Dienstag♂ den 1. November 1653.
<Wind, Regen, Schnee!>
Jn den gesterigen avisen, stunde auch, von den
Banditen, daß sie sich, im Königreich Napolj,
sehr verstärgken, wie auch, in Abbruzzo,
unerachtet der ViceRè, etzliche haüpter,
undter ihnen, justificiren laßen. Man höret
auch sonsten, von schrecklichen Mord' undt untha-
ten, wiederumb, in selbigen landen, wie
auch aufm hartz, auf dem Radegaster Tham1,
undt in unserer Nachtbarschaft, auch hin:
undt wieder, auf den Straßen. Gott der
Allmächtige, wolle allem unheyl, wehren, insonder-
heitt aber, meinen lieben Sohn, Victorem Amedeum,
vor aller gefahr, gnediglich! undt väterlich, be-
hüten! beschützen! und beschirmen! Jch weiß
nicht, wie Mir, mein hertz, so schwehr ist,
über ihm, undt das ich so gar keine Nach-
richtung, diese Post, von ihm, bekommen mögen!
Ach Gott! bewahre ihn, ach Gott! tröste ihn!
Ach Gott errette ihn! laß deine Heiligen Engel eine
Feẅrige wagenburgk, umb ihn hehr sein!
das ihn ia nicht, der Engel, des verderbens, möge antasten!
|| [[Handschrift: 64r]]
Ach herr! schone, ach herre! seye gnedig, du Vatter der
Barmhertzigkeitt, undt alles Trostes, auß gnaden!
umb dein selbst, undt deines eingeliebten Sohnes,
willen! in kraft des Heiligen Geistes, Amen! Amen! Amen! perge
Hanß Senff, ist bey Mir, gewesen.
Postea: der Amptmann Reichardt, zu referiren.
Nachmittagß, hat Koppe, mit Krausen Tochter, allhier
zu Bernburgk, hochzeitt gehalten, darhin theilß
unserer Jungfern, undt Junckern, gegangen. Gott gebe! zu Segen! perge
Gebhardt Pariß, von dem Werder, hat sich præ-
sentiret, undt von dem prächtigen beylager, zu
Zelle, referiret, ist darnach, wieder forth, nach Biendorf, <auch
auf ein kindtTaüffen.>
Der Buchbinder, Christof Carll, ist auß Hollandt,
wiederkommen, mit vielen briefen, so doch wenig
in recessu, haben. perge La fortüne; se lasse de moy; par tout.
Jn die kirche, mit Carolo Ursino, am heüttigen
behtTage. <Apres cela; i'ay leü, & conversè.>
Extra zu Mittage, den hofprediger, Ern Mencelium
gehabt, undt zur Audientz, admittirt.
Ein schreiben, auß Hanover, vom herrn von Schrohtem-
bach, bekommen, durch des verstorbenen Obersten
Meüsenholdt Sohn, den er mir recommendiret.
Eine Relation, de Numero 48 ist wiederumb, auß Regensburg ankommen.
Donnerstag♃ den 3. November 1653.
<Regen.>
Jch habe den Amptmann, Geörge Richardt, be Mir ge-
habt, ordinanda zu ordiniren, vor: undt nachmittags.
Der Strakin Tochter hochzeitt<Fest>, hat heütte, ein ende,
Gott gebe jhnen, seinen Segen.
Christoph Carl ist abermalß bey mir gewesen, zu referiren,
von seiner holländischen rayße et cetera
Carolj Ursinj, neẅem pagen, undt Cammerdiehner,
welchen der Freyherr von Schrahtembach, wol recommen-
dirt, ist heütte, durch den hofmeister Sekerka, vor-
haltung geschehen, undt der handStreich, von ihme,
durch Sekerka, genommen worden, treẅ, holdt, fleißig,
undt unverdroßen zu sein etcetera Gott gebe darzu,
glück! gnade! undt Segen! er heißt: Ludwig
Heinrich, von Meüßenholt, des Obersten Sehligen Sohn,
hat noch zweene brüder, einen Elltern, undt einen
iüngern. Er, vor seine person, ist 21 iahr altt.
Mein Ludwig Röber, ist auch gestern wieder
ahngetretten, seinen würgklichen Cammer-
dienst, ferner zu continuiren, undt sein
Ackerwergk, zu Palbergk, einem andern, zu überlaßen.
Gott gebe mir auch, darzu, glück! undt Segen!
Hanß von Bergen, der gewesene contributions Einnehmer,
hat sich auch, (Gott lob!) wieder eingefunden, nachdem
ihn eine Magd, umb 70 ThalerThlr: bestohlen, undt betrogen,
|| [[Handschrift: 65r]]
die er vergebens verfolget, dieweil sie entsprungen,
undt in ein Päbstisches kloster gelauffen, dahin man Sie,
(alß in einem asylo nequitiæ) nicht verfolgen dörffen.
<4 hasen, Abraham von Rindtorf einbracht[.]>
Secretarius Bährenreütt, ist bey mir gewesen,
so wol in publicis, alß in Cantzeleysachen, zu
referiren, und zu expediren.
Jch werde auß hollandt, avisiret:
Daß die Engelländer 225 Schiffe, zum kriege, in die
See, bringen, undt [80]000 Mann, zu Roß, undt Fuß,
beysammen haben. Zur un[dt]erhaltung einer solchen
großen, formidabeln Machtt, nimbt Cromwell undt
sein Parlament, alle zehenden der Geistlichen,
zusampt, 2⁄3 derselben orinarintraden, es
mag ihnen nun, lieb, oder leid sein. Jtem: das
land muß noch eins so hoch, als vorm iahre, con-
tribuiren. Wer zuvor 5 Pfund (libra)℔ Sterlings gegeben,
gibt an itzo, 10 Pfund (libra)℔ und so fortahn, nach Advenant.
Die confiscirten Königlichen, undt andere<derer so Königisch sein> gühter,
werden auch, zum kriege angewendet,
wie inngleichem die bona caduca, undt andere
confiscationes, der Delinquenten. Sie haben
70 OrlogsSchiffe, nach dem Sunde, undt nach Norwegen zu,
geschigkt den eingelauffenen OostJndianischen Staadischen Schiffen
|| [[Handschrift: 65v]]
(welche 20 millionen, reich sein sollen) aufzupaßen.
hingegen, offeriren sich die Schotten, eine armèe von
30000 Mann, in das Feldt zu bringen, vor den König,
undt vor die Staaden, undt dadurch, eine diversion zu
machen, wann ihnen nur 80000 gülden, köndten bahr
gelifert, und vorgeschoßen werden. Die Provintz
Gelderlandt, incliniret darzu, undt will
man sol den krieg offensive & defensive
wieder Engelland, (gleich wie man wieder
Spannien, gethan), mit er[n]st, führen, allein
die andern Provintzien, sonderlich Hollandt,
dißentiren, undt laviren zu ihrem schaden.
Der neẅe Admiral General, herr von Opdam,
ist, wegen seines vermögens, undt Freündschaft,
Admiral worden, vornehmlich darumb, weil
sich, die ViceAdmirallen, Jan Everts, Witte Wittens,
und Ruyter, einen von dem andern, nicht comman-
diren laßen wollen. Sonst sol er, in dem See-
kriege, gantz unerfahren sein. Er kömpt
von den herren von Waßenaer hehr.
Printz Moritz von Naßaw, Churfürstlicher Stadhalter
zu Cleve, guberniret daselbst, und bekümmert
sich umb die Staadische Admiralschafft nicht.
Die Princesse Royalle, bleibet bey ihrem Sohn, und
will noch von keiner andern heyrath hören.
Die unerkendtligkeitt etzlicher Niederlender, gegen
daß hauß Uranien, undt Naßaw, ist sehr groß.
Die gewesene Königinn in Böhmen, ist noch im haag,
bleibet viel schuldig, und leidet große noth.
Kan nicht wol nach heidelbergk ziehen, dahin sie ihr
herr Sohn, der Churfürst invitiret, weil er ihr
keine geldmittel zu dero undterhalt verschaffen
kan. hingegen, wollen sie, ihre creditores, ehe sie
befriediget, nicht hinweg laßen, undt die subsidia
auß Engellandt, bleiben außen, weil Sie sich
dem Cromwell, undt dem Neẅen Parlament nicht
submittiren will, noch kan. Gott wolle ihr helfen!
Pfaltzgraf Ruprechtt, hat zweene Monat,
nacheinander, die rohte ruhr gehabt, undt
ist sterbekrangk darahn, darnider gelegen,
zu Nantes, dennoch, hat ihm Gott, wieder
aufgeholfen. Er hat seine prisen verkauft,
darinnen ihn, seine Engelländer denen er ge-
trawet, iämmerlich betrogen, undt verführet.
Muß an itzo, noht leiden, wegen vieler, so von ihm fordern.
Pfaltzgraf Moritz leben, wirdt von etzlichen in zweifel
gezogen, wehre wol schade, wann er schon versawern sollte?
Zwischen Frankreich und den Staaden gibt es langsahme tractaten.
Des Obersten Schnetters Todt, vor Maestricht,
wirdt hoch, vom hertzogk von Lottringhen, entpfunden.
Mit Magistro Mencelio, Jtem: mit Wallwitz, conferiret.
Risposta von Deßaw, bekommen, in Publicis, & Privatis.
1. wegen der Wittumbsverschreibung. 2. wegen
des Gymnasij zu Zerbst, undt der Communitet aldar.
3. wegen der landschaft bedengken, zur Vechtischen,
undt Lotthringischen Contribution, wie auch, des
vorseyenden außschußTages.
Jch habe den Amptmann, wie auch Philipp Güder,
in der Märtin Nickelschen sache, vernommen.
Es scheinet numehr, Sie wolle sich, submittiren.
Gott gebe, zur beßerung!
Der bohte von hanover, Tegklenburgk,
undt haerderwyck hat sich auch wieder
eingestellet, mit briefen. speranze vane!
Meines vettern, graf Moritz zu Tegklenburg gemahlin,
ist wiederumb, eines iungen Sohnes, gelegen.
Gott wolle ihn fristen, segenen! und erhalten!
Unsers brawers weib, ist alhier, aufm
Schloß, unversehens, durch einen zufall, mit
einer zu frühe zeittigen, geburt, 2 zwillinge
und Megdlein, niederkommen, am Montag perge <heütte, ist eines gestorben.>
<Regen.>
Schreiben vom Obristleutnant Micrander, von Sanderßleben perge
Oeconomica vorgehabt, rechnungssachen, undt
dergleichen.
Geschrieben, ins Niederlandt. Dieu me
face ünefois trouver; ce; que je recerche!
Aspettar, e non venir. Star in letto; e non dormir,
Servir! e non aggradir! Sono tre cose; da morir!
Geörge heinrich, von Biedersehe, mein gewe-
sener page hiebevor, welcher etzliche iahr hero,
Chur Brandenburgischer undter dero leibguardy, ge-
diehnet, und abgedangkt neẅlich worden,
hat sich præsentiret. Dieu vueille! qu'il
ne soit chargè de sang! & entaschè, en sa conscience!
<Regen. Trübe.>
Der Superintendens <Plato>, hat hieroben, auf dem Sahl,
geprediget, und darnach, mir zugesprochen.
Darnach, ist er, extra behalten worden,
wie auch der Bidersehe.
Nachmittagß, cum filio Carolo Ursino, zur kirche,
undt nachmittagspredigtt, Ern jonij.
Landrentereyrechnungen, seindt eingeschicktt
worden.
Montag☽ den 7. November 1653.
<Regen. Trübe. Nebelicht.>
Cornelius, von der Locht, eines Juris Consultj in Leyden Sohn,
(wie er saget) hat sich bey mir præsentiret. Will
nach Napolj, zu seinem vetter, raysen. Bittet
umb zehrung, weil ihme der paß wechßel
außgeblieben, und er einen andern, zu Leiptzigk
erheben soll. Er weiß viel, von den Spannischen
Niederlanden, vom Brüßelischen hofe, vom
Ertzhertzoge, von dem hertzoge von Lottringhen,
vom Prince de Condè, undt den Spannischen kriegen,
zu schwatzen. Jch habe ihn wol abgefertiget.
Gott gebe! daß er, kein impostor seye!
Hanß Senff, bey Mir gehabt. Er hat des
kornschreibers, Wolfgangs Sutorij, verwirrete rech-
nungen, einzurichten, viel mühe, undt arbeitt.
Jch habe heütte frühe, einzuschreiben vergeßen,
wie ich ein Somnium gehabt, als ob ich mit
meinem v herrnvatter, in einem schönen gartten,
auf einer bahne, wie zu Deßaw gewesen, spazirt
und dißcuriret, vom grafen von hollach,
gewesenem general in Böhmen, daß derselbe
verständig, und von großen qualiteten, aber
doch allzu nachdengklich, undt irresolut gewesen
|| [[Handschrift: 68r]]
und es dauchte mir, der herrvatter (Sehlig) nahme
es übel auf, und wardt ialoux darüber, das
ich gedachten graven allzusehr lobete. Jn dem
kahmen 3 zimliche Stügkkugeln, von unbe-
wußten orthen, umb unß herumb, nieder-
fallende, daher geflogen. Jn solcher ver-
meinten gefahr, erwachte ich. perge
<etwas windt.>
Schreiben, von meinem lieben, gehorsahmen Sohn,
Viktor Amadeus Fürst zu Anhalt und seinem Ephoro, auß Augspurgk
mit freẅden, entpfangen. Gott gebe ferner
glügk! Segen! undt succeß! zu ihrer ange-
fangenen rayse, undt geleitte Meinen Sohn,
durch seine Heilige liebe Engel, auf wegen,
undt stehgen! gnediglich, undt väterlich!
Doctor Fischern, undt den Caplan jonium extra gehabt,
zu Mittage.
Nachmittage, ist Jehna, vndt Paulus Ludwig, alßa meine Rähte, und Commißarien,
von Ballenstedt, wiederkommen.
Discorsj, mit Sekerka, Doctor Fischern, Ionio, und andern,
successive, gehabtt, in diversis rebus.
Avisen geben: daß Kayserliche Mayestät lange krangk
gewesen, endlich aber, (Gott lob,) beßer worden,
undt die Deliberationes forthstellen, zu Regenßpurg.
Der Römische König recreirt sich, mit Jagtten,
undt weydwergk.
Mit Lottringhen, gibt es, neẅe händel.
Die 100 RömerMonat, sollen dem Kayser, bewilli-
get sein.
Dem Könige, in Engellandt, geschicht auch, ein
subsidium charitativum, weil der secours abgeschlagen.
Jn der Schweitz, gibt es neẅe motus weil
sich, die rebellen, wiederumb regen, undt die
Frantzosen auß Briesach, ihren alliirten, der
Stadt Mülhausen, zusetzen.
Ein Currier, ist zu Pariß, von Regenspurg
ankommen, welcher suchet, die erhebung, der
3 millionen, jm nahmen, der Ertzhertzogen
von Jnspruck, vorß Elsaß.
Die Kayserinn Eleonora, und die Archiduces
zu Wien, haben Seelmeßen zu Wien, gehalten,
mit großer magnificentz, vor die abgestor-
benen, auß dem hause Oesterreich.
Königs in Frankreich armèe, ist, vor Saint Menehoud, gegangen.
|| [[Handschrift: 69r]]
Die Spannischen hingegen, wiederumb, vor Mouzon.
Zu Bourdeaux, regirt die pest. Die Starcke Spannische
Flotte, lieget noch, in der Garomne, sie incommodirende.
Die hertzogin, von Longueville, ist, mit ihrem herren,
wieder außgesöhnet. Die Staaden tractiren mit Frankreich[.]
Prince de Condè, sol krangk sein. Die von der
Religion, sollen sich in Vivarets, dem Könige, accom-
modiret, undt die waffen, niedergeleget haben.
Jn die 43 personen, sol man zu Pariß, exequiren,
weil Sie, wieden den Cardinal Mazzarinj conspirirt.
Der Pabst, macht neẅe Cardinäle. Wil nicht
haben, das Sie von frembden Königen, und Fürsten,
mehr dependiren, noch pensionen nehmen sollen. Er
will auch, neẅe ordnungen machen, wegen des Pabsts Wahl.
Die Napolitanischen Banditen, mehren sich, in Abbruzzo.
Der Conte d'Ognatè, sol disgraciiret, in Spannien
beruffen, undt ein anderer ViceRè, installiret werden.
Jn Dalmatia, bawen die Türgken, eine festung,
gegen Zara, über, solche feste Stadt, zu übermeistern.
General Foscolo, leßet sich, curiren. Die Malthe-
ser, seindt disgustiret, mit ihren galleren, nach hauße
gefahren, weil sie, in der Jnsel Malvasia, fechtende,
übel secundiret worden. Jm Königreich Candia
spielen die Türgken, den Meister, undt armiren, per mar, e per
|| [[Handschrift: 69v]]
terra, gegen das voriahr.
Jn Pohlen, lieget der König, unferne von Soczaw.
Der große Cham[!], ist im anzuge, es zu endtsetzen.
Die Cosagken, haben es wollen aufgeben, die
alte Hospodarinn aber, hat sie, mit ge-
schengken, (einem ieglichen Soldaten, zu
8[,] zu 9 bis 10 ReichsthalerRthlr: verehrende) noch
eine zeitlang, gestillet.
Jn China, sollen die Tartarn, durch ver-
rähterey der Chinesen selbst, eingebrochen
sein, den Meister spielen, und ihren König2
(welcher vor wenig iahren, ein Christ
worden, undt sich täuffen laßen) zu solcher
unchristlichen Desperation, gebracht haben,
daß er sich selber, umbs leben gebrachtt,
nachdem er zuvorhero, seine einige Tochter3,
entleibet.
Jn Engellandt, dominiret Cromwell. Zeüchtt
der Officirer gemühter, mit lobsprüchen,
EhrenAempttern, und recompenßen an sich,
gibt nach, wo es nöhtig undt tractiret
numehr, mit den Staaden, friede.
Ohne ist es nicht, daß sich, diesem Friede, die Provin-
tzien, Zeelandt, Ütrecht, Frießlandt, Ove<r>yßel
heftig wiedersetzet, und den krieg zu continujren
gerahten, allein: hollandt prævaliret, undt
haben Gelderlandt, undt Grüninghen, numehr
auff ihre seitte, gezogen.
Jn Schottlandt, tumultuiren zwahr, die
Schotten, wieder daß P[a]rlam[e]nt. Sje sollen
aber schwach, von gewehr, undt munition ent-
blößet, undt gleichsam verlaßen sein.
Die Orcades, zwahr, halten sjch, annoch, undt
es kommen auch, eintzelne, holländische Schiffe
dahin, aber die Engelländer, haben ein wachendes
auge darauff.
Die Flotta, auß Osten, zusampt den OostJn-
dianischen Schiffen, sol in salvo, arriviret sein, in
den Niederlandischen häfen, darüber, große
Freẅde, undt Frologken, en[d]tstanden, undt
der ViceAdmiral, Wytte Wyttens, hat sje, mit
80 orlogßSchiffen, convoyiret.
Jn Schweden, sol die infection, nachlaßen, undt
die Königin, dengkt noch, auf ihre rayse, nacher Gohtenburgk.
Jehna, hat mir referiret, von seiner, verrichtung,
zu Ballenstedt, hoym, undt andern gemeinden, darbey
er dann, mit zuziehung Paulj Ludwigs, großen
fleiß, undt embsigkeitt, spühren laßen, undt
billich zu loben. Sie haben große Mühe, ange-
wendet, aber auch, eine Nützliche arbeit, gethan,
daß Steẅerquid, herauß zu bekommen, und richtig,
(bey so großen, vn[dt] vielen, eingerißenen confu-
sionen) einzutheilen. Vielleicht, wirdt es ihnen,
die Posteritet, in 50[,] 60 und mehr jahren, noch
dangk wißen. Nihil difficile; volentj!
Mittwoch☿ den 9. November 1653.
<3 hasen, Carl Ursinus gehetzt.>
Avis: daß zum Berlin, an itzo, viel frembde
herrschaften, zugegen sein, alß: der ChurPrintz,
von Dreßden, der Margraf von Anspach,
ein Margrave von Baden4, ein hertzogk
von Sachßen Lawenburgk5, etcetera
Si quid mente va[l]emus, quid nobis agendum? nisj
ut Deum assidue celebremus, ej hymnos, ej gratia-
rum actiones canamus!
Am heüttigen predigtTage, bin ich, mit
Carolo Ursino, in die wochenpredigt, Ern
Menzelij des hofpredigers, gefahren, ex Genesj et cetera6
Wallwitz, meiner herzlieb(st)en gemahlin hofmeister ist von Halla
wiederkommen, avec peu de satisfaction!
Philipp Güder, ist heütte Morgen, in der Stadt
alhier, zu Bernburgk, herumb geritten, den
Frohnpfenning, an stadt des StadtVogtts,
(oder viel mehr meiner) mit bedegktem
haüpt, zu pferde, einzufordern. Jst ein Regale!
undt (mergklich, mir daran gelegene,) recognition. perge
Schreiben, von der hertzoginn von Norburgk Liebden nilvalet. perge
yo hè, èscribido, muchas cartas, al mj
hyo, allo Schmehrtosch, al Wogaw, y a otros perge
<Regen. Schnee.>
Allerley Oeconomysachen, vorgenommen.
Doctor Fischern, abermalß, bey mir gehabt.
Jtem: den von Jehna. So dann auch den Ludwig Röber
undt nacher Deßaw, geschrieben.
Mit Sekerka Seniorj, undt dann, mit
meinem CammerJungker Einsidel, zu Abends,
conversiret, undt geredet.
<2 hasen, Abraham von Rindtorf gehetzt.>
Jn den Rechnungß: undt Oeconomysachen, laboriret,
auch sonst, meine gewöhnliche travaillen, gehabt.
<Regenwetter.>
hofprediger, Er Mencelius, hat auf unserm
Sahl geprediget.
Extra zu Mittage gehabt, den CammerRath,
Doctor Mechovium, den Hofprediger, undt Tobias Steffeck von Kolodey[.]
Doctor Mechovius habe ich, seine dimission gegeben,
dieweil er nacher Ballenstedt, auß deß
Amptmanns Tochter hochzeitt, mit des
Superintendenten Platonis Sohn, zu verraysen,
willens. Gott gebe ihnen, seinen Segen! et cetera
Nachmittages, wieder in die kirche, mit
Carolo Ursino, da Man dann, <auch> der catechisation
nach der predigt, des Diaconj Ionij; zugehöret.
<2 hasen, Zacharias einbracht.>
Dem hofrath Paulo Ludwigen, Valediciret
so nebst dem CammerRath, Doctor Mechovio, auf des
Amptmanns zu Ballenstedt Tochter hochzeit, <mit dem Superintendenten> verraysen
wollen. Er hat mir auch expedienda undterthänig
befördern helfen. Gott gebe glück, zur rayse!
Philipp Güder bey mir gehabt, wegen des Pechlitzer,
undt Zechlitzer Schoßes.
Bartolomeus Schrimpfer, ist vom Zellischen
beylager, wiederkommen, allerley, zu referiren,
undt wieder nach halle, zu gehen.
Dienstag♂ den 15. November 1653.
<3 hasen, Abraham von Rindtorf einbrachtt.>
A spasso, in schönem wetter.
Briefe von Croßen, Leiptzigk, <Venedig> halle, <Nürnbergk> &cetera
Die Avisen melden:
Das (Gott lob) die holländische flotte, in die 74
Orlogß: undt 500 kauffahrer Schiffe, Stargk,
auß Dennemarck, vndt Norwegen, undter
dem ViceAdmiral, Witte Wittenß, in
salvo arriv[ir]et, und große Freẅde, mit
den OostJndi[a]nischen Schätzen, erwegket.
Interim: tractirten die Engelländer mit den
Provintzien, deren etzliche zum friede ge-
neigt, andere aber denselben, alß suspect, scheẅeten.
Die Schotten, tumultuiren noch, wiewol
die Engelländer, ihnen stargk zusetzen,
undt Sie verfolgen, als auch, die Jrren.
Die Lottringher, suchen revange, an die Staden,
wegen verlusts des Obristen Schnetters, undt
seiner trouppen, vor Maestricht.
Jn Schweden, sol die Seüche nachlaßen,
die Königin, guht Spannisch sein worden,
undt mit Spannien, undt Engellandt,
alliance suchen, auch neẅe ReichsRähte
creiren, wie auch, über der charge eines
Capitains von der garde, der herr Christoff
von Dhona, <meines gewesenen hoffmeisters Sohn>, mit des Obristen Todts Sohn, kugeln
gewechßelt.
Vor Brehmen, schantzet Königßmargk
immerforth, der Schwedische resident, Rosenhan,
ist eilends mit seiner familie, außgewichen.
Siehet, einem neẅen feẅer, nicht ungleich. perge
Jn Polen, sol auch, die pest cessiren.
Die Festung Soczawa, sol sich den Königlichen
Pollnischen völckern ergeben, in die 5000 Co-
sagken aldar, <sich> untergestellet, der iunge
Chmielinsky, das leben eingebüßet,
(als hiebevor gemeldet) und große verende-
rung, sich begeben haben. Die Hospodarin,
|| [[Handschrift: 73r]]
die allte, wehre zwahr, im accord begriffen, undt
außgezogen. Sie hette aber, den rechten schatz,
im stiche, und den Polen, Sibenbürgern, undt
Moldawern, zur beütte, hindterlaßen müßen.
Der Neẅe hospodar, wil numehr auch lieber
von dem Könige in Pohlen, alß von der Ottoman-
ischen Porta, dependiren. Der alte Chmie-
linßky [g]ehet alla disperata, vnd wirdt
von den Tartarn, abbandoniret.
Der Türgke hat in Candia die festung
Seleno, durch intelligentz des commendanten7,
überwältiget, undt die Jnsel Tine auch
überrumpelt, undt viel gefangene Christen
zu Schklaven daselbst, gemacht. General
Foscolo, ist [hinwe]gk, an deßen stelle Molino8
kommen s[oll.]
Der [Pabst] wirdt (über vermuhten) gut
Portughesi[sch][.] Macht solche Cardinäle,
nimbt præsent[e]n an, [u]nd verwirft, die Spannische Protestation.
Der Kayser, wi[ll] den wintter über, zu Regen-
spurgk, verbleiben.
Der König, in Frankreich, hat Saint Menehoud belä-
gert. Zu Bourdeaux, regieret die pest. Sie
genießen wenig, der versprochene Amnistitiæ!
Spannien, hat noch, eine armada, in der Garonne! et cetera
Notification, von Zerbst, von Fürst Johannßen,
daß ihn Gott abermahl, durch gesegnete
Niederkunft, dero gemahlin Liebden mit einem
iungen Söhnlein, erfreẅet, und begabet.
Gott friste! und erhalte es! zu seinen
ehren, in der wahren Gottesforchtt!
und leitte es ab, vom Jrr[e]wege,
der verführerischen argen weltt!
insonderheitt derer, so dar[in]nen die ober-
handt haben!
<Froßt.>
Christian von Wartemßleben, ist
heütte, nacher Hanover, [...] [u]ndt
anderer orthen, verraysett. [Gott g]eleitte ihn!
Mit Jehna, habe ich (hie[r soir]) conversirt
von den seltzsamen accidentzien, so
mir begegnen, undt wi[e] mich Gott
dennoch, alß einen Fürsten im Reich,
(wunderbahrer weise) biß dato
gnediglich, gefristet, und erhalten, da
andere meine wiederwerttige bedrenger
|| [[Handschrift: 74r]]
entweder gar Todt, oder doch also dahin sein,
daß man von ihnen, weder mehr siehet noch
höret, und ich gleichwol (unerachtet der
vorgegangenen, unvergleichlich großen ruin!)
meinen Standt, fürstlich, und erträglich
führen, undt dennoch, leben kan. Jsts dann
nicht, mit scheffeln, so seye es mit leffeln,
in zimlicher vergenügsamkeitt! der
Allmächtige, seye gepreiset vor seine
mildreiche gühte! Er wolle seine väter-
liche gnadenhandt, nicht von unß
abziehen, und ferner über unß waltten!
Schreiben, vom Churfürsten von Saxen, (erst
Nota Bene nacher Bernburgk addreßiret) da unß
mit der execution, wegen der Römerzüge, ge-
droẅet wirdt, wo mans nit bald einbringet?
Jtem: einen unvermuhtenden brief, von
der Stadt Nürnbergk, entpfangen, welche
mahnet, umb einen allten veriährten,
nicht undterschriebenen, unionsrest, nahe
bey die 10000 Gulden (florenus)f: Seindt faule Fische! perge
Am heüttigen Mittwoch, bin ich mit
Carolo Ursino, in die wochenpredigtt, unsers
hofprediger Mencelij, gezogen.
J'ay expediè derechef, üne depesche. perge
Dieu la benie! & ma face, ünefois jouir, dès
fruicts, de mès travaulx! par sa Sainte grace!
Philipp Güder ist bey mir gewesen.
Relation von Regenspurg de Numero 49 ankommen.
Undterschiedliche briefe geschrieben, nacher
Croßen, Venedig, undt in die Niederlande. perge
Gott gebe überall guten succeß!
<Regen.>
Mit behten, lesen, schreiben, dißcuriren, den
heüttigen Tag, zugebrachtt, Es ist auch,
eine Relation Numero 50 (vielleicht die letzte)
von Regenspurg von unsern Abgeordneten, einkommen.
Sie seindt, im procinctu ihres vfbruchs,
undt der Gohtische Gesandte, Doctor Heher, wirdt
ihnen, von unß, (permissu Principis suj) substituirt.
Es gehet noch bundt durcheinander hehr, zu Regenspurg
sonderlich in puncto deputationis ordinariæ, & jn materia
Collectarum, da die Churfürsten von den Fürstlichen dissenti-
ren, nur umb ihrer grandezza willen, undt das
publicum nicht beobachten, sonderlich, waß den
Evangelicis selbst, zum besten, im instrumento
pacis, beliebet, undt geschloßen worden.
<2 hasen, Abraham von Rindtorf gehezt.>
Jn Rechnungß: undt Oeconomy:Sachsen, travaglijret.
On a eü, a travajller; aussy; en d'autres choses. perge
Avis: daß zu hertzbergk, (alß frembde herrschaft
dorthin kommen,) der Marschalck Bähr, in ab-
wesen des CammerJunckers Vieregk, deßelben
pferdestall, mit gewaltt eröfnen, undt der
frembden pferde, da hineyn stellen laßen.
Alß nun Vieregk, wjederkommen, undt
sich hierüber beschwehret, auch ein wortt, das
andere gegeben, hette der Marschalck, (welcher
hiebevor, GeneralMajor, gewesen,) ihn mit dem
Stabe, ein par schläge gegeben, welches Vieregk
zu revangiren gedroẅet, und des Morgens hernach,
zum Marschalck, sich eingeschlichen, (alß er noch,
bey der darüber hermenden, und kermenden
Frawen, im bette, gelegen,) und in der einen handt
|| [[Handschrift: 75v]]
einen prügel, in der andern, ein geladen, undt
gespannet pistol, mit aufgestrichenem hahn,
gehalten, und den Marschalck also, jm
hembde, iämmerlich zerprügelt, wenn
er aber, sich wehren wollen, das andere<Pistol>
ihme vorgehalten, und ihn zu erschießen,
gedroẅet, also das er innehalten müßen.
Darauf, wehre Vieregk, darvon gegan-
gen, vors Schloß, zu seinem knechtt, welcher
seine beyde pferde, fertig gehalten.
Alß er nun zu seinem pferde, also in
der furia, gegangen, und geschwinde
aufsitzen, undt darvon s reitten wollen,
wehre ihm, das geladene pistol, (welches er,
noch immerforth, in der handt gehalten)
in der Faust, loßgegangen, und er hette
sein eigenes pferde, also unversehens, durchschoßen.
Sein knechtt, hette ihm, gerathen,
sich, auf sejn, des knechts klepper zu setzen,
und forthzureitten, welches er gethan.
Es hette ihn aber, der Marschalck, mit
etzlichen pferden, baldt verfolget, undt
(weil es das beste pferdt, nicht gewesen)
|| [[Handschrift: 76r]]
ihn, an einer hegke, ereilet, in welche der Viereck
absitzende gefallen, und sich retiriret. Der Marschalck
aber, hette ihn, mit seinem Pistol, durchschoßen,
das man noch nicht wüßte, ob er lebendig,
oder Todt wehre? Jst ein erbärmlicher handel!
Meine Rähte, seindt gestern abendt, von Ballenstedt
von der hochzeitt, wiederkommen.
Der Amptmann Georg Reichardt jst bey mir gewesen, allerley
undterthänig zu referiren, undt expedienda, zu befördern.
<Regen. Windt.>
Magister Enderling, hat unß, aufm Sahl
geprediget, vom bluhtflüßigen weiblein.9
Doctor Mechovius, und Magister Enderling
extra zu Mittage, gehabt, ohne
die extraordinarios ordinarien.
Nachmittags, w[ie]der in die kirche,
mit Carolo Ursino, jn des Diaconj Jonij; predigtt.
<1 hase, Carl Ursinus gehetzt.>
<Regen.>
Wallwitz, und Rindtorff, [s]eindt nacher Ballenstedt gezogen.
Gott wolle Sie gelei[tt]en!
Paulus der hofrath, ist bey mir gewesen,
zu referiren, undt zu expediren.
Extra zu Mittage, Doctor Fischern, Paulußen, &cetera &cetera
Carl Ursinus hat einen hasen, gehetzt, undt
Oberlender, hat einen geschoßen. Biedersehe
hat eine Endte, geschoßen.
Dienstag♂ den 22. November 1653.
Es war gestern auch ein pfarrer von
Lebchin, (Seyfardt genandt) bey Mir.
Derselbige hieldte, umb persöhnliche
audientz ahn, in Schuldtsachen, welche
ich ihm nicht wol verwaigern können.
Er prætendirte, auf Miehens gut, zu
Gröptzigk, 200 ThalerThlr: perge Jch will die
Sache, in verhör ziehen, undt nach befindung
der gerechtigkeitt, und billigkeitt, in
meiner Cantzeley; decidiren laßen.
Conversatio, mit Magistr[o] Mencelio. Es sol sich
mit Erlachs Töchtern, etwas beßern,
Gott lob! der helfe fernerm mit gnaden.
Nach undterla[ß]ung, des Medicj Doctor Brandts
cuhr, sol sich, die beschwehrung, gemiltert haben.
Mit meinem Fux, leßet sichs, sehr übel
ahn, und es siehet zauberwesen ähnlich. Gott beßere es!
<Windig. Schnee. Regen. Sturm.>
Jn die kirche, und wochenpredigt, mit Carolo
Ursino. Die predigtt, ist auf die hohe,
und Niedere Obrigkeitt, appliciret
worden, ex Capite 13 ad Romanos10 von wegen
der Neẅen Rahtßpersonen, welche
heütte, vorm berge, aufgeführet
worden, auß der kirche, durch den Amptmann.
Gott gebe zu Segen! und wolstande!
Extra zu Mittage, Hanß Bernds gehabt.
Der krangke avisenbohte, ist zu Mittage,
allererst kommen.
Die Avisen geben: daß die holländer mit
den Engelländern, ernstlich friede tractiren,
undt offensive, auch defensive, eine alliance schließen
wollen. Die holländer, in Schottlandt, hetten,
eine Victorie, wieder die Parlamentischen, erhalten.
Printz Robert, armiret in Franckreich wieder das Parlament.
König in Frankreich belägert,Saint Menehoud, wieder
der Mareschaulx de Türenne, undt Ferte Seneterre,
als allter Generalln, raht, undt guhtachten.
Zu Bourdeaux, graßiret noch, die Pest. Es wollen
die Spannische, undt Frantzösische flotten, in der Garomne, mitteinander
|| [[Handschrift: 77v]]
schlagen, sobaldt Sie können.
Jn hollandt, sollen über die 20 Schiffe,
durch einen geschwinden Sturmwindt, undter-
gangen, undt beschädiget sein.
Jn die 400 Schiffe, seindt gleichwol,
von der großen flotte, in salvo arriviret,
auß Dennemargk und Norwegen. Witte
Wittenß, sol die übrigen, mit seinen
OrlogßSchiffen, nachholen. Zwischen ihm,
und dem ViceAdmiral Jan Everts, gibt
es, wegen des commando, große differentzien.
Diesen favorisiren, die Seeländer, iehnen,
die holländer.
Jn Dennemargk, stellet man sich, in
gegenverfaßung, wegen besorgenden
einfalß, der Schweden, und Engelländer.
Jn Pohlen, stehet man auch, in sorgen,
weil die Schweden, etzliche völgker, in
Liflandt, marchiren laßen. Sonsten ist
Soczaw, gewiß über, undt in die 4000
Cosagken, herauß gezogen. Sie haben
dem König in Polen, schwehren müßen, Treẅ
|| [[Handschrift: 78r]]
undt holdt zu sein, wieder die Crohne Polen, wieder
den Fürsten in Sibenbürgen, undt wieder beyde
itzige hospodarn, in der Moldaw, undt Wallachey,
nicht mehr zu dienen, noch dem allten hospodar
in der Wallachey, viel weniger, dem Chmie-
linßky, zuzuziehen, noch von der hospodarinn
Schatz, undt andern kriegsrüstungen, das
geringste, auß dem Schloß, zu endtführen.
Sie sollen aber, baldt eidbrüchig worden
sein, undt dem Chmielinßky, ihre trouppen
zugeführet haben.
Die Venezianer, haben an itzo, wenig
succeß, mit ihrem Türckenkriege. Die
Morlacchj in Dalmatia, thun das meiste.
Der Kayser, will nach Prag, und von dannen,
wieder nacher Regenspurgk. Es scheinet, die
Kayserinn, dörfte zur Königinn, in
Böhmen, gekröhnet werden.
Die Maltheser Ritter, klagen, durch eine
legation, die Staaden ahn, zu Regenspurgk.
Wollen ihre Comptereyen, im Niederlande, wieder
haben, oder bitten den Kayser, und das Reich, umb Schutz, und hülfe.
Der Pabst, hat eines Türckischen Baschen Sohn11, taüffen lassen.
<Jehna, habe ich bey Mir etzliche mahl gehabtt.>
<3 hasen, von der hatz.>
<Frost.>
J'ay expediè derechef, üne depeche, de conse-
quence. Dieu la vueille benir! et bienheürer!
Philipp Güder, ist bey mir gewesen, expeditiones
zu referiren, undt sich bescheidts, zu erholen.
Hanß Bernds, hat sich abermahl praesentiret,
wegen der Schlesischen sachen, undt briefe.
Nach der mahlzeitt, ist Jacob Antony von
Krosigk, kommen, hat sich ebenfalß
præsentiret, undt über hanß Bernds,
beschwehret.
Den Amptmann Reichardt, habe ich
auch bey Mir, gehabtt, undt
Jehna, nacher Halle, dimittirt.
Diesen abendt aber, gehet mein Rath
Jehna, nebenste Tobias Steffeck von Kolodey zur gevatter-
schaft, zu Geörge Panßen perge
Wallwitz, undt Rindtorf, seindt von der
Ballenstedter rayse, diesen abendt, wiederkommen.
Freitag♀ den 25. November 1653.
<harter Frost.>
Böse Somnia gehabtt, von bösen zeittungen, so ich von
Meinen Söhnen, sonderlich von Viktor Amadeus erfahren würde,
wie auch von meinen dienern, und außgeschicktten
bohten. Gott helfe! daß Sie nicht wahr werden! perge
Avis: daß Graf Gustaff, in Schweden,
plötzlich gestorben. Er ist zu beklagen, nicht
allein darumb, daß er eines großen
Königes Sohn, undt mit unß, wegen seiner
gemahlin, einer Grävin von Wiedt, ver-
schwägert, sondern auch, weil er ein
Frommer <Tapferer> herr, undt mit feinen Tugenden,
undt qualiteten, geziehret gewesen.
Jl n'estoit point enemy, de nostre religion,
nj a nous contraire, & ne pouvoit souffrir,
les mèsdisances, & calomnies, des mi-
nistres Lütheriens, en chaire, contre nous,
ayant èspousè Madame sa femme, de nostre Religion. perge
Dieu l'ait, en sa grace! & en sa gloire!
Dergleichen Todt, will auch, vom Graf Magnus
de la Garde, gesaget werden. Wehre schade, umb ihn,
dann er auch, ein wagkerer, wolqualificirter herr gewesen.
Vielleicht, mag die graßirende Seüche, sie weggenommen haben.
A spasso in gartten, und an die Sahle, vormittagß.
Discorsj, mit Walwitz, von der Ballenstedtischen verrichtung
und Gerhardt Blühten, wiedersetzligkeitt, gehabtt.
Der Voytt von Saltzburgk (welcher auch gestern
bey Panße zu gevattern gestanden) habe ich
heütte verarrestiren laßen, (wegen einer
hinderstelligen Strafe, undt verübten exceßes,
vor 4 iahren, contra Bertram) Er hat
umb schön wetter, gebehten, ist zum creütze
gekrochen, hat aber keine caution
leisten können. Endtlich, habe ich ihm, 100 ThalerThlr:
<undt des arrests, aus der ThorStube>
erlaßen, undt eine Obligation, auf 200 ThalerThlr: von ihm,
genommen, mich ehistes zu befriedigen. Gott gebe! das er glauben hallte!
Jehna, ist heütte, nacher hall, in seinen
eigenen angelegenheitten. Gott helfe ihm!
auß dem unbefugten labyrinth, zu Zerbst,
undt laße seine unschuldt, ans Tagelicht, kommen.
Avis: daß im Fürstenthumb Halberstadt, wie
auch zu Rheinstedt, in itzigem wintter,
die Störche, (mit verwunderung) häuffig
wiederkommen sollen. Jtem: das die holländer,
durch Sturm, nicht allein 15 OrlogsSchiffe, undt
über die 1000 Menschen, sondern auch, den ViceAdmiral
|| [[Handschrift: 80r]]
Witte Wittens, und den Commandeur, Reütter
verlohren. Gott helfe! daß es nicht wahr sein möge!
wie inngleichen, das Seltzahme Omen, welches man
bestendig vorgibt, wie nemlich, einer Jungfraw,
über der Stadt Amsterdam erschienen, eine güldene
kette, umbhabende, welche sie hette fallen
laßen, und alle Tage, hette Sie sich vermindert,
undt wehre ein gliedt, darvon kommen. Viel
Tausendt Menschen, solten es gesehen haben. perge
<Regen.>
Es wurde auch gestern, mit verwunderung,
berichtet, daß frösche wieder hervor kähmen,
undt sich hören ließen, am hartz[e], welches ein unge-
wöhnliches, umb diese zeitt ist.
Mon petit Charles a eü ceste nuict, üne re-
tention, de son ürine, & <senty> üne acrimonie, lors qu'il
l'a voulü pisser. Dieu le vueille preserver, de
la gravelle! & d'autres maulx, que je crains.
Il y a 6 ans, (allant avec Madame, en
Pomeranie) qu'il a senty le mesme mal,
en s'en revenant à Strehlitz. On l'a reme-
diè, ün peü, avec l'huile de genevre, qu'on luy a oinct,
en l'èspine dü dos, en bas, & on met sür le membre Viril,
|| [[Handschrift: 80v]]
la peau, <blanche delièe> interieüre, d'ün œuf, ou bien la peau
interieüre, d'ün oignon. Cela fait rendre l'ürine!
Le Medecin a jügè, que c'estoit la chaude
passe, & aussy üne partie de la gravelle.
Qu'il falloit tascher, a prevenir ce mal,
par la grace de Dieu, & par preservatifs.
Que le pacient, devoit prendre soir, &
mattin, (tandis que ceste retention
de l'ürine dürera,) üne petite cueillie-
rèe d'eau de vie, brüslèe de grains de genevres,
& ne point manger, de viande beaucoup
salèe, comme de la mollüe, dü harang,
de la chair sallèe, dü formage[!], &cetera ni de jam-
bons, ou chair de pourceaux, iüsqu'a ce,
qu'on soit bien guery, par la benediction
de Dieu! Qu'il estoit bon, de manger
des aulx, (knoblauch) en faysant cuire.
& rostir, cest' ingredient, avec la Viande,
si nous pouvois souffrir, ceste odeur?
Cela preservoit le pacient, de la coa-
gülation de la gravelle. Dieu l'assiste, de sa grace!
|| [[Handschrift: 81r]]
Le Medicin, Doctor Fischer, a aussy admonnestè,
qu'on ne le devoit pürger, en façon quelconque!
Der hofrath, Paulus Ludwig, ist bey Mir gewesen.
Gegen abendt, ist Jehna, von halle, in bösem
wege, wiederkommen, Gottlob! der helfe ihm ferner gnediglich.
Carl Ursinus klaget noch, bald über sein haüpt, baldt
über den leib, baldt über die zähne, baldt über die
retentionem Urinæ, undt stranguriam.
Wir haben ihm, ein kleines halbes leffelein voll
wacholderbeer brandtewein, Morgends, undt
abends, einnehmen laßen, auf einrahten des
Medicj. Auf den abendt, habe ich ihm auch,
Talck oder Unßlicht, vom brennenden licht,
also warm, auf den Nabel schmiehren laßen.
So ist, Gott lob, und dangk, diesen Morgen, <den 27. November>
das malum vergangen, die urina
haüfig wiederkommen, (so gestern, und die
Nacht, nur per jntervalla, Tröpflingweise,
et quidem cum dolore kahm,) und hat sich
die acrimonia, Gott lob, verlohren. Er gebe
gnediglich, daß es bestandt möge haben, undt
laße alle Schmertzen, und unheil feine wegweichen!
|| [[Handschrift: 81v]]
Jch schreibe, diesen Morgen, nemlich Sonntag☉ den
27. November damitt meynende. perge
Am heüttigen ersten Advent, hat Magister Mencelius,
auf unserm Sahl, geprediget.
Extra zu Mittage, den Amptmann Georg Reichardt gehabtt,
d[ie] Wallwitzinn, und andere ordinarien
extraordinarien.
Nachmittags, mit Carolo Ursino, und
den gewöhnlichen Edelen, in die Nach-
mittagßpredigt, und Catechisation des jonij.
Conferentzen, mit Jehna, und andern perge
Christof Wilhelm Schlegel, ist hehr kommen.
Daß in Polen, der König zwahr victorisiret
vor Soczow, allein, sol der große Cham[!], undt
die Cosagken, wieder stargk im anzuge sein.
Sie haben viel, und mancherley anschläge
mit dem eroberten Schatz, und wißen nicht
ob ihn der König, oder der hospodar, oder der Fürst
Ragozzi, haben, undt behalten soll, oder ob
|| [[Handschrift: 82r]]
man ihn wirdt undter die Soldaten, vertheilen,
zu jhrer befriedigung, oder der Cron Polen, laßen.
Das decisum, dörfte, auf einem Pollnischen ReichsTage,
heraußer kommen.
Jn Candia, mag es schlecht stehen, die Türgken
setzen der Stadt, undt Festung Candia heftig zu.
Laßen nicht nach, unangesehen Sie viel stürme
davor verlohren. Vor Rhodiß, soll noch eine
Venezianische Seearmada liegen.
Zu Regenspurg will der Kayser bleiben, biß
in den Martium hinein. Jhre Mayestät haben das
Podagra. Gott beßere es! Alle zugerüstete
Schiffe, sollen wieder verendert, und aufs landt
gezogen werden, welche den Kayser, die Thonaw
hinab, bringen sollen.
Zu Bourdeaux, hat der Düc de Vandosme,
dje Spannische flotte, in der Garomne angreiffen
wollen, welche aber, des anfalß unerwartett,
sich retiriret, und denen zu Bourdeaux, luft gemacht.
Saint Menehoud, ist vom Könige in Frangkreich belägert,
in hofnung, solches baldt zu emportiren. Der Marquis
de la Force, sol darinnen, vor den Printzen von Condè,
commandiren, und sich wol wehren.
Roses in Catalonien, sollen die Spannischen, be-
lägert haben, und der Frantzosen, sachen, schlecht
daselbst stehen.
Der Frantzösische Ambassadeur Vautour zu Regenspurg
klaget, das man dem friedensjnstrument
contravenire, in dem, die Elsaßischen sachen,
nicht in richtigkeitt, gebrachtt, und der
hertzogk von Savoya, <nicht> beliehen werde.
Jm neẅlichsten Sturm, sollen die
holländer, bey Petten, eilf vornehme
Schiffe, undt in die 1400 Menschen,
verlohren, auch die Engelländer, keine
seide darbey, gesponnen haben.
Die Tractaten, zwischen den Staaden,
undt den Parlamentischen, werden reassumirt.
Cromwell, hoft auch, die Schotten, zu gewinnen.
Schweden, armirt stargk. Wieder wen?
ist noch unbekandt. Jhre Vicinj aber,
sehen sich wol vor, in Dennemargk, und Polen.
Graf Rantzow, Königlich Dennemärkischer legatus,
ist im rückwege von Regenspurg auf Arnstedt,
undt Cöhten, zukommen. Hat sehr forthgeeilet.
<gelinde wetter.>
A spasso, jn gelindem wetter, per pedes!
heütte, ist der langwierige verdrießliche
vergleich, zwischen Meiner freundlichen herzlieb(st)en gemahlin, undt
Abraham von Rindtorf, geschloßen, undt
richtig gemacht worden. Gott gebe zu glück!
Zu diesem ende, haben wir extra
zu Mittage behalten, Doctor Mechovium,
Paulum Ludwig, Geörge Richardt, etcetera
Sonst seind auch andere expedienda vorgenommen.
Conversatio, mit Doctor Mechovio, mit Walwitz,
mit Jehna, mit Rindtorfen per jntervalla.
Mittwoch☿ den 30ten: November 1653. Graphisch nicht darstellbares (spiralartiges) Symbol mit nicht ermittelter Bedeutung.[...]
<gelinde wetter.>
Jn die kirche, undt wochenpredigtt,
mit Carolo Ursino, & nobilibus.
Conferenze, mit Jehna, Wallwitz, Rindtorf,
Magistro Mencelio, per intervalla!
