Donnerstag♃ den 1. Aprilis, 1652.
<Ein lachß zum erstenmal gefangen diesen frühling alhier zu Bernburgk Jst aber ein kupferlachß.>
heütte ist allerley anstaltt
gemacht worden, wegen abholung der iungen hertzogin von Eüttin.
1 wispel Gestern, ist in die Suhlepredigt<breitte>, geseet
worden, zu Zeptzigk, in beysein, Oberlenders, undt
12 Schefel (Scheffel)schfl: haber alhier in das Mittelgewende,
der Gerichtsbreitte, im beysein, Hans Georg Lackayens,
Gott gebe zu wachßthumb! undt gesegnetem gedeyen!
<Windig wetter.>
Diesen Morgen, hat Meine freundliche herzlieb(st)e Gemahlin,
ihre CammerJungfer1, mit Tobias Steffeck von Kolodey undt zweyen
Caretten, nacher Magdeburg abgeschickt, die
iunge hertzogin von Eüttin, abzuholen.
Gott gebe zu glügk! undt reconvalescentz
derselbigen!
Gestern, hat Hagen, zu Biendorf, unß wieder
zu nahe gehetzt. Jch avisiere es, dem Obrist Leutnant Knochen.
Der iüngere Sekerka, (so von Halle wiederkommen)
hat relation gethan, wegen der vorseyenden festivitet,
& aliarum rerum perge et cetera.
Jch habe, durch Geörge Cnütteln, unsern Superintendenten,
in seinem haußcreütz, undt vielfältigem anliegen,
besuchen laßen. Er hats wol aufgenommen, und sich fein getröstet.
Michael Ringk depeschè ce soir, a H & a Aa. Deus benedicat!
1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: Gestern, zu Zeptzigk per Ludwig Röber undt 12 Schefel (Scheffel)schfl: haber alhier, seen
lassen, per Hans Georg[.] Gott gebe, zu Segen! undt Gedeyen!
Christof Albrechtt Zanthier, hat anhero geschrieben,
von einem Obersten Schömbergk, der mich Morgen
(gebe gott) zu Mittage, ansprechen will. Gott gebe! daß
er Mir, etwas gutes, undt nichts verdrießliches bringe!
Samstag♄ den 3. Aprill: 1652.
<Regenicht. Windig.>
heütte Morgen, hat Oberlender wiederumb 6 Schefel (Scheffel)schfl: haber<Gersten,>
zu Zeptzigk, <sollen> außseen laßen. Gott gebe, zu segen! und gedeyen!
Der Oberste Schömbergk, kriegsraht, undt Commendant
zu Zelle, auch hauptmann über drey Aempter, hat
sich, mit Zanthiern, gegen Mittage, præsentiret,
undt ich habe ihn gerne admittiret zur Audientz,
(weil er ein wolqualificirter Cavaglier ist)
Er ist auch, zum Mittagseßen, bey unß geblieben.
Darnach, ist er, nach endigung guter dißcurße,
(sonderlich, von den Niederlendischen kriegen, darinnen
er den Staaden gedienet, vor hertzogenpusch,
Maestricht, &cetera undt von den Schwedischen
kriegen, darinnen er, undter hertzogk Geörgen
Sehligen, undt undter dem commando, des General
Klitzings, gewesen) wieder von unß geschieden, cum socio!
Er will auch nach Plötzkaw? Muß baldt wieder nach
Zell, weil der Churfürst von Cölln, dorthin kommen
wirdt. Vetter Hans Geörge, undt Landgraf Fritze,
seindt auch bey hertzogk Christian Ludwig, auf der reygerbeiße.
Des Königs in Dennemarck, iüngstes Söhnlein, ist gestorben.
Der Hertzogk von Hanover, will bald auß Italien, wieder sa sein.
Post von Ballenstedt, von Matz Cnüttels, haußcreütz.
Gott tröste ihn! Dieu luy a ostè, ün fils, mort au
Ventre de sa Mere.
Der Amptmann Schmidt, hat auch geschrieben wegen
kohlmanns, undt anderer sachen.
Post von Niemburgk; wegen der hertzoginn von Eüttin,
welche aldar ankommen, & sa restitütion n'est pas enco-
res affermie. Le bon Dieü; aye pitiè d'elle, & la guerisse!
par sa grace & Benediction! Le Medecin, & le Maistre
d'hostel, sont desünis! Unita vis fortior esse solet!
Diesen Abendt, ist in der demmerung, die Hertzoginn
von Eüttin, ankommen, undt man hat allerley signa,
non adhuc sanæ mentis, an ihr, deprehendiret. Gott
verleyhe, bäldiste beßerung!
<Windig Aprillenwetter.>
Der iungen Hertzoginn, ihr hofmeister, ist frühe von
hinnen, verrayset, eine Gevatterschaft zu Scher-
mike zu verrichten! Je croy, que le bon Cavaglier,
(Bützaw nommè) est bien ayse, d'estre èsloignè,
de ces miseres! Dieu le conduyse! & nous aussy! par
sa Sainte grace! & Paternelle assistance!
Magister Enderling, hat hieroben, aufm Sahl geprediget.
Jch habe vormittags, die iunge hertzogin, (nach anmeldung)
besuchtt, undt Sie noch gar höflich, gegen Mir, befunden,
ob Sie schon ihre intervalla gehabt, undt von der gesterigen
|| [[Handschrift: 448r]]
rayse, auch vieler cur, undt blödigkeitt, sehr Matt,
undt ermüdet gewesen. Sie lag im bette. Gott helfe ihr!
Extra zu Mittage: die Rindtorfinn, den iüngeren Sekerka,
Tobias Steffeck von Kolodey Magister Menzelium, so auch den prediger, Magister En-
derling, gehabtt, insonderheitt, den CammerRaht, Doctor Mechovium perge.
Nachmittags, cum sorore, & filijs, in die kirche, undt
predigtt, des Diaconj Jonij, gezogen.
<Windt. Schloßen.>
Jn Rechnungß- undt Oeconomijsachen, allerley
facende gehabt.
Philipp Güder, ist mit weinpfählen, von Quahlendorf
wiederkommen, 25000 perge et cetera.
25 drußeln, undt zjimer, von halle, Jtem: 2 Endten,
alhier bekommen perge.
Die avisen bringen: Daß Xaintes, in Franckreich,
von den Königischen, erobert wehre. Der Lottringher,
(so gegen das Stift Basel, gehet, undt noch im Elsaß,
übel hauset) stellet sich, baldt, dem Könige,
baldt den Printzen, zu assistiren. Taillebourg,
sol auch, vom Königlichen General, Harcour, erobert sein.
Visconte de Türenne, sol Königlicher General werden.
Engellandt undt hollandt, stehen noch in Tractaten.
Dennemargk, undt Schweden, haben auch Gesandten
zu Londen. Schottland wil sich noch nicht laßen capistriren.
Jrrlandt dubitiret auch noch. Die HanseeStädte
|| [[Handschrift: 448v]]
accommodiren sich ebenmäßig dem Parlament, durch ihren
abgeordneten, Leo von Aißema. Manche meinen,
die Engelländer, undt hollender, dörften conjunctim,
nach Frangkreich zu, gehen.
Die evacuation Frangkenthal sol den 16⁄26ten:
Aprill geschehen, wiewol ChurPfaltz, mit hinderlichen
Conditionen, sich selbst remoriren solle.
Vom ReichßTage, ist es noch stille.
Die Türgken, sollen 30000 stargk in Ungarn
sein, auch große præiudicia machen, an den
gräntzen, auch mit streiffen, rauben, undt
brennen, insolentzien verüben. Die Ungarn
bitten umb einen Türckenkrieg, undt
revange. Der Kayser, helt es noch, vor unrahtsam.
Jm Arcipelago, sol der Venezianische Generalissimo
Foscarinj, die Jnsel Chio erobert, undt
36 Türckische galleren in selbigen porto, ver-
nichtet haben, auch große beütten überkommen.
hingegen, haben die Türgken, Canea wieder
endtsetzt, undt proviandtiret, wie auch in
Morea, wieder alle Christen, sæviiret, so wol
die Griechischen, als lateinischen kirchen,
|| [[Handschrift: 449r]]
verbrandt, etzliche Christen ermordet, andere
gefänglich eingezogen, umb vermuhteter jntelligentzen willen.
(Vielleicht, ist der Türgken, alß Orientalischer An-
tichristen ruin, undt Undtergang, vor der Thür!)
Jn Polen, hat sich zwahr der ReichßTag, umb eines
Landbohten Kühnen wiedersprechens, undt Protestirens
willen, zerschlagen, iedoch hoft man friede, mit
Moßkaw, undt mit den Cosagken, zu erhalten,
wiewol die Pollnischen Stende, den König selbst im
verdacht haben, alß ob er heimlich, mit den Cosagken
colludire, zu manutenentz, seiner Authoritet.
Des Königes Sohn, ist gestorben, wie auch des
Königs in Dennemargk, iüngstes Söhnlein.
Gott tröste die affligirten!
Die Kayserinn, ist mit einer Princeßinn,
gesegnet wo undt frölich endtbunden worden.
Man hat dieselbe, Tiresia Maria Josepha
in der Tauffe genandt.
Der Pabst hat viel neẅe Cardinäle solenniter
wieder creiret, auf recommendation Kayser, und Könige.
Barcellona, sol in großen angustiis sein.
Die Spannischen davor, stärgken ihr läger,
undt die Frantzosen zum secours, seindt schwach,
bleiben auch, zum theil, gar außen, umb ihrer
innheimischen zwytracht willen. perge
<Froßt, mane.>
Jch bin hinauß, nach Zeptzigk, geritten,
selbigen gebrechen, zu remediiren, pro posse.
Darnach, die Hertzoginn besuchtt, welche
sich anfängt, gar fein zu endern, undt etwaß
zu recolligiren. Gott gebe ferner, gnade! und segen!
auch succeß, zu völliger, reconvalescentz.
12 Schefel (Scheffel)schfl: Gersten, hat Oberlender seen laßen, zu Zeptzigk,
14 Schefel (Scheffel)schfl: Ge haber alhier, undt 2 Viertel (Hohlmaß)v: Hans Georg in daß
Mittelgewende, an der gerichtsbreitte. Gott gebe, zu segen!
Gegen abendt, die hertzoginn wieder besucht, undt
allerley gute gespräche, mit ihr gehalten.
Gott verleyhe, gnediglich, völlige restitution!
Jn die Kirche, cum sorore, auch beyden Söhnen,
undt zweyen Töchtern2, sampt anderm Comitat.
Postea: Die hertzoginn besuchtt, undt gar
moderat befunden. Mein kleiner Carll hat
mit jhr, zu Mittage, eßen müßen.
Extra zu Mittage, der jüngere Sekerka,
undt Ernst Gottlieb, von Börstel, gewesen.
Einen stargken Disputat, mit Gawen gehabtt,
welcher in 5 durchpaßirenden Schiffen, nur 110 wispel
|| [[Handschrift: 450r]]
angegeben, nemlich 75 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: weitzen, undt 35 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: gersten,
alles Bernburgischen maßes, da ich doch vermeint, es wehre noch
eins so viel darinnen endthalten. Jch hatte
Rindtorf, undt andere deputirt, solche Schiff, zu
besehen, undt umbzumeßen. Jnterim kahm er
herauf, machte eine große differentz zwischen
dem visitiren der Schiffe, (so ein ieder
herr der zölle, macht hette) undt dem umb-
meßen, welches ihm schaden brächte, undt seine
Schifleütte veriagen würde, auch an keinem
orth braüchlich wehre, Sondern ihme, darvor,
die unkosten des schadens, undt verseümnüß,
(im fall er richtig befunden, undt angegeben
hette, anderst wolte er gerne strafe leiden,
nebenst der confiscation, seines v̈berleyen
guhts) von mir werden müsten. Dieweil
er dann, nach vielem contestiren, alles, hoch
betheẅerte, das deme also, undt nicht anders
wehre, er auch baldt wiederzukommen, promittirte
(fast wochentlich, bey gutem wetter,) undt das
er, an der Schleüse, bawen wollte, versprach,
dimittirte ich ihn, dieses mahl, also, doch muste
er iemands von den Meynigen, zum umbmeßen, nacher
Calbe, da es ohne das, geschicht in andere Schiffe, mittnehmen.
Oberlender, hat laßen, zu Zeptzigk, 13 Schefel (Scheffel)schfl:
Gersten, außseen. Gott gebe, zu wachßthumb!
Segen! undt gedeyen!
Donnerstag♃ den 8ten: Aprill; 1652.
Wilhadus Bo<e>thius, Heidelbergensis so dem Könige in
Engellandt Sehliger zehen iahr in der cantzeleyen
gediehnet, weib undt kindt hat, auch eigene
gühter gehabtt, undt verlaßen, müßen,
hat sich angemeldet. Jch habe ihm zugesprochen,
angehöret, undt bedachtt, mitt einem Viatico!
Hofmeister Bützow, ist wiederkommen. Jch habe
Medicamenten geordnet, in arcanis, perHans Wenzel Rothe
undt hofmeister Bützaw, nachm eßen, zugesprochen.
Die hertzoginn, hat heütte etwas extravagirt,
undt niemands acceß verstatten wollen. Sie ist
auch, über des Bützaw, ankunft, wenig erfreẅet worden.
10 Schefel (Scheffel)schfl: haber, in die 100 Morgen, außseen laßen,
Gott gebe zu segen! Wachßthumb! undt gedeyen!
Avis: daß zu Hamburgk, die pest zim-
lich grassiren mag. Gott lindere, solche Landstraffen!
undt wende fromme hertzen, zur wahren buße.
Magister Sachße Superintendent zu Cöhten, hat mir seines Sohns
Christiani Sehligen leichpredigt, condolenter geschicktt!
<Regen die Nachtt, wie auch heütte, per intervalla.>
Den Medicum, Doctor Fischern, bey mir gehabt.
Risposta von Aldenburgk, en termes incertains.
20 Schefel (Scheffel)schfl: haber, hat Hans Georg alhier, auf den
hundert Morgen, undt Iohann Balthasar Oberlender zu Zeptzigk
18 Schefel (Scheffel)schfl: Gersten, seen laßen. Gott gesegne beyderley!
Meine deputirte, seindt von halle<Calbe> wiederkommen,
haben Gawen, seinen weitzen umbmeßen
gesehen, undt zimlich richtig befunden,
die Gerste aber, hat er nicht wollen
umbmeßen laßen, umb besorgter verseümnüß
willen, Sondern auf einen Eidt, gestellet.
Mit Bützow, conversiret.
Den Amptmann, Georg Reichardt bey Mir gehabt.
Postea: den Secretarium; Paul Ludwig. Jtem: Doctor Fischern.
J'ay èscrit au Duc Jean a Eutin. Dieü, nous favorise!
Nachmittagß, bin ich, mit meinen Söhnen, hinauß
spatziren geritten. Postea aber, baldt wieder
umbgekehret, weil ich, den Obersten Graffen
Kinßky, (welcher, in 10 tagen, 100 meilen weges,
gefahren, und sehr müde gewesen, auch sich nicht angemeldet)
im Gasthofe verspühret. Er ist aber bald wieder weggezogen.
Die Hertzoginn, habe ich besuchtt, welche zimlich
fein gewesen, wiewol sie diese Tage über,
ein par mal, etwaß fantasieret.
Gott wolle Jhrer Liebden wieder zu rechte helfen!
12 Schefel (Scheffel)schfl: Gersten<haber,> seindt heütte zu Zeptzigk<alhier,>
in præsentia Iohann Balthasar Oberlender<Hans Georgs> außgeseet worden,
Gott gebe, zu segen! undt gedeyen!
<Regen.>
Vormittags hat aufm Sahl, der iunge Plato, geprediget.
Extra zu Mittage, nicht allein Bützow, sondern
auch, Doctor Mechovius, Magister Menzelius, der iüngere Sekerka,
Tobias Steffeck von Kolodey gewesen, wie auch Doctor Fischer.
Jch habe die iunge Hertzoginn besuchtt,
undt zimlich fein gefunden.
Meine Schwester, Dorothea Bathilde undt meine Töchter, Eleonora Hedwig
undt Anna Sophia seindt krangk worden. Gott beßere es, mit jhnen!
Nachmittagß, cum filiis, zur kirchen, in Jonij predigt.
hofmeister Bützaw, wanderte auch mitt.
Dem Notario Bähr, habe ich, ein vor ihn gehöriges
Recepiße, auß meiner Cantzley, geben laßen.
Den Medicum, Doctor Fischer, hat die hertzogin heütte,
zum ersten mahl, gesprochen, undt sehen wollen.
Gestern<Am Freytage>, hat eine grawe Stuhte zu Zeptzigk gefohlet,
undt ein Stuhtenfohlen gebrachtt. Gott gebe zu glügk!
Somnium hesternum, vom außsterben des Gräflichen
hauses Hohenlohe, (cum Circumstantijs) gehabt,
Somnium hodiernum; wie ich bey einem Engellischen
Ambassador undt mit dem General la Riva, bey den
Dardanellj, vor dem Hellesponto gewesen, a la
Veille d'üne grande battaille navale!
Oeconomica, undt rechnungen heütte vorgehabt.
I'ay sceü, que la bonne Düchesse, a estè tourmentèe
40 fois, en 6 mois, dü Medecin, Docteur Haimburger,
a luy faire, ouvrir la veine, & tirer dü sang,
quelquesfois, üne demie livre a la fois, puis
la pürger, aultant de fois, & quelquesfois
aussy luy donner dès Vomitifs. Les premiers
huict iours, il l'a fait seigner <par force> si fort, dès
bras, & dü front, puis pürger, huict fois,
c'est-a-dire quattre fois, de chasque chose, puis l'a
fait voyager a Magdebourg. Il luy a fort
aussy contrariè en sès discours, & l'a mal
traittèe, l'irritant avec vilaines parolles.
C'est assèz pour ecerveler üne Personne sage!
Dieü luy vueille ottroyer, la desirèe guerison!
Nachmittage, bin ich hinauß geritten, mit Carolo Ursino,
nacher meinen breitten, alhier, undt zu Zeptzigk.
J'ay depeschè, vers Zerbst; et Ballenstedt.
Schreiben von Wien, undt Croßen. et cetera
12 Schefel (Scheffel)schfl: haber, hat hanß Geörge Lackay, auf den
100 Morgen, alhier, außseen laßen. Gott gebe zu Segen!
Daß die Venezianer, sich gewaltig, gegen den
Türgken, rüsten, undt daß der Renegat, so mit
zweyen Christen Schiffen, zum Türgken vor diesem
übergefallen, undt in großen gnaden, bey dem
Türckischen Kayser, ist, also: das derselbe vor ihn,
geschrieben, (weil er, in letzter waßerschlachtt
gefangen, undt nach Candia, geführet worden,
auch gegen einem iungen Rahtsherren, Delphino,
außgewechßelt werden sollen) man solte ihn wol
halten, oder es sollten es, alle Christen, im Türckischen
Reich, bevorab die venezianischen, übel zu entgeldten
haben, auß seiner custodia endtrunnen, undt seine
wächter corrumpiret. Er heißt: Natalin Furlan,
ist schon vor 4 iahren, zum Türgken übergangen,
undt ein berühmbter SeeCapitain gewesen.
Der Türckische Kayser, undt Sein Divan, hat ihn, so baldt
er zum Mammelucken worden, zu seinem ViceAdmiral
über alle kriegsSchiffe gemacht, und in hohem werth,
gehalten. Auch in der Custodia, hat der Türckische Kayser,
wie vorgedacht, nicht allein, fleißig, vor ihn, geschrieben,
Sondern auch geldt zu seiner herrlichen undterhaltung,
nebst den 12 personen, so zu seiner guardia bestaltt
wahren, abundanter, ihn providiret.
Der Große Cham[!], in Tartaria, sol numehr
zum andern mahl, von beyden ungerahtenen
Söhnen3 (welche feinde gegeneinander selber ge-
wesen, dennoch aber, in diesem bubenstück, ihren
vatter, vom Reich, zu vertreiben, sich vereiniget)
auß seinem Reich, sein veriaget worden, undt
seidthero, in Persien, ankommen sein. Die Tartarn,
sollen wieder auß China, vertrieben sein.
Die Araber, sollen den Portughesen, im Sinu
Arabico, überlegen sein, Schiffe, undt Städte wegnehmen.
Die Engelländer undt Holländer armiren zwahr
annoch, handeln aber auch also mitteinander, das
viel vermeinen, es werden die Tractaten, auf
einen gühtlichen vergleich, außschlagen.
Das beylager, des Graven von Naßaw, Gouver-
neürs in Frießlandt, mit dem jungen Freẅlein von
Uranien, sol zu Cleve, den 2. May; celebriret werden.
Die Lottringhischen trouppen, stellen sich an itzo, gut
Printzisch, alß ob Sie den Printzen in Frankreich assistiren
wollten? Sie hausen sonst noch übel, im Stifft
Basel, undt zu im Elsaß die Schweitzer
rüsten sich, auf sie loß zu gehen.
Die evacuation Frangkenthals, wirdt
noch erwartett, im Aprilj.
Zu Wien, gehen die stargken Reformationes
eiferig forth, undt man will auch, daß bene-
ficium emigrandj, den Uncatohlischen verwehren.
Jn Ungarn fänget man auch ahn, zu reformjren.
Es continuiret, das des Königß in Frangkreich
partie, prævaliret, daß Xaintes, Taillebourg,
undt andere örther, den Königlichen waffen,
sich submittirt, nach dem der Conte de Harcour,
den Printzen von Condè geschlagen. Jn Orleans
aber ist die Madamoyselle d'Orleans, ein-
kommen, mit gutheißen ihres herrnvatters,
in meynung, diese Stadt, wieder die Königlichen, zu
manuteniren. Des Charlevois arrest, hat
der König gut geheißen. Die Savoysche heyrath,
der Prinzessin Adelheidt, mit dem Churfürsten von Bayern,
|| [[Handschrift: 454r]]
sol nach Ostern, vor sich gehen, undt Graf Kurtz,
solenniter sie abholen. Der Marchese de
Caracena Gubernator zu Meylandt, hat
auch gar pompose beylager gehalten.
Etzliche Jtalienische Fürsten, wollen zu Parma
oder Modena zusammen kommen, undt alß
man zu turnieren, præparatoria gemachtt,
haben zweene Graven mit lantzen, im
balgerennen oder FreyTurnier, einander ab-
gestochen, undt beyde verwundet, darvon
der eine, in diesem Ritterspiel, undt grobem
Schertz, en Tag hernacher gestorben.
Vom Reichstag, ist noch nichts gewißes,
wiewol der Kayser, darnach trachtett.
Jn Polen, ist der status auch noch verwirret.
Jn Schweden, wil man den Nahmen nicht
haben, daß man es mit dem Englischen Parlament
halte, zumahl, da an itzo, ein Dähnischer
abgeschickte4 zu Londen, admittiret worden.
Das Parlament sol auch progreß, in America haben, in den Jnseln Barbados.
<Froßt mane.>
Man hat heütte frühe die lämmer gezehlet, undt
großen abgang, (contre rayson) gefunden. Gott straffe
die diebe! undt übelthäter!
Doctor Fischer, ist extra zu Mittage, bey unß gewesen,
so wol, als der hofmeister Bützow perge et cetera.
La Malice de mès gens, a occasionnè dès desordres. Le
bon Dieu, me vueille ottroyer dès bons serviteürs!
<1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: 6 Scheffelschffl: haber, seen laßen, Hans Georg Berger vormittags 18 undt Iohann Balthasar Oberlender 12 Schefel (Scheffel)schfl: Nachmittags et cetera.>
Die hertzoginn, ist nach der Mahlzeitt, auf den Sahl
kommen unversehens, durch die Gemächer, hat sich aber
fein geberdet, undt ich habe ihr zugesprochen, undt sie
wieder in ihr losament, begleittet.
J'ay fait chastier, l'insolence dès malicieux. Dieü
lès vueille convertir! & induire, a repentance! sür tout,
les obstinèz!
<2 hasen, von der hatz.>
Doctor Haimburger, ist anhero kommen, hat zur Hertzoginn
gewoltt. Jst aber kurtz abgewiesen, undt wieder
abgefertiget worden.
Ob sich schon Tobiaß der Schengke, undt Hanß Geörge
Lackay, gutwillig <wegen Schlägereyen undt vollsauffens> gestern abendt, incarceriren
laßen, So hat doch Hanß Baltzer Oberlender, kein
gut thun wollen, Sondern, trungkener weyse, gewaltig
sich wiedersetzt, den hofmeister, so ihm sein verbrechen
angekündiget, undt vorlesen wollen, nicht hören mögen,
|| [[Handschrift: 455r]]
sondern halstarrig, trotzig, undt übermühtig, sich bezaigt,
auch nur so hingesagt, er hette es nicht verdienet, Man
köndte viel von ihm herliegen, er hette mir nun so lange, redlich,
undt ehrlich gediehnet, et cetera undt ob man ihn schon zum 5ten: mal
gewarnet, undt warnen laßen, sich zu submittiren, hat
er doch nicht gehen wollen, sondern sich armiret, mit <geladener> büchßen,
undt gewehr, undt v gedroẅet, den ersten, der ihm zu
nahe kähme, vor den kopf zu schießen, welcher hochstrafbah-
re unverandtworttliche exceß, ihme diesen Nüchternen
Morgen, noch einmal, durch den hofmeister, nebenst
den übrigen puncten, eigentlicher vorgehalten, undt
waß gestern wegen seines verbrechens prothocolliret
vorgelesen worden. Er ist aber, auf seiner obstination
verharret, (da er doch nüchtern) mit vorwandt,
er wollte endtlich wol in den Eülenspiegel5 heütte
gehen, zu den andern, nicht aber in den blawen Thurm,
welchen ich ihme, alß ein ärger gefängnüß, zugedacht,
undt er hette solches verschworen. Gestern, ließe
er mit, trotzige wortt sagen, ich hette kein uhrsach,
ihn beystegken zu laßen. Nun hatte er gleichwol,
meinen pagen, undt seinen ehrlichen alten vatter,
<deme man es nicht sagen dörffen> bey offentlichem tische, vor einen fuchßschwäntzer,
hunds etcetera ohne einige redliche uhrsache gescholten,
undt viel Tage, nacheinander, sich toll undt voll gesoffen.
Rindtorff, undt Tobias Steffeck von Kolodey als zugeordnete commissarien des
hofmeister Einsidels, haben ihm gestern, undt heütte, auch zugesprochen.
Endtlich, hat er sich etwaß erkandt, die vorgegangene
wiedersetzligkeitt bereẅet, iedoch verglimpfen
wollen, undt das er es, so böse nicht gemeinet, als
man mir es anbrächte. Der trungk hette ihn übereilet.
Man wüßte wol, das er ohne daß einen Närrischen
kopf hette, undt offt nicht wüste, waß er thete.
Er hette viel Neider, undt falsche Angeber.
hette mir ia, so viel, undt lange iahr, treẅlich
gediehnet, undt sein leben oft geringe genung
geachtet, in kriegsgefahr, in verschickungen,
undt sonsten. Er wollte das er todt ehre, undt
daß ihm, sein, kopf, schon herundter wehre. Jm
blawen thurm köndte, er nicht sitzen. Es hetten
sich allerley übelthäter darinnen, vor diesem
gefunden, theilß auch sich endtleibet, undt er-
hengkt, es gebe gespenster, undt abscheẅliche
gedangken darinnen. Er bähte, umb Gottes
willen, undt mit vergoßenen Thränen, ich
möchte ihn, darmit verschonen, undt seiner Allten
dienste, viel mehr gedengken. Ob man ihn schon
regeriret, es wehre eine hofstrafe, undt ehrliche
diehner, auch Adeliche, (als Rabe von Reithorn, &cetera)
wehren darinnen gesessen, wie auch der Grosse Kersten,
|| [[Handschrift: 456r]]
Märtin lackay, die Mußcketirer, undt andere, viel ehrliche,
bürger, so fast wochenthlich hinein, alß in eine Amptsgefäng-
nüß kommen, auch andere hofdiehner, vor diesem, ia wol eher
auch im Eülenspiegel 6 geseßen, wann die
andern gefängnüße voll gewesen, (inmaßen ich in Mei-
ner iugendt selber es gesehen) So hat er doch lieber
eine langwierige gefängnüß im Eülenspiegel, undt
waß darauf ferner vor ein sententz, erfolgen dörfte,
erwehlen wollen, als den beförchteten blawen thurm.
Jst ihm derowegen, auf des guthertzigen pagen,
Sekerka, (seines eigenen billichen anklägers,)
selbst vorbitte, die einführung in den Eülenspiegel,
zu theil worden. Gott gebe, das er Reẅ, undt
leidt, über seine verbrechen habe! undt sich beßere!
Wer sich gerne strafen leßett, der wirdt klug
werden, wer aber ungestraft will sein, der bleibt
ein Narr. Proverb 12. Vers 17 Er bildet sich ein, er
müße im EülenSpiegel, sein leben enden, wenn er
vier wochen darinnen, sitzen sollte? Gleichwol,
muß er solches, vor eine gnade erkennen.
Doctor Fischern, bey mir gehabtt. hat allerley referiret.
Schreiben, von Tecklenburgk, entpfangen.
Die Hertzoginn besuchtt, in zimlichem stande.
1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: haber zu Zeptzigk, auf die Evangelions-
breitte, hat Ludwig Röber seen laßen, Item:
½ <Wispel (Raum- und Getreidemaß)w:> haber alhier auf die 100 morgen,
Gott segene beyderley!
<Schön wetter.>
Jn die kirche, cum filiis tantum. Gott gebe
kraft dem donner, seines wortts.
Georg Reichardt bey Mir, gehabtt. Postea: den
Magister Menzel welcher nach Ballenstedt verrayset.
Extra zu Mittage, gehabtt: den iüngeren
Sekerka, nebenst Bülaw, welcher numehr
wie Ordinarius, ist.
Meine, Söhne, undt Töchter8, seindt hinauß
nach Palbergk, spatzirt, nachmittage, undt
haben Bützaw, undt den iungen Einsidel mittgenommen.
Schreiben, undt Victualien, von Ballenstedt.
1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: 6 Schefel (Scheffel)schfl: haber, zu Zeptzigk; undt 12 Schefel (Scheffel)schfl:
haber, alhier, sehen laßen. Gott gebe zu Segen!
Ludwig Röber ist darbey gewesen, an beyden orthen. perge
Jch habe an Freẅlein Catharina, geschrieben. perge
pour mon fils. Le bon Dieu, nous assiste!
<Schön, Stille wetter.>
Der Caplan Jonius, hat auf unserm Sahl geprediget
vormittagß.
Extra zu Mittage, ohne Bützow, die
Rindtorfin, iüngere Sekerka, Jonium,
Tobias Steffeck von Kolodey gehabtt, Jtem: Krosigk von Erxleben.
12 Schefel (Scheffel)schfl: haber, auf die 100 morgen
alhier, hat Wolfgang Sutorius undt Ludwig Röber nachmittags
außseen laßen. Gott gebe, zu Segen!
Jterum: nachmittagß, in die kirche, cum filiis,
da man die Historia von der paßion abgelesen,
gesungen, undt gebehtet, Er Jonius. perge
Gestern, ist die Fraw, des iungen Platonis pfarrers
zu Altenburgk, gestorben, undt er also ein iunger
wittwer worden. Gott wolle jhn trösten!
Sie war schon vor etzlichen tagen, vor todt
gehalten, eingekleidet mit dem Sterbkittel,
undt lag da, also etzliche Stunden, wie todt.
Endtlich, kahm sie wieder zu sich selbst, undt gienge
zu ihrem betrübten Mann, lebendig vors bette.
Diese freẅde aber, hat auch numehr nicht
lange gewehret, in dieser, elenden, vergänglichkeitt!
<1 Rehebogk, von Ballenstedt. <5 hasen, hic.>>
Avis: daß der Münch, so nähermalß alhier gewe-
sen, undt revociren wollen, von Deßaw,
mit einem Schelm, endtlauffen, den Superintenden-
ten Raumerum betrogen, undt andere mehr.
Patientia! Non erant, ex nostris! nam
si fuissent ex nobis; apud nos mansissent! <1. Iohannis 2. Vers 19.>
Jtem: daß ein Spannischer Grave zu Zerbst,
Luttrisch, undt zu Deßaw, reformirt sein wollen.
Jst sich also wol vorzusehen, undt nicht allen
zu trawen, welche sich angeben perge et cetera
Andere aviß, daß die Fischer zu Niemburg
am tage der letzten finsternüß, in der Nacht
fischen wollen, undt erstlich Niemburgk
in vollem feẅer, gesehen, wie auch
am himmel einen Tropp Schwartzer Reütter,
undt eine Todten bahre darneben, mit
weißem Tuch überzogen, über welchem
allem, sie erschrogken, undt als er ver-
schwunden, seindt Sie gegen Altemburgk
zu, fischen gezogen, welches ebenmeßig,
im feẅer gestanden, solche Vision aber, baldt verschwunden.
Paul Ludwig extra gehabt, nach dem ich mit ihm conversiret.
Darzu auch Bützow, undt andere extra. perge
Nachmittagß, in die ,
des Jonij; (cum vere & recite credentibus ) & alijs,
qui auscultant, sed non credunt puriorj Doctrinæ!)
Gott laße unß würdige Tischgenoßen erfunden worden!
A spasso, gegen abendt, eine wächßerne
kugel, zu verbrennen, welche mir die Con-
scientz graviret, dann mir die zigeüner
unlengst solche præsentiret, alß wehre Sie
guht, vor Feẅersnoht, undt ohne aberglau-
ben zu gebrauchen, alß wehre eine verborgene
kraft, in der darinnen verborgenen, wurtzel,
ich aber befinde (im ferrneren nachsinnen) das
contrarium, so haben mirs auch, geistliche undt
welttliche personen, dissuadiret. Ergo:
habe ichs sehen verbrennen, undt will
Gott vertrawen. Er kan, undt wirdt
mich dennoch, wol, vor unglügk, bewahren,
ob schon die zigeüner vorgegeben, es hette der
Hertzogk <Johann> Ernst, von Saxen Weymar,
undt andere Fürsten, dergleichen von ihnen,
mit großem gelde, (als einem summo arcano), abgekauft.
Non tj fidare; e non saraj gabbato! et cetera
Jn die kirche, mit beyden Söhnen, undt zwo Töchtern10,
undt vieler frequentz. Wir haben predigt gehöret,
gesungen, gebehtet, undt darnach communiciret,
in zimlicher anzahl, Gott gebe kraft, dem donner
seines wortts! Er wolle erhalten, undt vermehren,
seine Rechtglaübige kirchen, undt gemeinden!
Mein Sohn Victor, hat mit mir, communiciret.
Gott gesegene! undt stärgke ihn, in der warheitt!
Nachmittags, conjunctim zur kirche, mit Mei-
ner herzliebsten gemahljn, vndt unsern Söhnen, undt Töchtern,
auch andern Comitat. Die predigtt, hat ge-
halten der hofprediger Menzelius, wie vor-
mittages, derselbige, mutatis mutandis.
Avisen von Erfurdt: das der Prince de Condè,
die Nemourische undt Beaufortische Armèe füh-
rende, der Königlich Frantzösischen Armèe, undter
General Harcourt entgegen gezogen, undt
einander battaglie gelifert, darinnen, nach
schargken Scharmützeln, endtlich, mit verlust)
über 3000 Mann, sampt aller bagage, undt
artillerie; die Königlichen, auß dem Felde
|| [[Handschrift: 459r]]
geschlagen worden, General Harcour soll
ersoffen, undt Cardinal Mazzarinj, kümmerlich,
mit 3 pferden, endtkommen sein. Dieses wirdt
große verenderungen, causiren, undt des
Königs in Frankreich sachen, böse machen. Der hertzog
von Lottringhen, agiret numehr auch, vor sich,
in Franckreich.
Zu Speyer, ist der herr von Metternich,
zum bischof erwehlet worden.
Engelländer, undt holländer, tractiren
noch mitteinander heimlich, und armiren
interim wiedereinander, greiffen auch zu-
weilen die Schiffe einander ahn. Die
coniecturen lauffen noch ungleich, ob
krieg, oder friede, undter jhnen, werden soll?
Der iunge Dänische Printz, ist unlengst
zu Coppenhagen, gestorben.
Die evacuation Frangkenthal, hat den
16. huius geschehen sollen. Chur Bayern aber, oppo-
niret sich, biß er mit Chur Pfaltz, verglichen.
Zu Briesach ist eine conspiration entdegkt, dann
9 compagnien Frantzosen, haben wollen 2 Charlevosische undt
Bullionische compagnien, mit den Deützschen, undt meisten bür-
gern niedermachen, aber 4 Rädlinsführer, seindt gehengkt, und 17 gefangen.
Jch habe meine krangke Schwester, Dorothea Bathilde besuchtt.
Sie hat daß fieber, redet aber gar freymühtig.
Gott wolle es zur beßerung schigken! Jch habe sie
vorgestern, undt öfters, auch besuchtt.
Die hertzoginn, hat diese woche wollen stille
sein, undt keine visiten, admittiren mögen. Also
habe ich sie auch nicht importuniren wollen. perge
Jch habe hieroben, vfm Sahl, den Superintendenten
Platonem, predigen laßen, welcher wegen Seiner SchwiegerTochter <begräbnüß, baldt hernach, dimission gebehten.>
Extra zu Mittage, gehabt, Bützow, undt
Gebhardt Paris, von dem Werder. Jtem: draußen:
Doctor Fischer, Fraw Rindtorfinn, Tobias Steffeck von Kolodey
Schreiben von Croßen, bekommen perge et cetera Man helt
davor, Fürst Ragozzi Sigismundus, seye vergeben
worden, item: seine FrawMutter. Theilß
vermeinen auch der Regierende Fürst,
Georgius Ragozzi, in Siebenbürgen, seye auch
gestorben, undt vergeben. Gott erbarme sich,
ihrer! undt strafe, die Veneficos! nach verdienst!
Nachmittags, coniunctim, in die kirche, cum uxore & liberis.
Der herrvetter Fürst Augustus, hat nach der predigtt, seiner
iungen herrschaft hofmeister, Geysel ahn mich geschicktt,
wegen der Aßcanischen Sache, die er mit ChurMeintz, durch
Doctor heher tractiren, undt (weil ichs angefangen)
continujren laßen, undt dann, mir anzudeütten,
daß vetter Ernst Gottlieb, undt Jmmanuel, forth
raysen sollen, nach Frangkreich zu. Gott geleitte sie!
haben sich also excusiret, undt licentz genommen. Jch habe
aber, meine Söhne, zu ihnen nach Aderstedt, geschigktt.
Werder, ist wieder forth, nach der predigtt. Lüdolf
Lorentz von Krosigk, ist wiederkommen, undt hat
sich darnach auch wieder forth gemachtt.
Meine Söhne haben sich wieder gegen abendt,
eingestellet. Ein Schierstedt, (welcher der Prin-
ceßinn zu Caßel, Jungker ist) hat sich auch bey
Mir, præsentiret, undt ahnbefohlene grüße, abgeleget.
Jn den Leiptziger Ordinarien stehet:
Das der Printz von Condè, zwahr tödtlich verwundet, aber
doch, den Harcour, Königlich Frantzösischen General geschlagen,
also: das derselbe in der fluchtt ersoffen, 3000 Mann,
auf der WahlStadt, geblieben, alles Königliche geschütz,
undt Bagage verlohren worden, undt der Cardinal
Mazzarinj, selbdritte kümmerlich entrunnen.
Dörfte große alterationes geben!
Der König in Engellandt, will nach Heidelbergk kommen.
Jn Schottlandt gibts noch viel Königische, zusampt
den Prædicanten, wie auch in Walliß.
Die Parlamentischen, undt holländer, rüsten sich noch
gegeneinander, alß die allerärgsten feinde.
Gleichwol meinet man, sie werden sich vertragen.
Dennemargk, hat das Parlament, (mit vieler
leütte verwunderung) vor eine freye Repüblique
numehr erklähret, undt deliberiret auf dem
HerrenTage zu Coppenhagen, wie doch man sich
auf dähnischer seitten zu verhalten, wann man
den Staaden schuldige assistentz, (vermöge ge-
schloßener alliance), leisten solle, damit
man die Engelländer nicht offendire!
Schweden, caressiret auch, die Parlamentischen.
Jn Polen, hoft man friede, mit Moßkaw, undt
mit den Cosagken.
Der Türgke hat wieder stargk gestreift,
bey Neẅhaüsel. Jst aber geschlagen worden.
Ein Bascha11 sol vom GroßTürgken, abgefallen sein.
Die Venezianer armiren im Candia, im Arcipelago
in Albania, undt in Dalmatia, trawen denen
Griechischen Soldaten, nicht zu viel.
Barcellona helt sich noch, vor Frangkreich.
Spannien, will Duynkirchen belägern, zu lande,
undt einen secours zu waßer, darvor, auß Engellandt,
erwartten. Theilß gedengken auch, auf Grävelingen.
Printz Robert vagiret in America, ist aber-
malß von Engelländern, geschlagen, undt mit 4
Schiffen endtrunnen, hat dennoch eine stadtliche
prinse dem König in Engellandt, zu dienst, bekommen,
undt thut sein bestes, wie er kan? undt mag?
Der Pabst, creirt Cardinäle, undt rottet die
Banditen, hin- undt wieder auß.
Der Kayser, will nach Prag kommen, undt der
Reichßtag, sol endtweder, zu anfang<ende> dieses,
oder zum anfang, künftigen iahres, erfolgen.
Doctor Fischer heroben gehabt, dieweil meine Tochter,
Marichen, diese nacht, krangk worden, undt etwas
deliriret. Gott helfe dem armen Würmlein, mit gnaden!
Schierstedt, ist wieder verrayset.
Schwester Dorothea Bathilde ist auch noch krangk am fieber.
Die Hertzoginn, ist entre deüx.
Meine Söhne, undt Töchter12, eines theilß, seindt
hinauß, nach Palbergk spatzirt.
6 Scheffelschffl: haber, hat Ludwig Röber zu Zeptzigk, seen laßen. Gott gesegene es!
Christoph Bärnreütt, mein <neẅer> Secretarius, hat sich præsentiret,
vor seines bruders Gottlieb, übel gerahtene sponsalien,
zu intercediren, undt mein gemüht, zu mitigiren.
Jch habe mich erklähret, weil das factum klahr,
undt die eingekommene attestata von Croßen, unverwerflich,
so köndte es nicht wol negiret, viel weniger daß Qua-
trimonium, da es so weitt kommen, (mit gutem gewißen,)
dissolviret werden, Jedoch, weil es nicht, in meinem Terri-
torio, sondern in der Margk geschehen, stellete ich dahin,
waß die Theologen, Consistoria, undt juristen facul-
tet, hierundter einwilligen, undt gut finden würden.
Es köndte auch wol (undter verdegktem Nahmen, umb
mehreren glimpfs willen) dergleichen consilium
eingeholet werden. Waß ich ehren, undt gewißens-
halben, bey dieser Sache, würde thun können, wollte
ich nicht undterlaßen. Alleine, köndte ich gleichwol
die vorgegangene levitatem, undt inconstantiam
seines iüngeren bruders, (so er vielleicht in Frangk-
reich gelernet, da er doch die laster darinnen laßen,
undt die Tugenden, mitt heraußer bringen sollen)
nicht loben, noch billichen, viel weniger die unver-
werflichen attestata, so vortreflicher Männer, als
der Marschalck zu Croßen, der hofprediger13, in Siebenbür-
gen, der hofraht Herdesianus, undt andere Secretarien
|| [[Handschrift: 462r]]
undt gelehrten, sein, welche auch ihre außsage, da
nöhtig, mit einem iurament, bekäftigen wollen,
lügen strafen, noch einigerley weise Tadeln. Jch
sähe gerne, man machte keinen injurienhandel da-
rauß, undt ließe solche leütte <unangegriffen, undt> unahngetastet.
Die weittlaüftigkeitt dörfte sonst über
den iehnigen, außlauffen, welcher sie verahnlaßete.
Beßer wehre es, man prüfete sich selber, man
gienge in sein gewißen, undt bereẅete, die vorge-
gangenen fehler, undt liederligkeitten, undt
exonerirte, (nach genungsahmer erforschung,)
das<die> so hoch gravirte conscientz<examen conscientiæ>. Sonst wehre
die Mutter, undt der elltiste bruder, nicht schuldig,
<unrecht, recht zu heißen, noch auch selber> sich an des iüngern verbrechen, interessirt zu machen,
viel weniger hetten sie seiner zu endtgeldten,
zumahl da er sie nicht, in einem so hochwichtigen
vorhaben, umb raht gefraget, undt gar præcipi-
tanter, ia recht unverantworttlich verfahren,
welches alles zwahr seiner iugendt zuzuschrei-
ben, dennoch aber nicht allerdingß<wol> zu excusiren.
Wann er <auß der Margk> wieder kähme, undt von seiner
krangkheitt genesen thete, (so ich ihm zur re-
convalescentz und völligen restitution, gerne gönne-
te, undt wüntzschen thete) wollte ich ihme die Sachen
lassen genungsam vorhalten, undt ver weisen, auch seine
undterthänigste erklärung erwartten. Er bahte, umb gnedige gewogenheitt!
Postea: geschrieben, an Obrist leutnant Knoch, undt gelesen, tam in
sacris, quam prophanis.
Ludwig Röber hat in die Trögkbreitte zu Zeptzigk, 15 Schefel (Scheffel)schfl: gersten,
undt Hans Georg zu in die 100 Morgen alhier, 12 Schefel (Scheffel)schfl: haber, seen
laßen, Gott gebe, an beyden orthen, segen! undt gedeyen!
A spasso, nel giardino, per far seminar peponi d'Ongheria. perge
<Iddio le benedica!> Mein Carolus Ursinus, hat zu Palbergk gefischet
aber mit schlechtem succeß, weil er nur ei<ein> hechtlein
gefangen, hingegen aber 2 hasen, undterwegens, gehezt.
Neẅlichst am Ostermontage gegen abendt, alß er bey Fürst
Augusto zu Aderstedt gewesen, undt geangelt, haben
weder er, noch der allte herr, ein einiges fischlein, fangen können.
hinauß, mit Carolo Ursino, nacher Zeptzigk, undt
Palbergk, in warmem wetter, geritten.
Doctor Fischer, (nebenst Bützow) extra zu Mittage gehabtt.
Avis: daß Fürst Augustus gar krangk worden.
Mit Schwester Dorothea Bathilde alhier, hat sichs etwaß
gebeßert, Gott Lob, mit Marichen meiner
Tochter, ist es diese Nacht, gar schlimm gewesen.
Gott wolle es, zur gnedigen beßerung, fügen!
Jch bin gegen abendt, mit Meiner herzlieb(st)e gemahlin Liebden
hinauß, nacher Palbergk spatziren gefahren, undt haben
daselbst, nebst Carolo Ursino, gegeßen, und die felder besehen!
13½ Schefel (Scheffel)schfl: haber, hat Hans Georg lackayen, noch in die
hundertmorgen breitte alhier, seen laßen. Gott
gebe zu glügk! segen! undt gedeyen!
Ludolf Lorenz von Krosigk ist hehrkommen abermalß.
Magister Menzelius, ist von Ballenstedt, wiederkommen.
Somnium: di 4 mille imprestitj, del Cesare Regni. Iddîo le dîa!
Philipp Güder bey Mir, gehabt, undt viel exploriret.
Item: Georg Reichardt weil heütte Gaw, in 7 schiffen, 163 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w:
Bernburger maß, durchgeführet. perge oder 3262 Scheffelschffl: Hällisch <maß.>
1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: gersten, hat Ludwig Röber außseen laßen, zu Zeptzigk.
Gott gebe zu glügk! Segen! undt gedeyen!
Meine Schwester, Freẅlein Dorothea Bathilde hat heütte zur Ader
gelaßen, wie auch hofmeister Bützow, Gott laße es ihnen wol bekommen!
Ma seür Dorothea Bathilde a aultrement üne terrible, deflüxion en la
face; undt mein kleines Marichen, ist mit dem hußten,
sehr geplaget. Gott erbarme sich, des armen Würmleins!
Avis von Plötzkaw, das sichs mit dem herrnvetter
Fürst Augusto, (welcher einen stargken Affectum, in
der rechten seitte bekommen, den Tag als seine Söhne
abgerayset) Gott Lob, fein gebeßert. Gott helfe ferner gnedig!
Gegen abendt, gieng ich zur Hertzoginn. Sie wahr fein.
Als aber meine leütte, Sie nicht hoch genung titulirten,
wollte Sie nicht haben, daß ich zu der schon erbehtenen Malzeitt, kommen sollte.
<Kühle lufft.>
Mit Doctor Mechovio, conversiret, von jmportantissimis perge
nach dem er von Ballenstedt, wiederkommen, perge
1 ẅ Gersten, hat Ludwig Röber zu Zeptzigk, seen laßen.
Gott gebe, zu glügk! undt Segen!
Jch bin bey der Hertzoginn, zu abends, gewesen.
Sie hat sich fein erzeiget. Gott beßere es ferner!
<Nebel frühe. Postea: Kühle.>
Jn die kirche, mit zweyen Söhnen,
zweyen Töchtern14.
Extra zu Mittage, gehabtt: Die Rindtorfinn,
Magister Menzelium, Tobias Steffeck von Kolodey et cetera den iüngern Sekerka,
dann, hofmeister Bützow, rechne ich numehr nicht extra.
Discorsj, post prandium, cum ipso gehalten perge et cetera
Nachmittags, wieder in die kirche, cum filiis perge.
Beyde Sekerka haben mir valediciret,
wegen ihrer vorhabenden rayse.
Diesen abendt, habe ich, mit der Hertzoginn eßen
müßen, undt Sie hat sich, noch fein ahngelaßen.
<Regen. Kühler Tag.>
Avisen von Erffurdt: das zwahr der König in Franckreich nicht
totaliter geschlagen, iedoch die neẅliche Victoria die
Printzen sehr animiret, undt alles noch confuse beschaffen ist.
Von Briesach, erwartet man novellen, weil derselbige
Gouverneür Charlevois, von Philipßburgk wiederumb dahin
gebracht. Die Soldaten schreyen sehr, nach geldt. Die
Evacuation Frangkenthal hat den 16den: diß, geschehen
sollen. Jn Engellandt, laßen sich annoch die Trac-
taten schwehr ahn, undt werden geheim gehalten.
Man rüstet sich, zu beyden theilen, stargk. hingegen,
haben die Staadischen legatj, ihr losament, von
Neẅem, auf ein Jahr, besprochen. Das Parlament
zu Londen, hat einen Ambassadeür, durch Hamburg
nacher Stogkholm, geschicktt. Beyde Königreiche
Engellandt, undt Schweden, sollen einen wunderlichen
anschlag, vorhaben. Die Spannischen, liegen
noch vor Grävelinghen, mit großem succeß, in
hofnung, baldt Meister zu werden.
So baldt Kayserliche Mayestät zu Prag, angelanget,
sollen Chur Meintz, Chur Sachßen, auch noch wol
andere Chur- undt Fürsten, dahin erscheinen, umb
wegen bevorstehenden ReichßTags, einen Schluß, zu machen.
Mein kleiner Carll ist wieder unpaß,
an halßflüßen, wie auch Marichen ihren husten,
undt unpäßligkeitt, noch fühlet. Jnngleichem
Schwester Dorothea Bathilde ihr fieber noch hatt, undt unsere hertzoginn
ihre haüptblödigkeitt. Gott der Öberste Artzt, wolle
remedia, undt hülfsmittel, gnediglich bescheren, durch seine gühte!
Mit Magister Menzelio, undt dem Jüngeren
Einsidel, successive conversiret.
Der Sekerka ist mit den Seinigen,
nacher hall verrayset. perge et cetera
Die Leiptziger Ordinarien, bringen mitt:
Das Grävelinghen, von den Spannischen, belägert,
undt ihnen die Engelländer assistiren würden.
Die tractaten zwischen den Staaden, und Parlament
wehren in den Terminis, wie die Erffurter avisen melden.
Die Schotten, solten auch in die Neẅe Engellische
Republicq incorporiret werden.
Der Dennemärkische gesandte15, wehre mit gutem Contento
von Londen, abgeschieden, wie auch, der Oldenburgische.
Die Engelländer Schiffe, attacquirten auch, die Portughesen.
Jn Frangkreich, wehre die Battaille nicht so groß
bey Montargis, als man sie gemacht, iedoch, hette
der Prince de Condè den Marechal de Hocquincourt
in dreyen quartieren vfgeschlagen, demselben,
sein bagage, geschütz, undt pferde abgenommen,
800 wehren geblieben, undt 1500 gefangen,
darundter 150 officirer. Der Marechal de Türenne
hette noch die übrigen, von der Königlichen armèe,
mit seinen wolgefasten retranchementen,
undt wolplantirten Canonen, salviret.
Der hertzogk von Lottringhen, marchirte durch die
Grafschaft Mümpelgardt, undt durch Burgundt, den
Printzen in Frankreich zu hülfe, wiewol die Burgunder,
undt auch die Schweitzer, wieder solche Lottringhische völgker,
stark armiren, undt ihnen, nicht trawen.
Die Parlamenten in Frangkreich die Printzen, der
Adel, die Städte, suchen noch die außschaffung des
Cardinals Mazzarinj.
Briesach, hat sich noch nicht rotunde erklähret,
vor den König, oder die Printzen. Seindt schwührig, wegen
der Conspiration, so man bey selbiger garnison entdegkt.
Barcellona, versiret in angustiis, dörfen sich
noch nicht ergeben, wiewol ihnen vom Spannischen Gene-
ral, gute conditiones angebotten werden. Der
Marechal de la Motte Haudencourt, animiret Sie,
sich aufs eüßerste zu defendiren.
Sardinia will sich auch frey machen. Suchet
hülfe undt assistentz bey Frangkreich.
Der Kayser, gedengkt nacher Lintz, Prag,
undt Regenspurgk, zu gehen.
An der evacuation Frangkenthal, undt
an dem ReichßTage, wirdt nicht mehr gezweifelt.
Die Türgken, laßen, ihre stargke streiffereyen
in Ungarn, noch nicht.
Die NiederOesterreichischen Stände, haben demühtigst
gebehten, umb einstellung der scharffen Reformation16.
Der Ungarische Graf Jliaß Hazy17, (welcher von
seiner Evangelischen Religion, zur Römisch Catolischen,
abgetretten gewesen) hat wieder revociret,
undt als er in einer Evangelisch ungarischen kirchen
communiciren wollen, hat er zuvor offentlich,
durch einen knaben, seine revocation ablesen laßen.
Die Venezianer, haben noch mit dem Türgken
zu schaffen. Canea ist abermals endtsetzt,
undt die Festung Candia, in angustiis.
Jn Polen, rüsten sich die Barbaræ nationes, weil
sich, der ReichßTag, zerschlagen, wieder das Königreich.
Schweden undt Engellandt, tractiren mitteinander,
gar vertraẅlich, ungewiß noch, wieder wen?
Graf Kurtz, ist forth nach Turin, alß Legatus
Electoralis Bavariæ, mit einem schönen Comitat,
in meynung, die Savoysche Princeßinn (alß
Churfürstliche brautt) abzuholen. Benedictus benedicat!
heütte seindt wieder, etzliche Schiffe, von Calbe
herauf, mit holtz, undt einem großen Stöer,
von<r> den Administrator, zu Halle, ankommen,
undt als man das eine durch die Schleüse gezogen,
undt die leütte am ufer beym Pfaffenpusch, die höltzer
undt das rad, wormitt Sie d<die> Schiffe, am Sail ziehen,
|| [[Handschrift: 466r]]
zu geschwinde allzugleich remittirt, und gehen laßen,
(weil sie gesehen, das der eine kahn waßer geschöpft,
undt besorget, er möchte undtergehen) seindt zwey
Schiffknechtte, so gezogen, von solchen höltzern, übel
beschädiget, undt dem einen das schienbein morß ent-
zweyen geschlagen, großer schmertz veruhrsacht,
dem andern aber auch, ein guter Stoß gegeben
also: das ihnen, ihre sawere mühe undt arbeitt,
auch wolmeinung, mit unglügk, übel belohnet,
undt vergolten worden. <8 Scheffelschffl: gersten, hat Ludwig Röber
außseen lassen, zu Zeptzigk.
Deus benedicat!>
Krosigk, ist wieder anhero kommen, meine
Töchter, morgen, (gebe gott) nacher Marwitz<Halle>, zu convoyiren. perge
Meine beyden Elltisten Töchter, seindt, (auf begehren,)
nacher halle gezogen, werden zu Marwitz,
zu Mittage, einsprechen. Sie haben eine hof-
meisterinn, undt zwey Jungfern, bey sich, wie
auch hofmeister Bützow, undt Lüdolf Lorentz,
von Krosigk, sampt anderm comitat. Sie werden,
den solenniteten, der Einsegnung zu halle,
(weil das kindttaüffen, schon geschehen) beywohnen.
Gott gebe glückliche hin- undt herrayse. & obvie,
a toute menèe & machination cachèe, & manifeste!
Mein Carolus Ursinus ist sehr unpaß, an halß- und hauptflüßen.
Doctor Fischer, ist bey mir gewesen, undt wir haben
mitteinander, gekünstelt. Gott gebe zu gedeyen!
J'ay sceü, en cachette, ce quj s'ensuit:
Einnahme, alhier zu Bernburgk; bey den Brawern.
| ReichsthalerRthlr: | Groscheng. | deniers (Pfennige)d. | |
| 90 | - | - | vor 30 faß, so außgeladen werden, zu 3 ThalerThlr: |
| 66 | 16 | - | vor 20 faß, so Außgemeßen werden, undt muß
iedes, 40 Stübichen halten, daß Stübe 2 gulden |
| 3 | - | - | vor dem Seyhe. |
| 1 | 12 | - | vor den Covent. |
Summa 161 ThalerThlr: 4 Groscheng. -deniers (Pfennige)d. Unkosten darauff:
| ReichsthalerRthlr: | Groscheng. | deniers (Pfennige)d. | |
| 72 | - | - | An 4 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: gersten, zu 18 ReichsthalerRthlr: |
| 5 | - | - | vor 15 Schefel (Scheffel)schfl: hopfen, a 8 Groscheng. |
| 6 | - | - | BjerSteẅer. |
| 10 | - | - | Feẅerwergk. |
| 10 | - | - | Tafelgeldt; Fehrgeldt, Pfannengeldt,
Item: den Geistlichen, undt andere unkosten. et cetera. |
Summa 103 ThalerThlr: perge Abgezogen, von obigem, jst lucrum: <58 ThalerThlr: 4 Groscheng. -deniers (Pfennige)d.>
Nota Bene die Brawer, solten nur 3 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: 8 Schefel (Scheffel)schfl: einschütten,
So verbrawen sie, 4 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: gersten, Sie solten nur,
44 faß brawen, So brawen Sie 50 faß.
Con arte, e con inganno; Si vive, mezzo l'anno;
Con inganno, e con Arte; Si vive l'altra parte! perge
Doctor Fischer, hat unsere iunge Hertzoginn, wol disponirt befunden,
|| [[Handschrift: 467r]]
undt gute hofnung, von ihrer restitution, geschöpft. Gott gebe es!
Jn gartten, mit Madame. Es hat unß aber, der
Regen, baldt wieder heraußer geiaget.
Conversatio, mit dem Medico, Doctor Fischer, undt dann
mit Georg Reichardt in vielen importantzen, gehabtt. La
vie d'aulcüns, icy, & a l'entour, est scandaleüse!
Avis: daß nicht allein in Polen, undt Hamburg,
Sondern auch zu Zerbst, pestilentzialische fieber, ein-
reißen, welche die Menschen geschwinde wegnehmen.
Gott steẅre allem unheil, undt landplagen!
Der allte Sekerka ist von halle wiederkommen,
hat seine fraw, undt Sohn, auch beyde Töchter,
nacher Dresen[!], undt Prag geschicktt.
17 Schefel (Scheffel)schfl: Gerste, hat Ludwig Röber in die Evangelij-
breitte, zu Zeptzigk, außseen laßen, Gott
gebe zu glügk! undt segen, auch gedeyen!
<1 hasen. Carl Ursinus gestern gehetzt.>
Jn die kirche, cum sorore, et filiis. perge
Extra zue Mittage, den hofprediger, alß auch, Doctor
Mechovium, undt Doctor Fischern, gehabtt. So ist auch
Hanß Christof Wischer, außm Lande zu Meckelnburgk,
darzu kommen, mit deren ieglichem, es successive, gute
dißcurß, gegeben hatt.
Avis: das Graf Rantzow, dennoch, nacher halle, absque
uxore, angekommen sein solle! Dieu nous garde; de tout incon- || [[Handschrift: 467v]]
venient! On parle aussy, dü Düc de Zelle, & de son arrivèe!
Diesen abendt, ist die blöde hertzoginn, durch
Mein Gemach, in unsern lußtgartten, gegangen,
undt doch gar discret gewesen.
Es hat darnach, alß wir wieder herein gewesen,
gewittert, gedonnert, undt geregenet. Gestern,
hats auch etwaß gedonnert, undt ist gestern,
gegen abendt, ein schöner Regenbogen, gesehen worden.
Avis: von halle, daß meine Töchter, aldar,
vorgestern, wol (Gott Lob!) überkommen, undt
von entgegen geschickten vom Adeln, ent-
pfangen, oder angenommen worden, nomine Principis
Administratoris. Graf Rantzow, wehre
auch daselbst. Meine Töchter, wehren in einem
großen platzregen, eingezogen. hetten
den abendt alleine gespeiset, de mit
der Administratorinn. Eine von unsern
kutzschen, ist gestern abendt, wiederkommen,
undt hat diesen berichtt mitgebracht, von
andern angekommenen Fürstlichen personen aber, nichts
gewußt, noch zur zeitt, iedoch sol ein großer
Adel nacher Halle, beschrieben werden. perge
Der Administrator, ist auch meinen Töchtern,
in den hofplatz, entgegen gegangen, undt
hat sie hinauf inß losament begleittet,
sich auch endtschuldiget, daß er ihnen nicht
endtgegen geritten, dann, Sie wollen vor andere
zu gevatter, stehen. Wehre iedoch unvonnöhten
gewesen, so viel Ceremonien, mit ihnen, zu machen. perge
Doctor Fischern, habe ich bey Mir gehabtt, extra zu Mittage.
J'ay fortifiè, sa sinceritè, & candeür ordinaire!
Alß ich, mit Meiner gemahlin, gefrühestügkt, undt
ihre neẅ angeordnete behtstunde, unß überfallen,
hat sie mich ersucht, derselbigen beyzuwohnen,
welches ich auch (dißmahl!) gethan. perge et cetera
Elle a estè fort insensèe, de ce, que j'avois
fait emprisonner, l'estülvier, pour dès crimes
assèz atroces, c'est-a-dire pour avoir aggrandy üne
playe, & pour avoir presque tüè, üne mere &
son enfant, puis, pour avoir calomniè, mès Com-
missaires, sans respect, de ma Personne mesme.
Mais, ceste Mala Herba, prend tout, au pis! perge et cetera
Ô Dieu! delivre moy; de ceste jniüstice, & de ce Pürgatojre!
Geörge Preüße, mein undterthan, nach vollbrachten
3 lehriahren, in der Gärtnerkunst, ist dimittirt, undt
abgefertiget worden, zu wandern, nacher Heidelbergk, et cetera
Gott gebe ihm, glügk! undt Segen! Daß er seine zeit, wol anlege!
Gestern abendt, habe ich noch die Hertzoginn besucht,
welche zwahr etwas unwillig auf andere, dennoch
fein, gegen Mir, gewesen. Gott tröste! und stärcke Sie!
Unsere Hertzoginn, ist heütte Morgen, gar unlüstig,
sonderlich aber, auf Meine gemahlin, (wegen gesteriger
Contradictionum, undt Erinnerungen!) übel zu sprechen,
gewesen. Gott wolle, ihren zustandt, beßern!
undt Jhre Liebden, zum vollkommenen verstande, undt zur
erkendtligkeitt ihrer selbst, gnediglich, wiederkommen,
undt gelangen laßen! Sie auch sonst, vor sortilegiis,
magicis incantationibus, & Veneficijs, gnediglich,
schützen, Schirmen, behüten! undt bewahren!
Car ie crains grandement, quelque, chose, de tel;
Dieu nous en garde, dr<e> tous, benignement; par
sa Sainte grace, & Benediction!
Nachmittags, undt abends, ist die gute hertzoginn
wiederumb, <anderer bericht nach> auf böse gedangken kommen, que
mille Diables estoyent e l'entour d'elle.
Qu'elle Voleroit avec eulx, hors de la
fenestre. Qu'elle estoit üne Imperatrice
Romaine, & que ma femme & moy la respec-
tions trop peü, l'appellans, Vostre Dilection.
|| [[Handschrift: 469r]]
Qu'elle nous marqueroit dès coups de couste-
aux. Qu'elle donneroit, ün pincement, (ein Knipp)
au premier, qui la deshonoreroit, qu'il auroit a
penser <a> elle. Que ie pourrois venir, manger avec
elle, quand ie vouldrois, a condition de la respecter
& intitüler plüs, que je ne faysois, si ie ne Vou-
lois m'occasionner dü malheür, mais ma
femme, elle ne la veüt jamais plüs Voir.
Elle s'immagine de parler aux esprits, &
aux Deesses marines, auxquelles mesmes,
elle jette dü pain a manger, & de la boisson
a boire, leur donne le bon soir, & a, dés fan-
taysies estranges. Neantmoins, elle a sou-
haittè, qu'on luy dist, quelque chose de bon,
en sa grande tristesse, & s'est declarè
d'aller vers Monsieur son Mary, sans cohabiter
toutesfois, en femme, avec luy. Elle parle
souvent, comme si quelqu'un estoit près d'elle,
enfermant neantmoins, dans son poile.
Ne veüt prier Dieü, ni lire, ni chanter.
Le bon Dieü la vueille rammeiner au bon chemin.
Jch habe wachten verordnen, und bestellen lassen.
