Mittwoch☿ den 1. October 1651.
<7 lerchen in stargkem winde, haben Ludwig Rober, Andreaß Hetzler, undt Rindtorfs hanß, mit dem Nachtnetze, gefangen, undt ein Jrrwisch, oder lichtmännlein, hat sie verführet.>
<Die Vindemia, wirdt continuirt. perge>
<10 großVogel von Ballenstedt[,]
28 kleine vogel[.]>
Christophorus, undt Nathana-
el Jahn, seindt bey mir gewesen. et cetera
Vor: undt Nachmittags,
& i'ay sceü beaucoup des
choses d'eux! Dieu les benie! Jch habe dem Ellteren
ein recommendationschreiben, nach Hanaw, mittgegeben.
Post von Ballenstedt durch hanß Preüßen. perge
Extra zu Mittage, den Magister, undt
Schwartzenbergern, gehabtt.
Donnerstag♃ den 2. October 1651.
<6 hasen Viktor Amadeus gehetzt.
40 kleine vogel[,]
22 mehsen.>
<12 lerchen, hanß Kohte, kammerdiener[,] Nickel Stalliung, Märtin vorreütter.>
Aufn vogelherdt, undt mehsentantz.
bin ich spatziret, <undt haben, 40 kleine vogel, und 22 mehßen,
bekommen.>
Conversatio, mit Magistro Menzelio.
Jn Oeconomicis travagliirt. <Die weinlese, continuiren
laßen.>
Gottlieb Bärenreütt, hat abschiedt genommen,
gehet nach Lübegk, undt in hollstein, mit recommendationschreiben.
Freitag♀ den 3. October 1651.
<Reif. Frost.>
<4 lerchen Oberlender cum socijs, vom lerchenstreichen.>
<40 kleine Vögel. 2 hasen.>
Die weinlesen gehet noch Gott lob zimlich, vonstatten,
wiewol des weines, wenig wirdt.
Der Caplan Jonius, bey mir gewesen, undt <hat> mittgegeßen.
Post nacher Ballenstedt, mit Fräulein Eleonora so hingefahren.
Jch habe vetter hans Geörgen, undt Freẅlein Eva, so alhier
durchpaßiret, (von Weymar, undt Plötzkaw auß) complimen-
tiren laßen.
Jch bin hinauß geritten, nacher den weinbergen zu, mit
meinem Sohn Viktor Amadeus nachmittags. perge
<Albrecht Sekerka, Michel lackay, kochpeter, haben nichts von lerchen fangen können.>
<15 kleine vögel der VogelSteller.>
Rechnungen, undt Oeconomysachen
tractiret, wie am Sonnabendt, gebraüchlich.
Secretarium Paul Ludwig bey mir gehabt, undt die dissolution
seiner vorgehabten Eheberedung, des Hans Georg horenburgß,
(weil die unahnstendig) befördert.
Avis: daß der Marggraf von Anspach, ein Freẅlein
von Oettingen, werde heyrathen. perge <Gott gebe zu glügk!>
Es will abermal verlautten, alß sollten, die Schotten,
geschlagen sein, undt kein quartier, bey den Engelländern,
bekommen, so wenig, als die Engelländer, welche dem Könige
gediehnet, der König würde verfolget, dieses, hat eine
person, von Hamburgk kommende, berichtet. Gott gebe
das die böse zeittung, nicht wahr seye, hingegen,
will vor gewiß, außgesprengt werden, Chur Brandenburg
seye, mit Pfaltz Neẅburgk, gäntzlich verglichen, undt
die völgker abgedangkt. Pfaltz Neẅburg hette dem
Lottringher, pro redimenda repa, zwey Tonnen goldes, erlegen <müßen.>
Mit dem Zigelberge, seindt heüttiges abends, meine
leütte fertig worden. Jst wenig gewesen, gegen voriger
iahre weinlese. Gott wolle uns auch, das wenige, gesegnen!
undt wolgedeyen laßen, auch die bösen leütte, undt muht-
willige übertretter, hin: und wieder straffen, die
der herrschafft, den segen Gottes, nicht gönnen, oder abkürtzen!
Jn die kirche, mit zweyen Söhnen, undt zweyen
töchtern1. Nach der predigt, ist der neẅe
hofprediger, Johannes Menzelius, durch den
Superintendenten, <Platonen> undt Amptmann Reichardt,
tam Politice, quam Ecclesiastice, der gemeine
alhier, zum pfarrer undt Sehlsorger, vorge-
stellet, angewiesen, undt darbey schöne ver-
mahnungen, undt erinnerungen, gethan
worden. Gott gebe zu glück! und Segen!
Avis: daß man Rittmeister hügiken,
zu Zerbst, verbotten von hofe, alle seine
exemplaria, (so Magister Sachße, wieder Magister
Dürren, geschrieben, undt den grundt der
warheit, deßen, waß von den vorelltern
geglaübet worden, dargethan) welche
ihme in die 60 außzutheilen, von Cöhten
auß, zugefertiget worden, niemands mehr
außzutheilen, sondern zu überlifern, nebst
einer Nahmhaften Strafe. Jst eine tirannische
grawsahme zunöhtigung, dergleichen unß an
diesen orthen, nicht, in Sinn gestiegen, unsers ortts,
iemanden anzumuhten! perge
Die avisen continuiren: daß der König in Engellandt,
gäntzlich geschlagen, bagage, undt geschütz verlohren,
undt kawm ¼ stunde zvor, ehe General Cromwell
Worchester erobert, mit einer partey darauß entrunnen,
auch sein gülden hosebandt, auch waß er etwas zu kendtlich
bey sich gehabt, von sich geworffen. Undter den gefangenen
seyen, der hertzog von Hamilton, viel graven undt Frey-
herren, des Königs Secretarius, 28 Obersten, 17 Obrist leüte-
nampte, 21 Obrist Wachtmeister, 37 Rittmeister, 72 capitains,
145 Quartiermeister, 84 lieutenants, 76 cornettes,
99 Fähndrich, 30 königliche diener, 158 fahnen,
sampt der königlichen Standarde. Jst ein großes
versehen, undt ein elendt, anzuhören. <O gühtiger Gott!!!>
Jn Frangkreich, glümmet auch das feẅer noch,
der König, hat seine rayse nach Fontainebleau eingestellet,
der Printz von Condè mit 1000<200> Reüttern, <zur leibgarde> undt 1000 vom
Adel, auf sein gouvernement nach Bourdeaux gerayset,
man will seine favoriten corrumpiren.
Churfürst von Bayern, leichnamb, ist nacher München,
gebracht, daß hertz ist zu Oettingen, daß eingeweide
zu Jngolstadt, beygesetzt.
Es sol Barcellona, von den Spannischen, sehr
benawet, undt Barden eingenommen worden sein.
Die Academia zu Heidelberg, wirdt stadtlich
restauriret, undt mit gelehrten leütten, wieder versehen.
Gott gebe zu glück! undt gesegnetem succeß!
Nachmittags wieder in die kirche, cum filiis, & una filia2, in Jonij, Catechismi predigt[.]
heütte, ist der haußknecht, Clemen Pegaw, zum
hofmeister aufm Forwergk alhier zu Bernburgk
an Andreaß Münchs stadt (so mit seinem weibe
abgedangket) ahngenommen worden, mit seinem weibe,
Gott gebe, zu glügk! segen! undt zu meinem
undt der meynigen, nützlichem, undt ersprießlichem
guten dienst, weil uns an den Agkerbaw, undt viehe-
zuchtt, nicht wenig gelegen, ia daß es ein
theil unserer zeittlichen wolfahrt, undt
subsistentz ist.
Zur Mittagßmahlzeitt, ist geblieben, extra:
die Fraw Rindtorfinn, der Tobias Steffeck von Kolodey
undt der Magister Johannes Abrahamus
Menzelius, (welcher numehr fast ordinarius
wirdt, weil er Carolum Ursinum lernet,
Gott gebe zu gesegnetem succeß!) Jtem:
Schwartzenberger, welcher den neẅen homeester
annehmen, hat helffen.
Post von Ballenstedt, von la Damizella, Eleonora Elisabeth von Ditten
welche von dannen, wiederkommen.
Hans Christof von Wischers vetter3, hat ein re-
commendationschreiben, nacher Zelle von Mir, erhalten.
Hans Eckardt, diesen abendt, nacher Zerbst, abgefertiget.
<2 lerchen, vom streichen.>
Philipp Güder, ist bey mir gewesen, allerley necessaria zu referiren.
heütte ist der neẅe haußknechtt4, (wiewol vor iahren,
ein allter diehner) wieder, an des neẅem homeesters
stelle ahngetretten. Gott gebe, zu meinem besten!
Die hoymischen subditj, haben mich contentiret,
wegen der mißhelligkeitten, so mit ihnen, vorgewesen.
Gott gebe zu ferrnerem undterthenig vertrawen!
Mein Sohn Victor Amadeus, hat heütte sein
Siebentzehende iahr, durch Gottes gnade, undt
segen, completiret. Gott wolle ihn ferner segenen,
erhalten, undt beschützen, daß er möge wachsen,
undt zunehmen, an Allter, weißheitt, undt gnade,
bey Gott, undt bey den Menschen, umb Christj willen, Amen!
heütte laße ich wiederumb, 29 Scheffelschffl: rogken,
durch Hans Georg undt Clemen, rogken außseen, Gott segne es!
Meine Söhne, undt Töchter, seindt in die weinlese gezogen.
Post und Victualien, von Ballenstedt, ankommen.
Schreiben von Croßen, undt Wien. et cetera
Die avisen auß Leiptzigk, undt andern orthen,
variiren sehr, wegen des Königs in Engellandt,
einer schreibt von Victorie, der ander von Niederlage,
iedoch scheinet es, auß vielerley umbständen,
das die Niederlage, (leyder!) dörfte sein, undt das,
die sachen, sehr übel stehen. Gotte wolle sie beßern!
und das gute wahr, das böse falsch sejn laßen!
Auß Franckreich continuiren die Mißverstände,
zwischen dem Könige, undt Printzen von Condè, undt
das man hoft, es werde die Mazzarinische faction,
revociret werden, so auch etzliche förchten!
Barcellona helt sich noch. Barden ist verlohren.
Jn Piemont gehet der Krieg, zwischen Frankreich undt
Spanien ie länger, ie heftiger ahn.
Der Pabst, ist zwahr krangk aber sehr übel
zufriedena, daß man auf seinen Todt gehoft,
undt schon von der wahl eines andern, geredet.
Macht auf dem bette, zu Cardinälen, wen er
will, undt vor getreẅ helt an der vacanten stelle.
Chur Pfaltz, ist geschäftig zu Frangkfurth,
seine Sachen, contra Chur Bayern, außzuüben.
Zu Erffurdt, undt Goßlar, haben die
großen waßer übergewöhnlichen schaden gethan.
Die præparatoria zum ReichßTage, continuiren.
Dörfte wol baldt, außgeschrieben werden.
Die Venezianer hoffen durch ihre Mannheitt,
so ihre Soldaten, zu waßer, undt lande
erweisen, den Türgken, ad conditiones pacis,
zu bewegen.
Jn Polen, ist der krieg, wieder die Cosacken, noch
nicht gestillet, der König ist zu Dantzigk ankommen.
Jm Niederlande, sol der Ertzhertzogk Duynkirchen
noch nicht erobert haben.
Die unruhe zwischen Chur Brandenburg und Pfaltz
Neẅburg sol zwahr componiret, iedoch Herforden,
(so Chur Brandenburgisch) vom Kayser, eingenommen worden sein.
Depesche nacher Ballenstedt, undt andere befehliche,
in Polizey:[,] justitzien: und Steẅer:sachen, hier, undt
dorth, ertheilet, auch diener befriediget.
Die weinlese continuiren laßen.
heinrich Eckardt, raysiger knecht, ist abgeschafft.
Ernst Dietrich Röder, ist von Ermßleben, anhero kommen.
Der Oberkämmerer Borgkerßdorf, muß numehr, (auf
wiederholte Kayserliche mandata), die Thumbprobstey, zu
halberstadt, dem vorigen besitzer, Cardinal von harrach,
Ertzbischof von Prag, wiederumb abtretten.
Der Churfürst von Brandenburg sol gegen Martinj,
(wilß Gott,) wieder in das Fürstenthumb Halber-
stadt, kommen, nacher Grüninghen.
Am heüttigen BehtTage, cum duobus filiis, & tribus
filiabus5, zur kirchen, da dann der neẅe hofprediger
Menzelius, auß dem dritten psalm6, eine stadt-
liche predigt gethan. Gott wolle ihn erhalten, undt stärgken.
Extra zu Mittage, Doctor Mechovium, Doctor Fischern, Rödern,
gehabt. Die weinlese, gehet schlecht von statten!
|| [[Handschrift: 279v]]
Patientia! Patientia! Patientia!
Jch habe diesen Nachmittag, meiner hofpursche erlaübet,
mit zu grabe zu gehen, zu Bürgemeister[!] Märtin
Nickels Sehlig, leichbestattung. Er ist noch, mit
Meinem herrnvatter Sehligem in Böhmischen kriege,
gewesen. Jst hernachmalß leütenampt, im felde,
auch Stadtleütenampt, alhier zu Bernburgk,
endtlich Bürgermeister, durch meine beförderung,
worden. Er hatte feine wißenschaft, undt Er-
fahrung, in dieser Stadt sachen, auch eine feine
memorie, alles zu behalten, undt zu erzehlen.
Die Schwind: undt lungensuchtt, hat ihn hin-
gerichtet. Gott genade ihm!
Avis von Magdeburg daß gestern abendt, hertzogk
Hanßen von Eütin, gemahlin, auß Hollstein, daselbst,
glügklich ankommen, sich in des Medjcj, Doctor haimbur-
gers cur, zu begeben, Gott gebe zu glügklichem
succeß! undt das alles wol ablauffen möge!
Jtem: das die Pollnischen, undt Schwedischen
Tractaten, zu Lübegk, einer ruptur
ähnlich sehen.
So sollen auch, die Lottringhischen Völgker
Rintelen in Westphalen, (allda eine Univer-
sitet ist) außgeplündert haben.
Es seindt schreiben, undt post von Ballenstedt, ankommen.
Hanß Bernds, hat mir, zugesprochen.
Von Zerbst, ist Hanß Eckardt, wiederkommen,
mit Zerbster bier, welches mir disputiret worden. perge
Ludwig Rober, ist mit schreiben von Deßaw,
auch wiederkommen. perge
<2 hasen, 1 dachß. Viktor Amadeus Fürst zu Anhalt[.]>
<21 kleine vogel heütte. 3 gestern.>
Am heüttigen postTage, nach Croßen, geschrieben.
J'ay eü, dès dispütes domestiques, comme de coustüme!
Mein Sohn, Viktor Amadeus ist hinauß geritten, zu hetzen, hat 2 hasen,
undt einen Tachs, gefangen, undt außgegraben. perge
Die Krosigkin, ist herkommen, wie öfters geschicht?
Jch laße zu Zeptzigk, 1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: 15 Scheffelschffl: <1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: rogken> außsehen. Gott
gebe, zu forthgang, wachßthumb, glück! undt segen!
Unsere leütte, mengen den rohten, undter den
weißen wein, jn meynung, solcher gestaltt, werde
er beßer werden, weil eines, undt anderes,
wenig worden seye. Die weinlese, continuiret,
in heüttigem, schönem wetter.
heütte ist ein GerichtsTag, in der Cantzley
alhier, zu Bernburgk, gehalten worden. Pose ist
wegen meines bruders, Fürst Friedrich Liebden auch darbey ge-
wesen. Man hat, die drey Krosigke von Erx-
leben, mit Hanß Bernds, einmal Gott lob, nach
18iähriger verdrießligkeitt, verglichen. Lüdolf Lo-
rentz, hat mit zugesprochen. Seine Mutter, meiner gemahlin Liebden[.]
<36 kleine Vogel, 3 Vogelsteller>
Ein Somnium gehabt, wie zu Berlin, Mein herrvatter
Sehliger, in einem Talar von schwartzem Damaßk geseßen,
rath gehalten, undt den Churfürsten, undt mich vor
medicamentis gewarnet. Jch hette mich verwundert,
daß Jhre Gnaden also oben ahn allein sitzende, præsidiret,
undt das sie noch lebeten. Es wehre mir aber,
de nova resurrectione, etwaß inspiriret worden. perge
Hanß Bernds, hat sich bey mir präsentjret.
Durch eine commission, habe ich meine diehner,
eines Theils, cum civibus, & cerevisiæ coctoribus
vorm berge, verglichen.
Jungfer Eleonora Elisabeth von Ditten zeüchtt, nacher Magdeburgk.
A spasso, nacher Zeptzigk, geritten, cum filijs,
dem gebeẅde zuzuschawen aldar, wie auch,
dem feldtbaw. perge Gott gesegene es!
La mauvayse nouvelle continüe de la mal-
heüreüse dèsroute du Roy d'Angleterre, & de sa
fuite, a Saint Malo, en France. Jtem: que les
Èscossois traittent desja, avec Crommwell.
Dieu iüste, & Veritable, vueille assister, ceux
qui cheminent sincerement, davant luy, &
vueille confondre l'esprit d'erreür!
<22 lerchen <kleine Vogel>, Vogelsteller. 1 Hasen, Viktor Amadeus gefangen.>
Abermalß ein Somnium gehabt, wie mein herrvatter noch
lebte, undt regierte alhier zu Bernburgk, wie zuvorn.
Jch wehre außspatziret, undt hette die Stadt Bernburgk
gantz geendert schön erbawet, sonderlich aber, daß
Neẅstädter Thor, schön gebawet, neẅ geweißet,
mit Thürnen, undt rohten dächern, alltanen,
undt portallen ansehlich geziehret, befunden,
undt hanß Geörgen lackayen gefraget,
obs das Neẅstädter Thor, undt diese Stadt
wehre? Da ich doch darinnen gewesen, auf
einer kutzsche, mit Meiner gemahlin, undt den
meynigen. Jch h Er hette es beiahet. Jch hette
mich verwundert, undt der lackay hette gesagt:
es würde noch schöner werden. Meiner gemahlin Liebden
hette es auch sehr wolgefallen. Darnach, wehren
wir, auf ein andermal, wir Mannßpersohnen,
ich, mein bruder, undt Söhne, Rindtorf, undt andere,
in die Stadt spatziret, alß das es niemandt
mergken sollen, etwas zu besehen, da wehre herrvatter
unversehens zu pferde nachgefolget, undt alß wir
uns zu verbergen, in den Gernrödischen hof, reti-
riret (welcher so schmutzig außgesehen, als sonsten)
hette herrvatter durch den Mist, reitten wollen, der
wehre gesuncken, undt herrvatter wehre iämmerlich
hinein gefallen, undt hette sich heßlich zugerichtet.
Jch aber, hette mich immerforth an einer pforte, mit
ein par dienern, verboren gehalten, daß mich herrvatter
nicht sehen sollte, (weil ich zur unrechten stunde, auß-
spatziret gewesen) Mein bruder aber, wehre ihm
getrost undter augen, gegangen, ihm zu helfen
auß dem Schlamm, undt hette mich, alßbaldt
verrahten. Darauf hette es zwahr, ein gelächter
gegeben, also ich auch herbey nahen müßen, allein
ich hette doch observiren können, daß es Seiner Gnaden sehr
mißfallen, darnach, hetten wir unß wieder
voneinander gescheiden. Mein herrvatter hette
mir eine schachtel gegeben, zum abschiede, ich solte
sie nicht baldt aufmachen, undt würde etwas
darinnen, finden. Meinem bruder inngleichem.
Alß ich nun die Meynige hernachmalß eröfnet,
hette ich nichts darinnen gefunden, alß eine
Nehenadel, undt ein Zettelein darbey: Meinen
Nota Bene: Sohn, Christian, will ich evehiren.
Mein bruder, Fürst Friedrich hette in seiner Schachtel
gefunden: Meinen Sohn Friederich, will ich
præferiren. Alß man nun voneinander
gewandert, ein ieglicher, zu den Seinigen,
hetten ich, undt meine angehörige, einer schönen
|| [[Handschrift: 282r]]
Comedie, zugesehen. Fürst Ludwig, wehre auch darzu kommen,
nebenst dem Obersten Werder, undt anderen mehr. Nach
zugehörten poßen, wehren die Comedianten mehren-
theilß nackicht worden, welches ihnen Obrist Werder
verwiesen, undt Sie zu beßerem respect, moderation,
undt verenderung, aller liebessachen, undt prophanite-
ten, in schöne Geistliche comœdien, undt repræsentatio-
nen, der Biblischen Historien, vermahnet, deme
Sie zugehöret, undt das sie viel, auß Armuth, undt
zwang, der weltt zu gefallen, thun müßten, so Sie
sondt nicht theten, sich, endtschuldiget, welches er ih-
nen noch schärfer verwiesen, undt vorgehalten,
wer Gottes freündt, undt der weltt freündt
zugleich sein köndte. Er hette auch, seine eigene
vor diesem, zu Caßel, gespielte welttsachen.
detestiret, undt zu Gottsehligem wandel angeleittet.
Sein Orlando furioso, wehre ihm, nicht mehr lieb, etcetera[.]
Jn dem man also gesprachet, in einem schönen
wolerbawetem Theatro, undt daraus stehenden,
zierlichen losamentern, vor herren, undt dergleichen,
wie auch vor Frawenzimmer, wehre ich gewahr
worden, daß ich selber nackendt gewesen, wie
Nota Bene: mich Gott erschaffen. Meine leütte, hetten mir
schnupTücher, hembder, undt andere sachen zuge-
worffen, Meine Schahm, zu bedecken, welches ich so-
baldt nicht thun können, das es nicht <zu meiner hächsten Schmach und schande>, viel männer, undt weiber gesehen!
Diesen Morgen, habe ich, mit Rechnungssachen, zu thun,
gehabt, undt viel verworrene händel, zu extriciren.
Avis: daß die Aeptißinn, von Quedlinburgk,
zu Plötzkaw, ankommen, die weinlese, zu besehen,
(ou bien, ceux, qui ont part, a la Vendange!)
Heütte hat die weinlese, ein ende. Sie ist
schlecht gewesen. Gott helfe zu gedeyem! undt künf-
tiger beßerung! An itzo, hats die mühe, nicht
verlohnet, noch die unkosten, ertragen wollen.
Man hat bekommen: 92 Eimer, 18 kannen,
alß nemlich: Auß dem Aderstedtischen berge,
| habe ich bekommen: | 9 Eimer, 47 kannen. |
| Auß dem Zigelberge: | 43 Eimer, 4 kannen. |
| Auß dem Rahts: undt
Kochßberge: |
17 Eimer, 59 kannen. |
| Auß dem Langenberge: | 21 Eimer, 37 kannen[.] |
|
Summa Summarum: |
92 Eimer, 18 kannen. perge |
<6 kleine vogel.>
Jn die kirche, mit Söhnen, undt Töchtern,
in des Menzelij.
Cratzius, pfarrer nach hecklingen wirdt ordinirt
in der hauptkirchen alhier. Gott gebe zu glück,
Segen! undt succeß!
Extra: zu Mittage, gehabt: die Rindtorfinn, Röder,
Tobias Steffeck von Kolodey[.]
Die avisen, von Erfurdt geben: daß der König von Engellandt,
nicht allein, die Schlacht verlohren, sondern auch nacher
Saint Malo, in Frangkreich, endtwichen seye. Die Parlamentischen
hetten die Stadt Worchester, außgeplündert, demoliret,
undt zum dorf gemacht, weil sie den König, aufgenommen.
In Frangkreich, tumultuiret, der Printz von
Condè noch, suchet Spannischen secourß, undt hat
seine völgker, wieder den König in Frankreich zu diehnen,
zwingen wollen, so sie ihm aber, abgeschlagen,
undt ihrer viel durchgegangen.
Frangkenthal macht viel handel, dörfte
neẅe bella civilia, verahnlaßen. Chur Pfaltz,
dissentiert noch, mit Chur Bayern, wegen auß
laßung, des so lange geführten Reichßapfels,
im wapen, undt des Tituls.
Die Schweden schicken 10000 Mann, in
hindterPommern, man meinet contra Polen.
Mit Chur Brandenburg ist die Stettinische
gräntzsache, noch nicht endtscheiden.
Stehet, auf inspectionen, oculariter.
Nachmittags cum liberis, wieder in die kirche,
undt predigt des Diaconi Jonii; in articulis fidej.
außm Catechismo.
<Nota Bene: Somnia insomnia von vielen apparitionen, undt spectris nocturnis, auch streitt, wieder dieselbigen.>
Avis von Plötzkaw, daß die Eptißinn will hehrkommen.
Der Amptmann von Ballenstedt hat sich bey mir, angemeldet.
Jn Oeconomicis, Justitzien: undt anderen sachen,
habe ich viel zu thun gehabt.
Bürgermeister Schmidts ho tochter hochzeitt, mit einem
iungen Moldenawer, habe ich, durch den
Amptmann von Ballenstedt, Martinum Schmidt,
honoriren laßen. perge
Böse briefe von Cöhten, von den Testamentarien,
entpfangen. Sie gönnen mir, keine prærogativam!
Gott erweiche, alle Adamantische hertzen!
Die Aeptißinn von Quedlinburg hat von
Plötzkaw, unß wieder abgeschrieben.
Avis: daß vetter Lebrechtt, leyder! in
Frangkreich, sehr gefährlich krangk
seye! Gott wolle es baldt zur beßerung,
mit ihm schicken, und ihn gnediglich erhalten!
Meine Söhne, seindt hinauß, fischen gezogen,
in dem Bläser See, an der Bude, haben aber
wenig hechte, undt weißfische gefangen, weil
die See tieff, undt voller Schlammes, undt Schilffs
gewesen.
<22 kleine Vogel, Meesen, zeißgen, & cetera[.]>
Mit Matthes Cnütteln, Ambtschreiber von Ballenstedt
lange geredet, von Oeconomysachen.
Postea: mit Geörg Richardt, von Amptssachen alhier.
Die avisen geben: daß der gute König in Engel-
landt, gewiß geschlagen, gleichwol aber, darvon kommen
seye, nacher Saint Malo, in Britannien. Man exequiere
undterschiedliche gefangene Schottische Officirer, undt
Cromwell, sampt den Parlamentischen, hette hohe
Strafen, darauf gesetzet, wer den König
hegen, herbergen, oder undterschlaif geben würde,
hingegen, große promiß denen getran, so ihn auß-
kundtschaffen, undt überlifern würden. Der
Cromwell, wehre, mit großem Triumph, in Londen,
eingezogen, undt entpfangen worden. Worchester
eine schöne Stadt, wehre zu einem dorf gemacht,
undt rasiret, weil sie den König eingenommen. Man
hette alles darinnen, niedergemacht, was man im
gewehr gefunden. Die meisten, undt vornehmsten
Städte in Schottlandt, giengen verlohren. Die Schottische
armèe, wehre meistentheilß, ruiniret, undt die vor-
treflichsten officirer, (außer dem Könige, undt Düc de
Boucquingham,) gefangen. Jst wol ein Elendt! das die
Gerechtigkeitt, so lange sohle die überhandt, behalten!
Jn Frangkreich, continuiren die dissidia intestia.
Printz von Condè, suchet außländische hülfen. Will den
Cardinal abgeschaft haben. Duynkirchen, ist zu waßer
von Spannischen mit hülfe der Engelländischen Schiffe
blocquiret. Barcellona ist von Spannischen noch
nicht occupiret. Die Königinn, in Spannien,
befindet sich wieder, wol auff.
Der Pabst, hat daß Podagra. Viel
Cardinalat stellen vaciren.
Die türgken, haben Canea endtsetzt,
undt beyde Generalln, Mocenigo, undt
Foscolo, haben es nicht verwehren können.
Sie die Türgken, armiren stargk, den
schaden, so Sie neẅlichst erlitten, zu revangiren.
Hingegen, rüsten sich Venetj, zur gegenwehr,
undt suchen assistentz bey denen Potentaten,
welche am Mittelmeer, jnteressirt seyen.
Der türckische General zur See, oder Capitan
Bassa, hat seinen eigenen Sohn, undt bruder,
nebst vielen andern Officirern, (weil sie nicht
wol gefochten, in der letzten waßerSchlachtt)
zum tode sententioniret. Der Sohn, ist noch von
den Begen, erbehten worden. Die andern aber alle, haben die
|| [[Handschrift: 285r]]
köpffe laßen müßen.
Jn Ungarn, reget sich auch noch immer, die krieges-
glutt, undt man will den türgken, nicht trawen.
Es sol auch der Fürst Ragozzj, 36000 Mann, wieder
Polen, armiren. Türgken, tattarn, undt
Cosagken, zielen auf Polen. Der littawische
Feldtherr Januhius Radzivil, soll in die 40000
tartarn, de novo, geschlagen haben. Chmielinsky
sucht zwahr friede, beym Könige in Polen.
Er armirt aber darneben, stargk. König in
Pollen, ist noch zu Dantzigk, macht jalousie
wegen allerhandt postulaten, so ihnen, mißfallen.
Chur Brandenburg undt Pfaltz Neẅburg sein
verglichen. Der Reichstag, sol gegen den
1. May (gebe gott) gehalten werden.
Der Ulefeldt, ist zu Stogkholm, unversehens
ankommen, sich in Königlich Schwedische protection zu geben.
Die Tractaten zu Lübeck, undt zu Stettin,
sollen wol progredjren. Die Victu<a>lien, gerahtet,
zum besten. An guter beyhülfe, wirdt nicht gezweifelt.
Mittwoch☿ den 15den: October 1651. böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ
<Viehemargk.>
Mit Doctor Mechovio, conversiret, <undt relation angehöret.>
Es ist Viehmarckt, alhier zu Bernburgk.
Jean Moustarde, est arrivè. perge
Jn Oeconomicis mancherley disponiret.
Gott gebe doch, zu gesegnetem succeß!
Jl Vino dj Franconia è stato attaccato, e pruovato!
A spasso herundter, umb den berg spatzirt.
Hanß Bernds, bey Mir gehabt, undt
ihn abgefertiget. Gott gebe zu glügk!
undt gebenedeyetem erwüntzschtem succeß!
<Kohlmann, hat mich heütte sehr inpertiret. et cetera>
<Gallj. 2 Hasen.>
Hans Bernds, idt erst diesen Morgen forth,
nacher Leiptzigk. Gott gesegene, seine rayse!
Mit Kohlmann, habe ich viel zu thun gehabt.
Gott erlöse mich, von diesem verdrießlichen Menschen!
Mein Sohn, Viktor Amadeus ist in diesem Regenwetter hi-
nauß, hetzen geritten, undt hat 2 hasen, eingebrachtt.
Der Amptmann Schmidt, ist von Deßaw, wie-
derkommen, berichtet leyder! das die Princesse Hen-
riette des Ragozzi gemahlin, todt seye. Gott gebe
beßere zeittung! heütte sol Landtgraf Fritz, nacher Deßaw
|| [[Handschrift: 286r]]
ankommen.
<Schön wetter, nach gesterigem, undt vorgesterigem vielem regen. 2 hasen von der hatz.>
Jn dieser Nacht, ist unsers allten Sibentzigk
iährigen hofmeisters, des von Einsidels, hauß-
Fraw, abermal niederkommen, mit einer iungen
Tochter. Gott stärgke undt erhalte, diesen Segen.
Jst fast ein wunder, vor unsern augen!
En me rèsveillant ce jour d' huy, ie vis passer
comme ün fantosme blanc, devant le iour de mon
lict, qui paroissoit entre les rideaux, & ie croy,
que ce ne soit pas, üne simple imagination.
Dieu nous vueille benignement contregarder,
de mortalitè, en ceste mayson!
Ernst Dietrich Röder, habe ich in gnaden dimittiert.
Tobias Steffeck von Kolodey nach dem er mir, gestern abendt,
seine letzte iahres rechnung, (so er geführet,)
übergeben, ist diese nacht plötzlich krangk,
undt hinfällig worden. Gott wolle ihn bewahren!
undt es mit ihm, zur gedeylichen beßerung, schigken!
Mit Carolo Ursino, bin ich Nachmittags, hinauß
hetzen geritten, undt haben zweene hasen gefangen.
Jch habe auch Zeptzigk gesehen, wie langwei-
lig selbiger baw, von statten, gehet?
Von Deßaw, will es bestehtiget werden, das die gute
Princesse Henriett todt seye. Jhr herr, hat Sie gar
sehr geliebet, undt ihr, alle hertzensvergenü-
gung, wiederfahren laßen, inmaßen Sie selber auch
nach Croßen geschrieben, daß Sie hette, waß ihr eigen
hertz wüntzschte, undt begehrte, ihr herr Fürst Ragozzj,
(den sie wol uhrsach zu lieben hette) ehrte Jhre Liebden
undt liebte sie höchlich. Wie wüste nichts auf der welt
waß ihr mangelte? hat also ihre irr-
dische herrligkeitt, undt vergenügung, alhier,
eine kleine zeitt lang gewähret, undt hingegen
die ewige, wirdt ihrer Sehlig Liebden numehr, auch
unzweifelich worden sein. Jhr herr, Sigismundus
Rogozzj, sol sehr übel, darüber thun, undt gar,
sich fast nicht wollen trösten laßen, So sehr
lieb, hat er sie gehabt. Ach der elenden, iämmerlich
mühesehligen! kurtzen, wellt Freẅde! Ach! Ach!
Einmal habe ich auch uhrsach, dem löblichen vhrallten
Churhause, Pfaltz, darüber, zu condoliren, zu bedawern
undt eine tugendthafte Princessin, welche als
wir eine bluhme, so baldt verwelgket, zu
beklagen! undt Gott den herren, umb abwendung mehrerer
Straffen, iammer, angst, undt noht, inniglich anzuruffen!
Mein Tobiaß krongket sehr. Gotte beßere es mit ihm!
Ün Èscuyer dü Roy de Dennemarck est venü icy,
quj a demandè a m'accoster, & voytüre, pour demain,
vers Dessaw. Je luy fis faire dire, puis qu'il
estoit tard, & que ie me trouvois indispost,
& qu'il voudroit mal volontiers traverser la
riviere aux tenebres, que ie le lairrois reposer,
á l'hostellerie, mais demainb, s'il pouvoit s'ar-
rester, ie le verrois, Dieü aydant, volontiers, et
tascherois, (nonoustant la ruine evidente, & le mise-
rable estat ocülaire, de ce lieü) de luy donner
la Voytüre desirèe, iüsqu'a Dessaw. perge
Samstag♄ den 18den: October 1651. perge böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ
<2 hasen, filij mej.>
Ein Stallmeister, vom Könige in Dennemargk, (so gestern
abendt anhero kommen, undt in der herberge, überm waßer,
zum Schwartzen bähren, eingekehrt)c ist
heütte Morgen, forth, nacher Deßaw, mit vorspann,
darumb er mich ansprechen ließe, ich hette
ihn zwahr gerne zu Mir geruffen, undt neẅe
zeittungen, von ihme verstanden, dieweil
er aber überm waßer lag, undt im finstern etwaß
mißlich überzufahren, (bevorab, wenn die Fehrleütte
trungken sein,) ich auch schon, in procinctu zur tafel, undt
er sich erbotten, mit diesen Morgen, oder im rügkwege zu-
zusprechen, under heütte fortheilete, habe ich ihn dißmal ziehen laßen.
Meine Söhne, seindt nachmittags hetzen geritten, undt
haben zweene hasen einbrachtt.
Jch habe heütte vormittags, auf dem Sahl, laßen
predigen. Der hofprediger Menzelius hat den anfang
mit einer schönen predigt gemacht: von dem Köni-
gischen, Johannis 47.
Extra: zu Mittage, ist die Rindtorfinn, undt
dieser Johannes Menzelius, behalten worden.
Dann die beyden Præceptores, meiner Söhne,
alß: der Magister Johannem Abrahamum Menzelium,
undt hammeln, kan ich nicht vor extraordinarios
mehr rechnen, so wenig, als Sekerka, Wischer,
undt Rogkendorff.
Nachmittags, in die Kirche gezogen, cum filiis,
et parte filiarum8, da dann, der Caplan
Jonius, außm Catechismo geprediget:
Die avisen von Erfurdt, melden:
Das in Frangkreich, der König, wieder den Printzen
von Condè, stargk wirbet, wiewol er den
Printzen, gerne begühtigen wollte, undt die
Königin, sampt andern verhaßten Personen, abschaffen.
|| [[Handschrift: 288r]]
Der Printz hingegen, findet großen beyfall, undt
henget sich an die Spannier, undt Engelländer.
Der König, hat den Conte de Harcour, zum General
wieder den Printzen, erklähret, und mit 6000 Mann,
wieder ihn commandiret.
Jn Engellandt, verfolget daß Parlament, seine Victory
also das fast die gantze Schottische Armèe verlohren,
die gefangenen, werden zum Theil, in Virginiam, theilß
auch, zu fortpflantzung der Engelländischen nation
in Americam, geführet, undt ist dem iehnigen,
welcher den König lifern wirdt, 1000 pfundt Sterlings
versprochen. O Domine! quid agis? cur
permittis tantam iniquitatem, tot scelera! O Deus mj!
Jn Ungarn, hoft man den bestandt des Friedens.
Die Janitzscharen, undt Spachy seindt zu Constantinopel
uneins worden, haben tumultuiret, auch in Asia.
Die pest graßiret in Polen. Jhre armèe hat biß auf
8000 Mann, abgenommen. Die Tartarn, undt Cosagken,
ziehen noch sehr stargk zusammen. Die Pollnischen[,] Schwe-
dischen undt Churländischen Gesandten, seindt zu Lübegk
voneinander höflich gezogen, mit vorwandt gegen Ostern,
(gebe gott) wieder zu erscheinen.
Der Churfürst von Brandenburg hat Hervorden, wieder blocquirt.
Man gibt wieder hofnung, zur evacuation Frangkenthal.
Die Sahle wächst wieder gewaltig. Gott bewahre
vor mehreren inundationibus!
Wegen der Wölffe, seint schreiben, undt
vorschläge, von Deßaw, undt Plötzkaw,
ahnkommen, wann die nur practicirlich wehren?
<36 lerchen, Ludwig Rober, Oberlender, und Peter bangkkoch gestrichen.>
Meine leütte klagen, alß Sie diese
Nacht, lerchen streichen gewesen, das sie
von einem reitter den spectro, ohne haüpt, vom
gerichte heer, in selbigen breitten, sehr infesti-
ret worden. Jn Gallaaß gewesenen läger,
über der Sahle, sollen sich auch viel gespenster,
noch sehen laßen, undt parthien weyse, zu
10[-]12 stargk, in der nacht herauß reitten.
Gleichwol, ist es auch, wahr, daß rechte
Reütter, undt Straßenraüber, an itzo die wan-
derßleütte perturbiren, angreiffen, plündern,
undt die Straßen, unsicher machen. Gott
steẅre allem bösem!
Philipp Güder ist bey Mir gewesen, me dèscouvrant de secrets
dont Dieu vueille üne fois, faire reüssir, les proiects
par sa sainte grace; & benediction, benignement, & Paternellement[.]
<Nota Bene Astrologisches Symbol für den Glückspunkt (Pars Fortunae) = glücklicher/erfolgreicher Tag⊕ monstrè, mais reüssy. böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉböser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ>
Meinen Kammerdiehner, Ludwig Rober, habe ich heütte
nacher Deßaw, geschicktt, vornehmlich, umb der
Fehre willen, Gott gebe, zu glügklichem succeß!
Schreiben von Croßen, das die Princesse Henriette,
deß Ragozzy gemahlin, in Ungarn, mit großem empfindt-
lichem hertzeleidt, ihres herren Sigismundj Ragozzj,
durch eine recidivam des fiebers, gewiß gestorben,
undt bey großen, undt kleinen, da sie geliebt ge-
wesen, umb ihrer Frömmigkeitt, undt Tugendt
willen, betrübnüß veruhrsachet. Gott wolle,
ihre Königliche Fraw Mutter, undt angehörige, in
dieser affliction, trösten! ergetzen! undt erquigken!
Ach! des elenden welttwesens! Ach! der elenden
iämmerlichen, nichtswerdigen, weltt Freẅde!
Der Frommen, tugendtsahmen Princeßin, zwahr,
ist der Sehlige wechßel, nicht zu mißgönnen.
Hingegen, ist die Hertzoginn von Curlandt,
auß dem tode, gleichsam wieder lebendig worden,
auß einer tödtlichen Krangkheitt, erstanden.
Also spielet Gott der herr, mit den Menschen-
kindern, auf erden. Beydes afficiret die Chur-
fürstinn, so mir dieses alles geschrieben. Gott gebe gedultt!
trost! undt erquickung!
Die Avisen geben:
Das ob man wol hin: undt wieder spargirt, alß wehre der
König in Engellandt, baldt todt, baldt endtwichen, nacher
Saint Malo, in Frangkreich, balt in Schottlandt, ankommen,
So wehre doch dieses, daß gewißeste, daß er zu
Leiden gewesen, undt zu seiner Fraw schwester, der
Princesse Royalle, im Bredawischen, zugesprochen,
undt also dem Cromwell, nicht in die hände gerahten,
welcher 1000 pfundt Sterlingß, dem iehnigen pro-
mittiret, so ihn lifern würde. Gott helfe ferner.
Die Staaden, undt die ParlamentsEngelländer,
wollen auch, ineinander gerahten, wegen des hägingfangs.
So wollen auch die Engelländer, undt Spannier,
dem Prince de Condè, assistiren, wieder den
König in Frangkreich. Der Printz ist in
Guienne, hat 10000 Mann, beysammen.
Suchet, die außschaffung des Cardinals
Mazzarinj, undt der Königinn. Kriegt
großen anhang. Düc d'Orleans, favorisiret
ihn heimlich, undt suchet güthliche remedia.
Der König, gehet mit Macht, auf den Printzen.
Die Engelländer helfen Duynkirchen attacquiren,
undt suchen der Spannier hülfe Callais zu übermeistern.
Die holländer declariren den krieg, wieder Portugall.
Barcellona helt sich noch vor Frangkreich.
Jn Flandern, grassiret die pest, in der Frantzösischen armèe!
Der Pabst kranckt. perge Die Cardinäle lauffen
zusammen, hoffen auf einen andern pabst. Der
Cardinal Mazzarinj, ist zu Lüttich, siehet auf
die Frantzösische, undt Jtalienische mutationes!
Die Venezianer haben genung, mit den türgken,
zu waßer, undt lande zu schaffen. Die Türckische
Generallen, procediren nach der schärfe, mit denen,
so übel gefochten, undt rüsten sich aufs neẅe.
Ein 7000 Arabier, sollen von der Mahumeta-
nischen türgkischen außlegung, undt Secte ab,
unst zur Persianischen, übergefallen sein.
Die türckische Suldanin, des türkischen Kaysers,
Mutter, Regentin, undt vormünderinn, sollen
die Janitzscharen, strangulieret haben, weil
sie es in einem Tumult, mit dem Bassa
von Natolia, undt denen Spachy, gehalten.
Jn Polen sol die pest, sonderlich undter dem kriegs-
volgk, sehr grassiren, die Cosagken, undt Tartarn,
rüsten sich noch stargk. Die tractaten zu Lübegk,
gehen den krebsgang, in hofnung der beßerung.
Der König in Polen, ist zu Dantzigk, so oneriret wirdt.
Die Schweden, laßen 10000 Mann in hindterPommern,
marchiren, auf daß Pollnische wesen, ein wachendes auge
zu haben. Der Ulefeldt dähnischer Reichshofmeister
ist von Stogkholm, wieder hinweg. Sol macht haben,
im hertzogthumb Bremen, sicher zu verbleiben.
Boxtehude, undt Staade, werden stargk befestiget.
Chur Brandenburg undt Pfaltz Neẅburg sollen
ia endtlich verglichen, undt des iungen hertzogs
von Neẅburgk Gemahlin, plötzlich an einem
Schlagfluß, gestorben sein. Die lottringhischen
völgker, wollen gleichwol satisfaction haben.
Chur Pfaltz, wirdt am Kayserlichen hofe, übel ange-
sehen, weil er daß ErtztruchseßenAmpt, nicht
quittiren, noch daß angetragene Ertzschatz-
meisterAmpt, nicht acceptiren, undt also, in
mora des friedens, selber sein will.
Jn Schwaben, sol eine reiche erndte sein.
Der Kayser, trawet dem türcken, in Ungarn,
nicht zu viel, undt verlanget im Majo, den Reichßtag.
Der Königlich dennemarkische Stadthalter Rantzow, sol
im rügkwege von Coppenhagen, nacher hollstein,
einen gefährlichen fall, im umbschlagen, mit der kutzsche
|| [[Handschrift: 291r]]
gethan haben. Jn Schweden, haben sie auch eine versam-
lung, aller Stände abermalß vor.
Jn der Moßkaw, hat sich ein Schatzmeister, bey dem
Großfürsten, von freyen stügken, selbst angegeben,
in Meinung gnade zu erlangen, so ihm auch zu
anfangß promittiret sol worden sein, den avisen nach.
Er hat aber 15000 Rubeln, in seinen eigenNutz bey
vorgefallenen Nöhten, verwendet gehabt. Diese
hat er doppelt wieder eingebracht, und überli-
fert. Als er nun gemeinet, es wehre alles
wieder gut, vergeßen, undt vergeben, sol man
ihn eingezogen, scharf hergenommen, undt exami-
niret haben, darauf dann, viel undterofficirer
undt Schatzverwahrer, seine complices, auch ein-
gezogen, undt scharf examiniret worden. Man
vermeinet, der OberSchatzmeister, (welcher
sich, doch so gutwillig, selbst verrahten) werde
zum feẅer, die übrigen aber, zum Strange,
undt Viertheilung, condemniret werden. perge
Die huldigung, der Mußkowitrischen undter-
thanen, an den lifländischen gräntzen, sol geschehen sein.
Zu Caßel sol das christliche leichbegengnüß der
Fraw landgrävin Sehlig mit gehörigen solenniteten,
celebriret sein worden. perge
Mittwoch☿ den 22. October 1651.
<Regen, windt.>
Die vielen regen, machen daß waßer sehr anlauffen,
undt die Mühlen fast stille stehen. Gott beßere
es, undt remediire gnediglich, dem bevorstehenden
brodtmangel!
Am heüttigen predigtTagen, zur kirchen, cum
filiis, da dann der hofprediger Menzelius,
auß dem ersten Capittel, der ersten Epistel
Johannis9, eine schöne predigt formiret.
Postea: ist der stadtvogtt und Notarius
Albinus zu mir kommen, mir zu referiren,
wie seine rayse, nach Ballenstedt, in des
Kohlmanns sache, abgelauffen?
Discorsj, mit Magister Menzelius, mit hammeln, mit Wischern,
undt andern, successive.
Ludwig Rober, ist von Deßaw, wiederkommen, dahin
ich ihn, eben zu rechter zeitt, geschickt gehabt,
hette sonst diesen wintter, das neẅe Fehrichen
nicht verfertiget, bekommen. Können, in deme die
iehnigen, so es gebawet, in procinctu gewesen,
abzuraysen, inß landt zu Meißen. perge
<4 hasen, von der hatz.>
Jn publicis; ist viel einkommen, deßen, waß man
hette vorzunehmen, undt anzuordnen, 1. aufm Reichs-
tage, 2. aufm bevorstehenden landttage, 3. am
Kayserlichen hofe. 4. in traubotts sachen, am
Cammergerichtt, derer zu renuncijren. perge
Gott gebe guten heilsahmen Raht, undt effect!
Simon Jude, hat sich von Leiptzigk, wieder eingestellet.
Mein Sohn Viktor Amadeus ist hinauß hetzen geritten, hat
vier hasen einbrachtt.
Tobias Steffeck von Kolodey ist an seiner heftigen Pleuresj,
wie auch am calculo, etwaß wieder genesen.
Gott helfe ihm ferner gnädiglich! Er hat ein
großes erlitten, undt außgestanden. perge
Heütte Nachmittags, ist des allten 70iährigen,
Meines Rahts: undt hofmeisters, heinrich Friedrich,
von Einsidel, neẅgebornes töchterlein, ge-
taufft worden. Die vornehmbste gevatterin,
darzu, ist mein töchterlein, Anne Sofichen,
gewesen, weil sie die erste gewesen, bey
deren Kindttaüffe außrichtung, gedachter
hofmeister, seine Amptßverrichtung versehen.
Den CammerRaht, Doctor Mechovium, habe ich, bey mir,
gehabtt, undt wegen Kohlmanns, auch anderer dinge, gehört.
Nacher Croßen, geschrieben, an die Churfürstinn,
condolenter.
Nachmittags, seindt wieder zweene Schiffe
ankommen, mit 50 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: getreydigs, von halle,
so nacher Magdeburg wollen.
<40 lerchen, vom streichen, Ludwig Rober, Andreas hetzler, undt Michel Ringk.>
Jn Oeconomicis, et publicis laborirt.
Zum B Spatziren gegangen, <die neẅerbawte zweene
Mühlgänge, auch besehen.
Gott gebe, zu gutem glück!>
Correspondentzen befördert.
böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ Samstag♄ den 25ten: October 1651.
<21 lerchen, hanß Cohte, Hans Balthasar Oberlender, Michel Sattelknechtt.>
Die Sahle, ist wol einer Elle hoch, diese
nacht, wieder gewachsen. Man kan,
kaum mahlen. Jch habe mit schmertzen, meine haber-
diehmen, gesehen, wie dieselbigen durch den regen,
gantz verfaulen. stinckendt werden, undt außwachsen.
Also, waß man mit Mühe, undt arbeitt, eingesam-
let, idt numehr großen theilß, auß Mangel
der gebewde, elendiglich, verdorben. Patientia!
Alle undterthanen, undt leütte aufm lande,
klagen darüber, daß ihnen so mächtiger schaden,
aufm felde, undt in den diemen, geschehen. Gott beßere es.
Auch au in den gebeẅden, welche nicht zum besten,
verwahret, hats durchgeweichet, undt schadt gethan.
Jch weiß nicht, wie ich mich außbringen werden?
Jedoch, wil ich Gott vertrawen! der wirdt unß nicht
verlaßen! noch verseümen! ist es sein gnediger wille?
Philipp Güder, hat Mir importantissima referiret.
Mà, la mîa fortuna, a me, sempre nemica,
non mi concedi dj guadagnar la! Pacienza!
Vor: undt Nachmittags, bin ich spatziren gegangen,
avec dèsdaing, de voir dès choses malaggreables!
<17 lerchen, Albrecht Sekerka Märtin haug lackay, Valtin Stallknechtt.>
Daß waßer wächßt noch immerforth.
Waß will endtlich darauß werden? Patientia!
Zu Mittage, Extra gehabt, die Rindtorfinn,
Magister Enderljng, (welcher vormittags geprediget,
undt mit mir hernacher conversiret) undt
Magister Menzelium!
Nachmittags, cum filiis in die kirche, undt
Catechismjpredigt, des Jonij; die fragen de Providentia!
Dispositiones, in justitzen, undt Oeconomysachen, gemacht.
Magister Menzelius hat valedicirt, in meynung, Morgen (gebe gott)
nacher Ballenstedt zu verraysen, sich installiren zu laßen, zum Diacono.
Gott gebe, zu glügk! segen! gedeyen! undt erbawung allerseits!
Avisen von Erfurdt: daß zwischen Chur Brandenburg undt
Pfaltz Neẅburg in puncto der kirchen, ein compromiß aufge-
richtet, darinne ein Fürst von Anhaltt, benennet.
Das Parlament in Engellandt, (welches doch Crom-
well iährlich verendert haben will) bemühet
sich sehr, in Frangkreich, beyfall zu bekommen, das
die forma Reipublicæ auf ihren schlag, möge
eingeführet werden. Der Gouverneür
von Rochelle, ist auf des Printzen von Condè
seitte, getretten.
Landgraf Ernst, hat an die Fürsten zu Heßen,
inngleichem, in die Theologos: Calixtum, Crocium,
undt haberkorn, geschrieben, darinnen er sie zu
einem colloquio, nacher Franckfurth, erfordert.
Scheinet in puncto Religionis, confundirt zu sein. perge
Jn Frangkreich, nimmet daß Feẅer der unei-
nigkeitt, noch täglich, mehr überhandt, der Printz
von Condè machet sich großen anfang, nennet
sich Generalissimum des Königs Armèe, wieder den
Mazzarinj, undt seine Adhærentes, hat großen
zulauf, undt sich also sehr gestärcket, das er
ohne Spannische ihme angebottene hülfe, den Ge-
neral Harcourt, bastandt zu sein, vermeinet.
|| [[Handschrift: 294r]]
Düc de Bouillon, undt General Türenne, halten sich
neütral, Düc de Longueville helt sich, in Normandie
gantz still, auf seinem gouvernement. Düc d'Orle-
ans, will des Printzen von Condè actiones nicht
improbiren. Wirdt Prince de Condè contentirt, wol guht,
wo nicht? wirdt Frangkreich, ein großes leiden müßen.
Jn Engellandt, bringet man die zeitt zu, mit
execution, wieder des Königes offenbahrte favoriten,
und wieder die gefangenen Schottische herren,
(dann die gemeine alle in Schiffe gebrachte, undt
in Americam, geführet worden) der König
soll in eines Fischers habit, unweitt Leyden,
zu Döllingen, bey seiner Fraw Mutter, angelanget sein.
Wegen Franckenthal verhoffet man ehistes,
die evacuation, alle Crayße seindt mit ihren
geldern, erschienen, außer der Sächsische.
Chur Brandenburg hat herforden blocquirt,
durch sein landtVolck. Seine geworbene völgker,
seindt in die quartier gegangen. Pfaltz Neẅburg
hat ebenmeßig seine völgker, in die quartier gehen
laßen, allein die lottringhischen völcker, suchen
quartier. verlangen nach der Wetteraw.
Die Wetterawische graven, deliberiren zu
Friedebergk, von einem Defensionswesen.
|| [[Handschrift: 294v]]
Kayserliche Mayestätt machen præparatoria zu dero rayse
aufn Reichßtag, nacher Regenspurgk, werden
doch zuvorhero, nacher Prag, undt Preßburgk
verraysen, dero Gemahlin zur Ungarischen
undt Böhmischen Königinn, krönen zu laßen.
Jn Catalonien, spielen die Spannischen,
den Meister, liegen nahe an Barcelona, ha-
ben undterschiedliche Proviandtwägen
so hinein gewoltt, hinweg genommen,
undt solle der Frantzösische General
Marchinj, auß Catalonien hinweg, mit
meisten völgkern, zum Printzen von Condè
gegangen sein. perge
<Geörge Mußcketier[,] Geörge gärtner, Michel Vorreüter, ceperut nihil.>
<2 hasen, Viktor Amadeus gefangen.>
Den Amptmann, Georg Reichardt habe ich bey mir gehabtt,
undt ihm allerley committiret.
Magister Menzelius wandert heütte mit dem
Superintendenten, nacher Ballenstedt, alda in-
stalliret zu werden. Gott gesegene, seine rayse!
Doctor Fischer ist bey mir gewesen, in allerley zu
informiren. Jst auch, extra zu Mittage, geblieben.
Die Leiptziger avisen, confirmiren die Erfurdtischen,
undt melden: daß der Kayser, sich stargk rüste, auf die rayse,
undt Cröhnung der Kayserinn, in Ungarn, undt Böhmen,
undt dann auf den Reichstag, nach Regenspurgk.
Chur Pfaltz, undt Chur Bayern, seindt noch streittig,
wegen des Tituls. Die evacuation Frangken-
thal, wirdt gehemmet, undterm vorwandt, der
noch nicht völlig eingekommenen gelder.
Jn Frangkreich glimmet daß Feẅer, Printz von
Conde, stärgket sich. Jedoch hoffen etzliche den vergleich.
Catalognien, gehet vor Frangkreich verlohren.
Duynkirchen, wirdt von Spannischen blocquiret.
Jn Engellandt, ist man geschäftig, eheliche leütte,
undt hohe Schottische Officirer, (deren in die 800
gefangen sein sollen, undt deützsche darunter)
zu exequiren, undt die gemeinen Soldaten,
(deren in die 6000 sein sollen, auch ihrer viel vor
hunger, undt kummer, hinweg sterben) in Virgi-
niam, undt Americam, zu schigken. General Crom-
well, welcher Triumphirlich in Londen eingezogen,
sol das Parlament verendern wollen. Jn
Jrrlandt, haben die Königlichen victorisiret.
Die Engelländer armiren zu waßer, undt zu lande,
fordern neẅe Postulata, undt wollen die Staadische
Legatos, fast nicht admittiren.
Wjeder Portugall, haben die Staaden, den krieg declarjret.
Der Pabst, ist wieder genesen, hat gefeyret, das
er acht iahr numehr regiret.
Die Venezianer hoffen ihren Erbfeindt
zu übermeistern, wiewol Canêa, durch
übersehung ihrer Generalln, (welche allzuviel
zeitt, mit complimenten, undt gratulationen
als sie einander begegnet zugebracht, nemlich:
Mocenigo; undt Foscolo) vom türckischen General
(vortheil suchende), endtsetzet worden.
Zu Constantinopel, sol es auch rebelliones, undt
uneinigkeitten geben.
Die Tartarn, undt Cosagken, sollen sich
zwahr sehr gestärgkt, und Polen gedreẅet,
endtlich aber doch, nach erhaltenen guten
artickeln, zum frieden, accommodiret haben.
Die Pollnische armèe sol sehr verhungert,
undt biß auf 8000 Mann, durch die pest, abge-
nommen haben.
Der König in Polen, will bey der Stadt Dantzigk
parition haben. hat seine Mandata, wegen der
reformirten, renoviret, undt geschärffet.
Jn Schweden, helt man landttäge, undt præparatoria
zum Reichstage.
Ulefeldt, sol zu Wißmar ankommen sein,
mit seiner Frawen, welche Mannskleider angehabt.
Am Kayserlichen hofe ist ein türckischer Chiauß wegen
bestettigung des friedens, undt zur satisfaction
des Canisischen handelß wegen.
Chur Brandenburg undt Pfaltz Neẅburg sollen
verglichen, die religionssachen aber, auf ein
Compromiß, gestellet sein.
Jn der Schweitz, werden auch, selbige
Dissidia, durch mediatorn, componiret.
Der iunge Churfürst von Cölln, von dem hause
Bayern, ist solenniter, zum Ertzbischoffe, einge-
weyhet worden, mit großem apparat.
Chur Meintz, ist noch zu Meintz, auf selbige
Tractaten, undt zu Franckfurth, zu vigiliren.
böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ Dienstag♂ den 28ten: October 1651.
<Wartemßleben, Hans Geörge lackay. Rindtoffs Hanß, nur 1 lerche, ex petulantia.>
Allerley haspeleyen, habe ich zu recht
gebracht, (pro posse!)
Doctor Fischer, der Medicus, ist hinüber nacher Plötz-
kaw, eilends gefordert worden, wegen Geisels, neẅen hofmeisters.
heütte, ist meine annoch Elltiste tochter, Freẅlein
Eleonora hedwig, 16 iahr altt worden. Gott gesegene, und erhalte Sie!
Lüdolf Lorentz von Krosigk, ist diesen abendt, (be-
gehrter maßen) erschienen.
Jch habe lackayen, undt Reütter, nacher
Agken, undt Dochum, außgeschickt, wegen des
großen gewäßers, undt erkundigung beßern überkommens.
<Geüder, der page, küchenPeter, Wischers knechtt, nur eine lerche.>
<3 hasen,
hat Carl Ursinus
gefangen.>
Meine Gemahlin, ist heütte forth, nacher
Zerbst, auf dieselbige gevatterschaft, oder viel mehr
einsegnung, weil daß kindtTaüffen, schon geschehen.
Sie hat bey sich, meine zwey Elltiste
töchter, drey Jungfern, undt zweene Junckern,
nebst anderm comitat. Gott geleitte
sie, in diesem gewäßer. und regenwetter!
Jch bin mit meinen Söhnen, zur kirchen
gefahren, predigt zu hören, auß dem 122 Ψalm10,
Man hat den neẅen Raht, vorm berge
aufgeführet, undt verendert. Gott gebe zu segen!
Ein toller rasender schwartzer hundt, ist
diesen Morgen herein inß Schloß gelauffen
kommen, hat sich mit unsern hunden herumb
gebißen, undt unsern Storch, (daß dangkbahre thier)
erwürget, pro malo omine!
Gestern, seindt Meine Rähte zu hecklingen
gewesen, wegen der kirche, undt kirchen ge-
bewdes daselbst, undt haben gute er-
klärung, von den Troten, in undterthenig-
keitt, erlanget.
Extra zu Mittage, Secretarium Paul Ludwig[,]
Tobias Steffeck von Kolodey undt Jakob Ludwig Schwartzenberger gehabtt.
Ein Grave von Schwartzburgk
Arnstedt, ist heütte, unvorsehens, alhier
durchpaßiret, nacher Barby, aufß
begräbnüß zu gehen, dahin heütte
auch, mein Raht, undt hofmeister, Ein-
sidel, (beschriebener maßen) gezogen.
Jch habe eine Commission ergehen laßen, wegen
des Großen Kersten, welcher todtkrangk
daher worden, daß ihn, der Richter alhier,
mit füßen, in die seitte, gestoßen, undt
der Bürgermeister Fuß, mit stergken, geschlagen, als
er unverhörter dinge, neẅlichst, in
ein böses gefängnüß, geworffen worden.
Sie hetten nicht iudicis, undt Partis Stellen, zu-
gleich vertretten, undt zu groben Mördern, werden sollen.
A spasso zweymal, verdrießliche sachen,
zu hören, undt zu schlichten, pro posse; in
minutissimis, als pferde beschlagen, & talia!
Zweene Schiffe, mit 40 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: getreydig,
seindt gegen abendt, abermals, von halle,
herundter kommen, undt haben mir Tribut gegeben.
Nota Bene: Contemplations: Malheüreüse annèe, pour moy,
anno: 1651. Bonheür, (Dieu aydant) l'an: 1651. etcetera
Mercket ihr nicht, etcetera etcetera etcetera Nuncio Bue! Nota Bene:
Ernst Gottlieb Fürst zu Anhalt perge Les annèes: 1653. 1654. 1655. 1656.
Nota Bene: grandes revolütions; & (peüt estre) la fin dü Monde,
sj l'an 1665 elle n'avient? Quj Vicerit! Apo-
calypsis: 2. vers 711.1112.1713.2614. Apocalypsis 3. vers 515.1216.2117.
Regeneratio facillima! Regenitj, non peccant,
peccata, ad Mortem? Unser glaube, ist der Sieg!
Übe, eine gute Ritterschafft! Abyssus, abyssum
vocat!18 Sie (die Antigristianj) werden gequeh-
let werden, mit Feẅer, undt Schwefel, tag, undt
nacht, für den Engeln, undt für dem Lamb, undt
der Rauch ihrer quahl, wirdt aufsteigen
von ewigkeitt, zu ewigkeitt!
Donnerstag♃ den 30. October 1651.
<Hans Eckardt, Matz Mußcketirer, undt der gärtner, haben 1 lerche gefangen.>
Somnia: von Chur Meintz,
undt Chur Trier, gehabt, wie ich bey ihnen in leib:
undt lebensgefahr gewesen, und sie sich mir wiedersetzet
in allen gefährlichen dißcurßen.
Der page Bidersehe Carolj Ursinj, ist diesen
Morgen, gählingen krangk worden, wie es scheinet
am fieber, undt gelben suchtt. Gott beßere es!
A spasso, in schönem warmen wetter.
Avis von Agken, daß gestern, Meine freundliche herzlieb(st)e gemahlin,
glügklich daselbst überkommen. Kurtz zuvor,
war der Administrator, transitirt, mit
125 pferden, undt sol ver vetter, Fürst Johann
von Zerbst, mit 100 pferden stargk, auch
mit keßeltrummeln, undt tromptern, in
großer magnificentz, die gäste angenommen
undt im felde, entpfangen haben,
sonderlich, weil der administrator gesandter, von
Seiner Liebden herrnvatter, dem Churfürsten daselbst
ist, undt die gemahlin, wegen der Churfürstinn.
Man sagt, vetter Fürst Johann Casimir, seye auch alda
undt werde den Administrator nacher Dessaw, auff die Schweinhatz
invitiren. Mundus vult decipi!19 et exercet Histrioniam20.
Doctor Fischer, der Medicus, so von Zerbst Plötzkaw,
wiederkommen, hat sich, bey mir, præsentiret, wegen
des kleinen krangken page, des Biedersehes,
ihm remedia zu rahten. Er berichtet auch, daß
ein grave von Schwartzburgk, zu Plötzkau gewesen,
undt hertzogk Rudolf Augustus, hinkommen würde.
So bringt er auch, gedrugkte acta mitt,
darinnen Landtgraf Ernst, die conferentz
zweyer partheyen, zu einem colloquio nacher
Franckfurth am Meyn, begehrt, folgende
beyde puncta, nohtwendig zu decidiren.
1. De necessitate successionis Petrj, in Papa-
tu seü Cathedra illus, & quod <an> Papa non
possit errare? 2. De potestate Ecclesiæ.
undt wirdt dabey, der modus colloquendj, vorgeschla-
gen, wie man den vortrag, undt waß beyde
theil, opiniren würden? alsbaldt, (ohne dispu-
tation, undt erhitzung der gemühter, noch
verkehrung der wortt,) zu pappier bringen,
undt prothocolliren sollte? Auf Päbstlicher seitte,
sollte Pater Valerianus ein Jesuit21, nebenst zweyen
Capuzinern stehen, auf Evangelischer aber: Doctor Calixtus,
Doctor Crocius, undt Doctor Haberkorn. Gott beßere die Irrenden[!]
|| [[Handschrift: 299r]]
Er der Landgraf, will sonst noch nicht gestehen, daß
er sich, zur Päbstischen Religion verbindtlich ge-
macht, noch mit ihnen communiciret. Er schildt
auch auf die iehnigen, so es ihme nachsagen.
Gleichwol movirt er dubia! so er billich,
wißen, undt nicht zwefeln sollte!
Den Amtmann Reichardt, habe ich diesen
abendt, bey Mir, gehabt, allerley Mir re-
feriren, undt vortragen zu laßen.
Freitag♀ den 31. October 1651.
<Diese nacht, seindt Geörge der gärtneriunge, (an stadt Zacharias trompter,) item: der böttichergeselle, undt heinrich, der iägeriunge, lerchen streichen gegangen, haben auch nur eine eingebracht.perge>
Jch habe mich heütte resolvirt,
auf Ballenstedt, zu reytten, undt
einen kutzschwagen, (wegen des wetters
kalte küchen, undt zeügs) mit zunehmen.
habe meinem Sohn, Viktor Amadeus die Oeconomica anver-
trawet, (Gott gebe zu glück, segen, succeß! und gesundtheit!)
auch sonst genungsahme anstaltt gemachtt!
Es hat sich alles schwehr zu Bernburgk, noch viel
schwehrer, zu Ballenstedt, ahngelaßen. Patientia!
Undterwegens, unferrne von Ascherßleben, ist
mir ein böser brief, oder relation von den hoymischen
refractarijs, zukommen. Patientia! quj potest?
wegen der kirchenrechnungen, zu Padeborn, so
die Beampten, undt Geistlichen, anbefohlener massen,
verrichtet, ist niemandt zu mir, nacher Ballenstedt kommen, als Matthias Cnüttel
|| [[Handschrift: 299v]]
Mit diesem Amptschreiber, habe ich alles deliberiret.
Ernst Röder, hat sich auch eingestellet, (begehrter
maßen)[.] Jch habe sonst, Rindtorf, undt Roggendorf,
bey Mir! <Zweene wölfe, heütte im felde gesehen worden.>
Das große gewäßer, hat die wege aufm
hartz, gantz verderbet, Gott wolle es beßern!
Ich habe briefe, nach Bernburgk, geschrieben.
