Post jentaculum, von Bernburgk nach Ballenstedt,
mit Meiner herzlieb(st)en gemahlin, undt Carolo Ursino,
in allem, 16 personen, stargk.
Es war heütte, warm wetter.
Die beampten zu Ballenstedt, Märtin Schmidt, undt
Mattheß Knüttel, habe ich in ihrer Vocation
wol gefunden, undt man hat den anfang, zur
lieben erndte, auch zu Ballenstedt gemacht.
Jns holtz zu gehen, ist mir wiederrahten worden,
nicht allein, wegen der hitze, Sondern auch, wegen
der Mügken, undt hornißen, welche Menschen undt
viehe gewaltig im waldt, infestiren, also daß man
auch diesen abendt, das vieh, vor der zeit, eintreiben müssen,
|| [[Handschrift: 205v]]
weil es nicht, vor dem ungeziefer bleiben,
noch sich retten können. So haben auch, die wölfe
den winter über, viel Rehe gefreßen, also daß
ihrer wenig im holtz zu finden, oder ahnzutreffen.
<Bouleversement dedans mon lict, ie crains quelqu'ün mort; ia a Dieü ne playse.>
<2 hasen schießen laßen, gegen Morgen. 2 Rehe, gegen abendt.>
Jch habe mich dennoch bemühet, im holtze, mit dem
Reheblahten, etwas zu schießen, habe aber kein Rehe
können ansichtig werden. Der forster1, gibts den
wölfen schuldt, welche so viel aufgefreßen.
Vor 8 tagen, sollen 4 wölfe, einen stargken
hirsch, niedergerißen, undt gefreßen haben.
Der hofrath Pfaw, ist bey mir gewesen,
undt hat mir viel- undt mancherley referiret.
Nachmittage, hats geregenet.
Die avisen von Erfurdt, geben:
Das die Faction formirt ist heimlich, zwischen dem
Printzen de Condè, undt der Königinn in Franckreich,
dörfte, wo nicht eher, dennoch im September
außbrechen, wann die große versamlung dès
Estats, geschicht, undt der König (wilß Gott)
|| [[Handschrift: 206r]]
mündig wirdt. Interim, gehen schon wieder manifesta
auß, gegen einander.
Jn Engellandt, hoffen beyde kriegende
partheyen, auf den Sieg, und stehen gegeneinander
zu felde. Man erwartet eines hauptStreichs.
Gott dempfe die übelthäter!
Jn Dennemargk, undt Schweden, gibt es viel
undt mancherley verwirrungen.
Die Pollnische Victoria wieder die Tartarn,
continuiret, und daß sich der General Chmielinsky,
mit seinen Cosagken, hette zu rügke gezogen.
Der König, wirdt wegen seiner Tapferkeitt,
so er darbey bezeiget, sehr gerühmet. General
hubaldt, Fürst Weßnewetzky undt andere
sollen zur zeittigen Schlacht, gerahten haben,
ehe die völgker, durch hunger, oder krangkheitten,
oder auf parthien zergiengen, undt ruiniret
würden. Die ersten beyde Tage, sol es schwehr
auf der Pollnischen seitten, sein hergangen, auch
gefährlich sich ahngelaßen haben, aber an dem
dritten Tage, hette der König, das feldt erhalten.
Der Chrimmische Cham[!], wehre verwundet, sein bruder
getödtet, undt in die 40000 Mann, beyderseits geblieben.
Auch hette der Cosagken General Chmielinsky seine
gantze Cantzeley verlohren, darbey 15000 Cosagken, die
wache gehalten, undt von den Polen, alle niedergemacht worden.
Die Poßpolite Rußenie (welches die vfgebottene Ritter-
schaft, in Pohlen, undt Lyttawen ist) hette den ersten
angriff gethan, mit dem Könige, undt sehr wol gefochten,
die deützschen, hette man zur reserve behalten,
welche da es an sie kommen, auch an sich, nichts er-
mangeln laßen.
Die Türgken sollen sich sehr stärgken, wieder
die Venezianer, so wol zu lande, wieder Dalmatiam
als zu waßer, wieder Candia undt in die 300
galleren undt Sehgel stargk auß den Dardanellj
außgelauffen sein, mit befehlich, die Venezianische armada
wo sie die antreffen, ahnzugreiffen, hingegen,
seindt die Venezianer unerschrocken und stärgken
sich auch gewaltig, zu waßer, mit ihren eigenen,
undt dann mit des Pabsts, der Maltheser,
undt anderer Jtalienischen Potentaten galleren
galleazzen, gallionen, undt Schiffen. So versehen
Sie ihre festungen, undt grentzen, mit geldt,
volgk, undt anderer Provision, in meinung,
mit Gottes hülffe, dem Mächtigen feinde, wol
|| [[Handschrift: 207r]]
gewachßen zu sein.
Jn Ungarn, sollen sie die Türgken, auch stargk
streiffen, undt die besatzung zu Neẅheüsel, eine
stargke excurrirende partie solcher Türgken,
überwältiget, undt geschlagen haben. Der Kayser
fehret mit der stargken reformation2 in den Erblanden,
immer forth.
Die Maltheser haben drey Schiffe, so dem Türcken
zu, gewoltt hinweg genommen, darundter auch Englische.
Mes gens ont tuè en mon poile icy à Ballenstedt,
üne arondelle, qui voloit dedans a l'entour,
fort long temps, n'en voulant nüllement sortir,
(nonobstant qu'on ouvroit les fenestres) & rodant
souvent a l'entour de ma teste, cela m'estoit
importün. Je la voulois chasser dehors, mais
ün dès valets la frappa enfin d'ün baston, voyant
que la Viande estoit mise, sür la table, et auroit
pu estre salie. On croyt, que cela apporte dü
malheür, quand on tuë, ün tel animal
ou oyseau, mais ie ne veux pas estre bigot, nj
süperstitieux.
Jch habe ein Rehe nach Bernburgk geschickt, undt
eines behalten.
Meine gemahlin ist frühe, nacher Quedlinburgk
zur Aeptißinn gezogen, ihre visite abzulegen,
Jch aber, bin mit Carolo Ursino, zur kirchen, im
flegken Ballenstedt, dem Gottesdienst abzuwarten,
undt Ern Peter Goht, zu hören.
Zu Mittage, habe ich niemandt, bey mir gehabt,
alß: meinen Carolum Ursinum, Ernst Dietrich
Röder, den Amptmann Märtin Schmidt, undt Ern
Peter Goht.
Nachmittages, habe ich, durch importunes (ohne
zweifel angestelletes) sollicitiren, Meinem
Carolo Ursino erlauben müßen, die FrawMutter,
von Quedlinburg, abzuholen. Gott gebe! Das
es nach meinem wuntzsch, undt zufriedenheit,
ergehen möge! Interim leßet man mich
gantz alleine, ohne Junckern, undt bediente,
comme ün gueux, de peü de consideration.
Gar spähte in der Nacht, umb 10 uhr,
seindt sie endtlich wiederkommen.
Ma femme a veü, üne croix noire, a Quedlinbourg
sür son rabbat, a costè gauche. Elle craint, que cela
signifie Viktor Amadeus. Ja a Dieu, ne playse!
Es hat Tractaten gegeben, mit den Quedlinburgern,
de la part de Madame & de la mienne.
Jn Oeconomicis, allerley zu befehlen, gehabt, bey dem
Amptmann, undt Amptschreiber, ieglichem á part,
undt den letzten, habe ich nacher Quedlinburg geschickt
in angelegenheitten, undt auch etwas von Wein, undt
Proviandt, einzukauffen.
Die Erndte gehet wol von statten, Gott helfe
ferner mit gnaden! undt laße alles wol gedeyen!
Jhm seye Lob, undt Dangk gesagt, vor seine
milde gaben!
Es hat gegen abendt, alhier im forst zu Ballenstedt,
gedonnert, geblitzt, undt geregenet, derhalben
ich, den vorgehabten Spatzierweg, inß holtz, auf
daß Reheblahten, habe einstellen müßen.
Die leütte umb Padeborn, undt hoym, klagen
sehr, über die wilden Gänße, das ihnen dieselben,
so großen schaden zufügen, undt zu 3 in 400 stargk
auf die felder, fallen, und ihnen das getreidig, abfreßen.
Sie thun es mehrentheilß in der Nacht, da man sie nicht
recht sehen, noch ihnen beykommen kan, undt seindt
sehr schüchtern, undt wilde. Der Churfürst von
Brandenburg hat verbotten, in seinem neẅen
Fürstenthumb Halberstadt, weder zu schießen
noch zu iagen, außer, waß seine leütte thun
müßen, daher mag sich solches, undt ander ge-
vögel, undt wildpreth, haüffig mehren, undt
zunehmen. Jst auch eine Landtplage, weil
sie in einer Nachtt, eine Breitte abfreßen,
undt mächtigen schaden thun können.
A spasso alhier zu Ballenstedt, gegangen.
Etzliche expeditiones, den Beampten, specifice
committiret.
Schreiben von Tobias Steffeck von Kolodey von Bernburgk, mit
den Leiptziger avisen, undt berichtt, vom
erträglichen zustandt, Gott Lob, daselbst,
undt das Victor Amadeus unser Sohn im
rügkwege, auß Ungarn, undt zum Brigk
ankommen seye, Gott Lob! Der helfe ferner, mit gnaden!
Zu Bernburgk, seindt vor Gawen, 6 Schiffe
mit 80 angegebenen wispeln nur, undt 45 schöne
pferde, auß dem Fürstenthumb hanover, vor Chur
Saxen, durchpaßiret. Umb Calbe undt
Niemburgk hat es vorgestern, greẅlich gewittert,
undt gehagelt. Zu Bernburg, aber nicht, Gott Lob!
Die Leiptziger avisen geben:
Daß der König in Polen, die Schlacht, wieder die
Türc Tartarn, und Cosagken, gewiß erhalten,
Chmielinßky von Tartarn, übel tractirt,
weggeführt, undt die Pollnische vfgebottene Ritter-
schaft, auch wieder nach hause, gezogen seye,
wiewol es der König, ungerne gesehen, undt sie gerne
länger gebraucht hette. Die Cosagken,
haben zwahr friede, und gnade gesucht, iedoch,
weil sich ihre Gesandten im Brandtewein
voll gesoffen, undt wiederwertig sich erzeiget,
hat man sie geprügelt, undt dadurch, ihre
nation aufß neẅe irritiret. Die eroberung
gewaltiger beütten, und vornehmer gefangenen
continuiret. Zu Constantinopel, sol auch der
Patriarch daselbst, es mit den Cosacken gehalten,
undt briefe gewechselt haben, welche man nach der
Schlacht, gefunden. Alda zu Constantinopel regiret die Pest.
Die Türgken, ominiren nichts gutes, weil ihr
größestes Schiff, mit 80 stügken, im außlauffen
auß den Dardanellj, undtergangen, undt gesuncken.
Mag übel verwahret, undt gebawet sein gewesen.
Die Venezianer, animiret es. Dieselben ruiniren
etzliche festungen in der Jnsel Candia, alß
Turluru, Suda, undt andere, zu erspahrung
unkosten. Armiren stargk beyderseitß.
Jn Engellandt, stehen beyde kriegende theil,
gegen einander, und stehet auf einer haüptaction.
Jn Frangkreich, werden, die Mißverstände
ergrößert, zwischen der Königinn, undt
dem Printzen von Condè. Der Printz, will
den Cardinal Mazzarinj durchauß nicht
einkommen laßen. Der Lionne, Tellier, Ser-
vient, undt andere creaturen des Cardinals
seindt vom hofe geschaft.
Jn Catalogna nimpt die pest überhandt.
Der Ertzhertzog, ist krangk zu Brüßel.
Jnterim gehen die armèen, auf einander.
Zu Rom, hat der Spannische Ambassador die lehen wegen des
Königreichs Napolj entpfangen, den zelter mit 7000 Ducaten,
|| [[Handschrift: 210r]]
præsentirt, undt mit banqueten freẅdenfesten,
undt andern magnificentzen, sich sehen laßen.
Der Pabst, hat 300000 crohnen, von Spittälern,
Gotteshäusern, undt Montj della pietà, bahr
hinweg genommen, undt die interessenten, auf andere
gühter, verwiesen.
Der Principe Sàvelly, ist umb 400000 cronen
Schuldt willen, in eines Cardinals hause zu
Frascatj, beschimpft, undt durch die Sbirrj, auf
seine gühter, ein arrest geschlagen worden.
Der Cardinal, Capponj genandt, zeücht auch
diesen Schimpf, hoch ahn.
heutte nachmittags umb 3 uhr, seindt wir
zu Ballenstedt, wieder aufgebrochen, undt
nacher Bernburg gezogen. Undterwegens hat
es sehr gewittert, undt sonderlich gegen Warm-
storff etzliche stargke donnerschläge gegeben,
also das etzlichen, nicht wol bey der sache gewesen.
Der liebe Gott, hat unß aber dennoch baldt
ein gnadenzeichen, nemlich, den regenbogen sehen
lassen, undt der <angedrohete> regen, hat sich verzogen. Daß
wetterleüchten aber, hat in die Nacht hinein continuiret.
Jn die kirche conjunctim, am heüttigen behtTage
da dann, Er Menzelius pfarrer von Rheinßdorf,
eine schöne predigt, auß dem Spruch, Jesaja 49.
Zion spricht3, etcetera abgeleget. Gott stärgke
ihn! undt gebe dem donner seines wortts,
fernere kraft! Oberste Werder, hat mir
ihn recommendiret, zum hofprediger.
Extra zu Mittage, den Doctor Mechovium, (so
aber avociret worden) darnach den Menzelium,
Tobias Steffeck von Kolodey Schwartzenberger undt Bärnreütt, des
Registratoris bruder, gehabt, undt mit einem
ieglichen, successive de rebus diversis, conversiret.
Der Bärnreütt, kömbt auß Frangkreich. Jst bey dem
Conte d'Avaux gewesen, zu Münster. Redet gut Frantzösisch
undt hat recommendationschreiben, von Croßen mitgebracht.
Aviß: das zu Weymar, der donner, in die
Schule geschlagen, 3 personen getödtet, undt
14 verwundet hette. Gott bewahre, vor mehrerem
unheyl, undt bösen zufällen.
Ein Superintendens, ein exulant von Sagan, auß
|| [[Handschrift: 211r]]
der Schlesie, so heütte sich præsentiret, undt zu Wolfen-
büttel, vor ein par Tagen, gewesen, berichtet, daß man
aldar nachricht hette, die Chur Brandenburgischen völgker,
wehren von den PfaltzNeẅburgischen undt Lottringern,
totaliter geschlagen, undt der Churfürst, so persön-
lich darbey gewesen, tödtlich verwundet.
Gott gebe, daß diese böse, der gantzen reformirten
kirchen, hochschädliche, undt unß anverwandten
höchstbetrübliche, undt hertzeinschneidende
zeittung, nicht wahr sein möge!
O Domine; in quæ nos reservastj tempora!
Auß hollstein, wirdt geschrieben, das man in Den-
nemargk, das weib, (so den König, vor unglügk,
schaden, undt gifft, gewarnet) erst torquiret,
darnach hingerichtet hette. Der Reichshoff-
meister Ulefeldt aber wehre mit weib, undt
kindt, in Schweden, geflohen. Mit dem Reichßzahl-
meister, wehre auch eine Neẅe inquisition vor, Man
besorget große alteration daselbst. Gott stehe
der gerechten Sache bey! undt walte über seinen
Gesalbten, auf erden. Den Pollnischen gesandten, wächßt
in Lübegk, der muht, über der Victorie, wieder die Tartarn,
der König in Polen, hat in der eroberten Cantzley des Chams[!], viel
Schwedische correspondentzen gefunden, welche die Tractaten schwehr machen. et cetera
Secretarius Paulus Ludwig, ist heütte bey mir
gewesen, allerley zu referiren, undt bescheidts
in etzlichen expediendis, sich zu erholen.
J'ay èscrit, á Crossen, et á Brigk. et cetera
Jch bin hinauß geritten, mit Carolo Ursino,
in die erndte, undt haben den Segen Gottes
alhier, undt zu Zeptzig, besichtiget. Gott der
herr, wolle es unß, wol gedeyen laßen!
Der Medicus, Doctor Fischer, hat sich præsentiret.
Schreiben, von Deßaw, 1. in publicis,
undt Landtschaftsachen. 2. Wegen der ehestiftung
meiner Schwester zu Deßaw. 3. Wegen hertzogk
Ernsts <von Saxen Weymar> jnterposition, mit Zerbst. et cetera
Der Christof Wilhelm Schlegel ist auch
bey uns, gewesen, undt extra zu Mittage,
geblieben, auch allerley referiret.
Jch habe an Graven von Oldenburgk, durch
einen expreßen bohten, (so sich præsentiret im
durchraysen) geschrieben.
Geörg Ehrenreich, Freyherr von Roggendorff,
ist von Caßel, (woselbst er, ein iahr lang gewesen),
|| [[Handschrift: 212r]]
alhier ankommen. Il loue la grace, dès illüstres
Personnes, mais il dit, Que la coustüme, y est, de
ne donner, point de quartier libre, aux nobles illecq,
nj assèz de fourrage, pour les chevaux, nj de gage, nj
d'autres petites necessitèz. Au contraire, qu'il y faut
servir, avec soing, & diligence, qu'il se faut magnifique-
ment habiller, & faire grande dèspence, aux estrenes,
et en d'autres presens, & qu'ainsy, il est impossible,
a ün pauvre compagnon exilè, comme il est, d'y süb-
sister, moins d'y gagner quelque chose. Le Prince
l'a benignement expediè, et luy a fait present,
pour tout son service, (ayant fait l'Èscuyer
trenchant) de 60 RixDalers, dont il luy a fallü
dèspendre, 16 pour le quartier, dans la ville de
Cassel, 20 pour estrenes, aux trompettes,
lacquays, Müsiciens, cuysiniers, hallebar-
diers, & semblables gens, en jcelle cour,
le reste, pour achepter dès chevaux, et pour
s'habiller, & entretenir son valet, & pour son
linge blanc, et autres besognes, luy estant
trop peü, & pour fournir, aux fraix de son retour,
il l'a eü, de son Pere, et d'abondant, a encores
dèspence, quelque chose d'üne petite reserve, recüe de moy.
Es seindt heütte allerhandt Oeconomijsachen, zu
tractiren gewesen, undt avisen einkommen.
Das das weib, in Dennemargk iämmerlich gefoltert
worden, zu bekennen, undt zu sagen, daßieh-
nige, waß ihre feinde gewoltt, sonderlich aber,
zu verneinen, waß sie vom Ulefeldt, außgesaget.
Endtlich, alß Sie das Nachtmahl, entpfangen sollen,
hat sie es nicht thun wollen, sondern ist bestendig
darbey verharret, es wehre, undt bliebe wahr,
waß sie anfangß gesaget. Darauf der König
<(als das weib auch den Schlüßel zu Ulefelds Cammer, den er ihr gegeben, herfür gezogen)>befohlen, man solte gemach mit ihr thun, undt
sie wieder einführen, der Reichßhofmeister
Ulefeldt aber, hat sie <nichts desto minder> richten <zu> laßen, <befohlen> undt
solle darauf, mit weib undt kindt, in hollandt,
endtwichen sein, wie auch hannibal Sehestedt, mit den Seinigen.
<Der Oberste Walter, als er beym gericht gewesen,
haben ihn, des Ulefeldts diehner, gleich angefallen, das er sich,
ins Königliche Schloß, salviren müßen.>
Zu Oldenburgk, sol großer schade, von der
waßerfluht, dem Graven, geschehen sein.
Die Stadt Schwerin, sol durch verwahrlosung
eines Schmidts, abgebrandt sein.
Ein hertzogk von Lünenburg ist Päbstisch worden.
Die Pollnischen gesandten, zu Lübegk, wolten gerne ein
Triumphfest, anstellen, über die Victorie, wieder die Tartarn.
Es contjnuiret, das in des Chams[!] Cantzeley, schreiben
seyen gefunden worden, von den Schwedischen, zum præ-
iuditz der Crone Pohlen, gemeinet.
Der Marggraf von Anspach, sol nach Lübegk kommen,
undt selbigen Tractaten, wegen des Churfürsten, von
Brandenburg beywohnen. perge
Jn die kirche, conjunctim, da Er Jonius geprediget.
Extra zu Mittage gehabt: Die Rindtorfinn,
Wischer, Ehrenreich Roggendorf, Tobias Steffeck von Kolodey undt
den Caplan Jonium, wie auch, Doctor Mechovium.
Nachmittags, wieder in die kirche, conjunctim,
da dann, ejn, Studiosus Theologiæ, Cratzius, geprediget. perge et cetera
<3 wilde endten. 2 lächße, einer zu 25 einer zu 5 Pfund (libra)℔>
heütte habe ich durch Gottes gnade, das 52. iahr
meiner mühesehligen Lebenspilgramschaft, absolviret,
Gott seye gedangkt, vor seine gühte, undt helfe
mir ferner, überwinden!
Jch bin mit Carolo Ursino, undt dreyen Jungkern
sampt andern diehnern, nacher Pröderitz, und Zeptzigk geritten.
Schreiben von Croßen, undt Wien Undter andern,
wirdt gemeldet, daß mein Sohn Victor, auch in der Königlichen
Pollnischen residentz, zu Crackow, gewesen,
undt der eine ChurPfältzische gesandte, herr Wolzogen,
todtkrangk daselbst, liegen blieben.
Ie ne scay; pourquoy, mon fils Victor, n'èscrit
rien?
Die Leiptziger ordinarien geben:
Daß der Kayser, nacher Prag, ziehen werde, undt den
anfang des ReichsTages, daselbst erwartten.
Die Türgken machen händel an den Ungrischen
grentzen, weil sie die im Stillstande, abge-
nommene dörfer, nicht wiedergeben wollen.
Jn Polen continuirt die Victoria, undt daß
man besorget, der große Cham[!], dörfte den
Chmielinßky, dem König in Polen, selbst über-
lifern, undt dadurch, seinen gefangenen
blutsfreündt, undt andere, hohe Tartarische
Officirer, frey machen. Vor den blutsfreündt,
hat man schon, 200000. Reichßthaler ran-
tzion gebotten, der König aber, hat kein geldt
annehmen laßen wollen. Zu Lübegk wollen die Pollnischen
|| [[Handschrift: 214r]]
legaten, freẅdenfeẅer machen, undt fontanen mit wein,
dem volgk zu gefallen, über diesem Siege lauffen laßen.
Wegen der Cron Schweden, sol hanß Wachtmeister, dorthin
kommen.
Die Königin in Schweden, hat Sawerbrunnen getrungken,
zur beförderung, ihrer reconvalescentz.
Zu Brehmen, ist großer argwohn, undt man ist, <in> der Stadt,
den Schweden, wenig zu willen. Die Schweden haben von der
Ritterschaft, des Fürstenthumbs Brehmen, die huldigung zu
Staade, eingenommen, undt wollen eine andere Stadt,
an der Weser bawen, undt die handlung von Brehmen,
dorthin ziehen.
Chur Brandenburg undt Pfaltz Neẅburg, kriegen noch,
wieder einander, iedoch verahnlaßen sie auch gütliche tractaten.
Die Lottringhischen, assistiren mit Macht, den Neẅburgischen
der iunge Printz von Neẅburg ist General. Chur Brandeburg
hat seinen Clevischen Stadthalter Graf Moritz von Naßaw,
nacher Brüßel, zum Ertzhertzogk geschickt. Die Staaden,
haben auch im willens, dem Churfürsten, zu assistiren. perge perge
Zu Lüttich, gibts auch neẅe Mißverstände, wegen
creirung selbiger Bürgermeister.
Die Frantzösischen undt Spannischen waffen im Niederlande
streiffen auf einander, in Flandern, und hennegaw.
Landtgraf Ernst, ist zu Duysseldorf, suchet condition,
nach dem er zur Päbstischen religion, abgefallen.
Jn Franckreich, continuiren die factiones, der Königischen,
undt Condeischen, undt beharren, auf der außschaffung
des Cardinals Mazzarinj, undt seiner anhänger.
Die Königin betrübt sich, daß Servient, Tellier,
la Lionne, (welche sie, vor treẅe diener, des Königes
gehalten) außm raht, undt von Paris, geschaft werden
müßen.
Barcelona ist zu lande, undt zu waßer von
den Spannischen belägert. Die pest, sol aldar,
22 mille Menschen weggefreßen haben, undt kaum
6000 noch übrig daselbst sein, derowegen die
Spannier, der occasion sich gebrauchende,
beßere hofnung zur eroberung haben.
Printz Ruprecht, undt Printz Moritz, Pfaltzgraven,
haben in der Spannischen See, reichbeladene
Spannische, undt Engelländische Schiffe,
gewunnen, undt in Portugall aufbracht.
Die evacuation Frangkenthals hemmet
sich noch, undt die Spannischen bawen noch daselbst.
Zu Frangkfurt, am Mayn, versamlen sich
viel Stände, undt Gesandten.
In Engellandt undt Schottlandt, rüsten sich beyde
|| [[Handschrift: 215r]]
parteyen. Man meinet, die armen Schotten seyen
geschlagen, undt hetten 5000 Mann, verlohren, auch viel
geschütz, bagage, munition, undt dergleichen.
Jrrlandt, sol fast gantz, von den Neẅen Regenten,
überwältigt sein.
Den Prædicanten, Magister Love, wollen sie zu Londen,
richten laßen.
Einen armen iungen, von 12 iahren, welcher zu Ryß-
wigk in hollandt, in des Printzen, gartten, eingestigen,
undt kirschen gestohlen, haben etzliche diehner, ertapt,
mit dornen, gegeißelt, undt endtlich mit hagel
todtgeschoßen. Jst grawsam!
Jm haage, währet die große versamlung,
der herren Staaden noch.
Die heyrath, zwischen der Princeßin Alber-
tina von Uranien, undt dem graven Wilhelm
von Naßaw, gouverneür in Frießlandt,
ist nun gewiß geschloßen. Gott gebe zu glügk!
Der Graf, hat auch müßen, alß Colonel den
Staaden, einen neẅen eydt schwehren, wie
auch der herr von Brederode, undt andere, unlengst gethan,
des Printzen von Uraninen Tode, undt vorgegangenen verenderung.
Jn Portugall sollen zweene reichbeladene Indianische
Caracquen, undtergangen sein, undt alterationes bringen.
Man spargiret, zu Venedig, von einer abermahligen
großen Victoria, welche die Venezianer im Arcipelago,
wieder den Türgken, erhalten haben sollten. Jst aber noch
ungewiß. Es sollen auch, zweene Bascha
rebelliren, in Natolîa, undt an den Persianischen grentzen.
Der König in Persjen, sol auch, eine große Stadt,
Bam genandt, am fluß Tigris, erobert haben.
Die Janitzscharen, sollen gar aufrührisch
sein, undt verhindert werden, in Candia zu gehen,
weil ihrer etzliche, von einem rebellischen
Bascha, in Natolîa, geschlagen worden,
welcher Bascha darumb sich empöret, daß
er gehöret, daß ihn, der Primo Vesier
niedersebeln laßen wollen, auß uhrsach,
daß er die Länder, mit contributionen all-
zusehr, enervirt, undt außgemergelt.
Diese unruhe, kömbt den Venezianern, zu statten!
Der general Foscola, sol ihr Generalissimus
undt Gil de haaß, ihme adjungiret werden,
weil der General Mocenigo, abgedangket.
Jn OostJndien, unweitt von Banda, sol eine
Neẅe Insul, auß der See endtstanden sein, undt sich feste
geleget haben.
Zu Wien, sollen neẅlich 400 Störche, (so alda seltza-
me vögel sein) sich auf die haüser, kirchen, undt Thürme
gesetzet, eine Nacht, dar geblieben, gegen Morgen
aber, wieder weggeflogen sein. Dörften seltzahme
gäste bedeütten.
Die Stadt Schwerin, in Meckelnburgk,
ist mehrentheilß abgebrandt, undt eingeäschert
durch eines Schmidts verwahrlosung, in die 60 häuser.
Zu Leiptzigk, hat man einen Berlinischen
Cammerdiehner, eingezogen, welcher Chur Brandeburgisches
Silbergeschirr gehabt, undt verpartiren wollen.
Drey Schäfer, hat man auch, im Lande zu
Meißen, eingezogen, welche sich unsichtbahr
machen können, undt also viel wanderß-
leütte, ermordet haben sollen, deren viel man
auf den Straßen, eintzelen todt gefunden,
undt lange nicht erfahren, können, wer sie
erschlagen, biß man endtlich, darhindter kommen.
Des Churfürsten von Saxen, außgeschickte Defen-
sioner, sollen Sie ertapt haben.
Der gesterigen occasion, meines geburtsTages, ha-
ben meine kinder, sich gebraucht, sich zu recreiren.
Seindt also, <gestern> nachmittagß, theilß meiner Töchter,
mit Carolo Ursino, auf dem waßer, spatziren
gefahren, undt haben eine kleine Musica, dar-
bey gehabt, nebst gebührlicher aufwarttung.
Mala Herba, ne m'a point congratülèe, ains
m'a regardè á travers, tout le jour, presque d'hier,
ie ne scay pourquoy? Elle n'oseroit dire, d'a-
voir fait ceste incivilitè, par oubliance,
puis qu'elle a envoyè vers moy, toutes sés
six filles, me faire dès petits præsens. Aussy
a elle par cy devant tousjours observè a
mon jour de naissance, de m'honorer sinon
de presens, au moins avec dès bons souhaits,
& tèsmoignages d'affection conjügale!
Ie l'en ay ressouvenüe aujourd'huy, alors
elle me congratüla, plus par dèspit, que de bon cœur
faysant dèsdaigneüsement semblant, de n'y avoir
pas pensè! Le bon Dieü vueille ammollir,
|| [[Handschrift: 217r]]
ce coeur endürcy! & acharnè a me contrarier!
Es ist auch gestern, auß Böhmen, avisiret worden,
daß zu Prag, das renovirte crucifix auf der brügken
sich gewendet, gegen den Strohm der Moldaw, hinauf,
da es zuvorn abwarts hinab gestanden. Undt
sol ein stargker schwehrer Götze sein. General
Königßmargk, hat ihn, mit stügken, zernichtet,
undt herundter geschoßen gehabt, darumb
haben sie ihn, noch viel, ansehlicher renoviret. <Ô>
<Thorheitt! Ô blindtheitt!>
Jtem: Die neẅe MarienSeüle, so Sie auf-
gerichtet, in der Allten Stadt Prag, zur dangk-
sagung, der Mutter Gottes, (weil sie aldar,
von der Schweden gewaltt, errettet worden,
davor sje billich, Gott dem Allmächtigen,
alleine, undt nicht den leblosen götzen, oder<noch den>
verstorbenen heyligen, dangksagen, undt<Sondern>
die Ehre Gott alleine geben sollten) davor
sie die knie beügen, Altar aufgerichtet, Meße
halten, opfern, undt raüchern, solcher greẅel
sage ich, sol (den avisen nach), bißweilen in der
Nacht, von schwartzen vogeln, wie Störchen, umb-
flogen, undt visitirt werden. Die Jesuiter sprechen,
es seyen heilige engel, und gute Geister. so der Mutter Gottes, aufwarten!
Jch habe den Amptmann Reichardt, bey mir gehabt,
in Oeconomicis, undt Polizeysachen, zu expediren, vormittags.
Postea hat es, conferentzen gegeben, mit hofmeister
Einsidel, undt mit Sekerka.
Avis von Ballenstedt, das der Ambtschreiber aldar,
todtkrangk worden, (itzt in der Erndte), auch am cal-
culo, Laborire der Amptmann. Confusio ubiquam in
mea Tetrarchîa.
Es hat sich ein Jtalienischer Sprachenmeister
Dionysius Columba sich nennende, angemeldet, undt
recommendationes, vom Chur Printzen, von Dreßen[!],
mitgebracht, will dienste bey mir haben.
Jch habe schreiben, von meinem Sohn, Viktor Amadeus <auß Brigk> per
Deßaw, entpfangen, item: von Schwester Sophia Margaretha.
Jch habe meinen Kammerdiehner, Ludwig Rober, nach Ballenstedt
geschigkt, nach dem krangken Ambtschreiber Cnüttel, zu sehen,
denselbigen zu besuchen, undt die Oeconomica daselbst ein wenig
zu beobachten. Doctor Fischer, ist auch mittgesandt worden. Gott
gebe zu gesegnetem gedeyen.
Secretarius Paul Ludwig ist bey mir gewesen, allerley expedienda zu expediren.
Conversatio, mit Jakob Ludwig Schwartzenberger[.]
Briefe aus Ungarn, so mir zurück gesendet worden. et cetera
Durch Bährenreütt, welcher todtkrangk worden. Gott beßere es.
Jch bin nachmittage, in die Erndte alhier, undt zu
Zeptzigk, mit Carolo Ursino, geritten.
Darnach, habe ich mit dem Dionysio Columba conversiret,
undt ihn zimlich capable gefunden: auch vor aufrichtig, angesehen.
Schreiben von Florentz, von meinem Bruder Fürst Friedrich. Vom
5.⁄15. Julij; Er approbiret die rayse meines br<Sohns>, in Ungarn.
hette zwahr die rayse in Frankreich lieber gesehen. Er mein bruder,
mèsnagirt, damit er heütte oder morgen, keinen gebrechen, an le-
bensMitteln habe. Er wil noch einen Tour in Jtalien,
thun, darnach, künftiges iahr, wieder nach Genff ziehen,
undt von dannen eine reise durch Spannien, vornehmen,
und endtlich, nach verahnlaßung der Notturft, wieder
im Lande, sich einstellen. Beklagt sich, das man ihm, in
publicis, wegen verzögerten LandtTags, kitzliche briefe
nachschriebe, undt das es unmüglich, daß die Luttrische Ritter-
schaft, bey discrepirender herrschaft, etwaß præstiren
köndte, im negocio Religionis, Fürst Johannsen zu bewegen.
Er verwundert sich auch, das daß negocium religionis,
solle <zu Zerbst> schaden leiden, durch hindtertreibung des LandtTags.
Beklaget die Todesfälle der nahen freünde, undt erinnert
sich, der undterirrdischen unbeständigkeitt! Von dem
Türckenkriege, in Candia, undt Dalmatia, schreibet
er, daß die Venezianer hiebevorn, die media so zu deßen
versicherung, gezeiget worden, nicht employiren, sondern
lieber mit geldt, den Erbfeindt, versöhnen wollen, darüber
|| [[Handschrift: 218v]]
die occasion, außhanden gegangen. Jnterim, ist daß
landtvolgk, sonderlich in Candia, durch allzuharte
Tractament der Nobilj Venezianj, abalieniret
worden, welchen fehler, zu ersetzen, man itzo, den General
Gill de Haaß, (welcher zu Venedig, undt vielmehr
zu Rom, unserer Religion, in seinem allter worden)
mit völliger Plenipotentz, dahin schigken will.
Gott gebe ihm, guten succeß! Darahn viel
Menschen <doch> zweifeln, wollen. Die Deßawische hey-
rath, helt mein bruder, vor eine stargke resolution
von der Schwester Liebden, in betrachtung, daß vetter hans
Geörgens humor, sehr nach den heßischen, sich
richtet, daß die große Tochter, undt Schwestern,
eben mit den unserigen, so recht vertrawte
Freündtschaft, nie gehalten, undt darbey
stargke auch theils importune creditores
in demselbigen hause, vorhanden, anderer
Nebensachen geschwiegen. Jedoch, erkennet
er, sonderlich auch darinnen, Gottes heilige
schickung, undt stellet (ohne sein zuthun,) auf
mein brüderlich gemüth, undt herkommen unsers
hauses, wie die Fraw Schwester, zu versichern, undt
die conservation, undt wolwesen, unsers Fürstlichen hauses,
zu befördern? wil sich gerne mit mir, brüderlich conformiren.
Christian Iulius von hoym, <ein 65iähriger Mann> ist gestern anhero,
spähte kommen, mit seiner haußfrawen. Man hat
sie hieroben, herbergen müßen, weil im weißen
rößlein, kein rawm gewesen. Jch habe viel mit ihm
conversirt, sein anliegen gehöret, undt meine hof-
undt CammerRähte, auch darzu beruffen, wie auch
zur Tafel, ihn beruffen gefordert.
Doctor Fischer, undt Ludwig Rober, seindt von Ballen-
stedt, wiederkommen, weil die krangkheit, so gefährlich
nicht ist, als man sie gemacht, des Cnüttels. Die
<pferde, haben 12 fuder, korn verfeüert. et cetera>
Es hat nachmittags, geregenet, undt gedonnert,
zwahr stargk, aber nicht lange.
Der von hoym, ist mit seiner Frawen,
wieder verrayset. Seine anbringen, bestehen,
auf ferrneren Commissionen.
Freẅlein Eva Catherina, ist alhier, vorüber
paßirt, undt will nacher Weymar. Sie hat
ihre excüses, schriftlich gethan.
Der Jtaliener, Columba, den ich nacher Plötzkaw,
recommendirt, ist wieder von dannen kommen, hat nicht
acceptirt werden wollen. On se dèsfie des estran-
gers, que l'on ne cognoist pas bien.
<2 hasen Carl Ursinus gehetzt.>
Die briefe so ich gestern geschrieben, nacher Croßen,
undt in Schlesien, habe ich heütte, mit dem
Ordinarij avisenbohten, per Leiptzigk, forthgeschickt.
Es kommen abermalß 7 Schiffe ahn, von Magdeburg
mit 8 schogk brettern, vor Gaw, undt 2 Schogk,
vor die Schifknechte, zu 10 ReichsthalerRthlr: das Schockßo: et cetera.
Fürst hanß schreibet mir, undt schigkt wagen
undt pferde, anhero, begehret vier Stügke
von Mir, wieder. Jch recusire es. perge
Er schreibt mir auch, daß das verlöbnüß der
Dähnischen Princeßinn, mit dem hertzogk von
Sachßen Altenburg richtig wehre. Jtem:
daß seine Fraw StiefSchwester, die hertzoginn
von hollstein, würde heraußer kommen.
hanß Eckardten, habe ich nach Zerbst geschickt,
Gott gebe zu glück! undt forthgang!
Den Italiener Columba wieder abgefertiget
undt an den Obrist Werder recommendiret, oder
durch deßen Mittel, nacher Deßaw.
Fürst hanß leütte, haben auch, re infecta, mit
meinen dilatorischen excüsen, wieder forth gemußt,
nach dem ich sie außquittiren laßen.
Jch habe Jakob Ludwig Schwartzenberger in importantzen, vernommen.
Nachmittags bin ich, mit Madame, undt Carolo
Ursino, hinauß gefahren, nacher Palbergk
undt auf selbige breitten. haben auch über
Nacht, alda gegeßen.
Avis von hartzgeroda, daß die ChurBrandenburgischen sich auf
Duißburgk, zu rügk gezogen, undt die Pfaltz
Neẅburgischen die Schlößer wieder eingenommen,
so iehne zuvorhero occupiret.
Etzliche 1000 Schotten, wehren ruiniret, also das
2000 Schotten, todt geblieben, undt viel nebens 50
fahnen, auch 9 stücken, geschütz, den Parlamentischen
zutheil worden. Sol ein corpo volante gewesen sein.
Jn Frangkreich, ist der Düc d'Orleans, mit
dem Printzen von Condè einig, wollen vom Cardinal
Mazzarinj, undt deßen anhang, nicht mehr hören.
Die Königinn aber, so zwahr dissimuliret,
suchet doch alle Mittel dieselbe zu mainteniren.
Der September aber, undt die allgemeine versamlung,
|| [[Handschrift: 220v]]
wirdt auch viel, undt große verenderungen
mittbringen. Der Printz von Condè, undt
Düc d'Orleans, wollen den Mareschal d'Aumont
auch abschaffen, derselbe aber, hat erpracticiret,
daß die gantze armèe, vor ihn intercediret,
undt sich erklähret, von ihm, undt keinem
andern, sich commandiren zu laßen, wiewohl
sie auß mangel geldes, biß dato, wieder
die Spannischen nichts tentiret.
Der printz von Condè, hat der Königinn zuge-
sprochen, sie aber ihn, gar kaltsinnig entpfangen,
doch endtlich haben sie beyde mitteinander
conferiret, undt nebst dem Düc d'Orleans,
raht gehalten.
Jn Catalonien, prævaliren die Spannischen.
Sie seindt, mit 28 kriegsSchiffen, undt
22 galleren, dahin kommen, erwartten noch,
6000 Mann, secours, alßdann sie über
20000 stargk, sein werden, Barcellona
undt andere mehr plätze, zu übermeistern.
Die zu Nürnberg, gewesene Gesandten, werden
nicht lange, in Frangkfurth, verbleiben, weil
in kurtzer zeitt, undterschiedliche personen, an Con-
tagiosis morbis, gestorben, freytags den 8. Augusti
sol die Fraw Landtgrävin, zu Caßel, verstorben
sein, und wenig Tage zuvor, des Chur Brandeburgischen
Stadthalters, zu Minden, graven von Wittgenstain,
anderer Sohn, so schon Rittmeister gewesen,
in der Wehser ertrungken, im angesicht des
herrn vaters, undt Fraw Mutter, undt es seindt
seine 3 brüder, kümmerlich auß dem waßer,
errettet worden.
Wegen des ChurBrandeburgischen krieges, förchtet
man sich, das auß diesem. noch zur zeitt, kleinen
feẅer, ein großer, undt gefährlicher krieg
endtstehen, undt die Catohlische wiederumb, inß Spiel
kommen, also einen neẅen religionskrieg, movi-
ren werden. Die Papisten vigiliren sehr, noch
zur zeitt, seindt alle Kayserlichen mandata, wieder Chur
Brandenburg gerichtet, undt in kurtzer zeitt, seindt
6 Evangelische Fürsten, unvermuhtend zum pabsthumb
getretten. Das SaxenAltenburgische beylager, sol auf Michaelis
beschehen. Ulefeldt ist weg, ex Dania, seine briefe visitiret.
Obrist Walter, ist relegiret. Viel andere, müssen rechnung thun. perge
Jn die kirche vormittagß, conjunctim.
Fraw helena Rindtorfinn, undt der Obrist
leütenampt Luck, seindt extra geblieben. perge
Nachmittags wieder in die kirche, gezogen, mit
Carolo Ursino. Vormittags predigte Jonius, nachmittags,
Marggravius.
heütte habe ich beliehen, die Krosigk von Erxleben,
(aufs neẅe, weil sie sich getheilet, undt die
gesampte handt gebrochen) die Alvenßleben,
Dietfurdt, Erlach4, alß vormünder des kleinen
Curtt Börstels, undt Christian heinrich Börstel
zur gesampten handt. Alle seindt
zur stelle gewesen, außer Dietfurtt,
welcher einen gevollmächtigten, geschicktt.
Volrath, undt Ludolf Lorentz von Krosigk
wahren gegenwärtig, vor sich undt vor
Matthiaß, undt Jacob Antonij, von Krosigk
Gebhardt, undt Christian Ernst von Alvens-
leben, wahren gegenwärtig, undt der
letzte wurde begnadiget nach dem er
zuvorn, excludirt gewesen. Erlach undt
|| [[Handschrift: 222r]]
Börstel, wahren auch, zugegen. Meine Rähte,
Einsidel, Doctor Mechovius, undt Paulus, wahren auch
zugegen, nebenst vielen Jungkern, undt anderen
bedienten. Undt der actus solennis, gienge
gar wol ab, Gott Lob, der vereinige
ferner die Gemühter!
Jch habe Sie, mit mir, mahlzeitt
halten laßen, undt conversiret mit ihnen.
Schreiben, von meinem Sohn, von Croßen,
entpfangen, alda er (Gott Lob) ankommen.
Item: schreiben von Adolf Börstel der will heyrathen
in seinem 62. iahr. Gott segene ihn!
Schreiben von Wien perge et cetera dü Baron de Roggendorff.
Schreiben von Caßel, mit notification, von dem
absterben, der Fraw Landtgrävin zu Caßel, Sehlig.
Gott wolle die betrübten trösten! Jch habe
wol eine Treẅe freündinn undt große
Patronin, an Jhrer Liebden Sehlig verlohren. Sie ist
eine heroische, Tapfere Princeßinn, undt ein
Tugendtspiegel löblicher Regenten, undt
Gottsehliger glaubenßgenoßen wol gewesen.
Darumb hat Sie, Gott der herr, auch lieb gehabt, und zu sich gezogen!
Ein par faß Zerbst[isch]en bier, seindt von Zerbst kommen
zu meinem MundtTrangk. haben müßen groben
zoll, wieder die observantz, der Barbyschen zu Dochum geben!
Jch laße darwider protestiren, undt es wieder begehren.
Die avisen von Leiptzigk bringen mitt.
Daß Chur Brandenburg mit Pfaltz Neẅburg sich vergleiche,
dem Kayserlichen mandat, zu pariren, undt das brennen,
undt landeßverheeren, von beyden theilen einzustellen.
Die Neẅburger hetten alles <wieder> occupiret, waß ihnen abgenommen
worden. Die Staaden, und der Ertzhertzogk, jnterponirten sich.
Jn Frangkreich, währen, die alterationes, undt
Mißtrawen, theilß Regimenter, sollen in Champagne,
von F Spannischen, überfallen, undt geschlagen sein.
Prince de Condè, hat zwahr dem Könige zuge-
sprochen. Jst aber gar kaltsinnig entpfangen worden.
Jn Catalonien hoffen die Spannier, obzusiegen.
Die Spannische Königinn, sol baldt in die wochen kommen.
Der Pabst hat seinen geburtstag celebriret, undt
mit der Donna Olympia, undt der Princeßin Pamphilia
und noch einer anderen, viel fest gemachtt.
Der Spannische Ambassador Duca de Infantado, hat das lehen,
vom Königreich Napolj, herrlich entpfangen, den zelter
mit 7000 Ducaten, præsentiret, undt macht sich zu grossen
solenniteten gefast, gegen die Niederkunft seiner Königinn.
Zu Napolj, werden so wol die Banditen, alß rebellen
gedempft, durch den ViceRè, undt bleibt alles stille.
Pfaltzgraf Ruprecht, hat Genueser, reich bela-
dene Schiffe, im Stretto dj Gibilterra, weggenommen,
weil sie zu Genua, den Parlamentischen undterschleif gegeben.
Ein Frantzose Chesne genandt, hat gegen 10 Spannische
Schiffe, drey Stunden lang, ritterlich gefochten, undt
alß sie ihn überwältigen undt einsteigen wollen,
hat er in die luft, alles zu sprengen, vorgehabt.
Es ist ihm aber, von den seinigen, abgewehret, undt
er erschoßen worden, also haben sich, seine leütte ergeben.
Die Niederlage, des Königes, undt der Schotten,
continuiret, undt sollen 200 Mann geblieben,
1000 gefangen, auch viel verwundet, und etzliche
vornehme herren, umbkommen sein. Die Engelländer
hetten gar wenig volgk verlohren. Cromwell gehet
forth, recta, auf den König, so sich nach Sterling retiriret.
Jn Dennemargk, ist daß weib gerichtet, Ulefeldt,
undt Sehestedt aber, exuliren.
Die tractaten, zu Lübegk zwischen Polen, undt Schweden,
continuiren. Der Pollnische gesandte5, macht große Freẅden-
fest, mit weinbrunnen lauffen, Müntze außwerfen, Feẅer-
wergk, undt dergleichen, wegen der Victorie wieder die Tartarn.
Dieselbe aber, sol so groß nicht sein, als man sie spargiret,
|| [[Handschrift: 223v]]
undt der Cham[!] will wiederkommen, sich zu revangiren.
Die Cosagken sollen sich auch wieder zusammen ziehen.
Die Poßpolite Rußenie, ist abgezogen auß dem
felde, wieder des Königes, undt der Senatorn
willen, darumb hat auch, die verfolgung, undt
nachiagt der Cosagken, nicht größer werden können.
Die Pollnische Ritterschaft, beruft sich, auf ihre Freyheitten,
beklagen sich, daß sie der König an die Spitze
gestellet, undt sie außrotten wollen, hingegen
die deützschen, zur Reserve behallten,
undt werden viel gravamina, auf dem Reichß-
Tage zu Warschaw, vorzubringen haben. Es
scheinet, Sie wollen den König, nicht zu groß werden laßen. perge
Die Türgken, rüsten sich, gegen Candia gewaltig,
wie auch die Venezianer, zur gegenwehre. Die Türckische
armada ist von Constantinopel (aldar die Pest graßiret)
forth, theilß große Schiffe, gehen auf Negroponte,
die kleinen, auf Schio, werden sich zu Navarrino, samlen.
Die Venezianer, haben die nation der Morlacchj
in Albania, meistentheilß auf ihre seitte gezogen,
undt mit ihnen, etzliche Türgken, geschlagen. Jn
Clissâ, ist eine verrähterey entdegkt, undt die an-
Stifter, oder Rädlinsführer vornehme officirer, eingezogen worden.
Ein kerll zu Venedig, so seinen eigenen vatter er-
mordet, ist an einem pferdesSchwantz geschleift, beyde
hände, ihm abgebrandt, auch sonst mit zangen ge-
rißen, endtlich geviertheilet worden. hat seine
Sünde bekandt, bereẅet, undt daß ihm recht ge-
schehen, agnosciret, iedoch beklaget, daß seinem vater,
nicht dergleichen recht wiederfahren, weil derselbe
ebenmäßig seinen vater, ermordet hette.
Poena talionis! Arth leßet von arth nicht!
Die Türgken, sollen sich auch, in Ungarn, moviren,
undt klein Comorrhen, eingenommen haben. Derowegen
der Kayser, provision wieder sie, machet, undt die grentz-
festungen, mit volgk, geldt, undt munition, auch mit
proviandt versiehet, undt die fortificationes verbeßert.
Bey Croßen, hat ein pflugpferdt sich angefangen
in die brust zu beißen. Der AgkerMann hat
es außgespannt, undt in einen garten, da ein
krangk Schaf geweidet, es gethan, in meinung,
es zu weiden, weil es auch krangk wehre. Das
pferdt aber, hat sich über das krangke Schaf gemacht,
und daßelbige, biß auf das fell aufgefreßen, darnach
hat es sich über einen iungen, so in den garten kommen, auch
hehr gemacht, und ihn freßen wollen, er ist ihm aber, über
einen zaun, entsprungen, und noch davon kommen
|| [[Handschrift: 224v]]
das pferdt aber, hat darauf, drey Sprünge gethan,
undt ist gestorben. Jst ein Seltzamer casus!
Der iunge hertzogk, von Wolfenbüttel, ist nach
Braunschweig kommen, undt hat daselbst, mit den
bürgern, nach dem vogel, undt den selbigen, herab
geschoßen. Diß stehet auch in den Avisen.
Jakob Ludwig Schwartzenberger undt Amptmann Georg Reichardt seindt, bey mir, gewesen,
allerley necessaria vorzutragen.
Die von den gestrigen Lehen, excludirte vom Adel, seindt gewesen,
1. Alle excludirte, vom Alvenslebischen agnaten, (außer
Gebhardt, undt Christian Ernst, welcher letzere, doch auch
begnadiget worden.) 2. Die Börstel, alß: Geörge Friederich,
Ernst Gottlieb, Curtt Christoff, undt Hanß Ernst
von Börstel. 3. Die Krosigk von Sanderßleben, undt
von Alßleben.
Avis: Daß in dem Landt zu Frangken, der wein sehr
wol gerahten seye, undt wolfail werden dörffte.
Victualien, in geringer anzahl, seindt hehrgesandt
worden, von Ballenstedt.
A spasso, mit Madame und meinen Elltisten beyden
Töchtern, zu abends spähte, auf meine felder gefahren. et cetera
alhier, undt bey Roschwitz. Gott gesegene das feldt!
<2 hasen gehetzt. 2 endten Oberlender geschoßen. 1 lachs, von 12 Pfund (libra)℔>
Jch bin mit Carolo Ursino hinauß, hetzen geritten
undt haben, 2 iunge hasen, gefangen.
J'ay sceü aujourd'huy, dü Baron de Roggendorf que Madame la
Landgrave Douairiere de 6 mois luy a dit, en sa maladie,
le 8 d'Aoust, le jour avant sa mort, qu'elle seroit Nota Bene[:]
très desireüse, de me parler, encores avant son trèspas,
de plüsieurs choses. Qu'elle cognossoit mon zele, en la
Religion & scavoit bien, que j'aurois beaucoup paty,
et souffert! &cetera Ô ame, digne d'ün los immortel,
ô ame bien nèe, ô ame chrestienne! Dieu t'ait, en
sa gloire, & celeste demeürance, eternellemént!
Mit Meiner gemahlin Liebden bin ich gegen abendt, spatziret,
da es dann auf die letzt, zu regenen, angefangen. perge et cetera
Donnerstag♃ den 21. Augustj; 1651.
In Oeconomicis travagliiret.
Den Medicum, Doctor Fischer, bey mir gehabt.
Avis von Ballenstedt perge wegen abermahliger hoymischer händel.
Jn gartten, vor abends, mit Madame.
Les poincts decidèz avec le Medecin, estoyent:
1. Antidota; Nota Bene[:] Mithridat mangè a temps, en la grandeür
d'üne noisette! 2. Paradißholtz, c'est a dire lignum Aloes, en la grosseür d'ün grain d'orge, allüme, & fait entrer la senteur,
aux narines, oste les deflüxions, et conforte la memoire.
|| [[Handschrift: 225v]]
3. Matz Cnüttel a failly de mourir, si on l'eust
pürgè encores üne fois. Il est allè a la selle
37 fois, & a voulü prendre encores üne dose,
dü Docteur Riemschneyder, si de fortüne Docteur Fischer, n'y
füst sürvenü? Il dit: que les principes dès
medecins, ordinaires, trompent souvent, en ce,
qu'ils croyent, de guerir toutes maladies,
par pürgations, ce qui est faulx, sür tout
au mal dés poulmons, & en la Phtyse, car
en ce cas, on oste toute force, au Pacient,
on gaste l'estomac, avec lés medicamens,
(lesquels tiennent coustümierement quelque venin
en soy, sür tout les purgations) & on pürge sou-
vent, tout le foye, & les poulmons exülcerèz
hors dü corps. Aussy dit-il! on ne scauroit
nettoyer lès poulmons, par pürgations, ains
il vaut mieux, par dès medicamens djuretiques,
par l'ürine & par la sueür. Il fait un
grand cas, de la liqueür d'or, & de l'or potable.
4. Hà delle invenzionj per monetar, senza
frode, e di far guadagnar un mezzo Talero,
|| [[Handschrift: 226r]]
sopra ciacun Ducato Ungaro, che si batte.
Eciò, con ragione, secondo la lega buona dell'Impe-
rio, perche sopra un Talero Jmperiale, vanno, 16 Loht,
Di questj, quattro sono buon argento, e dodicj Loht,
sono cupro. Gli groschj, pigliano la metà, dell'
argento buono, e l'altra metà, di ottone ô cupro.
Mà l'Elettore dj Brandenburg glj batte addesso catti-
vissimj, facendolj tuttj di cupro, e facendolj
cuocere bianchj, come se fossero tuttj d'argento?
Si perde il Privilegio, di monetare, se non s'esercita?
Privilegium, non utendo, amittitur!
5. Danarj, non si può havere dj Brandenburg se non
vi si manda, ô biada, ô vino? Gli mercantj,
non si fidano, se non hanno ficuri pegnj, in mano?
6. Il vino d'Alicante è buono, e non mal sano,
ne intesta cosi, come l'altro vino dj, Spagna,
sopportando l'acqua, e non nuocendo al capo.
Jl vin secco, e la malvasîa, sono sanissimj,
per lo stomaco, e per confortar 'il cuore.
Jl vino d'Enula campana, Alantwein, e Alandt-
bier, è sanissimo, per gli pulmonj, e per li Phtjsicj,
preservando l'huomo, da quella malattîa, e da
altri accidentj, allungandolj la Vita, mediante la grazia dj Dîo!
|| [[Handschrift: 226v]]
7. Stima glj segretj, della Medulla Distilla-
toria del Kunrath, dispiacendoglj, d'havere
palesatj cotalj, e tantj segretj, al Volgo ignorante.
8. Hà, per grazia di Dîo, fatto buone pruove,
non solamente, al mal de Ftylicj, mà an-
cora a quellj, che patiscono, il morbo caduco.
9. Eglj fà granstima, de'scrittj del medico
Cardano, dicendo; ch'eglj sîa stato molto savio,
esperto e huomo da bene. Che Scaligero,
e altri, gli habbiano fatto gran torto, scri-
vendo all'incontro dj luj, e biasimandolo come
se havesse havuto uno spirito familiare?
e come se non fosse stato dottissimo assaj?
Che l'uno, e l'altro, non era vero, perche
il padre del medico Cardano, hab<v>rebbe saputo
costringere glj spiritj, mà non il figliuolo,
loquale saria stato, tanto sincero, che
non l'havrebbe desiderato da imparare,
dal Padre medsimo, e più tosto harebbe
studiato diligentemente, nelle lingue, e nella Medecjna,
per rendersi assai perfetto, per arte, più tosto, che per Magîa.
Philipp Güder, ist in Oeconomijsachen, bey
mir gewesen, allerley bericht zu geben. perge
Schreiben, von Schwester Sophia Margaretha von Deßaw, mit
einem wagen, da allerley sachen, begehrt, undt abgeholt
werden sollen.
Postea: habe ich, Jakob Ludwig Schwartzenberger bey mir, gehabt, wegen bawsachen.
Jtem: Secretarium Paul Ludwig in Regimentssachen, nachmjttags.
Mon valet de chambre, Louys Rober, m'ayant servy, près
de deux ans, m'a donnè a connoistre, son intention, pour
se marier avec Jeanne Barbe, fille, de feü mon ancien
fidelle serviteür, Jean Schmidt, de Berne. Dieü le
vueille benir, en son sainct propos!
<3 hasen gehetzt. 1 lachß, gefangen.>
Mir hat getraẅmet, es wehre Mein Gnediger hertzlie-
ber herrvatter, oben ahn, alleine, an einer Fürstlichen
Tafel, geseßen, an den seitten, der pfaltzgraf
Wolfgang Wilhelm, von Neẅburgk, undt
andere herren mehr, so ich zum Theil vergeßen,
mich deücht aber, es wehre Fürst Ludwig Sehlig
undt der iunge Pfaltzgraf von Neẅburg wie auch
Landgraf Ernst von Caßel, sonderlich aber,
mein bruder, Fürst Friederich, mit darbey gewesen,
und mein bruder itztgedacht, der ander nach herrnvatter Sehlig
|| [[Handschrift: 227v]]
gewesen, hette auch kein wammes, in der großen hitze
ahngehabt, undt ich auch, der ich aber, gantz undten
ahn, geseßen. Die Tafel wehre nicht übrig lang
gewesen, sondern wie eine ordinarij Fürstliche Tafel
bey unß täglich ist, und es hette mich fast ver-
schmähet, das man meinen bruder, so hoch ge-
ehret, undt mich so tief erniedriget.
Ehe wir unß aber zusammen gesetzet,
wehre man durch gemächer gegangen,
(da dann, undter andern, vielen Jungkern,
hanß Christof Wischer, undt Rindtorf
mitt vor unß her gegangen, und ich ihnen
immer zuruffen müßen, sie solten doch an
den bösen tritten, undt über einen bösen
gang, Carolum Ursinum, <heben undt> führen, darahn
sie so ungerne kommen, daß ich michs geschähmet)
undt mich deücht, man wehre zum Kayser,
zu, gegangen, undt hette darnach vorgemel-
dete Tafel zur collation gehalten. Der
Churfürst von Brandenburg (deücht mich), wehre
auch an der Tafel, geseßen, wie auch der Marg-
grave von Anspach, undt mitt, undter dieser
Gesellschafft, gewesen. Ce songe ne vaut rien!
Jch bin hinauß hetzen geritten, über die Sahle,
mit Carolo Ursino, undt haben 3 hasen, einbracht.
Postea: im rügkwege dißeits, auf meine felder,
alhier, undt zu Zeptzigk geritten, der erndte zuzusehen.
Das die Venezianer, abermalß den Türgken, zu waßer
geschlagen, undt 16 galleren erobert, nebenst
vielen andern Schiffen, Sie hetten auch, von 5 in 6000
Türgken getödtet, undt gefangen. Der Türgken
Admiral Schiff, wehre in brandt, gerahten,
darüber hetten die andern, den muht verlohren.
Des Königs in Engellandt, sachen, hingegen, stünden
sehr schlecht, weil die Schotten großen verlust ge-
litten, und nicht wol forthkommen köndten,
die Engelländer hingegen, prosperirten.
Jn Frangkreich, würde nach dem Cardinal
Mazzarinj, verlangen getragen, weil derselbige
die Officirer, sonderlich die Deützschen, wol bezahlet,
an itzo aber, nirgends kein geldt sich finden wollte.
Die evacuation Frangkenthal, sol ein
Spannischer Dominicaner Münch6 befördern,
deme werden die gelder, zu Franckfurth, außgezahlet.
Die FrawMuhme zu Krannichfeldt, sol sterbekrangk
sein. Gott wolle es mit ihr, zur gedeylichen beßerung schigken!
Ein karn, mit etwas Victualien, ist von Ballenstedt
ankommen, undt bericht, wegen der erndte, welche
(Gott seye lob, undt dangk!) zimlich von statten, gehet.
Diese nacht, hats gewetterleüchtet, undt gedonnert,
<auch geregenet. Le Diable, n'est pas mort encores!>
Es scheinet, alß seye eine Malediction, über unserm
Agkerbaw, weil der agker, so gar viel disteln, getragen,
undt das liebe getreydig, so sehr zusammen rügket,
auch fast geringe (mit verwunderung) scheffelt, auch
sichs albereitt, zur Theẅrung, anleßet. Gott gebe,
ein sehliges außkommen! Mein weitzen, ist mehrentheilß
übel verdorben, eiferig, brandicht, zweywächsicht,
spitz, undt übel an den Mann, zu bringen. Die
gerste ist voller disteln. Des rogkens, ist wenig.
Des habers, ist auch nicht viel gebawet, wie auch erbßen.
Jn den diehmen, (weil man keine gedegkte Scheünen
hatt) verdirbet auch viel, wann naße wetter ein-
fallen, undt ohne daß von tauben, sperlingen,
undt anderm gevögel, wirdt viel weggefreßen.
Interim: finde ich wenig compaßion, weder in der nähe,
noch in der ferrne. Mir wirdt die schwehreste laßt
aufgebürdet. Die aller wenigsten, subleviren mich.
Jedermann, wil nur das Seinige vollkommen haben, undt
gedengken offte nicht, woher es dann kommen solle?
Die creditores, stürmen ein, seindt importun, undt
wollen bezahlet sein, in meinung, es seye nun friede
undt man habe sich allerdingß recolligirt, welches doch,
bey weittem, noch nicht geschehen, Jch sol die rudera
wieder aufbawen, aber die Mittel endtstehen.
Gleichwol dengket mancher, der himmel henge
voller geigen. In Summa: Noht ist allenthalben!
Woher sol ich dann, auß noht gemachte schulden
bezahlen, Mich, undt meine familiam, erhalten?
wieder anbawen? undt alles redressiren?
Ad impossibilia nemo adigitur! Gott
helfe überwinden. undt emergiren!
heütte seindt wir, in die vormittagß-
predigt conjunctim, ge[gan]gen. Er Jonius, hat
geprediget, undt nach der concion, ist
ein verarmter Schottlendischer, vornehmer
vom Adel, Dromont, in den begken, bedacht worden.
Unsere leütte, haben auch, mit ihme conversiret,
alß: Sekerka, Wischer, Roggendorf, undt Steffegk.
Extra zu Mittage, gehabt, die Rindtorfinn, undt Tobias Steffeck von Kolodey
Nachmittags, bin ich mit Carolo Ursino, undt beyden
mittlern Töchtern, zur kirchen, gezogen, da dann, der
pfarrer von Palbergk; Bartolomeus Fridericj, geprediget.
Michel lackay ist ankommen, diesen abendt, mit bericht,
daß Mein Sohn, Viktor Amadeus zu Deßaw, (Gott lob!) glügklich arriviret. perge et cetera
heütte habe ich meine kutzsche, nach Deßaw geschicktt,
meinen Sohn, Viktor Amadeus abzuholen. Gott gebe zu glügk!
Der Schottländer, Dromont, ist forth nach dem er alhier,
ein zjmlich Viaticum bekommen, undt von andern erkandt
worden, daß er noch vorm iahr, sich gar herrlich gehalten,
in Leiptzigk, undt mit Graven, undt herren, wie auch,
mit dem General Douglaß, selbsten, befreündet ist.
Seine krangkheit, sol daher rühren, daß er, vor
iahren, in Frangkreich, eine fontanelle eröfnen,
nach der zeit aber, wieder zuheilen laßen, also
das er darvon wieder sehr krangk, undt flüßig
worden. Doctor Fischer hat ihm gerahten, sie wieder zu
aperiren, wolte er a[nd]erst nicht, daß ihm die flüße
auf die lunge fall[en,] ihn schwindsüchtig machen,
verderben, undt g[es]chwinde hinrichten sollten.
hat ihm auch eine Diæt, wornach er sich,
zu reguliren, vorgeschrieben.
Schreiben, von Croßen, <undt Wien> undt von Strehlitz.
Gestern frühe, hats zu Leiptzigk, erschröcklich,
gedonnert, geblitzt, undt gehagelt. heütte
diesen nachmittag, hats bey Zeptzigk starck
geregenet, alhier aber nicht, wiewol es sehr
windig gewesen.
Zu abends, den Caplan Jonium, bey mir gehabt, allerley
in Ecclesiasiticis, ahnzubefehlen, undt er ist extra zu
Mittage<abends>, bey unß<der mahlzeitt> geblieben.
Die Leiptziger avisen, confirmiren die Victoria
der Venezianer, zur See, wieder den Türgken, daß der feindt
2000 Mann verlohren, viel galleren, Schiffe,
undt andere Notturften, undt daß 3500 Christen
Schklaven, wehren erlediget worden. Candia
wehre auch entsetzt, undt außer gefahr.
hingegen continuiren, auf solche gute zeitung,
eine böse, daß nemlich, der König in Engellandt,
2000 Mann, in Schottlandt, verlohren, undt so viel
fast eingebüßet, die verwundet, undt gefangen
wehren. Jn der Grafschaft Fife, wehre
es, auf Schottischem boden geschehen, undt
auf solche niederlage, etzliche Städte undt
Schlößer, verlohren worden. Gott erbarme es!
Die Staaden, beschließen ihre große ver-
samlung, undt reduciren, ihre armèe,
auf 200 Compagnien zu fuß, undt 50 zu roß,
bey 30000 Mann, Sie haben ein auge, auf
Chur Brandenburg wieder PfaltzNeẅburgk,
undt rüsten eine legation, nach Engellandt zu.
Sonst hat der Kayser, die Mandata avocatoria
contra ChurBrandenburg undt deßen adhærenten,
geschärffet. Jnndeßen, haben beyde kriegende
Fürsten, eine persöhnliche conferentz, gehalten.
Frangkreich, wil sich neben den Staaden,
auch interponiren.
Jn Frankreich währen die motus intestinj annoch.
Die Königinn, schwebet in gefahr. Cardinal
Mazzarinj, gehet nach Rom, zu. Prince de
Condè helt sich prächtig, undt macht sich
einen großen anhang. Des Königes Mün-
digkeitt, undt die große versamlung,
aller Stände, in Frangkreich wirdt im Septembroa erwartet.
Barcellona, wirdt sehr von den Spannischen,
beängstiget, undt bedrenget, ob schon 2⁄3
Menschen, darinnen, an der pest, gestorben sein sollen.
Vor Turin, im Piemont, sol der Gouverneür
von Meylandt, auch stargk liegen.
Pfaltzgraf Ruprecht, sol mit vielen beütten,
so er erobert, umb Jrrlandt, herumb, vagiren,
in meinung, in Schottlandt, seine prisen, einzu-
bringen. Gott bewahre ihn, undt den König,
sampt ihrem anhang, vor größerem unglügk!
Der Duca d'Infantado Spannischer extraordinarius Ambassador
zu Rom, helt sich noch stadtlich, hat dem Pabst,
viel köstligkeitten, so mit der Spannischen flotta
auß Jndien, ankommen, præsentiret. Wirdt
ViceRè, in Sicilien, werden. Conte d'Ognate
ViceRè zu Neapolj, continuiret seine Authoritet.
Jn Dennemargk, ist verbotten, mit dem exuli-
renden Reichshofmeister, Ulefeldt, zu correspondiren.
Die Victoria der Polen, wieder die Tartarn
continuiret, undt daß der Cham[!] der Cosagken
General Chmielinsky, in eisernen banden,
herümber führe, undt zum fußtritt undt
fortheil gebrauche, wann er auf sein pferdt
sitzen will. Es stehe auch darauff, das
dieser Chmielinsky, dem Könige in Polen
solle gelifert, undt gegen dem Tartarischen
Marschalck (so dem Cham[!] verwandt, undt mit
100000 ReichsthalerRthlr: außgewechßelt<rantzioniret> werden
wollen) außgewechßelt werden. Der König,
hette in der Tartarischen, Cantzeley, ein Tür-
ckisches Diploma gefunden, darinnen dem
Chmielinsky das Fürstenthumb Russia,
so den Polen zugehörig, übergeben worden.
Der Pabst incitirete den König in Polen, ferner,
wieder die unglaübige, mit verheißung
ihme zu assistiren. Die Poßpolite Rußenie
wehre auß dem felde, undt hette geldt
hergeschoßen, davor, dem Könige, 14000
Mann zu werben. Der König, hette
einen kasten mit vielem gelde, undter
der Tartarischen beütte, seinen Soldaten
zum besten, außtheilen laßen.
Die Tractaten, zu Lübegk ließen sich
schwehr ahn, weil die Schweden den
Polen, den Tittel <zu Schweden> nicht geben, diese aber
darvon, nicht abweichen wollen.
Die iunge Princesse Royalle von Uranien,
ist streittig, mit der alten Princessin,
undt mit der<dem> Churfürsten von Brandenburg
<undt dem Hertzogk von Lünenburgk,>
wegen der vormundtschaft des kleinen
Printzen von Uranien, diese bewerfen
sich, auf die Testamentliche richtige ver-
ordnung, iehne aber, will keine com-
petitoren neben sich, leyden, als die näheste
zum kinde, undt will die verantwortung,
alleine, auf sich nehmen!
Die Königinn in Spannien, ist einer iungen Tochter
genesen, über welches ErbFreẅleins geburtt,
große freẅde, in allen Spannischen Provintzien,
auch bey allen ordinarij undt Extraordi-
narien Spannischen Ambassadoren, am Päbstlichen
undt andern Königlichen höfen, sonderlich aber
am Kayserlichen hofe, undt in den armèen
endtstanden, da man mit salveschießen,
undt freẅdenfesten, nicht gefeyret.
Zu Stockholm, hat der Portughesische
Ambassador seine abfertigung bekommen, undt
ist wol regaliret undt dimittiret worden.
Jn Ungarn, haben die Türgken, KleinCo-
morrhen über [iehne] etzliche Ungarische
undt Deützsche völgker, [g]eschlagen. Der
Kayser, macht anstalt[ten z]ur gegenverfaßung.
Estranges nouvelles, (que ie[ n]e veüx croyre,)
que Fürst Friedrich demeüre tant, en la [p]apautè pour
avoir licence & dispense, d'èspouser, derechef,
la seur, de feü sa femme defüncte, laquelle
chose abominable, le bon Dieü, ne vueille pas
permettre, ni ottroyer, ains le regir, par son Saint esprit!
Mein Carolus Ursinus, ist seinem bruder, Victorio
Amadeo, endtgegen geritten. Gott laße Sie
mit freẅden, wieder zusammen, anhero kommen!
Gegen den abendt, nach 5 uhren, nachmittags,
ist mein Sohn, Victor Amadeus, (Gott lob, undt dangk)
frisch, undt gesundt, auß hungarn, wiederkommen,
undt ob er schon viel ungemach, undt wieder-
wertigkeitt, auf selbiger rayse, außgestanden,
wirdt es ihme doch, ein ruhm, undt ehre sein.
Gott dempfe! meine undt seine wiederwertigen!
undt laß unß allen, viel gutes wiederfahren!
Sekerka, Philip Güder, undt andere
seindt diesen abendt, nach dem hartz, abgefertiget worden.
Sekerka, Doctor [F]ischer, deßen Sohn, undt
Philipp Güder [s]eindt mitteinander, nacher
Hatzgeroda[!], u[n]dt Ballenstedt gezogen,
in meinen dienst[en.] Gott wolle sie geleitten!
Schreiben in publicis, wegen, der Ascanischen
Gernrodischen undt Magdeburgischen sachen, etcetera nacher Wien.
Der Jtaliener Columba ist wiederkommen, nach
dem er sich vergebens, ei præsentiret, bey dem O-
bersten Werder, zu Deßaw, zu Zerbst, zu halla,
sucht, aufs neẅe dienste alhier, weil Victor ankommen!
Meinen Sohn Victor habe ich besucht, undt noch
viel- undt mancherley von ihme erfahren, vormittags.
Die Rähte, seindt auch kommen, ihme zu gratuliren.
Er hat mir noch ein dangkbrieflein überlifert
von der Churfürstin von Croßen, daß ich ihme er-
laübet, die rayse in hungarn, dem hause
Pfaltz, zu ehren, mittzuthun.
Jn garten, mit Madame, gegen abendt, spatzirt.
<1 Hasen, Meine Söhne gehetzt.>
Den Dyonisium Columba, (welcher nacher Schöninghen,
Wolfenbüttel, undt Hanover will, undt gar Trawrig,
auß diesem Lande, abgeschiden, das er nicht underkommen können)
habe ich, auf Ballenstedt, führen laßen, undt recommendation-
schreiben, mittgegeben, Gott wolle ihn, geleitten!
undt geben, das er ein aufrichtiger Christ, seye!
Der trawrige avis, ist ankommen, daß Meiner gemahlin
herzlieb(st)en bruders, Meines Schwagers, Hertzog Philips zu hollstein,
elltister Sohn, hertzogk Fran[tz ]Philips, in Frangkreich,
wieder männiglichs warnun[gen], mit einem pferdt,
durch ein waßer, setzen wollen, undt darinnen
elendiglich, undt erbärmlich ertrungken:
Gott genade seiner Seele! undt tröste die
betrübten Elltern, undt anverwandten, welche
billich, über dieses seinen herrenTode, undt plötzlichen fall,
mit uns allen, affligiret sein müssen. Temeritas cavenda!
hingegen, hat sich hertzogk hanß, bischof von Lübegk, zu
Eütin, numehr erklähret, seine gemahlin, (welche
biß dato, etzliche iahr hero, gleichsam verlaßen gewesen)
in ihrer gemühtskrangkheitt, curiren zu laßen,
darahn er lange nicht gewoltt, undt meiner herzlieb(st)en
Gemahlin Liebden erinnerungen, zuspreschen[!], undt vorschriften,
daß beste darbey gethan. Gott lob, undt dangk,
daß es scheinet, es wollen sich die hertzen, erweichen laßen!
Nota Bene[:] Gestern morgen, habe ich vergeßen, einzuschreiben,
daß ich einen Trawm gehabt, alß hette man sich, ahn
eine Tafel setzen müßen, darahn hette ich mich,
ohne ceremonien, allein, oben ahn gesetzt. Der
Römische Kayser hette sich, vorn Tisch, zu meiner rechten
gesetzte, andere [n]ach ihrer reyhe, wie sie kommen
undt zur Tafel [gefo]rdert worden. Der Kayser hette
ein größer gesicht, größere Nase, augen undt
längeren schwar[zen] Knebel- undt spitzbart alß
sonsten, gehabt, undt also einen größeren kopf,
auch sehr ewerisch, undt Tirannisch außgesehen.
Ein par mahl gleichwol, hette er mir ein par
bißen præsentiret, sonst aber wenig geredet
undt nur sawer mine gemachtt. Alß ich
nun von dem einen præsentireten bißen, gegeßen,
|| [[Handschrift: 234r]]
wehre mir im Magen übel worden, undt der geschmagk
im Munde, wehre mir sehr wiedrig gewesen, dann es
weder Süße, noch sawer, ia auch nicht recht bitter
mir geschmegkt, wiewol sichs etwaß, auf die bitterkeitt
gezogen, undt gar einen eigenen <ungewöhnlichen> übelen, undt wie-
drigen geschmack gegeben, undt große nauseam,
mir veruhrsachet, iedoch hette ichs ex verecun-
dia wollen verbeißen. So wehre mirs, auß dem
Magen, salva venia, in den schlundt kommen, undt
immer höher, biß in den Mundt, da ichs dann behende
undterm serviet, unvermergkt herauß gezogen.
Siehe! Da wahr es, ein stügk bley, in welchem
etzliche kleine kügelein, etwas größer alß
grobe Schrohte, nach einer reyhe gestregkt,
undt gegoßen werden<gewesen>. Der Kayser mochte
etwas mergken, das mich ec[ke]lte, undt mir
nicht wol wahr, (ob ichs schon verhehlen wollte)
undt gab mir noch ienen bißen, der würde
beßer sein, alß der vorige. Jch nahm ihn,
wiewol ungerne, iedoch schahm halber, ahn,
mit bedangkung, der machte mir eben solche,
undt fast lösere händel, undt nauseam<eckel> alß der
vorige. Undt als er auß dem Magen, wieder über
sich kahm, war es eben ein stück bley im Mundt, formiret
mit kugeln, wie der vorige. Jch zog es herauß, und als ich mich, gegen
ihre Mayestät excusiren wolte, daß ich mich oben an gesetzt, undt so lange
|| [[Handschrift: 234v]]
(ohne hindterdengken, undt gebührenden respect,)
oben ahn geseßen, Siehe! so erwachte ich darüber,
undt es war ein Trawm, den ich gleichwol
nicht geringschätzig halten, noch verachten kan!
Undt mich dauchte, ehe ich noch aufwachte, das
es mir sehr leid gewesen wehre, daß ichs so
langsam, und beym confect erst, observiret
hette, daß ich mich über den Kayser also erhoben,
Nota Bene[:] undt es nicht eher, biß nach den bißen, gemercket!
hanß heinrich heffenßhausen, von Braunschweig,
schreibet, an Meiner gemahlin, Secretarium, Daniel
Fischern, Doctoris Levinj Fischers, unserß Leibmedicj, Sohn,
daß ihnen, unser landtwein, so wol der gühte, als
des preises wegen, (zu 6, 7, 8 ThalerThlr:) unahnstendig.
So wehre auch, der Eimer, unsers ortts, sehr
klein, undt nach ihrer maße, würden wol bey
4 Stübichen, mancquiren. So wehren sie auch, mit
zimblichem vorrath, versehen, undt erwarteten
numehr, des wolfailen, guten, neẅen weinß,
geliebt es Gott. Ainsy, on trouve par tout,
dès empeschemens, difficültèz, & accrochemens!
J'ay èscrit, a Madame l'Electrice Douajriere, à Crossen, luy mandant de mon fils etcetera.
Risposta von Ballenstedt durch Hans Georg den Lackayen et ecetera.
heütte seindt die ersten weintrauben, uns gebracht
worden. Gott gesegene ferner, die weinberge!
<4 lerchen, haben aufm lerchenstreichen, drey unserer lackayen zum 1. mal bekommen.>
An die Churfürstliche wittwe, nach Croßen, geschrieben,
Mein Sohn Victor aber, an Herdesianum, Deus fælicitatem
indulgeat; nostris conatibus!
heütte ist mein Sohn Victor, hinüber nacher Plötzkaw,
herrnvetter Fürst Augusto relation zu thun, von seiner Ungrischen rayse.
Iakob Ludwig Schwartzenberger undt der Amptmann Reichardt, seindt
bey mir, successive gewesen, von allerley, zu referiren.
Zweene Schiffe, v seindt, mit 18 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: getreydig,
von undten herauf abermalß, ankommen, und paßiret.
Eine commission habe ich angeordnet, durch den
hofmeister Einsidel, Amptmann Geörg Reichardt,
Tobias Steffeck von Kolodey undt den caplan Jonium, damit Sie
den hanß Baltzer Oberlender, mit der Anna
Nevin, (deren er sol heimlich, die ehe vor diesem
versprochen haben) vergleichen möchten. Also,
seindt sie endlich, vertragen, der Annæ Neven,
anderwerts zu heyrathen, erlaübet, undt
dem Oberlender, (welcher ein Stügk geldes, ihr gibet)
waß er versprochen zu haben, negiret, in sein gewißen,
geschoben worden. Gott gebe versöhnliche Gottsehlige hertzen!
Die Fraw Muhme, undt Schwägerinn, von Norburgk, ist
alhier, unvorsehens <nacher Plötzkaw> durchpaßirt, undt Mein Sohn, Viktor Amadeus
(als er eben, von Plötzkaw, wiederkommen) ist ihnen, auff der fehre,
begegnet, undt hat den iungen hertzogk, mit herauff gebracht.
Er ist hertzogk Friederichs, Meiner herzlieb(st)en gemahlin
Elltisten Stiefbruders Sohn, undt heißt: hanß Bogischlaff.
Er hatte anfangs, nur drey pferde, alß er
mit meinem Sohn, herauf ritte, nemlich seines,
undt einen Cammerdiehner, undt Trompter.
Baldt darnach, aber, kahmen noch, zweene<vier> diehner,
hernach, zu pferde. Die übrigen, seindt mit
der hertzoginn, nach Plötzkaw, gezogen. Sie seindt
aber, mitteinander, von Zerbst, kommen.
Die Margkleütte, so vf den Ægidijenmargkt
wollen, fangen schon heütte ahn, eines theilß,
sich ein zustellen, undter andern, ein Sailtäntzer,
welcher gar seltzame streiche, sol vorgeben.
Man hat zu abends, Tafel gehalten, und conversirt.
<1 hasen, Viktor Amadeus <vormittags>gehetzt. 1 hasen, Carl Ursinus gehetzt, nachmittags.>
Doctor Fischer, undt Philip Güder, cum socio, seindt
gestern abendt, (mit dem wagen, welcher den
Italiäner Columbo nacher Ballenstedt, gebracht)
wieder anhero kommen. Können also, nicht viel,
außgerichtet haben. Sekerka ist zu Ballenstedt
geblieben, die proben, außdreschen zu laßen.
heütte Morgen, jst ein digker Nebel, eingefallen.
J'ay èscrit de bon anchre, au Prince Auguste, Dieu
vueille donner audience! et süccéz!
Gestern, hat man die Sommerwolle, von 623
Schafen, wägen laßen, in præsentia Ludwig Robers,
haben 24 Steine <10 Pfund (libra)℔> gewogen, darvon, nimbt der
Schäfer, seinen 5ten: Theil, hinweg, undt 1
Stein nimbt Tara, oder der Säcke gewicht,
behalte ich diesen nach, wenig im rest, undt der
Stein gilt, 3 ReichsthalerRthlr: ist alles vorgegeßen brodt!
Dann man hat, 60 ReichsthalerRthlr: auf die wolle, aufge-
nommen, also krieget man kawm, vor 18 restiren-
de Steine, undt 20 Pfund (libra)℔ (wie sie es rechnen,
lautter, dem Ampte, und nehmen, 21 Pfund (libra)℔ vor
einen Stein, da es 22 Pfund (libra)℔ sonst gewesen) ein 54
oder 55 ThalerThlr: undt muß man noch etwas heraußer geben perge
J'ay entendü, que l'on diffame la vieille Princesse
de Transylvanie, pour üne sorciëre, ce que Dieu ne
vueïlle pas. Elle a fait incontinent, trancher la
teste a üne femme, qui luy en a donnè la coulpe.
Elle est accüsèe, de crüautè, ayant fait
empaler vifs, (tandis que nos gens, s'entre-
tenoyent lá) quatorze personnes, et comme
son Baillif, faysoit difficültè de les exe-
cüter, si promptement, elle luy fit dire; qu'il
soustiendroit le mesme süpplice, s'il differeroit da-
vantage l'execütion? Aussy cés malfaiteurs, entre ces
Barbares lá, meritent quelquesfois, rigoureüse pünition.
<Dicker Nebel mane.>
I'entendis aussy hier, de quelqu'ün, que mon
fils, avoit eü ün iour, en Hongrie dès tasches
rouges, par tout le corps, au visage & aux mains,
cela auroit estè bien tost guery par la cüre
d'ün bon medecin, Docteur Schmidt, fort expert, lequel
auroit iügè, que ceste inflammation seroit proce-
dèe dés grandes chaleürs, en ces pays lá, & dès
vins forts, qui s'y boyvent. Dieumercy, quj
luy a ottroyè, üne si prompte guerison. Il le
vueille encores conserver, et preserver! & ne
permettre pas, qu'il se trouve mal, de quel-
ques mauvayses reliques, de ce penible voyage.
La plüspart dès plaintes, de ceux dü train,
provient, de ce, qu'ils se sont immaginèz, d'avoir
dès grandes recompenses, de ce voyage, puis
qu'on les a, au commencement, voulü amorcer,
puis repaistre [d']esperances, & ils ont fait
dès conclüsions vaines, a minorj ad maius,
Puis qu'au premier envoy, d'ün lacquay et
tailleür, le ieüne Prince Ragozzi, a fait
present de 50 Dücats, en argent comptant
et d'ün vestement, tout entier, de bonne
|| [[Handschrift: 237r]]
estoffe, & au second envoy, a fait encores de fort
riches presens, en chaines d'or, & autres belles choses
a ün Secretaire, qu'en ceste Ambassade si solennelle
& aux nopces mesmes, ün chascün seroit sürchargè
selon sa qualitè, de bien plüs grands dons, re-
compences & richesses. Mais cela <leur> a manquè,
Car les presens, (apres l'ours prins, dont la peau
ne se devoit vendre auparavant) ont estè assèz
maigres. Mon fils a eu voirement, ün Sable,
ou Cimeterre, assèz beau, que les Hongrois ont
estimè ün peü trop haut, a scavoir, de la valeur,
de 300 RixDalers, et il peut valoir, la moitiè,
ou cent, environ, combien qu'il y soit allè prin-
cipallement, pour acquerir de l'honneur, pour se
rendre plüs qualifiè, pour faire cognoissance
avec plusieurs personnes de marque, pour voir,
dès beaux pays, et nations estrangere et pour
rendre ün memorable service, a la mayson Electoralle
Palatine, en passant son temps honorablement,
non pour aller cercher, ou gaigner, dès presens!
L'autre noblesse, qui devoit estre au nombre de 40
mais s'est reduite au nombre, de 18 n'a rien eü, que
dès petites bagues, de la valeür, de 3, 4 iüsqu'à 6 Dalers
& aulcüns ont eü trois aulnes de Damas de couleur, de bon marchè.
Mon fils voirement, auroit estè bien ayse,
d'avoir ün ou deux beaux chevaux, de Türquie,
& cela auroit estè digne de luy, mais la fortüne,
est l'avarice d'aulcünes personnes, luy a enviè
ce bonheür, & l'a fait dèspendre & consümer, en
argent comptant, en habit, en livrèes, en che-
vaulx, & en d'autres necessitèz, plüs de 600 Rix-
Dalers, de sa propre bource, oultre les perils
de sa santè, & en chemin, d'estre assommè par
les voleurs Wallaches, qu'il a courrü hazard,
et meriteroit meilleur recognoissance!
Le Baron de Bilerstein, a eü ün harnachement
de teste d'ün cheval, de la valeür de vingt Dalers.
Le premier Ambassadeur a eü ün vieil cheval Türc,
& ün beau Schabrac. L'autre Ambassadeur a eü
de mesme ün Schabrac bien elabourè.
Ces deux presens, ont vallü (a ce qu'on
dit) plüs de deux cens Dalers etcetera.
Jn die kirche, conjunctim, diesen Morgen,
Textus Dominica 14. post Trinitatis da dann von den
zehen Außätzigen, und des Samariters
dangkbarkeitt7, geprediget worden, auch
finita concione eine schöne dangksagung,
|| [[Handschrift: 239r]]
wegen Victoris Amadej, glügklicher wiederkunft
geschehen.
Extra zu Mittage, die Rindtorfinn, Doctor Mechovium,
Tobias Steffeck von Kolodey undt den Caplan Jonium, gehabtt.
Dieweil heütte der Ægidijen Jahrmarckt,
alhier zu Bernburgk anfähret, alß habe ich
nachmittagß, meinem Carolo Ursino erlaübet
denselben zu besuchen, undt ist, (dem gebrauch
nach) die Nachmittagßpredigt, eingestellet worden.
On dit que le second Ambassadeur de l'Electeur Palatin
le Baron Wolzogen, <qui a este en Hongrie, est> Arrien vu Photinien <&> se nomme
Unitarier, c'est a dire qui ne croyt, qu'üne
seüle personne, en la Divinitè. C'est grand
dommage, qu'ün personnage, si qualifiè,
adhere a telles erreürs jnsüpportables!
Le mot de Trinitarier, i'ay bien entendü,
mais jamais encores, Unitarier. perge et cetera
Nachmittags seindt meine kinder nacher Palbergk gefahren.
Die avisen, von Erffurdt, geben: Daß zwischen Chur
Brandenburg undt PfaltzNeẅburg ein persöhnlicher
vertrag getroffen worden, undt daß Landt 600000 Gulden (florenus)f.
kriegskosten, geben soll, darwider sich, der iunge
Hertzogk von Neẅburgk, wegen der Lottringhischen uf dem
halse habenden völgker, etwas opponiret;
Jn Frangkreich, suchen die Printzen, undt die Parlament[ischen],
ihre vorige freyheitt, wollen den König binden,
(wann er mündig) anders, alß biß dato, geschehen,
zu regieren, undt ihre freyheitten, zu manutenjren.
Jn Engellandt, tragen die neẅen Regenten,
die nase hoch, undt erigiren die Cristas, von
wegen so vieler Victorien. Gleichwol be-
mühet sich der König, auß Schottlandt, in Engel-
landt einzubrechen. Gott gebe ihm glügk!
Jn Frangkendal will der gouverneür
keinem andern, (nach außgezahlten geldern,)
alß dem Kayser, die festung raümen.
Dörfte einen neẅen krieg, verahnlaßen!
Der Türcke, macht so viel Scharmützel,
nacheinander in Ungarn, daß man darvor
helt, es dörfte einen Türckenkrieg, mit
dem Römischen Kayser endlich veruhrsachen,
gestaltt man dann, auf allen theilen,
zu gegenverfaßungen sich rüstet.
Die Venezianer, sollen (nach neẅlichster
abermahligen Victoria) 25 galleren, bey
Chio erobert, große beütten, gewonnen undt
viel Türgken, zu Schklaven, gemacht haben perge et cetera
Responce de mon fils, Viktor Amadeus auquel i'avois èscrit, ce matin.
