Donnerstag♃ den 1. Junij; 1654.
Christian, von Wartemßleben, ist heütte forth,
Gott seye sein geleidtßMann, auf wegen, und stehgen!
Seine abrayse, auch andere schreiben, nach Bernburgk
und interruptiones, haben es verhindert, daß
wir die wochenpredigt, und behtTag, (welches
zwahr nicht sein sollen, wiewol unwißenheitt,
undt unbericht deßelben, darzukommen) leyder!
allhier zu BallenStedt, schändlich verseümet.
Gott verzeyhe unß, alle unsere Sünden! perge
Conferentz, mit dem Amptmann, Märtin Schmidt.
A spasso, inß holtz, und umb das Schloß, mit meinen leüttlin.
Doctor Fischer, hat noch zu Bernburg consuliret, ich solte nachfolgende
sachen, in acht nehmen, zu purificirung des geblüts, undt præ- || [[Handschrift: 222v]]
servirung, a calculo, in Dioeta; und gebrauchen:
1. Erdtbeern, mit wein, und zugker, offt gegeßen, auch
Erdtbeeren gedistillirt, darvon tempore hyberno, ein
leffel voll, Morgends eingenommen.
2. Kirschen Suppen, mit wein, undt zugker, zugerichtet.
3. Scolymus, Artzschock gekocht perge ofte gegeßen.
4. Phaseolj, oder Türgkische bohnen gekocht.
5. Ova sorbilia utilia gegeßen, darauf einen
Trungk gethan, iuxta illud:
Singula post ova; pocula sume nova.
Vitentur, anguillæ; brassicæ, caseus.
Biß hiehehr, des Medicj; Doctor Fjschers, consilium.
Zu Mittage, habe ich mahlzeitt gehalten, mit
meinem Sohn, Carolo Ursino, undt Rödern, zusamptt
dem Amptmann, von Ballenstedt. perge
Gegen Abendt, in gartten, spatzirt.
Mattheß Cnütteln, undt Ludwig Rober, nacher
Quedlinburg geschigkt, welche gestern<heütte zu> abendts,
wiederkommen, frustraneo conatu. Alle Element<a>,
wollen Mir resistiren. Patientia! per forza! perge
<2 Groscheng: einem armen Schuhlmeister 10 Groscheng: einem bohten, nach Bernburg. 1 ThalerThlr: 11 Groscheng: Matthias Cnüttel[.]>
<26 ThalerThlr: Biersteẅer von Ballenstedt[.]>
Ein Somnium, allhier zu Ballenstedt gehabt, comme si le
Comte d'Ortenburg m'eüst donnè, (estant chèz luy,) üne belle
miniere d'argent!
Christian Röder, hat sich, von hartzgeroda, eingestellet.
Jch bin binauß geritten, nach Padeborn, Meine pferde,
undt Felder, zu besehen. Gott erhalte, und vermehre
den Segen, so er unß zeiget! durch gnadenreiche gühte!
Discorsj, mit dem Amptmann Schmidt, Jtem: mit seinem Sohn,
Sonst auch, mit beyden Rödern, <Jtem: mit Matz Cnütteln.>
Jch habe Hans Balthasar Oberlender nacher Quedlinburg geschicktt, wein, undt
andere sachen, abzuholen, auch zu Schloße, einzusprechen, da
er dann, einen brief, an Meine herzlieb(st)e Gemahlin, mitgebrachtt.
Post von Bernburgk; mit dem blawSchimmelich-
ten hengst, dargegen, sol die alte Marike,
mitt hinundter. perge Gott gebe zu glügk!
Gegen abendt, hats gedonnert, undt geblitzt,
in zweyen stargken, zertheilten wettern.
<7 Groscheng: Morgen, (gebe gott) in klingelsagk.>
<10 Groscheng: vor 2 Caninichen, und 2 wilde gänse.>
Es hat diese Nachtt, nach dem vielen donnern,
<regenen> undt blitzen, zimblich gestürmet, und gewehet.
Si quid mente valemus, quid nobis agendum? nisj; ut
Deum assidue celebremus, ej hymnos, ej gratiarum
actiones, canamus!1
Matz Cnüttel, ist wieder nach Victualien,
undt ermangelndem Futter, geschigkt worden.
A spasso zu fuß, Jch bin noch, vor eingefallenem
regen, trugken außm holtz kommen. Mein Carolus
Ursinus aber, welcher selb dritte, nach dem <holtze>Mägde-
Sprung zu, <darnach gen Padeborn> geritten, hat sein badt, bekommen.
Mein hommester Joachim zu Padeborn, (so Mir
meine ägker, gestern, im felde in der hitze
mitt herumb lauffende, gezeiget,) ist
darauf, pro malo omine, meiner Oeconomy,
plötzlich Fieber krangk worden. Gott gebe
ihm, alß einem Allten, 25iährigen <guten> diehner,
bäldiste genesung!
Mit den zimmerleütten, ist accordiret. Sie
sollen eine eigene Jnnung bekommen, undt
nicht mehr, der Quedlinburger undterworfen sein,
Sie geben mir 40 ThalerThlr: alß nemlich: 12 ThalerThlr:
an gelde, das übrige, wollen Sie, an der
bawfälligen Schäferey, abarbeitten,
hingegen bekommen Sie von mir, eigene Jnnungß-
Artickel, auß der Cantzeley zu Bernburgk.
Gott gebe, zu glücklichem succeß!
<Nebel. Regen.>
<2 ThalerThlr: 7 Groscheng: Matthias Cnüttel[,] <in klingbeutel 12, 7 bohtenlohn,>>
Somnium de effractione cubiculj, & armamentarij.
Jch bin, mit meinem Sohn, Carolo Ursino, undt beyden
Rödern, hinundter gezogen, in das Städtlein Ballenstedt,
undt Mein Comitat, ist mir gefolget, der guten
predigtt Ern Petrj Gohten, vom großen Abendmahl,
zuzuhören, am heüttigen Heiligen Sontage.
Extra: zu Mittage, jhne Petrum, gehabtt, und mit
ihme conversiret.
Dieweil der Nebel, undt Regen, so haüffig angehalten,
undt daß ungewitter Menschen, undt pferden, zu
wieder gestanden, Alß habe ich, dißmahl, die Nach-
mittagspredigt (wiewol ungerne) nicht besucht,
dennoch aber, im hause, sacra gelesen.
Ein bohte (T. T.a) ist von Bernburg, mit Zerbster bier, anhero
geschickt worden, mit bericht, von Christoph von Jehna,
und vom Tobias Steffeck von Kolodey[.] Alles, stehet noch paßlich,
gestern hat sich ein unglück mit Jochem, dem Neẅen
Mundtkoch zugetragen, in deme denselben
ein SchlachtOchße, übel gestoßen, und ver-
derbet, auch bey nahe, weidewund gemacht,
Gott gebe! das ihm möge geholfen werden!
Ejn hofprediger, des vorigen Königes, in Engel-
landt, so nach Marpurgk will, auf eine vocirte
Profession, ist auch zu Bernburg erschiehnen, nennet
sich, Doctor Rohte, hat fleißig, nach mir, gefraget,
und ist auf Cöhten zu, gewandert. Vom
landtrechnungßTage, ist alles gar stille,
und kan man nichts erfahren, was sie machen?
oder schließen wollen? L'affaire, que i'ay, avec
més Creanciers, se rend difficile, sür tout, le
fait de la Confiscation, d'üne prairie, avec le Cha-
pitre de Halberstadt. Dieu m'ayde! a vaincre!
Post sacra peracta, ist Caspar Pfaw, der hofrath,
(von Meines bruders, Fürst Friedrich wegen, undt
meinentwegen) von dem Deßawischen
landrechnungßTage wiederkommen,
undt hat Mir, außführliche relation
erstattet, von einem, undt anderm. perge
Je l'ay retenü, a disner. perge
Avis von Rom, von meinem Bruder, Fürst Friedrich vom
6. ⁄ 16. may; das Jhre Liebden, nach Cività Vecchia
gehen, umb daselbst, in die Maltheser Galleren
sich zu embarquiren, (durch recommendation
des Duca dj Bracciano, und des Malthesischen
gesandten2) und die rayse, nach Sicilien, undt
Malta zu thun. Gott gebe, zu glügk! Er
hat auch Einsideln, undt Pfawens Sohn,
nacher Siena, geschickt, meinem Sohn, meine
mittgegebene briefe, undt buch, zu überbringen,
Allein, mein Sohn Victor, ist schon 3 wochen
zuvor, von Siena, hinweg gewesen. Mais
tout cela, avec mon bon grè, cependant, i'ay
de l'obligation, a mon Frere, de sa bonne Volontè!
Schreiben, gegen abendt, von Bernburg (per Michael Ringk) zusamptt
den Leiptziger avisen, et cetera von der hertzogin von Württemberg[,] vom Tobias Steffeck von Kolodey[,] von der
Churfürstin von Croßen, und aviß, das Wallwitz von Prag, undt
Regenspurg glücklich wieder arriviret.
Die avisen, confirmiren, den Engelländischen und holländischen
Frieden, die Schottische Victorien, und andere umbstende.
Frangkreich, stehet auch, in tractaten, mit Cromwell,
interim: bleibet der König in Engellandt, wie auch, seine
FrawMutter, noch zu Paris. Der König in Frankreich wil sich
solenniter zu Rheims, kröhnen laßen. Man sagt, von
tractaten zwischen Spannien, und Frangkreich.
Mademoyselle d'Orleans, und der Maréchal de la Ferte,
seindt dem Könige suspect, alß colludirten Sie, mit seinem feinde.
Der Ertzhertzogk ist genesen, rüstet sich, nebenst dem
Printzen von Condè, zu einem Feldzuge, und hat die
lottringhischen völgker, undter hertzog Frantzen, zu seiner Devotion.
Kayserliche Mayestät mit dero Kayserlichen undt Königlichen angehörigen,
seindt triumphirlich, zu Wien eingezogen, und mit Ehren-
pforten, salven, undt Musicken, auch orationen, beneventiret worden.
Jn Candiâ, setzt der Vsaim Bascha, selbiger festung Candia
heftig zu, mit offentlicher, und heimlicher gewaltt,
wie auch in Dalmatia, die Türcken stargk werden.
Jn Polen, besorgen sich die Stände, eines bluhtigen krieges,
von den Cosagken, undt Moßkowitern, und trawen auch
den Türgken, undt Tartarn, nicht allzuviel.
<2 Hasen. 2 Carpen.>
Diese Nacht, ist wiederumb ein schwehres donner-
wetter, alhier zu BallenStedt, gewesen, und es hat
eingeschlagen zu Padeborn, und ein hauß angezündet.
Darnach aber, hat es, (Gott lob,) nachgelaßen,
und fein geregenet. Gott helfe, zur gesegneten
Erndte! und wende alles unheyl, gnediglich ab!
Jch bin hinauß geritten, mit Carolo Ursino,
nacher Padeborn, habe das abgebrandte hauß,
undt Scheüne, des henning Teüpels, (eines
frommen Mannes,) besichtiget, ihn consoliret,
darnach aber, etzliche meiner ägker,
im Padebornischen, undt Hoymischen Felde,
durchritten, Gott dem herren, vor seinen
gezeigten Segen, inniglich dangkende,
und umb genoß deßelben, ihn anruffende!
Conferentz, mit dem Amptmann Schmidt.
Diesen abendt, (alß wir mahlzeitt hielten) kahm wieder
ein Stargk donnerwetter, undt blitzen,
noch ein stärckeres hagelwetter aber, wie kugeln,
undt Taubeneyer groß. Gott verhüte schaden!
Zu Gaterschleben, seindt gestern auch drey haüser
vom wetter, angezündet, und weggebrandt, und in einem
dorf <Striepeke> unferne darvon, drey Menschen erschlagen.
<Somnium: wie ich, vom bergwergke, sonderlich aber, vom Schwefel, so wol prosperiret.>
<4 Groscheng: Carl Ursinus[.]>
Avis: das auch zu Padeborn, gestern abendt, zwey
schwehre wetter, gewesen. Gott verhüte, mehr unheyl!
Bey Meißdorf, ist daß winttergetreydig, fast alle
doppelt, vom hagel <gestern abendt> geknigkt worden. Gott erbarme
sich, der armen, Nohtleidenden! betrübten! undt verlaßenen!
Zu Wölpschleben, sol daß gantze dorf, vom wetter
berühret, abgebrandt sejn.
Mein allter Amptmann, Märtin Schmidt,
ist an seinem calculo, abermalß, sehr jncommodirt,
Gott gebe ihm linderung! undt beßerung! perge
Alle dinge, wollen mir allhier zu Ballenstedt,
schwehr gemacht werden, und laßen sich auch also ahn.
Gott gebe gnädige erleichterung!
A spasso zu fuß, mit beyden Rödern, in
meine felder, zu sehen, ob das wetter, unß
beschädiget? Gott lob! das es dißmahl vor-
bey paßiret. Gott helfe uns ferner, mit gnaden.
Aviß: das gestern, der donner, auch jm flegken
BallenStedt, eingeschlagen, nicht aber entzündet.
Jtem: daß der gesterige hagel, vorm flegken, eine
ganß, erschlagen. <Man höret allerley fälle! perge>
Conferenze; mit Mattheß Cnütteln, undt
Davidt Schmiden, in diversjs rebus.
A spasso, zu abendts, inß Feldt, undt an die Teiche, mit Carl Ursinus perge
<1 Rehebogk, der Forster3 geschoßen. 1 hase.>
<30 ThalerThlr: von Scharff. 2 Groscheng: armen. 12 Groscheng: Michael Ringk[.] 6 Groscheng: einer armen Böhmischen Frawen mit 5 kindern. 10 Groscheng bohtin nach Bernburgk.>
Avis von hartzgeroda, das das
vorgesterige hagelwetter, meinem bruder, Fürst Friedrich
im Rogken, undt in Erbsen, großen schaden gethan,
auch andern leütten, und viel Fenster in
hatzgeroda[!] außgeschlagen. <Nulla Calamitas, sola!4 perge>
Jn die kirche, undt wochenpredigt, in flegken
gezogen, mit Carolo Ursino, undt beyden
Rödern. Der übrige Comitat, ist mitt gefolget.
Er Peter Gohta, hat den 128. psalm5, fein
expliciret, und auch in der predigtt, undt
eingang, zur buße, vermahnende, etwaß
inseriret, von den Strafen Gottes, undt
vielen schädlichen gewittern.
Aviß: daß der hagel, auch zu Ermßleben, großen
schaden getahn. Jtem: daß der donner
vorgestern, den knopf, vom haußmannsThurm,
herundter geschlagen, alhier im flegken, am Marcktte.
et cetera
Die Gaterßleber, wollen ihre Steẅerresta,
nicht geben, von Anhaltischen ägkern. Droẅen, mit Re-
preßalien, und mit neẅen auflagen. Der zoll,
ist auch, de facto, erhöhet worden, daselbst, undt
zu Egeln. Zu Halberstadt, ist keine Justitz,
|| [[Handschrift: 227r]]
wegen harschlebens, vorendthaltenen pferdes. Wegen
der Radischlebischen gräntze, kömbt es auch noch, zu keiner
richtigkeitt. Es scheinet, Sie die Chur:Brandenburgischen thun,
waß Sie wollen, und machen neẅe aufsätze, dem
Friedenßinstrument, schnurstragks, zuwjederb.
Gott helfe überwinden! undt <helffe> auß aller confusion!
perge
Avis: daß auch umb Hoym, undt Rheinstedt,
daß hagelwetter, großen schaden im ge-
treydich, gethan habe. Gott wolle sich, der
armen dürftigen leütte, erbarmen!
und unß allen, wieder gnedig erscheinen.
Der pfarrer, bahte heütte auf der
Cantzel, umb gnedigen SonnenSchein,
und schönes dienliches wetter, zum
wachßthumb, solches ist auch, (Gott lob) baldt
darnach, erwüntzscht erfolget.
Gespräche gehabt, von Oeconomy-
sachen, mit dem allten Cnüttel, undt
darnach, mit Davidt Schmidt. perge
Schreiben von Meiner herzlieb(st)en Gemahlin, undt Jehna,
wie auch vom Tobias Steffeck von Kolodey[.] Es ist auch, ein grawsahmes
donnern, undt blitzen, zu Bernburg gewesen, als Meine herzlieb(st)e
gemahlin, von Plötzkaw, wiederkommen, <vorgestern.
perge>
<6 Groscheng: einem armen blinden. 6 Groscheng: Lorentzen Thorwächter[.]>
Mit dem Christian Röder, Amptmann, Ambt-
schreiber, Amptmanns Sohn, geredet, und nachm
Frühestügk á Dieu gegeben. Darnach
von Ballenstedt, aufgebrochen, nacher
Bernburgk, mit Carolo Ursino, und
meinen leütten, auch Ernst Dietrich
Röder, mittgenommen, Meine freundliche herzlieb(st)e gemahlin
und kinder, in gutem wolstande
(Gott lob!) findende. perge
Undterwegens, vor Ascherßleben, ienseitts,
ist unß vetter Emanuel von Plötzkaw, mit
seinen Schwestern, begegnet, nacher Quedlinburgk
gehende. Gott wolle sie geleitten! perge
Conversatio, mit Wallwitz, mit Philipp Güder,
mit Hans Senf undt Hans Friedrich Eckardt bey mir, gehabt,
wie auch allerhand anstaltt gemacht,
durch Tobias Steffeck von Kolodey deßen, so in meinem
abwesen, gehaüft worden.
Den landtrechnungsabschiedt, von Deßaw,
gelesen, undt ponderiret.
Conversatio, mit Jehna, zu abends.
Jn die kirche, und predigtt Mencelij
cum uxore et liberis, conjunctim, vormittags[.]
Extra: zu Mittage, gehabt, den
CammerRath, Doctor Mechovium, und hofpre-
diger Mencelium. hofmeister
Wallwitz, und Tobias Steffeck von Kolodey seindt nu-
mehr ordinarij, wie auch Ernst Röder.
Conferentz mit Jehna.
Postea: mit dem Landrichter, parlirt.
perge
Nachmittagß, conjunctim, in die predigtt
Ern jonij.
Der Hofprediger, Mencelius, ist krangk
worden. Gott wolle es mit ihm, zur beßerung fügen!
Hans Senf, ist von Gröptzigk; (re infecta!) wiederkommen. perge
Non omnia, possumus Omnes!6
Jch bin hinauß geritten, meine felder,
und getreydig zu besehen. Es ist etwaß
vom regen niedergeschlagen. Der
heüttige windt, kan es wieder
außtrugknen.
Extra: zu Mittage gehabtt:
einen von Peltzigk, hofrath Paul
Ludwigen, und Secretarium Bährenreütt. perge
<wie auch, Geörg Cnüttel. perge>
Conferentz, mit hofrath Jehna.
Schreiben von Wien, daß der Kayser,
undt König, nacher Baden gezogen, eine leibes-
cur zu gebrauchen. Gott gesegene Sie!
Jtem: avisen: daß die Engelländer,
und holländer, große freẅdenfest
machen, über ihrem frieden,
undt Frangkreich einzuschließen, jnclinjren.
Die Schotten, hingegen, sollen wieder
die Engelländer, victorisiret haben.
Es scheinet, Cromwell, wolle, gegen Span-
nien, repreßalien gebrauchen.
Der König in Spa Frangkreich, wil sich, zu
Rheims, cröhnen laßen, dahin die
Meisten Fürsten zu erscheinen, sich endt-
schuldiget, auch der Düc d'Orleans.
Prince de Conty, gehet nach Catalogna
alß Königlicher Vice-Roy.
18 Engelländische Schiff, haben bey Candales
anß land gesetzt, geraubet, und geplün-
dert, Sie seindt aber, übel abgefertiget
worden, und haben nicht allein, schläge
bekommen, Sondern auch, 2 von ihren Schiffen,
im Stiche, laßen müßen.
Grävelingen, ist mehrentheilß
abgebrandt, Schloß undt Stadt, durch
ein feẅer, so inß Magazin kommen.
Die resignation der Königinn in Schweden
und die cröhnung des Pfaltzgraven, sol
noch, vor sich gehen.
Jn Dennemargk, graßiret die Pest, zu Copenhagen.
Jn Polen, seindt die Cosagken und Moßkowi-
ter, undter dem Chmielinsky, noch in armis. perge
Jn Briesach, ist es wieder Stille.
Cromwell schreibet sich numehr: Olivier,
Jmperator, et Protector, Angliæ[,]
Franciæ, et Hyberniæ. perge Baldt
darauf haben ihrer 30 wieder sein
leben, conspiriret. Die Conspiration
ist aber entdegkt, undt etzliche
darüber eingezogen worden.
Jn Virginia, haben die Königlichen
mit den Parlamentischen, Vesperas
Siculas, vorgehabt. Jst aber ent-
degktt worden.
Cromwell, macht ordre, die Schotten,
von vornen, und von hinden, anzugreiffen,
undt einzuschließen.
Die venezianer, haben, bey Catharo
etzliche einfallende Türgken, geschlagen,
hingegen, seindt ihnen, 4 vornehme
Schiffe, bey Candia, gescheittert.
Der Pabst, undt venedig, interponiren
sich, zwischen Spannien, undt Franckreich,
ob friede zu treffen?
Extra zu Mittage, ist da gewesen: der
Briefe, auch auß Schlesien, entpfangen.
Dem Rudolf Peltzigk, habe ich auch
audientz gegeben.
cVngefehrlicher vfsatz Was alhier <dzu Crossen nemlich> eauf einen
Kohlbrenner gegeben wirdt.
Es wirdt dieser örther auf allen Vnndt ieden hammern
mit den Kohlbrennern nicht anders gedinget Alß das Sie
zu einen großen Meiler das holtz zuvor zusammensetzen
undt brennen müßen, davon wirdt demselben nach Ad-
venant zu zwantzig undt ein undt zwantzig auch nachdem
das holtz böse zuhawen zwey undt zwantzigst Alles gegeben.
Es seindt aber große Meiler die in die Funfzehen Klaftern
in der dicke haben, Vnndt vber zwey man in die höhe.
fDen hofrath: Paul Ludwig wiederumb, bey mir gehabtt,
expedienda zu expediren.
A spasso, mit Meiner herzlieb(st)en gemahlin, nacher Palbergk
undt alldar, über nacht, gegeßen. Meine
Tochter, Eleonora Hedwig, undt Carolus Ursinus,
seindt auch mitt gewesen. Wir haben auch
theilß niedergeschlagenes getreydig besehen.
Gott erhalte! und vermehre uns, seinen Segen!
Wallwitz ist von Plötzkaw wiederkommen, dahin
er heütte Morgen, geritten.
Der Bötticher hanß, ist außm Frangkenlande
wiederkommen.
Jn die kirche, und wochenpredigtt, conjunctim. perge
Text: ex Genesi7g von des Cains, undt
Abels, opfer: Wenn du Fromb bist, so bistu
angenehm etcetera[.]
Zu Mittage, extra: gehabtt, über die
Ordinarien extraordinarien8, den Tobias Steffeck von Kolodey[,]
Jtem: den caplan jonium.
Avis: daß der hertzogk Christian
vom Brigk, das Fürstenthumb Wolaw,
mit der Residentz Ohlaw, bekommen,
undt in die 36000 ReichsthalerRthlr: einzukommen,
hertzogk Ludwig hette Lignitz bekommen,
undt hertzog Geörg der Elltiste, hette Brigk
behalten. Die landschaft thete auch, ein
großes, undt vieles, bey ihnen. perge
Mais! que font lès nostres? Rien! ou, si peu, que rien!
Avis: daß auch daß hagelwetter bey
Gotha, dem hertzogk Ernst, sein getreydig,
zernichtet, undt großen schaden, gethan.
Donnerstag♃ den 15. Junij; 1654.
Nacher Croßen, geschrieben.
Secretarium Bährenreütt, bey mir gehabtt.
A spasso, in gartten, auch zu dem Rübe-
saht, wintergersten, weitzen, rogken,
und anderm getreydig. Gott wolle es
unß gesegenen! und wol genießen laßen!
perge
Doctor Fischern, extra zu Mittage, gehabtt.
Conversatio, mit ihm, mit Wallwitz,
mit Jehna, mit Tobias Steffeck von Kolodey &cetera perge
<Kühle wetter, wie gestern. Regen. perge>
Doctor Fischer, ist abermal bey mir gewesen, und hat
mir ein Trisenet gebracht, zur præservation,
contra Calculum. Gott wolle mirs, wol gedeyen laßen.
perge
Philipp Güdern bey mir gehabtt, in Oeconomy sachen,
Conversatio, mit Sekerka, Tobias Steffeck von Kolodey & alijs.
wallwitz, ist von Gröptzigk, dahin er gestern gerjtten, wiederkommen.
Jngerßleben (welcher, in die 20 gevattern
erbehten, und viel gäste gehabtt) kindttaüffen
allhier zu Bernburgk, hat numehr, ein ende.
Gott segene, ihm, und einem ieglichen, das Seinige!
<Regen.>
Allerley Cantzeley Commißiones, expediret.
Jch bin hinauß, nach Zeptzigk geritten,
undt auf meine Felder, mit Jehna, Tobias Steffeck von Kolodey
und noch 2 dienern, und knechtte, haben
das getreydig im Felde, die Fohlen,
die gebeẅde, in etwaß, betrachtet. perge
Oeconomy: und rechnungssachen, vorgehabt.
Post von BallenStedt, entpfangen, pas
la meilleüre, touchant üne correspon-
dance, contre moy, entre deux anciens
amis, le Colonel Werder, & Christian Julius de Heim.
Dieu confonde, leurs machinations, preiü-
diciables! <Conferentz, mit Jehna. perge>
<Regen.>
Jn die kirche, conjunctim. Text: Lucas 69.
Seidt Barmhertzig, etcetera[.]
Avis von Deßaw, vom Cantzler Milagio
welcher den præsentwein, zur hochzeitt,
des hofraths, seines Eydams, abholen leßet.
Nachmittags wieder zur kirchen, mit Carolo Ursino
|| [[Handschrift: 232r]]
da auch, die Catechisation, gehalten worden.
<Kühle wetter. Regen.>
Expedienda expedirt, in Cantzeleysachen,
durch Secretarium Bährenreütt, welcher
auch, (interimsweyse,) meinen Carolum Ursinum
informiret.
Gott seye lob, Ehr, undt dangk, herrlig-
keitt, Sieg, undt dangk, daß ich wieder briefe
von Geneve von Meinem Sohn, Viktor Amadeus ent-
pfangen, welcher große gefahr, zu waßer,
und lande, theils in Liguria, theilß
im Milanese, undt in Frangkreich,
der Soldaten, banditen, undt raüber
halben, außgestanden. Gott bewahre
ihn ferner gnädiglich,! und helfe, das
wir den vorgesetzten zwegk, erreichen mögen!
Dangket dem herren, denn er
ist Freündtlich, und seine gühte
währet ewiglich!10 Amen! Amen! Amen!
perge
Wallwitz zeücht heütte nacher Deßaw,
auf hofraths hermann hochzeitt, mit Cantzlers
Milagij Tochter. Gott gebe, zu Segen!
Die Ordinarien, bringen mitt:
Daß Cromwell, bey nahe ermordet worden
wehre, alß er von Hamptoncour wiederkommen
die 30 conspiranten aber, wehren erdapt.
Die Schotten, hetten abermal victorisiret,
wiewol Cromwell, und sein General Mongk
2000 Pfund (libra)pf: Sterlings, auf den General Midleton
und andere Königliche Officirer gesetzt,
wer Sie Todt, oder lebendig, lifern
würde? Der Düc d'yorck, würde
persöhnlich erwartett. Sie die Schotten,
wehren in den bergen, 12000 stargk[,]
hetten viel außlender: deützschen, Fran-
tzosen, wolgesinnete Engelländer,
Jrrländer, etcetera[.] Portugall hette
accordirt, mit Engellandt. Spannien
stünde in repreßalien, und die Engel-
länder lawreten, auf die WestJndische flotte,
welche sehr reich, an Silber sein sollte.
Frangkreich tractirte auch noch mit
dem Protectore Cromwell, wiewol es
nicht allerdings, zu trawen, uhrsach hat,
|| [[Handschrift: 233r]]
weil in Britannien, etzliche Engelländer eingefallen.
Pfaltzgraf Ruprecht, sol nach heidelberg reisen.
Aucn, das Reich Dennemargk, sol nicht
recht, vor Cromwell gesichert sein.
Die Königliche Frantzösische Cröhnung,
hat ihren forthgang, zu Rheims, dahin
über die 50000 Menschen, kommen sollen,
und große præparatoria gemacht werden.
Jnterim: wirdt Stenay, von den
Königlichen blocquirt. Der Visconte de
Türenne, ist krangk, wirdt numehr
Prince de Türenne, tituliret.
Barcellona, sol auch wieder attacquirt
werden. Zu Lißbona, ist eine con-
juration, wieder den König in Portugall
entdegkt. Final und Genua
fangen ahn, einander mit thätlig-
keitten, zu begegnen. Spannien, nimbt
sich Finale, mit repreßalien, ahn,
im Königreich Neapels, und anderstwo.
Zu Stogkholm, seindt 50 haüser, abgebrandt.
Die Tartarn, offeriren dem König in Polen
assistentz, wieder Moßkaw, wie auch
Ragozzi thut, beynebenst den Moldawer
und Wallachischen hospodarn. Jedoch,
bitten Sie, der Cosagken, submißion
ahnzunehmen.
Die venezianer, wehren sich noch
gegen die Türgken, und nehmen jhnen
Schiffe ab.
Der Pabst will nicht, das der
Cardinal de Rhèez sein Ertzbisthumb
resignire, er seye dann, auf freyem Fuße.
Pfaltz Neẅburgk opponiret
sich mit Macht, der restitution,
so wegen der lehenschaften, in Jülichi-
schen landen, Chur: Pfaltz, zuerkandt
worden seyen.
hertzogk Frantz von Lottringhen,
hat mühe, seine armèe, mit geldt
zu contentiren.
Briesach, und der gouverneur Harcour
haben sich, mit dem Könige in Frankreich verglichen.
Das donnerwetter, hat 8mahl
in den Thurm, und Münster, zu Straß-
burgk eingeschlagen, und schaden gethan,
am knopf, an der Schnegke, auch sonsten.
Der Amptschreiber Cnüttel, ist von
Ballenstedt anhero kommen, (mit Victualien,
undt seine rechnung abzulegen.[)]
Der Copiist ist auch mittkommen.
<Regen.>
Jch bin, mit Carl Ursinus hinauß geritten, mein ge-
treydig, wie sichs niedergeleget, zu besehen.
Es hat heütte wiederumb, stargk gereg-
net. Gott wolle unß doch noch etwaß,
von seinem milden Segen, übrig laßen!
Jch habe præparatoria gemachtt, a ün nou-
veau bien jntentionnè desseing. Dieu le
vueille benir! & faire prosperer!
Vom Cantzler Milagio, nochmalß dangk-
schreiben erhallten.
<Windig.>
Jn die kirche. Text: von Cains Todtschlag 11,
Genesis 3.12 Conjunctim! perge
Extra zu Mittage, hofprediger Menzelium
und Secretarium Nagler, von Plötzkaw.
Philipp Güder, hat sich auch præsentiret.
Jtem: conferentz mit Jehna, gehabtt.
Avis: daß vorgestern, die Aeptißinn
von Quedlinburgk, von Plötzkaw,
wieder aufgebrochen, nach dem Sie,
6 Tage lang, alldar stille gelegen.
perge
Meines bruders Raht, Pose, mit deme,
meine Cantzeley:rähte, undter-
schiedliche expedienda, ein drey
Tage hero, vorgenommen, und sonder-
lich theilß vom Adel, vorbescheiden,
seindt wieder voneinander gezogen.
Lange conversatio, mit Jehna gehabt.
<15 Groscheng: vor Carl Ursinus' Schuehe.>
An Viktor Amadeus geschrieben, und etwas remittiret.
Gott gebe, zu glügk! Segen! und succeß!
perge
Difficulteten gefunden, in meinem vorhaben. perge
Nihil est, omnibus nostris, absolute perfectum!
Antworth, vom Düc de Crouy; daß er gern
meine stelle zu Alten Stettin, auf des letzten
hertzogs in Pommern, Bogislaj, 14. meines hochgeehr-
ten herren Schwagers Liebden Sehligen, seiner Fraw-
Mutter bruder <leichbegengnüß> (ersuchter maßen) vertretten
hette, wenn er nicht mein schreiben durch
den Schwedischen Cammerbotten zu spähte ent-
pfangen hette, seine gesandten albe-
reitt forthgeschigkt, und nicht selber
mit den kindeßblattern, befallen worden wehre?
Nach BallenStedt, wiederumb, mit Carolo
Ursino, Doctor Fischern, Ernst Rödern, undt Secretario
Bährenreütt, auch andern comitat gezogen.
Le bon Dieu, vueille seconder, més desseings! perge
Je trouve de la resistence, assèz grande! perge
<70 ThalerThlr: liquides geldh (inclus: 40 ThalerThlr: vom Scharf.) als 30 ultimj[,] 20 hodie, 40 Matthias Cnüttel[.]>
<2 hasen.>
<1 Groscheng: Carl Ursinus[.]>
Jch habe den Amptmann Märtin Schmidt,
bey mir gehabtt, und vielerley expediret.
Postea: den Amptschreiber Cnüttel, gehabtt.
Jtem: den Medicum, Doctor Fischer, undt Phjlipp
Güdern, welche herbatum gehen, in die
hartzberge, undt gute kraütter samlen,
(heütte, undt in der JohannisNachtt), wollen. perge
Mein Carolus Ursinus, hat vögel geschoßen,
gegen Riedern, auch daselbst gefrühestückt,
mit Rödern, undt andern.
Carl Ursinus hat herj, im winde, einen bösen halß
bekommen. Gott wolle es beßern! perge
heütte, hat mein page, Albrecht Sekeka[!],
ein kopfwehe, und fieberschawer bekommen.
Gott wende, in gnaden alles unheyl!
Jn andern anliegen, gibt es auch remoras.
Mon Valet de chambre; Louys Rober, se con-
triste, dü dam, qu'il craint de souffrir, en
la moison, dürant son absence, apprehendèe!
Les officiers dü Baillage, m'entrejettent, dès
difficültèz, (selon leur coustüme;) en tout!
Jch habe den Haüptmann Börstel, zu hoym,
durch Ludwig Röber besuchen laßen, <und frustra sollicitirt.
et cetera>
hinauß marchirt aufs Reheblahten,
ein par Rehebögke gesehen, aber nichts
zum Schluß, bringen können, nach viel-
fältiger bemühung. <Patientia! Es ist nicht
alle Tage, fangeTag, wol
iagtTag.>
Hanß Senff, ist von Bernburgk ahn-
kommen, mit briefen, von Meiner herzlieb(st)en gemahlin
undt dem von Wallwitz, auch mich
concernirende.
<2 ThalerThlr: Hans Senf[.]>
<1 Rehe, der Forster13 geschossen.>
Hans Senf wiederumb ablegirt. Gott gebe, zu gedey-
lichem succeß!
heütte ist der Johannis Termin, in den
Embtern. Das Fest Sankt Johannis, (alß ein
Apostel Fest,) wirdt von Papisten, undt
lutheranern, hochfeyerlich, celebriret.
Wir reformirten aber, feyren nicht der
Menschen feste, ob wir gleich der heyligen
gedechtnüß ehren, undt ihre Tugenden imiti-
ren sollen. Sie begehren es auch nicht, ob metum
superstitionis, et Jdolatriæ. Gott will seine Ehre, keinem
|| [[Handschrift: 236v]]
andern geben. Gott allein gebühren die
Feste, die Anbehtungen, die verehrungen,
undt Tempel, mit allem Gottesdienste
so wol, alß <das> waß <etwan> einen Schein, oder ge-
fahr deßelben, (wann man es den
Menschen, auch den allerheiligsten,
erweysen sollte?) haben mag?
So hütet eüch dann, und bewahret
eẅere Seelen wol, daß ihr eüch,
mit Abgöttischem wesen, noch mit
dem Schein, einigerley gleichnüß,
nicht verderbet, etcetera wie deßen
verbotts Jnnhalt zu lesen, in den
büchern Mose14, undt sonst vielfältig, in der
Heiligen Schrifft! Sehlig seindt, die es lesen, und thun!
Doctor Fischern, den Amptmann, den Ampt-
Schreiber, Secretarium Bährenreütt, Philipp
Güdern, die Röder, und andere (successive)
admittiret, gehöret, undt expeditiones <ihnen> anbefohlen.
Postea gefrühestügkt, und nacher Bernburg
gezogen, mit Carl Ursinus[,] Doctor Fischern, und beyden Rödern.
Alda habe ich nachricht, von gästen, erhalten.
Daß nemlich, Landgraf Fritz, mit 30 pferden und mehr,
ahnkommen wollte. Jch kahm erst, umb 7 ahn,
zu abends. Man hat, meine absentz vorge-
schützet, und vorspann bewilliget.
Baldt darnach, sollen Landgraf Fritz,
und die<er> <iunge> vettern von Deßaw, über
die Sahle, in die Stadt, paßiret sein.
Wallwitz, ist von Deßaw, wieder-
kommen. Rindtorf aber, außm Carlßbade.
heütte sol die einsegnung,
zu Aldenburgk, mit großem
pracht, geschehen. Gott gebe glügk!
Conferentz, mit Jehna, und Rindtorf.
Landgraf Fritz, ist gestern abendt spähte,
umb 9 uhr, (als das Schloß zu, gewesen)
allhier, ahnkommen, und über die Fehre
paßiret, beym Feldschehrer eingekehret,
mit vetter, Hans Geörgen, in die 30 pferde
stargk. L'apres disnèe, il m'envoya ün noble
|| [[Handschrift: 237v]]
me saluant h & m'avertissant, qu'il me
vouloit parler, mais ma femme s'ex-
cüsa, qu'elle estoit indisposte, & seüle
que j'estois absent, (comme de vray i'estois,
car je n'arrivay icy, que sür les sept
heüres, dü soir) qu'il seroit mal servy,
remettant toutesfois a sa volontè,
s'il vouldroit encores venir descendre,
au chasteau, et s'y pacienter? On re-
pliqua, qu'il viendroit sür les 6 heüres,
asseurêment, mais il vinst a 9 heures,
et passa comme dit est. Ce mattin,
le Prince Jean George, repassa <vers Dessaw>, sans
se faire annoncer chèz moy. Et le Landgrave
partit vers Halberstadt, au mesme temps,
d'icy, a scavoir, sür les trois heüres, dü mattin.
Er hat vier wagen, mit vorspann, biß dort-
hin, mittgenommen, se plaignant, <dü baillif> avec vehe-
mence, de leur trop tarde venuë. Jl a
beü, hier au soir, <icy> aussy bien qu'a Dessaw,
envoyant hier fort tard, ün page, et deux
|| [[Handschrift: 238r]]
lacquays devant mon chasteau, affin de parler,
(selon leur rapport) a la Gouvernante, Puis
que ie serois absent. Jls ont fort insistè, sür
l'ouvertüre, dü chasteau fermè desja. Mais
Tobias Steffeck de Kolodey les en a diverty, disant: que cela
estoit hors d'heüre & de coustüme, et s'ils
avoyent quelque chose necessaire a dire,
qu'ils le luy devroyent dèscouvrir. Enfin,
ils dirent, (avec modeste excüse, de leur
devoir, et obbeissance) qu'ils estoyent enchar-
gèz de leur Maistre, de dire a la Gouver-
nante, comment se portoit leur Princesse?
et si elle viendroit bien tost en couches?
in die wochen, etcetera[.] A son hoste, il a dit entr'
aultres choses, qu'il estoit a sa fantasie,
et qu'il prendroit son logis, tousjours icy, chèz
luy, se doutant neantmoins, de mon arrivèe,
puis que sès gens venüs devant, auroyent
veü mes chevaulx au soir, mais on luy a
dit, que ie ne serois pas venü, avecq. J'avois
pourtant envie, de l'inviter ça haut, ce mattin,
s'il ne seroit party si tempre, et mon Cousin aussy.
|| [[Handschrift: 238v]]
Ün de nos gens, dist, a cès trois valets,
qu'il nous envoya hier tard, pour parler
a la Gouvernante; comme ils insistoyent
fort, et ferme, a entrer au chasteau:
Si Vous voulèz entrer au<a> la porte,
appellèz seülement, au Vieil Trabant:
vatter Petz. Jls crierent donc
quelquesfois: vatter Petz, macht auff.
Mais, il ne rèspondit rien, n'en
ayant nül ordre, & dormant.
Jls en firent donc ün Proverbe,
ayans ainsy trouvè, visage de bois,
& appellans, ün de leur bouffons,
(qui se nomme a l'a Clauß Narre,)
a l'avenir: vatter Petz. Tout cela
denote, quelque rancüne, ou picquan-
terie secrette, dont on ne se soucie pas.
Dieu me delivre, de tels hostes! qui
m'ont ruinè, au temps de guerre, et
me veülent encores ruiner, en temps de Paix!
(peut estre.)
Diesen vormittag, conjunctim, uxore, et liberis,
zur kirchen gezogen, undt den hofprediger Mence-
lium gehöret.
Extra zu Mittage gehabt, mit den ordinarien
extraordinarien15, und beyden Rödern,
den CammerRath, Doctor Mechovium, &cetera[.]
Nachmittage, wiederumb in die kirche,
undt Catechisation des Diaconj Jonij; mit
Carolo Ursino alleine. Die Nobiles,
haben unß, wie braüchlich, (vor dem wagen
hergehende) aufgewartett.
Der iunge Johann Friederich Martius,
hat sich bey Mir præsentiret, undt suchet
Condition. Jst zu Regenspurg bey dem
Gräflichen Bentheimischen gesandten,
Bagenstegker, <ein scribent> gewesen.
Discours, mit Jehna, Sekerka, Wallwitz,
Doctor Mechovio, Rindtorff, undt andern, (successive)
gehalten.
A spasso, zu abendts, in gartten, mit Madame.
Jch habe meinen Balbirer, oder Feldschehrer
Hanß Wentzel Rohte, bey mir gehabt,
wegen Medicamenten, undt jndagirens.
Philipp Güdern, inngleichem. Derselbe
reittet mit Rindtorf hinauß, das obst in
den püschern, zu besehen.
Schreiben auß Frankreich von Adolf Börstel perge
Die avisen geben: daß der Kayser, im bade
zu Baden, sich curiren laße, und den Sommer
über, mit iagten, zubringen, gegen den
herbst aber, mit dem Ungarischen
landtTage zu Preßburgk, zubringen
dörffte. Die gesandten von Regenspurg
seindt abgezogen, sonderlich auch, herr
Volmar, alß Oesterreichischer.
Der Türckische Kayser, sol in armis
sein, undt einen stargken Feldtzug,
<zu lande> vorhaben, auch solchen gehejm halten.
Jn den Dardanellj, sol eine Mächtige
SeeArmada ligen, denen die venezianische
begegnen, und Sie nicht nach Candia laßen will.
|| [[Handschrift: 240r]]
Der Königlich Pollnische gesandter[!], sol bey dem
Türckischen Suldan, wol gehalten, und die
Tartarn, von den Cosagken, dadurch ge-
trennet worden sein.
Ein neẅer Pollnischer ReichßTag, wirdt
ahn itzo, zu Warschow, gehalten. Es gibt
dissidia, zwischen dem Feldherrn Radzivil
und den Senatorn, Jtem: zwischen dem
Könige, undt der Crohn. perge Der Moßkowiter,
hat progreß, und suchet die hospodarn auß
der Moldaw, undt Wallachey, an sich zu ziehen,
wiewol sie biß dato, vor den König, sich erklähret.
Zu Jn Schweden, sol die Königinn zwahr das
Reich, dem Pfaltzgraven, resigniret, aber
stargke opponenten gefunden haben.
Sie die Stände, wollen die Königinn, ungerne
auß dem Reiche laßen.
Die Königlich Frantzösische Cröhnung, sol gar
herrlich zu Rheims, vollbracht worden sein.
Stenay, wirdt belägert, und blocquiret.
Cardinal Mazzarinj, tractiret eine heyrath,
zwischen seiner Base, undt dem Duca di Savoya.
Der Printz von Conty, will Barcellona
belägern. Nach Genoua, offeriret Frangkreich
contra Spannien, schiffe, und volgk zu roß, undt
Fuß, deßgleichen thut Savoya, wiewol Genoua
auch tractirt, die sache in der gühte, mit
Finale, beyzulegen.
Brasilien, zusampt dem Reciff ist numehr
gantz in des Königes in Portugall händen,
und die WestJndische compagnie in hollandt,
capot gemachtt.
Nota Bene Pfaltzgraf Moritz, des Churfürsten von
heidelbergk, herr bruder, sol, (nach dem
er in Jndien gewesen, und in Nova Hispa-
nia verschlagen worden) auf ein reich bela-
denes hispannisches Schiff, kommen, undt
auf demselben, von den Piraten des
Türgken, zu Algier (leyder!) gefangen
worden sein. Gott stehe ihm, mit der
kraft seines Heiligen Geistes, bey, undt ver-
laße ihn, ia nimmermehr, bevorab in
diesem schwehren creütz, und dienstbahrkeitt.
Gott tröste seine FrawMutter, und Freünde!
Cromwell trachtet, sich zum Kayser, zu erheben,
über die drey Königreiche: Engelland[,] Schottland
und Jrrlandt! perge Die Schotten, in den bergen,
sollen, die Engelländer, geschlagen haben.
Auf die conspirationes, wieder den Crom-
well, wirdt inquiriret.
Jn hollandt, wirdt deliberiret, über
dem hause Naßaw, undt Uranien, ob?
und wie<?> es in den Frieden, zu recipiren!
Die Stadt Brehmen, hat ihre Burgk
wieder eingenommen, den Obersten Forbuß
darinnen, mit vielen Soldaten, niederge-
macht, und 4 Schwedische Aemptter, noch darzu,
in Contribution gesetzt.
Der Administrator zu halle, ist vor-
gestern, mit einer iungen Tochter,
erfreẅet worden. Gott gebe zu Segen!
Jm NiederSäxischen Crayß, wirdt daß land-
volgk, aufgebotten, auch zu Brehmen, geworben.
Jn Polen, sol man Visiones, und wunder-
zeichen, am himmel, sehen. perge
Extra zu Mittage, habe ich gehabt, den
leibMedicum, Doctor Fischer, und die Ordinarien
extraordinarien16, alß Tobias Steffeck von Kolodey[,] die beyden
Röder, den Secretarium Bährenreütt, (welcher
Carolum Ursinum, interimsweyse, jnformiret),
der wolmeritirte hofrath Jehna, ist nicht
zu rechenen, weil er numehr, wie Ordi-
narius eine zeitlang gewesen.
Post von Ballenstedt. Die Gaterschleber
droẅen, die Anhaltische ägker, auch zu
becreützigen, wenn man ihnen die
ihrige, von wegen der Steẅerretardaten
becreützigen würde? Sie opponiren sich,
und wollen auch, die quartam, nicht geben.
Andere forenses, machen auch der-
gleichen difficulteten. Patientia!
Difficilia! quæ pulchra!17
Zu Nachmittags, mit Meiner herzlieb(st)en gemahlin, undt
Tochter Ele<o>nora, auf unsere felder, spatziren
gefahren, undt zu Palbergk, zu Nacht, gegeßen,
darnach wieder in Gottes nahmen, gen Bernburgk.
et cetera
hofrath Jehna, ist bey mir gewesen.
Jtem: Ernst Dieterich Röder, welchen
Meine herzlieb(st)e gemahlin, nacher Meißdorf
umb zigelstreicher, ablegiret. Gott
gebe, zu gedeylichem glück!
Secretarius Bährenreütt, hat mir
auch expedienda, auß der Cantzeley,
vorgetragen.
Ein graf von Ebeleben, ist (unvorsehens,) diesen
Morgen, mit 15 pferden, allhier, über die
Fehre, paßiret, gegen Deßaw zu.
Es gibt manche durchzüge.
Verdrießliche ahnmahnungen, von Magdeburg
wiederkäuflichen zinßsachen, bekommen.
Mit Jehna darauß conferiret,
und resolution, gefaßet.
Mit Madame, in gartten spatzirt.
Nos gens, ont chopinè derechef. Nül presche,
nülle exhortation, nül chastiement les en
peut divertir. C'est üne pitiè. Je n'en
suis pas la cause!
Conjunctim, uxore, & liberis,
in die kirche, und wochenpredigtt,
hofpredigers Mencelij, noch ferner,
ex capitulo 4:o. Geneseos18 Von des Cains
Todtschlag, und verbannung, etcetera[.]
Hans Senf hat sich wieder praesentiret,
von seiner kleinen ablegation.
Gott gesegene, unsere labores!
Glj raccommando, una nuova
spedizione, che Jddîo benedica!
perge
Jn gartten spatzirt, mit Madame,
undt den kindern. Baldt darnach,
hats gewetterleüchtet, gedonnert
undt geregenet.
Ernst Dietrich Röder, ist von
Meißdorf, und Ermßleben, wiederkommen,
undt hat seine undterthänige relation, erstattet.
Donnerstag♃ den 29. Junij; 1654.
An Adolf Börstel schreiben laßen.
Conferentz mit Wallwitzen.
Sacra gelesen.
Nacher Palbergk gefahren, mit Madame[,]
mit Tochter Angelica, und Carolo
Ursino, aldar zu Nacht gegeßen,
mais avec fort maigre satisfaction,
a cause d'ün hümeür bizarre, et jmperieux!
19 scheffel, 3 Viertel (Hohlmaß)v: seindt aufgemeßen zu Zeptzigk
auß 2 schogk, 8 garben, winttergerste perge
durch Gottes milden Segen! <Die
Saht wahr 2 scheffel.>
Jtem: allhier, seindt auß 1 Schefel (Scheffel)schfl: wintter-
rübesath, 22 schock bundt, geerndtet.
Jtem: allhier zu Bernburgk seindt
auß 3 scheffel Sahmen winttergerste,
geerndtet: 6 schogk, 15 bundt, ahn
19 hauffen. Gott gesegene seine gaben,
undt seye gepreiset, vor seine Mildt-
reiche gnade, undt gühtigkeitt! perge
Præparatoria, zu meinem Neẅen jntent.
Discorsj, mit Wallwitz, Jehna,
Bährenreütt, &cetera successive.
Philipp Güder, undt hanß Eckardt,
bey mir gehabtt.
Verdrießliche händel, von den Testamen-
tarien, (welche gestern allhier beysammen
gewesen) bekommen, in Schrifften.
Hanß heinrich Clauß, ist heütte
zum lackayen, auf Hanß Senff
recommendation, ahngenommen, undt
vereydet worden. Gott gebe, zu glügk!
Ma fille, Eleonora Hedwig a eü tresgrand mal, de dents. perge
Dieu le vueille, addoucir! et amender!
Mein CammerPage, Albrecht Sekerka
ist noch sehr krangk, am TertianFieber.
Diesen abendt, haben sich Sekeka[!] der
allte, mein hofmeister, wie auch der
Frawenzimmerhofmeister, Wallwitz,
hofrath Jehna, Stallmeister Rindtorff,
|| [[Handschrift: 244r]]
undt andere, zum abscheidt angemeldet
undt bescheidts erholet.
Alß nun alles wolbestellet gewesen,
hat Carolus Ursinus, mein iüngster Sohn,
abendts spähte, gemeldet, die Man-
deln im Munde, wehren ihm plötzlich
geschwollen, undt er köndte nicht
schlugken, darüber man den Bal-
birer fordern, darnach sehen, undt
ihn beraüchern laßen. Gott beßere
es gnediglich! Homo proponit!
DEUS disponit!19 perge secundum beneplacitum
benignæ voluntatis, <eius! perge>
