Sonntag☉ den 1. September 1650.
<18 lerchen, undt 1 wachtel Ludwig Rober, cum sociis, gefangen.>
heütte ist Ægidijmarckt, alhier zu Bernburgk.
Jn die kirche conjunctim, vormittages, gezogen.
Nachmittagß seindt Meine Söhne, undt Töchter,
auf den iahrmargkt gezogen.
Extra: wahren zu Mittage, die Fraw Rindtorfinn,
der Ernst Dietrich Röder, der iunge Einsidel, Tobias Steffeck von Kolodey[.]
Jch habe ein leichtfertig schreiben, wegen hanß Ernst
von Börstel, undt seiner Frawen, bekommen,
weil er auf die Sache, mit seinem Schwager, sehr
alteriret ist. Gott dempfe, alle Meine feinde! undt
feindinnen! undt confundire ihre boßhafte consilia!
Ein Rittmeister1, mit 45 pferden, von Douglaß, ist
gegen abendt, ankommen, begehret quartier. Jch habe
den Ober Commissarium Röder, zu ihme geschicktt,
undt ihn persuadiret, weitter zu gehen. Dörfte
heütte, auf einen dorf, oder flegken, gegen Ascherß-
leben zu, logiren. Zu Ascherßleben, will er, seines
Generals, des Douglaß, (Deßen beyde Söhne, er
bey sich hatt) erwartten. perge
Gegen abendt, ist Röder wiederkommen, mit bericht,
daß die trouppe zu Güsten, quartier genommen,
undt gute Ordre gehalten, auch sorgfeltig gewesen.
Sie haben ihre resolution geendert, wollen nicht auff
Ascherßleben, sondern auf Quedlinburgk zu, gehen.
<6 hasen, Viktor Amadeus gehetzt.>
Ein Stummer, undt Tauber Mensch, auß dem Ampte
Wiesenburgk, ist gestern bey unß gewesen, welcher
mit geberden, undt andeütten, so viel zu verstehen
gegeben, daß er vorm iahr, den heyl: undt gesundt-
brunnen zu hornhausen, vergeblich gebrauchtt. hat
sehr geseüftzet, undt wehemühtig gethan, über
seinen elenden zustandt, undt alß man ihm, (nach
befundenen richtigen Testimonio) eine gabe, mitt-
getheilet, ist er auf die knie, niedergefallen, vorm
SchloßThor, hat nach dem Schloß zu, gesehen, undt
mit geberden, zu verstehen, gegeben, daß er Gott preise-
te, undt unß viel Segen wüntzschete. Er war
sonst fein gekleidet, schiene über 40 iahr altt, zu sein
undt stalte sich nicht unvernünftig ahn, undt ist bey
den Lutheranis, zum heiligen abendmahl, admittiret worden,
welches aber von den unserigen, improbiret wirdt.
Fides est, ex auditu. Ein Tauber mensch, kan nicht hören.
Undt ob zwahr, Gott der heilige Geist, auch in den kindern, undt
unmündigen, wirgken kan, so ist doch solches übernatür-
lich, undt der Allmacht Gottes, vorbehalten! Folget
darumb nicht, das man den kindern, undt Sinnlosen,
das nachtmal reichen soll. Vhrsach, dann Sie können
sich nicht prüfen, noch undterscheiden den leib des herren,
Ein Stummer, kan auch nicht sein glaubensbekendtnüß, von sich sagen,
|| [[Handschrift: 164r]]
da Paulus sagt, 1. Cor: 102 eben bey der institutione Cœnæ:<handlung vom Nachtmal:>
Alß mit den klugen, rede ich, Richtet ihr, waß ich sage3, etcetera[.]
Jtem: Welcher unwürdig ißet, undt Tringket, etcetera[.]
Wie kan sich ein kindt, oder Sinnloser, recht prüfen,
so er kein rechtes erkendtnüß Gottes hat. Der
glaube kömbt auß dem gehör, das ist der weg,
den unß Gottes wortt, hat vorgeschrieben, es
seye dann sache, das auch der heilige Geist immediate
undt miraculose, (wie in Sankt Johanne Baptista
in Mutterleibe geschehen) wirgken wolle, <welches wir Menschen also eigentlich nicht wißen können.>
Non privatio, sed contemptus Sacramentorum damnat:
Ob schon solche leütte, die heiligen Sacramenten weder
recht verstehen, noch gebrauchen können, so dürfen wir
darumb sie nicht verdammen. Gott kan ihrer
Schwachheit gnediglich aufhelffen, mit ihren ge-
brechen, wirdt er auch gedultt haben, der gühtige
fromme vater, undt nicht mehr von einem solchen
armen elenden Menschen fordern, dan<als> ihm gegeben
ist, der herr Jesus, wirdt vor ihn behten, bey seinem
himmlischen vater, (wie die Christliche brüderliche
liebe hoffet) der Heilige Geist, wirdt ihn vertretten,
mit unaußsprechlichen Seüftzen. Derenthalben
aber, sol man <dennoch> mit den heiligen Sacramenten, nicht liederlich
spielen, undt die ordentlichen, von Gott vorgeschriebenen media,
der wahren prüfung, gleichsam vernichten, undt verwerffen. et cetera
Mein Sohn Victor, ist hinauß hetzen geritten, undt hat
Sechß hasen eingebracht.
Jch bin auf die krähenhütte spatzirt, undt habe nur
einen Sperber, zum Schuß haltende, gesehen. Die Büchße
hat aber auf ihn versaget.
Extra zu Mittage, ist Doctor Brandt der Medicus bey unß gewesen.
Referiret von dem v̈blen zustandt, der Fraẅ Muhme zu Cöhten.
Gott wolle es, zu bäldister beßerung, schigken!
Schreiben vom Berlin, von der Churfürstlichen wittiben, das ein Am-
bassador4 auß Siebenbürgen, aldar gewesen, et cetera[.]
Der Großcantzler in Polen, wehre an der schwehren Noht ge-
storben. Alß derselbe seine Andachtt, vor einem bildt
gehalten, wehre ihm Königs Sigismundj Scepter auf den
halß gefallen, welches er, vor ein böses omen gehalten,
wie auch das es in währender seiner krangkheitt, so große
Sturmwinde gegeben. Die iüngstgeborne Pollnische
Princeßinn, ist getaufft, heißet Marianna Theresia,
der König ist nach Littawen, auf die iagt, solle zu
waßer, auf Dantzigk, undt Thoren, gehen, wann die
6 wochen, der Königinn, vorbey, Man meinet auch, er werde
in Preüßen, kommen, der Oberkämmerer ist von Eger, wieder-
kommen, befindet sich wol nach dem Sawerbrunnen. et cetera
Der Kayser, hat noch viel volgk, auf den beinen, wieder
den Türgken, über 15000 Mann. Der Pfaltzgrave Genera-
lissimus sol schon zu Wißmar, angelanget sein.
Die Leiptziger Ordinarien, melden: daß zwar beyde parteyen
die Engelländer undt Schottländer gegeneinander eingebüßet, iedoch
wirdt in einem Post Scriptum avisiret, der Cromwell wehre totaliter
geschlagen, undt gefangen worden. Die gewißheitt, mit nechstem!
Die pest sol auch in Engellandt, grassiren, neben dem kriege.
Zu Londen, vergreifft man sich, ie mehr, undt mehr, an des
Königes bildt, undt an den Königischen. Man hat auch alle
Schotten, bandisiret.
Zu Stogkholm, werden zur Königlichen kröhnung, große
præparatoria gemachtt, mit Ehrenpfortten, feẅerwergken,
undt andern solenniteten, der ReichsTag aldar, gehet auch
noch forth, undt m[an] [antwo]rtett, mit [ve]rlangen, des Generalissimj[.]
Jn Frangkreich, [geh]et der [...], vor Bourdeaux scharf
forth, der Cardin[al] Mazzarinj, undt Düc d'Espernon seindt
sehr verhaßet. [hin]gegen, ge[het] die Spannische Reüterey
auß den Niederlanden, [...] Frangkreich, hineyn,
macht gewaltige beütt[en.] Der Ertzhertzogk, undt der
Visconte de Türenne, nehm[e]n, Stä[d]te, undt flegken, ein.
Porto Longone, [ist] numehr S[p]annisch, undt sollen diese, in die
10000 Mann, davo[r] [v]erlohren [h]aben, <au[ch 1]400000 Crohnen gekostet> die Spannier, trachten
numehr, die Fran[tzose]n fern[e]r, auß Jtalien, zu veriagen.
Zu Napolj, hat man in einer Nacht, eilf Spannier Todt gefunden,
auf den gaßen, undt die Banditen vf dem lande, seint noch nicht
alle gestillet.
Der Venezianische General, Gil de haaß, tummelt sich, in Albania, hat die
VorStadt vor Castelnovo abgebrandt, die außgefallene Türgken
|| [[Handschrift: 165v]]
wieder hineyn geiagt, auch die umbliegende dörffer, außge-
plündert. Jnmittelst stärgket er sich, zu wichtigeren impresen.
Jn Candia, sol der General Mocenigo, den festen Posto,
zu Sankt Todero, recuperiret haben.
Jn hollandt, manutenirt der Printz von Uranien, seine
authoritet, mit verenderung der bürgemeister, undt mit
moderation der cassation der compagnien. Sonst laßen
die Staden, schleünig 26 große OrlogßSchiffe, mit Acht
Jagten, wieder Portugall, außrüsten. Man sagt: es
solle Leonhardt Tromp5, darüber general werden, weil
der ViceAdmiral de Witte, so p[rop]ria authoritate
von den Holländ[e]rn, unle[ngst] [au]f freyen fuß, gestellet
worden, numehr aufß neẅ[e] g[lei]ch wieder eingezogen.
Chur Cölln befindet sich sehr [un]päßlich. Chur Pfaltz,
hat das Schloß Alßhegen6 [] ersteigen, undt die darinnen gele-
gene, Turennische 3 []ten, herauß schaffen laßen.
Die heßischen völgker, e[va]cuiren OstFrießlandt,
undt das Stift Münster. [Al]so schicket sichs überall zum frieden.
Erfurdt, wirdt auch eva[c]uiret.
Duc d'Orleans gemahlin, ist zu P[a]ris, eines iungen
Printzen, genesen, darüber er [] froh worden, das er
an der pfortte seines Pallasts, 12 faß wein lauffen,
undt feẅerwergk spielen laßen. Ein nativitetensteller,
hat sich auch herbey gemacht, undt gesagt: diß kindt
habe, in seinem Ascendenten, die Sonne in Leone gehabt,
|| [[Handschrift: 166r]]
welches die Astrologj, vor daß glügklichste Zeichen halten,
darüber ihm der hertzogk 25 Crohnen verehret.
Zu Paris, fängt es ahn Theẅer zu werden, dahero der pöfel
rebelliret, undt ruffet: Friede, friede!
<Zu Madrill seindt die zum Tode condemnirt, welche den Englischen Parlamentarischen Agenten <umbgebracht>>
Zu hamburgk, werden die Turennische werbungen
verbotten, hingegen geben des Königes in Frangkreich
leütte gute vertröstung, den Soldaten, daselbst.
Von den Englischen werbungen, wirdt es aldar wieder Stille.
Man ist auch, im wergk beriffen, in kurtzem
aldar das friedens:dangkfest zu celebriren, undt
Feẅerwergke, salve schießen, etcetera anzustellen. perge
Zu Wien, seindt die Ungarischen Stände, sampt
ihrem Palatino, bey Kayserlicher Mayestät deliberiren, von
abschickung des Freyherren Schmidts, nach Constantinopel,
undt das man in die 2000 flegken, undt dörfer, (so der
Türgke, wieder die Friedenßcapitulation dem
Römischen Kayser, in Ungarn, abgenommen) wieder fordern,
oder den Türgkischen Gesandten7, welcher schon zu Ofen,
angelanget, nicht annehmen, noch, nacher Wien laßen
solle, item: vom vndterhalt der 12 oder 15000 Mann
in Ungarn, wieder den Türgken, wirdt auch delib[e]riret.
Die Sultzbachische Sache, zu Nürnberg, sol mehrentheilß
richtig, undt der Duca d'Amalfij, zu seiner abrayse, von
dannen, in procinctu sein. perge
Dienstag♂ den 3. September 1650.
<8 lerchen, Mein Sohn Viktor Amadeus mit Tobias Steffeck von Kolodey undt Krosigk von Alßleben, gestrichen.>
Avis: das die Eptißinn von Quedlinburg (welche zu Plötzkaw
gewesen) wieder hinweg ist, gleich wie die Gräffin
von Manßfeldt, geborne von der Lippe, (welche mit
ihrem herren, bey der Fürstin zu Cöhten, gewesen) wieder
zurügkeb gewandert ist.
heütte zu Mittage, hat unser Jahrmargkt alhier
zu Bernburgk, ein ende, undt ist zimlich gut gewesen. perge
Mit Schwartzenberger, undt postea, mit dem
Amptmann, conversiret, von allerley nöhtigen anstallten.
Nel giardino, come hierj, con Madama.
Jch bin an die Schleüse, gefahren, undt besehen, wie die-
selbige, von den Neẅen Bawmeistern, sol erbawet werden?
Gott gebe, zu glügk! undt succeß! Segen, undt gutem gedeyen!
heütte geschicht die huldigung zu Cöhten, undt ich bin glejch-
wol alß ein naher Anverwandter, undt executor Fürst-
väterlichen Testaments aldar, von den vormündern,
nicht darzu citiret, ersucht, oder beschrieben. Patientia!
Ayant estè fort inquitè hier tout le jour,
pour quelques dèsplaysirs receüs de Martin Hanckwitz8[,] item:
pour dès parolles & ris indecents, de Charl Ursinus9[,] item:
a cause dès meschancetèz & mauvais
services de mes lacquays & trompettes
|| [[Handschrift: 167r]]
& pour d'aultres pensèes affligeantes, & troublantes
mon repos, & qui me firent mürmürer avec impacience,
je songeay ceste nuict, d'avoir conversè fort fami-
lierement, avec les gens de l'Empereur sür tout, avec
le Conte de Trauttmanßdorf, lequel m'auroit
beaucoup confiè, & se plaint, de n'avoir frequentè
de si long temps, la Cour Jmperialle, & poussè ma
fortüne, a laquelle, il m'auroit bien voulü ayder.
Qu'il voyoit bien, que ie serois trop mèsfiant,
& n'aurois nülle confiance, nj en luy, nj en per-
sonne de ceste cour, contre mes propres commoditèz
l'Empereur devenant maintenant, sj absolü, qu'il
n'auroit jamais estè, opülent, & riche, &cetera
& m'estoit plüs affectionnè, que je ne le pensois,
ni pouvois croyre. Ce Conte comme aussy le Ba-
ron Gaspar de Starhemberg, & plüsieurs autres
Chambellans, de l'Empereur voyagerent avec moy,
quasi par toutes les Provinces de l'Empereur me
traitterent, au mieux qu'ils pouvryent
par l'Austriche & la Boheme, mangerent avec
moy, & me firent bien coucher, le Conte de Trautmansdorff
mesme me presentant dès linceux pour dormir, &
les accommodant sous dès chaires, & escabeaux, m'ap-
portant aussy, ün gobelet de Vin, pour boire, & mes Cousins
de Plötzkaw, Ernst Gotlieb, avec Jmmanuel, & mon fils Charles eüssent estè avec.
Et Charles avec Jmmanuel auroyent fait üne
vilaine cacade, au beau millieu de la chambre,
ou ie dormois, avec ces Seigneürs Jmperiaulx,
dont j'aurois eü honte, avec eulx. Ce songe
cependant, ne me denote pas grand bon heür,
en ce monde, ains plüstost mortalitè. Dieu nous
vueille bien preparer, aussy bien, aux adver-
sitèz, Croix, & afflictions, voir a la mort
mesme, & a chasque espece, de tribülation,
qu'aux prosperitèz fleürissantes de ceste Vie!
Je le prie qu'il me pardonne mes pechèz,
mes impacienses, & mes mürmüres, & les
peschèz dés miens, pour l'Amour, de son fils Üni-
que, nostre doux Saulveür, Jesüs Christ, Amen!
Jn die kirche, conjunctim, am heüttigen BehtTage.
Extra: Zu Mittage: die Rindtorfinn, Doctor Mechovius,
der iunge Einsidel, Tobias Steffeck von Kolodey undt Röder, so lange er alhier
verbleibet, alß Obercommissarius zu den völgkern.
Heinrich Jordans, hat ein langes Schmierament
eingeschickt, wegen seiner curandin, der Börstelin10
zu hoym, mit vielen widrigen Protestationen. perge
Je trouve, de la jalousie a Plötzkaw, touchant
l'èsclüse nouvelle, qu'on bastit. Virtutis Comes; JnVidia.11
<25 lerchen, Großer Kersten, hans Eckardt, und Michel lackay, aufm lerchenstreichen.>
Avis: daß Douglaß vorüber, ist, undt daß
er hoym, undt Rheinstedt, berühret habe,
iedoch mit guter ordre. Also ist Gott lob, das eüßerliche
krieges feẅer, dißmal gedempft. Gott helfe ferner in gnaden.
Schreiben von Fürst Augustum wegen der Schleüße,
darauß Jnvidia zu spühren, item: wegen des
dangkfests conformitet. etcetera
Die verleger, seindt heütte wiederkommen. perge
Gott gebe succeß zum Neẅen Baw!
Extra zu Mittage, den Caplan Jonium gehabtt,
nach dem ich mit ihme, von Politicis, undt Ecclesiasticis, conversiret.
et cetera
Fürst Augustus, ist heütte, alhier, wieder durchpaßiret,
nach dem die Erbhuldigung, solenniter zu Cöhten abgegangen. perge
A spasso inß felde, mit Rödern, Rindtorf, undt
Tobias Steffeck von Kolodey nacher Zeptzigk; undt Palbergk.
heütte ist, in hüpschem wetter, die winter-
Saht angefangen worden, nemlich: 3 Schefel (Scheffel)schfl:
wintergerste, undt 1 Schefel (Scheffel)schfl: rübesaht, all-
hier zu Bernburgk. Gott gesegnene Sie!
undt gebe glügk! undt gedeyen! Friede, undt Eintracht!
Avis: daß der Douglaß zwahr gute Ordre, zu hoym, undt Reinstedt
gehalten, iedoch, viel vorspann begehret, über die 70 pferde, undt sich
beschwehret, daß man des Axel Lillie söhne, alhier, nicht aufgenommen.
<10 große vogel, undt 1 haselhuhn, von Ballenstedt>
Gestern abendt, ist der Oberste Risengrün, alhier gewe-
sen, hat berichtet, daß Douglaß habe bey Erfurdt,
4 Regimenter, so meütiniret, abdangken müßen,
undt habe sie, mit geldt, und abschieden, wol abgefertiget.
(3 Regiment zu roß, undt 1 zu fuß.) Er, der Risengrün,
hat ihnen, den Soldaten, auch recht gegeben, weil sie
schon außgediehnet hetten, das sie, alß freye deützschen,
auch des friedenschlußes, genößen, undt sich nicht,
alß Schklaven, in die Nord: undt Laplande, wer
weiß wohin? schleppen ließen, da doch, kein feindt,
in Deützschlandt, mehr vorhanden wehre, wieder den
sie fechten dörfften. Er hat auch sehr improbiret, die
Strenge, undt scharfe execution, so der Obrist Leutnant
Jsrael JsaacsSohn, an denen vom leibregiment, (wieder
gegebene parolle undt geschwohrnen Eydt,) gegangen,
da sie doch, vor ihrem feinde, nicht mütiniret gehabt,
sondern nur, umb ihre bezahlung, undt ehrlichen abscheidt,
angehalten.
Extra zu Mittage gehabt, Ernst Gottlieb, von Börstel, welcher
von Berlin, anhero gekommen, undt mit ihm conversiret,
item: mit einem iungen boht Bohne, welcher Regiments-
Schultze, undt Secretarius zu Ham ist.
Post mit Victualien von Ballenstedt[.]
Die Erffurter ordinarien geben:
Daß Cromwell von den Schotten gefangen, undt geschlagen seye,
der König wehre persöhnlich, bey dem Treffen gewesen, undt
darauff, in Schottlandt, gekröhnet worden.
Jn Frangkreich prosperirten die Spannischen, nebenst der ge-
fangenen Printzen, parthey. Die Spannischen streiften biß an
Paris hinan, fünden keinen rechten wiederstandt. Zu
Bourdeaux, wehre der Düc de Bouillon, zum Bürgemeister[!]
gemacht worden, undt thete waß er wollte. Die verbitte-
rung, würde aldar, ie länger, ie größer, zumahl da
eines theils durch hülfe der Spannischen, man die gefangenen
Printzen loß gemacht, undt den Cardinal Mazzarinj
abgeschaft haben wollte, anders Theilß aber, die König-
lichen, kein quartier hielten. Visconte de Türenne, würbe stargk.
Zu Amsterdam, fortificirte sich die Stadt, mit Außer-
wergken, undt wolte dem landfriede, noch nicht recht Trawen.
Vielleicht streiften Sie sich, auf heimliche anschläge, und correspondentzen.
Jn Catalogna, sieder die zeitung, vom verlust, Porto Lon-
gone erschollen, undt von der innerlichen Zwytrachtt,
in Frangkreich, wolte alles wieder Spannisch werden.
Die Spannier, offeriren dem hertzoge von Savoya ihre in-
fantin, wann er sich will zu ihnen gesellen, undt die Fran-
zosen, auß Jtalien, vertreiben helffen.
Jn Schweden, ist es numehr, mit der Krönung, undt
denen præparatpriis darzu, ein rechter ernst, undt es
sol der pfaltzgrave Generalissimus, (welcher überall
herrlich, tractiret wirdt, wo er durchzeücht, in NiederSaxen,)
|| [[Handschrift: 169v]]
auch noch darzu kommen, undt den festiviteten, beywohnen.
Jn Polen, ist man lustig undt content, so wol wegen des
getroffenen friedens, als wegen des iüngstgebornen,
undt getaufften freẅleins, wie auch in Curlandt,
aldar die herztoginn, eines iungen Printzen, genesen.
Alß der großcantzler in Polen, Osolinsky, seine
vorgehabte rayse, nach Rom, mit gewalt fortsetzen,
undt keine persuasiones dargegen, auch nicht vom
Könige selbsten, helfen wollen, ist er gählingen krangk
worden, undt an dem Tage, da er nach Rom, wallfar-
ten wollen, gestorben. Jst hochgehalten worden.
Das dem Düc d'Orleans zu Paris, ein iunger Printz,
gebohren worden, hat nicht allein, große freẅde
erwegkt, sondern auch vielen, die consilia also
verrügkt, das sie die selbigen, haben endern müßen.
Es continuiret, das der Porto Sankt Tudero, in
Candia, vom General Mocenigo erobert, undt die
vorstadt vor Castel novo in Albania vom Gil de
haaß außgebrandt seye, undt die Türgken in ihren
außfällen, etwas schaden gelitten hetten.
Es continuirt auch, daß der Römische Kayser, den
zu Ofen, ankommenen Türgkischen gesandten, nicht ad-
mittiren wolle, man restituire dann, Jhrer Mayestät
die in Ungarn, contra pacta conventa, abgenommene
flegken, undt dörfer, undt liberire die gefangene Christen.
Zu welchem ende, 12000 Mann, an die gräntzen, marchiren. et cetera
Die herren Staden dangken ab, 55 compagnien zu fuß,
undt 12 zu pferde, nach welchem vergleich, die ver-
arrestirten Magistratspersonen, undt andere, vom Printzen
von Uranien, loßgelaßen worden.
Der heßen Caßelische Gesandte, Krosigk
hat zu Wien, im nahmen seiner principallen, die
lehen, solenniter entpfangen.
Die reducir: undt abdangkung, der ChurSäxischen
völgker, gehet numehr auch, tapfer von statten.
General Douglaß, ist mit seinem Regiment zu pferde
undt Esquadron Tragoner, durch die grafschaft
Manßfeldt, undt förter marchiret. Die andern
Regimenter aber, so bey ihme gewesen, alß: Jordan,
graf Carll, Davaugour, undt Pier Anderson, haben
noch bey Uffenheim rebelliret, ihre Officirer, in freyem
felde umbringet, undt nebenst den satisfactions-
geldern, ihre Paßportten erzwungen, undt ist ein
ieder, seinen weg geritten. Daß Bülawische Regiment,
hat ebenfalß meütiniret, undt seindt etzliche 100
darvon gelauffen, der Oberste Bülaw, ist ihnen
kümmerlich, vf ein Schloß, entkommen, in 200 Muß-
ketirer aber, seindt bestendig blieben, mit welchen
gedachter Oberster Bülaw seinen marsch continuiren,
undt Douglaßen folgen wirdt. Die Schweden haben ihren
anschlag gemacht, zum wenigsten, ein 10000 Mußketirer in ihre
Plätze zu bringen, Solcher gestaltt aber, dörffte es ihnen
|| [[Handschrift: 170v]]
fehlen, undt ihnen kawm, 2000 folgen. Dem General Maior
Peykuhl seindt auch schon 200 mehrentheilß Preüßen,
durchgangen. Theilß so schon in Pommern gewesen,
haben sich wißen, außzuschnühren, undt seindt
dennoch durchgegangen. Andere laßen sich,
dergleichen zu thun, auch schon verlautten.
Der Hertzogk von Amalfij, soll in begleittung
vieler Cavaglierj, undt nach lösung aller Stügke
daselbst, von Nürnbergk den 28. Augustj, gegen
Regenspurgk, abgerayset sein, deme folgenden
Tages, der ChurSäxische General wachmeister
Trahndorff, und hernacher die Lünenburgischen undt
andere Abgesandten, zu folgen, willens gewesen.
Die annoch in Nürnberg anwesende, gehen
fleißig zu raht, bemühen sich, alles, zur exe-
cution, zu bringen. perge
<5 großvogel von Ballenstedt[,] 16 Pfund (libra)℔: lerchen, Viktor Amadeus Fürst zu Anhalt[,] Röder, Wartemßleben, præceptor[.] 7 lerchen, eine andere partie, Jochen, Geörge12 & gärtner13.>
Hier, i'ay fait accorder, nos Ecclesiastiques
assavoir le Ministre Aulique, avec son Chappelain, &
avec le maistre d'èscole, par ün debile instrument
c'est a dire par nostre Vieil tailleür, Clamor Knoche,
sans faire grand bruit, et èsclat, avec le
Consistoir. Ainsiy le bon Dieu, se sert dés petits
moyens, a fin de parfaire souvent choses grandes.
Je les appelle choses grandes, car ces dissensions
entre les Theologiens, donnoyent ün grand scandale
au peüple, & ceux quj sont èsloignèz de nostre Confession.
Et il sembloit, qu'ün esprit Vindicatif, & irreconciliable
pouvoit rendre la playe, en apparence, incürable.
Tant plüs doibt on rendre graces á Dieu, quj a fleschj
les Coeurs, par sa Toutepuissance, & bontè infinée!
A luy en soit la gloire eternellement!
Avis von Genff, daß der vortrefliche Theologus, Jo-
hannes Diodatj, schon lengst gestorben, undt seine schöne
Bibliotheca, umb, vndt vor 100 ReichsthalerRthlr: oder crohnen, neẅ-
lichst verkaufft worden. habe also auch an diesem Mann,
einen Treẅen vorbitter, undt guten gönner verlohren.
Sic fuit in Fatis!14 Er ist gleichwol ein allter verleb-
ter Mann, gewesen, welcher sein lebenlang, im wein-
berg des herren, fleißig gearbeitet, undt sein
Talent wol angewendet. Mein bruder Fürst Friedrich
ist noch irresolut, ob er länger aldar verbleiben,
oder forthwandern wolle? Die conversation
mehret sich, weil auch, ein hertzog von Wirtemberg,
ein Landgrave von heßen Putzbach, ejn herztogk
von Saxen Weymar, ein Marggraf von Baden,
aldar erwartett wirdt. Die hitzigen krangk-
heitten, wollen auch daselbst, graßiren. Viel leütte
zu Genff, (dem stylo der Republicquen nach) seindt guht
|| [[Handschrift: 171v]]
Parlamentisch, undt feinde der Monarchen. Der Cardinal
Mazzarinj verwirret gantz Frangkreich, (schreibt
mein bruder) undt es sol eine heyrath, oder conubi-
nat, zwischen ihme, vndt der Königinn, vom Pabst
bewilliget sein. Die religionsverwandten, werden
auch mitt, in diesen krieg, verwigkelt. Gott
wolle sie bewahren, undt sein haüflein, erhalten!
Es wirdt besorget, es dörfte über diesem kriege,
die Stadt Genff, mit dem hertzoge von Savoya,
auch zu thun bekommen. Mein Bruder, gedengkt,
Friederich Börsteln, zu verschicken, wann er von
Genff, aufbrechen sollte. Jst sorgfeltig, wegen
seines Söhnleins, zu Deßaw, nach absterben selbiger
Fürstin, undt gedengket denselben anderstwohin
zu thun. Fürst Lebrecht, ist auch noch wol auff. et cetera
Avis; von einem andern orth, daß die Schweden,
nicht zulaßen wollen, das ihre Königinn,
Nota Bene den Pfaltzgraven Generalissimum, heyrathen solle,
Nota Bene weil Sie nach ihrem absterben, den statum
Nota Bene Monarchicum abzuschaffen, undt einen statum
Democraticum, zu introduciren, gedengken,
wie andere Septentrionales mehr vorhaben
mögen, wann Sie nur erst sehen, waß es vor
einen außgang, mit Engellandt; undt Amsterdam, gewinnen dörffte?
Gott wolle über seinen Gesalbten auf erden halten!
undt die Könige, undt Fürsten, nicht zu grunde gehen laßen!
Jakob Ludwig Schwartzenberger wie auch Philipp Güder[,] hans Eckardt undt andere, seindt
diesen Morgen, hieroben gewesen, sich bey Mir, bescheidts
zu erholen, in Bawsachen, Oeconomicis, rechnungen,
undt andern dingen. perge
<1 Rehe von Ballenstedt 4 groß vogel, daher. 9 lerchen alhier.>
Jn die kirche, conjunctim, da dann, daß künftige
Friedens: undt dangkfest, abgekündiget worden.
Gott laße es unß, mit ruhe, undt freẅden halten.
Extra zu Mittage, gehabtt: die Rindtorfinn,
Röder, den iungen Einsidel, undt den hofprediger, nebenst
Tobias Steffeck von Kolodey et cetera[.] Zu abends reliquos, außer Tobias Steffeck von Kolodey und hofpredigern.
Avis: daß sich die Werder15 accommodiret haben, wegen
des Ober Commissarij, Röders, mir zu ehren. perge
<42 lerchen, Andreaß hetzler, der Trompter16, undt Wartemßleben.>
A spasso vormittags, in gutem wetter.
Extra zu Mittage, beyde Börstel gehabtt, Geörge
Friederich, undt Ernst Gottlieb, welche auch
audientz gehabt, wegen ihrer Theilung.
Schreiben von Anspach, daß dem Marggraf Albrecht
Seine gemahlin, geborne von Wirtemberg gestorben,
Gott wolle ihn Trösten.
Mein Sigel, so ich 13 iahr verlohren, habe ich auch wiederbekommen.
Gott helfe mir doch ferner, väterlich, zu extraordinarium glügk!
Die Leiptziger avisen, bestehtigen zwahr, daß iehnige
waß die Erfurdter, mitgebracht, allein wollen
sie zu ende, darinnen variiren, das sie sagen,
die Schottischen Zeittungen, seyen dißcrepant, in
deme, daß Cromwell nicht so heftig, geschlagen,
noch gefangen seye. Man weiß also nicht,
waß man glaüben, oder nicht glaüben solle?
Piccolominj, ist mit großem pomp, von Nürn-
bergk hinweg, undt der Schwedische Generalissimus,
mit ebenmeßigem prachtt, zu Stade, ankommen.
Die Tartarischen herden, gehen in die 200000
Mann stargk, auf den Moßkowiter zu, undt
berühren die Krohn Polen. Die Cosagken, sollen
sich, mit ihnen conjungiret haben.
König in Dennemargk; hat den vergleich, mit seinen
Crohnständen, befördert.
Die Jtalienischen Zeittungen, seindt außen geblieben.
ChurSaxen, hat seine völgker auch reducirt,
undt abgedangkt, mitt wortten, abschieden, und <wenig> geldt.
Bourdeaux, tractirt mit ihrem Könige, in Frankreich
die gefangenen Printzen, haben gratuliret dem Düc
d'Orleans, wegen vermehrung, des hauses Bourbon.
Dienstag♂ den 10ten: September 1650. böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ
<4 endten Oberlender.>
Diese Nacht ist ein stargker windt gewesen.
Gestern, ist meine Schwester, Freẅlein Dorothea Bathilde noch von
Plötzkaw, wiederkommen.
Der CammerRaht, Doctor Mechovius, ist bey mir gewesen, undt
hat mir allerley importantzen referiret.
A spasso; in feinem wetter, nachmittagß, e nella Vigna.
Der Allte Schütze Geörge17, von Zerbst, ist alhier
gewesen, hat meinem Sohn Viktor Amadeus dachßlöcher in den
Weinbergen, helfen außsuchen. perge
A spasso, in die Mühle, den Thamb:18 undt Schleüsenbaw,
zu besichtigen, undt zu befördern.
Extra zu Mittage, den CammerRaht, Doctor Mechovium,
und Märtin Schmidt, gehabt, welche der handlung,
zwischen Meiner herzlieb(st)en gemahlin Liebden undt Rindtorfen, (zwahr
re infecta) beygewohnet.
Jn Schwartzenbergers neẅen händeln, (mit der Stadt, undt
Brawerschaft) so er wol verantwortett, hat es
viel, undt mancherley, zu schaffen, gegeben. perge
Avis von Plötzkau per Genff, daß zwischen Sophoj, undt Genff, rencontres
vorgegangen, undt bey beyden Theilen, Furchtt seye, weil iehne,
ein offen landt, diese ihre gühter in Sophoy haben. Die Bayerische
heyrath, mit dem Chur Printzen, undt der Savoyschen Princeßin, möchte
eines Theils, animiren. Jn Frangkreich, gehet es, bundt über. et cetera
Doctor Brandt, dem Medico, habe ich zugesprochen, welcher
meine krangke Schwester, Fräulein Dorothea Bathilde besucht, (aldar ich
auch, zu ihm kommen,) undt er induciret, es seye bey Jhr
eine febris continua. Gott wolle es, in gnaden, beßern!
<1 Endte, hat Viktor Amadeus geschoßen.>
36 lerchen, Oberlender, Hans Georg
undt Adam Stallkech[t]
Conversatio, mit Hammeln, undt postea, mit Martin
Schmidt, welchen ich nacher Ballenstedt, in gnaden dimittiret[.]
Extra zu Mittage, nicht allein, Ernst Dietrich
Röder, Sondern auch den [i]ungen Krosigk, von Alßleben
(welcher, vor diesem, Meiner herzliebsten gemahlin, page gewesen,
undt den rechten arm gebrochen) gehabt.
heütte, helt Meine Freundliche herzliebste Gemahlin, dero
Beichte, undt hat den Superintendenten, von Alß-
leben, laßen anhero kommen.
Jch habe condolenter, an den Marggraven von
Anspach, geschrieben, wegen Seiner gemahlin, absterben[.]
Gott wolle ihn, undt alle betrübte trösten!
undt wieder erquigken!
J'ay comprins cejourd'huy dès fourberies. Dieu
les vueille manifester, & pünir exemplairement[.]
Le Precepteür Hammeln, m'a enseignè üne tres-
belle Methode, pour èscrire, en chiffres.
<4 hasen Viktor Amadeus Fürst zu Anhalt[,] 15 großvogel von Ballenstedt>
<4 lerchen, hanß Eckardt, Michel lackay; undt der volle schelm, des Rindtorfs iunge, so die menge verhindert.>
heütte, hat meine freundliche herzliebste Ge-
mahlin, mit denen, so ihr nachge-
folget, dero Gottesdienst, undt communion, in einem
gemach, alhier auf meinem hause, vor sich, verrichtet.
Gott gebe! das Man in einigkeitt des glaubens,
dermal eines, einher gehen, undt sich nicht länger
zweyen, undt Trennen möge! (iedoch salva
Veritate; & illæsa conscientia!) Gott wolle die
reine warheitt, allen rejnh[er]tzigen Christen, laßen
in die Augen, scheinen, undt die irrenden, erleüchten.
Schreiben, vom Wendelino, mit allerley nachrichtun-
gen, Gott tröte, stärgke! undt erhalte lange
zeitt, den lieben, frommen, Treẅeiferigen Mann,
ein leüchter, undt krohne, im Tempel deß herren!
Ein Frantzose, (Gabriel Hübere genandt,)
(welcher, vor 40 iahren, mir noch zu Lion, in Frankreich
vor einen lackayen aufgewartett) hat sich bey
mir præsentiret. Er ist derselbige, undt hat mir
wißen mancherley umbstende <von vetter Fritz Moritz Sehliger Tode, undt>, von unseren Lio-
nischen händeln, zu erzehlen. An itzo, ist er ein
Schneider, undter den Meistern, zu halberstadt,
undt hat weib, undt kindt. Er ist zwahr ein Fran-
tzose zu Lion, gebohren, aber von einem Schweitzer, so sein vatter,
|| [[Handschrift: 174v]]
gewesen, so zu Lion gewohnet <vndt>, von Zürich bürtig gewese[n.]
Dieser Gabriel, hat mich offte gesucht, zu heidelbergk[,]
Prag, undt anderstwo, auch ofte nach mir gefraget,
aber endtweder meiner verfehlet, oder sonst nicht
recht erfahren, wo ich anzutreffen? oder die iehnigen,
so mir von ihme, sagen sollen, habe es nicht recht
außgerichtett, biß daß ich ihn heütte aller-
erst, nach 40 iahren, habe wieder sehen müßen.
So wunderbahr ist Gott der herr, in seinen
Göttlichen gerichten, undt weyser vorsehung.
Auch, waß diesem Menschen, kein Christ endtdegken
können, noch wollen, hat ihme ein Jude, Abraham Be-
nedix, von Meiner person zu erkennen geben müßen. et cetera
Victualien, seindt von Ballenstedt, ankommmen,
item: bericht, wegen der proben, so schlecht. et cetera
Meine krangke Schwester, Dorothea Bathilde besucht. Sie hat
das fiber, weiß nicht, ob es continua, oder
Quartana seye. Doctor Brandt, ist ein drey
Tage her, ieden Tag einmal zu ihr kommen, undt
<vnder>nimbt sich, der cur. Gott laße es wol gelingen!
J'apprehends derechef, quelque dueil, ou Mortalitè,
en nostre Mayson. Dieu nous en Vueille garentir!
<1 dachß Viktor Amadeus gefangen. 1 hasen.>
<27 lerchen, Rindttorfs iunge, ein vorreütter, undt 1 Mußketier>
J'ay songè d'avoir estè auprès de l'Empereur[.] Sa Majestè eüst
estè severe, au commencement & m'auroit regardè á travers
parmy beaucoup de monde. Mais en fin, m'auroit ama-
douè, voyant le feü Roy d'Angleterre, auprès de moy,
lequel me plaignoit son malheür, & avoit grande
confiance en moy. Jl se cachoit souvent, de honte,
parmy la foule, & me contraignit, de me cacher
quelques fois aussy, parmy dés Cavalliers
nos amis, & qui ne disoyent rien de nous.
Mais ünefois, l'Archidüc Leopolde nous
dèscouvrit (nous voyans abbaissèz de la sorte)
& fit signe a l'Empereur, assis gueres loin
de là, en üne grande antichambre, pleine
de cavalliers, & d'aultres gens. Il se fallüt
donc relever, l'Empereur & l'Archidüc voulürent
honorer le Roy, mais il s'attacha tousiours á moy,
ne voulant nüllement estre courtisè, ains
se tenant comme ün Cavaglier privè. En fin il
s'en alla, parmy la foule, & moy, pensant le sui-
vre, l'Archidüc m'appella doucement, puis l'Empereur
lequel me dist: Venèz avec moy, il faut, que nous
lisions ün peü, quelque chose. Ainsy, nous nous
|| [[Handschrift: 175v]]
avançasmes en üne autre chambre tapissèe belle, &
accommodèe, comme üne chappelle, (contre mon grè, car ie
füsse plüs volontiers, allè avec le Roy d'Angleterre)
en foule de cavagliers. Là se mit l'Empereur en
son Oratoire, & l'Archidüc Leopolde, vis a vis, de
luy, au sien, ayant sür sa teste ün bonnet
blanc, & estant accoustrè, comme ün Evesque,
lisant, & priant devotement. Sa Majestè Jmperialle
me voyant a costè de son banc, (tapisse, en
haut, & en bas, somptueüsement), apres avoir
fait sa priere, m'appela, & me donna en la
main ün livre <Alleman>, in 4:to. grand assèz, sür üne
belle piece longue de drap d'or tanè auquel
il estoit enveloppè, & cela me donna quelque
peine, a le dèsvelopper, & a le tenir droict.
J'oublie, que Sa Majestè leüt premierement dedans,
puis me dit, prennèz garde au fueillet 45
apres me l'avoir rendü, & ie ne scay pas bien,
ce, que nous lisions, mais aultant en scay ie,
que Ægidius Albertinus, Secretaire iadis a
München (qui a traduict les Epistres dorèes
de Guevara, en Allemand) l'avoit fait, & qu'il
|| [[Handschrift: 176r]]
parloit, a la mode des Catoliques Romains, dès bonnnes
œuvres, adioustant, que la foy estoit mort, sans icelles,
& plüsieurs belles admonitions chrestiennes, quj me conten-
terent. L'Empereur le leüt quelquesfois luy mesme,
(me semble), tout haut, & plüsieurs avoyent les yeux
fischèz sür moy. Je devois lire aussy, tout haut,
i'en fis, quelque difficültè, craignant la tasche[!]
d'hypocrisie, l'Empereur poursuivit, & fit poursui-
vre, á d'aultres, me disant a l'oreille tout bas:
Vous pouvèz bien observer encores, le fueillet
50me. & pensant d'entendre davantage,
ün de nos chiens a la cour, abbaya reellement
& ün clou füst battü par ün marteau, au
dessüs <de> mon lict, en la chambre, qui y correspond,
tellement que i'en füs rèsveillè a bon escient! perge
Nota Bene: Je m'estois endormij, avec la lectüre,
d'ün beau livre lattin, que Docteur Francus, a Francfort
ad Viadrum a fait, dès signes extraordinaires
qui precedront la venuë de Jesus Christ, &
le dernier jour dü jügement, lesquels on
doibt diligemment observer, & n'estre point
ni trop nonchalent en cela (Dieu & la natüre
n'ayant rien fait, pour neant, ou en vain,) ni trop
curieux, en dés recerches[!] inütiles, & non necessaires!
Extra zu Mittage, habe ich gehabt, die beyden
Börstel, Geörge Friederich, undt Ernst Gottlieb,
welche sich durch meine interposition, undt verordnete
Commißarien, nicht allein, undtereinander selbst,
sondern auch, mit ihren Schwestern, verglichen, darzu
Gott der Allmächtige, seinen Segen, geben wollen.
Sie haben ihren undterthängisten abschiedt genommen,
wieder nacher Berlin, undt Croßen, zu verraysen. et cetera
Jakob Ludwig Schwartzenberger ist auch extra geblieben, zu Mittage.
A spasso, auf den vogelherdt, der erst, aufß
neẅe, angerichtet wirdt.
<13 lächße.>
<16 lerchen, Andreas Hezler Hans Kutzscher, <Trompter>19 undt Oberlender 30 lerchen, gärtner, sein iunge20, undt>
heütte haben wir, daß danck-
fest, celebriret, des friedens, in Deützschlandt,
wie auch der Erndte, mit behten, singen,
lobopfern, undt musiciren. Gott laße, uns
auch, des friedens <ein mahl>, recht genießen, undt
das wir, mit freẅden, ihme dienen mögen!
Der hofprediger, hat des 124. psalm21,
zum text, wol expliciret, undt ein schön
gebeht, nach der predigt, gehalten. et cetera
Wir seindt conjunctim, dahin gezogen.
Extra: Zu Mittage, Doctor Mechovius, Röder, der hofprediger,
undt der iunge Einsidel, Tobias Steffeck von Kolodey.
Nachmittage, wieder conjunctim in die kirche,
Gott zu loben, undt nochmalß zu dangken.
Er wolle unser armes gebeht, erhören, undt
unß erfreẅen, undt gesegenen.
Man hat bey den psalmen, undt gesängen,
beyde mal vor: undt nachmittagß, in dieser
extraordinarij Occasion, musiciret, wie
auch bey der Tafel. Sonst ordinarie, wirdt
in unsern kirchen, alhier zu Bernburg nicht
musiciret, dann wir nicht in die kirche
gehen, unsere ohren, mit der musica, zu
kitzeln, sondern die hertzensandacht, zu
Gott dem herren, undt seinem wortt,
inniglich, zu erheben. perge
Jch habe nach der predigt, nachmittags, mit
Stügken, undt Mußkeeten, dreymal salve
schießen, undt darein blasen laßen. Gott
gebe, daß wir öfters, solche salven
mehr zur freẅde, als mit schaden alhier
mehrmals geschehen, inß künftige hören mögen.
Extra zu abends, die Einsidelin, den iungen
Einsidel, neben Röder, und caplan Jonio gehabtt.
Man hat ein feẅerwergk angestellet, aber,
wegen des eingefallenen regens, daßelbe ab:
undt einstellen müßen, diesen abendt.
Montag☽ den 16den: September 1650. böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ
<lächße.>
Schreiben von Wien, Berlin, &cetera &cetera &cetera[.]
henrich heßler, Theologiæ studiosus, ist von Brehmen wiederkommen,
aldar er 5½ iahr, studirt gehabtt. Jst wol qualificirt,
undt mit Testimoniis, versehen, et cetera[.] Gott gebe ferneren progreß!
Die Leiptziger avisen geben:
Daß es mit Cromwells captur, undt niederlage, in
Schottlandt, nichts seye. Viel mehr hetten die Parlamentischen
zu waßer, undt zu lande progreß, undt stärgkten sich,
tractirten auch schon mit den Schotten, undt mit ihren
Geistlichen, bey denen es auch, factiones geben wollte.
Der König wehre zwahr proclamiret, iedoch, noch nicht ge-
kröhnet, wegen Neẅer, ihme vorgelegter puncten, in Schottlandt.
Die Engelländischen ParlamentsSchiffe, attacquiren
die Frantzosen, so wol, in Marj Mediterraneo, alß in Oceano,
undt stehen den Spanniern, bey, auch wieder Portugall.
Jn Schweden, wil es mit selbigem ReichßTage, wie auch,
mit der Königinn Cröhnung, undt wahl zum Erbfürsten,
des Pfaltzgraven Generalissimj, noch nicht recht forth,
undt des Pfaltzgraven rayse dorthin, (dene General Königßmarck
biß in Schweden, begleitten, undt mitziehen soll) gehet gar
|| [[Handschrift: 178r]]
langsam von statten. Er ist bey hamburgk vorüber (der Pfaltzgraf
stattlich regaliret undt tractiret, von selbigem Raht, nacher
Wißmar zu, gerayset.
Duc d'Amalfy, ist auf Regenspurgk, undt Wien zu,
ist auch pomposè, auß Nürnbergk außgezogen.
Zu Wien, ist ein Tartarischer Gesandter, welcher auch
zu Warschow, gewesen, Jtem: einer vom Fürsten Ragozzj.
Kayserliche Mayestät behalten ihren nechstgemelten exercitum,
die übrigen völgker, <(so abgedangkt)>, nimpt der Spannier, gleich wiederumb ahn.
Ertherztogk Leopoldt, hat Rhetel, undt andere plätze
in Champanien, besetzt, den Frantzösischen General Major undt
Gouverneür in Peronne, Hocquincourt, mit<geschlagen,>
undt ihme Sechß Regimenter ruiniret, darnach einen
Trompter, zum Düc d'Orleans, nach Paris geschickt, undt
ihn fragen laßen, ob er nur wollte friede machen?
Die Spannischen Reütter, darundter viel deützsche
sonderlich, die Obersten hertzogk Ulrich von Wirtembergk,
graf Woldemar, Güldenstern, etcetera sich befinden, seindt
mit dem Visconte de Türenne, biß auf 2 meilen von Paris
gegangen, undt selbige große Stadt, ist sehr schwührig,
weil es so übel zugehet, undt weil auch zu Bourdeaux
die Tractaten, sich gäntzlich zerschlagen haben sollen.
Man will auff der Printzen Seitte, ihre erlösung, undt die
abschaffung des Cardinals Mazzarinj, kurtzv̈mb haben.
Wegen der Spannischen streiffereyen, undt schreckens, so Sie
in Champagnien, undt Jsle de France, gebracht,
hat man die Printzen, vom Bois de Vincennes, nacher Am-
boyse beßer in Franckreich hinein, transferiret.
Zu Rom, werden die Cardinäle, mehrenTheilß, auf
Spannische seitte, gebracht. Porto Longone, undt deßen
recuperirung, hat der Spannischen Faction, großes ansehen,
undt fortheil zugespielet. Zu Napolj gibt es noch
motus. Jn Catalogna, hat es das ansehen, alß wollte
selbiges landt, dem Spannier, wiederzufallen, undt die
Frantzosen überall denn kürtzeren ziehen. Zu Marseille
seindt auch empörungen endtstanden. König, in Spannien,
hat 100000 pistoletten, en passant, nach Bourdeaux geschickt.
Zu Duynkirchen, haben die Frantzosen, einen anschlag,
auf Blanckenberg gehabt, jst ihnen aber mißlungen.
Jn Candia hat General Mocenigo, die festung
Sankt Todero, undt andere posten, erobert. Sie hoffen
numehr Canea, zu blocquiren, undt zu recuperiren,
undt die gantze Jnsel, zu befreyen, weil auch General
la Riva, die außfahrt des succurßes, an den Dar-
danellj verhindert.
Die Tartarn, wollen sich, mit Venedig, Persien, undt
Pohlen, wieder den Türgken, coniungiren, gestalt dann
der Bascia von Babylonien, dem Persianer, albereitt zu-
gefallen sein solle.
Die Tartarn sollen albereit, in die 40000 stargk, in
die Moßkaw, eingefallen sein. Geben Polen selbst jalou-
sie, weil in die 12000 Cosagken, mit ihnen gehen,
undt General Chmielinsky, ohne daß, disgustiret ist.
Die undterthanen des Moßkowiters, sollen gleichsfalß,
wieder den Großfürsten, undt deßen Fürsten, undt
Amptleütte, rebelliret haben, undt grawsamlich,
mit denen, so Sie übermeistern, umbgehen, auch secours
von der Krohn Schweden, sol der Großfürst begehren.
Gedachter Großfürst, oder Czaar sol dem Könige
in Engellandt, eine große assistentz, von gelde, ver-
heißen haben.
Der Pabst, hat protestiret, wider den zu Oßnabrück
geschloßenen frieden, weil er den Römischen kirchen,
schädlich, undt nachtheilig, sejn sollte.
Gedachter Pabst, hat auch seine galleren von den
Venezianern, wieder abgefordert, hingegen haben
Sie ihme die Geistlichen contributiones, versaget.
Die Türgken, haben alle handlung, nacher Venedig,
verbotten, undt sieder Spannischen, mit Constantinopel
vertragen, haben sie beyder seitß alle commercien, nacher
Venedig, auch den wollenhandel aufgehoben. Dadurch
wirdt das volgk sehr schwührig.
Jn Albania, hat auch Gil de haaß, gute succeß.
Ein Venezianisches OrlogßSchiff, hat sich, durch 16 Türckische
Galleren, nach langem gefecht, gleichsam miraculose
(mit neẅem, unverhoftem, gutem winde,) da es albe-
reit viel Türgken, erstiegen gehabt, durchgeschlagen,
undt die Türcken, so darauf geklettert, haben alle
müßen, die köpfe herhalten. Der Venezianische
Bailo, Soranzo, ist von Constantinopel, nach erlangter
dimission, wiederkommen, undt von den Türgken, dimittirt,
auch stattlich begleittet worden. Seinem dolmetzscher,
undt Dragomanno aber, neben vielen andern Vene-
digern, haben sie vorlengst schon, das leben genommen,
Theilß strangulirt, Theilß niedergehawen. Fürst
Ragozzj, sol auch secours, wieder den Türgken, vom
Kayser, begehren.
Pfaltzgraf Ruprecht, sol mit seinen Schiffen,
auß dem haven vor Lysabona außgelauffen sein.
Königinn in Spannien, sol Schwanger sein.
Die Staden, wollen wieder Portugall krieg an-
fangen, undt Brasilien, zu recuperiren, trachten.
Pfaltzgraf Ludwig Philips, hat Creützenach, vndt
Bacharach, von den Frantzösischen völgkern, liberiret,
durch vermeinte conniventz, des Visconte de Türenne.
L'Electrice de Brandenburg a derechef avortèe. Il y a dés
gens, quj craignent, quelque charme, ou enchantement.
Dieu la vueille benignement preserver, par sa Sainte grace!
Die Churfürsten am Rheinstrom, wollen einen Chur-
fürstentag, unß<halten,> undt ein defensionswesen aufstellen,
wieder alle neẅe invasiones, hostiliteten, contributiones
exactiones, preßuren, etcetera wie sie nahmen haben,
undt dem Friedensschluß, zuwiederc sein mögen!
El Duque de Jnfantado, hat sich zu Rom, beklaget,
daß er, alß der vornehmste, undt erste hertzogk
in Spannien, auch alß Grande di Spagna, nicht beßer
vom Ertzhertzogk Leopoldo, alß Jllustre, in schrei-
ben tituliret würde. Die Spannischen Cardinäle,
haben es damitt, endtschuldiget, das er, alß ein
Vasall der Cron Spannien, solches billich, von dem
Ertzherztzoge, alß einem Principalstem Mittgliede
des hauses Oesterreich, undt Spannien, würde
leiden müßen. Derselbe Duca holt sich zu
Rom, sehr prächtig, undt stadtlich, alß ein Fürst,
undt Extraordinärer Ambassadeür, nimbt sich auch
mit gewehr, sampt den Seinigen wol in acht,
weil ihm unlängst die Frantzosen, undt Romaner,
eine zimliche burla gespielet. Der Pabst hat ver-
botten, die kinder sollen nicht mehr, auff den gaßen ruffen:
Guarda la miseria, anders will er die Elttern, darumb straffen.
Diesen abendt (weil es gestern, nicht hat sein können)
hat Tobiaß Steffegk von Kolodey, etzliche
Rackeeten, in die höhe steigen, schwärmerchen
fliegen, undt feẅerräder umblauffen laßen.
Der Trompter, hat darbey geblasen, undt
unsere Schützen, undt Mußcketirer, haben
feẅer darein gegeben. Jst also, ein artig
klein feẅerwergk gewesen, undt ist (Gott
lob, undt dangk) ohne schaden, abgegangen.
Der haußmann, hat auch mit posaunen,
<zum anfang, nun lobe meine seel den herren et cetera undt> zum beschluß, intoniret: Allein Gott
in der höhe, seye Ehr, undt dangk vor
seine gnade, etcetera etcetera etcetera[.] Jst also gestern,
undt heütte, unsers dangkfests freẅde,
bezeüget worden. Gott gebe! daß wir, im
herren öffters, fröhlich sein mögen! undt mit
freẅdigem muht, undt inniglicher dangk-
sagung, unser leben, zubringen! undt vol-
lenden mögen!
<1 hasen Viktor Amadeus Fürst zu Anhalt. 9 lächße.>
Ernst Dietrich Röder, hat seine dimission erlanget.
Bleibet doch, von hause auß, in bestallung. Gott geleitte ihn!
Gestern abendt, vorm feẅerwergk, haben sich,
feẅerzeichen, im Schloße sehen laßen, welche unsere
leütte dermaßen terriret, daß Sie, (ein unglügk
befahrende) fast vom feẅerwergk, abgeschregkt
worden, Jch habe sie aber, noch animiret,
undt forthgetriben, (wiewol ich damalß hiervon
nichts gewußt) undt es ist (Gott lob! undt dangk!)
alles, ohne schaden, undt gefahr, abgegangen.
Mon petit Charles, a eü dés songes effroyables. perge
Dieu vueille conserver, ce bon enfant avec son
frere Viktor Amadeus & avec tous ceux, quj m'ayment!
Nachmittag, seindt meine Töchter, undt Carllchen,
in die weinlese, gezogen, Mein Sohn Victor,
ist absonderlich, mit seinen leüttlin, in das feldt,
eine situation zu besichtigen, wo die klebgarn,
zu den lerchen, zu stellen, undt ich bin auch ab-
sonderlich, nach dem vogelherdt, undt nach dem kleinen
weinberg zu spatziren gegangen. Wir seindt
aber alle drey parteyen, unversehens, von einem
<Stargken platz>Regen, undt hagelwetter, zimlich übereilt worden,
es hat aber nicht lange gedawret, und ist ein schöner regenbogen, darbey,
|| [[Handschrift: 181v]]
erschienen, quod semper est; & fuit, signum Gratiæ Dej.
<5 lächße>
<16 lerchen, aufm Streichen. 75 großvogel von Ballenstedt 1 haselhun.>
Les mauvayses nouvelles, de l'estat de Madame
nostre Tante, á Cöhten, continuënt. Dieu la Vueille
reguerir, par sa Sainte grace, & luy rendre, Sa
pristine vigueür & bon sens! & ne rendre nostre
Mayson, en opprobre, aux mocqueürs, & mèsdisans!
Dennach, das dangkfest gehalten, undt die wochen-
predigten alhier zu Bernburgk, wieder angehen,
alß seindt wir conjunctim, zur predigt
gezogen, Gott zu ehren, zu loben, undt sein
wortt, zur Seelen Sehligkeitt, anzuhören. Er
laße es unß gelingen, darzu er es sendet.
Nota: Undter dem wortt coniunctim, verstehe ich
Mich, undt Meine gemahlin. Unsere kinder, können
selten, alle mittkommen. Schwester Dorothea Bathilde ist auch krangk.
Extra zu Mittage, den hofprediger, undt
iungen Einsidel, auch Tobias Steffeck von Kolodey gehabtt.
heütte ist mein pahte, Capitain Eberdts Tochter,
begraben, worden. Gott seye ihm! und unß gnedig!
Schwester Dorothea Bathilde (als ich Sie besucht) hat sie ver-
meinet, ihre Febris continua, undt Seitenstechen,
hette durch Gottes gnade, nachgelassen, der helfe ferner gnädig[.]
Jch habe es spähte erfahren, daß diese Nachtt,
ein iunger hertzgok von Mecklenburg22 unbekandt alhier
gelegen. Rittmeister Schawer, so undter den Königlich
Frantzösischen trouppen, in Flandern, neben ihme command-
diret, hat ihn gekandt perge[.]
Von Zerbst, zweene handbrieflein confident[.]
<8 lerchen 2 Räphüner Viktor Amadeus mit dem klebegarn.>
<<Jm streichen gefangen.> 21 lerchen. 10 lächße, die fischer.>
Briefe geschrieben, nacher Zerbst, undt Berlin.
Extra zu Mittage, Doctor Brandt, undt den pfarrer
von Palbergk, gehabtt.
Ce pitoyable etat, a Cöhten, s'augmente de
iour en iour. Dieu le Vueille paternellement amender!
Le Conte de Mansfeldt, y est, avec Madame sa femme.
Meine Schwester, freẅlein Dorothea Bathilde habe ich besuchtt.
Es beßert sich, (Gott lob!) mit ihr. et cetera
Mein Sohn Victor Amadeus, hat es versuchtt,
mit dem klebegarn, undt 8 lerchen, nebenst 2 Räp-
hünern, gefangen.
J'ay sceü, que Madame l'Electrice de Heidelberg,
a aussy bien avortèe, que celle de Berlin, & que les
trois Duchesses de Brigk. Jl semble, qu'on persecüte
maintenant, par telles menèes, les vrays fi[d]elles!
Dieu vueille abbattre, & confondre, les malices, de Sathan!
<18 kleine vogel. 9 läxe.>
<1 Pfund (libra)℔ 5 großvogel von Ballenstedt 23 lerchen, alhier mit dem klebegarn.>
J'ay envoye ün messager a Hd Le bon Dieu,
le vueille conduyre, & reconduyre heüreüsement!
Avis von Plötzkaw, daß des 23. September angesetzter
Convent, wegen Cantzlers Milagij, absentz, ver-
schoben worden, biß auf den 1. oder 2. October[.]
A spasso Nachmittags, in die weinberge, mit
Carolo Ursino, undt andern. Der hagel, hat
im langen: undt Rechßberge schaden gethan.
Jm Aderstedtischen, ist der wein, meistlich reiff,
Sonderlich der blawe. Gott gebe seinen
Segen, zu einer glügklichen weinlese! Mein
Sohn Victor Amadeus, hat indeßen, auf die
lerchen, gestellet, darzu Carolinus auch endtlich,
gekommen, undt sie haben, (cum sociis, & famulis)
23 lerchen, gefangen, gegen abendt.
Vetter Ernst Gottlieb, rencontrirte mich
auch, im felde, bey Aderstedt undt wir<Sie> fiengen,
Räphüner, nach dem er Mir zugesprochen,
undt seiner Elltern vndt geschwisterigen zustandt,
refe[r]iret. perge
Samstag♄ den 21. September 1650.
<14 lächße. ½ großvogel von Caspar Pfau 30 kleine vogel aufm herdt.>
Geörge Reichardt, ist bey Mir gewesen, vndt hat
Mir allerley, wegen des Obrist leutnant Knochen, referiret.
Postea: in Oeconomicis, allerley anstaltt gemachtt.
Postea: mit Bürgermeister Tornaw, in angelegenheitten, conferiret.
Avis: von Erffurt daß die Pfaltzgräflich Sultzbachische
Sache, so numehr, in die 32 iahr, gewähret,
von den anwesenden Gesandten, zu Nürnberg,
verglichen seye. Der Kayser, habe seinem
gesandten undt Plenipotentario, herr Vollmar befohlen
nicht von Nürnberg, zu weichen, biß alles geschlichtet.
Cromwell, sollen nur 7 Regimenter ruiniret,
er aber, seidthero auß Engellandt, mehr alß
zuvor gestärgkt worden sein, undt es schei-
net, es wolle die Ungerechtigkeitt überhandt
nehmen. Gott erbarme es!
Jn Frangkreich, gehet es noch bundt her.
Die Sachen, zu Bourdeaux werden ie länger,
ie gefährlicher, stärgken sich sehr, undt ver-
laßen Sich, auf Spannische hülffe. Man deliberi-
ret von des Cardinals Mazzarinj, cassirung perge.
Furbaria saputa nelle cassine. O Dio! daj, a'ladrij!
Also werde nicht allein ich, Sondern auch Meine
undterthanen, bestohlen, in dem Mir der arme drescher
klaget, daß er derentwegen, nichts verdiehnen können,
So klaget auch, Philipp Güder, daß sein Schwä-
her, Ottmar Bawmeister, zweene gute pferde,
verlohren, welche ihm, ein knecht, ein geborner
Schwede, entritten, in itziger SahmZeitt, undt
nicht wieder zu erlangen. Seltzam aber ists,
daß dieser Schwede alhier geheyrathet,
des Amptmanns Magdt23 genommen, sich alhier,
gesetzet, undt denoch endtwichen, also das
fast niemandt mehr, zu trawen sein will!
Diesen Nachmittag, ist der kleine weinberg,
in anwesenheit Meiner Söhne, undt Töchter,
gelesen, undt drey große gefäß voll worden.
Gott gebe ferner seinen Segen! Undt daß
einem doch nicht alle dinge so schwehr werden mögen!
<1 lax.>
Jn die kirche, conjunctim, da Er Theopoldus
den Text: Matthäus 16 Niemandt kan zweyen herren
dienen etcetera24 wol ausgeleget &cetera &cetera &cetera[.] 25
Extra zu Mittage gehabt, Doctor Mechovium,
|| [[Handschrift: 184r]]
den iungen Einsidel, Tobias Steffeck von Kolodey &cetera[.]
Nachmittagß, wieder in die kirche, cum sorore,
(welche Gott lob, wieder genesen) & cum ambabus
filiabus) da der iunge Studiosus Heslerus, so von
Brehmen, wiederkommen, eine feine <kurtze> probpredigt,
gethan. Gott stärgke ihn ferrner, undt
laße unsere Bernburger, wol gerahten!
Avis von Seckrka von Agken. Gott
gebe, zu glügk! segen undt succeß!
Der hofmeister Einsidel, ist mit Doctor Mecho-
vio; in seinen privatis, (mit meiner erlaub-
nüß) nach Kelbra gezogen, undt Tobias Steffeck von Kolodey
habe ich, nach Agken, gesandt, Gott
wolle sie beyderseits geleitten!
Geörge Cnütteln, undt Albino, habe ich, eine Commiss-
sion aufgetragen, (auprès de la Ville) welche Gott
gesegenen, undt succediren laßen wolle!
Ma depesche a he n'a pas voulü reüssir,
car le messager est revenü, re infecta, n'ayant
sceü passer, par le Pays de L.f a cause dès voleürs.
Der lahme Geörge, ist auß Dennemargk,
wiederkommen, berichtet von großer Theẅerung
in selbigen landen, von großem gewäßer, Sturm
winden, verschwemmungen, undt dergleichen.
Madame la Düchesse d'Eütin, nicpce de ma
femme, est encores, en fort mauvais estat.
Madame la Düchesse de Wirtemberg, sa Mere,
est auprès d'elle, mais ne luy peüt gueres
ayder, à cause dela rüdesse dü Mary, lequel
veüt se servir, d'aultres medecins, qu'elle,
& chascün se plaint! Ainsy, on'a d'ün costè
& d'aultres dès afflictions, pour tel Estat,
aussy bien a Eütin, qu'a Cöhten. Dieu vuille
reguerir tous Maniaques, dès deux costèz!
Gottlob von Seckrka ist anhero kommen, undt hat
seinen Sohn Albrecht, von 17 iahren, mir zum
page, mitgebracht. Gott gebe zu glügk! undt Segen!
<1 Schockßo: 38 großvogel [Ballenstedt] 7 wachteln. <Cöthen> 8 Läxe [1 Pfund (libra)℔:]>
Schreiben von Adolf Börstel auß Frankreich[,] item vom Berlin, von Fräulein
Catherine.
Die Leiptziger ordinarien geben:
Daß bey itzigem unwesen, in Frangkreich die von der Religion,
|| [[Handschrift: 185r]]
(so man Hugenotten spöttlich nennet) noch 17 kirchen bawen
zu laßen, erhalten.
Der Ertzhertzogk, undt Düc d'Orleans haben an-
einander freündtlich geschrieben, wegen der friedenßhandlung.
Die von Bordeaux stärgken sich mächtig, zu
waßer, undt lande. Der König in Frankreich offeriret
ihnen, die gühte, undt den ernst. Sie erweisen
sich auch nicht abgeneigt, von billichmäßigen tractaten,
iedoch, wirdt so wol daselbst, alß in Champagne
die erlösung der gefangenen Fürsten, undt
die außschaffung des Cardinals Mazzarinj urgirt.
Die herren Staden im Niederlande, wollen sich
zu undterhändelern, undt Mediatorn, gebrauchen laßen.
Der Gouverneür, so Porto Longone, ohne Noht, den
Spannischen übergeben, sol 16000 Spannische Duplonen,
verehret bekommen haben, undt ihme verstattet
worden sein, den Schatz, von dannen, mit sich, zu führen.
Die Festung solle auf 2 iahr lang, mit proviandt,
Munition, undt genungsahmen volgk, versehen gewe-
sen sein, wie denn noch fast 1500 Mann ausgezogen.
Jn Catalogna, sollen über die 100 Orth, wieder die
Frantzosen, rebelliret haben. Spannien, wil sich,
solcher guten Occasion, gebrauchen, undt bediehnen.
Jn Schweden, wirdt den versamleten Ständen, die zeitt lang,
biß auf die ankunfft des Generalissimj, da alßdann
die Crönung, undt wahl des Pfaltzgraven, solle deli-
beriret werden.
Der Churfürst von Cölln, ist zu Arenßberg, im
Sawerlande, gestorben. Jst auch mein guter
gönner, undt patron gewesen, dieser Ferdinandus
Dux Bavariæ Sehliger[.] Gott genade ihm!
Die Türgkische Armada von 25 galleeren,
undt 8 Maonen, hat bey den Dardanellj, aber-
malß durchzubrechen, gesuchtt, General Riva
aber, (deßen armada in 28 großen Schiffen,
2 Galleatzen, undt 10 galleren, bestanden)
hat die Türcken wieder zurügk getrieben. Der
Türgken, Capitan Bassa26, (weiln die Soldaten, nicht
fechten, sondern ihn niedermachen wollen) hat sich,
mit der fluchtt, aufß landt, salviret, deßentwegen,
ein ander General, undt volgk, von Constantinopel,
dahin gesandt worden. Der neẅe venezianische General
Foscarinj, macht sich fertig, in Dalmatiam zu gehen,
undt den General Foßcolo abzulösen, wirdt 100000
Ducaten, mitt dahin bringen.
Jm haag, ist ein Portughesischer Gesandter27 ankommen, man
vermeinet, zu beylegung der Streittigkeitten, mit der
WestJndianischen compagney, undt wegen Brasilien.
Die Frantzösische garnison zu La Bassèe, hat eine
Proceßion der Stadt Ryßel angegriffen, undt mit
den bildern, undt crucifixern, weggeführet,
haben sich, umb 100000 Gulden (florenus)f: rantzioniren müßen.
Der Schatz von Saint Denis, ist nacher Paris
verschafft in beßere gewahrsam, auf daß
die Spannischen es damit nicht auch also machen.
Der Tartarische General, Sultan Galga,
hat 40000 Mann, undter dem Soloy Marowßky
auf die Moßkaw, anmarschiren laßen, welche
übel hausen. Zu denen hetten sich noch 12000
außerlesene Cosagken geschlagen, vorhabens, die
Moßkawiter, bey itziger revolte ihrer un-
dterthanen, zu debelliren.
Die 32 iahr gestrittene sache zwischen Pfaltz
Neẅburgk, undt Sultzbach, sol numehr auch
zu Nürnberg, in richtigkeit gebracht worden sein,
undt die gesandten allerseitß, abscheiden.
Pfaltz Neẅburg aber, hat andere dissidia, mit
dem Apt von Syburgk, deßen festung Pfalz Neẅburg vermöge
des friedenschlußes, repetiret, der Apt aber difficulteten machtt.
Jm Stifft Lüttich, gibt es abermal neẅe motus, undt
protestationes, so wol, wegen der neẅen auflagen,
alß wegen aufferbawung, der Neẅen Cittadella,
der Printz Coadjutor, hat sich derentwegen, von
Lüttich, nach dem Scharfen havel, retiriren müßen.
Zu Brinn begehret der Kayser, auf selbigem
landtTage, 150000 Gulden (florenus)f: zu dero freyen disposition,
dann auf munition, 6000 Gulden (florenus)f: zu restaurir: undt
völliger aufferbawung selbiges landthauses,
2 oder 3000 Gulden (florenus)f:[,] item: die iährliche bezahlung, des
Tribunals undt der landesbedienten, auch
die ordinarij von allters her, gewöhnliche hauß-
Steẅer, zu confirmirung der Ungarischen Gräntz-
haüser, so in allen Postulatis, bey 18 puncten sein.
Die Spannischen ministrj, tractiren mit dem
Fürsten von Monaco, ihn auf ihre seitte zu bringen,
versprechen ihme beßere conditiones, alß er bey
Frangkreich hatt. Die Genuseser haben dem
Großhertzogk von Florentz, die Stadt, undt landt-
schafft Pontremolj, endtlich abtretten müßen, mit
welchem gelde der Meyländische Gubernator,
inß feldt, zeüchtt.
Der Primovesier zu Constantinopel sol wegen des ver-
lusts, der festung Sankt Todero, undt Turluru, in Candia
ab: entgegen der Calill Bassa (welcher etzliche
tonnen goldes reich) an deßen Stelle, eingesetzt
sein, dieser mache große zurüstungen, auch hette
er, alle handlungen, mit Venedig, verbotten.
Die Venezianer hetten wieder 3 Türckische Schiffe, undt 2 fre-
gatten, welche nach Canea, gewoltt, erobert, 3 andere
fregahten aber, haben die Türcken, in Canea hinein gebracht.
Zu Venedig, hat man einen Glügkshaven, aufge-
richtet, durch deßen Mittel, in kurtzer zeitt, 600000
Ducaten, erhoben worden, zu fortsetzung des krieges.
Graf Leßle, ist Kayserlicher General, in Cärndten worden.
Die belägerung, Porto Longone, hat 2½ Monat, gewähret.
Die Streittigkeit zwischen den Coadjutorn zu Trier,
währet noch, herr Cratz, hat nach Rom, appelliret,
der von der Leye aber, helt sich, an seine wahl,
undt stehet dahin, wer den andern außstoßen wirdt?
Die Kayserlichen abgedangkten völgkern, werden mehren-
theilß, von Spannien, wieder angenommen.
Zu Prag, wirdt auch ein landtTag intimiret,
undt den Raubereyen gesteẅret.
Der Tartarische Cham[!], droẅet den Polen auch mit krieg,
|| [[Handschrift: 187v]]
weil der König seinem Gesandten, nicht allein, die
begehrte hülfe, wieder den Moßkowiter abge-
schlagen, Sondern auch mit diesen friede gemacht
undt bundsverwandtnüß, zum præjuditz, der Tartarn.
Chmielinßky General der Coßagken, sol
sich dem Großfürsten, zum Vasallen, undterthe-
nig gemacht haben, welches in Polen nachdengken causirt.
Die Parlamentarischen in Engellandt triumphiren
wegen etzlicher erhaltenen Victorien, in Jrrlandt.
Jn Schottlandt aber, liegen die armeen gegen-
einander. Die Generallen, Leßle, undt Cromwell
wächßeln bravirende schreiben gegeneinander.
Ein ieder beschönet seine Sache, undt pochen
aufeinander, iedoch, höflich. Schigken aber
einander beyde Königreiche Declarationes, zu
publiciren, zu, undt wollen es baldt außfechten.
Die Crönung des Königes, sol fortgegangen
sein, am 25ten: Augustj; nach dem er alles ein-
gewilliget, waß ihme die Schotten vorgeschrieben,
darundter harte puncta, sein sollen. Der
nahme König in Schottlandt, sol numehr dem Tittul,
Könige in Engellandt, vorgesetzt werden.
Die Printz Ruprechtischen undt Portughesischen Schiffe,
haben mit den Engelländischen ParlamentsSchiffen, in der
offenbahren See, geschlagen, iedoch ohne sonderlichen
succeß, undt seindt baldt wieder von einander gegangen.
Die Frantzosen wollen die Waldstädtlein, nicht
abtretten, biß Franckenthal, auch evacuiret seye.
Sie sagen, sie seyen zu Nürnberg übereilt worden,
undt machen Difficulteten, wegen acceptation deß
friedens.
König, undt Königinn in Dennemargk, seindt zu Ny-
cöpping, bey der Princeßinn. Delectiren sich, mit
der iagtt. Wollen aber, wieder nach Coppenhagen,
zur versamlung der Reichßrähte, gegen den 8ten: October
da man deliberiren wirdt, wie der Cron schulden,
über 6 millionen, sich erstregkende, getilget
werden möchten? maßen dann, ohne den neẅen
PfortenZoll undt angenordnete accisen, auf die
drey Stände, alß: Geistliche, Bürger, undt
Pawer Standt, eine extraordinarium Königliche Schatzung,
geleget werden soll. Man hat zwar, von denen
von Adel, den 3. Theil, von den lehnen, auf drey
iahr, begehret, Sie haben sich aber, darzu nicht
verstehen wollen, derhalben, wirdt man, inß künftige, ge-
nawere achtung geben, auff der gouverneurs, ihre rechnungen,
wie: inngleichem, wegen des Zolls, in Norwegen.
Die Stadt Brehmen, schickt auch gesandten nach
Stogkholm, so übern Sundt, paßiren.
Daß getreydig, in Dennemargk, ist sehr ver-
dorben, wegen der vielen regen, undt inundatio-
nen. Vervhrsacht, große Theẅerung, undt
hungersnoht. So haben auch die Sturm win-
de, auf der Oost: undt WestSee, grawsam
rumoret. Gott erbarme sich armer leütte!
Die in Demmin gelegene Schwedischen völgker
undter dem Obersten Conrath, sollen rebelliret,
die großen Stügke, vernagelt, die kleinen, inß
waßer, versengkt, die festung, darauf quittiret,
undt von den Officirern, einen Theil mitgenommen
haben, auß furchtt, (wie verlauttet) das Sie in
Schweden hinweg geführet werden möchten.
Der Pfaltzgrave Generalissimus, ist zu Wiß-
mar, gedengkt in kurtzem, mit gutem winde,
über die See, zu saigeln. Entpfähet visiten.
Der Königlich Dennemarkische Stadthalter Rantzow,
ist numehr in procinctu seiner lengst, vorge-
habten, ambassade, undt rayse an Kayserlichen hof, mit
Stadtlichem comitat, undt apparat. Jst auch
|| [[Handschrift: 189r]]
schon zu hamburgk persöhnlich gewesen, undt hat
sein Bagage, undt in die 6 schöne pferde vorahn geschicktt.
Minden an der Weser, ist numehr, von den Schwedischen
auch evacujret.
Der Feldtmarschall Wrangel, sol ein Anlehen vom
General Maior, Peykuhl, gesucht haben, dieser aber
hat sich excusirt, er hette es nicht, iehner hat
nicht acquesciren wollen, sondern härter angehalten.
Alß dieser nun, beym abschlag verblieben, sol
ihm Wrangel, im Stift Ferden, haben einfallen,
undt mit gewaltt, 300000 ReichsthalerRthlr: abnehmen
laßen, darumb er in Schweden, citiret seye.
Den erfolg dieser seltzamen Zeitung, lehret die Zeitt.
Der Pabst, vermeinet man, werde es bey
dem Protestiren, wieder den friedensSchluß,
nicht bleiben laßen, Sondern auch seine Macht
dargegen anwenden, undt so wol Spannien,
alß Frangkreich, darwider, animiren.
Etzliche muhtmaßen, es spinne sich ein feẅer ahn,
<wegen der Zölle undt traffic zur See> zwischen Schweden, undt Hollandt, item: zwischen
Schweden, undt Chur Brandenburg wegen der Pommerischen
gräntzen, undt verweigerter huldigung, zu Magdeburgk. et cetera
Dabit Deus, his quoque finem.28
Mittwoch☿ den 25. September
Extra zu Mittage, ist Seckrka, undt Peltzigk gewesen.
Dieser Peltzigk, ist Jochem Peltzigks Sehliger vetter, undt Mein
lehenmann.
Jch habe viel intrighj gehabt, wegen der gebeẅde, undt
Oeconomijsachen.
<1 Schockßo: lerchen, die lerchenstreicher, Zacharias, Michel29 Lackai undt Märtin Vorreiter eingebracht.>
Jn die kirche, undt wochenpredigtt,
conjunctim, die Schwester aber ist
noch krangk.
Extra zu Mittage, undt abendts: Seckrka, undt
Einsidel. et cetera Tobias Steffeck von Kolodey et cetera[.]
Fürst Augustus ist cum filio30, & nobilibus an Meine Schleüse
unversehens, gekommen, eben, alß ich mich waschen,
undt Balbiren laßen, undt hat den baw besichtiget,
ist aber baldt darnach, auf ienseyts, wieder darvon
gefahren.
In Gallicis, habe ich heütte viel zu arbeitten ge-
habt, weil mir auß Frankreich verworrene händel, in
selbigen Schuldtsachen, vorkommen, auch dißputirlich gemacht
werden wollen. Gott helfe mir auch, auß selbigem
labyrinth.
heütte hat man die weinlese angefangen. Gott
gebe zu sonderbahrem glügk! Segen! undt succeß!
Die leichpredigten, des herrn vetters, Fürst Ludwigßs Sehliger hat
Mein Secretarius hangkwitz herüber geschicktt, nebst dem
gekrönten davidt, undt andern büchern.
Georg Reichardt est revenü de lá, l'y ayant voyè ce mattin
vers le L. K. C.g & il m'a rapportè de lá, esperance mediocre,
en termes trescivis.
Post preces, & lectiones matutinas, preparatoria
zur devotion gemacht, die Oeconomica ordjniret,
Mit Seckerka conversiret. etcetera
hofmeister Einsidel, undt Doctor Mechovius, seindt
diese Nacht, auß der Grafschaft Schwartzburg,
etwaß malat, wieder kommen.
Der von Jehna, undt Ernst Dietrich Röder, seindt
anhero kommen, undt extra zu abends, bey mir, geblieben,
wie auch der iunge Einsidel. Jehna, habe ich nach der
Mahlzeitt, wiederumb dimittiret.
Samstag♄ den 28ten: December<September> 1650. böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ
<17 lerchen, vndt 1 wachtel, vom lerchenstreichen.>
Ma femme a songè Que mon fils Viktor Amadeus se seroit
noyè & perdü dans la rivière de Salle, & que
le Precepteur Hammel, auroit picquè avec le doigt
dans les yeux Charl Ursinus pour pünition de n'avoir Voulü estüdier,
item: l'auroit poussè avec la teste, par les troux, dü mitan dès escabeaux[.]
Mein Töchterlein, Eleonora hedwig, hat Trefliche schmertzen
an Zähnen, ein drey Tage, undt mehr hero, also, das Sie
muß darahn zu bette ligen, undt es will ihr, nichts
helfen. Gott erbarme sich des armen würmleins!
undt lindere, ihre große schmertzen!
Extra zu Mittage, ist niemandt gewesen, alß: Se-
kerka, Röder, undt der iunge Einsiedel. et cetera
Jn die Præparationpredigt, cum sorore, et filiis, et nobilibus, &cetera[.]
Gott laße unß, würdige Tischgenoßen, bey seiner
gnaden Tafel, erfunden werden!
Abermalß ein Prorogationschreiben, von Plötzkaw,
des angesetzten Tages halben, entpfangen.
Die Erffurdter avisen geben:
Daß leider! die Schotten geschlagen, in die 4000
Mann verlohren, ihr König, in gefahr, seye, ob
er gleich alles bewilliget, undt eingegangen, waß
die Schotten, gewollt: Gott erbarme sich, seiner!
Cromwell, sol in guter postur, stehen, sich sehr,
auß Engellandt, verstärgken, undt die Schotten,
in ihrem läger, außzuhungern, gedengken.
Jn Schweden, sol es auch innerliche factiones,
geben, undt neẅe motus aldar, besorget werden.
Selbiger landt: oder ReichsTag, sol sich, gar schlecht
anlaßen. Die Stände wollen nichts willigen, vor
|| [[Handschrift: 191r]]
ankunft selbiges Generalissimj des pfaltzgraven.
Jn Dennemargk, gibt es auch schwürige köpfe, ha-
ben zu Contributionen, wenig lußt. Jnterim cumu-
lieren sich, die Königlichen Schulden, wiewol Rantzow,
groß geldt auf seine Ambassade bekommen, undt
mitgenommen, undt sehr herrlich spendiren thut.
Jn Polen, besorgt man sich wieder, eines Tattern-
krieges, undt trawet man den Cosagken, auch nicht recht.
Die Venezianer, triumphiren sehr, mit ihrer
recuperirten festung, Sankt Teodoro, oder Tudero, in
Candia, wie auch <wegen> des Castels Turlulu, hoffen
selbige Jnsel, zu liberiren, weil auch zu Constan-
tinopel, der Primo Vezier, caßirt, oder stranguliret,
hingegen, der neẅe reiche eingesetzte Calil Bassa,
große confusiones machet.
König in Spannien, sol Todtkrangk sein, deßen
Tochter, der Ertzhertzog Leopoldus, undt der Pabst
auf das Königreich Neapolis ein auge haben,
gesinnet sein solle. Gott schigke alles, zur beßerung!
Düc de Bouillon, undt sein bruder, haben große
progreß allnoch, in Guienne, undt Champagne.
Die verbitterung, wieder den Cardinal, mehret sich
undt, ohne erledigung der Printzen, undt abschaffung
gedachten Cardinals wollen die tractaten, nicht forth.
<34 großvögel, von Ballenstedt.>
Jn die kirche, undt zur heiligen communion in feiner
frequentz, Gott lob, undt dangk! Gott gebe
unß Stärgke, undt beständigkeitt! zu unserer
Seelen Sehligkeitt! Nach gehaltener communion,
ist die Schwester, freẅlein Dorothea Bathildis,
(welche sich hertz: inniglich, darauf gefreẅet)
etwan unpaß worden. Jedoch, hat Sie sich, stargk
gemacht, biß wir alles absolviret, mit
unserer kirchenDevotion, undt biß wir
also noch, wieder aufs Schloß kommen.
Extra zu Mittage, Monsieur Sekerka, des
hofmeister Einsiedelß, haußfraw, Röder, die
Rindtorfinn <der iunge Einsidel>, der hofprediger, Tobias Steffeck von Kolodey
undt Schwartzenberger an der Tafel theilß,
theilß auch am NebenTische gewesen.
Abendts spähte, haben meine Söhne durch Tobias Steffeck von Kolodey
noch etzliche Rackeetlein, undt Schwermer
fliegen laßen.
<3 hasen nachmittags.>
<4 hasen, vormittags 2 läxe. 26 vogel.>
Conferenze mit Sekrka, postea mit Jakob Ludwig Schwartzenberger.
Mein Sohn31, ist hinauß hetzen geritten, undt hat,
4 hasen, eingebracht, von Palbergk, hero.
Nachmittags wieder hinauß hetzen, undt in die
weinberge, deme von Seckerka den Ziegelberg,
(den man liset) zu zaigen, welches auch geschehen,
undt wir haben darneben, 2 hasen, gehetzt,
wie auch Oberlender, 1 geschoßen.
Schreiben, von Berlin, halle, Leiptzigk.
Die avisen geben: daß der König in Engellandt, undt
seine Schotten, aufs haüpt geschlagen, vom Cromwell,
4000 außerlesene Mann, wehren aufm platz, geblieben.
General leütnant Leßle vndt sehr viel Officirer,
ia fast die gantze infanterie, gefangen, in die
250 fähnlein, undt fahnen verlohren, in die 40
stügke, undt alles Bagage inngleichem, Edenburgk
wehre Occupirt, man wüßte nicht, wo der König
hinkommen, es gienge alles, bundt über. Gott erbarm es!
undt laße doch, die ungerechtigkeitt, nicht überhandt nehmen!
Zu Avignon hat das wetter, in eine kirche, darinnen
60000 Pfund (libra)℔: pulver gelegen, eingeschlagen, undt erschregklich
rumoret, zu Mecheln, ist der pulverThurm, angegangen, undt
hat auch gehauset, als ob der iüngste Tag, vorhanden?
Zu Bourdeaux, ist der krieg, noch grimmig, undt
alß die Königinn, dem Düc de Bouillon (welcher die
gefangenen Soldaten begraben zu laßen, angesucht)
mit einer rauhen antwott begegnet, alß ob er
in kurtzem, hoch genung solte begraben werden, ist
er darüber ergrimmet, undt unsinniglich, auß-
gefallen, auf des Cardinals Mazzarinj, quartier
kommen, undt viel officirer, undt Soldaten, er-
schlagen, undt gefangen. Visconte de Türenne,
sol auch in Champagnien, wieder victorisirt haben.
Der Ertzherzog aber, mit dem Düc d'Orleans
auf Fürstliche parolle, friede tractiren, hingegen
der Düc de Lorraine, solle unpaß sein. Die
Spannier, dringen auf die pacification von
Vervins, de anno 1598. Die Frantzosen aber,
auf observation des Münsterischen friedens.
Wollen die waldstädtlein, eher nicht evacuiren.
Chur Pfaltz, wirbt auch volgk.
Zu Basel undt dort herumb, ist ein erschregklich
donnern, blitzen, undt erdtbebem, auch großer
hagel, gewesen, welcher die früchte, sehr verderbet,
undt schregken gebracht.
Jn Dennemargk vndt selbigen landen, hat der regen
die Erndte, undt winttersahtZeitt, sehr gehindert,
undt verderbet, auch große Theẅerung vervhrsachet.
Der Tapfere Frantzösische Reichß: undt feldt-
marschalgk Rantzow, ist zu Duynkirchen, gestorben.
Die Frantzosen, seindt eingefallen, im Alexandri-
nischen, zwischen Annone, undt La Rocca d'Aranzo.
Der Pabst, will, alle Baronj Romanj, sollen ihre
festungen, demoliren, undt die Montj, darinnen sie
geldt stehen haben, reümen, Trift vornehmlich, die
Ursiner, undt Colomneser.
König in Spannien, hat vrlaub, vom Könige in
Spannien, seine geistlichen, in Castiglia undt Leon
auf 6 iahr, mit fleisch, wein, eßig, undt öhl-
Zoll, zu belegen, welches in die 19 millionen, eintragen
solle. <Zu Nürnbergk ist es nichts, mit dem Sultzbacher vergleich.>
Die Venezianer, triumphiren, über San Todero,
undt Turlulu, so General Mocenigo, recuperiret,
undt hoffen, Canea, vom secours, außzuschließen.
Der Große Cham[!], droẅet Polen, undt Moßkaw,
will auch, Moldaw, undt Walachay occupiren. et cetera
Chmielinßky wirdt auch gedroẅet, wo er ihm nicht assistjret.
Ein Spinola, so also heißt, undt doch ein geborner
Tartar ist, sol Ambassador zu Wien, sein.
Die Landtgrävin zu Caßel, will ihren RegentenStandt, abtretten.
|| [[Handschrift: 193v]]
Undt ihrem Sohne, Landtgraf Wilhelm, übergeben, derent-
wegen, ein landtTag, zu Caßel, außgeschrieben, sein soll.
Der iunge hertzogk von Bayern, Coadjutor zu Cölln,
undt Lüttich, sol Churfürst zu Cölln, &cetera werden.
Man spargiret noch, der Kayser, werde die
Princeßinn von Dennemargk, des Churfürsten von Saxen
Tochter, heyrathen, umb dadurch, desto mehr, die
liebe der Evangelischen Chur: undt Fürsten, zu gewinnen.
Zu Demmin, continuirets, daß die Schwedischen,
noch rebelliret haben, wie neẅlichst, geschrieben worden.
Sie hetten die Stügke vernagelt, die fähnlein von den
Stangen, gerißen, in abwesen ihres Obersten, die sa-
tisfacitongelder erpreßet, undt abdangkung erzwungen.
