittenb. fo. 195: „Jst Gott
vnnd Mensch ein Person, vnd die zwo Naturen also miteinander vereinigt,
(5)das sie neher zusamen gehrn dann Leib vnd Seel, so můß Christus auch da
Mensch sein, wa er Gott ist. Jst er an eim ort Gott vnnd Mensch, warumb
solt er dann nicht an eim andern ort auch Mensch vnd Gott sein? Jst er am
andern ort auch Mensch vnnd Gott, warumb nicht am dritten, vierten,
fünfften vnd so fort an allen orten? Leßt in aber der dritte, vierte, fünfft ort
(10)nicht zugleich Mensch vnd Gott sein, so leßt jn auch der erst einig ort nicht
zugleich Mensch vnnd Gott sein. Dann so ort oder statt kan die Person zer-
trennen, so thets die erste stet eben so wol als die andern alle“200 etc. Biß hie-
her Lutherus.
Vmb diser personlichen vereinigung willen, wlche kein ort oder stett mag
(15)zertrennen, ist der Herr Christus in einsatzung deß heiligen Abendtmals allen
seinen Jüngern mit seinem Leib vnd || [87:] Blůt, da er jhnen selbige Gaben
außtheilet, warhafftig gegenwertig gewesen, ob er wol sichtlich vnd der-
wegen raumlich mit jnen zů Tisch gesessen vnd obwol, souil den leiblichen
raum oder stet anlangt, vnder den Jüngern etliche einander weitter, etliche
(20)neher, auch dem Herrn Christo solcher raumlicher weiß nach einer jhme et-
was fern, der ander aber nahe gewesen, so hat er sie doch in krafft der per-
sonlichen vereinigung in Außspendung seines Leibs vnnd Blůts, als der, dem
der Vatter alles in seine Hend damals gegeben, alle jhm gleich gegenwertig
gehabt vnnd einem nicht weniger dann dem andern außgetheilet. Dann hie
(25)seind wir, wie D. Luther schreibt, mit Christo in einer andern Welt, da nichts
fleischlichs, nichts jrdisch, nichts raumlichs zu gedencken, sonder alles Him-
melisch, vbernatürlich vnnd menschlicher Natur vnbegreifflich. Darumb wir
solche Geheimnus glauben muͤssen vnnd in diser Welt nimmermehr verstehn
knnen. Nun wer es aber kein besonder Geheimnus, wann nach der Zwing-
(30)lianer Lehr die Gottheit in der menschlichen Natur Christi im himmel wer
vnd ausserhalb vnd ohne dieselbigen für sich selbs jr Werck auff Erden mit
vns Menschen hette, vmb wlches willen Christus mit seiner menschlichen
Natur bey vns auff Erden sein solte. Dann solcher gestalt wer nicht allein
Marie Son, sonder auch Elisabeth Son, sanct Johannes, S. Peter vnnd alle
(35)verstorbne heiligen Menschen bey || [88:] vns auff Erden, weil eben die Gott-
heit, so bey vns auff Erden, auch im Himmel in sanct Johanne, sanct Petro,
Elia, Mose, Enoch vnd andern Heiligen ist. Wir knden aber nicht sagen, das
Mose, Elias, Enoch, Johannes, Petrus oder sonst ein abgestorbner Mensch
bey vns auff Erden sey, wie dargegen Christus von sich als des Menschen
Son gesagt hat: „Jch bin bey euch biß zů end der Welt.“201
az Darumb, wann man von der Gegenwart Christi redet, so můß es etwas weit-
ters heissen dann wie die Zwinglianer lehren: Sein Gottheit ist bey vns der-
(5)gestalt. Als dannba Christus nach seiner Menschheit vor andern Heiligen kein
vortheil het, weil eben dieselbige Gottheitz sowol in Elia wesenlich ist im
Himmel als bey der Menscheit Christi. Nachdem sie aber nit mit Elia, sonder
allein mit der Menschheit Christi personlich vereinigt vnnd also Christus
nach seiner menschlichen Natur zur Rechten der Maiestet vnnd Krafft Gottes
(10)gesetzt, das Elias, Enoch, Mose etc. nicht ist, so gibt die personlich vereini-
gung Christo nach seiner menschlichen Natur ein solche weiß seiner gegen-
wertigkeit, die nicht in blossen vergeblichen Tittelen oder verwandlung der
Namen steht, sonder das Christus nach seiner menschlichen Natur die Gtt-
liche Maiestet vnd Allmchtigen Gewalt im Himmel vnd auff Erden mit der
(15)that vnnd warheit hat, daß sonst keiner Creatur widerfaren ist, vmb wlches
willen Geschriben, gepredigt vnnd geglaubt würdt, das Christus nach seiner
mensch- || [89:] lichen Natur vber alle Engel vnnd Menschen zur Rechten der
Maiestet vnnd Krafft Gottes erhcht sey. Diser einfeltig Glaub ist auch in
dem Nicenischen Concilio widerholet vnd bestetiget worden, wlches also
(20)lautet:
Nicaenum Symbolum.
„Jch glaub an einen Allmchtigen Gott, den Vatter, Schpffer Himmels vnd der Erden, alles, das sichtbar vnd vnsichtbar ist. Vnd an einen einigen Herrn
Jesum Christum, Gottes einigen Son, der vom Vatter geborn ist vor der gant-
(25)zen Welt, Gott von Gott, Liecht von Liecht, warhafftiger Gott vom war-
hafftigen Gott, geborn, nicht geschaffen, mit dem Vatter in einerley Wesen,
durch wlchen alles geschaffen ist. Wlcher vmb vns Menschen vnd vnser
Seligkeit willen vom Himmel kommen ist vnd leibhafftig worden durch den
heiligen Geist von der Jungkfrawen Maria vnd Mensch worden. Auch für
(30)vns gecreutzigt vnder Pontio Pilato, gelitten vnd begraben vnd am dritten tag
Aufferstanden nach der geschrifft vnd ist Auffgefaren gehn Himmel vnd
sitzet zů der Gerechten deß Vatters vnd würdt widerkommen mit Herrligkeit,
zu richten die Leben- || [90:] digen vnd die Todten, dessen Reich kein end
würdt haben. Vnnd an den Herrn, den heiligen Geist, der da Lebendig macht,
(35)der vom Vatter vnnd dem Son außgeht, der mit dem Vatter vnnd dem Son
zugleich angebettet vnd zugleich geehrt würdt, der durch die Propheten ge-
redt hat, vnd ein einige, heilige, apostolische, christliche Kirchen. Jch be-
-
kenn ein einigen Tauff zur vergebung der Sünden vnnd wartt auff die
Aufferstehung der Todten vnd ein Leben der zůkünfftigen Welt. Amen.“202
Jn disem Symbolo haben die liebe Vtter sonderlich auff die ewige Gottheit
Christi gesehen, das nmlich Christus nit allein vor seiner menschlichen Ge-
(5)burt, sonder auch vor aller Creatur von ewigkeit ein Person in der Gottheit
gewesen sey, vnnd mit zeugnussen der heiligen Schrifft wider Arrium203
erhalten, das Christus, der warhafftig, ewig, natürlich, eingeborn Gottes Son
sey, der in einigkeit seiner Person menschliche Natur vmb vnser vnnd vnsers
heils willen an sich genommen vnnd also ein warhafftiger Mensch worden
(10)sey, wlchs Nicenisch Symbolum wir vest halten vnnd vns mit Mund vnd
Hertzen darzů bekennen wider die alten vnnd newen Arrianer, sie haben
gleich Namen wie sie wllen.
Darbey wir dann auch bericht thon sollen, das vns mit vngrund zugemessen,
als solten wir zwo || [91:] vnderschidne Gottheit glauben, nmlich ein ewige,
(15)allmchtige Gottheit vnd ein erschaffne, mitgetheilte Gottheit, vnnd also in
Christo die ewige Gottheit mit den Arrianern vnd Samosatenern verlaug-
nen.204 Dan wir mit Mundt vnnd Hertz bekennen nicht mehr dann ein einige
Gottheit in Christo, nmlich die ewige, allmchtige, vnendtliche wesentliche
Gottheit, mit wlcher die menschlich Natur in der Person deß Sons Gottes
(20)personlich vereinigt ist. Das aber von der mitgetheilten Gottheit gesagt vnd
geschriben ist, niehmals von vns dahin gemeint noch verstanden, das in der
angenomnen menschlichen Natur ein erschaffne Gottheit seye, nach wlcher
in vnnd für sich selbst die menschliche Natur der wesendtlichen Gottheit
gleich worden sein solt. Wie dann solcher gestalt vnsere Reden vnd Schriff-
(25)ten vns verkert vnd wider vnsern willen vnnd vber alle vnser vilfeltige erkl-
rung gedeuttet werden, sonder wir haben dardurch den vnderschid zwischen
Christo nach seiner Menschheit vmb der personlichen vereinigung willen
vnnd andern heiligen Menschen anzeigen wllen. Dann obwol die ewige
Gottheit wesendtlich in allen Menschen ist vnd in den Heiligen wohnet, noch
(30)ist sie mit keinem Menschen also vereinigt, das vmb solcher gegenwertigkeit
vnd einwonung willen ein Mensch im Himmel oder auff Erden mit warheit
Gott genennt werden mcht, sonder allein Jesus von Nazaret, Marien Son,
mit dessen menschlichen Natur der Son || [92:] Gottes sich personlich verei-
nigt ist,bb vnnd würdt warhafftig Gottes Son genennt, dergestalt die mensch-
(35)lich Natur in Christo der Gttlichen Natur nicht also theilhafftig worden wie
andere Christen, daruon sanct Petrus schreibt, das vns durch Christum die
theure vnd allergrssesten Verheissung geschenckt seindt,205 nmlich das
wir durch dasselbige theilhafftig werden der Gttlichen Natur, sonder Per-
sonlich. Wlche mittheilung der Gttlichen Natur nicht nur ein verknüpffung
vnnd verbindung ist, daruon die Zwinglianer reden, die ohne warhafftige
(5)gemeinschafft geschehen seie, sonder ein solch vnaussprechlich geheimnus
ist, vmb wlches willen der Mensch Jesus Gott genent würdt vnd auch mit
der that ist.
Darumb, wann wir gesagt oder geschriben haben, das der Mensch Christus
von wegen der mittheilung der Gttlichen Natur oder von wegen der mit-
(10)getheilten Gottheit Gott sey vnd genennt werde, ist das nicht die Meinung
gewesen, das Christus in seiner menschlichen Natur ein besondere er-
schaffne Gottheit für sich selbst vnnd in jr selbst haben vnnd der Son Gottes
sein wesendtliche Gottheit für sich selbst behalten solte, sonder das siebc ein
warhafftige Gemeinschafft mit der Gottheit deß Sons Gottes habe vnd nicht
(15)ein blosse verknüpffung oder verbindung oder beystandt der Gttlichen Na-
tur, wlche die gelerten παράστασιν nennen, ohne warhafftige gemeinschafft
der Naturen seyen, daruon die Zwinglianer reden. Vnd hiemit machen wir so
gar nicht zwo Gott- || [93:] heit, so wenig wir in eim Menschen zwo vernunfftig
Seelen setzen, ob wir gleichwol recht sagen vnd sagen muͤssen von einem
(20)verstendigen Menschen „das ist ein hochuernünfftiger, verstendiger Kopff“,
obwol nur ein einige vernünfftige Seel im Menschen vnd aber dieselbige jren
verstandt vnd vernunfft mit dem gesunden Kopff gemein hat vnd durch den-
selbigen uͤbt vnd braucht. Also verhoffen wir, soll der Christlich leser ei-
gendtlich vnd wol verstehn, wie wir die ewig wesendtlich Gottheit Christi,
(25)deß Sons Gottes, nicht laugnen, sonder mit dem Nicenischen Concilio von
hertzen Glauben vnnd mit dem Mund bekennen, das wir auch kein besonde-
re, erschaffne Gottheit in seiner Menscheit weder Glauben noch Lehren,
sonder allein reden von der gemeinschafft der Naturen, wlche auß der
personlichen vereinigung der Naturen volgt vnnd ohn dieselbige nicht ist.
(30)Dann wa kein warhafftige Gemeinschafft ist, da ist noch vil weniger ein
personliche vereinigung, wlche nicht sein kan noch ist, wa dise
Gemeinschafft nicht alßbald eruolgt, durch wlche wir etlichermassen
abnemen, was die personliche vereinigung für ein groß Geheimnuß sey, bey
deren solche Gemeinschafft der Naturen vnd eigenschafften ist, daruon
(35)hernach weitter soll gesagt werden.
Wie wir aber wider die Arrianer vnd Samosatener ein einige, ewige Gottheit
Christi mit Gott dem Vatter vnd dem heiligen Geist bekennen, also glauben,
lehren vnd bekennen wir auch wider Sabellium in diser einigen Gottheit drey
|| [94:] vnderschidne Personen, Vatter, Son vnd heiligen Geist, vnd das weder
(40)der Vatter noch heilig Geist, sonder der Son Gottes allein in einigkeit seiner
Person menschlich Natur hab angenommen, in wlcher der Son Gottes gelit-
ten, gestorben, gehn Himmel gefaren, zur Rechten Gottes gesetzt vnd zum
Richter der lebendigen vnd todten verordnet ist. Vnd thůt vns derhalben
nicht vnbillich weh, das wir von ettlichen diser verdampten grewlichen Ket-
(5)zerey beschuldigt werden, mit deren wir doch niemals weder theil noch ge-
mein gehabt noch künfftig haben wllen, sonder selbige als ein grewliche
Gotslesterung verwerffen vnnd in abgrund der Hllen verflůchen, vnd hetten
vns gentzlich versehen, wir solten durch souil vorgehnde vnsere lauttere er-
klrungen bey meniglichen gnůgsam entschuldigt gewesen sein.
(10)Zeugnuß der heiligen Concilien.
Sonderlich aber ist dise Lehr von der Person Christi vnd beider Natur, der (10)Zeugnuß der heiligen Concilien.
Gtlichen vnd Menschlichen, personlichen vereinigung wider den Ketzer
Nestorium auff dem ersten Concilio, zů Epheso gehalten, mit allem fleiß auß
H. Gtlicher Schrifft vnd der vorgehrten Vtter Schrifften gehandelt, erwe-
(15)gen, beschlossen vnd erhalten worden.206 Wlcher Nestorius gestritten, das
Maria nicht den Son Gottes, sonder nur ein Menschen empfangen vnd ge-
born, das auch die Juden nit Gott, sonder nur ein Menschen gekreutzigt ha-
ben. Der vrsach er auch nicht dulden noch leiden knden, das Maria || [95:]
solt ein Můtter Gottes genennt werden.207 Zuuor aber vnd ehe wir von seiner
(20)Ketzerey sagen, sollen wir den Christlichen leser auß der kirchen Historien
erinnern, was Nestorius für ein Mann gewesen sey. Dann also zeugt Cassio-
dorus in der kirchen Historia, das Nestorius ein hoffertiger, stoltzer vnd vn-
ruͤwiger Mann gewesen, darzů vngelehrt vnd doch ein Wscher, der vil
schwtzen knnen, aber wenig in seiner vorfarn, der Kirchenlehrer Schriff-
(25)ten gelesen. Sobald er nun zum Bischoff zů Constantinopel ordiniert worden,
hab er sich gleich vnderstanden, vnruhe in der Statt zu stifften, durch wl-
chen die Arrianer bewegt, daß sie jr eigen Betthauß angesteckt mit Fewr, vnd
durch dieselbige brunst viler Burger heuser verbrennt worden. Darauß in der
Statt ein grosse vnruhe entstanden. Dergleichen vnruhe hat er auch in Asia,
(30)Lydia vnnd andern mehr orten angestifft, sonderlich aber zů Mileto vnd Sar-
dis ein grosse auffrůr verursacht, darinnen vil Leutt jemerlich erwürgt vnd
vmbkommen sind.208 Wlchs wir der vrsach erzelen, auff das meniglich
sehe, was für ein Geist gewesen seie, der Nestorium in disen verdampten
jrrthumb gefuͤhrt habe, wlcher die Person Christi getrennt hat, nmlich ein
(35)vnruͤwiger, auffruͤrischer Geist. Darbey wir auch den Geist sollen lernen ken-
nen, der den Streit von deß Herren Nachtmal auß dem grund der Nestoriani-
-
schen Ketzerey erweckt hat, wie an seinem ort soll klrlich angezeigt vnnd
zum augenschein erwisen werden.
Was dann seinen Jrrthumb belanget, ist derselb || [96:] daher entstanden, das
Nestorius die personlich vereinigung beeder Naturen in Christo nicht recht
(5)geglaubt hat, wlcher Gestalt nmlich in Christo Gott vnnd Mensch ein eini-
ge, vnzertrente Person seye, vnd hat also gehalten, das Gott wol in dem
Menschen Christo gewonet habe vnnd denselben in gleiche Maiestet vnnd
herrligkeit gesetzt, seyen aber gleichwol zwo vnderschidne Personen. Der
vrsach er auch gesagt, das die Juden nicht Gott, der in der menschlichen Na-
(10)tur Christi gewont habe, sonder nur den Menschen als die Wonung deß Sons
Gottes getdtet haben. Derhalben hat er auch nach seiner vernunfft darfür
gehalten, es schicke sich nicht, das man Mariam ein Můtter Gottes nennen
solt, auff das nicht jemandt gedencken mcht, als het die Gottheit deß Sons
Gottes im Leib der Jungkfrawen Maria erst angefangen vnd wer nicht von
(15)ewigkeit gewesen, vnd gleichwol bekannt, das Gottes Son in diser mensch-
lichen Natur gewesen vnd gewonet hab nicht allein ausserhalb, sonder auch
in Můtter Leib. Dise Lehr ist der vernunfft vast209 annemlich gewesen. Da-
rumb auch Nestorius ein grossen anhang vnd beyfal gehabt. Da es dann nicht
bey disem Articul gebliben, sonder nachdem die Person getrent, man endt-
(20)lich widerumb angefangen, die ewige Gottheit Christi zů leugnen vnnd zů
lehren, das Christus mehr nicht dann ein Mensch seie, in dem Gott wone vnd
denselben vber alle Propheten erhhet hab. Wie dann Machumet sonderlich
vnder || [97:] andern auch ein Nestorianer, Sergium genannt,210 zů seinem Al-
coran gebraucht, da er Christum den Herrn gar hoch erhebt. Allein daß er
(25)Gott sein soll, das widerspricht er als die grssest Gotslesterung, vmb wl-
ches willen Himmel vnd Erden ineinander brechen, Berg vnd Thal vberei-
nander fallen sollen.
Wider disen Ketzer Nestorium haben sich die reine Lehrer, besonders aber
Cyrillus, der Bischoff zů Alexandria, mit allem ernst gelegt vnd jne anfangs
(30)freundtlich, bruͤderlich auß Gottes Wort vnd der vorgehnden Vtter Schriff-
ten, sonderlich aber deß Nicenischen Concilij abschid seines Jrrthumbs vber-
wisen vnd jn gebetten, daruon abzustehn. Als er aber auff seinem fürnemen
streittig verharret vnd sich daruon nicht wolt abweisen lassen, auch jm ein
grossen anhang gemacht, hat der from Kaiser Theodosius 200 Vtter gehn
(35)Ephesum zusamen berůffen lassen, wlche vber deß Nestorij Lehr erkennt
vnnd dieselb entlich als ein Ketzerey verdampt haben. Darauff im namen deß
Concilij Ephesini der 200 versamleten Vtter an Nestorium ein freündtlich,
außfuͤrlich schreiben durch Cyrillum begriffen vnnd vberschickt, darinn jhm
sein Jrrthumb vnder augen gestelt, mit bestendigem grund auß Gottes Wort
widerlegt vnd angezeigt worden, was für ein hoch Geheimnus die Mensch-
werdung des Sons Gottes sey, wlche nicht besteh allein in einer zusamen-
fuͤgung oder vereinigung der Herrligkeit vnnd deß ansehens. || [98:] Dann
allein gleicher Herrligkeit sein macht nicht ein natürliche vereinbarung. Deß-
(5)gleichen, das die weise der vereinigung nicht stehe in dem, das Gott vnnd
Mensch nebeneinander gesetzt vnnd verknüpfft werde. Dann das auch nicht
gnůg sey zů der natürlichen vereinigung, item das solche vereinigung nicht
stehe in mittheilung der krafft vnd würckung, gleich wie auch wir, die wir an
dem Herren hangen, mit jhm ein Geist seien.211
(10)Da dann der Christlich leser mit sonderm fleiß mercken wlle, das diß Con-
cilium eigendtlich vnd mit fleiß vermeldet hat, die weiß der personlichen
vereinigung stehe nicht in dem, das Gott vnnd Mensch miteinander ver-
knüpfft werden, bey wlchem einigen Stuck die newe Nestorianer, das ist
die offendtliche vnd heimliche Zwinglianer, erkandt werden. Wlche für vnd
(15)für von einer solchen verbindung vnd verknüpffung beider Naturen in Chris-
to reden vnd schreiben, wlche ohne die warhafftige Gemeinschafft der Na-
turen vnd jrer eigenschafften, auch mittheilung der krafft oder würckung, al-
lein durch wandlung vnd wechßlung der Namen die personlich vereinigung
beider Naturen in Christo jrem fürgeben nach machen solt. Wlchen Jrr-
(20)thumb die heilige Vtter in diser Sinodischen Schrifftbd verwerffen vnd ver-
dammen vnnd hernach mit lauttern klaren worten anzeigen, wie auß diser
wunderbarlichen vereinigung beider Naturen in Christo die krafft, lebendig
zu machen, dem Fleisch Christi nit durch || [99:] wechßlung der Namen, son-
der mit der that vnd warheit sey mitgetheilt worden. Jtem sie bezeugen auch,
(25)das dise Geheimnus der personlichen vereinigung, die Gemeinschafft beider
Naturen vnnd derselbigen würckung, so hoch sey, das sie auch das wort con-
iunctionis, das ist der vereinigung, meiden als das nicht taugenliche oder
gnůgsam, diß geheimnus solcher einigkeit außzusprechen vnd zu erklren,
damit nicht zwen, sonder ein einiger Christus, Gott vnd Mensch, recht erken-
(30)net vnd sein Person nicht getrent werde. Endtlich aber erklren sie dasselbig
durch die gleichnus deß Leibs vnd der Seel deß Menschen: Wie dieselbigen
nicht zwen, sonder nur ein Mensch seien, also sey Gott vnnd Mensch in
Christo auch nur ein Person. Wlche gleichnus daroben gnůgsam erclret ist.
Dardurch nicht allein ein verbindung oder verknüpffung beider Naturen in
(35)Christo ohne derselbigen auch jrer eigenschafften krafft vnd würckungen
warhafftige gemeinschafft angezeigt würdt, wie die Zwinglianer noch heut-
tigs tags daruon reden vnd schreiben, sonder ein solche Gemeinschafft, da
die menschlich Natur vber alle Gaben, Glori vnd Herrligkeit, die sie für vnd
in sich selbs von dem Son Gottes empfangen, dergestalt vber alle Creatur
erhhet ist, das jetzt der Son Gottes nichts ohn die Menschlich angenom-
mene Natur weder im Himmel noch auff Erden thůt, sonder alles mit vnd
durch die angenommene Natur, mit deren er vereinigt ist, allesbe vnd ohn die-
selben nichts handelt noch würcket.
(5) || [100:] Vnd nachdem sie diß Geheimnus wol erklrt haben vnd angezeigt,
wlcher gestalt die angenommene menschliche Natur mit dem Son Gottes in
ein person vereinigt, setzen sie dise wort darzů: „Necessario igitur et hoc
adijcimus: Annunciantes enim sicut secundum carnem mortem vnigeniti Filij
Dei, id est Iesu Christi, et resurrectionem eius et in coelos ascensionem pari-
(10)ter confitentes, incruentam celebramus in ecclesiis sacrificij seruitutem, sic
etiam ad mysticas benedictiones accedimus et sanctificamur participes sancti
corporis et preciosi sanguinis Christi omnium nostrorum redemptoris effecti,
non vt communem carnem percipientes, quod absit, nec vt viri sanctificati et
verbo coniuncti secundum dignitatis vnitatem aut sicut diuinam possidentes
(15)habitationem, sed verebf viuificatricem et ipsius verbi propriam factam. Vita
enim naturaliter vt Deus existens, quia proprie carni vnitus est, viuificatricem
eam esse professus est et ideo, quamuis dicat ad nos: ‚Amen, amen, dico vo-
bis: Nisi manducaueritis carnem filij hominis et biberitis eius sanguinem‘,
non tamen eam vt hominis vnius ex nobis existimare debemus – Quomodo
(20)enim iuxta naturam suam viuificatrix esse poterit caro hominis? –, sed vt
vere propriam eius factam, qui propter nos filius hominis est factus et voca-
tus.“ Wlche Wort auff teutsch also lauten: „Auß noth thůn wir auch diß dar-
zů: Dann wir verkündigen, wie wir nach dem fleisch bekennen, den Tod deß
Sons Gottes, das ist Jesu Christi, vnd seine Aufferstehung vnd seine Him-
(25)melfart zugleich, vnd halten den vnblůtigen dienst deß Opf- || [101:] fers in der
Kirchen vnnd gehn auch also zů dem Segen dises Geheimnus, werden gehei-
ligt vnnd theilhafftig deß heiligen Leibs vnd theuren Blůts Christi, vnser aller
erlsers, nicht das wir ein gemein Fleisch empfahen solten, wlches fern von
vns sein solle, auch nicht als ein Fleisch eines mit dem wort vereinigten vnnd
(30)durch die einigkeit seiner würdigkeit oder herrligkeit geheiligten Mans noch
als eines, in dem Gott wonet, sonder ein solch Fleisch, das warhafftig leben-
dig macht vnnd deß worts ist eigen worden. Dann weil er als Gott das Leben
natürlich ist, so hat er auch von seim Fleisch gezeuget, das es warhafftig le-
bendig mache. Darumb, ob er wol zů vns sagt: ‚warlich, warlich, sag ich
(35)euch, werdet jr nicht essen das Fleisch deß Menschen Sons vnnd trincken
sein Blůt‘, so sollen wir doch sein Fleisch nicht wie eines andern Menschen
Fleisch, sonder darfür halten, das es sein eigen Fleisch ist, wlcher vmb vn-
sertwillen deß Menschen Son ist vnnd auch genennt worden.“212 Hactenus illi.
Da dann in den worten der heiligen Vtter sonderlich zwey Stuck zu mer-
cken: Erstlich, das sie zeugen, das Christi Fleisch durch die personlich ver-
einigung mit dem Son Gottes warhafftig ein lebendigmachendt Fleisch wor-
den sey vnnd nicht, wie die Zwinglianer mit jrer ἀλλοιώσει vnd andere mit
(5)verkerter Meinung der Communicationis Idiomatum fürgeben, die sie vn-
recht deutten vnnd verstehn, nach wlcher Christus mit seiner Menscheit al-
lein den Namen tragen, aber kein gemeinschafft || [102:] in der that vnnd war-
heit mit dem Son Gottes, seiner Krafft vnnd Würckung hab. Zum andern, das
die heilige Vtter solche Maiestet, so das Fleisch Christi in der personlichen
(10)vereinigung beider Naturen empfangen, in den Articuln von deß Herrn
Nachtmal ziehen vnd lehren, das wir das Fleisch Christi nicht essen als sonst
ein gemein Fleisch oder sonst eines heiligen Menschen Fleisch, in dem Gott
wohnet vnnd durch sein einwohnung heiliget, sondern als deß Sons Gottes
Fleisch, dessen es eigen sey, der es gemacht habe zů einem lebendigmachen-
(15)den Fleisch, das warhafftig lebendig mache, nicht auß seiner Natur oder We-
sen, sonder das es deß Sons Gottes eigen Fleisch seye, mit dem sich der Son
Gottes also vereiniget vnd sein Gttliche Krafft vnd Würckung mit demsel-
ben gemein hab, wlche Gemeinschafft sie so hoch halten, das sie bezeugen,
wie sie kein wort finden, darmit sie dise einigkeit vnd Gemeinschafft knden
(20)außsprechen.
Darbey der Christlich Leser sich abermals zu erinnern, mit was vngrund die
offendtliche vnd heimliche Zwingliani fürgeben, das die Articul deß Glau-
bens von der personlichen vereinigung kein bewerter Kirchenlehrer in den
handel von des Herren Nachtmal gezogen,213 so wir doch hie 200 Vtter
(25)zeugnus haben, wlche vns den Leib vnd Blůt Christi im heiligen Abendtmal
keiner andern gestalt zur warhafftigen Speiß vnnd Tranck fürstellen, dann
wie sein menschlich Natur mit dem Son Gottes personlich vereinigt ist. Der-
gleichen andere Vtter vnd || [103:] Lehrer auchbh gethon, wie wir hernach jre
eigne wort erzelen wllen. Damit aber meniglich wissen mg, das wir deß
(30)Nestorij Ketzerey, darauß der Zwinglisch Jrrthumb von deß Herrn Abendt-
mal gebawt, vermg Gottes Worts vnd vorermelter 200 Vtter Gottseliger
Schrifft mit Hand, Mund vnd Hertzen verdammen, so wllen wir hieher die
Articul setzen, in wlchen angezeigt vnd dem Nestorio mit sonderm fleiß
fürgeschriben worden, was er, Nestorius, bekennen oder verdammen muͤs-
(35)sen, da er für ein rechten reinen Christlichen Lehrer solt gehalten werden:
„Si quis non confitetur Deum esse veraciter Emanuel et propterea Dei geni-
tricem sanctam virginem, peperit enim secundum carnem, carnem factum
Dei verbum, secundum quod scriptum est: ‚Verbum caro factum est‘, anathe-
-
ma sit. Si quis non confitetur carni secundum substantiam vnitum Dei Patris
Verbum vnumque esse Christum cum propria carne eundem scilicet Deum
simul et hominem, anathema sit. Si quis in vno Christo diuidit substantias
post vnitatem sola eas connexione coniungens ea, quae secundum carnis dig-
(5)nitatem sit vel etiam authoritatem et potestatem ac non potius conuentu, qui
per vnitatem factus est naturalem, anathema sit. Si quis in personis duabus
vel subsistentijs eas voces, quae in apostolicis scriptis continentur et euange-
licis diuidit vel quae de Christo dicuntur a sanctis vel ab ipso et aliquas qui-
dem ex his velut homini, qui || [104:] praeter Dei Verbum specialiter intelliga-
(10)tur, aptauerit illas autem tanquam dignas Deo soli Dei Patris Verbo deputa-
uerit, anathema sit. Si quis audeat dicere hominem Christum theophoron, id
est deiferum ac non potius Deum esse veraciter dixerit, tanquam Filium per
naturam secundum quod Verbum caro factum est et communicauit similiter
vt nos carni et sanguini, anathema sit. Si quis dicit Deum esse vel dominum
(15)Christum Dei Patris verbum et non magis eundum ipsum confitetur Deum
simul et hominem propterea quod Verbum caro factum est secundum scrip-
turas, anathema sit. Si quis velut hominem Iesum operante Deo Verbo dicit
adiutum et vnigeniti gloriam tanquam alteri praeter ipsum existenti tribuit,
anathema sit. Si quis audet dicere assumptum hominem coadorandum Deo
(20)verbo et conglorificandum et connuncupandum Deum tanquam alterum cum
altero – nam ‚con‘ syllaba super adiecta haec cogit intelligi – ac non potius
vna supplicatione veneratur Emanuel vnamque ei glorificationem dependit
iuxta quod Verbum caro factum est, bi anathema sit.i Si quis vnum dominum
Iesum Christum glorificatum dicit a Spiritu sancto tanquam, qui aliena vir-
(25)tute per eum vsus fuerit, et ab eo acceperit efficatiam contra immundos spiri-
tus posse et coram hominibus diuina signa perficere ac non potius proprium
fatetur eius spiritum, per quem diuina signa expleuit, anathema sit. Pontifi-
cem et apostolum confessionis nostrae fa- || [105:] ctum esse Christum diuina
scriptura commemorat. Obtulit enim semetipsum pro nobis in odorem suaui-
(30)tatis Deo et Patri. Si quis ergo pontificem et apostolum nostrum dicit factum
non ipsum Dei verbum, quando caro factum est, et homo iuxta nos homines,
sed velut alterum praeter ipsum specialiter hominem ex muliere aut qui dicit,
quod pro se obtulisset semetipsum oblationem et non potius pro nobis solis –
non enim eguit oblatione, qui peccatum omnino nesciuit –, anathema sit. Si
(35)quis non confitetur carnem domini viuificatricem esse et propriam ipsius ver-
bi Dei Patris, sed velut alterius praeter ipsum coniuncti eidem per dignitatem
aut quasi diuinam habentis habitationem ac non potius viuificatricem esse,
quia facta est propria Verbi cuncta viuificare valentis, anathema sit. Si quis
non confitetur Dei Verbum passum carne et crucifixum carne et mortem car-
(40)ne gustasse factumque primogenitum ex mortuis secundum quod vita est et
viuificator vt Deus, anathema sit.“
Das ist: „So jemandt nicht bekennet, das Christus sey warhafftig Immanuel
vnnd die heilig Jungfraw Maria der vrsach ein Můtter Gottes – Dann sie hat
nach dem Fleisch das Wort Gottes geboren, wlchs ist Fleisch worden, wie
geschriben steht: ‚Das Wort ist Fleisch worden‘ –, der sey verflůcht. So
(5)jemandt bekennet, das deß Vatters Wort nicht personlich mit dem Fleisch
vereiniget seye, || [106:] also das nur ein Christus sey mit seinem Fleisch ein
einigerbj Christus, Gott vnnd Mensch, der seye verflůcht. So jemandt in dem
einigen Christo nach der vereinigung die Naturen trennet vnnd sie allein
durch ein verknüpffung zusamenfuͤget, wlche geschicht allein nach der
(10)wirdigkeit, ansehen vnd Gewalt vnnd nicht vilmehr durch ein solliche
zusammenfuͤgung, wlche durch ein natürliche vereinigung geschehen ist,
der sey verflůcht. So jemandt in zweien Personen die Reden trennet, wlche
in der Apostel vnnd Euangelisten Schrifften begriffen, da eintweder Christus
von sich selbst oder die heiligen Menschen von jme reden also, das
(15)derselben ettliche dem Menschen sollicher gestalt zugelegt, das dardurch ein
anderer denn das Wort, das ist der Son Gottes, verstanden, ettliche aber
allein dem Son Gottes zůgeschriben als die allein Gott zůgehren, der sey
verflůcht. So jemandt sagen darff, das der Mensch Christus Gott getragen
vnnd nicht vilmehr, daß er warhafftig Gott seye, nmlich der natürlich Son
(20)Gottes, darumb daß das Wort fleisch worden ist vnd also auch Fleisch vnd
Blůt hat wie wir, der sey verflůcht. So jemandt sagt, das Christus sey
gleichwol Gott oder der Herr vnd das Wort deß Vatters, vnd nicht vilmehr
auch bekennet, das er zůgleich ein warer Mensch seye, darumb daß das Wort
vermg heiliger Schrifft ist fleisch worden, der seye verflůcht. || [107:] So
(25)jemandt sagt, wann Jesus ettwas gethon, das jhme das Wort geholffen hab,
vnd also die ehr deß eingebornen gleich als einem andern ausserhalb jme,
Jesu, zůschreibt, der seye verflůcht. So jemandt sagen darff, das der
angenommen Mensch mit Gott, dem Wort, anzubetten, zů ehren vnd mit
dem Wort Gott genennet werden soll, als wann es zwen, vnd also einer mit
(30)dem andern genennet werden solt – dann souil tregt die einig sylben ‚con‘ in
lateinischer Sprach auff sich, das man die vorgehnde Rede also verstehn
muͤsse – vnd nicht vilmehr mit einer anbettung verehret vnnd ein Herrligkeit
jme zůschreibt, nachdem das Wort ist fleisch worden, der seye verflůcht. So
jemandt sagt, das der einig Herr Jhesus Christus also vom heiligen Geist
(35)verklrt seye, als der durch jhne ein frembde Krafft gebraucht vnd
empfangen wider die vnreine Geister, das er vor den Menschen hab knden
Gttliche zeichen thůn, vnd nicht vilmehr bekennet, das er sein eigner Geist
seye, durch wlchen er die Gttliche zeichen volbracht hat, der sey verflůcht.
Die heilig Schrifft meldet, das Christus ein hoher Priester vnd Apostel vnser
(40)Bekanntnus worden seye. Dann er hat sich selbst Gott vnnd dem Vatter für
vns zum suͤssen Geruch auffgeopfferet. Derhalben, so jemandt sagt, das diser
Hohepriester vnd Apostel seye nicht das Wort Gottes worden, da es ist
Fleisch vnnd ein Mensch, gleich wie wir Menschen, worden, sonder gleich
als ein andern, den eben der, wlcher ist vom Weib gebo- || [108:] ren oder der
da sagt, das er sich selbst vmb seindtwillen vnd nicht vilmehr vmb
(5)vnsertwillen allein geopffert – dann der keines Opffers bedürffte, wlcher
von keiner Sünde wußte –, der seye verflůcht. So jemandt nicht bekennet,
daß das fleisch Christi seye ein lebendigmachendt Fleisch vnnd deß Worts
Gottes deß Vatters eigen Fleisch, sonder als ein andern, der sein selbst seye,
wlchs jme allein vereinigt sey der würdigkeit nach oder darinn allein die
(10)Gottheit wohne, vnd nicht vilmehr ein lebendigmachend Fleisch sey darumb,
das es deß Worts eigen Fleisch worden ist, wlches alle ding lebendig
machen kan, der sey verflůcht. So jemandt nicht bekennet, das Gottes Wort
im Fleisch gelitten hab vnd im Fleisch gekreützigt sey vnd den Todt im
Fleisch geschmeckt (oder empfunden) vnd also der erstgeborne auß den
(15)todten worden sey, nachdem als er das Leben vnd lebendigmacher ist,
nmlich als Gott, der sey verflůcht.“214
Dise Articul alle zumal erkennen wir für Christlich, der Propheten vnd Apo-
steln Schrifften vnd also vnserm Christlichen Glauben gemeß, verwerffen
vnd verdammen alles, was denselben zuwider ist vnd bezeugen vns hierauff
(20)vor Gott vnd seiner Kirchen, das wir nuͤhmals geglaubt noch gelehrt, das die
personlich Vereinigung allein stehn solte in einer zusamenfuͤgung oder Ver-
einigung der Herrligkeit vnnd ansehen, deßgleichen auch in Mittheilung der
Krafft oder Würckung, sonder wir haben gelehrt, das solche Vereini- || [109:]
gung der Herrligkeit vnnd ansehens, deßgleichen die Mittheilung der Krafft
(25)vnd Würckung auß der personlichen Vereinigung komme vnnd darumb
beeder Naturen Würckungen in allen Wercken Christi beysamen seindt vnnd
kein Natur ohn die ander Würcke vnnd das beid Naturen in Christo person-
lich vereinigt vnnd also Christus alsbk Gott vnnd Mensch würcke. Wlche
Mittheilung aller Krafft vnnd Würckungen deß Sons Gottes in der mensch-
(30)lichen Natur nicht were, da nicht zuuor die personlich Vereinigung beeder
Naturen geschehen, darauß dise Mittheilung der Krafft vnnd aller Würckun-
gen in den Creaturen volget.
Dardurch die personlich Vereinigung von anderer Vereinigung Gottes mit
denbm Menschen vnderscheiden vnnd die Leut auff das vnaussprechlich Ge-
(35)heimnus der Menschwerdung des Sons Gottes vnnd die personlich Vereini-
gung beeder Naturen in Christo gewisen werden, die wir mit vnser vernunfft
nicht begreiffen knnen, als die weit vber allen menschlichen verstandt ist
vnd allein mit Glauben můß gefaßt werden. Demnach meniglich wissen soll,
das die personliche Vereinigung vnd Gemeinschafft der eigenschafften bei-
der Naturen in Christo vns niehmals ein ding gewesen, wie wir dann auch
niehmals eins für das ander genommen, sonder allwegen den vnderschid
(5)gehalten, das durch Mittheilung der Krafft vnnd Würckung deß Sons Gottes
in der angenomnen menschlichen naturen der vnderschidt zwi- || [110:] schen
der einwohnung Gottes in andern Menschen vnnd diser wunderbarlichen, vn-
außsprechlichen personlichen Vereinigung ettlichermassen angezeigt werden
mcht, wie dergleichen die lieben Propheten vnd Apostel auch gethon haben.
(10)Es wlle aber der Christlich leser mit fleiß acht haben, wie oberzelte Cano-
nes vnser Bekandtnus von der Person Christi nicht allein nicht zuwider, son-
der auch bn wie ebenn in denselbigen vnser Lehr verfaßt vnd bestetigt ist. Dann
neben dem, das gedachte Canones durchauß vnser meinung von der Person
Christi erzelen, so will insonderheit der 8. Canon, das man den Menschen
(15)Christum vnnd das Wort – dann also redet diß Concilium vnd gebraucht das
wrtlin Mensch für Menschheit – mit einer anbettung vnnd verehrung als
den rechten Emanuel verehren soll. So nun Christus nach seiner Menscheit,
gleichwol dieselbige in der Person vnd nicht für sich selbs oder von der
Gottheit abgesndert angesehen vnd betrachtet, soll angebetten vnd ange-
(20)ruͤfft werden, so můß er ja aller Menschen hertzen, Gedancken vnd seufftzen
wissen vnd also ein Allwissender Mensch sein, ja er můß auch allen denen,
so jn anruͤffen, in allen jren nten gegenwertig helffen knnen vnd derhalben
ein Allmechtiger Mensch sein. Dann sonsten were es vnntig vnnd vnnutz-
lich, jne anzuruͤffen, soll auch disem Menschen nach der Menschheit gedie-
(25)net vnd jme Gttliche ehr vnd Preiß gegeben werden, so můß er ja abermal
ein Allwissender vnd Allmechtiger Mensch sein, wlchem die Christenheit
dancke, das || [111:] er jr ellendt angesehen vnd sie darauß mechtiglich erlset
habe.
So verdampt auch der eilfft Canon dises Concilij außtrucklich alle diejheni-
(30)gen, wlche nicht bekennen wllen, das fleisch Christi sey ein lebendig-
machend Fleisch. Nun kan der ja nicht lebendig machen, der nichtbo All-
mechtig ist, dann lebendig machen ist ein Allmechtig Werck sowol als auß
nichts ettwas erschaffen. Jedoch wissen wir wol, daß das fleisch Christi die
Krafft lebendig zu machen nicht hab auß oder für sich selbs, sonder wie der
(35)Canon sagt, daher weil es ist des Worts eigen Fleisch, wlches alles lebendig
machet. Was haben wir aber bißher wider die Zwinglianer hefftiger gestrit-
ten, dann das man das fleisch Christi nicht soll ansehen oder halten wie eines
andern frommen Menschen fleisch, sonder für ein lebendigmachendt fleisch
vnnd das man den Menschen Christum nicht allein für ein heiligen Men-
(40)schen, bey dem allein Gott sey oder in jme allein wohne, ansehen, sonder für
ein solchen Menschen erkennen solle, der warhafftig vnd mit der that All-
wissendt auch nach der Menschheit Allmechtig sey, dem nichts verborgen,
der Gttlichen Krafft empfangen hab, lebendig zu machen vnnd auß allen
nten gegenwertig zu helffen vnd zů erretten, in wlchem allem wir nichts
(5)news sagen, sonder eben die Lehr widerholen vnd verthedingen, wlche auß
grundt heiliger Gttlicher Schrifft von obgedachten 200 Christlichen Lehrern
im concilio Ephesino bekandt, erhalten vnd biß auff vns in der Christenheit
gebracht ist.
|| [112:] Das wir nun mit deß Nestorij Ketzerey, wider wlche das Ephesinum
(10)concilium gestritten, nichts zu thun haben, sonder dieselbige mit gedachtem
Christlichen Concilio einhellig verdammen, ist auß jetzigem gethonem be-
richt offenbar. Wer aber die rechten Nestorianer seyen, wlche die Person
Christi zertrennen, das würdt in diser Schrifft an seinem ort klrlich darge-
thon werden. Nachdem aber die Zwinglianer die Communicationem Idioma-
(15)tum, das ist die gemeinschafft der Eigenschafften beeder Naturen in Christo
also außgelegt vnd dardurch nicht ein warhafftige gemeinschafft der Naturen
vnd derselben Würckungen, sonder allein ein Gemeinschafft vnnd wechß-
lung der Namen verstanden, auch vnuerholen glehrt haben vnnd noch lehren,
das die Gttlich Natur nicht alle Werck jrer Allmchtigkeit durch die ange-
(20)nomne menschliche Natur würcke, haben sie damit zů verstehn geben, das
sie von der personlichen Vereinigung beider Naturen in Christo vnnd also
von der Person Christi nicht recht halten. Dann die personlich Vereinigung
beeder Naturen in Christo bringt das vnwidersprechlich mit sich, das kein
Natur ohn die andern, sonder wie die heiligen Vtter reden, beide gestalt
(25)oder Naturen miteinander würcken, vnzertheilt, vnuerwandelt, vnuermischt,
vnzertrent. Da aber die Würckungen zertheilt vnnd zertrent, das der Gtt-
lichen Natur würckungen zugeschriben, die sie nicht durch vnd mit, sonder
ohne || [113:] die menschliche Natur würcket, so ist hiemit die personlich ver-
einigung schon getrennet. Wie solches im Articul von deß Herrn Abendtmal
(30)offenbar ist, da die Zwinglianer Christum nach seiner menschlichen Natur
gantz vnnd gar außschliessen vnnd alle würckung jhme nach der Gottheit, ja
allein seinem heiligen Geist zuschreiben ohne die Menscheit Christi, wl-
ches im grund Nestorij Jrrthumb vnd Ketzerey gewesen ist.
Dieweil vns aber von den offendtlichen vnnd heimlichen Zwinglianern215
(35)fürgeworffen würdt der Monothelitenbp Ketzerey, wlche gehalten haben, das
in Christo nur ein wille seye – dann jrem fürgeben nach die menschliche
Natur, das ist sein Fleisch, kein eigene Seel gehabt, sonder anstatt derselben
die Gottheit gewesen sein solte –, wllen wir anstatt vnnd als vnser
Bekanntnuß setzen,br was sexta synodus oecumenica dawider geschlossen hat,
vnd lautten die wort deß Concilij also: „Gleichwie in dem einigen Christo
zwo Naturen vnuermischt, vnuerwandelt, vnzertrennt, vnzertheilt erkennt
vnd der vnderscheid der Naturen von wegen der vereinbarung nicht
(5)auffgehaben, sonder vilmehr die Eigenschafften beeder Naturen, so ein
einige Person machen, behalten werden muͤssen, also sollen auch zwen
natürlich Willen in Christo vnzertheilt, vnuerwandelt, vnzertrennlich,
vnuermischt gelehrt werden, nicht das die zwen Willen, so beiden Naturen
eigen, widerwertig oder einander entgegen weren, sonder das der
(10)menschlichen Natur wille dem Gttlichen vnnd Allmchtigen || [114:] willen
vnderworffen seye vnd das gleichwol, wie das fleisch Christi deß worts
Gottes eigen Fleisch ist vnnd genennet würdt, also auch der natürlich Wille
deß Fleischs ohne sonderung vnnd abtrennung deß worts Gottes eigner wille
seye vnnd genennt werde. Eben also sollen auch zwo natürliche würckung
(15)vnzertheilt, vnuerwandelt, vnuermischt, vnzertrenlich in dem einigen Herren
Jesu Christo gepreyset werden, das ist ein Gttliche Würckung vnnd ein
menschliche Würckung nach der Lehr Leonis, wlcher außtruckenlich
bezeuget, das beede gestalt miteinander würcken, doch ein jede, was jr
eignet vnd gebürt, nmlich daß das Wort außrichtet, was seiner Eigenschafft
(20)gehrt vnnd das Fleisch thut, was jm gebürt vnd eignet. Denn wir mitnichten
einerley Würckung Gott vnd den Creaturen zůschreiben sollen, auff das
nicht das Geschpff zů einem Gttlichen Wesen erhaben vnd der Gttlichen
Natur sonderlicher vnnd hher vorzug den Creaturen zugemessen werden
mge. Erkennen derowegen, das beedes, die wunderwercken vnd das
(25)Leiden, deß einigen gantzen Christi sein, aber doch secundum aliud et aliud
eorum, ex quibus est naturis et in quibus habet esse, das ist nach vnderscheid
der Naturen, in wlchen Christus ein Person ist, wlche auch beide zů dem
Wesen vnd Substantz seiner Person gehren.“216 Durch dise kurtze, runde
vnd einfeltige Bekandtnus, wlche wir durchauß vnderschreiben, für
(30)Christlich vnd recht halten, verhoffen wir, sollen vnsere || [115:] Kirchen
wider die verdampte Ketzerey der Monothelitenbs gnůgsam endtschuldiget
sein, die jhnen flschlich vnd mit vngrund zůgemessen würdt.
Dieweil wir mit den Vttern dises Concilij in Christo bekennen zwen Willen,
ein Gttlichen vnd ein Menschlichen, wie auch zwo natürliche Würckung,
(35)doch also, das dieselbige, wie sie vnuermischt vnd vnuerwandelt, also auch
vnzertheilt vnnd vnzertrennt bleiben vnd doch nicht widerwertig seien, da-
rauß vnwidersprechlich volget, das Christus nichts würcket nach seinem
Gttlichen willen vnnd niergendts was würcket vnd will nach der Gttlichen
Natur ohne die menschliche Natur, sonder mit derselben, wie Leo
bezeuget.217 Daher auch dem fleisch Christi die Krafft vnd Würckung zůge-
schriben, das es ist caro viuifica, ein Fleisch, das lebendig machet.218 Dann
der Son Gottes, deß eigen würckung es ist, lebendig machen, würcket das
leben nicht ohne das fleisch, sonder mit disem fleisch, mit dem er dise seine
(5)eigne natürliche würckung personlich gemein hat, wie solches Cyrillus mit
klaren worten beschriben hat: „Natura carnis ipsa per se viuificare non
potest. Quid enim maius natura deitatis haberet, quae nec sola esse in Christo
intelligitur, sed habet bt Filium sibi communicatum,t qui substantialiter vita est.
Quando igitur viuificam ipsam Christus appellat, non ita illi, vt sibi siue
(10)proprio spiritui vim viuificandi attribuit. Nam propter seipsum spiritus viuifi-
cat, ad cuius virtutem per coniunctionem caro conscendit. Quomodo autem
id fiat nec mente intelligere nec lingua dicere || [116:] possumus, silentio ac
firma fide id suscipimus.“ Das ist: „Die Natur, art vnd eigenschafft deß
Fleischs für sich selbs kann nicht lebendig machen. Dann was hette die
(15)Natur der Gottheit grssers, wlche auch nicht allein in Christo zů sein
verstanden würdt, sonder hat den Sone jr mitgetheilt, wlcher das Leben ist
wesendtlich. Derhalben wann Christus sein Fleisch nennet ein lebendig-
machend Fleisch, gibt er demselbigen nicht also wie im selbs oder seinem
eignem Geist die Krafft, lebendig zu machen. Dann der Geist machet für sich
(20)selbs vnd vmb seiner selber willen lebendig, zů wlcher krafft das fleisch
durch zusamenfuͤgung erhaben ist. Wie aber solches geschehe, künden wirs
weder mit vnserm Gemuͤth verstehn noch mit vnserer Zungen außsprechen,
sonder mit stillschweigen vnd festem Glauben nemmen wir es auff vnd an.“219
Das nun also beide Naturen in allen wercken Christi zusamenkommen vnd
(25)keine ohne die ander würcket, das hebet nicht auff die eigenschafften der
Naturen, vermischt auch die Naturen nicht. Denn einer jeden Natur jre eigen-
schafften bleiben, aber der andern Natur personlich gemein werden, ohn
wlche solche eigne würckung nichts von der andern Natur allein oder von
derselben abgesndert oder zertheilt verricht würdt. Wie nun Christus sein
(30)Werck in beiden Naturen vnzertrennet hat, also soll auch Christus jetzt zur
Rechten Gottes nicht nach einer Natur al- || [117:] lein angebettet werden. Dann
sein Gottheit ist niergendt personlich ohne die angenomne Menschheit noch
die Menschheit ohn die Gottheit, wie Doctor Luther von sich selbs schreibt,
wenn er nach Christo gedencke, so sůche er jn in der angenomnen Mensch-
(35)heit, da er sich finden lasse.220 Dergleichen auch einhellig die lieben Vtter
bezeugen, wie an seinem ort jre Zeugnuß sollen erzelt werden.
Wie wir aber Nestorij Jrrthumb vnd Ketzerey als dem Wort Gottes vnd vn-
serm warhafftigen Christlichen Glauben vngemeß vnd zuwider verwerffen
vnd verdammen, also verwerffen vnd verdammen wir auch die Ketzerey
bu Eutychetis außtruckenlich, wlcheru die Menschlich Natur in Christo
(5)verleügnet vnnd nicht bekennen wllen, das in Christo die Gttlich vnnd
menschlich Natur miteinander vereiniget seyen, wider wlche Ketzerey Leo
mit sonderm Fleiß, ernst vnd eyffer gestritten vnd auß heiliger Geschrifft
gewaltig erwisen hat, das in Christo die zwo Naturen, die Gttlich vnnd
menschlich, seyen vnnd jre Eigenschafften ein jede auch in der personlichen
(10)Vereinigung behalten.221 Vnd nachdem vns diser Jrrthumb besonders durch
die Zwinglianer der vrsachen zugemessen würdt, das wir die Maiestet deß
Menschen Christi wider jren Nestorianischen jrrthumb erklren, wllen wir
hieruon dem Christlichen Leser ein grundtlichen, bestendigen vnnd lautern
Bericht thon. Dann menigklich, so die handlungen deß Chal- || [118:] cedo-
(15)nischen Concilij, wlches wider den Eutychen versamlet, vnnd sonderlich
deß Leonis Schrifften mit fleiß gelesen, kundt vnnd offenbar, das die heili
gen Vtter, im selben, an der zal 630, versamlet, allein dahin gesehen, das
sie vermg Gottes Worts wider Eutychen erhalten, das nachdem der Sone
Gottes in einigkeit der Person die menschlich Natur angenommen, dieselbige
(20)nicht in die Gtliche verwandelt noch mit derselben vermischt oder ver-
mengt worden seye, sonder zwo Naturen in der Person Christi von der zeit
seiner Empfengknuß vnnd Geburt an gewesen vnd nun in ewigkeit sein vnd
bleiben werden. Dargegen aber Eutyches gehalten vnd geglaubt, das wol vor
der personlichen vereinigung beide Naturen gewesen, nmlich die Gttlich
(25)vnd die Menschlich, aber nach diser vereinigung sey nicht mehr dann allein
die Gttlich Natur in Christo. Weil wir dann mit hellen klaren worten beken-
nen zwo Naturen in Christo, nmlich die Gttlich, nach wlcher Christus
Gott dem Vatter gleich, vnd die menschlich, nach deren er vns Menschen
ausserhalb der Sünden gleich ist, nach wlcher Natur er weder in dem We-
(30)sen noch an den Eigenschafften der Gttlichen Natur gleich worden ist noch
werden kan. Darzů auch beede Naturen wesentliche eigenschafften bleiben,
so die Natur weder ablegen noch vndereinander vermischt werden, so sihet
meniglich, das die handlung, wider den Eutychen vnnd sein verdampten jrr-
thumb fürgenommen, vns nichts angehe.
(35) || [119:] Dann hie gantz vnd gar zwischen den Zwinglianern vnd vns ein ande-
re Frag ist, deren in dem Chalcedonischen Concilio mit einem wort nicht ist
gedacht worden, nmlich nachdem wir zů beiden theilen bekennen, das in
der Person Christi zwo Naturen sein vnd bleiben, die Gttlich vnd Mensch-
lich miteinander vereiniget dergestalt, das ein jede Natur jre wesentliche ei-
-
genschafften behalte vnd kein Natur nach derselben eigenschafften bv mit der
andernv vermischt werde, ist die Frag, ob die Gttlich Natur der menschli-
chen Natur mehr nicht dann allein den Namen seiner Gttlichen vnendt-
lichen Maiestet, Allmechtigkeit, warhafftige gegenwertigkeit an allen orten,
(5)da der Sone Gottes ist, vnendtliche weißheit mittheile oder aber, ob Christus
nach seiner menschlichen Natur warhafftig vnd mit der that in solche Maies-
tet, Allmechtigkeit, krafft vnd weißheit eingesetzt worden, vnnd das wlle
der Christlich Leser wol mercken. Jtem ob die menschliche Natur nach jrem
Wesen bleib vnnd jre eigenschafften behalten knne, wann sie durch die per-
(10)sonliche vereinigung warhafftig in solche Maiestet eingesetzt vnd mit der
that jr dieselbige mitgetheilt werde vnd dardurch nicht geschehe ein vermi-
schung, verwandlung oder abthůung der menschlichen Natur. Hierauff ant-
worten die Zwinglianer durch jre Alliosin222 vnnd die jhnen heimlich auch
anhangen per Communicationem Idiomatum, das die Gttlich Maiestet, All-
(15)mechtigkeit, krafft vnnd || [120:] vnendtliche Weißheit der menschlichen Na-
tur auff keinerley weiß noch weg mit der that mitgetheilt worden sey noch
mit der that mitgetheilt werden knne, sonder von wegen der verknüpffung
vnd verbindung beider Naturen, wlche doch jrem fürgeben nach ohne
solche warhafftige gemeinschafft geschicht oder geschehen seye, werden al-
(20)lein die Namen verwandelt, die ein Natur in der Person Christi der andern
leihe vnnd miteinander wechßlen, also das Christus nach seiner Menschheit
wol Allmechtig genennet seye, deren doch der Sone Gottes seine Allmech-
tigkeit auff keinerley weise noch wege mitgetheilt habe. Darumb auch der
Leib Christi im heiligen Abendtmal nicht knne warhafftig gegenwertig sein,
(25)weil Christus nach seiner Menschheit mehr nicht dann den Namen von der
allmchtigkeit Gottes empfangen vnd mit der That derselben, wie auch ande-
rer Gttlichen Würckungen, nicht theilhafftig worden seye, auch nicht wer-
den knne, deß wlle der Christlich Leser auch wol mercken.
Wider disen verdampten Nestorianischen, Ketzerischen jrrthumb glauben,
(30)lehren vnd bekennen wir vor Gott vnnd seiner Kirchen, das der ewig Sone
Gottes die menschlich Natur in Einigkeit seiner Person also angenommen
habe, das Christus nach der Gttlichen Natur die Allmchtigkeit, Krafft vnd
Weißheit selbs seye vnd nach seiner menschlichen Natur solche Allmchtige
Gewalt personlich empfangen vnnd das er nicht mit blossem Namen in dise
(35)Maiestet Gottes einge- || [121:] setzt seye. Daher auch er nicht allein als Gott,
das ist nach seiner blossen Gottheit natürlich, sonder auch als ein Mensch,
doch nicht natürlich noch raumlich, sonder personlich seiner Kirchen an al-
len enden vnnd orten gegenwertig sey. Daher sein Fleisch die Krafft auch
erlangt, das es ein lebendigmachendt Fleisch223 ist vnd im heiligen Abendt-
mal gegenwertig geessen vnd sein Blůt getruncken würdt.
(5)Durch dise einsetzung Christi nach der menschlichen Natur in sein Gttlich
Maiestet vnd Herrligkeit würdt die menschlich Natur nicht raumlicher oder
natürlicher weiß in alle ort außgespannen. Dann die vereinigung beeder Na-
turen ist nicht raumlich. Deßgleichen ist auch das sitzen zur Rechten der Ma-
iestet Gottes nicht leiblich noch raumlich, sonder personlich vnd doch war-
(10)hafftig, das man nicht kan ein ort zeigen, da der Son Gottes wesentlich ist, an
wlchem er nicht nach seiner Maiestet, in wlche Christus von wegen der
Personlichen vereinigung als ein Mensch oder nach seiner menschlichen Na-
tur warhafftig vnnd mit der that eingesetzt, auch nach derselben gegenwertig
ist. Das aber solche vnser Lehr, Glaub vnnd Bekandtnus eben deß Chalce-
(15)donischen Concilij Lehr von der Person Christi seye, auch meniglich sehen
knne, das wir vns nicht nur mit blossen wortten zů gedachtem Chalcedoni-
schen Concilio bekennen vnd doch daneben ein solche Lehr von der mensch-
lichen Natur Christi fuͤhren solten, wlche nicht || [122:] bey vnd neben deß
Chalcedonischen Concilij Lehr bestehn knne, sonder im grund Eutychia-
(20)nisch seye, so wllen wir vilgedachts Chalcedonischen Concilij wort setzen,
vnser Lehr dagegen halten vnd den Christlichen Lesern das vrtheil beuelhen.
Euagrius lib. 2, cap. 4.
Ἑπόμενοι τοίνυν τοῖς ἁγίοις πατράσιν, ἕνα καὶ τὸν αὐτὸν ὁμολογοῦμεθα υἱὸν τὸν κυριὸν ἡμῶν Ἰησοῦν Χριστὸν καὶ ὁμοφώνως ἅπαντες ἐκδιδάσκομεν τέλει
(25)ον τὸν αὐτὸν ἐν θεότητι καὶ τέλειον τὸν αὐτὸν ἐν ἀνθρωπότητι, Θεὸν ἀληθῶς
καὶ ἄνθρωπον ἀληθῶς τὸν αὐτὸν ἐκ ψυχῆς λογικῆς καὶ σώματος, ὁμοούσιον
τῷ πατρὶ κατὰ τὴν θεότητα καὶ ὁμοούσιον ἡμῖν κατὰ τὴν ἀνθρωπότητα, κατὰ
πάντα ὅμοιον ἡμῖν χωρὶς ἁμαρτίας πρὸ αἰώνων μὲν ἐκ τοῦ πατρὸς γενηθέντα
κατὰ τὴν θεότητα, ἐσχάτων δὲ τῶν ἡμέρων τὸν αὐτὸν δι᾿ ἡμᾶς καὶ διὰ τὴν
(30)ἡμετέραν σωτηρίαν ἐκ Μαρίας τῆς παρθένου καὶ θεοτόκου κατὰ τὴν ἀνθρω
πότητα· ἕνα καὶ αὐτὸν Ἰησοῦν Χριστὸν υἱὸν κύριον μονογενῆ ἐν δύο φύσεσιν
ἀσυγχύτως, ἀτρέπτως, ἀδιαιρέτως, ἀχωρίστως γνωριζόμενον, οὐδαμοῦ τῆς
τῶν φύσεων διαφορὰς ἀνῃρημένης διὰ τὴν ἕνωσιν, σωζομένης δὲ μάλλον τῆς
ἰδιότητος ἑκατέρας φύσεως, καὶ εἰς ἓν πρόσωπον καὶ μίαν ὑπόστασιν συν
(35)τρεχούσης, οὐχ ὡς εἰς δύο πρόσωπα μεριζόμενον ἢ διαιρούμενον, ἀλλ᾿ ἕνα καὶ
τὸν αὐτὸν υἱὸν μονογενῆ θεὸν λόγον καὶ κύριον Ἰησοῦν Χριστὸν, καθάπερ
ἄνωθεν οἱ προφήται καὶ αὐτὸς περὶ αὐτοῦ ὁ Χριστὸς ἐξεπαίδευσε καὶ τὸ τῶν
πατέρων ἡμῖν παραδέδωκε σύμβολον.224
Hunc canonem Nicephorus lib. 15, cap 6. recitat.
„Itaque patrum vestigijs insistentes vnum atque eun- || [123:] dem profitemur esse Filium dominum nostrum Iesum Christum et vna voce omnes depraedi-
camus perfectum eundem in diuinitate et perfectum eundem in humanitate,
(5)Deum verum et hominem verum eundem ex rationali anima et corpore, sub-
stantialem patri secundum diuinitatem, consubstantialem nobis secundum
humanitatem, per omnia nobis aequalem absque peccato. Ante secula
quidem ex Patre secundum diuinitatem, in extremis autem diebus eundem
propter nos et propter nostram salutem ex Maria virgine et Dei genetrice
(10)secundum humanitatem genitum, vnum et eundem Iesum Christum Filium et
dominum vnigenitum in duabus naturis inconfuse, immutabiliter, indiuise,
insegregabiliter cognitum et depraedicatum, haudquaquam naturarum diffe-
rentiam vnione tollente, sed proprietatem potius vtriusque naturae conser-
uante, quae in personam vnam et subsistentiam vnam concurrit, non veluti in
(15)duas personas dispertitum aut diuisum, sed vnum et eundem Filium vnigeni-
tum Deum, Verbum, dominum nostrum Iesum Christum, quemadmodum
antiquitus prophetae et ipse de seipso nos docuit Christus et symbolum pa-
trum nobis tradidit.“ Das ist: „Derhalben tretten wir in die Fůßstapffen der
Vtter vnnd bekennen, das eben derselbige Son seie vnser Herr Jesus Chris-
(20)tus, vnnd bekennen alle einhelligklich denselben volkommen in der Gottheit
vnnd eben denselbigen volkommen in der || [124:] Menschheit, eben denselbi-
gen waren Gott vnnd waren Menschen auß vernünfftiger Seel vnnd Leib,
selbstendig,bw eines Wesens mit vns nach der Menschheit, allerdings vns
gleich, ohne Sünd, vor der Welt zwar von dem Vatter nach der Gottheit, zur
(25)letsten zeit aber eben der vmb vnser vnd vmb vnsers heils willen auß Maria
der Jungkfrawen vnd Gottesgebererin nach der Menschheit geborn. Eben
denselbigen Jesum Christum, eingebornen Son vnd Herren in zweien Natu-
ren vnuermischt, vnwandelbar, vnzertheilt, vnabgesündert erkennt vnnd ge-
predigt, das die Vereinigung gar nicht der Naturen vnderscheid auffhebt,
(30)sonder vilmehr beider Naturen eigenschafft behelt, wlche in ein Person
vnnd ein selbstendigkeit zusamenkommen, nicht als in zwo Personen zer-
trennt oder zertheilet, sonder eben denselbigen eingebornen Son, Gott das
Wort, vnsern Herrn Jesum Christum, wie von alters her die Propheten vnd
Christus von sich selbs gelehrt vnd der Vtter Glaubensbekanntnus vns hin-
(35)derlassen hat.“225
Jn wlchen worten die grosse fürsichtigkeit der Vtter dises Concilij ge-
merck würdt, wlche mit sonderm fleiß alle wort erwegen vnd in diß be-
kanntnus gesetzt haben, darmit man weder zur Lincken noch zur Rechten
seitten von der warheit abweiche vnnd nicht also deß Nestorij jrrthumb flie-
he vnd verwerffe, das man in deß Eutychis jrrthumb gerathe, das ist das man
also die einigkeit der Person Christi erhalte, dardurch die Naturen nicht mit-
einander vermischt vnnd hinwiderumb das || [125:] Wesen vnnd die eigen-
(5)schafft beider Naturen in Christo also gelehrt, auff das hierdurch die Person
Christi an keinem ort getrennet vnnd nicht zwen Christi gemacht werden.
Dann es ist nur ein einiger Christus, ein einiger Herr, ein einiger eingeborner
Gottes vnd Mariae Son. Der Son Gottes ist deß Menschen Son vnd deß
Menschen Son ist Gottes Son, weil Gott vnd Mensch in Christo ein vnzer-
(10)trennte, vngetheilte Person ist vnd weder Gottes Son von deß Menschen Son
noch deß Menschen Son von Gottes Son abgesuͤndert ist.
Dise Bekanntnuß, Glauben vnd erkanndtnus deß Concilij halten wir für
Christlich, Apostolisch, Catholisch, dem Wort Gottes, der Propheten vnnd
Apostel Schrifften gemeß, haben auch derselben nichts zuwider jemals ge-
(15)lehret, sonder eben auß disem grund, darauff dises Concilij Glaub vnd Be-
kanntnus gesetzt wider den Jrrthumb der Zwinglianer, biß daher ernstlich
vnnd trewlich gelehret. Dieweil in der Person Christi beide Naturen, die
Gttlich vnd Menschlich, also vereiniget, das sie an keinem ort knden noch
mgen getrennet werden also, das man kndt sagen: Hie ist Gottes Son, da
(20)deß Menschen Son nicht ist, sonder wa Christus ist, da ist der gantz Christus,
das ist nicht allein Gottes, sondern auch deß Menschen Son. Vnd souil Chris-
tum nach der Menschheit belanget, das nicht allein durch ein verwandlung
der Namen wol gesagt mge werden, Christus seye auch nach seiner
Menschheit, das ist als ein Mensch gegenwertig, da der Son || [126:] Gottes ist,
(25)doch seye es nur ein Rede, aber mit der that vnd im grund seye es gar nichts.
Disen Jrrthumb straffen, verwerffen vnd verdammen wir, wlchen auch diß
Concilium außtruckenlich verwürfft vnd verdampt, da mit sonderm fleiß die
fünff wort gesetzt sein von der einigkeit der Person Christi: „non in duas per-
sonas partitum atque diuisum neque disiunctum, indiuise, inseparabiliter“,226
(30)das ist: „vnzertheilt, vngetrennet, nicht in zwo Personen getheilet, getrennet
noch abgesndert.“
Nachdem aber die Naturen in der Person Christi nicht gleich seindt, darzů
ein jede Natur jre Eigenschafften in diser personlichen Vereinigung behelt,
haben wir je vnd allwegen außtruckenlich vnd vnderschidlich angezeigt, so-
(35)vil die gegenwertigkeit Christi an vil oder allen orten belangt, das der vnder-
scheid der Naturen mit allem fleiß vnnd wol zu bedencken seie. Dann Gott
ist ein vnendtlich Wesen, das wesendtlich Himmel vnd Erden erfüllet, die
menschlich Natur aber in Christo ist ein Creatur vnnd Geschpff Gottes, da-
rumb sie dergestalt nicht knne an allen orten gegenwertig sein wie die Gott-
(40)heit, sonder solche Gegenwart komme Christo nach der menschlichen Natur
daher, das in derselben die vlle der Gottheit leibhafftig wohnet, vmb wl-
-
cher Einwonung willenbx die menschlich Natur die vlle der Gottheit in jr
leibhafftig wohnendt hat , Christo nach seiner menschlichen Natur alle ding
so gegenwertig sein vnd er widerumb allen dingen || [127:] so gegenwertig ist,
das sie jme nicht gegenwertiger sein knden, nicht auff die grobe, leibliche,
(5)natürliche, raumliche weise, sonder vil auff ein hhere, volkomnere weiß, da
jhme auch aller Menschen hertzen offenstehn, er alles sihet, hret vnnd jhme
nichts verborgen ist, wie auch ohn sein willen nichts geschicht, der es alles
in seiner Hand vnnd Gwalt hatt vnnd auch als ein Mensch seines gefallens
Regieret.
(10)Dieweil vns aber hie auch deß Schwenckfelds Jrrthumb zugemessen, damit
vnser Lehr von der Maiestet deß Menschen Christi bey meniglichen ver-
dchtig zu machen, haben wir auch für ein hohe notturfft geachtet, das wir
den vnderscheid vnser Lehr vnnd deß verdampten Jrrthumbs Schwenckfeldi-
scher Ketzereyen mit fleiß vnd gůttem grund anzeigen vnnd also mit der that
(15)zum augenschein beweisen,by das gedachter jrrthumb vnsern Kirchen vnguͤtt-
lich vnd mit vngrund zůgemessen werde.
Dann also schreibt Schwenckfeld: „Der Mensch Jesus ist nun mit seinem
Leib vnnd Blůt gantz deß Wesens, vermgens, wlches Gott der Vatter vnnd
sein ewig Mitallmechtig Wort vor der Menschwerdung geweßt, natürlich
(20)gehabt vnd vermcht hatt“,228 ohne wlche gleichheit der Naturen Christi in
der Glorien man vil Sprüch in der heiligen Schrifft nicht verstehn kan.
„Daß also Christus die stlle229 vnnd ehre der andern Personen in der
Dreyfaltigkeit Gottes halte in einem grad Gttliches Wesens, das der gantz
|| [128:] Son Gottes Christus gantz eines Wesens mit dem Vatter vnd dem
(25)heiligen Gaist ist“,230 „vnnd kurtzlich, das Jesus Christus nach seiner gantzen
Person, das ist nach seinen beiden vereinigten Naturen, als der war natürlich
Sone Gottes Gott seinem Vatter in Macht, Glorien, Wesen, Maiestet vnd
ehren in einem grad vnd staffel der Würde vnd vermgens gantz gleich vnd
ehnlich.“231 Jtem, das die Menschheit in Christo seiner ewigen Gottheit
gleich, in vnd mit jr gantz eines Wesens, Gewalts, Maiestet vnd Herrligkeit
worden.232
Jtem es sey der Leib in Christo Gott durch die glorification vnd salbung deß
heiligen Geistes dermassen verehnlichet, eingeleibt vnd das fleisch dem
(5)Wort dermassen vereinbaret, das kein vngleichheit noch wesentlicher
vnderscheid der Gottheit vnd Menschheit Christi.
Dise meinung vnd jrrthumb Caspar Schwenckfelds verdammen vnnd ver-
werffen wir, wie auch andere vil mehr seiner Jrrthumben, als Gottes Wort,
den Prophetischen vnnd Apostolischen Schrifften, den Symbolis der lieben
(10)Vtter vnnd der gantzen Christlichen Kirchen einhelligen Lehr zuwider, da
nmlich C. Schwenckfeld gestritten, das die Menschheit in Christo kein Cre-
atur mehr, sonder gantz vnd gar in das Gttlich Wesen verwandelt, vnd das
kein vngleichheit noch wesenlicher vnderscheid der Gttlichen vnnd
Menschlichen Natur in Christo, sonder beide Naturen eines einigen Gttli-
(15)chen Wesens seyen.
Wir vnderschreiben vnnd bestehtigen auch die || [129:] Schrifft der Theologen
zů Schmalcalden, Anno 1540 gestelt, darinn C. Schwenckfelds jrrthumb er-
zelet vnd einhellig als ein Jrrige meinung verdampt worden ist.234
Dann so grosse vngleichheit im Wesen zwischen Gott vnnd der Creatur, dem
(20)Schpffer vnd dem Geschpff ist, so ein grosser Vnderscheid ist vnnd bleibt
auch in der Glori vnd Maiestet deß Menschen Christi zwischen der Gttli-
chen vnd menschlichen Natur, da dann die menschlich Natur nach jrem We-
sen weder für sich selbst noch an jren eigenschafften immermehr der Gtt-
lichen Natur kan gleich werden. Es ist vnd bleibt die menschlich Natur in
(25)Christo auch in der Maiestet zur Rechten Gottes ein Creatur vnnd ist wol mit
dem Son Gottes ein Person oder, wie das Concilium, zů Chalcedon gehalten,
redet, „vna hypostasis“,235 das wa der Son Gottes ist, da ist er auch Mensch.
Aber die Naturen seindt nicht eines Wesens, sonder bleibt im Wesen der vn-
derscheid vnd vngleichheit für vnd für auch in der personlichen Einigkeit.
(30)Vnnd da das Wesen der menschlichen Natur auffgehaben wurde, da were
auch kein personliche Vereinigung mehr, sonder ein verwandlung der
menschlichen Natur in die Gttliche, vnd also nur ein einige Natur, nmlich
die Gttliche, wlches vnserm Christlichen Glauben zuwider ist, in massen
die Theologen zů Schmalcalden recht schreiben, jre wort lautten also:
(35)„Vnder den Articuln deß Glaubens steht ‚Geboren auß Maria der Junckfraw-
-
en‘ vnd hernach: ‚Der da sitzet zur Rechten Got- || [130:] tes, seines Allmech-
tigen Vatters‘, eben der Christus, von wlchen gesagt ist, ‚geborn auß Maria
der Jungkfrawen‘, eben vom selbigen, sagen wir, würdt hernach gesagt: ‚Er
sitzet zur Rechten hand Gottes seines Allmechtigen Vatters.‘“236 Hactenus
(5)Theologi.
Darauß der Christlich Leser abermals zů vernemmen, das vns ebenso vnguͤtt-
lich vnnd vnbillich ohn allen grund der warheit deß Schwenckfelds Jrrthumb
von der Person Christi als der Arrianer, Sabellianer, Martioniter, Samosate-
nianer, Nestorianer, Eutychianer vnd Monotheliten237 Ketzereien zůgemes-
(10)sen werden, darwider wir in offentlichen truck geschriben, auch in disem
Fürstenthumb offentliche Mandata darwider außgegangen vnd keineswegs
geduldet werden.
Es ist aber hinwiderumb zu bedencken, das man darumb noch nicht aller ket-
zereyen entloffen seye, wann man Eutychetis vnd C. Schwenckfelds Ket-
(15)zerey verdampt hat. Dann wie C. Schwenckfeld zů weit auff die rechte seit-
ten gegangen, da er vmb der Maiestet willen, in wlche Christus nach seiner
Menscheit zur rechten der Krafft Gottes eingesetzt worden, daß Wesen der
menschlichen Natur mit Eutyche im grund verleugnet, also gehn auch die
offentlichen vnd heimlichen Zwinglianer zů weit auff die lincken seitten vnd
(20)seyen im grund rechte Nestorianer, die per Communicationem Idiomatum,
das ist durch vnrechte erklrung der gemeinschafft der eigenschafften Gtt-
licher vnd menschlicher Natur in || [131:] Christo, jme nach der Menschheit
nicht mehr dann den Namen der Gttlichen Maiestet gnnen vnnd Commu-
nicationem Idiomatum nirgendt für, dann allein für ein verwandlung der Na-
(25)men halten, da sie im verkerten verstand auß Theodoreto schreiben: „Vnio
communia facit nomina“,238 das ist: „die personlich vereinigung macht die
Namen gemein.“ Wlche rede Theodoreti sie von einer solchen gemein-
schafft verstehn vnnd außlegen, die nichts dann ein phrasis vnd modus lo-
quendi, das ist nichts anders dann nur ein art vnnd weise zu reden seye, dar-
(30)durch allein ein gemeinschafft vnnd verenderung der Namen bedeuttet wer-
de, wlche aber kein rechte, warhafftige gemeinschafft seye, so mit der that
vnd warheit geschehe, da die ein Natur gibt, die ander nimbt, wie droben
gnůgsam erklret ist.
Das aber diß weder deß Theodoreti noch jrgend eines reinen alten Catholi-
(35)schen Lehrers meinung jemals gewesen sey, erklrt Theodoretus selbst mit
der gleichnus deß Menschen Seel vnd Leibs, da er also schreibt: „Wann wir
von der Menschlichen Seel reden, so sagen wir allein von jr, was jrer Wür-
ckung vnnd Natur zůgehret, vnd wann wir von dem Leib reden, so sagen
wir von jme allein, was jm eigen ist. Wann man aber von dem gantzen Men-
schen redet, so sagen wir ohne schew beids von jm, dann dem Menschen
(5)zůgehret, was der Seelen vnd deß Leibs eigen ist. Also soll man auch reden
von Christo: Wann man von den Naturen redet, soll man einer jeden zůeig-
|| [132:] nen, was jr gehret, vnd wissen, was der Gottheit vnd was der
Menschheit eigen ist. Wann wir aber von der Person reden, můß man zusa-
menfassen die eigenschafften der Naturen vnnd beids dem heiland Christo
(10)zůschreiben vnd eben einen Gott vnnd Menschen nennen Gottes Son vnd
deß Menschen Son, Dauids Son vnd Dauids Herren, den Samen Abrahams
vnnd den schpffer Abrahams vnd alles anders auff gleiche weise.“239
Nu seind aber die Würckungen der Seelen dermassen geschaffen, das sie
sich ohne den Leib nicht erzeigen, sonder durch vnd mit dem Leib. Es sihet
(15)nicht die Seel vnd bleibt das Aug blindt also, das es von der Krafft vnnd
Würckung der Seel mehr nicht dann allein den Namen, aber mit der that vnd
warheit nichts hette. Also hret auch die Seel nicht,bz daß das Ohr taub bleibe
vnnd nicht hren solte. Also auch von andern Sinnen geredt hat es gleiche
gestalt, wie daroben gnůgsam erklrt ist. Mit diser Gleichnuß haben die Vt-
(20)ter das groß Geheimnuß der Menschwerdung deß Sons Gottes erklren wl-
len. Wann man von den Naturen für sich selbst redet, so soll man anzeigen,
was einer jeden Würckung vnnd Eigenschafften seyen, die für vnnd für vn-
derscheiden bleiben. Aber wann man von der Person redet, wie beide Natu-
ren ein Person vnd ein Christus worden, da soll man nicht mehr von der Na-
(25)tur Würckung allein reden, sonder wie ein Natur mit der andern personliche
Einigkeit hat, das auch die Eigenschafften ein warhafftige Gemeinschafft
haben || [133:] jn solcher personlicher vereinigung der Naturen, das also der
gantz Christus alles thů vnd handle vnd nicht die eine Natur für sich selbst
alleine.
(30)Diser Erklrung aber Theodoreti vnd anderer Kirchenlehrer, so diß Gleich-
nuß bey dem Geheimnuß der Menschwerdung deß Sons Gottes gebraucht,
zuwider, geben die offentlichen vnd heimlichen Zwinglianer für, das der Son
Gottes nicht alle seine Würckung durch vnd mit der angenomnen menschli-
chen Natur außrichte, wie er es denn auch nicht bedürffe, das sie alle durch
(35)vnd mit seiner angenomnen Menschheit geschehen.
Nun setzen wir es zum Erkanntnuß aller Kirchen Augspurgischer Confes-
sion, ob nicht das heisse offentlich die Person Christi getrennt, wann man
lehret, das der Son Gottes nicht alle seine Würckung in, mit vnd durch die
menschliche Natur außrichte? Dann solchem fürgeben nach würcket der Son
(40)Gottes allein ettlich ding durch die angenommene Menschheit als im Him-
-
mel, da er sein Menschheit (nach diser Lehr) allein bey sich hat auff Erden,
aber ohne dieselbige Menschheit, da er sie auch (jrem fürgeben nach) nicht
bey sich hat. Jm Himmel würcket er als Gott vnd Mensch, auff Erden aber
allein als Gott. Wann das nicht heißt die Person Christi trennen, so wissen
(5)wir nicht, was die Trennung der Person Christi seye, wlchs keinswegs mit
der heiligen Schrifft noch mit der heiligen Vtter Lehr vbereinstümmet.
Dann vnser Christlicher Glaub vermag, wie die heilig Schrifft lehret, das
Christus nach der || [134:] menschlichen Natur zur Rechten Gottes gesetzt sey,
wlches nichts anders ist, wie in der Augspurgischen Confession vnnd Apo-
(10)logia vermeldt, dann für vnnd für Regieren vnnd Herschen vber alle Crea-
turen.
Daher auch der heilig Athanasius geschriben: „Verbum in sua humana as-
sumpta natura cum ea et per eam lucet et operatur“,240 das ist: „das Wort in
seiner angenomne menschlicher Natur leuchtet vnnd würcket mit derselben
(15)vnd durch dieselbigen.“ Vnd abermals in Dialogo 5 contra Apolinaristas:
„Sicut anima in corpore, ita Deus Verbum vnitus homini aedit prodigia, non
separatur a natura assumpta, sed placuit ei, per ipsam, in ipsa et cum ipsa po-
tentiam suam diuinam exercere“,241 das ist: „Gleichwie die Seel im Leib,
also das Wort, wlches Gott ist, mit dem Menschen vereiniget, thůt wunder
(20)nicht abgesündert von der angenomnen Natur, sonder hat jm wolgefallen,
durch dieselbigen, in derselbigen vnd mit derselbigen sein Gttlichen Gewalt
zů uͤben.“
Vnd Damascenus: „Caro organum diuinitatis constituta est.“ Item: „Diuinae
operationes tanquam per organon corporis perficiuntur.“242 Das ist: „Das
(25)fleisch ist zů einem Werckzeug der Gottheit worden.“ Jtem: „Die Gttliche
würckungen werden durch den Werckzeug deß Leibs vollbracht.“ Gregorius
Nyssenus: „Dextra Dei, omnium creatrix, vnitum hominem euexit per vnio-
nem ad propriam celsitudinem.“243 Das ist: „Die Rechte Hand Gottes, die ein
schpfferin ist aller ding, hat den vereinbarten Menschen || [135:] durch die
(30)vereinigung erhhet zů jrer eigen hochheit.“ Vnd wuͤrdt der Spruch Apolli-
naris vil gebraucht vnnd angezogen, wlcher nennet „corpus Christi orga-
num diuinarum actionum“,244 das ist: „ein Werckzeug der Gttlichen wür-
ckungen.“
Derhalben, wie wir Caspar Schwenckfelds jrrthumb vnd Eutychianische Ket-
(35)zerey verwerffen vnd verdammen, der die exaequationem, das ist die verglei-
chung der menschlichen Natur mit der Gttlichen gelehrt vnd nach jrem We-
sen in gleichem Grad vnd stelle der Gottheit gesetzt vnd also im grund die
menschlich Natur in Christo verleugnet vnd abgethon, von wlcher wir hal-
-
ten vnd glauben, das sie auch in der Glori vnd Maiestet ein warhafftige
menschliche Natur bleibe, jre wesenliche eigenschafften behalte vnd der
Gottheit nimmermer gleich werde; also verwerffen vnd verdammen wir auch
die Lehr, da Christus nach seiner Menschheit dergestalt von der Rechten der
(5)Maiestet vnd Krafft Gottes abgesetzt würdt, das der Son Gottes nit alle seine
Würckungen mit jr gemein habe noch in, mit oder durch dieselbige würcken
solte. Dann wie Caspar Schwenckfeldt die Naturen vermischt, also trennen
die Zwinglianer die Person Christi, da sie dem Son Gottes besondere wür-
ckung bey den Creaturen ohne vnd ausserhalb der angenomnen menschli-
(10)chen Natur zuschreiben vnd also zwen Christus machen: ein, der Gott vnd
Mensch im Himmel, den andern, der nur Gott ist auff Erden.
|| [136:] Das vns aber ferner zůgelegt würdt, das wir zwischen dem Menschen
Christo vnd der Menschheit Christi nicht vnderscheiden, sonder eins für das
ander nemmen vnd also auffheben die vnderschidliche art vnd bedeuttung
(15)der wrter „Concreti“ vnd „Abstracti“ vnd verwerffen der alten Lehr von der
Communicatione Idiomatum vnnd dichten vns selbs ein frembde vnnd in der
rechtglaubigen Kirchen vnbekandte communicationem, wlche stehe in we-
senlicher außgiessung aller Gtlichen eigenschafften in die Menschheit
Christi: wie vnguͤtlich vnd ohn allen grund der warheit vns sollichs zůgelegt
(20)werde, wllen wir dem Christlichen Leser hie auch ein grundtlichen Bericht
thůn.
Vnnd erstlich, was den vnderscheid der zweien Wrter belangt „Mensch“
vnnd „Menschheit“, das wir zun zeitten eins für das ander gebraucht, ist sol-
ches nicht erst von vns eingefuͤrt worden, sonder in diser Sach von den
(25)Kirchenlehrern vil vnd offt beschehen, wie jre Schrifften klrlich außweysen
vnd vnserm Gegentheil nicht vnwüssendt ist.
Athanasius De arriana et catholica confessione humanitatem pro homine
vsurpauit. „Ita in se ipse quam assumpsit glorificat naturam, vt humana caro
atque natura profecerit in gloriam, ita vt omnem potestatem in coelo et in ter-
(30)ra haberet, quam antequam a Verbo assumeretur, non habuit“.245 Das ist:
Athanasius von den Arrianischen vnnd der allgemeinen Christlichen Kirchen
bekanntnuß hat das wrt- || [137:] lin Menscheit gebraucht für das wrtlin
Mensch, da er schreibt: „Also hat er (Christus) in sich selbs die Natur, die er
an sich genommen hat, herrlich gemacht, daß das menschlich Fleisch vnnd
(35)Natur zů ehren kommen ist also, das es allen Gewalt im Himmel vnnd Erden
habe, wlche eh vnnd es von dem Wort angenommen war, nicht gehabt hat.“
Das Fleisch hat allen Gewalt. Gregorius Nyssenus: „Dextera Dei vnitum ho-
minem euexit ad propriam celsitudinem. Vnitum hominem dixit, pro vnita
humanitate.“246 Das ist: „Die Rechte Gottes hat den mit derselben vereinig-
-
ten Menschen zů jrer eigen Hochheit erhaben“, da denn Nyssenus das wort
„Mensch“ für das wort „Menschheit“ gebraucht, indem er schreibt, der
Mensch ist vereiniget, darfür er hette sagen sollen, die menschlich Natur ist
vereiniget worden. Dann vor der personlichen vereinigung ist er Mensch
(5)nicht gewesen.
So haben wir nuͤhmals der blossen menschlichen Natur für sich selbst die
Maiestet zůgeschriben, darüber zwischen den Zwinglianern vnd vns biß da-
her der Streitt gewesen ist, sonder allwegen in der Person vnnd vmb der Per-
son Christi willen, wie dann deßhalben vnsere erklrungen offendtlich am
(10)tag seindt, da eigentlich deutlich, hell vnnd klar angezeigt würdt, das Chris-
tus der Herr, die Person, so Gott vnd Mensch ist, seye erhhet nach der
menschlichen Natur vnnd eingesetzt in die vnendtlich Maiestet vnnd Krafft
Gottes. Dann nach der Gttlichen Natur, weil er vnwandelbar ist vnd sich
nicht endert, kan || [138:] er weder erhhet noch ernidriget werden. Dergestalt
(15)dann seiner menschlichen Natur die erhhung mit der that vnd warheit züge-
schriben, aber nicht bloß für sich selbs, sonder in der Person Christi. Vnd
seind bey vns in rechtem verstand einerley reden gewesen, wie auch vonca
vilen andern alten Lehrern da gesagt worden: Christus nach seiner mensch-
lichen Natur ist erhhet zur Maiestet vnd Krafft Gottes, vnd: Die menschlich
(20)Natur in Christo ist erhhet zur Maiestet vnnd Krafft Gottes; wlche beide
reden souil anzeigen als dise reden: Der Mensch Christus ist erhhet zur vn-
endtlichen Maiestet vnnd Krafft Gottes, wie denn dise reden in Schrifften der
alten Lehrer vnderschidlich gefunden vnd doch für eins vnd in einem ver-
standt gebraucht worden, wie kurtz hieuor der heiligen Vtter zeugnussen
(25)angezeigt worden seind.
Das aber der Herr Brentz die zwo erste weise mehr dann die dritte gebraucht,
ist nicht ohn vrsach geschehen, dardurch den betrug der Zwinglianer zů
offenbaren, den sie vnder dem wort „Concretum“ gebrauchen. Dann die
Zwinglianer wol leiden mgen, das man in concreto sagt: der Mensch Chris-
(30)tus ist Allmechtig vnd weißt alles, auch die Gedancken der Menschen, aber
es heißt jnen nicht mehr dann: die Gottheit ist Allmechtig, die im Menschen
Christo ist, die weißt alles vnd ist ein Hertzenkündiger. Aber wann man
weitter fragt: hat aber der Son Gottes seiner menschlichen Natur auch sein
Allmechtigkeit warhafftig mit- || [139:] getheilt also, das seine menschliche Na-
(35)tur nicht nur den blossen Namen habe, sonder also der gantz Christus Gott
vnnd Mensch warhafftig Allmechtig sey vnd alles nicht allein wisse als Gott,
sonder auch nach seiner Menschheit, das ist als ein Mensch, wisse er auch
alles, durch vnd mit wlcher menschlichen Natur der Son Gottes alle Werck
seiner Allmechtigkeit würcke? Da sagen die Zwinglianer Nein darzů. Dann
(40)sprechen sie, hie sey kein mittheilung, kein warhafftige Gemeinschafft, son-
-
der nur ein phrasis et modus loquendi, das ist ein verwechßlung der Namen,
wie droben gnůgsam angezeigt worden ist, vnnd Christus nach seiner
Menschheit wiß nicht alle ding, sey kein Hertzenkündiger vnnd dergleichen.
Disen Betrug zů offenbaren hat der Herr Brentz wie auch andere vil mehr
(5)alte vnnd newe Kirchenlehrer die Form zů reden gebraucht: Die Menschheit
Christi ist Allmechtig worden, sie weißt alle ding, ist auch ein Hertzenkündi-
ger,247 aber keinswegs in abstracto, das ist ausserhalb der Person vnd von
dem Wort abgesndert verstanden noch gemeinet, als ob es die menschlich
Natur für oder auß sich selbs von dem Son Gottes abgesndert habe, sonder
(10)darumb vnnd daher, das sein menschlich Natur mit dem Son Gottes ein Per-
son ist. Dann so es müglich were vnd demnach allein gesetzt, das der Son
Gottes die menschlich Natur dergestalt verliesse, wie er sie angenommen
hat, vnnd also die personliche einig- || [140:] keit auffgelset wurde, so behielte
wol der Son Gottes sein Allmechtigkeit vnd Allwissenheit für sich selbst,
(15)aber sie entgieng der verlaßnen menschlichen Natur, das sie nicht allein
nichts behielte, sonder auch gantz vnnd gar nichts mehr sein wurde, weil sie
für sich selbst kein Person ist.
Wie dann Doctor Luther offendtlich bezeuget, das sich im standt der nidri-
gung solche Maiestet in Christo nicht allweg erzeigt, dann also lautten seine
(20)wort in der Kirchen Postill vber die Epistel Heb. 1: „Die Menschheit Christi
hat eben wie ein ander heilig natürlich Mensch nicht allzeit alle ding ge-
dacht, geredt, gewlt, gemerckt, wie ettlich ein Allmechtigen Menschen auß
im machen, mngen die zwo Naturen vnd jr Werck vnweißlich vndereinan-
der, wie er nicht alle zeit alle ding gesehen, gehrt vnnd gefület hat, so hat er
(25)auch nicht alle ding mit dem Hertzen alle zeit angesehen, sonder wie in Gott
gefuͤhret hat vnnd jm fürgebracht, voller Gnaden vnd Weißheit ist er gewe-
sen, das alles, was jm fürkommen ist, hat er knnen vrtheilen vnnd lehren
darumb, das die Gottheit, die allein alle ding sihet vnd weißt, in jm person-
lich vnd gegenwertig war“248 etc.
(30)Hie wlle der Christlich Leser erstlich mercken, das Doctor Luther das wort
„Menschheit“ für das wort „Mensch“ gebraucht, wlchs vns Wirtembergi-
schen Theologen bey ettlichen Newen Theologen ein Todtsünde ist. Zum
andern, das Doctor Luther schreibt, er hab nach solcher Menscheit nicht alle
zeit alles gesehen, gehrt, auch || [141:] nicht alle zeit alle ding mit dem Hert-
(35)zen angesehen, wie ettlich auß Christo ein Allmechtigen Menschen wllen
machen. Da dann die wort „nicht allzeit“ wol zů mercken seind, wlche
durch die nachuolgende erklrt worden „sonder wie jn Gott gefuͤhret vnnd
jm fürgebracht hat“, mit wlchen wortten Doctor Luther weitters nicht hat
lehren wllen, dann das die menschlich Natur für sich selbst kein Allmechti-
(40)ge Natur seye wie die Gottheit noch ein eigne besondere Allmechtigkeit
habe. Dann da sie ein solche Allmechtige Natur wre oder für sich selbst
hette, so hette sie auch zů aller zeit alle ding gewüßt vnd mit dem Hertzen
angesehen vnd sich die Gottheit nicht fuͤhren oder jr ettwas fürbringen lassen
dürffen.
(5)Das aber der vrsach (das allein die Gottheit zů allen zeitten alles sihet vnd
derselben zů keiner zeit nichts kan verborgen sein, dann es ist ein Allmechti-
ge Natur vnd kan nicht anderst, dann zů allen zeitten alles sehen) die
menschlich Natur jetzt nicht auch mit dem Hertzen alles solt anschawen, was
Gott nach seinem Gttlichen Wesen sihet, vnd also die menschlich Natur
(10)von dem sehen der Gtlichen Natur nicht mehr dann den Namen „in concre-
to“ haben solte (wie die offendtliche vnd heimliche Zwinglianer fürgeben),
das hat dem tewren Mann Doctor Luther nie getrewmet, sonder hie an disem
vnd andern ortten stracks das widerspil gelehret, wie er dann gleich darauff
setzet „sonder wie jn Gott gefuͤhret vnnd jhm fürgebracht hat“. Damit er an-
(15)zeigen will, das nicht allein die Gott- || [142:] heit in jhme, sonder auch sein
Menschheit gesehen, was jm Gott fürgebracht hat. Warumb er jhm aber zů
der zeit nicht alles hat fürgebracht vnnd geffnet, dieweil er noch auff Erden
gewandlet, das ist der vrsach geschehen, das Christus nach seiner Mensch-
heit noch die Knechtsgestalt getragen vnd im Stand der Ernidrigung gewesen
(20)ist vnd also nach seiner Menschheit warhafftig nicht alles gewußt hat.
Gleichwol ist er, wie hie Doctor Luther schreibt, voller gnaden vnnd weiß-
heit gewesen, das alles, was jm fürkommen ist, hat er knnen vrtheilen vnnd
lehren. Darumb, das die Gottheit, die allein alle ding sicht vnd weißt, in jm
personlich vnnd gegenwertig war vnnd jhme nach der menschlichen Natur
(25)solches alles, wann er gewolt, hat weisen knnen. „Er hat“, sprichtDoctor
Luther, „knnen alles vrtheilen, was jm fürgebracht ist“, sagt nicht: sein
Gottheit hats allein knnen vrteilen, sonder der Mensch, das ist Christus,
auch nach der Menschheit mit seiner vernünfftigen Seel vmb der Gottheit
willen, die in jme, dem Menschen, persnlich war. Nachdem er aber
(30)Knechtsgestalt von sich gelegt vnd zů der Rechten der Maiestet vnd Krafft
Gottes vllig gesetzt ist, so sihet nun Christus der Herr alles nicht allein nach
seiner Gottheit, sonder auch mit seinem Hertzen nach der Menschheit. Vnnd
ist ein Hertzenkündiger der gantz Christus, dem alle ding auch als eim Men-
schen gegenwertig vnd jhme nach der Menschheit ebensowol als nach der
(35)Gottheit nichts verborgen ist.
|| [143:] Weil dann die heimliche vnd offendtliche Zwinglianer das nicht glau-
ben vnnd also vnder dem wort „Concretum“ dem Herrn Christo nach der
Menschheit sein hchste ehr entziehen, so hat der Herr Brentz wie auch
Doctor Luther selbst die Menschheit Christi für den Menschen Christum
(40)genennet, damit anzuzeigen, das Christus nach seiner menschlichen Natur
nicht nur den Namen, sonder auch mit der that vnnd warheit die Maiestet er-
langet, das er alles wisse mit seinem Hertzen als ein Mensch, alles anschawe
vnnd also dem gantzen Christo nichts verborgen seye.
Darauß aber keinswegs volgt, das die Zwinglianer schliessen, wann solche
weiß zů reden nachgegeben wurde, so wurde darauß volgen, wie die
menschlich Natur allmechtig worden, das auch die Gttlich Natur gelitten
vnd gestorben were, wlches keinswegs zu gedulden.
(5)Solchem zu begegnen, ist zů mercken, das ein grosser vnderscheid zwischen
disen reden sey, da man sagt: Die Gottheit in Christo hat gelitten, ist gestor-
ben, vnnd da man sagt: Die menschlich Natur in Christo ist allmechtig wor-
den vnnd allenthalben gegenwertig. Dann die Gottheit kan auff keinerley
weiß noch weg leiden noch sterben, dieweil sie vnwandelbar ist vnd sich
(10)nicht endern kan. Die menschlich Natur aber, weil sie wandelbar ist, darumb
kan sie erhcht, ernidriget vnnd wider erhcht werden. || [144:] Wie dann die
ernidrigung vnd erhhung menschlicher Natur in der Person Christi kein
Spiegelfechten249 gewesen, sonder mit der that vnnd warheit geschehen ist.
Aber nicht auff dise weise, wie vns flschlich vnd mit vngrund zugemessen
(15)würd, als solten wir gelehrt haben oder noch lehren, das sollichs der blossen
menschlichen Natur ausserhalb der Person deß Sons Gottes in sonderheit
vnnd für sich selbs gegeben, das wir nuͤhmals gedacht, nuͤhmals geredt, nuͤh-
mals gelehrt noch geschriben haben. Dann sollichs menschlicher Natur in
der Person Christi widerfaren, das nmlich Christus, nach der menschlichen
(20)Natur zur Rechten der Maiestet vnd Krafft Gottes gesetzt, als ein warhaffti-
ger Mensch alles sihet, hret, weißt, gegenwertig hat, was vergangen vnnd
zůkünfftig ist, vnnd der Son Gottes ohne die angenomne menschliche Natur
nichts thůt, sonder mit vnd durch dieselbige alles im Himmel vnnd auff Er-
den, nicht aller ding abwesendt, sonder gegenwertig, doch nicht raumlich
(25)oder natürlich, sonder persnlich gegenwertig regieret, wie droben gnůgsam
ist erklrt worden. Solchen vnderscheid haben auch die Alten vnd Newen
Kirchenlehrer mit sonderm Fleiß angezeigt.
Damascenus, lib. 3 cap. 15.
„Diuinitas ipsa quidem proprias glorificationes carni communicat, manens (30)expers passionum carnis.“250 || [145:] Das ist: „Die Gottheit selbst zwar theilet
dem Fleisch mit jr eigne Herrligkeit vnd würdt doch nit theilhafftig deß lei-
dens deß Fleischs.“
Augustinus contra Foelicianum, cap. 10.
„Iniuria sui corporis affectam non fateor deitatem, sicut maiestate deitatis
(35)glorificatam nouimus carnem.“251 Das ist: „Jch bekenne nicht, das die Gott-
-
heit gelitten hab die Schmach, wlche vber den Leib gangen ist, wie wir wis-
sen, daß das Fleisch mit der Maiestet der Gottheit Herrlich gemachtcb .“
Eusebius, lib. 4 cap. 13.
„Verbum ex seipso sua communicabat homini, non autem vicissim ex morta-(5)li ea, quae ipsius sunt, in se recipiebat. Et diuinam quidem virtutem mortali
subministrabat. Non autem vicissim ad consortium mortalitatis natura Verbi
detracta est.“252 Das ist: „Das wort theilet mitcc von sich selbs dem Menschen
jr eigens. Aber nicht also herwiderumb hat es von der sterbligkeit dise ding,
die jr seind, an sich genommen. Vnd zwar hat es Gttliche Krafft der sterb-
(10)ligkeit gegeben, aber nicht widerumb von wegen der sterbligkeit die Natur
vnd eigenschafft deß worts geringert worden.“
Basilius in S. Natiuitatem.
„Sicut ignis ferri proprietates non transsumit, sic || [146:] plane etiam humana domini caro ipsa particeps facta est deitatis, non suam propriam tradidit dei-
(15)tati imbecillitatem.“253 Das ist: „Gleichwie das Fewr die Eigenschafften deß
Eysens nicht an sich nimpt, also auch das Menschlich Fleisch deß Herren
selbst ist theilhafftig worden der Gottheit, hat aber nit der Gottheit jr eigen
schwachheit gegeben.“
Demnach heben wir auch keinswegs auff den vnderscheid diser beider
(20)wortter „abstracti et concreti“, wie wir auch nit verwerffen der alten Lehr de
Communicatione Idiomatum, wlche beide stuck zů erkl(rung der Lehr von
der Person vnnd beiden Naturen in Christo gantz nothwendig seind. Dann
wie vns das wort „Abstractum“ in den vnderschid der Naturen weiset, nach
wlchem ein jede Natur für sich selbst betrachtet würdt, damit dieselbige
(25)sampt jren wesentlichen eigenschafften nicht ineinander vermengt werden,
wlche Naturen sampt derselben Eigenschafften auch in der persnlichen
vereinigung bleiben, also weiset vns das wort „Concretum“ vnnd die Com-
municatio Idiomatum in die personliche vereinigung beider Naturen, da-
durch die alten nicht verstanden haben allein ein wechßlung der Namen ohne
(30)warhafftige gemeinschafft derselben vnd jrer eigenschafften, sonder souil
anzeigen wllen, was der einen Natur eigen sey vnd bleibe, das hab sie in der
Person Christi mit der andern Natur gemein auff die weiß, wie droben gnůg-
sam durch die gleichnus deß Leibs vnd der Seel angezeigt worden ist.
|| [147:] Das aber vil vnd offt auff das allerhßlichst von der wesentlichen auß-
giessung der Gttlichen eigenschafften geredt vnd geschriben vnd dadurch
vns zůgemessen, als solten wir Glauben, das alles, was Gott in seinem We-
sen ist, das soll die Menschlich Natur für sich selbst ausserhalb der Person
(5)empfangen haben vnnd worden sein, gleich als wann man aus einem gefß in
das ander Wasser, Wein oder Oel geußt, bezeugen wir vor Gott vnd seiner
Kirchen, das vns solches mit vngrundt zůgelegt, dann vns das nuͤhmals in vn-
sere Hertzen noch gedancken kommen. Da dann sonderlich der vngleich
Verstand deß worts „wesentlich“ wol zu mercken ist, wlches in latein „ rea-
(10)liter“ genenndt würdt. Dann das Wort „wesentlich“ in der deutschen Sprach
vermag vnd heißt auch, das die lateinischen nennen „essentialiter“, da ein
ding nach seinem Wesen ist für sich selbst, das von jhm gesagt würdt. Als
wann man sagt: Gott ist wesentlich Allmchtig, Allwissendt, Allgegen-
wertig, will man damit anzeigen, das Gottes Natur vnnd Substantz ein All-
(15)mechtig vnd vnentlich Wesen sey.
Da man aber dergestalt auch sagen wolt, die Gottheit habe jr Allmechtigkeit
also wesentlich in die menschlich Natur außgegossen, das die menschlich
Natur in Christo jetzt auch wesentlich Allmechtig, das ist ein Allmechtig
Wesen worden sey, wie die Gttlich Natur Allmechtig ist, vnnd were allein
(20)das einig der vnderschid, das die Gttlich Natur solches von jr selbs hette,
die || [148:] menschlich Natur aber hatte es von der Gttlichen empfangen:
diß, sagen wir, ist falsch, vnrecht vnd ein verdampte Eutychianische Ketze-
rey, die auß Gottes wort nicht kan erwisen werden, der heiligen Schrifft, der
alten Vtter Lehr vnd der heiligen Concilien, sonderlich deß Chalcedoni-
(25)schen, erkanntnuß vnd vnserem bekanntnuß zuwider. Dann zwischen der
menschlichen Natur Christi vnnd dem Son Gottes kein solche Gemeinschafft
der Allmechtigkeit ist, wie dieselbig der Son Gottes mit dem Vatter vnd hei-
ligem Geist gemein hat, die eins ewigen Gttlichen wesens seindt vnnd also
wesentlich die Allmechtigkeit gemein haben, dergestalt es der menschlichen
(30)Natur nicht widerfaren ist noch jmmermehr geschehen mag.
Darnach würdt das Wort „realiter“, wlches die heimlichen vnnd offent-
lichen Zwinglianercd durchauß deutschen „wesentlich“, verstanden, das
menschliche Natur mit der Gttlichen nicht dergestalt vereinigt, das sie von
seiner Gttlichen allmechtigkeit vnnd allwissenheit nicht mehr dann allein
(35)den blossen Namen haben solt, sonder, wie jetzt kurtz zuuor angezeigt, mit
derselben ein warhafftige gemeinschafft habe. Das auch nach der Mensch-
heit auß Krafft der Gttlichen Natur Christus alles wisse, sehe, hre, gegen-
wertig habe vnd also auff seine weise gegenwertig seye, das haben vnsere
Lehrer durch das wort „realiter“ verstanden, vnd gar nicht ein solche wesent-
(40)liche außgiessung der Gttlichen eigenschafft, dadurch die || [149:] mensch-
-
lich Natur für sich selbst ein Allmechtig Wesen bekommen habe. Daruon
hieuor gesagt vnd aber vnseren Kirchen mit vngrund zugelegt würdt.
Derhalben, wann der Christlich leser von außgiessung der Gttlichen All-
mechtigkeit, Allwissenheit etc. vnnd dergleichen in vnsern Schrifften lesen
(5)würdt, soll er solchs anderst nicht verstehn, dann wie es hie erklret vnnd
von vns niehmals anderst gemeint ist. Wlches vnsere Schrifften klrlich
erweisen vnd bezeugen, das wir niehmals gelehrt haben ein physicam trans-
fusionem, das ist ein natürliche Außgiessung der Gttlichen eigenschafften
in die angenomne menschliche Natur, das die menschliche Natur dieselbige
(10)für sich selbst von dem Wesen der Gttlichen Natur abgesndert vnd als jr
eigen Wesen haben solte; sonder eben das gemeinet vnd verstanden, was die
alten Kirchenlehrer Basilius vnnd andere durch gleichnuß eines fewrigen
Eysens verstanden,254 wlches doch in der Person Christi nicht nach art diser
Welt, sonder auff ein Himmelische vnnd vbernatürliche weise beschehen,
(15)das durch kein Jrdisch gleichnuß eigentlich kan gnůgsam angezeigt noch
erklrt werden.
Diser vns auffgedichter Jrrthumb aber von der natürlichen außgiessung der
Maiestet Gottes ist fürnemlich daher erwachsen, das dise Leut vermeinen,
was nicht natürlicherweise mitgetheilet werde, das kindece auff kein andere
(20)weise geschehen, so doch im Himmelischen Wesen vil ding „rea- || [150:]
liter“, mit der that vnd warheit, geschehen, die nicht natürlich zůgehn. Da-
rauß auch keinswegs eruolgt, das die Zwinglianer volgern, wann Christus
nach der menschlichen Natur der Gttlichen Allmechtigkeit theilhafftig wor-
den wer vnnd aber die Allmechtigkeit der Vatter, Son vnd heiliger Geist we-
(25)sentlich gemein haben, das darumb auch der Vatter vnd heiliger Geist hetten
muͤssen Mensch werden, leiden vnd sterben. Wie sie dann gern auß vns
Patripassianer255 auch machen wolten. Dann die Gttlich Natur nicht ohn vn-
derscheid mit der menschlichen Natur, sonder in der Person deß Sons Gottes
vereiniget ist, wlcher vnderscheid der Personen in der Gottheit bleibt, ob-
(30)gleich die Allmechtigkeit der dreien Personen einig vnd der selben gemein
ist, das also allein die ander Person in der Gottheit, namlich der Son, vnd we-
der der Vatter noch heiliger Geist Mensch worden.cf
Auß wlchem allem der Christlich Leser zů vernemen, das wir vns nicht
allein mit blossen worten zů dem Chalcedonischen Concilio bekennen vnd
(35)desselben erkanntnuß von der Person vnd beiden Naturen in Christo durch-
auß annemen, sonder auch rund vnd außtruckenlich C. Schwenckfelds,
Eutyches vnnd dergleichen Ketzereyen verwerffen vnd verdammen. Deß-
gleichen auch gůtten vnderschid cg der wrtter „Mensch vnd Menschheit“h
halten, wann sie im abstracto oder concreto gebraucht, dardurch eintweder
die Natur für sich selbst in jrem Wesen oder wie sie persnlich mitein-
(5) || [151:] ander vereinigt betrachtet werden. Auch keinswegs der alten Lehr de
Communicatione Idiomatum, das ist, wie das wort vermag, von mittheilung
der Eigenschafft beider Natur, verwerffen. Seittenmal es nicht heisset
κοινωνία ὀνομάτων, sonder κοινωνία ἰδιωμάτων, das ist nicht ein Gemein-
schafft der Namen, sonder der Eigenschafften genennet würdt. Noch vil
(10)weniger ein Newe erdencken, sonder auß jrer, der Vtter, selbst eigen
Schrifften erklren, was sie, die liebe Vtter, dardurch gemeint vnnd verstan-
den haben, nmlich nicht allein ein Gemeinschafft oder wchßlung der
Namen, sonder ein warhafftige Gemeinschafft, da die Gttlich gibt vnd die
menschlich Natur persnlich empfahet, das der menschlichen Natur vnd
(15)Wesen nicht ist noch für sich selbst hat, sonder der Gttlichen Natur eigen-
schafft bleibt.
Zeugnuß der H. Vtter.
Wie wir nun vnsern Glauben, Lehr vnd Bekanntnuß auß H. Gttlicher Schrifft, auß den dreyen Hauptsymbolis vnnd vier fürnempsten allgemeinen
(20)Concilijs erwisen, das wir denselben nichts zuwider glauben noch lehren,
sonder mit Mund vnd Hertzen vns darzů bekennen, also haben wir auch den
allgemeinen Consensum der reinen bewerten Kirchenlehrer, die nicht || [152:]
anderst von der Person, beiden Naturen vnnd Maiestet Christi nach seiner
Menschheit gelehrt noch geschriben haben, dann dise vnser einfeltig Be-
(25)kanntnus außweiset. Das wir aber derselben Zeugnuß nicht in grosser anzal
hieher gesetzt, ist der vrsach vnderlassen, das hieuor vnnd jüngst durch vn-
sere liebe Herrn vnd Mitbruͤder, die Ehrwürdigen vnnd Hochgelehrten Herrn
D. Johann Marpach, Superintendenten zů Straßburg, vnd Herren D. Marti-
num Kemnitium, Superintendenten der Statt Braunschweig, Herrn D. Nico-
(30)laum Selneccerum, Superintendenten im Hertzogthumb Braunschweig, vnd
in der niderschsischen Kirchen widerholten einheilligen Bekanntnuß diesel-
bige mit besonderm fleiß zusamengezogen vnd der Kirchen durch den of-
fentlichen Truck mitgetheilt.256 Zů wlchen Schrifften wir vns einhellig be-
-
kennen, als die mit vns, wie wir auch mit jnen, in disem vnnd allen andern
Articuln vnserer Christlichen Religion Augspurgischer Confession wider alle
alte vnd newe Ketzereyen, Secten, Jrrthumb vnd verflschungen der reinen
Lehr durch Gottes Gnad einig seind. Für wlche Einigkeit wir dem Allmch
(5)tigen Gott vnd Vatter vnsers lieben Herrn Jesu Christi von hertzen dancken
vnnd bitten, das er disen Christlichen Consens vnd einigkeit auch hinfüro
durch seinen heiligen Geist gndig vnd vtterlich wider das Toben vnd
Wuͤtten deß bsen Feinds erhalten wlle.
(10)„Caro domini diuinis dotibus siue efficacijs ditata est propter purissimam
cum verbo vnionem siue secundum hypostasin, nequaquam sustinens exce-
dentiam naturalium proprietatum. Non enim secundum propriam efficaciam
siue actionem, sed propter vnitum sibi verbum diuina operatur, verbo ch per
eami manifestante propriam virtutem siue actionem. Nam etiam ignitum fer-
(15)rum vrit non habens naturali ratione virtutem vrendi, sed ex vnione ignis ad
ferrum illud obtinens.“257 Das ist: „Deß Herren (Christi) Fleisch ist mit Gtt-
lichen Gaben oder Würckungen reichlich begabt von wegen der allerreinis-
ten vereinigung mit dem Wort oder nach der personlichen vereinigung vnd
verleurt dardurch nicht seine natürliche Eigenschafften. Dann es würcket die
(20)Gttlichen Werck nicht nach seiner eignen Krafft oder Würckung, sonder
von wegen des Worts, mit dem es vereiniget ist, durch wlches (Fleisch) das
Wort sein eigne Krafft oder Würckung offenbaret. Dann auch ein fewrigs
Eysen brennet vnd hat doch von Natur nicht die krafft zu brennen, sonder hat
solche krafft auß der vereinigung deß Fewrs mit dem Eysen.“
(25)Jdem lib. 3 cap. 19.
„Caro communicat diuinitati verbi operanti, eo quod tanquam per organon (25)Jdem lib. 3 cap. 19.
corporis efficiantur di- || [154:] uinae operationes. Mens communicat diuinitati
operanti ci omnia intelligensj, cognoscens et administrans non vt nuda hominis
mens, sed vt Deo vnita et Dei mens existens.“258 Das ist: „Das Fleisch
(30)(Christi) hat ein gemeinschafft mit dem Wort, das da würcket darumb, das
durch dasselbig (Fleisch) die Gttlichen Würckungen als durch ein Werck-
zeug volbracht werden. Das Gemuͤt (deß Herrn Christi) hat gemeinschafft
mit der Gottheit, die da würcket vnnd versteht (das gemuͤt Christi) alles,
weißt vnnd Regiert alles, nicht als ein blosses Gemuͤt eines Menschens, son-
der als ein solch Gemuͤt, das mit Gott vereinigt vnd Gottes gemuͤt ist.“
Augustinus Contra Foelicianum cap. 10.
(5)„Iniuria sui corporis affectam non fateor deitatem, sicut maiestate deitatis
glorificatam nouimus carnem.“259 Das ist: „Jch gestehe nicht, das die Gott-
heit sey durch die Schmach jres Leibs geringert worden, wie wir dagegen
wissen, das sein Fleisch durch die Maiestet der Gottheit ist herrlich gemacht
worden.“
(10)Jdem tractatu in Ioannem 14.
„Ego dominicam carnem, imo perfectam in Christo humanitatem ideo adoro, (10)Jdem tractatu in Ioannem 14.
quia deitati vnita est.“260 Das ist: „Jch btte261 darumb das Fleisch deß
Herrns an, || [155:] ja vilmehr die volkommene Menschheit in Christo, dieweil
sie mit der Gottheit vereinigt ist.“
„Quomodo deitas est in carne? Quemadmodum ignis in ferro. οὐ μεταβατι-
κῶς ἀλλὰ μεταδοτικῶς, hoc est non transitiue, sed distributiue. Non enim
excurrit ignis ad ferrum, sed manens in loco distribuit ipsi propriam faculta-
tem.“262 Das ist: „Wie ist die Gottheit im Fleisch? Gleichwie das Fewr im
(20)Eysen. Nicht als ob das Fewr dem Eysen nachgieng, sonder das es jme sein
würckung mittheilet. Dann das Fewr laufft dem Eysen nicht nach, sonder
bleibt an seinem ort, aber es theilet jme sein eigne Krafft mit.“
Idem paulo post.
„Quomodo igitur (inquam) Deus verbum corporea debilitate non impletum (25)est? Dicimus velut necque ignis ferri proprietates transsumit. Nigrum est fer-
-
rum et frigidum, sed tamen ignitum ignis formam induit et ipsum illustratur
et candefit non nigrefaciens ignem et ipsum inflammatur non nigrefaciens
flammam. Sic sane etiam humana domini caro ipsa facta est particeps deita-
tis, non suam propriam tradidit deitati imbecillitatem.“263 Das ist: „Wie ists
(5)nun zůgangen, das Gott, der das Wort ist, nicht mit leiblicher schwachheit ist
erfüllet worden? Wir sagen, es sey gleich zůgangen als wie das || [156:] Fewr
deß Eysens eigenschafften nit an sich nimbt. Das Eysen ist schwartz vnd
kalt, es würt aber fewrig vnd nimbt deß Fewrs gestalt an sich, das es würt
hell vnd liecht, vnnd machet doch das Fewr nicht schwartz: Es würdt jnn-
(10)brinstig vnd machet es den flammen nicht kalt. Also auch des Herren
menschlich Fleisch ist theilhafftig worden der Gottheit vnnd hat doch der
Gottheit sein schwachheit nicht angehenckt.“
Epiphanius contra Arrium.
„Caro a Maria et ex nostro genere existens, transfigurabatur in gloriam, ad-(15)quirens gloriam deitatis, honorem, perfectionem et gloriam coelestem, quam
caro non habuit a principio, sed accepit in cj counitione Dei Verbi.k“264 Das
ist: „Das Fleisch (Christi), wlches auß der Jungkfrawen Maria vnnd vnserer
Natur ist, ward in die Herrligkeit verwandelt vnd bekame die Herrligkeit
Gottes, sein ehr, volkommenheit vnd himmelische Herrligkeit, wlche das
(20)Fleisch von anfang nicht gehabt, sonder durch die vereinigung mit dem
Wort, wlches Gott ist, empfangen hat.“
Idem in Ancorato.
„Non fecit confusionem naturarum, nec humanam naturam aboleuit, sed cor-pus terrenum vna cum diuinitate potens efficiens in vnam virtutemck seu
(25)cl potentiam univit,m vnus existens Christus non duo.“265 Das ist: || [157:] „Er
hat die Naturen nicht vermenget, hat auch die menschliche Natur nicht abge-
tilget, sonder den jrdischen Leib mit der Gottheit mechtig gemachet vnd zů
einer krafft vnnd macht vereiniget, vnnd ist doch ein einiger Christus vnnd
nicht zwen“, etc.
Eusebius, lib. 4 cap. 13.
„Verbum ex seipso sua communicabat homini, non autem vicissim ex natura mortali ea, quae ipsius sunt, in se recipiebat et diuinam quidem virtutem
mortali subministrabat, non autem vicissim ad consortium mortalitatis natura
(5)verbi detracta est.“266 Das ist: „Das Wort hat von sich selbst dasjenig, so sein
eigen gewesen, dem Menschen (Christo) mitgetheilt, hat aber dagegen das-
jenig, so der sterblichen Natur eigen war, nicht an sich genommen vnd hat
zwar die Gttlich krafft der sterblichen Natur mitgetheilt, ist aber dardurch
die Natur deß Worts nicht der sterbligkeit theilhafftig worden.“
„Deus eum superexaltauit et donauit illi nomen, quod est super omne nomen,
de templo haec dicit, quod est corpus eius. Non enim excelsus exaltatur, sed
caro exaltatur excelsi et carni excelsi donauit nomen, quod est super omne
nomen, et λόγος Dei non || [158:] accepit per gratiam, vt vocaretur Deus, sed
(15)caro eius deificata est.“267 Das ist: „Gott hat jn hoch erhhet vnd jm ein Na-
men geschencket, der vber alle Namen ist. Er redet dises von dem Tempel,
wlcher ist sein Leib. Dann der hchste (Son Gottes) würdt nicht erhcht,
sonder das Fleisch deß hchsten würdt erhhet. Vnnd dem Fleisch deß
hchsten hat er ein Namen geschenckt, der vber alle Namen ist, vnd das
(20)Wort Gottes hat es nicht auß gnaden empfangen, das es Gott genennet wer-
de, sonder sein Fleisch ist vergttet worden.“ Wann wir also redeten, wie hie
Athanasius gethon, so muͤßten wir den Zwinglianern mit gwalt Schwenck-
feldianer vnd Eutychianer sein.
Jdem Dialogo 5 contra Apollinaristas.
(25)„Sicut anima in corpore, ita Deus Verbum vnitus humanitati edit prodigia,
non separatus a natura assumpta, sed placuit ei per ipsam, in ipsa et cum ipsa
potentiam suam diuinam exercere. Item facit eam supra quam ferat ipsius
natura perfectam, nec tamen prohibet eam animal esse rationale.“268 Das ist:
„Gleichwie die Seel im Leib, also ist Gott das Wort mit der Menschheit ver-
(30)einiget vnnd thůt Wunderzeichen, nicht abgesndert von der angenomnen
Natur, sondern es hat jme gefallen, das er durch dieselben (menschliche
Natur), in derselben vnd mit derselben sein Gttlichen gewalt uͤbe. Jtem er
machet sie vber das vermgen jrer Na- || [159:] tur volkommen vnd laßt es dan-
noch ein warhafftige Menschheit bleiben.“
Theodoretus in cap. de Antichristo.
„Verbum incarnatum non particularem gratiam contulit assumptae naturae, sed totam plenitudinem diuinitatis complacuit in ipsa habitare.“269 Das ist:
„Das Wort, wlches Fleisch worden ist, hat nicht ettwa ein sondere Gnad der
(5)angenomnen (menschlichen) Natur mitgetheilt, sondern es hat jme gefallen,
das die gantze Fülle der Gottheit in derselben wohne.“
Theophylactus in Ioannem cap. 19 interprete Oecolampadio.
„Igitur sanctum Christi corpus indiuisibile est et diuiditur et communicatur in quatuor partes orbis. Vsum praebens singulis et vnuscuiusque animam sanc-
(10)tificans, cum corpore per suam carnem vnigenitus et integer in omnibus est
existens vbique.“270 Das ist: „Derhalben laßt sich der heilig Leib Christi
nicht zertheilen vnd würdt doch außgetheilet vnd mitgetheilet in die vier ort
der Welt vnnd nutzet einem jeden insonderheit vnnd heiliget eines jeden
Seel. Der eingeborne ist mit seinem Leib vnnd durch sein Fleisch gantz in
(15)allen, als der da allenthalben ist.“
„Supra autem dixit, vt summam ostenderet sublimitatem ab infimo namque
ad celsissimum gradum humanam, quae Christo inerat, naturam subuexit. De
hac quippe nunc disserit, quae et mortem perpessa sit et post mortem sit sus-
(20)citata, siquidem diuina illa nec mortua fuerit neque suscitata neque insublime
euectas, quippe quae omnem semper excedat altitudinem, neque alterius in-
digeat adiumento. Vniuersae igitur angelicae potestati humana praesedit na-
tura, quae fuerat tantopere paulo ante despecta.“271 Das ist: „Das er aber
spricht ‚droben‘, darmit meinet er die allerhchste Hhe, dann er hat die
(25)menschliche Natur in Christo von dem nidrigsten biß in den hchsten Grad
erhhet. Dann von derselbigen redet er jetzt, wlche den Todt gelitten hat
vnd nach dem Todt erweckt ist, seittemal die Gttliche Natur weder gestor-
ben ist noch von Todten erwecket noch erhhet, als die da allzeit vber alle
hohe ding erhhet ist vnd keines andern Hilff bedarff. Derwegen ist die Na-
(30)tur allem Englischen gewalt fürgesetzt worden, wlche zuuor so gar verach-
tet war.“
Jdem ad Heb. 1.
„Quem constituit haeredem omnium, hoc est totius mundi dominatorem effe-cit. Non enim vltra pars domini dicitur Iacob, sed vniuersi. Haeredem autem
dixit, vt Filij proprietatem exprimeret, qui nequeat || [161:] a dominatione de-
(5)pelli. Verum quo pacto hunc dominum fecit? Nempe vt hominem, quemad-
modum in secundo psalmo hunc ipsum ita alloquitur: ‚postula a me, et dabo
tibi gentes haereditatem tuam.‘“272 Das ist: „Wlchen er hat zum Erben ge-
setzt vber alles. Das ist er hat jn zum Herrn vber die gantze Welt gemacht.
Dann das Hauß Jacob würdt nicht allein der theil deß Herrn genennet, son-
(10)dern (er ist Herr) vber alles. Er nennet jn aber einen Erben, auff das er die
eigenschafft deß Sons damit anzeige, wlcher nicht kan von der Herrschafft
gestossen werden. Wie hat er jne aber zum Herrn gemacht? Nmlich als ein
Menschen, wie er jne dann im andern Psalm also anredet, (da er spricht:)
‚Heische von mir, so will ich dir die Heyden zum Erbtheil geben.‘“
(15)Sedulius ad Ephes. cap. 1.
„Omnia subiecit sub pedibus eius, id est sub dominatione humanitatis (15)Sedulius ad Ephes. cap. 1.
eius.“273 Das ist: „Er hat alle ding vnder seine fuͤsse gethon, das ist vnder die
Herrschafft seiner Menschheit.“
Nicephorus, lib. 1 cap. 36.
(20)„Deinde iuxta sublimem Mathaeum ab eis conspicitur in monte Galilee et
sibi a Patre potestatem summam coeli et terrae sibi iuxta humanitatem scili-
cet traditam esse confirmat. Et spectantibus eis lucidissi- || [162:] ma nube cir-
cundatus in coelos sublatus est et cum ea, quam receperat, accessione deifi-
cata, reuersus ad dextram Patris consedit.“274 Das ist: „Darnach würdt er
(25)(nach deß Euangelisten Matthei zeugnuß) gesehen auff dem Berg in Galilea
vnd sagt daselbst, das jme die hchste Macht vber Himmel vnd Erden nach
seiner Menschheit gegeben sey. Vnd weil275 sie zůsahen, ist er mit einer hel-
len Wolcken vmbgeben vnd gehn Himmel genommen worden, vnnd nach-
dem sein menschlich Natur vergottet durch dasjenig, so jr zůgangen, ist er
(30)gesetzt zur Gerechten deß Vatters.“
Cyrillus in thesauro, lib. 12.
„Natura nostra a Filio Dei assumpta mensuram suam excessit et in conditio-nem assumentis eam per gratiam translata est.“276 Das ist: „Vnser Natur,
wlche von dem Son Gottes angenommen worden, ist vber jr maß erhhet
(5)vnd in die Herrligkeit dessen, der sie angenommen hat, versetzt worden.“
Jdem 6. Dialogo.
„Humanitatis paruitas in summae et excellentissimae naturae dignitatem per-uenit et ipsam in dignitatis solio collocauit et cum carne Verbum vnigenitus
Dei dominatur omnibus non absque Patre.“277 Das ist: „Die nidrigkeit der
(10)Menschheit ist in die würdigkeit der allerhchsten Natur gesetzt worden,
|| [163:] vnd (der Son Gottes) hat sie in den Thron der Herrligkeit gesetzt, vnd
das Wort, der eingeborne Son Gottes, herschet vber alle ding mit seinem
Fleisch, doch nicht ohne den Vatter.“
Idem in Ioannem, lib. 4 cap. 19.
(15)„Corpus Christi panis de coelo est, quia aeternam comedentibus vitam largi-
tur. Magnum certe signum deitatis in hoc corpore naturam habitare, quoniam
illi hinc donantur, quae certe omnem naturam excedunt atque ideo a rudiori-
bus minus creduntur“,278 etc. Das ist: „Der Leib Christi ist das Himmelbrot,
dann er gibt denen, so jhn essen, das ewig leben. Warlich das ist ein grosse
(20)anzeigung, das in disem Leib ein Gttliche Natur wohnet, dieweil disem
Leib daher solche ding geschenckt werden, wlche warhafftig alle Natur
vbertreffen vnnd derhalben von einfeltigen (oder vngelehrten) nicht gern
geglaubt werden.“
Jdem in Ioannem, cap. 23.
(25)„Si caro sola intelligatur, nihil prorsus viuificare potest, quippe quae viuifi-
cante indigeat. Cum vero incarnationis mysterium laudabili cura scrutati fue-
ritis et vitam habitantem in carne cognoueritis, quamuis nihil penitus caro
per se ipsam possit, viuificam tamen esse factam credatis. Nam quoniam
cum viuificante verbo coniuncta est, tota est effecta viuifica. || [164:] Non
(30)enim ad corruptibilem suam naturam iunctum Dei verbum detraxit, sed ad
melioris virtutem eleuata est. Quamuis ergo natura carnis, vt caro est, viuifi-
care nequeat, facit tamen hoc, quia totam verbi operationem suscepit. Corpus
enim est non cuiusuis hominis, cuius caro prodesse non potest, sed ipsius vi-
tae corpus, ‚in quo deitatis plenitudo corporaliter habitat‘, facere hoc
(5)potest.279 Das ist: „Wann man es von dem Fleisch (Christi) allein versteht, so
kan es nicht lebendigmachen, dann es bedarff selbst lebendigmachens. Wann
jr aber das Geheimnuß der Menschwerdung mit lblichem fleiß erforschet
vnnd erkennet, daß das Leben im Fleisch wohnet, obwol das Fleisch durch
sich selbst nichts vermag, so werdet jr doch glauben, das es ein lebendig-
(10)machend Fleisch worden sey. Dann weil es mit dem lebendigmachenden
Wort vereinigt ist, so ist es gantz lebendigmachend worden. Dann es hat
nicht das vereinigte Wort Gottes zů seiner sterbligkeit herabgezogen, sonder
es ist zů eines bessern Krafft erhhet worden. Wiewol nun die Natur deß
Fleisches, so ferne es Fleisch ist, nicht kan lebendigmachen, so thůt es doch
(15)dasselbig, dieweil es die gantze Würckung deß Worts empfangen hat. Dann
es ist der Leib nicht eines gemeinen Menschen, dessen Fleisch nicht nützen
kndte, sondern der Leib des Lebens, in wlchem die fülle der Gottheit leib-
hafftig wohnet, kan solches thůn.“
Idem ibidem cap. 24.
(20) || [165:] „Totum corpus suum viuifica spiritus virtute plenum esse ostendit,
spiritum enim hic ipsam carnem nuncupauit, non quia naturam carnis amise-
rit et in spiritum mutata sit, sed quia cum spiritu coniuncta totam viuificandi
vim hausit.“280 Das ist: „Er zeigt an, das sein gantzer Leib mit der lebendig-
machenden krafft deß Geists erfüllet sey, dann allhie nennet er das Fleisch
(25)den Geist; nicht, das es deß fleisches Natur verlorn habe vnnd in ein Geist
verwandelt sey, sonder weil es mit dem Geist vereinigt vnd also die gantze
Krafft, lebendig zů machen, empfangen hat.“
Thomas de Aquino in Catena aurea super euangelistas.
„‚Data est mihi omnis potestas in coelo et in terra.‘ Hiero.: ‚Illi autem (30)potestas data est, qui paulo ante crucifixus, qui sepultus in tumulo, qui postea
resurrexit.‘ Raba.: ‚Non enim haec de coeterna Patri diuinitate, sed de
assumpta loquitur humanitate,cm secundum quam minoratus est paulo minus
ab angelis.‘ Seue.: ‚Filius quippe Dei virginis filio, Deus homini, cn divinitas
carnio contulit, quod semper ipse cum Patre possedit.‘“281 Das ist: „Mir ist
alle Gewalt gegeben im Himmel vnd auff Erden. Hieronymus: ‚Dem aber ist
der Gewalt gegeben, der vnlang zuuor gecreützigt, der begraben, der hernach
erstanden ist.‘ Rabanus: ‚Dann er redet diß nicht von der Gottheit, wlche er
(5)mit dem Vatter von ewigkeit hat, sondern von der an- || [166:] genommenen
Menschheit, nach wlcher er etwas geringer worden ist dann die Engel.‘ Se-
uerianus: ‚Dann der Son Gottes hat der Jungkfrawen Son, Gott der Herr dem
Menschen, die Gottheit dem Fleisch gegeben, wlches sie alle zeit mit dem
Vatter in der Besitzung gehabt.‘“
(10)Jdem.
„‚Pater diligit Filium et omnia dedit ei in manum.‘ Theodoretus: ‚Sic ergo (10)Jdem.
secundum diuinitatem omnia dedit Pater Filio natura non gratia. Vel dedit
omnia in manum eius secundum humanitatem, dominatur enim omnium eo-
rum, quae in coelo et quae in terra sunt.‘“282 Das ist: „‚Der Vatter hat den
(15)Son lieb vnd hat jm alles in seine Hnd gegeben.‘ Theodoretus: ‚So hat nun
der Vatter dem Son also alles nach der Gottheit gegeben, der Natur nach
vnnd nicht auß Gnaden. Oder er hat jm alles in seine Hnd gegeben nach der
Menschheit, dann er herrschet vber alles, was im Himmel vnd Erden ist.‘“
etc.
(20)Dise Zeugnussen der heiligen Vtter, wie auch andere vnzalbare vil mehr, so
wir vmb kürtze willen vnderlassen, beweisen allezumal, was wir biß daher
von der warhafftigen Gegenwertigkeit deß Leibs vnd Blůts Christi im heili-
gen Abendtmal, von der vereinigung beider Naturen in Christo vnnd von sei-
ner Gttlichen Maiestet nach der menschlichen Natur zur Rechten der Krafft
(25)Gottes gelehrt haben. Das aber vnser Gegentheil || [167:] in grosser anzal zur
bestettigung jres Jrrthumbs der Vtter Schrifften anzeucht, wll sich der
Christlich Leser erinnern, was wir daroben in gemein derhalben anregung
gethon. Nmlich das alle dise Sprüch, so sie für sich anziehen, vnser Lehr
von der Maiestet Christi nicht zuwider, sonder bey vnd neben derselben wol
(30)stehn knnen. Dann was sie wider die Ktzer Martion, Eutychen, Monotheli-
ten vnd dergleichen geschriben, ist alles dahin allein vnnd weitter nicht ge-
richtet, dann das sie beweisen, Christus hab zwo vnderschidliche Naturen,
vnd von seiner geburt an behalt er auch in seiner Glori vnd Maiestet ein war-
hafftigen wesentlichen Leib, wlches sie mit den eigenschafften menschli-
(35)cher Natur anzeigen vnd mit heiliger Schrifft erweisen. Was dienet aber das
wider Doctor Luther vnd vns, die wir niehmals geleugnet, sonder mit allen
reinen Vttern vnd alten Kirchenlehrern ye vnd allweg bestendig gelehret
vnd bekennet haben vnd noch bekennen, das Christus ein warhafftige
menschliche Natur hab vnnd ewigklich behalte?
Das sie aber hierauß schliessen, die heiligen Vtter haben auch der vrsach
geglaubt, weil Christus ein warhafftigen menschlichen Leib hab vnnd behal-
(5)te, das er nicht auch zumal mit sollichem seinem Leib an allen orten warhaff-
tig gegenwertig sey, da sein heilig Abendtmal gehalten würdt, das haben sie
noch auß der heiligen Vtter Schrifften nicht erwisen, werden es auch noch
wol vnerwisen lassen. || [168:] Dann wann deß Herrn Christi Leib mehr nicht
dann ein gemeiner Leib eines andern heiligen Menschen were, so hette es
(10)durchauß die Meinung, wie die Zwinglianer dauon reden, das er mit demsel-
ben zumal im Himmel vnnd auff Erden nicht gegenwertig sein kndt. Nach-
dem es aber nicht nur ein menschlicher Leib, sonder deß Sons Gottes Leib,
mit dem sich der Son Gottes personlich vereiniget hat, so zeugen die 200
Vtter im concilio Ephesino, das es mit dem Leib Christi ein andere Gestalt
(15)habe dann mit anderer Menschen Leibe, dieweil Christus nach der menschli-
chen Natur in die Gttlich Maiestet vnnd Allmechtigkeit eingesetzt ist, dar-
uon er nicht nun den Tittel vnnd Namen hat, sonder mit der that vnnd war-
heit Allmechtigen Gwalt empfangen, wlches keiner Creatur widerfaren
ist.283
(20)Vnnd demnach außtruckenlich bezeugen, das wir allein der vrsach sein Leib
vnnd Blůt im heiligen Sacrament empfangen, weil sein menschlich Natur mit
dem Son Gottes persnlich vereiniget seye, wie auch Cardinalis Hugo de S.
Victore disen heiligen Vttern nachgeschriben, das der Leib Christi zumal an
vilen orten sey im heiligen Sacrament, das hab er von der personlichen ver-
(25)einigung mit dem Son Gottes.284 Derhalben, wie es mit offentlichem Vn-
grundt geredt vnnd geschriben würdt, das die warhafftige gegenwertigkeit
deß Leibs vnd Blůts Christi keiner auß den Vttern noch Papistischen Leh-
rern auff die persnlich vereinigung beider Na- || [169:] turen in Christo ge-
gründet oder darauß sich vnderstanden habe zu erweisen, also ist am hllen,
(30)liechten Tage, daß die liebe Vtter keinswegs vom Sacrament gehalten, wie
jre Wort durch die Zwinglianer in vnrechtem verstandt vnnd wider der heili-
gen Vtter willen zur bestehtigung deß Zwinglischen Jrrthumbs angezogen
werden, wlches, da sie es vnder der Erden wüßten vnnd von Todten
widerumb alßbald erstehn solten, gewüßlich nicht vnwidersprochen lassen
(35)würden.
Warumb steiff vnd bestendig vber der Lehr von der Maiestet deß
Menschen Christi zů
halten.
Das wir aber mit ernst vnnd fleiß vber diser Lehr halten, darzů dringt vns Menschen Christi zů halten.
weder eigne Ehr noch Widerwill gegen jemandts Person, noch vil weniger
einicher Lust zum vnfriden, die wir von wegen diser laidigen Zwispalt ein
hertzlich Bekümmernuß haben vnd nichts liebers sehen, winschen vnnd bit-
ten von Gott, dann daß solcher der Kirchen ohne nachtheil der Gttlichen
warheit zů grund abgeholffen werden mcht, wlches auch nicht schwer,
(5)sonder gantz leicht geschehen mcht, wann die Zwinglianer die Gedancken
jrer vernunfft fallen liessen vnnd in den gehorsam Christi gefangen nemen,
sich Gottes Wort vnd den Glauben regieren liessen, wlchen jr Jrrthumb der-
massen für die augen gestellet, das sie denselbigen greiffen vnd billich Gott
die Ehr geben vnnd mit ergerlichem Zanck die Kirchen Gottes nicht len-
(10) || [170:] ger nach geoffenbarter vnnd erwißner warheit auffhalten solten. Son-
der es treibt vns die vnuermeidenlich not der Kirchen darzů, auff das wir den
rechten verstand der hchsten Articul vnsers einfeltigen Christlichen Glau-
bens von dem Herrn Christo behalten, das wir auch bey dem einfeltigen ver-
stand der wort deß Herren Christi im heiligen Abendtmal Christi bleiben
(15)mgen vnd die angefochtne Christen jres hchsten trosts nicht beraubt wer-
den, den sie an dem Menschen Christo zur Rechten der Krafft vnnd Maiestet
Gottes haben.
Dann geben wir nach vnnd reümen dise Lehr den Zwinglianern ein, was von
der Gttlichen Maiestet Christi nach der Menschheit gesagt würdt, das muͤs-
(20)se nicht dem einfeltigen verstand nachco vnd wie die wort lautten, sonder an-
derst nicht, dann per alleosin vnd solche Communicationem Idiomatum ver-
standen werden, wlche nichts anders seye dann nur ein wechßlung vnd
verwandlung der Namen, dascp in der Person Christi die Gttlich vnd mensch-
lich Natur kein warhafftige gemeinschafft haben, darauß dann die gemein-
(25)schafft der eigenschafften der Naturen volget, dauon die heiligen Vtter
geredt vnd geschriben haben, so ist die Person Christi getrennet vnd alle Ar-
ticul vnsers Christlichen Glaubens gefelschet, wlches wir dem Christlichen
Leser kurtzlich erklren wllen.
Wir glauben vnd bekennen, das Jesus Christus warhafftiger Gott vnd
(30)Mensch seye, darumb das || [171:] die Gttlich vnd menschlich Natur in jme
persnlich vereinigt seyen. Wann aber der Son Gottes sich selbst der ange-
nomnen menschlichen Natur nicht „Realiter“ das ist warhafftig vnnd mit der
that, mittheilt, das ist mit derselben personlich cq vereiniget ist,r sonder ist also
mit derselben allein verknüpfft, das er jr nicht mehr dann allein den Namen
(35)seiner Gttlichen Maiestet gnnet, was ist das für ein vereinigung? Nichts
vberal,285 wort seind es vnd im grund gar nichts. Wann namlich zwey ding
also miteinander verknüpfft vnd verbunden werden, da keins dem andern
sich warhafftig mittheilt, sonder es bleibt ein jedes, wie es ist, als wann sie
nicht zusamen gebunden weren. Dann wa kein warhafftige Gemeinschafft
der Naturen vnnd derselben Eigenschafften ist, da kan auch anders nichts
dann blosse Wort, lehre Tittel vnd Namen sein. Also were Gottes Son an-
derst nicht, weder allein dem Namen nach als ein Mensch empfangen vnd
(5)geboren von Maria der Jungkfrawen, auch were Maria nicht warhafftig ein
Můtter Gottes, sonder sie hette allein ein Menschen geboren, mit dessen Na-
tur wol der Son Gottes verknüpfft vnnd verbunden, aber mit demselben kein
warhafftige gemeinschafft hette.
Also mcht auch Nestorij Rede bey solcher Lehr, Glauben vnnd Bekanntnuß
(10)von Christo gar wol bestehn, da er gesagt: „Noli gloriari Iudaee, quoniam
hominem, non Deum crucifixisti.“286 Das ist: „Jud, du || [172:] solt dich nicht
ruͤhmen, dann du hast nicht Gott, sonder nur ein Menschen gecreütziget.“
Item: „Ego bimestrem et trimestrem Deum non dixerim.“287 cr Das ist: „Jch
will nicht sagen, das Gott zwey oder drei Monat alt seie.“s Dann wie kündt er
(15)Gott gecreützigt haben, wann der Son Gottes mit der angenomnen
Menschheit kein warhafftige Gemeinschafft in der that vnnd warheit, sonder
allein den Namen derselben vnd darzů solches nur auff ein gewisse Maß vnd
weise haben solle? Da man abercs ye das leiden Christi auch dem Son Gottes
will zůeignen, so muͤßte man also sagen, die Juden haben ein Menschen
(20)gecreütziget, an den der Son Gottes geknüpfft vnd gebunden gewesen, wl-
cher disem Menschen vor allen Engeln vnd Menschen hohe Gaben gegeben,
aber was sein Natur vnd derselben Eigenschafft belangt, hat er mit jme kein
Gemeinschafft, jme auch „realiter“, das ist mit der that vnnd warheit, nichts
mitgetheilt, sonder allein den Namen seiner Gttlichen Maiestet mit der
(25)menschlichen Natur gewchßlet vnnd dergestalt mitgetheilt, das also die
Menschheit allein ohne den Son Gottes für vns gelitten vnd vns erlset hette
vnnd nicht der Son Gottes. Dann das Leiden der Menschheit den Son Gottes
(diser Leut fürgeben nach) nichts angegangen, weil er kein warhafftige Ge-
meinschafft mit der menschlichen Natur gehabt, sonder allein an dieselbig
(30)verknüpfft vnd verbunden, vnd also auch allein den Namen daruon gehabt,
demnach wir nichtct mit Gottes Blůt erlset weren,288 sonder allein mit eines
Menschen Blůt, mit dem Gott kein warhafftige Gemeinschafft hette. || [173:]
Solcher Gestalt wer auch nur ein Mensch aufferstanden, an den der Son
Gottes geknüpfft, aber nichts mit Gott gemein hette.
(35)Auff solche weise wurde auch muͤssen verstanden werden, das weitter im
Christenlichen Glauben bekennet würdt, das Christus nach der menschlichen
Natur gehn Himmel gefaren vnd nach derselben zur Rechten Gottes gesetzt
vnd wider kommen würdt zu richten die Lebendigen vnnd die Todten. Nm-
lich das Christus nach seiner menschlichen Natur von diser Gttlichen Ma-
iestet nicht mehr, dann allein die Herrliche Tittel vnnd Namen hette, das er
(5)jetzt auch als ein Mensch gegenwertig Himmel vnd Erden regieret vnd am
Jüngsten tag ein Richter der Lebendigen vnnd der Todten sein werde, nicht
warhafftig, nicht mit der that, sonder allein mit blossem Namen vnd lehren
Titteln. Dann alle ding gegenwertig regieren vnd verwalten, deßgleichen al-
ler Menschen Werck wissen vnnd die Gedancken der Hertzen sehen, ist ein
(10)wesentlich eigenschafft Gttlicher Natur, die der Zwinglianer fürgeben nach
keiner menschlichen Creatur kan mitgetheilt werden, deren auch kein Crea-
tur fhig seie. Darumb regiere allein der Son Gottes nach seinem Gttlichen
Wesen, wie er allwegen mit dem Vatter regieret hat, der mit der angenomnen
Menschheit wol verknüpfft vnd verbunden, aber derselben von diser Maies-
(15)tet mehr nicht dann allein den Namen gegnnet habe. || [174:] Also würdt auch
der Son Gottes am Jüngsten tag richten die Lebendigen vnnd die Todten vnd
straffen alle bse Gedancken, Wort vnd Werck der verlornen, vnd das nach
seiner Gttlichen Natur allein. Dann ein Hertzenkünder sein, in das Hertz
sehen, sagen sie, gehrtt allein der Gttlichen Natur zů vnnd seye die
(20)menschlich Natur sollicher Maiestet nicht fhig, darumb der Son Gottes wol
durch die menschlich Natur das Vrtheil werd außsprechen, aber doch, als
wann einer durch ein Rohr redete, dann nach der Menschheit kündt er nicht
Richter sein, weil er nach der Zwinglianer meinung kein Hertzenkünder ist
noch sein kan, wlches ein wesentliche Eigenschafft Gttlicher Natur ist
(25)vnnd der menschlichen Natur nicht knne auff einerley Weise vnnd weg mit-
getheilt werden. Darauß der Christlich leser zu sehen: Wann wir dise Lehr
mit stillschweigen vmbgehn solten, das wir alle Articul vnsers Christlichen
Glaubens von der Person, Ampt, Gehorsam, Maiestet Christi verkeren vnnd
verlaugnen muͤssen vnnd also entlich den Herrn Christum gantz vnd gar ver-
(30)lieren wurden.
Darmit wir nun den Herrn Christum in seiner Person, Ampt, gehorsam, lei-
den, sterben, aufferstehn, Himmelfart zur Rechten Gottes in der Maiestet vnd
Herrligkeit gantz vnd vngetrennt behalten, das nicht die blosse Menschheit
für vns gelitten oder allein die Gottheit auff Erden re- || [175:] giere, so muͤssen
(35)wir vber dem rechten verstand diser Articul vnsers Christlichen Glaubens
vnd der vnzertrenten Person Christi halten vnd der Zwinglianer falschen
Lehr widersprechen, dardurch die Articul deß Glaubens verkeret vnnd ver-
derbet vnd entlich Christus verloren würdt.
Vor wlcher Lehr der Zwinglianer von der Person Christi D. Luther seliger
(40)mit nachuolgenden worten die gantze Christenheit gewarnet hat, da er also
schreibt: „Du aber, lieber Brůder, solt anstatt der Alleosy das behalten, weil
Jesus Christus warhafftiger Gott vnd Mensch ist in einer Person, so werde an
keinem ort der Schrifft ein Natur für die ander genommen. Dann das heißt er
(Zwinglius) Alleosin, wann ettwas von der Gottheit Christi gesagt würdt, das
doch der Menschheit zůstehet. Oder widerumb als Luc. vlt.: ‚Mußt nicht
Christus leiden vnnd also zů seiner Ehr eingehn?‘ Hie gauckelt er, das Chris-
tus für die menschlich Natur genommen werde. Hiet dich, hiet dich als für
(5)deß Teuffels Laruen, dann sie richten zuletst ein solchen Christum zů, nach
dem ich nicht gern wolt ein Christ sein, nmlich das Christus hinfort nicht
mehr seye noch thůe mit seinem Leiden vnd Leben dann ein ander schlechter
Heilige, dann wann ich das glaube, das allein die menschlich Natur für mich
gelitten hat, so ist mircu Christus ein schlechter Heyland, so bedarff er wol
(10)selbs eines Heilands. Summa: Es ist vnsglich, was der Teuffel mit der Alle-
osi sůche.“ Vnd abermals: „Wir verdammen vnd verflůchen die Alleosin an
disem || [176:] ort biß in die Helle hinein als deß Teuffels eigen eingeben.“289
„Sie schreien vber vns“, schreibt D. Luther weiter, „das wir die zwo Naturen
in ein Wesen mengen. Das ist nicht war. Wir sagen nicht, das die Gottheit
(15)sey die Menschheit oder Gttliche Natur seye menschlich Natur, wlches
were die zwo Naturen in ein Wesen mengen, sonder wir mengen die zwo vn-
derschidliche Naturen in ein einige Person vnd sagen: Gott ist Mensch vnd
Mensch ist Gott. Wir schreyen aber widerumb vber sie, das sie die Person
Christi zertrennen, als werens zwo Personen. Dann wa die Alleosis soll be-
(20)stehn, wie sie Zwingel fuͤhret, so würdt Christus zwo Personen muͤssen sein,
ein Gttliche vnnd ein Menschliche, weil er die Sprüch vom Leiden allein
auff die menschliche Natur zeucht vnd aller ding von der Gottheit wendet.
Dann wa die Werck getheilt vnnd gesündert werden, da můß auch die Person
zertrennet werden.“290 Hactenus Lutherus.
(25)Derwegen billich zů klagen, das an dem ort, da Doctor Luther seliger solli-
che Alleosin verdampt vnd meniglich daruor als deß Teuffels eigen eingeben
so ernstlich vnd trewlich gewarnet, durch ettlich, so auff seinem Stůl sitzen,cv
als Christlich vnd recht gelobet vnd der vnschuldigen armen Jugendt als ein
reine, heilsame Lehr eingebildet werden soll, daruor wir billich jederman
(30)warnen sollen.
Zum andern Jst vns dise Lehr nutzlich vnnd notwendig, das wir bey dem ein-
feltigen verstand der wort Christi im heiligen Abendtmal Christi || [177:] blei-
ben mgen, da er sagt: „Nemet, esset, das ist mein Leib“, etc. „Nemet, trin-
cket, das ist mein Blůt“, etc.291 Dann wir glauben vnd halten vest mit Doctor
(35)Luther seligen vermg der Concordia, Anno etc. 36. zů Wittemberg auffge-
-
richt,292 ein solliche gegenwertigkeit deß Leibs vnd Blůts Christi im heiligen
Abendtmal, darzů er keines auff- noch abfarens bedarff.
Nun beweisen vns aber die oberzelte Articul vnsers Christlichen Glaubens
von der persnlichen vereinigung vnd sitzen zur Rechten Gottes die persnli-
(5)che gegenwertigkeit deß gantzen Christus, Gott vnd Menschen, wlcher als
Gott die Rechte Gottes ist, die allenthalben ist, vnd als ein Mensch zů dersel-
ben Rechten Gottes gesetzt vnd demnach als Gott vnd Mensch gegenwertig
alles regieret. Derhalben zur außtheilung seines Leibs vnnd Blůts im heiligen
Abendtmal er keines auff- noch abfarens bedarff, sonder weil er personlich
(10)gegenwertig ist vnd demnach gegenwertig vnnd nicht abwesendt ist, kan er
vns sein Leib vnd Blůt mit Brot vnd Wein im heiligen Abendtmal auff weise
vnd maß außtheilen, die jhme bewußt. Darauß der Christlich Leser zů erken-
nen hat, das vns dise Articul vnsers Christlichen Glaubens keinswegs trei-
ben, das wir von dem einfeltigen verstandt der wort Christi im heiligen
(15)Abendtmal abweichen vnd sie anderst verstehn solten dann sie lautten.
Da dann der Christlich Leser sehen vnd greif- || [178:] fen kan, das vnser Be-
kanntnuß von der warhafftigen gegenwertigkeit deß Leibs vnd Blůts Christi
im heiligen Abendtmal nicht auff ein menschlichen Wohn oder Gedancken,cw
sonder auff dem klaren hellen Wort Gottes bestehet vnd mit den Articuln deß
(20)Glaubens von dem Herrn Christo als mit starcken Pfeylern beuestiget ist,293
darwider die Pforten der Hellen nichts vermgen sollen.294
So dargegen am hellen liechten Tag ist, das der Zwinglianer meinung allein
auff Menschlich Vernunfft gesetzet, mit deren sich diß Geheimnuß nicht
reimen noch schicken will, nach wlcher sie die Articul deß Glaubens verke-
(25)ren, die Sprüch der heiligen Schrifft flschlich auff jr meinung ziehen, der
heiligen Vtter vnd Concilien zeugnussen mißbrauchen vnd die einfeltigen
Christen damit jrr machen, das sie von einfeltigen worten deß Herren Christi
abweichen, dabey sie in jrem hertzen nimmermehr ruͤhwig sein künden.
Zum dritten So ist sonderlich auch der vrsach vber diser Lehr festzůhalten,
(30)damit den armen, betruͤbten, angefochtnen Christen in jrer hchsten nten
der Trost bleibe, den sie an dem Menschen Christo zur Rechten der Maiestet
vnnd Krafft Gottes in jrer anruͤffung haben. Dann zum Vatter drffen sie
nicht ruͤffen ohn den Mittler; der Mittler aber zwischen Gott vnd dem Men-
schen ist nicht ein blosser Gott, sonder Gott vnnd Mensch. „Es ist“, spricht
(35)S. Paulus, „ein Mittler zwischen Gott vnnd den Menschen, der Mensch Jesus
Christus.“295 || [179:] Zů disem Menschen haben die Christen in jren hchsten
Nten all jr zůflucht darumb, das er (wie die Epistel an die Hebreern zeuget)
als ein Mensch gelitten hat vnd versůcht ist vnnd kan helffen denen, die ver-
sůcht werden.296 Vnnd abermals spricht S. Paulus: „Wir haben nicht ein ho-
hen Priester, der nicht kndte mitleiden haben mit vnser Schwachheit, sonder
der versůcht ist allenthalben gleich wie wir, doch ohne Sünde, darumb laßt
(5)vns hinzůtretten mit Freüdigkeit zů dem Gnadenstůl“297 etc.
Wann aber Christus nach seiner menschlichen Natur nicht wissen solt, wie
wir versůcht werden, jn Anfechtung vnnd Truͤbsal stecken, was hetten die
Christen für ein Trost in jren Nten?cx Dann mit der blossen Gottheit, die ein
verzerendt Fewr298 ist, drffen sie nicht reden, mit Christo nach seiner
(10)Menschheit knnen sie (diser Leut fürgeben nach) nicht reden, dann er ist
jnen zu weit vnnd hat jm die Gttlich Natur dise Maiestet nicht mitgetheilt,
das er alles auch nach seiner menschlichen Natur wissen solt: das heißt ja
Christum den angefochtnen Hertzen in jren Nten entziehen vnd sie jres
hchsten Trosts berauben. Dann haben im alten Testament die Jsraeliter sich
(15)in jrem Gebet, sie seyen gewesen wa sie wllen, zů dem Gnadenstůl gegen
Jerusalem wenden muͤssen, der nur ein Fürbild Christi deß Herrn gewesen
ist, wie solten jetzt die Christen sich ohne Christo zum Vatter wenden vnnd
jne anrůffen drffen?
|| [180:] Derhalben Stephanus in seinen letsten Nten ruͤffet: „Herr Jesu, nim
(20)mein Geist auff“,299 dem Christus sich in leiblicher gestalt geoffenbaret vnnd
nach der Himmelischen weiß seiner Gegenwart bey jme allernechst im Tod
gewesen ist vnd erhalten hat, zů wlcher Gegenwart ohn vonnten ist, das er
sich einem jeden Menschen in sein letsten Nten in leiblicher gestalt offen-
bare, der wol nicht raumlicher jrrdischer, aber doch auff Himmelische weise
(25)nach dem Wort seiner Verheissung gewißlich gegenwertig ist vnd im letsten
Kampff seine Rechtglaubige erhelt.
Auff das aber der Christlich Leser nicht gedencken mcht, als were solches
vnser Gedicht, wie vns dann von ettlichen falschen Bruͤdern zugelegt werden
will, haben wir abermals D. Luthers seligen Wort, wie auch hieuor besche-
(30)hen, hieher setzen wllen, mit wlchen er nicht allein bezeugt, wie hoch den
Christen an disem Articul gelegen, sondern auch trewlich vor den Grammati-
cis, Poeten, Juristen vnnd Medicis warnet, die sich ohne rechten Verstand
vnd zuuor außgestandnen Kampff mit dem Teüffel in dise Sach mischen,
wlcher Warnung, da sich ettlich Grammatici, Poeten, Juristen vnnd Medici
(35)erinnerten vnnd jrem Beruff außwarteten, würde es zweifelsohn vmb die
Kirche Gottes in viler Fürsten Hfen, Hohenschůlen vnd Kirchen vil besser
stehen. Seine Wort lautten also:
„Das dienet nun darzů, wie nun offt gesagt ist, das wir knnen wider den
Teuffel bestehn vnnd jn im Todskampff vnnd andern nten vberwinden,
(5)wann er vns schrecket mit der Sünde vnnd Hölle. Dann wa er mir das ange-
wnne, das ich Christum als einen lauttern Menschen für mich gecreutziget
vnd gestorben ansehe, so were es verloren. Wann ich aber den Schatz vnd
das Gewicht daran henge, das Christus beide warhafftiger Gott vnd Mensch
für mich gestorben ist etc., das wigt vnd schlecht301 weit vber alle Sünde,
(10)Tod, helle vnd alle jamer vnd hertzlaid. Dann wann ich das weiß, das der, so
warhafftiger Gott ist, für mich hat gelitten vnd gestorben ist vnd widerumb
derselbige warhafftige Mensch von todten aufferstanden, gehn Himmel gefa-
ren etc., so kan ich gewißlich schliessen, das meine Sünd vnnd Tod durch jn
getilget vnd vberwunden ist vnd nu bey Gott kein Zorn noch Vngnade vber
(15)mich ist, weil ich in diser Person nichts dann eittel Gnadenzeichen vnd
Werck sehe vnd hre. Sihe, also lehrne disen Articul fassen, das man dise
Person Christi gantz behalte vnd beider Natur Werck ineinanderschliesse,
obwol die Naturen vnderscheiden sind. Denn nach der Gttlichen Natur ist er
nicht von einem Menschen geborn noch ettwas von der Jungkfrawen genom-
(20)men, || [182:] vnnd ist war, das Gott ist der Schpffer, der Mensch aber ein
Creatur oder geschpff. Hie aber seind sie zusamenkommen in eine Person,
vnnd heißt nu Gott vnd Mensch ein Christus, das Maria hat ein Son geborn
vnd die Juden solche Person gecreutzigt, wlcher ist Gott vnnd Mensch.
Sonst, wa er lautter Mensch were (als andere Heiligen), vermcht er mit aller
(25)seiner Herrligkeit, Blůt vnd Sterben nicht eine Sünd von vns zů nemen oder
ein trpflin deß hllischen Fewrs zů leschen.
Das ist vnser kunst, Lehre vnnd Trost auß der Schrifft, so wir von Christo
haben, wiewol es für der Welt vnd spitzigen vernunfft für lauter thorheit
angesehen würdt. Aber laß andere klůg sein in jres Gottes, deß Teüffels,
(30)namen vnd das hertzlaid haben mit jrer vnzeittigen Grammatica vnd Rhetori-
ca, so sie damit wllen die Schrifft meistern vnd sie zerreissen oder ye nich-
tig machen. Es sind arme Grammatici, die da wllen auß jrer kunst von disen
hohen Sachen reden vnd vrtheilen. Es gehren andere Leut darzů dann dise
vocabulisten vnnd Grammatisten, nmlich die ettlichmal sich mit der Sünd
(35)vnd Tod geraufft vnnd gefressen oder mit dem Teuffel gebissen vnd ge-
kempfft haben. Laß sie jre Regeln lehren, wie man recht Lateinisch reden
soll vnd jre Poeten, Juristen, Medicos außlegen vnd daselbs klůg vnnd ge-
lehrt sein als in jrem Handtwerck. Aber von disen Sachen wllen wir nie-
-
mandt zů Richter haben, denn die versůcht vnd erfaren haben, was diser Ar-
ticul für krafft habe. || [183:] Es sind verdrießliche, heillose Geister, die
nuͤhe302 in keinem kampff geweßt noch von Geistlichen sachen etwas ge-
schmeckt haben vnd doch flugs wllen auß jrem Kopff meister sein vber die
(5)Schrifft vnd von solchen hohen Sachen richten. Jch hab Gottlob ein wenig
erfaren, was diser Articul ist vnd vermag vnd denselben für andern Geistern
erhalten, die da im kleinesten Finger gelehrter vnd klůger sind dann alle
solche Grammatisten. Vnd auch erlebt, das diser Articul bißher vber tausent
jar bliben ist wider alle spitzige Kpff vnnd Teuffel in der Helle, so sich
(10)dawider gelegt haben, soll auch für allen noch wol bleiben. Darumb laßt vns
dem heiligen Geist souil ehre thůn, das er gelehrter vnnd kluͤger sey dann wir
mit vnser Kinderkunst vnnd disen Articul nach der Schrifft rein vnd lautter
behalten.“cy 303
Damit wir nur den Christen disen Trost erhalten, denn sie am Menschen
(15)Christo zur Rechten Gottes haben, so muͤssen wir der heimlichen vnd offent-
lichen Zwinglianer Lehr widersprechen, wlche in nicht mit verdeckten
Worten, sonder fruenlich304 von der Rechten der Maiestet vnnd Krafft Got-
tes nach seiner menschlichen Natur ab- vnnd anstatt derselben an ein hohen
Ort im Himmel setzen, da er mit diser Maiestet kein warhafftige Gemein-
(20)schafft, sonder allein den Tittel vnd Namen hat. Diser Lehr wllen wir wi-
dersprechen vnd verdammen biß in abgrund der Hllen so lang wir leben
vnd vns Gott mit seinem heiligen Geist regieret. || [184:] Wie dann Doctor Lu-
ther seliger sampt allen Kirchen Augspurgischer Confession von der zeit an,
als man sich offentlich Anno etc. 30 von den Zwinglianern abgesndert vnd
(25)sie auff jr vilfeltig bitten vnd anhalten niehmals für Bruͤder erkennen wllen,
standthafftig vnd bestendig derselben widersetzet vnd mit vns vber dem ein-
feltigen verstand der wort Christi im heiligen Abendtmal gehalten vnd der
Zwinglianer falsche Lehr offentlich verworffen vnd verdampt haben.
Zeugnuß der Kirchen Augspurgischer Confession.
(30)Deren Zeugnuß ettliche wir hie auch erzelen wllen, auff das der Christlich
Leser sehe, das solliches nicht vnser Gedicht, sonder also in der Christlichen
Augspurgischen Confession, derselben Apologia, Schmalkaldischen Arti-
culn, Catechismo Lutheri, auch anderer bewerdten, reinen, Christlichen Leh-
rer Schrifften begriffen vnd auff gleiche Weise getriben vnnd von der Kir-
-
chen Gottes alweg danckbarlich angenommen worden, in massen volgende
Zeugnuß außweisen:
„Item docent, quod Verbum, hoc est Filius Dei, assumpserit humanam natu-
(5)ram in vtero beatae Mariae virginis, vt sint duae naturae, diuina et humana,
in vnitate personae inseparabiliter coniunctae, vnus Christus, vere Deus et
vere homo, natus ex Maria virgine, vere passus, crucifixus, mortuus et sepul-
tus, vt reconciliaret nobis Patrem et hostia esset non tantum pro culpa origi-
nis, sed etiam pro omnibus actualibus hominum peccatis. Idem descendit ad
(10)inferos et vere resurrexit tertia die, deinde ascendit ad coelos, vt sedeat ad
dextram Patris, et perpetuo regnet et dominetur omnibus creaturis, sanctificet
credentes in ipsum, misso in corda eorum Spiritu sancto, qui regat, console-
tur ac viuificet eos ac defendat aduersus diabolum et vim peccati. Item
Christus palam est rediturus, vt iudicet viuos et mortuos etc. iuxta symbolum
(15)apostolorum.“305 Das ist: „Jtem es würdt gelehrt, das Gott der Son sey
Mensch worden, geborn auß Maria, der reinen Jungkfrawen, vnnd das die
zwo Naturen, Gttliche vnd menschliche, in einer Person also vnzertrenlich
vereinigt, ein Christus seindt, wlcher warer Gott, warer Mensch ist, war-
hafftig geborn, gelitten, gecreützigt, gestorben vnnd begraben, das er ein
(20)Opffer were nicht allein für die Erbsünd, sonder auch für alle andere Sünd,
vnd Gottes Zorn versnet. Jtem das derselbige Christus abgestigen zur Hlle,
warhafftig am dritten || [186:] tag von den Todten aufferstanden, auffgefaren
gehn Himmel, sitzendt zur Rechten Gottes, das er ewig hersche vber alle
Creaturn vnd regiere, das er alle, so an jn glauben, durch den heiligen Geist
(25)heilige, reinige, stercke, trste, jnen auch leben vnd allerley Gaben vnd
Guͤtter außtheile vnnd wider den Teüffel vnnd wider die Sünd schütze vnnd
beschürme. Jtem, das derselbig Herr Christus entlich würdt offentlich kom-
men, zu richten die Lebendigen vnd die Todten, laut deß symboli apostolo-
rum.“306
(30)Jn disem Articul ist offenbar, das dem Herrn Christo die Regierung vber alle
Creaturen auch nach seiner menschlichen Natur zůgeschriben würdt, wie sol-
lichs daroben auß der Theologen zů Schmalkalden wider den Schwenckfeld
gestelten Schrifft klarlich angezeigt, da außtruckenlich gesetzt ist, das eben
der Christus, von wlchem gesagt ist „Geboren auß Maria der Jungkfrawen“,
(35)eben vom selbigen sey auch gesagt „Er sitzet zur Rechten Gottes seines All-
mechtigen Vatters.“ Was aber heisse „sitzen zur Rechten Gottes“ erklret hie
die Augspurgisch Confession: Nmlich vber alle Creatur Herrschen vnd Re-
gieren.
Nun ist aber Christus nach seiner Menschheit nicht darumb zur Rechten Got-
tes gesetzt, das er nach der Gottheit allenthalben regiere, dann er hat nach
der Gottheit allwegen regieret vber alle Creaturen, ehe er Mensch worden ist.
Darumb auch dise Regierung nicht von der blossen Gott- || [187:] heit verstan-
(5)den werden mag, sonder soll vnd můß von Christo nach seiner Menschheit
verstanden werden, wie daroben gnůgsam erklret ist, das jetzunder Christus
als Gott vnnd Mensch nach beiden Naturen vber alle Creaturen regieret. Soll
er aber auch als ein Mensch, das ist nach seiner menschlichen Natur, vber
alle Creatur regieren, so můß er, wie Doctor Luther in erklrung dises Arti-
(10)culs schreibet,307 auch gegenwertig vnnd dabey sein, nicht nach der groben
jrdischen, sonder nach der Gttlichen himmelischen weise, von wlcher die
Epistel an die Hebreer redet, das wir jetzt nicht sehen, wie jm alle ding vn-
derthon sind.308 Dann sein Reich ist nicht von diser Welt,309 darumb regiert
er auch nicht wie die weltliche Knig, die nicht allenthalben gegenwertig
(15)sind vnnd demnach jre Statthalter haben muͤssen vnd Diener, die es in jrem
Namen verrichten. Christus aber, ob er wol auch seine Diener in seinem
geistlichen Reich hat auff Erden, so ist er doch nicht abwesendt, sondercz ge-
genwertig. Darumb Sanct Paulus von sich selbst schreibt: „Jch thürfte nicht
ettwas reden, wa dasselbig Christus nicht durch mich würckete.“310 Vnnd
(20)Christus selbs sagt zů seinen Aposteln vnnd seiner gantzen Kirchen: „Jch bin
bey euch zů aller zeit biß zum end der Welt.“311
Derwegen muͤssen wir Augen vnnd Vernunfft zůschliessen vnnd dise Regie-
rung deß Menschen Christi oder Christi nach seiner Menschheit vermg
dises Articuls vnser Christlichen Bekandt- || [188:] nuß einfeltigen glauben vnd
(25)nicht nach der blinden vernunfft daruon vrtheilen.
Apologia Augustanae confeßionis.
„Tertium articulum probant aduersarij, in quo confitemur duas in Christo naturas, videlicet naturam humanam, assumptam a verbo in vnitatem perso-
nae suae. Et quod idem Christus passus sit ac mortuus, vt reconciliaret nobis
(30)Patrem, et resuscitatus, vt regnet, iustificet et sanctificet credentes etc., iuxta
symbolum apostolorum et symbolum Nicenum.“312 Das ist: „Den dritten Ar-
ticul lassen jne die Widerscher gefallen, da wir bekennen, das in Christo
zwo Natur seindt, nmlich das Gottes Son die menschliche Natur hat ange-
nommen vnd also Gott vnd Mensch ein Christus ist, vnd das derselbig für
vns hat gelitten vnd gestorben, vns den Vatter zu versnen, vnd das er auff-
erstanden ist, das er ein ewig Reich besitze, alle Gleübigen heilige vnd ge-
recht mache etc., wie das der Aposteln vnnd Nicenum symbolum lehret.“313
Das ewig Reich vnsers Herrn Christi, das er nach seiner Aufferstehung besit-
(5)zen hat sollen, ist die Herrligkeit deß Menschen Christi, in wlche er zů der
Gerechten deß Vatters erhhet ist, wie zuuor in der Augspurgischen Confes-
sion gemeldet worden.
„Das der Son also Mensch worden, das er vom heiligen Geist ohn mennlich
(10)zuthůn empfangen vnd von der reinen, heiligen Jungkfrawen Maria geborn
sey, darnach gelitten, gestorben, begraben, zur Hlle gefaren, aufferstanden
von den Todten, auffgefaren gehn Himmel, sitzendt zur Rechten Gottes,
künfftig zu richten die Lebendigen vnnd die Todten etc., wie der Aposteln,
jtem S. Athanasii symbolum vnnd der gemein Kinder Catechismus
(15)lehret.“314 Dieweil man sich in diser Bekanntnus vnd andern auff das sym-
bolum Athanasii referiert vnnd zeucht, vnnd aber droben desselbigen Jnhalt
erzelt vnnd außgefuͤrt ist, hierauß zu sehen, wie dise vnser Lehr ye vnnd al-
weg bey den reinen Kirchen, so zů der Augspurgischen Confession sich be-
kennen, gelert vnd getriben worden. Was dann der Catechismus Lutheri in
(20)sich helt, ist auß volgenden Wortten zu lehrnen:
Jm Catechismo Lutheri vber den andern Articul deß Glaubens.
„Das sey nun die Summa diß Articuls, daß das wrtlin ‚Herr‘ auffs einfel-tigst souil heisse als ein erlser, das ist der vns vom Teuffel zů Gott, vom
|| [190:] Todt zum Leben, von Sünden zur Gerechtigkeit gebracht hat vnd dar-
(25)bey erhelt. Die Stuck aber, so nacheinander in dem Articul volgen, thůn
nichts anderst, dann das sie solche erlsung erklren vnd außtrucken, wie
vnnd wadurch sie geschehen sey, das ist was jn gestanden315 vnd was er da-
ran gewendet vnd gewagt hat, das er vns gewnne vnnd zů seiner Herr-
schafft brechte. Nmlich, das Er Mensch worden, von dem H. Geist vnd der
(30)Jungkfrawen ohn alle Sünd empfangen vnd geborn, auff das Er der Sünden
Herr were, darzů gelitten, gestorben vnd begraben, das er für mich gnůg
thete vnd bezalte, was ich verschuldt habe, nicht mit Silber vnd Gold, sonder
mit seinem eignen thewren Blůt. Vnd das alles darumb, das er mein Herr
würde, dann er für sich deren keins gethon noch bedürfft hat. Darnach wider
(35)aufferstanden, den Todt verschlungen vnnd gefressen vnd endtlich gehn
Himmel gefahren vnd das Regiment genommen zur Rechten deß Vatters, das
jm Teuffel vnd alle Gwalt můß vnderton sein vnd zů fuͤssen ligen solang, biß
er vns endtlich am jüngsten Tag gar schaide vnd sündere von der bsen
Welt, Teuffel, Todt vnd Sünde.“316
Fürst Georg zů Anhalt im Bůch vom Sacrament.
(5)„Es ist allda der warhafftig natürlich Leib, der für euch gegeben oder, wie
Paulus sagt, gebro- || [191:] chen würdt, derselbig natürlich, warhafftig Leib,
wlchen der ewig Son Gottes angenommen vnd von der allerheiligsten,
hochgelobten vnnd reinen Jungkfrawen Maria in dise Welt geborn vnnd an
Stammen deß heiligen Creutz genagelt vnnd auffgeopffert, von todten auff-
(10)erstanden vnd sitzt zur Rechten Gttlicher Maiestet in ewiger Herrligkeit,
alles erfüllend, wie kndte es klrer dargethon werden.“317 Vnd hernach:
„Weil wir aber glauben, der gantz Christus, Gott vnd Mensch, sitze zur
Rechten Gttlicher Maiestet in gleicher Allmechtigkeit vnnd vnermßlichem
Gewalt, vnnd er zugesagt Matth. 18. ‚Wa zwen oder drey versamlet seyen in
(15)meinem Namen, da bin ich mitten vnder jnen‘ vnd Mat. 28. ‚Jch bin bey
euch biß zum end der Welt‘, wie wllen wir nur zweiflen, das er nicht in
disem heiligen Sacrament, das nach seinem Beuelch vnnd Ordnung gehalten
würdt, gegenwürtig vnnd da laut vnnd in Krafft seiner Wort, die er durchs
Priesters mund spricht, in dem gesegneten allerheiligsten Brot vnnd Kelch
(20)sein eigen Leib vnnd Blůt warhafftig außtheilt, weil er das mit klarem, hl-
len, deutlichen, vnlaugbarn Worten selber sagt vnd sich in das Sacrament
bindet vnnd allda will gefunden werden. O menschliche Thorheit, o Teüffe-
lische vermessenheit wider die Gtliche weißheit vnd Allmechtigkeit, es
heißt: ‚Credere, non intelligere‘da .“318
(25) || [192:] Philippus Melanthon Epistola ad Bernhardum Rotmannum,
docentem Euangelium
Monasterij in Vuestphalia,
Anno etc. 32. Pridie Natalis domini.
„Incertus etiam rumor huc allatus
est in vrbe vestra palam probari Cinglij (25) || [192:] Philippus Melanthon Epistola ad Bernhardum Rotmannum,
docentem Euangelium Monasterij in Vuestphalia,
Anno etc. 32. Pridie Natalis domini.
dogma de caena domini.“ Postea ibidem: „Quorsum opus est illas prophanas
(30)disputationes, quod nusquam nisi in coelo sit Christus et quod sedeat vni
affixus loco, spargere? Certe scriptura iubet inuocare Christum. Fatendum
est igitur eum adesse vere et verbo et signo, cum eo vtimur, vbi promisit se
adesse velle sicut et Deus vere aderat ad propitiatorium propter promissio-
nem velle consolari. Et nostri non probant μεταμόρφωσιν, qua papistae di-
(5)cunt corpus in species illas includi, quasi vinum in lagenam. Sed adesse di-
cunt Christum vere in coena, quod nihil habet incommodi. Necque ignoro
hic ab ingeniosis hominibus multa quaeri posse“, etc. Et paulo post: „Non
ignoro doctos viros alicubi applaudere dogmati Cingliano, et habent concin-
nas rationes, sed in hoc non sunt omnia. Praesentia, quam dixi, habet ἀναλο-
(10)γίαν fidei.“319
Das ist: „Es ist vngwiß gschrey außgangen bey vns, als solt in ewer Statt deß
Zwingels Lehr von dem Abendtmal gebillicht worden.“ Vnd bald hernach:
„Warzů ist es von nten, das man dise lose Disputation außbraitte, nmlich
das Christus nirgendt denn allein im Himmel seye vnd das er an einem ort
(15)angebunden sitze? Einmal heisset die Schrifft, Chri- || [193:] stum anruͤffen.
Derhalben můß man bekennen, das er warhafftig bey dem Wort vnd Zeichen
sey, wann wir dasselbig brauchen, da er verheissen hat, das er gegenwertig
sein (wie auch Gott selbs bey dem Gnadenstůl von wegen seiner verheissung
gegenwertig was) vnd trsten wlle. So lassen auch die vnsern jnen die ver-
(20)wandlung nicht gefallen, nach wlcher die Papisten lehren, das der Leib
Christi in dise gestalt wie der Wein in die Flschen eingelassen werde, son-
der sie sagen, das Christus warhafftig im Abendtmal gegenwertig sey, da-
rauß nichts vngereümbts volget, vnd ist mir vnuerborgen, das spitzfindige
Leut hie vil fragen knnen.“ Vnd bald hernach: „Das gelerte Leut an ettli-
(25)chen orten diser Lehr beyfallen vnnd haben scheinbare320 vrsachen, aber es
ist nicht alles darmit außgericht. Die gegenwertigkeit Christi ist dem
Glauben ehnlich.“
Jdem in Epistola ad Oecolampadium.
„Si mihi vestra sententia placeret, simpliciter profiterer. Vos absentis Christi (30)corpus tanquam in tragaedia repraesentari contenditis. Ego de Christo video
extare promissiones: ‚Ero vobiscum vsque ad consumationem saeculi‘, et si-
miles, vbi nihil opus est diuellere ab humanitate diuinitatem. Proinde sentio
hoc sacramentum verae praesentiae testimonium esse. Quod cum ita sit sen-
tio in illa coena praesentis corporis κοινωνίαν esse. Cum proprietas verborum
(35)cum nullo articulo fidei pugnet, nulla satis magna causa est, cur eam || [194:]
deseramus. Et haec sententia de praesentia corporis conuenit cum alijs scrip-
turis, quae de vera praesentia Christi apud nos loquuntur. Nam illa est indig-
na christianis opinio, quod Christus ita quandam coeli partem occuparit, vt in
ea tamque inclusus carceri sedeat.“321 Das ist: „Wann mir ewer Lehr gefiel,
so wolts ich frei bekennen. Jr streitten, das der Leib Christi (im Abendtmal)
fürgebildet werde, als wann man ein Spül322 halte. Jch aber sehe, das wir von
Christo außtruckenliche verheissung haben: ‚Jch bin bey euch biß zum end
(5)der Welt‘ vnd dergleichen. Da dann nicht vonnten ist, das man die Gottheit
von der Menschheit trenne. Darumb halte ich, das diß Sacrament ein
Zeugnuß seye seiner gegenwertigkeit. Weil dann dem also ist, so halte ich,
das im heiligen Abendtmal deß gegenwertigen Leibs Christi gemeinschafft
seye. Dann nachdem es nicht wider einichen Articul deß Christlichen
(10)Glaubens ist, da man die wort verstehet wie sie lautten, haben wir nicht
gnůgsame vrsachen, das wir solchen einfeltigen verstandt nach dem Bůch-
staben fallen lassen. So vergleicht vnnd schicket sich auch dise Lehr von der
gegenwertigkeit deß Leibs Christi mit andern Sprüchen der heiligen Schrifft,
wlche von der warhafftigen gegenwertigkeit Christi reden. Dann es reümet
(15)sich keinswegs, das ein Christenmensch halten solt, das Christus also ein
theil deß Himmels eingenommen, das er in demselben sitzen solt, als wann
er in ein Krcker eingeschlossen were.“
„Ego mori malim, quam hoc affirmare, quod illi affirmant: Christi corpus
(20)non posse nisi in vno loco esse. Ideo constanter arguas eos publice et priua-
tim cum erit occasio.“323 Das ist: „Jch wlte vil lieber Sterben, denn das sa-
gen, das dise (Zwinglische) lehren, nmlich daß der Leib Christi nicht knne
zumal mehr denn in einem ort sein. Darumb so wllestu sie offentlich vnd
sonderlich mit ernst straffen, wenn sich die gelegenheit geben würdt.“
„Neque vero quisquam mihi persuaserit, Augustinum hoc loco sic alligare
corpus Christi ad vnum locum, vt nunquam alibi esse posse confirmet. Prae-
sertim cum scriptura nusquam affirmet Christum ita in vno loco esse, vt alibi
esse non possit. Quid enim aliud afferri potest praeter humanae rationis iudi-
(30)cium? Cur hoc modo includamus Christum in vnum locum? Sed iudicium
rationis debet scripturae cedere.“324 Das ist: „Es würdt mich aber niemandt
bereden, das der H. Augustinus hie den Leib Christi an ein ort binde, das er
halten solt, als künde er zumal nicht auch anderßwa sein. Sonderlich weil
sollichs die heilig Schrifft nirgent sagt, das Christus also an einem ort sey,
das er nicht auch zumal an eim andern ort sein || [196:] knde.db Dann was kan
man weitters fürbringen dann das vrtheil menschlicher vernunfft, das wir
solcher gestalt Christum in ein ort einschliessen solten? Aber das Vrtheil der
vernunfft soll der heiligen Schrifft weichen.“
„Hic dominus virtutum est Christus dominus, iam nobiscum non solum vt
Deus, sed etiam vt homo, qui dictus est ab Esaia ‚Emanuel‘, id est ‚ Nobis-
cum‘“.325 etc. Das ist: „Diser Herr der Herrscharen, nmlich der Herr Chris-
tus, ist jetzt bey vns nicht allein als Gott, sonder auch als Mensch, wlcher
(10)von Esaia genennt würdt ‚Emanuel‘, das ist ‚Gott mit vns‘“.
Jdem in Psal. 8.
„Hinc illa admiratio, quod hic homo et filius hominis mundo despectissimus et ad breue tempus vel suae mortalitatis vel nouissimae illius passionis infra
angelos deiectus, quando semetipsum exinaniuit, factus Patri obediens etc.,
(15)mox in resurrectione sua sit coronatus, id est rex constitutus, vt Psal. 2. dic-
tum est, et glorificatus accepto imperio et regno super omnes creaturas in
coelo et in terra.“326 Das ist: „Daher verwundert sich der Prophet, das diser
Mensch, nmlich deß Menschen Son, vor der Welt auffs hchst verachtet
vnd ein kleine zeit, da er noch sterblich in seinem letsten leiden, ringer327
(20) || [197:] dann ein Engel geachtet, in wlcher zeit er sich selbs ernidrigt vnnd
dem Vatter gehorsam gewesen etc., gleich in seiner Aufferstehung ist gekr-
net, das ist zum knig eingesetzt, wie im andern Psalmen gesagt ist, vnd er-
klret, da er hat empfangen Gwalt vnnd Regierung vber alle Creaturen im
Himmel vnd auff Erden.“
(25)Jdem in Psal. 110.
„Hic (Christus) non semetipsum glorificauit, vt erubescat opinio potentiae, (25)Jdem in Psal. 110.
sapientiae et iustitiae nostrae, imo et omnis ambitio humana, quae se prae-
ferre alijs studet, et mortificationi reluctatur, sed is glorificauit eum, qui dixit
ad eum ‚sede a dextris meis‘, id est rex esto vt ego, ‚super omnia et in coelo
(30)et in terra‘, Matth. vltimo, de quo diximus et psal. 8 et psal. 77. Iubetur vero
sedere non ad caput, ne videatur esse supra Deum, quia ‚Christi caput Deus
est.‘ 1. Cor.11, neque ad sinistram, ne videretur eius gloria minor gloria Dei,
sed ad dextram, id est in potioribus bonis Patris, vt aequalitas significetur. A
dextris ergo regnat, cuius regnum est spirituale, nam sinistra temporalia sunt,
vt alibi diximus, licet et ipsa ei subiecta sint,“328 etc. Das ist: „Diser Christus
(5)hat sich nicht selber verklret, auff das sich scheme, wer etwas auff sein
Gewalt, Weißheit vnnd Tugendt halt, ja alle menschliche Ehrgeitzigkeit, die
sich befleisset andern fürzuziehen vnnd der Tdtung (deß Fleischs) wider-
strebet. Sonder der hat jn verklret, der zů jm gesagt || [198:] hat: ‚Setze dich
zů meiner Rechten‘, das ist sey ein Knig wie ich bin, ‚vber alles im Himmel
(10)vnd auff Erden‘, Matth. vlt. Daruon wir auch gesagt haben im 8. vnd 77.
Psal. Er würdt aber geheissen zů sitzen nicht zů seinem Haupt, auff das er
nicht gehalten werde, das er vber Gott seye, denn ‚das Haupt Christi ist
Gott‘, 1. Cor. 11; auch nicht zur lincken, als solt er an Herrligkeit weniger
sein denn Gott, sonder zur Rechten, das ist in fürnembsten Guͤttern deß Vat-
(15)ters, das ein gleichheit angezeigt werde. So regieret er nun zur Rechten, das
Reich ist ein Geistlich Reich, dann die lincke heisset die zeitliche Guͤtter, wie
wir an einem andern ort gesagt haben, wiewol auch dieselbigen jm vnder-
worffen seindt.“
Justus Ionas in Acta apostolorum.
(20)„Profectus (Christus) in coelum, subiectis sibi angelis, potestatibus et virtuti-
bus, per hanc enim (assensionem) coepit Christus regnum, tum coepit praedi-
cari euangelium misso Spiritu sancto e coelis, 1. Pet. 1. Tum coepit regnare
in nostra carne super omnes creaturas, victor peccati et mortis, Eph. 1. Sede-
re fecit eum in coelestibus“329 etc. Das ist: „Christus ist gehn Himmel gefa-
(25)ren, vnnd seindt jm vnderworffen die Engel, Gwalt vnd Macht, denn durch
dises auffahren hat er empfangen das Reich, alsdenn hat auch angefangen
gepredigt zů werden das Euangelium vnnd ist der heilig Geist vom Himmel
gesandt worden. 1. Pet. 1. Da hat es || [199:] auch angefangen zů regieren in
vnserm fleisch vber alle Creaturen, der die Sünd vnnd den Todt vberwunden
(30)hat. Ephe. 1. Vnnd hat jn gesetzt im Himmel vber alle Fürstenthumb, Gwalt,
Macht“ etc.
Caspar Cruciger in psal. 110 anno etc. 43.
„‚Sede a dextris meis.‘ Haec est promissio de regno, quasi dicat: Haec est meae concionis summa, quod Deus sit daturus domino meo regnum, in quo
(35)pari cum Deo regnaturus est potestate. Nam sedere ad dextram Dei est reg-
-
nare pari potentia cum Deo. Haec est Pauli interpretatio ad Ephes. 1, vbi in-
quit: ‚Collocauit eum ad dextram suam in coelestibus super omnem princi-
patum et omnia subiecit sub pedes eius.‘ Totus enim ille locus apud Paulum
ex hoc psalmo decerptus est. Et ad Heb. 1: ‚Ferens omnia verbo potentiae
(5)suae, per se facta purgatione peccatorum nostrorum, sedetdc ad dextram ma-
iestatis in sublimi tanto praestantior angelis‘ etc. Hec testimonia clare osten-
dunt hac figura sermonis significari potentiam supra omnes creaturas, sicut
et Christus ipse inquit Ioan. 1:330 ‚Pater diligit Filium atque dedit omnia in
manus eius. Qui credit in Filium, habet vitam aeternam.‘ Item Matth. vlt.
(10)‚Mihi data est omnis potestas in coelo et in terra.‘“331 Das ist: „‚Setze dich zů
meiner Rechten‘. Diß ist ein verheissung vom Reich, als sagt er: Diß ist der
jnnhalt meiner Predig, das Gott seinem Son das Reich geben werde, darinn
er mit Gott in gleicher Gwalt || [200:] regieren würdt. Dann sitzen zur Rechten
Gottes ist eindd gleicher Gwalt mit Gott regieren. Also hat S. Paulus diß sitzen
(15)in der Epistel an die Epheser am 1. Cap. außgelegt, da er also sprücht: ‚Er
hat jn gesetzt zů seiner Rechten in Himmel vber alle Fürstenthumb vnd hat
alle ding vnder seine fuͤß gethon.‘ Dann der gantz Spruch S. Pauli am selbi-
gen ort ist auß disem Psalmen genommen. Vnd zun Hebreern 1. Cap.: ‚Er
tregt alle ding mit seinem krefftigen Wort vnd hat gemacht die Reinigung
(20)vnserer Sünd, durch sich selbs hat er sich gesetzt zur Rechten der Maiestet in
der hhe, so vil besser worden dann die Engel, so gar vil ein hhern Namen
er vor jnen ererbt.‘ Dise Zeugnuß zeigen klarlich an, was durch dise art zů
reden (gewalt vber alle Creatur) angezeigt werde. Wie dann Christus selbs
sagt Joan. 1: ‚Der Vatter hat den Son lieb vnd hat jm alles in seine Hnd ge-
(25)geben. Wer jn Son glaubt, der hat das ewig leben.‘ Jtem Matth. vlt. ‚Mir ist
gegeben aller gewalt im Himmel vnd auff Erden.‘“
„Der Articul, der da lehret, das Christus die Welt verlassen, zum Vater auff-
(30)gefaren sey vnnd zů seiner Rechten sitze, hindert den Glauben gar nichts in
dem Articul, das sein Leib vnnd Blůt || [201:] im Abendtmal gegeben werde,
sonder stercket vnd bekrefftigt ja vilmehr, das er desto leichter, ja auch desto
gewisser zů glauben ist. Vnnd zwar, da die Juden Johann. 6 sich verwunder-
ten vnd ergerten vber seine reden, da er jnen sagt, das sie sein Fleisch essen
(5)vnnd sein Blůt trincken muͤssen, weiset er sie selber auff disen Articul von
sitzen zur Rechten, als der da vil schwerer vnd grsser ist zu glauben denn
der von seinem Leib vnd Blůt im Abendtmal, vnd spricht: ‚Ergert euch das?
Wie wann jr denn sehen werdet deß Menschen Son auffahren dahin, da er
vor war?‘ Derhalben, wer den Articul im Abendtmal nicht glaubet, der würdt
(10)den andern vom sitzen zur Rechten gleich noch vil weniger glauben knden.
Dann zur Rechten deß Vatters sitzen ist nichts anders, dann mit dem Vatter
in gleicher Macht vnnd Herrligkeit alle ding allenthalben gleich schaffen,
erhalten, regieren vnd in summa alles das sein, haben, thůn, das der Vatter
selbs ist vnnd hat vnnd thůt, wie Christus selbs sagt Matth. vlt.: ‚Mir ist ge-
(15)ben aller Gewalt in Himmel vnd auff Erden‘ etc. Jtem Ephes. 4: ‚Der hinn-
under gefaren ist, das ist derselb, der auffgefaren ist vber alle Himmel, auff
das er alles erfülle.‘ Denn so man will gwiß vnnd recht verstehn, was da ei-
gentlich das sitzen zur Rechten Gottes sey, můß man zůuor lehrnen, was die
Rechte Gottes an jr selbs sey. Die Rechte Gottes aber ist nicht ein stuck oder
(20)theil von der Gottheit oder von dem Gttlichen Wesen, gleichwie an eines
|| [202:] Menschen Leib die rechte Hand ein stuck vnd sonderlich Glüd333 ist,
sonder wa die Schrifft von der Rechten Gottes oder von Gottes Hand oder
von Gottes Arm redet, da will sie Gottes vnentliche, allenthalben gegenwür-
tige, allmechtige vnnd ewige Macht vnd Gwalt gemeint vnnd verstanden
(25)haben, durch wlchen Gwalt er alles, was im Himmel vnnd auff Erden vnnd
allen Creaturen allenthalben ist, schaffet, erhelt vnd regiert. Wie Esaie am
48. der Herr selbs spricht: ‚Mein Hand hat den Erdboden gegründet vnnd
mein rechte Hand hat den Himmel vmbspannet.‘ Jtem Job am 12.: ‚Frage das
Vühe, das würdt dichs lehren, vnd die Vgel vnder dem Himmel, die werden
(30)dirs sagen, oder rede mit der Erden, die würdt dichs lehren, vnd die Visch im
Meer werdens dir erzelen, wer weißt solches alles nicht, das deß Herren
Hand diß gemacht hat, das in seiner Hand ist die Seele, alles das, das da le-
bet?‘ In summa: Gottes Rechte handt ist sein Allmechtigkeit, die wir im Ar-
ticul vnsers heiligen Glaubens von der Schpffung bekennen, da wir sagen:
(35)‚Jch glaub in Gott, den Vatter, Allmechtigen, schpffer Himmels vnd der
Erden‘, das ist: ich glaub, das Gott durch sein Allmechtige, vnentliche, al-
lenthalben gegenwertige, ewige Macht vnnd Gwalt geschaffen habe im an-
fang Himmel vnd Erden, schaffe noch jmmerdar, erhalt vnnd regiere alle
Creaturen etc. im Himmel, auff Erden, im Meer vnd so weit, hoch vnd tieff
(40)alles, was da ist, sich erstrecken mag. || [203:] Darauß ist dann weitter leicht
vnd gwiß zu verstehn, was sey zur Rechten Gottes sitzen, nmlich nichts
anders, denn mit Gott gleichen, vnentlichen, allenthalben gegenwertigen,
Allmechtigen vnd ewigen Gwalt haben, durch denselbigen alles mit Gott
gleich schaffen vnnd regieren, was im Himmel vnnd auff Erden vnnd allent-
halben in allen Creaturen ist.
(5)Gleicherweiß ist auch leicht vnnd gwiß zu verstehn, was das sey, das Chris-
tus vom Vatter außgegangen vnd in die Welt kommen, widerumb die Welt
verlassen vnd zum Vatter gangen sey. Jtem was das sey, das er vom Himmel
hernider gefaren vnd widerumb auffgefaren, nmlich das es nicht die mei-
nung ist, als das sich Christus von einer Statt zur andern begeben hab vnd
(10)wann er an ein Stett sich begeben, das er die ander gereummet vnnd verlas-
sen hab, gleichwie ein Mensch in eim Hauß auß einem obergemach in ein
vndergemach auff- vnnd absteigt. Oder wie die Vgel vnderm Himmel in der
Lufft jetzt auf eim Bom oder Thurnspitz in aller hhe sitzen oder in der Lufft
vmbher fliegen, bald aber hie vnden auff Erden hupffen. Solche meinung
(15)oder verstand hat es freilich gar nicht mit dem auff vnd nider fahren vnsers
Herrn Christi.de Was hat es denn für ein meinung vnd wie soll es anders zu
verstehn sein? Daruon lehrt S. Paulus Philip. 2, da er sagt: ‚Christus Jesus,
ob er wol in Gttlicher gstalt war, hielt ers nicht für ein Raub, Gott gleich
sein, sonder eussert sich selbs vnd nam Knechtsgestalt an, ward gleich || [204:]
(20)wie ein anderer Mensch vnnd an geberden als ein Mensch erfunden, ernidrigt
sich selbs vnd ward gehorsam biß zum Todt, ja zum Todt am Creutz, darumb
hat jhn auch Gott erhhet vnd hat jm ein Namen geben, der vber alle Namen
ist.‘
Da sichstu ye klrlich, was da sey vom Vatter außgehn, hernider fahren, in
(25)die Welt kommen, als nmlich nicht den Himmel oder einichen ort oder Cre-
atur verlassen vnd raumen, sonder allein die gstalt endern, der Gttlichen
gstalt sich eussern, ernidrigen vnd eines Menschen oder Knechts gestalt
vnnd Geberden an sich nemen, dannoch nichtsdestoweniger zugleich auch
im Himmel sein vnd bleiben, wie er sagt Joh. 3: ‚Niemandt fehrt gehn Him-
(30)mel, dann der vom Himmel hernider gefaren ist, nmlich deß Menschen Son,
der im Himmel ist.‘ Gleicherweiß ist das, das Christus die Welt verlassen,
zum Vatter gangen, auffgefaren gehn Himmel vnnd zur Rechten deß Vatters
gesessen sey, auch nicht auff die meinung geredt noch gemeint, als das er
einen ort oder statt verlassen, sich an ein andere begeben hab, sonder die
(35)Menschengeberden vnnd Knechtsgestalt heisset es ablegen, als da sind: nim-
mer leiden, sterben, sonder leben, herschen, helffen, schaffen, regieren alles
allenthalben im Himmel, Erden vnd allen Creaturen. So ist nun diß die mei-
nung disses Articuls: ‚Christus ist vom Vatter außgangen vnnd in die Welt
kommen‘ etc., das Christus, Gottes Son, wlcher auch menschlich Natur an
(40)sich genommen, der Gttlichen || [205:] gstalt sich ein kleine zeit geeussert
vnnd ernidrigt vnd gar nicht als ein Allmechtiger, sonder als ein ellender,
verlaßner Mensch geberdet, ja als ein verdampter Sünder am Creutz gestor-
ben, begraben vnd zur Hlle gefaren. Derselbige nunmehr wider zum Vatter
gangen, gehn Himmel gefaren vnnd sich zur Gerechten der Maiestet gesetzt,
das ist alle Gewalt vnnd Macht der Sünden vnnd Todts durch sich selbs
(5)vberwunden, vnd ein Herr worden vber alles, das im Himmel, auff Erden
vnd allenthalben ist, vnd auß gleichem Gttlichem Gewalt mit Gott dem Vat-
ter allenthalben gegenwertig ist, alles mit schaffet, erhelt vnd regiert, erhret
die seinen, hilfft jnen, schutzt vnd schirmpt sie. Wa nun diser Articul nach
der H. Schrifft recht verstanden, das ist geglaubt würdt, můß auch die ver-
(10)nunfft selbs bekennen, das er den worten deß Herren im Abendtmal gar mit-
nichten zůwider ist, ja das er dieselben souil desto leichter vnnd gewisser
beide zu verstehn vnnd zu glauben macht. Denn was heißt nach der heiligen
Schrifft: Christus ist gehn Himmel gefaren vnnd sitzt zur Gerechten Gottes
des Vatters? Das heißt es: Christus hat gleichen Gewalt vnd Macht empfan-
(15)gen mit Gott dem Vatter im Himmel, auff Erden vnd allenthalben alles zu
schaffen, erhalten, regieren als ein einiger, warer, Allmechtiger Gott mit dem
Vatter.
So sihe nun darauff, was deß Geists Argument für grund habe vnnd was die
meinung sey, || [206:] wann er also speyt: Christus ist gehn Himmel gfaren
(20)vnd sitzt zur Rechten Gottes, darumb so kan er sein Leib vnd Blůt nicht ge-
ben im Abendtmal. Das ist nach der heiligen Schrifft verstand: Christus ist
Almechtig, mit Gott dem Vatter allenthalben gegenwertig, darumb so kan er
im Abendtmal nicht sein vnd sein Leib vnnd Blůt darinnen nicht geben. Ey,
ein fein Argument ist das: Christus ist Allmechtig, darumb ist er Ohnmech-
(25)tig; Christus ist allenthalben, darumb ist er bey keinem Menschen auff Er-
den. Pfui dich an, du heiloser, verflůchter Lugengeist.
Ja, sagt nun der Geist, Christus nach der Gttlichen Natur ist wol allenthal-
ben, aber nach der menschlichen ist er nicht allenthalben, sonder můß von
noth wegen nur an einem ort oder stett sein. Antwort: Das der Geist solches
(30)bekennt, nmlich das Christus nach der Gttlichen Natur von Ewigkeit al-
lenthalben ist vnd alles erfült, schaffet, erhelt vnd regiert, deß dancken wir
jm gar nichts vnd trotze jm auch, das ers widerspreche. So wissen wirdf auch
Gottlob wol vnd derffen sein Lehrens eben gar nicht. Weil aber Christus sol-
ches alles von wegen seiner Gttlichen Natur von Ewigkeit hat, was ists
(35)dann, das es jm gegebendg würdt, was darff jm der Vatter geben, das er vorhin
von Ewigkeit hat, was darff er jn darzů machen, was er vorhin von Ewigkeit
ist? Weil nun Christus nach seiner Gottheit oder seiner ewigen Gttlichen
Natur gleiche Gttliche Macht vnd Herrligkeit mit dem Vatter von || [207:]
Ewigkeit hat vnd jm nicht allererst gegebendh werden darff, die Schrifft aber
(40)bezeugt, das solch Herrligkeit vnd Macht jm gleichwol auch gegeben sey, so
můß sie jm gwißlich der Natur halben, die solch Herrligkeit von Ewigkeit
nicht gehabt, als nmlich von wegen der menschlichen Natur gegeben sein.
Vnd das solches also sey, bezeugt Dauid Psal. 8, wlcher von Christo sagt:
‚Was ist der Mensch, das du sein gedenckst‘ etc. ‚Du würst jn zů eim Herrndi
(5)machen vber deiner Handt werck, alles hastu vnder seine Fuͤß gethon‘ wie
der Apostel an die Hebr. 2. Cap. zeugt. Derhalben, wie die Rechte Gottes al-
lenthalben im Himmel vnd Erden gegenwertig ist, alles allein schafft, erhelt
vnd regiert vnnd an kein sonderlich ort oder stett mag gebunden werden, also
můß man auch Christum nicht allein nach seiner Ewigen Gttlichen, sonder
(10)auch nach der angenomnen menschlichen Natur, soweit sich die Rechte Got-
tes, das ist sein vnentliche Gttliche Macht vnd Gewalt, erstreckt, auch
gegenwertig sein vnd bleiben lassen, vnnd solt der Geist mit allen seinen
Mitgeistern darvber noch so toll vnd tricht werden. Ist er aber neben vnd
zugleich mit der Rechten Gottes allenthalben gegenwertig, so ist er auch
(15)freylich im Abendtmal, wie die Wort seiner verheissung lautten.“334 Haec
Maenius.dj
Wie derffen denn etlich so vermessen fürgeben, man hab auß disen Articuldk
die gegenwertigkeit deß Leibs vnd Blůts Christi im heiligen Abendtmal nicht
bestetiget, || [208:] sodl dises zů Wittenberg getruckt vnd in D. Luthers Tomo
(20)2dm eingebracht worden?
Andreas Althamerus in conciliationibus scriptura.
„Cui quaeso in coelis Christum ostenditis, Schuuermeri? Cum vbique sit, nulli ligatus loco, iuxta illud Psal. 139: ‚Si ascendero in coelum, tu illic es, si
descendero ad infernum, ades.‘ Et Iher. 23: ‚Ego coelum et terram impleo.‘
(25)Et Matth. 28: ‚Data est mihi omnis potestas in coelo et in terra. Ecce ego vo-
biscum sum.‘ ‚Ego inquam exaltatus et regnans.‘ Philip. 2. Psal. 8: ‚Cui om-
nes potestas in coelo et in terra data est. Vobiscum sum quotidie vsque ad
consumationem seculi.‘ Sic Ephes. 4: ‚Ascendit super omnes coelos, vt ad-
impleret omnia.‘“335 Das ist: „Jr Schwermer, wem zeigt jr Christum im Him-
-
mel, so er doch allenthalben ist vnnd an kein ort gebunden? Wie geschriben
steht Psal. 139: ‚Fahre ich gehn Himmel, so bistu da, bette ich mir in die
Hll, so bistu da‘, vnd Jerem. 23: ‚Jch erfülle Himmel vnd Erden‘ vnd
Matth. 28: ‚Mir ist gegeben aller Gewalt im Himmel vnnd auff Erden. Jch
(5)bin bey euch biß zů end der Welt.‘ ‚Jch sage euch, der ich erhcht bin vnd
regiere‘, Phil. 2. Psal. 8: ‚Dem aller Gewalt im Himmel vnnd auff Erden
gegeben ist, bin bey euch tglich biß zů end der Welt‘. Also Ephess. 4: ‚Er
ist vber alle Himmel gefaren, auff das er alles erfülle.‘“
(10)„Secundo Christus in mundo est a resurrectione, alio tamen modo, forma et
ratione. Regnat enim nunc vbique praesens, exaltatus, glorificatus, iuxta
Psal. 8 et 110. Et Paulus ad Ephes. 1 ‚Suscitauit‘, inquit, ‚eum ex mortuis et
sedere fecit ad dexteram suam‘, etc. De hac altera praesentia ipse loquitur
Matth. 28.“336 Das ist: „Zum andern ist Christus noch in der Welt, doch auff
(15)ein andere weiß, form vnd gestalt, dann er regiert jetzunder allenthalben ge-
genwertig, nachdem er erhcht vnnd verklrt ist, Psal. 8, 110. Vnnd Paulus
an die Ephes. 1: ‚Er hat jn‘ spricht er ‚aufferweckt von den todten vnd ge-
setzt zů seiner Rechten‘, von wlcher gegenwertigkeit er selbs Matth. 28
sagt.“
„Verbum enim seu Filius Dei semper et ab aeterno est in sinu et ad dexteram
Patris, et iam sedet, non vt antea solus Filius, Deus et homo ad dexteram Pat-
ris, iuxta dictum Psal.: ‚Dixit dominus domino meo, sede a dextris meis.‘ Se-
dere autem ad dexteram Patris est cum Patre aequali potentia et maiestate
(25)regnare, esse dominum peccati et iustitiae, mortis et vitae et vniuersae crea-
turae. Sedere enim regnare est, ita iam humana natura exaltata est, etiam sup-
ra angelos, et sublimior coelis facta.“337 || [210:] Das ist: „Dann das Wort oder
der Son Gottes ist allwegen von ewigkeit her in der Schoß vnnd zur Rechten
deß Vatters. Vnnd sitzt jetzt nicht allein wie zuuor der Son Gottes, sonder
(30)Gott vnnd Mensch zur Rechten deß Vatters, wie im Psalmen gesagt: ‚Der
Herr hat gesagt zů meinem Herren: setz dich zů meiner Rechten‘ etc. Sitzen
aber zur Rechten deß Vatters ist mit dem Vatter in gleicher Gwalt vnnd
Macht regieren vnnd ein Herr sein der Sünden, Gerechtigkeit, Todt, Lebens
vnd aller Creaturen. Dann sitzen heißt regieren also, das jetzt die menschlich
(35)Natur erhcht ist vber die Engel vnd hher worden dann der Himmel.“
„Postquam suis Christus mandasset de praedicando euangelio et baptizandis
his, qui in ipsum credituri erant, dicit Marcus ipsum assumptum fuisse in
(5)coelum et sedere ad dextram Patris, quod quo pacto fieri contigerit, Lucas
Act. cap. 1 diligenter describit. Ascendit autem vt victor omnium suorum
hostium, vt quos secum captiuos abduxerit, ne his amplius, qui in eum cre-
dunt, nocere queant. Porro hostes Christi et eorum, qui in eum credunt, sunt
peccatum, mors, diabolus et aeterna damnatio. Hos hostes omnes vicit et
(10)triumphauit de illis palam et trophaeum de || [211:] illis constituit, sicut Paulus
Coloss. 2 dicit: ‚Condonat nobis omnia delicta, delens quod aduersus nos
erat chirographum decreti, quod erat contrarium nobis. Et ipsum tulit de me-
dio, affigens illud cruci et expolians principatus et potestates, traduxit confi-
denter palam illos, triumphans in semetipso.‘ Psal 68: ‚Ascendit in altum,
(15)coepisti captiuitatem, accepisti dona in hominibus.‘ Ephes. 4: ‚Ascendens in
altum, captiuam duxit captiuitatem, dedit dona hominibus.‘ Oportuit sic
Christum de hostibus suis et nostris triumphare, id est se victorem ostendere
peccati, mortis, diaboli et inferni, vt coelitus nobis aduersus illos nostros hos-
tes opitulari posset.
(20)Quid autem est sedere ad dextram Patris? Est aequalem cum Deo Patre habe-
re potentiam, sicut dicit: ‚Data est mihi omnis potestas in coelo et in terra.‘
Matth. 28 et iterum Ioan. 16: ‚Omnia, quaecunque habet Pater, mea sunt.‘
Item Ioan. 5: ‚Amen, amen, dico vobis: non potest Filius a se facere quic-
quam, nisi quod viderit Patrem facientem, quaecunque enim ille fecerit, haec
(25)et Filius similiter facit.‘ Porro per dextram Dei intelligi debere potentiam
diuinam, multi sacrae scripturae loci testantur: Psal. 117: ‚Dextra domini fe-
cit virtutem.‘ Item Psal. 97: ‚Liberauit eum dextra eius et brachium sanctum
eius.‘ Christus igitur, sedens ad dextram Dei Patris sui, sedet in maiestate et
omnipotentia cum Patre, sicut est Heb. 1: ‚Sedet ad dextram maiestatis in
(30)coelis.‘ Matth. 26: ‚A modo videbitis filium hominis sedentem a dextris vir-
tutis Dei.‘
Porro cum dextera Dei significet omnipotentiam Dei, non est imaginandum
dexteram Dei habere locum corporeum, qui ad latus Dei vel infra Deum
|| [212:] situm habeat, ad quem Christus Dei Filius collocatus sit. ‚Vox dextera
(35)non significat locum inferiorem, sed statum aequalitatis, eo quod dextera Dei
non accipiatur hic corporaliter‘, vt Basilius ait libro de Spiritu sancto ad
Amphilochium, cap. 6. Basilius contra Eunomium lib. 1 circa finem: ‚Si Dei
sedes (vt nos quidem credimus) dignitatis nomen est, a dexteris determinata
Filio, sedes Patris quidnam aliud quam dignitatis aequalitatem significat?‘
Basilius lib. de Spiritu sancto: ‚Vox dextera significat aequalitatis statum,
eo quod dextera hic non accipiatur corporaliter.‘ Basilius in Psal. domine
ne in furore etc.: ‚Dextera Dei dicuntur ea, quae per dexteras et bonas virtu-
(5)tes dignis administrata sunt.‘ Nec sunt haec solum de diuinitate Dei Filij
intelligenda, nam diuinitati eius nihil accessit gloriae, nihil ea accepit
augmenti, habuit enim gloriam et claritatem apud Patrem, antequam hic
mundus fieret, Ioan. 17. Sed humanitas augmentum gloriae accepit. Ea
enim euecta est per obedientiam, quam Patri praestitit, in summam sublimi-
(10)tatem. Sicut est ad Phil. 2: ‚Factus est obediens vsque ad mortem. Propter
quod et Deus exaltauit eum et dedit illi nomen, quod est super omne
nomen, vt in nomine Iesu omne genu flectatur.‘ Sic et Basilius Magnus lib.
4 contra Eunomium ait: ‚De humanitate haec intelligenda sunt, non de diui-
nitate.‘ Et Bernhardus Sermone 2 de ascensione Christi: ‚Christus‘ inquit
(15)‚cum per naturam diuinitatis non haberet, quo cresceret vel ascenderet, quia
vltra Deum nihil est, per descensum quomodo cresceret, inuenit veniens
incarnari, pati, mori, ne moreremur in aeternum. Propter quod Deus exal-
tauit il- || [213:] lum, quia resurrexit, ascendit, sedet ad dexteram Dei.‘ Haec
igitur persona, Iesus Christus, quae est Deus et homo, euecta est in sum-
(20)mam sublimitatem et parem cum Deo Patre potentiam habet. Nec est diuel-
lenda persona, vt alteram naturarum omnipotentem, alteram vero nullius
arbitreris potentiae propterea quod vere humana sit. Nec sic credendo eua-
cuantur caro et sanguis in Iesu Christi corpore, nec diffunditur et quantitate
sua immensum redditur. Sed hoc corpus, quod sibi Dei Filius assumpsit
(25)quodque in qualemcunque excreuit magnitudinem, ostenditur maiestatem
habere alijs humanis corporibus, imo et ipsis angelis insolitam. ‚Nulli
autem angelorum Deus dixit: sede ad dexteram meam‘, ad Heb. 1. Non
confundimus naturas: manet enim sua cuique substantia et essentia.
‚Anathema in eum (vt patres in synodo Calcedonensi dixerunt), qui vel
(30)diuidit vel confundit.‘ Ergo postquam Iesus Christus coelum ascendit, et se
ad Patris sui dexteram collocauit.
I. Primo: ‚Omnia sibi subiecta habet‘, et omnia implet in omnibus, omnia-
que sibi retecta et praesentia habet, Ephes. 1 et 4.
II. Secundo: Dat dona hominibus. Quaenam dona? Dat Spiritum sanctum.
(35)Quid ab illo expectandum est? Primo, facit vt sint doctores, qui ecclesiam
doceant. Ephes. 4. Deinde, clarificat Christum, vt simul doctores et audi-
tores in Christum credant. 2. Cor. 1: ‚Qui nos vobiscum confirmat in
Christo, Deus est, qui et vnxit nos et dedit pignus Spiritus in cordibus
nostris.‘
(40) || [214:] III. Tertio: Interpellat pro nobis. Rom. 8, 1. Timo. 2, Ioann. 2.
IIII. Quarto: Defendit ecclesiam et conseruat verbum suum contra diabolum
et tyrannos. Psal. 2 et 110. Actor. 9: ‚Quid me persequeris?‘ Haec Christus
residens ad Patris dexteram ad salutem nostri agit, quod omnibus in eum est
consolabile.“do 339
Joannes Aepinus contra sacramentarios Frisones.
„Christum vbique non solum virtute sua, sed essentia etiam praesentem esse, (5)sacris scripturis confutare non possunt sacramentarij. Filius Dei seu λόγος
factus caro nunquam et nusquam est sine carne vbique est verus et naturalis
homo et nusquam dimidiatus, sed vbique totus. Filius Dei et filius hominis
vnus est Christus, vnaque persona: vbi filius Dei est, ibidem et Mariae filius
est, Iesus Christus, Deus et homo, eodem temporis momento Romae, Hiero-
(10)solymis et in Frisia totus est, non solum potentia, sed Deus et homo vnus
Christus. Qui personam Christi ab aliorum hominum personis aestimant et
includunt eum suis angustijs, non norunt Christum recte nec de diuinae et
humanae eius naturae vnione in eadem persona iuxta analogiam fidei sen-
tiunt.“340
Das ist: „Das Christus nicht allein mit seiner Krafft, sonder auch mit seinem
Wesen allenthalben gegenwertig sey, knden die Sacramentierer mit heili-
(5) || [215:] gen Schrifften nicht vmbstossen. Dann der Son Gottes oder das Wort,
so Fleisch worden, ist nimmer vnnd nürgent ohn das Fleisch, der warhafftig
natürlich Mensch ist allenthalben gantz der Son Gottes vnnd der Son deß
Menschen ist ein Christus vnd ein Person. Wa der Son Gottes ist, da ist auch
Mariae Son, Jesus Christus, Gott vnd Mensch, eben im selbigen augenblick
(10)zů Rom, Hierusalem vnnd in Frießlandt ist er gantz, nicht nur mit seiner
Krafft, sonder Gott vnnd Mensch, ein Christus. Wlche die Person vrtheilen
nach anderer Menschen Personen vnnd halten darfür, er vermg nicht mehr,
dann sie mit jrem verstandt begreiffen mgen, die kennen Christum noch
nicht recht vnd halten nicht von beider, Gttlichen vnd menschlichen Natur
(15)vereinigung in einer Person nach anleittung deß Glaubens.“
Herr Nicolaus Ambßdorff in seinen Propositionibus.
„Recte ab ecclesia papae de illa ipsa prophetatum est, quod papa sit vicarius Christi. Vicarius enim gubernator est domino absente. Absens igitur Chris-
tus, non praesens ecclesiae Romanae. Gubernatur igitur ecclesia Romana per
(20)papam, non per Christum. In Lutheranadp vero ecclesia Christus est praesens
iuxta illud: ‚Vobiscum sum vsque ad consumationem seculi.‘ Et ita est prae-
sens, quod omnia regit et gubernat ipse. Et ideo resurrexit, coelos ascendit et
sedet a || [216:] dextris Dei, vt esset dominus praesens vbique apud omnes,
videns et gubernans omnia.“341 Das ist: „Deß Bapsts Kirchen hat recht von jr
(25)selbs geweißsagt, das der Bapst Christi Statthalter sey. Dann ein Statthalter
regiert in abwesen seines Herren. So ist nun Christus abwesendt vnd nicht
gegenwertig bey der Rmischen Kirchen. Demnach würdt die Rmisch
Kirch durch den Bapst vnnd nicht duch Christum regieret. Aber in der
Lutherischen Kirchen ist Christus gegenwertig nach dem Spruch: ‚Jch bin
bey euch biß zum end der Welt‘ vnd ist also gegenwertig, das er vber alle
ding herrschet vnd regieret. Vnnd eben darumb ist er aufferstanden, gehn
Himmel gefahrn vnd sitzt zur Rechten Gottes, das er, der Herr, gegenwertig
(5)were allenthalben vnd bey allen, sehe vnd regieret alles.“
Coruinus in euangelion ascensionis
anno etc. 37.
„His omnibus transactis ascendit in coelum et sedet a dextris Dei, hoc est assumit nouum regnum, vt perpetuo aequali potentia cum Deo Patre sit do-
minus coeli et terrae, suos conseruet, regat, tueatur et defendat ab omnibus
(10)malis, hoc enim est sedere ad dextram Dei.“342 Das ist: „Nachdem er
(Christus) solches alles verrichtet gehabt, ist er gehn Himmel gefarn vnnd
sitzt zur Rechten Gottes, das ist, er empfacht ein new Reich, das er hinfüro
ewiglich gleichs gewalts || [217:] mit Gott seinem Vatter sey, ein Herr Him-
mels vnnd der Erden, erhalt die seine, regiere, schütze vnnd schürme sie für
(15)allem vbel, dann das heißt sitzen zur Rechten Gottes.“
Vitus Theodorus in der Summari vber die Epistel zun Phil. 2.
„Das S. Paulus hernach sagt, Gott hab jm ein Namen geben vber alle Namen, damit meinet er anders nichts dann die Herrligkeit, in wlcher Christus ist
nach seiner menschlichen Natur, das der Mensch Jesus Christus, der vnser
(20)Fleisch vnd Blůt angenommen hat, jetzund Herr ist vber alles, solches ist der
recht eigentlich verstand“343 etc.
Jdem in einer Predig vber das Fůßwschen.
„Was soll aber das sein, das Johannes weitter sagt: ‚Jesus wuste, das jm der Vatter hat alles in seine Hnd geben vnnd das er vom Vatter kommen war
(25)vnd zů Gott gieng.‘ Das seind treffenliche grosse wort, mit wlchen Johan-
nes vns anzeigen will, mit was Gedancken der Herr Christus sey vmbgangen,
ehe er den Jüngern jetzt wolte die Fuͤß wschen. Das er nicht an sein Leiden
gedacht noch im Geist betruͤbt gewesen, wie bald hernach auff die Fůßwa-
schung volgt, sonder er hab gedacht an sein Herrligkeit, in wlcher er von
(30)ewig- || [218:] keit bey dem Vatter gewesen vnd zů deren er jetzt auch nach sei-
ner Menschheit widerkommen vnd ewig darinnen bleiben solte“344 etc.
Vrbanus Regius in seinem Dialogo von dem Gesprch der zweyen Jünger,
so gehn Emauß
gangen, Fol. 45.
„Jch mein ja, wir mgen jetz sagen: Jmmanuel, Gott ist mit vns, dieweil er so gehn Emauß gangen, Fol. 45.
nicht allein bey vnnd mit vns ist als der Schpffer vnnd Regent bey seinem
(5)Geschpff mit Gnaden, sonder jetzt auch selbs ein Mensch ist, vns zů gůt
vnd ehr, vnd also auff ein sonderliche weiß bey vns ist. Vorzeitten was er
bey seinem Geschpff als ein Gott allein, jetzt ist er bey vns Menschen als
ein Mensch vnd ist ein Gttlicher Mensch vnnd ein menschlicher Gott. Jst
das nicht ein vnaußsprechlicher Trost in aller Triebsal, das ‚Gott also bey
(10)vns ist, wer will dann wider vns sein?‘ als S. Paulus trotzt Rom. 8“345 etc.
„Q. In quod coelum Christus ascendit?
R. Supra omnes coelos, vt omnia impleret.
(15)Q. Quot sunt coeli?R. Duplex coelum esse in confesso, corporeum et spirituale.“
|| [219:] Et paulo post:
„Q. Quod est spirituale coelum?
R. Immortalis status, aeternum gaudium et vita. In eo coelo Deus habitat suis
(20)cum amicis, angelis et electis, etiam illis, qui adhuc in terris degunt.“
Et paulo post.
„Q. Quid vocas dexteram Dei?
R. Aliud nihil nisi Deum ipsum et omnipotentem perfectamque potentiam
Dei.
(25)Q. Estne dextera Dei vbique?
R. Maxime. Enter, praesenter Deus hic et vbique potenter, hoc est Deus est
vbique sua essentia, praesentia ac potentia.
Q. Cum ergo Christus ad dexteram Dei sedeat, quo
pacto poterit adesse in sacramento altaris?
R. Christus habet plures modos essendi in loco, quam alius quispiam homo,
lignum aut lapis. Non enim tantum ad coelos ascendit, verumetiam ad dex-
(5)teram Dei Patris consedit, est ὁμοούσιος, id est consubstantialis Patri atque
omnipotens, eiusdem maiestatis ac gloriae. Si ergo Christus ad dexteram Dei
sedet etiam secundum humanitatem, iam sequitur secundum humanitatem
quoque esse vbique, quemadmodum dextera Dei. Idem ille Christus, qui ex
Maria virgine natus est, qui in cruce mortuus est et resurrexit, qui inquit
(10)Matth. vlt.: ‚Mihi data est omnis potestas in coelo et in terra.‘ Et: ‚Ecce ego
vobiscum sum omnibus diebus vsque ad consumationem saeculi.‘“346
|| [220:] „Frag: Jn wlchen Himmel ist Christus auffgefahren?
Antwort: Vber alle Himmel, auff das er alles erfüllet.
F. Wieuil seind Himmel?
(15)A. Das zweyerley Himmel seyen, das ist offenbar: ein leiblicher vnd ein
Geistlicher.
F. Wlches ist der Geistlich Himmel?
A. Ein vnuergengklich Wesen, ewig Frewd vnnd Leben, da wohnet Gott mit
seinen Freunden, Engeln vnnd Außerwelten, auch denen, die noch auff Er-
(20)den leben.“
Vnd bald hernach.
„F. Was heißt die Rechte Hand Gottes?
A. Nichts anders dann Gott selbs, die Allmechtige, volkomne Macht vnd
Gwalt Gottes.
(25)F. Jst aber die Gerechte Hand Gottes allenthalben?
A. Ja freylich, dann Gott ist hie vnd allenthalben wesentlich mit seiner Krafft
vnnd Macht gegenwertig.
F. Weil dann Christus sitzt zur Rechten Hand Gottes, wie kan er dann im
heiligen Abendtmal gegenwertig sein?
(30)A. Christus kan wol auff andere mehr weiß an ei- || [221:] nem ort gegenwertig
sein dann ein anderer Mensch, Holtz oder Stein, weil er nicht allein gehn
Himmel gefahren ist, sonder hat sich auch gesetzt zur Rechten Gottes,
seines Vatters, eines Wesens mit seim Vatter, Allmechtig, gleicher Maies-
tet vnd Herrligkeit. So denn nun Christus nach seiner Menschheit sitzt zur
Rechten Gottes, so můß volgen, das er auch nach seiner Menschheit allent-
(5)halben sey wie die Gerechte Gottes, vnd eben der Christus, der auß der
Jungkfrawen Maria geborn, am Creutz gestorben, aufferstanden, der da
sagt Matth. am letsten: ‚Mir ist gegeben aller Gewalt im Himmel vnd auff
Erden‘ vnd ‚Sihe, ich bin bey euch alle tag biß zů end der Welt.‘“
„50. Darumb seind dise Wort nicht widereinander: ‚Er sitzt zur rechten
Hand Gottes‘ vnd: ‚Das ist mein Leib‘ etc.
51. Ob es wol vnser Vernunfft nicht begreiffen kan, wie es zůgehe, das
Christus im Nachtmal gegenwertig sey, dieweil er von vns auffgenommen
(15)ist worden, gehn Himmel gefahren vnd nicht mehr bey vns wohnet sicht-
barlich wie zuuor.
52. Dann er nicht schlechts gehn Himmel ist gefahren, wie der Apostel Ge-
schicht anzeigt.
53. Sonder hat sich auch gesetzt zur Rechten Gottes, wie Marcus am lesten
(20)cap. sagt.
|| [222:] 54. Das ist ‚jm ist aller Gewalt gegeben worden im Himmel vnd auff
Erden‘, wie Mattheus solches klarlich außweißt, Matth. 28.
55. Das ist, wie Paulus gar außtruckt Ephes. 1: ‚Er ist gesetzt worden zur
Rechten Gottes im Himmelischen Wesen vber alle Fürstenthumb, Gewalt,
(25)Macht, Herschafft vnnd alles, was genennt mag werden nicht allein in diser
Welt, sonder auch in der zůkünfftigen, vnnd alle ding vnder seine Fuͤß ge-
thon‘ etc.
56. Sitzt er nun zur Rechten Gottes auch nach der Menschheit, wie der 8.
Psalm sagt,
(30)57. so ist er auch allenthalben gegenwertig an allen orten, wie die Rechte
Gottes ist.
58. Nicht, das er auff die begreiffliche, sichtbarliche weiß gegenwertig sey,
wie die Vernunfft jr fürbildet, wann sie von der gegenwertigkeit Christi
hrt sagen,
(35)59. Sonder vnbegreifflicher-, vbernatürlicherweiß, vnd doch der natürlich
Christus.
60. Dann er ist darumb nicht ein anderer Christus, ob er schon ein andere
weiß mit seiner gegenwertigkeit braucht, weder er sonsten sichtbarlicher-,
begreifflicherweiß erzeigt hat vnnd sich erzeigen kan, wann er will, als er am
jüngsten Tag thůn würdt“347 etc.
Sarcerius in Catechismo scripto anno etc. 36 et rursus impresso
anno etc. 42 super
articulo ‚ascendit ad coelos‘.
anno etc. 42 super articulo ‚ascendit ad coelos‘.
(5)„Coelum est vbicunque Deus est; Deus est vbique. Er- || [223:] go coelum non
est ad certum aliquem locum adstringendum. Regnum coelorum et hic et ali-
quoties apud euangelistas ecclesiam significat, in qua regnant pij super prae-
dictos hostes“348 etc. Das ist: „Wo Gott ist, da ist auch der Himmel. Nun ist
Gott allenthalben, so kan man nur vnnd soll den Himmel nicht an ein gewiß
(10)ort binden. Das himmelreich heißt hie vnnd auch offtermals bey den Euange-
listen die Kirchen, in wlcher die Christen herschen vber gemelte Feind“ etc.
D. Erasmus Alberus wider die verflůchte Lehr der Carolstader, geschriben
Anno etc. 53
vnnd hernacher wider getruckt Anno etc. 56.
„Bullinger schreibt, Gottes rechte Hand sey ein sonderlichs ort im Himmel, Anno etc. 53 vnnd hernacher wider getruckt Anno etc. 56.
(15)da Christus sitze. O deß Armen gefangnen Christi, wie lang würdt dem gůt-
ten Man die zeit, weil er stets an einem ort sitzen můß. Wir aber sagen, Got-
tes rechte Hand sey Gottes Allmechtigkeit, ewige Krafft, Sterck, Gewalt,
Macht vnnd Herrschafft. Christus sitzt zur Rechten Gottes, das ist, wie er
sagt Matth. 11 vnd 28, alle ding seind jm vom Vatter vbergeben, jm ist aller
(20)Gewalt geben im Himmel vnnd auff Erden, jtem Johan. 17, Gott hat jm
Macht geben vber alles Fleisch, wa Gott ist, da ist auch sein rechte Handt.
Gott ist allenthalben, darumb ist auch sein Rechte allenthalben. Chri- || [224:]
stus sitzt zur Rechten Gottes, darumb ist er allenthalben, dann zur rechten
Hand Gottes sitzen heißt Allmechtig sein. Darumb ists ein doll Argument
(25)grober Esel, die da sagen: Christus sitzt im Himmel vnnd sitzt zur Rechtendq
Gottes, darumb kan sein Leib vnnd Blůt nicht im Abendtmal sein. Antwort:
Ja das widerspiel folget, nmlich weil Christus zur Rechten Gottes sitzet, so
kan sein Leib vnd Blůt wol im Abendtmal sein. Sesse Christus nicht zur
Rechten Gottes, so kndte sein Leib nicht im Abendtmal sein. Weil er aber
(30)zur Rechten Gottes sitzt, das ist dieweil er Allmechtig ist, regiert vnd her-
schet vber alle Creaturen, so ist nicht allein sein Leib vnnd Blůt im Abendt-
-
mal, sonder er ist auch allenthalben, doch ist er anderst im Abendtmal dann
an andern orten. Im Abendtmal ist er mit Gnaden vnnd vergibt die Sünd de-
nen, die an jn Glauben. Deßgleichen ist er bey vns in der not, wann wir
betten, Predig Gottes Worts hren, vnserm Nchsten gůts thůn vnd vnsers
(5)Berůffs warten. Bey den Gottlosen aber ist er mit Vngnaden als ein zorniger
Richter.“349
D. Joachim Mrlin, Bischoff in Preüssen, in seinen Positionibus.
„64. Etsi igitur verum est carnem Christi in hac persona potentiam habere operandi diuinae,
(10)65. tamen non ideo verum est, diuinam naturam || [225:] propter illam vnio-
nem modo humanas in semetipsam suscepisse infirmitates et passiones, vt
esset ipsa quoque mortalis.
66. Econtra, etsi naturae diuinae nulla vel decessio vel accessio facta est,
67. tamen falsum est carnem Christi post vnitionem nihil habere, quod supe-
(15)ret conditionem et proprietatem humanam.
68. Multo magis hoc falsum est et in Filium Dei summa blasphemia nullam a
diuinitate assumente realem, sed tantum verbalem Idiomatum Communica-
tionem factam esse naturae humanae assumptae.
69. Nisi quod hoc quoque verum est, eum hoc habere non proprietate natu-
(20)rae, vt saepe iam dictum est, sed vnione personae.
70. ‚Quomodo autem haec fiant, nec mente intelligere, nec lingua dicere pos-
sumus, sed silentio atque firma fide id suscipimus.‘ Cyrillus, in Ioannem lib-
ro 4 capite 24.“350
Das ist:
(25)„64. Wiewol nu das war ist, daß das Fleisch Christi in der Person Gwalt hat
zu wircken Gttliche ding,
65. jedoch ist es darumb nicht war, das die Gttliche Natur vmb diser Ver-
einigung willen gleicher gstalt alle menschliche Schwachheit vnd Leiden
auff vnd an sich genommen hab, also das sie auch solt sterblich worden sein.
(30)66. Hinwider aber, obwol der Gttlichen Natur hiedurch nichts ab- oder zů-
gangen,
67. dannoch so ist es nicht war, daß das Fleisch Christi nach der Vereinigung
nichts hab, deren || [226:] ding so vber den Stand vnnd eigenschafft der
menschlichen Natur seyen.
68. Vil aber mehr ist das ohn allen grund der Warheit vnd die hchst Gots-
lsterung wider den Son Gottes, das von der annemenden Gttlichen Natur
der angenomnen menschlichen Natur kein realis Communicatio Idiomatum,
das ist keine mit der That vnnd Warheit mittheilung der Eigenschafften, son-
(5)der allein Verbalis, das ist mit dem blossen Namen widerfahren oder beschehen.
69. Gleichwol ist das auch war, das sie solches nicht hat auß Eigenschafft
jrer (menschlichen) Natur (wie offt gemeldet), sonder auß vnd durch die per-
sonlichen vereinigung.
70. ‚Wie aber das geschehe vnnd zůgehe, knnen wir mit vnser vernunfft
(10)nicht begreiffen oder mit keiner Zungen außsprechen, sonder in der stille vnd
mit festem Glauben nemen wir solches an‘, wie Cyrillus sagt vber Ioannem
lib. 4 cap. 24.“
D. Mathesius dominica secunda aduentus.
„‚Der Herr Jesus můß den Himmel einnemen‘, das ist er můß zur Rechten (15)Gottes an allen orten sitzen vnnd regieren in einem Himmelischen, Geistli-
chen vnd vnsichtigen Wesen, ‚da herwider bracht werd alles.‘“351
|| [227:] Confeßio ecclesiarum Pomeranicarum inserta ordinationi
ecclesiasticae
Pomeranicae, anno 63 Vuittebergae impressa.
„O sacrum conuiuium, in quo Dei Filius Christus dominus crucifixus pascit ecclesiasticae Pomeranicae, anno 63 Vuittebergae impressa.
(20)ecclesiam mirando mysterio, sub pane sacro dans corpus illud suum verum,
quod pependit in crucis ligno, sub vino sacro dans sanguinem suum illum
verum, qui effusus est pro peccatis mundi. Sic adest Christus in coena non
sola gratia, non solo Spiritu, non absens corpore. Sed quia sedet ad dexteram
Patris in coelestibus, implens omnia, vere praesens est, Deus et homo, potens
(25)omnia, verax in verbo suo, cum inquit dicens: ‚Hoc est corpus meum, quod
pro vobis traditur. Accipite, comedite‘, ergo in coena sacratissima corpus do-
mini manducant omnes christiani, digni et indigni. Digni edunt ore et fide ad
vitam aeternam, indigni edunt solo ore sine fide ad mortis iudicium.“352 Das
ist: „O wie ein heilige Malzeit, in wlcher der Son Gottes, Christus der Herr,
(30)für vns gecreütziget, speyset sein Kirchen mit einem wunderbarlichen Ge-
heimnuß, gibt vnder dem gesegneten Brot sein warhafftigen Leib, der für vns
an das Creutz gehenckt, vnder dem gesegneten Wein sein warhafftig Blůt,
wlches vergossen ist für der Welt Sünd. Also ist Christus im heiligen
Abendtmal, nicht nur mit seiner Gnad oder mit seinem Geist, nicht mit sei-
nem Leib abwesendt. Sonder weil er sitzt zur Rechten deß Vatters im Him-
(5)mel vnd er- || [228:] füllet alles, ist er warhafftig gegenwertig als Gott vnd
Mensch, allmechtig, warhafftig in seinem Wort, da er sagt: ‚Das ist mein
Leib, der für euch gegeben würdt, nemet hin vnd essendt.‘ Demnach so es-
sen alle Christen im heiligen Abendtmal den Leib deß Herren, beide die wür-
digen vnd vnwürdigen; die würdigen zwar mit Mund vnnd Glauben zum
(10)ewigen leben, die vnwürdigen aber allein mit dem Mund ohn Glauben zů
dem Gericht des Tods.“
M. Christophorus Vischer, Superintendens der Hennenbergischen Kirchen,
Anno etc. 65
geschriben.
„Dises sollen wir wider die Sacramentschender mercken, wlche Christum Anno etc. 65 geschriben.
(15)in Himmel an ein sonders ort spannen vnd binden, derowegen er seiner ver-
heissung nach nicht im Abendtmal gegenwertig sein knne. Christus ist gehn
Himmel gefahren, das ist er hat sich vnser sichtbarlichen gegenwertigkeit
entzogen, ein Geistlich vnsichtbar Reich in seinem Wort vnd Sacramenten
angefangen vnd sitzt zur Rechten Gottes, das ist er regiert auch seiner
(20)menschlichen Natur nach alle ding mit dem Vatter.
Gott ist ein Geist, hat weder recht noch lincken Hand, erfüllet Himmel vnnd
Erden. Der Himmel kan jn nicht fassen noch begreiffen, der Himmel ist sein
Stůl vnnd die Erde seiner Fuͤß Schemel. Das nun wir bekennen, Christus sit-
ze zur Rech- || [229:] ten hand Gottes, ist gleich souil, als wann wir sagen, er
(25)regiert in gleicher Krafft, Allmacht vnnd Maiestet mit seinem ewigen Vatter,
erfüllet alles vnd ist an kein ort gebunden. Also bestetiget diser Articul von
der Himmelfart Christi vil mehr die ware gegenwertigkeit Christi im Abendt-
mal, denn das sie dieselbige vmbstossen solle, weil dardurch sein Allmacht
vnnd Warheit klarlich dargethon vnd erweiset würdt. Das aber vnsere Wider-
(30)scher, die Sacramentschender, einwenden, das damit dem Herren Christo
die menschliche Natur genommen werde, darzů sagen wir lautter353 nein.
Wir wllen vns den Haupttrost vermittelst Gttlicher hülffe in ewigkeit nicht
nemen lassen. Aber es ist ein grosser vnderschied zwischen vnserer vnd deß
Herren Christi menschlicher Natur. Christus ist von dem heiligen Geist emp-
(35)fangen, ohn Sünd geborn, vnd sein menschliche Natur ist nunmehr verklrt
zur Herrligkeit, erhaben, darzů mit der Gttlichen Natur vnzertrennlich ver-
einiget. Dise Eigenschafft hat mein vnnd dein Leib nicht, darumb billich
Christi menschliche Natur mehr vortheils vnnd grssere Krafft dann vnsere
menschliche Natur hat, kan demnach seinem Wort vnnd verheissung nach
vberal sein, wa er will, dauon jr anderßwa weittleüffiger hret.
Das also die Himmelfart Christi nichts anders ist dann ein Inauguration vnnd
einweihung oder ein offentliche Promotion, da er offentlich Promouiert, in
(5)Standt der Herrschafft Transferiert vnnd versetzt vnnd nach seiner mensch-
lichen || [230:] Natur ein Herr Himmels vnd der Erden würt, das er in der
Krafft Gottes lebt. Er ist durch die Rechte Gottes erhhet vnd vber alle Him-
mel auffgefahren, auff das er alles erfülle, das ist, das er alles in allen dingen
würcke vnnd ohne jn nichts gethon, geredt vnnd gedacht werde. Er ist der
(10)regierende Herr, jm seind vnderthon die Engel vnd die Gwaltigen vnd die
Krefften. Er lebt vnnd regieret als vnser Knig vnd hoher priester.“354
Doctor Simon Museus vber das Euangelium in festo ascensionis.
„Darumb würdt der Herr Christus gerhFmet, das er zů vnserer erhaltung nach seiner Himmelfahrt wie ein trewer regierender vnnd wachender Knig
(15)sich gesetzt hab auff ein solchen herrlichen Stůl, der da heißt dextera Dei
omnipotentis, das ist die rechte Hand Gottes, deß Allmechtigen Vatters,
darauff jn Gott setzet mit den Worten deß 110 Psalmen vnd sagt zů jm in sei-
ner Himmelfahrt: ‚Setze dich zů meiner Rechten, biß ich deine Feindt zum
schemel deiner Fuͤß lege.‘ Das mag doch ye ein seltzamer vnnd vnbegreiff-
(20)licher Stůl heissen. Weltliche Knig haben auch jre Stůl, darauff sie sitzen
vnd Land vnnd Leut regieren, aber es seind ellende vnnd bawfllige Stuͤl, die
da auff Erden stehen vnd strecken sich nicht vber die gantze Erden, sonder
ein jeglicher hat seine Grn- || [231:] tzen, da seine Herrschafft vnnd Gebiet
wendet, stehen auch nicht ewig, sonder felt jmmer einer nach dem andern hin-
(25)weg, wie Maria in jrem Lied singet: ‚Er stosset die Gwaltigen von dem Stůl.‘
Aber der Stůl Christi geht nicht allein vber alle Knig auff Erden, sonder
auch vber alle Engel im Himmel, stracks dem hchsten Gott gleich vnd sich
vber beide Welt, dise vnnd die ander, streckende, darauff er in seiner Him-
melfahrt gesetzt ist. Nicht seiner Gottheit nach, wlche ohn das von
(30)Ewigkeit darauff gesessen vnd niemals dauon gewichen, sonder nach der
Menschheit. Dieselbig ist so hoch erhaben, das sie so weit herschet, als fern
jr Stůl, der da ist die Rechte deß Allmechtigen Gottes, sich erstreckt, nmlich
in Himmel vnnd Erden also, das nichts so tieff, nichts so hoch, nichts so lang
vnd breit ist, da Christus auch nach seiner Menschheit nicht gegenwürtig
(35)sein, würcken vnd helffen kan, wie er will. Wie S. Paulus Ephes. 1 von jhme
rhuͤmet: ‚Gott hat jn gesetzt zů seiner Rechten im Himmel vber alle Fürsten-
-
thumb, Gewalt, Macht, Herrschafft vnnd alles, was genannt mag werden,
nicht allein in diser Welt, sonder auch in der zůkünfftigen, vnnd hat jme alles
vnder seine Fuͤß gethon vnnd hat jhn gesetzt zum Haupt der Gemein vber
alles, wlche da ist sein Leib, nmlich die Fülle deß, der alles in allem
(5)erfüllet.‘ Jtem die Epistel zun Hebreern am 1.: ‚Er hat sich gesetzt zur Rech-
ten der Maiestet in der hhe, souil besser worden dann die Engel, sogar vil
ein hhern Namen er für jnen erworben hat.‘ J- || [232:] tem von dem Son sagt
er: ‚Gott, dein Stůl weret von Ewigkeit zů Ewigkeit, das Scepter deines
Reichs ist ein richtigs Scepter‘“ etc.
(10)Jdem.
„Jtem die Sacramentierer jrren auch, indem sie Christum mit seiner Himmel-(10)Jdem.
fahrt nicht anders als Henoch vnnd Heliam ansehen vnnd dencken, er sey
souil taussendt Meil fern von vns gescheiden auff dem Firmament, das er mit
seiner Menschheit weder im Hochwürdigen Sacrament leiblich sein, noch in
(15)der Glaubigen Hertzen wohnen mge, vnd verleügnen also die Erhhung der
Menschheit Christi zur rechten Handt Gottes vnnd setzen jn von seinem vn-
mßlichen Stůl, der da geht vber Himmel vnnd Erden, wie sanct Paulus
Ephes. 4 sagt, das er ‚auffgefaren‘ sey ‚vber alle Himmel, auff das er alles
erfülle‘.“355
(20)Ministri ecclesiae Hallensis in Saxonia in indice Cinglianorum quorundam
errorum in
dr Catechesi etc.s
„In quaestione, qua ratione copulatae sint duae in Christo naturae, catechitae (20)Ministri ecclesiae Hallensis in Saxonia in indice Cinglianorum quorundam
errorum in dr Catechesi etc.s
plane omittunt exaltationem humanae naturae. Non enim volunt in diuinam
gloriam et celsitudinem assumptam esse carnem Christi. Hoc nihil aliud est
(25)quam negare carnem assumptam esse in Deum. Ita catechitae noui, tantum
vocabulum vnionis personalis retinent, ipsam autem || [233:] vnionem huma-
nae naturae cum Deo, quantum in ipsis est, tollunt et sic de incarnatione Filij
Dei non recte sentiunt. Caeterum de humana Christi natura sentiunt et dicunt,
quod diuinitas eam gestet, sustentet, foueat, quae sunt communia omnium
(30)hominum maxime fidelium. Sic Cingliani Christo homini nihil amplius tribu-
unt quam alijs sanctis. Hic error impius est et blasphemus in Christum.“
Et paulo post.
„In articulo de sessione Christi ad dexteram Patris tacent, quod exaltatio ad regnum et sacerdotium respiciat ad humanam naturam. Diuinitas enim non
exaltatur. De humana autem Christi natura dicunt, quod ea in glorificatione
(5)acceperit dona seu ornamenta seu praerogatiuas prae omnibus creaturis. Sic
humanam naturam assumptam a Filio Dei euehunt quidem supra creaturas,
sed in Deum non euehunt. Inde apparet, quam vilem habeant assumptionem
carnis, quod verbum caro factum, in quo omnes pij sciant esse summum
mysterium religionis christianae et assumptionem credant esse talem, quae
(10)‚Deum faciat hominem et hominem Deum‘, vt Augustinus dicit. Sed hi erro-
res gloriae Christi detrahentes omnes in Cinglianismo continentur“356 etc.
Das ist: „Jn der Frage, wie die beide Naturends in Christo vereiniget, da ge-
dencken diejenigen, so den Catechismum haben lassen außgehen, der erh-
hung der menschlichen Natur gar nicht, dann sie gestehn nicht, daß das
(15)Fleisch Christi auffgenommen vnd erhaben sey in Gttlichedt Ehr vnnd Herr-
ligkeit. Das ist aber nichts anders dann verlaugnen, daß || [234:] das Fleisch in
Gott auffgenommen sey. Darumb diejenigen, so den newen Catechismum
haben lassen außgehn, allein den blossen Namen der persnlichen vereini-
gung behalten, aber im grund heben sie auff die vereinigung der menschli-
(20)chen Natur mit Gott. Derwegen sie von der Menschwerdung deß Sons Gottes
nicht recht halten. Souil aber die menschliche Natur Christi betrifft, halten
vnd sagen sie, das die Gottheit dieselbige trage vnd erhalte, wlches doch die
Gottheit indu allen Menschen, sonderlich aber den Glaubigen thůt, das also die
Zwinglianer dem Menschen Christo nicht mehr geben dann andern heiligen
(25)Menschen. Das aber ist ein Gottloser vnd lsterlicher Jrrthumb wider
Christum.“
Vnd bald hernach.
„Jn dem Articul von dem sitzen Christi zur Rechten Gottes deß Vatters ge-schweygen sie, das die erhhung zum Knigreich vnnd Priesterthumb sich
(30)auff die menschliche Natur erstrecke. Dann es kan ja die Gottheit nicht er-
hcht werden. Aber von der menschlichen Natur Christi sagen sie, das die-
selbig in der verklrung ettlich Gnaden, Gaben vnd vorzug für andern Crea-
turen empfangen hab. Erheben also die Menschliche Natur, vom Son Gottes
angenommen, vber alle Creaturen, aber nicht in Gott. Daher sicht man nu-
-
mehr wol, wie gering sie die Menschwerdung Christi halten vnd daß das
wort Fleisch worden, in wlchem doch alle fromme vnd Gottselige wissen
sollen das hchst Geheimnuß vnserer Christ- || [235:] lichen Religion verborgen
sein vnd sollen sie gwiß halten vnd glauben, das dise annemung vnd vereini-
(5)gung also geschaffen, das sie ‚Gott ein Menschen vnd den Menschen Gott
mache‘, wie Augustinus sagt. Aber dise Jrrthumb alle, dardurch der Ehr vnd
Maiestet Christi vil entzogen vnd benommen würdt, sind in der Zwinglianer
Lehr begriffen.“
Beschluß.
(10)Also hat der Christliche Leser nicht allein vnser, sonder auch viler vnnd der
fürtrefflichsten hocherleuchten Lehrer vnser zeit Bekanntnuß, in dem sie mit
vns vnd wir mit jnen einig, wie solches jr offentliche Schrifften, darauß dise
Zeugnussen genommen, außweisen. Wie wir auch viler vnnd der fürnembs-
ten Kirchen Augspurgischer Confession iudicia vnnd beyfal, so vber das
(15)vberschickt Maulbronnisch Colloquium357 vns zůkommen, vor diser zeit
empfangen vnd derselbigen im Fahl der not zů Zeugnussen der warheit vnnd
Consens auffzůlegen vnnd vns zu gebrauchen haben, darinnen sie mit vns
einhellig lehren von dem heiligen Abendtmal Christi, von personlicher verei-
nigung beider Natur in Christo, von seiner Himmelfahrt vnd sitzen zur Rech-
(20)ten Gottes, wie solches zůforderst in Gottes Wort gegründet vnd mit den
gemeinen Symbolen der alten Vttern vnd Kirchenlehrern vnnd Christlichen
Concilien einhelligem Bekanntnuß erwisen vnd also dargethon, das wir
nichts news in die Kirchen Gottes || [236:] eingefuͤrt, sonder vnsern einfltigen
Christlichen Glauben behalten, da wir nmlich glauben, lehren vnnd beken-
(25)nen, das im heiligen Abendtmal nicht allein Brot vnnd Wein, sonder der war-
hafftig Leib vnnd Blůt vnsers Herrn Jesu Christi warhafftig vnd wesentlich
gegenwertig seyen vnd mit Brot vnd Wein warhafftig außgetheilt vnd emp-
fangen werden von denen, die sich deß Sacraments gebrauchen.
Wir glauben, lehren vnd bekennen auch, das nicht allein die Würdigen vnnd
(30)Rechtglaubigen, sonder auch die Vnwürdigen vnd Vnbůßfertigen solchen
seinen Leib vnnd Blůt empfahen. Dann Christus, Gott vnd Mensch, ist bey
seiner stifftung, vnangesehen der Mensch glaube oder glaub nicht, wlcher
so gegenwertig, mechtig vnd krefftig das Gericht in den Vnbůßfertigen vnd
Vnglaubigen würcket als das Leben in den Bůßfertigen vnnd Rechtglaubi-
(35)gen. Das ist die vngezweyfelt Warheit, darwider die Pforten der Hllen
nichts vermgen. Diser vnser Glaub vnd Bekandtnuß stehet auff dem eini-
gen, klaren, hellen Wort Christi in seinem Testament, da er sagt: „Nemet,
esset, das ist mein Leib. Nemet, trincket, das ist mein Blůt“358 etc. Dise Wort
verstehn wir einfltig wie sie lautten vnnd lassen vns von disem einfltigen
(5)Verstandt der wort Christi nicht abtreiben die Eigenschafften deß warhaffti-
gen Leibs Christi, nach wlcher er leiblicher- vnd natürlicher-, raumlicher
weiß in seinem ersten Abendtmal einem Jünger nher gesessen ist dann dem
andern. Wie vns auch nit hin- || [237:] dert sein warhafftige Himmelfart, wie
dann dise gegenwertigkeit im H. Abendtmal nicht natürlich oder raumlich,
(10)sonder Himmlisch vnd vbernatürlich ist, die in den hellen, klaren worten der
einsatzung Christi gegründet vnd durch die Articul des Glaubens nicht vmb-
gestossen, sonder vilmehr bestehtiget ist. Dann dieselbige zeugen, das Chris-
tus der Herr nicht allein ein Mensch, sonder auch warhafftiger Gott sey,
dessen Menschlich Natur mit dem Son Gottes persnlich vereiniget vnd zur
(15)Rechten der Maiestet vnd Krafft Gottes gesetzt sey, dergstalt er ohn alles
auff- vnnd niderfahren persnlich vns gegenwertig, sein Leib vnnd Blůt auff
weiß vnd weg, die jm allein bekandt, warhafftig mit Brot vnnd Wein auß-
theilen kan, dergstalt der Leib Christi nicht an vil oder allen orten leiblicher-
weiß außgespannen würdt, wie die Zwinglianer dichten vnnd vns flschlich
(20)wider vnser vilfeltige erklrung boßhafftigerweise zůlegen. Dann die weiß
seiner Gegenwart ist nicht raumlich, jrdisch oder natürlich, wie dann auch
die persnlich vereinigung vnd sitzen zur Rechten Gottes nicht raumlich ist,
sonder vbernatürlich, wlches ein Geheimnuß ist, das nicht mit den leibli-
chen Sinnen noch mit der Vernunfft, sonder allein mit dem Glauben kan
(25)begriffen werden.
Also glauben vnnd bekennen wir auch in Christo zwo Naturen, die Gttlich
vnd Menschlich, persnlich vereiniget: Ein einige ewige Gottheit, wider die
Arrianer vnnd Samosatener. Die ander || [238:] Person in der Gottheit, wider
die Sabellianer. Die warhafftige Menschheit, wider die Marcioniten. Ein per-
(30)snliche vereinigung beider Natur in Christo, wider die Nestorianer. Vnder-
schidliche vnd vngleiche Wesen beider Natur, derselben wesentliche
eigenschafften in der Person vnuermischt, wider die Eutychianer vnnd
Schwenckfeldianer. Zwen Willen vnd vnderscheidne, doch vnzertrennte
würckungen beider Naturen in Christo, wider die Monotheliten.
(35)Wir glauben, lehren vnd bekennen auch, obwol ein jede Natur jre Eigen-
schafft habe vnnd behalte, wlche derselben Natur eigen bleiben vnd der
ander Natur nimmer eigen werden, das doch zwischen denselbigen in der
persnlichen vereinigung warhafftige Gemeinschafft sey. Doch nicht natür-
lich, wie zwischen dem Vatter, Son vnd heiligen Geist, deren ein Gottheit ist,
(40)denn zwo vngleiche, vnderschidliche Naturen zůsamen kommen, die nim-
mermehr ein Wesen werden; sonder persnlich, nmlich dergestalt, wie die
Naturen persnlich in Christo vereiniget sind, wlche warhafftige Gemein-
schafft auß derselben persnlichen vereinigung volgt vnd nicht anderst dann
a posteriori, das ist auß dem, so auß solcher vereinigung volget, kan erklrt
werden. Das also nicht allein die blosse Menschheit, sonderdv Gottes Son
(5)warhafftigdw leidet, wie auch nicht allein Gottes, sonder auch deß Menschen
Son, das ist Christus, nicht allein nach seiner Gottheit, sonder auch nach sei-
ner Menschheit regieret, der gantz Christus, Gott || [239:] vnd Mensch, der ein
einige, vnzertrennte Person ist vnd bleibt ewiglich in beiden Naturen.
Dargegen verwerffen vnnd verdammen wir außtruckenlich der Zwinglianer
(10)jrrige, falsche Lehr, die glauben vnnd halten, das im heiligen Abendtmal der
Leib vnnd Blůt Christi nicht warhafftig vnd wesentlich gegenwertig seyen,
sonder allein durch Brot vnnd Wein bedeuttet werde.
Jtem, das den Leib Christi im Abendtmal essen nichts anders heiße, dann an
Christum warhafftig glauben.
(15)Jtem, das kein andere gegenwertigkeit im heiligen Abendtmal zu glauben
sey, dann allein nach seiner Gottheit oder deß heiligen Geists gegenwertig-
keit.
Souil aber die gegenwertigkeit seines Leibs vnnd Blůts belanget, das er bey
vnserm heiligen Abendtmal ebensowenig gegenwertig sey, als er im alten
(20)Testament bey den Patriarchen vnd lieben Vttern gegenwertig gewesen sey.
Da aber ye von einer gegenwertigkeit gesagt werden soll, so lehren sie, das
ein Mensch mit seinem Glauben hinauff in den Himmel steigen soll an das
ort, da der Leib Christi sey, vnd also durch den Glauben denselben Leib erst
gegenwertig muͤssen machen, der doch auff keinerley weyß noch weg für
(25)sich selbs gegenwertig seye.
Dann sie lehren vnd halten, das in der Person Christi die Gttlich vnnd
menschlich Natur in Christo also vereinigt, verknüpfft vnd verbunden || [240:]
seyen, das Christus nach der menschlichen Natur von Gott wol mit Himmli-
schen Gaben vber alle Engel vnnd Menschen geziert seye, aber mit Gottes
(30)Allmechtigkeit vnd Maiestet kein warhafftige Gemeinschafft, sonder allein
die Tittel vnd Namen mit derselbigen gemein habe.
Diese Articul alle zumal verdammen wir als jrrige vnnd vnrecht, der heiligen
Schrifft, den heiligen Lehrern vnnd allgemeinen Concilien, der Augspurgi-
schen Confession, derselben Apologi, Schmalkaldischen Articuln, Catechis-
(35)mo Lutheri, auch aller derselben verwandten Kirchen einhelliger Lehr zu-
wider, dessen wir vns vor Gott vnnd seiner Kirchen offentlich bezeugt haben
wllen, das wir mit erzelten Jrrthumb nichts gemein haben.
Eigendtliche meinung der Zwinglianer vom heiligen Abendtmal.
Dieweil aber die Zwinglianer mit prachtigen Worten fürgeben, als glaubten vnd lehrten sie auch ein warhafftige gegenwertigkeit deß Leibs vnnd Blůts
Christi im heiligen Abendtmal, wie denn ettlich vnuerschambt fürgeben dr-
(5)ffen, es seye kein Zwispalt de praesentia, sonder allein de modo praesentiae,
das ist von der warhafftigen Gegenwart, sonder allein daruon, wie er da seye,
so wllen wir ettlich Zeugnuß der fürnembsten Zwinglianer hie erzlen, da-
rinnen sie sich rund erklren, das sie gar kein warhafftige Gegenwart glau-
ben, vnd vnser darzů spotten, wann wir gedencken, das sies glauben solten;
(10)dann also lautten jre Wort:
„Christus, quatenus homo est, non alibi quam in coelo nec aliter quam mente
ac fidei intelligentia quaerendus est. Quare peruersa et impia superstitio est,
(15)ipsum sub elementis huius mundi includere. Proinde, qui in solennibus coe-
nae verbis: ‚Hoc est corpus meum, hic est sanguis meus‘ praecise, literalem
vt loquuntur sententiam vrgent, eos tanquam praeposteros interpretes repudi-
amus. Nam extra controuersiam ponimus figurate accipienda esse, vt esse
panis et vinum dicuntur id quod significant. Neque enim minus absurdum
(20)iudicamus Christum sub pane, in pane vel cum pane copulare, quam panem
transsubstantiare in corpus eius.“ Et paulo post: „Tametsi enim philosophice
loquendo supra coelos locus non est, quia tamen corpus Christi, vt fert huma-
ni corporis natura et modus, finitum est et coelo vt loco continetur, necesse
est a nobis tanto locorum interuallo distare, quanto coelum abest a terra.“359
(25)Beza in colloquio Passyaceno coram rege, regina matre et primoribus regni
Galliae haec verba a Caluino mutuatus repetijt: „Tanto locorum interuallo
abest corpus Christi a coena, quantum summum coelum distat a terra.“360
Das ist: || [242:] „Christus, so ferdx er ein Mensch ist, ist er nirgendt anderst
dann im Himmel, ist auch nicht anderst dann mit dem Gemuͤt vnnd deß
(30)Glaubens verstandt zu sůchen. Derhalben ist es ein verkerter vnd Gottloser
Aberglaub, wann man jn in die jrrdische Creaturen einschliessen will. Da-
rumb, wlche in den herrlichen Worten der Stifftung deß Nachtmals: ‚Das ist
mein Leib, das ist mein Blůt‘ so genaw auff den Bůchstaben dringen, diesel-
bige verwerffen wir als verkerte Dollmetscher. Dann wir setzens in keinen
Zweiffel, man muͤsse die Wort anderst verstehn, denn wie sie lautten, auff
daß Brot vnd Wein genennt werden, das sie seind. Dann wir haltens nicht
(5)weniger für vngereimpt, das man Christum vnder, in vnnd mit dem Brot ver-
einigen will, als das man sich vnderstehet, das Brot in das Wesen seins Leibs
zů verwandlen.“ Vnd bald hernach: „Dann wiewol auff Philosophische weiß
zů reden vber den Himmeln kein leibliche stett ist, doch weil der Leib Christi
nach art vnnd weiß deß menschlichen Leibs endtlich ist vnd im Himmel als
(10)einem gewissen ort ist vnd behalten würdt, ist von nten, das er so weit an
vnderschidnen ort von vns sey, so weit der Himmel von der Erden ist.“ Beza
in dem Gesprch zů Poyssi vor dem Knig, der Knigin, seiner fraw Můtter
vnnd allen Stnden deß Knigsreichs Franckreichs hat dise wort vom Calui-
no entlehnet vnd widerholet: „Der Leib Christi ist so weit von dem Nacht-
(15)mal, souil || [243:] den ort belangt, als der hchst Himmel von der Erden.“
Petrus Martyr in suo dialogo Tiguri anno 61 impreß. fol. 71.
„Deinde, quid nostris argumentis oportuit oppugnare, corpus Christi vere, realiter et substantialiter (vt vos rotunde seu potius crasse loquimini) in pane
atque in vino adesse, cum id nihil aliud sit, quam humanum figmentum. Nus-
(20)quam enim scripturae id testantur neque Christus id vnquam est pollicitus.“
Et fol. 91: „Interest quidem non tantum diuinitate et Spiritu suo, verumetiam
corpore ac sanguine, praesentia vtique non, vt vos passim crepatis, reali, cor-
porali et substantiali, sed praesentia fidei, quae facit illa esse praesentia,
quaedy ad spiritum et animum credentium, quae locorum spatio maxime dis-
(25)tant.“ Et fol. 59: „Mihi et meis exprobras, quod e coena corpus et sanguinem
Christi conemur eijcere. Calumniaris haec dicendo non doces neque quid
sentias profers. Cum enim vos non lateat, nos monstrosae vestrae praesentiae
in coena corporis et sanguinis Christi non assentiri, cur dicis nos conari id
inde eijcere? Nisi fatui essemus, si conaremur alicunde aliquid eijcere, quod
(30)adesse non putamus. At vicissim tu sic habeto, vos non posse corpus et san-
guinem Christi corporaliter et substantialiter pani ac vino coenae dominicae
coniungere, nisi e coelo illa detraxeritis, quoniam in pluribus locis simul esse
non possunt.“ Et fol. 124: „Vtque || [244:] os illud animi res est non terrena,
sed spiritualis, ita manducatio haec non est propria, sed metaphorica. Vnde
(35)manducare corpus Christi ac eius bibere sanguinem est vere ac efficaciter
credere, illa nostri causa fuisse a Deo in mortem crucis tradita.“361
Das ist: „Darnach, was ist vonnten gewesen mit vnsern beweisungen zu-
wider fechten, das der Leib Christi warhafftig vnd wesentlich (wie jr Luthe-
rischen rund oder vilmehr grob redet) im Brot vnnd Wein da sey, weil sol-
ches nichts anders ist dann ein Menschengedicht? Dann die Schrifft zeuget
(5)solches nirgendt, so hat es auch Christus niemals verheissen.“ Vnd im 91.
blat: „Er ist zwar da nicht allein mit seiner Gottheit vnd seinem Geist, sonder
auch mit seinem Leib vnd Blůt, aber nicht (wie jr für vnd für klappert) mit
wesentlicher leiblicher gegenwertigkeit, sonder des Glaubens, wlcher
machet, das dieselbige (sein Leib vnnd Blůt) gegenwertig sein, souil da be-
(10)langt den Geist vnd Gmuͤt der Gleubigen, wlche doch, souil den vnder-
schied der rter belangt, gar weit von einander sind.“ Vnnd am 96.dz blatt:
„Du hebst mir vnnd meinesgleichen auff, das wir vns vnderstehn, den Leib
vnd Blůt Christi auß dem Nachtmal zu stürmen. Wann du solches sagst, so
verkerstu mein meinung, lehrst vnd sagst nicht, was dein meinung seye.
(15)Dann dieweil euch vnuerborgen, das wir anzeigen, wie wir der meinung von
der gegenwertigkeit deß Leibs vnd Blůts Christi im Nachtmal nicht seyen,
wa- || [245:] rumb sagstu dann, das wir vns vnderstehn, dasselbig darauß zu
stürmen? Weren wir doch groß Narren, wa wir vns vnderstienden ettwas
außzustürmen, wlches wir doch nicht glaubeten, das es gegenwertig seye.
(20)Dargegen aber soltu das mercken, das jr nicht kndet den Leib vnnd Blůt
Christi leiblich vnd wesentlich mit dem Brot vnd Wein deß Nachtmals zu-
samenfuͤgen, es sey dann sach, das jr denselben auß dem Himmel herab zie-
het, dann sie knden nicht zumal an vilen orten sein.“ Vnd am 124. blat:
„Vnd zu gleicher weiß, wie der Mund deß Hertzen nicht ist ein Jrdisch, son-
(25)der Geistlich ding, also ist auch dises nicht eigendtlich vom essen, sonder
verbluͤmbter weiß zu verstehn. Daher essen vnd trincken den Leib vnnd Blůt
Christi heißt warhafftig vnnd krefftiglich glauben, das dise von vnsertwegen
von Gott in Todt deß creutzes geben sind.“
Bullingerus in repetitione anno 64.
(30)„Eadem testatur Christum vna cum sanctis suis in coelo recumbere, sedere,
stare, ambulare et quidem nulla constrictum necessitate, sed pro vt vult
libere.“362
Eodem libello ex catechismo Anglico.
„Si Christi corpus, quod in gloriosa eius ascensione || [246:] nobis sublatum est quodque reliquit mundum et ad Patrem abijt, ori nostro abest etiam cum
sacrosanctum corporis et sanguinis eius sacramentum ore nostro excipimus,
(5)fides tamen nostra versatur in coelis ac intuetur solem illum iustitiae ac prae-
sens praesenti in coelis, haud aliter illi adest ac visus adest corpori solis in
coelis aut sol in terris visui.“363
Das ist: „Eben dieselbig bezeugt, das Christus mit seinen heiligen im Him-
mel zů Tisch sitze, stehe, wandle, doch nicht auß not also verstrickt, sonder
(10)frey wie er will.“
Eben in demselbigen Buͤchlin auß dem Englischen Catechismo.
„Obwol Christi Leib, der in seiner herrlichen Himmelfart von vns hinweg- vnd auffgenommen ist vnd der die Welt verlassen hat vnnd zum Vatter hin-
gangen ist, nicht in vnserm Mund ist, auch da Wir das hochwürdig Sacra-
(15)ment seines Leibs vnd Blůts mit vnserm Mund empfahen, so ist doch vnser
Glaub im Himmel vnnd sihet an die Sonnen der Gerechtigkeit vnnd ist
gegenwertig bey jme im Himmel, nicht anders als das Gesicht ist bey der
Sonnen Leib im Himmel oder die Sonn auff Erden bey vnserm Gesicht.“
Auß disen angezognen Zeugnussen der Zwinglianer vnnd jren eignen worten
(20)sihet der Christlich Leser, das sie nicht allein mit runden, klaren, hellen wor-
ten leugnen die warhafftige gegenwertigkeit deß || [247:] Leibs vnd Blůts
Christi im heiligen Abendtmal vnd darzů vnuerholen sagen, es sey ein ver-
kerter vnd Gottloser Aberglaub, da man bey dem einfeltigen verstand der
Wortten Christi bleibe vnd sie verstehe, wie sie einfltig lautten, sonder des
(25)Teuffels art nach vnser noch darzů spotten, wie Petrus Martyr thůt, da er
schreibt, man thuͤe jhnen vnrecht vnnd wir wissen nicht, was wir schreiben
oder lehren, wann wir sagen, das sie den Leib Christi auß dem Nachtmal
schliessen, so sie doch niemals geglaubt haben, das er gegenwertig sey, dann
es sey ein thorheit, ettwas wllen außstürmen, das sie nicht glauben gegen-
(30)wertig sein.
Darumb es auch nicht vil fragens darff, ob der Vngleubig auch den Leib
Christi im Sacrament empfahe, dann sie halten, das jn die Glaubigen ebenso-
wenig empfahen als die Vnglaubigen, weil er gantz vnd gar nicht da sey mit
seinem Leib, weder bey den Gleubigen noch Vngleubigen. Auch vil mehr ist
(35)solchs zu mercken, wann sie von der erdichten Allenthalbenheit disputieren,
sonderlich aber dise, so nicht Zwinglisch sein wllen vnd fürgeben, das sie
allein die Allenthalbenheit deß Leibs Christi verdammen, sunst aber die war-
hafftige gegenwertigkeit deß Leibs vnnd Blůts Christi im heiligen Abendt-
-
mal glauben. Das es aber nicht jr ernst sey, ist solchergstalt leichtlich zu er-
kundigen. Dann so man sie fragt, ob sie glauben, wann zur sterlicher zeit
das heilig Abendtmal auff einen tag vnd zů einer stund an allen orten der
Christenheit gehalten würdt, das vnderschidlich an ei- || [248:] nem jedem ort
(5)der Leib Christi gegenwertig sey? Sagen sie nein, so befindestu, das sie kein
gegenwertigkeit des Leibs Christi glauben. Sagen sie dann ja, so frag du
weitter, ob es auch ein warhafftiger Leib sein vnd bleiben knne, der dazu-
mal im Himmel vnd, da er gleich nicht in allen, doch an souilen ortten auff
erden gegenwertig seye? Sagen sie ja, so ist offenbar, das alles, was sie wi-
(10)der die von jnen erdichte Allenthalbenheit fürgeben, nichts dann ein lautter
Arglistigkeit vnd boßheit seye, dardurch sie dem Zwinglischen Jrrthumb den
weg also vnderstehn zu bereitten, das es niemandt mercken soll. Dann die
offentliche Zwinglianer sich fein rund erklrt haben, wann knde bewisen
werden, das der Leib Christi zumal in zweyen orten, zumal im Himmel vnnd
(15)auff Erden, nur an einem ort sein knde, so wllen sie von der Allenthalben-
heit nicht ein wort mehr verlieren. Dann kan Christus, zumal im Himmel
vnnd auff Erden, mit seinem Leib an souil tausent ortten sein vnd ein war-
hafftiger Leib bleiben, so kan er auch allenthalben sein auff die weiß, wie
wir dauon gelehrt haben. Dann weder Doctor Luther noch wir haben jemals
(20)dise Allenthalbenheit gelehrt, die sie vns flschlich zůmessen vnnd allein
von jnen erdacht ist, da sie dann nicht wider vns vnnd vnser Lehr, sonder wi-
der jr eigen Gedicht fechten. Sonder wir reden von dem hohen Geheimnuß,
das Gott vnnd Mensch in Christo ein Person ist vnnd Christus nach seiner
menschlicher Natur nicht zů einem Stuck der Rechten Gottes (wlche sich
(25)nicht || [249:] theilen laßt), sonder zur gantzen Gerechten Gottes gesetzt ist,
wlche Rechte Gottes Allmechtige Krafft ist, darein Christus warhafftig vnd
mit der that nach seiner menschlichen Natur gesetzt ist vnnd mit Gott dem
Vatter alles im Himmel vnd auff Erden gegenwertig regieret; nicht die Gott-
heit allein, sonder der gantz Christus, Gott vnnd Mensch, von wlcher Ma-
(30)iestet Christus nach seiner Menschheit nicht nur den Namen vnd Tittel hat,
sonder warhafftig vnnd mit der That besitzet, wie vnser einfeltiger Christli-
cher Glaub außweiset.
Anstatt diser Maiestet dichten die Zwinglianer in allen jren Schrifften vns
auff ein leibliche Allenthalbenheit, nach wlcher der Leib Christi an alle ort
(35)außgespannen vnnd die Gottheit vmbzeinen364 solt, die vns in vnser Hertz
nicht kommen, sonder in allen vnsern Schrifften vilfeltig widersprochen
haben. Wlches allein der vrsach von jnen beschicht, damit sie den
Christlichen Leser wider vnser Lehr verbittern, das er auff jren Jrrthumb
nicht achtung gebe vnnd sich mit worten bezalen laß, als solte es allein vmb
(40)das Gedicht der Vbiquitet oder Allenthalbenheit zu thůn sein, gleich als wer
sonst von der warhafftigen gegenwertigkeit deß Leibs vnd Blůts Christi im
heiligen Abendtmal kein streit mehr. Demnach, wann der Christlich Leser
hinfür in den heimlichen oder offentlichen Zwinglianer Buͤchern lesen würdt
de fictitia omnipraesentia Christi carnis,365 das ist von der erdichten
gegenwertigkeit deß Fleischs Christi an allen orten, das der Leib Christi
(5)nicht mit der Gottheit an alle ort || [250:] außgespannen, deßgleichen auch, das
sein Leib nicht raumlich, natürlich, fleischlich im heiligen Abendtmal
gegenwürtig sey, vnd sollichs mit der heiligen Schrifft, der lieben Vtter
vnnd Concilien Zeugnuß beweisen, soll er wissen, das solches alles gantz
vnnd gar weder vns noch vnser Lehr angehe, die wir von der Maiestet deß
(10)Menschen Christi vnd der warhafftigen Gegenwart seines Leibs vnnd Blůts
im heiligen Abendtmal gefuͤret haben, sonder sie streitten allein wider jr
eigen Gedicht, die vns vnd vnser Kirchen in jren Predigen vnd Schrifften ein
solche grobe vnd fleischliche Meinung wider alles vnser offentlich
Erklrung zůgemessen, auff die Hauptstuck aber weder Doctor Luthern noch
(15)vns niemals geantwurt haben.
Nachdem wir denn nunmehr gnůgsam vnd vberflüssig erwisen, das dise der
Zwinglianer falsche Lehr nicht allein den einfltigen Verstand der Wort
Christi in seinem heiligen Abendtmal verkhere vnd sein Leib dauon auß-
schliesse, sonder auch die Articul vnsers Christlichen Glaubens verflsche,
(20)die Person Christi trenne vnnd Christum, so vil an jnen, nach seiner mensch-
lichen Natur von der Rechten der Maiestet vnnd Allmechtigen Krafft Gottes
absetze, dauon er mehr nicht dann allein den Namen vnnd Tittel, aber kein
warhafftige Gemeinschafft mit derselben haben soll, so werden sich alle
fromme Christen vor derselben wol wissen zu huͤtten vnnd disem Geist nicht
(25)platz geben, wlches nicht der H. Geist der Geist der warheit, sonder ein Lu-
gengeist ist, der nicht allein vns vnsere Wort vnd Reden můtwillig ver-
|| [251:] kheret, sonder auch vnd zůuorderst dem Herrn Christo den Verstandt
seiner einfltigen Wort allein der vrsach verflscht, das menschlicher Ver-
nunfft solches schwer ist zů glauben.
(30)Dabey es auch diser Geist, da jhme Gott vmb der Welt Vndanckbarkeit wil-
len verhengen366 solt, nicht würdt bleiben lassen, sonder noch grewlicher Jrr-
thumb einfuͤhren, wie daroben gnůgsam angezeigt. Dann würdt es diser Geist
so weit bringen, das die Leut sich bereden lassen, die persnlich vereinigung
in Christo seye nichts anders dann ein solche verknüpffung vnd verbindung
(35)der Gttlichen vnd menschlichen Natur, durch wlche die menschlich Natur
allein mit Gaben vber alle Engel vnd Menschen geziert, aber von der Gttli-
chen Natur, Maiestet, Allmechtigkeit, Allwissenheit mehr nicht denn allein
den Namen bekommen vnd kein (realem) warhafftige Gemeinschafft mit
derselben hab, Also das die Gttlich Natur in Christo alles wisse, ein Hert-
-
zenkünder sey, Christus aber als ein Mensch mit seinem Hertzen nicht alles
wisse noch anschawe, das auch der Son Gottes nicht alle Werck seiner All-
mechtigkeit mit vnnd durch die angenomne Menschheit würcke vnnd
dergstalt auch mit jr gemein habe, so kan ers auch leichtlich dahin bringen,
(5)das Christus mit der zeit für ein pur lautter Mensch gehalten vnd seine ewige
Gottheit verleugnet werd. Daruon Doctor Luther vorlangst hat geweißsaget,
dessen Prophecey laider zů vnser Zeit erfüllet ist, das ettliche vnder den
Zwinglianern allbereit offentliche Arrianer worden seind. || [252:] Derhalben,
wem seiner Seelen heil vnnd Seligkeit angelegen ist, der wlle sich warnen
(10)lassen vnd vor disem Geist sich fleissig fürsehen, der nicht im Liecht wan-
delt, sonder im finstern schleucht, die Leut heimlich hindergeht vnd einnimpt
vnd sich so lang druckt vnnd schmuckt, biß er raum vnnd lufft bekompt her-
fürzubrechen vnnd sich zu offenbaren.367
Darmit aber dise vnser Christliche vnd in Gottes Wort gegründte Confession
(15)nit von jemandt dahin gedeuttet oder verstanden werden mge, als solten wir
Christliche rhůwe vnnd einigkeit an vns erwinden lassen, so wllen wir hie
zum Beschluß vns offentlich vor Gott vnnd seiner Kirchen bezeugen, das wir
nichts mehr wünschen, auch von Gott bitten, dann wa immer müglich die
leydige, langwürige, ergerliche vnnd hochschdliche Zwispalt ohne abbruch
(20)der Gttlichen warheit Christlich hingelegt vnnd zů Gottgefelliger Einigkeit
gebracht werden mcht. Darzů wir auch vnsers theils gern helffen vnnd rha-
ten wolten vnd an vns nimmer erwinden solte.
Das wir aber mit den heimlichen oder offentlichen Zwinglianern368 einea
Scheinhandel annemen vnnd zů solcher Einigkeit rhaten oder helffen, die
(25)auff schrauffen,369 das ist auff schlupfferige, zweizüngige, zweiffelhafftige
Wort gesetzt, wlche auff widerwertigen Verstandt gezogen werden mgen
vnd den Zwinglianern die verflschung der Articul vnsers Christlichen Glau-
bens einraumen, darmit sie die Person Christi trennen vnnd Christum || [253:]
nach der menschlichen Natur von der Rechten der Maiestet vnnd Krafft
(30)Gottes absetzen vnnd jm von der Gttlichen Allmechtigkeit nach der
menschlichen Natur mehr nicht, dann allein den Namen vnd Tittel gnnen,
mit der that aber vnd warheit gar nichts, vnd also sein warhafftige Gegen-
wart auff Erden in seinem heiligen Abendtmal leügnen, würdt vns vnsers
verhoffens kein Christ verdencken. Dann wir vmb Frides vnnd Einigkeit
(35)willen vnserm Herrn Christo vnd seiner Kirchen nichts zů vergeben haben,
sonder schuldig sein, seiner Gttlichen Maiestet vnnd Warheit biß in Todt
Zeugnüß zu geben. Da jhnen aber zů einem auffrichtigen Friden vnnd Gott-
gefelliger Einigkeit ernst ist, die nicht fürgenommen werden kan, es seien
dann frey, rundt vnnd hell die Jrrthumb verworffen vnnd verdampt, die der
Gttlichen warheit zuwider, wie sie dann sehen, das wir in diser vnser wider-
holten Bekanntnuß vnsers Glaubens gethon vnnd nicht alleineb mit Namen,
sonder mit deutlicher Erklrung alle die Jrrthumb verworffen vnd verdampt,
(5)die sie vns vnnd vnserer Kirchen vnbillich vnd mit vngrund zugemessen, so
mgen sie dergleichen thůn vnnd die Jrrthumb außtruckenlich verwerffen,
die wir hieuor erzelt vnnd nicht auff sie erdichtet, sonder mit jren eignen
Worten vnd in dem Verstandt, wie sie von jnen gemeint vnd geschriben,
dargethon.
(10)Alßdann m=cht man leichtlich zur Christlichen einigkeit widerumb kommen,
das wir einhellig || [254:] glaubten vnd bekennten, das Christus der Herr, nach
seiner menschlichen Natur mit dem Son Gottes persnlich vereiniget vnd zur
Rechten der Maiestet Gottes gesetzt, persnlich vnd warhafftig nach seiner
Menschheit vmb seiner persnlichen vereinigung willen auff Erden bey vns
(15)ohn alles auff- vnd abfahren warhafftig gegenwertig, vermg seiner Stifftung
vns mit Brot vnd Wein sein Leib vnd ec Blůt außtheiled, den Würdigen vnd
Gleubigen zum Trost vnd Leben, den Vnwürdigen vnd Vngleubigen aber
zum Gericht, auff weise vnd wege, die seiner Gttlichen Maiestet allein be-
wust, von wlchem wir mit keinem Menschen Disputieren noch Zancken
(20)wllen, dann sie ist menschlicher Verstandt vnd der Vernunfft vnbegreiff-
lich, sonder soll vnd můß allein mit dem glauben im Wort Gottes gefasset
sein, der Allmechtig vnd warhafftig ist vnd was er verspricht halten kan vnd
auch gwißlich helt, dem nichts vnmüglich ist.
Da nun vnser Gegentheil, die heimliche vnd offentliche Zwinglianer, sollichs
(25)mit vns auffrichtig vnd redlich, wie Christlichen Lehrern wol anstehet, mit
Mund vnnd Hertz bekennen wllen, so ist der sach durch die Gnad Gottes
schon geholffen vnnd wllen wir vmb Christlicher lieb vnnd Einigkeit willen
jnen gern vor Gott vnd der Welt verzeihen, was vns vnguͤttiglich vnnd mit
vngrundt von jnen ist zůgelegt worden. Wllen sie aber solches nicht thůn,
(30)sonder sich diser vnser Christlichen Augspurgischer Confessionsverwannd-
ten, einhelliger, warhafftigen vnd Gottseligen Bekanntnuß widersetzen,
|| [255:] so wllen wir hiemit vnser entliche Meinung erklret vnd vor der
gantzen Christenheit bezeugt haben, das wir mit jnen nimmermehr einig sein
knnen noch wllen, vnd demnach an disem ergerlichen vnd gantz schdli-
(35)chen Zwispalt, auch an allem vnwiderbringlichem Schaden vnnd verderben,
so beides bey der Kirchen vnnd Policey bißher auß disem Jrrthumb erfolget
vnd noch künfftiglich entstehn mcht, kein Schuldt tragen vnd also nach der
Lehr S. Pauli sie fahren lassen vnd das Vrtheil Gott vnnd seiner Kirchen
heimgesetzt haben.
Correctur.
Die erst Ziffer bedeut das Blatt, die ander die Linien.
Folio 1. Linea 16. für grund liß Band. 3.12. ist außgelassen das wort erwisen. 6.23. eingefiert. 12.10 für art liß an. 13.8. alles. 15.16. er. linea 25. bleibe.
(5)19.14. da. 24.17. gaffet. 32.23 nher. 52.28. zeuget. 54.18. jn frchten.
80.17. Christus. lin. 22. der Leib nicht. 85.28. vber alle ort. 88.13. dann
Christus. 106.2. einiger. 109.16. den. 110.9. eben. 113.12. Monotheliten.
119.10. mit der andern. 152.11. Kemnitium. 170.17. verstand nach. lin. 22.
daß in der Person. 175.27. für jm liß mir. 233.30. Gttliche.
(10) ed Getruckt zů Tübingen bey Vlrich Morharts Wittib
in verlegung Georgen Gruppenbachs. M. D. LXXII.e

