Dienstag♂ den 1. May; 1649.
<3 hasen Rindorf gehetzt.>
Mit Moritz, (so auß Oesterreich kommen)
viel geredet, vndt allerley erforschet.
Secretrarius Paulus, ist bey Mir gewesen,
wegen der personalien, meines Sehligen frommen
Sohns, richtigen aufsatz, zu machen.
In vitis Pontificum, habe ich gelesen <et cetera>
post sacras & luctuosas mediationes
peractas!
Post ordinarias preces, & sacra peracta,
habe ich in Oeconomicis, vndt in Iustj-
tziensachen, allerley anstaltt gemacht.
Gott gebe succeß! in allem, gnediglich!
Mein leid, continujre ich, in mir selber, billich
zu beklagen, weil ich so unglücksehlig,
mit meinen Söhnen bin, sonderlich dem neẅlichst
verstorbenen, undt erwachßenen, (ob ihnen
schon wol geschehen, vndt der Sehlige wechßel,
mit nichten, zu mißgönnen!) dannoch, ist es
ein mächtiger hertzensriß, & ie crains, qu'il
y ait eü, quelque mal cachè, quelque malice
|| [[Handschrift: 78r]]
& violence secrette d'autruy, & plains aussy de
ne l'avoir mieux fait observer, servir, & secourrir,
nj de l'avoir assistè assèz moy mesme! Cela
augmente cruëllement mon crevecoeur, &
me sera ün regret, tout le temps, de ma pauvre
& miserable Vie, encores! Dieu nous vueille
consoler! & conserver! & conforter! & nous pardon-
ner, benignement & paternellement toutes nos offences!
Donnerstag♃ den 3. May: 1649. himmelfahrtsTag etcetera
Der pfarrer zu Dröble, vndt Diaconus alhier,
Er Bartholomeus Jonius, hat aufm Sahl geprediget,
Er ist auch neben dem CammerRaht, Doctor Mechovio,
extra hieroben geblieben.
Ô Dieu! delivres moy! dés meschantes
machinations, et menèes de Mala herba!
Avis, von Plötzkaw, Cöhten, vndt Deßaw,
daß der Amptßraht Panße, sol zum Generalissimo
pfaltzgraven, vmb verschonung der lande willen,
geschigkt, vndt abgesandt werden, so ich confirmirt,
vndt Eßken, wie auch Axel Lillien sollen
mitt cooperiren.
Songe; de Viktor Amadeus Fürst Zu Anhalt daß Erdmann Gideon Fürst zu Anhalt wehre zu
ihm gekommen, hette gemeldet (im hembde) er wehre zwar
hart verklaget worden, der herr Jesus Christus aber, hette ihn absolviret.
Mein Marichen, hat auch getraẅmet, ihr bruder
Erdmann, hette gesagt: Er lebte noch.
Ces signes sont remarquables, contre celle,
quj doubte par fois, de son salüt!
Schreiben, von Sigen, Grawenstain,
vndt Amsterdam, gekommen. (Dieumercy!)
Mein Marichen, wie auch, Anne Lißgen,
seindt matt, undt krangk. Gott wolle
sich ihrer, erbarmen! wie auch Anne Sofichen,
habe also drey krangke Töchter, in diesem
hause, wie in einem Lazareth. Gott
wolle ihren zustandt beßern! undt unß,
vor mehreren betrübnüß, undt Trawer-
fällen, gnediglich bewahren!
Condolentzen, von hertzogk Ernst von Gohta.
Schreiben, von meinem bruder, ratione sepulturæ!
Von Deßaw, bleibet mjr, viel zurügkea.
Daß man zwar, zu Nürnberg, beysammen jst,
allein die abdangkung, gehet langsam forth.
Jn Engellandt, gibts, (dem bericht nach!)
desperata consilia, undt das die neẅe
Regenten, auß Barbaria, Marocco, vndt Fez
|| [[Handschrift: 79r]]
hüllfe suchen wollen. Die Schotten sollen
der Engelländer beyspiel anfangen zu folgen, vndt
den Marquis de Huntley, haben richten laßen,
derentwegen ihnen, der neẅe König,
nicht trawen will. Printz Robert, sol
den Engelländern, über 50 Tonnen goldes
werth, albereit, auf der See, schaden zuge-
füget haben, vndt viel Schiffe wegnehmen.
Der grave von Oldenburgk, begehret ein
Stügke geldes, von den Brehmern, alßdann
will er die Zollsache, fahren, vndt fallen
laßen.
Freitag♀ den 4ten: May; 1649.
Post sacra peracta, habe ich mit Ern Hesio,
conversiret. et cetera
Gott wolle vnß, vor geschwinden mehreren
begräbnüßen behüten! On haste (ex gynecoeo)
trop, l'enterrement de feü mon bon fils, de bonne mémoire.
Jl y a, a craindre, qu'üne, de mes trois
filles, puisnèes, toutes trois malades, pour-
roit suivre, le pas de la mort, sj Dieu, ne
les preserve, par sa Sainte grace? Oh que ne
frappe il? les coeurs pervers, & indürcis? pour les innocen[ts?]
1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: 6 Schefel (Scheffel)schfl: hafer, zu Zeptzigk, außseen laßen.
Gott gebe! Segen, vndt gedeyen!
Samstag♄ den 5ten: May; 1649.
<3 hasen Rindorff gehetzt.>
Victualien, von Ballenstedt, <sein> ankommen.
Mit Secretario Paulo Ludwigen, expedienda ex-
pediret, von jmportantz.
Die blaw<graw>schimmelichte Stuhte <im kleinen gespann>, hat
gefohlet, vndt ein Füxlein, ein Stühtlein,
gebracht. Siehet auß, wie mein großer
Fux. Es ist aber zu zeitlich, ein 14 Tage, zu
frühe kommen. Die Stuhte, wil es nicht
annehmen. Schmeißt, vndt stößet es,
von sich. Jch habe also, wenig glügk!
Die Erffurdter avisen geben:
Das die execution des Marquis de Huntley;
in Schottlandt, große alterationes, vndt aufstandt,
causire. Seine freünde, undt anverwandte, wollen
es rächenen, haben schon 5000 Mann, in den Norder-
quartieren, colligiret, denen der General Leütnant
Davidt Leßle, sich opponiren soll. Jnmittelst,
thun die Schiffe, des Printz Roberts, an den Engellän-
dischen kaufmannsSchiffen, großen schaden,
nehmen viel hinweg, vndter andern haben Sie eines,
|| [[Handschrift: 80r]]
inn 200000 Pfund (libra)℔: Sterlingß, werth, erobert. Sie sorgen,
der kaufhandel, werde darüber, gar zu grunde gehen,
wiewol Sie einen neẅen fund erdacht, vndt
holländische Flaggen, anfangen zu führen,
damit sie vnangefochten bleiben, man weiß
noch nicht, ob es mitt? oder ohne consenß geschicht?
Jn Engellandt wirdt durch daß gantze Reich,
der vierdte Mann aufgebotten, weil die Schotten,
mitt 60000 Mann, zu felde, gehen, auch die
Jrrländer, mit 30000 folgen wollen, des
Königes Todt, zu rächenen. Printz Ruprecht,
sol v̈ber vorige, noch 2 reich beladene Englische
Schiffe, vndt darauff, in 12 Tonnen goldeß
werth, bekommen haben. Die Irrischen
Fregahten, creützen die See, vndt machen
alles, gar vnsicher. König in Dennemargk, wir-
bet auch, (wieder Engellandt) alß man meinet? perge
Jn Frangkreich, ist zwar, die unruhe, stiller,
iedoch, haben die malcontenten Printzen, ihre völgker,
noch beysammen, wie auch zu Bourdeaux, der aufstandt währet,
der Cardinal Mazzarinj, wil das Königreich, nicht
reümen, stärgket seine garde. General Erlach,
schreyet vmb geldt, oder seine völgker, werden sich dèsbandjren.
General Rosa, ist in großem ansehen. General Rantzow aber, gefangen.
Jm haag, ist der hertzogk von Lottringen, ankommen, zum
Könige in Engellandt, sich zu verfügen, welcher
König, mit den Schotten, noch nicht recht verglichen.
Sankt Venandt, vndt die feste Schantze Cnogke,
ist vom Ertzhertzogk Leopoldo erobert. Ypere
hoffet er auch baldt zu emportiren, weil die
Frantzosen, dermaßen enervirt, daß Sie keinen
endtsatz schigken können.
Jn Portugall, wirdt eine Brasilianische Com-
pagnie von 40 Schiffen, außgerüstet, iedes, mit
30 stügken, montiret, so iährlich 2 mahl,
außlauffen sollen, vndt die ZugkerSchiffe,
von der Baya de Todos los Sanctos, vndt
vom Rio de Genero, convoyiren. hingegen
haben sich, die holländer, mit 22 Schiffen, vor
gedachter Bahia, sehen laßen, vndt albereitt,
30 ZugkerMühlen, in brandt, gestegkt. Die
Portugesischen Schiffe, so vor Bahia gelegen, hat
der holländische admiral Witte Wittensen, in
brandt gestegkt mehrentheils, dem aviß nach!
Die Türgken in Candia leiden mangel, an
vivres, entlauffen sehr, werden von den Venezianern,
mit geldt, vndt paßzetteln, gerne forthgelaßen,
die Bassa von Alepo, Damasco, vndt Alcajro,
|| [[Handschrift: 81r]]
wollen ihre gewöhnliche tribute, vndter dem Schein,
Sie möchten bey diesem Minderiährigen GroßTürgken,
v̈bel angeleget werden, nicht nach Constantinopel
lifern.
Zwischen den Cosagken, undt dem Könige in Pohlen,
ist ein Stillstandt, vndt jnterimsvergleich, biß
auf Pfingsten getroffen. Es werden ihnen auch, ge-
wiße plätze, zur versicherung, eingereümet.
Sie gebehren, erledigung ihrer gravaminum,
in geistlichen vndt welttlichen dingen. Der general
Chmielnigkj, wil die Feldhauptmannschaft
vom Könige annehmen, wann solche perpetuirlich,
bey ihrer militja verbleibet? Den anfänger
dieser empöhrung, nemlich: der Craplinßky
begehren sie zur bestraffung, gelifert.
Zu Prag, geschehen angriffe, vndt
Mörderreyen, werden aber auch gestrafft.
Auf dem convent zu Nürnbergk erscheinen,
nicht allein, viel Gesandten, sondern auch die
Generallen, beyder kriegßheere. Es beruhet
der endtliche schluß, der Christenheit zeit-
licher wohlfahrt, (itziger apparentz nach)
auf dieser Zusammenkunfft, sonderlich aber:
die evacuatio locorum, restitutio restituen-
dorum, die Abdangkung der Soldaten, vndt andere erleichterungen.
Jn Engellandt, sollen, (dem vorgeben nach) auch die
kirchen, verkauft werden, die zu Candelberg, bieh-
ten sie vmb, vndt vor 100000 Gulden (florenus)f:[.] So soll auch, die
kirche zu Sankt Paul in Londen fail sein. Der
hohe raht, der neẅen Regierung, (wie Sie sich
nennen) hat ein Manifest außgehen laßen,
darinnen Sie die Königliche authoritet, gäntz-
lich vernichten, vndt alle des Königes kin-
dern, vndt Anverwandten, die succession,
bey leibes Straffe, verbiehten.
Die Bawren im Bisthumb Basel, seindt auff-
rührisch, vndt empören sich, jm lande!
Zu Caßel, wirdt die heßische abdangkung,
fleißig continuiret. Printz Talmond,
sol mit Seiner gemahlin Liebden von dannen, nacher
Frangkreich, abraysen. Ein gesandter1,
vom iungen Könige, in Engellandt, ist
daselbst ankommen. Die Landgrävin,
zeücht nacher Embß, ins warme badt.
Der junge Churfürst Pfaltzgrave, ist
zu Cleve, vom Churfürsten von Brandenburg nebenst
bey sich, habenden hertzogen von Braunschweig,
vndt Meckelnburgk, stattlich eingeholet worden.
Der Frantzösische Gouverneür zu Meintz, zeücht auß!
J'ay songè ce mattin, de m'estre trouvè en
compagnie de Bodenhausen2, sür ün batteau, & il
se seroit, (apres avoir long temps bravè & fait le
rodomont) crüellement battü en duël, avec
le Prince Jean Casimir, lequel l'auroit
genereüsement rencontre, & comme il pensoit
aussy se battre avec moy; ie me serois èsveillè,
plaignant tousiours la fascheüse & regrettable
separation & le decéz de feü mon bon fils, de bonne mémoire
ce; quj me donne ün crevecoeur, & regret jndjcible.
Ah! que n'at on üsè, des remedes, plüs ütiles,
& proffitables, á sa conservation! Pourquoy,
s'est on fiè, á des gens, de peü de Valeür, & de
peü de discretion? moins de dexteritè? Ô Dieu!
Avis; daß die FrawMuhme, zu Plötzkaw,
auch plötzlich krangk worden. Gott wolle der
lieben frommen Fürstin, in gnaden, wieder aufhelfen!
Mein Victor hat gestern von der colica etwan
angefangen zu empfinden, iedoch, ist es (Gott lob!)
baldt über hin, gegangen. Gott bewahre ferner!
Mein Carll hat ein böß knihe bekommen, hat es
verengkt, vndt es ist ihm geschwollen. Gott beßere es!
Drey meine iüngste Töchter seindt auch krangk.
Gott wolle alles, in diesem elendt, zur beßerung, schigken!
Sonntag☉ den 6ten: May: 1649.
Gestern abendt, ist Märtin, mit schreiben, von
Tegklenburgk, von Amsterdam, von Hülst,
vndt von Borch, wiederkommen, die letzten beyde
wahren, en mauvais termes. Malheür!
Er Marggravius hat hieroben geprediget.
Extra zu Mittage, derselbige, neben dem
CammerRaht, Doctor Mechovius.
Jch habe Nachmittags meines Sehligen lieben Sohnes
höltzern, vndt dann auch den mit blech
beschlagenen, vndt mit schönen Sprüchen,
beschriebenen Sargk, besichtiget. Der
blecherne, ist schön, vndt wol formiret,
einem zinnernen gar ähnlich. Der höltzerne
stehet noch im Sande, undt das graß
herumb, wirdt immer höher. Ach! mein
Sohn Erdmann, ach mein Sohn! Du grünest
itzt in dem Tempel des herren, wie das
grüne graß, du grünest, vndt blühest
herrlich, vndt sehlig, ohne allen Zweifel!
Wir aber müßen noch diß elendt bawen,
undt unß quehlen, biß wir auch verwelgken!
Non t'invidio, nò; il tuo Destino, mà piango, il mîo!
Rindtorf, hat mit zuziehung Wolfens, vndt
Oberlenders, die wolle wägen laßen, in der
Rahtswage, vndt befunden 46 Steine,b Pfund (libra)℔:
Gott laße mich auch diese jntrade, genießen!
Mein fohlen, so von der schimmlichten wilde gefal-
len, jst gestorben. Vnglügk! Gott gebe! das
diß, das größeste seye!
Montag☽ den 7ten: May; 1649.
Avis von Münster daß an den Schwedischen Generalissimus, de
bon encre, geschrieben worden, die reduction, vndt eva-
cuation zu maturiren, anderst würde man, neben
Kayserlicher Mayestät auf andere remedia, bedacht sein müßen.
ChurPfaltz, gedengkt nacher Heidelberg, zu gehen,
iedoch schreibet man ihm, noch allerley condititones
vor, vndt die Evacuatio, ist v̈berall noch nicht erfüllet,
sonderlich, zu Frankenthal. Jl semble; que Messieurs
les Estats, l'assisteront, de deniers, en ses angoisses!
Monsieur la Cour, Frantzösischer gesandter, hat protestiret,
wieder den durchzugk, der Chur Cöllnischen Lamboyschen
trouppen, durch den Westphählischen Krayß, so nacher
Brabandt, vndt Stift Lüttich, in Spannische dienste,
contra Frangkreich, <zu> gehen. Will: es lauffe recta
wieder das Friedensjnstrument <vndt jura imperij>, bittet vmb remediirung,
cum comminatione des darauß endtstehenden unheyls.
Graf la Garde, sei am Kayserlichen hofe, nomine Reginæ Svedæ, die lehen entpfahen.
Paul Ehling, meiner freundlichen herzliebsten gemahlin, Cammer-
schreiber, ist todtkrangk, auch an der Schwindsucht,
hat mich durch Tobiaß Steffeck sehnlich, vmb
verzeyhung bitten laßen, wormit er mich
beleydiget etcetera vndt andere auch! Gott verzeyhe
ihm seine Sünde! Vndt Mißhandlungen! Vndt
gebe ihm wahre reẅe! Vndt buße!
glauben! undt beßerung seines Zustandeß!
Vmb 4 vhr, nachmittags, hat es
stargk geregenet, gedonnert, geblitzt,
vndt dichte hagelsteine, <theils wie Taubeneyer, theilß> alß Mußkeeten
<kugeln> groß, geworfen, an den fenstern im hause,
schaden gethan, vndt die blühte von den
baẅmen, im garten abgeschlagen. Gott
erbarme sich unser, vndt bewahre vor
mehrerem unheyl! schaden! undt strafen!
Ein kleines Mägdlein, welches der gänße
gehütet, ist halb todt, in die Stadt herein,
gebracht worden, vndt viel klein vieh,
jst erschlagen. Jn meinen Erbßen, auch theil
meinem Rogken, ist großer schade geschehen.
Dominus dedit! Dominus abstulit, nomen Dominj, sit benedictum!3
Es beütt aber offt ein unglügk, dem andern
die handt. Cependant; le malheür, nous devroit
estre Medecin!
Victualien, seindt vom Ballenstedt, ankommen.
Jtem: holtz von Dieptzigk, so ich kauffen müßen.
Man hat lerchen gefunden, so der hagel nieder-
geschlagen. Er lieget knie hoch, auf meinen
breitten, gegen die Fuhne, alhier vor Bernburgk.
Dienstag♂ den 8ten: May; 1649.
<5 hasen Rindtorf.>
J'ay songè, d'avoir envoyè mes gens, pour tirer
ün bel oiseau, de mediocre grandeür, ün vaultour
(habicht) mais m'en repentant, ie les suivis
de loing, & l'oiseau vint de soy mesme, me Voler
par dessüs la teste, en fin, s'abbaissant,
á mon souhait, ie le prins, par üne aisle,
me rèsiouissant fort, d'avoir attappè üne
telle fortüne, mais ie ne le sceüs pas te-
nir si ferme, qu'il ne m'eschappast de
force, a mon grand damn, & dèsplaysir!
Wir seindt in stargken præparatoriis, gegen
das angestellte leichbegengnüß, Meines
Sehligen lieben frommen Sohnes, begriffen,
Gott gebe doch gnade! das alles, wol abgehen möge!
Damit aber meine Trawrigkeit, nicht alleine
bleibe, sondern mit Zorn, vermenget werde, Alß
kriege ich, böse schreiben, von der Elltern herr-
schaft, in landschaftsachen, vndt wegen liferung
der Steẅern, (verdrießlicher alter geigen
nach!) zur landtrenterey. O Dîo!
Condolentzen, von Cleve, vndt Bayreüth.
Jtem: schreiben, von Berlin, Wien, vndt vom herr von Roggendorf.
Die avisen, von Leiptzigk confirmiren die Erfurdter.
Sonst wirdt versichert, daß der pfaltzgrave
Schwedischer Generalissimus, zu Nürnberg ankommen.
Jnngleichen Piccolominj, Duca d'Amalfj,
Kayserlicher Gerneralissimus sampt andern Ständen.
Gott gebe, erwüntzschten Schluß!
Der König, in Polen, iagt, an den Preüßischen gräntzen,
interim, stärgken sich, die Cosagken, an den Podo-
lischen gräntzen.
Der Türgke trachtet die venezianer,
mit einer armèe navale, vom Ponto
Euxino, vndt mit einer andern, auß Affrica
in die Mitte zu kriegen, undt zu vmbringen,
im Archipelago, vndt vor den Dardanellj.
Die holländer sollen in Brasilien, von den
Portughesen, geschlagen sein.
Der Ertzhertzogk nimbt viel plätze in Flan-
dern, hinweg, weil es die Frantzosen, nicht
zu entsetzen vermögen. Ypern, ist, in agone!
Jn Engellandt, wirdt nichts guts, gehöret,
scharfe Executiones, vndt blutvergießen.
Der iunge König, vexiert sich auch noch, mit
unzeittigem bedengken, ob er in Schottland oder Jrr-
landt, sich begeben will? außm haag.
Dennemargk wirbt, (ut putatur) contra Anglos.
Die Königjn, in Schweden, hat sich <gegen> dem Könige
in Engelland wol offeriren laßen, condolendo,
& officia offerendo.
Der große Cham[!] in Tartaria, solle das König-
reich China, mehrentheilß erobert haben.
Zu Preßburgk schlagen sich, die Deützschen
vndt die Tartarn<Ungern>, miteinander herumb. Weil
aber die Vngarn, die stärgksten, gehet es
sehr, über die Germanos. Jedoch, wirdt remedyret!
Die Jesuiter, haben sich, durch Königlich
Pollnische intercession, in Persia, ejngenistelt.
Die reformatj, wollen so wol als die Lutheranj, ihre
kirchen, in Ungarn, frey haben, welches ihnen diese contrastiren.
Der Schottische General Leßle, soll von den
Engelländern, aufß haüpt geschlagen sein.
Der junge König Carolus 2 solle mit der gantzen
Königlichen familia <vom Parlament> außgemustert sein, auch bey
leibsstraffe, der succession sich nicht mehr anzu-
maßen, im fall er sich ihren Decretis wil submjttiren.
Zu Prage, sollen sich 4 Sonnen, am himmel,
sehen laßen.
Die Türgken haben, biß an Raigkerspurgk
gestraift, undt in die 1000 undterthanen,
dem Graven Budianij, hinweg geführet.
An stadt des Fürsten, von Egghembergk,
ist ein Grave von Awerspergk, landesß-
hauptmann, in Crain worden.
Der Churfürstliche Pfaltzgrave, ist zu Cleve, an-
kommen, weil aber, heidelberg, vndt Franckenthal,
von den Chur Bayerischen, undt Spannischen, nicht
evacuirt werden wollen, alß hat es, schlechte
apparentz, zu seiner redintegration.
Oberlender ist von Deßaw, wiederkommen,
mit etzlichen Victualien, vndt Trawerwahren. <et cetera>
Mittwoch☿ den 9ten: May; 1649.
Condolentz entpfangen von den 3 hertzogen von Brigk.
Jch bin diesen Morgen, in der Stille, mit meiner
Schwester, Fraẅlein Dorothea Bathildiß, in das
gewölbe, in vnserm erbbegräbnüß, abermalß
gegangen, Mein Sohn Victor Amadis, vndt wenig
bedienten, wahren mitt. Es stehen numehr,
15 leichen vndt<in> ihre<n> Särgen, darinnen,
alß beyde meine Sehlige Elltern, 6 meiner
lieben kinder, (ein Töchterlein, vndt 5 Söhne)
5 meiner Schwestern[,] <1 bruder, Fürst Ernst Sehlig>, 1 freẅlein von Plötzkaw,
vndt an itzo <zum 16.>, kümbt mein Sohn Erdtmann Gideon Sehlig darzu.
Gott wolle unß, mit freẅden, im ewigen
himmlischen leben, wieder zusammen helffen!
Vndt in ewiger sehligkeit, vndt herrlich-
machung, (nach diesem Threnenthal) vereinigen!
Wir giengen hindten, durch vnsern Schloß-
gartten, darnach zum Thor hinauß, baldt
durch deß hofpredigers hoff, hin: vndt wieder,
in zimlichem Trüben, vndt Trawrigen Regenwetter.
Mein Bruder, Fürst Friedrich schreibet mir in landessachen,
vndt darneben deüttet er mir ahn, sein Söhnlein
wehre krangk, excusirt sich, im fall er nicht, invi-
tirter maßen, (wiewol ungerne) zurügkc bleiben müste.
et cetera
Ghiribizzj; contrastj! sopra prese, in cose, da poco!
Jch habe vielerley expedienda, zu expediren
bekommen. Gott! wolle helfen emergiren!
Diesen abendt,<Nachmittag,> hats gedonnert. perge
10 Schefel (Scheffel)schfl: haber, seindt heütte noch, in allhiesigen
breitten, geseet worden. Gott wolle es gesegenen.
Also seindt, diese Sahtzeitt v̈ber, in
allem, außgeseet worden, alhier, vndt zu Zeptzigk:
17 wispel, 6 Schefel (Scheffel)schfl: haber.
1 wispel Erbßen.
29 wispel 6 Schefel (Scheffel)schfl: 1 Viertel (Hohlmaß)v: gersten.
Gott wolle vnß alles heilsamlich, gesege-
nen, benedeyen, vndt <wol> genießen laßen!
Avis: von Münster vndt Osnabrück daß es noch vielerley
disputata gibet, wegen der abdangkung,
undt evacuation, zwischen den Kayserlichen
vndt Schwedischen Gesandten, vndt auch der Stände.
Siehet man also noch nicht, finem miseriarum.
Zwey Rindtorf, einer von Kropp, Ernst Röder,
vndt mein Raht, Jehna, so alle beschrieben worden,
haben sich diesen abendt, eingestellet.
Donnerstag♃ den 10ten: May; 1649.
Es gibet zu thun, mit mancherley præparatoriis,
zu dem Trawrigen leichbegängnüß.
Wir müßen weinen, zum Brigk freẅet
man sich, auf der hochzeitt. Anno 1647
ist der hochberühmbte Heldt, Printz Heinrich
Friderich, von Uranien, auß dem haage nach
Delfft, stadtlich conduciret, vndt begraben
worden, welchem <conduct, außritt, vndt> gange mein hertzlieber
frommer Sohn Sehliger, (solenniter invitirter
maßen) auch damalß, mitt beigewohnet. Solche,
undt dergleichen Observationes, können nicht schaden. perge
Condolentz von Halgken, in guten terminis, entpfangen.
heütte frühe, ist ein schöner Regenbogen, gerade
über daß neẅe gebeẅde, alhier zu Bern-
burgk, stehende, gesehen worden. Jst ohne
zweifel, ein sonderbahres gnadenzeichen! weil
in selbigem gebeẅ, mein lieber frommer Sehliger
Sohn, verblichen, deßen Seele, alß ein Schöner
Sigelring in Gottes handt ruhet, vndt auf
Sein barmhertziges gnadenhertz gedrugkt ist.
Gott laße mirs auch, zum gnadenzeichen, dienen!
das er mich nicht mehr, also heftig, angreiffen,!
undt bekümmern wolle, (wie in<nach> der Sündfluht, Noah, geschehen!)
Ein Zerbst5, zwey legaten, Rittmeister Hagkeborn,
ein halgke6, 2 Bidersehe, Erlach, haben sich eingestellet,
vormittages, zeitlich, neben andern Officirern, Rähten,
undt bedienten. Gott gebe! daß alles doch, wol abgehe!
Oberste Werder, 3 Trohten, ein Schkele,
Gebhardt Pariß, Werder, seindt auch baldt kommen.
Jtem: Gibichenstain7, hofmeister Börstel, vndt
einen gantzen hauffen andere, biß in
die beyden vettern, von Plötzkaw8, seindt
mit ihren beyden Schwestern9, auch herkommen,
haben ihre liebe Elltern, wegen leibeß-
Schwachheit, endtschuldiget.
Mein bruder, Fürst Friederich, ist auch noch
ankommen. Jst also, das Fürstliche leichbegeng-
nüß wol vollbracht worden, Christlich,
vndt ehrlich. Man hat 2 bekleidete
pferde, vndt 2 Fahnen, meinem Sehligen Sohn,
vorgeführet. Ein vergüldeter degen,
vndt ein par Sporen, seindt auf den
Sargk, geleget worden. Die leiche,
ist von 14 vom Adeln, getragen worden.
Aulcüns l'ont fait de bon grè, d'aultres non!
Cependant; l'affection treshümble; est louable!
Nach vollbrachter leichpredigt, vndt solennite-
ten, ist es an ein scheiden gangen, undt die Plötz-
kawischen vettern, undt muhmen10, seindt wieder
verrayset, weil Sie artzney vndt aderlaße
gebrauchen, auch gegen Pfingsten, sich praepariren wollen.
Christian heinrich von Börstel, undt Augustus
Ernst von Erlach, nehmen a Dieu, in die Nieder-
lande, in ihren privatis, zu verraysen.
Gott gebe alles! waß heilsam ist!
Jch habe auf den Abendt, in meinem gemach
speisen laßen, vndt meinen bruder tractirt,
vnser Fürstliches Fraẅzimmer, wie auch meine
Söhne vndt der Oberste Werder, haben
mitgegeßen. et cetera Gott lob! daß alles wol verrichtet.
Freitag♀ den 11ten: May; 1649.
Vnser lieber herrGott, hat unß auch gestern
die gnade gethan, vndt schönes helles wetter,
undt Sonnenschein, bey dem leichbegengnüß,
verliehen, da es dochzuvor trübe, vndt regen-
haftig gewesen, undt das Fürstliche Fraẅenzimmer,
(neben auch andern), sich sehr, des ganges, mit den
Schleyern, undt sonsten befahret. Jch observire viel
gutes, so Gott der herr Meinem Sohn Sehlig erzeiget, und ihn gnedig angesehen!
Jhm seye davor, lob, Ehr, undt Preiß, in ewigkeitt! Amen!
Mein bruder Fürst Friedrich ist wieder verrayset, nachm
Frühestügke, wie auch der oberste Werder, vndt es
hat allerley zu verreceßiren, vndt zu thun, gegeben.
Gott lob! daß alleß wol vollbracht ist!
J'ay donnè a entendre, au Colonel Werder,
mes dèsgousts, & dèsplaysirs. Il s'est
fort excüsè, & a protestè de sa treshümble
affection, & fidelitè! blasmant d'aultres!
Zweene condolentzschreiben, von Tecklemburgk
entpfangen. perge
Die meisten Edelleütte, seindt heütte, verrayset,
die Rindtorff, vndt Kropp, seindt heütte auch
nach der malzeitt, hinweg gezogen, bey
welcher dann die Rähte gleichßfalß extra verblieben.
Gestern, (in dem wir in der kirche gewesen,) ist Mir
der schöne hengstfohlen, das Füxlein, so ich vom
großen Fuchß, vndt von der hanoverischen Sattel-
stuhte bekommen, im stall vmbgefallen, vndt
verregket. Jst ein unglügk! Es mag
daß netze im leibe zerrißen haben, weil
es freẅdig gewesen, und gesprungen. habe
ich also wenig glück, zur Pferdezuchtt!
Mein Raht Jehna, hat diesen abendt,
seinen vndterthänig(st)en abschied genommen.
Samstag♄ den 12ten: May: 1649.
Secretarius Paulus Ludwig, ist bey mir gewesen, aller-
ley expedienda vndterthenig vorzutragen. Er wil
auch krangk werden. Gott bewahre mir, den Treẅen
diehner!
Condolentzantworth, vom Hertzogk Friederich
von Norburg bekommen, in höflichen terminis.
heütte bin ich zum ersten mahl, mit meiner freundlichen
herzlieb(st)en gemahlin Liebden nach vnsers sehligen frommen Sohnes,
Todt, in gartten gegangen, vndt haben die
schönen Tulipahnen, veilgken, undt andere
blümlein consideriret, theilß: wie sie schön
aufwachßen, theils auch, wie Sie verwelgkt,
vndt vergangen sein, wie auch ihrer etzliche,
sampt den baẅmlein, der neẅlichste hagel,
(so am Montage darein geschlagen) großen schaden
zugefüget. Est vicissitudo; rerum humanarum!11
Ergo: Memento morj!
Da Pater; augustam, Mentj conscendere sedem,
Da Fontem lustrare bonj; Da luce reperta,
Jn te conspicuos, animj defigere sensus.12
Schwester Dorothea Bathilids, ist heütte in die vorbereittungs-
predigt gezogen, weil Sie morgen (gebe gott) zu communiciren
gewillet. et cetera
Ernst Emanuel von Lampe ist diese Tage,
zum page, angenommen worden, von Meiner freundlichen herzlieb(st)en ge-
mahlin Liebden. Gott gebe! daß er wol gerahte!
Legj hodie, in Platina: de Vitis Pontificum
nequaquam, a suspicione datj venenj, alienum
esse, cum dysenteria periisse hominem, (scilicet
Victorem iii) scriptor Vincentius dicat, inde;
quod in dysentheriam, veneno petitj, interdum
vertuntur, correptis, & labefactatis intestinis.
Hoc annotare voluj, (certa quadam ex causa.)
Gott der hertzen kündiger wolle durch seine
Allmacht, vndt weißheit, unß zu guhte, alle
vorsetzliche beharrliche Mißethäter offenbahr
machen! undt exemplarisch bestraffen!
Amen! eja Domine Jesu! Amen! Amen!
Sonntag☉ den 13den: May; 1649. Pfingsten.
Er Benjamin Gigelßberger, hat auf unserm Sahl
geprediget, weil wir allerseitß aufm Schloße
diesen feyertag halten wollen, außer Schwester
Dorothea Bathildis, welche in die kirche, zur
predigt, undt communion, gezogen.
Nachmittags, haben wir alle conjunctim
predigt gehöret, eben vom herrn Benjamin, <aufm Sahl.>
Ach Gott! hilf zur beßerung,! gnade! undt gedeyen!
Discorsj, co'l Simon Heinrich Schweichhausen[,] item: mit Ern Benjamin.
et cetera
Schreiben von Bareüth, vndt der Schwester hertzoginn[.]
Die avisen geben: daß Ypere in Flandern,
in agone! seye! Daß die holländer in Brasilien, geschlagen.
Daß die Engelländer, ihre violentzen, continuj-
ren, hingegen aber, der König, den Schotten, nicht
Trawe, vndt die Jrrländer, factiones machen.
Zu Paris, seye zwar frjede, iedoch mißtraẅisch.
Chur Pfaltz, rayset von Cleve nach Caßel.
Zu Freybergk in Meißen, ist die Stadt-
maẅer eingefallen, auf 64 ellen.
Zu Riga, hat das hohe waßer, 400 men-
schen ersaüft, schiffe versengkt, vndt
aufm lande, auch schaden gethan.
Der Moßkowiter rügket an die Schw-
dische gräntzen.
Die Cosagken trotzen auf Türck: vndt Tar-
tarische macht, correspondiren, mit Ragozzj.
Jn Vngarn, regen sich die Türgken auch in confinibus.
Zu Rom ist Theẅrung, undt dissidia cum Duce Parmensj.
Zu Napolj regen sich die malcontenten wiederumb.
böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ ꘉ Montag☽ den 14den: May; 1649. Pfingstmontag.
Er Benjamin, hat abermalß eine schöne
predigt, auf unserm Sahl gethan, vndt
den Text: Johann 3. Also hat Gott, die
weltt geliebet13 perge erudite außgeleget! perge
Gott laße sein wortt, nicht leer außgehen!
Extra zu Mittage, ist bey mir gewesen, conver-
sando, vndt dann bey den Junckern zur
mahlzeitt, Doctor Mechovius, undt Er Benjamin Gigelßperger.
Nachmittags ist Meine freundliche herzlieb(st)e gemahlin, nach
Plötzkaw gezogen <eine Visite zu thun>, mit Schwester Bathilde, vndt gegen
abendt, ist Sie wieder anhero, gekommen.
Jch bin mit meinen Söhnen, vndt theilß
Töchtern, zur kirchen gefahren. perge
Dienstag♂ den 15. May; 1649.
Avis de ma compaigne; qu'elle apperçoit dere-
chef des croix-noires, sür son linge blanc,
düquel signe, elle se prefigüre derechef, des
mortalitèz de ses enfans, ce que Dieu
vueille benignement divertir, par sa bontè jmmense!
Der Große Kersten, leßet heütte sejn
erstes kindt taüffen, ein Töchterlein. hat meine
freundliche herzlieb(st)e gemahlin, principaliter, zu gevattern, gebehten.
Gott gebe ihm glügk! undt Segen darzu!
C H ist von Hamburg wiederkommen, undt hat briefe
mitgebracht, von Ern Mylio, vom Albrecht Schultze,
vom Christian Rantzau gar höflich, vom Libert Wolters, (buonj.)
Gott lob! daß dieser Mensch, auch wol paßiret!
Er wolle mir ferner, mit gnaden, helffen! perge
Condolentzen, werden mir von allen orthen,
mitgetheilet. Gott verdangke es ihnen!
Mittwoch☿ den 16den: May: 1649.
Meine freundliche herzlieb(st)e gemahlin, ist nach der mahlzeitt,
gen Ballenstedt, verrayset, mit den Elltisten
beyden Töchtern. Gott gebe! Zu glügk! vndt succeß!
Röder, Rindtorff, vndt Steffegk; seindt auch mitt.
Wie auch, Jungfraw, Eleonora Eljsabeth, von Ditten. perge
avec les autres serviteurs & servantes, dela suitte;
Dieu les vueille conduyre! & reconduire heüreüsement!
Nachmittag, bin ich, ein wenig, in gartten, gegangen,
die biehnenstögke, vergehen, (indigetiren unglügk,)
viel schöne blumen vergehen auch. Sic floremus!
Jch war auch im kleinen weinberg. perge
Donnerstag♃ den 17den: May; 1649.
Am heüttigen PostTage, habe ich mich, mit
schreiben bestellung bemühet, nacher Wien, Berlin,
Halle, Leiptzigk, etcetera
Oeconomica tractirt, mit Reichardt, vndt Schwartzenberger[.]
Conversatio, mit Meiner Schwester Bathilde.
Pourmenade, in schönem wetter.
Freitag♀ den 18den: May; 1649.
Discorsj. Varie lezzionj! disturbj!
hofmeister Einsideln, hofmeister Schwechhausen,
Schwartzenbergern, Reichardten, allerley
befohlen, undt aufgetragen.
Je ne peux cesser! de plaindre, jour
& nuict, mon bon fils! Le bon Dieu; se
vueille contenter, de ceste victime! voire
de ce coup inesperè! a moy, füneste, & la-
mentable! & me consoler gracieüsement!
Der Maior Stoltzenbergk ist von Zerbst,
zimlich stargk, herüber kommen. Wil
geldt holen, vor seine völgker, da man
es ihme doch, noch nicht versaget hat,
wenn ers mit wenigern unkosten, in sein
quartier, hette abholen laßen. et cetera
A spasso, nel giardino, con Madamigella
mîa sorella, da wir den Stoltzenbergk, wieder
haben sehen übergehen, Er ist aber, an der gerichts-
breitte meinen Söhnen, so mit mejnen Töchtern,
|| [[Handschrift: 92r]]
nacher Palbergk spatziret <gewesen>, begegnet, vndt ist
mit 10 pferden, durch meinen rogken, vndt haber
geritten, vndt hat so nahe, vor meiner resi-
dentz, ohne discretion gehetzt, vndt im getrey-
dich, großen schaden gethan, auch 2 hasen, weg-
gefangen. Il se faut laisser gourmander, de
ces lourdaux, que c'Est, üne pitiè! Dieu
nous vueille ünefois, delivrer, de ceste ge-
neration des gens! Ils nous affrontent,
& endommagent! Fürst hanß, sol ihm haben, im
spiel 1400 Thaler, abgewonnen, welches
den erbaren Stoltzen herren, noch schmertzen mag.
Seine Fraw, ist auch gar stattlich
aufgezogen, vndt in einer carretta, mit
6 pferden, gefahren.
Schreiben, von Ballenstedt aldar Sie tractiren.
mit Hans Ernst Börstel vndt dem Pachtmann von hoim.
Gott gebe sehligen succeß!
Ein Gesandter, vom Fürst Ragozzj; ist bey
Meinem Bruder, Fürst Friedrich gewesen, nescio; quare?
mit creditifuen, undt gehet auch zu Chur Brandenburg[.]
Vriel von Eiche, ist im Stollberg gestorben,
Gott genade ihm! Sj sa probitè & fidelitè
eüst estè aussy grande, que son erüdition &
bonnes qualitèz l'estoyent, on l'eust iügè parfait!
Meine leütte zu Ballenstedt beschwehren
sich, daß frembde vndt Nachtbarn aldar,
die hasen, so dünne gemacht haben,
daß Sie einen gantzen Tag, kawm
einen sehen, vndt hetzen können.
Samstag♄ den 19den: May; 1649.
Die Fuhrleütte von Leitpzigk, plagen,
undt peinigen mich, wegen erlaßung
des Fehrgeldes, wollen sonst nicht wieder
kommen. Jch finde überall, abgang.
Man höret von erschregklichen Mör-
derischen Thaten, vndt losen händeln, der ab-
gedangkten parthien. Gott steẅre ihnen!
Daß zu Nürnbergk solle vollends, abgehandelt
werden, waß zu Münster vndt Osnabrück nicht geschloßen,
oder der krieg, auf allen fall, continuiren.
Zu Regenspurgk, sol gegen Michaelis,
ein ReichsTag gehalten werden, worzu
man zu Wien, præparatoria machet.
Der Türgke continuiret an den vngrischen
gräntzen, schaden, vndt einfälle zu Thun,
Man besorget einen krieg, so wol in Vngarn
|| [[Handschrift: 93r]]
als in Dalmatia, alda er Sebenico belägert,
vndt mit 400000 Mann, die Christenheit
gedengkt zu v̈berziehen, ohne die außrüst-
stungen zu waßer, alda die Venezianer die
Schlößer Dardanellj, am Hellesponto, besetzt
haben, vndt dadurch große Theẅrung, zu
Constantinopel vervhrsachen. Gott be-
wahre die Seinigen!
Der LandTag zu Preßburgk, continujret noch.
Der Cosagken General Chmielinsky, hat
sich etwan zurügkd gezogen, weil er
Mangel an proviant hat, theilß seiner
Officirer rebellisch sein sollen, (darundter
er einen Obersten, Tapicha, niedersebeln
laßen) vndt die pest, gewaltig, vndter
ihnen, grassiret, also daß auch, der Tartern
General Tochabey, daran gestorben,
nebst vielen andern. Gleichwol trawen
ihnen die Polen nicht, weil der Türckische
Kayser, mitt im Spiel ist, vndt den Tartarn
großen Cham[!], animiret zum kriege.
Der Große Fürst in der Moßkaw,
sol auch 12000 Mann, an die Schwedische
gräntzen, geschickt haben.
Gleichwol gehet auch von ihme, ein vornehmer
herr, in Ambassade nach Stogkholm, derselbe
sol deützsche Obersten, undt Officirer, mit sich
führen.
Es continuirt, das zu Riga in Liflandt,
das gewäßer sich grawsam ergoßen, vndt
erschregklichen schaden solle gethan haben.
Zu Rom sollen viel leütte verhungern.
Die Italiänischen Fürsten, machen eine
liga wieder Frangkreich.
Die Neapolitanischen malcontenten
suchen aufs neẅe, secours vndt assistentz,
bey Frangkreich, stärgken sich sehr,
biß in die 24000 zu roß, vndt fuß,
(darundter vornehme herren, vndt Ritters-
leütte sein sollen) wo nichts erfolgt, dörften
Sie dem Türgken, auß desperation, daß
landt öffnen! Ach Gott! seye vnß gnedig!
vndt komb, mit deiner gnadenhülffe
baldt! Wie höret man doch nur,? von graw-
sahmen, schregklichen dingen, vndt verenderungen!
Fürst Ragozzj sol mit dem Fürsten
Wiesonewetzky, undt dem Chmielnicky cor- || [[Handschrift: 94r]]
respondiren.
Jn Frangkreich, gibt man den malcontenten
satisfaction, gleichwol, währet der aufstandt
zu Bordeaux, noch.
Es continuiret daß Ypre in Flandern
undt Saint Venant, vom Ertzhertzogk occupiret
seyen.
Jtem: daß im haag, der neẅen Engelländischen
Regierung gesandter, So mit den Staaden,
negociiren wollen, von 6 vermummten
armirten personen, (deren noch 20 dergleichen,
außwarts vorm losament, aufgewartett)
an seiner Tafel, erstochen, vndt 2 seiner
diehner, ermordet<verwundet> worden seyen!
Jn Engellandt, rüstet man sich gewal-
tig, contra Jrrlandt, (welches mit 40 schiffen,
denen von Londen vndt andern, großen schaden thut)[.]
Schottlandt, trabet in zweene hauffen, stehet
im zweifel, ob es einen könig haben? oder
ob sichs frey machen will?
Die handlung, zwischen dem Graven von Olden-
bourgk, vndt der Stadt Brehmen, sol sich zer-
schlagen haben, wegen der Zollsache.
Der CammerRaht, Doctor Mechovius, ist bey Mir gewesen,
undt hat mir vorgetragen, allerley expedienda.
Nachmittags, alß ich, an nichts arges gedacht,
vndt in meinen büchern, gelesen, ist ein Tumultt
undt lermen worden, in dem ein Trompetter,
vndt noch ein Reütter, mit gewaltt, herein
inß Schloß, gewoltt, der Mußcketirer
Girßbegk aber, mit ihm, deßentwegen, (weil
er sich unnütz gemacht, vndt sich nicht an-
melden wollen) expostulirt, endtlich mit flegeln
den andern geschlagen, darüber die andern,
nach vielen exprobrationen, außgerißen,
denen Girßbegk nachgelauffen, neben andern
hofdiehnern, vndt bürgern (wiewol die
meisten bürger, nach Magdeburgk, hinweg sein)
da haben Sie Feẅer aufeinander gegeben,
vndt Girßbegk, ist durch die rechte
handt, verwundet worden. Jch habe
ihnen nachgeschigkt, ob sie zu ertappen?
Bin darnach selber, selbiges weges, biß
an die Fuhne, spatziren gegangen, ihnen
nachzusehen, vndt Mein getreydig zu besehen.
Jn die kirche, mit meinen kindern, vndt mit
Schwester Bathildiß.
Extra zu Mittage, Doctor Mechovius, Doctor
Brandt, Georg Reichardt, Schwartzenberger.
Relationes, von Münster vndt Osnabrück da die
restitutiones vndt executiones deß friedens-
schlußes nicht effectujret werden wollen.
Nunnen, Mönche, pfaffen, Jesuiter,
bischoffe, auch theilß Politicj weigern
sich, fast in allen krayßen, vndt
werden gesteift, von Anonymis. Jn der
pfaltz suchen so wol Papisten alß Lutheraner ihre vortheil.
Gott erbarme sich, seiner rechtgläubigen!
Nachmittags wieder in die kirche, con la sorella,
e glj duoj figliuolj, e due figliuole. etcetera etcetera
Ce soir, i'ay expediè, üne depesche impor-
tante, par Simon Heinrich Schweichhausen[.] Dieu la vueille fortüner!
Jch habe auch den abendt, nacher Cöhten,
schreiben laßen, wegen des gestrigen handelß,
ob etwan dannenhero, zu erlangen?
Montag☽ den 21ten: May; 1649.
Er Jonius, der hofcaplan, ist bey mir, gewesen.
Klaget daß ihm der neẅlichste hagel
in die 70 Thaler schaden, gethan, 16 morgen
getreydigs über der Fuhne, in den Dröb-
lischen feldern vernichtiget, auch den
armen pawren, welche wieder in das
elende dörflein gezogen, undt ange-
bawet, alles verderbet. Also kömbt er
in doppelten schaden, (alß ein ohne daß,
sieder anno 1644 hero totaliter ruinirter
Mann) 1. wegen seines schadens obgedacht,
2. wegen der vndterthanen, die ihme nichts zu
geben, vermögen, ob er wol ihr pfarrer
zu Dröble auch ist.
Dem pfarrer zu Waldaw, seindt über der
Sahle 24 morgen getreydigs, durch den
hagel verderbet. Diese des Jonij 16 morgen
aber, seindt wol so groß, alß: die 24 <des> Margravij.
Gott erbarme sich! aller Nohtleidenden!
Vndt ersetze gnediglich! undt väterlich! alles
unglügk! undt verderben! Amen! Amen!
heütte ist der hofmeister Schwechhausen forth,
nacher Leipzig undt Dresden. Jch habe Hans Friedrich Eckhardt mitgeschickt
|| [[Handschrift: 96r]]
ihme an handen zu gehen, vndt aufzuwartten.
Gott gebe glück! Segen! undt succeß!
Der Maior Stoltzenberg, ist zu mir kommen,
hat mit mir, mahlzeitt gehalten, undt ist von
gutem discours, vndt gespräch gewesen.
Darnach, ist er wieder forthgezogen. Seine
Fraw, ist eine von Wartemßleben.
Fürst Ludwig schreibt an Mich, undt jntercedirt
vor den Trompter, undt Constabel, welche
in dem arrest, zu Cöhten noch sejn, vmb alhiesiges,
vorgegangenen handelß willen. Sie sollen
in des Hertzogs von Hanover, diensten sejn.
Der Raht zu Egeln, darf mich bedroẅen, vmb
einer particularschuldt willen, eins, ihrer
mittbürger, repreßalien, gegen die hoimischen
Amptßundtherthanen, vorzunehmen, weil der
pachtmann, so doch ein frembder von Quedlin-
burgk ist, ihme etwaß schuldig, im fall
man ihn nicht baldt zur zahlung, anheldt.
Solche præjudicia, wolten unerhört sein!
Jch habe schreiben, vom hertzogk, vndt Her-
tzoginn, auß Curlandt, condolendo entpfangen,
ob ichs ihnen schon nicht, zugeschrieben?
Die avisen geben:
Daß die Tractaten zu Nürnberg, sich verlängern,
undt mit gewaltiger pompe, angefangen worden.
Daß auf Michaelis (gebe gott) solle ein ReichßTag, zu
Regenspurgk werden. Man macht darauf zu
Wien, schon præparatoria.
Der Kayser sol von Preßburgk baldt wieder-
kommen. Wil den Ungarn frieden schaffen,
undt keine neẅe gravamina mehr annehmen,
ob sich gleichwol die Bischoffe, vndt der Clerus oponjren!
Von Münster, wirdt alles nacher Nürnberg remittiret.
Jm haag wirdt der vermummeten MordThat,
wieder den Londischen Abgeordneten, Dorißlaer
confirmiret. Er sol ein Doctor iuris sein, vndt
mag den König haben helfen verurtheilen. perge
Ypere, vndt Saint Venant, seindt über.
Jn Frangkreich continujret die rebellion zu
Bourdeaux. Die andern, seindt so zimlich, gestillet.
Die holländer seindt in Brasilien geschlagen
worden, durch einen Portughesischen hinderhalt,
also daß v̈ber die 1000 Mann, vndt viel
Officirer ihnen gelieben, hinder dem Reciff.
Ein heidnischer König von Goa, sol sich, mit
vielen Edlen, zum Christlichen glauben, bekehrt haben.
Die Jrrländer, verlangen noch, nach dem iungen
Könige Carolo 2 welchem die Schotten zu obediren,
numehr, (da Sie keine satisfaction von ihm zu haben,
vermeinen) bedengken tragen. Die Engelländische
neẅe regierung, verwirft alles Königische,
hat auch denen, bey sich habenden, Königlichen Kindern,
alß einem Fraẅlein, Madame Elizabeth genandt,
vndt einem herrlein, dem Düc de Glochester, gebotten
in die Grafschaft Rudlandt zu ziehen, vndt ihnen
den Graven von Haringhton, neben 3000 Pfund (libra)℔:
Sterlinß, iährlichen vndterhalts, in vormundschaft,
zugeordnet. Das Königliche Fraẅlein, hat flehent-
lich gebehten, das es doch zur Princesse Royalle,
ihrer Schwester, in haag, ziehen dörfte, das neẅe
Parlament zu Londen aber, hat es ihr, platt ab-
geschlagen. Theilß Obersten, haben vmb ihr leben
spielen müßen, da dann ein Oberster Poyer, ehe
er arquebuziret worden, eine schöne rede, an daß
volgk gethan, von der vnbeständigkeit des
Menschlichen glügks, undt wie man allezeit, zum
Tode gefast sein sollte? Andere Officirer, haben
müßen drümb spiehlen, wer in Jrrlandt gehen? undt
sich daselbst, herumb schmeißen sollte? da hats meütj-
nationes gegeben, welche doch gestillet worden.
Printz Ruprecht, tummelt sich noch, im waßerkriege.
Zu Rom, sollen viel leütte, hungers sterben, in die
200 wochentlich. Der pabst, leßet zwar,
ihrer viel speisen, kan aber nicht zukommen.
Die Liga der Italienischen Fürsten, contra Frangkreich
contjnuiret. hingegen armirt auch Frankreich zu
waßer, vndt lande, wieder sie, gewaltig.
Zu Napolj continuirt der neẅe stargke auf-
standt im gantzen Königreich, undt daß
Sie hülfe, vom Frantzosen, oder Türgken verlangen.
Es continuirt auch, die gewaltige auß-
rüstung, eines Theilß der Türgken, anderß
Theilß, der Cosagken, wieder die Christenheitt.
Zu Rom, ist der Portughesische Legat solenniter an-
genommen worden, vom Pabst.
Der Moßkowiter, hat 12000 Mann, an die
Schwedische gräntzen, geschigkt.
Die inundationes zu Riga, continuiren, jtem
hitzige, anfällige Seüchen, undt maligniteten,
sollen regieren, in Littawen, Preüßen, Liflandt<Pohlen.>
Die Jesuiter zu Prag, halten panckeet den
Schwedischen Generallen, vndt Obersten, wie
auch die Kayserlichen undt Schwedischen Generallen einander thun.
Es befinden sich vielerley Fürsten, in ihren ange-
legenheitten zu Nürnbergk, vom hause Pfaltz,
Wirtembergk, heßen, Baden, wie auch von
Anspach, Bareüth, holstein, Meckelnburgk. et cetera
Die Pegnitz, hat sich daselbst, vom regen, er-
goßen, vndt jnn: vndt vmb die Stadt, mächtigen
schaden gethan, welches etzliche, vor ein böß ohmen halten.
Der König in Vngern vndt Böhmen, Ferdinandus IV.
wil mit Seiner Königlich Schwester brautt, persöhn-
lich nach Madrill. Der Raht in Castiglia aber,
wil solches nicht permittiren, also; wirdt die
forthrayse, von Trent auß, noch suspendirt.
Der Düc d'Espernon sol mit 8000 Mann, vom
Parlament zu Bourdeaux; geschlagen sein.
Dienstag♂ den 22. May; 1649.
Abermalß verwirrungen[,] lamentationes, undt
supplicationes, von Paderborn wegen des bier-
schancks, so man von dannen nacher hoym zwingen
will, vndt Sie sich sehr darüber graviren,
wie auch die Reinstedter gethan. Gott helfe doch
auß allem Labyrinth, undt laße die præcipi-
tantzen, so die muliebria jmperia verahnlaßen,
auch bißweilen, sub: & obreptitie außwirgken, nicht
allzuhoch steigen, vndt gewaltt abutiren!
Jch bin in gartten, vndt Forwergk gegangen,
nach allerley haußhaltungssachen, zu fragen.
Der hagel, vndt die Nachtfröste, haben den
baẅmen, vndt bluhmen großen schaden gethan.
Von 102 bienenStögken, seindt nur noch,
30 stögke übrig.
Die iungen fohlen, seindt dahin, biß vf eines.
Mit dem vieh <große, vndt kleinen> gibts auch gravamina.
Jn summa: glügk! vndt unglügk! findet sich überall.
Quia; Bona huius vitæ, sunt caduca, & transitoria!
Der Secretarius Paulus Ludwig, ist von Ballenstedt,
(plein de catharres) wiederkommen, hat mir ein
schreiben de Madame mitgebracht, undt mancherley
referiret.
Mittwoch☿ den 23ten: May; 1649.
Graf Kinßky, der Oberste, (welcher gestern
abendt alhier in der Stadt, gelegen) hat sich endt-
schuldigen laßen, daß er mir nicht zugesprochen,
er hette zu eilen, undt hette stargke gesell-
schaft, bey sich. Wolte sehen, das er im
rügkwege, mir zusprechen köndte! heütte
frühe, ist er forth, auf die Leiptziger Meße.
Jn die kirche, undt wochenpredigt, cum sorore & liberis.
Avis von Herwaerden, wegen einer Neẅen Aeptißjnn
weil die vorige (ein Freẅlein von Delmenhorst)
ihrer leiblichen Schwester Mann, hertzogk Augus-
tum von Hollstein, (filium fratris uxoris meæ!)
nehmen will. Le bon Dieu! ne nous pünisse en son ire!
Jl semble qu'Aulcüns visent, sür la personne
de ma seur puisnèe Dorothea Bathilde. Dieu luy donne bonheür.
Extra: Zu Mittage: Doctor Mechovius, undt noirmont. <Wie auch die Rindtorffin.>
Avis von Münster: daß man noch aldar, wegen
der reduction, vndt evacuation, difficulteten macht.
Der pfaltzgrave Generalissimus weiset unß
den Obrist leutnant Engeln an, deme sollen wir,
2100 ReichsthalerRthlr: von satisfactionsgeldern erlegen,
wir wollen aber ungerne, die 100000 ThalerThlr:
satisfactiongelder, dißmembriren laßen!
Jch habe gar ein feines Trostbrieflein, (auf
eine eigene arth,) vom Doctor Lentz entpfangen.
Gott tröste Mich! Rien ne m'afflige tant;
que la sollicitüde, d'avoir abbandonnè, feü mon
bon fils, de bonne memojre, & de n'avoir assèz,
eü soing de luy, comme mon devoir paternel, &
grande affection, á ce cher fils, le requerroit!
Condolentz von Oldenburgk, entpfangen.
J'ay oubliè d'èscrire ce mattin, que je songeay,
Nota Bene que Mala Herba, auroit estè, a Quedlinburg
& l'abbesse (defüncte,) luy auroit dit, en
l'Eglise, á l'oreille, qu'elle devroit mettre
Nota Bene de l'Arsenic, et de l'Antimoine, parmy
üne medecine, que ie devrois prendre, avec
mon fils Victor Amadis, quand nous au-
Nota Benerions avallè cela, les mousches Calviniennes,
nous passeroyent. J'aurois entendü cela,
(ayant l'ouie Dieumercy; fort bonne)
sans faire semblant de rien, & estans
sorty dü Temple de la dite Abbaye, ie vis
Nota Bene preparer de Mala Herba ceste medecine, &
prenant exactement garde, á tout,
Nota Bene ie vis aussy cest Arsenicq. Estans
donc les mèslanges finies, comme ie de-
vois avaller le tout, sans m'en pouvoir
Nota Bene excüser, & pensant desja secrettement,
aux Antidotes, et á la pouldre de serpent,
<& à l'Huile de Florence> en ces entrefaites, je m'èsveillay!
N'a gueres aussy, ie songeay, d'üne estrange
conversation, avec le Grand Chambellan; Borgisdorff.
Donnerstag♃ den 24ten: May; 1649.
Briefe von Ballenstedt. A spasso auf meine felder.
Avis von Caspar Pfau daß Chur Pfaltz von Cleve
auf Caßel, gegangen, vndt daß es mit
Frangkenthal schwehr hergehe,
weil die Spannier, nicht evacujren
wollen, ob schon die Kayserlichen es begehren.
Die Kayserlichen haben den 1.[,] 15. vndt letzten
Junij zur abdangkung, vorgeschlagen.
Avis von Erffurt daß zu Prag, vndt in Böhmen,
die pest sehr überhandt nimpt, also daß auch die
Soldaten, sehr hinweg sterben, General Witten-
berg, jst in daß Carlßbad gezogen. Viel
flehen hinweg, von Prag. Der Kayser, vndt
Chur Bayern, reducjren, undt dangken ab.
Zu Nürnberg, gehet es zwar hart her.
Complimenten geschehen alda vollauff.
Jn Franckreich, gibt es noch uneinigkeitt.
Jn Engellandt continujrt, die hartnägkigkeit.
Jn Schweden, ist eine wichtige impresa vor, zu waßer.
Die Königßmarckischen völcker, streiffen, in holstein,
darumb, der hertzogk14, vndt die Städte werben.
General Wittenberg, ist eilends citirt, ausm bade.
etcetera
Freitag♀ den 26ten: May; 1649.
J'ay songè, ce mattin, d'avoir ouy prescher
ün sermon, dans üne chambre. Apres cela
nous eüssions voulü manger. Et comme
i'eüsse regardè a costè, j'eusse veü, ün
cadaver sür üne table. Croyant au com-
mencement, que c'estoit le corps, de feü
mon bon fils, Erdmann, ie n'en fis
gueres semblant, de m'en èsbahir. Et
pensant me laver, le maistre d'hostel Ein-
sidel <mon Conseiller> me voulant jetter la serviette,
ie m'accrochay plüsieurs fois, avec la
manche gauche, en sorte que les bouttons
s'ouvrirent, & la manche dèscouvrit le
bras, dont i'eüs honte, devant les Dames.
Jl me pria, de bien contempler en arriere
ce qu'il y avoit sür la dite table. Je
vis donc, que le grand cadaver estoit
devenü comme èsvanouy, & qu'il y avoit
üne femme & ün enfant, comme assis & comme
peint ensemble, mais tout cela estoit mort,
|| [[Handschrift: 101r]]
quoy qu'en habits mouchetèz, & il y avoit
des fleürs & des boucquets auprès. On m'aver-
tit que tous deux m'appartenoyent, la femme & l'en-
fant. La petitesse & coiffüre de l'enfant, comme on
revestit tous petits enfans, ne me permit de distin-
guer, si c'estoit ün de mes fils, ou üne de mes filles,
dont Dieu nous vueille benignement contregarder
de l'ün & de l'autre malheür! Regardant donc
attentivement cela, ie m'en estonnay, en espe-
rance neantmoins, de les voir tous deux, se
reprendre, & rèsveiller, & de les voir en vie,
puis qu'ils estoyent ainsy assis, <quoy que> blèsmes
& pasles, comme ün mort mais demeurans
trespassèz ie m'esviellay, en ceste frayeür.
Oberlender, ist mit dem avisenbohten, forth
nacher Leiptzigk. Gott wolle ihn sicher, hin:
vndt her, geleitten! Vndt mir succeß beschehren!
J'ay èscrit a Madame, á Ballenstedt. perge
Paulum Secretarium habe ich, bey Mir, gehabt, expedj-
enda zu expediren.
A spasso, in gartten, mit Schwester Dorothea Bathildis
Meine freundliche herzliebste Gemahlin ist diesen abendt von Ballen-
stedt, (Gott lob) glügklich wiederkommen.
Gestern, ist ein Major, vom General Axel Lillie,
alhier gewesen, mit 20 dragoner, welcher
treflich dieser Stadt, gedroẅet, vmb etzlicher
trunckenen leütte, harten reden willen,
hat auch den Stadtschreiber15, mit dem degen
verfolget.
Avis von Cöhten, daß der Schwedische Obrist leutnant Engel
aldar ankommen, mit 40 handtroßen,
vom Pfaltzgraven Generalissimo vndt
300 pferden zur convoy. Er hat anweisung,
auf 2100 ReichsthalerRthlr: von satisfactiongeldern
Wil man Sie ihm geben, wol guht, so wil
er Morgen (gebe gott) fortmarchiren. Wo nicht,
so wil er liegen bleiben im lande, (mit be-
schwehrung) vndt anderer ordre, sich erholen.
Die andern herren, concediren es, gegen genung-
sahme quittung, undt Schadloßhaltung. Ergo:
werde ichs auch willigen, müßen, zumahl,
da ChurSaxen, wegen verweigerung der
100000 ReichsthalerRthlr: in abschlag der satsifactiongelder, v̈bel
angesehen, vndt sein landt, migenommen wirdt.
Zu Nürnbergk sol ratione restiutionis, & evacuationis,
alles, zwischen den Kayserlichen undt Schwedischen richtig sein.
12 schiffe marchiren die Elbe herundter, mit den
Schwedischen Stügken, undt munition, so den Schweden,
überlaßen worden, fahren also auch, durch daß An-
haltische, inmaßen ChurSaxen, unß auch, solche
forthschaffung, intimjret. Wegen Frangkenthal
mag es noch difficulteten, geben. Gott gebe perfection!
Jn Schwester Freẅlein Dorothea Bathildis,
ihrer Herfordtischen sache, ist auch gutachten,
von Cöhten, undt Plötzkaw, neben dienlichen
recommendationen, an den Churfürsten von Bran-
denburg[,] an graf Moritzen, zu Naßaw, undt
an den graven von Wittgenstain, einkommen,
so ich auch mitt vollnzogen. Gott verleyhe,
den erwüntzschten effect! Vndt meiner
Schwester, die erledigte Eptißinstelle,
langes leben! vndt glügksehlige zeitten!
auch das nicht andere sich etwan inß
Nest, setzen, vndt ihr vorfischen mögen!
Darneben, auch zu besorgen, man werde
ihr gewißen etwan, mit Schwehren condi-
tionibus graviren wollen, welches Gott, in gnaden, verhüte!
Avis von Ballenstedt, daß der Alte wolverdiente
Diaconus daselbst, Er Christophorus Janus diesen
Morgen, (nach deme er am verschienenen Sontage,
seine predigt, noch verrichtet, vndt kawm
zwey Tage, auch nicht recht, bettlägerig
gewesen) im herren, sehliglich endtschlafen:
Gott der Allerhöchste, wolle diesem
exemplarischen Mann, in der erden, eine
Sanfte ruhe, undt an iehnem großen
Tage, eine fröhliche aufferstehung, verleyhen!
auch diese erledigte Stelle, mit meinem
Gottsgelehrten, vndt der sein leben, so
exemplariter, gleich wie der Sehlige herr Dia-
conus gethan, führen möchte, wieder ersetzen!
Er ist im anfang der Reformation, inß
Fürstenthumb<predigampt> kommen, vndt hat sein
Talent, wol angewendet, auch ein
großes erlitten, mit schlägen, Schwedischen
Trüngken, vndt ungemach von den Soldaten,
ob er schon ein recht frommer Mann gewesen,
vndt Sein gebeht, ohne zweifel, unß viel gefruchtett.
Sonst war er im predigen, gar popular!
Avis: von Hoym, daß der pachtmann seinem
versprechen zuwidere, lose händel anfänget,
wieder den haüptmann hanß Ernst von Börstel,
undt nicht abweichen will. Jch laße ihm
schreiben per conciliarios, die extrema zu meyden. perge
Avis auß Dresen[!], daß sich schregkliche
omina, vor den sepulturen zu Freybergk
zugetragen. Deus avertat! mala jnfortunia!
Jn die kirche, conjunctim, cum uxore, sorore, & sorore & liberis.
Extra: Zu Mittage, Tobias Steffeck von Kolodey mit Doctor Mechovio.
perge
Nachmittags, wieder in die kirche, cum sorore & liberis.
Avis: von Plötzkau wegen der herabfuhre der Schwedischen
Artollerey wie gestern gemeldet worden.
Es sol Sie ein ieder Fürst, durch sein gebieht, es
seye zu waßer, oder zu lande, führen laßen.
Man wirdt aber trachten, auf geldt zu handeln,
die durchfuhre zu befördern, undt alle lang-
wierige einlagerung, vndt beschwehrung abzuwenden.
<4 füchße 2 hasen, mein Sohn, Viktor Amadeus[.]>
Expedienda außgefertiget, durch Secretarium
Paulum Ludwigen, wegen der schengken, zu
hoym, vndt Radißleben. Gott gebe zu glügk.
Addreße per Plötzkau von Leipztigk; das
General Maior Forbusch, auch in diesem
Monat Majo, die Stabßgelder, vndt
contribution begehret, vor Graven de la Garde.
Gott wolle die beschwehrungen, erleichtern!
Mein Sohn Victor Amadiß, ist hinauß
hetzen geritten, undt hat 2 hasen
mitgebracht, auch 4 füchße außgegraben.
Oberlender mein lackay, ist (Gott lob!) zeit-
lich von Leipzig fœliciter wiederkommen, cum letteris <et cetera>
vom Markus Wendelin[,] vom Simon Heinrich Schweichhausen[,] vom M. S. v. R.f
Der Stein wolle, gilt zu halle 2 Gulden (florenus)f: auch 2 ReichsthalerRthlr:
Zu Leiptzigk aber, 3 Gulden (florenus)f:[.]
Avis von der gesamptung, 1. wegen eines
consenßes so Fürst hanß zu geben, vmb 8000
ReichsthalerRthlr: willen, so er zu wideranrichtung
seiner verfallenen oeconomij, aufnehmen will.
2. die Stadt Zerbst, mit den services zu secundiren,
ex communj massa, weil sich völgker aldar zusammen
|| [[Handschrift: 104r]]
ziehen.
Die avisen geben:
Daß der friede zu Nürnbergk, befördert werde.
Die inundationes aber daselbst herumb continujren,
eine wolgkenbrust gefallen, vndt die Wirtembergischen
Gesandten, darüber ersoffen.
Die türgken, streiffen stargk, in die Steyermargk
hineyn, führen hinweg, menschen, vndt viehe.
Zu Rom continuiret der hunger, undt Theẅrung.
Jn Frangkreich, die rebelliones, hin vndt wieder.
Die Cosagken, stärgken sich mächtig, geden-
gken noch diesen Sommer, Reüßisch Lemberg, zu emportjren,
vndt stärgker alß vorm iahr, inß feldt zu kommen.
Jnterim: meditirt der König in Polen seine nuptias!
gegen den 30ten: May; ut ferunt nova!
<be>wirbt sich auch vmb deützsches volgk. perge
Zu Prag, helt die pest, gewaltig ahn, vndt
die vornehmsten, endtweichen von dannen.
Jn Engellandt, continujren, die verwirrungen.
General Fairfax, wirdt excusirt, wegen des Königs Todt,
das er es wiederrahten, undt unschuldig daran seye!
Der junge König, hat beyfall, bey Schotten, vndt Jrren.
Die Staden, seindt verbittert, über Doctor Dorißlaer
Meüchelmordt, laßen scharff inquiriren, undt wollen keinen
beysprung dem iungen Könige thun, da es also hergehet.
Avis von Breßlaw, daß aldar, Meine
Fraw, vndt Freẅlein Schwestern, cum sponsa,
fœliciter ankommen, undt wol tractiret worden,
vndterwegens, undt aldar.
Jtem: daß den lieben Altten Obristleutnant Krei-
selwitz, (welcher noch anno 1613 in Jtalien,
mit raysete, vndt deß hertzogß Geörg Ru-
dolfß von der Lignitz, hofmeister, dazumahl
wahr, in meiner raysegesellschaft) der
Schlag getroffen, vndt sprachloß gewesen.
Gott erbarme sich seiner,! vndt vnser aller!
Avis: vom Berlin, daß der vortrefliche
Christliche, Doctor Spanheimius, Todes verblichen.
Jst deme also? (wie ich besorge!) so genade
ihm Gott, vndt so ist gewiß, ein statt-
liches licht, der wahren reformirten
kirchen, verloschen, so Gott ersetzen wolle.
Jch beklage beyder ehrlichen leütte
verlust, einen ieglichen, in suo genere!
Man helt darvor, dieses 1649 seye ein annus
clymactericus huius seculj, vndt werde viel
vornehme leütte, Niederwerffen. Gott laße
|| [[Handschrift: 105r]]
einen ieglichen, die Sterbekunst, recht practici-
ren, undt parat erscheinen!
Dienstag♂ den 29ten: May; 1649.
Avis auß Berlin, daß die Hertzoginn von Cuhrlandt,
abermalß eines iungen Töchterleins, genesen. Gott
wolle sie miteinander segenen, undt erhalten!
Mit Abraham Benedix aufß neẅe tractirt, wegen
meiner bey ihme außenstehenden posten. Gott
gebe! daß er redlich handele!
Graf Kinßky, ist hierdurch, paßirt, hat
sich abermalß endtschuldigen laßen, das er mir
nicht zusprechen köndte!
Meine gemahlin, hat præparatoria gemacht,
zu ihrer vorhabenden rayse. Gott gebe! daß
solche, mir nur unpræjudicirlich sein möge!
Meine freundliche herzliebste gemahlin, ist nacher Koßwigk verrayset,
hat meine beyden annoch übrigen Söhne, vndt
die beyden Elltisten Töchter, mitgenommen. Gott
gebe succeß, zu allem wolanständigen wesen!
Jn die kirche, cum liberis. Schwester Bathilde
lieget krangk darnieder, vermuhtlich an einem Fiber.
Gott schicke erwüntzschte beßerung!
Conversation, mit Hesio, gehabt, welcher
mich gemeiniglich wol satisfacirt. Jch habe
ihn extra zur mahlzeitt, behalten.
Stargke anmahnung, von Zerbst, be-
kommen, wegen der kirche, zu Sankt Bartolomej,
prætensionen, vndt es seindt zwene vorsteher
selbiger kirchen anhero selber mit geschigkt
worden, auß scharfem antrib selbiger Rähte.
Jch werde von vielen orthen gepeiniget.
Wiewol viel vermeinet, Paul Ehling,
gewesener Cammerschreiber, der hochgebornen
Fürstin, Meiner freundlichen herzliebsten Gemahlin Liebden
würde eben an der Schwindtsucht, sterben,
daran Mein frommer Sohn, Sehliger, verblichen,
So macht er sich doch so stargk; (ob er schon
Todtkrangk gewesen,) daß er Morgen,
(gebe gott) mit Seiner Schwester, der Schue-
männischen wittiben, Elltiste diehnerinn,
von Meiner gemahlin Liebden, nach erlangtem
abschiede, nacher Magdeburgk; vndt Hamburgk
zu raysen, gereitt[!] ist, darzu ich ihn, mit
einem paß, versehen. Gott gebe ihm succeß!
mit beyhabenden, undt das er es, recht treffen möge!
Schwester Bathilden habe ich heütte zweymahl be-
suchtt, <mit> welcher nach geschehener Aderlaße, sichs, in etwan
gebeßert, Gott lob! undt die hitze nachgelaßen.
Gott gebe! daß es bestandt möge haben!
Je ne puis cesser, de plaindre, feü mon cher,
& doux fils, Erdmann Gedeon. Je le quitte volon-
tiers, en sa gloire celeste, á mon Dieu, & a mon
doux & gracieux Sauveur, mais ie plains mon
grand malheür, de ne l'avoir assèz assistè,
visitè, nj secourü, & de l'avoir livrè a la
rage d'ün Medecin, peü pitoyable, & a l'ex-
perience düquel, ie ne me fie pas, assèz, moy mesme!
Quoy?, mon cher enfant, ta grande, & extraor-
dinaire obbeissance envers moy, recognuë assèz!
mais pas assèz guerdonnèe, n'at elle pas, meri-
tèe, ün tout aultre; & beauxoup meilleür traittement!
Ton genie m'a assèz dit, ce quj te dèsfailloit,
mais ie ne l'ay sceü, nj voulü comprendre.
Ô Ange bienheüreux, sois richement recompensè,
de tes maulx, angoisses, peines, & martyres!
& que ie te voye, bien tost, en ta gloire!
en compagnie des Anges, & ames fidelles!
Je ne puis obulier, ta Pietè! ta condeür, ta bontè!
ton obbeissance! ton affection, tresfiliale. Ô ame biennèe!
|| [[Handschrift: 106v]]
Ô ame! divinement benie! & bienheüreüse
eternellement!
Donnerstag♃ den 31ten: May; 1649.
<4 hasen, hat Oberlender heütte gehetzt.>
Es hat, (nach zimblich besorgter, undt verahnlaßeter
dürre) diese nacht gar schön geregenet.
Gott wirdt mit seinem Segen, nicht so gar
von unß weichen! Er weyset unß noch
immerdar, seine gühte, vndt leßet sich
nicht unbezeüget, ob er schon bißweilen,
sein Antlitz, vor unß, verbirget. Seine
gnadenreiche gühte, seye gelobet, undt ge-
preiset, von nun an, biß in ewigkeit! Amen!
Die itzige ungesunde luft, ist mir die
Nacht über, im haüpt, undt andern gliedmaßen,
gelegen. Dieweil ich aber (salvo honore) geschwitzt,
ist es etwan beßer geworden, Gott lob. Je
crains le Medecin, & les medicamens!
Ein wenig spatziren gegangen, aber noch nicht
recht, auß den schengkeln, haüpt, vndt andern
gliedern, die einschleichende beschwehrung, bringen
können. Dieu me vueille garder, de maladies!
Baldt ist mir kalt, baldt warm, wie in
einem Fieber. Jch bin des krongkens, wenig gewohnet,
vndt sieder anno 1624 her, nie recht krangk gewesen.
Der Caplan Jonius, ist bey Mir gewesen, wegen seines
gebeẅdes, der caplaney, so noch nicht verfertiget. Er
klaget auch, das es ihm, in allen gliedern, lieget,
undt das er sich, vor der neẅen seüche besorget. Gott
wolle ihn, vndt alle fromme leütte gnediglich bewahren!
Schwartzenberger, (welcher mit seinem Schwiegervater,
von Ballenstedt, wiederkommen, von des Wörlitzischen Ambt-
schreibers hochzeit, mit des Richters Tochter) hat sich
bey mir, præsentiret, undt referenda referiret.
Den hofprediger, Ern Theopoldum, bey Mir, gehabt,
undt extra behalten zu Mittage, auch allerley
ihme communicjret, vndt conversiret. perge
Schwester Bathilde besucht, mit deren es sich (Gott lob!)
nach gesteriger Aderlaße, zur beßerung anläßet. perge
Doctor Lentz, hat anhero schreiben laßen, er wehre zu Qued-
linburgk, ob ich seiner begehrte? So wolte er herkommen,
hette sich nicht lange aufzuhalten. Jch urgire
an itzo, seiner ankunft nicht, Stelle es ihm curiali-
ter frey, ayant peür, de ne le pouvoir satisfaire,
apres tant des fraix, extraordinaires en ce, que je luy doibs.
J'ay depeschè ce soir, Hans Balthasar Oberlender vers hamburg en ün affajre
de consequence, luy adioignant 4 tonneaux de biere
de Zerbst, qu'il doibt ammejner, avec soy. Dieu luy
donne bon voyage, & heüreüse expedition! Jl a fort
saignè, dü nèz, peü avant, que ie luy parlay, en ce fait,
& tost après, ce; qui m'a ün peü donnè des pensèes sinistres.
Dieu vueille divertir; par sa bontè infinie! tous
les envenemens, des mauvais presages, & accidens
fünestes! & lamentables!
