Sonntag☉ den 1. May; 1653.
Vor ein par Tagen, hat unser guter allter
Superintendens, Er Plato, eine Mauß
Todt tretten wollen, ist darüber, auß-
geglitzscht, undt iämmerlich gefallen, also das
der Bader, zu ihm gehen muß, undt der rügken
versehrt mag sein. Gott wolle dem guten
Manne, seine schmertzen lindern! undt ihn
noch lange erhalten!
Ein bohte der kahlkopf genandt, (so von
Meiner herzlieb(st)en gemahlin, nacher Ballenstedt geschickt
worden) ist undterwegens, zu Ascherß-
leben, nach gethanem hastigem Trungk
in der hitze, plötzlichen gestorben.
Solche, undt dergleichen fälle erinnern
unß, unserer fragilitet, undt lernen
unß, daß Memento morj vor Augen!
Vormittags conjunctim, in die kirche.
Extra: zu Mittage, die Rindtorfinn,
Tobias Steffeck von Kolodey[,] Jehna, hofprediger Mencelius.
Nachmittagß, wieder in die kirche, mit beyden
Söhnen, undt mit zweyen Töchtern1. Der Caplan
Jonius, nahm daß Achte gebott vor: du solt nicht stehlen!
Vellacos muchachos y otros, para gastigar!
mas perdonados, a esta vèz! cinco personas.
Han abierto, serruras los pajes, y moços,
por bever, y ün lacquayo, hà butado, un paje
nella nuessa stanza, adelante la tabla,
con la puerta, hazienda cascarlo, una
cobertura d'argento<de plata>, adelante nuestros piedes!
y el uno hà commettido abuso, con la llave, de cabeçá.
Diesen abendt, hat der gute Jehna,
seinen undterthänigen abschiedt genommen,
avec beaucoup de bons souhaits, &
avertissemens, s'en voulant
aller, demaina mattin. Dieu
le conduyse & le reconduyse, a son temps,
heüreüsement! a bon entiere satisfaction!
Von meinem, vermeintlich verzauberten,
Fuchß, seindt abermalß von Erxleben,
böse zeittungen erschollen. <Gott straffe alle
zauberer, undt zauberinnen, undt helffe dem
armen, unschuldigen Thier! Amen!>
Montag☽ den 2. May; 1653.
Jean Moustarde, ist auß dem Aldenburgischen lande,
wiederkommen, hat Mir aber oculariter demon-
striret, das ich mehr schaden, alß fortheil,
von selbigem præsentirten holtz, haben würde.
Schreiben, vom Cantzler Milagio, auß
Regenspurg[.] Jl monstre son zele, contre Zerbst. <et cetera>
et me donne diverses particularitéz.
Jehna, ist heütte wieder nacher Zerbst, ver-
rayset. Gott wolle ihn geleitten!
Der CammerRaht Doctor Mechovius, ist bey Mir
gewesen, undt extra zu Mittage, geblieben,
nach dem er bey Carl Ursinus' examen gewesen.
Avis vom Gebhard Loyß per H. P.b Alles gehet auf
steltzen. Patientia! Gott bewahre, vor unglügk!
Es seindt greẅliche Schloßen, die Tage, zu
Halberstadt, gefallen. perge
Avis, von Ballenstedt, von einem greẅlichen
hagel, welcher mir daselbst, undt Meiner ge-
mahlin zu Padeborn, viel getreydig verderbet,
Gott wolle sich unser erbarmen, die zorn-
ruhten, von unß abwenden, undt unß gnedig
undt barmhertzig sein! auch unß, als ein vater versorgen!
Jch habe briefe bekommen, von Paris, Wien,
Plötzkaw, Hall, Leiptzigk. <Brehmen> etcetera[.]
Die avisen geben: daß die Engelländer undt holländer
mitteinander tractiren, undt armiren.
Pfaltzgraf Moritz, wehre in den Canarien
Jnsulen, arriviret, den man, vor verlohren gehalten.
Pfaltzgraf Ruprechtt, wehre, von Nantes,
nach Pariß, kommen.
Die Staaden, wolten mit Frangkreich,
eine alliance machen.
Die Stadt Pignaruolo, wehre vom wetter,
sehr verderbet, undt leütte darinnen, ümbkommen.
Venedig, tractirte zwahr mit dem Türgken.
Jhr gesandter, Cappello, aber, würde übel
gehalten, undt der Primo Vesier, wie auch der
dollmetzscher, des Frantzösischen Ambassadors, strangulirt
worden, weil sie, (ohne vorbewußt der
Türgkischen Regierung), dem Gesandten,
sicher geleitte, procuriret, undt gegeben.
Jn Canêa, wehren 10000 Mann, ankommen,
Candia zu stringiren.
König in Spannien, assistirt die Printzen. Suchet,
durch den Freyherren von Sebach, Roses zu erobern,
undt Bourdeaux, zu endtsetzen.
Der König in Spannien, schickt geld undt volck
den Printzen, zu hülfe.
Schweden, undt Schweitzer interponiren
sich, zwischen Holl: undt Engellandt.
Polen, hat wieder die Cosagken, aber-
malß victorisiret, auch Städte
gewunnen, mit Sturm, in der Ukrayne.
Die Stände, wollen den König, nicht mehr
inß feldt ziehen laßen, oder hazardiren.
Chmielinßky suchet hülfe wiederumb,
bey den Tartarn, undt alliance
in der Moßkaw.
Dienstag♂ den 3. May; 1653.
J'ay meditè üne nouvelle depesche, parmy
tant d'anxietèz. Dieu la benie! & prospere!
Paul Ludwig ist, bey mir, gewesen, undt hat aller-
ley, zu referiren, undt zu expediren, bekommen.
Tobias Steffeck de Kolodey a prins ce soir, son congè,
pour partir demainc, Dieu aydant, a üne
expedition confièe, que Dieu vueille benir!
Mittwoch☿ den 4. May; 1653.
Tobias Steffeck von Kolodey nacher Gohta verschickt. Gott gebe zu
gesegnetem succeß!
Hans Balthasar Oberlender nacher Deßaw, ablegiret, wegen
Röhrholtzes, weinpfähle, undt mit Schwester
Dorothea Bathilde ihrem Bagage. Gott gebe zu glügk!
Der Jungfer Dütten, ihres bruders Sohn,
ist anhero kommen.
Jn die kirche, conjunctim, am
heüttigen behtTage. Text: ex 1. capitolo Genesis
versu 12.
Nachmittags bin ich, mit meinen Söhnen,
hinauß geritten, vor ihnen aber, von Zeptzigk
wieder zurügkd kommen, undt mein getreydig,
im felde besehen. perge Gott wolle es gesegenen!
undt mir, wol gedeyen laßen!
A spasso, in gartten, avec Madame!
Abermahliger avis, von Ballenstedt wegen des hagels,
so wie welsche h Nüße, theilß auch, wie hüner-
eyer groß gewesen. Umb halberstadt, sol
auch, fast alles <winttergetreydig> verhagelt sein, Jtem: die
gartten Früchte, undt blühte, auff den baẅmen.
Donnerstag♃ den 5ten: May; 1653.
An Jehna geschrieben, mit einer Zerbster bier Fuhre.
Dieu benie mes desseings!
Gestern, habe ich, in beysein Märtin lac-
kayens, undt Wolfgang Sutorij, meinem
Schafvieh, laßen die wolle abnehmen,
allhier zu Bernburgk. Es wahren
664 haüpter, darvon ist wolle ge-
worden, in 3½ großen Sägken.
Bürgermeister Tornaw, ist bey mir gewesen, allerley
vorzutragen.
Jch habe geschrieben, nach Leiptzigk, Paris, &cetera[.]
Es ist einer herkommen, mit päßen, vom Könige
in Engellandt, hat
Einer ist hehrkommen, vom König in Engellandt,
will ein Götze sein, undt des großen
Kayserlichen undt Chur Bayerischen Generals bruder
(der in der Schlacht vor Janckow, geblieben)
will in WestJndien, 7 iahr gewesen
sein, item: in hollandt, Engellandt, Denne-
margk, will auch dem Könige in Engelland
in der letzten Schlacht, assistiret, undt gediehnet
haben. Seine discurß aber, gehen nicht recht aufeinander.
|| [[Handschrift: 320r]]
Vide, cui fidas! Er hat zwahr päße, vom
Könige, undt andern Officirern, aber die wortt
seindt verdächtig. Fide; sed cuj? vide!
Wartemßleben, ist von Erxleben wiederkommen,
(dahin ich ihn gesandt gehabtt!) undt hat mir
greẅliche sachen, undt besorgliche
hexereyen, von meinem leibroß,
dem Fuchß, erzehlet. Gott wolle
beßern! remediiren, dem bösen steẅren!
undt wehren!
Jn gartten, ce soir avec Madame.
J'ay estè fort angoissè, par faulte de
moyens, a ma sübsistance!
Christof wilhelm Schlegel, ist bey Mir
gewesen, undt extra zu Mittage, geblieben.
Schreiben von Ballenstedt vom Amptmann,
undt AmptSchreiber.
Zu Zeptzigk, seindt 237 Stügke Schafvieh,
(so mein eigen) abgeschnitten worden.
Mit Meiner herzlieb(st)en gemahlin, bin ich gegen abendt, auf
meine Felder, spatziren gefahren, haben ein
par Töchter3, mittgenommen. Carll ist mitgeritten.
Hans Balthasar Oberlender welcher zu Erxleben, gewesen, hat
den elenden zustandt, mit meinem Fuchß,
nicht genungsam bedawren, undt be-
schreiben können. Gott wolle es beßern!
Samstag♄ den 7. May; 1653.
Zweene große Pacquet, von Zerbst,
darundter 1. die relation, unserer le-
gatorum, 2. die fernere anfeindung der Stadt Zerbst.
Bürgermeister Tornaw, ist abermalß bey mir
gewesen, undt hat wegen seiner Stadt
richtigkeitt getroffen.
Einer von Dütten, (welchen man gleichsam
vor Todt geachtet, undt welcher im kriege
in 19 iahren abwesend, sich versuchtt,
in Ungarn, undt in die Türckey verrayset)
hat sich bey mir præsentiret, undt
ist extra zu Mittage, geblieben.
Jch bin mit Madame, in gartten spatzirt.
<Die kefer continuiren noch, schaden zu thun.>
Sonntag☉ den 8ten: May; 1653.
Brief von Strehlitz, (re infecta.)
Avisen, auß Erfurdt, daß die praecedentzStreitig-
keitten, noch zu Regenspurg währen. Der Kayser
hat die Stände, zu alterniren, vermahnet.
Von der proposition, ist es noch altum silentium!
Die Currir auß Schweden, werden erwartett.
Die wahl des Römischen Königs, sol auf den 14den:
May; noch forthgehen, darnach allererst
die Proposition geschehen.
Jn der Schweitz, rebelliren die pawren
aufs neẅe, halten conventicula, man
wirdt ihnen aber, begegnen.
Freyherr von Bluhmenthal, ist Chur Brandenburgischer
gesandter auf den wahlTag, nach Augspurg.
Jn Schweden, seindt die rebellischen pawren,
mit gewaltt, bezwungen, undt 14 iusti-
ficiret worden.
Zu Riga in Liflandt, haben die Schweden,
alle holländische Schiffe, in beschlag genommen,
volgk undt provision nacher Stettin, überzubringen,
undt durch Caßuben in Preüßen, die Polen
zu attacquiren, wiewol Polen mächtig, undt die Cosagken
|| [[Handschrift: 321v]]
geschlagen.
Zu Frangkfurth, am Mayn, befinden sich an
itzo, Spannische[,] Frantzösische[,] Savoysche werber.
haben großen zulauff, wo geldt vorhänden?
Die Spannischen undt Condeischen, sollen
Calais belägert haben. Der Cardinal
suchet nur rache, an seinen wiederwertigen.
hat auch den General Türenne dißgustirt,
daß derselbe malcontent von hofe gewichen.
Jn Engelland undt hollandt
armiren zwahr, beyde theil, stargk
tractiren aber auch. Die Staaden provintzien
dißentiren undtereinander. hollandt
dringet auf den Frieden. Seelandt
aber, will lieber krieg haben, undt
machen sich beyde anhang von andern Provintzien.
Zu Londen, ist auch zwytracht, undter
den hohen Geistern, alterniren, undt endern
ofte[!] die Stellen, damit sie alle in die
höhe kommen, welches doch endtlich alles,
auff uneinigkeit, außlauffen dörffte!
Jn die kirche, conjunctim. Er Marggravius
hat geprediget, weil der hofprediger krangk ist.
4<8> Schiffe, seindt heütte ahnkommen,
vom Gaw. Wollen frey paßiren, mit
Saltz, undt holtz vor Chur Saxen.
Zu Hegklingen, hat Georg Reichardt zwahr exequi-
ren wollen, allein die Edelleütte, undt ihre
undterthanen, haben eingepackt, undt
endtlaufen wollen, auch umb dilation
gebehten, ob sie etwaß erborgen köndten?
Sonst, hat verlautten wollen, alß hette
Trohta, (nach eingeschickten protestationschrei-
ben, unlengst an mich) gedroẅet, dem
Amptmann, undt andern Deputirten, so
hinauß würden kommen, zu exequiren, mit
dichten Stößen, zu begegnen, welches
aber gleichwol, nicht zu leiden stünde!
Nachmittags, wieder in die kirche,
undt predigt, Ern Jonij; da er das
Neündte gebott, außgeleget. perge Filij e-
rant mecum! nulla filia, &cetera &cetera &cetera[.]
Montag☽ den 9<ten:> May; 1653.
Georg Reichardt ist bey mir gewesen.
Postea Philipp Güder undt andere Oeconomj.
Schreiben, von Croßen, vom Hoff, undt Leiptzigk[,] <Regenspurg> etcetera[.]
Die Avisen melden: daß die wahl, eines
Römischen Königs, zu Augspurgk, baldt geschehen werde.
Darnach erst die proposition zu Regenspurg wann
die currirer auß Schweden, wiederkommen.
Der vergleich, zwischen Chur Brandeburg undt
der Königinn in Schweden, wegen restitution
Pommern, sol richtig sein.
Die pawren rebellion in Schweden, sol
noch continuiren, wie auch die, im Schweitzerlande.
Der Türgke will Candia gantz haben,
Sonst nicht tractiren. Beruft sich, auf seinen
Alcoran. Rüstet sich gar gewaltig, gegen
Candiam, undt Dalmatiam, woselbst, der
General, Gil de haaß, gebraucht sol werden.
Jn Polen, sollen die Cosagken gewaltige
victorie erlanget, undt in die 6000 der
Pollnischen niedergemacht haben. Daß vfbott,
die Poßpolite Rußenie, ergehet hin: undt wieder.
Der Fürst in Sibenbürgen, sol mit hülffe
|| [[Handschrift: 323r]]
der Türgken, dem hospodarn in der Wallachey4,
inß landt gefallen sein, undt ihn, in Pohlen veriagt
haben.
Schweden, correspondirt, mit dem Parlament
in Engellandt, tractirt ihre gesandten5 herrlich,
deßgleichen ist, die Schwedische legation, in Londen,
gehalten worden.
Die attacque des Sundes, vom Parlament,
wirdt besorget. Die Staaden aber vigiliren dargegen,
dem Könige in Dennemargk zu hülfe, wiewol der
Admiral Tromp, (in ansehung schläferiger præpa-
ratorien,) willens gewesen ist, abzudangken,
iedoch endlich, zu bleiben, sich bereden laßen,
undt man thut ihm satisfaction, undt armiret.
Vor Calais, sollen die Spannier liegen, undt
sonst gewaltig, contra Frangkreich, sich rüsten,
auch auf Pignaruolo, in Piemont, ein auge haben.
Der Cardinal, kühlet sein Mühtlein, an seinen
adversarijs. Auf seinen König, undt auf ihn,
sol zu Paris, ein schuß geschehen sein, doch, ohne schaden,
undt hat ihre gemühter, noch mehr, exacerbirt.
Hertzogk von Lottringhen, stellet sich noch, im harnisch,
undt macht mine, zu anderen einquartirungen.
Die Lucerner pawren, sollen vornehmlich, die Bibel begehren.
Der Kayser, continuiret die Persecutiones, in den Erblanden.
Dienstag♂ den 10ten: May; 1653.
Paul Ludwig ist bey mir gewesen, in importantzen.
Der iunge Doctor Ernst Friederich Schröhter,
unsers gewesenen Cantzlers Sohn, ist bey
mir gewesen, undt von Jehna, anhero kommen,
wegen etzlicher prætensionen. Jch habe ihm
Audientz gegeben, undt, zur Mittagsmalzeitt,
extra, behalten laßen.
Die Bernburger wolle, hat dißmahl gewogen:
12 St 39 Stein, 11 Pfund (libra)℔:[,] die Zeptziger
wolle: 12 Stein, 15 Pfund (libra)℔: Facit: 52 Stein (Gewichtsmaß für Flachs und Wolle)St: 4 Pfund (libra)pf:
Darvon gehen ab: 38 Pfund (libra)℔: die Sägke.
| Jtem: | 2 Stein (Gewichtsmaß für Flachs und Wolle)St: | 9 Pfund (libra)℔: | dem Zeptziger Schäfer. |
| Jtem: | 7 Stein (Gewichtsmaß für Flachs und Wolle)St: | 14 Pfund (libra)pf: | dem Bernburger Schäfer, |
|
Summa |
15 Stein (Gewichtsmaß für Flachs und Wolle)St: |
17 Pfund (libra)℔: |
tara abgezogen. |
Matz Urlob.
Schlechter abermahliger bericht, ist einkommen,
wegen meines bezauberten Fuchßes. Gott
dempfe das übel!
Mittwoch☿ den 11ten: May; 1653.
Jn die kirche, undt wochenpredigtt conjunctim.
Er Valentin Reichardt, pfarrer von Cörmigk, hat
vor den krangken hofprediger geprediget.
Extra zu Mittage, Doctor Fischer, (lequel
m'a dit a Dieu! pour son progréz, que Dieu
benie! & vueille prosperer!) undt Er Reichardt.
Philipp Güder ist gleichßfalß, bey mir, gewesen.
Jch bin in gartten spatzirt, avec Madame.
Gestern, hat Mir, Meine freundliche herzlieb(st)e gemahlin,
durch Paul Ludwig der Rindtorfinn Schuldt, antragen
laßen, undt davor 50 hufen landeß.
Jch habe es vfn versuch ahnzunehmen, mich
erklähret, wenn ich mit Rindtorf, zu
rechtt, undt überein kommen köndte?
Er hat aber, biß dato, noch nicht tractiren
wollen.
Tobias Steffeck von Kolodey, ist diesen abendt, wieder-
ahnkommen. Gott gebe zu beßerm glügk! alß
ich mirs vorbilde! Ne deseras me Domine! etcetera
Finallement i'ay sceü, que ceste depesche, n'a pas
estè entierement inütille, Dieumercy! <qui nous aide!>
Donnerstag♃ den 12. May; 1653.
heütte ist ein Lachß, von 30 Pfund (libra)℔: im Mühl-
gerenne zum 1. mal, (Gott lob, der gebe
ferner glügk! undt Segen!) gefangen worden.
Der Amtmann Georg Reichardt ist bey mir gewesen, viel
undt mancherley, zu referiren.
Jtem: der pfarrer von Dohndorf, Angelocrator, welcher
mit Wartemßleben, nacher Erxleben, gewandert,
undt meinen Fuchß, gar in schlechten
zustandt, zu helfen, gefunden. Gott helfe ihm!
undt erbarme sich auch, der Thiere!
Geschrieben, nacher Regenspurgk,
Paris, Croßen, undt Venedig. Deo dantet[.]
Nota Bene[:] heütte diesen abendt, habe ich Meiner
freundlichen herzlieb(st)en gemahlin Liebden cediret, undt abgetretten,
die Aldtenburgische holtzschuldt, undt deren
acta, extradiret, undt übergeben,
nebenst den ChurSäxischen[,] Weymarischen undt
Fürstlichen päßen. Gott gebe, zu glügk! undt succeß!
Freitag♀ den 13den: May; 1653.
Den hofraht, Paulum Ludwigen, wie auch den
Amptmann Georg Reichardt bey mir gehabtt, in importantzen.
An Fürst Augustum geschrieben. Gott gebe zu glügk!
Tobias Steffeck von Kolodey nacher Ballenstedt geschicktt. Deus benedicat!
Meine freundliche herzlieb(st)e gemahlin, ist nacher <Pfuhle zu, spatziren>ihrer zigelScheüne
zu, gefahren. Victor, ist mittgeritten. perge
hofmeister Einsidel, undt hofpredigern, habe
ich besuchen laßen. Mit dem ersten, stehets
schlechtt. Mit dem andern, beßert sichs. Gott lob!
Post von Ballenstedt, durch meinen bohten, undt
avis; daß hindter Quedlinburgk, undt bey Kroppen-
stedt, bluht gequollen.
Samstag♄ den 14den: May; 1653.
Avis: daß Fürst Augustus, gestern nacher Cöhten, undt
Deßaw, mit der gantzen hofstadt, verrayset.
Der Hanß Senff, ist bey mir gewesen, expedienda zu expediren.
Der iüngere Einsidel, undt Magister Menzelius seindt bey mir gewesen.
Avis: daß am donnerstage, das kindttäuffen des
Wallwitzens Tochter, zu Deßaw, wol vollnbracht,
auch Meine GevatterStelle, durch Fürst Johann
Casimirs, Meines vetters, undt Schwagers Liebden wol vertretten worden.
Jntrighi, capriccij, dispettj, rispettj, sospettj, havutj hoggidj!
Jch bin an die Sahle, an Wolfgangßkirche, Mühle,
undt sonsten, gegen abendt, spatzirt, mit Abraham
von Rindtorff, das geschlagene undt ahngeführte
bawholtz, von Agken, zu besehen.
Avis: daß gestern, eine große zauberinn,
zu Gaterßleben, hindter hoym, gebrandt worden.
Sie hat auf viel leütte bekandt, undt alß sie
auch vornehme personen, nahmhaft gemachtt,
hat man mit ihr, zum Feẅer, zugeeilet.
Dat veniam corvis, vexat censura columbos!6
Gott bewahre unß, vor solchem Gottlosen geschmeiß,
undt boßhaften, hochschädlichem ungezifer!
Die avisen geben: das beyde Kayserliche Currirer,
mit gutem contento auß Schweden, wiederkommen.
Die Proposition zu Regenspurgk, würde erst
im Junio, geschehen. Die wahl des Römischen
Königes aber, m auf Trinitatis, zu Augspurgk,
von dorth auß, würden die meisten Churfürsten,
nacher hauß, verraysen. Der Kayser, der König,
undt Chur Meintz aber, solten wieder,
zur proposition, undt zur erledigung, derer,
inndeßen elaborirten, gravaminum, k nacher
Regenspurgk kommen.
Die pawren empöhrung, in der Schweitz, ergrößerte
sich, undt würde (ohne große gewaltt,) von den Städten,
schwehrlich zu stillen sein.
Die Spannischen stringirten Calais sehr,
deßen verlußt mehr, als Barcellona
importiren dörfte.
Engelländische Parlamentisten, tractiren
zwahr, mit hollandt, trawen aber einander,
wenig, undt beyde Schifarmaden, sollen aber-
malß, scharf ahneinander, gewesen sein.
Die Engelländer, rüsten sich stargk.
Eine Relation Numero 20 von unsern Legatis von Re-
genspurgk; ist einkommen.
Jn die kirche, coniunctim, da der hofprediger,
Gott lob, wieder geprediget, undt von seiner
krangkheit, genesen. Gott wolle ihn lange erhalten!
Extra zu Mittage, den CammerRaht, Doctor Mechovium.
Nachmittagß, wiederumb in die kirche, undt Catechismj
predigtt, des jonij cum filijs. perge
Ludwig Röber (gewesener Cammerdiehner) ist bey mir gewesen. perge
Jl s'est bien changè, depuis peu, vivant maintenant
au village, dü travail de ses mains! Dieu le
vueille fortifier! & benir!
Montag☽ den 16den: May; 1653.
Mit Magister Menzelius conversiret.
Christof Wilhelm Schlegel, ist zu Mittage,
allhier gewesen. hat mir Nostitz, (in seinen
desiderijs, undt Schuldtsachen, an Kayser,)
recommendirt, undt gehet inß landt zu Lünenburgk.
Daß zu Regenspurg alle Churfürsten, neben dem
Kayser, nacher Augspurgk aufgebrochen, splendide,
zur Königlichen wahl. interim, sollen die gravamina,
competentzsachen, undt cameralia, zu Regenspurg
von den Ständen, debattiret, undt deliberiret werden.
Jn Frangkreich, continuiren die dißidia.
Cardinal Mazzarinj, recuperirt vorige authoritet.
Zu Tholouze, undt Bourdeaux, regirt die pest.
Die Bourdeloyer, schicken gesandten, zu dem
Engelländischen Parlament, umb secours. Denen
will der König in Frankreich zuvor kommen laßen.
Die belägerung Calais, wirdt besorget.
Prince de Condè, jst zu Brüßel, undt Antorff
wirdt magnificq tractiret. Der secours vom
Könige in Frankreich so die hertzoginn von Savoya, begehrt,
bleibet lange zurücke. Dörffte sich, mit Spannien vergleichen.
|| [[Handschrift: 327r]]
Der Spannische General, Freyherr von Sebach, setzet der
festung Roses, heftig zu, in meinung, von dorth auß
die Stadt Bourdeaux, undt die Printzen, zu assistiren.
Die Reformirten, in Frankreich haben permission erhalten,
einen Synodum, zu Charenton, zu celebriren,
iedoch, sol ein Königlicher Præses, darbey sein.
Casal die Cittadella, ist den Jtalienischen Fürsten,
ein dorn, in augen. Sie bitten, umb deßen
rasirung, damit die durchzüge, undt Ein-
quartirungen, von selbigen landen, abgewendet
werden. Sie wollen sonst gerne, dem hertzog
von Mantoua, in andere wege, assistiren.
Der Gubernator zu Meilandt, bringt ein
stargkes heer, wieder Savoya inß feldt,
der ViceRè zu Neapels, armiret eine stargke
Schiffarmada, wieder Franckreich und andere adversarios.
Zu Napolj, seindt die Duella scharf
verbotten, dennoch, haben neẅlichst, nicht al-
lein etzliche Mannspersonen, Sondern auch zweene
vornehme Courtisanen, (auß neidt undt ialou-
sie, gegen einander ergrimmet) sich mit rappier
undt Tolchen, auf leib, undt leben, außgefordert,
undt das cartel offentlich ahngeschlagen, darüber
Sie aber ertapt, undt in das gefängnüß, geführet worden.
Die venezianer, rüsten sich sehr, mit geldt, volgk,
proviandt, munition, undt Schiffen, die festung
Candia zu mainteniren, undt die Dardanellj,
oder deren außfahrt, den Türgken, zu sperren.
Die Bascha, von Sirien, undt Cypern7,
sollen rebelliret haben, undt der König
in Persien, mit 80000 Mann, zu felde sein.
Die Morlacchj, in Dalmatia, sollen dem
Türgken, auch großen abbruch thun.
700000 Jndianer, sollen dem Großen Mogor,
inß landt gefallen, undt eine festung belägert
haben. Dieweil, aber, in derselben, 12000
wol bewehrte Mann gelegen, undt auß-
gefallen, auch in die 70000 übel bewehrte
Jndianer, erschlagen haben, alß sol die belägerung
wieder aufgehaben8 worden sein.
Jn Polen, sollen die Cosagken abermalß
geschlagen sein, undt die reliquien verfolget werden.
Jn Schweden, armiret man zwahr. Man suchet
aber auch, friede mit dem Kayser, undt dem Reich,
zu stabiliren, mit Chur Brandenburg sich zu vereini-
gen, undt auch mit dem Engelländischen Parlament in alliance, zu tretten.
Jn Dennemargk, ist ein herrenTag gehalten.
Die holländer, wollen zwahr tractiren mit
Engelländischem Parlament, allein inndeßen, haben sie
Witte Wittens, mi[t] 50 undt Admiral Tromp,
mit 90 Schiffen, in die See, wieder die Anglos gesandt.
Jhre der Parlamentischen, häringsschiffe, sollen in
salvo, vor Londen, arriviret, hingegen die
Parlamentischen, zu lande, von den hochländern,
in Schottlandt, geschlagen sein. Der Cromwell,
hat das Parlament, von einander geiagtt,
sich selbst den güldenen Scepter, undt Schlüßel
zum Parlament reservirt, undt sich, mit seinen
Officirern, inß Nest, gesetzet. Es seindt kurtz
zuvor, Schwedische, undt Frantzösische gesandten9,
bey dem Parlament gewesen.
Die Schweitzer pawren, umb Bern, Basel,
Frieburgk, Solothurn, Lucern, stärgken sich,
fordern iniqua postulata, von den Städten,
welche sich dargegen, in verfaßung stellen,
undt mit liebe, oder mit leidt, sie suchen zu bezwingen.
Jm Elsaß, sol auch, etwaß empörung vor sein.
Jn mare Mediterraneo, vagiren, die Engelländer
so wol, als die Holländer.
Der Düc de Glochester, bruder des Königs, in Engellandt,
sol auß dem haag, nacher Frangkreich, abgerayset sein.
Ein iunger Zähme, ist zu abends, extra
gewesen, wegen Kihritz guht zu handeln.
Tobias Steffeck von Kolodey ist von Ballenstedt, wiederkommen.
Dienstag♂ den 17den: May; 1653.
Martin Nickel est depeschè. Dieu le conduyse! et
reconduyse, a mon souhait, heureusement!
Secretarius Bährenreütt, ist diesen Morgen, bey
Mir gewesen, hat mir, von dem elenden statu,
zu Brehmen, bericht erstattet, undt ein
höfliches schreiben, von dannen, mittgebracht.
et cetera
Tobias Steffeck von Kolodey hat mir seltzahme sachen
referiret, 1. von dem quellenden bluht,
am Stadtgraben, an 4 orthen, zu Quedlinburg,
welches er gesehen, undt am Sonntage☉tage
aldar, in selbiger Stadt, sehr darvon
geprediget, undt die leütte zur
buße, vermahnet worden.
2. Das es wahr wehre, das auch zu
Kroppenstedt, in eines pfarrers agker,
recht bluht, wehre aufgepflüget worden.
3. Das der verstorbene Amptmann zu
|| [[Handschrift: 329r]]
Gaterschleben, Sebastian Jahn, solte bißwei-
len, herumb reittende, auf einem schwartzen gaul
sich sehen laßen. Sonderlich aber, wehre neẅlichst
ein Schäfer, von seiner wittwe angemahnet
worden, umb 200 ThalerThlr: (welche er kurtz vor Sebastians
ende, ihm richtig, auf Trawen, undt glauben
ohne quittung, außgezahlt solte haben) wie sehr
sich nun der Schäfer hingegen, vermeßen, undt
endtschuldiget, So hette alles nichts helfen
wollen, es müßte beweiß da sein. Der
Schäfer gehet hinweg, inß feldt, seüftzet
zu Gott, das er sol unschuldig leiden,
undt vor der Obrigkeitt, beklaget werden,
da kömbt ein Mann zu ihm, tröstet ihn, gehet
mit ihm, an einen pusch, darinnen brennet Sebastian
Jahr, redet mit ihm, undt gibt ihm zur<m> warzeichen,
daß er ihn bezahlet, seine Mütze, so ihm die Fraw, mitt
inß grab gegeben, zeiget ihm auch, wo er in einem buch,
solches angeschrieben, undt ahngezeichnet finden
sollte, daß er das geldt vom Schäfer bekommen,
begehret zu seiner beruhigung, man solle ihn unmolestiret
laßen hinführen. Alles hat sich also befunden. Das weib aber,
ist hartneckig, will es ungerne worth haben. Er sol sie
im Schlaff, offt sehr hart drügken, wie auch sein iüngstes
|| [[Handschrift: 329v]]
kindt, von acht iahren, das es gantz zerschmettert
sein solle. Man behtet auf den cantzeln, vor Sie,
undt daß kindt, alß ob sie das fieber hetten?
Daß grab, zu Ballenstedt, darein er geleget
worden, ist gantz unversehrt. Jch höre
ungerne solche händel, (wiewol sie sehr
fabuloß lautten, doch sehr confirmirt werden)
weil er unser Amptschreiber, vor iahren,
erstlich zu hartzgeroda, darnach zu Ballenstedt,
auch mir wol bekandt, undt in meinen diensten,
hiebevor gewesen. Gott gebe! daß keiner dem
andern, Unrecht thue, wie er beschuldiget
wirdt, mit executionen, sich übereilet
zu haben, alß er Amptmann zu Gaterßleben gewesen.
Sonst heißt es: De mortuis, et absentibus; nihil; nisj bonum!
Er sol sonst nur, eines kuhehirtten, Sohn, gewesen sein. <et cetera>
Gott bewahre vor des Sathans, illusionen!
4. Tobias Steffegk, berichtet auch, das vor ein par
Tagen, zu Gaterschleben, hindter hoym gelegen, (alda
eben itztgedachter Sebastian Jahns, Amptmann, zu der
Schwedischen zeitten, undt seidthero, bey Chur Brandeburg
gewesen!) noch gewiß die zauberinn, seye decol-
liret, undt ins Feẅer, geworfen worden, weil Sie
viel vieh getödtet, undt verzaübert, wie auch kinder behext.
Gott wolle solch ungezifer extirpiren!
Gaw ist abermal mit 4 Schiffen <undt 2 grossen kähnen>, herauf paßiret,
durch unsere Schleüse. Jch habe ihm zugesehen. Zu beklagen
ist es, das er die Schleüse, nicht wieder bawet, undt immer-
forth, mit freyen päßen, suchet unverzollt durchzupaßiren.
Diesen Morgen, paßirte ein Kayserlicher bereütter,
mit zweene hofJuden, hatten päße vom Kayser,
zwahr nicht undterschrieben, aber besigelt, item:
päße vom Louys Gonzaga, von graf Julius von
hardegk, vom General Enckefordt, zu erkauffung
Frießländischer pferde in der Grafschaft Oldenburg
undt in Ost Frießlandt, dahin sie wollten. Jch
mußte sie auch geleittefrey, zu lande, mit ihren
Oesterreichischen, und Ungrischen pferden, paßiren laßen.
Dergleichen verminderung meiner intraden, bringet
in Meiner küche, wenig ein! Patientia!
Tobias Steffeck von Kolodey habe ich wiederumb verschicktt, aber
nicht weitt, nemlich: nach Erxleben, nach meinem
Fuchß, zu sehen, undt berichtt einzubringen.
Da es dann gar schlecht bestellet. Der gaul frißt
keinen hafer, sondern nur graß mehr. Das hertz ist frisch.
Aber kein leben in schengkeln, zu empfinden. Der gaul
fället sich aller wundt, fället ein. Es schwehren
ihm, stügker fleisch, auß der hautt, Faüste groß.
Gott erbarme sich, des armen Thieres!
Sonst höret man, noch mehr greẅliche Sachen.
Jm lande zu Braunschweig, sol eine große zauberinn,
ihrer leiblichen Schwester kindt, gestohlen, ermordet,
in stügken zerhawen, undt gekocht haben. Alß nun
die Mutter des kindes, kläglich thut, undt ihr verlornes
kindt, (mit weinen, undt seüftzen,) suchen, undt nicht
finden kan, kömbt ein Mann, zu ihr, der saget,
Sie sol in ihrer Schwester küche gehen, da würde
sie ihr kindt wol finden. Die leibliche Mutter,
verwundert sich, geht doch hin, undt findet, nach
langem suchen, ihres kindes, gliedmaßen, ohnge-
fehr, in einem Topf am feẅer, sieden, undt kochen.
Zeigets, der Obrigkeitt, ahn. Dieselbige
zeücht das lose weib ein, undt schicket sie
nach Wolfenbüttel, allda sol ihr, ihr recht geschehen.
Sie sol schon bekandt haben, wenn sie hette zeitt
gehabt, ihrer Schwester kindt, so lange zu kochen,
biß die knochen vom fleisch, gefallen wehren,
wollte sie alles vieh, undt pferde, in selbigen
gegenden, getödtet haben<!> scilicet: Deo permittende!
Eine kuhe, sol hindter halberstadt, in harttem
weidelande, gantz versungken sein, daß man sie nicht
hinauß kriegen können. Lauttet Fabuloß, undt unglaublich!
Avis: daß der itzige priester zu Peißen, meinem gewesenen
Schäfer zu Zeptzigk, welcher doch luttrisch ist, undt
nur darumb, daß er eine reformirte Fraw hatt, sein
neẅgebornes kindt, durchauß nicht tauffen will,
wo Reformirte gevattern, darzu stehen? Kan der
lose pfaff (wieder das Christenthumb, wieder
die gebühr, wieder den Friedensschluß, undt
Observantz, in ehrlichen Christliebenden versam-
lungen) eines, so kan ich daß andere, undt weil
derselbige pawer, Putzmann genandt, in meinem
Territorio, zu OberPeüßen wohnhaft, will
ich einen pfarrer von unser religion, dahin
schigken, undt in seinem hause, sein kindt,
mit ruhe, undt friede, in beysein seiner
erbehtenen Taufzeügen, (wilß Gott) taüfen laßen.
Obgedachter pfaff, sol auch greẅlich lästern,
schmähen, undt debachiren, wieder unsere
wahre reformirte Religion, sonsten aber,
(wie solche clamanten, gemeiniglich zu thun
pflegen) in controversien, gar schlecht bestehen,
noch fundiret darinnen sein, daher es auch
kommen mag, das er (leichtsinniger weyse!)
hiebevor verredet, keinen reformirten mehr zu
admittiren, weil bey dergleichen gevatterschafft, im
convivio ein Reformatus disputando, ihne überwiesen.
Mittwoch☿ den 18den: May; 1653.
Hans Senf ist bey mir gewesen. Postea: Wolfgang Sutorius.
Meine Oeconomica, laßen sich, gar schwehr ahn.
Avis: das Gaw, dem Churfürsten von Sachßen,
16000 ReichsthalerRthlr: außgezahlt, vor ein Privilegium,
daß er allein den Saltzhandel, im gantzen
ChurFürstenthumb, treiben mag. Dörfte Mir
also, ahn fehrgeldt, geleitte, auch Schiffzoll,
viel abgehen, wenn er, mit freyen päßen,
undterschlaif suchen sollte?
Difficilia! quæ pulchra.10 perge
Philipp Güder, hat sich auch præsentiret.
Fürst Augustus, ist vorüber paßirt, von
Deßaw, wiederkommende.
Walwitz, hat an mich geschrieben,
sich vor die gevatterschaft, undt præsent
beko bedangkende, undt daß Fürst Johann
Casimir, meine stelle vertretten, notificiren-
de, undt sich sonderlich, zu meinen diensten,
(Gott gebe nur aufrichtig!) offerirende!
Jch habe ein scharfes, ahnzügliches schreiben,
von den dreyen herrnvettern, Fürst Augusto[,] Fürst Lud:
|| [[Handschrift: 332r]]
Fürst Johann Casimirn, undt Fürst Johannßen bekommen,
weil sie das schreiben, an Kayser, (welches ich mit
vorbehaltt, undterschrieben, undt diese abgenöh-
tigte subscription, wieder die Zerbster, welche
man sufficienter hören sollen, beklaget)
umb confirmation des landtTagsSchlußes,
aufgebrochen, undt nicht überlifert, vorge-
bende, es wehre maculiret worden?
Bitten, undt begehren, eine andere, absolute
subscription, oder, das ich nicht bey den Zerbstern,
wieder den allgemeinen <Landtags>Schluß, stehen, noch
Sie, in ihrer wiedersetzligkeitt, undt unge-
horsam, wieder Fürst Johannßen, steiffen,
undt stärgken sollen, mit vielen, unleidlichen
imputationen, welche ich aber, beantwortten muß.
Der Plötzkawischer Trompter, welcher es ge-
bracht, hat alsobaldt antworth begehret,
undt mir kaum zeitt übrig gelaßen,
die Sache recht zu lesen, viel weniger, zu
ponderiren. Jch werde mich aber, an solches
ungestümmes procedere nicht kehren, son-
dern alles, Gott, undt der zeitt, befehlen.
Donnerstag♃ den 19den: May; 1653. himmelfahrtsTag.
Jch habe viel verwirrungen gehabt, da
man doch, am heüttigen Heiligen Fest, pfleget,
mit ruhe, seiner andachtt, abzuwartten,
die herrnvettern aber, mich nicht, mit
ruhe, sein laßen können. Gott verzeyhe es jhnen!
Extra zu Mittage, den hofprediger
Menzelium, wie auch, Tobias Steffeck von Kolodey undt
die Rindtorfinn gehabtt.
Der <hofprediger> Menzelius, ist hinauß geschickt
worden, des kerlls zu Peüßen, kindt,
(so der luttrische pfaffe nicht taüffen
wollen) im hause zu taüffen.
Mal Herbe a aussy demandè, a moy, <avec instance> auiourd'huy
de moy, dès choses impertinentes, & preiüdiciables.
Guht gruß, gute antwortt, ad patruum, et
Patrueles. et cetera
Nach<vor>mittage coniunctim, in die predigtt,
des hofpredigers Menzelij; Nachmittage
cum filijs, et 4 filiabus11, in die predigtt, des
Jonij; am heüttigen FestTage.
Freitag♀ den 20ten: May; 1653.
<1 Rehe, undt 4 hasen von Ballenstedt[.]>
A spasso, da ich gesehen, daß die reiffe, so etz-
liche Nacht hero, gefallen, der blühte schaden
gethan. Die kefere haben sich zwahr verlohren.
Tobias Steffeck von Kolodey ist wiederkommen von Erxleben, dahin
ich ihn gestern abendt, abermalß verschickt
gehabt, mit 3 diehnern, zuzusehen, undt
dem Fuchß, (pro posse,) zu helfen. Er ist über
Nacht, daselbst blieben, hat den gaul biß
aufs leben, tief, heütte frühe, an den beyden
förderschengkeln, außwürgken sehen,
undt allerley referiret, wie der Schmidt,
sich gefreẅet, das er das leben, (wiewol tief)
noch wjeder gefunden, undt etwas hofnung bekommen,
item: wie er die spähne von außgewirckten
huff, in einen birnbawm gegraben, dami<undt>
wol verstopft, wie auch neẅlichst ein
groß Stügke fleisch, (als 2 Maüse anein-
ander ahnzusehen) dem gaul, auß der
einen Arschbagke geschwohren, undt unvor-
sehens, von Krosigks hunde, dem Türgken, (so
noch ein gedechtnüß, von meinem Sohn, Erdtmann
Sehligen ist) gefreßen worden vor 4 Tagen, hat ihm aber, biß dato,
|| [[Handschrift: 333v]]
nichts geschadet, dem hunde. Wie des pfarrers
von Dohndorf rauch, dem gaul, sehr gut
gethan? wieder die zauberey! wie der
gaul, wieder anfängt, haber zu freßen,
undt etwaß muht zu kriegen? wie man
billich, ein solch edel pferdt, mein leibroß,
(darauf ich mich zu verlaßen, auch im fall
der Noht, mein leib, undt leben, zu defendiren)
nicht zu verwahrlosen, undt zu verseümen,
den Segen, undt gedeyen aber, zu solcher
cur, Gott dem Allmächtigen, andächtig,
zu befehlen, undt ordentliche hülfsMittel,
nicht zu spahren! Gott lob! das es
noch nicht gar auß, mit diesem haüpt-
pferde ist! undt helfe, daß ichs ferner
gebrauchen könne! Gott der Schöpfer,
seye gelobet, undt gespeiset, in seinen
Creaturen! undt wergken seiner hände!
La mia moglie, ricommincia, le sue mer-
catantie, e navigazionj contro il parere,
di parecchi, e di me stesso, pur; che non inciampi!
Jch habe den hofmeister Einsidel, in seiner
leibesschwachheitt, undt Fieber, besuchen laßen.
Der zustandt, mag sehr krängklich sein.
Gott wolle ihn, stärgken! undt gedeyen,
zu seiner cur, geben!
Gegen abendt, bin ich, mit Meiner gemahlin,
in gartten, gegangen.
Samstag♄ den 21ten: May; 1653.
Es ist seltzam, daß zu Zeptzigk, nicht allein, in den feldern
sondern auch, im hause, undter dem Thor, Mawren, keller,
garttenwänden, sich neẅe waßerquellen, (welche
zuvorn nie gewesen) eraignen, undt den gebeẅden,
wie auch draußen, den ägkern, großen schaden zufügen.
Jn Düringhen, undt anderstwo, wie auch, im Cöhtnischen
sol eben dergleichen sich erweisen, viel verwundern
sich darüber, nennen es hu[n]gerquellen, besorgen
eine Theẅrung, oder dü[rr]e, oder prognosticiren gar,
daß es ein zeichen seye, vor dem iüngsten Tage!
Gott erscheine unß, mit gnaden! und lindere seine Strafen!
Avis: von Ballenstedt undter andern, das zu Kleinen
Germerschleben, nicht weitt, von Egeln, ein gesundt-
brunnen endtstanden, hette albereitt (dem bericht
nach) Stumme, undt lahme, gesundt gemacht, und es wehren,
viel bresthaffte leütte, alldar. Zu Quedlinburg conti-
nuirten annoch, die bluhtquellen, undt darauff gerichtete bußpredigtten.
Jch habe hofraht: Paul Ludwig[,] Jtem: den Amptmann Georg Reichardt in
importantzen, zu referiren, postea: Hans Senf bey mir
gehabtt.
Jntrighi, fastidij; ghiribizzi di Donne!
Responsum von Zerbst lamentable! Extract von Venedig,
von Fürst Friedrich[.] Der helt es, (von hören sagen), mit Milagio,
undt dem größesten hauffen, contra Zerbst, undt
glaübet, den ungerechten imputationen, sicut maior
Pars impiorum! Gott wolle die warheitt,
den interessenten, laßen in die augen scheinen!
Avisen von Erffurdt: daß der Kayser forth ist, nacher
Augspurgk, auf die wahl des Römischen Königs.
Jnterim deliberiren die ReichßStände von
den Gravaminibus, zu Regenspurg[.]
Die pawren, in der Sch[w]eitz, stellen sich, als wolten
Sie sich submittiren, di[e S]tädte, trawen ihnen aber nicht,
sondern verbiehten ihnen, alle zufuhr, von Proviant, undt
stehen, in ihrer huht, Sie, mit liebe, oder mit leidt, zu bezwingen.
Cromwell, hat das Parlament, undt den StadtRaht, zu
Londen, cassiret. Machet sich absolut. Offerirt, dem Könige
in Schottlandt, seine Tochter, mit allen dreyen Königreichen.
hat, bey der verenderung, die angekommene briefe, von
den Staaden, erbrochen. Rüstet, 150 große Orlogß-
Schiffe, auß. Der Schwedische gesandte, zu Londen, wirdt
herrlich gehalten, undt eine gewiße alliance
|| [[Handschrift: 335r]]
præsumiret, auß welcher coniunction, ihrer etzliche,
eine unüberwindtliche Macht, schließen wollen. Jedoch:
hilft keine weiheitt, kein Raht, keine Machtt,
wieder den HERRen, aller herren!
Die Stadt Brehmen, wirdt leyder! hart bedren-
get, undt geängstiget 1. durch intestina dissidia
undt erregte Mißverstände, zwischen dem Raht,
undt der Bürgerschafft. 2. Durch den Graven
von Oldenburgk, welcher, unahngesehen derselbe,
den Wehserzoll erhalten, dennoch eine große
unerschwingliche Summa geldes, noch von der armen
Stadt, zu erpreßen, begehrt. 3. Durch die Schweden,
welche ihnen das herrliche reiche Amptt Löhe,
de facto, abgenommen, undt eine Schantze dahin,
ahn die Wehser, geleget.
Jn die 80 Engelländische Schiffe, sollen sich, an den
Zeeländischen Jnseln, præsentirt haben, undt albe-
reitt, etzliche Schiffe, hinweg bekommen, weil
Admiral Tromp, noch in Texel, sich aufhelt,
undt mit außrüstung, seiner Armada, zu thun, hatt.
Die Spannischen, undt Printzischen, in Franckreich
armiren gewaltig, mit zweyen armèen,
wieder den König in Frankreich zu felde, zu gehen.
Sonntag☉ den 22ten: May; 1653.
Avis: daß hertzogk Moritzen von Sachßen
einiges Söhnlein, auch gestorben. Gott tröste
Jhre Liebden undt alle affligirten!
hertzogk Christian Ludwig, zu Zell, ist
nicht gestorben in Dennemargk, (wie man
spargiret hat) sondern rüstet sich, gar
prächtig, zu seinem hochzeittlichen Beylager.
Gott laße alles, ohne Sünde abgehen!
Jn die kirche, vormittagß, conjunctim.
Schreiben vom Obrist leutnant Micrander, welcher
von Regenspurg glügklich wiederkommen.
Der Amptmann, Georg Reichardt ist bey mir gewesen.
Nachmittags cum filijs, wieder in die kirche,
undt predigtt, des Diaconj, Jonij; et cetera[.]
Ma femme continue sès trafficqs,
croyant, que son jnterest soit prefe-
rable, a nostre dignitè, & Repütation!
Chose! a moy, tres désplaysante!
In Publicis, habe ich 6erley zu expediren bekommen.
Montag☽ den 23ten: May; 1653.
Philipp Güder ist bey mir gewesen, wie auch: Hanß Senff.
Gestern abendt, seindt 4<6> feine haüser, in München-
Neẅburgk, abgebrandt, <durch verwahrlosung eines Trunckenen
welcher einschlafende, ein licht an der wandt, anbrennen laßen!> Wahr ein großes Feẅer. perge
Gott erbarme sich, der armen leütte!
Die Leiptziger avisen, melden: daß der Kayser, undt die Churfürsten
gewiß, nach Augspurgk, forth sein, zur wahl des Römischen Königs.
Jnterim deliberiren, die hindterbliebene Stände, zu Regenspurgk.
Frangkreich, hat noch seine intestina dissidia, & bella civilia.
Düc d'Orleans, will seine Trouppen, zu den Königlichen stoßen, doch,
das Sie nicht, wieder den Printz von Condè, diehnen sollen.
Ein grave von hollach, ist Feldtmarschalck12, des Printz von Condè
undt wirbet deützsche Reütter, undt knechtte.
<General> Cromwell, hat zu Londen, das Parlament, armata
manu, cassiret, undt andere Rähte, geordnet, welche er,
Custodes libertatis Reipublicæ Anglicana, nennet. Prætendirt,
das Parlament hette sich nur, zu perpetuiren, undt eigen-
Nutz, gesuchet, nicht aber das publicum bonum. Ja Sie
hetten auch alle<viel> Potentaten, der Christenheitt, zum
kriege wieder Sie, irritiret. Er aber, undt seine
Rähte, wollten alles wieder in ruhe undt Friede setzen.
Jnterim, sein: 85 Engelländische Orlogsschiffe, in Zeelandt,
ahnkommen, undt haben 50 Fischer, auch andere kauff-
fahrer, hinweg genommen, den Commandeur Evertß, mit
seinen 18 Schiffen, veriagt, undt die coniunction, mit
|| [[Handschrift: 336v]]
dem Admiral Tromp, abgeschnitten. Dörften wol, auf
das feste landt, etwaß tentiren! Tromp, ist eben den Tag
zuvor weg gewesen, mit seiner armada, in die
200 kauffahrerSchiffe, Nordenwarttß, zu convoyiren.
Jedoch, seindt die festen Städte, undt plätze, in Holl:
undt Zeelandt, wol besetzt. Gott wolle sie bewahren!
undt ihr Schutz, undt beschirmer sein! väterlich!
Cromwell, hat ein Manifest, laßen außgehen,
darinnen er scheinbahr uhrsachen anzeücht, zu
dieser großen verenderung ihn verlaßende,
undt von Gottes nahmen, undt Ehr, gar heilig
oftermalß zu sprechen weiß. Wehre es nur
nicht heücheley, oder Scheinheiligkeitt?
Jn Dennemargk, wirbt man, helt herrenTäge,
macht neẅe ordnungen, undt fortificirt man, helsingburgk.
Jn Schweden, wirdt eine General Musterung,
nach dem allgemeinen behtTage, gehalten.
General Feldtmarschall Wrangel, undt Axel Lillie,
werden in Deützschlandt, geschicktt. Die restitu-
tion hindterPommern, sol geschloßen sein.
Jn Polen, sollen die Cosagken, etwas victorisirt
haben, undt die Tartarn, wieder an sich ziehen.
Der Fürst Ragozzi, undt der hospodar in der Moldaw,
sollen dem Chmielinsky, assistiren, undt albereitt den
|| [[Handschrift: 337r]]
Hoßpodar, in der Wallachey13, von land undt leütten,
vertrieben haben, also: daß derselbe sich, in Polen hat kaum
salviren können, undt man hat ihn doch nicht, in die
Festung Caminiec Podolsky, einlaßen wollen, damit
man nicht daselbst, ungelegenheitt, umb seinentwillen,
zu gewartten hette. Der König in Polen, will abermals
zu felde, in der person, ziehen.
Die Türgken, rüsten sich gewaltig in Dalmatia,
wieder die venezianer. hingegen, sollen die Baschen von
Alepo, undt Cypern14, rebelliren. Wollen der itzigen
Türckischen regierung, nicht pariren, Sondern selbst ihre
provintzien, guberniren, biß der Türckische Kayser, Mündig
werden wirdt, undt solcher gestaltt, ihme den gehorsam
reserviren, undt vorbehalten.
Die Schweden halten die Stadt Brehmen, fast wie
blocquirt. Vorenthalten das schöne Amptt die Liehe[,]
befestigen sich an der Wehser. Graf Gustavus,
will dem Kayserlichen mandat, wegen restitution des
Capitulj Bremensis kein genügen thun.
Jn der festung Roses, an den Spannischen gräntzen,
haben die Frantzosen, eine Conspiration entdegktt,
undt die Thäter, stranguliren laßen.
Der Conte d'Oignon, hat Rochelle, dem Könige in Frankreich
mit dem gantzen gouvernement, übergeben, unerachtet, daß
ihme dargegen, der Prince de Condè, 600000 Gulden (florenus)f. offeriret.
Die Schweitzer pawren, seindt noch rebellisch. Sie
stellen sich zwahr ahn, alß wolten sie sich sub-
mittiren. Tractiren aber hartt, die leütte, so
bey jhnen, durchraysen, undt fordern iniqua postulata!
Jn kurtzen, wirdt sichs außweisen, wie mit ihnen,
in lieb, oder leydt, zu rechte zu kommen?
Conte de la Süze, ist gantz Printzisch. perge
Heütte zu Mittage, hat sich das schöneste, undter
den fohlen, von der langen Schweißfüchßichten
Stuhte, in ihrer Mutter, heftzügel, oder halfter,
stranguliret, alß die Stallpursche, beym
eßen, gewesen. Jst schade! undt unglügk! Patientia!
Nachmittages, bin ich hinauß spatziren
geritten, allhier, undt zu Zeptzigk, auf meine felder,
den segen Gottes, zu betrachten. perge <Aufn abendt
in gartten, avec
Madame.>
Dienstag♂ den 24ten: May; 1653.
Jch bin, bey dem examine Carolj Ursinj, <vor: undt Nachmittags> gewesen.
Gott mehre ihm, seine Profectus!
Disturbj, havutj hoggidì! Jddîo, cj salvj!
Nachmittagß, ist ein stargker windt endtstanden,
hat aber nicht lange gewähret.
Tobias Steffeck von Kolodey ist nach Erxleben zum Fuchß, geritten,
undt hat nach deme, den krangken hofmeister
Einsidel, wiederumb besuchtt, per se; & meo nomine!
|| [[Handschrift: 338r]]
Der gute hofmeister Einsidel, ist sehr krangk, Gott wolle
ihn trösten! undt stärgken! Mit dem pferde, ist auch
noch zur zeitt, schlechte beßerung, zu sehen. Gott beßere es!
Post, undt Victualien von Ballenstedt, bekommen.
Mittwoch☿ den 25ten: May; 1653.
Jn die kirche, coniunctim! der wochenpredigt beyzuwohnen.
Extra zu Mittage, den Hofprediger, Mencelium, gehabtt.
Martin Nickel jst wiederkommen, mit dilatorischer antworth.
Philipp Güder, wirdt abgefertiget, nacher Deßaw, zu den weinpfählen.
mit Oberlender. Gott gebe zu glügk!
heütte Nachmittag, leßt Christof Bärnreütt,
mein Secretarius, seinen erstgebornen Sohn, taüffen.
Gott gebe zu segen, undt guter ordnung! On dit,
qu'il n'a que 33 ou 34 semaines, et qu'il est trop tempre!
Laßet alles ordentlich, undt fein zugehen!
Avis: daß (über verhoffen, undt vorigen berichtt)
Mein allter bekandter, Graf Friederich Casimir,
von Ortemburgk noch leben soll. Man gibt
ihm iährlich 1000 ReichsthalerRthlr:<Gülden> zu seinem undterhalt.
Er sol kümmerlich leben, undt seine übrige
schöne intraden, sollen ihm von seinen creditoren,
(auf befehl des Kaysers, undt des Churfürsten
von Bayern,) alle sequestriret sein. Patientia!
et cetera
Donnerstag♃ den 26ten: May; 1653.
Jch habe justitziensachen, mit dem Amptmann Georg Reichardt zu bestellen
gehabtt, Jtem: die Bawfuhren, undt anders.
Geschrieben, nacher Paris, an Monsieur Drelincourt, undt
nacher Loudün, an Adolf von Börstel. Gott gebe succeß!
Mit Madame, bin ich in gartten spatzirt.
Philipp Güder, undt Oberlender, seindt mitt 10000
weinpfählen, auß dem Deßawischen Forst, ahnkommen.
Victualien, undt Rehebogk von Ballenstedt.
Jch bin hinauß geritten, post preces matutinas, die
weinberge, undt eintheilung der weinpfähle, in
Augenschein zu nehmen. Gott gebe darzu reichen Segen! <Postea: habe ich den Hofmeister Einsidel, in seinem
Siechbette, besuchtt, undt ihn sehr Matt: undt kraftloß,
aber auch Christlich, befunden. Gott wolle ihn trösten! undt stärgken!>
J'ay songè ce mattin, d'avoir estè averty, par Caspar Pfaw,
comme l'Empereur auroit indiquè, üne grande disgrace,
au Prince Auguste, & a tous ceulx de nostre mayson,
sür tout contre ma Personne, a cause de nos se-
parations, & desünions! & qu'en ün clin d'œil,
nous estions sür le poinct, de tout perdre!
Mais, ce n'est encores, qu'ün songe! ou mensonge!
Alß ich heütte, in den weinbergen, spatzirte, fand ich undter
andern einen reben im Zigelberge, in welchem 108 traüblein
gezehlet wahren, weißer weintrauben, heünisch gewächß,
Gott wolle es gesegenen! undt alles mitteinander, unß
wol genießen, undt gedeyen laßen! Die kefer, haben zwahr,
zimlichen schaden gethan, iedoch hoft man, es noch zu verwinden,
ob Gott will!
Diesen Morgen, hat es abermal gereifft, wie es
schon etzliche Mahl, gethan.
Es kommen fast alle Tage, ia oftermals, in einem Tage,
2 oder 3 parthien, so auß andern provintzien, unserß
Deützschlandes, zu reparirung, ihrer verödeten, v<z>er-
stöhrten, oder abgebrandten kirchen, das Allmosen, undt
umb eine beysteẅer bitten, bringen auch Testimonia
mitt, von ihren Herrschaften, ohne waß andere
exulanten, verarmte leütte, undt theilß Türckische
gefangene importune sollicitiren, undt bitten.
Es will des bettelns, undt gebens, solcher gestaltt,
kein maß, noch ende werden. Gott gebe unß nur
gnedige Mittel, zur hülfreichen continuation,
undt das unsere <eigene> kirchen, undt Hospitäler,
wie auch Schulen, undt Gottshaüser, mögen repa-
riret, undt wieder erbawet werden. Wer?
undt waß? gibt man aber darzu? Leider! wenig,
undt die Christliche liebe, vieler Neben Christen,
gegen ihre benachtbahrte, ist sehr erkaltet, oder gar verloschen!
Meine herzlieb(st)e gemahlin, ist nachmittagß, hinauß spatziren
gefahren, zur zigelscheüne, undt Victor hat mitt-
reitten müßen.
Avis: daß hertzogk Christian von Mecklenburg von Re-
genspurgk wiederkommen, zu Deßaw, angelanget,
undt des Kaysers gnade, auch gute expedition, sehr
gerühmet. Er dörfte eine zeitlang, im Fürstenthumb verbleiben.
Johann Esche de Wallwitz fait le restif, envers Madame; et ne veut point
aller a Dresen[!], trouvant des excüses, & dès eschappatoires,
quj me dèsplaysent. Le monde d'aujourd'huy, n'a pas
l'obbeissance dü Monde ancien, nj mesme de celuy,
que j'ay cognü, il y a 30 ou 40 ans. Et sür tout
les Nobles, & autres qui veülent paroistre, par
dessüs le vülgaire, scavent pallier, leur oultre-
cuidance, ou desreiglemens, par üne voye inüsitèe,
croyans, que leur condition, les mette, en estat,
si non èsgal a leur Prince, au moins, peü moindre,
& tel, qu'ils puissent faire, ce quj leur plaist,
sans se soucier gueres, de la volontè de leurs Süpe-
rieurs, ni de leurs Commandemens, voire, si on
ne leur commande a leur fantasie, dès choses,
a eulx aggreables, ils osent bien dire: Je ne suis
point ün esclave, ie suis noble, ie suis Conseiller,
ie suis Officier, & ainsy, ün chascün, contrefait le Maistre!
Die Krosigkin, von Erxleben, ist auch herkommen.
Überlauf, von gefangenen Polnischen vom Adel, so in der Tartarey
sitzen, undt mit weib, undt kindt, pro: 800 ReichsthalerRthlr: sich rantzioniren sollen.
Man gibt billich, auß Christlicher liebe, undt Theilet mitt, pro posse.
Schreiben, undt Victualien, von Ballenstedt. et cetera
Samstag♄ den 28ten: May; 1653.
Gaw, leßet heütte wiederumb, 6 Schiffe
mit Saltz beladen, frey durchpaßiren, undterm vor-
wandt, alß stünden Sie, dem Churfürsten von Sachßen, ei-
genthümblich zu, in seinen vorrath, nach Dreßen[!],
undt haben fein, darauff einen paß, vom Admi-
nistratore zu Halle.
A spasso, in schönem wetter, da der Regen, wol
zu wüntzschen, wenn es Gottes wille wehre?
Tobias Steffeck von Kolodey ist abermals zu Erxleben gewesen, den
wunderlichen zustandt, meines Fuchß, erzehlende.
Gott beßere, alle contrarieteten!
Schreiben, von Thomaß Benckendorf, daß ihn Gott
wunderbahrlich, in ein schönes kastnerAmptt, nacher
Cotbuß, beruffen, undt daß es ihm, noch wol ergehe. Jn
meinen desiderijs, gehet es schläferig zu bey ChurBrandenburg
combien que l'Electrice Douairiere, me vueille dü bien!
Landgraf Wilhelm von heßen, undt dero ge-
mahlin, seindt in der Margk, undt wollen zum
Berlin, die Pfingsten halten, Gott gesegene Jhre Liebden Liebden!
Avis: das Augustin Banße, (so hiebevorn zu
Ballenstedt, mein copiist, nachgehends aber, Ampt-
schreiber alldar, in meinen diensten gewesen) mit
Todt abgegangen. Gott genade ihm! Er war zwahr
from, undt stille, aber ich habe doch, schlechte ehre,
undt schlechten Nutzen, von seinen diensten, gehabt.
Er mag numehr ruhen! Mors omnia solvit!
Sonntag☉ den 29ten: May 1653. <Pfingsten.>
Am heüttigen PfingstFest, coniunctim zur
kirche. Gott vermehre, undt breitte über unß
auß, ie mehr, undt mehr, Seines Heiligen Geistes, gaben!
Er gebe unß auch, einen gnedigen regen! undt Segen!
Na Extra zu Mittage, die Rindtorfinn, undt Tobias Steffeck von Kolodey[.]
Nachmittagß, wieder conjunctim, zur kirche, da
abermal der hofprediger Mencelius, eine schöne
predigtt, so wol, alß vormittagß, gethan. et cetera
Gott bekehre die irrenden! undt erleüchte
Sie, mit seinem Heiligen Geist, zur warheitt!
Nota Bene Nota Bene[:] preghiere calde, per non concedere l'apertura
del corpo, quando sarà passato, (si come sj teme<!>)
all'altra Vita, in un batter d'occhio, i quali pensieri, mj
fanno paura, che derivino d'una diffidenza, non necessaria! et cetera
Jddîo schifi tal diffidenze e cattivi pensierj!
Montag☽ den 30ten: May; 1653. Pfingstmontag.
J'ay songè d'avoir perdü, üne quantitè d'argent, en
chemin, revenant d'ün voyage lointain. Mes poches
& bources, auroyent eü dés pertuis. Et Röder
descendant dü carosse, & voyant les Dücats, ès-
parpillèz au chemin, m'en auroit rapportè aulcüns,
et cerchè[!] les autres. Oberlender, auroit dit:
On a tant de peine, a acquerir de l'argent,
et l'on le perd si legerement, so liederlich.
J'eüsse prins, en bonne part, ceste correction!
et fait cercher[!] le reste, qui estoit bien plüs,
que ce, que j'aurois recouvert[!]. Le Conte de Schlick
(defünct) auroit dit: Que voulèz vous faire en
France? ce voyage vous sera infrüctueux, et
mon Empereur, s'en formalisera. J'eüsse reparty:
Voire! i'y ay dès bonnes pretensions. Mais mon
argent est perdü. Il m'est bien jnterdit, d'aller en
France, ou en ün grand Voyage! J'eüsse fort
prisè, la fidelitè de Röder, d'Oberlender & de ceux, quj
m'auroyent admonestè encores de la perte de mon
argent, autrement, j'eüsse tout perdü, sans y penser,
& les paysans, ou aultres passans, l'auroyent enlevè.
Vormittagß conjunctim, in die kirche, da dann
der hofprediger Menzelius, den Text: Johannes 3 Also
hat Gott die weltt geliebet, etcetera15 außf der
maßen schön außgeleget. Gott erbawe die verstogkten!
Extra zu Mittage, die Rindtorfinn, gehabtt,
Jtem: Tobias Steffeck von Kolodey[,] den Bürgermeister Weylandt, undt
den Hofprediger
Schreiben, von Caspar Pfawen, Sohn, dem itzigen
Amptmann zu Gernroda, von seiner Gohtischen
verrichtung, welche entredeux gewesen, Mir aber,
keinen Nutzen gebrachtt.
Nachmittags, mit beyden Söhnen, undt mit denen
beyden mittelsten Töchtern, wiederumb in die kirche,
da dann, der Diaconus Jonius, seine pfingstpredigt, abgeleget.
Daß der Kayser, durch niederkunft der Kayserinn
mit einem iungen Printzen16, abermalß, erfreẅet
undt gesegenet worden. Gott stärgke! undt erhalte!
Die wahl, des Römischen Königes, gehet zu
Augspurgk, forth.
Die pawren in der Schweitz, rebelliren stargk,
haben Arburgk ejngenommen, Bern belägert,
die interposition, des Königlichen Frantzösischen gesandten rejicirt,
undt stellen sich zwahr, zun Tractaten, nicht abgeneigt.
Die beyden Currirer, auß Schweden, seindt wieder
zum Kayser, mit großer satißfaction, wiederkommen.
Die Königinn, hat sich, zu allem gutem, erbotten, wie
es Jhre Kayserliche Mayestät begehret, undt hat die
Kayserlichen currirer, frey gehalten, begnadiget,
undt beschengket.
General Cromwell, dominirt, mit seinen Neẅen
Decemviris, (so Officirer, von seiner armèe sein sollen)
nach belieben, in Engellandt. Jn dem Admiral
Tromp, die Nordfahrer kaufleütte, convoyiret,
haben die Engelländer, ihren fortheil ersehen,
undt mit 85 Schiffen, der Staaden landt, geschreckt,
Fischer in Zeelandt, hinweggenommen, undt sonsten
schaden gethan. Es scheinet, es seyen wieder Tractaten
obhanden, wiewol keine, von den Vereinigten
Provintzien, als hollandt alleine lußt darzu hatt.
Jn Frangkreich, continuiren, die motus intestinj!
Zu venedig, ist die forcht groß vor dem Türckischen
gewaltt. Gleichwol, leßet mans auch, an gegenwehre,
undt gehöriger gegenverfaßung, nicht ermangeln.
Der Fürst Ragozzi, sol den Hoßpodar auß der
Wallachey17, etzliche schreiben auß der Moldaw,
veriaget, undt vertrieben haben, auf befehl des
Türgkischen Kayserß, wegen seiner Tiranney,
undt anderer geklagten unthaten.
Die Cosagken, undt Tartarn, stärgken sich
wieder Polen, undt gehen mit parthien, stargk
aufeinander, da baldt diese, baldt iehne obsiegen.
Zu Dantzigk, seindt zweene lottringher,
iustificiret worden, wegen geprägter falscher Müntze,
dergleichen handtwergk, Sie auch in Schweden getrieben
haben sollen.
Jedermann verlanget, nach einem gnedigen Regen,
undt eruickung, des letzenden erdtreichß,
(welches nur, eine halbe erndte, geben dörffte,
wenn der regen, noch wenig Tage, außen bliebe!)
wir haben darumb, heimlich, undt offentlich,
gebehtet. Gott wolle unß erhören! undt
die auftziehende wolgken, wie etzliche
Tage hero, geschehen, nicht vorüber ziehen laßen!
Zu Abendts, bey Mir gehabt, den Caplan Ionium,
welcher auch extra geblieben, neben Fraw Helena
undt Tobias Steffeck von Kolodey[.]
Es hat ein klein wenig geregenet, Gott lob! Der
wolle seinen Segen, gnediglich vermehren!
Dienstag♂ den 31. May; 1653.
Tobias Steffeck von Kolodey ist heütte nacher Ballenstedt. Gott geleitte
ihn! undt gesegene seine expeditiones! a mon profit!
Der Stadtvogtt, ist bey mir gewesen. Klaget über
die refractarios, in der Stadt, wegen der fuhren, zum Tamm.
Sie opponiren sich, zu ihrem eigenem verderben.
Martin Nickel ablegirt, á Cölln & Crossen[.]
Schreiben, vom Thomas Benckendorf perge per Doctorem Mechovium.
Meine Söhne, undt Töchter, seindt auf der Sahle,
Nachmittags, spatziren gefahren, sich zu recreiren.
Unahngesehen des verbotts, daß man kein pfingst-
bier, undt üppigkeitt, halten, undt treiben
solle, lauffen doch, knechte, undt Mägde, auf
die dörfer, undt Trotzen ihre herren. perge
Viel vermeinen, der heüttige, seye der
dritte pfingst FeyerTag, an deme man
Sauffen, schwelgen, spatziren gehen
müße, undt nichts thun dörffe!
Der Gaw, ist einmahl erschienen,
hat sich viel erbotten, wegen seiner
Schiffarth, aber in der That, ists nichts.
Gott gebe! das er nur die Schleüse, aufs
wenigste wieder bawe! heütte kommen wieder
4 Freye Schiffe ahn. Er muß sich, verreversiren. etcetera etcetera etcetera
Jch bin mit Meiner herzlieb(st)en gemahlin Liebden hinauß gefahren,
auf unsere breitten allhier, undt bey Zeptzigk,
der regen (wie schön es sich auch überzeüchtt,)
will gar nicht herab fließen, sondern
tröpfelt nur gar eintzeln. Gott wolle
mit seinem gnaden Thaw, unß nicht verlaßen!
