Jch habe nacher Zerbst, meinen iungen braunen Lichten-
stainer, geschickt, ihn daselbst, zureitten zu laßen,
Gott gebe zu glück! Es seindt auch schreiben
an den vetter Fürst Johannsen, vndt an den Advocaten
Jehna, mitgeschickt worden. perge
J'ay fort travaillè, aux differends, quj m'affligent.
Nachmittags, bin ich hinauß nacher Pfuhle geritten, meinen
weitzen zu zehlen, vndt abbringen zu sehen. Jch habe 114 hauffen
biß dato, ein par tage her, abgebracht befunden, vndt
an der fuhne 173 abgebrachte gerstenhauffen, gezehlet.
Schreiben vom hertzogk Ernst von Weymar, notificirt Mir,
die Neẅgeburt, eines iungen Sohnes abermalß. Gott gebe zu glügk
vndt segen!
Avis: daß der Churfürst von Brandenburg im gesundtbrunnen, seye,
vndt daselbst 7 zelte aufschlagen laßen. Jtem: der
Feldtmarschall DorstenSohn, seye inngleichem, dortherumb, vndt zu
Oscherßleben, mit stargker convoy. Jn Schweden,
seye die Königinn, mit dem ReichsCantzler Oxenstirn zerfallen.
Es kommen vndterschiedliche vom Adel, vndt andere feine leütte
zurügka vom gesundtbrunnen, weil sie vmb der ankommenden
großen herren, nicht vndterkommen, noch ihre quartier behal-
ten können. perge sich auch vor der insolentz der soldatesca förchten. perge
Gestern ist eine partie von 36 pferden wol beritten,
hier herumb vagiret, Man helt darvor, es seyen Kayserliche
so auf des DorstenSohns marche, vndt contenance, ein
auge haben. perge ob sie sich seiner person, bemächtigen köndten?
Die herren Staden wollen nicht zulaßen, daß die
Schweden, dem Churfürsten von Brandenburg daß Pommerlandt,
abnehmen sollen. perge
Jch bin vormittags, in die kirche gezogen, vndt haben
nach der predigt, zu der Capelaney, gesteẅret. Darnach,
alß wir wieder, nacher hauß, fahren wollen, hat die
andere kutzsche vor der kirche, auf ebenem wege,
zu kurtz gewendet, ist auf einen egkstein gefahren,
vndt hat meine kinder vndt Jungfern1, (nicht ohne
commotion vndt eüßerliche beschädigung, brauschen, vndt
blawe flegke) schändtlich vmbgeworffen. Gott
lob, daß es noch ohne halß[-], oder beinbrüche abgegangen!
Er wolle ferrner, in gnaden, die seinigen bewahren!
Nachmittags, wirdt die historia von zerstöhrung der
Stadt Jerusalem2, auf der Cantzel, verlesen.
Extra zu Mittage, Doctor Mechovium, Maior halgken, vndt
den Diaconum Jonium, gehabt, Jtem: Thomas Benckendorff.
Ein Rehe vndt federwildpreth, von Ballenstedt, bekommen.
Avis vom Caspar Pfaw: daß die Kayserlichen vndt Bayerischen
nach dem Mayn gewichen, vndt die Schwedischen densel-
ben, bey Gießen, gefolget, neben den Frantzösischen
vndter dem Türenne. Die Tractaten zu Münster vndt Osnabrück
verzögern sich. Der Churfürst von Brandenburg vndt Dorstensohn
seindt im gesundtbrunnen. Zu Kelbra wehre auch
einer endtsprungen, dabey v̈ber 200 personen,
sich befinden, sol eben die curen thun, wie der
zu hornhausen, Berlepsch bericht nach. Es
würde vor eine sonderbahre gnaden Gottes
gehalten, vndt zu hornhausen, solten alberejtt
in die 2000 personen, sein gesundt worden.
perge
heütte frühe auf gewesen, in einem digken Nebel.
meine faulentzer forthzutreiben. perge
Avisen von Leiptzigk; reden von den bedenkgen
der medicorum, v̈ber den Virtutibus des gesundt-
brunnen, iedoch mit großer moderation, vndt
mit Natürlichen vernünftigen gutachten, wor-
zu das waßer heylsam, oder schädlich sein möge?
Die liederliche, vndt verrähterische v̈bergabe,
der venezianischen festung in Dalmatia,
vndt daß der Türgke gar v̈bel darinnen ge-
hauset, (in dem er die alten vnvermöglichen,
vndt krangken, niedergehawen, die iunge
Mannschaft aber, theilß auf die galleren
schmieden laßen, theilß auch in die schnöde
dienstbarkeit, mit weibern, vndt kindern,
gen Constantinopel, geführet,) wirdt confir-
miret, vndt daß die Türgken, numehr vor Sebe-
nigo gerücket, vndt biß an Zara hinan streiffen.
Gott wende die Macht dieseß Orientalischen
Antichrists, gnediglich von vnß, vndt allen Christen abe!
Jn Polen, besorget man innerliche motus.
Jn Engellandt, will, vom Parlament, der Oxen-
furdtische accord, nicht allerdings, observirt werden.
Des Printzen von Wallis, außflucht, in Fland<Franckreich> macht
seltzame gedangken, bey den Parlamentischen.
Der König sein herrvatter, hat ihn zwar wieder
begehret, die FrawMutter aber opponiret sich.
Der Printz von Vranien, soll vor Bruck, in Flan-
dern liegen, vndt die Frantzosen, auch Duynkercken be-
setzt halten.
Dennemargk soll mit seinen Ständen, auch strittig sein. perge
Nachmittags, bin ich hinauß, gen Zeptzigk vndt
Pfuhle geritten.
Mein kleiner Carll, hat abermlaß, 5
hasen, von der hatz einbracht.
Abermals, ein schreiben von der Churfürstinn,
von Brandenburgk bekommen, von Hornhausen.
J'ay apprins hier seulement, que ce garnement
de cocher, (ayant renversè avanthier, mal á propos,
mes enfans, auprès du Temple) est sautè des
chevaux, & s'enfüy, parmy la populace, afin que
s'il arrivoit, peut estre, ün grand mal, a mes enfans,
il peust s'en aller, & se saulver, &<et cetera>[.] Si donc les che-
vaulx (n'ayans nülle tenuë & estans desia en
fougue,) se füssent avancèz tant soit peü, ils
eussent trainè le carosse, & gastè & perdü tout
ce qui estoit dedans, & desja renversè dessous
le carosse, Mais la providence de Dieu,
alla benignement au devant, de ce grand &
facile inconvenient, donnant le coeur, a ün
mason (qui de fortüne rencontra le coche) de
s'aviser a jetter la main, a la bride dés chevaulx,
|| [[Handschrift: 398r]]
& a les retenir soudainement, nos gens estans
comme assoupis, de confüsion & estonnement, partie
aussy, sortans dü temple encores, ou ils s'arreste-
rent à mettre de l'argent au bassin, partie
prennans plüs garde aux enfans, & Damoyselles3
au carosse, qu'aux chevaux devant. De telle
sorte, nous auroit peü arriver ün insigne mal-
heur, si Dieu n'eust obviè paternellement par sa main
Toutepuissante & misericordieuse. A luy en soit gloire,
los & honneur, sempiternellement! Amen, Amen, Amen!
<Hans Albrecht> von halcke, ist wieder forth, nacher hornhausen. Gott
wolle ihn geleitten!
Die Churfürstin, meldete gestern, vndter andern,
dieseß, in dero schreiben, daß nicht allein meine base
von hanaw, wehre gäntzlich von den Kayserlichen auß-
geplündert, sondern auch ein grave von Eisembergk
auf seinem hause, wehre erschoßen worden.
C'est üne pitiè; de telles procedüres!
Die prediger, vndt pfarrer von Dröble, vndt von
Waldal[!], seindt auch forth, nacher Gröningen, vndt
Hornhaußen, ihren ruinirten kirchen zu guhte, bey
frommen, glaübigen, zu wieder aufferbawung derselbigen,
eine collecte zu erbitten. Jch habe ihnen eine attestation
mitgegeben, wie andere Chur: vndt Fürsten, bey dergleichen, zu thun pflegen.
Der gute redliche vndt gelehrte Mann, Doctor Stößer,
von halle, (so auch Fürst Johannsens Liebden bedient gewesen)
alß er vmb leibesschwachheit willen, gleichsfalß
nach dem gesundtbrunnen, verrayset gewesen,
ist dorth gestorben, vndt die leiche gestern abendt
spähte, hierdurch geführet worden. Also
hilft der heylbrunnen, nicht allen Menschen!
Sie sagen nun, die advocatj des brunnens,
er, vndt andere hetten sich nicht recht guberniret,
wiewol ich nicht præsumire, daß ein solcher
feiner gelährter Mann, sollte vnmäßig gele-
bet haben, bey dergleichen leibeßcur, vndt er
ist in seinen besten iahren verblichen. Gott genade ihm.
A spasso die Oeconomysachen, vndt daß bawwesen,
hin: vndt wieder, zu befördern, Es gehet aber
alles gar schwehr daher! Gott beßere es!
Meiner Mußcketirer einer, Christoffb
alß er seine elltern4, zu Mäckerähne einem Böß-
nischen Krosigkischen dorfe besucht, hat er sich,
mit einem Mühlknecht, vervnwilliget, deme
seine gesellen, zu hülfe gekommen, vndt ihn der-
maßen mit schlägen tractirt, daß er darüber,
den Todt zu gewartten! Jst sonst ein frommer kerll
|| [[Handschrift: 399r]]
gewesen. Wehre beßer, er hette seines berufs abge-
wartett. Jch habe laße hinschreiben, den Thäter, zu
verfolgen. Gott gebe! das, gerechtigkeit, floriren möge!
Geörge Petz der iüngere, Mein hoffurirer,
ist von Ballenstedt, vom Rindtorf anhero geschickt
worden, allerley in Oeconomicis anzuzeigen,
vndt saget von großer vnsicherheitt fra via.
perge
Der Feldtmarschalck Leonhardt Torstensohn,
schreibet vnß zu, daß er numehr, wegen seines be-
schwehrlichen leibeßzustandes, von der Königinn
in Schweden, seinen abschied vndt dimission, auf
sein innstendiges anhalten, endtlich erlanget, vndt
nimbt also seinen abschied höflich von vnß. perge
Man hat zu Cöhten, ein antworthschreiben in
gar höflichen terminis an ihn aufgesetzt, wel-
ches ich auch mitt vndterschreiben müßen, ne
noceat in conciliis, oder sonst vns wol recommendire.
Der Oberste Werder, will zu ihme, nacher
Hornhausen, vndt zum Churfürsten von Brandenburgk[.]
Sein schreiben, an vnß, wahr zwar, den 10ten:
Julij, zu Bart, in Pommern, datiret. Sejdthero ist
er, zum gesundtbrunnen, gezogen, vndt vnß viel
näher kommen. Nota Bene[:] er remittiret vns auch, in epistola sua an
den Feldtmarschalck Wrangel, seinen successorem.
Es ist ein DorstenSohnischer Maior, Bornemann ge-
nandt, diesen Morgen, mit 180 pferden, vor die Stadt
kommen, hat nicht durch den furth sondern hineyn gewoltt,
vndt hat einen paß, vom Feldtmarschall DorstenSohn, v zu
Oscherßleben, vorgestern datirt, darinnen er
begehret, man wolle ihn aufnehmen, allen vorschub,
vndt beförderung thun, weil er auf seinen feindt
zu recognosciren, außgeschickt wehre, vndt
wann er sich derenthalben etwa setzen müßte,
solte man ihn auch willig aufnehmen, vndt in
allem beförderlich sein. Jch habe hanß Christof
Wischer, hinundter zu ihm geschickt, vnordnungen
zu vermeyden. Es scheinet, DorstenSohn förchte sich,
zu Oscherßleben, zu sein, oder habe nachricht,
von der neẅlichsten marche deß Lüdolfs, oder er gönne
mir die fehrgelder nicht, oder geitze selber darnach,
oder der Teüfel wolle mit einem stangk außfahren,
da er vnß doch an den Feldtmarschall Wrangel verwie-
sen, vndt schon seinen abschied genommen gehabt, de
dato Bart, vom 10ten: Julij:
Es gehet ein großer wolff, im felde, spatziren, thut aber
den leütten nichts, vndt es seindt noch 5 andere wölffe, im
Grähnischen pusche gesehen worden.
Diesen behtTag, habe ich zwar, mit Meiner gemahlin,
Schwestern, vndt kindern, predigt gehöret, da dann Er
Theopoldus, die historij von der Sündflut5, zu erklähren,
angefangen, es seindt aber meine meisten leütte zu
den Soldaten geschickt, troublirt worden, vndt auch wenig
vndterthanen, in die kirche gekommen. perge Gott wolle die
wenigen erhören! vndt allen gnedig erscheinen!
Nach der predigt, hat sich der Maior, in die herberge,
geleget, vndt die Reütter, am pfaffenpusche füttern
laßen, da haben sie abgesattelt, ihre pferde ge-
schwemmet, heẅ vndt haber preiß gemacht, wo sie
gekondt haben, vnangesehen ich ihnen, bier, brodt,
vndt haber geben laßen, aber gute ordre, promittiret.
perge
Avis: daß die neẅlichsten Reütter, die wir vor
Kayserliche ansehen, vndt gemeinet Rjttmeister Lüdlof, wehre
darbey, nur Schwedische Mauser gewesen,
vndt sich vor Kayßerliche außgegeben, viel pferde
bey Saltzfurth den fuhrleütten geraubet. Gleich-
wol hat dieses dem DorstenSohn, ein alarm gemacht,
vndt partien außzuschigken, anlaß gegeben.
Risposta vom herrn von Schrahtembach, gar generaliter.
perge
Avis: daß auch ein gesundtbrunnen, bey Stoltzenaw
gegen Minden, entsprungen. Gott theilet seine gaben
vndterschiedlich auß, vndt thut wol, vndt wehre, hier,
vndt dar. <Je me suis pourmenè au jardin, avec Madame.>
Jch habe den Christian Groß, vom hartz bürtig,
(vulgo: der große Kersten genandt) mit vngnaden
abschaffen müßen, wegen seiner losen, vnverant-
worttlichen reden, continuirlichen Tringkens,
vndt lasterhaften ärgerlichen lebens, vndt v̈beler
aufwarttung, wiewol ich ihn gerne behalten
hette, weil er viel raysen gethan, keine
gefahr gescheẅet, ein Treẅ hertz zu mir ge-
tragen, gute dienste gethan, oft vmb
meinet willen sich gebalget, wunden auß-
getheilet, vndt empfangen, vndt sehr resolut
aber auch gar zu vermeßen, vndt ruchloß gewesen.
Man hat große gedultt, ein 13 iahr hero, mit
ihme getragen, in hofnung, er würde sich beßern.
Es hat aber kein dreẅen, kein strafen, kein
vermahnen, weder durch Geistliche noch weltt-
liche personen, mehr an ihme helfen wollen.
Also habe ich ihn, vnangesehen seiner langwie-
rigen dienste, weil er so gar wunderlich,
vndt malitiose Thöricht wirdt, fortschaffen müßen.
Jl a calomniè vilainement toute la Ville
& cour, avec la personne, d'ün Puissant Voysin,
|| [[Handschrift: 401r]]
auquel ses mignons veulent tout rapporter
ceste injüre trop püblique, & ie crains que
i'en auray des incommoditèz, non meritèes. Telle
inconsideration provenante d'üne passion &
zele intempestif, ne me peut pas ayder, & me
nuit de beaucoup. Le pis est, que ce ont estè
des Officiers de guerre de l'Electeur de Saxe auxquels il
a dit, contre toute apparence á l'hostellerie
telles grandes & irreparables injüres, & ils
ont creu, que je le gagois expressèment pour ce-
la, afin de tourmenter les passants, avec des
picquanteries injürieueses, contre qui que ce soit,
en quoy ils mentent neantmoins. <Mais Kersten,
est hay, d'ün chacün, a cause qu'il dit tout ce qu'il pense.>
hanß Horenburgk hat den Stadtvogt er-
schießen wollen, weil er wieder ihn exequiret,
vndt lose reden auch geführet. Gleich wie in
der ersten zeitt, die weltt sich den Geist
Gottes, nicht mehr wolte warnen, vndt strafen
laßen, biß die Sündfluht kahm, vndt Sie v̈berschwemmete,
Also wollen viel von Meinen Bernburgern, kein
recht vndt gerechtigkeit leiden, vndt setzen sich
halstarriglich wieder den Magistrat. Er hatte den Juden
mit einem zerbrochenem pferde betrogen,
|| [[Handschrift: 401v]]
in dem ers gegen ein gut pferdt vertauscht, dar-
neben aber daßelbe zu gewähren versprochen.
Alß nun der Jude die erste Nacht gesehen,
daß das pferdt einen zerbrochenen rügken gehabt,
vndt auß der Streẅ nicht aufstehen können,
hat er sich v̈berfortheilt befunden, mirs suppli-
cando geklaget, vmb schutz vndt hülfe gebehten.
Jch habe darauf inquiriren laßen, jhme sein <voriges>
pferdt wieder zustellen, vndt Horenburg seinen
vnfug verweysen laßen. Dieser Horenburg
aber hat gestern, seine zeitt ersehen, vndt des
Jüden bruder, vom pferde herab gestoßen,
alß er es vor die schmiede reitten wollen,
ihm seine kleider zerrißen, iämmerlich injuriiret
auch die Obrigkeit nicht verschonet, vndt de
facto sein pferdt von der gaße wieder hin-
weg genommen. Also ist ihm, der Stadtvogt,
heütte, mit Mußketirern, inß hauß gefallen,
vndt hat ihm das pferdt wieder genommen, ihme
darneben, eine straffe angekündiget.
Er hat aber mit pistolen, vndt Streẅgabeln
sich armiret, vndt alß meine Soldaten dennoch irrum-
piret, hat er Sich auß dem Staube gemacht, vndt ver- || [[Handschrift: 402r]]
borgen, daß sie ihn nicht finden können. Jn
iustitzien sachen, muß man keinen glauben oder
Religion ansehen, sondern recht muß recht bleiben,
damit man Gott den herren, (alß einen liebhaber
der gerechtigkeit, vndt der vnrecht strafet,)
nicht erzörne, die billigkeit handthabe, auch
durch die edle iustitz, die vngläubigen gewinne!
Zumahl da ich dem<diesem> Juden, so wol alß den Christen
vndter mir zu wohnen, vergönnet, vndt schutz ver-
sprochen zu halten, in billichen müglichen dingen,
die nicht wieder Christum lauffen. perge
Avis: daß diese Nacht, zu Grähna, eine Partie
Reütter, eingefallen, vndt die gäste, so einem kindt-
taüffen beygewohnet, v̈bel tractiret, vndt auß-
geplündert. Es sol ein großzetergeschrey, darbey ge-
wesen, vndt vorgangen sein! Gott tröste die armen leütte!
A spasso, vmb den bergk, vndt Juden gebeẅden. perge
J'ay escrit a Cc datè, pour demaind. Dieu nous
soit en ayde, & benie nos conseils, & nous assiste!
Paulum Ludwigen Secretarium, habe ich bey
mir gehabt, mir vndterthenig referiren zu laßen,
vndt weittere expedienda, der Stadt bestes, in
Contributions: vndt anderen Sachen, <betreffende> anzubefehlen.
Jch bin hinauß nach Pfuhle geritten, meinen weitzen
zu besichtigen, vndt einführen zu laßen. Die bürger
haben sich gar vngehorsamlich, vorm berge, eingestellet,
da sie doch schuldig zu fahren sein, vndt es ist nur ein eini-
ger, nemlich Schultze, erschienen.
Alß ich wieder hinein inß schloß kommen, ist der
General Maior, Axel Lillie mit ein 6 compagnien
Reütter, eztlichen wagen, vndt pferde, erschiehnen, hat
einen leütnenampt vorahn geschickt, vndt in der
Stadt, ein frühestügk begehrt. Jch habe ihn, (nach
müglichkeit) accommodiren laßen, vndt daß vnver-
mögen, endtschuldiget. Seine Reütter, seindt
durch den furth geritten, vndt man hat sie so
baldt nicht, mit futter, vndt Mahl, versehen
können, Sie haben inndeßen, viel garben auf dem
felde, zu nichte gemacht, vndt verfüttert. Solche
außlösungen, machen vnß den garauß. perge Sie
ziehen nach dem gesundtbrunnen, vndt scheẅen sich
doch nicht, seüftzen zu erwegken. Gott beßere sie!
Baldt darnach, seindt etzliche <pferde vndt> wagen, vom
Feldtmarschall DorstenSohn, ankommen, so auch freyen paß,
vndt v̈berfahrt, mit Seinem paßzettel, erbettelt. perge
Also habe ich, nutzen, vndt schaden, von der Sahle. perge
Nach dem eßen, ist General Major Axel Lillie, wieder forth,
vndt hat etzliche krancke pferde, vndt leütte,
alhier gelaßen. Verhoft, im rügkwege, wieder
einzusprechen, comme si on ne pouvoit pas passer
la riviere, ailleurs, qu'a Berenbourg? Sie
seint sehr stargk geritten, darüber hat Axel
Lillie selbst 4 pferde müßen stehen laßen, von
den seinigen, vndt ein ander reütter noch eins.
Es scheinet sie haben sonst anderstwo kein
frey quartier gehoffet, alß hier zu haben.
Die Reütter, haben zimlichen schaden, im
felde gethan, in dem getreydig. perge Seindt v̈ber
300 pferde stargk gewesen.
Jtzt erfahre ichs, daß eine von diesen trouppen
von 100 pferden, nacher Staßfurth, commandiret
worden, diese Nacht alda zu logiren, weil sie
in neẅligkeit dem Maior, nichts zu willen
gewußt. Sie können sich baldt vindiciren.
Vorige Nacht, ist General Major Axel Lillie, zu Ostraw
gelegen, der von Feldtheim, hat ihn auf sein schloß
gebehten, mit begehren die Reütter im dorf zu
laßen. Alß es auch also angeordnet, d seindt
ihme dem general Major alle seine Officirer, her-
nacher auch die Reütter gefolget, vndt Sie sollen
|| [[Handschrift: 403v]]
es sehr v̈bel gemacht haben. Diese Nacht, wil er
zu Egeln, logiren. Der Oberste Minckwitz, ist auch
bey ihm, hat sich mir gewaltig recommendiren laßen.
Mein kleiner Carll ist draußen gewesen,
vndt hat drey hasen, von der hatz einbracht.
perge
Axel Lillie, hat die vorspann pferde, weitter
alß nach Staßfurth, (seiner vertröstung zuwiedere,)
mittgenommen. Er hat auch vertröstet, im rückwege
nicht wieder anhero zu kommen. Mais ces gens, font
ce qu'ils veulent, & on ne les scauroit prendre
au mot. Patientia!
Der Christian Groß, sonst vulgo, der große
Kersten genandt, ist numehr hinweg. Gott
gebe ihm einen beßeren Sinn, vndt daß er Gott
vndt Menschen, beßer, alß biß dato geschehen,
gefallen möge, wiewol sein hertz vndt in-
tention, sonst gut genung gewesen sein mag,
aber die liebe der weltt, hat den guten Sahmen
fast erstigken, vndt zu nichte machen wollen. perge
A spasso vormittags zu fuß in die felder, vndt
zun gebeẅden, nachmittags zu pferde inß feldt vndt erndte,
verstehe post expedita negocia. perge <Disordinj per tutto, da
rimediare difficilj.>
|| [[Handschrift: 404r]]
da rimediare difficiljf, ed in qualche maniera, jmpossibilj.
perge
Vormittags, conjunctim in die kirche, gezogen, Ern
Theopoldj, predigt anzuhören, welchen ich auch her-
nacher zu Mittage, habe erfordern laßen, vndt
allerley mit ihme, conferiret perge auch zur mahl-
zeitt, ihn behalten. perge
Nachmittags, wieder in die kirche, da dann,
Er Bartolomeus Fridericj, pfarrer zu Palbergk,
geprediget, weil der Diaconus Jonius, absens ist.
perge
Mit Madame, in den garten spatziret,
vndt allerley mitteinander, conversiret. perge
Avis: daß hertzogk Adolf Friederich von Meckelnburg
auch im gesundtbrunnen, ankommen, dahin, vnsere
Jungfraw, Eleonora von Ditten, heütte verrayset,
vmb Privatschulden willen. Gott gebe beßerung
an allen orten!
Diese Tage v̈ber, ist ein Tauber Mann anhero
gekommen, außm gesundtbrunnen, welcher vorgeben,
er hette sein gehör wieder erlanget. Alß er aber
beym gastgeber Sipling, geherberget, vndt die
kinder die Thür hart zugeschlagen, ist er wieder Taub
worden. An itzo sollen auch böse Fieber, daselbst regieren.
perge
Die avisen melden, von einem Neẅen heil:
oder gesundtbrunnen, bey Kutzschdorf, nicht weitt
von Königßbrügk in der Oberlaußnitz
endtstanden. Sol schon vielen leütten geholfen
haben, vndt gleichmeßige Tugenden, wie
der zu hornhausen, an sich haben.
Printz von Vranien gehet auf Antorf, die
Frantzosen, facilitiren ihm, seinen anschlag,
in dem sie ihm 6000 Mann zu roß vndt fuß zuschicken.
Dem Könige in Engellandt, haben die
Schottischen predicanten, mit der excommunica-
tion gedroẅet, im fall er ihren Parlaments
bundt beyder Reiche nicht annehmen will.
Pfaltzgraf Ruprecht, ist beym Printzen von
Wallis zu Paris.
Jn Engellandt, regieret die pest.
Die verbitterung, vndt endtstandene tumult zu
Lüttich, continuiret noch, vndt das 40000 Mann
baldt in die waffen gekommen, wieder die Frantzo-
sen, welche ihnen ihre privilegia nehmen, vndt
2 Obersten, nach ihrem Sinn, wehlen wollen,
darüber ihrer viel, todt geblieben.
Düc d'Orleans sol vor Duynkirchen liegen, zu lande,
vndt Admiral Tromp zu waßer.
Zu Münster vndt Oßnabrückg wollen die protestirenden
wegen der religionsgravaminum vom iahr, 1618
nicht weichen, auch keinen achten Churfürsten haben,
sondern das die Chur alternatim Bayern vndt
Pfaltz, die lande aber dem Pfaltzgraven, simpliciter
restituirt werden sollen, deßgleichen begehret
die Cron Schweden, daß man der Fraw landgrävin
zu Caßel, satisfaction, nicht an geldt, sondern
an landen geben solle, auch denen Thumbcapiteln,
(welchen man die Stifter nimpt) in andere wege
satisfaction geben soll, eher will die Krohne
Schweden, nichts hauptsächliches schließen.
Der abgehandelte Trefues, zwischen Spannien
vndt Staden, soll auf Niederlendischer seitte vollnzogen
sein. Man erwartet aber noch des Königs in
Spannien, ratification. Mittlerweyle gehet
der Printz von Vranien, zu felde. Vndt die Stadischen
gesandten von Münster, seindt in hollandt, wieder arriviret.
Düc d'Orleans hat Wynoxbergen, erst erobert,
ehe er Maerdyck, vndt Duynkirchen, berennet.
Der neẅe König in Portugall, assistiret dem Könige
in Franckreich zu waßer, mit 6 gallionen, 2 Schiffen.
Jm Ampt Kelbra, den graven von Schwartzburg
zugehörig ist auch ein heilbrunnen endtsprungen,
davon lahme, blinde, vndt Stumme schon sollen
sein genesen. Bey Pegaw vndt Pönike in
Meißen, sollen auch 2 brunnen gefunden
sein, die haben etzlichen leütten, so den Stein
gehabt, geholffen, wie geschrieben wirdt.
Jst wunder, daß so viel sich eraignen, vndt
Gott vor seine gnadengaben, billich zu dangken.
Zu Münster vndt Osnabrück wollen die Kayserlichen
weitter nicht tractiren, man beobachte
dann auch daß interesse der Cron Spannien.
Chur Brandenburg will tractaten wegen
Pommern zulegen, durch interposition der
cron Frangkreich, vndt der herren Staden.
hat nicht lußt von Pommern, abzustehen. perge
Die hertzogin von Longueville ist zu Münster,
mit 20 kutzschen, 16 Mauleseln, vndt 100
Reüttern, benebens vielem Frawenzimmer,
ankommen, dero zu ehren die soldatesca, neben
6 fähnlein bürger, in waffen gestanden,
vndt auß Stügken, salve geschoßen worden.
Des Kaysers Sohn, ist zum König in Böhmen, ge-
kröhnet, auch darüber, in Kayserlichen lägern, salve ge-
schoßen worden.
Der Schwedische assistentzraht Eßken, hat von Caßel
inß Schwedische läger, ordre gebracht, daß die Köni-
ginn, dem Wrangel die <general>Feldtmarschalcksstelle[,]
Königßmargk daß Generalat v̈ber die cavallerie[,]
Mortaigne, v̈ber die jnfanterie, vndt Wittem-
bergen die ReichszeügmeisterStelle in der ar-
mèe, auftragen ließe. Den Schweden sol noch
ein secours zukommen sein, daß sie also drey
armeen haben sollen. Jhre völcker, wie auch
die Frantzösischen vndt Kayserlichen campiren noch im
lande zu heßen, vmb Marpurg, vndt Gießen,
theilß liegen auch, in den quartieren still.
Die Türgken liegen mit 20000 Mann, bey
Zara in Dalmatien, vndt ein ander corpo, vor
Sebenigo, vndt noch eines, vmb Catharo. Es haben
aber, die Spannischen 6 große gallionen von
Neapolj, den Venezianern zu hülfe gesandt.
Gegen Polen, vndt Moßkaw, sol sich auch der Tür-
ckische Kayser, stargk rüsten. Der Königinn
crönung soll zu Crackaw stadtlich celebriret sein.
Jn Norwegen, gebe es alterationes, contra regem Daniæ[.]
Bey des iungen Königes in Böhmen, kröhnung,
sol auch der junge Ragozzj, nebenst noch 5 an-
deren Fürstlichen personen gewesen sein. Man hette
bey der krönung, 12 Tafeln gespeiset,
es wehre der Spannische, vndt venezianische
Ambassador, sonderlich auch, darbey gewesen,
die völcker, hetten sich im gewehr, præsenti-
ret, sonderlich, in die 8000 Mann, nur mit
Morgensternen, vndt Streittkolben. Ein
kerll hette auf dem knopf des Thumturns[!],
die heerpaugken geschlagen, vndt v̈ber
ihm einer die fahne geschwungen. <Man hat auch zu Prag, bey Ferdinandj IV.ti. kröhnung
brodt vndt geldt vndter das volck geworffen, vndt in die
15 Eimer wein, fließen laßen, 50 Stügke, dreymal ge- || [[Handschrift: 407r]]
löset, auch die Soldaten, vndt bürger, dreymahl
salve schießen laßen.>
Korneẅburg hette der Schwedische Oberste
Görtzky endtsetzen wollen, aber vnverrichte-
ter sachen, wieder abziehen müßen.
Die Frantzosen, seindt mit ihrer Schiffar-
mada, vor Orbetello, auch hinweg, vndt von
selbigen Meercüsten abgezogen.
Der König in Engellandt desideriret höchlich den
frieden, vndt wüntzschet denselben, mit verlangen,
schreibet auch derentwegen, an sein Parlament.
Jhrer Kayserlichen Mayestät ist post zukommen, daß Korneẅ-
burg v̈ber seye, nun würde es Jglaw, gelten.
Die Pollnische werbungen, continuiren noch, wie-
wol sich die Senatores Regnj, darwieder legen. perge
Butzbach, hat sich endtlich, den Frantzosen, vndt
Schweden, ergeben, vndt eine darmstädtische compagnie
im stiche gelaßen.
Jm nachsetzen vor Orbetello, hat die Spannische armada
den Frantzösischen, viel bagage, vndt 14 stügke abgeiagt.
Ein Spannischer bey den Frantzosen, gefangener general
Commissarius v̈ber die Neapoltanische Reüterey, hats dahin
vermittelt, daß die Frantzosen, haben die Meerhafen
Telamone, vndt Sanct Stephano, verlaßen, vndt seindt
<in die 100000 Pfund (libra)℔: pulver verbrandt>
mit ihrem v̈brigen bagage vndt geschütz, auch hinterlaßung
aller, bey sich gehabter Spannischer gefangenen, abgezogen.
Jhr fußvolck, ist zu schiffe, nach Provence, vndt
Printz Thomaso, mit der Reütterey, durch daß Flo-
rentinische, vndt Genuesische inß Piemont, gegangen.
Jnnzwischen hat der Meyländische Gubernator,
die Stadt vndt Schloß Aicquj, nach 60 canonschüßen
erobert, die besatzung ist abgezogen, nach Nizza della Paglia.
6 Schiffe von Rochelle haben 4 Spannische, vndt ein
Raubschiff von Algierj v̈bermeistert, vndt zu Barcelona ejnbracht.
Zu Brefort, hat im Julio an einem Sontage, daß
wetter in den pulverturm geschlagen, v̈ber 200
Tonnen angestegkt, vndt mit dem Ampthauß
in die luft gesprengt, den drost neben allen den
seinigen, auch einem capitain, vndt leütenampt
wie nicht weniger, im Städtlein bey 50 Men-
schen, erschlagen, viel beschädiget, vndt fast
an allen haüsern schaden gethan. Gott erbarm es!
Zu Osenbrügk, ist des graven von Oxen-
stirn gemahlin, gestorben. perge
19 schöne forellen, von Ballenstedt, ankommen.
Jtem: andere Victualien, federviehe & talia. perge
J'annote cecy, pour les comptes, de la semaine.
perge
Jakob Ludwig Schwartzenberger ist auß dem gesundtbrunnen von
Hornhausen (dahin er vor ein par Tagen gezogen,
seine bresthafte Stumme Schwester6 zu besuchen) wiederkommen.
Saget es seyen wol in die 30 waßerquellen numehr,
aber 6 haüptbrunnen nur, welche eigentlich
gebraucht werden. Es seindt wol in die 20000 Menschen,
numehr daselbst, darundter an Damen, vndt herren, 22
<Chur: vndt> Fürstliche personen, <darbey auch die alte Regina Sveciæ[,]> gräfliche vndt herrenStandeß,
(darundter auch General DorstenSohn, mit Seiner gemahlin[,]
|| [[Handschrift: 408r]]
General Axel Lillie, mit der Seinigen, vndt General
Maior Goldstein mit seiner liebsten, mittgerechnet)
v̈ber diese alle, sollen noch 18 Obersten, daselbst
sein, ohne die Obrist leütenampt, Maior, Ritt-
meister, Capitains, viel andere officirer,
vndt vom adel, Doctores, in allerley faculteten,
vndt vornehme leütte, mit den ihrigen familien.
Es hilft aber daß waßer nicht allen, doch
vielen, vndt hilft mehr den armen, alß den
reichen, auch nicht in allen kranckheitten.
Sie sollen große andacht, darbey spühren
laßen, sonderlich die krancken, mit behten,
niederfallen auf die knie[,] <singen, predigt hören>, mit allmosen geben,
vndt anderen guten wergken, daran sie löb-
lich thun, gleichwol aber, sol auch der Mißbrauch
nicht außen bleiben, in dem etzliche arme, so genesen,
mit rauffen, schlagen, vndt bösen stügken, ärger
worden, alß zuvor nie, etzliche reiche, einen sol-
chen pracht, vndt wollust, treiben, das es nicht außzu-
sagen, sed propter abusum, non tollitur, verus usus!
Doctor Mechovius, ist daselbst geblieben, vor den calculum,
selbiges waßer zu tringken. Gott laße es ihm, wolgedeyen!
Er Jonius, ist, re bene gesta, wiederkommen. et cetera
heütte ist abermalß mein geburtsTag, an dem ich 47
iahr meines Mühesehligen lebens, zugebracht, vndt
Gott zu dangken vhrsach habe, vor alle gnedige
heimsuchung, vndt aufferlegte creützes laßt,
auch darbey, verliehenen Trost, gedultt, vndt
<wolthaten, mit allerley> gnadenbezeigungen, darauß ich kindtlich,
spühren, vndt genungsam abnehmen können, das
auch dieses Jahr, die handt deß herren, an
Mir nicht verkürtzet gewesen, vndt seine
barmhertzigkeitt, noch kein ende hatt.
Er seye davor gelobet, gepreiset, vndt ge-
benedeyet, von nun an, biß in ewigkeit! Amen!
herr Christ, dir seye lob, ehr, vndt preiß! Amen, Ame[n!]
Der liebe fromme vater, verzeyhe vnß, alle
vnsere Sünden, vndt Mißethaten, vndt laße vns
in seiner forcht vnser leben, ferner zubringen. Amen[!]
Bin hinauß geritten, die Oeconomica, zu
treiben. An der Sahlspitze haben wir 89 hauffe[n][,]
auf dem Mittelgewende aber 140 hauffen, zu
Zeptzigk 38 haufen vndt auf der langen breitte
96 gezehlet. Gott wolle vns seine gaben wol
|| [[Handschrift: 409r]]
gedeyen laßen, vndt väterlich gesegenen! Amen! Amen!
Avis vom Milagio, de dato Osenbrügk, vom 28ten: Julij,
daß die Kayserlichen Plenipotentiarij, sich gantz geendert,
vndt den Frantzösischen notas v̈bergeben, deß Jnnhalts,
wann 1. Frangkreich, mit der vorgeschlagenen satisfaction
nicht zufriedenh, 2. sich von der Schwedischen vndt Heßischen
satisfaction per totum, nicht separiren, vndt 3.
ratione Amnistiæ, in den Termin, de annis 1620 vndt [16]30
nicht willigen wollte, alßdann alle daßiehnige, waß
ihnen offeriret worden, revociret, cassiret, vndt auf-
gehoben sein sollte. Diese enderung (schreibt er) möchte
verahnlaßen, <1.> die liga zwischen dem Kayser, vndt
Spannien, wie auch den meisten Jtalienischen Fürsten,
2. der treves zwischen Spannien, vndt den Staden,
so gantz gewiß sein soll, vndt zwar mit dieser
condition, daß waß Sie in diesem feldtzuge, noch
erobern würden, solches ihnen verbleiben solle.
3. Daß vnglück so die Frantzosen, in Jtalien, vndt
Catalonien, haben. 4. Die Mißverstände in Frangk-
reich, inmaßen der hertzogk von Orleans sich des
hertzogen von Lottringen, eifrig annehmen, auch
der Düc d'Anguien, sehr disgustiret sein soll.
5. Daß die Frantzosen, sich in die Engelländische
händel mischen, vndt dem Printzen von Wallis,
eine Armèe vndtergeben wollen, den krieg in En-
gellandt, länger zu vndterhalten. 6. Das der
|| [[Handschrift: 409v]]
Vice Rè zu Neaples die sachen in Jtalien, dermaßen
restabiliret, daß noch vor wintters, in die 14000 Mann
auß Jtalia inß Elsaß kommen, vndt dem Ertzhertzogen
von Jnsprugk, vndtergeben werden sollen.
Derowegen scheinet es, noch gar vngewiß zu sein,
Ob Deützschlandt in diesem wintter, einen frieden
erlangen werde, vndt bleibt es, an deme, daß
von dieser handlung dennoch die Kayßerlichen den
besten fortheil eriagen möchten, weil sie beyden
kronen, anlaß gegeben, ihre intima animj sensa
zur vnzeitt, zu eröfnen, vndt zu zeigen, daß es
ihnen mehr, vmb ihre eigene satisfaction, alß vmb
deß Reichs wolfahrt, zu thun, gewesen seye.
Die Stände können auch, in dem puncto grava-
minum noch nicht fortkommen. Die Papisten, haben
schon, wegen des geistlichen vorbehalts, den besten
fortheil hinweg, vndt wollen doch nicht zufriedeni
sein. Theilen sich in drey hauffen, der erste ist
Kayserisch, iedoch nicht der stärgkste, der
andere ist Bayerisch, vndt da befinden sich
die meisten, der dritte, ist neütral, aber von
keiner consideration, weil er nichts præstiren
kan. Die Kayserlichen sollen albereit geschloßen haben,
wann schon die Evangelicj, den nechsten vorschlag
|| [[Handschrift: 410r]]
den ihnen die Papisten selbst offeriret, numehr accep-
tirten, sie wolten bey so beschaffenen dingen, es nu-
mehr, nicht ejngehen. So weit können die extrema
gerahten. Gott gebe heilsahme dienliche consilia
zu deß Reichß beruhigung, vndt vnser aller bestem!
Schreiben von der frommen Gottsehligen Churfürstin von Bran-
denburgk empfangen, de dato Gröningen, der Amptmann
Benckendorf, hats mitgebracht. Mein vetterlein hertzog Gustaff,
ist auch mit Hertzogk Adolff von Meckelnburgk, im gesundt-
brunnen, angekommen, wegen blödigkeit seiner augen.
Er Marggravius, deme neben Jonio dahin zu ziehen, erlaü-
bet gewesen, ist auch mit etwas contento, vor seine kirche,
wiederkommen.
<Mein kleiner Carl, hat 7 hasen, von der hatz,
einbracht.>
Der gute Allte 70iährige, Melchior Loyß, hat mich
diesen Nachmittag auch besucht, vndt viel mit Mir, confe-
riret, in allten, vndt neẅen geschichten.
Die Churfürstin klaget, daß ihrer Liebden der gesundtbrunnen,
biß dato, nicht allein, nichts geholffen, sondern auch ihrer Liebden
einen starkgken husten, zu wege gebracht, wiewol der Ampt-
mann, so wol, alß mein kammerdiener, mirabilia, & stupenda,
von diesem gesundtbrunnen, erzehlen. perge
Madame a üsè pour les yeux & pour la veüe exterieurement
l'eau de Hornhausen, je l'ay fait aussy. Dieu nous y
donne salütaire effect! par sa grace! Jch habe endtlich
mich bewegen laßen, das waßer vom Holunderbrunnen7, auch inner-
lich, zu Tringken, vndt zu gebrauchen. Gott gebe zu glück, vndt gedeyen!
Jch bin hinauß geritten, in meine weinberge,
auch selbigen vnordnungen, (pro posse) zu remediiren.
perge
Eine depesche, nacher Zerbst, verfertiget.
Gestern ist ein Quartiermeister mit 10 pferden,
vom Axel Lillie, mit paß versehen, alhier, trans-
fretiret. Jch habe ihn zwar, zollfrey paßiren laßen,
allein er hat auch frey quartier haben wollen,
daß ich anfangs difficultiret, vndt von der
Monatlichen contribution abzurechnen, mich er-
klähret. Er hat darvor gebehten, vndt ein
pferdt, in der herberge, an statt der zehrung, laßen
wollen. So habe ichs endtlich concediret.
Ces gens nous veulent commander, & nous gourman-
der. C'est ce; quj est jntolerable!
Der Syndicus von Goßlar, ist anhero kommen, so
vnß nähermalß, im nahmen selbiges Rahts,
tractirt, vndt hat sich, wieder den Amptmann
zu Ballenstedt, wegen eines zehenden, zu beschwehren.
Ein Rehe ist von Ballenstedt, ankommen.
Feldmarschall DorstenSohns küchenmeister sucht postulata
von Victualien, an Ballenstedt, vor seineß
herren ansehlich hofküche zu Oscherßleben, vndt
die Vmbliegende orth, sollen viel darzu, contribuiren.
Die allhiesige Erndte, rückt sehr zusammen, also
daß man es vor ein Mißiahr halten will, vndt es dörfte
das liebe getreydig, noch wol theẅer werden, so wolfail
alß es auch an itzo zu sein scheinet. Jch habe vergangenes
iahr, in die eilf wispel gersten, mehr außseen laßen,
alß dieseß iahr gescheh Außsaat gewesen, bekomme
doch kawm so viel, dißmahl, einzuerndten. Die
Maüse thun sehr großen schaden, sonderlich den bürgern
v̈ber der Sahle, Sie sollen aber auch schahrenweise
herüber geschwummen sein, darüber sich, wol zu
verwundern. perge Der liebe Gott segenet, vndt
mindert seinen Segen, nach seinem gnedigen wolgefallen,
wir müßen doch alles mit dangk, von seiner
gnadenhandt annehmen, vndt ihme hertzlich dangken. perge
auch mit seinen gnadengaben, allezeit wol zufriedenj sein.
perge
Avis: das General Major Axel Lillie (seiner zusage zuwiderk)
will wiederkommen, vndt alhier frühestügken. Bernburg
muß ihm, gar lieb sein.
Der Quartiermeister, (welcher vorgestern hiehehr
kommen, mit Axel Lillie paß,) ist muhtwilliger
weise, biß vmb 2 vhr, Nachmittags, alhier
verblieben, nur weil ich etwaß difficulteten ge-
macht, ihn accommodiren zu laßen.
Doctor Brandt, hat zue Mittage, mit vnß, gegeßen, vndt nach
der mahlzeit, viel conversiret, <von alhiesiger Stadt sachen.>
Jch habe (Gott lob) wieder schreiben, de dato Leyden, vom
28. Julij: Stilo veterj empfangen, das es vnsern Söhnen, noch
wol ergehet, vndt sie fleißig sein. Gott wolle sie
erhalten, vndt ferner gesegenen! Sie sollen noch
gesundt sein, vndt täglich zunehmen, beydes i<a>n leibeskräften
vndt disposition, alß auch vornehmlich, in der Gotteßfurcht,
freyen künsten, vndt exercitzien, innerlichen Tugenden,
vndt eüßerlichen feinen gebehrden, vndt manieren.
Deß Morgends vmb 7 vhren, vndt abends vmb 8 vhren
lesen sie ein capittul in der Frantzösischen Bibell:
worbey der hofmeister dann sonderlich auf ihre gute
Pronunciation achtung gibt, vndt waß sie nicht verste-
hen, exponiret. Darnach von 8 vhren des Morgends
biß vmb: 10 tractirt der Præceptor, mit ihnen, aller-
dings seinem, vor diesem gehaltenem Methodo gemäß,
beydeß in der lateinischen sprache, alß auch universalj
cognitione Historiarum, vndt Politices: Darauf von
10 biß 11 kömbt der Sprachemeister zu ihnen. Nach der
Mahlzeitt, etwan vmb 2 vhren, fängt der præceptor
wieder mit ihnen an, zu tractjren, vndt von 3 vhren
biß 4 exerciret Sie, der hofmeister, in den fun-
damentis, vndt in genuina pronunciatone,
der frantzösischen Sprache, leßet ihnen etwan, ein
Historiam oder sententiam auß dem Frantzösischen
|| [[Handschrift: 412r]]
inn deützsch, oder lateinisch, vertiren, vndt wiederumb
Viceversa. Vndt damit Sie auch, zusampt der frantzösischen
Sprache, mit einer Mühe, eine wißenschaft deß itzigen
zustandeß in Europa, erlangen, exponiren sie
ihme (dem hofmeister Schwechhausen) alle wochen, die Or-
dinarj Frantzösische postzeittungen, vndt erzehlen ihm
dann, waß sie darauß behalten, proprio stylo, wieder,
welcheß dann mit ihrem sonderlichem lußt, frisch von
statten, gehen soll. Darnach v̈bet er sie recreations-
weyse, im reißen, vndt schreiben, vndt von 5 vhren, bjß
6 kömbt der Tantzmeister zu ihnen. Vmb 6 vhr, or-
dinarie ist die Mahlzeitt fertig, nach welcher er sie
bißweilen, hinauß spatziren führet, nach dem wetter
ist, oder nach ihrem belieben, vndt selbst eigenem antrieb,
sie auf der lautten, spielen lernet. Waß sonsten vor
zeitt v̈brig, passiret er, conversando, damit er
ihnen, die Frantzösische sprache, (deren er sich dann,
sampt der lateinischen, nur allein, mit ihnen,
gebraucht) allmählich familiar mache, vndt derge-
staltt continuiren sie Täglich, behalben Mittwochß,
vndt Sonnabends, da dann des Morgends, die fundamen-
ta Religionis, mit ihnen repetirt werden, vndt Sonna-
bends, darbenebenst die repetitio wochentlicher lectio-
nen, vorgenommen, des Nachmittags aber, nur ein wenig in der
Frantzösischen Sprache, gehandelt, vndt dann zur lußt,
etwan auff der lautten gespielet, oder gerißen, oder
|| [[Handschrift: 412v]]
geschrieben wirdt, oder waß ihnen selbst etwan beliebet.
Dieses ist, die itzige abtheilung, ihrer stunden, vndt
education. Gott wolle progreß in gnaden darzu
verleyhen! damit alles zu seiner zeitt, gemehret[,]
gebeßert, vndt doch nicht ultra captum, & vires
v̈bereilet werde!
C'est ün de mes plüs grands, & principaux soings,
de pouvoir faire bien èslever, mes chers enfans.
Pleust a Dieu, que mes voeux peussent ester ac-
complis, & reüssissent a sa gloire, a la saincte
edification de son Eglise, & a nostre propre
salüt & de mes chers enfans! Ainsy soit il! Amen!
Gegen abendt, ist ein hochdeützscher bohte auß Hollandt,
ankommen, mit schreiben von Meinen Söhnen zu Leyden,
wie auch von ihrem hofmeister, vndt Præceptore, daß,
Gott lob, vndt dangk noch alles wol stehet. Der
liebe Gott, helfe ferner, mit gnaden vndt seye
davor gepreiset! Meine Söhne, haben heütte
zum erstenmahl an mich, in Frantzösischer sprache, ge-
schrieben, auß ihrem eigenem gehirn, ohne hülffe,
vndt ist noch ein guter anfang, zu sehen gewesen,
Gott lob, der erhalte, vndt gesegene sie!
Ein Rehe ist abermahl von Ballenstedt, ankommen.
Avis: daß die brunnen zu Hornhausen, wieder anfangen
zu versiegen, vndt keiner mehr fast recht thun will. An
stadt der 30 seindt ihrer nur noch 23. Die andacht
sol sich auch anfangen zu verliehren, vndt darumb
(melden Sie) vergehen die brunnen. Der Churfürst
von Brandenburgk, will heütte hinweg. Mein bruder
Fürst Friedrich ist bey ihm gewesen, wie auch hertzog Adolf von
Mecklenburgk, welcher nebenst seiner gemahlin vndt
kindern alldar ist. hertzogk Joachim Ernst, von hollstein,
mein Schwager, sol auch dorthin kommen. Die herztoginn
von Schöningen, hat zwar dankgsagung, vor sich, thun
laßen, auf den Cantzeln, es ist aber, an itzo, ärger, mit
ihr worden, alß zuvor nie, Sie besorget sich des Schlages,
es wirdt aber, gar heimlich gehalten. Etzliche nennen ihn,
einen vexierbrunnen. perge Wollen gar nicht, daß man ein
miraculum darauß machen solle! Differentia
est, inter naturalia, & præternaturalia, inter
mirabilia, & miracula. Die am ferrnesten endtseßen
sein, loben ihn, am allermeisten. Cjcero saget:
Omne ignotum; pro magnifjco est8, & maiora creduntur
de absentibus.
Jch bjn diesen Morgen, in einem digken Nebel, hinauß nacher
den hundert Morgen, (aldar ich 124 hauffen haber, gezehlet,)
gerstenl gerechnet, geritten, auch die Mühle besehen, wie
auch die gebeẅde. Es gibt v̈berall genung zu trejben.
Risposta von Zerbst, entpfangen.
Die FrawMuhme von Plötzkaw, ist anhero kommen, nachmittags.
Freẅlein Johanna, vndt vetter Lebrecht, seindt mitgekommen.
Depesches von Cöhten vndt Deßaw, in vndterschiedlichen dingen.
Milagius schreibt, wie die Schwedischen vndt etzliche luttrische
Stände, vnß so gar wollen außschließen, auß dem Religions-
friede, vndt wie vnsere Sachen, so schlecht stehen, die Staden
nicht rechte jnformation darvon haben, vndt alles gar
schlecht bestellet ist. Wer wolte dann gut Schwedisch sein?
Gott helfe die seinigen, mit gnädigem Schutz, man-
teniren, vndt dempfe alle wiederwertige consilia!
Das Jus reformandj, wil man vnß gantz nehmen.
Aber der im himmel wohnet, kan ihr lachen, vndt
spotten, vndt seinem haüflein, wol wieder aufhelffen!
Rindtorf, hat sich auch wieder, wol eingestellet,
wie auch Wischer von Hall. perge Der Oberlender, hat
sich auch wieder mit Rindtorfen eingestellet, vndt abermal
ein Rehe einbracht, vndt also vier Rehe, baldt nach
einander, geschoßen.
Die FrawMuhme, vndt der vetter, seindt mit
den ihrigen, wieder forth.
Jn die kirche, conjunctim, vormittages.
Doctor Brandt, vndt Er Theopoldus, seindt vnsere gäste, zu
Mittage, gewesen.
Nachmittags in des Jonij Catechismuspredigt cum sororibus &
filiolo Carolo Ursino. Es hat gedonnert, vndt geregenet.
Es ist ein schwehr wetter, diesen nachmittag, mit don-
nern, blitzen, vndt regen, gewesen, wie auch den abendt,
vndt hat lange gewehret. Gott wolle vnglück
verhüten!
J'ay depeschè en deux lieux importans. Dieu nous
vueille benir, & faire prosperer nos desseings! vers
Leiden et Osnabrück avec plusieurs lettres.
Jochem Einspänniger ist forth, d'ün costè vers Osnabrück
et le petit copistem vers Leiden[.] Dieu vueille faire
prosperer leur voyage! & me benir par leurs mains!
Gestern Nachmittag, alß meine wagen,
den leütten, ihren weitzen, vndt zehenden zum
erndtelohn eingeführet, haben sie 3 Räder,
an einem wagen zerbrochen, die doch gut wahren.
Jst ein seltzames fatum! Man solte am Sontage,
auch die Thiere, außruhen laßen!
Jch bin hinauß hetzen geritten, vndt haben 5 hasen,
einbracht, von Palberg her, alda ich die kirche,
Meiner gemahlin Forwergk, vndt andere rudera besehen.
Gott gebe Mittel, vndt wege, den armen leütten, zu helfen!
Die Maüse, vndt hamster haben meiner gemahlin großen
schaden, im getreydig gethan. Sie hat: von 21 Schefel (Scheffel)schfl: weitzen
außsaat, nur 26 schock, geerndtet, von 3 wispel rogken,
1 Sechtzigk, 20 schock, von 10½ Wispel (Raum- und Getreidemaß)wisp:l. gersten, 100 schock, vom 5½
wispel haber, in die kaum: ein Sechtzigk.
Avis: daß die schwehre vndt stargke wetter, so
gestern wieder einander gewesen, das guht Marwitz (so
den Krosigken von Erxleben zugehörig) angestackt
vndt abgbrandt, Jtem in halle, eines begkers hauß
angezündet, Jtem: einem pfarrer auf einem
dorf, sein hauß abgebrandt. Wen das unglück
trifft, der muß es, alß eine väterliche züchtigung
annehmen. Gott erscheine vnß mit gnaden!
Avis von Wien, daß man daselbst vermeinet, es
seyen 6 heilbrunnen, im Fürstenthumb Anhaltt
endtsprungen. Sie begehren bericht darvon.
Avis von einer Grävin von Waldeck vndt
Cülemburgk, geborne grävin zu Naßaw, auß
dem haagen, daß ihre Fraw Mutter, des Feldt-
marschalcks graf Wilhelms zu Naßaw Sehligen
wittwe, geborne grävin zu Erpach, Todeß ver-
blichen, welche ich billich, vmb dero Tugendt,
vndt anverwandtnüß willen, vndt da ich sie so
neẅlichst im haag gesehen, vndt gesprochen, auch
ihre stadtliche conversation admiriret, beklage.
Es ist aber der weg alles fleisches!
Vnsere bienen (mit deme wir diß iahr, sonderlich
glück gehabt) haben auch ihre feinde vndt wiedersacher
heütte haben müßen, in deme der Raubbienen gantze
Schwärme voll Sie angefochten vndt ihre wohnungen
|| [[Handschrift: 415r]]
gestürmt, auch etzliche körbe außgebißen. Wir haben
es mit verwunderung an: vndt diesem kriege zugesehen,
da man sich der guten ordnung, so die bienen, in bello defen-
sivo sonderlich gehalten, verwundern müßen, zumahl wann
sie etwaß hülfe mit beßerer verwahrung, ihrer häuser-
lein erlangt, darbey man sich dann, die Oeconomiam
Colerj, zu nutz machen müßen, vndt remedia zu suchen.
Bey diesem Spiel, ist es zimlich, nicht allein, v̈ber die
kriegs:interessenten, (deren auf beyden theilen viel Todt
geblieben, bißweilen auch die raubebienen, stadtlich re-
poussiret worden) sondern auch, v̈ber die zuseher, vndt
kickers, (wie sie der holländer nennet) gegangen,
also das vnser etzliche mit bienenstichen, abgefertiget
worden, vndt den Schimpf zum schaden, gewonnen.
Jhrer viel halten diese raubbienen, vor eine an-
gethane zaüberey, vndt großen vnverantwortt-
lichen diebstall, deren, welche andern daß ihrige
gern endtwenden, dann solche raubbienen arbeit-
ten nichts, sondern tragen nur, ihren herren viel
ein, von dem honig, den sie fleißigen arbeit-
sahmen bienlein, abstehlen, vndt solcher gestaltt,
bringet ein Stock der raüberischen bienen, einem
ruchlosen, gewißenslosen herren, mehr ein, mit
vnrecht, vndt diebstahl, alß: 10 Stögke, der guten
fleißigen, arbeitsahmen Thierlein. Jst hochstrafbahr.
Avis: von Wien, das es gewiß, das an eben dem Tage, alß
der iunge König, in Böhmen, Ferdinandus IV.tus gekröhnet
worden, mit schönen solenniteten, (vndt da Fürsten, dem
Kayser die regalia vorgetragen, andere vornehme
herren aber, dem iungen Könige die seinigen) auch Kor-
neẅburgk, vom graven von Buchheim, eingenommen worden,
vndt der Schwedische Oberste Copie, darauß abziehen
müßen, welches vor ein groß glück vor den antritt
des iungen Königs gehalten wirdt.
Die ordinarij avisen; confirmiren auch dieses. Jtem:
die Kayserliche rayse, nach Preßburg, auf selbigen landTag.
Jtem: die Niederlage der Kayserlichen in heßen, vndt daß
General Wrangel, den Landgraven zu Darmstadt
vor feindt hielte.
Die Frantzosen attacquiren die vmbliegenden
orth, vor Duynkercken, vndt die Stadischen, vor
Antwerpen, vnangesehen trefues tractiret wirdt.
König, in Engellandt, bemühet sich, vmb den
frieden, vndt vereinigung seiner Reiche.
Cardinal Mazarinj sol etwaß disgraciiret
sein, am Königlichen hofe, zu Paris, dieweil es in
Jtalien vor Orbetello, so v̈bel abgelauffen.
Er wil aber geldt herschießen, mit beßerem
Nachdrugk alles zu ordiniren.
Zu Münster vndt Osenbrügk, erwartet man, eines
hauptstreichß, vndt gehen die tractaten langsam.
König in Dennemargk armiret aufß neẅe, vndt hat
seinen Sohn, graf Woldemar, splendide in hollandt
abgeschickt, vielleicht zur neẅen alliantz.
Vor Lerjda, liegt der Viceroy Harcour noch.
Es wirdt viel geschrieben, vndt gedruckt, von
neẅen heilbrunnen, so jm lande zu Meißen, vndt
auch in Thüringen, endtsprungen sein sollen. Die hetten,
dem bericht nach, eben die Virtutes, welche der ge-
sundtbrunnen zu Hornhausen, haben soll.
Der Türgke, sol sich nun, an Cat<h>aro, hindter Ragusa,
machen, vndt zu waßer, sehr stargk sein.
Des Königs in Polen werbung, wieder den Türgken,
will einem Jnnländischen kriege, ähnlich sehen, weil
die Weywoda<e>n, sich stargk opponiren, vndt die
werber auffangen.
General Major Axel Lillie, ist diesen abendt wiederkommen, hat
80 pferde drüben, bey sich, in der Stadt, behalten.
herüber aber, fast eben so viel setzen, vndt hinüber
nach Grehna, paßiren laßen. Er hat gar höf-
liche complimenten, gegen Meine abgeschickte gemacht,
wie auch seine gemahlin, absonderlich, vndt haben sich
excusiret, wegen dieser vns zugezogenen vngelegen-
heitt, auch vns gratuliret, zum gesundtbrunnen.
Avis: daß gestern, am Sontage, keine dancksagung
zu hornhausen, mehr geschehen, vor keinen Menschen,
weil numehr die kräfte, vndt mineralische Virtutes,
des gesundtbrunnens, sich verliehren wollen. Meines
kammerdieners, Jacob Ludwig Schwartzenbergers Stumme
Schwester9, ist auch wiederkommen, vndt ist ihr gar nicht ge-
holffen worden, Sondern sie ist stumm geblieben, wie zuvorn. et cetera
Die kalte Nachtlüfte, oder herbstwinde, die Nebel
vndt andere einbrechende accidentia, laßen nicht
zu, daß es vielleicht also continuiren solle.
Die leütte, können auch, propter injurias temporis
länger, im felde, vndt v̈bel verwahrten hüttlein,
nicht dawren. Jn allen Sawerbrunnen, bädern,
vndt dergleichen mineralischen sachen, pflegen sich die
Virtutes im herbst, sonderlich gegen dem winter, zu
verliehren. Gott entzeücht auch bißweilen, seine
geschengke, vndt gaben, propter abusum. perge
heütte ist Axel Lillie, mit den seinigen, aufgebrochen,
vndt seine Reütter, haben sich noch zimlich gehalten.
Er hat auch, gar höfliche, discrete discours, gegen Secretario
Paulo Ludwigen, geführt, welcher bey mir gewesen,
vndt mirs gerühmet, wiewol er beklaget, daß der
General Maior, gar schlecht tractiret worden, vndt man
erst, als er schon zu bette gewesen, das wildpreth, vndt
|| [[Handschrift: 417r]]
gute weine, so ich hinundter geschickt, gelifert, welches
mehr seinem gesindlein, alß ihme, zu gute kommen. Er
gehet nach Leiptzigk zu.
Üne meschante abbeille, m'a picquè derechef ce
mattin, au mitan de l'œil droict, avec douleur & in-
flammation, en ayant toutesfois fait retirer l'ai-
guillon. Hier une autre me picqua a la tempe
gauche, & leur guerre au jardin düre encores.
Cela est remarquable qu'avant l'an 1620
dès mon enfance, l'espace de vingt ans, entiers,
jamais abbeille ne m'a mordüe ou picquèe, quoy
que je les approchasse, au plüs fort, de leur
fougue, & ie me tenois asseurè de cela, mais
depuis, ceste asseurance s'est perduë, contre
ces petits animaulx ou bestioles. perge
Jch habe fleißig inquiriren, vndt die raubbienen
mit waßer vndt lehm, besprengen laßen. So hat sich
befunden, daß in heinrichs Schmidts des Bürgemeisters[!]
vorm berge garten, dieselbigen hinein geflogen. Weil
nun dieses, ein großer diebstall, (welcher auch an manchen
orthen am leben pfleget gestraft zu werden,) alß habe
ich die raubbienen, zusampt den stögken verbrennen laßen.
Er hat stargk darvor gebehten, vndt die Schuldt auf
seine Tochter die Sirawinn geschoben. Aber, der hehler,
ist wie der Stehler. 8 Stögke haben Sie mir schon verdorben.
Der gesundtbrunnen, hat gewaltig bey mir, operiret,
der medicus Doctor Brandt aber, hat mir denselbigen
dissuadiret, vndt viel exempla angezogen, derer,
so recidiven bekommen, vndt krängker, alß zuvor nie
worden, wiewol viel hohe, vndt niedrige standeß-
personen, daselbst sein, vndt vermeinen, die ge-
sundtheit zu recuperiren.
J'ay eu des mauvayses nouvelles, de la
cour Imperiale, & qu'on y est corrompü, par mes
ennemjs, & adversaires, que Dieu vueille bien
tost convertir, & amender, ou precipiter. perge
Oberlender, ist von halle wiederkommen, con dineros,
vor hofmeister Einsiedeln, wegen seiner bücher, der
dann den gasthof, Meiner freundlichen herzlieb(st)en gemahlin, abe-
kauffen will. perge Numehr, wirdt es wieder zum
adelichen Sitz wie vormalß, gewesen. Er gibt
Meiner freundlichen herzlieb(st)en gemahlin an itzo 500 ReichsthalerRthlr: bahr geldt,
(welches er auß den büchern gelöset, Sie haben
aber seinem Vater Sehligen wol 4000 gekostet)
vndt die v̈brigen 500 ReichsthalerRthlr: wirdt er auff
Termine, oder an Egkern, ihr anweisen. perge
A spasso in die Mühle, jn garten, inß forwergk,
mich zu recreiren, nach gestriger purgation, vndt
die Oeconomysachen, zu treiben.
Rindtorf hat zweene hasen gehetzt, vndt 94
hauffen, bey Zeptzigk, an hafer gezehlet. perge
J'ay receü üne mediocrement bonne rèsponce de Cassel.
Der Siraw, deme die raubebienen, in Bürgemeister[!]
Schmidts garten, zugehöret, vndt er des Bürgermeister Schmidts
TochterMann ist, des alten in verdacht gezogenen
Reittschmidts, successor, hat sich diesen Morgen,
loß geschwohren, mit einem Cörperlichen eydt,
daß er nicht gewußt das er Raubbiehnen
gehabt. Jch habe nicht begehrt, daß er einen
falschen, sondern vielmehr, einen rechtmeßigen
eydt, schwehren sollte, oder es gar bleiben laßen.
Er hat aber, auf seine conscientz sich be-
ruffen, auf seine vorgewandte aufrichtigkeitt,
sich gesteifft, vndt also hin geschwohren, da man
gleichwol, daß factum deprehendirt, vndt
daßelbige, nicht geleügnet werden kan.
Abermahlige schreiben von Oßnabrügk
vndt Münster, wie auch von Caßel entpfangen.
perge
Avis von Cantzler Milagio, daß sich daß negocium
religionis, anfängt, beßer anzulaßen, vndt daß
man vnß reformirten, pure in den religionsfrieden,
numehr, einschließen will. Gott gebe es!
Sonst gibt es, altercationes, wegen der tractaten,
vndt offerten, der Interessenten, im Politischen frieden,
Jtem: neẅe præcedentzStritt, zwischen den Städten,
vndt der vnmittelbahren ReichßRitterschafft. perge
Viel große herren, hängen diesen an, etzliche auch,
den rebus publicis. Die ambition, vndt privat-
eigennutz, verhindert, manche gute deliberationes,
auch vndter den Evangelischen selber.
Frangkreich, sol sich numehr zjmlich, zum ziel,
lengken, obs wol scharfe discurß zwischen dem
Graven von Trauttmanßdorf, vndt Conte d'Avaux
gegeben. Der Graf von Trauttmansdorff sol hinweg zu raysen,
willens sein, welches <vor> eine aufstoßung der Trac-
taten, von etzlichen will gehalten werden.
Die landtgrävin, bittet vnß, den Milagium,
noch länger allda zu laßen, vndt ihn nicht zu revo-
ciren, weil er wol qualificirt, der reformirten
ohne daß, alda, sehr wenig seyen, vndt man möchte
ihm doch die Marpurgische sache, zum gütlichen vergleich, recommendiren.
Avis von Grüningen, daß der Ritterhaüptmann
Geüder, sich auch numehr, im gesundtbrunnen befindet,
Gott wolle ihm zu seiner reconvalescentz, gnediglich
wieder verhelffen!
Der CammerRaht, Doctor Mechovius, ist gestern abendt,
mit Doctor Herdesiano10, auch wieder von dannen anhero
kommen. Quantos hombres, tantos pareceres!
Die Meynungen der Menschen, von diesem heil-
waßer, fallen gar vndterschiedlich, vndt vielfältig.
A spasso in gartten, con Madama, post expedienda expedita.
Nacher Deßaw, an Fürst Iohann Casimir vndt deßen gemahlin Liebden geschrieben. perge
Rindtorf, hat heütte, fünff hasen, von der hatz, einbrachtt.
vormittags, vndt Nachmittags, jst der kleine Carll hinauß
hetzen gefahren, vndt hat einen hasen, eingebracht.
A spasso, wieder auf den abendt, zu meinen gebeẅden, an
der Sahle, vndt vielerley difficulteten, gefunden.
Avis von Ballenstedt, daß die Kayserlichen v̈ber den Thüringer
waldt, herein dringen, vndt auf Hornhausen zu, gehen wollen.
Gott gebe, daß diß landt, nicht abermals, in einen krieges-
schwahl, gerahte!
Rindtorf, hat heütte, 107 hauffen, haber, hindter Zeptzigk,
gezehlet.
Avis: das Fürst Ludwig zu Cöhten, vndt seine FrawSchwester
zu Kälbern, sehr kranck seyen. Gott wolle es beßeren!
Jn die predigt conju vormittags, cum sororibus et filiolo.
Der Oberste Werder, vndt capitain Krosigk, seindt
auch herkommen, vndt mittgegangen, v̈b neben vnsern Jungkern,
<hofmeister> Einsideln, Rindtorf vndt Börstel, welche alle zur mahl-
zeitt geblieben, wie auch Doctor Herdesianus11 Chur Brandeburgischer raht,
Melchior Loyß, Doctor Mechovius, vndt andere.
Nach der malzeitt, vndt gehabter conversation, habe
ich Den Obersten Werder, vndt Doctor Mechovium<Herdesianum,> wiederumb
dimittiret, vndt mit den andern conversiret, darnach
aber wieder in die kirche, cum sororibus gezogen.
heütte, habe ich lange mit Melchior Loyß, conversiret,
vndt er hat mir gar sehnlich á Dieu, gesaget.
Avis: daß der schregken zu hornhausen, gar groß ist.
Eine Schwedische parthie, von 20 pfer Mußketirern, vom
Axel Lillie, (einen paß, oder freßzeddel habende)
ist anhero kommen, mit einem leütenampt, quartier
zu nehmen. perge
A spasso, die Oeconomica zu treiben.
Mit Doctor Herdesiano12 nochmalß, heütte frühe, im
garten, eine conferentz gepflogen.
Paulum Secretarium bey mir gehabt, wegen Milagij
angelegenheitten.
hinauß geritten, vndt hinder Zeptzigk 48 haber hauffen,
gezehlet. Bey Pröderitz, hargken Sie.
Die bäßelein13 von Deßaw, seindt auß dem gesundt-
brunnen, wiederkommen, vndt alhier v̈ber Nacht gelegen.
perge
Freẅlein Eva Catherina, vndt die andern beyde
Deßawische Freẅlein14, seindt wieder verrayset, nach
dem ich sie angesprochen, dieweil es des gestrigen
abends nicht geschehen. Mit Börsteln dem hofmeister
habe ich auch conferiret. Gott gebe glück zu ihrer
rayse, vndt cur des gesundtbrunnens, welchen
sie ferner, von hauß auß, tringken wollen!
Philip Güder ist von Zerbst wiederkommen, mit
Pollnischen Ochßen. Der pferdt: vndt viehemarckt
allda ist gar schlecht gewesen, von wegen der
kriegeswerbungen, in Polen. <Risposta von Dessaw.
et cetera>
Meine wagen, vndt pferde, habe ich nacher
Agken, geschickt, bawholtz abzuholen,
mit Jacob Ludwigen Schwartzenberger. Gott wolle
sie begleitten! hin: vndt wieder!
Feldmarschall DorstenSohn ist hinweg vom gesundt-
brunnen, (mezzo sanato) vndt sein Schwieger-
vater15, der alte graf La Garde, kömbt auß
Schweden wieder, sein gesicht zu recuperiren,
das wasser von Hornhausen soll biß in Schweden
vndt Vngarn, geführet worden. Das thut die Opinion. et cetera
Doctor Herdesianus16, vndt mein Amptmann, Thomaß Ben-
ckendorff, seindt fortt, nach Berlin zu, Gott
wolle sie geleitten!
Avis: daß die landtgrävin zu Caßel,
eine große Niederlage erlitten, in deme die Frantzö-
sische, vndt Heßische<Schwedische> völcker, die ihrigen, abban-
doniret, vndt in deme sie vermeint, den Landgraf
Geörgen, allein zu bekriegen, wehren die
Bayerischen darzu kommen, vndt hetten ihr, 28
compagnien, totaliter rujniret, also: daß
von 30 compagnien nur 2 darvon gekommen. Wehre
ein großer Schach:Matt, vor Sie. <Jhr fußvolck
soll auch vmbringet sein.>
Oeconomica getrieben, an den gebeẅden, wolle-
schur, MühlTamb17, vndt dergleichen.
Von Dochum, seindt die holtzfuhren wiederkommen.
A spasso, meine Oeconomysachen, anzuregen.
Rindtorf hat gezehlet, noch 146 hauffen, auf den Zep-
tzigischen, vndt 111 hauffen, in den Pröderitzischen feldern.
Mit dem CammerRaht, Doctor Mechovio, habe ich aller-
ley conversiret. <Rindorf hat 4 hasen gehetzt.>
Ein schreiben, vnvermuhtend, von Fürst Friedrich empfangen, vndt
es ist mit Protestationen, gespickt gewesen,
darauff ich ein bloßes recepiße geben laßen.
et cetera
Jch habe heütte, die proben, meines alhiesjgen ge-
treidigß, (welches successive durch die pawren, gedroschen
worden) durch Oberlender, vndt hanß Tappen, nehmen laßen,
vndt daßelbige sehr schlecht befunden. Gott wolle
vnß doch ferner mildiglich gesegenen, vndt mich nicht,
Meinen feinden, zu spott, werden laßen.
Von Ballenstedt, auch mediocria in Oeconomicis, empfangen.
Aviso von Zerbst, wie betrieglich man <dißeyt der Elbe> mit mir
handelt, von wegen der Steẅren, vor die stipendia-
ten, vndt Gymnasij bediente, aldar. Es scheinet,
man wolte gern hejmlich, mir iedermann auf
den halß hetzen, vndt daß Steẅerwesen, (darvor
daß Ampt Plötzkaw haftet,) gar auß händen winden.
et cetera
A spasso; die Oeconomysachen, zu treiben.
Nachmittags zu pferde hinauß, bey Zeptzig, 80 hauffen
gezehlet habern. perge
A spasso, zur Mühle, Tam18, vndt fehre, wie auch
zun andern gebeẅden, zweymahl vormittages,
vndt allerley vnraht, pro posse; remediiret.
Avis von der Schwartzburgischen Fraw Muhme, das zu Kelbra
4 gesundtbrunnen endtsprungen, 20 zu Rudelstadt,
vndt zu Arnstedt; 6 zu Franckenhausen, 3 bey Häringen,
1 in der Fürstin zu Hähringen ihrem gartten.
Jch habe heütte, mit vndterschiedlichen leütten, (so
auß dem gesundtbrunnen von Hornhausen wieder-
kommen) reden laßen. Sie klagen aber allesampt,
daß er ihnen wenig, oder nichts geholffen. Viel-
leicht wirdt der brunnen, mit angehender frischen
herbstlufft, seine mineralische virtutes vndt
kräfte anfangen zu verliehren.
On dit, que les sorcelleries recommencent au
pays de Brunswig, & que le Düc Augüste a
fait brüsler plüsieurs sorciers, & sorcieres,
quelques annèes en ça. Je me ressouviens,
qu'aux annèes, 1626[,] 1627 et 1628 & 29
on en parloit beaucoup aussy, et que des
ministres au dit pays, auroyent baptizè des
enfans, au nom de Sathan. Dieu vueille
garder, & pürger, toute la chrestientè, de
telles Diableries! & conserver ses fidelles!
hanß Christof Wischer, ist von hornhausen, wie-
derkommen. Mein Schwager, hertzog Joachim Ernst,
endtschuldiget sich, anhero zu kommen, wegen seiner
cur, vndt eilfertigkeitt, vndt bittet Meiner herzlieb(st)en
gemahlin zu erlaüben.
<36n 30 lerchen Bidersehe. 16 lerchen Muschwitz.>
Meine herzlieb(st)e gemahlin, ist nach Hornhausen, zu ihrem
Bruder zu, Gott wolle sie hin: vndt her, geleitten!
Meine Schwestern, seindt gestern von Plötzkaw,
vndt von Ascherßleben, (alldar sie eine conferentz
mit dem bruder, Fürst Friedrich gehalten) wiederkommen.
Mein Schwager, hertzogk Joachim Ernst, æstimiret die
Virtutes deß gesundtbrunnens, gar sehr, vndt hat
sehr gute opinion von solchem, inmaßen sein schreiben
darvon, an Mejne person, außweyset. perge
Ad ogn'uno piace la sua opinione. perge
heütte hat mein Schütze, einen iungen Reyger gebracht,
welchen er geschoßen, alhier, vmb Berenburgk. perge
Nachmittags, in die præparationspredigt, mit
Meinen Schwestern, gezogen. Gott gebe vnß gnaden-
segen, zu vnserer vorhabenden communion!
Nostitz, mein gewesener Stallmeister, ist anhero
kommen, mich anzusprechen, vndt die er hat auch den
gesundtbrunnen gebraucht.
Bürgemeister[!] vndt Raht, haben mir geklaget: 1. wegen
des nöthigen wächters im felde, damit derselbe von einer
vieh contribution derer, so keine pferde haben, möchte vndter-
halten, vndt besoldet werden, dann er thut ihnen
den Bürgern, große dienste. 2. Klagen Sie, das ihnen
der Schoß des Præsidenten, will disputirlich gemacht werden
|| [[Handschrift: 422v]]
weil anno 1636 Bürgemeister[!] Döhring, auß privato affecten,
daß publicum præterirt, vndt durch solchen heimlichen
contract, enormiter lædiret, dann er dem Præsidenten
2 Morgen wiesewachß davor eingewechßelt
vndt dem Raht nichts darvon offenbahret.
3. Wirdt geklaget, daß die feẅerstädte
zwar besichtiget worden, Sie giengen aber
sehr ein, vndt würde viel getreydich in den
häusern, (der observantz zuwiederp) aufge-
schüttet, vndt gefahr wegen des feẅers, ver-
vhrsachet. <Bitten vmb remedia.>
4. Daß provisionhauß, gienge auch zu grunde
weil man darinnen zu viel getreyd in schocken
aufgeschüttet, vndt außdreschen ließ. Paulus
Ludwig, hette es concediret.
5. Der Fleischscharren, würde auch auch nicht wiederge-
bawet, vndt Meine befehliche vilipendiret. perge
Bitten vmb vnpaßionirte commißion, visitation, vndt re-
mediirung der gebrechen. perge
Nostitz rühmet gewaltig, den gesundtbrunnen, zu
Königßbergk[!], in der Laußnitz, vndt das er größe-
re Virtutes habe, alßq
Jn die kirche, cum sororibus, diesen vormittag,
vndt haben communion gehalten. Gott laße
vnß ferrner in seinen wegen wandeln!
Nach der predigt, seindt extra gewesen,
Nostitz, Tremnjtz,<Demmeritz,> Börstel, (geörg Friderich)
vndt Doctor Mechovius, alß auch der hofprediger,
bey den Mittagsmahlzeitten.
Gegen abendt<Nachmittage,> wieder jn die kirche gezogen. perge
Postea conversirt, mit Nostitzen, vndt andern,
Jtem mit Doctor Mechovio, vndt Demmeritzen, welcher
bey hertzogk Moritzen, gewesen, zu Dresen[!],
vndt mit demselben, in Hollandt, vndt jn Dennemargk.
<Somnia infausta et horrenda[.] Deus clementer <mala omnia> avertat.>
Rindorf ist mit Nostitzen, vndt Demeritz
hinauß hetzen geritten, vndt haben 4 hasen, einbracht. perge
Warenstedt, ist von Cöhten, mir<t> Fürst Ludwigß leib-
kutzsche herüber kommen, die Schwestern abzuholen,
nach dem er sich, bey Mir, angemeldet, im Nahmen seines
herren.
Schreiben von Leyden vndt Brehmen empfangen, in
einem großen pacquet, von Meinen beyden Söhnen, von
ihrem hofmeister vndt Præceptore, von Ern Doctor Spanhejmio,
von dem Freyherren von Schrahtembach. etcetera
Die kinder, sollen (Gott lob vndt dangk) zimlich wol
auf sein. haben in den heißen canicularibus, böse husten,
vndt schnuppen bekommen, aber es soll sich Gott lob,
dieser seltzame vndt frembde affectus in der zeitt,
durch hülfe gesegneter medicamenten, gebeßert haben.
Der Treẅe viel fromme Gott wolle ferner gnaden-
reiches gedeyen, glück, fortgang, vndt gesundtheit
verleyhen, vmb Christj willen, Amen.
Der friede wirdt, zwischen Staden, vndt Spannien,
vor geschloßen gehalten, vndt es gibt große diffidentz,
zwischen Franckreich, vndt Hollandt.
Die Staden von Gröningen haben durch herrn Spanhei-
mij fleiß, vndt zuthun herren Camerarij, ihre quo-
tam, (Gott lob,) numehr auch, <par le Thresorier Doublet a la Haye> erleget, nemlich die
1195 Gulden (florenus)f: 6 Schillinge (solidi)ß: vndt kömbt also successive, diese
prætension, in gute richtigkeitt, meinen Söhnen,
zum besten, wiewol die portion von Gelderlandt,
sich noch nicht einstellen will. Gott helfe ferner, mit
gnaden, vndt daß alle Schwährigkeitten, erleichtert
mögen werden!
Der von Vlefeldt, königlich dennemärgkischer Ab-
gesandter, ist im haag, magnifice zur Audientz
geführet, vndt stadtlich empfangen worden. perge
Der Ritter Geüder, ist auch anhero kommen, von
Hornhausen, eilet nach Nürnbergk, weil die Schweden
an der Donaw seyen, vndt den Schellenberg occupirt
haben, auch in Frangken, Schwaben, vndt Bayern
hinein streiffen sollen ihres gefallens, also das
er der cur nicht abwartten können, Sondern
von seiner Ritterschaft, eilends citiret worden.
Jch habe ihn laßen herauf fahren, vndt in der audientz
sitzen, sintemahl er, sehr v̈bel zu fuß, wegen deß Poda-
græ, noch ist. Vndt dieweil er auch im gasthofe v̈bel
accommodiret, habe ich ihn aufm schloß, die ein losament
bestellen laßen. Den abendt, hat er nicht
mit mir gegeßen, weil ich vmb gebrauchter artzney
willen, so wenig, alß zu Mittage, Tafel offentlich
gehalten. Jch habe auch heütte, vnangesehen des ein-
genommenen purgierpulvers, viel waßers, von
Nostitz mitgebrachtem lieblichem Kinsperger[!] brunn,
getrungken. Er minuirt gewaltig, den Stejn,
vndt ich habe selber gesehen, einen schwartzlechten
harten stein, (welcher vmb den brunnen gewachßen,
sein soll) den habe ich hinein geworffen, vndt baldt
spiritus daran aufwerffen sehen, vndt ist baldt weich
worden, das ich ihn wie käse zerschnitten, darnach
aber, darvon getrungken. Bricht auch den calculum,
|| [[Handschrift: 424v]]
vndt treibet die urin. Ein pawer, hat seinen Stiff-
vatter, vmb einer zwytracht, ejnes halben Thalers willen,
verrahten, denn er hats angezeigt, daß sein vatter
mit diesem waßer, viel geldt verdienete, vndt
kräutter, oder anders darundter mengete, damit
man es, in der curation vieler leütte, nicht mergken
sollte. Gott seye dangk vor seine gaben! Er helfe
vnß zu dem rechten auro potabilj, vndt der
wahren Panacæa!
Die avisen geben:
Daß Jrrlandt, fast gantz vor die Protestanten
verlohren gehen, vndt der friede in Engelland vndt
Schottlandt, noch nicht richtig seye, auch eine
von des Königs Töchtern, nach Frangkreich zu,
gegangen.
Das Maerdyck, von Frantzosen, mit stürmen-
der handt, erobert seye, vndt Duynkergken werde
zu waßer, vndt lande, geschloßen, in deme auch der
Admiral Tromp, von Staden, cassiret, vndt in Frantzösische
dienste, genommen worden, mit etzlichen Orlogsschiffen.
Jn Polen, förchtet man sich vor Türgken, vndt
Tartarn. Die Schweden gehen nach der Thonaw zu.
Der Kayser wandert nach Preßburgk, auf die
vngrische krönung, seines Sohnes.
Die venediger chicquaniren, mit ihren Soldaten,
disgustiren fast alle außländer, vndt marchandiren
mit dem Türgken, vmb einen frieden, mitlerweyle
sje den krieg continujren. Pfaltzgraf Philips ge-
het nicht dahin, wiewol ers willens gewesen.
Jn Jtalien, vndt Catalonien, stehen der Frantzosen
sachen, gar schlecht. <Die landtgrävin, hat nicht so viel
volck verlohren als man spargirt, nur 2 compagnien
vnd bagage.>
heütte ist pferde: vndt viehemargkt alhier zu Bern-
burgk gewesen, aber schlecht versehen.
