<2 hasen Carllchen ejnbracht.>
<Kälte. Froßt.>
Songe ce mattin: des mortalitèz & discours mourrans.
Comme i'eusse estè en ün carosse, Madame vis a vis
de moy assise, et en nous avançant, les pages & lacqueys
trois d'iceux, entr'autres Oberlender, füssent
sautèz au carosse se iouans l'ün avec l'autre
sans respect, & protegans ainsy Madame contre
mon grè, & attente, la poussans, sans y penser
ces yvrognes, & resautans habillement dehors,
voyla pourquoy ie les eusse voulü assommer,
& Madame se füst estonnèe de ceste mienne resolütion, contre les
innocens. Allans puis apres a t table, <feü> ma seur Anne
Sofie, de bonne mémoire eust estè placèe au haut bout, moy a
costè d'elle, puis le Prince Louys, & ma seur Sofie
Marguerithe, & plüsieurs autres parens, et parentes.
Ma seur Anna Sophia m'eust donnè üne salade a manger,
dans laquelle il y auroit eü des grains aigres rouges,
Sawrachbeeren, apres en avoir goustè, mais comme ie pensois
|| [[Handschrift: 351v]]
d'en manger, de ceste aigreur, en ayant ces
vers en mes oreilles, comme Dido, se plaint
en Virgile: Dulces exuviæ1, etcetera & parle, de
la mort, etcetera ie me resveillay. perge
<Mein> Erdtmann, hat diese nacht, wenig geruhet,
daß haüptwehe, lindert sich etwaß, (Gott lob)
wiewol der kurtze athem, vndt daß seitten-
stechen, noch nicht nachlaßen will. Er hat
gestern wol geschwitzet. Gott gebe daß die
erwüntzschte gesundtheit wiederkomme!
Die hitze hat sich auch etwaß nach dem
Schweiß, bey ihm, gemiltert. Der appetit zum
eßen, ist gar schlecht. Jch weiß nicht, waß
vor eine innerliche malignitet, bey ihme
stegken muß! Gott wolle sich seiner, in gnaden
annehmen! vndt erbarmen!
Jtzt morgends sol er wieder ein sudoriferum
vom Bezoar, vndt von der Terra sigillata
einnehmen. Gott wolle es ihm wolbekommen laßen.
Der alte hofmeister, Einsidel, hat Gott
lob, auch beßer geruhet, als vorige Nächte,
Gott helfe auch diesem pacienten, ferner
in gnaden, vndt lindere seine pein!
Mit dem iüngeren Petz, hat sichs, Gott lob,
gebeßert.
Jn die kirche, am heüttigen behtTage, cum sororibus
et filio Victore Amedeo.
Extra: Doctor Mechovium, zu Mittage gehabt. et cetera
Nachmittage, ist der Oberste Werder, mit der Kro-
sigkinn von Erxleben, anhero kommen, vndt hat zu
Magdeburgk den Oberkämmerer Borgßdorf,
welcher ihn dahin bescheiden hatte, vergebens
gesucht, wiewol auch vetter Lebrecht dahin
bestellet gewesen, vndt vnverrichteter Sachen,
dißmal wiederkommen. perge Es hat allerley
gute gespräche, gegeben. Il nous a contè, dü
Voyage, de Borgsdorf, á Lichtemberg, de la mort,
dü pauvre Gerßdorf, (lequel n'a pas beü vo-
lontiers,) des desseings de l'Electeur de Brandenburg[,]
dü Düc de Fridlande, lequel auroit iügè de
ma personne: Jlle habitat in altis; ce qu'on
peüt entendre, en bon; et en mauvais sens.
<Jtem:> des malheurs extraordinaires, dü Roy d'Angle-
terre, qu'il souffre, a present, dü peü de
respect, qu'on <a> portè a la Haye au Land-
grave Guillaume, le plüs accomply, des
jeünes Princes d'Allemaigne, qui a
estè tant honorè en France, item: des
souffrances de nostre temps, salütaires a l'ame.
Il m'asseura, que les Hambourgeois retenoyent en
leur Ville & forteresse, ün an dürant, tous les blèds
qui y venoyent de ces pays icy, la moitiè, & de
l'autre moitiè ils prenoyent le disme, ce qui est
ün grand preiüdice aux marchands, & a ceux
quj le Vendent.
Jl plaignit les resolütions de l'Empereur de
donner si facillement des Decrets, ou Mandats
à payer, a ceux qui le demandent, ou on
est en si grande disette d'argent, & qu'on
devroit entendre premierement nos exceptions.
Jl semble bien, qu'il vouldroit volontiers
que ie livrasse mes tribüts (landtsteẅren)
a Cöhten, a la landtrenterey, & que pour les
collectes aux Princesses, (Freẅleinsteẅer)
l'on se contentast de moins, que par le passè,
& qu'en la misere presente, les Princes se
contentassent de leur petit revenü, & qu'on
ne demandast rien au pays si pauvre,
me priant, de n'attribuer point à faute de
bonne Volontè, ce qui est üne püre necessitè[,]
pauvretè & indigence, selon ses proiets.
Jl s'estonne fort de ce que feü Son Altesse a
quittè Plötzkaw, avec tous les droicts de regale
estimant Son Altesse le Prince le plüs accomply & incompa-
rable non seulement entre les Princes mais entre tous les hommes.
Donnerstag♃ den 2. Martij: 1648.
<Froßt, schnee.>
Avis von Ballenstedt, (mit hopfen, <butter[,]> Rindt: vndt kalbvieh)
das zwischen den armèen, ein scharfer, vndt harter Schar-
mützel vorgegangen, in welchem die Frantzösische,
vndt Königßmarckischen völcker v̈ber 100 Standarden, ver-
lohren, auch wüste man nicht, wo Königsmarck geblieben
wehre? vndt drüngen die Kayserlichen vndt Bayerischen,
stargk wieder herein. Die Pegischen völcker liegen
noch stille, im lande zu Braunschweig. Das feste
hauß Gleichenstain, sol sich noch halten.
Mein Sohn Erdtmann, hat nach abermahligem
schweiß, viel gehustet, vor Mitternacht. Nach mitter-
nacht aber, Gott lob, fein geschlafen. Der liebe
Gott helfe ferrner, zur beßerung, mit gnaden!
Oberste Werder, ist wieder forth. Er erzehlete
auch vom landtTrost Boberßheim, zu Wolfenbüttel,
das derselbige hette bahr beysammen gehabt:
100 mille Portugaleser, 200 mille Rosenobel, 1000 mille Ducaten,
welches zusammen in die 48 Tonnen schatzes
machen, so er mehrentheilß von der kipperey
außgewechßelt, vndt erworben haben sollte,
dergleichen Thesaurus, schwehrlich bey einem König,
oder Kayser, zu finden, (ohne die iuweelen, vndt
Edelgesteine so er noch darzu gehabt) vndt gleich-
wol sol er in miseria, wegen seiner krangkheitten
eines wolffs, so er aufm kopff gehabt, gestorben sein, vndt
seinen Söhnen2 nichts hinterlassen haben. Wo ist der Schatz geblieben?
|| [[Handschrift: 353v]]
Dann man hat nichts darvon gefunden. Jn summa:
Gesundtheit, ist beßer, dann Reichthumb.
Es laßen sich viel krähen, in großer Menge,
sehen, vndt es wirdt darvor gehalten, solches be-
deütte abermal, kriegsvolck; vndt inva-
sion, inß landt! Gott verhüte es, in gnaden!
Briefe von Cöhten, mit Medicamenten,
vndt von Fürst Ludwig in fruchtbringenden
Gesellschaftsachen, in publicis, & privatis,
nemlich in contributions[-] vndt consenßsachen.
Briefe von Zerbst, durch Wolf Sutorium,
vndt den großen Kersten. Sie haben Ern
Beckmanno, Superintendenten (welcher Todt-
krangk ist, Gott wolle sich seiner, in gnaden
erbarmen, seine schmertzen lindern, vndt
seine Schwachheit zu einem erwüntzschten
guten ende richten, wie es nütz[-] vndt seh-
liglich ist.) 10 Eymer wein, vor 60 ThalerThlr:
gelifert, vndt vom Wendelino, auch ant-
worth, mjtbracht, wie auch, vom Jehna.
Die Elbe, ist so groß, als sie bey Men-
schen gedengken, nicht gewesen, vndt
zu Agken, haben sie Fehrgeldt gefordert,
so wol vor die pferde, als vor den wein,
aber dißmahl nicht erlanget, doch prætendiret.
Nachm Berlin, habe ich geschrieben, de bon anchre.
Mein Sohn Erdmann Gideon habe ich einmal alleine, vndt daß ander
mahl, neben Meiner freundlichen herzlieb(st)en gemahlin besucht. Es scheinet, Gott
wolle gnade zur beßerung geben, wiewol der hußte, vndt
das abnehmen stargk bey ihm ist. Gott wolle vnß
gnediglich trösten, mehr alß affligiren.
<Nota Bene[:]> Jl a songè ce mattin d'estre avancè en üne
prairie, avec son lict, er wehre fortgefahren. perge
Cela pourroit augürer, ün sinistre presage; Dieu
le vueille paternellement divertir; par sa Sainte grace!
Nulla calamitas sola!3 & ayant èsprouvè
par les effects, la veritè de ce prognostique, quoy
que trop vülgaire, cela me fait apprehender
üne quantitè de malheurs, que mon imagination,
me dicte, et que le grand Dieü vivant, peüt
benignement amender! Nous l'en invoquons!
<1 hase im läger, vom Wölfgen gefangen.>
<Frost. Kälte.>
Dineros; in pequenna quantidad, da Ballenstedt.
perge
Avis: daß vier Schwedische Regimenter, nach der Schlesje,
zu, gehen, v̈ber die Elbe, bey Schönebeck, paßirende.
Daniel Brumbey ein sehr guter alter Agkermann
in Dröble, ist diese Nacht gestorben, vndt abgangen,
Gott seye ihm gnedig! Er hat einen nahen vetter
zu Hamburgk Christian Brumbey, derselbige
helt sich wie ein herr, hat reich geheyrathet, nach
dem er sich, von den contributionen bereichert,
dieser aber hat sich von seiner hände arbeit genehret!
|| [[Handschrift: 354v]]
vndt im schweiß seines Angesichts, mit Gutem gewißen,
ehrlich vndt redlich sein brott gegeßen. Gott wirdt ihn da-
vor, im ewigen leben, wol belohnen, vndt seine kinder4,
(wann sie Gottsfürchtig, from, vndt fleißig sein) gesegenen.
Alß ich diesen Morgen, meinen Sohn Erdtmann,
besucht, ist er zwar fein gewesen, dieweil er aber
wenig geschlafen, sol er diese Nacht, sehr deliriret,
vndt seltzame phantaseyen, gehabt haben, welches
mich sehr afficiret vndt befrembdet. Gott gebe
ia, das dieser zustandt, nicht einen Trawrigen
außgang, gewinne!
Meiner gemahlin diehner, Paul Ehling, ist von Hal-
berstadt wiederkommen, hat Jhrer Liebden etwaß
geldt, von der Schwedischen assignation gebracht,
vndt ist mit gefahr durchkommen, weil die parthien
einen anschlag auf ihn, gemacht, vndt er mit
nawer Noht, durchgehen können, sampt
seinen geferten, also: das sie eines theilß,
die hüte im stiche laßen müßen. Vielleicht
hat man ihnen mit einer handt, nehmen
wollen, waß man ihnen, mit der andern
gegeben.
Ern Jonium, habe ich bey mir gehabt,
vndt collecten richtig gemacht.
Mein Sohn Erdtmann, bildet sich auch ein, daß er
eine kirche vor seinem gemach, gebawet habe. Aul-
cüns l'interpretent, á presage, de mortalitè.
Ma femme, s'en monstre, fort sensible, et tesmoigne
ses passions feminines, contre le medicin, & contre tous
ceux, qui luy contredisent, en ses èstranges opinions. perge
Dieu vueille moderer, ses extravagances!
V̈ber die executores, die wir schon zur con-
tribution alhier zu Bernburgk haben, seindt auch
heütte etzliche anhero geschickt worden, die ma-
gazinretardaten einzufordern, vndt herauß
zu plagken.
Discorsi co'l Dottore Brandt. Postea con Madama
visita data a Erdmanno Gedeone.
<Froßt. Kälte. Schnee.>
Mit meinem Sohn Erdtmann, hat sichs diese nach[!], (Gott
lob vndt dangk) fein angelaßen. Die deliria haben
sich verlohren, (nach dem er gestern abendt ein enema
gebrauchet, vndt sich wol darauf befunden,
weil er zween Tage verstopft gewesen) vndt
der schlaf ist zimlich wiederkommen. Gott helfe
ferner mit gnaden, vndt erbarme sich vnser!
Er wolle vnß nicht in seinem zorn strafen, noch
in seinem grimm, züchtigen! sondern vnß gnedig
sein! gleich wie ein frommer vater seinen kindern!
vmb Christj Jesu, vnseres öbersten Artztes willen,
durch die Sehlige krafft des heiligen geistes, Amen!
Ô herr hilff! ô herr laß wol gelingen! Amen!
Das kleine rohte hündlein, Wölfchen genandt, hat
gestern im lager, einen großen hasen, einen Rammler
gefangen, welches sehr seltzam ist.
heütte frühe, habe ich mejnen Sohn, Erdtmann
allein, Nachmittags aber, conjunctim, neben
Meiner gemahlin besucht.
perge
<große kälte. nachmittags windt.>
heütte gehet die Neẅe ordnung an, mit dem
Speisen des gesindes, in vnserer hofhaltung, so
biß anhero kostgeldt gehabt, nebenst etzlichen
anderen verenderungen. Gott gebe! das wir
vnß verbeßern mögen! vndt die hofhaltung
leichter mir werde! alß biß dato, in vie-
len dingen, leyder! geschehen. perge
A mon rèsveil ces pensèes, ou influënces:
Vixj; et quem tenuit <voluit> cursum fortuna; peregi!5
Jn die kirche, cum sororibus, et filio Victore.
Extra: Christian Börstel, Doctor Brandt, vnd hofprediger.
Mein Sohn Erdmann Gideon befindet sich Gott lob beßer,
das haüptwehe, vndt seittenstechen verleüret
sich, die Urin <vndt der pulß> wirdt beßer, Gott lob,
die hitze miltert sich, allein der hußten,
vndt purulentes außwerfen continuiret.
Gott wolle alle vngesundtheit gnedig beßern!
Nachmittags wieder in die kirche, cum sororibus et filio, Viktor Amadeus[.]
Zeitung von Erffurdt, daß die Kayserlichen vndt Schwedischen im
Frangkenlandt aneinander seyen.
Jn Schlesien, gibts gleichsfalß fliegende läger.
Zu Breßlaw, hetten die Jesuiter, ein capuziner
kloster gestürmet, vermeinend' die Münche
herauß zu treiben, die Münche aber, hetten
sich ihrer erwehret, also: das die Jesuiter, mit
spott, abziehen müßen.
Jn die Jnsel wyght, vertriebe der gefan-
gene König seine Zeit mit lesen, vndt schreiben,
Es würden seltzame omnia aldar gesehen,
von streittenden krähen, Raben, vndt dahlen,
also: daß sehr viel todte dahlen herab ge-
fallen welche auf der erde einen solchen gestangk
vervhrsachet, das man sie hinweg bringen
müßen, vndt inß Meer werffen. Theilß
glieder vom Parlament, hetten vorgeschlagen,
Man solte den König, in den Tour, nacher Londen
bringen, vndt recht v̈ber ihn ergehen laßen.
Gott bewahre ihn! vor Schimplicher ignominia!
Daß Feste hauß Gleichenstain, in Düringen
aufm Eißfelde, wehret sich noch. Gott gebe
einen Sehligen v̈berall verlangten frieden!
Schreiben auß Mecklenburg von Strehlitz, so wol von
meiner Schwester, der Hertzoginn, alß von ihrer
Tocher, meiner pahte, Freẅlein Anne Sofie.
Sie haben auch aldar, daß Erdtbebem[!]
empfunden, welches großen schaden, an gebeẅ-
den gethan. Meine Schwester tröstet sich
sonst, gar fein, vndt Christlich, v̈ber dem
verlußt, jhrer Tochter, freẅlein Lyßgen.
<Windt nachmittags[.]>
<Nix. Froßt.>
Tobias Steffeck von Kolodey nacher Deßaw geschickt, en
compagnie de Christian Heinrich de Börstel wegen abrechnungen.
Gott gebe zu glücklicher expedition, vndt zu
guter richtigkeitt, vndt vernehmen!
Briefe von Wien, vom Johann Sternbergk.
Die avisen geben:
Daß der gefangene König in Engellandt, sehr melanco-
lisch werde, vndt der capitain, so ihn auß der Jnsel
Wight endtledigen wollen, gehengkt vndt ge-
viertheilt sein solle, auf befehl des Parlaments.
Die Königin, sol v̈ber ihres herren, (billich sehr
kläglichem) zustandt, sehr betrübet sein,
vndt sich in ein kloster begeben wollen.
Die ostenta der vögel, so sich v̈ber Wight
streittende, sehen laßen, vndt in menge todt
niedergefallen, werden confirmirt.
Jn Dennemargk, hollstein, vndt Ditmarschen,
sollen bey Menschen gedengken, solche Sturmwinde
nicht gewesen sein. Der schade an gebeẅden, auch
Menschen vndt viehe, so in der Faßnacht geschehen, ist
vnaußsprechlich. Der König in Dänemark sol krangk,
vndt die Crönung seines Sohns, des Printzen vor sein.
Der König in Polen, ist auch sehr krängklich, bemü-
het sich doch noch sehr, mit Reichs: vndt Staatssachen.
Die Tartarn sollen sein in Polen eingefallen.
Die Türgken streiffen in Vngarn, sollen in
die 700 Seelen, endtführt haben. Die festung
Gomorrha wehre abgebrandt.
Jn Dalmatia vndt in Candiâ sollen die venezi-
aner numehr etwaß progreß haben.
Jn Napolj hette der Duc de Guise, mit dem
volck Capua erobert, vndt ob sie wol
stargk, so defendirten doch die Spannischen,
durch ihre Tapferkeit, fast alle feste örter.
Gegen Flandern, armirte Frangkreich stargk.
Jn hollandt wehre zwar, der friede mit Spannien
gemacht, aber nicht, von Zeelandt, vndt Ütrecht, ratificirt.
Jn Brasilien, wehren die Portughesen, vndt holländer,
stargk aneinander, im Reciff.
Der Pater Lemmermann, ein Jesuit, den ich wol gekandt
vndt der des vorigen Kaysers, Ferdinandi 2di. beichtvatter gewesen,
wehre zu Wien, gestorben, vndt beygesetzt worden.
Jn Frangken, lägen die haüptarmèen, vndt
giengen, gegen Bayern.
Landtgraf Wilhelm zu Heßen, wehre zu
Caßel, von seiner peregrination glügklich
wieder angelanget, vndt mit großen freẅden,
auch offentlichem applausu empfangen worden.
Gott erhalte den lieben Printzen, bey aller
glücksehligkeit, bestendig! vndt laße
diese Seüle, der rechtglaübigen, lange
feste stehen, neben andern, der Warheit
zugethanen haüptern in Deützschlandt,
vndt andern landen! Er seye gepreiset,
vor seine Mildtreiche gühte!
Zu Breßlaw, sol der Streitt, zwischen den
Jesuitern, vndt Franciscanern daher kommen,
weil theilß Franciscaner münche revociren
wollen, So hette Kayserliche Mayestät ihr kloster
den Jesuitern geschengkt, deßen sich aber
die Münche gewaigert, vndt erwehret.
Meseritzsch, in Mähren, hetten die Schweden,
erstiegen, vndt außgeplündert vndt verbrandt.
General Maior Geise, wehre zum General
leütenampt, v̈ber die heßische armèe er-
klähret, vnangesehen er schon vorm Jahr
abgedangkt gehabt.
Drey personen haben zu Turin, wieder die hertzogin
von Savoya vndt ihren Sohn, conspiriret, so einge-
zogen worden. Einer hat sich im gefängnüß, selbst
vmbgebracht, die anderen zwey, seindt mit
4 pferden zerrißen, vndt mit glüenden zangen
gebrandt worden.
Der König in Spannien, sol fleißig zu
rahte gehen, vndt Audientzen ertheilen,
auch sich sehr beliebt machen, ob etwan dem
zerfallenen Spannischen vnwesen zu remediiren?
<Kälte.>
Depesche nacher Ballenstedt.
Den CammerRaht, Doctor Mechovium, bey mir, gehabt,
vndt mit ihm consultiret.
Mit meinem Sohn Erdtmann, stehet es noch, in gesterigen
zimlichen terminis. Gott lob, vndt dangk!
A spasso, secondo il mîo costume. perge
Tobias Steffeck von Kolodey ist von Deßaw, wiederkommen, mit
zimblicher expedition. Er berichtet, daß
die Fürstin mit ihrem comitat, auch wieder
glügklich, Gott lob, vom Berlin, wiederkommen
seye, welches Meinem vetter, Fürst Johann
Casimirn, gar lieb, vndt angenehm gewesen.
<Froßt, kälte.>
Depesche vers Cöhten, et Dessaw. Dieu la benie!
Jn die Wochenpredigt, cum sororibus et filio, Viktor Amadeus[.]
Textus auß der paßion, de abnegatione Petrj6.
Extra: zu Mittage, Er Benjamin Gigelßberger,
pfarrer zu Reinstedt, vndt conferentz mit demselben.
perge
Obige depesche ist wol wiederkommen, Got lob.
Mein Sohn Erdtmann, (welchen wir täglich besuchen)
ist noch sehr mit dem hußten, geplaget. Gott
der Allmächtige, wolle es mit ihme, zur
schleünigen beßerung schigken, vndt vnsere
Vota, nicht vergebens sein laßen!
Donnerstag♃ den 9. Martij: 1648.
<5 hasen gehetzt.>
Avis: daß die Fürstin, von Deßaw von der
Königin in Schweden, zu Stettin 600 ReichsthalerRthlr:
verehrt bekommen, vndt sie also eine gute
rayse gehabt: Quo plus sunt potæ! plus si-
tiuntur aquæ!7 Einem favorisirt das glügk
mehr als dem andern. perge Jl faut qu'ün
aultre se contente de beaucoup moins.
La fortüne est inèsgale, & süjette, a envie.
Conferentz, mit Ern Hesio, le satisfaysant.
I'apprehends le mal de mon fils, d'aultant que le
la toulx, et ce, qu'il reiette, me fait peur! Dieu
le vueille benignement amender!
Die <5> pacqueet so von Osnabrück ankommen, machen
zwar hofnung zum frieden, iedoch scheinet es doch,
es wolle ein Theil das andere v̈berfortheilen,
vndt betriegen! Der gott des friedens, der war-
heit, vndt der gerechtigkeit, wolle darein sehen!
vndt vnserß elenden zustandts, sich erbarmen!
des Jammerß ein ende zu machen!
1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: gersten, außseen laßen, in praesentz Ernst Gottlieb von Börstel
<vndt Tappen.>
Mit Victörchen, bin ich hinauß hetzen geritten,
vndt haben fünff hasen gefangen.
Schlegel ist ankommen, diesen abendt.
Ein convent nacher Zerbst, wirdt intimirt,
vmb sich mit Fürst Johannsen, zu vergleichen. perge
1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: gersten noch zu Zeptzigk, außseen laßen,
in præsentia Wolfen, vndt Oberlenders. Gott
gebe v̈berall, zu Segen! glügk! vndt gedeyen!
Dem Superintendenten, ist auch wegen der
collecten, satisfaction geschehen, zum theil
mit bahrschafft, zum Theil mit einem Rappen.
perge
Die Kayserliche Mayestät fordern contributiones,
vndt proviandt von vnß, durch den Freyherrn
von Traun, General Commissarium vndt General wacht-
meister, vndt Obersten, etcetera Monatlich zu geben,
weil der Schwede, an die Wehser getrieben seye,
dieweil aber das Datum altt im November vndt der
Status bellj sich mutiret, wollen es viel dissuadiren.
|| [[Handschrift: 359v]]
Dann 1. So ist die impossibilitet vorhanden,
& summa paupertas. 2. So würden es die
Schweden, (denen wir contribuiren müßen)
v̈bel deütten, vndt vnß noch härter belegen.
3. So ist numehr die Kayserliche armèe anderstwo,
vndt kan solche subsidien nicht abholen.
4. Es wollen auch etzliche wieder das ansuchen
des herrn von Traun, disputiren, alß laufe
es wieder die gehörige formaliteten, vndt
wieder daß herkommen im Reich, weil es
gleichsam dictatorie imperiret wirdt.
perge
Gott gebe friede! vndt erleichterung!
<Froßt. Kälte.>
Gestern hat ein Rindt (dü grand bœuf)
zur hofküchen, gewogen, 272 Pfund (libra)℔: fleisch,
vndt hat 19 Pfund (libra)℔: Talck gehabt, pro memoria.
perge
Schlegel ist wieder forth, nach Plötzkaw.
Mein Sohn Erdmann Gideon continuiret noch, mit dem hußten,
ich besorge die pulmones seyen inficiret,
Gott helfe zur gnedigen heilung! vndt
zur gesegneten beßerung! Amen! vmb
Christi willen, Amen! Amen!
Avis von Ballenstedt, das hertzogk Carll
von Schwerin gestern Nachmittags vmb 2 vhr, aldar
|| [[Handschrift: 360r]]
quartier machen laßen, vndt kein bitten zur verschonung
helfen wollen, noch voriger vngelegenheit zu gemüthführungen.
300 Reütter seindt beym hertzogk, darundter
2 Rittmeister, 6 leütenampte vndt viel andere
vndterofficirer, so im flegken logiren. V̈ber daß
liegt noch der Oberster Pege in hoym, vndt Rejn-
stedt, Sie haben sieder Freytags an der Bude,
bey Oscherßleben, heymerschleben herumb terminirt[,]
alle außgeschickte bohten haben außgegeben,
Sie würden auf Ascherßleben gehen, sed
in cassum, zu Ridern haben vorige nacht, auch
30 pferde gelegen. Solcher gestaltt, müßen
wol die armen leütte, verderben, vndt endtlaufen.
Der Rittmeister, hat 18 vorspannpferde
begehrt. Wollen auch Stillager halten.
Geörg Friederich von Börstel, so mit der Für-
stin von Deßaw, zum Berlin, vndt Stettin ge-
wesen, hat sich bey mir praesentiret.
Extra derselbe zu Mittage, neben Doctor Mecho-
vio, welcher allerley deliberanda referiret,
auch das Panse von Leiptzig wiederkommen,
die executores, biß auf zweene hin-
weggebracht, aber viel stichelworth
hören, vndt einfreßen müßen. perge
Gott dempfe alle vnsere heimliche,
vndt offenbahre feinde!
Gegen abendt, nach dem ich meinen Sohn, Erdtmann
zum andern mal besucht, vndt Meine gemahlin auch
mitgenommen, hat er mir angefangen etwas beßer
zu gefallen, wiewol er viel salva venia außgeworfen,
vndt noch sehr matt ist. Gott wolle ferner
mit gnaden helfen, vndt die pulmones,
vndt andere interiora von aller faülenden
infection gnediglich liberiren!
<Abermals Froßt.>
J'ay èscrit derechef en Hollande. Dieu
vueille fortüner mes desseings! pour la con-
servation de l'Eglise de Dieu, & des seminaj-
res d'jcelle, avec heureux süccéz!
Avis: daß der iunge hertzogk Moritz, nach
dem er seine Schwestern, in hollstein, vndt
in Dennemargk besucht, beliebung bekommen
auch SchwedenReich zu besehen. Dahin, wehre
er, vnbekandter weise, mit einem gesandten,
gerayset, vndt hette sich in eines lackayen
kleidung verstellet, auch dem Gesandten
also einmal bey der Tafel der Königin
in Schweden, aufgewartett. Die Königinn,
welche windt darvon bekommen, hat den Ge-
sandten vmb seine diener, vndt ihre landtsarth
|| [[Handschrift: 361r]]
gefragt. Da man nun beym confect, als man baldt
aufheben wollen, nach dem angemaßten lackayen ge-
fraget, vndt derselbe etwaß schahmhaftig worden,
hat ihn die Königinn selber examiniret, wo er her
wehre, waß vor landsarth, wie er hieße? Da-
rauf hat er sich, ein nomen fictitium gegeben,
vndt doch gesaget, auß Meißen. Die Königin
darauf repliciret das letzte glaübte sie wol,
daß erste aber nicht. Ferrner addirende,
doch schertzweyse: Waß sol man dem iehnigen
thun? der da leüget, vndt seinen Nahmen,
verleügnet? Vndt darauf hette sie ein schön
Schnuptuch genommen, darinnen ein köstlicher
demantring eingewigkelt gewesen, iedoch
subtil, das man den knoten nicht so baldt
vermergken können, vndt hette gesagt, So sol
man dem buben thun. hette ihm darauf dem
hertzog Moritz, als lackayen, das schnuptuch
an halß geworffen. Er hette es laßen, gar
schahmhaftig, auf die erde fallen, da hette
sie zu ihm gesagt, er solte es doch aufheben,
Alß er aber cunctiret, vndt die Königin den
Gesandten darauf angesehen, hette er besorget
Sie nehme es v̈bel auf, hette so forth, dem
vermeinten lackayen befohlen, er solte es
aufheben, vndt nehmen das Schnuptuch, der Königin
|| [[Handschrift: 361v]]
zu gehorsamsten ehren, welches auch alsobaldt mit
demühtigster reverentz, geschehen, darauf hat
man baldt die Tafel aufgenommen. So baldt
aber, als der Ambassadeur, wieder zu hause ge-
kommen, bittet ihn hertzog Moritz, vmb einen
paß, alß ein currirer nach Deützschlandt
zu verraysen, vndt postiret baldt forth,
weil sein vnbekandt sein, verrahten war.
Alß er nun den ersten abendt, in die
herberge kömpt, postiret ihm, ein anderer
edelmann, von der Königinn abgefertiget,
baldt nach, vndt alß er sich vndtern Tisch
verbergen will, leßet der edelmann alle
leütte außm gemach hinauß gehen, vndt
bittet ihn, sich also nicht anzustellen,
noch sich zu verleügnen. Man wüßte
wol, das er hertzogk Moritz zu Sachßen,
des Churfürsten Sohn wehre, die Königjn
hette ihn expresse abgefertiget, ihn dero
gnade vndt affection zu versichern,
(welches dann mit vielen höflichen compli-
menten geschehen) vndt zu excusiren,
daß er so schlecht zu Stogkholm tractiret
worden, vndt ihme seine gebührliche Ehre
nicht wiederfahren, weil er es selber, nicht
|| [[Handschrift: 362r]]
leiden mögen, vndt also selbst daran schuldig wehre.
Man bähte noch, er wolte vmbkehren, vndt vor lieb
nehmen, wo nicht? so schigkte ihm dennoch die Königinn
zur anzeigung ihrer guhthertzigkeit hiermit, ein
kräntzlein, darbey möchte sie er, ihrer, im besten
gedengken, vndt die v̈bele tractation zu Stogkholm,
in etwaß vergeßen. Diß kräntzlein sol sehr köstlich
von goldt mit stattlichen Edelgesteinen versetzt,
der Königin gantzer Nahme, gewesen sein.
herztog Moritz, aber hat sichs gewaigert anzu-
nehmen, vndt sich auch, des Schnuptuchs erinnert.
Endtlich aber, ists ihm angenöhtiget, vndt gleich-
sam aufgedrungen worden, vom Edelmann, da er
dann wieder seine dangksagung, vndt excüses,
gebührlich gethan, vndt also darvon gezogen.
Alß er nun wieder nacher hause kommen, sol ihn
der Churfürst sein herrvatter, greẅlich an-
gefahren, vndt gescholten, auch Sacramentirt
haben, weil er ohne verlaüb vndt vorbewußt,
in Schweden, gewesen, auch das er <sich> doch in solchen
geschehenen dingen, nach geraumer zeit, begühtigen
laßen, wiewol hertzog Moritz, sich mit diesem
handel sehr leiden, vndt im schertz oft vexiren
laßen muß. Jhrer viel iudiciren darauß,
ob möchte eine heyrath, auß diesem Schertz, doch werden.
|| [[Handschrift: 362v]]
Tempus demonstrabit & declarabit.
Sonst wirdt auch avisirt, das so baldt die Schweden
erfahren haben, das der Churfürst von Saxen, seinen
Gesandten, zu Münster vndt Osnabrück verbotten, in keinen
raht mehr zu kommen, darinnen die Schwedischen
legatj sitzen möchten, vndt der Catohlischen sache,
gewaltig zu favorisiren, hetten Sie den Obersten
Wancke, welcher auf den halß geseßen, vndt
wegen gemachten anschlags, auf Dresen[!], (in
währendem Armistitio) iustificiret werden
sollen, welches ihme das Kayserliche so wol
als Schwedische kriegsrecht zuerkandt,
in größere freyheit, gesetzt, vndt herumb
gehen laßen, in Leiptzigk mit wachten.
Siehet man also in der weltt, viel: vndt
mancherley passiones der Menschen. perge
Erdtmanns hußten, leßt sich v̈bel
an, vndt wil noch gar nicht vergehen.
Der Allmächtige gebe doch gnade! zur
linderung, vndt beßerung! erwüntzschter
maßen!
Schlegel, hat sich eingestellet, nach dem
er zu Plötzkaw, wenig, oder gar nichts
außgerichtet, in einer Schuldtforderung von Woygten8.
4 Schefel (Scheffel)schfl: habe ich noch alhier, zum Forwerge Bernburg
vf die Gottesagkerbreitte, außseen laßen,
Gott gebe zu segen! vndt gedeyen!
J'ay eü ces meditations pensifues, qu'on
ne doibt (pour rien dü monde,) negliger, le doigt
de Dieu; lors, qu'on le sent serieusement,
mesmes en des choses basses, et contemptibles
devant le monde, car si on mèsprise tels
avertissemens, (comme cela m'est arrivè
quelquesfois, a mon grand regret, par üne
lethargie mondaine!) on se rend ordinajrement
malheureux, & on se prive d'ün grand
bien, voire dü service des creatüres,
qui aydent avec les hommes, a nostre con-
servation, & benediction. Dieu vueille!
que cela ne m'avienne jamais plüs!
de ma vie! et que ie n'aye nül süjet,
a me contrister, & consümer interieurement!
car c'est ce; qui ronge les os, & les en-
trailles<!> lors que, nous offensons Dieu,
comme de propos deliberè, le pouvant corriger,
<& bien faire aultrement, si nous combattions, ün peü plüs?>
Avis von Ballenstedt, das diesen<gestern> Morgen, der hertzog
Carl von Mecklenburg aufgebrochen, zusampt dem
Obersten Pega, vndt haben 28 vorspann pferde
mitgenommen, auch greẅlich gefreßen, vndt do-
miniret, viel arme leütte machende, in
den Aemptern Ballenstedt, vndt hoym. Gott er-
barme sich der armen vnschuldigen, vndt er-
löse vnß doch einmal gnediglich, von den
vielen contributionen, kriegspreßuren,
durchzügen, Einquartirungen vndt dergleichen
in die länge vnerträglichen bürden!
Die Eltern herrnvettern alle drey haben
an mich geschrieben, vndt mich eingeladen,
nacher Zerbst zu erscheinen, die handlung
mit Fürst Johann, vor ablauf der 4 inte-
rimsMonat, wieder anzugehen, vndt die
abhandlung zu versuchen, Sie gedächten
auch, meinen Bruder Fürst Friedrich dahin zu disponiren.
Jch habe mich endtschuldiget, zu erscheinen,
oder abzuordnen. Dann bißhero wegen
gehaltender neütralitet köndte ich ihnen
in dieser Sache, weder assistiren, noch mich
einmischen, es hetten auch die Kayserlichen subde-
legirte9 solche meine intention vor gut
|| [[Handschrift: 364r]]
erkandt. Alß ein interponent in solchen
differentzien, mich gebrauchen zu laßen,
hette ich bedengken, weil es vnlengst,
(da ichs versucht,) nicht allerdings von beyden
theilen, wol aufgenommen werden wollen.
Sie möchten nur tractiren, in Gottes nahmen.
Köndten sie etwas nützliches, vndt dem
lande ersprießliches, sonderlich auch der
Fürstlichen herrschaft zum besten, tractiren vndt ab-
handeln, (darein ich willigen köndte,)
würde ichs gerne alßdann, approbiren,
vndt nach geschehener notification auch
genungsahmer information, vor genehm halten.
Ein Rittmeister von Pegaw Regiment,
hat vnsern hofmeister meiner Söhne
Schwechhausen, nacher Eißleben invitiret,
von Manßfeldt auß, Jch habe ihm erlaübet.
Gott gebe! daß sie etwaß gutes kochen mögen!
Jn die kirche, cum sororibus & filiolo Victore Amadeo[.]
Dominica Lætare, Textus Johanni 610 von 5 mille Mann, so der
herr Jesus, in der wüsten gespeiset hat.
heütte ist dancksagung geschehen, vor meinen
Raht, vndt hofmeister, mit deme sichs (Gott lob,)
zur beßerung anleßet. et cetera
Geörge henrich, von Bidersehe, meinen
page, (welcher mir numehr, vndt den Mey-
nigen, ins neündte iahr gediehnet, vndt
25 iahr alt ist) habe ich wehrhaftig
gemacht, mit einer Maulschelle, auf
deützsche manier, vndt darbey ver-
mahnet, wie er seinen degen vndt ge-
wehr, führen, vndt gebrauchen, vndt
die ehr vndt Tugendt lieben, allen
lastern aber, feindt sein solle? Gott
gebe ihm darzu seinen Segen, glügk
vndt succeß! vndt das er, ein gutes
gewißen, behalten möge! Meine
Söhne Victor Amadis, vndt Carolus
Ursinus, wahren mitt gegenwärtig,
wie auch die Jungkern, Rindtorf, vndt
Wischer. Mein Tobias Steffegk hielte
mir, den vergüldeten degen, so ich Bider-
sehen, selber, zu letzt, gab, cum gratulatione.
Die pagen, Börstel, Roggendorf, Kinsperg,
vndt wartemßleben, wahren auch mitt
darbey anwesendt, vndt wurde also, dieser
actus Gott lob, wol vollbracht.
Nachmjttags, wieder in die kirche, cum sororibus et
filio Victore Amadeo. Biedersehe, hat alß
ein numehr wehrhaftig gemachter Edel-
mann, mit aufgewartett. perge neben
Rindtorf, Wischer, vndt andern. perge
Mein Sohn, Erdtmann Gideon, hat Gott lob, fein
geschlafen, der hußten, hat sich etwaß gemiltert,
das hauptwehe verlohren, Gott wolle ferner,
mit seinem gnadensegen, vnß beywohnen! Amen!
<Simon heinrich> Schwechhausen, ist noch gestern abendt, von Eißleben,
wiederkommen, aldar er, in seinen privatis gewesen,
vndt weil 50 Kayserliche Reütter, im hagkel, der
Pegawischen erwartet, es aber durch ihn außkommen
sein soll, seindt Sie v̈ber halß, vndt kopf, auf-
gebrochen, vndt er auch zurügka, geeilet! Je suis
dèsplaysant, de ceste conjoinctüre.
Conferentz mit dem CammerRaht, Doctor Mechovio, item:
memorialia ihm, vndt Jakob Ludwig Schwartzenberger gegeben, Wegen der
vorhabenden rayse, nach Ballenstedt. perge
Meiner gemahlin lackay, Hans Geörge, ist vom Berlin,
wieder kommen. Saget, der Oberste Borgjßdorf, werde
Morgen, gebe gott zu Deßaw, anlangen.
Schreiben, von Wien, vom herrn von Roggendorf vndt Johann Sternberg[.]
Avis von Hoym, das der hertzogk Carl von Mecklenburg vndt
Oberster Pega ihre parole, mit wiederschaffung des vorspanns nit gehalten.
Die avisen geben:
Daß der König in Engellandt, stretto gehalten werde,
in der Jnsel Wight, vndt das das Parlament
wolle eine Rempublicam, wie die herren Staden
formiren, vndt das gantze Königliche geschlecht
reiiciren. Das auch zu Paris, ein Engel-
länder eingezogen worden, welcher den Prince
de Galles, ermorden wollen. Die Königinn
seye endtschloßen, in ein kloster, zu wandern.
Die herren Staden, bekähmen nun durch den
Spannischen frieden, das oberquartier von
Gelderlandt, vndt also selbige gantze pro-
vintz, hingegen tretten sie den Spanniern,
in Flandern, oder Brabandt so viel landes ab.
Zu Osnabrück vndt Münster wehre v̈bergewöhnliche
hofnung zum friede. Gott gebe es!
Der Gleichenstain, ist mitt accord
v̈bergangen.
Jn Bayern, ist das wegflehen verbotten,
vndt vertröstung zum sicheren landfrieden.
Die venezianer, manuteniren sich noch
zimlich, wieder den Türgken.
Jn Ditmarschen, vndt holstein, gibts
gewaltige seltzame prodigia, meistlich
als den 14. Februar der große Sturm gewesen,
|| [[Handschrift: 366r]]
item: gibt es Mißgeburten, auch indicia von Türgken.
Zu Stogkholm in Schweden, ist dazumal ein brandt
aufm Schloß endtstanden.
Der König in Dennemargk, wirdt altt, matt
vndt schwach.
Jn Vngarn, sollen die Türckischen partien sich
gewaltig heran machen, mit straiffen. Graf
Philips von Manßfeldt, Oberster zu Raab, leßt
ihnen begegnen.
Am Rheinstrom, vndt Oberlande gibts
auch ostenta. Gott weiß die bedüttung!
Geörg henrich, von Bidersee, habe ich diesen
abendt, in gnaden, dimittirt, vndt habe ihm, zum
abschiedt, 20 ReichsthalerRthlr: verehret, item: 10 ReichsthalerRthlr:
vor ein kleines grawes klepperlein, welches
ich von ihm, sieder der Pommerischen rayse, bekommen,
auch sonst, sein restirendes deputatgeldt, ihme
raichen, vndt geben laßen, an 9 ReichsthalernRthlrn: neben
guten recommendationen, an Churfürsten, von
Brandenburgk, vndter deßen leibcompagnie,
er verlanget zu sein, so dann an Oberkammer-
herren Borgßdorf, welcher ihn mitnehmen
köndte, vndt zu Zerbst, oder zu Deßaw, anzu-
treffen sein möchte. Gott gebe zu glück! vndt
succeß! vndt das er sich wol verhalten möge!
Gestern haben Hanß Dappe, vndt Oberlender,
außseen laßen, 1 wispel Gerste, auf
daß Obergewende der hundert Morgen alhier.
Biedersee ist forth. Gott wolle ihn geleitten!
Jch bin hinauß gegangen, auf die hundert
Morgen, selbst zuzusehen, wie ein wispel
gersten geseet gewesen. Nachmittags
kommen noch 20 Schefel (Scheffel)schfl: darzu. perge Ün poltron,
que j'avois ordonnè des miens, n'y a pas
voulü aller, par insolence capricieüse.
Le boeuf noir, quj a restè a la mestairie,
(& est en partie cause de la mort de l'autre
innocent), a desja poussè par terre deux
personnes, & les a blessè, en quoy il y
a desja ün autre malheur, & danger tout
ensemble. Il eust mieux valü, tüer celui-
cy; & laisser vivre l'autre<!>, mais on pünit
ordinairement en ce monde l'innocent
pour le coulpable, afin d'achever a se rendre
malcontent, & malheureux!
1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: vndt 6 Schefel (Scheffel)schfl: Gersten, haben Wolffgang
Sutorius, vndt der große Kersten, zu Zeptzig außgeseet.
Gott g[e]be darzu, glück! vndt Segen!
Jn die wochen: vndt Passionspredigtt,
cum sororibus et filio Viktor Amadeus[.]
Jochem der Einspänniger, ist von Deßaw, wiederkommen,
dahin er den Bidersee gestern begleittet gehabt.
Der Oberkämmerer Borgßdorf, sol zu Zigesar
sein krangk worden. Man erwartet aber
deßelben, in Zerbst, vndt Deßaw, etwan
in ein par Tagen.
Conversatio; mit Doctor Mechovio, in Staats: vndt
Oeconomysachen, mit Doctor Brandt aber, in medecina-
libus, vndt andern sachen, das publicum concernirende.
Avis: daß auch alhier, die kindsblattern geschwinde
regieren, vndter den kindern, vndt das zu hall
eine heimliche seüche grassire, also: das man
selbiges orths frequentation, in Ascherßleben,
vndt Quedlinburgk, verbotten.
heütte vndt gestern, haben die parthien zimlich,
alhier vor Bernburgk, wieder gestreifft. perge
1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)wisp: 18 Schefel (Scheffel)schfl: hat Oberlender vndt Tappe heütte
außseen laßen.
1 wispel nacher Zeptzigk Wolf, vnd Kersten.
Gott gebe! das diese, vndt alle andere
außsaht, Mir wol gerahten, vndt gedeyen möge!
<Stargker windt. et cetera>
Meinen CammerRaht Doctor Mechovium, habe ich in
angelegenen Commissionen, nacher Ballenstedt,
abgeordnet, vndt ihme meinen geheimen Cammer-
diener, Schwartzenbergern, adiungiret, auch
sonst zweene raysige, mitgegeben. Gott
verleyhe gnade! das Sie in itziger großen
vnsicherheit, ohne gefahr, wol durch-
paßiren, vndt repaßiren mögen!
J'ay apperceü quelque apprehension.
Dieu les vueille preserver, par sa Sainte grace!
1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: 12 Schefel (Scheffel)schfl: 3 Viertel (Hohlmaß)v: gersten, ist heütte
außgeseet worden. Gott gebe zu glügk!
Avis: von Erffurt daß der Churfürst von Bayern, seinen vnderthanen,
das wegflehen verbotten, vndt leßet sich, das getreydig,
so zu verkauffen, nach Regenspurg lifern.
Graf Philip von Manßfeldt, ist eilendt nach Raab,
den streiffenden Türgken, aufzupaßen, worzu die
vngrischen Stände, in die 300000 Gulden (florenus)f: contribuiren.
Jn der Schlesie gibts auch motus. Sonderlich sollen Sie die
Jesuiter in Breßlaw, außgeschaft haben.
Die Obersten Prisinsky, vndt Röhrscheidt, haben
sich zu Leiptzigk, gebalget, iedoch ohne schaden.
Jn Engellandt, gehets wunderlich zu. Viel Officirer,
vndt Königsfavoriten, begeben sich, nach Schottlandt.
Die Kayserliche armèe, steht noch zu Ditfurt, vndt Behrengrieß,
die Chur Bayrische im Bisthumb Eichstedt, biß nacher Jngolstadt,
die Schwedische zu Winßheim, doch fortzuziehen, vorhabens.
General Turenne, begehret die Weymarischen völcker wieder.
Der König, Christianus IIII. in Dennemargk,
sol am 28. Februarji, zu Coppenhagen, gestoben sein,
ein herr, von hohen qualiteten, vndt der sich in
seinem leben, noch biß ans ende, in seinem Königlichen
Staat, manuteniret. Jn seinen besten Jahren,
hat er noch wol floriret, vndt seinen feinden,
sonderlich den Schweden, obgelegen. Mit dem Kayser
Ferdinando secundo, zu kriegen, hat er weniger
succeß gehabt, wiewol sich anfangs, sein glück,
wol anließ. Jedoch erlangte er noch einen
guten frieden, zu seiner manutenentz. Jn den
letzten iahren, haben ihm die Schweden, hart
zugesetzt, biß durch interposition der Frantzosen,
vndt Staden, ein friede getroffen worden.
Er war ein großmühtiger, Tapferer herr,
verstunde den krieg, zu lande, vndt zu waßer,
hatte fein studiret, vndt große erfahrenheit,
in Staats[-], iustitzien[-], polizey[-], vndt Oeconomysachen,
auch in etzlichen mechanicis, hielte gute corres-
pondentz mit dem Römischen Kayser, so auch mit den Köni-
gen von Frangkreich, Spannien, Engellandt,
Polen, Moßkaw, vndt dergleichen. Kondte
|| [[Handschrift: 368v]]
seine magnificentz, wann er wolte gewaltig sehen
laßen, vndt war doch sonst der frugalitet ergeben.
Ein ansehlicher, wolqualificirter, in Ritterspielen,
erfahrner, gesunder eiserner herr, der
sein alter, hoch gebracht, v̈ber die 70 iahr,
vndt sich wenig weder zu waßer, noch zu
lande geschonet, noch einige gefahr gescheẅet.
Er liebte die Tugendt, vndt strafte die
laster. War ein heroischer herr,
deßen großmühtige beschaffenheitten,
kein vnglück niederdempfen, noch
v̈berwinden, vndt vndterdrügken können.
perge
Er that mir die ehre vndt schriebe mir
ohm, vndt Schwager, das letzte, vmb
meiner freündtlichen hertzlieb(st)en Gemahlin <Liebden> willen!
habe einen solchen Potentaten dero wegen
billich zu bedawren, vndt zu betrawern,
zumahl da vnsere vorfahren, zum öfftern,
mit diesem Königlichen hause, sich befreündet.
perge
Gott verleihe Jhrer Königlichen Würden eine fröliche
vndt Sehlige auferstehung, zum ewigen
leben, Amen! Er hat auch gute correspon-
dentz, mit dem Printzen von vranien, vndt den
herren Staden, zu halten pflegen. perge
Der Churfürst von Saxen, sol seine Regimenter, nach
Dresen[!] erfordert haben, dieselben zu besichtigen.
General Lamboy, vndt General Geise, sollen bey
Gesecken, hart aufeinander, getroffen haben,
Landtgraf Johann befindet sich in Caßel,
Man helt darfür, Landgraf Geörgens Sohn,
werde auch hinkommen, vmb das andere landtgräfliche
Fraẅlein, zu heyrathen, (weil die Elltiste dem
Prince de Talmond in Franckreich vermählet worden)
damit dadurch, der Marpurgische streitt geschlichtet
vndt die strittige Aempter, zum heyrathguht
zu erlangen, gelegenheit vndt anlaß gegeben
werden möchte! Zween Schwedische Regimenter
zu roß, vndt fuß, von der armèe kommende,
sollen v̈ber den Türinger waldt, paßiren,
vnwißendt, wohin ihr intent gerichtet ist?
Mit Erdtmann (Gott lob, vndt dangk) fänget
sichs an, zu beßern, wiewol der hußten, vndt kurtze
Athem, noch nicht nachlaßen will. Jch habe ihn gestern
vndt heütte, wie auch alle andere vorige tage, fleißig
besucht.
Der hofmeister Einsidel beßert sich auch, mais il
a tellement blessè la vesique, par l'aspretè de
la pierre, ou bien des medicamens, qu'il ne
peüt pas retenir son ürine, (sauf respect.)
Märtin hahn, mein sattelknecht, liegt auch sehr krangk
etzliche tage hero, am hußten, vndt innerlichen stechen,
Jtem: mein furrirer, Geörg Petz, hat dergleichen
recidive bekommen, also daß vnsere hofstadt, vndter-
schiedliche pacienten hat. Gott wolle der beste
Artzt, retter, vndt Nohthelfer sejn!
A spasso wie gewöhnlich, die oeconomica
zu beobachten. perge
Mes gens, a la mestairie, se plaignent, de
ne pouvoir manger dü beurre, que l'on y
fait, & a nostre table, on le doibt manger.
Jls croyent, que les femmes, & filles, qui le
font, soyent ensorcelèes, car ce beürre
n'a point de goust, comme il faut. Cela est
aussy, ün cas estrange, & le laict, tout
de mesme, est de mauvayse odeur, & saveur,
quoy que les servantes & villageoyses a la
mestairie, n'entendent, que tresbien leur
mestier, & ce malheur, a desia dürè long temps.
perge
Meine raysigen, seindt Gott lob, glügklich,
doch nicht ohne gefahr, von Ballenstedt wiederkommen,
vndt haben den CammerRaht, vndt Schwartzenberger
alß meine deputirte, wol hinauf gebracht.
Gott wolle ferner glügk! vndt segen geben!
heütte hat Oberlender, vndt Tappe, 12 Schefel (Scheffel)schfl:
haber, außseen laßen. Gott gebe zu segen! vndt gedeyen!
Diesen abendt, seindt hertzogk Julius Henrich,
vndt hertzog Frantz Albrecht, von Saxen Lawenburg11
vnversehens, anhero, in die Stadt, Bernburgk
kommen, haben erst voran geschickt, einen furrirer,
alß wenn ein Oberster kähme, welcher vor sein
geldt, quartier begehrte, vndt seindt darauf,
vor der abendmalzeit, gefolget, haben sich,
zum Schwartzen Bähren, einlogiret, vndt in
die 80 pferde, bey sich, gehabt. Alß ichs er-
fahren, habe ich Tobias Steffeck von Kolodey zu ihnen, geschigkt,
vndt sie herauf bitten laßen, auch mich, mit
der vnwißenheit, endtschuldiget. Sie haben
sich, gleichsfalß, excusiret, mir in meiner
<ihnen> bekandten ruin; keine vngelegenheit
machen, Sondern gerne allein sein wollen,
vndt wegen morgender eilfertiger rayse,
biß auf eine andere zeit, diese conferentz,
vndt wie sie alzuhöflich geredet, mir auf-
zuwartten, verspahret, wiewol sie
mir, gar gerne, hetten zusprechen mögen.
Sie haben auch gesagt, der König in Dennemargk
wehre stehendt gestorben, vndt es hette aller-
ley seltzame Prodigia, vorhero gegeben. perge
Große Kersten, vndt Wolf, haben zu Zeptzigk,
seen laßen, 5 Schefel (Scheffel)schfl: 2 Viertel (Hohlmaß)v: gersten.
<3 hasen.>
heütte seindt beyde hertzoge von Sachßen herüber
paßiret, vndt alhier vorbey, auf Halle zu,
gegangen. gott wolle sie geleitten!
A spasso, auf die Saht. Gott laße vns, seinen Segen,
wol gerahten, vndt gedeylich genießen!
Melchior Loyß, meinen Raht, (welchen ich vor diesem
zur iungen herrschaft hofmeister, bestellet gehabt)
habe ich bey Mir gehabt, vndt extra zu
Mittage behalten, weil er seinen allten
herren, meinen Sohn Erdtmann, in seiner Schwach-
heit, besucht.
Mein Sohn Erdtmann, fühlet sich zwar, (Gott
lob, vndt dangk) etwas beßer. hat aber
in seinen gliedmaßen, sonderlich in den Schen-
gkeln, eine große Müd: vndt Mattigkeit.
Gott helfe! das es ein gut zeichen seye!
vndt das die krangkheit, damit hinweg gehe!
Jch habe gut resolution vndt erkläh-
rung vom General Axel Lillie bekommen, wegen
restitution der Ballenstedter pferde, vndt abwendung
der marchen. Gott gebe, zu würgklichem guten effecht!
Meinen sohn, Erdtmann besuchende, habe ich ihn (Gott lob)
in beßerem wolwesen, befunden. Gott gebe ferner
seinen gnadenreichen segen! Doctor Brandt, kahm auch darzu.
Meine söhne, Victor, vndt Carll, seindt hinauß
hetzen geritten, vndt haben 3 hasen, einbracht.
Avis von Osnabrügk, das der Kayser, die
Crohnen, vndt Chur Bayern ihr intent erreichet,
der punctus Autonomiæ, wehre vndterschrieben,
vndt verglichen, nur das wegen Augspurgk[,]
Aachen, vndt der Pfandtschaft, noch etwaß
abzuhandeln, die heßische sache würde
auch baldt zum vergleich kommen, vndt haftet
es noch, an dem puncto satisfactionis militiæ
welcher punct, so lange außgesetzet ist,
biß alles verglichen, vndt abgehandelt.
perge
Caspar Pfaw, hofraht von hartzgeroda,
ist anhero kommen, mit einem creditif, an<von> Meinen
Bruder, an mich, in transitu, mir zuzusprechen,
weil er nacher Zerbst, geschigkt wirdt. Jch
habe ihm, zur audientz, Morgen, (gebe gott) vor-
mittags, vmb 10 vhr, die stunde, ansagen laßen.
Rindtorf, vndt Wischer, seindt von Grö-
ningen, vndt Halberstadt, wiederkommen,
mit gefahr, vnsicherheit, vndt wenig verrichtung!
Jn die kirche, cum sororibus, et filio Victore Amadeo.
Extra: Caspar Pfaw, meines bruders Fürst Friedrich abgeordneter
gen Zerbst, nach gehabter audientz, vndt Christian Börstel.
Schreiben: in publicis, wegen der contribution so den
Kayserlichen dißmal zu excusiren, item: in privatis
wegen Fürst Johannsens sachen, So dann auch, in
andern angelegenheitten, <maxime: in Religionssachen.
perge>
heütte Morgen, ist es von der Cantzel abge-
kündiget, darnach, der neẅe Raht,
vorm Berge, durch die Beampten, aufgefüh-
ret worden. Gott gebe zu glück, vndt Segen!
Mein Sohn Erdtmann, hat diese Nacht, sich
etwas v̈bel, gehabt, vndt v̈bergeben, mit
vieler grüner materia. Bonus effectus! ex mala
causa! Gott gebe beßerung!
Nachmittags habe ich, Paul Ludwig bey mir gehabt,
vndt wichtige sachen, zu expedjren, befohlen.
Avis: das man dem König in Engellandt,
seinen proceß mache, wie auch, das daß Par-
lament zu Pariß, rebellire, wegen der vielen
contributionen, vndt imposten. Gott gebe!
das alles vnrecht abgewandt, vndt Seine
Stadthalter auf erden, manuteniret werden!
|| [[Handschrift: 372r]]
Es scheinet, daß große verenderungen vor seyen,
vndt das es zimlich stargke verwirrungen in Re-
gimentern gebe, vndt v̈ber die hohen haüpter, gehe!
Gott erbarme es!
Nachmittags habe ich Caspar Pfau wieder erlaübet. perge
mit Paul Ludwig geredet, vndt die expedienda, expediret,
weil meine Schwestern, mit Viktor Amadeus in die kirche
gezogen.
C'est ün cas estrange, que ie ne puis pas oublier
ce grand bœuf, & chef dü bestail, que ie permis
de massacrer vilainement le mois passè. Soit
en dormant, soit en veillant, il m'est devant
les yeux, quoy que ie m'en vueille dèstacher,
& se presente comme a moy, se plaignant de
l'avoir si miserablement abbandonnè, & fait
assommer inütillement pour recompence de sa fide-
litè, & de la benediction qu'il m'avoit
apportèe en mon malheur, que nül tiran,
nül Neron, Domitian, Caligula, & aultres
auroit commis telle insensèe cruautè, mas-
sacrant ce, qui leur estoit cher, ains plüstost
auroyent eü soin non seulement de leurs amis,
ains aussy de leurs bestes, chiens, & chevaux,
avec üne <recognoissance &> cordialitè extraordinaire & cognuë,
|| [[Handschrift: 372v]]
suffisamment en toutes leurs Histoires. Qu'envers
leurs ennemis seulement ils avoyent estè cruels,
non pas envers ce, qui s'hümilioit devant eux.
Nota Bene Que ie m'estois asseurèment früstrè d'ün
grand bien, et d'ün grand bonheur, par ceste
legere desertion. Que j'aurois assèz estè
adverty, (nonobstant le comble de mes affaires)
& que ce boeuf mesme, accüseroit mon ingra-
titüde, et presageroit ün insigne malheur.
Telles, et semblables pensèes me tour-
mentent incessamment. Dieu me vueille
delivrer de ce mal! et tentations,
qui ne sont pas pourtant simples jmaginations,
& vueille divertir de moy, & de ma
famille tous malheurs, que ie me prefi-
güre sans cesse. Voilá ce que c'est,<!>
quand on mèsprise legerement les aver-
tissemens, que Dieu nous donne, mesme
par des Creatüres, devant le monde con-
temptibles, comme l'Asnesse de Balaam12 perge
& quand on croit plüs, aux menteries des
meschans hommes, qu'aux signes extraordinaires
& presque süpernatürelles, que Dieu nous
envoye, par toute sorte de tèsmoignages!
Gestern morgen, habe ich aufzuschreiben vergeßen,
das ehe ich in die vormittagspredigt, gefahren, habe
ich einen citronenSaft auß einem krüglein, (so ich von
Cöhten bringen laßen, vndt schon oft gebraucht, mit
einem weißen pülverlein) einnehmen wollen.
Dieweil aber wenig mehr darinnen, der mundt
des krügleins sehr enge, der Saft digke, vndt
das meiste darvon sich auf den grundt, gesetzt ge-
habt, die zeit aber kurtz, vndt herbey kahm,
außzufahren, stieß ich, (auß impacientz, vndt
mich zu befördern,) das Mundtloch vom Töpflein
oben <ein wenig> entzwey, darauß ein par größere
Scherben fiehlen, alß ich nicht gemeinet hette,
hingegen zerbrachen, noch andere viel mehr
kleinere spitzige scherblein, vndt fiehlen in
den digken Saft hinein. Als ich nun, vom
boden, dennoch, den Saft, mit einem löffel,
herauß langete, vndt vermeinte, (zwar
in der eil, weil wenig zeit v̈brig;) alles ei-
gentlich gesehen zu haben, nahm ich in Gottes Nah-
men, ein par leffel voll, des lieblichen Citronen-
Safts, also ein, mit dem pülverlein, vor die
böse lufft, vndt andere accidentia. Es kahm
mir aber in dem digken Saft, ein scherblein mit
in den halß, daran ich bey nahe erstickt wehre,
wann mich der page, Roggendorff, nicht wol in
rügken geschlagen, vndt <mir> wieder lufft zu kriegen, verholfen hette.
|| [[Handschrift: 373v]]
La mort, nous talonne tousiours, de prés. Jl faut
attendre ses attraits, & vivre iournellement en la
crainte de Dieu, qui soit louè sempiternellement,
de sa benigne delivrance.
Weil mich die gedechtnüß, des frembden
Schweitzerochßen, also exagitirt, habe ich occa-
sion genommen, noch ferner darnach zu fragen,
vndt befunden, das meine leütte mich dennoch,
mit lügen, berichtet, alß wehre der Ochße
gutwillig hinundter gegangen, vndt
gerne gefolget. Dann ich heütte, erst
erfahren, das er gantz nicht, vom For-
wergk gewoltt, (quasj præsagiente animo)
vndt mit mühe vom hirten, forthgebracht
werden können, gestaltt er noch im hin-
wege, vor Bungenstabs thür, sich nieder-
gelegt, vndt mit vielen schlägen,
allererst forth: vndt aufgebracht werden
können, biß er v̈ber die fehre gewesen,
alßdann hat er sich drein ergeben.
Jm dritten streich, den ihm dje fleischer
gegeben, so er erschrecklich gebrüllet,
vndt ohne zweifel nach dem hinterlaßenen
vieh, im Forwergk, sich gesehnet haben.
|| [[Handschrift: 374r]]
Man gestehet itzt nur 20 streiche, den ihm die
ignoranten fleischer, sollen gegeben haben, wie-
wol ich dem allerersten bericht, mehr glaube,
vndt gar gewiß, ein vnglück præsumire, vnd besorge.
perge
Patientia! Aux choses faites, il n'y a nul remede!
Jl ne se faut plüs fier; de soy mesme! perge
Aultrement la parole de Dieu dit, aux proverbes de Salomon[:]
Justus; novit animam, jumentj suj!13
Et c'est ce; qui me perce le coeur! perge
Den 17den: Martij seindt 12 Schefel (Scheffel)schfl: haber auf die
Obergerichtsbreitte, geseet worden, den 18. Martij,
eben dahin, 12 Schefel (Scheffel)schfl: haber, den 20ten: Martij,
noch daselbst, 1 wispel des habers. perge
Jch bin bey meinem Sohn Erdtmann, gewesen,
vndt habe zugesehen, wie er mit der carte
gespielet, mit seinem Bruder, Viktor Amadeus vndt den beyden
Elltisten Schwestern, So dann auch mit seinem
hofmeister Schwechhausen.
Discorsj, co'l Doctor Brandt, in publicis.
1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: haber, hat Wolf bey Zeptzigk geseet.
Schreiben vom Berlin, von der Churfürstlichen wittwe
vndt von Madame Elizabeth.
Extra: Doctor Brandt, zu abendts, behalten.
Die avisen von Leiptzigk gaben:
Das der Visconte de Türenne; Winßheim
eingenommen, vndt die Weymarischen, wieder
an sich ziehe.
Jtem: daß die Kayserlichen vndt Schwedischen, auf einander
gehen an der Donaw.
Jtem: daß in Flandern, so wol die Spannischen,
alß Frantzösischen, ieglich theil, mit 30000
Mann aneinander wollen.
Den König in Engellandt, wollen die
Schotten, Jrrländer, vndt Frantzosen, liberiren,
vndt jnndeßen, den Prince de Galles, zu ihrem
haüpt aufwerffen.
Die provintzen Zeelandt, vndt Ütrecht,
seyen mit dem Spannischen, vndt Holländischen
frieden, nicht zufriedenb.
Die hofnung, des deützschen Friedens,
vndt der gewißensfreyheit, seye groß,
zu Münster, vndt Oßnabrügk.
Zu Napolj, seyen leütte eingezogen,
vndt exequiret worden, welche den Düc de
Guise, ermorden wollen.
Die Spannischen, prosperiren wieder, in selbigem
Königreich, iedoch pedetentim.
Die Tartarn, liegen noch in die 80 mille stargk, an
der Pollnischen gräntze. Die Türgken droẅen, Polen,
vndt Vngarn, haben auch, mit den venezianern
noch zimlich zu thun.
Chur Brandeburg vndt Chur Cölln, seindt, wegen
Hamm, vndt wegen der contributionen, wiedereinander.
Jn Frangkreich, gibts auch motus, wegen der imposten.
Die heßen, vndt Lamboy, sollen auch aneinaner
gewesen sein.
Mir hat getraẅmet, es hette mich, die landt-
schaft, beym Kayser verklagt, vndt allerley
vnwarheitten, eingestreẅet, hetten aber
recht in allem behalten, Jch hette mich zwar
v̈ber gewaltt, vndt vnrecht, beschwehret,
es hette aber nicht gehöret werden wollen,
vndt man hette mich schlechts, platter
dinge, abgewiesen, weil sie dem Vice-
cantzler, Graf Kurtzen, vndt andern
Rähten, vndt Secretarien, mehr Schmi-
ralien, alß ich, geben können! vndt darzu
solches von vnseren eigenen landesSteẅren, vndt contributionen genommen.
Avis von Ballenstedt, daß ein Obrist leütnant Jsrael Isaaks
Sohn, so das Königlich Schwedisch Pfaltzgräfliche Regiment
commandiret, gestern nachmittag, mit 8 Compagnien zu fuß,
Roß, vndt 300 zu fuß, sich im flegken Ballenstedt,
einlogiret. Der Amptmann ist ihm biß ienseyt
Falckenstein entgegen geritten, vndt hat vmb
verschonung, oder doch vmb verlegung des Regiments
innstendig, vndt flehentlich gebehten, aber gar nichts
erhalten, vndt wollen noch morgen, vndt v̈ber-
morgen, still liegen, auch keinen proviandt Von
den benachtbarten, einfordern. perge
J'ay èscrit á Zerbst, au Prince Jean.
perge
Wolf, vndt Kersten, haben heütte außgeseet
bey Zeptzigk, 1 wispel hafer.
<3 hasen.>
Briefe, nacher Cöhten, vndt Wien geschrieben.
Nachmittags, mit Viktor Amadeus vndt zweyen Jungkern
bin ich hinauß hetzen geritten, vndt haben
drey hasen, bekommen.
Tappe vndt Oberlender, haben gestern, einen
wispel haber, heütte wieder 1 Wispelw:
außseen laßen.
<Regenwetter.>
Je me prefigüre, que ie mourray peut estre,
bien tost, ceste annèe soit; par maladie ordi-
naire, soit; par venin, soit par aultre
Violence exterieure, sentant ün feü
cachè en moy mesme, qui me consüme,
et plüsieurs indices, qui me presagent,
tout sorte de malheurs, & changemens,
tant en general, qu'en particülier!
Le bon Dieu, qui m'a si benignement
preservè, dèz mon enfance, & qui m'a
saulvè de tant de perils, me vueille
encores conduire, par sa Sainte grace,
& ne m'abbandonner, en mon aage avan-
cè, a la rage de Sathan & dü monde,
ains me delivrer de tout sinistre accident,
malheur, & peril, me conservant ses dons
temporels & spirituels, iusqu'au bout,
de ma miserable Vie, & me vueille assis-
ter, par la force de son Saint Esprit, contre toutes
les tentations, & afflictions, m'accompagnant
aussy sans cesse, iüsqu'a la fin, dü Ministere, de ses Saints Anges
|| [[Handschrift: 376v]]
et qu'ils puissent porter mon ame, au sein d'A-
braham, en la vraye terre des Vivans, en la Je-
rüsalem celeste, en la vie eternelle. Le bon
Dieu, vueille effacer, toutes mes larmes, ès-
teindre toutes mes afflictions, s'opposer, a tous
mes adversaires, & me consoler, et rèsiouir
sempiternellement! A luy en soit honneür,
et gloire, á jamais; aux siecles des siecles,
par Jesüs Christ, son fils, nostre Saulveür,
& Redempteur ünique, en vertü dü Saint
Esprit, ce Paraclete, Amen!, Ainsy soit il! Amen!
Es hat greẅliche disturbj, vndt wieder-
sinnigkeitten, zwischen meiner Söhne, hofmeister,
vndt Præceptorn gegeben, also: das es leyder!
im Schloß, zu Thätligkeitten, gedien. Gott
helfe, das ich auch von dieser vnruhe, mit
ehren, abkommen möge! Der Præceptor Hangk-
witz, wil sich gantz nichts, vom Hofmeister
Schwechhausen, erinnern laßen, vndt es lauffen
etwaß animositeten, vndter ihnen, vor.
Gott gebe doch, in dieser passionszeitt,
vndt sonsten, versöhnliche hertzen!
Geschrieben, nacher Berlin, Wien, vndt
Paris.
Avis von Cöhten, daß der Oberkämmerer Borgß-
dorf, morgen, (gebe gott) dahin, solle kommen. perge Dieu
nous en garde, de ce grand hoste!
Avis, von Ballenstedt, daß vorgestern, die bösen
gäste vfgebrochen, seindt ihrem eigenen bericht
nach, 1200 pferde effective, vndt 200 bey dem ba-
gage stargk gewesen. Man hat dem Obrist leutnant so
Sie commandirt, 50 ReichsthalerRthlr: zu maturirung des
aufbruchs, vndt verschonung mit vorspann zahlen
müßen, vndt solches ist, von dem deposito eines andern
Obrist Leutnants genommen worden. Angustias hats genung
gegeben. Wo sol nun die contribution herkommen?
Gleichwol droẅet man, mit executoren. perge
Die armen leütte, haben ein großes
außgestanden. Wollen alle entlauffen.
Jhr Sahmkorn ist dahin. Gott erbarme sich
ihrer! Bey den Menschen, ist wenig, oder gar kein erbarmen.
perge
Jch habe ein recommendationschreiben, wegen eines
neẅen Juden, Simon Frangken, vom Obersten
Graven Kinßky empfangen.
Avis: daß Soldaten zu Eißleben, mit meines Cantze-
leybohten Tochter, Maria, sich zimlich gemein machen
wollen, vndt weil Sie ihr Mann14, heimlich weggeschigkt,
hetten Sie mit ihm, die Passion Christj, Gotteslästerlich, gespielet.
|| [[Handschrift: 377v]]
Ach! Ach! wie groß leydwesen, bringet mir?
die falsche weltt! der Neid! das arge Thier!
Die Mißhelligkeitten, zwischen dem Hofmeister
Schwechhausen, vndt dem Præceptore Hangkwitz,
seindt, durch meine, darzu verordnete Commissarien,
hofmeister Einsjdel, vndt Doctor Brandten, mit zu-
ziehung, Tobiæ Steffegks, von Kolodey, compo-
nirt, vndt endtlich, beygelegt, vndt verglichen
worden, wiewol es sehr mühesehlig, vndt
schwehr hergegangen, vndt die verbitterung,
sonderlich bey dem einen, sehr groß gewesen.
Gott gebe, das die rechte einigkeit, so
den Engeln, vndt Menschen, wol gefället,
möge ie mehr, vndt mehr, befestiget werden!
<Windt. Regen.>
heütte ist das fest Mariæ verkündigung, oder
viel beßer, conceptionis Jesu Christj, so
wir mit zweyen predigten, dem usu nach, gefey-
ret. Gott gebe zur stärgkung im glauben!
vndt beßerung vnserß lebens!
Meiner kutzschpferde eines, der hollsteinische Schweißfuchs
hat mir diesen Morgenc
ein iung hengstfohlen gebracht, Gott wolle
mir glügk darzu geben! vndt zu allem
dem, waß mir nützlich, vndt gut ist! Amen!
Extra: zu Mittage, Doctor Brandt, gehabt, vndt
vielerley, mit ihme consultirt.
Avis von Zerbst, daß Freitag♀ zu Mittage, kurtz nach
12 vhr, Gott der Allerhöchste, den Superintendenten
Magister Christianum Beckmannum von dieser
schnöden welt hinweg, vndt zu sich in sein ewiges
himmelreich genommen. Ein großes licht, vndt
treflicher pfeiler ist in vnserer religion
außgethan, vndt vmbgefallen. Gottd
Doctor Mechovius, vndt Schwartzenberger,
seindt von Ballenstedt wiederkommen (Gott lob!)[.]
Sie haben, wegen der soldatesca wenig, in
ihren anbefohlenen Commissionen, außrichten können.
perge
3 Schefel (Scheffel)schfl weitzenmehl, 42 Pfund (libra)℔: Butter,
5 schogk kähse, vndt iunge Tauben, seindt
zur hofstadt, mitgeschigkt. perge Poca cosa!
Meine Sohn, Erdtmann Gideon, habe
ich nicht allein, besucht, sondern auch meine
beyde, anwesende iüngste Schwestern,
mitt dahin, geführet. Gott lob! es hat
noch das ansehen, alß wolle sich alles,
zur beßerung, anlaßen!
<Windig, wetter.>
Am heüttigen PalmenSontage, conjunctim, in
die kirche. Der hofprediger nahm einen extraordinarium
Text, nemlich: wie Abraham seinen Sohn
Jsaac aufopfern wollte?15
Extra Doctor Mechovium, gehabt, vndt seine Rela-
tiones von Ballenstedt, angehöret. et cetera
Nachmittag, wieder in die kirche, cum sororibus; et
filio, Viktor Amadeus[.]
<Regen.>
An General Axel Lillie, habe ich geschrieben,
vndt ihme berichtet, wie seine Quartier,
verdorben werden, von den Schwedjschen.
J'ay grande apprehension, pour Hans Meyer
ün messager, que j'avois depeschè, il y a
long temps, en Hollande craignant, qu'il n'ait
estè assommè, en chemin. Dieu le vueille conserver!
Extra: den hofprediger, zu Mittage, gehabt.
14 Schefel (Scheffel)schfl: haber alhier, außseen laßen, durch den
kornschreiber Hans Tappe vndt Oberlender.
perge
Mein neẅlichst wehrhaftig gemachter Bider-
sehe, ist anhero kommen, mit bericht, daß der
Oberkämmerer Borgßdorf, diesen abendt, zu
Cöhten, ankommen würde, vndt darnach,
nach Schöningen, gehen. Dieu nous garde! de
cest hoste, icy, avec sa suitte de 300 chevaux!
Ce boeuf, que ie fis massacrer le mois passè,
m'est tousiours devant les yeux, & me denotera
sans doubte, (si Dieu ne le divertit, par sa Sainte
grace?) ün insigne malheür, a moy, & aux miens.
Die vorreẅe, ist beßer, alß die Nachreẅe. perge
Ach Gott! nimb alles vnglügk von Mir! vndt
von Meinem gantzen hause!
Diesen abendt, ist Caspar Pfaw, von Zerbst, wieder-
kommen, hat berichtet, wie der vergleich,
so durch die deputirte, geschloßen, abgelauffen,
vndt wie incidenter der Oberkämmerer
Borgßdorf, dorthin gekommen, vndt sich
sehr prächtig gehalten?
Zu Zeptzigk, ist ein wispel Gersten
außgeseet worden, in præsentia des Großen
Kersten, vndt des Wolfgangj Sutorij.
Meine leüttlin, alhier zu Bernburgk, haben
durch drey Freybrawen, endtlich daß
resitirende quid, der contribution erreicht,
vndt damit, die executores abgewiesen,
Gott gebe, das wir sie nimmer sehen,
noch bedörffen mögen!
<3 hasen.>
<Windig wetter.>
Conferentz mit Doctor Mechovio.
Jch bin hinauß spatziren geritten, zu besichtigen,
ob meine leütte in der Feldarbeit, fleißig
sein, vndt habe 3 hasen gehetzt, vndt einbracht.
Nachmittag gelesen, vndt meditirt.
<Meine leütte alhier, haben 8 scheffel gerste<haber>n geseet.
et cetera>
<böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ> Mittwoch☿ den 29ten: Martij: 1648. Ascher Mittwoch. et cetera
Avis: daß der fromme sehlige alte Superinten-
dens zu Zerbst, Magister Christianus Beckmannus,
mit großer Standthaftigkeit, sein leben geen-
det, seinen verstandt, biß in Todt, vollkommen
behalten, vndt alß ein verus athleta
Jesu Christj, (welcher sich lengst schon
zum Tode vorbereittet gehabt, vndt deßen,
in seinem, ohne das hohen alter, gerne er-
wartett,) Christlich, Sanft, vndt sehlig ge-
storben. Gott gebe ihm, vndt allen
Außerwehlten, an iehnem großen Tage,
eine fröhliche, vndt sehlige aufferstehung,
zum ewigen leben, Amen! vndt erwegke
andere lumina Ecclesiæ, die seine stelle
eiverig vndt rechtgläubig, ersetzen, vndt
allen einschleichenden Jrrthümbern, recht
steẅren, vndt wehren mögen!
Ein glügk scheinet es noch darbey zu sein, das
eben die vornehmsten reformirten Rähte, dieses
Fürstenthums, zu Zerbst, damalß beysammen ge-
wesen, in andern landessachen sich zu berahten, vndt
haben also den conduct, dieses vornehmen berühmb-
ten sehligen Mannes, mit begehen, vndt zieren helfen
können. Da heißt es recht, wie Gott spricht:
Honorantes me; honorabo. perge
höfliche antworth vom General Axel lillie, welcher
condolirt wegen Ballenstedt, des Commissarii Schmidt
proceduren, improbirt, vndt an General Wrangel
solches wil gelangen laßen. perge
Jtem: schreiben von Wien, vom Johann Sternberg,
vndt herrn von Roggendorf, <in buonj terminj.>
Die avisen, confirmiren, die annährung
der haüptarmèen an der Thonaw, sampt der
hofnung deß friedens, zu Münster vndt Osnabrück.
Jtem: daß der Türgk, vndt Tartar, so wol, in Polen,
alß in Vngarn, einzufallen gedengke.
Das des Königs, jn Engellandt, sachen, schlecht stehen.
Das der Kayser, ejn freẅlejn, von Insprugk, heyrathe,
vndt derowegen, nacher Paßaw, raysen werde.
Das zu Napolj, in Portugall, vndt in Catalonien,
die vnruhe noch v̈berhandt nehme.
Daß es prodigia in Dennemargk, vndt hollstein
|| [[Handschrift: 380v]]
gebe, mit seltzamen Regenbogen, Sonnen, vndt
andern dingen, so gesehen werden, auch hette des alten
Königes Fridericj 2. <bildtnüß> kurtz vor deß verstorbenen
Christianj IV. Tode, blut geschwitzet, in
seinem gemach, auß der Nase, mundt, vndt augen,
darüber iedermann sich endtsetzet. Der
eingefallene Thurm Santae Catherinæ in hamburgk
sol auch kurtz zuvor gebawet sein worden,
mit ejner krohne, alß der König sehliger die
huldigung, baldt darnach, eingenommen,
deßen vmbstürtzung, pro malo omine,
wil gehalten, vndt die portenta vor
Bußpredjgten, geachtet werden.
Großfürst in der Moßkaw, sol sich
keine, von denen, ihme præsentirten schönen
Damen, haben belieben laßen, Sondern
eine von seiner aufwartenden Bojaren,
Tochter, zur ehe genommen, welches wol
jalousie, vndter den grandes vervhrsacht.
Er, der Großfürst aber, sol von dem
gemeinen volck sehr beliebet sejn.
Jhm, wirdt sehr, von Tartarn, vndt
Türgken, gedroẅet.
Der Stadische frieden, mit Spannien, wirdt
|| [[Handschrift: 381r]]
sehr gelobet, vndt ein großes absehen darauf gehabt.
Der Ertzhertzogk Leopoldus helt gute Nachtbarschaft
an itzo, mit den Staden.
Die Schweden werben stargk, vndt sollen schon
in Schonen eingefallen sein, weil der Ertzbischof
von Brehmen, (an deßen wahl zum Könige
in Dennemargk, jhrer viel, noch dubitiren)
den geschloßenen friede mit seinem herrn-
vater, noch nicht ratificiren wollen.
heßen Caßel vndt Darmstadt, tractj-
ren ihren vergleich. Lamboy vndt Geise
seindt zu Geiseke aneinander gewesen,
iedoch ohne sonderbahren effect, wiewol
viel volck beyderseitß geblieben, vndt
hohe officirer gefangen worden. Daß
Hollsteinische Regiment, ist ruiniret
auf Kayserlicher seitten. Vndt auf Caßelischer
seitten, ist Landtgraf Ernst, gefangen.
Zu Rom, sollen die Cardinäle, sich re-
solviret haben, nach dieses Pabsts ab-
sterben, keinen, als einen Römer, zu erwehlen.
Viel banditen sollen sein gefangen,
verjagt, vndt theils geköpfft woden.
Meinen Sohn, Erdmann Gideon, haben wir con-
iunctim, Meine freundliche hertzlieb(st)e Gemahlin, vndt ich, besucht,
Er befindet sich, Gott lob! vndt dangk! von Tage
zu tage beßer! Gott helfe ferner, zur endtlichen
gesegneten beßerung, mit gnaden!
Jch habe in schönem wetter, nachmittags,
meinen agkerleütten, auf der nähe, wie
Sie seen, zugesehen. Gott gebe glügk! vndt
gesegnetes gedeyen!
Avis: <vom Berlin> daß vetter, Hanß Geörge, von
Deßaw, sol bey der alten Königin in
Schweden, kammerherr werden, vndt mitt
in Schweden ziehen. (Estranges resolütions!)
Mein Sohn, Victor Amadis, ist nachmit-
tages, hinauß geritten, vndt hat fünf
hasen einbracht.
Nota Bene ex monitis, Jllustrissimi et Celsissimi parentis; piae memoriae[:]
Quinque sunt species, Potentiæ, nimirum:
Opes; Arma; Consilia; Fœdera; Fortuna;
Ô Dieu! consoles moy, en ces jours Saincts,
et tousiours de tant de miseres, afflictions;
angoisses, & dèstresses, grandes! et petites!
Rends moy! par ta grace & bontè! la liesse perduë!
Extra zu Mittage den Diaconum Jonium gehabt.
12 Schefel (Scheffel)schfl: erbßen, seindt gestern, zu Zeptzigk geseet.
Avis: das wir eine Einquartirung,
zu gewarten haben sollen. Gott behüte gnedig-
lich davor. Johann von Bergen, ist ihnen
den Regimentern, entgegen geschigkt, auf
Fürst Lebrechts erinnerung, welchem es Fürst Augustus
befohlen. Gott gebe erwüntzschte expedition!
Peter Agricola, Meines bruders Fürst Ernsts
Sehliger gewesener kriegsSecretarius, zuvorn
aber, meines herrnvatters Seligen vndt mein ge-
wesener Cantzelist, alhier zu Bernburgk,
ein wolqualificirtes, geschicktes,
vndt hurtiges subjectum, so seidthero
in Amptierungen, vndt Schößereyen, sonder-
lich zu Bösem, sich gebrauchen laßen, ist
heütte, im herren, endtschlafen.
Gott verleyhe ihm, vndt vnß allen,
eine fröhljche, vndt sehlige aufferste-
hung, zum ewigen leben, Amen!
Avis: daß Fürst Augustus sehr krangk
gewesen, an der lungen, vndt leber-
krangkheit, so an itzo regiert. Gott beßere es!
Meinen Sohn Erdmann Gideon besucht, nachmittags.
Hanß Meyer ist Gott lob, auß hollandt, glügk-
lich wiederkommen, mit schreiben, von der Königin in
Böhmen[,] vom Brederode, Madame de Dhona,
von Ern Spanheimio, la Riviere, Hotton,
Rulitio, herr von Schrahtembach, Obersten
Mario, le tout, en bons, et dilatoires
termes. perge Gott lob, das er vnversehrt, wie-
dergekommen! Er helfe doch ferner, mit gnaden!
Avis: daß Israel Jsaacs Sohn, inß
landt kömbt, vndt 2½ compagnien zu Roß, neben
einem ½ stab, hereiner wil legen. Es ist
eben derselbige, welcher in neẅligkeit
zu Ballenstedt gelegen. Je l'ay avisè au
Général Axel Lillie.
Jn die kirche conjunctim. Gott gebe zur beßerung,
zur stärgkung im glauben, vndt zur Sehlen sehligkeit!
Viel verwirrungen in der Andacht gehabt,
so wol in publicis, alß privatis.
Wo Gott eine kirche hinbawet, da pfleget
sich baldt des Sathanæ capelle darneben zu
befinden. Gott dempfe vndt zerstöhre alle boßheitt!
herr von Bergen, kömbt von Staßfurth, berichtet, wie der Obrist leutnant
Jsrael Isaacks Sohn, mit mühe disponiret worden, aldort
heütte zu verharren. hette hieher gewoltt. Gedächte auch
noch anhero. General Commissarius Brandt, hette ihm ordre auff
dieses Fürstenthumb gegeben, mit 2½ compagnien vndt dem
½ stab, die v̈brigen solten auf die Nachtbarschaft.
Wir solten sie verpflegen, vndt vndterhalten, auch recruyten
gelder, ihnen geben, in die 2500 ThalerThlr: innerhalb zweyen Monaten.
C'est pour nous ruiner de fonds en comble. Jch suche
dilationes, damit er vnß nicht v̈bern halß komme. Brandt
sol ordre vom Feldtmarschall Wrangel haben. Man leßet es
aber interim an Axel Lillie gelangen, ob derselbige
auch darmit zufriedene?
Extra zu Mittage, am Nebentisch, hanß von Bergen.
Nachmittags, ist die historia des leidens, vndt ster-
bens Jesu Christj, in der kirchen verlesen worden.
Je me suis fait coupper les cheveux, & laver la teste,
comme i'ay accoustümè de faire, vers les grandes festes.
Avis: daß der Printz von Vranien, comœdianten
angenommen, denen er 10000 Gulden (florenus)f: iährliche pension,
gibet. Die Princesse Royalle aber, wil ihnen
nicht zuhören, weil es ihrem herrnvatter, so v̈bel
annoch ergehet. Die Predicanten haben es dem
Printzen verwiesen, es hat aber nichts helfen wollen,
vndt also predigen sie noch offentlich, auf den
Cantzeln, darwider, vndt wüntzschen man wende
solch geldt, auf kirchen, Schulen, vertriebene exulanten. etcetera
Die flotte, (welche nacher Brasilien abgelauffen) sol tref-
lichen Sturm, bey Engellandt, vndt Frangkreich, auß-
gestanden haben, Theilß auch zerstreẅet worden sein.
Gott bewahre die interessenten! vndt auch vnsere
gute bekandten, insonderheit, darauff! Es sol auch,
vielleicht auß nachläßigkeit, vielleicht, auß
verrähterey, viel gewehr, verdorben, vndt
sonderlich viel hundert Mußckeeten, im ablösen,
zersprungen sein, vndt die Soldaten v̈bel
beschädiget haben. Man hat es dem Printzen,
geklaget, (weil, ohne daß, die schiffe, so sich
vorm Sturm, salviret, still liegen müßen)
welcher gewaltige filtze, außgetheilet,
vndt inquiriren leßet. Man gibt der Be-
windthebber, ihrer commissarien geitz, die
Schuldt, es mag aber noch wol, etwaß anders,
darhinter stegken. Ars est varia; et multiplex.
Post sacras lectiones, habe ich an herrnvetter
Fürst Augustum geschrieben, wie auch an Jsrael
Jsaacs Sohn, vmb die marschen abzuwenden,
wo nur immer müglich. perge Gott gebe es!
Ernst Dietrich Röder, mein CammerJungker, von
hauß auß, ist von Ermßleben anhero gekommen,
mir in diesen ferien, aufzuwartten. Er
klaget auch, v̈ber die plagkereyen, vndt
vielerley hin: vndt wieder marschen.
