Freitag♀ den 1. ⁄ 11. May: 1646.
heütte ists zehen Jahr, daß Mein Treẅer diener, Tobias Steffeck von Kolodey,
in Meine dienste getretten. Gott wolle vnß noch lange beysammen erhalten,
vndt segenen, durch vnserer hände arbeitt. Amen! Amen! Amen!
Jch habe den Neẅen hofmeister, Meiner Söhne, Simon henrich Schweichhausen,
durch den herren von Schrahtembach, vereyden, annehmen, vndt bestellen laßen.
Gott gebe zu glück vndt segen!
Mein lackay Märtin, ist von Leyden, wol a propos, wiederkommen. J'ay
dèscouvert derechef des menèes secrettes. Dieu vueille confondre les
conseils de mes adversaires, comme d'Achitophel! Jch habe an Ern Doctor Spanheim
wieder geschrieben. Man hat aviß zu Leyden, vndt zu Amsterdam gehabt,
alß ob wir alle im vngewitter auf der Sudersee ertrungken
wehren? Gott lob, daß es nicht wahr ist. Er wolle vnß fer-
ner erhalten, vndt in vnserer feinde willen, nicht gerahten laßen!
J'apprehends quelque malheur derechef, ou pour ma personne
ou pour celle de mes enfans, en nostre fascheuse separation, et diversitè
de nos chemins. Dieu nous vueille benignement garentir de tous in-
convenients, & nous preserver par sa Sainte grace, ne nous abbandon-
nant a pertes, malheurs, & dommages, nj a la mocquerie de nos
ennemis secrets, & ouverts! Ainsy soit il! Amen, Ainsy soit il!
Jch hette den vornehmen prediger, Doctor Crocium, heüttiges Tages, gerne
gehöret, alhier zu Brehmen, habe es aber, wegen v̈berhaüfter ge-
schäffte, einstellen müßen. Er soll vortreffliche gaben haben. perge
Mais aulcüns luy attribuent, quelque levain <d'>Arminius,
ce quj seroit deplorable.
Jn dem ich mit meinen Söhnen, vndt Jungkern, wie auch dem Freyherrn
von Schrahtembach, vndt Schweichhausen, als hofmeister, vndt dem Præceptore
Hanckwitz gefrühestückt, ist der Stadt Sindicus Wachmann,
|| [[Handschrift: 299v]]
wieder zu mir kommen, hat ein par gläser bescheid gethan, vndt Mir im
Nahmen der Stadt valediciret, auch darnach alleine ein par con-
firmationes privilegiorum der Stadt, in Originalj, vorgezeiget,
vndt allerley bericht darneben gethan. Jl m'a aussy confiè,
que l'Empereur auroit donnè üne nouvelle assignation de 4000 Da-
lers, aussy tost aprés la mienne a ün quidam, & le plüs
est, que Sa Majestè Jmperiale mesmes, leur a demandè üne grande
somme d'argent, tout fraischement, dont il me prioit de n'en
faire nülle mention, & par consequent dit il, l'üne assig-
nation aneantit l'autre, & nous n'en pouvons plüs!
Von Meinen hertzliebsten Söhnen, habe ich auch einen Sehn-
lichen, vndt Trawrigen abschied genommen. Erdtmann Gideon,
war noch härter zu bewegen, in dem fall, alß der hertz-
allerliebste kleine Victor Amadeus, welchem das bittere
scheiden, doch gar zu sawer ankahm. Gott wolle sie beyde
gnediglich bewahren, zeitlich, vndt ewig segenen, Sie nim-
mermehr waysen laßen, sondern zu pflantzen der gerechtig-
keit erwachßen, stärgken, kräftigen, vndt gründen.
Köndte ich die gnade von Gott erbitten, mich freẅde
vndt Trost, an ihnen erleben zu laßen, wie glücksehlig
würde ich mich, alßdann, in dieser weltt schätzen?
Ach des Trawrigen, vndt vnanmuhtigen scheidens!
Gott wolle Sie vndt mich, einen ieglichen an seinen orth, wol be-
gleitten, vndt vor allem vnglück, vnfall, vndt feẅrigen
pfeilen des bösewichts, väterlich beschirmen. Mit ihnen,
|| [[Handschrift: 300r]]
zeücht biß an die Niederländischen frontieren, nach B Embden, der liebe fromme
Freyherr Baltzer von Schrahtembach, mir zu ehren, vndt zu gefallen.
Gantz aber zeücht mitt, (wilß Gott) biß nach Leyden, der
neẅe hofmeister, Schweichhausen, ihr kammerdiener hanß Geörge
Horenburgk, vndt der neẅe page Wartemßleben, des Barons
von Schrahtenbachs Stiefsohn. Gott gebe das dieser page, das seinige
wol thun, vndt seinem Sehligen frommen vater, vnserm alten
diener, recht nacharthen möge. Sie gehen zu waßer, auf
Elßvliet, vier meilen von Brehmen, auf der Weser. Von dan-
nen werden sie zu wagen, ihren weg ferrner suchen, wie
mündlich angedeüttet worden.
Jch aber, habe meine drey Jungkern, auch den præcepto-
rem, mit Mir genommen, vndt seindt, in die 22 personen, vndt
18 pferde stargk gewesen, haben ein ansehliches in der herber-
ge, verzehret. An itzo seindt wir schwächer, vndt mich deücht,
die himmlischen heerschahren, die heiligen lieben engel, so vnsere convoy
coniunctim gewesen, vndt virtutem unitam, fortiorem gemacht,
habe sich numehr auch wegen der allerliebsten frommen kinder, etwaß
theilen müßen. Gott wolle ia die himmlische wagenburg,
zu allen Theilen, vmb vnß her, lagern laßen! vndt vnß nie ver-
laßen! Amen! hilf herr Jesu! Amen! Amen!
Jn abzuge hat man zu Brehmen, mit salven, auß Stügken,
vndt Mußkeeten, von den wällen, mir solenniter valediciret.
| Meilenm. | |
| Sechs einspänniger, hat mir, der Raht mitgegeben.
Es ist sehr vnsicher, vndt lieget viel volck im ErtzStifft. Wir seindt, biß nach Langemwedel gezogen <darvon Ferden, zur rechten handt, vnferrne endtlegen.> |
3 |
Alß ich zu Langewedel spatziren gegangen, vndt von außen die Schantze
besehen, auch die Außerwergke darvor, kömbt der capitain hirtt,
ein Schwabe von Eßlingen, an die brügke, invitiret mich in die Schantz,
vndt darnach in sein quartier, tringkt mir zu im bier, vndt
bittet mich alda zu logiren. Jch excusire mich, (nach dem ich 2
mal bescheid gethan,) vndt gehe nach meinem losament. Er folgt
mir, vndt alß ich ihn, zur abendtmahlzeit geladen, haben wir
ihn, (weil er lußt zum Tringken, vndt den ersten May zuvor
mochte begangen haben) in wein gantz voll gesaüfft.
Ein feiner cortesischer Ambtschreiber, vndt ein leütenampt,
haben ihn noch hinweg gebracht, da er nicht mehr stehen
kondte. Er wahr aber sehr Treẅhertzig, vndt voller affection,
zumahl, alß er gehöret, das ich dem hertzog von Wirtem-
berg, verwandt wehre. Er ist auch in OostJndien gewesen,
vndt hat sich hin: vndt wieder wol versucht.
Vnser weg, ist heütte, sehr Sandicht gewesen, vndt
viel Reütter, vom leibregiment, seindt vndterwegens,
hin: vndt wieder, gelegen, vom Königsmargk. Theilß
führten auch handtroß, alß ob sie Sie den pawern
abgenommen hetten, wie dann die pawren, hin: vndt
wieder klagten, gleichwol aber sahe ich die dörfer,
vndt den agkerbaw, in gutem stande. Es gab
auch viel eichbaẅme vndterwegens.
Das hauß, in der Schantze zu Langenweddel, ist fast
gantz abgebrandt, vndt abgetragen, wie auch die Thürne[!].
Samstag♄ den 2. ⁄ 12ten: May: 1646.
| Meilenm. | |
| Von Langewedel, nach Waltzenroda
Dieseß ist lüneburgisch. Wir seindt durch holtz, vndt heyde, in sandwegen, mehrentheilß gekommen. |
4 |
Zu Waltzeroda hat Jacob Ludwig Schwartzenberger vorm
Jahr sein achßelbein, gefährlich zerbrochen. Alhier ist
ein Nonnenkloster, daß hat Fürst Walo, zu Anhaltt,
anno 986 gestiftett, vndt sein bildt ist mit der vnder-
schrifft, in dem kloster, zu sehen, dahin ich vmb der
curiositet willen, gegangen. Es ist eine Domina,
vndt eine Priorin1 darinnen, in allem 13 klosteriungfern,
an itzo. Die kirche, ist noch, in gutem stande, mit vielen götzen,
geziehret. Das dach des klosters aber, vndt die creützgänge,
gehen zimlich ein. hingegen, kaüffen, vndt bawen, eintzelne
klosteriungfern, neẅe haüserlein vor sich, gar artig, vndt
haben auch gärtlein, holtz, vndt weydetriften. Die hertzoge
von Lünenburg aber, haben ihnen vnlengst vor wenig Jahren, alle
ihre klosterintraden ein, vndt vor daß Ampt, gezogen, vndt
geben ihnen, außm Ampt, ihren vndterhalt.
Jcy nous sommes penaulds, ne scachans, de quel costè, nous tourner,
nostre convoy s'en retourne, & on parle de diverses mal-seuretèz,
ne pouvans aussy, acquerir des chevaulx d'attellage au bagage.
Dieu pourvoyra par sa Sainte grace! A luy en sera la gloire.
Jch habe heütte, mit stille liegen, viel zeitt verliehren, gleichwol
aber auch, die pferde in zimlicher hitze, ruhen laßen müßen. Jnn-
deßen, habe ich, allerley memorialn, vndt anstaltt zu machen, mich beflißen,
dann auch mit schlafen, vndt spatziren in die wälder, die Nachtigall singen zu hören,
|| [[Handschrift: 301v]]
| mich delectiret! |
Kein geschöpflein ist so klein, Es preiset Gott, den Schöpfer fein,
Es rühmet Gott, nach seiner arth, wie es von ihm, erschaffen wardt. |
Cantando, Vienj, Vienj<!>, anima mîa. A me; canto non vale,
E non hò, come tu, da volar ale! Oh felice augelletto, Come nel
tuo diletto, Ti ricompensa ben, l'alma Natura; Se ti negò
saver, Ti diè Ventura.2
Gott wolle vnß gnediglich hindurch helfen, so wol, nach Osten,
alß nach Westen, Mir, Meinen Söhnen, vndt allen denen, welche es
Treẅlich, vndt guht, mit Mir, meynen. Amen! Amen! Faxit Deus, Amen!
Sonntag☉ den 3. ⁄ 13den: May: 1646.
| Meilenm. | |
| Von Waltzroda, nacher Zell
vndterwegens, auf eine meile darvon, zu Ostenholt, gefüttert, vndt kalte küche gehalten. |
5 |
Der Allte 71iährige hertzogk Friederich, hat mich gar
gerne gesehen, vndt weil er Altt, Schwach, vndt vnvermögen,
hat er mich, durch seine drey vettern, hertzogk Geörgens sehliger
Söhne, welche an itzo, alhier anwesend, alß: hertzog Geörg
Wilhelm, hertzog Johann Friederich, vndt hertzog Ernst Augustus, an-
nehmen, vndt willkommen heißen laßen, darnach aber, ist er in der
Tafelstube zu mir kommen, vndt hat mit vnß, malzeitt gehalten.
Nach der mahlzeit, (wiewol er mit Mir, gehen, ichs aber nicht
leyden wollen) habe ich ihm, gute Nacht, gegeben, vndt die an-
gestellte Morgende rayse, auf sein bitten, einstellen müßen.
Nota Bene Gott gebe, das mir, diß Stillager, beßer gedeye, vndt gelinge
als das gefährliche, vndt außgespähete Stillager, anno: 1636
zu Weymar, darüber ich geplündert worden.
Mon coeur, m'est fort troublè, soit pour moy, soit pour mes enfans,
mais ie ne peux eviter, ce que le destin m'ordonne. Dieu vueille
benignement divertir par sa grace, les fatales destinèes!
C'est üne pitiè de ces gens icy! quj boyvent comme des Templiers.
Jl y a üne vingtaine de gentilshommes icy, que m'ont aydè,
a recevoir hier, gens de bonne mine, mais qui sont obligèz,
de se tüer, a peu prés, par le vilain boire, & par cest bestialitè.
Les Princes, s'èspargnent, & monstrent de detester ce vice,
dont ie me suis fort consolè, & résiouy. Dieu les vueille con-
firmer, en cest bonne resolütion, & intention!
Montag☽ den 4. ⁄ 14. May: 1646.
Man sagt viel, von der Königsmargkischen marche. Jch
dengke, wir kommen recht mitten vndter sie. Gott ver-
hüte alleß v̈bel, vndt daß ich meine lust, an Gottes gna-
de, nicht aber meine feinde ihren willen, an mir, voll-
bracht, sehen mögen! Le malheur doibt estre, nostre Medecin!
Die beyden Jüngeren herren, seindt verrayset, nacher
Brehmen, vndt vielleicht nach Hollandt zu. Jls ont fort
demandè de la seurtè des chemins, & nous avons veu
charger quelques petits coffres, fort pesants, sans doute
d'argent, puis que 4 ou 5 hommes, les portoyent avec
peine, & difficultè, & c'estoyent dés coffrets, qu'on eust
peu lever d'üne main, a les voir. Ils craignent les dangers.
Ein <heßen> darmstädtischer gesandter, ist auch alhier, Doctor Tilsner, ist auch alhier,
wie auch einer, von der alten hertzogin, hertzog Geörgens wittwe, welche
numehr zu Flensburgk, bey ihrer Fraw Tochter ist, in deren Sechs wochen. perge
Nachmittags bin ich mit dem Großvogt Grodt, vndt vielen andern vom
Adeln, vmb den wall herumb alhier zu Zell gegangen. Es hat diß
feste hauß, vier Rundeel, vndt einen feinen wall. Zweene von
den Rundeelen seindt bedegkt, mit runden dächern, nach der
Stadt zu. Es hat auch eine contrescarpe, v̈ber dem graben. Die wälle
seindt mit Stügken, wol versehen, vndt theilß halbe cartaunen
in guter quantitet darundter. Man sagt, es sollen in allem,
in die 50 Stügke, alhier, auf den wällen, vndt rundeelen,
stehen, welches viel ist, vor ein solches festes hauß. Die Stadt, ist
auch feste, mit wällen, bollwergken, vndt Ravelinen versehen. Es hat
auch außerwergke, die Thor zu verwahren.
Jch halte diß Schloß, mehr vor eine feste Schantze, alß vor eine
festung, die Rundeel, seindt altvätterisch gebawet, mit case-
matten, iedoch sehr stargk, vndt der wall ist digke. Die gräben,
seindt tieff von waßer, vndt breitt. Man reparirt aber viel,
vndt ein ingenieur war darbey, welcher zimlich voll vndt
Naseweiß wahr, allerley zu wißen, vndt zu verbeßern, in vielen
dingen, contre rayson. Er heißt: Johann Frjederich Bergk.
Darnach haben wir, jm Schloß, einen Alten Sahl, vndt vjel
gemälde darinnen, wie auch den weinkeller, besjchtiget.
Diesen abendt, vor der mahlzeitt, habe ich den alten hertzogk in
seiner stube besucht, vndt weil wir baldt hernacher, zum eßen
gegangen, darbey sich auch der iunge hertzog Geörg wilhelm ge-
funden, nebenst etzlichen Officirern, hat es v̈ber der Tafel
also seyende, redende, vndt tringkende, erschregklich ange-
fangen zu wetterleüchten, baldt darauf zu donnern,
|| [[Handschrift: 303r]]
da es dann <vndter andern> einen erschregklichen stargken Schlag, wie auß
einem Stügke, gethan, das ich selbst nicht anders vermeinet, alß
es wehre eines, auf dem wall, gelöset worden, vndt hat auch
stargk geregenet, Dieu vueille que ce coup, ne m'apporte ün
coup füneste! Fata possunt præviderj; non evitarj!
Zu abends, nach gehaltener Tafel, mit den beyden hertzogen,
haben sie mich an mein losament, begleittet, der alte seinen
abscheid genommen, der iunge herr aber, noch lange mit
Mir, im gemach discouriret, darbey mir dann ein greẅel
gewesen, das die gläser, vndt Flaschen, immer nachgetragen,
vndt geholet worden, welches Meinen drey Junckern, v̈ber
welche wol 16 vndt mehr andere, hehr gewesen, v̈bel
zu statten gekommen. Gott vergebe vnß, vnsere eigene,
vndt veranlaßete Sünden, vndt beßere vnser leben.
Jch habe auch etzlichen, so mir gesundtheitten, oder anders
gebracht, bescheidt gethan. Mais i'ay beu de lu l'eau.
Der Junge hertzog, that dergleichen, vndt haßet den Trungk. perge
Also haben wir endtlich einander valediciret.
Dienstag♂ den 5. ⁄ 15. May: 1646.
J'ay escrit au Düc Christian Louys, a Hanover. perge
Diesen Morgen getraẅmet, wie viel prediger auß vndter-
schiedenen landen, wehren an zweyen, oder dreyen Tafeln,
versamlet gewesen, das valete zu eßen. Mein herrvater
Sehliger vndt ich, neben Fürst Johann Casimir, vndt andern Fürsten,
wehren auch mitt, vndter ihnen geseßen, vndt man hette
|| [[Handschrift: 303v]]
Nota Bene viel von collecten geredet, vndt wie ich solche befördert <vndt guts gethan> hette? Es
hetten es auch viel pfarrer auß frembden landen, vndter daß
register, der collecten, vndterschrieben, vndt hetten sich auch
prediger von den Spannischen gräntzen, Jtem: auß Schweden,
Polen, vndt andern landen, mit meiner großen verwunde-
rung, von der reformierten religion darbey befunden. Mein
herrvatter sehliger hette oft inculciret: Cupio dissolvj,
Nota Bene & esse cum Christo. etcetera3 Endlich wehre man herrvetter Fürst
Rudolphs sehliger zu rede worden, da hette ich gesagt: herrvetter
wehre sehr geschwinde gestorben. Darauf hette sich
herrvater sehliger erzörnet, sagende: Mein bruder, ist
nicht zubaldt, sondern, gar zu rechter zeitt, vndt sehr
wol gestorben, vndt vor vielem vnglück, weggenommen
worden. hat ein schönes sehliges vernünftiges ende genommen.
Nota Bene Ein ieder thue deßgleichen, vndt darbey repetirt,
das cupio dissolvj, so ein ieder sagen, vndt begehren,
nicht lange in miseria zu leben, wüntzschen sollte!
Darüber wachte ich auf. Dieu vueille, que mes
pensèes, que j'ay la dessüs, me puissent tromper.
Astra inclinant; non necessitant!4 Sed
ingens telum est Necessitas!
Sol mein weg sicher sein, vndt wol abgehen? Wirdt es ein
großes glück sein, vndt ich würde es Gott alleine, viel
|| [[Handschrift: 304r]]
mehr, alß der Sicherheitt, liederlichkeit vndt großer vnachtsamkeit,
Meiner vnerfahrnen, thumbkühnen leüttlein, zu dangken haben.
Ach herr, gedengke nicht der Sünden Meiner Jugendt, vndt
Meiner v̈bertrettung, gedengke aber Meiner, nach deiner
großen Barmhertzigkeit, vmb deiner gühte willen! Nimb
dich Meiner, vndt meiner armen kinder, in gnaden an, vndt
Erbarme dich vnser. herr erbarm dich vnser, vndt hilff
vnß kräftiglich, behüte vnß vor Mordt, Meücheley, vndt
v̈berfall, auch heimlichen verrähterey, vmb Christj willen,
herr erbarme dich vnser, Amen! hilf herr Jesu, Amen, Amen!
| Meilenm. | |
| Nach genommenem abschied, von dem Marschalck vndt Jungkern,
bin ich in Gottes Nahmen fortgezogen, mit Meinem comitat, von Zelle nacher Braunschweig vndterwegens, zu Meinerßen, einem Ampt des hertzogs von Zelle, kalte küche gehalten, vndt gefüttert. |
6 |
Der sandtweg ist gut gewesen wegen des regens.
Jm holtze, hat man sich vor parthien befahret. Es hat
aber Gott lob, biß dato, keine Noht gehabt. Vndt
wir haben schön getreydig vndterwegens, wie auch
viel herden viehes, gesehen, also: daß der krieg, diese
länder, noch zjmblich verschonet, Gott lob.
Zu Braunschweig, habe ich bleiben müßen, weil es zu
spähte werden wollen, nacher Wolfenbüttel, zu kommen, dahin ich
sonsten intentioniret wahr, zu raysen, auch grüße von Zelle,
mitgenommen hatte. Die vorspann aber, ist nur, biß nacher Braunschweig,
bestellet gewesen, vndt die convoy, vier Reütter.
Mittwoch☿ den 6. ⁄ 16den: May: 1646.
Braunschweig ist eine große Stadt, vndt in die 2 stunden im
vmbkreiß zu gehen. Der Raht alhier, hat mich außquittiret
auch biß nacher Schöningen, mit vorspann, vndt guter convoy von
12 mußcketirern, versehen, weil es das erste mahl ist, das
ich anhero gekommen, nach dem ich sie zu gevattern, gebehten.
Alß ich nun aufgebrochen, vndt zur stadt hinauß gewesen,
seindt wir auf den steinernen Thamb5, gekommen, vndt weil
die geleiße zu weitt, ist vnß ein neẅes rad an der kutzsche
im felde zerbrochen, baldt darnach gleichsfalß an der Calesche,
also: das es geschienen, wir solten heütte, weder stern, noch
glück haben, vndt an stadt der Calesche, hat ein ander wagen,
auß Braunschweig müßen geholet werden, hingegen die Calesche wieder
hinein geschickt, vndt das kutzschenrad, hat auch müßen ver-
endert werden, nicht ohne verdrießlichen verzug, vndt auffent-
halt, welche zween geschwinde fälle auf einander, mir
nichts gutes ominiret, vndt zeigten mir fast, alß hette
ich sollen wieder einen andern weg gehen. Gott hat
vnß doch väterlich geleittet, vndt gnedig fortgeholfen, wie-
wol viel parthien, von den Arendtsen, vndt Pensischen
Regimentern, vndterwegens, gesehen worden.
Zu Scheppenstedt, drey meilen von Braunschweig,
lag auch Reütterey von den Schwedischen, vndt lünen-
burgischen völckern, als wir durchzogen.
Zu Schöningen, (welches 2 Meilenm. von Schöppenstedt, d fünf meilen
weges aber, von Braunschweig gelegen) bin ich gar willkomb gewe-
sen, vndt es hat mir die hertzoginn, ihren Schloßhaüptmann, Wilden-
stain, zu pferde, entgegen geschigkt.
Jch bin an diesem orth, sehr wol logiret, vndt tractiret worden,
Die hertzoginn, Anna Sophia, geborne auß Churfürstlichen hause Bran-
denburgk, meine alte bekandte, hat mich in ihrem losament
gerne gesehen, mit mir sehr vernünftig conversiret, vndt
den Schwedischen Obersten Arendtsen, auch zu sich kommen laßen.
Wiewol sie einen bösen schengkel hat, vndt sich führen
laßen muß, so ist sie doch zur mahlzeitt gekommen, vndt
hat mir die Oberstelle gegeben, auch in dißcurßen sich
gewaltig hören laßen, sonderlich gegen Arendtsen,
welcher ein deützscher außm Ertzstift Brehmen, mir wol
bekandt, vndt Eisembergers Oberster leütenampt, vor
diesem, zu Bernburgk, alß einquartiret daselbst gewesen.
Jl estoit fort discret, & de bon entretien, mais quj sca-
voit bien deffendre son party, et leur cause. Man hat
stargk v̈ber der Tafel getrungken, vmb des Obersten willen,
mais i'ay beu de l'eau cuitte.
Nach der mahlzeitt, hat mich, die hertzoginn, in ihr zimmer
mittgenommen, vndt erst alleine mit Mir gespraachet, darnach
aber den Obersten Arendtßen auch laßen hinein kommen, guten
willen, bey ihme zu erhalten, vndt es hat mancherley discours
gegeben. Darnach ist man voneinander gescheiden, vndt der Oberste sich licentiiret.
Donnerstag♃ den 7. ⁄ 17den: May: 1646. himmelfahrtsTag.
Der Oberste ist gestern abendt, noch verrayset, weil er diesen
Morgen, aufzubrechen, gedengket, auß seinen quartiren,
zu Königslutter, vndt selbigen gegenden. Jl demande
dü Düc Augüste de Braunschweig 12000 Dalers, autrement il ne veut
pas quitter son pays, y estant assignè.
Am heüttigen fest, haben wir in der Schloßcappelle
predigt gehöret, <darbey eine sehr Stadtliche musica> vndt es seindt theilß gute, theilß
erroneæ opiniones, auf die bahne, gekommen. Jedoch
befinde ich die herztogin, voller vernunft, moderation,
vndt æquanimitet, vndt welche viel vom Doctor Calixto
helt, die reformirten, keines weges verdammet, Meiner
Söhne rayse nach Leyden, per totum approbiret, vndt
die vorseyende seltzame intention, nacher Sora, vndt
Nordtlandt, mit vielen vmbständen, verwirft, vndt
dissuadiret, auch in etzlichen puncten, mit vnß, eines ist. Sie ist
gewißlich eine vortrefliche princesßin, von gutem iudicio,
großer wißenschaft, exemplarischer regierung, in ih-
rem wandel vndt Staadt, von herrlichen vernünftigen
discurßen, vndt von v̈bergewöhnlichen gaben, alle kriegs-
officirer, vndt andere leütte, (derer hülfe sie bedarff)
zu gewinnen, vndt an sich zu ziehen, das sie es manchen
weysen herren, vndt klugen Regenten, zuvor thut. Gott
|| [[Handschrift: 306r]]
wolle sie, ihren armen vndterthanen, vndt vielen bedrangten
zu trost, noch lange floriren laßen, vndt sie lange erhalten.
Dann dieser orth Schöningen, ein asylum, vndt refugium ist
vieles landtadelß vndt anderer, so daß ihrige hieher in sicherheit
flehen, vndt salviren.<Nota Bene[:]> <Die hertzogin haßet den vnzeittigen, vndt vnverstendigen eyver, in glaubenssachen.>
Jch habe fast den gantzen <Nachmit>Tag mit conversiren zugebracht mit
der hertzogin, an der ich mich nicht müde hören können, vndt ich halte
sie, neben der Landgrävin zu Caßel, vndt der Princeßin von
Vranien, vor die drey mirabilia muliebria, so ich auf
dieser rayse vor andern, excellirende gesehen.
Elle m'a confiè beaucoup de choses, que ie ne veux
mettre sür ce pappier, a cause de quelques considerations,
et que ie redoute ce coup füneste, peut estre en ün lieu
la ou ie le devrois attendre le moins. Dieu vueille
confondre les conseils, de mes adversaires!
A Sora l'on est mal traittè, si on n'y despend
de l'argent propre. Le Roy de Danemark est chiche, & maintenant
necessiteux, ayant de la peine, a nourrir ses propres
enfans. Mesme le fils de Berndt Geest, y a estè mal
traittè nonobstant la promesse royalle autrement,
& la mere l'a fait retirer de là, pour cela, y ayant
trop estè contraint de faire dés fraix de la bource propre.
La Düchesse tient, que c'est üne grande fortüne, que je puis
comme pour neant, avoir mes enfans á Leyden, puis que l'argent
d'Hollande, m'est comme donnè. <et contre ma propre esperance. et cetera>
Etzliche gemächer, vndt gemälde alhier im hause Schöningen,
habe ich auch vor die lange weile besehen.
Ein schönes Freẅlein, hertzog Philips von Hollstein Tochter
Sophia, ist auch alhier, bey der hertzogjnn, vndt ist erst
14 iahr altt, sehr lang aufgeschoßen.
Der hertzoginn Marschalck, Kandtstein, ist auch an itzo hier.
Jtem, ein Streitthorßt, ein heim, vndt ein alter <71iähriger> Marwitz,
neben einem Kjßleben, vndt vorgedachtem Schloßhaüptmann,
Wildenstain.
Die hertzoginn, hat auch mit Mir, im Schach gespiehlet.
Man gibt alhier zu Schöningen, stargk auß, wie auch zu
Zelle geschehen, ich würde bestallung von den venezianern,
wieder den Türgken annehmen, inmaßen sich dann
Trompter, vndt andere leütte schon anpræsentiren,
da doch nichts dergleichen geschehen.
Freitag♀ den 8. ⁄ 18den: May: 1646.
Von Schöningen, abgezogen, vndt bin von dem haüptmann,
vndt noch einem vom Adel, ein stügk weges, begleittet worden.
Sonst habe ich vorspann vorm pagkwagen, vndt einen wachtmeister
mit 6 Reüttern zur convoy biß nach Ballenstedt, mitbekommen,
vndt ist mir zu Schöningen, aller guter wille begegnet. Gott
vergelte alles gute, vndt alle höfliche willfahrungen.
| Meilenm. | |
| Von Schöningen auf Odeleben, da die von Bayern ist
Sie ließe mir sagen, Meine gemahlin, wehre zu Ballenstedt. |
1 |
| Von dannen nach Oscherßleben
allda, alß einer wegscheidung, habe ich mich resolvirt, nacher Ballenstedt, zu gehen, weil alle meine leütte, dahin inclinirten, Mein hertz mich aber, nach Bernburg viel mehr trug. |
1 |
| Also von Oscherßleben, nacher Grüningen <per GroßenAlsleben.>
alda kalte küche gehalten, vndt den haüptmann, Daniel von Rindtorf, (meines Abrahams bruder) bey mir gehabt, welcher mir allerley erzehlet, auch von der venezianischen bestallung, vndt das ich solte, 300 ReichsthalerRthlr: auf einen Reütter bekommen haben, Jtem: daß einer, auf solche Anhaltische bestallung, 25 gute kerll, zusammen gebracht, welche vermeint, man würde sie mir zuführen, vndt wieder den Türgken, gebrauchen, So hette aber selbiger leütenampt sie dem Schweden zugeführet, vndt vnrecht verstanden. |
1 |
|
Caspar von Rindtorf (ein ander bruder) hat mir
auch zugesprochen, bey den pferden convoyirende im felde, vndt vnß warnende, vor einer partie von 30 Reüttern, so vorüber kurtz vor vnß passirt gewesen. Von Grüningen, nacher Ballenstedt alda ich niemandt gefunden, von der hofstadt, weil diesel- be am Mittwoch☿ verrügkt worden, nacher Bernburgk. Der || [[Handschrift: 307v]] Amptmann, Märtin Schmidt aber, hat sich præsentirt, vndt Mir den statum, in publicis, & Oeconomicis, kürtzlich referiret, sonderlich auch, wie das geschrey so groß wehre, von Meiner an- genommenen venezianischen bestallung, also: daß viel officirer darauf wartten, vndt sich angeben solten, zu Bernburgk. Nun weiß ich aber nichts darvon, solte billich daß meiste darvon wißen. <Tous les sages, de ceste Principautè, approuvent la resolütion d'avoir laissè mes fils, á Leyden, y apprendre, & proffiter. perge> |
3 |
Chur Brandeburg dörfte mit Schweden, wegen Pommern, zerfallen,
Es soll vor Chur Brandenburg vndt vor den Ertzbischof von Brehmen, in Denne-
margk geworben werden. Polen, vndt Moßkaw, offeriren
dem Churfürsten, assistentz, vndt stargke hülfen. Die
tractaten zu Münster vndt Osnabrück meinet man, sollen gegen Trinitatis,
zum schluß kommen, wiewol sich noch viel difficulteten ereignen.
höxter soll in der Schweden handen sein, wie auch Lemgow.
An itzo liegen sie vor Paderborn.
Es hat heütte stargk geregenet, vndt alhier im Ballenstedtischen
vndt Padebornischen, große schloßen geworfen, auch etwaß
dem getreydig schaden gethan. Gott wolle vor ferrnerem
vnheyl, gnediglich bewahren!
Samstag♄ den 9. ⁄ 19den: May: 1646.
Es ist diesen Morgen, alhier zu Ballenstedt, ein sehr digker Nebel,
windt, vndt vngestümb, also daß sich auf der rayse, vor den parthien,
will vorzusehen sein! Gott wolle vnß, durch seine heilige
Engel väterlich, wie bißhero, also auch zum ende, geleitten!
vndt auch vnsere kinder, in diesem, so wol als frembden landen, vor vnglück
|| [[Handschrift: 308r]]
gnediglich bewahren, vnß allerseitß, beschützen, vndt beschirmen!!!
| Meilenm. | |
| Von Ballenstedt nacher Bernburgk
allda ich Meine freundliche herzlieb(st)e gemahlin, kinder, vndt schwestern, Gott seye lob, ehr, vndt dangk, in gutem zustandt gefunden. Dem lieben frommen Gott, seye preiß, vndt immerwehrender dangk gesagt, vor seine gnaden- reiche gühte. Er wolle ferrner, vnser Schutz, Schirm, vndt großer lohn sein, vndt sein wergk, in vnß kräftiglich vollführen, durch Christum, Amen! |
5 |
Alhier zu Bernburgk, ist lamentirens genung,
von vorigen vngelegenheitten, gleichwol aber
auch, dem lieben Gott, vor itzige erträglichkeitt,
dennoch zu dangken.
Man gibt alhier stargk vor, ich seye schon General bey den
venezianern wieder den Türgken, worden, vndt hette 100000
ReichsthalerRthlr: allein auf meinen leib, bekommen. Viel officirer
haben sich albereitt, bey meinen leütten vndt hindterlaßenen
rähten, angemeldet, mir volck zuzuführen, vndt alles
gewiß machen wollen, also das es auch die Schwedische
Generalitet zu glaüben angefangen, wiewol mir
von dieser bestallung gar nichts wißendt ist,
vndt ich mich auch einzulaßen, vmb etzlicher vrsachen
willen, wol bedengken werde.
Sonst habe ich viel verdrießliche, vndt andere v̈berhaüfte
negocia, vor mir, gefunden.
Sonntag☉ den 10. ⁄ 20ten: May: 1646.
Wir seindt in die kirche mitteinander gegangen, zu singen,
zu bähten, predigt zu hören, vndt Allmosen zu geben, wie auch
Gott dem herren, vor seine gnadenreiche beschirmung,
zu loben, zu ehren, zu dangken, vndt ihn, vmb continuation
seines Segens, ferrner anzuruffen, der zuversicht er werde
vnser aller gebeht gnediglich erhören.
Darnach habe ich den hofprediger, Ern Theopoldum
aufs Schloß alhier zu Bernburgk zu mir kommen laßen,
seine vota vndt gratulationes acceptiret, vndt von
etzlichen Nohtwendigkeitten, mit ihme, conversirt,
ihn auch, neben vnsern Jungkern, Einsideln hofmeister,
Maior halgken, Cammeriungker Rindtorf (dann
ich Rödern, bey den seinigen, zu Ermßleben, gelaßen)
vndt hofiungker Wischer, zur malzeitt behalten.
Nachmittag, wieder in die predigt, des Caplans Jonij,
coniunctim, wie vormittags, mit Meiner gemahlin, Schwestern,
vndt theilß kindern.
Meinen<r> gemahlin, vndt kindern, habe ich allerley præsentj-
ret, so ich auß den Niederlanden, an Sammet, Atlaß,
Silberwergk, handtschuen, vndt dergleichen, auch andern
Frawenzimmer sachen, jhnen mitgebracht, vndt es ist solchs
alles, gar angenehm gewesen.
Die Landgrävin von Caßel, hat mir geschrieben, vndt
schickt mir, etzliche acta zu, darauß sie die gerechtsam-
keit ihrer prætension auf Marpurgk, erweisen will,
bittet vmb assistentz weil sie zu Münster, vndt Oßna-
brügk gedengkt ihre sache zu treiben. Dergleichen,
soll an die andern Fürsten zu Anhaltt, an ieglichen ab-
sonderlich, auch abgegangen sein.
Der Graf von Oldenburgk inngleichem, schickt
Mir den zollhandel wieder Brehmen, extracts-
weyse zu, bittet vmb assistentz etcetera[.]
Sonst habe ich einen hauffen Neẅe Jahrs briefe
vor Mir gefunden, von vielen großen, vndt kleinen
Fürsten. heütte ists 9<10> iahr, daß ich im felde, zwischen
Weymar vndt Heldrungen, angegriffen, vndt geplün-
dert worden. Gott helfe ferrner v̈berwinden.
Montag☽ den 11. ⁄ 21. May:
An Madame de Dessaw geschrieben, vndt Jakob Ludwig Schwartzenberger mitgeschickt.
Extra zu Mittage, zur mahlzeitt gehabt, die hofmeisterinn
Freybergin von Hatzgeroda[!], vndt die Jungfer haxthausinn,
Jtem: Doctor Mechovium, vndt Doctor Brandten perge <auch den Caplan Jonium perge>
Fürst Augustus hat mir von Plötzkaw geschrieben, mir gra-
tuliret, vndt vmb hinschickung eines vertrawten dieners,
wegen etzlicher sachen, so important, vndt keinen verzug leyden
wollten, gebehten. Jch habe hingeschickt Tobias Steffeck von Kolodey vndt geantwortett.
perge
Nachmittags bin ich hinauß geritten, meine felder zu besehen. Sie
haben Gott lob, ein feines ansehen, sonderlich stehet der
rogken vndt gersten wol. Gott gebe zu segen, vndt
gedeyen, aller orthen. Der haber so an itzo
verfüttert wirdt, will meinen pferden nicht wol
gedeyen. Er ist brandicht vndt angelauffen. perge
Jl semble, qu'icy, a Bernbourg, mon mèsnage
soit comme ensorcelè, & plein de difficultez.
Es haben sich wieder Officirer angemeldet von hall
vndt Calbe, wollen mir dienen, vndt volck zuführen,
wieder den Türgken. Rittmeister Lüdloff, hat Mir
seine gantze compagnie Reütter, von Magdeburgk
vndt sich selbst, anpræsentiren laßen. Wann
der scopus rein, vndt es ihnen allen, nicht mehr,
vmb der venezianer geldt, alß mir zum besten,
zu thun wehre, müste ich diesen eüßerlichen
schein vor ein glück vndt ehre schätzen. Capitain
Piper, ein allter Officirer, meldet sich auch an,
wieder den Türgken, vndt viel wagkere vom
Adel, im lande, vndt außerhalb deßelben, welche
vor diesem im armbrust gelegen, vndt die bella
intestina Germaniæ, neben mir, abhorriren.
Tobias Steffeck von Kolodey ist von Plötzkau gegen abendt wiederkommen, hat des
Kriegire <mutter> durch Stallmeister Prögken, sein geldt lifern lassen,
|| [[Handschrift: 310r]]
vndt wol einen Gotteslohn, verdient, (wiewol alles
vor Gott auß gnaden). Fürst Augustus hat sich mir sehr wol
recommendiren laßen, 1. etzliche acta Milagiana
von Osenbrück zugeschicktt, vndt gebehten, eine drey-
fache contribution dahin zu verwenden. 2. Eine
zweyfache, vor DorstenSohn, zun bewilligten
Monatlichen 500 ReichsthalernRthlrn: auch einzubringen.
3. Die collecten, beßer alß (nach Fürst Augustj vn-
gegründeten Meynung,) biß dato sol alhier
geschehen sein, distribuiren zu laßen, damit
es nicht nachrede gebe, gleich alß obs vnrecht
wehre, die Bernburgischen geistlichen mit vnkosten,
vndt Mühe, allein zu versorgen. perge
Diesen abendt habe ich durch meinen großen Fuchß,
einer Stuhten, einen Sprung geben laßen wollen, der
hengst aber (so noch vorm iahr wol gesprungen) hat
sich mit verwunderung der Stuhten gantz nichts an-
nehmen wollen, da er doch noch gestern, sehr getobet.
Dienstag♂ den 12. ⁄ 22. May: 1646. böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ
heüte Morgen habe ichs mit dem Fuchß wieder
versuchen laßen, vndt er hat die große Oldenbur-
gerinn auß den kutzschpferden sehr wol besprungen:
Gott gebe zu glück, das ich gute arth, darvon ziehen
möge!
Doctor Brandt, ist abermals, bey mir gewesen, hat mir den
Rittmeister Krosigk, mit einer gantzen compagnie
lautter geseßener vom Adel vndt Einspänniger, an-
præsentiret, neben etzlichen andern Rittmeistern,
vndt Officirern, gar auß der Laußnitz herauß,
inmaßen sich dann auch, auß der Schlesie, vornehme
leütte, wegen meiner vorgebrachten werbungen, vndt
venezianischen bestallung, wieder den Türgken,
(daran doch nichts ist) angemeldet, vndt erkundigen
laßen. Viel Schwedische officirer, vndt Soldaten
wolten gerne mitt, sonderlich præsentiret sich auch, der
ChurSäxische Oberste Gerßdorf, mit seinem gantzen
Regiment, mir zuzuziehen. Jch muß aber alles
recusiren. Man sagt, ich solle 100000 ReichsthalerRthlr:
auf meinen leib, bekommen, vndt 200000 ReichsthalerRthlr: zwey
Regimenter zu werben, diese 300 mille ReichsthalerRthlr: solte ich bey
mir haben, ohne waß ich anderstwo geworben.
Schade ists, das alles erlogen ist, vndt mich
verdreüßt es, das die leütte solche dinge spar-
giren, mich nur verhaßet zu machen perge oder
ihre eigene beüttel zu spicken. perge Les Swedois
en prennent ombrage, comme si ie voulois dissiper leurs
|| [[Handschrift: 311r]]
forces, et gaster leurs quartiers. L'Empereur ne
le void mesme pas volontiers, ne voulant rompre
avec le Türc, qui pourroit prendre cest rayson,
pour dire, qu'ün Prince de l'Empire reg-
nant ne doibt pas ammeiner des trouppes
d'Allemaigne, contre luy, & la chicquanerie
des Venitiens est si grande maintenant, qu'ils
dispütent pour deux ou trois Dalers, quelquesfois,
& qu'on n'y peschera plüs, avec le hameçon d'or,
comme jadis. Avec cela, ie crains, que Dieu
pünira leurs impietèz, & vie dèsordonnèe avec
la iüstice venale exercèe en leurs Domaines,
voyant, qu'ils n'ont pas assèz de force nj d'assis-
tance, pour resister au Türc, que leurs Generaulx
de France, d'Jtalie, & d'Allemaigne, ne sont pas
d'accord, leur arrogance & impietè continüe,
l'armement de leur ennemy, par mer, et par terre,
est extraordinaire, leur Thresor consümè, peu de provi-
sion d'ammünition, vivres, & d'armes, comme aussy
de gens de guerre faite a l'encontre, et que ie voy des
choses, quj me font augürer, ün sinistre evenement,
|| [[Handschrift: 311v]]
et m'arrestent par consequent, a ne pouvoir ainsy
abbandonner ma femme, enfans, & süjets. Dieu
vueille proteger les bons Chrestiens, & me
donner salütaire conseil, en mes desseings. perge
Extra zu Mittage, den medicum, Doctor Brandt, behalten. perge
Der Præsident Börstel, (so von Wittembergk
wiederkommen, von selbigen tractaten, zwischen
Fürst Augusto, vndt Fürst Johannßen) ist wieder
anhero, nach Bernburgk gekommen, vndt hat sich
anmelden laßen. Alß ich nun ihme, eine Stunde,
auf den Nachmittag, gegen drey vhr, ernennet, vndt
bestimpt, ist er anß waßer, auß der Stadt kommen, Es
hat ihn aber der calculus angestoßen, also daß er
wieder vmb: vndt zurügka kehren müßen, vndt sich endt-
schuldigen laßen. Peut estre que mes gens, ont negligè,
de luy envoyer ün cheval, a la riviere. Cependant, je
luy ay addressè, ün pacquet de France, de son fils, &
Oncle6, quj le consolera sans doubte.
Die avisen von Leiptzig, seindt ankommen, confirmiren, die belä-
gerung vor Paderborn, die Schwedische eroberung Höxter, die geringe
sperantz, des friedenschlußes, zu Münster und Osnabrück[,] die armaturen, hin:
vndt wieder, die hofnung deß Friedens, in Engellandt, die gefahr
der holänder, in Brasilien, das reciff, vndt alles zu verliehren,
die gefahr der venezianer, vom Türgken, die gefahr der Schweden
wegen Pommern, von Chur Brandenburg deme Polen, vndt Moßkaw assistiren wollen.
Fürst Johann Casimirs, eilf wagen, mit getreydig, haben
alhier zu Bernburgk v̈ber die Fehre, zollfrey gehen
wollen. Jch habe difficulteten gemacht, wegen des vndter-
schleifs, vndt sonsten, waß nicht zur hofstadt, gehörte, doch
endtlich vor dißmal den paß vergönnet, wann es
andere, auch also, halten würden.
Jakob Ludwig Schwartzenberger ist von Deßaw wiederkommen, vndt hat
alldar satisfaction wegen Meiner Söhne hindterstel-
ligen kostgelder, gegeben. Tout y est plein de bruit,
de mon Generalat Venitien, contre le Türcq. Item: de
la grande somme de deniers, que je doibs avoir levèe,
aux pays-bas, au preiüdice (a ce qu'on dit, contre
toute veritè & evidence) des Estats, de nostre Princi-
pautè, comme si iceulx, estoyent Princes, qui eussent süpe-
rioritè, et peüssent assister d'autres Princes, et quj eussent
receu des obligations, de Messieurs les estats, ce qui ne se
verifie nüllement, & ils ont tort, de déshonorer feu
Son Altesse, Monseigneur mon Pere, de bonne memoire, dans la fosse,
comme si la dite Altesse n'eust osè, me transporter la cession?
et tels nobles sont comme des larrons qui dèsrobent
l'honneur aux gens de bien, & de qualitè! Cepen-
dant, ni le Prince Louys, ni le Prince Jean Casimir,
se veulent mèsler, de tel argent, & ne le pretendent
nüllement, mais le Prince Augüste se mèsle de deffendre
les compatriotes, contre toute rayson, & evidence.
Der Obrist leutnant Rohrscheidt sol zu Deßaw, von Meinem venedischen
Generalat, viel geplaudert haben, vndt daß er wüßte,
daß ich zu Münster, mit dem venedischen Amabassador,
tractiret hette. Man hat sich viel vmb Mich, zu bekümmern.
Diesen abendt, habe ich der großen Oldenburgerinn,
durch den großen Fuchß, abermals einen sprung geben laßen.
Gott gebe mir zur pferdezucht, beßer glück, alß vorm
Jahr, da keine einige, von den Oldenburger Stuhten,
bestanden, oder theilß verworffen, vndt viere darvon,
seindt mir gar vmbgefallen, in neẅligkeit. Es ist wol
schade, vmb die schönen pferde! Jl me semble, que ces iüments,
ont estè mal gouvernèes, en mon absence, et c'est üne
pitiè, qu'on ne peust rien iouir, nj conserver au mès-
nage, comme si on estoit enchantè, ou ensorcelè.
Die weinberge, seindt auch gar v̈bel bestellet,
vndt der froßt hat dem weinwachß, großen schaden
gethan, an weinpfählen, ermangelt es auch. perge
Mittwoch☿ den <23.> ⁄ 13. May: 1646.
Meine freundliche herzlieb(st)e gemahlin ist mit vnsern elltisten Töchtern,
nacher Krannichfeldt verrayset. Gott wolle sie ge-
leitten!
Matthiaß von Krosigk, seine Mutter7, vndt Schwester8,
haben zu Mittage, mit vnß gegeßen, nach dem Matthiaß
vnß neben Halcken, vndt auch dem hofmeister Einsidel,
in die kirche, vndt wochenpredigt begleittet gehabt.
|| [[Handschrift: 313r]]
Jl se plaint fort des violences dü President Börstel, &
qu'on luy veut rüjner son bien, & l'exiler d'Erxleben,
par Jean Berndts. et cetera
Aviß eilends von Krannichfeldt, daß 1500 Kayserliche Reüter
eingefallen, vndt v̈bel gehauset, in selbigen gegenden.
Mit der Frawmuhme hat sichs gebeßert. Sie bittet,
Meine freundliche herzlieb(st)e gemahlin, wolle sich nicht v̈bereylen, dorthin
zu kommen, wegen großer vnsicherheitt, sondern es noch, ein
14 Tage, ansehen. Mais, ma femme, est desja partie
promptement. Jch habe ihr, nachgeschicktt. perge perge perge
Gott bewahre vnß, vor allem inconvenient. perge perge perge
Jch habe eilends, Meiner gemahlin, diesen aviß nachgeschicktt.
et cetera
Der Marggravius hat mir relation gethan, von seiner
rayse in Westphalen vndt in die Niederlande, wegen
erlangter collecten, zu den kirchgebeẅden zu Waldaw
vndt Altenburgk. et cetera Darzu die refomirten zwar
daß meiste, die Catohlischen, vndt luttrischen aber, auch
etwaß, contribuiret haben.
Nachmittags, bin ich mit halcke hinauß spatziren
geritten, nacher Pfuhle, meinen weitzen, alda zu besichtigen,
wie auch meine agkerpferde, so zu Pröderitz, braachen.
Donnerstag♃ den: 14den: May: 1646.
Jch habe heütte eine seltzame historia gehöret, von Paulo Ludwigen
welcher es von Cöhten vom Mylio hatt, wie nemlich ein bürger auß
Großen Glogaw in der Schlesie, vom Türgken, vor 12 Jahren, ge-
fangen gewesen, vndt so lange von einem Türckischen priester
|| [[Handschrift: 313v]]
gefänglich gehalten worden. Endtlich hette ihn der Türckische
pfaff gefraget, ob er nicht gerne loß sein wollte? Vndt ob er
nicht zu seiner Frawen wieder wollte? Dann sein weib,
würde sonst zu gewißer zeitt, einen andern Mann nehmen.
Er hette ihm die 12 iahr lang treẅlich gedienet, möchte
ihn seine wolfahrt, vndt gesellschaft seines weibes (so
ihn zwar sehr lieb hette, aber in so langer zeitt, da
Sie nichts von ihm, gehöret, ihn vor Todt hielte, vndt ohne
einen andern Ehegatten, weder Schutz, noch Nahrung in itzi-
ger beschwehrlichen zeitt, haben köndte) gerne gönnen.
Der gute deutzsche hat sich höchlich, v̈ber solcher anmuhtung
erfreẅet, vndt sich nicht lange bedacht, zu allem Ja,
zu sagen, vndt sich gebührlich, zu bedancken. Der
Türgke aber, hat geantwortett: es köndte zwar wol
also sein, aber geldt müßte darbey sejn, nemlich: 200 Ducaten,
anderst dörfte er ihn nicht loß geben. Der arme Christe, hat sich
betrübet, vndt gesagt, das geldt, wüste, vndt vermöchte er
nicht, aufzubringen. Der Türckische pfaff, aber, hat replicirt
er solte nur hingehen in sein vaterlandt, nach Großen
Glogaw, daselbst würde er im keller seines haußes,
400 ReichsthalerRthlr: finden, dieselben sollte er, in gute ducaten,
verwechßeln, vndt ihme bringen. Er würde auch zu
eilen haben, damit seine Fraw, mit einem andern nicht
hochzeitt hielte. Vndt hat ihn also, alß einen redlichen
deützschen mit frieden dimittiret, nach dem er ihn die
gantze 12 Jahr v̈ber, wol gehalten. Der Schlesier
|| [[Handschrift: 314r]]
nicht vndanckbahr, wandert im nahmen Gottes nach hause
in sein vaterlandt, findet baldt zu Großen Glogaw einen
alten bekandten, fraget nach seinem weibe, der ander
laßet sie holen, vndt befraget sie, ob sie den vor ihren
Mann erkenne? Sie aber wil ihn nicht kennen,
(weil er sich in den 12 Jahren sehr verändert,) biß er
zu reden anfänget, vndt seine Stimme von ihr erkandt
wirdt, da fället sie <ihm>, vmb den halß, hertzet ihn, vndt
weinet vor großen freẅden, gehet mit ihm, in sein
hauß, vndt leßet von dem Neẅen freyer ab, mit
deme sie im wergk gewesen, hochzeitt zu machen.
Alß sie nun im hause beysammen, wieder wohnen, gehet
der Mann, in den keller, wie ihm der Türcke angedeüttet
hatte, vndt findet die 400 ReichsthalerRthlr: ohne abgang, verwechßelt
sie in vngrische schöne Ducaten, vndt wandert wieder, alß
ein redlicher biedermann, der Treẅe vndt glauben helt,
nach der Türgkey zu. Vndterdeßen aber, war ein ande-
rer Türgkischer priester zu dem vorigen gekommen, hatte
denselben außgelacht, vndt gesagt, wie er doch dem
Schlesier vndt Christen, so viel zutrawen mögen, daß
er ihn ohne einige versicherung, oder pfandtbürgen,
also loßgelaßen, er würde wol nimmermehr wieder-
kommen. Der vorige priester, hat mit dem andern darauf
gewettet, vndt 200 Ducaten, gegen 200 Ducaten, bey
einem bekandten, niedergeleget, weil er in seinem hertzen,
vergewißert, das der Christ sich wieder einstellen würde.
|| [[Handschrift: 314v]]
Alß nun der gute redliche Mann, der gefangene deützsche
sich ehrlich wieder eingestellet, hat ihn sein Türckischer herr,
nicht allein loß gelaßen, sondern auch gedancket, vor
seine Treẅe, vndt fleißige dienste, vndt das er daß
geldt so treẅlich mitgebracht, vndt seinen ehrlichen
Nahmen, höher, alß daßelbige halten wollen. Dieweil
er der Türcke aber, sonst Mittel zu leben hette, hat
er ihm nicht allein, die rantzion der 200 Ducaten,
geschenckt, sondern auch noch die andern 200 Ducaten,
so er in der wettung gewunnen, darzu verehret,
mit vermelden, seiner im besten darbey zu gedengken,
vndt weil der Türckische Kayser, einen großen hee-
reszug, wieder die Christen, vor hette, vndt es ihm
biß nach Großen Glogaw hinan, gelingen würde,
Alß sollte er sich seiner wol erinnern. Dann daselbst
würde eine große Feldtschlacht geschehen, darinnen die
Türgken würden erleget werden, vndt weil er
der Türckische priester, auch mitt forth müßte, würde er
in der Schlacht todt bleiben, da solte er der deützsche
vndter den Todten ihn fleißig suchen, vndt zur recom-
penß vor die 800 ReichsthalerRthlr: ihn ehrlich begraben laßen,
dann er würde ihn, vndter den Todten, finden. Damitt
haben sie abscheid voneinander genommen, vndt die rede
ist vor nachdengklich, vndt memorable gehalten worden.
Vielleicht hat der Türckische Pfaffe, einen warsager Geist.
Geörg Friderich von Börstel, meines Ernst Gottliebs,
elltister bruder, ist zu Mir kommen, vndt hat sich præsentiret,
seine person zu recommendiren, vndt wegen seines bruders, den
ich bey meinen Söhnen zu Leyden, gelaßen, mir zu dangken.
Darnach ist der Præsident henrich von Börstel, zu mir
gekommen. Jch habe allerley mit ihm conversiret, vndt ihn
vndt seinen vetter, zur mahlzeitt zu Mittage, behalten. perge
Jl veut divertir le convent intimè icy, vers le
20me. de ce mois, veut ayder a a restablir üne
bonne paix, entre moy, & mon frere, & ne veut
laisser de nous bien servir, mesme sans gages.
Jl m'a confiè, que Madame ma cousine a Dessaw
a voulü engager son fils, au service dü Roy de France,
sous la conduicte dü Maréchal de camp Rantzow,
lequel s'est revoltè, & que ce jeüne Prince est
maintenant a Blois, & qu'il y a, a craindre, qu'il
ne gaignera rien, s'il ne devient Catolique Romain.
Son nepheu, doibt aller en Hollande, George Frideric,
mais le President, ne luy peut fournir, que 200 DalersDal:
par an, ce qui est trop peu, en la chertè Hollandoyse,
la ou il a donnè pour son fils annuellement 1000 DalersDal:
qui n'estoit que deuxièsme & Monsieur Adolfe de Börstel
son frere, l'entretient maintenant, a ses fraix, ün
an entier. Monsieur dü Maistre ce bon homme, Secretaire dü Roy,
est mort a Paris. Monsieur Adolfe de Börstel y est allè, pour y
remettre, les affaires confüses.
Es seindt diesen Nachmittag, Braunschweigische Gesandten9
alhier zu Bernburgk angelanget, (weil ich im bade gewesen)
Sie wollen nach B Wolfenbüttel, woll kommen von Leiptzigk.
Schreiben, von Hanover, Deßaw, vndt andern orthen.
Mit dem Feldtmarschalck DorstenSohn, hat man accordiren
müßen, (der vertrösteten exemption zuwiederb,) Monatlich
zu geben, 500 ReichßThaler, will dem ruinirten lande,
dißeyt der Elbe, vnerträglich fallen.
Der Præceptor Hangkwitz, ist von Deßaw wiederkommen,
vndt mein vetter, Fürst Johann Casimir, hat mir einen lachß
verehret, vndt mitgeschickt, cum gratulatione, zu Meiner
glücklichen wiederkunfft.
Freitag♀ den 15. May: 1646.
Schreiben von Madame, das sie sich baldt bey Mir ein-
stellen will, weil es so gar vnsicher, nacher Krannich-
feldt sein soll. Sie schickt mir auch zu ein schreiben,
vom geheimen Raht zu Quedlinburgk, Doctor Lentzen,
darinnen gemeldet wirdt, es gienge so ein groß
geschrey von Meinen stargken werbungen, vor Venedig
das man es fast glaüben müßte, vndt ich weiß gleich-
wol nichts darvon. Jst eine seltzame sache. Cela
me donne des pensèes singülieres, que quelqu'ün
agit en mon nom, sans mon sceu.
Nach hanover, wieder geschrieben, vndt nach Schöningen.
Der Jüde so alhier wohnet Abraham Benedix, hat gestern
|| [[Handschrift: 316r]]
<abendt> am Krumphalse, vor 7 ThalerThlr: <leinwandt in der> bleiche verlohren,
alß er nun nachgesehen, hat er eine Mütze gefunden,
welche der dieb im stich gelaßen. Diese Mütze
hat den Thäter verklagt, dann es ein fischer
Andreaß Röder gewesen, welcher alß er in der
Amptstube examiniret worden, wanckelmühtig
befunden, baldt aber nach dem examine, außge-
tretten vndt endtlauffen. Jch habe befohlen, man
sollte dem Juden, so wol alß andern Menschen,
die billigkeit vndt iustitz, wie rechtens, nicht
versagen, damit solche leütte auch durch der
Christen gerechtigkeit, vndt erbarn wandel,
gewonnen werden möchten. perge
Hanß Berndts, ein alter diener, Mein: vndt Meines
Bruders, Fürst Ernsts Sehliger, hat sich bei Mir angemeldet,
seine Noht geklaget, vndt vmb hülfe wieder die Krosigk
zu Erxleben, gebehten.
Meinen großen Fuchß, habe ich diesen abendt, zu
der braunen Marike, zugelaßen. Gott gebe zu
glück, dann ich zu pferden, vndt zur haußhaltung,
in vielen dingen, wenig glück habe.
Ernst Röder, ist diesen abendt ankommen, mir
aufzuwartten, vndt zur communion, sich zu præsentiren.
Gott gebe! daß wir würdige Tischgenoßen sein mögen!
Samstag♄ den 16den: May: 1646.
Meine freundliche herzlieb(st)e gemahlin, ist mit Meinen Töchtern,
den beyden elltisten Elltisten, von Ballenstedt, vndt Quedlinburg,
wieder anhero kommen, weil die rayse nacher
häringen, vndt Krannichfeldt, vmb der neẅen
kriegsvnruhe willen, wiederrahten worden.
Avis auß Meckelnburgk, das es der guten
Schwester Fräulein Sybillen Elisabeth, nicht wol
gehe, vndt dero schwachheit ad extrema zunehme[.]
Gott erbarm sich Jhrer, vndt beßere den zustandt.
J'ay fait, consigner les hardes laissèes
de mes fils, de Hollande, &cetera leur Precepteur
estant revenü de Dessaw. perge perge perge
Jch bin mit meinen Jüngsten beyden Schwestern, in
die vorbereittungspredigt, alhier zu Bernburg gegangen.
Gott wolle vnß würdige Tischgenoßen, an Seiner
gnadentafel sein, vndt bleiben laßen! Amen!
Avis von Caspar Pfau gratulando zu Meiner glücklichen
wiederkunfft, das zwar zu Münster vndt Osnabrück die kronen
ihre satisfactiones erhalten, aber den Reichßgrava
minibus nicht abgeholffen würde. General Trauditzsch
vndt Saradetzky wehren mit 4000 Reüttern,
vndt Tragonern, dißeyt des Düringer waldes
gewesen, hetten etzliche Stügke Geschützes, mit
|| [[Handschrift: 317r]]
sich geführet, vndt vermuhtlich auf Erffurdt, einen an-
schlag gehabt, weil sie aber alles all'erto gefunden, ha-
ben sie vmb Arnstedt biß an Erfurdt vndt Rudelstadt, alle
dörfer geplündert, etliche 100 pferde, vndt v̈ber 3000
Stügk viehes, mitgenommen, seindt darauf wieder zu-
rügkc gegangen, die Kayserliche armèe soll ordre bekommen
haben, auf Schweinfurth zusammen zu ziehen, vndt rendevous
zu halten, der weittere marsch dörfte auf Meintz,
oder durch heßen in Westphalen gelten. Die ChurSäxischen
leibregimenter seindt in ihren alten quartieren[.]
Der Kayßerliche gesandte herr Poppel hat vom Feldmarschall
DorstenSohn paß erlanget, ist von Dresen[!], in daß
Deplitzer warme bad gerayset. Der Churfürst
ist mit dem landTage, in vollem begriff. General Wit-
temberg, marchiret nach Großen Glogaw, vndt in die
Schlesie. Die Schwedische hauptarmèe ist den 3. May, vor
der Stadt Paderborn angelanget, vndt haben dieselbe
Nacht, ihre batterien verfertiget, vndt den 4ten: huius
mit Stügken auf dieselbe zu spielen, angefangen, welche
dann auch innerhalb acht Stunden, so viel gewürgket,
das sie daß hornwergk vor der Osterpforten, wie
auch daßelbe Thor, dergestaltt durchlöchert, das die
belägerten dadurch gezwungen worden, noch selbigen
abendt, durch einen Tambour vmb einen accord anzu-
halten, welcher ihnen aber, gantz abgeschlagen, vndt
das Sie sich auf discretion, ergeben sollten, angebotten
|| [[Handschrift: 317v]]
worden, welches sie denn auch, noch selbigen abendt accepti-
ret, vndt so baldt die darinnen gelegene 2 compagnien
zu pferde herauß gelifert, welche vndtergestreckt
worden, die 400 zu fuß aber, seindt biß auf fol-
genden Morgen, darinnen gelaßen, auch von den
Schwedischen, die posten mit 600 vndt von den
heßischen mit 24 Rotten zu Fuß besetzt
worden. Des folgenden Morgens seindt so wol
die officirer alß knechte, sampt der Geistlig-
keitt vndt Regierung, gefänglich angenommen,
worden, haben auch ieden Officirer, einem bürger
zum vndterhalt, vndt außstaffirung, ihrer wagen,
assigniret, Jn Summa, es hat darinnen gute beütte
gegeben. Man weiß noch nicht, wohin sich diese
armèen weitter hin: wenden möchten. Die
haüser Dringenbergk, Beckumb, wevelßburgk,
vndt andere im Stift Paderborn gelegene, haben
sich gleichßfalß, auf discretion, ergeben müßen.
General leütnant Königsmargk hat im Stift
Hildesßheim, gelegen, vndt rendevous gehalten,
vom General Melander ist alles stille. General
Türenne sol sein zu Meintz ankommen, allein
man höret von keinem volck, so zu ihme
|| [[Handschrift: 318r]]
stoßen solle, vndt es ist zu Meintz, zwischen den deütz-
schen, vndt Frantzosen, ein Duel, vndt in der gantzen
Stadt, ein großer Tumult endtstanden, darüber etz-
liche deützsche Todt geblieben. Von den Friedenstracta-
ten, hat keiner beßere hofnung, alß vnser abgesandter
Cantzler Milagius. Sonst sol die heßische begehrte
satisfaction, vndt der Kayserlichen v̈bergebene duplica
große alterationes vervhrsachen, vndt sich die
tractaten deßwegen, sehr schlecht anlaßen. Gott
gebe in gnaden, schleünige beßerung! Amen! Amen!
Der Fuchß ist abermal zu der Jungen Marike
heütte zugelaßen worden.
Sonntag☉ den 17. May: 1646. Pfingsten. perge böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ
Mon petit Charles Ürsin, m'a hier donnè ün signe,
quj ne me prefigüre rien de bon, hier au soir. Dieu le
vueille divertir benignement, par sa Sainte grace, avec
tous les accidents fünestes, et sinistres!
Wir seindt heütte in die kirche gegangen, pre-
digt zu hören, vndt die heilige communion zu celebriren.
Gott stärgke vnß, im wahren glauben, zu vnserer
Seelen heyl, vndt Sehligkeitt! Meine beyde
Jüngste Schwestern, seindt mittgegangen, Jtem:
der hofmeister Einsidel, Major halcke, vndt
Cammerjungker Röder, nebenst andern communjcanten.
Nachmittags wieder in die predigt coniunctim, mit Meiner
herzlieb(st)en gemahlin, Schwestern vndt kindern, wie vormittage.
Diesen Nachmittag, hat vnser hofprediger Theopoldus
vmb einen gnedigen regen, in itziger warmen dürren
zeitt, gebehten, auf der cantzel, vndt es ist baldt
darauff ein lieblicher regen, nach wuntzsch erfolget.
Gott segene vnsere landeßfrüchte!!!
Montag☽ den 18den: May: 1646.
Am heüttigen PfingstMontage, zweymal in die
kirche, conjunctim, cum uxore, sororibus, et liberis.
Der Superintendens Plato, hat vormittags,
nachmittags aber, der Caplan Jonius, in der kirche
vorm berge, geprediget, gleich wie gestern der hof-
prediger den gantzen Tag, zweymahl.
Zu Mittage haben extra: hieroben gegeßen,
halcke, Matthiaß von Krosigk, Röder, der
Superintendens, Doctor Brandt, vndt Præceptor.
heütte habe ich in der Stadt, den Neẅer-
wöhlten, vndt nach meinem belieben erkornen,
auch von mir confirmirten Raht, laßen durch
meine Commißarien, Doctor Mechovium, vndt Thomaß
Benckendorff, aufführen. Gott gebe zu glügk!
Die avisen geben:
Daß es mit dem friede zu Münster vndt Osnabrück noch nicht
forth will, Paderborn, höxter, vndt Lemgow
|| [[Handschrift: 319r]]
von den Schwedischen vndt heßischen, erobert, Königsmarck aber
vor der Vecht liege.
Die Staden, wollen zu felde, weil es mit den treves
difficulteten gjbet.
Chur Brandeburg wirbt, wie auch viel andere.
Der Türgke, setzet den venezianern hartt zu.
Die Kayserinn solle zu Lintz, in kindeßnöhten
gestorben sein, welches wol zu bedawren!
Krembs hat der Kayser recuperiret.
Ertzherzog Leopoldt sol auch kranck sein.
Frangkreich rüstet gewaltig, an 6 orthen.
Nel giardino con Madama, quì in Bernburgo.
Extra zu abends: Hans Albrecht von Halck gehabt, le recompensant.
Dienstag♂ den 19den: May: 1646.
Risposta von Schöningen en termes mediocres & negatifs.
Meine herzlieb(st)e gemahlin hat gebeichtet, Sie will Morgen
gebe gott (al modo suo,) communion halten, vndt
hat den pfarrer von Alßleben, erfordern laßen.
Jch bin hinauß nach Zeptzig, spatziren geritten,
die verwüstung wieder anzsehen, ob zu remedijren?
Ein Register, oder verzeichnüß, machen laßen, der ein-
gekommenen collecten deren numehr in die 600 ReichsthalerRthlr:
vorhanden sein mögen. Gott laße es dem armen ministerio,
kirchen, vndt Schulen, wol gedeyen!
Mittwoch☿ den 20ten: May: 1646.
Meine gemahlin, & ses partisans, haben heütte communion
gehalten. Gott gebe, das man allen bittern haß
vndt Neid, wieder seine NebenChristen, recht ablege!
Jch bin mittlerweile, mit Rödern, vndt meinem
Cammerdiener, in meine felder spatzirt, vndt habe
darneben, meine pferde besehen.
Der Amptmann von Ballenstedt, jst anhero kommen,
vndt hat seine contributionsrechnungen, v̈berlifert.
Schreiben, von Deßaw, von zweyen vndter-
schiedenen Damen, a Lintz, & a la Haye! perge
Schreiben von Krannichfeldt. Elle redemande
ma femme.
Avis: daß die Kayserlichen hetten mit Schubkärnern,
hildeßheim occupiret. Jtem: daß man sich in der
güldenen Awe in Düringen, sehr förchten
thete, vor der Kayserlichen haüptarmèe. Il me
semble qu'on forge icy, tels avis, afin de retar-
der, ou empescher, mes desseings.
General leütnant Königsmargk, restituiret numehr,
Querfurdt, dem Ertzbischof zu halle, lest derowegen
sein getreydig verkauffen, vndt hat der Stadt Ascherßleben
eine bittfuhre höflich ansagen lassen, welche sie ihm bewilligtt.
Gestern abendt, vndt heütte Morgen, hat abermal
Mein großer Fuchß eine braune Oldenburgerinn besprun-
gen. Jst die dritte Stuhte, darzu er diß Jahr,
zugelaßen worden. perge Gott gebe zu glück vndt
gedeyen!
| Meilenm. | |
| Von Bernburgk geritten nach Staßfurdt
alda Rittmeister hackeborn, zu mir gekommen, vndt allerley conversiret, vndter andern, wie Axel Lillie gesagt: Die deützschen Fürsten fragen viel daranach, wann sie nur daß ihrige wieder kriegten, wie es ihnen den Schweden, ergehen möchte, vndt wo die blieben? vndt sollten die deutschen Fürsten Türgkisch, oder Jüdisch eher worden. perge Er könnte derowegen, mit gutem gewißen, anderst nicht thun, alß seiner krone zu dienst, die waffen in handen zu behalten, vndt dieselben zu führen, ob ihm gleich, alß krummen vndt lahmen, mit der ruhe, beßer gedienet wehre! |
2 |
| Von Staßfurt nach<bey> Egeln weg | 2 |
|
Großen Germerßleben
alda ich bey dem haüptmann Sannemann im Schloß abgestiegen, vndt meine kalte küche verzehret. |
1 |
| Von dannen nach Oscherßleben | 2 |
| vndt dann inß kloster Hat<m>man<ers>ßleben<Hammerßleben>
allda vnß die patres tractiret, die ruin der schönen gebeẅde gezeiget, auch die kirche, sehr lamentirende. |
1 |
|
8 Meilenm: |
Vndterwegens briefe von Schöningen vndt Cöhten, rencontriret.
Es sollen wol eher 100 Münche Augustiner Ordenß, in
diesem kloster gewesen sein. Sie haben wol 4 oder 5 Für-
sten zugleich, logiren, vndt tractiren können, vndt so
viel hufen landeß (zu 30 Morgen,) alß Tage im Jahr. Ja
noch 200 Morgen darüber. Ein 150 pferde haben
sie wol eher in der weyde gehabt, Jtem: ein 500
stügk Rindtviehes, vndt in die 3000 Schafe, haben
auch, ein 40 in 50 Agkerpferde gehalten.
Sie haben auch, intraden, von holtz, Fjschereyen, vndt
dergleichen, aber etwaß weitt. Die kirche, ist, von
Mechtildis, Henricj secundj Tochter10, gestiftet worden,
welche darinnen begraben. Sie klagen daß das sanctua-
rium nicht verschonet worden, ihre genandte heylig-
thumb vndt Silberwergk herauß genommen, vndt
nachgegraben seye, Sonderlich von heßen, vndt Schweden,
so in den kirchengebeẅden alleine sollen in die 6000
ThalerThlr: schaden gethan, die orgeln, vndt viel götzen
zerschmißen, vndt große verwüstung angerich-
tet haben, wiewol auch die Kayserlichen ein Sechß
Scheünen sollen angestegkt, vndt ihrer nicht
geschonet haben. Alle wochen haben sie pflegen
ein fettes Rindt, nurd vor die gäste, vndt anköm-
ling zu schlachten, vndt einzusaltzen, vndt sonst
v̈ber den ordinarij schliß, ein 150 fette Schweine.
Der alte hertzogk von Braunschweig Henrich Julius, sol
|| [[Handschrift: 321r]]
oft sein mit 300 pferden, dahin gekommen, vndt 3 oder 4
tage wacker mit ihnen dominirt, vndt sich wol tractiren
laßen. An itzo aber, ist es mit ihnen schlecht bestellet,
vndt des gebens kein aufhören, zumahl weil sie vor
reiche Patres außgeschrien, vndt bekandt gewesen.
Ein Rittmeister Augustus Witte, (so in Schwedischen diensten
eherg<m>als gewesen,) war auch alhier, vndt hat neben dem
Prælaten11, zu Nachts, mit Mir, eyer, vndt fische gegeßen,
vndt bier getrungken.
Samstag♄ den 23ten: May: 1646.
| Meilenm. | |
| Von Hamerßleben, nach Wolfenbüttel
etzliche rechnen es, vor Sechß meilen, vndt seindt bey Schöningen, vorüber, (so nur eine meile, von Hammerßleben gelegen) gezogen, haben es zur rechten handt liegen laßen, vndt so forth auf Schöppenstedt zu, welches vor drey meilen von Hammerßleben gehalten wirdt, alda gefüttert, (wiewol der orth sehr ruiniret ist,) vndt so forth, in der hitze, etzlicher t heißer, nacheinander continujrter Tage, nach Wolfenbüttel, <al>da zwar hertzog Augustus an itzo anzutreffen, aber sich kranck gemeldet, vndt das er sich schähme, mich, alß einen so vornehmen Fürsten, in seinem verwüsteten hause, in der eyl, also zu beherbergen, vndt mich nicht nach meriten zu tractiren. Bähte dero- wegen, ich wollte in eine herberge einkehren, welches ich auch in der Stadt, nahe am Thor gethan. Jl me semble, qu'il a des quintes, mal assaysonnèes. Er ließ mir gleichwol auch sagen, er wollte seinen Marschalck diesen abendt, zu mir schigken[.] |
5 |
Diesen abendt, ist der Marschalck Knesebegk zu mir kommen,
hat viel complimenten, im Nahmen seines herren[,] hertzogs Au-
gustj zu Braunschweig vndt Lünenburg gemacht, mich gewillkommet,
offerten gethan, sonderlich aber deß hertzogs vnpäßligkeitt,
vndt angefangene leibescur, angezogen, vndt sehr ge-
behten, ihn zu excusiren, wie auch, daß die gemächer
nicht accommodirt, noch aufgereümet wehren, in absentz
der hertzoginn, vndt anderer erlittener verwüstungen.
Er bähte, mich heütte zu pacientiren, Morgen wilß
Gott, aber, wollte er mich selber, auß der herberge,
abholen, im fall es beßer, mit jhme würde, vndt
mir frey stellen, ob jch predigt, mit anhören wollte?
Jch thate meine gegenoff[e]rten, vndt complimenten,
condolirt die Schwachheit. Baht im v̈brigen, der hertzog
wollte sich meinetwegen, nicht incommodiren. Jch excusir-
te auch, die v̈berraschung, vndt erfreẅete mich, wegen
der großen hitze, vndt Mattigkeit, ruhe zu haben.
Jch wehre gleichsam, auf der post kommen, et talia.
Es kahme auch in die rede, wie der gute hertzog, so sehr
persequirt würde, vnverschuldeter dinge, von der
soldatesque, das man ihm fast den garauß zu machen,
gedächte. Jtem: von Meiner rayse, in hollandt, etcetera[.]
Jtem: wie ich meine Söhne zu Leyden gelaßen? Jtem: wie ich in so
langer zeitt, nicht hier gewesen? vndt wie ich so
schlechtes tractament, würde haben? et similia, vndt
wie die zeitt, vndt iahre, so baldt dahin giengen, vndt
verflössen, wie die waßer verschießen. Jtem: von des
|| [[Handschrift: 322r]]
hertzogs iungen herrschaft, wurde auch geredet. Endtlich di-
mittirte ich den Marschalck mit gegen offerten, vndt recom-
plimenten, Er vermahnete mich abermal mich biß Morgen
gebe gott zu gedulden. Je ne scay; si l'on me dèsfrayera?
Der Marschalck Knesebeck, ist abermal alhier zu Wolfenbüttel
zu mir kommen, seinen hertzogk wegen gestriges außenbleibens,
endtschuldigende, vndt die heüttige conferentz, mir anbiehtende,
mit höflicher nachfrage, meines wolaufseins, vndt gehabter Ruhe?
Die Trommelschläger der garnison, alle miteinander
sampt den pfeiffern, haben jhre Soldaten musick, tapfer
hören laßen, zimlich frühe, in Meiner herberge.
Gegen Neün vhr vormittags, ist der Elltiste Printz,
<von 19 in 20 Jahren,> von seinem herrnvater, zu mir geschickt worden,
Mir zu gratuliren, vndt mich zur kirche zu begleitten,
in einer schönen carosse, mit 6 schönen pferden, auch anderer
stadtlichen comitiva zu fuß gehende, an Jungkern, Trabanten,
vndt andern dienern, in der liberey gehende, alß pagen,
lackayen, Mußcketirern, etcetera[.] Vor der kirche, in der
Stadt, empfieng mich, der alte hertzogk Augustus, ansehnlich
accompagnirt, geleit<mit> Rähten, Officirern, vndt Jungkern,
hatte auch, noch zween Söhne, bey sich, vndt führete mich, in
seinen ansehnlich bereitteten Stul <vndt Standt>, auf die bohrkirche.
Darnach wurde baldt stadtlich musicirt, dann die E-
pisteln vndt Text gelesen, nach des hertzogs neẅen Biblischen
version, vndt Harmonia des lebens Christj, so er außgehen laßen,
darnach gesungen, vndt geprediget, von einem so des Königes in Denne-
margk Feldtprediger gewesen zimlich beredt, aber scrupulose eiverig[.]
|| [[Handschrift: 322v]]
Er behienge sich auch, mit den alten ceremonien, deß Meßge-
wandts, bey der communion, vndt lichterbrennen, auf dem
Alltar, behalf er sich, jtem: mit den caseln, auf der
cantzel, alß er predigte, vndt es gienge alhier nicht, auf
Helmstädtisch, zu. Nach der predigt, fuhren wir
fürsten, mitteinander, aufs Schloß, solenniter, mit
großer Menge von Jungkern, vor vnß hehr, vndt die
leibguardij, von Mußcketirern, vndt Trabanten,
neben vnß, die diener hindter vnß. Da wurde ich
vom hertzog, vndt seinen Söhnen, in ein schönes losament
geführet, vndt wol accommodiret, ob sie sich schon
endtschuldigten, daß das Schloß sehr verwüstet
wehre. Mit der malzeitt, verzog sichs lange,
biß man endtlich gegen zwey vhr, zu Tische kahm,
darzu holete mich der hertzog ab, (nach dem er raht
gehalten) vndt es kahm auch ein Pommerischer Gesandter
darzu, Glasenap genandt, (so von der wittwen,
geborner hertzogin auß Braunschweig, wegen
erbschaft sachen, abgesendet worden,) welchem der
hertzog große ehre anthat, ihme waßer geben
ließ, vndt die præcedentz v̈ber seine Söhne gab,
im stehen, im sitzen, aber, saß der Elltiste v̈ber ihn.
Er derselbe gesandte, war copioß von reden,
hatte wol studiret, wuste viel dingeß,
vndt war doch zu kennen, dass er ein Pommer wahr.
Jch mußte allein oben an der Tafel sitzen, zur rechten
der hertzogk Augustus, vndt neben ihm gedachter legatus,
zur lingken, die drey Söhne des hertzogs, darnach
Meine drey Jungkern, Jtem: der weitterühmbt Doctor
Calixtus, (welcher kein prediger, sondern ein Apt zu Königs-
luter, vndt Primarius Professor zu Helmstadt, in Theologiam
ist) auch etzliche andere vom adel, rähte, vndt Doctores.
Es wurde sehr stargk getrungken, vornehmlich
vmb deß Pomerenicken willen, wiewol ich vndt der
hertzogk gesotten waßer (wie wein) trungken, welches
der Pommer nicht wußte. Er aber, vndt seine mitttringker,
Meine Jungkern, mußten heftig daran! Doctor Calixtus,
wurde zimlich verschonet, beschwehrte sich, das daß Poll-
nische colloquium zu Toren, so schlecht abgegangen, vndt
keine einigkeit hette können gestiftet werden, weil
der Pollnische cantzler, Osolinßky, ein papist, gar zu heftig
gewesen, die reformirten, v̈bel angefahren, alß sie jhre
confession abgelesen, vndt die luttrische gar nicht hören
wollen. Dem König, (der es gut gemeinet,) hette solche
bitterkeit mißgefallen. Der consensus Sendomirien-
sis, inter Lutherj asseclas, et reformatos, wehre
auch gebillichet worden. Der Pommer bemühete sich sehr,
zu erweysen, daß Doctor Calixtus nicht reformiret wehre,
vndt alß er nicht alles negiren kondte, sagte er, quasj,
in aurem dem hertzoge, es wehre sehr gut, vndt heyl an
der kirche, das die Calvinisten vermeineten Doctor Calixtus, der
wehre von den ihrigen, dann so köndte er, wie Paulus, den
|| [[Handschrift: 323v]]
Schwachen, gleichsam ein Schwacher sein, damit er ihrer viel
gewünne. Jch that alß hörete ichs nicht, weil ich ohne
daß mit dem iungen Printzen, zur lincken handt redete[,]
er es aber, seinem beysitzenden alten hertzog inß ohr
(zwar etwaß lautt, dann der hertzog fänget an etwas
v̈bel zu hören) sagen thete. Es gab sonsten viel
andere discourß, fast von den principalsten sachen, in
der weltt, vndt der hertzog, war sehr moderat
in geistlichen vndt weltlichen vorfallenheitten.
Die beyden Elltisten Söhne, hat der Hertzog erzeü-
get, neben zweyen Töchtern, mit Fürst Johannßen,
Meines vetters, Stiefschwester, den dritten Sohn,
Ferdinandum Albertum, neben der dritten
Tochter, hat er, von der itzigen gemahlin, auß Meckeln-
burgk, welche an itzo in ihr vaterlandt verrayset
ist, vndt in 14 Tagen, wilß Gott wieder erwartet
wirdt. Sie hat ihr Töchterlein bey sich, vndt
hette obgenandtes Söhnlein, hertzlich gerne
auch mittgenommen, wann es der herrvatter
ihrer bitte gewehren, vndt concediren wollen.
Er hat gesagt, er müßte auch etwaß von
der arth, bey sich behalten. On craint, qu'il a
apprehendè quelque sinistre edücation, a l'exem-
ple de Güstero, mal assaysonnè.
Nachmittags post pocula zwar, habe ich occasion suchen müßen,
hertzogk Augusto meine anliegen zu endtdegken. 1. Quant
a l'excüse de ne l'avoir visitè dernierement a mon retour
de Hollande, il l'a tres bien prinse, pour ne m'avoir voulü
rendre süspect auprés des Swedois, avec mes pappiers
importants, & pour avoir hastè mon retour á Bernbourg, jtem:
pour n'avoir peü parvenir en ün jour de Zelle a Wolfenbüttel
il valloit donc mieux, aller a Brunswig, alors 2.
Pour l'offence des Swedois, il la trouvoit importante, &
que leurs menaces sont tousiours efficacieüses, et
que ie ferois bien de les redresser aux termes de mode-
ration, voire avec üne visite iüsques a Osenbrügk
ou ie pouvois bien aller, en 3 ou 4e. jours. Mais
sj les moyens, me dèsfaillent, et la süffisance dü Chan-
celier Milagius peüst remettre en ordre l'affaire,
puis aussy que ie n'ay veü le Comte de Trauttmansdorff qu'en pas-
sant, et n'ay traittè avec luy, que des affaires
particulieres et point pübliques, et que ie n'ay veu le
Conte de Naßaw, beau Pere de mon frere, nj les
autres Ambassadeurs des couronnes, (ou il y a, a appre-
hender dés jalousies, aux visites, comme aussy des com-
petences aux visites des Electeurs, & Venise & Estats)
& que le Legat Oxenstirn, n'a pas estè a lors a Osenbrück
comme i'y füs, en tout tel cas, il me conseille d'ès-
pargner mon argent, & accommoder le fait, par autruy
|| [[Handschrift: 324v]]
puis qu'aussy maintenant il y a beaucoup de troubles,
& de soldatesque en Westphalie, tellement qu'il y au-
roit dü danger a craindre aux chemins, & peü a proffiter,
aussy, ne fauldroit il pas offencer Sa Majestè Jmerpiale.
3. Pour l'affaire de mon frere, il n'en veüt rien
scavoir, et m'a promis, sinon, bon conseil & assistan-
ce, lors que ie l'en requerrois, au moins la neütra-
litè, souhaittant üne paix, et amiable composition
fraternelle, entre nous, avec cordialitè.
4. La recerche[!] dü Conte de Vehlen, il la trouve
dangereüse a cause dés Swedois, & pleine de
difficültèz, pour la consequence, souhaittant
neantmoins, & desirant de cooperer, (a ce qu'il
s'offroit courtoysement) affin que je füsse en
quelque façon satisfait, mais que le baillage
de Nienover, appartenoit a son ne<cousin,> le Düc
Christian Louys de Hanover seül, lequel
me pouvoit contenter seül de la part du Comte de Velen
& ravoir tousiours son regréz aux Landterben,
c'est a dire a tout l'heritage des Dames aussy bien
que dés Seigneurs mais qu'il scavoit et craignoit
fort, qu'il y auroit peu d'argent á obtenir, au
dit Hanover, vndt das es alldar feste stegkte.
Den abendt, hat man wieder bey der malzeitt stargk ge-
trungken. Le vin a fait parler beaucoup, au Pomeran,
injüriant tantost les Swedois, tantost les Jmperiaulx,
& l'Empereur & le Roy, de Swede mesmes, avec trop de libertè.
Mais aussy, il estoit si yvre, qu'il n'en pouvoit plüs. Jl
s'expectora avec plüs de franchise, toutes fois au Düc,
touchant Calixtus, luy disant, qu'il luy avoit parlè,
ceste apres disnèe, & l'auroit trouvè tout autre,
que les Calvnistes ne pensoyent, ce qu'il luy disoit a l'o-
reille, mais ie l'entendis, ayant meilleure ouye, que
ie n'ay la veuë. Je ne me mèslay pas, de telles
controverses, scachant la notorietè, au contraire, et qu'il
est dangereux, de dispüter, inter pocula, avec des gens
yvres, et immoderéz, qui ne veülent jamais avoir tort,
ains le donner aux aultres, par püre opiniastretè.
Ce soir, le Düc, & ses fils, m'ayans tousiours, avant,
& apres les repas, convoyè en personne, en mon poile
ont prins congè de moy, comme aussy le Maréchal Kne-
sebeck, & autre noblesse.
Montag☽ den 25. May: 1646.
Der hertzog, hat mir wollen zusprechen. Jch bin ihme aber
endtwischtet, vndt zu pferde darvon geritten, habe
ihn doch noch auf der gallerie, gesehen, vndt gegrüßet,
vndt bin sehr verweilet worden, wegen eines kutzschen-
rades, vndt Meiner leütte vnachtsamkeitt, Faul-
heitt, vndt das Sie den Trungk so v̈bel vertragen.
| Meilenm. | |
| Von Wolfenbüttel, nach Peyna
es sollen nur 3 sein, wir habens wol auf 6 meilen vmbgeritten, durch vndterschiedliche dörfer, in einem schönen kornreichen lande. |
4 |
Peyna gehöret schon inß Stift Hildesßheim.
Zu Wolfenbüttel, liegen 5 compagnien gewor-
bene Soldaten, vndt es seindt ein 600 Mann,
bewehrter bürger alda. <Die Festung wirdt etwaß
repariret.>
Zu Peyna lieget auch ein lüneburgischer
haüptmann, mit etzlichen knechten. perge
Le Düc me disoit: que le Düc Frederic de Wir-
temberg seroit devenü General de Hessen.
Jtem: qu'ün meschant Weywode Polacke,
auroit fait tirer, ün coup d'harquebüze, au
bon Prince, Monsieur Electeur de Brandenbourg, mais
l'auroit failly, tüant toutesfois le cheval, sür
lequel il auroit estè montè. Dieu soit louè, de
l'avoir preservè de ce füneste coup. Jl le vueille
d'ores-en-avant encores conserver & contre-
garder, de tout peril, & pünir tels massacreurs,
perfides, infames, & execrables!!!
Es hat nach etzlicher Tage großen hitze, diesen abendt
sehr gedonnert, geblitzet, vndt wol geregenet. Gott
gesegene die früchte des erdreichs, vndt lasse vnser landt wol
|| [[Handschrift: 326r]]
gedeyen! durch seinen gnadenSegen, Amen!
Der Pommerische gesandte, sagte auch gestern, es wehre die
wittwe des hertzogk Vlrichs in Pommern12, eine Schwester
deß Churfürsten von Sachßen, gar gählingen gestorben, vndt
von den Schweden, (alß man meinete,) mit gifft, ver-
geben worden, weil sie sehr auf die Schweden geschmähet,
vndt sich offtermalß harter reden, verlautten laßen.
Sonderlich aber, hats sie sehr offendiret, daß diese Fürstin,
ihren bruder, den Churfürsten von Sachßen, defendiret, vndt nicht
leyden mögen, daß man ihr denselben, vndt seine Feindt-
schaft, gegen die Schweden, vorgeworffen. Es sol ein come-
diant, ejn Frantzose, wegen seiner Narrenpoßen,
sehr wol bey ihr, gelitten gewesen sein, deme gibt
man die schuldt, daß er sich von passionirten Schweden
corrumpiren laßen, ihr zu vergeben, vndt baldt da-
rauf die gewaltigen Schätze an goldt, Silber, vndt
edelgesteinen, (welche die hertzoginn gehabt)
an die Schweden zu bringen, vndterm prætext, es nehme es
sonst der Churfürst von Saxen, ihr feindt hinweg, vndt es hette
auch der letzte hertzog in Pommern, darauf zu prætendiren
gehabt, in deßen succession, sie getretten wehren.
Dienstag♂ den 26ten: May: 1646.
Der haüptmann von der Lohe, so alhier lieget, mit einer
compagnie lünenburgischem volck, ist anhero <in meine herberge> kommen, mich zu besuchen.
Vndt hat mit Mir gefrühestügkt. habe also 2 mahlzeitten
alhier zu Peyna, bezahlen müssen. Jch bin auch noch vor
|| [[Handschrift: 326v]]
der mahlzeitt, vmb daß hauß Peyna, spatziren gegangen.
Es ist zimlich demoliret, schon vor iahren worden. Eine allte
Rummeley, darinnen erschienen im platz, ein Pater, Jesuitorum
zwischen zweyen Jesui Capuzzinern. Jch habe aber
keinem zugesprochen.
Der lüneburgische haüptmann Lohe, (ein Märcker, auß dem
Rappinischen) gieng neben mir her, zu fuße, biß v̈ber
den Moraß zum Thore weitt hinauß, vndt erzeigte
sich höflich, vndt Sorgfältig.
| Meilenm. | |
| Von Peyna, nacher hanover
vndterwegens auf dörfer, auch feine wiesen, vndt gehöltze, zu, gekommen. |
4 |
Zu Hanover, hat der Obrist leütnant Sparr, Meinem
voran geschickten, gerahten, in die herberge
gleich gegen dem Schloße v̈ber, einzukehren,
vndt mir daselbst das losier zu bestellen. Dann
der Hertzogk zwar, meiner, oder Meiner abge-
ordneten, gewärtig gewesen, aber nicht gewußt,
welchen Tag, wiewol ich ihme nur, von abgeordneten,
vndt nicht von Mir selbst zugeschrieben hette. Er
hette aber, wegen einer vnvmbgenglichen zusammen-
kunfft nacher Zell, müßen verraysen, vndt würde
vielleicht dannenher baldt wiederkommen.
Jhme dem Obrist leutnant wehre nichts anders befohlen,
|| [[Handschrift: 327r]]
als daß ers alsobaldt dem hertzogk, avisiren sollte, wann
ich ankähme. Von rähten, wehre niemandt vorhanden, dann,
der Oberste Schömberger, wehre mitt hinweg, der Stadthalter
Schengke inngleichem, der CammerRaht Bilaw, ebenermaßen,
wie auch der Marschalck Hodenbergk, vndt also gar Nie-
mandt von hoff, zur stelle, dann die tractaten zu Zelle,
wehren gar zu eilig, vndt zu wichtig gewesen. Wann man
aber, eignetlich gewußt hette, das ich selbst, in der person
kommen würde, würde der hertzogk Christian Ludwig,
ohne zweifel, andere anstaltt gemacht haben.
Diesen abendt, hats zu meiner ankunft, in die Stadt
Hanover, geregenet, gedonnert, vndt geblitzt,
nach zimlicher Tageshitze.
Alß ich ein wenig gewartett, hat der Obrist leutnant Sparr,
seiner haüptleütte einen, vnsern landßmann, (einen
Mücheln von geschlecht,) zu Mir geschickt, mich com-
plementieren, vndt sich endtschuldigen laßen, das er
Mir selber nicht aufwartete, weil er mit vielen
geschäften, in abwesen aller anderer, also occupat wehre,
vndt mir auch keine vngelegenheit machen wollte,
verhofte noch die ehre zu haben, vor meinem vfbruch,
mich zu sehen. Jl me rendoit le retour dü Düc, in-
certain. Ce me seroit üne maigre courtoysie!
Avis: daß der Königßmarck Wiedenbrügk be-
lägert habe, in Westphalen, bey Rheda. etcetera
Andere aber sagen von Pyrmundt, einem festen hause.
Gegen 8 vhr, ist der haüptmann Mücheln, nebenst einem
andern haüptmann, von wegen des Obrist leutnant Sparrs, wieder-
kommen, mich zu complementiren, vndt zu tractiren,
Jch habe mich aber excusiret, daß ich zu thun hette, zu
schreiben, vndt zu negociiren, (weil ich spatzirens halben,
nicht anhero kommen wehre) vndt ich hette auch,
wegen der hitze, Matt: vndt Müdigkeit der rayse,
nicht wol zeitt, ihnen gesellschaft zu leisten. Jch
wollte mich aber, ein wenig außruhen, wenig
zu eßen mir geben laßen, vndt diesen abendt,
(wie ich offt im brauch hette) alleine bleiben.
Sie wahren beyde bestürtzt, bahten mich, ihren
Fürsten, zu excusiren, er würde, wegen sehr wichti-
ger tractaten, schwehrlich abkommen können von Zelle,
iedoch köndte es sein, würde er es nicht vndterlaßen,
vndt sich gerne mit Mir, bekandt machen, wo aber
nicht, iemanden abordnen. Bahten sehr, ich wollte
doch alhier, in der <schlechten> herberge, vorlieb nehmen.
(Mais ie ne scay, s'ils ont envie, de me dèsfrayer.)
et ce seroit ün bel affaire, de me convier, a mes
propres dèspens!
Jch habe sie mit Meinen Junckern eßen laßen,
meine schreiben vndt negocia verrichtet, eine
alleinige niedliche abendtmahlzeitt vor mich
gegeßen, vndt also meine ruhe gesucht, vndt gefunden.
Jl y a apparence, que ce ieüne Prince (inquiete, fougeux,
& inexpert,) a eu quelque vent, de mes recerches[!], quoy que
fort secrettes, (car ie n'en ay sonnè mot, sinon aux Dücs,
de Zelle, et de Wolfenbüttel, lesquels tous deux, me sont fort
confidens, & vieils Princes Allemands, sinceres & genereulx)
& s'absente volontiers, affin de fuir le travail, & tout
ce, qui le dèsgouste, cerchant les delices, & les bonnes com-
moditèz, que l'opülence de son beau terroir, & l'abondance
de sa cour, luy fournit. Mais ie dis aux Capitaines13,
á moy depütez, que je croyois, que les choses, que i'aurois
á proposer a ce Prince, estoyent aussy importantes a luy,
qu'a moy, & peut estre davantage. Toutesfois qu'il fay-
soit tresbien de complaire à ce vieil Prince de Celle, quj
luy seroit au lieu de Pere, & de ne le dèsgouster en
façon quelconque. Vom Obersten leütnant sagten sie numehr
auch, er hette nicht allein geschäffte, sondern wehre auch
befallen, (id est: kranck, wie ichs verstehen soll)
hette mir sonst gerne aufgewartett. Jch regerirte,
waß ich zur sache, dienlich achtete, bedangkte mich,
vor daß gute anerbiehten, bekräftigte, dass ich hie-
her nicht gekommen wehre, wenn mirs hertzog Augustus
zu Wolfenbüttel (alß mein allter Freündt,) nicht gerahten
hette, vndt sagte, ich hette nicht lange zu warten,
würde mich auch schwehrlich alhier lange aufhalten
laßen, dann ich hette zu eilen, vndt auch mehr zu thun.
perge
Mittwoch☿ den 27ten: May: 1646.
Diesen Morgen, bin ich alhier zu hanover, in die kirche ge-
gangen, gleich gegen Meiner herberge v̈ber, am Schloße,
vndt es ist eine feine bußpredigt, gebeht, vndt gesänge,
gehalten worden. Man hat auch erinnert, eines greẅlichen
extraordinarii donner, vndt hagelwetters, welches am Pfingsta-
ge, gewaltigen schaden, solle gethan haben.
On m'a effrayè d'üne mauvayse consolation,
qu'ün getilhomme de ceste-cour icy, nous a donnè,
que le ieune Düc Christian Louys, beuvoit
estrangement, & des grands verres, & que tout
ce que moy, ou mes gens, avions veu, ou souffert,
a Oldenbourg, Zelle, Wolfenbüttel, ou ailleurs,
n'estoit rien au prix, de cest' espouvantable
boire, que le Düc icy continüoit, avec des grands
verres de vin, lors qu'il seroit en hümëur de
commencer. Mes gentilshommes en tremblent desja,
disans, quel Prince nous rendra les santèz de
nos corps, si nous les perdons ünefois? Certes,
c'est üne servitüde fort deplorable<!>, de vivre
ainsy, n'estre ütile a personne, se gaster mise-
rablement, dèsplaire a Dieu, & de complaire,
par ceste sorte de vie, par vice, & par pechè,
aux hommes mondaines, & impies! Dieu nous en
vueille preserver, & nous fortifier, par sa Sainte grace!
Capitain Mücheln, hat mir wieder aufgewartett. Es
seindt auch gestern, vndt heütte, wie gleichsfalß die gantze
Nacht, Schildtwachten, vor meine stubenThür, mit bloßem
degen, vndt vor die haußthür, mit einer Mußckeete, ge-
stellet worden, mir zu ehren. Viel vermeinen, es werde
der hertzog, noch zu Mittage, anhero kommen. Jch habe
gleichwol auch, in der kirche, etzliche von des hertzogs
rähten, gesehen, wiewol solches gestern, verneinet wardt.
Nachmittags, bin ich mit haüptmann Micheln, vndt Meinen
Jungkern, hinauß geritten, die Neẅe fortification, der Neẅstadt,
mit 4 bollwergken, (so aber noch nicht fertig) vndt dann die allte
fortification der Stadt hanover, zu besehen. Die Stadt ist auf die
allte Manier, fortificirt, mit <7> alten Pasteyen, rundeelen vndt hohen
wällen, alleß irregular, die Neẅstadt aber, wirdt regular werden.
Das waßer die Leina wirdt in die gräben geleittet. <Es hat schöne Stügke auf der pasteyen, hin: vndt wieder stehen,
klein: vndt groß, auch Mörsel. Außerwergke seindt auch
an Thoren, es hat drey StadtThor alhier. Das Schloß lieget in der Stadt.
perge>
Diesen abendt, ist der hertzogk ankommen. perge <Er heißt Christian Ludwig, hertzogk Geörgens Sohn, Jst ejn herr,
ohngefehr von 25 iahren <altt>, hat sich erfreẅet, mit Mir bekandt zu werden.
Ehe er noch angelanget, hat mir der Marschalck Hodenberg, mit
vier Edelleütten, aufgewartet, seinen herren excusiret, vndt eine kutzsche mit 6 pferden, mittgebracht, darauf ich inß Schloß, alleine gefahren,
wiewol es allernähest gewesen, vndt ich lieber gegangen wehre. Baldt
darnach, ist der hertzogk vorgenandt, zu pferde, von Zell wiederkommen,
hat sich abgelegt, vndt mich darnach, in meinem gemach, besucht, auch
gar freündtlich, zu allem offeriret. Jl monstre, d'estre bien ayse, d'avoir
cognoissance, & de cercher[!] appuy, de bons amis.>
Donnerstag♃ den 28ten: May: 1646.
Nach dem man des Morgens, wol außgeschlafen, vndt nach dem
gesterigen rausch, (den die Adelichen getrungken) sich wieder etwas
Nüchtern gemacht, (wiewol ich nur waßer, getrungken, vndt gar
nicht genöhtiget worden, vor meine person) ist der Marschalck
hodenberg, alß geheimer Raht, zu Mir, geschickt worden,
vom hertzogk, hat mir, post curialia, weitter deduciret,
wie nach gehaltenem Raht, mit ihme, vndt dem Stadthalter
Schengke, der hertzog nicht befinden köndte, daß er dem graven
von Vehlen, etwaß schuldig wehre, dann wann die succeso-
res, in feudis Principum, sich daß recht, solten nehmen laßen,
das Sie nicht primo acquirentj, eigentlich succedirten,
Sondern v ihren vettern, vndt alle dero Schulden, (darein
sie alß agnaten, nie gewilliget), viel weniger zu dociren,
ob<das> sie in commodum feudj, verwendet worden) auf sich nehmen
müßten, wehre es nicht allein, allen Fürsten, ein præiuditz,
(dann einer, so keine kinder hette dörfte inß gelack hinein
schulden machen, vndt die lehen mehr, alß sie werth wehren,
graviren den vermeinten lachenden erben zum schaden) Sondern
es würde auch, ihrer viel, zum lande hinauß, lauffen müßen.
auch dieser hertzog selber, wiewol er einen schein eines großen
Reichthumbs hette, in der That aber, voller beschwehrung säße.
Dann hertzogk henrich Julius, hette mit seiner Pragerischen
rayse, viel Tonnen goldeß verthan, vndt daß landt solte et-
was darumb geben, das solche rayse verblieben wehre,
(wiewol, er, der Marschalck, solches nicht wol sagen dörffte)
vndt es wehren von selbigem hertzoge, vndt Seinem Sohn,
hertzog Friederich Vlrich, v̈ber 70 Tonnen goldes, diesem lande
|| [[Handschrift: 330r]]
Schulden gelaßen, welche man nicht <zu> bezahlen vermöchte,
vndt dieses nur in vertrawen, berichtet würde. Köndte man aber
inß künftige, sich, mit den andern herren, inß gesampt vergleichen,
(darzu man sich keines weges, verstünde) sondern vmb seiner person,
vndt anderer considerationen willen, So würde man Mir, daß an-
gewiesene geldt gerne vor andern, vndt viel lieber gönnen, neben
anderen mehr, höflichen offerten, inß künftige, wann ich mich beßer
bekandt gemacht haben würde? An itzo bähten sie mich, diese erkläh-
rung, aufß beste zu excusiren, vndt nicht vnfreündtlich, zu vermergken.
Wollten mir auch zu bezeigung dero guten affection, hiemitt, Sechß
wagenpferde, verehret haben, bähten, ich wolte darmit freündtlich
vorlieb nehmen.
Darnach, ist er der Marschalck, zum hertzogk gegangen, Jch
aber, alß ich auß dem Fenster gesehen, das der hertzog in stall gegangen,
bin ihm gefolget, vndt habe den hertzog im Marstall angetroffen,
darinnen hüpsche pferde zu sehen gewesen.
Postea: seindt wir mitteinander, in die Tafelstube gegangen,
vndt haben malzeitt gehalten, darbey zimliche maße im tringken
gehalten worden, außer das sich die Jungkern beschwehret, daß sie
auß vielen langen gläsern, so keine Füße haben, vndt man also
nicht niederstellen kan, haben tringken müßen.
Nachm eßen, habe ich mit dem hertzogk, ein wenig gespraachet,
vndt er hat mich, in Mein losament, accompagniret, alß ich ihm,
zu verstehen gegeben, das ich in hollandt, schreiben wollte,
an Meine Söhne, vndt sonsten, welches auch geschehen.
Aufn abendt, ist eine BehtStunde gehalten worden, ich habe aber,
wegen meiner briefe, vndt der hertzog wegen anderer geschäffte, nicht hinein
kommen können. Man hat diesen abendt, stargk poculiret.
Freitag♀ den 29ten: May: 1646.
Diesen Morgen, ist abermal behtstunde gehalten worden,
alhier in der kirche zu hanover, am Schloß. Jch bin aber
wegen præparatorien meiner rayse, nicht hineyn gegangen.
Darnach habe ich mit dem hertzog gefrühestügkt
in meiner stube, darinnen eine gute Malzeitt angerich-
tett worden.
Nach der malzeitt, hat mich der hertzogk, biß an die
kutzsche accompagniert, vndt treẅhertzig valediciret.
Er hat mich zwar zu pferde, hinauß begleitten wollen,
neben seinen Officirern, vndt Jungkern, dieweil es aber
diesen Tag, vielfältig geregenet, habe ich selbst darvor
gebehten, vndt lieber fahren wollen, er der hertzog hats
auch acceptiret, dieweil er wieder, auf die zusammenkunft
nach Zelle muß. Sie haben mir auch eine kalte küche
mitt nach Peine gegeben, afin de n'y estre point en pejne.
| Meilenm. | |
| Bin also mit meinen leüttlein, vnd allten, vndt
neẅen pferden, vollends nacher Peyna gefahren: in vnlustigem wetter, wiewol es (außer des hagels, welcher <neben dem donner> diesen Morgen geschlagen) gut wetter vor haußmanneswesen ist. |
4 |
Zu Peina hat mich haüptmann Lohe weitt vorm Thor,
am waßer empfangen, vndt die herberge bestellen laßen.
<Zu hanover> Dem Præceptorj hangkwitz, habe ich auch valediciret, vndt
schreiben nacher Brehmen, vndt Leyden, mitgegeben. Gott gebe daß
er wol durchkommen, vndt Meine Söhne, wol finden möge!
haüptmann Lohe, hat diesen abendt, mit vnß gegeßen.
Samstag♄ den 30ten: May: 1646.
<Avis: daß 50 pferde Schwedische hier herumb schwärmen, peut estre; pour me cercher[!].>
Hanß Friderich Eckardt, meinen Amptßcopiisten, nacher Cassel
abgeschickt. Gott gebe zu glück, vndt gutem gedeyen! Amen!!
hertzog Christian Ludwig, hat v̈ber die 30 Aempter, im lande zu
Braunschweig vndt Lünenburgk. Jst allein regirender herr, gibt seinen
brüdern deputata, iederm[!] 10000 ReichsthalerRthlr: iährlich. Numehr aber, vergleichen
sie sich, zu Zella, auf dem landTage, wann der fall mit dem alten
hertzogk Friderichen, existiren sollte, (da dann in die 50 Embter
anfallen würden) alßdann würde dieser hertzog Christian Ludwig,
mit seinem bruder Geörg Wilhelm, eine Theilung anstellen, vndt den
anderen beyden Brüdern dennoch nur, deputata geben. Er sagte mir,
er hielte: 18 compagnien zu fuß, iede zu: 140 Mann, vndt 6 compagnien zu roß,
iede 80 pferde stargk die festen plätze, vndt päße zu verwahren.
hertzog Friderich aber, hielte 14 compagnien zu fuß, vndt 6 zu pferde,
hertzog Augustus, nur 7 compagnien zu fuß, vndt 1 zu pferde. Er mey-
nete aber, hertzog Augustus würde dennoch genung tribuliret von den
Schwedischen pour des raysons particülieres. &cetera
Zu Peyna, erzehlete vnß der haüptmann, wie der Oberste
Penß, so gerne hette hereiner gewoltt, vndter allerley prætext. Er
hette ihn aber nicht einlaßen wollen, sondern proviant hinauß gelifert.
Besorgte sonst, es würde der Oberste sein herinnen verblieben,
vndt er der haüptmann hette dörfen zu hanover, eine v̈bele
gastmalzeitt zum willkomb, gewinnen, oder bekommen,
bey hertzog Christian Ludwig, welcher nicht pflegte zu schertzen.
Je voy, qu'on est ialoux, en ce pays icy, de la puissance
& volontè des Swedois, qu'on redoute, & ne se fie pas d'eux
nüllement a cause de l'alliance, avec l'Archivesque de
Bremen, & le Roy de Dennemarck. Nihil est, ab omnj parte, beatum!14
Cependant, on leur fait bonne mine, & <on> recerche[!], la conservation, de leur amitiè.
Zu Peyna gefrühestügkt, da dann abermals haüptmann Lohe,
mit vnß, gegeßen. Darnach hat er zum landtdrosten, von
Selbigem, zum Raht, von deme zum Amptmann geschickt,
es hat aber keiner hertzog Christian Ludwig pariren, noch mich
außquittiren wollen, welches der haüptmann vor einen
Schimpf angezogen so seinem herren wiederführe, vndt
Mir, ein irrespect. Endtlich, hat ers v̈ber sich genommen,
in meynung der hertzog würde es wol wieder zahlen.
| Meilenm. | |
| Bin also, zimlich vngerupfft, von Peyna nacher Wolfen- büttel, wieder gezogen, vndt habe meine neẅe pferde in der kutzsche versucht, in regenwetter, vndt da es heütte eiß, zu wolfenbüttel, mit verwunderung, gefrohren. |
4 |
Jch bin stragks aufß Schloß gezogen, (nach dem ich
voran geschickt) vndt weil hertzog Augustus eben zu de-
liberiren gehabt, in schwehren postulatis, so ihme die
Schwedischen heütte gebracht, durch den General Commissarium
Schmidt, (welcher will werbegelder zu einem Regiment haben, vndt
einquartirung darzu) hat er mir seinen elltisten Sohn
in platz geschickt mit seinem Marschalck vndt Jungkern,
vndt sich excusiren laßen, so wol deßentwegen, Alß
daß er neẅlichst, mit ihnen, mich nicht zum á Dieu,
accompagnirt gehabt, (welche excüse doch vnnöhtig.)
vndt ich wehre ihnen, zu geschwinde, endtritten.
Man hat doch, daß Tringken, diesen abendt, nicht allerdings laßen können.
Sonntag☉ den 31ten: May: 1646.
heütte vormittags, seindt wir fürstlichen personen, in die Stadtkirche
gefahren, predigt zu hören, des Superintendenten, vom Reichen
Mann, vndt armen Lazaro15, da er gar moderat gegen vns gewesen,
auff die Duella aber, greẅlich gescholten, vndt auf das Sauffen.
Der Pommerische gesandte, Glasenap, ist abermals zur Mal-
zeitt, gefordert worden, vndt beyde mahlzeitten, zu hofe geblieben,
auch erschrecklich gesoffen worden, daß es mir ein greẅel ist,
ob ich schon waßer tringke, (wiewol in großer quantität,)
vndt Meine Jungkern sich baldt Todt sauffen, sehen muß.
Je plains cest honnest compagnie, pour le boire.
Vor der abendtmahlzeitt, hat der hertzogk Augustus, mit Mir,
im Schach gespielet, vndt keiner dem andern, abgewunnen.
Jch habe müßen zusagen, noch Morgen gebe gott alhier, außzu-
harren, ce que ie fay a contrecoeur, quoy que le Düc soit
autrement ün Prince fort accomply, et Vertüeux.
Avis: daß die venezianer, mit disgusto, den general
Sperreütter, wieder zurügke geschickt, vndt es scheinet,
Sie seyen endtweder allzusicher, oder sie werden v̈bel anlauffen,
oder schon den frieden vom Türgken redimiren.
