Mittwoch☿ den 1. September 1652.
Auf Ægidij heüttigen tag, ist wiederumb Jahrmargkt
alhier, zu Bernburgk. Es hat vor Mitternacht,
das greẅliche donnern, so bey der Abendt-
mahlzeit, undt zuvorn noch angefangen, continujret.
Der Stadtvogtt Albinus, ist bey mir gewesen,
undt beklaget sich, über die Bernburger refractarios,
deren leyder! viel sein, und vielen ihr Amptt, und beruff, sawer machen.
Mein Sohn, Victor Amadeus, ist gegen
Mittage, Gott lob, undt dangk, von Plötzkaw,
wol wiederkommen, nach dem er seine rayse, auf
das fürstliche leichbegengnüß, der frawMuhme
Sehliger, nacher Rudelstadt, wol verrichtet.
Gott erhalte ihn, ferner gnediglich! undt
helfe zu weitterem glügk! undt Segen! undt
bewahre ihn ia väterlich, vor heimlichen, so wol
alß offentlichen, bösen machinationen!
Malherbe est enragèe, pour rien, contre luy.
Mein Sohn Victor, hat doch etwas einen
bösen Schengkel, oder die Rose, von dieser
rayse, mitgebracht. Gott helfe ihm!
undt daß ihm, kein Sathan, schaden thun möge!
Ernst Gottlieb, von Börstel, ist auch
mitt, anhero kommen, wie auch hammeln. perge
Diesen Abendt, hat sich Victor, (nach dem ich ihn
väterlich besuchtt) desto eher, zu ruhe, begeben.
Der Doctor Fischer, undt der Feldtschährer, seindt
bey ihm gewesen. Seltzam ist es, daß nach dem
er, das Nürnberger pflaster, über den einen Schengkel
geleget, alles vergangen, vorgestern, undt ihm, in den
andern Schengkel, die wehelage, undt geschwulst, auch röhte
|| [[Handschrift: 44r]]
gekommen. Gott laße es baldt, zur beßerung, mit ihm,
gelangen, undt das ihm, kein Sathan, durch seine
Organa, schaden zufügen. möge! Le coeur me pese
fort, pour mes deux fils. Le bon Dieu, les vueille benigne-
ment conserver, & preserver de tout mal, par sa Sainte
grace, et ne les oster, en la moitiè de leurs jours,
de nostre Conversation! comme il a fait aux autres
six, a mon grand regret, & crevecoeur, indicible!
sür tout avec les derniers. Mais sa paternelle
Volontè soit faite, en la Terre, comme au Ciel, car
elle est tousjours, iüste, tousjours bonne, quoy que
nostre chair (attachèe a la Terre), s'en ressente
vivement, et regimbe parfois, contre l'aiguillon!
Jn publicis, nemlich : wegen des Reichß-
undt LandtTags, habe ich meine meinungen, undt
Addreßen, Fürst Augusto zugefertiget.
Gestern, wahr Tobias Steffeck von Kolodey zu Plötzkaw,
heütte zu Cöhten, bey Travelmann, sed incassum
invita, et reluctante Minerva Patientia!
Jch habe, mit Rindtorff, Roggendorf, Hammeln,
(so meines Sohnes raysegeferten gewesen) geredet,
successive, mit einem, nach dem andern.
Donnerstag♃ den 2. September 1652.
<Vento.>
Jch habe auf dem Margkt, etwaß ein-
kaüffen laßen.
Es hat sich mit meinem Sohn, etwas ge-
beßert. Gott helfe ferner, mit gnaden!
Discorsj, mit hammeln, wegen seiner
verrichtung, bey der inventur, zu
Krannichfeldt, gehabt, undt wegen
meines Sohnes, zustandt.
Disparerj, sospettj, dispettj, rispettj!
Aviß: das zweene Mordtbrenner, mit Lundten,
pech, undt dergleichen zunder Materie, in Ascherß-
leben, ertapt, undt eingezogen worden.
Jtem: daß ein iunger kerll1, (welcher
am Sontage, vorm Schloßthor, gewesen,
undt mich, umb eine beysteẅer, angesprochen,
dieweil er durch Sturm, auf der Elbe, bey
Dresen[!], in die 5000 ThalerThlr: werth, wollte
verlohren haben, undt numehr kein zehr-
geldt mehr hette, auch falsche zeügnüß,
vom Obersten Schweinitz, producirete,
da ich alsobaldt, einen Argwohn auf ihn schöpfte,
|| [[Handschrift: 45r]]
undt ihn abweisen ließe) in der Stadt, alhier, in Cri-
mine Falsj, ertapt, undt beygestegkt worden.
Von Deßaw kommen abermalß zehen wagen, zu be-
huef der wiederanrichtung der Mühle zu Mähringen,
führen drey Mühlwellen, wie auch etzliche Eichene
Bohlen, zu kampf, undt waßerrädern, undt
eine anzahl bretter. Wollen zoll- undt Geleitte-
frey paßiret sein, mit 40 pferden. Sie fahren
also lieber umb, undt auf Mich, zu, mich zu beschwehren,
(da sie doch, eine meile weges näher, in die richte
ziehen köndten, auf Wirßleben, undt Plötzkaw zu,)
alß Füst Augusto die geringste ungelegenheitt, zuzufügen,
ohne respect, der vetter- undt Schwägerlichen freündtschaft!
Mein Sohn, Victor, hat auch halßwehe, bekommen,
will auch, an seinem Schengkel, noch etwaß fühlen.
Gott helfe zur bäldisten beßerung!
Jl a fait üne mauvayse cheüte, au pen-
chant d'üne montagne, entre Weymar, &
Rudelstedt, avec son cheval, sür des pierres.
Il est allè a cheval, fort court, avec les
estriers, (le drap de dueil, estant tirè, par dessüs les
courroyes, sans ouvertüres,) & s'est sans doute, fort
incommodè, a aller tant de jours, a cheval, a estre debout long
temps, a boire prou, a dormir peü, a estre en soucy, pour nos dissensions!
Der Junge Sekerka, ist extra zu Nachts, ge-
wesen, undt hat sich bey Mir præsentiret, nach
vollnbrachter rayse, gen Prag. et cetera relation zu thun. et cetera
Freitag♀ den 3. September 1652.
<23 lerchen, Andreas hetzler undt Friederich holst, undt gärtner.>
<Regen. Windt.>
Tobias Steffeck von Kolodey habe ich hinundter, zum Amptmann
Reichardt, geschickt, welcher krangk worden,
undt ihn besuchen laßen.
Christof Carll, ist hieroben gewesen, der
Buchbinder, mit welchem Man, allerley
conferiret.
J'ay sceü (aujourd'huy seulement!) qu'estant
la derniere fois, á Ballenstedt, mon fils Charles
demeürant hors dü presche, & jouant avec lés
pages la haut au chasteau, a l'entour dü
Temple dü chasteau, ou M Cloistre, quelque
malin Esprit, luy ietta par deüx diverses
fois, dès grosses pierres, ou tuiles, en
plein jour, quj eüssent tüè l'enfant,
s'ils l'eüssent arrivè, tombans neantmoins,
fort près de luy; Cela est horrible, & re-
marquable, comme le Malin, est dangereüx,
a mes Pauvres Fils, en ce Pays icy? &
|| [[Handschrift: 46r]]
comme ce bon enfant, a estè si circomspect, & avisè, de
le scavoir, si long temps, celer, & tenir secret, devant
moy? Dieu soit louè; de l'avoir conservè, si pater-
nellement avec son frere, & tous mes enfans, iüsque
icy! Il vueille èspandre d'oresenavant, <encores> ses graces,
& son bras paternel sür eulx, & resister, par
sès Saincts Anges, & <robüstes> a Sathan, & a tous ses
pernicieux efforts, et Organes!
Schreiben vom Obrist leutnant Knoche, wegen des Martij stipendij,
welches Sie die Testamentarien, auf meine, Recommendation
bewilliget, undt ahngewiesen undterthänig(st) etcetera etcetera etcetera
Secretarius Paulus, ist bey Mir gewesen. perge Kohlmann, hat
abermal einen Notarium, mit zweyen zeügen, zu
ihm, geschickt, undt umb die edition, der acten,
copeylich angesucht. Paulus hat sich zwahr excusirt
die acten ahnzunehmen, z in seinem privathause,
ohne befehl. Alß ihm es aber, der notarius, alß einem
Fürstlichen diehner, undt Officirer, aufgedrungen,
undt liegen zu laßen, gedroẅet, hat er die
requisition angenommen, undt zu referiren, sich erbotten. perge et cetera
42 Pfund (libra)℔ butter, 15 großvogel, 15 Endten, 15 klei-
ne hüner, 1 Schockßo: balays, 3 Schockßo: Eyer von Ballenstedt kommen.
Die Erndte alda, ist schlecht gewesen, 1 Sechtzig 39 Schockßo: 8 garben
weitzen, 4 Sechtzig 6 Schockßo: rogken, 3 Sechtzig 13 Schockßo: 41 garben Gersten
1 Sechzig 46 Schockßo: 22 garben haber, 59 Schockßo: 45 garben erbßen, etcetera
Samstag♄ den 4ten: September 1652.
<30 lerchen, hanß Cohte, kammerdiener, nebenst den beyden lackayen, Märtin, und Michel haben auch 1 hasen, einbracht.>
<3 hasen Abraham von Rindtorf gehetzt.>
Præparatoria zur præparation.
Secretarius Paulus bey Mir gewesen.
Nachmittags, cum filijs, in die vorbereittungspredigt,
gezogen, welche der hofprediger Menzelius, gehalten,
ex cap. 11 epist: 1 ad Corinth: vers 27, 28, 29.2
Die Erffurter avisen, geben: Daß die Türgken, in die
4000 stargk, biß hindter Niclaßpurgk, in Mähren,
gestraift, undt daß ejn Türckenkrieg, zu besorgen.
Jtem: daß Barcellona, von den Spannischen sehr
bedrenget, undt der Ritter Ferriere, (welcher es
endtsetzen wollen) geschlagen, undt gefangen worden.
Der Cardinal, Mazzarinj, wollen sich, nach
Sedan, retiriren. Das volck zu Paris, mutinirt,
undt wollen ihren König, wieder haben, darzu
auch fast die Printzen, numehr selbst incliniren,
weil es ihnen, an allem anfängt, zu gebrechen.
Die holländer haben ihre verlorne Schiffe wieder
bekommen, biß auf Sechße, undt armiren stärgker,
also: daß Sie hoffen, den Engelländern gewachßen zu
sein. Cromwells anschläge, gehen den krebßgang,
das Parlament zu Londen, ist uneins, Jhre aber-
mahlige Gesandten3, im haagen, (darundter ein
Schulmeister) seindt nicht admittiret worden, perge et cetera.
|| [[Handschrift: 47r]]
Sondern, weil ihnen, der krieg einmal ahngekündiget, So sol
es darbey bleiben.
Die Schweitzer, haben mit dem Bischof von Basel, eine
krayßverfassung undt defension geschloßen, auf 15 iahr lang.
Dergleichen, sol im Elsaß, undt am Rhein, auch geschehen.
Die Churfürsten, sonderlich Maintz, Cölln, undt
Brandenburgk, werden zu Prag, erwartett.
Sonntag☉ den 5ten: September 1652.
<Regen. 17 lerchen, 4 wachteln, Oberlender, Bangkoch, und hündeiung.>
Post von Ballenstedt.
Am heüttigen dangkFest, vor die liebe Erndte,
(deren geringes ansehen, auch der liebe Gott,
undt Mildreiche vatter, gesegenen wolle!)
cum filiis, zur predigt, undt communion, gezogen.
Gott kröhne die wahre Andacht, undt
dangkbahre hertzen, mit vielem guhte,
undt strafe die muhtwilligen Außenbleiber,
undt undankgbahren! biß Sie sich zu ihm, bekehren,
undt rechtschaffene früchte, der Buße,
erweisen mögen. Auß! mit den todten wergken!
Extra zu Mittage die Rindtorfinn, der iüngere
Sekerka, auch Tobias Steffeck von Kolodey perge Der hofprediger, th[at eine]
Schöne predigt, zum dangkfest, auß dem 147. [psalm et cetera]
Es war auch, eine Schöne Communion darbey. Gott [stärgke]
seine wahre gemeine, undt sende ferner, gnadenhungerig[e hertzen!]
Nachmittage, cum filijs, in Jonij predigtt,
welcher den gewöhnlichen Text: des tauben Menschen
so Jesus geheilet, Marcus 74 Dominica 12. post Trinitato
genommen, undt wol expliciret.
Wieder nach Ballenstedt, depeschirt.
Montag☽ den 6ten: September 1652.
<Windt. Kühle.>
Der von Wutena, ist zu mir kommen, von
Heidelbergk, mit schreiben, undt bericht,
daß Chur Pfaltz, mit ChurBayern verglichen,
undt daß Chur Pfaltz, nacher Prag, undt
Regenspurgk, zu der kayserlichen Mayestät verray-
sen werde. Er hat mir auch erzehlet,
von den wunden, so er in Candia, vor 4
iahren, an 4 orthen, seines leibes, undt
haüpts, von den Türgken, entpfangen,
alß drey Mußcketenschöße, durch
seinen Schengkel, in das haüpt, undt
durch den leib, undt einen pfeil,
in die brust. Jtem: noch von andern
|| [[Handschrift: 48r]]
drey Stichen, so er theilß<einen> im kriege, undt zweyen
zu Paris, auf den gaßen, (alß er in der nacht
in seines Printzen Eduardj Pfaltzgraven,
deßen page er dazumahl gewesen, undt
nach hause, von balletten, gehen wollen)
entpfangen, also das er sehr incommodiret ist,
undt mittleiden billich, mit ihme, zu haben.
Printz Edouardt, hat ihn auch wehrhaftig gemacht.
Nachmittags, ist Wutena, wieder verrayset.
Will in kurtzem, wieder kommen, (gebe gott)
Schreiben von Croßen, Prag, undt Schlesien.
Die Avisen geben:
Daß Duynkirchen, mit Macht, zu waßer, und zu
lande, von den Spannischen angegriffen wirdt.
Die Staaden wollen der Engelländer legatos, nicht
mehr admittiren, iedoch will sich Dennemarck
in den Tractaten, interponiren, und neütral bleiben.
Admiral Tromp, hat sich wieder bedacht,
undt gehet noch einmal, in die See, adversus Anglos.
Ein treffen zu waßer, sol bey Zeelandt vor-
gegangen sein, zwischen etzlichen Schiffen, da-
rinnen die Angli, den kürtzern gezogen.
Der Engellische Admiral Blacke hat ahnschläge, auff
|| [[Handschrift: 48v]]
etzliche Seehaven, in hollandt, undt Zeelandt. Es ist
aber dargegen, ordre gestellet, weil es verkundtschaft.
Die herren Staaden, haben den König in Engellandt
invitiret, in den haag, wollen ihm von 20. biß
in 30000 Mann, undtergeben, undt mit ihm con-
sultiren, wie er seine drey Königreiche wieder
erobern könne, durch Göttliche verleyhung?
Jn Engellandt, seindt viel tausendt Königisch
gesinnete, welche supplicationes übergeben,
undt umb richtige bestellung, eines andern
Parlaments, bitten. Jn Schottlandt, undt Jrrlandt,
seindt die meisten, Königisch, undt richten ihre
Haüpter, empor.
Jn Frangkreich, endtfernet sich der Cardinal
gegen Bouillon, undt Sedan. Davor dangket
der Düc d'Orleans, die Printzen, (welchen es, an
volgk, an geldt, undt einigkeit, ermangelt) undt
das Parlament zu Paris, dem Könige, undt
wollen sich ihme submittiren, wo ferne er ver-
spricht: general pardon, amnistie, undt das er
den Cardinal, nicht wolle laßen wieder ein-
kommen, noch sich seines rahts, ferner gebrauchen,
undt einen ieden, nach seinem Stande, bey gleich
|| [[Handschrift: 49r]]
undt recht, schützen etcetera Des Königes Turennische
armèe ist mächtig. Man tractiret auch, mit Spannien,
undt Lottringhen, welchem letzten, weder die Printzen,
noch der König trawen. Jn den armèen, regirt die Seüche.
Wegen Barcellona, melden, die Frantzösischen avisen,
es seye endtsetzt, undt proviantiret, durch den
Ritter, Ferriere, die Spannischen undt Jtalienischen avisen
aber sagen, der Ferriere seye mit dem endtsatz
geschlagen, er aber gefangen, undt verwundet.
Der tapfere Frantzösische General la Motte Hau-
dencourt, (alß noch incommodirt, an seinen hiebe-
vorigen wunden, wie er Barcellona so gloriose
endtsetzt gehabt) hette sich, in einem Stuel
an die bresche, vor einer stargken Schantze
vor Montjouy, eine höhe eines klosters, unferne
von Barcellona, tragen laßen, commandiret,
gefochten, undt im dritten Sturm, das fort erobert.
Der Pabst sol krangk, undt große hun-
gersnoht in Rom sein, weil die zufuhr,
von verdächtigen orthen, der Seüche halben, verbotten.
General Foscolo, sol abermalß, gute beütten
im Archipelago von den Türcken, gewunnen haben.
Jn Dalmatia, undt Candia, continuiret der krieg, annoch.
Jn Ungarn, seindt die Türgken, über etzliche
straifende Ungarn, hehr gewesen, undt ihnen zu
stargk worden, haben vier Ungrische graven nieder-
gemacht, die übrigen, geschlagen, undt gefangen,
biß der Oberste Meütter, mit seinem Regiment
zu Roß, darzu kommen, undt die Türgken
zu weichen, gezwungen. Der nähermalß
aber avisirte einfall in Mähren, sol nichts sein.
Fürst Ragozzj sol 40000 Mann, in beraitschaft
haben, wieder die Türcken, undt Tartarn.
Jn Polen, ist nach der nähermahligen Niederlage
alles wieder, erträglich. Der Reichßtag zu
Warschaw, ist wol abgegangen, iedoch weiß
der Chmielinßky, oder Chmielnicky, miß-
trawen zwischen dem Könige, undt den Stenden,
zu disseminiren. Er excusirt seine verübte
grawsamkeitt, dieweil man ihm, nach dem leben,
gestanden, bittet umb pardon, amnistiam
aller offensen, undt reconciliation. Jedoch, trawen
ihm die Polen, noch nicht perge et cetera Der König, armiret.
Man hat das indigenat, dem iungen hertzogk
von Sachßen Lawenburgk, dem Obersten Schafgotzsch,
undt andern Deützschen Officirern, umb ihrer
|| [[Handschrift: 50r]]
erwiesenen tapferkeitt willen, conferiret in Polen,
undt sonst mit recompenßen sie versehen, den außge-
trettenen undtercantzler aber, pro Perduellj,
erklähret, undt seine gühter, confisciret.
Jn Schweden, sol die Königinn kranck, undt
Graf Magnus de la Garde, gestorben, <sein> auch
viel leütte an graßirender seüche darniederliegen.
Jn Dennemarck, continuiret es, daß in die 60
personen zu hofe krangk worden.
Dienstag♂ den 7ten: September 1652.
<9 lerchen, Albrecht Sekerka, Zacharias Trompter, Friederich Sattelknecht.>
Philipp Güder, ist bey mir gewesen, undt
hat mir importantissima referiret.
Es sterben viel kinder alhier in der
Stadt Bernburgk. Auf der Vicinia
sonderlich zu Ascherßleben, Ermßleben, undt
gegen Quedlinburgk, sol sowol die Rohte
Ruhr, alß heimliche Fieber, graßiren!
Gott bewahre, vor ferrneren ahnsteckenden
morbis malignis, undt bewahre, die Seinigen!
Heütte, wirdt <wintergerste undt> Weitzen zu Zeptzigk gesehet.
Gott gebe zu Segen, undt gedeyen!
Der Amptmann Reichardt, ist nachmittags, bey
mir gewesen, undt etwas genesen. (Gott lob!)
heütte aufn abendt, umb 7 uhr, haben
wir abermalß eine sichtbahre Mondtfinsternüß
gehabt. Gott laße sie unß, nichts böses bedeütten!
Jungfer Catherine von Dütten, ist am Asthma
gar krangk worden. Gott beßere, den zustandt!
Mittwoch☿ den 8ten: September 1652.
<16 lerchen, Michel Bötticher, Rindtorfs knecht, undt der marmiton.>
Üne depesche jmportante, est allèe.
Dieu la vueille benir!
Am heüttigen Behttage, zur kirchen, cum filijs,
da unser Magister Menzelius geprediget, ex Cantico
Canticorum, Capitel 4 Vers5
Extra zu Mittage, den iungen Sekerka gehabt.
Avis von Rom, von meinem Bruder, Fürst Friedrich das ihm
die Stadt Genff, die werbung vor Venedig auch
concediret, undt er seinen Michaeliswechßel,
erwartten thue! Jnterim: bliebe er bey seiner
gefaßeten meinung, wegen des landtTages.
Zu Rom, wehre man froh, wegen des angeblasenen
feẅers, in Engellandt, undt hofte in Deützschlandt, in similj
|| [[Handschrift: 51r]]
undter den Evangelicis, dergleichen zu thun, wie
zwischen Holländern undt Engelländern, angegangen.
Vetter Gustaf von Meckelnburg würde initio
mensis Septembris auß Jtalien, nacher Deützschlandt,
abraysen. perge et cetera
Der Churfürst von Brandenburg zeücht, zu
Antorf, undt in den Spannischen Niederlanden,
herumb spatziren, nicht ohne gefahr.
Donnerstag♃ den 9ten: September 1652.
<41 lerchen, mein kammerdiener Ludwig Rober, Andreas hetzler küchenschreiber, undt Michel vorreütter. 3 Endten Oberlender. 9 kleine vögel vom herdt.>
Philipp Güdern, bey Mir, gehabtt.
Nach Croßen, undt sonst geschrieben.
Der Elltere herr von Roggendorf, ist von Wolfen-
büttel, anhero kommen. Jch habe ihm, condoliret!
undt extra zum eßen behalten, auch sonst viel discuriret.
Freitag♀ den 10ten: September 1652.
<14 lerchen, Geörge Mußketier der Schneidergeselle, und Stalliunge. 57 kleine vögel.>
Mit Georg Reichardt conferiret.
Jtem: mit dem Medico; Doctor Fischern, von importantzen.
Extra gehabt, an der tafel, den herren
Christian Wilhelm von Roggendorf, undt am
Nebentisch, Ernst Gottlieb, von Börstel, undt
Tobias Steffeck von Kolodey et cetera zu Mittage.
Gegen abendt, war gleichsfalß der von Roggendorf
der eltere noch bey unß zur mahlzeit, und nahm seinen underthänigen abscheidt.
Weitzen, undt Wintergerste, habe ich heütte seen
laßen, Gott gebe zu segen! glügk! undt gedeyen!
undt das nicht mit Mir, gespielet werde:
Sic Vos, non Vobis!6 etcetera etcetera etcetera
Post, undt Victualien, von Ballenstedt, auch
Eckern, mit cascquetten, oder gewächßen, wie
nähermalß, von Jehna, Leiptzigk, halle, undt
andern orthen vor eine raritet, anhero geschickt
worden, undt numehr auch also umb den Fal-
ckenstain herumb, undt auch bey Plötzkaw
haüffig gefunden werden, alß mir heütte an-
noch referiret, undt mir proben mitgeschickt
worden. Der Page Lampe, so den arm zer-
brochen) ist Gott lob, genesen, undt vom Bader
Thomaß zu Ballenstedt, curiret, wol wieder an-
kommen. Gott bestehtige, solche cur, mit Segen!
undt bewahre, vor mehreren unglücksfällen. perge
Er wende auch in gnaden, von unß ab, alle böse
omina, so die signa undt Prodigia bedeütten möchten!
undt das wir eines theilß, in betrachtung solcher
dinge, nicht allzu superstitiose, in excessu, anderß-
theilß aber nicht, allzu Sicher, undt Sorgloß, in de-
tectu, pecciren mögen! Nil facit incassum! Natura Deusque.7
Samstag♄ den 11ten: September 1652.
<24 großvogel von Ballenstedt. 1 Hase, Carl Ursinus> <1 schock kleinvogel der vogelsteller. et cetera> <21 lerchen, hanß Cohte, Märtin, undt Michel, beyde Lackayen gestrichen. Mein Sohn und Einsidel seindt auch mittgegangen.>
Depesche nacher Zerbst, zu Jehna.
heütte frühe hats genebelt, darnach geregenet. perge
herr Christian Wilhelm, von Roggendorff, ist forth, nacher
halla zu seinem weg, auf Prag, undt Wien, zu nehmen.
Gott wolle ihn, sicher, hin- undt her, geleitten!
undt glügk, zu seinen expeditionen, verleyhen. perge
Carllchen, ist hinauß hetzen geritten, undt
hat 1 hasen, eingebracht.
Sonntag☉ den 12ten: September 1652.
<Nebel,a mane.> <26 lerchen, Oberlender, banckkoch, undt hundeiung.>
Jn die kirche gezogen, mit beyden Söhnen,
undt 3 Töchtern8, in des hofpredigers
Menzelij predigt, vormittags.
Extra: zu Mittage, die Rindtorfinn,
den iungen Sekerka, undt Tobias Steffeck von Kolodey.
Nachmittags, cum filijs, in die Nachmittags-
predigt, Ern Jonij Diaconij.
Die Erffurdter avisen, bringen:
Das die holländer getrost sein, contra Anglos.
Jn Franckreich ist der Cardinal absent, der König ge-
braucht sich aber doch, seines rahts. Die Printzen
haben mangel, an geldt, und volck. Man ist des krieges
müde. Düc d'Orleans, wirdt caressirt, und gesucht abzuziehen von Prin[tzen].
|| [[Handschrift: 52v]]
Barcellona, versiret noch, in incertis.
Der Türgkenkrieg, wirdt besorget in Ungarn,
wegen der vielen Streiffereyen, undt daß
der Türgke, nicht ruhen will.
Der Churfürsten ahnkunft, zu Prag, oder zu
Regenspurgk, wirdt vermuhtet.
Jn gartten, avec Madame, spatziret. perge et cetera
heütte ist hammeln, auß dem Weymarischen
lande, (dahin ihn, Meine herzlieb(st)e gemahlin, ge-
schickt gehabtt) wieder kommen. perge et cetera
Der Hauptmann von Hoym, Börstel,
ist diesen abendt, ahnkommen, beschriebener-
maßen, wie auch Jehna.
<5 Mandeln kleine vogel Ernst Vogelsteller gelifert.>
Philip May, ist von Hanaw, auch wiederkommen.
Montag☽ den 13den: September 1652.
<10 großvogel von Ballenstedt.> <5 lerchen, Hans perge Eckardt, Hortulanus undt Hans Böttcher.>
Es ist seltzam, das auch in der grafschaft hanaw,
umb Fulda herumb, umb Vach, umb Eisenach,
den weg, wo Philip May, hehrkommen überall
solche gewächße, Sturmhauben, oder Mußkowiter
oder Cosagkenhauben, oder Tartarn, undt Türckenköpffe
|| [[Handschrift: 53r]]
auf den Eckern, gefunden worden, eben in der gestaltt,
wie umb Plötzkaw, umb den Falckenstain, umb
Jehna, undt Leiptzigk herumb.
heütte, haben die Rähte, alß: haüptmann
Börstel, Christof von Jehna, Doctor Mechovius,
Secretarius Paulus Ludwig, eine Conferentz,
hieroben, aufm Schloß, gehalten, wegen des
Kohlmanns händel, mit zuziehung
des Amptmanns, von Ballenstedt. et cetera undt
Die jntervalla, undt ejnfälle, seindt mir
bißweilen, referiret worden. Gott gebe heylsahme
raht- undt anschläge, damit Man mit ehren,
undt reputation auß diesem labyrinth,
undt confusion, kommen möge!
Nachmittags, ist der haüptmann Börstel
wieder verrayset, undt hat abschiedt genommen.
Conversatio postea, mit Jehnen.
Seltzamer avis, von Milch, so zu Peißen, in
bluht, verwandelt worden, von einer Seüle
(so auß der erde zu Prag, endtsproßen,) darahn ge-
schrieben: der Türckische Kayser, würde alda eßen, Jtem:
an einem bawm zu Nürnbergk: der Türckische Kayser, würde aldar
sein pferdt anbinden. Deus advertat!
Zu Cöhten, kriegen die leütte böse geschwollene
hälße. Alhier regieret die Breüne, undt
die Dyssentheria. Andere prodromj, böser
Seüchen, erregen sich. Gott seye unß, gnedig!
Der Amptmann Märtin Schmidt, hat gegen
abendt, seinen undterthänig(st)en abschiedt genommen.
Schreiben, von Wien, undt Prag, die
Türgken, haben die Ungarn, bey Papa,
übel geputzt.
Die Leiptziger Ordinarien, reden auch darvon, undt
das von 12000 Türgken, 3000 geblieben, auf Unga-
rischer, oder Kayserlicher seitten aber, 4 graven
Esterhasy, undt andere tapfere leütte, wiewol
die überkommende Deützsche Reütter, (nach dem
die Ungarn schon geschlagen, undt in einen hin-
dterhalt, gebracht gewesen) den Erbfeindt, diß-
mahl zu weichen, gezwungen. Dieser straif,
hat groß schrecken, in Mähren, undt Schlesien, gebracht.
Jn Candia sol es noch zimlich wol stehen,
undt im Arcipelago solle der General Foscolo,
undt die Maltheser Ritter, gute beütten erobert haben.
Jn Dalmatia, droẅen die Türcken abermalß
den Festungen, Sebenico, Spalatro, undt Cataro, in Albania,
|| [[Handschrift: 54r]]
undt rüsten sich, stargk darzu.
Jn Polen, rüstet man sich auch zum kriege, undt
werden doch inndeßen, die Tractaten, mit den Cosagken,
undt Schweden, nicht verabseümet, Der König, ist
wieder (Gott lob) gesundt. Der Ertzbischof von
Gnesen aber, gestorben, undt andere grandes mehr.
Des undterCantzlers Radzicowsky, geheimster diener,
ist ertapt, angeschloßen, undt viel geheime
briefe, so er von den Schweden, undt Cosagken
gebracht, bekommen worden.
Chur-Brandenburgk undt hertzogk von Curlandt,
müßen auch dem Könige in Polen, hülfe, schicken,
deßgleichen Man, von Kayserlicher Mayestät, assistentz,
undt gutwillige hülfe vermuhtet.
Zu Prag, erwartett man noch, der Churfürsten
persöhnliche erscheinung, in hofnung, daß Sie
auch dahin so wol als nach Regenspurg kommen werden.
Jn Dennemargk hütet man sich, die holländer
undt Engelländer, zu offendiren. Dennoch seindt schon
im Sunde, undt undter der festung Cronenburg, ren-
contres, zwischen den Schiffen, vorgegangen, also: das
man von der festung, feẅer auf Sie geben müßen.
Bey Engellandt aber seindt die Zeeländischen
Schiffe, mit den Parlamentischen, scharf aneinander
gewesen, undt die Engelländer haben den kürtzern
gezogen, undt etzliche Schiffe, eingebüßet.
Duynkirchen, versirt in extremis. Der Ertz-
hertzogk hat alle Außenwercke innen.
Es sollen nur 1600 Mann darinnen liegen,
undt mangel leiden. Der Mareschal
d'Aumont, wolte es gerne von Calais auß,
endtsetzen, hat aber noch zur zeitt, nicht durch-
kommen können.
König in Frankreich hat den Cardinal, vom hofe
ziehen laßen. Die Tractaten, mit den Printzen,
seindt auf gutem wege, gestanden, allein
der hertzogk von Lottringhen ist darzu
kommen, hat sich abermahl, mit den Printzen
coniungiret, undt nebenst den Spannischen, dero
macht, sehr gestärckt, also: das der König,
(so undter dem Marechal de Turenne, nur 8000
Mann beysammen hat) in gefahr sein, undt den
kürtzern ziehen dörffte. Viel meinen, der Cardinal
fingire seine absentz, werde sich, in seinem Neẅen
guberno zu Metz, desto absoluter machen, undt einmahl
|| [[Handschrift: 55r]]
wiederkommen, auch an itzo albereit heimlich, dem Könige,
undt der Alten Königinn, fernere Consilia suggeriren.
Der Conte de Harcour, sol auch in ungnaden beym
Könige sein, weil er 3 millionen frangken in Gui-
enne sol von der Königlichen Schatzung, an sich genommen
haben, undt vor das gouvernement zu Briesach,
dermaßen jalousie haben, das er sich verwahret,
damit es der Cardinal Mazzarinj ihm nicht abnehme.
Barcellona sol sehr geängstiget, undt der secours
mit dem Ferriere geschlagen, er aber gefangen sein.
Meylandt, undt Genua, sollen von der pestilentz,
wieder liberiret, Sardinia aber, wie auch Majori-
ca, und Minorica, sollen noch stargk inficiret,
auch derowegen zu Rom undt anderstwo, (biß
auf erwüntzschte beßerung,) im bando sein,
id est: daß kein Mensch, darf von dannen, dahin kommen.
Ein armes weib9, sol zu einer Matron10 in einer
Stadt, in Engellandt, kommen sein, undt hat von ihr,
einen zweyer, zu Allmosen begehrt. Die fraw, hat es
dem weibe abgeschlagen, mit vorwandt, die zweyer,
wehren so haüffig, nicht bey ihr. Darauf hat das Bettel-
weib gesaget: Sie sollte ihr die Nadel doch geben, die sie
vorn an der brust stegken hette, welches Sie gethan, und die bett-
lerinn, solches mit vieler großen dangksagung ahngenommen.
|| [[Handschrift: 55v]]
Darauf hat die Matron11 ihr12 nachgerufen, als Sie
hinweg gegangen, sie solte doch noch verziehen, Sie
wollte ihr zu eßen, geben. Die Bettlerinn aber,
hat angefangen zu fluchen, sie undt ihr eßen
zu vermaledeyen, mit droẅwortten, Sie solte
noch diese woche, wegkommen, daß niemandt
wüste wohin? undt eben so arm werden,
als Sie, daß Sie auch keines zweyers, solte
mächtig sein können. Die Matron, hat
es andern erzahlet, welche sich verwundert,
über solchem anmuhten, haben ihr aber nicht,
zu rahten, gewußt, vielleicht es auch, in
den windt geschlagen. Fünf Tage hernach,
ist die gute matron hinweg kommen, vor
ihrer haußthür, das niemandt gewußt, wohin?
Jhr Mann13, hat sie gesucht, undt suchen laßen,
auch große recompenßen, undt zehrungskosten
deme zu geben, so Sie wieder finden würde,
verheißen, aber biß dahin, vergebens. Das Bettel-
weib hat sich auch verlohren, Man meynet, es
seye, eine große zauberinn. Gott dempffe
das große übel, undt stehe dem unschuldigen bey!
Mein Raht Jehna, hat diesen abendt, seinen undterthe-
nigen abschiedt genommen.
Die Krosigkinn, ist mit ihrer Tochter, herkommen.
Dienstag♂ den 14den: September 1652. böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ
<30 kleine vögel der vogelsteller.> <30 lerchen, Albrecht Sekerka. Zacharias Trompter, Fritz der knechtt.>
Zu Pfuhle, ist eben so ein Eichel gewächße,
(wie an itzo, mit wunder umbgetragen
wirdt, auß den benachtbahrten Landen,) gefunden worden.
Philipp Güder, ist bey mir gewesen. et cetera
Gegen Abendt, in den kleinen weinbergk,
undt gartten, spatzirt. perge et cetera
Mittwoch☿ den 15den: September 1652.
<2 Räphüner, 35 lerchen, haben gefangen, Valtin<Rindtorfs> raysiger knechtt, Michel Böttcher, undt der kücheniunge, über der Sahle. perge>
Jn die kirche, cum filiis, & 3 filiabus14.
heütte, ist eine kutzsche, mit 6 pferden, (darinnen,
eine Jungfer, undt ein hofiungker, geseßen) nacher
Deßaw, abgeschickt worden, Schwester Bathilden
abzuholen. Gott gebe zu glügk! Zachariaß
der Trompter, ist auch mittgeritten.
Extra zu Mittage, den jungen Sekerka, undt Tobias Steffeck von Kolodey
gehabt. Malherbe; me tourmente incessamment. perge et cetera
Philipp May; habe ich diesen abendt epedirt, in holland
Gott gebe zu glügk! undt succeß!
So habe ich auch, Magister Menzelio, dimission gegeben, nacher Ballenstedt,
dem dangkfest daselbst, undt der celebration der communion bey-
zuwohnen, undt mit Richardten, Doctor Fischern, undt Philipp Güdern, auf commission, dahin zu raysen.
Gott gebe ihnen, glück! Segen! undt success! et cetera
heütte habe ich erst erfahren, daß der thorwärter15,
(ein alter kerll von 70 undt mehr iahren) am Neẅstedter
thor, (welcher wieder beßer gewißen undt wißen,
mit falschem zeügnüß, am Dröblischen holtze, Mir
<vielleicht> unrecht thun wollen) undt die herrnvettern, wieder
mich verleittet) unlengst, von einem leineweber,
mit steinen zu tode geworfen worden. Jch laße
darauf, inquiriren. Gott ist wunderbahr, in seinen
gerichten! N'a gueres, i'ay admirè ün exemple
pareil, (mutatis mutandis) avec Sebastian Jahn,
mort inoptinement. On luy impütoit, qu'il me vou-
loit accüser a la chambre Imperialle, á Spire, a
cause de la mayson a Hoim, ou on brasse, la-
quelle m'est devenuë cadücque, ayans obmis
14 ans, ou ils n'ont recerchè l'infeüdation,
& ie l'ay cedèe, a ma Femme! Ceste resistance, & op-
position, non necessaire dès süjets, envers leurs Süperi-
eürs, ne peüt estre aggreable, a Dieu. Toutesfois,
ie ne me rèsjouis pas pourtant, de leur mort
soudaine, & ne puis pas fonder ün iügement trop
asseurè, sür telles choses conjectüralles!
Quj stat; videat, ne cadat!
Donnerstag♃ den 16den: September 1652.
<1 Hase 40 kleine vogel.>
Depart de Philipp May; vers Hollande, de Doctor Fischer, Georg Reichardt,
Philipp Güder, & Magister Menzelius, vers Ballenstedt, item: Michael Ringk vers
F. G.b etcetera Dieu les vueille conduire dre tous, benignement
par sa Sainte grace, & les reconduire heüreüsement, avec
salütajre expedition! & tous ceulx, qui sont, ou
seront en voyage, par cy devant, a present, &
a l'avenir!
Avis, von Leiptzigk, extraordinarie: Daß die Cosagken
in Polen, sich feindtlich erklähren, undt wollen numehr, ihr vori-
ges landt, vor ihr eigen, einnehmen. General Chmielinßky,
oder Chmielnicky, sol ihr Fürst sein. Der hat den Türckischen
Kayser, vor seinen Schutzherren, erkandt, mit Tartarn,
undt Mußkowitern, verbündtnüß gemacht, undt laßen
sich also im lande nieder. Wollen nur, defensive
gehen. Jn Polen, ist aber der krieg, wieder sie, beschloßen,
doch, daß noch vorhero, verordnete Commissarien, mit
ihnen, tractiren sollen. General Maior Houbaldt, hat
den indigenat diesen Reichstag zu Warschaw, er-
langet, Sein wapen, wirdt ihme, von der Crone verbeßert.
Der König, hat ihm eine schöne Starostey verehret,
undt ihn zum undterFeldthauptmann, gemacht. Zur con-
tinuation des Pollnischen krieges, sollen noch 6000 Mann, geworben
werden. Jn Preüßen, ist Mißwachß, undt große theẅerung.
Extra: habe ich zu Mittage, den hofprediger
Menzelium gehabtt perge und mit jhm, conversiret,
le consolant, en quelque façon. perge
Nachmittages, bin jch, mit meinen Söhnen, in die
weinberge, geritten, den Segen Gottes, zu besehen.
Er wolle ihn unß genießen laßen! undt vermehren. perge
Diese Nacht, hat sich der wolf, zwischen
beyden thoren, eingeschlichen, undt mir 5 schafe,
im SchafStall, niedergerißen, auch eines darvon,
aufgefreßen. perge Jst kein guht Omen! perge et cetera
Meine Schwester, freẅlein Dorothea Bathildis,
ist von Deßaw, gegen abendt, glücklich ahnkommen.
Freitag♀ den 17den: September 1652.
<30 kleine vogel. 2 Hasen. 4 endten. >
Jch bin hinauß, auf den vogelherdt, spatzirt,
post sacra peracta.
Meine Söhne seindt auch hinauß, einer, schießen,
der ander, hetzen gegangen.
Pacqueet von Zerbst, in publicis, sonderlich:
wegen der Gesindeordnung, undt dann,
wegen der Schwartzburgischen rügkfalßgelder.
Avis: das der Bischoff, oder Administrator zu halle
sich beschwehret, daß ihm der allte Administrator Marggrave
Christian Wilhelm, mit neẅen Prætensionen, händel machet.
Samstag♄ den 18den: September 1652.
<14 lerchen, KüchenSchreiber Andreas hetzler Valtin knecht, undt Michel vorreütter. 2 Hasen, Carl Ursinus gehetzt.>
Matz Biedersehe, ist bey Mir gewesen, in allerley
importantzen, zu referiren. Dieu vueille faire tout sücceder.
Jtem: Eleonora Elisabeth von Ditten ist nacher halla, verrayset perge et cetera
bey dem Marschalck Sastrow, zu gevattern, zu stehen. perge
Schwester Dorothea Bathilde habe ich besucht, undt allerley infor-
mation, von ihr, eingenommen.
Sonntag☉ den 19den: September 1652.
<35 großvogel von Ballenstedt perge> <Geörge Mußketier Michel haußknecht und Stalliunge, 7 lerchen. >
Jn die kirche, cum duobus filijs, & 2 filiabus16.
Extra zu Mittage, die Rindtorfinn, Doctor Mechovium,
den iüngern Sekerka, undt Tobias Steffeck von Kolodey gehabt.
Die Erffurter avisen geben: daß der Cardinal
Mazzarinj zwahr, sich vom hofe, absentiret,
iedoch alle consilia, noch dirigiret. Die
Printzen, legen die waffen noch nicht nieder,
ob sie sich schon darzu erklähret, nach er-
folgender Amnistia. Der hertzog von Lottringhen,
hat sich, mit ihnen, und den Spannischen, conjungiret,
undt seindt in die 10000 stargk, auf den Tü-
renne an marchiret. Jn Barcellona, seindt von
36 Barcken secours, nur 13 hinein gekommen.
Die übrigen, haben die Spannischen endtweder
erobert, oder in grundt geschoßen, und haben
die belägerten, einen Außfall gethan,
worüber ihrer in 1000 der Spannischen
aber, bey 500 todt geblieben. Ob sich nun
der orth halten kan, ist zweifelhaftig.
Jn Engellandt, glimmet ein wunderlich
feẅer. Die Levelleürs, undt viel große
herren, begehren von itzigem Parlament
Rechnung, undt ein neẅ Parlament,
zu erwehlen, neben etzlichen andern
puncten. Das Parlament selbst,
ist undter sich uneinig, undt straiffen
die holländer, sehr stargk auf die
Engelländischen Schiffe.
Jn Polen, leget zwahr die furcht
sich etwaß, wegen der Cosagken,
alleine trawet man, den Türcken,
undt Tartarn nicht darumb auch, die
werbungen eyferig forthgesetzt werden.
Ob die ReichßChurfürsten, nach Prag, kommen
möchten, darahn will numehr schier ge-
zweifelt werden, hingegen wollen andere
davor halten, das die Churfürsten (außer
Sachßen, undt Brandenburgk) undt andere
Fürsten, persöhnlich, nacher Regenspurgk
sich erheben, undt viel Spannische
consilia hindtertreiben möchten.
Maßen dann, hertzogk Ernst zu
Sachßen Gohta, innerhalb 3 wochen,
mit 18 personen, sich persöhnlich
nacher Regenspurgk, begeben, undt
eine zeitlang daselbst, verbleiben werden. perge
Doctor Fischer, der Amptmann Richardt, undt
Philip Güder, seindt gestern abendt,
von Ballenstedt, wiederkommen.
heütte nachmittage, wieder in die
kirche, mit der Schwester, Freẅlein
Bathilde, mit zweyen Töchtern17, undt beyden Söhnen. et cetera
Stargker regen, den gantzen tag.
Montag☽ den 20ten: September 1652. böser/gefährlicher/schädlicher/unglücklicher/unglückseliger Tag (tatsächlich oder befürchtet)ꘉ
<Stargker regen. >
Philipp Güder, bey mir gehabt, undt relation
ahngehöret, von der Ballenstädtischen rayse, <da er> mit Doctor Fischern,
herbatum gewesen.
heütte Nachmittagß, hat Andreaß
hetzler, der küchenschreiber, mit Anna
Panßin, der CammerMagdt, hochzeitt
gehalten. Man hat wegen regen- undt
ungestümmen wetters willen, des Adelichen
Frawenzimmers, undt anderer wegen, diese
hochzeitt, im hause, permittiren müßen.
Undt weil es nicht auf dem Schloße
geschehen, hat man es in Matz Urlobs
hause, vorm berge, angestellet. Die
consideration, unserer trawer, des ab-
schleppens, und andere motifecen, haben
mich abgehalten, auf dem Schloße, solches
nicht zu concediren. Gott gebe seinen Segen!
Magister Menzelius, undt mein Cammerdiehner Ludwig Röber nebst
dem Amptmann Georg Reichardt seindt diesen abendt, von Ballenstedt wiederkommen.
Dienstag♂ den 21ten: September 1652.
<2 hasen, Viktor Amadeus Fürst zu Anhalt.> <29 großvogel, von Ballenstedt. > <Regen. Nebel mane.>
Der regen, hindert die heẅerndte, undt die winter-
außsaht, macht auch den weinwachß, faulen. Patientia!
Der pfarrer von Kermigk, Er Valentinus Reichardt,
hat mich gestern auch, auf seine andere nuptias
gebehten. Kommen also die hochzeitten, geschwin-
de auf einander. Sie freyeten undt ließen
sich freyen, wie zur zeitt Noah. Gott gebe
ihnen, undt allen Christlichen hochzeittern,
seinen reichen, mildten, gnaden Segen!
Von dem regen, lauffen schon die waßer
sehr an sonderlich am hartz. Patientia!
Eine hollendische<Engellendische> Jungfer, Elizabeth Trowell,
so Meine gemahlin, (sans mon sceü) bestellet, (weil
Sie Frantzösisch, undt andere mehr sachen, vor die
kinder, kan) ist unvermuhtend ankommen. perge
Gott gebe! Das Sie unß, wol gerahte!
Nach dem sich gestern zu anfangß, des Küchenschreibers
hochzeit, schwehr ahngelaßen, ist Sie doch endt-
lich <zu abende> gar wol, ehrlich, undt friedlich abge-
gangen, undt in die 50 personen (utriusque sexus),
darbey gewesen, mehrentheilß unsere hofdiener,
undt dann, beyder anverwandten, und bekandten, von hinnen, undt
von Cöhten. Nachmittage, gehet Man wieder dahin, und wirdt geschenckt.
Georg Reichardt der Amptmann, ist wiederkommen, relation zu thun,
wie seine Commission, zu Ballenstedt undt Padeborn,
wegen anrichtung, der kirchen, undt pfarrgebeẅde,
abgelauffen? Gott gebe ferneren succeß!
Schreiben auß Schlesien, Croßen, Leiptzigk
hall, Curlandt, Dresen[!], Caßel alda
eines freẅleins geburtt, angekündiget <Mir> worden.
In Schlesien, sol hertzogk Christian von Brigk
nach einem hirsch, nebenst einem forster, haben
schießen wollen. So hat ein ander heimlicher
Schütze, eben auch, nach dem hirsch, geziehlet,
undt geschoßen, also daß die kugel dem forster
durch beyde Schengkel, undt dem hertzogk,
in den einen fuß, gegangen, also: das es ihm, im
knöchel, stegken blieben. Jst ein unglück! so
seltzames nachdengken macht, undt billich
umb heylsahme geneseung, Gott ahnzurufen!
Die avisen, geben: daß Duynkerchen, vom
Ertzhertzogk occupiret, undt 2000 Mann, mit zimlicher
provision, darauß gezogen, undt nacher Calais, con-
voyiret worden seyen, nach dem der entsatz
undt armada zu wasser, so der Duc de Vandosme
|| [[Handschrift: 61r]]
mit 30 Schiffen, hinein zu bringen vermeint, erst
von 40 Engelländischen Schiffen, rencontriret, undt
totaliter, biß auf 4 OrlogsSchiffe, (welche auch
hernacher, den Spannischen kriegsSchiffen,
ebenmeßig, zu theil worden) geschlagen, undt
ruiniret, auch die Schiffe, hinweg bekommen worden.
Die occupation der Außerwergke, vor Duyn-
kirchen, (welche viel blut gekostet) undt
daß ihnen alle hofnung des entsatzes, so wol
zu lande, (da es der Mareschal d'Aumont,
von Calais auß, vergeblich versucht) als zu
waßer, benommen, hat die übergabe, acceleriret.
Der König in Frangkreich ist auch in gefahr, ob
er schon den Cardinal Mazzarin von sich gelaßen,
Sintemahl der Düc d'Orleans, Prince de Con-
dè, undt hertzogk von Lottringhen, nebenst den
Spannischen, (so der hertzogk Ulrich, von Wirtemberg,
commandiret) numehr, 36000 Mann, effective
stargk sein, undt dem Könige, welcher undter
dem Visconte de Türenne, nur 8000 Mann starck
leges vorschreiben wollen. Gleichwol ist der König
wolgemuht, hat sich wol verschantzt, suchet die Pari-
ser, zu gewinnen, undt droẅet dem Düc d'Orleans, mit der con- || [[Handschrift: 61v]]
demnirung, in das Crimen Læsæ Majestatis.
Barcellona sol dennoch von Frantzosen, in
etwas, endtsatz erlanget haben.
Der pabst, ist krangk.
Die Venezianer, führen noch ihren
Türckenkrieg, zu waßer, undt lande, hoffen
aber doch, die auf Tractaten. Gil de haaß,
hat die Türgken vor Suda, abgeschlagen.
hingegen haben Sie, Venezianische, undt
Maltheser, Kaufmanns- undt ProviantSchiffe
erobert.
Jn Ungarn, continuiret die forchtt, vor
dem Türgken, undt es laßen sich Seltzahme
signa, undt Prodigia, am himmel sehen,
von treffen, von Schlachten, der Reütter, undt
knechte, undt Seltzamer thiere etcetera etcetera
Zu Prag, werden noch die Churfürsten erwartet.
Jn Polen, ists wie neẅlich gemeldet.
Jn Schweden macht man präpäratoria zu den
Tractaten, mit Polen, undt Moßkaw, wie
auch, zum begräbnüß, des alten pfaltzgraven.
Der Königinn FrawMutter, ist krangk, graff
|| [[Handschrift: 62r]]
Magnus ist krangk. Viel andere herren mehr. Etzliche
sterben, alß auch, der Reichsraht Salvius.
Jn Dennemargk graßirt die Seüche, undt sollen
täglich, in die 100 personen, zu Coppenhagen, begraben
werden. Die Princeßinn ist forth, durch das
Landt zu Meckelburgk undt durch die Marck
auf da ihr beylager, nach Dresen[!].
Jn Polen, regiert auch die pest, wie auch, in
Spannien, Sardinien, Türckey.
Die Zeeländer, haben den iungen Printzen
von Uranien, zu ihrem Capitain General
erwehlet, undt ahngenommen. Die andern
Provintzien, incliniren gleichßfalß darzu.
hollandt alleine, sonderlich Amsterdam
opponirt sich.
Die Parlamentischen Engelländer nehmen viel Frantzösische
undt holländische Schiffe hinweg, so reich beladen.
hingegen, gibts motus in Engellandt, das volgk,
fordert rechnung von ihren vielen Contributionen.
Wollen ein Neẅ Parlament haben. Schottlandt,
undt Jrrlandt seindt guten theilß, noch vor den König.
Pfaltzgraf Ruprecht, ist stargk zur See, undter Neẅ Engellandt.
Jungfrau Eleonora Dütten, ist von Halla wiederkommen. perge
Mittwoch☿ den 22ten: September 1652.
<Bel tempo. >
Rindtorf, (so mein Gesandter gewesen, auf Andreæ
hetzlers hochzeitt) hat mir heütte referiret,
wie alles fein still, ordentlich, undt wol,
abgelauffen. Gott gebe ferner, seinen Segen!
Jn die kirche, cum sorore; & filijs, auch
dreyen töchtern18.
heütte Nachmittage, ist des CantzleySecretarij
Bährenreütts hochzeitt. Der CammerRaht, Doctor Mecho-
vius, ist dahin, mejn gesandter. Gott gebe ihnen,
seinen Segen!
Morgen (gebe gott) ist Caspar Pfawens, Sohnes
hochzeitt, darzu ich gebehten, undt den
Amptmann zu Ballenstedt, verordnet.
Gott gebe ihnen, geleichßfalß Segen! Zu
Gernroda, auf dem hause, sol die hochzeit
celebriret werden, weil er, der Sohn,
Amptmann daselbst ist, undt auch Secretarius,
bey Meinem Bruder, Fürst Friederichen. et cetera
Extra zu Mittage, nicht allein die Engel-
ländische Jungfer, (welche numehr Ordinarin ist)
sondern auch, den jüngern Sekerka, gehabt.
A spasso, in die Bornicker Awe, an vogelherdt.
I'ay contè, de la, jusqu'au chasteau & a ma chambre
3000 de mes pas, au retour.
Jehna ist von hall wiederkommen, (alda er
mit Posen geredet, per conto dj Kohlmann)
undt hat seinen abschiedt genommen, post Coenam,
in meynung, Morgen, (gebe gott) wieder nach Zerbst,
zu wandern. Er hat auch, unvermuhtete
gelegenheit gehabt, in der herberge zu halle
im Gold☉ring, Hertzogk Frantz Carllen, zuzuzu-
sprechen. Derselbe ist eben vom Kayserlichen hofe,
unbekandt ahnkommen, hat zum Churfürsten
von Brandenburg gewoltt, daselbst condition
ahnzunehmen, undt volgk dem Könige in
Polen, zuzuführen. Er hat nur 4 personen
auf einer landtkutzsche, bey sich, gehabtt,
undt ob ihn schon der Administrator zu halle,
hinauf bitten laßen, hat er sich doch excusiret.
heütte ist abermalß eine unsichtbahre
Sonnenfinsternüß. perge et cetera Gott gebe daß so viel
Ecclypses, nichts böses indigetiren mögen!
Donnerstag♃ den 23. September 1652.
<4 hasen. 1 Schockßo: 2 große vogel.>
<Iohann Balthasar Oberlender, Märtin haug, undt hundeiunge Lorentz, haben 1 Schockßo: undt 11 lerchen, undt 5 wachteln, gefangen.>
Christophorus von Jehna,
Mein Raht, undt bestalter Syndicus zu Zerbst,
ist wieder forth, nach Zerbst zu. Gott
wolle ihn begleitten!
Nacher Caßel, undt Croßen, geschrieben.
Zum vogelherdt, gegangen, 54 kleine vogel gefangen.
Darzu seindt noch 6 kommen, thut die liferung, ein schogk.
Meine Söhne, seindt hinauß hetzen geritten,
undt haben 4 hasen, einbracht.
Victualien, von Ballenstedt. et cetera
heütte helt des hofrahts, Caspar Pfawens Sohn,
(welcher Amptmann, zu Gernroda ist, undt Secreta-
rius Meines bruders Fürst Friedrichs zu hatzgeroda[!]), auf
dem hauße Gernroda, hochzeitt, undt
der allte hat Mich, darzu gebehten. Jch
habe auch dem Amptmann zu Ballenstedt, Märtin
Schmidt, meine stelle zu vertretten, verordnet.
Er sol 3 lange tafeln, undt 16 tische
speisen wollen, undt darzu angeschaft
haben, herrliche Victualien, undter andern
10 Eimer Rheinischen wein, 9 faß Zerbster
|| [[Handschrift: 64r]]
Bier, 6 faß Brüehahn, undt andere sachen. Jn die
10 wagen, voller feiner vornehmer leütte,
seindt durchpaßiret, auf die hochzeitt, die
Brautt (welche des vorigen Syndicj Fingerlings
tochter, undt Licentiat Keppen itzige Stiftochter ist)
begleitten. Man meinet auch es werden
etzliche Rähte, undt vornehme außm lande,
alda gegenwärtig sein, undt solche auß-
richtung, wol in die 500 ReichsthalerRthlr: kosten.
A quoy sert, ce lüxe, & dissolütion?
Der Braüttigam aber, alß er der brautt
entgegen ziehen wollen, hat er die rose
an bagken bekommen, undt mit fetten
oliteten, es zu heilen, vermeinende, noch mehr
verderbet, also: das er von Warmstorf
auß, seinen curß, (mit hertzeleidt, undt
großer ungedultt), sistiren, undt wieder
umbkehren müßen. Man besorget, der schade
dörfte wol gar fistuliren, undt gefahr,
undt schaden, dem iungen Mann, (den Gott davor
bewahren, undt Segenen wolle!) darauß endtstehen.
Nihil est, ab omnj parte, beatum!19
Freitag♀ den 24ten: September 1652.
<Bel Tempo. 5 Mandel, und 9 kleine vogel.> <27 lerchen, Cammerdiener Hanß Kohte, heinrich Stalliunge, Rindtorfs iung. >
Zweene große pacquet,
wegen des Reichßtages, landttags, undt
wegen belehnung, mit Gernroda, von
Zerbst, sampt denen addreßen, von
Deßaw, undt Plötzkaw, entpfangen.
Gott gebe heilsahme Consilia.
Er Hesius, ist bey Mir, gewesen, allerley
zu referiren, undt eine dimission in die Margk
zu begehren.
Die allte 75iährige Maria Kindinn,
(so in die 28 iahr lang, Altfraw, auf dem
Schloße alhier gewesen, undt treẅlich,
Meiner frawMutter Sehlig wie auch meinen
Schwestern, So dann auch, Meiner gemahlin,
successive gedienet, undt die großen
plünderungen, anno 1636 undt 1644
mitt außgestanden, undt viel ungemach
gehabt, aber alles mit Gottsehligem, Standt-
haftem Muht, vertragen) hat diesen Nachmittag,
valediciret, undt abschiedt genommen. Sie will
nacher Niemburgk; zu ihren freündinnen, ob ich Sie
|| [[Handschrift: 65r]]
schon gerne, ex commiseratione, & Christiana caritate
alhier in der Stadt, undterhalten hette. Gott gebe
nur, daß der Segen Gottes, nicht von unß, hinweg ziehe.
Veritas, et Fidelitas sincera, eam extulit;
invidia vero maligna, eam depressit. Sie
ist eines pfarrers tochter, undt eine wittibe
von zweyen predigern, voller treẅe, undt Gott-
sehligkeitt. Der Schlag, hat sie etzliche mahl
getroffen, undt Sprachloß gemacht, alß
auch noch neẅlichst. Gott hat aber noch
allemahl, (gleichsam miraculose) ihr
wieder aufgeholfen, undt zu guten medicamentis
seinen, Segen, gegeben, wiewol sie an itzo
nicht so fertig reden kan, alß vorhin, undt
nur einer sehligen auflösung, auß diesem
jammer- undt thränenthal, in Christo, gewärtig jst!
Gott gebe! Daß wir unß, weder an ihr, noch
ahn andern, mit undangk versündigen!
undt stehe ihr, undt allen bedrengten, mit
der trostreichen kraft, des heiligen Geistes, gnediglich bey!
Damit Niemandt zu klagen, undt zu zagen, vrsach habe.
Samstag♄ den 25. September 1652.
<Nebel mane.> <30 lerchen, Mein page Albrecht Sekerka, Zacharias Trompter, und Friederich holst gestrichen. 3 mandel kleine vogel 12 heidelerchen. >
Die Altfraw, ist heütte
forthgeschaft, Gott tröste sie!
Philip Güder, ist bey Mir gewesen.
Martin Nickel ist wiederkommen, de Prag20 avec dü Vent!
Die leidige zeittung, mit hertzogk Christian vom
Brigk, continuiret, also; daß mit variirten Circum-
stantijs, gleichwol die that verübet, nemlich: das der un-
vorsichtige Schütze, in der Demmerung gesehen, das hertzogk
Christians, forster, seines herren undt seine büchße, auf
beyden Achßeln, in die höhe getragen, undt darauß
(unbesonnen) iudiciret, es wehre ein hirschgewehe, darauf
er <nach dem vermeindten Hirsch> feẅer gegeben, undt so niedrig geschoßen, wie am
nähern, schon gemeldet worden. Der gute herr sol sehr
über große schmertzen am fußknöchel klagen, undt der
gemahlin, (welche Schwanger ist) sehr übel thun. Gott
wolle trösten, undt diese trübsall lindern, auch mitt
Christlicher Gedultt, überwinden helffen! hertzogk
Ludwig vom Brigk, hat auch mitt hinauß gewoltt,
aber seine gemahlin, hat ihn so sehr gebehten, (weil ihr
angst undt bange umbs hertz, vor ihn gewesen,)
das er es dißmahl, eingestellet, und nicht mittgezogen.
Es ahnet oft manchen Menschen, etwaß, undt weiß
nicht wie? oder worümb? es ihme geschicht. Gott bewahre vor Meher unglück!
Sonntag☉ den 26ten: September 1652.
<38 lerchen, gestrichen, Ludwig Rober, Valtin knechtt undt der Banckkoch >
Avis: das Graf Rantzaw, unversehens,
zu Plötzkaw, eingesprochen, undt gewillet seye, auf halla,
undt Dresen[!], zum Beylager, zu gehen.
Jn die kirche, vormittagß, mit beyden Söhnen, und zweyen
töchtern21 gezogen, wie auch mit der Schwester Liebden.
Philipp Güdern, in Oeconomicis, undt anderm, bey Mir, gehabt.
Extra zu Mittage: die Rindtorfinn, Doctor Mechovium,
undt Tobias Steffeck von Kolodey. Die Engelländerinn, rechene ich nicht
mehr, wie: auch den Magister, alß Ordinarios.
Advertentz: Daß der Fertzigkinn eingebrochen,
undt 800 ReichsthalerRthlr: gestohlen worden, da sie doch
gestern, ihrem leiblichen Sohn, Rittmeister
Schawern, 100 ThalerThlr: zu leyhen, recusiret,
mit vorwenden, Sie hette es nicht. Also
kan der Mammon, (von welchem heütte
Morgen, viel geprediget worden) die leütte
einnehmen! perge et cetera
Nachmittags, wieder in die kirche, undt predigt,
cum sorore, undt zweyen Söhnen, auch zweyen töchtern22, gezogen. et cetera
FeldtScherer, undt Balbirer, Hanß Wentzel
Rohte, ist ein par tage her, gantz unpaß gewesen.
Gott wolle es, mit ihme zur beßerung, schicken.
Montag☽ den 27ten: September 1652.
<23 lerchen, Oberlender, Märtin Lackay, undt der hundeiunge, gefangen. >
Secretarius Paul Ludwig ist bey mir gewesen, expedienda, zu befördern.
Postea: Georg Reichardt der Amptmann.
Die Weinlese, ist heütte angefangen. Gott gebe
glück! undt Segen, darzu!
Schreiben, von Croßen, undt Breßlaw, auch, von Wien.
Die Avisen geben: daß Barcellona über seye.
Daß friede in Frangkreich, tractiret werde, durch
interposition des hertzogs von Lottringhen, nach dem
der Visconte de Türenne, mit der Königlichen Armèe,
etwas schaden gelitten. König in Spannien, hat den
Düc de Guise, liberiret, undt den Printzen 200
Crohnen, bahrschaft zugeschickt.
Die Frantzösische armèe navale, so nach Duyn-
kirchen, gewoltt, ist vom Engellischen Black, undt
von den Spannischen, geschlagen, undt darauf ein
guter accord, denen zu Duynkirchen, bewilliget worden.
Kleine rencontres, werden berichtet, zwischen
den Staadischen, undt Engelländischen Schiffen, allein
die Engelländer nehmen den andern, reiche prinsen,
Die holländer ihnen aber, nur kohlen, häring, schlechte sachen.
Zu Amsterdam ist ein großer Auffstandt ge-
wesen, wegen 2 meütinirischen matroßen,
welche gehenckt worden, weil Sie geldt gefordert,
|| [[Handschrift: 67r]]
undt darüber, 9 unschuldige bürger, im gedrenge
erschoßen worden, als sie die zu liberiren vermeint,
vorm WestJndianischen hause. Nun werden die
Mußcketirer gesucht, so geschoßen, undt die ca-
pitains, so es commandirt, da es ihnen doch befohlen
gewesen, auf das empörete volck feẅer
zu geben, wann sie nur die recht zeitt, ge-
troffen hetten.
Zeelandt, undt Gelderlandt, haben
den Printzen von Uranien tergiversiret,
hollandt opponiret sich.
Der Türgke tractiret friede mit Venedig,
undt leßet sich in Ungarn, stargk finden.
Die Grafschaft Neütra, will er in Schutz
haben. Die Kayserlichen tergiversiren.
Die Churfürsten, werden zu Prag erwartett
außer Chur Cölln, so krangk. Landgraf Ernst
ist auch daselbst ankommen, selb neündte.
Die Maltheser haben eine Türckische
gallere, mit 500 Mann, und großem gut, bekommen.
Die Silberflotte ist in Spanien, 15 millionen ducaten
Reich, wol ahnkommen.
Jn Dennemargk und Schweden, remittiret die Seüche.
Schweden tractiret heimlich, mit den Cosagken.
Zu Lübegk gehen die Pollnischen Tractaten, forth.
Schweitz, undt Elsaß, gehen auf eine Landeß-
defension.
Zu Briesach, gibt es wieder unfriedt, undt
Tumult, mit dem Conte de la Süse, so
guht Printzisch ist, wieder die Königliche garnison.
Jn Polen, gehen die werbungen, noch forth.
Nachmittags, bjn ich mit Meinen Söhnen, undt etzlichen
pferden, in die weinberge, undt Weinlese, geritten.
Es leßet sich alles, schwehr ahn. Der wein fänget
an, sehr zu faulen. Difficilia, quæ pulchra!
Gestern abends, umb 10 uhr, ist der homeester23
von Plötzkaw, alß er mit zweyen knechten24
in Fürst Augustj weinbergk, zu AderStedt, gegangen,
undt trauben stehlen wollen, vom wintzer25
durch den kopf, todtgeschoßen worden. Ein unglügk!
Quilibet faber, suæ Fortunæ!26
Gott gebe, daß er sehlig, verschieden seye!
Gegen abendt, hat es sehr geregnet. Es fieng schon
ahn, als wir zu Aderstedt wahren. Dörffte die faü-
lung des weins, (leider) befördern. Gott wirdt es dennoch wol machen.
Dienstag♂ den 28ten: September 1652.
<5 Mandel fette lerchen, von Leiptzigk, vor 22 groschen erkaufft.>
Artephius, ein Griechischer Medicus, hat geschrieben,
de prolunganda Vita, (welches an itzo herrvetter Fürst Augustus,
durch Doctor Fischern, verdeützschen leßet) undt <er> sol 1000
iahr, altt worden seyn, welches vor gar gewiß,
will gehalten werden, wiewol es unglaüblich
ihrer vielen, anscheinet. Theologice zu reden,
kan sich kein mensch, sein leben verlängern,
dann Gott hat einem ieglichen sein ziel gesetzt,
welches niemandt überschreitten kan. Allein
Medice, undt Politice, (in sano intellectu,)
kan man wol die Mittel verseümen, oder
gebrauchen, undt solcher gestaltt, (iedoch alles,
undter Göttlicher regierung; providentz, undt
willen des Allerhöchsten!) sich das leben durch
gebrauch von Gott verordneter heylsahmer
Mittel, <Diæt> undt dienlicher Artzneyen, erhalten,
verlängern, oder durch mißbrauch der gaben Gottes,
unordentliches leben, undt exceß, oder undterlaßung
undt verachtung dienlicher Mittel, undt artzneyen,
sich, vor Menschlichen augen sein leben verkürtzen, ia wol
gar in unglügk, Mordt, undt unfälle sich præcipitiren!
Mein Sohn, Victor, ist heütte nachm frühestügk auf Deßaw,
geritten, selb vierdte. Gott wolle ihn begleitten. undt
vor unglück bewahren! in itziger bösen zeitt,
da man nicht viel gutes höret. perge et cetera
Gegen abendt, aber, ist mein Sohn, wiederkommen,
dieweil ihm, ein Jäger von Deßaw, begegnet, welcher
ihm angezeiget, daß die künftige woche, allererst,
das iagen, vor sich, gehen würde, undt die hunde,
von Sanderßleben, geholet werden sollten. perge et cetera
Avis: das der Allte Adrian Voytt, zu Plötzkaw,
gestorben, undt sein lehensfolger27, ankommen.
Iceluy, ne veüt reconnoistre lés debtes, de son de-
vancier, auxquelles il n'a nüllement acconsenty!
Victualien von Ballenstedt 2 Schockßo: großvogel weniger 2
butter, Endten, hüner.
Mittwoch☿ den 29ten: September 1652.
Jn die predigt, mit der Schwester Dorothea Bathilde mit beyden
Söhnen, undt zweyen töchtern28, vormittagß.
hofprediger, auf dem lande, zur kirchenrechnung, gewesen.
Extra: zu Mittage, die Rindtorfinn gehabtt,
item: den iungen Sekerka, den Tobias Steffeck von Kolodey undt
Ern Marggravium.
Die weinlese, hat sich wol gelöset. Gott lob! undt dangk!
undt es seindt über die 50 Eimer, wein, auß dem Aderstedter berge kommen.
Nachmittagß, wiederumb in die kirche, gezogen,
cum sorore, & filijs, undt be zweyen töchtern 29. Er Jonius
hat geprediget, der Diaconus, einen Text, ex Apocalypsj
vom Ertzengel, Michael, undt dem drachen. perge et cetera30
Donnerstag♃ den 30ten: September 1652.
<Regen. Windt.c>
<30 lerchen, der Schneidergeselle31, der hundeiunge, undt kücheniunge, die Nacht, gestrichen, zur hofküche.>
Die weinlese, im AderStedtischen Berge
ist Gott lob, ein drey tage her, wol
abgegangen, undt darauß 64 Eimer, 55 maß, gewunnen.
Gott laße uns seinen Segen, genießen! undt wol gedeyen!
Extra zu Mittage Jonium den Diaconum
gehabt, undt Tobias Steffeck von Kolodey.
Toffel heldt, zum knechtt, im raysigen Stalle,
undt zum ReittSchmidt ahngenommen. Gott gebe zu glügk!
Nacher Croßen, Brigk, Breßlaw, Fulda,
geschrieben, undt schreiben laßen.
Post, von Ballenstedt; con qualche sussidio.
