[Samstag, 14. Juni].
Hoffrath Paulus Ludwig, ist auch bey Mir gewesen,
wegen Tobias Steffeck von Kolodey eines, undt daß andere, anzubringen,
auch sonsten, wegen anstaltt, des Fürstlichen leichbegengnüß[es.]
Jst extra behalten worden, wie auch der Amptmann,
Bährenreüth, Schwartzenberger, undt andere.a
An die Schwester Sophia Margaretha nacher Deßaw, geschrieben.
Avis: daß vor wenig Tagen, eine wolgkenbrust zu
Ermßleben, gefallen, zwey haüser verderbet,
und auch Ernst Rödern, an einem gebeẅ, schaden gethan. perge
Mit meiner freundlichen herzlieb(st)en gemahlin, nachmittage
in den gartten, spatzirt, allerley conversando. perge
Der Rector Heßlerus, hat auf unserm Sahl
vormittags, erudite geprediget, den gewöhnlichen
Text: Lucas 14 vom großen Abendtmahl.1 perge
Er ist (nach gehabter audientz,) zu Mittage,
extra behalten worden.
Hanß Senff, der Cammerschreiber, ist
heütte mit seiner hollsteinischen Maria
Paschin, von der Cantzel, in der kirche,
abgekündiget worden. Gott gebe zu glück! und Segen! perge
Nachmittage, bin ich mit meinen Söhnen, in
die kirche, zur predigt gezogen, in des jonij predigt.
Bürgermeister Tornaw, ist bey mir gewesen, postea: Hans Senf
Meine herzlieb(st)e gemahlin, ist in ihr <braw>hauß, und gartten,
spatzirt.
Des leichproceßes halben, habe ich anstaltt gemacht[.]
Gott gebe, daß alles, mit friede, ruhr, guter
gesundheitt, undt zufriedenheitt, ohne unordnung
undt wiederwertigkeitt, abgehen möge! perge
Jch habe meinen Oldenburger, im platz, ein
wenig spadetziren, und ledig herumb, im krayß
tummeln laßen. Gott gebe mir glück! zu diesem
undt andern pferden. Meine gaüle können
an itzo, nicht wol auß dem Schloße kommen
wegen annoch umgebawter brügken.
Der AmptMann, Georg Reichardt ist bey mir gewesen.
Jtem: Sekerka, Rindtorf und andere, dann
meine Söhne, wie auch andere Tägliche
ia stündtliche conversanten, rechene ich
nicht, dieweil ich sie ofte, und fast stetigs
bey mir habe, und mit ihnen, unzehlich viel
umbzugehen pflege. Gott erhalte Mir lange
solche conversation! et cetera
Schreiben von Croßen, undt Venedig. Die avisen
|| [[Handschrift: 323r]]
geben: daß der König in Schweden, fernere progreß
habe, undt die Polen geschlagen, auch Dantzigk
scharf zusetze, und die festung Weixelmünde
zu erobern verhoffe. Die Polen, wehren
auch vor der stadt warschaw, so Sie recuperirt,
geschlagen, und außgeiagt. hingegen,
gienge Admiral Ruytter, und Viceadmiral
Tromp, mit einer Schwed<stargken> flotte, durch
den Sundt, in die OostSee, vielleicht nach Dantzigk.
Die Moßkowiter liegen, noch im Armbrust,
die Tartarn, und Cosagken moviren
sich, in großer mänge, mit dem Könige
Casimiro, Polen zu recuperiren. Die
Schotten, und Engelländer, so der
König in Schweden, zum entsatz haben
sollen, wollen nicht forth, über die Elbe,
ohne geldt. Man suchet sie aber, zu stillen.
Cromwell wirdt sehr angefochten, von den
kaufleütten, zu Londen, deren reich beladene
Schiffe, zu gantzen Millionen, die Spannischen
von Duynkercken, und Ostende hinweggenommen.
Cromwell erbeütt sich, ihnen zur satisfaction
Duynkirchen zu waßer, zu belägern, und den
König in Frangkreich zu bewegen, das es auf
seiner seitte zu lande, geschehe.
Sein Admiral Blake, lieget vor Cadix,
oder Gades, (so die holländer Calis Malis,
nennen) der gubernator2 der Spannier, in der
Jnsel, hat ihn genöhtiget, aufs landt
zu kommen, umb sich ein wenig, zu erfrischen,
er hat aber höflich geantwortett, es
wehre an itzo, gar heiß, im Sommer, auf
selbigem eylande, er wolte schon auf
ein ander mal kommen. An itzo, wehre
die Seelufft kühler, und ihm, und seinen
volck, bequehmer, Thete sich bedangken. perge
hat numehr Spannien, und Portugal zu feinde,
iedoch tractiret Cromwells agent, mit
dem Könige in Spannien, und suchet
sonderlich libertatem conscientiæ vor die
Engelländer, und restitutionem ablatorum.
Mit Frangkreich stehet Cromwell wol.
Der König in Frankreich hat der Königin in Engellandt,
und dem Düc d'yorck ernstlich befohlen, nichts
feindtsehliges, gegen Cromwells gesandten vorzunehmen.
Der Päbstliche Nuncius zu Paris, ist mit
selbiger Clerisey, zerfallen, von wegen, des
Cardinals de Rhèz.
Visconte de Türenne, hat vor Avesnes,
drey Spannische regimenter geschlagen.
Duca dj Modena, hat dem Cardinal Maz-
zarinj 500 außerlesene Jtaliänische Solda-
ten, zur leibguardia geschickt, dieser,
wil iehnem hingegen, zur dangksagung,
500 außerlesene Frantzösische Soldaten, zuschigken.
Jn Catalonien, progrediren, die Spannischen.
Der Pabst macht Cardinäle, und theilet
Empter auß, Suchet eine liga, mit dem
Kayser, mit Spannien, und den Jtalienischen Fürsten,
die Frantzosen, auß dem lande, zu treiben.
Die Portughesischen Ertz: undt Bischoffe,
wil er doch wieder installiret wißen,
und numehr laßen es die Spannier auch geschehen.
Die Königinn Christina, bemühet sich sehr,
durch ihre jnterposition, allerley uneinig-
keitten, zwischen großen, und kleinen, zu
vergleichen, und kömpt dadurch, in große
reputation, inmaßen Sie auch, den Duca
dj Parma, mit dem Pabst, verglichen.
Jm Königreich Napolj, sol die pest
heftig graßiren, sonderlich in der Stadt
Napolj. Jst derowegen zu Rom, bandisiret.
Zu Palermo in Sicilien, ist ein Aufruhr
gewesen, darüber drey Rädlinß-
führer gehenckt, und der Tumult, gestillet worden.
Zu Venedig, ist ein hertzogk vom hause
Cornaro erwehlet worden, welcher nur: 18 tage
gelebet, und auch die festa dell' Ascensa
durch einen Procurator di Sant Marco, Pesaro,
in währender seiner schwachheit, halten laßen müßem.
Die Türgken, haben bey gutem windt
und wetter, Canea, nach wuntzsch, undt
willen, proviantiret, und mit volgk, endtsetzet.
Die eingezogenen und gebrochene commercien, zwischen
Malta, und dem Römischen Kirchenstado, hat der
Pabst, (auf der Königinn in Schweden, jnterven-
tion,) wieder zugelaßen, und angerichtet.
Cromwell, sol einen heimlichen anschlag
auf Cività Vecchia, gehabt haben,
welcher entdegkt worden.
Der Venezianische Ambassador Quirinj, ist auß
Spannien, zu Genoua in salvo, arrivirt.
Don Juan d'Austria, sol gar strenge
regieren zu Brüßel, an: und absetzen. perge
Der Ertzhertzogk Leopoldt, sol stadtlich
zu Wien, entpfangen werden.
Die holländer schigken wieder, eine ansehliche
flotta, in OostJndien.
Der Protector Cromwell, hat ihnen undter-
schiedliche Schiffe, verarrestiren laßen,
dieweil Sie mit Spannien, an itzo, colludiren,
und hat des vielen protestirens, des hol-
ländischen gesandten, zu Londen, nicht geachtet.
Zu Königßberg, wirdt gute wache gehalten, undt
es seindt sieder vorgangener verrähterey, undter-
schiedliche verübte exceße, gestrafft worden.
Post peracta sacra, et prophana, bin ich ein
wenig, in gartten, und an die neẅe Schloß-
brügke spatziret.
Schreiben von Deßaw, bekommen.
Jtem: auß Böhmen, vom alten Marggraven
Christian Wilhelm, welcher mir Seiner Liebden gemah-
lin absterben freündtlich notificiret.
Mit dem Amptmann Georg Reichardt und mit dem
Stadtvogtt, hammeln, geredet, von Amptß:
undt Stadtsachen.
A spasso in gartten, mit Madame.
Wallwitz ist wiederkommen.
Das liebe getreydig, bleibet wegen großer
hitze, und dürre, sehr außen, wie auch das
heẅ, und wirdt ein Mißwachß besorget.
Jch bin auch, sonst in meinem getreydig, un-
glücklich, diß iahr, in dem nicht allein,
die Fohlen zu Zeptzigk, mir darinnen
mit durchlauffen, undt abfreßen, großen
Schaden gethan, Sondern, es thun auch alhier
|| [[Handschrift: 326r]]
(reverenter) die Schweine, und die gänße, mir
dergleichen, wie sehr man auch dargegen,
sich leget, undt abwehren leßet. Nun!
Gott wirdt unß, dennoch, unser bescheiden
Theil, bescheren! und seinen Segen, nicht gar entziehen!
der gnedige, undt Barmhertzige vater perge
Abliferung, etzlicher Victualien, von Ballenstedt[.]
Conferentz, in vielen sachen, mit Wallwitzen.
Avis: daß daß wetter zu Leiptzigk, drey-
mal eingeschlagen, das man auch vermeinet,
der iüngste Tag, wehre vorhanden.
So hat zu Croßen, unlengst das wetter
in einem Neẅerbaweten Schafstall der
Churfürstlichen wittibe, eingeschlagen, undt
denselben abgebrandt, iedoch ohne schaden
des viehes.
Zu Ermßleben, hat neẅlich, ein wolgkenbruch
zwo haüser vernichtet.
Zu Northausen, Hanover, und aufm Hartz, ist
hagelschaden geschehen. Also höret man viel leides.
Am heüttigen Mittwoche, bin ich mit meinen
Söhnen, in die gewöhnliche wochenpredigt, gezogen.
Es hat diese nacht, ein wenig geregenet. Gott
zeiget unß doch noch, seine gühte! wiewol
es unß menschen, gar sparsam anscheinet.
Er kan auch ein weniges, gesegenen! perge
Er Marggravius, hat geprediget,
ex Apocalypsi Capitel 3 <den Spruch> Siehe ich stehe vor
der Thür, undt klopfe an, etcetera3 gar de-
vote alles explicirende.
Philipp Güder bey mir gehabt.
Ern Marggravium, extra zu Mittage, behalten.
Den Amptmann, Geörge Richardt, bey mir, gehabt.
Obristleutnant Luck, ist auch hieroben gewesen, wegen
des vorhabenden pachts, mit Warmßdorff. et cetera
Ce soir, mon fils Charles, allant avec 4 ou 5
personnes, sür le tard, pour voir, s'il pourroit
rencontrer, & tirer ün lievre, devant le
bois dès Prestes, (Pfaffenpusch) ils entendirent
chasser, & sonner le cornet de Veneur, (iägerhorn)
naifuement. Cela doit aussy arriver souvert
au lieu, la ou estoit campè Gallaas, devant 12 ans[.]
Meine bierfuhren, seindt von Zerbst, mit 6 faßen
(zu 4 ThalerThlr) wiederkommen. Avis kömbt mitt, daß
die Schweden von den Pohlen, vor Dantzigk, auf-
geschlagen seyn, und daß die holländer, zu
waßer, selbige Stadt, entsetzt hetten. perge
Fides sit; penes authorem! Die zeittungen,
werden sehr corrumpirt.
<2 Hasen, Carl Ursinus und Heinrich Hundejunge4. 2 hasen, Viktor Amadeus gehetzt.>
Es ist heütte, manches Menschen, sehnlicher wuntzsch,
erfüllet worden, in dem, Gott der herr, unser
allgemeines, und absonderliches gebeth, erhöret,
und regen hat laßen auf erden, in dieser
großen dürre. Gott gebe! das es conti-
nouiren, und frucht bringen, und wir
den Segen, recht mit dangksagung, <gebrauchen, undt> genießen, mögen! perge
Nacher Deßaw, und Cöhten, geschicktt,
Trawertücher, Silber, und anders, abzuholen perge
A spaßo, an die brügke, undt in gartten perge
Etzliche, zum Fürstlichen leichbegängnüß, beschrieben, vom
Adel, endtschuldigen sich, theilß, mit ehehafften,
theilß mit leibesSchwachheitt, theilß: das sie von
andern <herrn>, beschrieben, also: daß Sie Mir außfallen,
und <ich> auff ersetzung, ihrer stellen, bedacht sein muß.
Hanß Tappe den Amptschreiber, bey mir gehabt.
Schreiben von Deßaw, zu abendts spähte, zusampt
dem Furrierzettel, auf 45 personen, undt
31 pferde. Gott helfe unß, mit ruhe
undt glügk, zusammen perge auch mit gesundtheit,
welche ich an mir, etwaß bawfällig befinde. perge Patience!
<3 hasen, Viktor Amadeus einbracht.>
Zweene Rahtsverwandten, auß der Stadt, Othmar,
und der Stadtschreiber, seindt herauf deputirt worden,
noch in der Sache, den Tieffen keller betreffende.
Post peracta negocia, in gartten, an die brügke
undt umb das hauß spatziren gegangen, mit Viktor Amadeus Fürst zu anhalt.
Mit Wallwitz, conversiret. Il y a dés mès-
entendüs, entre luy, & Sekerka, que je tasche, de composer!
Jch bin mit Carolo Ursino, in die weinberge
geritten, sonderlich den Rahtsbergk, Langenbergk,
Mahseberg, undt Kochßbergk, und gesehen, wie die
weinstögke voll trauben, hängen, wie der
wein abblühet, und gewartett wirdt? auch gegen
die weinlese, Gottes Segen, (wilß Gott) zu hoffen?
Darnach, zu Schloße, alß ich wieder zu rücke
kommen, mit hofrath Paulo Ludwigen, conferiret,
undt unanmuhtige schreiben, von Quedlinburg bekommen.
Es hilft kein schonen, unerachtet der Tieffen Trawer,
undt vorseyenden Fürstlichen leichbegengnüß.
<Cantzler, und rähte sunt male moratj.>
Avis: daß Hertzogk Hanß Geörge, von Sachßen
Weymar, zu Deßaw, ankommen, undt zu Chur Bran-
denburgk gehet, in dienste sich einzulaßen.
<2 hasen eingebracht, (amazza cornice)>
Gestern, ist Märtin lackay, mit den
Trawertüchern, und andern sachen, von Deßaw, wiederkommen.
heütte werden noch mehr sachen abgeholt, und viel
fuhren außgeschicktt. Gott helfe! daß es an nichts ermangeln möge! perge
Hans Senf hieroben, wegen der rechnungen, gehabtt.
Sonst gibt es viel zu thun, undt zu bestellen, wegen
des Fürstlichen leichbegengnüßen, der Schwester Seeligen
undt mitt darein, incurrirenden hochzeitten. perge
Difficilia! quæ pulchra!5 perge
Schreiben, auß Zerbst vom hofraht Jena.
Der Ernst Röder, ist ankommen, mit seinem Söhnlein,
Gott gebe zu glück! segen! und gedeyen.
Sein sohn, sol alhier page bleiben, bey Carolo Ursino. perge
Avis: daß die herren Staaden, in den vereingten
Provintzien, sehr übel zufriedenb sein, mit dem vergleich,
welchen Chur:Brandenburg mit dem Könige in Schweden gemacht
undt daß man baldt, novellen, vernehmen dörffte.
Avis: daß der beru<bey> den Schweden, estimirte, General
Commißarius Schmidt, ob er schon begühtert, im Stift
Halberstadt, und von iahren, gewesen, auch
genungsam schon hiebevor, im kriege, erworben
gehabt, alß er wei<noch> mehr erwerben, und in den
Pollnischen krieg, zum Könige in Schweden raysen
wollen, undterwegens, von einer Pollnischen
partie, angefallen, und iämmerlich erschlagen
worden. Seine sprache, hat ihm nicht durch-
helfen können, unangesehen er, ein waßerPole
gewesen. Dann da hat numehr, alle
gnade, und barmhertzigkeitt, ein ende!
Jm Chur: Brandenburgischen läger, sol eine böse ma-
lignische Seüche, graßiren, undt viel hinnehmen.
Darahn sol auch, der Obrist Borgkerßdorf Sohn (der
Commendant zu Halberstadt ist), sein Sohn darahn
gestorben sein, auch viel andere Officirer, und Soldaten. perge
Jch habe gegen abendt, den Sargk besichtiget, wie
er gemahlt, mit verßen und Sprüchen, überschrieben
ist. Gott laße den verblichenen Cörper, wol
darinnen ruhen, und gebe unß, die Sehlige Nachfolge!
Mit Madame, ein wenig, in gartten, spatziret,
|| [[Handschrift: 329r]]
vor dem Abendeßen, biß unß, der stargke windt,
undt die beysorge, eines Regens, anlaß gegeben, baldt
wieder heraußer zu gehen. Die blumen, undt
gewächße, stehen sonst gar fein darinnen, undt
geben die baẅme und stauden, hofnung, zu guten
Früchtten, ein iegliches zu seiner zeitt! Ach! daß
wir arme menschen, auch rechtschaffene Früchtte,
der Christlichen liebe, der gedultt, und anderer
Fürstlichen Tugenden, in wahrem, ungefärbtem
glauben, recht bringen möchten?
Gottes gnade, und des Heiligen Geistes kraft, wolle
unß stärgken! vollbereitten! kräfftigen! gründen! perge
<Text: Lucas 15. Vom verlornen Schaff, undt groschen.6>
Sekerka des hofmeisters Fraw, ist Todtkrangk,
Gott wolle ihr helfen überwinden!
Post, von Ballenstedt mit federwjldpreth.
Magister Enderling, hat vor unserm gemach, auf
dem gewöhnlichen Sahl, geprediget.
Den CammerRath, Doctor Mechovium, zusampt
dem pfarrer, extra zu Mittage, gehabt.
Nachmittage, mit meinen Söhnen, in die Nachmit-
tagspredigt des jonij gezogen: Text: vom verlornen Sohn, Lucas 15.7
Mit hofmeister Sekerka, conversiret, und ihm
jnformation geben laßen, wegen bevorstehender so-
lennien, und ihn consoliret, in seinem haußcreütz[.]
Jch habe zu abends, mit Carolo Ursino,
undt dreyen Junckern, die grufft in der
kirche besehen, und eines, undt das andere
wie auch, die situation, wo der Sargk
der Schwester Sehliger stehen sol, consideri-
ret, undt daß es der 18de sein, undt
daß gewelbe damit voll werden,
und inß künfftige, zu erweittern, sein will[.]
Von Plötzkaw, ist der Alten FrawMuhme
anherokunft, zum leichbegengnüß, abgeschrieben
worden, von wegen Jhrer Liebden unpaßligkeitt. Jst
zu beklagen!
Unter obigen 18 Särgen, stehet auch einer, von
dem Freẅlein Ehrenpreißlein Sehligen von Plötzkaw, welche
vor iahren, alhier gestorben. Die übrigen,
seindt meiner lieben Elltern, <bruders undt> geschwi<e>stern,
undt kinder leichen, so im herren, endtschlafen,
Die gebeine mag ich nicht verrügken, noch die
Särge, näher zusammenstellen, viel weniger
|| [[Handschrift: 330r]]
den Creützweg dadurch, zumawren laßen, Sonst
köndten etwa mehr Särge, im gewölbe stehen, dahin-
gegen, keiner köndte durchgehen, zu den leichen
zu kommen, sonst würde man übersteigen, undt
auf den Särgen, (unleidlich!) gehen, und tretten müßen.
Unsere gebeine, und der unserigen, solten
billich, nicht verrückt, noch hin undt her,
(nach einmal erlangter ruhestedte,) beweget werden. perge
Avis: daß 2000 pferde, vor Chur Brandenburg
auß den Jülichischen landen, heütte im ha<l>berstädtischen
ankommen, ferner nach Preüßen zu, zu gehen,
Gott helffe! daß Sie unß, keine ungelegenheit machen.
Mit anstallten, erinnern, undt anschaffung der
Notturfften, bey itzigem vorhaben, zu thun gehabt.
Tobias Steffeck von Kolodey, Hans Senf, und andern, einem ieglichen,
in seinen verrichtungen, und functionen, ordre,
gegeben. Gott verleihe gnade! daß alles wol abgehe! perge
Waß nicht die Schweine, undt gänße,
in meinem getreydig, verderbet, und schaden gethan,
Solches müßen numehr, alhier auch zu Bernburgk,
der bürger, pferde thun, derer in meinem getreide
gestern herumb gelauffen, und sich geweidet. Schade überall.
|| [[Handschrift: 330v]]
Solche sachen, solten einem die haußhaltung verleidten. perge
Avis: daß hertzogk Moritz von Sachßen beylager,
mit hertzogk Wilhelms Freẅlein zu Weymar
den 2. julij, noch sol, (wilß Gott) vor sich gehen.
Gott gebe ihnen seinen Segen! Einer lachtt,
der andere weint. Omnium rerum Vicissitudo! perge
Ergo: Freẅet eüch, mit den frölichen, (iedoch, im herren!)
undt weinet, mit den weinenden. perge
Auf importunes, unnachleßiges, verdrießliches
anhalten, Meiner gemahlin, undt prætendirte
verlangen, meiner Schwester Seeligen (darvon Sie mjr
doch nichts gesaget) habe ichs endlich geschehen
laßen müßen, das der schwester Freẅlein
Dorothee Bathildis Sehliger, Sargk, bey meinem
Marichen Sehliger, unferne von des herrn-
vatters <Seligen> füßen, und zur andern seitten bey
Schwester Loysa Sehliger gestellet, der
durchgang zugemawert, und der
Sargk darauf gesetzet, der allerletzte
Standt aber, meiner gemahlin bey Erdtmann
Gideon Sehliger, (ihren seltzahmen einbildungen
nach) gelaßen werde, wiewol ich auch hoffe
darneben platz zu haben, wann Gott will?
Schreiben, von Venedig, von Fürst Friedrich und Einsideln.
Davidt Schmidt, ist ankommen, von Ballenstedt[.] Saget, es
fange ahn, unsicher zu werden, wegen der Chur: Brandenburgischen völgker.
Die avisen geben: daß der König in Schweden, der Stadt
Dantzigk, zu waßer, und lande, hartt zusetze,
und sie zu bezwingen verhoffe. Man helt die zeit-
tungen, alß ob der König, vor Warschaw, geschlagen
und das König Casimirus alles recuperiret in
Polen, vor Jesuwitrisch spargirte fabeln. Die
holländer, werden vom Könige, sehr careßirt,
und wollen viel darahn zweifeln, ob sie die
Stadt Dantzigk entsetzen, und den König, irritiren werden?
Der Moßcowiter, sitzet stille, Siehet dem Spiel
zu, und behelt, waß er occupiret.
Chur:Brandenburg hat den Tartarischen gesandten,
abgefertiget, sich mit Schweden, engagjret,
und seine leüttlin gestraft, welche zu Königs-
bergk, die Pollnischen exulanten, spoliirt haben.
Die Staaden, schicken ihre vornehmste Schiffe,
in die OostSee, tractiren aber doch, als mediatores.
Cromwell verbindet sich genaw, mit Schweden,
so wol alß <mit> Frangkreich. Schigket beyden, völcker zu.
Die Duynkercker, Ostender, und andere Spannischen,
nehmen den Engelländern, viel Schiffe ab, welches
bey den kaufleütten, und bey dem gemeinen mann, murren veruhrsacht
|| [[Handschrift: 331v]]
zumahl, da man Sie, aufs neẅe, hoch schätzen, undt
stargke defensionsanlagen, machen will. Der
Protector hoft aber, Duynkirchen, Ostende, undt
dieselbigen örtter, mit hülfe der Frantzosen,
gar einzunehmen. Jn Spannien, tractiret er
zwahr auch, allein, ohne Nutzen. Er wil die ge-
wißensfreyheit in allen Spannischen Reichen, und ländern
vor seine Engelländer, haben, allein, die Refor-
mirten, seindt ohne daß, schon bandisiret, undt
die Römisch:Catohlischen, Engell: und Schottländer,
so in Spannien, am Meer wohnen, mögen
zwar geduldet werden, iedoch müßen Sie sich,
auf 30 meilen weges, in das land hinein begeben.
Der König in Spannien, armirt gewaltig,
wieder die Engelländer, und sol Admiral
Blaeke, schon vor Cadix, abgezogen, undt
nach Portugal zu , gegangen sein. Jn
Jamaica vermeinen die Anglj, daß ihre
sachen, noch wol stehen.
Der König in Frangkreich hat dem Prince de Conty,
den Titul, eines Generalissimj in Catalonien, gegeben,
|| [[Handschrift: 332r]]
Der Prince de Tarante, ist in arrest genommen, undt
in daß Casteel zu Amiens geführet worden, weil er viel-
leicht zu frey vor die religion, oder auch sonsten
geredet, und sich beschwehret, daß er nicht beßer
befördert werden köndte. Sein Oheim, der Visconte
de Turenne hat sich seiner zwar angenommen,
Sol aber, Todtkrangk worden sein, nach dem
er mit dem Cardinal Mazzarinj, conversiret.
Sonst sol Valenchiennes, ein platz von importantz
unvermuhtende, von den Frantzosen, sein in-
vestiret worden, und bey ihnen hofnung zur
eroberung, sein. Don Iuan d'Austria, leßet
hingegen, præparatoria zum entsatz, und zur gegen-
wehre machen, der König in Frankreich verhoffet noch,
den Duca dj Mantoua, auf seiner seitte, zu erhalten.
Zu Napolj, wie auch in Romagna, Toscana,
Bolognese, sol schon die pest heftig graßiren,
also: das auch der Pabst Cività Vecchia, mit
seiner eigenen Reütterey, berennen, und gebiehten
laßen, niederzuhawen, wer heraußer wolte?
damit andere orth, nicht auch, inficiret würden!
Auf Cività Vecchia, sollen sonst, die Frantzosen, undt
Engelländer, einen anschlag gehabt haben, also: das der
|| [[Handschrift: 332v]]
Gubernator8 daselbst, (male sibj conscius)
heimlich entwichen. Der Pabst, macht legha
mit dem Kayser, mit dem Könige in Spannien,
und den Jtaliänischen Fürsten. Zu Rom
haben sich, in einer Damen, la Principessa dj Boter[a]
genandt, in ihrem hause, 300 Spannisch:gesinnete,
versamlet, in meynung, den Don Francisco
de Sousa, Königlich Portughesischer Ambassador zu ermorden,
es ist aber, der anschlag entdegkt, und er
gewarnet, der Princeßin aber, vom
Pabst gebotten, die Stadt zu reümen, hingegen,
etzliche, so man ertapt, eingezogen worden.
Zu Venedig, ist wiederumb ein neẅe
Doge erwehlet, vom hause Vallierj, welcher
auch, wie der vorige Cornaro, fluchs anfangs
krangk worden, und wol baldt auch sterben
dörfte, wie ihm prophezeyet ist worden.
Interim, helt man doch zu Venedig, die
gewöhnlichen, Regatten, und Freẅdenfeste
bey der cröhnung. Fünf reich beladene
kauffmannsSchiffe, sollen die Türckischen
|| [[Handschrift: 333r]]
Seeraüber, hinweg genommen, und dadurch, die jnter-
eßenten zu Venedig, in großen schaden, und verlust, gebracht haben.
Der Venezianer armada lieget vor den Darda-
nellj, den Türgken, das außlauffen, zu verwehren.
Zu Constantinopel, sol die zwytracht der Sol-
daten, mit dem Ottomanischen hofe, noch währen.
Sie beschuldigen sonderlich sehr, die alte Kayserinn9,
daß solche, nebst etzlichen Officirern, ursach, an
solchem Unheyl, seye. Die Spahi, laßen sich
noch begühtigen, und mit gelde, stillen, die
Janitzscharen aber, haben viel vornehme
köpfe, (dem bericht nach) abgerißen.
Ertzhertzogk Leopoldt Wilhelm, sol zu
Wien, ankommen sein. Theilß Kayßerliche völgker,
sollen, nach dem Niederlande, andere, nach
Schlesien zu, marchiren. Der Königlich Frantzösische
gesandte, zu Wien, sol malcontent sein, weil
er, (seiner opinion nach) nicht herrlich genung, gehalten worden.
Die Schweitzer sollen ihre Mißhelligkeitten,
zu Baden, numehr totaliter verglichen, undt beyge-
leget haben, wiewol es schweer hergegangen.
Abermalß post, undt Victualien, von Ballenstedt.
Etwaß resolution, auß Schlesien, erhalten, wiewol
in die zimlich lange harrebangk, Gott gebe
zu glück! undt forthgang! perge <antequam moriar! et cetera>
Den Stadtvogtt Hammeln, bey mir gehabtt.
Mit Walwitzen conversiret, (welcher den
gästen von Deßaw, <an die grentze> entgegen reitten <und sie annehmen> wirdt,
undt des Gynecæj, capriccj, moderiret, pro
posse.
An die FrawMuhme, von Plötzkaw, wieder
eine höfliche antworth, ergehen laßen, auf dero
zugeschriebene endtschuldigung, dero
nicht erscheinens, und gebehtene
anderweittige verordnung, dero Stelle. perge
Gott wolle Jhrer Liebden zu dero reconvalescentz,
auß gnaden, wieder verhelffen! perge
Avis: daß Hempo von Knesebegk landeß-
hauptmann in der Alten Margk, Churfürstlich
Brandenburgischer Raht, ein wagkerer gelehrter,
und wolqualificirter vom Adel, welcher
hiebevorn, mit unß, im Böhmischen kriege,
|| [[Handschrift: 334r]]
undt sonsten zu hofe, und auf raysen, bey herrn-
vatter Sehligen alß Raht, undt CammerJungker
aufgewartett, auch gutes, undt böses, mit Jhrer
Gnaden, und meinem Bruder Sehliger, außgestanden,
Todes verblichen. Gott genade ihm! Also
gehen alte Treẅe diehner, undt bekandten,
nacheinander hinweg, undt weisen unß, den
weg, den wir ihnen dermaleins, nachwandeln
sollen. Beatj mortuj; quj in Domino moriuntur. Apocalypse10
perge
Etzliche vom Adel, alß: zweene Rindtorff,
ein Krop, und der braüttigam Miltitz,
seindt ankommen, und Jngerßleben alhier
hat auch mitt aufgewartett. Gestern
kahm Röders bruder an, von hartzgeroda
Christian Röder.
Zwischen, 6 und 7 uhr zu abends,
kahm mein vetter, und Schwager, Fürst Iohann Casimir mit
dero herzlieb(st)er gemahlin, wie auch Freẅlein
Eva Catherina, und den beyden iungen
vettern, von Cöhten, und von hatzgeroda[!],
auch übrigem ansehlichem comitat, ahn. Jch
erwartete ihrer, (unvermergkt) in Fürst Iohann Casimirs zimmer,
|| [[Handschrift: 334v]]
(denn, alß kläger, war ichs gar nicht schuldig,
auß meinem gemach, biß zum leichconduct zu gehen)
da wurden die gehörigen condolentzen, undt
curialia, gegen dem vetter, undt Schwager,
gegen dero gemahlin, undt Freẅlein Eva
Catherina, abgeleget, darnach gienge
ich, mit meiner Fraw Schwester Liebden an dero
losament die leüchtte, darneben, undt
verstahle mich, oben durch die gemächer
wieder durch. Ließe mich auch endt-
schuldigen, undt wegen unpaßligkeitt,
wie auch, alß kläger, mit Meiner
gemahlin, undt <2> Töchtern, Angelica, undt
Anna Lyßgen, alleine speisen. Die
übrigen kinder, warteten dem
vetter, und Seiner gemahlin, in des
herrn vettern gemach, (darinnen gespeiset
wardt) auff, und mein vetter, undt
Schwager, ließ seine mittgebrachte vom
adel, Freybergk, Schuelenburgk11, Zanthier12,
Randaw, undt Hoffrath Herman <auch> mit sich, eßen.
Christof Wilhelm Schlegel, hat abgeschrieben,
weil seine Fraw, eben eines Todten Söhnleins genesen.
Gott tröste ihn, und Sie, in ihrer affliction.
So lieget auch Erlachs Fraw, im puerperio,
welche Gott stärgken, und ihr die laßt,
und Joch, erleichtern wolle!
Knesebegk ist außen geblieben, dieweil sein
vatter gestorben, wie oben gemeldet.
Jn Pommern, nach Treptaw, geschrieben, undt
die addreße nacher Stolpe, recommendiret. Gott gebe zu glück!
Theilß vom adel, schreiben ab, wegen leibes-
unpaßligkeitt, und wenig seindt noch erschienen.
Unser seindt 14 Fürstliche personen, so da mittgehen.
Man hat in den gemächern, absonderlich gefrühestückt.
Darnach, ist zu rechter zeitt, viermal geleüttet,
die Clerisey aufgezogen, die Adelichen,
und andern aufwarttungen, verrichtet,
und der conduct der Fürstlichen leiche, der
Schwester Sehligen solenniter begangen worden.
Die leichpredigt, und darzu gehörige gesänge,
und gebeth, wol absolviret, und die leiche inß
gewölbe, gesetzet, undt beerdiget worden.
|| [[Handschrift: 335v]]
Gott laße Sie ruhig bleiben, biß an den
iüngsten Tag, und helfe unß dermaleins,
mit freẅden, wiederumb zusammen!
Es ist in meinem gemach, gespeiset
worden, zu abends, die Trawer malzeitt
wir Fürstliche: 14 personen, saßen
darahn, und weil noch platz übrig,
ließe ich, den von Freybergk, Raht,
und hofmeister von Deßaw, wie auch,
hofrath Pfawen, mitt an die Tafel,
(so zweene vorsitze hatte) setzen.
Sonst gienge alles, in der Stille zu.
Donnerstag♃ den 26. Junij; 1656.
heütte, ist die Inventur, auf der Eptißinn hofe,
durch Fürst Iohann Casimir vndt meine commißarien, vor-
genommen worden.
Addreße von Deßaw, in des gymnasij sachen,
bekommen.
Etzliche vom Adel, seindt dimmittiret,
dieweil Sie gar nicht bleiben wollen, <apud nuptias.>
Jch habe in angelegenheitten, den hofrath Paulum
Ludwig, zu Meiner Frawschwester Liebden geschigkt. perge
Elle a ün peu trouvè estrange, au commencement,
més jüstes desirs, (mais toutesfois avec
grande moderation & civilitè), enfin, elle
s'est accommodèe, de plüs près, a quelque satisfaction,
& i'ay aussy cedè, en beaucoup, d'affection fraternelle. perge
prenant ün fardeau, sür moy, non necessaire.
Hanß Senff, mein geheimer kammerdiehner, undt
Cammerschreiber, ist mit Maria Paschin, FreẅleinMagdt,
in der kirche, getrawet worden, nachmittage,
nach vier uhr. Gott gebe ihnen, seinen Segen!
Die Brautt, hat geführet, der Obristleütnant Lugk,
alß Fürst Iohann Casimirs abgeordneter und hofmeister Sekerka,
alß meiner. <es folgten Adeliche und andere Frawen, sei<un>dt Jungfern seind> Den Braüttigam aber: Ernst Dietrich
Röder, und hofrath Paulus Ludwig. <Andere Rähte, undt
hofofficirer, auch hoffdiener, giengen auch mitt.>
Nachmittage, habe ich meinem vetter, Fürst Iohann Casimir
und dero herzlieb(st)en gemahlin Liebden wie auch Freẅlein Eva,
da sie allerseitß, in meiner gemahlin stube kahmen)
zugesprochen, und seindt lange daroben gewesen.
Jhre Liebden haben dero leütte, mehrentheilß verschicktt.
Jch habe, dem Obristleütenampt Luck, in meinem
gemach, zugesprochen, wie auch, Pariß Werdern.
Gegen abendt, seindt Meines vettern, leütte
wiederkommen.
hofmeister Freybergk von Plötzkaw, ist von
vetter Lebrechtt, zu Fürst Johann Casimirn, abge-
ordnet worden, ihn mit den Seinigen, nacher
Plötzkaw, zu invitiren, auf morgen, (gebe gott)
er hat sich aber endtschuldiget.
Auf den abendt spähte, ist die
Adeliche hochzeitt Geörge Friderichs
von Miltitz, mit unserer Jungfraw
Agnes Christina von Wirle, oder Wirleben,
gehalten worden, welcher proceß anderß-
wo aufgezeichnet ist. Gott gebe ihnen
seinen Segen, und eine friedliche ihme
wolgefällige Christliche ehe, wie
von Geislichen, und weltlichen ihnen
vielfältig gewüntzschet worden. Der
hofprediger Mencelius, hat den Sermon, undt
die Trawe verrichtet, Wallwitz aber
mit einer zierlichen schönen oration, die übergabe
|| [[Handschrift: 337r]]
der Brautt, am bette, dem Braüttigam, in Mein
undt meiner herzlieb(st)en gemahlin Liebden nahmen, und Doctor Mechovius,
hat die dancksagung, wol abgefaßet gethan.
Fürst Johann Casimir, und ich, haben die
Brautt geführet, Mein Sohn Victor aber
undt der Cöhtnische vetter Wilhelm Ludwig,
den Braüttigam, von, und zu der Trawe.
Muteten, und psalmen, hat man gesungen,
sonst keine Musick gehabt, in dieser tieffen
Trawer. Umb 10 uhr, zu abendts
ist man erst zur Tafel kommen, da brautt
undt Braüttigam, wie auch die Fürstlichen
personen, durch vom Adel, <mit dem tringken> serviret, undt
auch durch zwey vom adel, vorgeschnitten
ist worden. hofmeister Walwitz, alß der
brautt Freündt, hofmeister Freybergk
von Deßaw, und Doctor Mechovius, saßen
auch mitt, an unserer langen Tafel.
Es wurde mittelmeßig getrungken,
und umb 2 uhr, kam man, von der Tafel.
Der Hoffprediger behtete, vor: und nach der malzeitt.
heütte frühe, umb 4 uhr, ist der vetter von
Cöhten, verrayset, nach Cöhten zu, en carosse.
Meine Söhne, und Töchter, seindt (in considera-
tion, meiner Sehligen schwester Liebden verlaßenschafft,
darahn ich wol am erbe, mitt zu participi-
ren hette gehabt, wenn man den rechten
nachgehen wollen?) von der Frawen
Schwester von Deßaw, theilß mit schönen
ringen, theilß mitt kleinodien, theilß
mit perlen, und rareteten, ansehlich beschengkt
worden.
hofrath, Paulus Ludwig, ist bey mir gewesen,
den vergleich, mit der Fraw Schwester Liebden in richtig-
keitt, zu bringen.
Nach dem mein vetter, und Schwager, Fürst Johann Casimir
mit den seinigen, gefrühestügkt, bin ich hinü-
ber gegangen, habe noch lange, mit ihrer Liebden
discuriret, endlich haben wir einander
Treẅhertzig Valdicirt, sonderlich, die Fraw
Schwester, welche gar wehemühtig worden. perge
Dieweil die gestrige hochzeitt, nur eine
abendthochzeitt gewesen, Alß habe ich mich
mit meiner herzlieb(st)en gemahlin, und kindern, alleine,
in meinem gemach, speisen laßen, undt
Brautt, und braüttigam, draußen, auf dem
Sahl, mit den meynigen, Adelichen, gegeßen.
Die Depesche in Pommern, nacher Treptow, und addreße nacher Stolpe
ist also expediret, das Sie durch eigenen bohten,
Morgen (gebe gott) forthgehen kan, und sol. Gott
gebe zu glügk! Segen! und forthgang! perge
Gestern seindt auch die Sigel <vor Schwester Dorothea Bathildes Sehliger gemach> durch verordnete
Commißarien, eröfnet, undt der Fraw Freyberginn,
im nahmen, der Fraw Schwester Liebden kisten, undt
kasten, undt alles, waß darinnen gewesen, <mobilien, etcetera> ex-
tradiret worden. <Hans Senf ist bey Mir gewesen.>
Nach dem, meine empfundene SteinesSchmertzen, diese
Nacht, durch Gottes hochpreißlichen gnaden Segen, nach-
gelaßen, (der hußten zwar nicht) bin ich diesen
Morgen, mit Carolo Ursino, auf meine breitten,
hinauß reitten, da Sie schon anfangen zu meyen.
Gott erhalte, undt vermehre uns, seinen gnadenSegen! perge
Mit Wallwitz, habe ich viel: undt
mancherley geredet, von vergangenen solenniteten.
Er hat auch dangksage gethan, im nahmen
der brautt, und Braüttigams, vor alle erwie-
sene gnade, ehre, undt außrichtungen.
<Regen.>
Jn die kirche conjunctim gezogen.
Doctor Mechovium, Doctor Fischer, undt den
Braüttigam <Miltitz>, extra gehabt.
Nachmittage, die besuchung der predigt eingestellt.
Mit Wallwitz, viel dißcuriret.
Ein zimlicher calculus ist diesen Morgen,
von mir gegangen, <groß> wie eine linße. Gott
lob, daß ich darvon liberiret bin! perge er
wolle mich ferner, vor solchen schmertzen, bewahren
durch seine gnadenreiche gühte! und
barmhertzigkeitt, und mich, vor zorn,
und ungedultt, gnädiglich beüten! perge
Meine Söhne Victor, und Carll, seindt alle
beyde, nacher Ballenstedt verrayset, in den reiffen
vogelbeeren, schnerren, und andere vögel, zu schießen.
|| [[Handschrift: 339r]]
Gott wolle ihnen, eine glückliche rayse, undt wie-
derkunfft verleyhen! und sie vor unglügk gnediglich bewahren! perge
Den Amptmann, Georg Reichardt[,] Jtem: Hans Senf bey mir gehabt,
item: den Doctor Fischer, (succeßive), in diversimodis expediendis perge
Tobias Steffeck von Kolodey nun, (so fast daß Directorium, von allen sachen
führet) ist täglich, ia oft stündlich bey mir, in vielfältig,
ihme obligenden expeditionibus.
Jn der OostFrießländischen sache, haben die herren-
vettern, Fürst Johann Casimir, Fürst Hanß, undt
Fürst Lebrechtt, rescribiret, undt sich, <zu Meiner assistentz> wegen intro-
duction deßelbigen neẅen Fürsten, undt
vermehrung, eines Evangelischen Voti, gar wol
erklähret, wann ein ReichßsTag solte gehalten,
undt die Sache weitter gesucht werden?
Die Testamentarien, seindt an itzo, alhier
zu Bernburgk, versamlet, in Fürst Wolfgang Sehliger
Testaments Stiftungen, und verordnungen, zu procediren.
Es ist: 1. Christian heinrich von Börstel. 2. hanß Ernst
von Freybergk, 3. Superintendens alhier.
4. Der Superintendens von Cöhten. 5. Ein Bürger-
meister alhier.13 6. Ein Bürgemeister[!], von Cöhten.14 perge
Gott gebe! das Sie etwaß Nützliches, deliberiren,
undt außarbeitten mögen! perge
Bürgermeister Tornaw, ist herauf kommen, klaget, daß
er von Börsteln injuriirt, und affrontirt worden.
Jch habe ihn extra bey dem eßen behalten
laßen, neben, Miltitz, Schwartzenberger,
undt andern.
Miltitz, hat seinen undterthänigsten abschiedt
genommen. Wil die brautt, in kurtzem abholen.
Nachmittage, habe ich wiederumb mit
Bürgermeister Tornaw, geredet, werde inquiriren,
undt in billichen dingen, ihme schutz halten.
hofrath Jena, ist von Zerbst wiederkommen.
Meine Söhne werden auf eine Wolfs-
iagt invitirt, nacher Deßaw, undt seindt
nicht alhier. <Jena ist bey mir gewesen. perge >
Schreiben von Croßen, Halle, Leiptzigk.
Avis auß Rom, daß der Duca dj Bracciano,
ein löblicher herr, haüpt vom hause Ursin,
mit Todt abgegangen, undt wirdt Fürst Friedrich notificiret.
An Meinen Sohn Viktor Amadeus geschrieben.
Die Avisen geben: Daß der König in Schweden mit Chur
Brandenburg sich gäntzlich verglichen, undt eine alliance
offensive, et defensive, contra Polen, geschloßen.
Die Stadt Dantzigk, wehre hart blocquiret, und ihr
schon, daß frische waßer, (außer der brunnen) abgeschnitten,
undt die neben Schantzen, vom Könige in Schweden, erobert.
Warschaw wehre entsetzt, viel Stürme
davor, abgeschlagen, und ein Schatz, von 400000 ThalerThlr:
werth, im Schloße gefunden worden. König Casimirus,
wehre auch numehr davor abgezogen, ob er schon
40000 Mann, beysammen gehabt. Wittenbergk,
Eschken, undt andere tapfere leütte, lägen darinnen.
Der Kayser, hette einen gesandten, den grafen
von Pöttingen, zum Könige in Schweden, geschigkt,
welcher wol 14 tage, in Warschaw gelegen,
endlich aber nicht länger eingesperret sein wollen.
Der Czaar, sol noch, ein auge, auf Liflandt haben.
Die Staaden cunctiren, mit dem entsatz
Dantzigk, dieweil alle Städte, darwi-
der sein, mit Schweden, nicht zu brechen, außer
Amsterdam.
Vetter Hanß Geörge sol mit 6 compagnien
in Stettin, eingezogen sein.
Zwischen Frangkreich, Schweden, Engellandt,
Dennemarck, Hollandt, Moßkaw, sol eine
confederation vor sein.
Der König in Frangkreich, hat dem Marchese Mancinj,
des Cardinals vetter, daß Generalat über die
Schweitzer, gegeben, wornach viel competitores gestre-
bet, nachdem es durch den Todt, des Mareschal
de Schömberg erloschen, daßelbe Amptt.
Es continuirt, daß der Prince de Tarante, in daß
castell zu Amiens, in arrest, geführt worden.
Die Clerisey wil nichts contribuiren,
man demolire dann wieder 260 kirchen,
den reformirten, so man ihnen, anno: 1652
aufzubawen, verwilliget, und sieder
Königs Ludovicj XIII. Tode geschehen.
Valenchiennes sollen die Frantzosen
belägert haben. Die Spannischen wollen
es entsetzen, weil Graf Hennin nur
mit 1000 Mann, in besatzung, liget.
hertzog Carll von Lottringhen, sol
loß kommen, wenn dadurch, der König in
Spannien, seine völgker, kan an sich ziehen.
Jn Catalonien, haben die Spannischen
das Præ.
Der Nuncius zu Madrill, helt genawe jntelli-
gentzen, doch heimlich mit dem Nuncio zu Paris.
Die Spannier, nehmen noch überall Schiffe den
Engelländern, und haben Calis Malis, undt
Gibraltar, so wol versehen, das daselbst der
Admiral Blaecke, nichts außrichten können.
Der Düc d'yorgk hat zum Könige in En-
gellandt, seinem bruder, gewoltt, ihm zu
helfen, und zu dienen, allein, der König in Frankreich
hat es ihme, nicht gestatten wollen, auß
beysorge, die andern Engelländer, so in seinen
diensten wehren, dörften auch dahin gehen.
Zu Napolj graßiret die pest dermaßen, das
zu 6[,] 7[,] 800 Menschen, in manchem Tage sterben,
undt die benachtbarten einen abscheẅ, davor haben.
Der Pabst hat der Donna Olympia befohlen,
einen kasten mit 400 mille kronen, so bey Pabsts
Innocentij X. bette gestanden, zu restituiren,
darüber Sie gar trawrig, andere aber, frölich worden.
Jn Jtalien, stärgken sich die Frantzosen, und Spannier.
Duca di Mantoua, bleibet neutral. Duca di Modena
hat einen anschlag auff Vercellj gehabt, so mißlungen.
|| [[Handschrift: 341v]]
Etlichen Officirern aber, in der Festung, welche
umb die verrähterey gewußt, wirdt mit
einem scharfen proceß, nach dem sie eingezogen
worden, gedroẅet.
Der Venezianer armada, sol wieder
vor den Dardanellj, liegen.
