Samstag♄ den 1. September 1649.
<Mein Sohn Viktor Amadeus 2 Sperber, 2 Weyhen, 1 crahe geschoßen.>
<Der Große Kersten, der page Hacke, Geörge Musketirer 15 lerchen, 2 Wachteln.>
heütte, ist der Ægidij Margkt, alhier zu
Bernburgk, undt ein guter iahrmargkt.
Nota Bene Jch habe gestern, vergeßen einzuschreiben, das
diesen<gestern> Morgen, ein stargker windwirbel alhier,
aufm Schloßplatz, geschwinde gekommen,
welcher vndter dem neẅen wagenschuppen, bey
den Stügken, auß der krümme herauß vnsere
Calesche gewehet, vndt weitt mitten über den platz forthgetrieben,
|| [[Handschrift: 191v]]
ejn etwaß unnatürliches, stügke weges. Jddîo
sà, quel che significherà!
Daß Schwedische, Frantzösische, Dähnische, undt Venezianische
Abgesandten, zu Wien, ankommen, allwo ein herr-
lich castrum doloris ausgerichtet, wegen der
verstorbenen Kayserin Mariæ Leopoldinæ,
Die Türgken streiffen in Ungarn, undt
verbrennen dörfer, führen auch Menschen hinweg.
Die pest graßiret sehr, zu Prag.
Auß Polen, wirdt die gefahr der Cosagken,
von etzlichen extenuirt, von andern exaggeriret.
gleichwol beiahen sie, das zeit, dieses Pollnischen krieges,
in die 300 mille Menschen, undt darüber, durch den krieg,
pest, hunger, vndt kummer, vmbkommen.
Der Königlich Schwedische Abgesan[dte], herr Peter Schutt,
sol vor Coppenhagen stattlich empfangen worden
sein, in deme 30 kutzschen, undt 50 Edelleütte,
eine ½ meile weges von dannen, ihme entgegen
gefahren, alda auf dem Felde, der Statthalter in
dähnischer, Sprache, in einer zierlichen rede, ihn
bewillkommet, deme er in Schwedischer sprache, geant-
wortett, hierauf Sie sich in eine stattliche
vergüldete Königliche kutzsche, gesetzet,
undt sich, nach der Stadt zu, gewendet.
Vorhero, seindt alle Dennemärckische herren
gefahren, undt haben etzliche 2 oder 3 Schwedische Edel-
leütte, bey sich, gehabt, die gantze bürgerey
stunde im Gewehr, hat 2 mal salve gegeben,
wie auch, auß 9 canonschüßen. Der Ambassa-
deur, wurde auf das Schloß logiret, vndt
zum Könige, mit mehr, dann 100 Dennemarker
Edelleütten, zur audientz, geholet. Die Königliche
wittibe ist auch denselben Tag, durch viel vom
Adel, zu pferde, vndt vielen Frawenzimmer,
eingeholet, undt durch die bürgerschaft, im ge-
wehr entpfangen worden. Die zu ham-
burgk beysammen gewesene Königlich Dennemarkischen[,]
Fürstlich hollsteinische, Braunschweigische, Lüne-
burgische, undt gräfliche Oldenburgische Ge-
sandten, haben ihre tractaten zu hamburgk
geendiget.
Die Kayserlichen[,] Bayerischen undt Säxischen völcker,
werden abgedangkt.
Die festung Ehrenbreitstein, sol der Churfürst
von Meintz, vor die frantzosen sequestriren,
zur assecuration vor Frangkenthelt. perge
Die Reüßen sein strettig, mit den Schweden, wegen
ihres exercitij a dispa[...]<religionis> Græcæ, in Carellen, und Jngermanlandt[.]
et cetera
Der pabst hat vor Castro, geschlagen, die Parmischen.
Zu Bordeaux, währet der Aufruhr noch. Sie
haben des Düc d'Èspernons, geplündert. Zu Aix,
ist auch die empörung, noch groß.
Jn Catalonien, haben sie alle Frantzosen,
auf einen Tag, wollen niedermachen. Jst aber entdegkt.
Die pest grassiret auch aldar.
Zu Constantinopel gibts auch händel zwischen
des verstorbenen, undt dieses Türckischen Kaysers,
Favoriten. Viel seindt darüber, umbkommen.
Der Türgke wil von den Venezianern,
den haven, Santa Croce haben.
Jn Londen seindt 7 reichbeladene OstJndia-
nische Schiffe, ankommen.
Die prediger in Schottlandt, sein gar
eiverig, die Schotten, zum gehorsam, des Königs,
undt wieder Engellandt, zu bewegen.
Dublin sol von den Jrrländern, erobert sein.
Vor Lüttich, mehren sich die Chur Cöllnischen animositeten.
Holländer, wollen 40 schiffe contra Portugal außrüsten,
selbiger König, zur restitution Brasiliens,
undt des darinnen, erlittenen schadens, zu bewegen.
Weder Frangkreich, noch die Staden, helfen den Lüttichern.
Die Tractaten zwischen Spannien, undt
Frangkreich, wollen noch nicht recht forth.
Einer suchet dem andern, einen fortheil abzugewinnen.
et cetera
Der König in Frangkreich, ist zu Paris
eingezogen, mit seinem Cardinal Mazzarinj,
vndt von mehr alß 300000 Menschen gesehen,
undt mit Freẅden, entpfangen worden. perge
Die Freẅlein von Plötzkaw, seindt herüber
kommen, die krangke Schwester, Bathilde zu besuchen. perge
Darnach, seindt Sie wieder hinweggezogen.
Sonntag☉ den 2. September 1649.
Jn die kirche, mit meinen kindern, vormittagß.
Meine freundliche herzliebste gemahlin, ist bey Schwester Bathildjs, ver-
blieben, dieweil dieselbige, diese Nacht, undt
heütte, sehr schwach, undt krangk, ist. Gott
wolle sich doch unser einmahl in gnaden erbarmen!
undt die Sterbedrüse, von unß nehmen!
Extra: zu Mittage, Doctor Brandt, undt der hofprediger.
Nachmittags ist nicht geprediget worden, weil jahr-
margkt jst. Gott gebe doch, beßeres gedeyen!
heütte, gestern, undt vorgestern, jst es sehr windig
gewesen. Freẅlein Johännchen, ist von Plötzkaw
wiederkommen, meine krangke Schwester, zu besuchen.
Montag☽ den 3. September 1649.
<1 Weyhe mein Sohn geschoßen.>
Avis, von Wien, wie nachfolget, mit den wortten:
Der Kayserinn Mariæ Leopoldinæ Todesfall,
ist wol zu betrawern. Jhre Mayestät haben weiber
auß Tyrol kommen laßen, welche auf dieselbe, bestellet
gewesen, aber theilß getrungken, theils geschlafen haben,
sollen, also: daß die Kayserinn gebohren, ehe Sie
darzu kommen, hernach haben Sie dieselbe 4 Stunden
schlafen laßen, ehe die Aftergeburth von ihr kommen,
darauf ihr daß geblüht zum hertzen, gestigen,
die Frayß darzu geschlagen, in deren man ihr
eine Ader geöfnet, vndt Sie clistiret. An Kayserlicher
Mayestät solle man genung zu trösten haben, sollen
sich zu Eberstorf, sehr übel auf befinden, vndt nicht
eßen wollen. Jhre Mayestät können nun keine
Austriacam mehr heyrathen, Sie wollen dann,
wie Philippus ii. filio destinatam, nehmen, vndt
dero pubertatem erwartten: dann der Kayserinn
Schwester, dem Mantuano schon versprochen.
Datum 18. Augusti (stylus novus) 1649. Huc usque novellæ Viennæ.
hierauß siehet man, wie elendt, nichtig, vndt
flüchtig, unser leben, vndt wandel hierniden
auff erden ist, so wol <bey> dem geringsten bettler, vndt
|| [[Handschrift: 194r]]
Tagelöhner. Jtem: erkennet man augenscheinlich
darauß, das kein Mensch, er seye wie hoch er wolle,
vor dem Tage seines Todes, (wie<alß> Sohlon gesaget,
und weißlich dem Cræso, lange vor seinem
ende geweißaget, oder verkündiget) vor recht
glügksehlig zu schätzen.1 Jst es nicht ein iammer,
vndt ein elendt, auch nicht genung zu bedawren,
daß eine solche große Kayserinn, so liederlich,
verabseümet, vndt negligiret worden,
da es ihr doch nicht an geldt, noch guht, noch
leütten, ermangeln können, noch an allem dem,
waß zu zeittlichem eüßerlichen wolstandt,
hülfsmitteln, vndt assistentz, zu erfordern
gewesen. Jhr herr vndt gemahl der Kayser,
hat Sie ia inniglich, und hertzlich geliebet,
vndt an nichts es fehlen laßen, waß zu ihrem
zeitlichem besten, dienlich gewesen. Die herr-
liche aufwartungen, vieler herren vndt Damen,
auch gemeiner leütte, haben ihr nicht gemangelt,
gleichwol haben alle diese causæ secundariæ
es unverantwortlich versehen, undt ohne die
allein gute, undt gerechte causam primam, das
wenigste nicht, agiren, noch helffen können.
Ja Sie haben mehr geschadet, alß geholffen, Medicij, weiber
vndt dergleichen, wie obiger bericht, in allem klar darthut. perge
Ach! daß habe ich auch genungsam erfahren, bey
dem kläglichen abgang, Meines Sehligen frommen Sohnes,
deßen quahlverkürtzung, ich ihme nie mißgönnet,
allein habe ich bedawert, daß er so zimblicher
maßen geringschätzig, liederlich, negligiret, vndt ver-
wahrloset worden, durch die causas secundas,
et individua personalia quorundam, wieder
meinen wjllen, vndt wieder Meinen dangk!
Ach! des großen Leydes! Ach iammer! Ach elendt!
Avis von Plötzkau per Erffurt das der Kayser gestorben, undt
die gantze handlung, zu C Nürnbergk, in ein stegken,
undt confusion gerahte. Gott erbarme sich,
des Armen, Nohtleidenden, hochbedrengeten, vaterlandes!
Schwester, Dorothea Bathilde (alß ich vormittagß, bey ihr gewesen)
ist sehr matt vndt krangk. hat gewaltige Tor-
mina, in ihrem leibe, große angst zum hertzen,
innerliche mattigkeit, mit der Sprache, wil es
nicht recht forth, vndt lieget da, in Gottes gewaltt.
Sie præpariret sich aber, gar schön zum Tode, ergibt
ihren willen, in Gottes willen, fühlet die schmertzen
nicht sonderlich, redet gar Christlich, geistreich,
vndt gedultig, vndt erweyset, daß Sie sich
zu Gott sehnet, vndt daß ihr wandel
schon im himmlischen vaterlandt ist! Ô der
Schönen! Ô der glaubigen! Ô der Außerwehlten Seele!
Freẅlein Johännichen von Plötzkaw, ist auch bey ihr,
von gestern her. Jch habe mit ihr gesprachet. Sie saget
undter andern, der herrvetter Fürst Augustus habe auf<zu> dem
Forwergk Plötzkaw, diß iahr 36 Sechtzigk, ger-
sten geerndtet. Der Rogken aber wehre sehr
erfrohren, undt verdroben. Jch aber bin kawm alhier,
auf 10 Sechtzigk gersten kommen. Je trouve
peü d'heür, & de süccéz, en mes affaires,
depuis la mort de feü ma seur, Sybille,
& de mon bon fils, le Prince Erdmann Gedeon, de bon mémoire[.]
Man meynet, die winde voriger Tage, werden
nichts gutes andeütten. Es hat ein 3 Tage hero,
stargk ged gewehet, gestürmet, undt geregenet.
perge
Er Hesius, ist nachmittags bey mir gewesen, allerley
zu referiren, undt sich bescheidts, zu erholen.
Jehna, ist von Zerbst, anhero kommen.
Diesen abendt, habe ich meinen Raht, vndt iunger
herrschaft hofmeister, Simon heinrich Schwech-
hausen, in gnaden dimittirt, undt ihn, an
Meinen vetter, hertzogk Wilhelm zu Wey-
mar, recommendirt, alda er gute beförde-
rung haben soll. Er ist bey vnß, inß
vierdte iahr gewesen, hat gute capaci-
tet, undt feine wißenschaften. Gott gebe!
daß er sich ferrner, wol comportiren möge!
Schreiben, von Madame Elizabeth von Berlin,
undt vom graf Moritz von Naßaw. perge
Die avisen geben: daß die Polen, mit den Cosagken
im freyen Felde, friede gemachtt.
Zu Nürnberg, wehre alles richtig.
Kayser wehre wol auff, undt mit dem
Könige, zu Eberßdorf.
Türgken prorogirten den vngrischen frieden, auf
20 iahr, lang.
Zu Prag, vndt in Bayern, grassirte die pest.
Dublyn, wehre von den Königlichen in Jrr-
landt erobert. Die Schotten, armirten stargk.
Cromwell, wehre geschlagen.
Die Türgken, hetten Canea, mit etzlichen
Tausendt Mannen endtsetzt, auch mit
munition undt proviandt, versehen.
Jn Frangkreich währen zwar die
motus zu Aix, undt Bordeaux, gleichwol
wehre der König, mit der Königinn
Regentin, vndt dem Cardinal, cum maximo
applausu populj, in Paris, eingezogen.
Pabst wil den Duca di Parma, in den Bann
thun. Derselbe hat seinen General in verhaftung
|| [[Handschrift: 196r]]
genommen, weil er sich bey Castro, schlagen hat
laßen.
Die neẅe Regierung zu Londen, samlet geldt,
wollen Agenten hin vndt wieder schigken,
ihre händel zu justificiren.
Die Stadt Lüttich, wirdt von den Chur
Cöllnischen, sehr bedränget.
<16 großvogel von Ballenstedt. perge>
Simon heinrich Schwechhaußen, ist forth, auf Eißleben
zu. Gott wolle ihn geleitten! vndt vnß gnade
verleyhen, daß wir allezeitt recht Gottsehlige
eyferige, Treẅe, fleißige, vndt Sittsahme Christen,
zu vnsern diensten, haben, undt behalten mögen!
Conversatio, mit deme von Jehna.
J'ay ceste apres disnèe, entendü (de bon lieu,) des
estranges soupçons, de la mort, de feü mon bon
fils, de bonne mémoire que ie ne me füsse jamais immaginè.
L'Espagnol dit: La sospecha es ponçoña de la Amistad!
Dieu nous garde, de sinistres pensèes, mais
s'il est ainsy, comme l'on peut apprehender,
Dieu vueille pünir exemplairement! avec
confüsion, honte & ignominie douleüreüse,
ces tygres quj a, ou qui ont, osè entreprendre
ün attentat, sj füneste, si execrable, & mauldit!
<3 hasen, hetzen laßen.>
Am heüttigen BehtTage, in die kirche, mit zweene
Söhnen, undt dreyen Töchtern2.
Postea, (wie Täglich!) meine krangke Schwester,
besucht, mit deren es sich, Gott lob, etwaß
zur beßerung, anläßet. Gott gebe in gnaden!
nach seinem väterlichen willen, daß es bestandt
habe! Freẅlein Johanna von Plötzkaw,
ist auch noch gar fleißig, undt Sorgfältig, bey
ihr. Gott wolle Sie davor gesegenen!
Philipp Güder, ist nachmittags, bey Mir, ge-
wesen, vndt hat mir, in Oeconomicis, viel
undt mancherley referiret, so nicht vndienlich.
Dieweil er sich auch mit mir abgefunden,
vndt außgesöhnet, laße ich ihm die ver-
stattung voriger gnade, vndt acceßes,
wiederfahren, iedoch noch ohne dienste.
Postea: habe ich den Amptmann Reichardt,
erfordern laßen, ihme allerley remonstration
gethan, ihn auch endtlich, in gnaden von mir
gehen laßen, alß er sich, zu vndterthänig(st)en würgk-
lichen diensterweysungen, offeriret. perge
Discorsj co'l Jehna. et cetera
Das Regenwetter continuirt numehr ein Acht
Tage her, gibt nicht allein, einen naßen herbst,
undt naße erndte, Sondern wirdt auch dem
wein, schlechten nutzen bringen. Jedoch wirdt
unß Gott, unser bescheiden Theil, wol geben!
Jch habe (nach gehabter gestriger conversation
mit Christoph von Jena) abermalß die acta, vndt
neẅe zeügenverhör des Amptmanns zu
Zerbst, v̈ber Geörge Glauns sachen, vndt
beschuldigungen, belesen, (dann die vorige
zeügenverhör, nicht von der Fürstlichen Regie-
rung, wie diese, sondern vom Rath, angeord-
net gewesen, vndt dennoch übereinstimmig ist)
vndt befunden, daß man allzugeschwinde,
mit ihm procediret, auß <allzueiverigen> passionen, deß
leichtfertigen, beschriehenen vogels, Gaterschle-
bens, falschen calumnien, vndt lügenhaftigen
angeben, gegläubet, vndt den guten ehrlichen,
bekandten <vndt mit Fürstl: vndt Adelichen Testimoniis versehenen> alten diehner, (welcher mit vndter-
schiedlichen Ehrenämptern zu Zerbst, alß vorsteher
der kirchen, vndt Hospitals, item: Viertelsmeisters
vndt Rahtsherren, item: Fürstlicher geleidtsmanns versehen,)
in elender 14 wochenentlicher gefängnüß, unschuldig endthalten.
Meine schwester <Dorothea Bathilde>, ist vormittags, zimlich wol auf
gewesen. Nachmittagß aber, wieder schwach,
undt krangk, vndt hinliegend worden.
Gott tröste! heile! undt helfe! in gnaden!
Freitag♀ den 7. September 1649.
<6 hasen gehetzt. 20 großvogel>
Jch bin hinauß, hetzten geritten, mit Mei-
nem Sohn, Viktor Amadeus vndt haben 6 hasen gefangen.
perge
Postea: conferirt mit Jehna, vndt Secretario
Paulo, welche extra geblieben.
Victualien, von Ballenstedt, bekommen,
wie auch großvogel, &cetera &cetera &cetera weitzen. perge
Avis: daß gestern, Fürst Johannßens Liebden auß
Zerbst, einen prächtigen, ordentlichen
Außzugk, zu dero Fürstlichem beylager gehalten.
Gott geleitte Jhre Liebden vndt gesegene Sie,
undt bewahre Sie, undt vnß, vor allem übel!
Nacher Tegklemburgk, geschrieben.
Ein dax ist im hofe, gehetzt worden.
Daß General Cromwell den Graven von Ormondt,
vor Dublyn, aufß haüpt, geschlagen.
Der Churfürst von Cölln, die Stadt Lüttich
|| [[Handschrift: 199r]]
erobert habe, <theilß, auß Furcht der bürger, theilß durch faction etzlicher, so Sein volgk eingelaßen.>
Der Kayser, will die Nürnberger Tractaten
nicht vndterschreiben. Chur Bayern, undt Chur Pfaltz
aber, sollen sich verglichen, vndt undterschrieben haben.
Die Stände, seindt im Sagk, besorgen winterquartier.
Gott liberire unß doch, von allen drangsallen!
Jn Frangkreich rebelliren die länder noch.
Zu Paris, ist es stille.
Die Türgken haben Canea endtsetzt.
Sollen aber auch schaden gelitten haben.
Parma vergleicht sich, mit dem pabst.
Leget die schuldt auf seinen General, vndt
straffet denselben.
hertzogk von Guise sol zu Napolj
endthaüptet sein, der Gennaro aber stran-
guliret.
Jn Provence hat der Conte d'Alaix, in einem
eroberten Städtlein, bey Aix, den Gouverneür,
Bürgermeister, undt Richter, aufhengken laßen,
darauf sich die Stadt Aix mit ihm verglichen,
die von Bordeaux aber, thun dem Düc d'Espernon,
großen schaden. Der König, schickt eine flotta dahin.
Von Stogkholm, ist befehlich, nacher Nürnbergk
kommen, dem Churfürsten von Brandenburg die länder
undt Stiffter, einzuraümen. perge
Zu den gesterigen avisen, kahm noch heütte, daß zu
Copenhagen, der König in Dennemargk hette ein
stattliches kindttaüffen gehalten, mit kost-
bahren Ritterspiehlen, balletten, undt Feẅer-
wergken, hette auch darzu, die Königinn in
Schweden, die herren Staden, undt den Printz von
Uranien, zu gevattern, gebehten.
Mit Doctor Mechovius, Jehna, vndt Paulo conferirt,
welche extra: geblieben, wie auch Jakob Ludwig Schwartzenberger
parlans, & devisans, de choses ütiles, & necessajres.
Gestern abendt spähte, hat daß eingeheitzte Stroh,
im schornstein, unserß Frawenzimmers, angefangen
zu brennen, vndt alarm im hause zu vervhrsachen,
ist aber baldt gelöschet worden, (Gott lob!)
heütte vormittags, conjunctim, zur predigt,
gezogen.
Extra: Zu Mittage gehabt, Meinen Raht
Jehna, wie auch den hofprediger Theopoldum,
undt mit ihnen, conferiret. et cetera
Nachmittags, cum filiis, & 3 filiabus3 zur kirchen.
heütte vormittags, hat man auf der Cantzel danck
gesaget, vor Schwester Dorothea Bathilde mit dero es sich anfängt,
zur beßerung, anzulaßen. Gott gebe! daß es bestandt habe!
Aufn abendt, bin ich mit Madame, in garten spatzirt.
Jehna, hat seinen vndterhänig(st)en Abschiedt, diesen
abendt, genommen, will morgen (gebe gott) nacher Zerbst. perge
Gott wolle ihn beglejtten!
<8 lerchen, die lerchenstreicher.>
<3 wachteln, vndt 1 lerche, Oberlender mit Schützgeörge.>
Gestern Abendt, wahr, Schwester Dorothea Bathildis,
wiederumb, so hinfällig, Matt, undt krangk, daß
wir alle vermeinten, Sie würde sterben. Es
wurde der Doctor Brandt, undt der hofprediger
Theopoldus gefordert, gebehtet, undt gebraucht,
waß müglich zur handt, wahr. Endlich hat
Gott ihr doch noch daß leben gefristet. Sie
redete (wann Sie vor mattigkeitt, leise
reden kundte?) verständig, undt gar Christlich,
ergab ihren willen, in Gottes willen, vndt
wahr bey der gewaltigen hertzensangst,
vndt aufstoßen der brust, sehr gedultig.
Gott wolle Sie ferrner trösten, stärgken,
undt mit der gnadenkraft des heiligen geistes,
überschatten! vndt vollbereitten!
Diesen Morgen, ist mein Raht, Jena,
wieder verrayset, Gott geleitte, ihn! <und segne uns, vndt
das heütte wirdt alhier Rübesaht, und wintergerste geseet.>
Daß wolle Gott auch, unß waißen, und müldig-
lich, in väterlichen gnaden, gedeyen laßen!
Vormittags, ist die liebe fromme Schwester,
wieder gar Matt, undt Schwach, undt voller
angst aufm hertzen, anzusehen gewesen, auch
etzliche mahl, gantz stille da gelegen.
Gott stehe ihr in gnaden bey! undt wolle ihre
innerliche schmerzten lindern, die erzeigte
Freẅdigkeit vermehren, undt unß allen,
mit ihr, gnedig erscheinen!
Wir haben ihr vorgelesen, undt vorgebehtet,
sonderlich, auß der Schatzkammer, allerhandt Trostes,
welches ihr, (wie zu spühren wahr) gar annehm-
lich gewesen.
A spasso, in einen weinbergk, da ich aber,
vom Regen überfallen worden. perge
Gestern, hat man einen weißen Strahl
alhier zu Bernburgk, überm Schloße gesehen.
Ein heymichen oder grille, leßet sich
auch wieder kläglich hören, welches schon
zum öftern geschehen, wann iemands stirbet.
Gott bewahre! vor mehrerem Unheyl!
Es hat diesen Tag, undt abendt zwar, mit
der Schwester, ein ansehen, zur beßerung, Gott lob!
<51 großvogel von Ballenstedt>
<2 hasen, mein Sohn Viktor Amadeus>
Jn den Leiptziger eingekommenen avisen, werden die
Erffurdtischen confirmiret, undt variiren in deme,
daß nicht General Cromwell, sondern der O[b]erste
Jonaß durch einen heroischen außfall, die
gantze Armèe vor Dublyn in Jrrland des
Marggraven von Ormondt, liederlich geschlagen,
undt vornehme haüpter gefangen, 4000 Mann
sollen auf der Königlichen seitte, geblieben, vndt
3000 gefangen, alles geschütz undt bagage
neben 100 Fahnen, bekommen sein. Der General
Ormondt, ist gar zu sicher gewesen, hat schlechte
wacht gehalten, vndt nicht glaüben wollen,
das ihm der feindt also auf den halß
kommen, undt diesen Streich, ihm versetzen dörfte.
Frequentissimum initium calamitatis securitas!4
Cromwell hingegen, macht zu Londen,
difficulteten. Will 100 Pfund (libra)℔: Sterlingß bahr
haben, wil man solle das itzige Parlament
dissolviren, vndt ihme mehr gewaltt geben,
anderst wil er nicht forth, nach Jrrlandt zu.
Der vergleich in Polen mit den Cosagken contj-
nuiret. Es scheinet, der König, habe Sie numehr, zu sei-
nem dienst, vndt die Pollnischen Senatores sehen es ungerne.
Zu Paris hat der König, undt seine Rähte, vorige Authoritet wieder.
Zu Bourdeaux, gibts noch empörungen, wieder die
severitet, des hertzogs, von Èspernon.
Jn hennegaw, seindt die Frantzosen, mit macht
eingefallen, haben das Städtlein Condè erobert,
undt befestiget, auch andere plätze mehr occu-
piret, brennen, sängen, undt iagen denselben
ländern, einen nicht geringen schregken ein.
hingegen, rüstet sich der Ertzhertzogk,
zum wiederstandt, vndt erwartett,
des secourßes, vom Generall Sparr, (welcher
Lüttich eingenommen,) wie auch der deützschen
völcker, des hertzogs von Wirtembergk. perge
Die Kayserliche Mayestät wollen den Nürnbergischen schluß,
darumb nicht approbiren, weil Sie die prælimj-
nar evacuation nicht billichen, sondern alles
zugleich, evacuirt haben wollen. Die Stände
mögen zwar alda, zu allem gewilliget haben,
vmb den frieden zu redjmiren. Die Schweden
aber machen groß wesen hiervon, undt droẅen
mit der continuation des krieges. Chur Saxen,
(welcher gerne Leiptzigk wieder hette, auch
ungerne, den letzten Termin der restituendorum
erwarten wollte) leget particular tractaten zu,
cum Suecis, vndt wil ihnen die satisfactionsgelder auf einmal, hin geben.
Zu Napolj, continuiren die scharfen executiones
wieder die rebellen. Es variirt aber die novelle darinn,
daß nicht der Düc de Guise, sondern der iehnige,
welcher ihn, inß Königreich, introducirt, decolliret worden.
Duca dj Parma, tractiret seinen geschlagenen
General Marchese Goffredo v̈bel, mit scharfer
gefängnüß, in eisernen banden. Der muß nun alle
schuldt haben, des krieges, wieder den pabst.
Jnterim, interponirt sich der Großhertzog
von Florentz, schengkt dem Pabst, alle eine
restirende schuldt, von 100000 krohnen, vndt
offerirt sich noch auf etzliche zeitt, iährlich
50000 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: zu erlegen, (mit versetzung, seiner
im päbstlichen kirchen stado, habenden gühter)
ob nun dadurch, der vorgewesene bann,
wieder Parma, aufgehaben5, oder aber
der krieg cessiren werde, lehret die zeitt!
Der Venezianer abermahlige waßer-
Schlacht, undt Victoria, wieder den Türgken,
continuiret nicht, aber wol, daß die Türgken,
die Jnsel Candia, insonderheit aber, die
Festung Canea, mit Macht, endtsetzet hetten.
Jn Dalmatia, mögen auch die sachen schlecht stehen. et cetera
Jn Ungarn, hofft man die Continuation des Friedens. et cetera
Von Meines vettern, Fürst Johannsen, beylager, undt
stadtlichen præparatoriis, zu demselben, so zu
Gottorf gemacht werden, stehet auch zwey-
mal in diesen avisen, undt das der König
in Dennemargk, wie auch viel Fürsten,
von hollstein, Meckelburgk, Braunschweigk,
Lünenburgk, Lawenburgk, etcetera dahin
kommen solen, undt stallung, auf 3000
pferde, zubereittet werde. Gott gebe,
zu glügklichem succeß, zu Seiner ehre,
zur erhaltung, vndt aufnehmen, vnserß
<vhr>allten Fürstljchen hauses, vndt zu abwen-
dung, alles deßen, so unruhe, undt verstöh-
rung, bringen möchte! Der Grave von
Oldenburgk, sol auch dahin kommen, wie die
novellen sagen, ich zweifele aber, sehr daran.
Extra: Zu Mittage, ist bey Mir, gewesen,
der Caplan Jonius. et cetera
On a dèscouvert, des èstranges menèes. <en mon mesnage.>
Meine Schwester, Freẅlein Dorothea Bathildis,
hat sich heütte beßer befunden. Es scheinet,
alß ob Gott möchte wunder thun? Wenn wir
doch nur glauben köndten? Ah! mon fils Erdmann!
<9 lerchen, trois canailles gestrichen.>
Oberlender, ist mit Wartemßleben von Zerbst, wie-
derkommen, vndt hat meine kutzschen, undt pferde, (welche
Jehna hinüber geführt,) wiederbracht, neben etwan
Zerbster biers, gestriges Abendts. perge
Jch bin hinauß, nach Zeptzigk vndt Pröderitz
auf meine felder <vormittags> geritten. Es samlet sich al-
les gar schlecht. Gott gibt unß doch unser be-
scheiden Theil! wann er unß nur geben möchte?
Ach Gott erhöre unß, in diesem Stügk! Amen!
Freẅlein Johanna, ist heütte nachmittagß,
wieder verrayset, gen Plötzkaw, dero iüngste
<Schwester> Freẅlein Lyßgen, hat sie abgeholet, zu kutschen,
nebst einer iungfer, vndt 1 raysiger, ist mitgeritten.
Es hat stargk geregenet, wie fast den
September bis dato, hindurch. Gibt eine Naße
erndte, vndt feüchte Sahtzeitt.
J'ay beaucoup d'inquitüdes! Ô Dieu; delivre m'en!
Avis: daß Curt Christoff von Börstel, ein unglügk
gehabt, in dem ihm, seine pferde, vieh, brodtkorn,
futter, vndt Scheünen, auf einmahl zu Bisenrode
verbrandt. Gott ersetze ihm, den Schaden!
<2 lächße.>
<30 kleine vogel aufm vogelherdt.>
Phantasmata, in somniis, valde exagitarunt
uxorem meam! Deus in adjutorium nostrum jn-
tendat!
Geschrieben, gen hamburgk durch Bartoldt Lackayen.
Gott geleyte ihn, glügklich, hin vndt wieder!
Extra: Doctor Brandt, zu Mittage behalten, nach dem
wir conjunctim, (wie täglich), die krangke
Schwester, besucht.
A spasso an die waßergebeẅde, vormittags[.]
Gestern, undt heütte, habe ich weitzen seen
laßen. Gott gebe, zu glügk! undt gedeyen!
Præceptor haugkwitz, hat sich heütte
allererst wieder, von Cöhten, eingestellet.
Amantes sunt interdum Amentes.6
A spasso zur weitzenSaht, nachmittags!
Gott gesegene unser vermögen!
<1 Schockßo: vndt 1 mandel großvogel von Ballenstedt>
Mein Sohn, Viktor Amadeus ist nacher Aderstedt, geritten,
mit den vettern von Plötzkaw, Räphüner
zu beitzen, haben 1 Räphun, undt 1 wachtel gefangen.
Er hat zu Plötzkaw, zu Mittage bleiben müßen. et cetera
Jch habe inndeßen, commissiones expedirt, so wol
privatim, mit dem Allten Märtin Tornaw,
alß publice, durch meine Rähte, vndt diehner,
zwjschen dem Raht, undt Doctor Brandt, Jtem: durch
den Amptmann, mit den dorfschaften. et cetera
Es hat viel verwirrungen gegeben.
Ein scharf schreiben, von Fürst Augusto bekommen,
wegen eines handelß, so Börstel, sein lehenmann
mit Galle weber, dem pachtmann auf der
Aeptißinn hofe, angefangen, vndt durch meinen
Amptmann Reichardt, wagen, undt pferde verar-
restiren laßen, vmb des Zehenden willen, da-
rauß Börstel, einen köhrZehenden machen,
Fürst Augustus aber, solches nicht zulaßen will.
Fürst Augustus nimbt sjchs hoch ahn, zu anden, wieder
Christian heinrich von Börstel undt will, daß
ich diese unbedachtsahme præcipitantz, wieder
Reichardten, ernstlich eyfern soll.
Avis: daß Fürst Ludwig sehr krangk seye.
Gott schigke es gnediglich, zur beßerung!
Avis: von Ballenstedt, daß die Alte Stammerin
aldar, gestorben. Gott genade ihr! Es seindt
auch Victualien, von dannen, mittgekommen. et cetera
Die Erffurdter avisen geben:
Daß die Tractaten zu Nürnberg aufm
sprunge, zu biegen, oder zu brechen, stehen. Der
Kayser, hat mit dem Türgken, auf 20
iahr lang, friede gemacht. Der Pole, ist
mit den Cosagken, auch verglichen.
Der Moßkowiter, droẅet den Schweden,
mit dem kriege. Also dörfte Kayserliche Mayestät
die ruptur nicht groß achten. Der Schwedische
Generalissimus Pfaltzgrave, hat den Ständen
proponiren laßen, 1. Ob Sie wolten, im fall
längerer dilation, die winterquartier
noch leiden? 2. oder zugeben, daß man dem
Kayser, in die Erblande falle, undt ihn
feindlich tractjre. Jnterim weil man sich
<zu> bedengken, ist der pfaltzgrave, auf die Jagdt,
inß Marggrafthumb, gezogen. Man
will endtweder die assistentz der Stände suchen,
oder die jnvidiam, auf Sie, decliniren. et cetera
Schreiben, von Weymar, mit beylagen et cetera
dès Barons Reüßen, & des Contes de noirmont.
Samstag♄ den 15. September 1649.
<1 lerche. 1 Schockßo: vndt 7 kleine vogel.>
<34 großvogel, undt 1 haselhuhn, von Ballenstedt>
Mit Georg Reichardt vndt Paul Ludwig conferiret, undt die
gestrigen händel, (so gantz falsch Fürst Augusto be-
richtet worden) zu recht zu bringen, getrachtet.
Es kommen heütte, beßere zeittungen, auß
Nürnbergk; alß solten die Generalln, bey-
sammen gewesen sein, undt wegen der aller-
seitß beschehenen, vndterschrift, die degen, vndt
pistolen, zerbrochen, undt zum Fenster hinauß,
geworffen haben, auch Silbergeschirr, undt Pocalen.
Es hätten aber, die Sjlber, vndt pocal, (beym
gehaltenen bancqueet,) von der gaßen, müßen
wiedergeholt, undt aufgelesen werden,
die Zerbrochenen degen, undt pistolen aber,
hette man preiß gegeben. perge
Melchior Loyß, mein Elltister Raht, undt diener,
ist in seinem 73. iahr, undt hohem Allter,
herauf, aufß Schloß, gegangen, hat sich bey
mir angemeldet, undt zweyerley anzubringen
gehabt. 1. die befreyung des Fahrd: (welches
ich doch, vor ein hohes regale, achte! 2. daß
er nicht dem Raht, alhier, sondern dem Ampte möchte
subject sein. Jch habe ihm dilatorisch geantwortett.
|| [[Handschrift: 204v]]
hingegen, zu verstehen gegeben, nicht allein,
wie sehr ich ihn æstimire, sondern auch, wie sehr
ich ihn, sieder anno 1606 her, observirt, vndt
undterschiedlich begnadiget, etcetera auch noch
in müglichen dingen, ihm, billichmeßigen Schutz zu
halten, bedacht. hofte, er werde sich contentiren
laßen, undt wann er forthköndte, bißweilen
in commissionen, so wol in geistlichen Sachen,
kirchen, undt Schulen, zum besten, sich bemühen,
wiewol ich seiner, alß eines emeritj, etzliche
iahr hero, in Seinem hohen allter, undt Schwach-
heitten, gerne verschonet. Er klaget sehr,
daß da er, vor 12 iahren, von hartzgeroda
wieder anhero kommen, undt die contribution
kawm 2 oder 5 fach gewesen, Sie an itzo, in
die 36fach gegeben würde, undt keine er-
leichterung, zu spühren. Man forderte auch,
viel von ihm, so er nicht schuldig wehre,
destwegen bähte er, vmb gnedigen Schutz. perge
Jch habe ihm, alle billiche manutenentz versprochen,
undt sonsten animirt, bono animo, zu sein.
Jl y a eü, dü Tintamarre & des alarmes, a
cause, de 46 bœfs, quj ont passè le guè, sans rien
mentionner. Je les fay poursuivre, ceste nuict. et cetera
Jch habe herrnvetter Fürst Augusto mascule geantwortet
wegen seines suchens, wieder Börsteln, undt meinen
Amptmann Reichardt, in Gallen Webers sachen,
vndt mich meiner Lehenleütte, undt bedienten,
in billichen dingen, eyferig angenommen.
<1½ Schockßo: kleine vogel, Ernst Vogelsteller>
Vnsere leütte, seindt re infecta wiederkommen,
von der Nachiagt, der 46 Ochßen, welche
gestern abends stillschweigende Zoll: vndt
geleittefrey, durchpaßiret. Sie haben aber
dem General Königßmargk zugehöret,
eines leütenampt bey sich, vndt gutem
paß, vom Obrist Borgßdorf Commendanten
zu halberstadt gehabt. Wollen die Ochßen
zu hall, undt Leiptzigk verkauffen.
Sie seindt alhier, durch den furtt ge-
setzet, undt zu Peißen, ertapt worden.
Der paß lauttet auf 60 stügk, mögen
etzliche stügk undterwegens verkauft haben.
Jst groß Schön vieh gewesen.
Jn die kirche, conjunctim, vormittages.
Nachmittagß, wieder in die kirche, <cum filijs.>
Visiten, Schwester Dorothea Bathilde zweymal (wie
fast Täglich,) gegeben. Es hat das ansehen, zur
beßerung. Gott wolle Sie bestehtigen!
undt seine kraft, in den Schwachen, mächtig
sein laßen!
<3 lerchen, Georg Ehrenreich Freiherr von Roggendorf cum asseclis. 2 Schockßo: Fingken Ernst vogelsteller.>
Es hat heütte gefrohren, undt gereifft.
Der Große Kersten, ist forth nacher Deßaw, mit
40 Schweinen, in die Eichelmast, zu schlagen.
Gott gebe mir zu glügk! undt gedeyen!
heütte seindt noch 12 Schefel (Scheffel)schfl: weitzen, vf die
gerichtsbreitte, alhier zu Bernburgk, gesehet
worden, zu voriger tage, 1½ wispeln. Gott gebe
zu glügk! Segen! undt gutem gedeyen!
Rittmeister Schawer, so auß Frangkreich,
wiederkommen, hat sich bey Mir, præsentiret,
undt mancherley referiret. perge Jnsonderheit; von
des Generals Rantzow, avantüres, leben, undt Thaten,
So dann, von etzlichen Treffen, denen er beygewohnet,
undt zimblich darinnen, gezeichnet worden.
Er hat mir, zu seiner ankunfft, eine schöne flinte,
undt einen a la mode degen, mit Silber eingeschlagen,
præsentiret. hat auch des iungen herztogs von Rohan
|| [[Handschrift: 206r]]
Todt mir referiret, undt beklaget, wiewol er,
undt sein camarade ein grave von hollach, so auch
Rittmeister gewesen, undter denselben Rantzow-
ischen Regiment, selbigen Todt, im treffen, so
ferne vervhrsachet, daß Sie den iungen Düc, in
die mitte zwischen ihre compagnien (un-
bekandter,) gekriegt, undt chargirt, also: das
er, von einem cornet, in der ersten furie
erschoßen worden, iedoch noch 24 stunden gelebt,
aber keine Münche, undt pfaffen, vmb sich
leyden wollen. Prince de Condè hat seinen
Todt, gar gerne gesehen. Etzliche vmbstende
weisen, das dieser iunge Fürst, allzusehr sich
voran gewaget, sein courage zu erweisen,
v̈bel secondirt, auch vom pferde, mag
emportiret <etwas> worden sein. Jst wol schade!
hette können der religion in Frankreich viel diehnen.
Sed! sic fuit in Fatis!7 Gott hat seine gerechte
unerforschliche vhrsachen! da müßen wir acquesciren!
Er hat mir auch viel, vom tapfern Mareschal
de Gassion, undt deßen aufrichtigkeijt, erzehlet.
Jtem: wie die Dunynkergker die jtzigen
Engelländischen Parlamentischen, verfolgen, undt be-
kriegen, Jtem: wie Saint Denijs, gleich Bernburg, verödet worden.
Er ist zu Mittage, extra: zur mahlzeitt,
behalten worden. perge
A spasso, in weinbergk, da mir der froßt
schaden gethan. perge Pacience!
Der Kuhehirte, jn der Stadt, so vndterschiedlichen
diebstall, undt Frevelthaten, erwiesen, in dem
er einem hie, dem andern da, von Bürgern
ihre garben vom Agker genommen, undt seine
Schweine darvon gemästet, auch gänse vndt
hasen <vndt holtz> gestohlen, vndt sonst allerhandt leicht-
fertigkeitten, vndt Rachgier, an dem armen
vieh, gebrauchtt, auß Trotz, undt boßheit,
derselbe, wirdt vmb 50 hammel, undt 7
Schweine, von mir, gestraft, sol den schaden,
über diß, den bürgern, gut thun, vndt cassiret
werden, nach geschwornen vhrfrieden, undt dimission
auß Seiner gefängnuß. Er gestehet zwar
nicht alles, ist doch des meisten v̈berwiesen, nicht
allein von bürgern, sondern von seinem eigenen iungen,
welchen er grawsamer dinge, zu schlagen, gedroẅet,
er sol aber, von jhm, genommen werden. Die
weltt wirdt sehr arg, unnütz, undt Gottloß.
Er hat sich hoch vermeßen, auch zu perjuruiis, erbotten,
man hat aber solch leichtfertig schwehren, nicht concediren können.
Es haben mei[n]e commi[s]sarien die gruben gefunden,
darinnen er die ges[t]ohlene garben verborgen,
vndt die Schweine [da]rinnen, heimlich gefüttert.
Er hat mir auch, i[m] Rah[t]sanger, an meinem ei-
genen heẅ, schaden getha[n], der lose legker. perge
Kähme wol auf [T]ortur, (wann man scharf
sein wollte, [h]ette [g]ar den galgen, oder <doch> eine
landeßver[weisung], meritjret perge neben ersetzung
des Zugef[...]denß, etcetera etcetera etcetera
Die beri[chte aus] Cöhten, wegen des herrnvetters
Fürst Ludwigs, w[währ]ender unpaßligkeit, wollen
gar übel latt[en.] [Go]tt erbarme sich Seiner!
vndt erscheine, mit [Gnad]en unserm hauße!
J'ay sceü a[...] des calomnies,
& tradütio[n]s insüpp[er]tables.
<21 lerchen, Kinßperg, Hans Georg lagkay, vnd[t] kleine Märtin.>
heütte habe ich 7 Schweine, neben
50 schafen, undt hammeln, zur recht-
mäßigen Strafe, von dem legker,
dem [St]adthirten, bekommen, vor seinen viel-
fältigen diebstall. Gott beßere die leütte!
undt gesegne mir, seine gaben!
Briefe von Wien, Strehlitz, undt Paris. et cetera
Confirmiren: die Dublynische Victoria deß Obersten
Jonaß, wieder den graven von Ormondt.
Jtem: eine greẅliche Zaüberey vndt Schwartz-
künstlerey, so Fr[aw] [K]ersten, in Dennemarck,
solle haben vorgehabt, [di]e sch[w]angere weiber
umbzubringen, mit [Fr]a[wenm]ilch, damitt
die Königin vornehmlich, [hat so]len hi[n]gerichtet
werden. Dieweil aber [...], oder die Magdt,
welche die Frawenmil[ch] [ge]tragen, gestolpert,
undt die Milch versch[ütte]t, hat s[ie] kuhemilch,
an deren statt ge[tan] (einen scharfen verweiß,
oder filß, zu ve[rhindern]) [u]ndt hingetragen,
darauf seindt alle [tr]ächtigen kühe gestorben,
undt bezaubert worden. Ma[n] [h]at Theilß
Thäter, eingezogen, theilß seindt [en]dtwichen!
Gott straffe mehrere übelthat[e]n!
Jn Schweden sol auch, ein Mann vndter zweene
Männer (als raüber,) gefallen s[ei]n, die haben
ihm 100 vndt aber 100 ThalerThlr: <neben [fris]tung [s]eines lebens> verheißen, Wenn
er ihnen eine Schwangere fraw verkauffen
möchte, welches als er es verheißen, vndt seinem
|| [[Handschrift: 208r]]
eigenem Schwangeren weibe, darvon gesaget,
das er einen gartten verkauffen wolte, Sie aber
etwan ärgeres geahnet, und ihre bruder, umb hülfe,
angeruffen, ist endtlich ihr leben, (mit mühe)
salviret, undt die Mörder theilß erschoßen, theilß
bekommen, undt justificiret worden.
Zu Nürnberg, difficultiret man noch, an
Kayserlicher seitten, die subscription des Friedens.
Jn Polen, ist der friede zwischen dem Könige,
undt den Coßagken, vndt Tartarn, ge-
schloßen im freyem felde, 40000 Cosagken
bleiben zu des Königes diensten, welcher
absolutes commando, über sie hatt.
Chmielinßky bleibet ihr General,
vndt Senator Regnj Poloniæ in der 9ten: Stall.
V̈ber 20000 Seelen sollen im Pollnischen
läger, verhungert sein. Man ist un-
menschlich, (wie die Engelischen<berichte sagen.>) wie die
bericht s[agen], mit ihnen vmbgangen den Pohlen,
<Jesuitern, undt Pfahlen> so die Cosagken, undt Tartarn, übermeistert,
mit nase, vndt ohren abschneiden et talia!
Weiber, kinder, Männer, haben Sie ermordet, undt
in brunnen geworffen ohne undterscheidt.
Die Unmenschliche grawsamkeit, undt Tiranney,
sol so groß, gegen die armen Polen, gewesen
sein, alß noch iemalß einige, weil das König-
reich Polen gestanden. Gott gebe beßere früchte!
Jn Frangkreich, sol Provence, vndt
Bourdegalois, noch rebellisch sein, wiewol zu
Paris, undt anderstwo, die empörung, gestillet.
Die Princesse de Tarante, (zuvorn
de Talmond) wirdt sehr höflich tractjret,
von der Königinn, zu Paris. Jhr Sitz, wirdt
über alle anderen Fürstinnen, hervor
gezogen, ihr die visite, am ersten gegeben,
undt große ehre erwiesen, vmb der
præeminentz vndt consideration, des
deützschen Fürstlichen hauses, heßen
willen, auß deme Sie endtsproßen.
hingegen, wirdt hertzogk Geörgen
von Wirtembergk Gemahlin, vom
hause Chastillon, schlechter tractjret,
kan auch kein tabouret in der Königinn
gemach erlangen, dann man sihet nur
auff die iehnigen, so dem Königlichen hause,
|| [[Handschrift: 209r]]
nutzen bringen, undt mit deme, stargk
jnteressiret sein, nicht aber alleine auf den
schuldigen vorzugk, des hohen geblühtes. perge
Der Printz Edouardo von Brahanza,
des Königs in Portugall bruder, sol im
Castell zu Milano, gestorben sein.
Meritirt wol, (alß ein <unschuldiger> frommer herr,
den ich gekandt), beklaget zu werden!
Ein Schafgotzsch (welcher der Churfürstinn von Lich-
tembergk, wie auch dem Könige in Dennemargk
bedient, Edeliungen weyse, darnach aber, in
seinem 21. iahr von seinem vettern, herren
hanß Vlrich Schafgotzschen, Freyherren,
in die 17 iahr lang, gefangen setzt
worden, biß ihn der Crabahten furia libe-
riret), hat sich bey mir præsentjret. Jst
begnadiget, undt begabet worden.
Er mag haben, außer seinem Stande
heyrathen wollen, eines Doctoris zu Leiptzig
Tochter, welches der Freyherr, nicht leyden
wollen, Sondern ihn, alß einen verlohrnen Sohn
geachtet, undt gefangen, gleichwol aber, etwan
geschwinde mit ihm verfahren, undt vnverantwortlich.
<1½ Schockßo: kleine Vögel. 1 lerche Pandolfo.>
Post peracta negocia, auf den vogelh<e>ardt
mit Madama spatzirt, vndt über eine
Mandel vogel selber gerugkt. perge
Der Capitain Leütenampt, Ayrer,
(welcher drei jahr lang, undter den Kayserlichen
gewesen, sonderlich, undter dem Obersten Dewaky)
hat sich bey mir præsentiret, undt hat
mit vnsern leütten, zu Mittage, gegeßen,
auch mahlzei<audientz> darnach bey mir gehabt,
particolarmente. &cetera
Jn gartten, con Madama.
Avis; außm OberDirectorio daß numehr zu Nürn-
bergk, so wol von Kayserlicher alß Schwedischer
seitten, alles undterschrieben, vndt Graf
Magnus de la Garde, in kurtzem, zu
Leiptzigk, erwartet werde. Gott lob!
daß es so weitt gekommen! er helfe ferr-
ner, mit gnaden! Zum erwüntzschten frieden.
heütte hat der wandel des Mondens,
der Schwester, Dorothea Bathilde neẅe beschwehrung,
gebracht. Gott wolle alles unheyl beßern!
Donnerstag♃ den 20. September 1649.
<(17 lerchen mein Sohn, Viktor Amadeus)>
<4 hasen Abraham von Rindtorf 1 hase, von Ballenstedt 1 Schockßo: 56 großvogel. 1 Schockßo: klein vogel Ernst vogelsteller.>
<14 lerchen, Oberlender, Matz kammerdiener Michel Sattelknecht>
Kersten, (so gestern von Deßaw, wiederkommen, dahin
ich ihn geschigkt, die Mastschweine zu convoyiren,
undt überzubringen) referiret, wie eine Statt-
liche Mast, der vetter, Fürst Johann Casimir, diß
iahr habe? vndt wie gute hofnung er sich
auch, auf daß Schwartze wildpreth mache?
Gott erhalte, einem ieglichen, seinen Segen!
Mais les partages, de ceste nostre Princj-
pautè sont fort inèsgaux! Pacience!
Extra zu Mittage, Jakob Ludwig Schwartzenberger.
Jch habe nachm Berlin, Paris, undt Wien, geschrieben.
Etzliche Victualien, seindt von Ballenstedt, anhero
geschickt worden. Dat Deus omne bonum!
Nel giardjno, con Madama, questa sera.
Die gute Schwester, Dorothea Bathildis, ist
heütte, gar unpaß gewesen. Gott erbarme sich ihrer!
Avis: daß wir die 5te million, auch geben müßen
zur satisfaction. Gott mache des elends, ein ende!
Avis: daß Cantzler Milagi[us], zu Arbitro erkohren
zwischen dem Churfürsten von Brandenburg vndt Pfaltzgra-
ven von Neẅburgk eines theilß, anders theils den
Staden von Gelderlandt, in ihren alten differentzien.
Er begehret darzu permission von uns, so wir jhm geben werden.
<1 Schockßo: klein vogel Ernst, vogelsteller, her[...]>
<1 Schockßo: 4 lerchen mit dem klebegarn, meine Söhne. 1 Schockßo: 45 her<o>djè Ernst vogelsteller Nota Bene>
<8 lerchen Bötticher[,] girßbegk8[,] gärtneriung.>
J'ay songè, d'avoir eu beaucoup de besoignes,
avec ce Capitaine Lieutenante Jmperial, qui est icy,
á Bernbourg, George Guillaume Ayrer,
Patricien de Norembergh, & apres cela
i'eusse estè averty, de parler a ün
Jesuite, lequel eüst fort dispütè
de la Religion, avecques moy, & on
m'eust dit, que ie me devois donner de-
Nota Benegarde, d'ün Jesuite, &cetera[.] Dieu vuielle
me faire la grace, de pouvoir discerner
le certain, d'avec l'incertain,
le pür d'avec l'impür, affin de ne
faire tort, á personne & de bien èsprou-
ver les esprits, veritables, ou mensongers!
Gestern Abendt, habe ich auf meinem
Fenster, nach der Stadt zu, gesehen, v̈ber die
Stadt quer über, einen breitten
weißen bogen, von einem egk der erden
zum andern, vndt wiewol der bogen, der Viæ
lacteæ, nicht unähnlich gesehen, So kan es doch
|| [[Handschrift: 211r]]
dieselbe MilchStraßen, nicht sein, Sintemahl
Via lactea länglicht, an der höhe des himmels
v̈ber das Hemisphærium gehet, vndt nicht
nach der quehre. Gestern vor abends aber,
sahen wir einen rechten schönen Regenbogen
über vnser Schloß, alhier. Gott gebe
unß stehtige gnadenzeichen.
Unßer bötticher, cum sociis, (die heünte[!]
diese nacht, lerchen streichen gegangen,)
beklagen sich, daß Sie gegen Grähna
zu, von den Jrrwischen, oder lichtmänn-
lein, sehr verführet, undt irre gemacht,
seyen worden. Il y a tousiours des
erreürs, & des confüsions, au Monde!
Jch habe noch eine stargke contribution
außschreiben müßen, diesen Monat September
alß in der Stadt Bernburgk v̈ber vorige
36fach, noch 20½fach, Jm Ampte, über
vorige 24fach, noch 12fach, im Ampt
Ballenstedt, über vorige 24fach, noch: 13½fach
thut: ist diesem einigen Monat, in die 2000 ThalerThlr:
zur Schwedischen verpflegung, satisfaction, undt geringen
nebensolvendis. Gott erleichtere, die beschwerden!
heütte, wirdt der Fahrpfenning, vom
Amptschreiber, Wolfgang Sutorio, am Tage
Matthej, eingefordert, vndt stehet darauf
der verlust der Aegker, wer sich nicht
bey Sonnenschein, einstellet, gleich wie
bey eintreibung des frohnpfennings,
am Tage Sancti Martinj, der verlußt, der
haüser, vndt höfe. Diese beyde recog-
nitiones, halte ich, vor die zweene höchsten
Regalien, so wir haben, wiewol es nur
wenig pfennige oder groschen, undt in Summa
ein iedes noch nicht zwey Thaler, einträgt,
aber, propter <Dominij> consequentiam; et subjectio-
nem incolarum, nicht wegzuschengken <perge>
vndt alß ein RegentenSchatz, hoch zu æstimjren.
<11 lerchen 1 wachtel hortulanus cum sociis.>
<1 Schockßo: klein vogel Ernst.>
Daß der Schluß, zu Nürnbergk,
richtig, undt von allen Theilen, undter-
schrieben seye! Gott lob!
Die Schwedischen Generalln, haben sich mit
Chur Pfaltz, undterredet, vndt kommen zurügkea.
Jn den Spannischen Niederlande, seyen 2 Frantzö-
sische excurrirende Regimenter totaliter rujnj-
ret, undt geschlagen, auch vornehme gefangene,
undt große beütten, bekommen worden.
Jn Jrrlandt dominiret zwar, General Crom-
well, nach belieben, (sieder des Obersten Jonas
großen Victoria, wieder den General Ormond
vor Doublyn) iedoch wirdt davor gehalten,
die neẅen motus, zu Londen, wieder die itzige
Regierung daselbt, undt der Einfall, der
Schottischen armèe, in Engellandt, werden ihn
baldt wieder zurügkb ziehen.
Fürst Johannsen, zu Anhaltt, beylager, sol
wieder, auf 14 Tage verschoben sein, weil
der König in Dennemargk, persöhnlich da-
rauf, zu Gottorf erscheinen, hernachmalß
aber, nach Glügkstadt, undt anderen dortt-
herumb, gelegenen orthen, gehen will.
Jn Polen continuiret der vergleich. Die
Cosagken seindt zu des Königes, diensten,
erlangen ihre exercitia Griechisches glau-
bens überall, wie auch dignitates & honores,
amnistiam, und waß Sie begehret. Die Tartarn
|| [[Handschrift: 212v]]
werden bezahlet. Die Polen aber mißtrawen,
dem Könige, weil ihm die Cosagken
alleine, undt nicht der Crone geschworen.
Printz Janusch Radzivil, hat auch
eine Victoria wieder die Bawren, undt
Cosagken, in Littawen, erhalten, undt
alß der König die Cosagken geschlagen
ist es anfangß, auf seiner seitten,
sehr scharf hergegangen, undt viel
tapfere leütte, geblieben.
Jn Candia, gehet es schlecht her. Die
gantze Türckische armada, ist vnverhindert, in Canea,
eingelauffen, vndt hat secours, proviandt, undt
munition, nach wuntsch hinein gebracht, weil
die Venezianischen Generaln uneins gewesen,
undt einer hie, der ander dort hinauß, ge-
woltt, darüber die Respublica, den General
Bernardo, degradiret, undt seines Generalats,
endtsetzt, undt Morosinj, ist an seine Stelle kommen.
Jn Dalmatia, sollen über 20000 Türgken, an
der pest, gestorben sein.
Zu Florentz, undt Siena, stirbet es auch sehr,
|| [[Handschrift: 213r]]
wie auch zu Seviglia, undt anderer orthen, in Spannien.
Zu Prag continuirt gleichßfalß die pest.
Die Spannische Königinn, ist stattlich entpfangen,
undt nacher Spannien zu, begleittet worden, von
den Spannischen Grandes vndt Generallen.
Zu Finale, vndt nicht zu Meylandt, sol auf
selbigem Casteel, der gute fromme Protughesische
Printz, Edouardo die Braganza, (oder Odoardo)
an einem hitzigen fieber gestorben sein.
Zu Rom, hat der Pabst, die fulmen excommunica-
tionis, wieder den Duca di Parma, ergehen
laßen, nach dem er Victorisirt, vndt will
Castro zur haüpt: vndt gräntzfestung, machen.
Der gute General des hertzogs von Parma,
Marchese Goffredo, ist darüber in gefahr,
seinen kopf zu verliehren, deme albereitt
seine gühter, vnd bahrschaften, in die
fünftehalb Tonnen goldeß werth, sollen
eingezogen, undt seine person in enger custodiam sein.
Jnterim; sol eine stargke confœderation
zwischen dem Könige in Hispanien, sampt allen
Jtaliänischen Printzen, wieder dem
Papst, undt König in Frangkreich, obhanden sein.
Jn Frangkreich, seye zwar die unruhe,
mit den Parlamentischen, zu Aix, undt zu Bordeaux
gestillet, alleine zu Paris, hette sich ein großer
streitt, undt unwillen erhoben, zwischen der
Königinn Regentin, undt dem Prince de
Condè, über vergebung der Amiralschaft,
welche der Printz, dem Düc de Mercüre, (dem
es die Königinn conferiret,) nicht gönnen
wollen, vndt darüber harte wortt gefallen.
Jn Frangkreich seindt auch die commercia
auf Engellandt scharf verbotten, Sonderlich
die außführung, der Engelländischen Tücher.
hingegen hat die neẅe Londische Re-
gierung bey hoher Strafe, scharf verbotten,
die commercia auf Frangkreich, insonderheit
aber, die außführung der Frantzen weine.
et cetera
General Cromwell, suchet, die Printzen Robert,
undt Moritz, pfaltzgraven, zu beschließen,
in die Jrrländischen Seehaven. Gott laße
Sie ia nicht, in seine hände elendiglich gerahten!
Er, undt Sein Gottloser Anhang, dörfte es ihnen,
sonst nicht beßer machen, als dem frommen Sehligen Könige!
Der hertzogk Christian Ludwig, von Braunschweig vndt
Lünenburgk, ist mit großer pomp vndt apparat
zu Lünenburgk in der Stadt, <(armirt mit 4 compagnien)> eingezogen,
vndt durch die armirte bürgerschafft,
entpfangen worden. Darnach, hat man
ihme solenniter gehuldiget. Diese Stadt,
pfleget sonsten, Privilegia vorzuschützen,
alß eine hanseStadt. Wolte vielleicht
gerne, frey sein, wie Hamburgk, wenn
Sie darzu gelangen köndten?
hj, non può, quel che vuol, quel che può, voglia!9
Nachmittags, bin ich mit Meinem Sohn
in die præparationpredigt, gezogen,
welche der Diaconus Jonius gehalten.
Gott laße unß würdiglich zu seinem
Tisch gehen! vndt halte daß heilige Abendmahl
in vnsern hertzen, alß mit seinen lieben
glaübigen kindern! Er vergebe unß, alle
unsere erkandte, vndt unerkandte Sünden!
mache vnß gnadenbegierig, Bußfertig, undt
Außerwehlet in Christo! durch krafft des heiligen Geistes!
<30 lerchen, Munschwitz.>
Avis: daß sehr viel trauben, in meinen wein-
bergen <voriger tage> erfrohren! Patientia! Patientia! Dominus dedit;
Dominus abstulit, sit nomen Dominj benedictum!10
Diesen vormittag, bin ich (nur mit meinen Söhnen)
in die kirche gezogen, haben der predigt zugehöret,
vndt daß dangkfest, auf die beschehrte erndte,
gehalten. Vnser hofprediger, Theopoldus hat
zum Text; den 147. psalm11 genommen.
Der heiligen communion, haben ich, vndt mein Sohn
Victor Amadiß beygewohnet, in zimlicher
frequentz. Gott lob! daß wir auch diesen
Gottesdienst, mit frieden, celebriren können!
Er erbarme sich, vnsßer ferner! undt laße
alles, zu unserer Sehlen Sehligkeit, ge-
reichen! undt gedeyen!
Nach verrichtetem kirchengehen, ist der
hofprediger auch zu Meiner Schwester,
vor ihr Siechbette kommen, undt hat aldar
einen kleinen Sermon gethan, undt der
Schwester Liebden wie auch, der AltFraw
Mariæ Kindin, undt etzlichen Mägdlein,
das heilige Nachtmal, administriret. perge
Der gedachte pfarrer, hat auch heütte von der
Cantzel abgekündiget, die neẅe ordnung,
so ich in Ecclesiasticis, deß Consistorij halben,
gemacht, oder viel mehr die allten guten ord-
nungen, renoviret. Gott gebe darzu, seinen
Segen! glügk! undt gedeyen! Zur erhaltung
seiner kirchen, vndt der warheitt, vndt
zum aufnehmen der undterthanen, undt
pfarrkinder, in kirchen, undt Schulen!
Die darzu deputirte personen, seindt:
1. Er Plato Superintendens, vndt pfarrer
in der Allten Stadt alhier, welcher daß Di-
rectorium im consilio consistorij, zu führen.
2. Theopoldus hofpre[dige]r, undt pfarrer vorm berge.
3. Geörge Richardt, Amtmann, undt Stadt-
vogtt alhier.
4. Magister Enderling pf[a]rrer in der Neẅstadt.
5. Andreas Hesius [Vicar] vorm berge, undt
Rector Schol[æ, alhi]er.
Sie sollen in vorfallenden sachen, di (wie ihre be-
stallungßpuncta besagen, sonderlich in matrimonial-
sachen, lehre, leben, undt wandel, geistlicher, so-
wol als welttlicher personen) zu diiudiciren haben,
iedoch in wichtigen zweiffelhaftigen dingen, undterthänig(st) referiren.
Extra zu Mittage, den hofprediger gehabtt.
Nachmittagß interim mit meinen Söhnen,
in die predigt, des caplans Jonius. perge
Richardt der Amptmann, hat sich auch præsentirt
undt allerley zu referiren gehabtt, vndter
andern, wie gestern ein Quartiermeister vom
graven Magno, zur execution herkommen?
Ach Gott! mache des treibens, ein ende!
Diesen nachmittag, vor Abends, hat sich ein
unglügk alhier, in der Sahle zugetragen,
in deme deß landrichters, Davids von
Bergen, pferde, (so waßer zum brawen,
führen sollen) zu tieff in das den aufge-
wachßenen St[e]gen, mit den vollen
knechten, gekommen, die zweene hindersten
schönen pferde, (deren eines trächtig gewesen)
seindt baldt ersof[fen,] daß dritte hat sehr
gearbeittet, bi[s zu dem] Todten pferde,
mit wagen, vndt faßen, auß dem waßer
gezogen, undt sich noch muhtig gerettet,
den knechten, seindt die Fischer, zu hülfe
gekommen. Man iudiciret vngerne ab eventu
|| [[Handschrift: 216r]]
gleichwol hette man den Sabbath des herren,
recht freyen, auch die Thü Thiere ruhen laßen,
undt die Menschen, sich nicht volltringken sollen.
Jst dem Bergen, ein großer Schade!
Avis: vom OberEinnehmer, Johann von Berge,
daß Graf Magnus, mit dem AssistentzRaht
Eschken, nicht gar wol stehe, undt baldt zu Leip-
tzigk, anlangen werde, auch müßte die
4te. vndt 5te. million vorhanden sein, wolte
man sich anderst redimiren, von der einquar-
tirung deß winters? ChurSaxen, hette
es schon gewilliget, sein landt zu liberiren,
oder sein abgesandter, der General Major Trandorf.
Zu Nürnberg überliffen die Officirer
gewaltig, den Pfaltzgraven, undt wolte ein
ieder fast assignationes haben, oder mit einem
großen beüttel voller Ducaten; expediret
sein. Er, der Generalissimus wehre auch destwegen
nacher Winßheim zu[m] [C]hurfürsten von Heidelbergk
gezogen, mit General Wrangeln, sich ein wenig
vor der importunitet, zu absentiren.
Fürst Augustus ermahnet unß, in einen Sawern apffel
zu beißen, die subditos zu animiren, undt auß der noht,
eine Tugendt zu machen. et cetera Patientia!
Montag☽ den 24ten: September <böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ> 1649.
<4 hasen, Viktor Amadeus Fürst zu Anhalt 25 kleine vogel.>
<5 lerchen, etzliche ex infimis.>
J'ay eü, beaucoup de traverses, & dü Tin-
tamarre, en mon Oeconomie.
J'ay taschè de redresser, les desordres.
Mein Sohn Victor, ist hinauß, nacher Grähna,
hetzen geritten, undt hat 4 hasen gefangen.
Man hat heütte wieder 1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: rogken, zu Prö-
deritz, geseet. Gott laße es wol gerahten undt
zu vnserm gesegnetem genoß, gedeyen!
Dienstag♂ den 25. September.
<Von Ballenstedt 1 Rehe 2 hasen. 2 Schockßo: 58 groß vogel. 2 fette hammel.>
<11 kleine vogel hic.>
Mit den Leiptziger avisen, werden die Erffurter
confirmiret, vndt stehet noch mehr da-
rinnen: daß die Jrrländer zwar trium-
phiret, über der Ormondischen Niederlage[.]
Sie seye aber so groß nicht, alß man Sie
gemacht. Selbiger Marquis hette noch,
in die 2000 Mann, auf den beinen.
General Jreton vn[d]t Cromwel hetten
auch noch zur Zeit, [i]n Kingsale
wieder Pfaltzgraf Robert, nichts anhaben
können. Das Schottische Parlament,
wehre uneinig. Die Commercia
|| [[Handschrift: 217r]]
zwischen Engellandt, undt Frangkreich,
wehren aufgehaben12.
Zu Aix in Provence ist alles verglichen. Zu
Bordeaux aber, wehre der Düc d'Espernon auf
der Garonne, von den Bourdegalois,
mit hülfe 6 Engelländische Schiffe, totaliter
rujniret vndt geschlagen worden. Selbige
rebellion währet noch, iedoch, verhoft man
sie, mit nachgebung der schwehren vflagen,
baldt zu stillen. Zu Paris ist große
Theẅrung, der Cardinal Mazzarinj
aber, will von Dantzigk getreydig
dem volgk in abundantz zuführen laßen.
Zu Lüttich, hat der Churfürst von Cölln, den
Bürgemeister[!] Hennet, nebenst seinem
diehner, undt noch zweene andere bürger,
(alß Rädlinßführer) enthaüpten, die
ketten von den gaßen der Stadt, hinweg
nehmen, vndt eine cittadella aldar an-
zulegen, befehlen laßen.
Die Staden wollen 10000 Mann, in Brasj-
lien schigken, wieder die Portughesen. Sie
haben etzliche Schiffe, an der Seekandte, vndt in der Maaß
durch unglück verloren, andere aber reichbeladene ex Indiis, bekommen.
Ein Engel sol erschienen sein, unferrne
von Londen, in gestaltt eines kleinen kindeß
wie von 2 Monden ohngefehr, alttt anzusehen.
Alß man daßelbige gefunden, undt
mit Milch etwan gespeiset, hette es an-
gefangen zu reden, vndt zu sagen:
Dieser König Carolus 2. würde
über 3 iahr recht herrschen in Engel-
landt, undt wol regieren, würde auch
etzliche Schlachten wieder die itzige
Parlamentarische gewinnen, vndt
diese neẅe Regierung würde nur
drey iahr lang in esse bleiben, dar-
nach zergehen. Jhrer viel, welche den
frommen König Carolum 1. gottloser-
weyse, ermordet, <vndter 97 Seiner Feinde> würden keines guten
Todeß sterben etcetera <durch Gottes Rache>[.] Alß dieser alles,
der Engel, in gestaltt eines kindes ge-
redet, in einem dorf Hervors genandt,
(dahin ihn die landtleütte gebracht, undt
mit etwaß Milch, aufgequickt hatten
wollen) undt an vorige stelle, auf ein großes
|| [[Handschrift: 218r]]
Feldt, da es vorhin gewesen vndt anfangs
erschienen, wieder gesetzt worden, hat es still
geschwiegen, undt ist verschwunden! Es
hatte auch gesagt, im selbigen großen felde,
würde die letzte hauptschlacht, über drey
iahr, geschehen, undt von den Parlamentarischen verlohren werden.
Tempus demonstrabit veritatem rej!
Die rechte handt des höchsten, kan alles en-
dern, undt die gerechtigkeitt, an Tag bringen!
Von Nürnbergk, continujren die erfolg-
ten subscriptiones, undt Freẅde über den
Frieden, den unß Gott erwüntscht geben wolle.
<4 musicanten zu Wien, haben an 42 maß wein, sich zu
tode gesoffen, bey verbottenen Freüdenfesten.>
Schreiben von Croßen, undt Leiptzigk. et cetera
Extra, ist der capitain leütenampt Ayrer, vndt
Schwartzenberger gewesen, welchen letzten, ich
nacher Ballenstedt zu schigken, gesinnet bin, von
wegen der eilig geforderten satisfactiongelder
undt in andern Oeconomicis.
Schreiben von meines Cammerpagen, Geörg Friederich
von Künspergk, vormündern, alß Joachim Christoff
von Segkendorff seinem Großvatter, undt hanß
Philips Geüder, entpfangen, wegen seiner erlaßung.
<36 lerchen, Wartemsleben, Andres küchenschreiber und 1 vorreütter.>
<57 kleine vogel Ernst.>
Eilender avis von Plötzkaw, daß Fürst Augustus den
Obrist Leütnant Micrander, nacher Sanderßleben ge-
schigktt, undt die Artollerey <von Erfurdt her> 380 pferde, be-
gehrt, wollen auf Sanderßleben undt Staß-
furth gehen, undt vielleicht alhier über.
Man fördert alhier viel pferde, von Mir.
Jch hoffe aber, Plötzkaw, Sanderßleben, undt
Warmßdorf, werden auch, daß ihrige, bey
der Sache thun. Gott gebe es! undt daß
keiner den andern, überfortheile! Den
Sonnabendt, (wilß Gott) sollen Sie nacher
Staßfurth kommen. perge
Ern Jonium, habe ich, bey mir, gehabtt. perge
A spasso, vormittages, an Tham13. Disordinj[.]
Jch habe geschrieben, nacher Cöhten, an Meinen Brudern.
Die Neẅe AltFraw Catharina Böhminn,
eines pfarrers auß der pfaltz exulantens witti-
be, undt eines pfarrers Colerj14 Tochter, hat
sich præsentiret, weil die vorige, Maria
Kindin, nicht mehr forthkan, wiewol ich
Sie auf ihrem Siechbette, nicht zu ver-
laßen, gedengke!
Meine peiniger, die elltern herrnvettern,
addressiren mir wieder tediosa, in landschaftsachen.
<1 Schockßo: lerchen, Ernst Mußketier cum socijs, darundter 4 heydelerchen perge diese nacht mit dem streichneze.>
<45 kleine vogel hodie Ernst.>
Oberlender, so gestern Abendt, mit 2 faß
Zerbster bier, wiederkommen, berichtet,
daß in 3 wochen, Fürst hanßens Liebden
von dero beylager wiederkommen, undt
anlangen werde. perge
J'ay Rèscrit, a Berlin, & Crossen.
Mein Bruder, Fürst Friederich, ist anhero gekom-
men, repaßirende von Cöhten, (alda der zustandt
mit dem herrnvetter Fürst Ludwig, noch Gott lob, vndt
dankg, gebeßert sein soll! Gott verleyhe
erwüntzschte continuation!) vndt nachmittags
ist er wieder forth nacher Plötzkaw, weil er
wegen allerhandt geschäfte, vndt besorgender
durchzüge, auch anstallt seines dangk-
fests, vndt communion, gegen beyde feyer-
tage dieser zeitt, sonderlich auch wegen Seiner
bevorstehenden rayse in die Grafschafft zu
Naßaw, vor winters, zu eylen. perge Gott
gebe, zu glügklichen forthgang; vndt succeß?
Bey meinem bruder, wahr, ein <Christian> Röder, undt
ein <Friderich> Börstel, von Edelleütten.
Ernst Dietrich Röder, hat sich diesen
abendt auch eingestellet. Jst zum
Commissario verordnet, wegen der artolle-
reypferde, so durchpaßiren möchten. perge
Diesen abendt, seindt 27 pferde,
meiner freundlichen herzlieb(st)en gemahlin, Liebden zugekommen,
durch beförderung deß Pierre de la
Cave, Churfürstlich Brandenburgischer Stallmeisters,
undt leibguardij hauptmanns, im
Preüßen. Daß Stügk hat kawm
8 ReichsthalerRthlr: gekostest. Seindt Littaw-
ische pferde. Die zeüge kosten wenig,
weil das leder wolfail. Jn Summa:
mit zeügen, <zehrung> undt allem, seindt kawm
100 ThalerThlr: einen so weitten weg, darauf
gegangen. perge
Hò saputo molte furfanterie, e furba-
rie. Jl Nostro Salvatore Domenedio, pagi glj authorj,
secondo i meritj loro!
<41 kleine vogel Ernst vogelsteller, vndt 17 heydelerchen. et cetera>
Avis: daß die FrawMuhme von Krannich-
feldt, sehr Malade seye. Gott beßere ihrer
Liebden zustandt, undt aller klagenden!
Wir haben heütte, die pferde, auß Preüßen,
besehen. Es seindt Littawische pferde, 6 gelbe,
6 Rohtschimmel, 7 Füchße, 8 Maußfahle,
diese 27 hat meine freundliche herzliebste gemahlin gekauft,
darzu ist noch ein Räpplein mitgegeben worden,
so Monsieur de la Cave, meinem iüngsten Sohn, Carolo
verehret. Diß wehre außer der ordnung, das 28ste.
Sie seindt fein bey leibe, dawerhaftig, vndt
sollen doch in langer zeitt, kein futter bekommen, haben,<sondern>
nur heẅ vndt stroh gefüttert haben. Vndterwe-
gens, hat man sie in die weyde geiagt, undt groß
freßen laßen. Meine freundliche herzliebste gemahlin, hat
mir einen Maußfahlen [...]enger, darvon geschengkt. et cetera
heütte gehet d[ie w]einlese ahn, im Ader-
stedtischen berge. Gott gesegene Sie unß.
Es wirdt auch ferner, mit der rogken:
vndt winterSaht, continuiret. Gott wolle
alles wol gerahten! undt <es> unß genießen laßen!
Vnterschiedliche avis, von Plötzkaw, wegen
der artollereypferde, bekommen, wie auch: cose
nojose, wegen des Christian Börstelß,
deßen sache man noch nicht ungetadelt
laßen, noch meinen excuses, in Gallens
zehenden Sache, deferiren will.
Die avisen; von Erfurdt, geben:
daß zu Nürnbergk, alles richtig seye!
Jtem: das die holländer, eine alliance,
mit Dennemargk, geschloßen,
auch, wieder Portugall <vndt Brasilien>, armiren.
Jtem; daß jn Frangkreich, das feẅer
der empörung, noch glimmet.
Jn Jrrlandt hette Cromwell nicht so
viel außgerichtet, alß man sich imagi-
nirte, undt fünde großen wiederstandt.
Jn Jtalien, wehre eine heimliche
liga, aller Jtalienischen Fü[rs]ten, (deren haupt,
Florentz wehre) w[ider] Frangkreich,
undt den Pabst, ge[schloß]en, denen Genua,
die Schweitzer, vndt Grisoner, assistjrten. perge
Zu Napolj, continuirte das blutgericht,
des ViceRè, wieder große, undt kleine.
Jn Polen, hette der König schlagen müßen, undt
kawm den dritten Theil, seines volgkes dar-
von gebracht, viel hohe personen, Officirer
undt Tapfere leütte verlohren, undt alles
gewilliget, undt eingegangen, waß die
Cosagken begehret. Ob zwar auch solches,
cum consensu Senatorum, (welche beym
Könige im felde gewesen) beschehen,
So hat doch der Adel in Polen, solches
improbiret, undt in den accord nicht gewilli-
get. Der Große Cham[!] auß Tartaria
sol auch <persönlich> anwesendt im läger, sein, undt
mit den Cosagken, in die 300000 Mann
beysammen haben. Die Polen, haben im
Felde, mit ihme tractiret, undt der
große herr, mag hart geredet haben,
in seinem gezelte, mit dem Pollnischen Fürsten
Osolinsky, welcher zu ihm, geschigkt gewesen.
Die Venediger, werden kleinlautt,
suchen assistentz, wollen den Spanniern,
zweene haven in Candia einraümen, undt
die Jesuiter, vor eine Summa von 300000
Ducaten, (den avisen nach!) wieder einnehmen. perge
Die Holländer, sollen viel Schiffe, durch un-
glügk, vor Schevelingen, undt in der
Maase, verlohren haben, auch sonsten
in Brasilien, wieder geschlagen sein.
Die Schwedischen Regimenter werden
theilß abgedangkt, theilß reducirt,
undt die Artillerie, abgeführet.
Duca di Parma submittirt sich, dem Pabst.
et cetera
hertzog Ernst von Gohta, schreibet mir,
daß ihn Gott mit einem iungen Sohn,
durch gesegnete Niederkunft Seiner lieben
gemahlin, abermalß erfreẅet.
Gott gebe ihm zu glügk! undt gedeyen!
<18 lerchen. 52 groß vogel von Ballenstedt 1 Rehe. 1 Schockßo: klein vogel.>
Avis von Plötzkaw, daß graf Magnus Gabriel
de la Garde, begehrt, man solle die Seümigen
Communen <ihm> anweisen, damitc nicht der
Schuldige, mit dem unschuldigen leyden
müße. Erinnert derowegen Fürst Augustus man
solle sich vor Schimpf, und Schaden hüten, undt
die satisfactions, vndt andere gelder fleißig exigiren.
et cetera
Jn die kirche heütte vormittags, conjunctim.
Extra zu Mittage, der capitain leütenampt
Ayrer, undt der hofprediger, neben Rödern.
Nachmittags, wieder in die kirche, singillatim.
Avisen auß Preüßen, vom Wirgker, daß der
Moßkowiter, wieder Schweden den krieg
angekündiget habe!
<6 Eimer, 3 m: wein, auß dem Aderstedtischen berge.
1 Eimer (Hohlmaß für Flüssigkeiten)Eim: auß dem
kleinen weinberge.>
Sonntag☉ den 30ten: September 1649. böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ
<45 kleine vogel. 15 heidelerchen. vormittags.>
Jn die kirche, conjunctim
vormittages.
Extra zu Mittage, der Capitän leutnant Ayrer. perge
Avis: daß 7000 Centner bagage, anzu-
führen seyen, undt über: 1300 pferde,
darzu vonnöhten. (O Suecorum onus!)
Nachmittags, seindt Meine Söhne, zur
kirchen, in die Nachmittagßpredigt, gezogen.
perge
Diesen abendt, vor eßens, ist ein groß
loch, in der Apoteke, ejngefallen, da
eben Jungfer Wirleben, gestanden,
undt schon den Ejnen fuß hinundter gehabt,
auch einen übelen fall hinundter thun sollen,
wann nicht Gott der herr, Sie noch erhalten.
et cetera
